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The Essence of Anthroposophy
GA 77b

26 August 1921, Dornach

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Art and Anthroposophy — The Goetheanum Impulse, tr. SOL
  1. Kunst und Anthroposophie Der Goetheanum-Impuls

4. Anthroposophie als Moralimpuls und Soziale Gestaltungskraft

4. Anthroposophy as a Moral Impulse and a Force for Social Transformation

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ein sehr ernster Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, sprach aus seiner tiefsten Erkenntnis heraus den Satz: Welche Art von Philosophie man wähle, das hängt davon ab, was man für ein Mensch ist. — Für eine Philosophie, welche sprechen will über sittliche und moralische, moral-soziale Gesichtspunkte von ihrem eigenen Felde aus, ist, wenn man genauer zusieht, ein solcher Satz geradezu vernichtend. Denn, wenn man gewissermaßen in seinen höchsten Erkenntnissen — das sollen ja die philosophischen sein — nur widerspiegelt dasjenige, was man als sittlicher und sozialer Mensch schon ist, dann kann ja Philosophie, Weltanschauung, unmöglich ihrerseits Impulse für die Sittlichkeit und das Soziale abgeben. Und derjenige, der einen solchen Satz genügend ernst zu nehmen weiß, wird gerade von ihm ausgehend sich die bedeutsame Frage stellen müssen: Wie kann Erkenntnis, wie kann ein Wissen irgendwie impulsierend wirken für das sittliche, für das soziale Leben? Denn in unserer Zeit möchte ja das wissenschaftliche Denken, das alle Lebenskräfte der Menschen durchdringt, durchaus auch für das sittliche und soziale Leben in einer gewissen Weise autoritativ wirken. Für unsere Zeit also scheint mir diese Frage eine ganz besondere Bedeutung zu haben, und für anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hat sie diese Bedeutung noch in erhöhtem Maße. Denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will eine wirkende Kraft im Leben sein. Und wie sollte sie das werden, wenn sie nicht irgendwelche Impulse finden könnte für die Sittlichkeit, für das soziale Leben, die wohl die größten Probleme unserer heutigen Gegenwart einschließen. Immer wieder und wiederum aber wird man auf die besondere Natur des heutigen Wissenschaftsgeistes gewiesen, wenn man solch eine Frage aufwirft.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! A very serious philosopher, Johann Gottlieb Fichte, spoke from the depths of his insight when he said: “The kind of philosophy one chooses depends on what kind of person one is.” — For a philosophy that seeks to address ethical, moral, and socio-moral perspectives from within its own field, such a statement is, upon closer examination, downright devastating. For if, in a sense, one’s highest insights—which are, after all, supposed to be philosophical—merely reflect what one already is as a moral and social being, then philosophy and worldview cannot, for their part, provide any impetus for morality and social life. And anyone who knows how to take such a statement seriously enough will, precisely on the basis of it, have to ask the significant question: How can insight, how can knowledge, in any way serve as an impetus for moral and social life? For in our time, scientific thinking—which permeates all the life forces of human beings—seems to want to exert a certain kind of authority over moral and social life as well. To me, therefore, this question seems to have a very special significance for our time, and for anthroposophically oriented spiritual science, it has this significance to an even greater degree. For anthroposophically oriented spiritual science aims to be an active force in life. And how could it become one if it were unable to find some kind of impetus for moral and social life—which surely encompass the greatest problems of our present age? Time and again, however, one is reminded of the particular nature of today’s scientific spirit whenever such a question is raised.

[ 2 ] Dieser Wissenschaftsgeist, er möchte ja gerade in einer Weise sich ausbilden, welche dem Fichteschen Diktum eigentlich widerspricht. Der heutige Wissenschaftsgeist, der ausgebildet hat die Denkungsweise, die Methoden, die sich insbesondere eignen für die äußere, vom Menschen unabhängige Natur, der möchte ja Ergebnisse liefern, von denen man nicht sagen kann, daß sie so seien, wie der Mensch geartet ist. Und in der Tat, es wird viel Plausibles haben, wenn heute einer sagt: Wer als Chemiker sich eine Weltanschauung bildet, wer als Physiker sich eine Weltanschauung bildet, er wird durch die Objektivität seiner Anschauung durchaus dazu gedrängt werden, etwas auszubilden, was gewissermaßen für alle Menschen gültig ist, von dem man also nicht sagen kann, es sei so, daß es in seiner Artung ähnelt dem, was der Mensch als Ganzes, wie der Mensch als Ganzes ist. Gewissermaßen unabhängig von moralischer oder sonstiger Verfassung der Seele müsse dasjenige aufblühen, was objektive Wissenschaftlichkeit ist.

[ 2 ] This scientific spirit, in fact, seeks to develop in a way that actually contradicts Fichte’s dictum. Today’s scientific spirit, which has developed a way of thinking and methods particularly suited to external nature—which is independent of human beings—seeks to deliver results that cannot be said to correspond to human nature. And indeed, it would be quite plausible today for someone to say: Anyone who forms a worldview as a chemist, or as a physicist, will be compelled by the objectivity of their perspective to develop something that is, in a sense, valid for all human beings—something of which one cannot say that it resembles, in its nature, what humanity as a whole is like. In a sense, independent of the moral or any other state of the soul, that which constitutes objective scientificity must flourish.

[ 3 ] Man kann sagen: Diese Wissenschaftlichkeit, sie ist in den letzten Jahrhunderten, namentlich in dem allerletzten Jahrhundert, zu ihren höchsten Triumphen aufgestiegen. Nicht daß man glauben wollte, daß sie schon sophisch orientierte Geisteswissenschaft hat sie diese Bedeutung noch in erhöhtem Maße. Denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will eine wirkende Kraft im Leben sein. Und wie sollte sie das werden, wenn sie nicht irgendwelche Impulse finden könnte für die Sittlichkeit, für das soziale Leben, die wohl die größten Probleme unserer heutigen Gegenwart einschließen. Immer wieder und wiederum aber wird man auf die besondere Natur des heutigen Wissenschaftsgeistes gewiesen, wenn man solch eine Frage aufwirft.

[ 3 ] One might say: This scientific approach has risen to its greatest triumphs in recent centuries, particularly in the very last century. Not that one would want to believe that even a sophistically oriented spiritual science still holds this significance to such a high degree. For anthroposophically oriented spiritual science aims to be an active force in life. And how could it become that if it could not find some impulses for morality and for social life—which surely encompass the greatest problems of our present time? Yet time and again, when such a question is raised, one is reminded of the particular nature of today’s scientific spirit.

[ 4 ] Dieser Wissenschaftsgeist, er möchte ja gerade in einer Weise sich ausbilden, welche dem Fichteschen Diktum eigentlich widerspricht. Der heutige Wissenschaftsgeist, der ausgebildet hat die Denkungsweise, die Methoden, die sich insbesondere eignen für die äußere, vom Menschen unabhängige Natur, der möchte ja Ergebnisse liefern, von denen man nicht sagen kann, daß sie so seien, wie der Mensch geartet ist. Und in der Tat, es wird viel Plausibles haben, wenn heute einer sagt: Wer als Chemiker sich eine Weltanschauung bildet, wer als Physiker sich eine Weltanschauung bildet, er wird durch die Objektivität seiner Anschauung durchaus dazu gedrängt werden, etwas auszubilden, was gewissermaßen für alle Menschen gültig ist, von dem man also nicht sagen kann, es sei so, daß es in seiner Artung ähnelt dem, was der Mensch als Ganzes, wie der Mensch als Ganzes ist. Gewissermaßen unabhängig von moralischer oder sonstiger Verfassung der Seele müsse dasjenige aufblühen, was objektive Wissenschaftlichkeit ist.

[ 4 ] This scientific spirit, in fact, seeks to develop in a way that actually contradicts Fichte’s dictum. Today’s scientific spirit, which has developed a way of thinking and methods that are particularly suited to external nature—which is independent of human beings—seeks to deliver results that cannot be said to reflect human nature. And indeed, it would be quite plausible today for someone to say: Anyone who forms a worldview as a chemist, or as a physicist, will be compelled by the objectivity of their perspective to develop something that is, in a sense, valid for all human beings—something of which one cannot say that it resembles, in its nature, what humanity as a whole is like. In a sense, independent of the moral or any other state of the soul, that which is objective scientific knowledge must flourish.

[ 5 ] Man kann sagen: Diese Wissenschaftlichkeit, sie ist in den letzten Jahrhunderten, namentlich in dem allerletzten Jahrhundert, zu ihren höchsten Triumphen aufgestiegen. Nicht daß man glauben wollte, daß sie schon sophisch orientierte Geisteswissenschaft hat sie diese Bedeutung noch in erhöhtem Maße. Denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will eine wirkende Kraft im Leben sein. Und wie sollte sie das werden, wenn sie nicht irgendwelche Impulse finden könnte für die Sittlichkeit, für das soziale Leben, die wohl die größten Probleme unserer heutigen Gegenwart einschließen. Immer wieder und wiederum aber wird man auf die besondere Natur des heutigen Wissenschaftsgeistes gewiesen, wenn man solch eine Frage aufwirft.

[ 5 ] One could say: This scientific approach has risen to its greatest triumphs in recent centuries, particularly in the very last century. Not that one would want to believe that even a sophistically oriented spiritual science still holds this significance to such a high degree. For anthroposophically oriented spiritual science aims to be an active force in life. And how could it become that if it were unable to find impulses for morality and social life—which surely encompass the greatest problems of our present age? Yet time and again, when such a question is raised, one is reminded of the particular nature of today’s scientific spirit.

[ 6 ] Dieser Wissenschaftsgeist, er möchte ja gerade in einer Weise sich ausbilden, welche dem Fichteschen Diktum eigentlich widerspricht. Der heutige Wissenschaftsgeist, der ausgebildet hat die Denkungsweise, die Methoden, die sich insbesondere eignen für die äußere, vom Menschen unabhängige Natur, der möchte ja Ergebnisse liefern, von denen man nicht sagen kann, daß sie so seien, wie der Mensch geartet ist. Und in der Tat, es wird viel Plausibles haben, wenn heute einer sagt: Wer als Chemiker sich eine Weltanschauung bildet, wer als Physiker sich eine Weltanschauung bildet, er wird durch die Objektivität seiner Anschauung durchaus dazu gedrängt werden, etwas auszubilden, was gewissermaßen für alle Menschen gültig ist, von dem man also nicht sagen kann, es sei so, daß es in seiner Artung ähnelt dem, was der Mensch als Ganzes, wie der Mensch als Ganzes ist. Gewissermaßen unabhängig von moralischer oder sonstiger Verfassung der Seele müsse dasjenige aufblühen, was objektive Wissenschaftlichkeit ist.

[ 6 ] This scientific spirit, in fact, seeks to develop in a way that actually contradicts Fichte’s dictum. Today’s scientific spirit, which has developed a way of thinking and methods particularly suited to external nature—which is independent of human beings—seeks to deliver results that cannot be said to correspond to human nature. And indeed, it would be quite plausible today for someone to say: Anyone who forms a worldview as a chemist, or as a physicist, will, by virtue of the objectivity of their perspective, be compelled to develop something that is, in a sense, valid for all human beings—something of which one cannot say that it resembles, in its nature, what humanity as a whole is. In a sense, independent of the moral or any other state of the soul, that which constitutes objective scientificity must flourish.

[ 7 ] Man kann sagen: Diese Wissenschaftlichkeit, sie ist in den letzten Jahrhunderten, namentlich in dem allerletzten Jahrhundert, zu ihren höchsten Triumphen aufgestiegen. Nicht daß man glauben wollte, daß sie schon reden diese Leute so, daß sie sagen: Mit Moralprinzipien macht man kein soziales Leben. Das galt geradezu als das hervorragendste Axiom in den sozialistisch denkenden Kreisen der neueren Zeit, daß alles Herausholen des sozialen Lebens aus moralischen oder sozial gedachten Maximen eine Illusion sei. Und es nährte sich eigentlich die soziale Gesinnung der Sozialisten von diesem Axiom. Man sagte, auf das komme es ja gar nicht an, wie irgendeine Klasse, wie irgendein einzelner Mensch denke darüber, was eigentlich sozial geschehen soll, sondern darauf komme es an, daß man sich an diejenigen Menschen wendet, in deren Egoismus, in deren ganz naturgemäßem elementaren Egoismus es liegt, die Welt so zu gestalten, wie sie eben gestaltet werden muß — und das ist die proletarische Forderung. Damit war, ich möchte sagen, gerade aus dem modernen Wissenschaftsgeiste heraus jegliches Moralprinzip, jegliche nicht auf den Egoismus gebaute soziale Anschauung ausgeschieden. Und so lange man auf dieser Seite nicht einsieht, welche Bedeutung das für den ganzen Weltengang der neuesten Zeit hat, und auf der anderen Seite nicht hinschauen will, wie unsere sozialen Nöte doch aus den Empfindungen, aus der Denkungsweise der Menschen herauskommen, so lange wird man nicht irgendwie herantreten an dasjenige, was unserer Zeit in dieser Beziehung ganz besonders not tut.

[ 7 ] One could say: This scientific approach has risen to its greatest triumphs in recent centuries, particularly in the very last century. Not that one would want to believe that these people actually speak in such a way as to say: “You cannot build social life on moral principles.” It was considered the foremost axiom in socialist circles of recent times that any attempt to derive social life from moral or socially conceived maxims was an illusion. And the socialists’ outlook was, in fact, nourished by this axiom. It was said that what really mattered was not how any particular class or any individual person thought about what should actually happen socially, but rather that one must turn to those people whose selfishness—whose entirely natural, elemental selfishness—is what shapes the world exactly as it must be shaped—and that is the proletarian demand. With that, I would say, precisely in the spirit of modern science, every moral principle and every social view not based on egoism was eliminated. And as long as, on the one hand, people fail to recognize the significance this has for the entire course of world history in recent times, and, on the other hand, refuse to see how our social hardships do, in fact, stem from people’s feelings and ways of thinking, we will not be able to address in any meaningful way what our time so desperately needs in this regard.

[ 8 ] Wissenschaftsgesinnung der neueren Zeit ist also ohnmächtig gegenüber moralischen und sozialen Impulsen, das zeigt einfach der geschichtliche Verlauf der Tatsachen. Dasjenige, was von dieser Gesinnung ausgeht, das aber fließt durch eine gewisse soziale Notwendigkeit ein in die Gemüter der breitesten Menschenklassen. Aus dieser Gesinnung heraus wird dann auch von denjenigen, die gar nichts von Wissenschaft verstehen, die gar nicht an der Wissenschaft angekommen sind, über die sozialen Dinge dieser Welt geurteilt. Was heißt das in diesem Falle? Die sozialen Dinge werden so angesehen, daß man eigentlich dabei auch, wie bei der Wissenschaftsgestaltung, ausschaltet alles dasjenige, was in gesunder Weise als eine soziale und sittliche Wertung irgendeines Faktums für die Menschheit erscheinen muß. Mit dieser Tatsache will anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ganz besonders rechnen. Sie will als Wissen, als das sie ganz im Sinne des modernen Wissenschaftsgeistes von der einen Seite auftritt, zugleich eine Macht werden, die imstande ist, in dem einzelnen menschlichen Individuum überall solche moralischen Impulse zu entfesseln, daß diese moralischen Impulse im sozial-heilsamen Sinne walten können. Dann aber muß anthroposophische Geistesrichtung dazu führen, ich möchte sagen, in die Blickrichtung der Menschen, die sie entwickeln gegenüber den Welterscheinungen, das Moralische, das Soziale so hineinzubringen, daß man es sieht.

[ 8 ] The scientific mindset of modern times is thus powerless in the face of moral and social impulses; this is simply demonstrated by the historical course of events. That which emanates from this mindset, however, flows—through a certain social necessity—into the minds of the broadest classes of people. It is from this mindset that even those who understand nothing of science—who have not even arrived at science—pass judgment on the social realities of this world. What does this mean in this case? Social realities are viewed in such a way that, just as in the shaping of science, one effectively excludes everything that must, in a healthy sense, appear as a social and moral evaluation of any fact for humanity. Anthroposophically oriented spiritual science wishes to take this fact into account in a very special way. It seeks, as a form of knowledge—which, on the one hand, appears entirely in the spirit of modern science—to become at the same time a force capable of unleashing such moral impulses within the individual human being that these moral impulses can take effect in a socially beneficial way. But then the anthroposophical spiritual orientation must lead—I would say—to incorporating the moral and the social into the perspective that people develop toward world phenomena in such a way that it becomes visible.

[ 9 ] Es ist Ihnen in dem vorhin gehaltenen Vortrage in einer humorvollen Weise dargestellt worden, wie innerhalb unseres sozial-wirtschaftlichen Lebens den Leuten alle möglichen Dinge aufgeschwatzt werden, und wie sich dann diese Leute diese aufgeschwatzten Dinge zu ihrem Hausrat dazutun. Solche Dinge müssen in ihrer Symptomatik gesehen werden, und sie werden in ihrer Symptomatik nur gesehen, wenn man von ihnen ausgehend die Verbindungslinien ziehen kann zu den großen Ereignissen des Weltengeschehens. Denn wäre das nicht, daß sich die Leute von den Hausierern diese Dinge aufschwatzen ließen, so gäbe es auch dasjenige nicht — denn die Dinge hängen im sozialen Leben zusammen —, was uns zum Schluß von der grauenhaften Militarisierung des Wirtschaftslebens erzählt worden ist.

[ 9 ] In the lecture given earlier, it was humorously illustrated to you how, within our socio-economic life, people are talked into buying all sorts of things, and how these people then add the things they’ve been talked into buying to their household goods. Such things must be viewed in terms of their symptomatology, and they are seen in this light only when, starting from them, one can draw connections to the major events of world history. For if it were not the case that people allowed peddlers to talk them into buying these things, then that which was described to us at the end—the horrific militarization of economic life—would not exist either; for these things are interconnected in social life.

[ 10 ] In der unmittelbaren Wirklichkeit dasjenige zu sehen, was wahrhaft wirkt, darauf kommt es an. Und ich möchte, gewissermaßen veranlaßt durch die vorhin gegebene humorvolle Darstellung, ein Bild vor Ihre Seele hinstellen, das mir auftrat über die Art und Weise, wie solcher Hausierhandel antisozial, ich darf es wohl sagen, antimoralisch wirkt.

[ 10 ] What matters is seeing, in immediate reality, that which truly has an effect. And I would like—prompted, so to speak, by the humorous description given earlier—to present to your mind an image that came to me regarding the way in which such peddling seems antisocial—and, I dare say, immoral.

[ 11 ] Ich war einmal auf einem Jahrmarkt, da bot ein Händler große Massen von Seifen an. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, eine wirklich zum sozialen Denken führende Anschauung, die muß anregen das menschliche Gemüt, im Leben dahin zu kommen, daß Seifen angeboten werden, mit denen man sich waschen kann. Aber das war ganz ausgeschlossen bei denjenigen Seifen, die von diesem Händler angeboten wurden. Die, die es nachher probierten, die gaben den Versuch, sich dauernd damit zu waschen, sehr bald auf. Aber der Händler hat große Geschäfte gemacht, und ich will Ihnen erzählen, wie er diese großen Geschäfte gemacht hat. Er hatte neben sich große Ballen mit solcher Seife stehen. Er stellte sich auf ein Podium; er entnahm zunächst dem ersten Bündel eine Anzahl von Seifen. Nun war er im besten Sinne, was man nennen könnte ein repräsentativer Mensch. In den wunderbarsten Redensarten stellte er die Vorzüglichkeit seiner Seife vor sein Publikum hin, und er rief durch alles das, was er da zunächst tat, die Meinung hervor, das müsse ganz besonders wertvolle Seife sein, die kann man schon gut bezahlen. Und dann verkaufte er etwa zehn Seifen Stück für Stück für einen sehr hohen Preis das einzelne Stück. Dieser Preis wurde eben von denjenigen bezahlt, die das Geld gerade in der Tasche hatten, und sie waren sehr froh, solche gute Seifen erhalten zu haben; denn sie erkannten die Güte der Seife an der Höhe des Preises. Nun standen sie da. Der Mann hatte als repräsentative Persönlichkeit dasjenige erreicht, was er erreichen wollte, und es interessierte ihn nicht weiter, diese repräsentative Persönlichkeit noch zu sein. Daher sagte er nachher: Ach, wie ich die Seifen bisher verkauft habe, das ist ja viel zu teuer! Diese Seifen sind ja nur den halben Preis wert. Ich werde sie von jetzt ab um den halben Preis verkaufen. — Und nun hatte er wiederum dasjenige Publikum zu seinen Käufern, dem er suggerieren konnte, daß er ein so guter Mann sei, daß er die Seife billiger verkaufe, als sie die ersten Käufer, die noch dabeistanden, bekommen haben. Die reklamierten nicht, sondern rissen — verzeihen Sie den harten Ausdruck — die Mäuler auf. Dann aber, als er vom ersten Bündel noch eine ziemliche Anzahl von Seifenstücken hatte, da sagte er: Aber ich bin ja ein guter Mensch, diese letzte Seife, die verkaufe ich überhaupt nicht mehr, die schmeiße ich weg. — Und da schmiß er diese ganze Seife unter das Publikum hinein und die konnten die Leute aufklauben umsonst.

[ 11 ] I was once at a fair where a merchant was selling large quantities of soap. Well, ladies and gentlemen, this is truly a perspective that leads to social awareness—it must inspire the human spirit to strive toward a life in which soap is offered that one can actually use to wash oneself. But that was completely out of the question with the bars of soap offered by this merchant. Those who tried them later very soon gave up on the idea of washing with them regularly. But the merchant did a roaring business, and I’ll tell you how he managed to do it. He had large bales of such soap standing next to him. He stood on a platform; first, he took a number of bars of soap from the first bundle. Now he was, in the best sense of the word, what one might call a presentable man. Using the most wonderful turns of phrase, he presented the excellence of his soap to his audience, and through everything he did at the outset, he created the impression that this must be particularly valuable soap—the kind worth paying a good price for. And then he sold about ten bars of soap, one by one, at a very high price per bar. This price was paid by those who happened to have the money in their pockets at that moment, and they were very happy to have obtained such good soap; for they recognized the quality of the soap by the high price. Now they stood there. As a figure of authority, the man had achieved what he set out to do, and he was no longer interested in continuing to be that figure of authority. So afterward he said: “Oh, the way I’ve been selling these bars of soap so far—that’s far too expensive! These bars of soap are really only worth half the price.” From now on, I’ll sell them for half the price.” — And now he once again had as his customers the very audience he could convince that he was such a good man that he was selling the soap cheaper than the first buyers—who were still standing there—had paid. They didn’t complain, but—forgive the harsh expression—they were left speechless. But then, when he still had quite a few bars of soap left from the first bundle, he said: “But I’m a good person, after all; I’m not going to sell this last bar of soap at all—I’m going to throw it away.” — And so he threw the whole bar of soap into the crowd, and the people were able to pick it up for free.

[ 12 ] Ich erzähle Ihnen diese Tatsache nicht bloß deshalb, weil sie an sich grotesk ist, sondern weil ich dabei noch etwas anderes höchst Interessantes erfahren habe. Das alles war geschehen und der Verkäufer ging an sein zweites Bündel, und er machte es jetzt wieder geradeso, und zwar in allen drei Etappen, und er kriegte wiederum seine Seifenstücke in allen drei Etappen herrlich los!

[ 12 ] I’m not telling you this simply because it’s grotesque in itself, but because I discovered something else highly interesting in the process. All of this had happened, and the salesman moved on to his second bundle, and he did it exactly the same way again—in all three stages—and once again he managed to get his bars of soap out perfectly in all three stages!

[ 13 ] Mir erscheint so etwas außerordentlich symptomatisch, meine sehr verehrten Anwesenden, denn wenn ich mir die großen Geschäfte ansehe, die in der Welt gemacht werden, und wenn ich mir anschaue das Publikum, das konsumierende, wie es sich dazu verhält, dann sehe ich eigentlich alle drei Stadien fortwährend da, und man kann an der Wahrnehmung dieser drei Stadien sehen, wie innerlich unmöglich unsere volkswirtschaftliche Struktur eigentlich ist. Aber eben gerade unter dem modernen Wissenschaftsgeist ist dieses wirklich gesunde, wirklich praktische Denken verloren gegangen. Denn das praktische Denken, das nicht innerhalb der Routine stehen bleibt, sondern zu einem wahren Lebensinhalte wird, das muß vor allen Dingen in den Dingen die Wirklichkeit sehen, das sehen, was darinnen liegt, nicht dasjenige, was sich nur äußerlich vor den Augen vollzieht, und in dem man die Menschen mit allen möglichen Suggestionen betören kann.

[ 13 ] This strikes me as extremely symptomatic, ladies and gentlemen, because when I look at the major business transactions taking place in the world, and when I observe the consuming public and how it behaves in this context, I actually see all three stages constantly at play, and by observing these three stages, one can see just how inherently untenable our economic structure actually is. But it is precisely under the influence of the modern scientific spirit that this truly healthy, truly practical way of thinking has been lost. For practical thinking—which does not remain confined to routine but becomes a true purpose in life—must above all see reality in things, see what lies within them, not merely what unfolds outwardly before the eyes, and in which people can be beguiled with all manner of suggestions.

[ 14 ] Man wirft sehr häufig anthroposophischer Geisteswissenschaft in verleumderischer Weise vor, daß sie irgendwelche Suggestivgewalt ausüben wolle. In dem Beispiel, das ich Ihnen erzählt habe, das ganz gewiß nicht von einem Anthroposophen ausgegangen ist, da lag sehr viel einer heute sehr gebräuchlichen Suggestivgewalt, einer Suggestivgewalt, die ihr Publikum sehr genau kennt.

[ 14 ] Anthroposophical spiritual science is very often slanderously accused of seeking to exert some kind of suggestive power. In the example I told you about—which certainly did not originate with an anthroposophist—there was a great deal of the kind of suggestive power that is very common today, a suggestive power that knows its audience very well.

[ 15 ] Dem gegenüber will anthroposophische Geisteswissenschaft etwas stellen, was durch seine innere Lebendigkeit befähigt ist, auch die sozialen, auch die sittlichen Zusammenhänge wirksam zu durchschauen, gewissermaßen aus dem Menschen heraus etwas zu finden, was so sein darf, wie der Fichtesche Satz es ausspricht: daß es so geartet ist, wie der Mensch selber geartet ist, aber doch zu gleicher Zeit wirksam sein kann innerhalb der sittlichen und der sozialen Welt. Aber will man dasjenige, was da in der Geisteswissenschaft lebt, wirklich durchschauen, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, muß man sich schon etwas Mühe geben, und daher gestatten Sie mir, daß ich, nur um meinen heutigen Gedankengang zu illustrieren, auf etwas eingehe, was in ganz objektiver Weise ohne irgendwelche Rücksicht auf die Persönlichkeiten, diesen Gedankengang etwas illustrieren kann aus einer gewissen Ecke heraus.

[ 15 ] In contrast, anthroposophical spiritual science seeks to offer something that, through its inner vitality, is capable of effectively penetrating social and ethical contexts—in a sense, to find within the human being something that may be as expressed in Fichte’s statement: that it is of the same nature as the human being itself, yet at the same time can be effective within the moral and social world. But if one truly wishes to grasp what lives within spiritual science, then, my esteemed audience, one must make some effort; and therefore, allow me—merely to illustrate my train of thought today—to address something that, in a completely objective manner and without any regard for individual personalities, can shed some light on this train of thought from a certain perspective.

[ 16 ] Sehen Sie, man hat von den verschiedensten Seiten her geglaubt, als ich in Stuttgart davon gesprochen habe, daß ich die Auslassungen des Grafen Hermann Keyserling über mich für eine Lüge halte, man hat von verschiedenen Seiten geglaubt, ich wäre persönlich geärgert, ich rede von einer solchen Sache aus irgendwelchen persönlichen Untergründen heraus. Das war aber gar nicht der Fall, denn ich kann Ihnen die allerehrlichste Versicherung geben: Was der Graf Hermann Keyserling über mich denkt, ist mir ganz einerlei, darauf kommt es mir gar nicht an; auf eine persönliche Attacke kommt es mir dabei nicht an. Aber es kommt mir auf etwas anderes an: es kommt mir darauf an, anzuschauen die Erscheinungen, die da auftreten in unserem Leben mit Bezug auf ihren sittlichen und mit Bezug auf ihren moralischen Wert. Und da muß ich folgendes sagen: Für eine der größten Errungenschaften moderner Wissenschaftlichkeit halte ich es, daß — wenn auch nicht immer in der Praxis, so doch wenigstens in den ausgesprochenen Theorien — diese moderne Wissenschaftlichkeit zu dem Satze neigt, man dürfe nicht einfach dasjenige aussprechen, was man subjektiv für wahr hält, sondern man müsse durchaus die Verpflichtung anerkennen, die Wahrheit desjenigen, was man ausspricht, erst wirklich zu ergründen.

[ 16 ] You see, when I spoke about this in Stuttgart—namely, that I consider Count Hermann Keyserling’s remarks about me to be a lie—people from various quarters believed that I was personally offended, that I was speaking about such a matter for some personal reason. But that was not the case at all, for I can give you my most sincere assurance: I couldn’t care less what Count Hermann Keyserling thinks of me; that is of no consequence to me; a personal attack is not what matters to me here. But what matters to me is something else: what matters to me is to examine the phenomena that arise in our lives in terms of their ethical and moral value. And in that regard, I must say the following: I consider it one of the greatest achievements of modern scholarship that—if not always in practice, then at least in the theories as articulated—this modern scholarship tends toward the principle that one should not simply state what one subjectively holds to be true, but must absolutely acknowledge the obligation to first truly ascertain the truth of what one states.

[ 17 ] Man sieht gewöhnlich nicht, daß in der Geltendmachung dieses Satzes doch etwas von außerordentlich fortschrittlichem Geiste liegt, denn wer Historiker ist, wer Naturwissenschafter ist, der kann und darf sich nicht mit der Ausrede begnügen, er habe dies oder jenes da oder dort gehört, sondern er ist verpflichtet, für dasjenige, was er sagt, die Wahrheitsbegründung anzuerkennen. Und dieser Grundsatz, er muß in unser sittliches Leben einziehen, denn wenn das sittliche Leben die Grundlage sein soll des Sozialen, dann muß die Sittlichkeit durchdringen die objektive und nicht bloß die subjektiv geglaubte Wahrheit, denn diese subjektiv geglaubte Wahrheit ist es nicht, die hinaus in das soziale Leben wirkt, sondern allein die objektiv erlebte Wahrheit. Da muß man schon sagen: Wir leben heute in dem Zeitalter, in dem die Spaltung zwischen Wissen und Glauben dazu geführt hat, daß man überall da, wo irgend jemand etwas behauptet, das er geglaubt hat und das sich nachher als objektive Unwahrheit herausstellt, sich damit entschuldigt, daß man sagt, der Mensch dürfe doch dasjenige behaupten, was er nach seinem besten Wissen und Gewissen für Wahrheit hält. — Meine sehr verehrten Anwesenden, mit diesem Grundsatz ist die Möglichkeit des Einzuges jeder möglichen objektiven Unwahrheit in das öffentliche Leben gegeben, und nur mit der Bekämpfung dieses Grundsatzes ist Moral in unser soziales Leben hineinzubringen, Moral hineinzubringen auch in unser geschäftliches, in unser ganzes wirtschaftliches Leben. Daher mußte ich — weil ich immer in Anspruch nehmen will denjenigen Wahrheitsgeist, der notwendig ist für die Anthroposophie auf der einen Seite, für das ganze moderne Leben auf der anderen Seite —, ich mußte diesen Wahrheitsgeist geltend machen gegenüber dem, was auf der charakterisierten Seite aufgetreten ist. Als Kulturerscheinung interessierte mich das, nicht als eine persönliche Sache, und als Kulturerscheinung führt das eigentlich erst zu jenem tieferen Wahrheitsbegriff, den wir heute so sehr nötig haben.

[ 17 ] People usually fail to see that there is, in fact, something extraordinarily progressive about this statement; for anyone who is a historian or a natural scientist cannot and must not be content with the excuse that they heard this or that here or there, but is obligated to acknowledge the basis of truth for what they say. And this principle must find its way into our moral life, for if moral life is to be the foundation of social life, then morality must permeate objective truth—and not merely subjectively believed truth—because it is not this subjectively believed truth that has an effect on social life, but only truth experienced objectively. One must say: We live today in an age in which the division between knowledge and belief has led to a situation where, whenever anyone asserts something they believed to be true—which later turns out to be an objective falsehood—they excuse themselves by saying that a person is entitled to assert what they hold to be true to the best of their knowledge and conscience. — Ladies and gentlemen, this principle opens the door for every conceivable objective untruth to enter public life, and only by combating this principle can morality be brought into our social life—and into our business life and our entire economic life as well. Therefore—because I always wish to uphold that spirit of truth which is necessary for anthroposophy on the one hand, and for modern life as a whole on the other—I had to assert this spirit of truth in the face of what has arisen on the side I have described. I was interested in this as a cultural phenomenon, not as a personal matter, and as a cultural phenomenon, it actually leads to that deeper concept of truth that we so desperately need today.

[ 18 ] Sehen Sie, es ist leicht zu sagen, der Graf Hermann Keyserling sei ja gar kein Gegner der Anthroposophie. Der Graf Hermann Keyserling hat mir das selber beweisen wollen einmal, daß er kein Gegner der Anthroposophie sei, und deshalb schrieb er mir vor längerer Zeit einen langen Brief. Aber dieser lange Brief war in einer Handschrift geschrieben, die ich nicht lesen konnte; die Zeilen, die quer gingen, waren immer durchkreuzt von anderen, die Buchstaben höchst schlampig und nachlässig, und ich konnte wirklich mit dem Lesen dieses Briefes nicht zu Ende kommen. Derjenige, der nicht nach willkürlichen Prinzipien, sondern der nach innerlich wesentlichen Symptomen die Welt und die Menschen beurteilen kann, der konnte sich sagen — diese Schrift ist natürlich nicht die Begründung, die ich für die zu Grunde liegenden Fakten geben will, aber sie ist ein Symptom —: diese Schrift, und die Art, einen solchen Brief zustande zu bringen, gibt nicht die menschliche Grundlage ab für dasjenige, was von gewissen Seiten dem Grafen Hermann Keyserling zugeschrieben wird. Und wenn man dann an seine Werke herangeht, dann findet man etwas, dann findet man dasjenige, was ich jetzt für mich als meine Überzeugung ausspreche: Wenn der Graf Hermann Keyserling sagen würde, er sei ein ganz abgefeimter Gegner und Feind der Anthroposophie, meine sehr verehrten Anwesenden, ich würde ihm das glauben und ich würde das ganz gerechtfertigt finden, denn derjenige, der die Bücher des Grafen Keyserling schreibt, kann kein Anhänger und kann kein objektiver Beurteiler der Anthroposophie sein. Wenn er aber doch sagt, er sei kein Gegner, so sagt er eben eine objektive Unwahrheit. Wenn der Graf Hermann Keyserling sagt, er sei kein Gegner der Anthroposophie, so ist das für mich viel mehr für seine Unwahrhaftigkeit ausschlaggebend, als wenn er ehrlich sagen würde, er müsse ein Gegner sein. Denn daß es Gegner geben muß, das sehe ich ein; daß es aber Leute gibt, zahlreiche Leute, die heute sogar Mode werden, welche als äußere Wahrheit einfach das Gegenteil von dem sagen, was nun ihre innere Wahrheit ist, das widerstrebt dem Prinzip der Anthroposophie, daß überall auf die innere und nicht auf die äußere Wahrheit, die dann keine Wahrheit, sondern nur eine Scheinwahrheit ist, gesehen wird.

[ 18 ] You see, it is easy to say that Count Hermann Keyserling is not at all an opponent of anthroposophy. Count Hermann Keyserling once wanted to prove to me himself that he was not an opponent of anthroposophy, and so he wrote me a long letter some time ago. But this long letter was written in a handwriting I could not read; the lines that ran across were constantly crossed out by others, the letters were extremely sloppy and careless, and I really could not bring myself to finish reading this letter. Anyone who can judge the world and human beings not according to arbitrary principles but according to inner, essential symptoms could say to themselves—this handwriting is, of course, not the justification I wish to offer for the underlying facts, but it is a symptom—: this handwriting, and the manner in which such a letter was produced, does not provide the human foundation for what certain quarters attribute to Count Hermann Keyserling. And when one then approaches his works, one finds something—one finds precisely what I now express as my own conviction: If Count Hermann Keyserling were to say that he is a thoroughly cunning opponent and enemy of anthroposophy, ladies and gentlemen, I would believe him, and I would find that entirely justified; for the person who writes Count Keyserling’s books cannot be a follower of anthroposophy, nor can he be an objective judge of it. But if he does say that he is not an opponent, then he is simply stating an objective untruth. When Count Hermann Keyserling says he is not an opponent of anthroposophy, that is far more indicative of his insincerity to me than if he were to honestly say that he must be an opponent. For I recognize that there must be opponents; but the fact that there are people—numerous people, who are even becoming fashionable today—who, as an outward truth, simply state the opposite of what is now their inner truth, runs counter to the principle of anthroposophy, which holds that one must look everywhere to the inner truth and not to the outward truth, which is then no truth at all, but only an apparent truth.

[ 19 ] Ich wollte dies hervorheben, meine sehr verehrten Anwesenden, aus dem Grunde, damit man nicht immer dasjenige, was der innerste Impuls anthroposophischer Gesinnung ist, verkenne, und damit man wisse, diese anthroposophische Gesinnung rührt an den Nerv der gegenwärtigen Welt, und sie macht den Anspruch, nicht nur dasjenige, was schon gesagt worden ist, in demselben Sinne zu sagen, sondern es in einer von dem Geiste der Zeit geforderten Weise zu sagen; der verlangt aber, daß wir sogar über Lüge und Wahrheit neu denken lernen.

[ 19 ] I wanted to emphasize this, my esteemed audience, so that people do not continually misunderstand the innermost impulse of the anthroposophical outlook, and so that they may know that this anthroposophical outlook strikes a chord with the present-day world, and it claims not merely to repeat what has already been said in the same sense, but to say it in a way demanded by the spirit of the times; and this spirit demands that we even learn to think anew about lies and truth.

[ 20 ] Das aber ist dasjenige, was uns einzig und allein leiten kann, wenn wir an ein so wichtiges Problem herantreten, wie die Anthroposophie als moralische und soziale Gestaltungskraft es ist. Denn da müssen wir schon hinschauen auf die Tatsache, daß die Anthroposophie nicht nur diese moderne Wissenschaftsgesinnung, diesen modernen Wissenschaftsgeist zu dem ihrigen macht, sondern daß sie dasjenige, was als Keim schon in dieser modernen Wissenschaft liegt, auch ausbildet, diesen Keim immer mehr und mehr entwickelt, während dieser Keim eben von dieser modernen Wissenschaft nicht zur Ausbildung gebracht wird. Daher ist Anthroposophie, meine sehr verehrten Anwesenden, in ihrem Anfange ganz so wie die moderne Wissenschaft, aber indem sie gerade innerlich das Wesen dieser modernen Wissenschaft ergreift, führt sie in ihrem weiteren Verlaufe dahin, wo zu verstehen sind nun nicht mehr nur die Tatsachen der äußeren Natur, sondern wo zu verstehen sind auch die Tatsachen des inneren Menschenlebens, zum Beispiel die Instinkte oder der Wille.

[ 20 ] But this is the one and only thing that can guide us when we approach such an important issue as anthroposophy as a moral and social force for transformation. For here we must take into account the fact that anthroposophy not only embraces this modern scientific attitude, this modern scientific spirit, as its own, but also nurtures what already lies as a seed within modern science, developing this seed more and more, whereas modern science itself fails to bring this seed to full development. Therefore, my esteemed audience, anthroposophy is, in its beginnings, quite like modern science; but precisely because it grasps the inner essence of this modern science, it leads, in its further development, to a point where it is no longer merely the facts of external nature that are to be understood, but also the facts of inner human life—for example, the instincts or the will.

[ 21 ] Und nicht anders werden wir auf der einen Seite zum Erfassen des wahren Kernes der Anthroposophie kommen, auf der anderen Seite zur Erkenntnis der moralischen und der sozialen Impulse der Anthroposophie, als wenn wir einsehen, wie der [Wissenschafts-]Geist, der sonst nur die äußeren Naturtatsachen ergreift, sich nun umgestaltend, sich metamorphosierend hinein erstrekken kann [in das], was der Mensch zum Beispiel in seinen Instinkten, in seinen Willensimpulsen ist; denn das hängt zusammen mit dem eigentlichen Charakter unserer gegenwärtigen Zeitepoche, die etwa im 15. Jahrhundert begonnen hat, und in der wir heute noch immer drinnen stehen. Im 15. Jahrhundert wurden die ersten Keime des modernen Wissenschaftsgeistes gelegt, und dieser moderne Wissenschaftsgeist, er mußte sich — ich kann das jetzt nicht weiter ausführen, an anderen Orten habe ich es vielfach ausgeführt —, dieser moderne Wissenschaftsgeist, er mußte sich zunächst einseitig ausbilden. Er mußte die innere Seelenverfassung so ausbilden, daß sie geeignet ist, den Zusammenhang der äußeren Naturerscheinungen gesetzmäßig zu verfolgen. Damit diese einseitige Kraft des menschlichen Seelenlebens bei aller ihrer Einseitigkeit sich kraftvoll ausbilden konnte, mußten eine Weile zurückbleiben die anderen Kräfte des menschlichen Lebens und der menschlichen Organisation.

[ 21 ] And there is no other way for us to grasp, on the one hand, the true essence of anthroposophy and, on the other hand, to recognize the moral and social impulses of anthroposophy, than by realizing how the [scientific] spirit—which otherwise grasps only the external facts of nature—can now, through a process of transformation and metamorphosis, extend itself into what the human being is, for example, in his instincts and in his impulses of will; for this is connected with the very character of our present epoch, which began around the 15th century and in which we still find ourselves today. In the 15th century, the first seeds of the modern scientific spirit were sown, and this modern scientific spirit—I cannot elaborate further on this now, though I have done so extensively elsewhere—had to develop in a one-sided manner at first. It had to shape the inner constitution of the soul in such a way that it would be suited to tracing the connections between external natural phenomena in accordance with laws. In order for this one-sided force of human soul life—despite all its one-sidedness—to develop powerfully, the other forces of human life and human organization had to be set aside for a time.

[ 22 ] Einseitig hat sich zunächst ausgebildet dasjenige, was den Menschen dahin gelenkt hat, an die Stelle eines alten instinktiven Seelenlebens ein bewußtes Seelenleben treten zu lassen. Man mag noch so viel deklamieren darüber, daß der Mensch dadurch seine Naivität verloren habe, daß die Bewußtheit anstelle des alten Instinktiven getreten ist. Ein solches Deklamieren hat keinen anderen Wert, als wenn man sich darüber beklagt, daß man früher 20 Jahre alt war und so und so ausgesehen hat, und jetzt älter ist. Diese Dinge lassen sich nicht bekritteln, sondern müssen einfach in ihrer Notwendigkeit erkannt werden. Die Menschheit mußte vom 15. Jahrhundert ab in die Bewußtheit übertreten, und sie tat das zunächst auf dem Gebiete des Vorstellungslebens. Aber auch dieses Vorstellungsleben war früher in das instinktiv-getragene Leben hineinversetzt. Wer wirklich kennt das Gesamte des Zivilisations- und Kulturlebens, das dem 15. Jahrhundert vorangegangen ist, einschließlich des griechischen, der weiß, wie die sämtlichen Kräfte der Menschenseele dazumal aus dem Instinktiven heraus wirkten, wie auch dasjenige, was man wissenschaftlich nannte, im Verhältnis zu heute in einer gewissen Beziehung viel mehr aus dem Instinktiven, aus der instinktgetragenen menschlichen Seelenverfassung heraus wirkte. Und in dieser instinktgetragenen menschlichen Seelenverfassung, in der eine über den Menschen hinausgehende Weltennotwendigkeit wirkte, hat sich bis zum 15. Jahrhundert annähernd, indem die Menschen gewirkt haben im sozialen Leben, immer eine Art von Dreigliederung dieses sozialen Lebens ergeben. Die Instinkte haben, ich möchte sagen mit naturhafter Sicherheit — wenn ich mich dieses nicht ganz ordentlichen Ausdrucks bedienen darf — gewirkt. Die Menschen haben aus den Instinkten heraus sich dem sozialen Organismus eingefügt, und durch dasjenige, was sie getan haben dabei, was sie bewirkt haben — sei es in diesen oder jenen Lebensstellungen, die selber dadurch entstanden sind, daß die Menschen aus den Instinkten heraus gewirkt haben —, ist eine gewisse Gliederung des sozialen Organismus nach der geistigen Sphäre hin, nach der rechtlichstaatlichen Seite und nach der wirtschaftlichen Seite entstanden.

[ 22 ] Initially, what developed in a one-sided way was the force that led human beings to replace an old, instinctive inner life with a conscious one. People may rant and rave as much as they like about how human beings have lost their naivety as a result, or how consciousness has taken the place of the old instinctive nature. Such ranting has no more value than complaining that one used to be 20 years old and looked a certain way, and is now older. These things cannot be criticized; they must simply be recognized as necessary. From the fifteenth century onward, humanity had to transition into consciousness, and it did so initially in the realm of the imaginative life. But even this imaginative life was formerly embedded within the instinct-driven life. Anyone who truly understands the entirety of civilizational and cultural life that preceded the fifteenth century—including Greek civilization—knows how all the forces of the human soul at that time operated out of the instinctive realm, and how even what was called “science” in a certain sense, operated much more out of the instinctive, out of the instinct-driven constitution of the human soul, compared to today. And within this instinct-driven constitution of the human soul—in which a cosmic necessity transcending the individual was at work—a kind of threefold structure of social life had, to a large extent, emerged by the 15th century as people acted within social life. The instincts have, I would say, with a natural certainty—if I may use this somewhat imprecise expression—been at work. People have integrated themselves into the social organism out of their instincts, and through what they did in the process, what they brought about—whether in this or that social position, which arose precisely because people acted out of their instincts—a certain structuring of the social organism emerged, directed toward the spiritual sphere, the legal-state sphere, and the economic sphere.

[ 23 ] Diese Dreigliederung, von der heute aus der Bewußtheit heraus gesprochen werden muß, sie war — wenn das auch heute manchen Leuten, die eben die Dreigliederung gar nicht durchschauen, nicht anschaulich wird —, sie war im Grunde genommen vorhanden, und der Mensch des instinktiven Zeitalters empfing, indem er sich hineingestellt fühlte in das soziale Leben, dasjenige, was er brauchte zur Befriedigung seiner Vorstellungs-, [seiner seelischen] und seiner Willensbedürfnisse, das empfing er aus einem geistigen Gliede des sozialen Organismus, aus einem staatlich-rechtlichen und aus einem wirtschaftlichen. Sie waren in Wirklichkeit in einem Verhältnisse, wie es eben die damalige Menschheit aus ihren Instinkten heraus verstand und wie es sie ihren Veranlagungen nach befriedigen konnte. Es ist natürlich heute mit dieser alten Gliederung nichts mehr anzufangen.

[ 23 ] This threefold division, which today must be spoken of consciously, was—even if this is not immediately apparent to some people today who simply do not grasp the threefold division— it was, in essence, present; and the human being of the instinctive age, by feeling himself placed within social life, received what he needed to satisfy his needs of imagination, [his spiritual needs], and his needs of the will—he received this from a spiritual element of the social organism, from a political-legal element, and from an economic element. In reality, they existed in a relationship that humanity at that time understood based on its instincts and that could satisfy it in accordance with its predispositions. Of course, this old structure is of no use to us today.

[ 24 ] Nun aber kam die neuere Zeit. Es kam die Zeit, in der die Menschen einseitig das Vorstellungsleben ausbildeten. Es kam die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts, das 16., 17. Jahrhundert, zum Teil auch noch das 18. Jahrhundert. Unter dem ins Bewußtsein übergegangenen Vorstellungsleben glimmte noch fort dasjenige, was als Erbschaft von den alten Instinkten übrig geblieben war. Und ich möchte sagen, ein Instinktartiges wirkte im Sittlichen, im Sozialen herauf noch, während der Mensch über diese Welt hinwegzog und anschaute dasjenige, was nun schon aus seinem vollbewußten Vorstellungsleben herauskam. Aber seither, seit dem 18, Jahrhundert sind diese Instinkte vollständig verglommen, und dasjenige, was geblieben ist, sind nur die abstrakten Traditionen. Wir leben ja heute nicht mit einer elementar erzeugten Sittlichkeit und Gerechtigkeit der sozialen Welt, wir leben, weil die Instinkte nicht mehr tätig sind, die früher soziale Ordnungen aufgerichtet haben, wir leben auf diesem Gebiete eigentlich in Traditionen. Und so sehr die Marxisten auch glauben, sie lebten in den Marxismen — sie leben in urältesten Traditionen, was man schon daraus sehen kann, daß sie immer die Bedingungen des sozialen Lebens herauserklären wollen aus der Urgeschichte der wilden und barbarischen Völker.

[ 24 ] But then came the modern era. It was a time when people developed their imaginative life in a one-sided way. This was the first half of the 15th century, the 16th and 17th centuries, and to some extent even the 18th century. Beneath the life of the imagination that had entered into consciousness, what remained as a legacy of the ancient instincts still smoldered on. And I would say that something instinctive was still at work in the moral and social spheres, even as human beings moved through this world and observed what was now emerging from their fully conscious life of the imagination. But since then, since the 18th century, these instincts have completely faded away, and all that remains are abstract traditions. After all, we do not live today with a morality and justice in the social world that arise from elemental forces; because the instincts that once established social orders are no longer active, we actually live in this realm through traditions. And no matter how much Marxists may believe they live according to Marxism—they actually live within the most ancient traditions, as can already be seen from the fact that they always seek to explain the conditions of social life by referring to the prehistory of savage and barbaric peoples.

[ 25 ] Das ist dasjenige, was sich heraufentwickelt hat bis in unsere neueste Zeit. Das, meine sehr verehrten Anwesenden, hat aber auch dahin geführt, daß der Mensch jetzt nur mit seinem Vorstellungsvermögen, das einseitig entwickelt ist, an das soziale, an das sittliche Leben herantreten will, und daß aus der alten Tradition heraus daneben sittliche Einrichtungen, soziale Einrichtungen entstanden, für die nur noch Traditionen da sind, mit denen das Menschenleben in seiner Wirklichkeit gar nicht mehr zusammenhängt. Und während der Instinkt, die instinktgetragene Seelenverfassung aus einer Weltnotwendigkeit heraus das Geistige neben das Rechtliche, neben das Ökonomische hingestellt hat, fehlt jetzt dem noch nicht voll ausgebildeten Vorstellungsleben, dem einseitig entwickelten Vorstellungsleben die Möglichkeit, diese Gliederung des sozialen Organismus zu durchschauen. Chaotisch mischt sich durcheinander dasjenige, was der Mensch denken kann und dasjenige, was er an Traditionen hat. Er hat nicht den Impetus, die richtige Charakteristik zu sehen des geistigen, des rechtlich-staatlichen, des ökonomischen Lebens, und er hat sie in der neuesten Zeit in allen staatlischen Gebieten in ein Chaos durcheinandergemischt.

[ 25 ] This is what has developed up to the present day. This, my esteemed audience, has also led to the situation where people now seek to approach social and moral life solely through their imagination—which has been developed one-sidedly—and where, alongside this, moral and social institutions have arisen out of old tradition, for which only traditions remain, with which human life in its reality is no longer connected at all. And while instinct—the instinct-driven state of the soul—has, out of a world necessity, placed the spiritual alongside the legal and the economic, the still-underdeveloped life of the imagination—the one-sidedly developed life of the imagination—now lacks the ability to grasp this structure of the social organism. What a person can think and what traditions they have are chaotically jumbled together. They lack the impetus to discern the proper characteristics of spiritual, legal-political, and economic life, and in recent times they have mixed them all together into a chaotic jumble in every sphere of the state.

[ 26 ] Dieses Chaos, das ist die neueste Phase der Entwickelung des sozialen Organismus. Der Mensch, der in die soziale Ordnung hineingestellt ist, will aus seiner Menschennatur heraus von dem Geistesleben empfangen, was dieses nur in seiner Freiheit ihm geben kann; er will vom rechtlich-staatlichen Leben empfangen, was dieses ihm nur geben kann, wenn alle mündig gewordenen Menschen mitsprechen können, und vom wirtschaftlichen Leben, was dieses nur geben kann, wenn es aus Sach- und Fachkenntnis heraus in Assoziationen gebildet ist. Alles, was der Mensch seiner Wesenheit gemäß nur aus einem richtig gegliederten sozialen Organismus empfangen kann, das soll er heute empfangen aus einem Chaos, aus einer chaotischen Gestaltung dieses sozialen Organismus.

[ 26 ] This chaos is the latest phase in the development of the social organism. The individual, placed within the social order, seeks—by virtue of his human nature—to receive from spiritual life what it can give him only in its freedom; he wishes to receive from political and legal life what it can give him only when all people who have attained maturity have a say, and from economic life what it can give him only when it is organized into associations based on practical and technical knowledge. Everything that a human being, in accordance with his nature, can receive only from a properly structured social organism, he is expected to receive today from chaos, from a chaotic configuration of this social organism.

[ 27 ] Das aber, meine sehr verehrten Anwesenden, das gibt den tiefsten Grund ab für die Krisis, in der wir heute drinnenstehen; denn alles dasjenige, was Sie schildern können auf dem Gebiete des Schulwesens, auf dem Gebiete des freien Geisteslebens, soweit es sich noch in seiner Freiheit erhalten hat, alles dasjenige, was Sie schildern können auf dem Gebiete des Geschäftslebens, der anderen Wirtschaftszweige, all das sind Spezialkrisen gegenüber der großen Krise, [die darin besteht,] daß der Mensch heute, ohne daß die breite Masse es eigentlich weiß, hineingestellt ist in ein soziales Chaos, das seine innerste Wesenheit eigentlich ablehnt. Und dieses Ablehnen, das äußert sich in den revolutionären, sozialrevolutionär wirkenden Kräften der Gegenwart. Und so lange man nicht einsehen wird, daß in dieser neuzeitlichen Ohnmacht des Menschen, die Gliederung des sozialen Organismus zu durchschauen, die Grundlage für unsere gegenwärtige Weltenkrisis liegt, wird man auch kein Verständnis haben können für die bessernden Kräfte dieser Weltenkrisis gegenüber.

[ 27 ] But that, my esteemed audience, is the deepest root cause of the crisis we find ourselves in today; for everything you can describe in the realm of the school system, in the realm of free intellectual life—insofar as it has still retained its freedom— everything you can describe in the realm of business life and other sectors of the economy—all of these are specific crises in comparison to the great crisis, [which consists in] the fact that human beings today, without the masses actually realizing it, are caught up in a social chaos that fundamentally rejects their innermost essence. And this rejection manifests itself in the revolutionary, socially revolutionary forces of the present. And as long as people fail to recognize that the basis for our current global crisis lies in this modern-day inability of human beings to comprehend the structure of the social organism, they will also be unable to understand the forces within this global crisis that are working toward improvement.

[ 28 ] Innerhalb der Dreigliederung des sozialen Organismus ist aber ein Gebiet, das in anderer Weise wirkt als die anderen: das ist das Wirtschaftsgebiet. Das Wirtschaftsleben, das Waren erzeugt nach den menschlichen Bedürfnissen, das unterliegt einer gewissen Notwendigkeit. Diese Bedürfnisse entstehen. Dieses Wirtschaftsleben, es gibt sich noch immer im Grunde genommen seine sozialen Impulse so, wie es sie sich ehemals gegeben hat nach alten Traditionen. Darauf muß der Mensch sehen. Da hat er keine Freiheit, da hat er keine Willkür. Mit Bezug auf das rechtlich-staatliche Leben, und insbesondere mit Bezug auf das Geistesleben kann er die Aufmerksamkeit aber ablenken von demjenigen, was wirklich seinem Wesen gemäß ist, und durch die Gründe, die ich angegeben habe, hat die neuere Menschheit ihre Aufmerksamkeit abgewendet von der Gliederung des sozialen Organismus. So ist das zutage getreten, daß dieses Abwenden zunächst nur bewirkt hat die Vernachlässigung des Fortschrittes im Geistes- und Rechtsleben, daß aber das Wirtschaftsleben eben, wie es bei dieser Vernachlässigung nicht anders sein konnte, so fortgehen mußte, wie es eben in einseitiger Weise fortgehen konnte. Und so haben wir heute ein öffentliches Denken, das im Grunde genommen keine Aufmerksamkeit hinwendet auf das geistige und auf das rechtlichstaatliche Leben, sondern das in alten Formen, in alten Traditionen weiterarbeitet, und das sich zwingen läßt durch die naturhaft-wirtschaftlichen Notwendigkeiten, alles, was es denkt, auf Kongressen, auf sonstigen Zusammenkünften, was es denkt bei Kriegs- und Friedensentschließungen, einzig und allein im Lichte dieses Wirtschaftslebens zu sehen.

[ 28 ] Within the threefold social order, however, there is one sphere that functions differently from the others: the economic sphere. Economic life, which produces goods according to human needs, is subject to a certain necessity. These needs arise. This economic life still essentially derives its social impulses in the same way it once did, according to old traditions. People must be mindful of this. There, they have no freedom; there, they have no room for arbitrariness. With regard to legal and political life, and especially with regard to spiritual life, however, people can divert their attention from what is truly in accordance with their nature; and for the reasons I have stated, modern humanity has turned its attention away from the organization of the social organism. Thus it has become apparent that this turning away initially led only to the neglect of progress in spiritual and legal life; but that economic life, as was inevitable given this neglect, had to proceed in the one-sided manner in which it could. And so today we have a public mindset that, fundamentally speaking, pays no attention to spiritual life or the life of the constitutional state, but continues to operate within old forms and traditions, and allows itself to be compelled by natural economic necessities to view everything it contemplates—whether at conferences, other gatherings, or in decisions regarding war and peace—solely in the light of this economic life.

[ 29 ] Und dasjenige, wodurch der Mensch früher wahrhaftig eingreifen konnte in das soziale Leben, das waren ja die Instinkte, das war der Wille. Anthroposophie zeigt uns, wie der Mensch, indem sein Wille, indem seine Instinkte wirken, fortwährend aus einem Unterbewußten heraus schöpft, geradeso wie er die Kräfte aus dem Schlaf, der auch ein unterbewußter Zustand ist, herausschöpft. Anthroposophische Erkenntnis muß dasjenige, was der Mensch in bezug auf die eigentliche Wesenheit seines Willens erlebt, durchaus in Parallele setzen mit demjenigen, was er den Schlaf nennt. Es ist ein Schlaf, den wir fortwährend in uns herumtragen, indem wir unsere Willensimpulse aus dem Unbewußten heraus wirken lassen, geradeso wie die Erfrischungskräfte, die an unser Leben herantreten, herauswirken aus dem, was wir im Schlafe gewinnen. Aber in bezug auf das soziale Leben war dieses Unbewußte nur in einem gewissen Zeitraum möglich, es ist nicht mehr möglich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts.

[ 29 ] And what truly enabled human beings in the past to intervene in social life were, after all, the instincts; it was the will. Anthroposophy shows us how human beings, through the workings of their will and their instincts, continually draw from the subconscious, just as they draw strength from sleep, which is also a subconscious state. Anthroposophical insight must place what a person experiences with regard to the very essence of their will in direct parallel with what they call sleep. It is a sleep that we constantly carry within us as we allow our impulses of will to act from the unconscious, just as the revitalizing forces that enter our lives arise from what we gain in sleep. But with regard to social life, this unconscious state was possible only for a certain period of time; it has not been possible since the middle of the 15th century.

[ 30 ] Und hier gibt sich Naturwissenschaft einer großen, einer gewaltigen Illusion hin: sie möchte alles naturwissenschaftlich erklären, sie möchte in dieses naturwissenschaftliche Erklären auch den Menschen einspannen, und aus den Grundsätzen heraus, die sie sich gebildet hat über die Naturtatsachen, möchte sie nun den Instinkt, möchte sie den Willen erklären. Sie konstruiert Anschauungen über Instinkt und Wille, die eigentlich nur fortgeführte Anschauungen über das äußere Naturdasein sind. Aber anthroposophisches Geistesanschauen zeigt uns, daß Instinkt und Wille in ihrer tieferen Wesenheit im Geistigen und nicht im Naturhaften, das wir mit der Naturwissenschaft einzig und allein erreichen können, wurzelt. Instinkt und Wille wurzeln im Geiste; sie gliedern sich nur ein im Menschen. Sie enthüllen sich im Menschen in einer naturhaften Schale. Einzig und allein an diese naturhafte Schale dringt die Naturwissenschaft heran, an das eigentliche Wesen von Instinkt und Wille dringt sie gar nicht heran. Aber indem Anthroposophie den Weg nimmt von der äußeren Naturwissenschaft zu einer Geisteswissenschaft, wird es ihr möglich, nicht bloß zu durchschauen die Schale, die Hülle von Instinkt und Wille, sondern die wahre Wesenheit von Instinkt und Wille. Und damit bringt sie nicht nur herauf in ein abstraktes Denken dasjenige, was als Instinkt und Wille wirkt, dadurch tritt lebendig in das Vorstellungsleben ein das Wesen von Instinkt und Wille. Anthroposophie beginnt wie die modernste Wissenschaftlichkeit als Wissen; in der weiteren Fortführung ihres Weges führt sie zum Leben, führt sie den Menschen dazu, daß er untertaucht in diejenigen Tiefen, wo geistig im Geiste wurzeln Instinkt und Wille. Sie darf, weil sie etwas Lebendiges ist, mit Fichte sagen: Welche Anschauung man sich bildet, das hängt davon ab, was man für ein Mensch ist —, denn sie bringt es dahin, durch ihre Lebendigkeit im Sinne dieses Ausspruches wirken zu dürfen und dennoch fruchtbar werden zu können für das moralische, für das soziale Leben.

[ 30 ] And here, the natural sciences succumb to a great, a colossal illusion: they wish to explain everything scientifically; they wish to subject human beings as well to this scientific explanation; and based on the principles they have formulated regarding natural facts, they now wish to explain instinct and the will. It constructs conceptions of instinct and will that are, in reality, merely extensions of its conceptions of external natural existence. But the anthroposophical contemplation of the spirit shows us that instinct and will, in their deeper essence, are rooted in the spiritual and not in the natural realm—which is the sole realm we can reach through natural science. Instinct and will are rooted in the spirit; they are merely integrated into the human being. They reveal themselves in the human being within a natural shell. Natural science penetrates solely to this natural shell; it does not penetrate at all to the actual essence of instinct and will. But by taking the path from external natural science to a spiritual science, anthroposophy makes it possible not merely to see through the shell, the covering of instinct and will, but to perceive the true essence of instinct and will. And in doing so, it does not merely bring what acts as instinct and will into abstract thought; rather, the essence of instinct and will enters the life of the imagination as a living reality. Anthroposophy begins, like the most modern scientific approach, as knowledge; as it continues on its path, it leads to life, guiding the human being to immerse themselves in those depths where instinct and will are spiritually rooted in the spirit. Because it is something living, it may say with Fichte: “The view one forms depends on what kind of person one is”—for it achieves, through its liveliness, the ability to act in the sense of this statement and yet still bear fruit for moral and social life.

[ 31 ] Was man für einen Kopf hat, meine sehr verehrten Anwesenden, das hängt zu einem gewissen Teil ab davon, wie der übrige Organismus des Menschen beschaffen ist. Aber wenn man sich nur einseitig an dasjenige hält, was im Kopfe lebt, so kommt man nicht dazu, den übrigen Organismus zu erfassen; dann wirkt der übrige Organismus wie ein Unbekanntes. So wirkt dasjenige, was unterhalb des Vorstellungslebens im Willen wirkt, für den modernen Wissenschaftsgeist noch als ein Unbekanntes. Wenn also diese moderne Wissenschaft so wirkt, wie der Mensch geartet ist, so durchschaut sie nicht, daher durchlebt sie auch nicht, was in der Willensnatur des Menschen ist, denn sie dringt nicht in diese Willensnatur des Menschen ein. Indem Anthroposophie vom Wissen zum vollen Leben aufsteigt, fließt sie mit dem ganzen menschlichen Bewußtsein in den Strom von Instinkt und Willen ein, macht diese selbst bewußt, und man erlangt dadurch die Möglichkeit, nicht nur an seinem Denken, sondern an seinem ganzen Menschen zu arbeiten. Dann aber, wenn wir eine Wissenschaft haben, die an dem ganzen Menschen arbeitet, dann entsteht, während wir denken, an dem anderen Menschen dasjenige, was nun wiederum dieses Denken beeinflussen darf. Dann wirkt Wissen und Leben wie ein Organisches, wo das eine das andere gleichzeitig bedingt, nicht nacheinander. Dann darf in diesem organischen Zusammenwirken Philosophie, auch Sitten-Philosophie, auch MoralPhilosophie dasjenige sein, was der Mensch aus ihnen machen kann vermöge seiner Artung.

[ 31 ] The kind of mind one has, my esteemed audience, depends to a certain extent on the nature of the rest of the human organism. But if one focuses solely on what lives in the head, one fails to grasp the rest of the organism; then the rest of the organism appears as something unknown. Thus, what operates in the will beneath the life of the imagination still appears as something unknown to the modern scientific mind. So if modern science operates in a way that corresponds to human nature, it does not penetrate—and therefore does not experience—what lies in the human nature of the will, for it does not penetrate this human nature of the will. As anthroposophy ascends from knowledge to full life, it flows with the whole of human consciousness into the stream of instinct and will, making these themselves conscious, and through this one gains the possibility of working not only on one’s thinking but on one’s whole being. But then, when we have a science that works on the whole human being, what arises in the other human being while we think is precisely what may in turn influence this thinking. Then knowledge and life function as an organic whole, where one conditions the other simultaneously, not one after the other. Then, within this organic interplay, philosophy—including the philosophy of ethics and the philosophy of morality—may be whatever human beings can make of them by virtue of their nature.

[ 32 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, das sind die Dinge, auf die hingesehen werden muß, wenn man Anthroposophie erkennen will als Moralimpuls und Sozialimpuls. Das ist es, was Anthroposophie glaubt, in dieser Beziehung unserer Zeit zu sagen zu haben, gegenüber dem sie sich verpflichtet fühlt, es unserer Zeit zu sagen. Und sie muß der Überzeugung sein, daß nicht eher die Möglichkeit kommt, die aufbauenden Kräfte an die Stelle der niederdrängenden zu setzen, ehe nicht die Menschen sich dazu entschließen, wenn sie wirtschaftliche Fragen besprechen, hinzuschauen darauf, was dem geistigen, was dem Rechtsleben frommt, ehe sie nicht, wenn sie wirtschaftliche Fragen besprechen, ein richtiges Herz haben für dasjenige, was allein Rechtens werden kann, und was nur entspringen kann aus dem Zusammenklang aller mündig gewordenen Menschen im selbständigen Rechtsleben, ehe sie nicht ein tiefes Gefühl haben dafür, daß echtes Geistesleben nur gedeihen kann, wenn es auf sich selbst gestellt ist, daß die drei nur zusammenwirken können, wie sie einstmals aus dem Instinkte zusammengewirkt haben, wenn das Bewußtsein aus dem Menschen heraus den Weg findet zu den Weltengeheimnissen, zu denen es einst den Weg gefunden hat, als es noch bloß instinktartig wirkte.

[ 32 ] These, my esteemed audience, are the things that must be considered if one wishes to recognize anthroposophy as a moral and social impulse. This is what anthroposophy believes it has to say in this regard to our time, and it feels a duty to convey this message to our time. And it must be convinced that the possibility of replacing the forces that weigh us down with uplifting forces will not arise until people resolve, when discussing economic issues, to consider what benefits spiritual life and what benefits the legal system, until, when discussing economic issues, they have a genuine heart for that which alone can become just, and which can spring only from the harmony of all people who have come of age in an independent legal life, until they have a deep sense that genuine spiritual life can flourish only when it is left to its own devices, that the three can work together—as they once did instinctively—only when consciousness finds its way out of the human being to the mysteries of the world, to which it once found its way when it still acted merely instinctively.

[ 33 ] Diese Zeit wird diejenige sein, in der nicht mehr von der Welt angestaunte Menschen wie Woodrow Wilson — wenigstens war er es, wenn er es auch nicht mehr ist — die staatliche Verwaltung des Schulunterrichts dadurch rechtfertigen, daß sie sagen: nur der Staat sei imstande, jene Bedingungen der Freiheit herzustellen, durch die das freie Individuum leben kann. — Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, eine solche Freiheit will man da nur walten lassen, die bedingt ist, das heißt notwendig gemacht ist durch staatliche Einrichtungen.

[ 33 ] This will be the time when people no longer admired by the world—such as Woodrow Wilson (at least he was, even if he is no longer)—will justify the state’s administration of school education by saying that only the state is capable of creating the conditions of freedom necessary for the free individual to live. — Well, ladies and gentlemen, the kind of freedom they wish to allow here is one that is conditional—that is, made necessary by state institutions.

[ 34 ] Und weiter sagt Woodrow Wilson in seinem großen, 1889 erschienenen Buch «Der Staat», weiter sagt er: der Staat dürfe die Schulen nicht aus der Hand geben, denn dasjenige, was der Staat braucht für seine Macht, für seine autoritative Wirksamkeit, das kann er am besten durch den Besitz des Schulunterrichts erreichen.

[ 34 ] And Woodrow Wilson goes on to say in his major book The State, published in 1889: the state must not relinquish control of the schools, for what the state needs for its power and for its authoritative effectiveness, it can best achieve through its control of school education.

[ 35 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wer empfindet, was Freiheit des Geisteslebens sein soll und sein muß, muß sich auflehnen gegen eine Maxime, die sagt: der Staat muß den Kindern dasjenige eintrichtern, was er für seine Erhaltung braucht —, denn damit sagt er: der Staat muß in den Schulen dasjenige begründen, was nicht Freiheit des Geisteslebens, was die tiefste Unfreiheit des Geisteslebens ist.

[ 35 ] Well, my esteemed audience, anyone who understands what freedom of intellectual life should and must be must rebel against the maxim that states: “The state must instill in children whatever it needs for its own preservation”—for in saying this, it is effectively declaring: “The state must establish in schools that which is not freedom of intellectual life, but rather the deepest form of intellectual bondage.”

[ 36 ] Solange nicht Wissenschafter auch ein Auge, ein Seelenauge dafür haben, daß hinaufgeschaut werden muß zu demjenigen, was man über das Geistige, über das Rechtliche denkt, solange kann nicht Besserung werden in unserem heutigen sittlichen Leben, das dem sozialen zugrunde liegt, und in diesem sozialen Leben selbst, denn wir brauchen nicht nur ein Kritisieren der alten Moralinstinkte, ein Kritisieren der alten sozialen Begriffe, wir brauchen Schöpfungen neuer sittlicher Impulse und neuer sozialer Impulse. Die können aber, weil sie im Geiste wurzeln, nur durch eine Wissenschaft, durch eine Erkenntnis kommen, welche, indem sie die menschliche Erkenntnis selbst vergeistigt, auch fähig ist, in die geistige Welt einzudringen.

[ 36 ] As long as scientists do not also have an eye—an eye of the soul—for the need to look upward toward what one thinks about the spiritual and the legal, there can be no improvement in our present moral life—which underlies social life—nor in social life itself; for we need not only a critique of the old moral instincts and a critique of the old social concepts, we need the creation of new moral impulses and new social impulses. But because they are rooted in the spirit, these can only come about through a science, through a form of knowledge which, by spiritualizing human knowledge itself, is also capable of penetrating the spiritual world.

Fragenbeantwortung

Question and Answer

[ 37 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Auf die freundliche Veranlassung von Baron Rosenkrantz sind eine Anzahl von Fragen von unseren Freunden gestellt worden, die nunmehr zur Beantwortung kommen sollen innerhalb des Rahmens dieser Veranstaltung.

[ 37 ] Ladies and gentlemen! At the kind suggestion of Baron Rosenkrantz, our friends have posed a number of questions, which we will now address within the framework of this event.

[ 38 ] Vorher nun möchte ich, weil der Wunsch so vielfach hervorgetreten ist, auch einige Freunde persönlich darum ersucht haben, sagen, daß ich diejenigen hier anwesenden Künstler und eben einige andere, die noch niemals die ja erst in Arbeit befindliche plastische Holzgruppe gesehen haben, bitte, sich morgen '/, 9 Uhr im Atelier drüben einzufinden. Es wird dann diese Gruppe gezeigt werden. Ich bitte aber, die Sache ganz ernst zu nehmen und ich bitte wirklich, nur diejenigen sich einzufinden, welche noch niemals die Gruppe gesehen haben.

[ 38 ] Before that, however, since the request has been made so often—and I have even personally asked a few friends—I would like to say that I am asking the artists present here, as well as a few others who have never seen the wooden sculpture group (which is still a work in progress), to please come to the studio over there tomorrow at 9:00 a.m. The group will be on display then. However, I ask that you take this matter very seriously, and I truly ask that only those who have never seen the group before come.

[ 39 ] Es ist nun eine Anzahl von Fragen mir überreicht worden.

[ 39 ] I have now been given a number of questions.

Frage: Wenn der Inhalt eines Kunstwerkes das Wichtigste ist, warum dürfen wir es nicht ausdrücken in Übereinstimmung mit dem griechischen Ideal?

Question: If the content of a work of art is what matters most, why can't we express it in accordance with the Greek ideal?

[ 40 ] Dr. Steiner: Die Frage ist nicht ganz durchsichtig gestellt. Ich möchte glauben, daß sie anspielt auf dasjenige, was oftmals von mir gesagt worden ist in bezug auf die Goethesche Kunstauffassung, die sich dadurch ausdrückte, daß Goethe, als er in Italien angekommen war, seinen Weimarischen Freunden geschrieben hat: Wenn ich diese griechischen Kunstwerke ansehe, so glaube ich, daß die Griechen beim Schaffen ihrer Kunstwerke nach denselben Gesetzen verfahren haben, nach denen die Natur selbst verfährt, und denen ich auf der Spur bin. Ich möchte nur bemerken, daß, wenn es für den Menschen möglich ist, sich wirklich in einer solchen Weise, wie ich das bei Besprechung dieses Baues verschiedentlich angedeutet habe, hineinzufinden in ein Mit- und Nacherleben der schaffenden Kräfte der Natur, wir dann wirklich zwar nicht Naturnachahmer werden, wohl aber in derselben Weise mit unseren Materialien schaffen, wie die Natur schafft. Man braucht ja nur einmal daran zu denken, daß der vollen Menschenempfindung gegenüber gar nicht einmal angestrebt werden sollte, die Natur nachzuahmen, denn dasjenige, was uns in der Natur entgegentritt, landschaftlich oder sonst, das wird von der Natur noch immer vollkommener gemacht, als es selbst der vollkommenste Künstler kann. Kunst hat nur eine Berechtigung, wenn sie im Goetheschen Sinne nicht der Natur nachschafft, sondern aus denselben Kräften, aus denen die Natur heraus schafft, weiter fortsetzt das Werk der Natur. Und dann, wenn wir so schaffen, dann können wir genauso wie die Griechen der Natur nachschaffen. Nur müssen wir uns klar sein, daß die Menschheit nicht umsonst verschiedene Entwickelungszustände durchmacht, so wie der einzelne Mensch auch nicht, sondern, daß unsere gegenwärtige Menschheit andere Entwickelungsimpulse hat, als die Menschen des griechischen Zeitalters es hatten. Dasjenige, was die Griechen in ihrer Art übereinstimmend mit der Natur hatten, das ist für uns in einer anderen Gestalt da, und wenn wir diese Metamorphose des ganzen Zusammenlebens des Menschen mit der Natur gelten lassen, durchschauen, dann können wir durchaus sagen, daß dasjenige, was wir schaffen, genau ebenso «[den Gesetzen der Natur nachgeschaffen]» ist, wie die griechischen Kunstwerke das sind.

[ 40 ] Dr. Steiner: The question isn’t phrased very clearly. I’d like to think it alludes to what I’ve often said regarding Goethe’s conception of art, which was expressed by the fact that Goethe, upon arriving in Italy, wrote to his friends in Weimar: When I look at these Greek works of art, I believe that the Greeks, in creating their works of art, followed the same laws that nature itself follows—and which I am seeking to uncover. I would just like to note that if it is possible for human beings to truly immerse themselves—in the manner I have indicated on various occasions while discussing this building—in a shared and re-experiencing of nature’s creative forces, then we do not, in fact, become imitators of nature, but rather create with our materials in the same way that nature creates. One need only consider that, from the perspective of the full human sensibility, we should not even aspire to imitate nature, for whatever we encounter in nature—whether in the landscape or elsewhere—is always rendered more perfectly by nature than even the most perfect artist could achieve. Art is justified only if, in the Goethean sense, it does not merely copy nature but, drawing on the same forces from which nature creates, continues nature’s work. And when we create in this way, we can create in harmony with nature just as the Greeks did. We must simply be clear that humanity does not pass through various stages of development in vain—just as the individual human being does not—but that our present-day humanity has different developmental impulses than those of the people of the Greek era. What the Greeks possessed in their own way, in harmony with nature, exists for us in a different form; and if we acknowledge and understand this metamorphosis of humanity’s entire coexistence with nature, then we can certainly say that what we create is just as much “[created in accordance with the laws of nature]” as the Greek works of art are.

Frage: Wenn wir schöne Farben aus der Natur nehmen, warum sollen wir nicht schöne Formen aus der Natur nehmen können?

Question: If we can take beautiful colors from nature, why shouldn't we be able to take beautiful shapes from nature as well?

[ 41 ] Dr. Steiner: Das würde ich nämlich auch nicht einsehen können. Nur bitte ich, wieder zu berücksichtigen, wie ich wiederholt in Anknüpfung an diesen Bau über die Farben gesprochen habe, und wie ich in meinem Vortrage über die Kunst über die Formen gesprochen habe. Es handelt sich nicht darum, das Unkünstlerische, das einer unkünstlerischen Zeit der Gegenwart eigen ist, nachzuahmen, sondern darum, daß die Farbe der Natur nicht nachgeahmt, sondern nacherlebt wird. Wir erleben ja innerlich die Farbe und schaffen dann aus der Welt der Farbe heraus. Ebenso können wir selbstverständlich auch die Form aus sich selbst erleben, und dann werden wir uns Formen schaffen, wie sie auch in der Natur uns entgegentreten. Aber das muß man berücksichtigen, daß, wenn wir zeichnen, wir eigentlich fordern, die Formen der Natur nicht nachzuahmen, sondern nachzufälschen. Wir müssen die Flächen zeichnen.

[ 41 ] Dr. Steiner: I wouldn’t be able to see the point of that either. I would simply ask that you once again take into account how I have repeatedly spoken about colors in connection with this building, and how I spoke about forms in my lecture on art. It is not a matter of imitating what is inartistic—which is characteristic of our present, inartistic age—but rather of not imitating the colors of nature, but rather experiencing them anew. After all, we experience color inwardly and then create from within the world of color. Likewise, we can of course also experience form from within ourselves, and then we will create forms just as they appear to us in nature. But one must bear in mind that when we draw, we are actually called upon not to imitate the forms of nature, but to recreate them. We must draw the surfaces.

[ 42 ] Es ist ja in der Natur selbst so, daß die Horizontallinie, wenn wir sie zeichnen, eine Fälschung ist — ich sagte eine Lüge, vor ein paar Tagen. Dasjenige, was zu sehen ist, ist der blaue Himmel, das grüne Meer, und die Form ist das Ergebnis der Farbe. Das ist schon in der Natur, und wenn wir aus der Farbe heraus künstlerisch wirken, so ergibt sich eben die Form, wie sich die Form in der Natur selber ergibt.

[ 42 ] It is, after all, a fact of nature itself that the horizontal line, when we draw it, is a falsification—I called it a lie a few days ago. What we see is the blue sky, the green sea, and the form is the result of color. This is already present in nature, and when we work artistically with color, the form emerges just as it does in nature itself.

Frage: Soll Farbe in moralischer Hinsicht in der Malerei verwendet werden?

Question: Should color be used in painting from a moral perspective?

[ 43 ] Dr. Steiner: Wenn ich die Frage richtig verstehe, so wird gefragt, ob man, wenn man eine moralische Intention hat, diese moralische Intention versuchen soll zu übersetzen in Farbe oder auch in Farbenharmonik.

[ 43 ] Dr. Steiner: If I understand the question correctly, it asks whether, when one has a moral intention, one should try to translate that moral intention into color or into color harmony.

[ 44 ] Ich glaube, daß derjenige, der in dieser Weise versucht, menschlich-moralisch Gedachtes in der Farbe zu verkörpern, eigentlich unkünstlerisch schafft. In der Farbe läßt sich nur dasjenige Geistige verkörpern, was in der Farbenwelt selbst als Geistiges erlebt werden kann. In demselben Maße, in dem man die moralische Intention vorher hat, nachher dieses moralisch Konzipierte künstlerisch bilden will, in demselben Sinne verfällt man ins Symbolisieren, und Allegorisieren ist immer unkünstlerisch.

[ 44 ] I believe that anyone who attempts in this way to embody human-moral concepts in color is, in fact, creating in an unartistic manner. In color, one can embody only those spiritual elements that can be experienced as spiritual within the world of color itself. To the extent that one first has a moral intention and then seeks to artistically shape this morally conceived idea, one falls into symbolism; and allegorization is always unartistic.

[ 45 ] Ich will, um das zu illustrieren, was ich eigentlich meine, das Folgende sagen: Ich war einmal genötigt, zum Behuf einer Faustaufführung hier nachzukonstruieren die Formen der Kabiren, der samothrakischen Götter, der samothrakischen Mysterien. Sie mußten gezeigt werden, während der Goethesche Text gesprochen wurde. Ich glaube, daß es mir möglich war, aus geistigem Anschauen heraus diese Kabiren wirklich nachzukonstruieren. Dann ist — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil eine Tatsache mitgeteilt werden soll —, dann ist aufgetreten bei jemandem von unseren Mitgliedern, diese Kabiren, die gefallen haben, auch zu haben und sie sollten photographiert werden. Nun, mir ist das Photographieren eines plastisch geformten Werkes so schauderhaft, daß ich vor jeder Photographie einer Plastik eigentlich davonlaufen möchte, weil dasjenige, was wirklich künstlerisch geschaffen wird, eben aus dem geistig erlebten Materialgefühl heraus geschaffen wird, und weil man unmöglich dasjenige, was in Raumformen gedacht ist, unmittelbar erleben kann in der Flächenform. Ich habe es daher damals vorgezogen — weil ich gerne diesen Wunsch berücksichtigen wollte —, selbst in Schwarz-Weiß-Manier noch einmal zu machen dasjenige, was ich als die drei Kabiren herausgebracht habe, und dann konnte man’s photographieren.

[ 45 ] To illustrate what I actually mean, I would like to say the following: I was once compelled, for the purposes of a performance of Faust here, to reconstruct the forms of the Cabiri, the Samothracian gods, and the Samothracian mysteries. They had to be depicted while Goethe’s text was being recited. I believe that I was able to truly reconstruct these Cabiri out of spiritual vision. Then—and I say this not out of immodesty, but because a fact needs to be stated—one of our members expressed a desire to also possess these Cabiri, which had been well-received, and they were to be photographed. Now, I find the act of photographing a sculptural work so appalling that I actually want to run away before taking any photograph of a sculpture, because what is truly created artistically is created precisely out of a spiritually experienced sense of material, and because it is impossible to directly experience what is conceived in spatial forms through a two-dimensional image. I therefore preferred at the time—because I wanted to accommodate this request—to recreate what I had produced as the three Kabiri once more, this time in black-and-white, and then it could be photographed.

[ 46 ] Derjenige, der meinen würde, man könnte moralische Intentionen in Malerei umsetzen, der denkt daran, daß man überhaupt irgendeinen Inhalt, ich will sagen novellistisch verarbeiten kann und dann in jedes beliebige Material hineingießen. Das ist nicht wahr. Es ist künstlerisch unwahr. In einem Material kann irgendein Künstlerisches nur auf eine Weise gebildet werden.

[ 46 ] Anyone who thinks that moral intentions can be expressed through painting is thinking that one can take any content at all—I mean, treat it as one would in a novel—and then pour it into any medium. That is not true. It is artistically untrue. In any given medium, anything artistic can be created in only one way.

Frage: Ist es so, daß in der Zukunft die Plastik inneres Gefühl und die Malerei innere Weisheit ausdrücken soll?

Question: Is it true that, in the future, sculpture will be meant to express inner feelings and painting inner wisdom?

[ 47 ] Dr. Steiner: Dieses werde ich mir nun erlauben, weil es zusammengehört mit einer anderen Frage, in Zusammenhang mit der anderen Frage zu beantworten.

[ 47 ] Dr. Steiner: I will now take the liberty of answering this question in connection with another question, since it is related to it.

Frage: Würde die Kunst unter dem Einflusse anthroposophischer Lehren nicht eine Tendenz haben, eintönig zu werden, was nicht interessant wäre? Gibt’s nicht eine Gefahr, daß die Kunst einen anthroposophischen Stempel tragen würde, wie von einer besonderen Malerschule? Dr. Steiner: Wenn man dasjenige, was aus anthroposophischer Geistesrichtung als Kunst wirklich hervorgehen kann, erfaßt, richtig erfaßt, so wird man, wie ich meine, die Frage gar nicht so aufwerfen, und man wird nicht zu dem Glauben verführt werden können, daß Anthroposophie jemals anstreben könnte, daß Kunst beeinflußt würde durch anthroposophische Lehren. Irgendwie anders zu denken, als daß das Künstlerische aus dem Erleben des im Material flutenden Geistes, des Zusammenlebens mit dem Material hervorgehen könne, kann eigentlich aus anthroposophischer Gesinnung heraus gar nicht angenommen werden.

Question: Under the influence of anthroposophical teachings, wouldn’t art tend to become monotonous, which wouldn’t be interesting? Isn’t there a danger that art would bear an anthroposophical stamp, as if from a particular school of painting? Dr. Steiner: If one grasps—truly grasps—what can genuinely emerge as art from the anthroposophical spiritual perspective, then, in my opinion, one will not even pose the question in this way, and one will not be led to believe that anthroposophy could ever aim to have art influenced by anthroposophical teachings. From an anthroposophical perspective, it is actually impossible to conceive of anything other than the artistic emerging from the experience of the spirit flowing through the material, from living in harmony with the material.

[ 48 ] In einer etwas primitiven Weise fassen sehr viele Anthroposophen diese Sache so auf, daß sie zum Beispiel dasjenige, was ihnen gegeben ist in der Lehre vom Rosenkreuz, dann irgendwie auf eine Tafel hinmalen, und man dann diesen Bildern in allen einzelnen Zweigen begegnet. Da ist inneres Fühlen, innerlich Intendiertes äußerlich festgehalten. Ich helfe mir gegenüber solchen «künstlerischen Versuchen» gewöhnlich dadurch, daß ich in den betreffenden Zweigen sie nicht anschaue, denn das sind allerdings primitive und wenig weitgehende, aber eben verkehrte Versuche, dasjenige, was im Geiste, der nun zum Wort, zur Lehre wird, dargestellt werden kann, das zu übertragen in irgendeinen künstlerischen Aspekt. Das ist Unsinn. Man kann nicht dasjenige, was Lehre ist, ins Kunstwerk hineintragen.

[ 48 ] In a somewhat primitive way, many anthroposophists interpret this matter such that, for example, they take what is given to them in the Rosicrucian teaching and somehow paint it on a board, and one then encounters these images in all the individual branches. There, inner feeling and inner intention are captured externally. I usually cope with such “artistic attempts” by not looking at them in the respective branches, for these are indeed primitive and limited—but also misguided—attempts to translate into some artistic form that which can be represented in the spirit, which then becomes a word, a teaching. That is nonsense. One cannot carry what is doctrine into a work of art.

[ 49 ] Dasjenige aber, was wirkliche Anthroposophie ist, das führt ja, ob man’s nun an der Lehre anfaßt, ob man’s an der Kunst anfaßt, das führt zu dem innerlichen Erleben von etwas durchaus Ursprünglicherem, als anthroposophische Lehre ist und anthroposophische Kunst ist, von etwas, was lebendig weiter zurückliegt im Menschen. Schafft man auf der einen Seite künstlerische Formen, die gar nichts zu tun haben mit den anthroposophischen Lehren und stellt man sich dann wiederum aufs Wort ein, auf den Gedanken, so schafft man aus denselben Untergründen heraus Ideenzusammenhänge. Beides sind Zweige, die aus einer Wurzel sind. Aber man kann nicht den einen Zweig nehmen und ihn in den anderen hineinstecken.

[ 49 ] But what true anthroposophy is—whether one approaches it through its teachings or through its art—leads to the inner experience of something far more primordial than anthroposophical teachings or anthroposophical art, something that lies deep within the human being. If, on the one hand, one creates artistic forms that have nothing at all to do with anthroposophical teachings, and then, on the other hand, one focuses on the word, on the thought, one creates connections of ideas from the very same foundations. Both are branches that spring from a single root. But one cannot take one branch and insert it into the other.

[ 50 ] Ich kann jedenfalls nicht nachfühlen, daß ein Leben aus einer solchen Kunstentwickelung heraus dazu führen könnte, eintönig zu werden, denn — ich möchte jetzt nur illustrativ sprechen — ich kann Ihnen die Versicherung geben, wenn, nachdem dieser Bau fertig ist, ein anderer von mir gebaut werden müßte, so würde er ganz anders werden, so würde er ganz anders ausschauen. Ich würde niemals imstande sein, in monotoner Weise diesen Bau noch einmal zu bauen; und einen dritten würde ich wieder anders bauen — es wird ja sicher in dieser Inkarnation nicht mehr dazu kommen. Aber ich fühle gerade in dem, was als das Lebendige zugrunde liegt dem Anthroposophischen, daß das in der Kunst über alles Monotone hinauskommt. Ich kann Ihnen sagen, man möchte immer nur wünschen, mit dem, was man kann, nachzukommen demjenigen, was sich vor die Seele hinstellt, und gar nicht in monotoner Weise, sondern in großer Mannigfaltigkeit das zu zeigen, was man eben gern zeigen möchte.

[ 50 ] In any case, I cannot conceive that a life shaped by such artistic development could lead to monotony, because—and I’m just speaking illustratively here—I can assure you that if, after this building is finished, I were to build another one, it would be completely different; it would look entirely different. I would never be able to build this structure again in a monotonous way; and I would build a third one differently as well—though that certainly won’t happen in this incarnation. But I feel precisely in what lies at the heart of anthroposophy as a living force that it transcends all monotony in art. I can tell you, one can only ever hope to use one’s abilities to respond to what stands before the soul—and to show, not in a monotonous way but with great diversity, precisely what one wishes to show.

[ 51 ] Es sind die Fragen, die in englischer Sprache gestellt worden sind, jetzt beantwortet, und da Mrs. Mackenzie mir versprochen hat, hier einiges sagen zu wollen über gewisse Intentionen, die sie hat, so glaube ich, daß wir die Zeit, die uns noch zur Verfügung steht, ausnützen dürfen, um Mrs. Mackenzie über ihre Intentionen anzuhören.

[ 51 ] The questions that were asked in English have now been answered, and since Mrs. Mackenzie has promised me that she would like to say a few words here about certain intentions she has, I believe we may use the time we have left to hear Mrs. Mackenzie speak about her intentions.

Mrs. Mackenzie: (Ausführungen in Englisch nicht mitgeschrieben)

Mrs. Mackenzie: (Remarks in English not transcribed)

[ 52 ] Dr. Steiner: Ich darf Mrs. Mackenzie herzlichsten Dank sagen und Baron Walleen bitten, die Worte in die deutsche Sprache überzuführen.

[ 52 ] Dr. Steiner: I would like to express my heartfelt thanks to Mrs. Mackenzie and ask Baron Walleen to translate these words into German.

Baron Walleen: (Übersetzung:) Dr. Steiner hat seine Zustimmung gegeben zur Abhaltung eines Seminars für Lehrer hier um die Weihnachtszeit. Mrs. Mackenzie hat die Verantwortung übernommen für die Persönlichkeiten, die man in England und Amerika finden könnte, die geeignet scheinen als Schüler in diese Seminarien, und Mrs. Mackenzies Hoffnung ist, daß, wenn nur ein solcher Anfang gemacht wird, man nach und nach dahin kommen könnte, daß hier ein Seminarium für Ausbildung von Lehrern für die ganze Welt entstehen könnte. Die Sache wird ganz unformell gemacht, um Zeit zu gewinnen, so daß bei ihrer Rückkehr nach England Mrs. Mackenzie schon gleich versuchen wird, sich in Verbindung zu setzen mit solchen Persönlichkeiten, die sie geeignet findet, um diesem Kurs beizuwohnen. Es wäre von Wichtigkeit, daß man früh, im Oktober schon, darüber klar sei, welche Persönlichkeiten und wieviel hierher kommen können und wollen. Selbstverständlich wird Dr. Steiner selbst den Kursus leiten.

Baron Walleen: (Translation:) Dr. Steiner has given his approval for a seminar for teachers to be held here around Christmas. Mrs. Mackenzie has taken on the responsibility of identifying individuals in England and America who seem suitable as students for these seminars, and Mrs. Mackenzie’s hope is that, once such a start is made, we might gradually arrive at the point where a seminar for training teachers for the whole world could be established here. The matter is being handled quite informally to save time, so that upon her return to England, Mrs. Mackenzie will immediately attempt to contact those individuals whom she deems suitable to attend this course. It would be important to clarify early on—as early as October—which individuals are able and willing to come here. Of course, Dr. Steiner himself will lead the course.

[ 53 ] Dr. Steiner: Ich möchte zu den Worten von Mrs. Mackenzie ganz kurz nur dieses sagen, daß, wenn dieser außerordentlich befriedigende Plan verwirklicht wird werden können, hier alles geschehen soll, was dazu führen kann, auch Befriedigung denjenigen zu bringen, die sich in dieser Weise bemühen, die Wirksamkeit des Goetheanums über ein wichtiges Gebiet zur Ausdehnung zu bringen. Herzlichen Dank im Namen unserer Sache und das Versprechen, daß hier alle Bemühungen geschehen sollen, um Ihre Intentionen in würdiger Weise in die Tat umzusetzen!

[ 53 ] Dr. Steiner: I would like to say just this very briefly in response to Mrs. Mackenzie’s remarks: if this extraordinarily satisfying plan can be realized, everything possible will be done here to ensure that those who are making such efforts to extend the influence of the Goetheanum into an important area are also rewarded. Thank you very much on behalf of our cause, and rest assured that every effort will be made here to carry out your intentions in a manner befitting their importance!