The Essence of Anthroposophy
GA 77b
24 August 1921, Dornach
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Art and Anthroposophy — The Goetheanum Impulse, tr. SOL
3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen
3. Anthroposophy as the Science of the Human Being
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn man im Entwickelungsgange der heutigen Wissenschaft studierend vorrückt, so kann man seinen Weg machen, von diesem oder jenem Wissenszweig ausgehend, zu dem andern, zu dem man aus gewissen äußeren oder inneren Notwendigkeiten geführt wird. Aber das geht alles im Grunde genommen her, ohne einen Anteil der tieferen menschlichen Wesenheit. Man muß schon sagen: mit einer gewissen inneren Gleichgültigkeit wird dieser Weg durchwandelt. Gewiß, es gibt Examensnöte, dann kann es schon aus diesen Examensnöten heraus zu inneren seelischen Katastrophen kommen. Aber diese seelischen Katastrophen — insbesondere diejenigen, die durch sie durchgegangen sind, werden das bezeugen können —, sie hängen mit dem Inhaltlichen desjenigen, an das man herantritt, sagen wir in der Mathematik, in der Medizin, in der Biologie eigentlich doch nicht zusammen. Man kann sich auch innerlich freuen, wenn man als Forscher dies oder jenes entdeckt hat. Allein wiederum ist dasjenige, was inneres Seelenerlebnis ist, in einer äußerlichen Weise gekettet an den Inhalt desjenigen, was einem in der Erkenntnis vor die Seele getreten ist.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! As one progresses in the study of the development of modern science, one can make one’s way—starting from this or that branch of knowledge—to another, to which one is led by certain external or internal necessities. But all of this essentially takes place without the participation of the deeper human being. One must admit: this path is traversed with a certain inner indifference. Certainly, there are exam pressures, and these pressures can indeed lead to inner psychological crises. But these psychological crises—as those who have gone through them will be able to attest—are not actually connected to the substance of the subject one is approaching, be it mathematics, medicine, or biology. One can also feel inner joy when, as a researcher, one has discovered this or that. Yet, on the other hand, what constitutes an inner soul experience is, in an external sense, linked to the content of what has come before one’s soul in the process of cognition.
[ 2 ] Gewiß ist damit in radikaler Weise eine Erscheinung zum Ausdrucke gebracht, die nicht immer ganz so radikal verläuft; aber wenn daneben hingestellt wird der Gegensatz, der sich ergibt beim Studium, das heißt zugleich beim innerlichen Durchleben anthroposophischer Geisteswissenschaft, so wird schon die Berechtigung des Gesagten daraus hervorgehen.
[ 2 ] Admittedly, this is a radical way of expressing a phenomenon that does not always unfold quite so radically; but when one contrasts it with the opposite that emerges from the study—that is, from the inner experience—of anthroposophical spiritual science, the validity of what has been said will become clear.
[ 3 ] Beim Studium, beim innerlichen Durchleben anthroposophischer Geisteswissenschaft erlebt man wirklich innerliche Schicksalsereignisse. Man erlebt seelische Katastrophen und Peripetien. Man erlebt etwas, was auf der einen Seite durchaus intensiv zusammenhängt mit dem Inhalte desjenigen, an das man erkennend herantritt, und man erlebt etwas, was aus diesem Inhalt heraus die menschliche Natur mannigfach in Anspruch nimmt, wandelt, zu anderen Stufen der Seelenverfassung bringt und so weiter. Diese Tatsache, die zunächst als eine äußerliche erscheinen könnte, sie hängt doch innerlich wesenhaft mit dem zusammen, was anthroposophische Geisteswissenschaft sein soll; sie hängt damit zusammen, daß man ja, indem man sich aus dem heutigen Wissenschaftsgeiste heraus in berechtigter Weise objektiv zu einem Weltenbilde erhebt, in diesem Weltenbilde eigentlich den Menschen nicht darinnen findet. Gewiß, man kann sich ihn auch herauskonstruieren; aber derjenige Mensch, der herauskonstruiert werden kann aus der gegenwärtigen Evolutionslehre, der herauskonstruiert werden kann aus der gegenwärtigen Biologie oder Physiologie, der stellt sich nicht in einem Bilde dar, das innere Erschütterungen und Befreiungen in der Seele hervorruft, er stellt sich in einem Bilde dar, das die Seele kalt läßt.
[ 3 ] When studying and inwardly experiencing anthroposophical spiritual science, one truly experiences inner events of destiny. One experiences psychological catastrophes and twists of fate. One experiences something that, on the one hand, is deeply and intensely connected to the content of what one is approaching with understanding, and one experiences something that, arising from this content, engages human nature in manifold ways, transforms it, leads it to other stages of the soul’s constitution, and so on. This fact, which at first glance might appear to be external, is nevertheless intrinsically and essentially connected to what anthroposophical spiritual science is meant to be; it is connected to the fact that, while one legitimately and objectively rises to a worldview from the spirit of modern science, one does not actually find the human being within that worldview. Certainly, one can construct a picture of the human being; but the human being who can be constructed from current evolutionary theory, who can be constructed from current biology or physiology, does not present himself in a picture that evokes inner stirrings and liberations in the soul; he presents himself in a picture that leaves the soul cold.
[ 4 ] Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, besteht denn nicht schließlich das Wesen der Menschenseele im alltäglichen Leben schon darinnen, daß wir durch innere Erschütterungen, durch Schmerzen, Leiden, durch Freuden und Befriedigungen gehen? Gehen wir denn nicht durch Katastrophen und Peripetien durch das äußere Leben? Können wir daher hoffen, daß wir dieses innerlich wandelbare und in seiner Wandelbarkeit uns so nahestehende menschliche Wesen erfassen könnten durch eine Wissenschaft, welche einerseits uns ein Bild des Menschen liefert, das uns eigentlich gleichgültig lassen muß, ja, das gerade in einer gewissen Bezicehung seine Vollkommenheit darin erblicken muß, daß es uns gleichgültig läßt? Wer diese Tatsache im rechten Lichte sieht, der wird zunächst gefühlsmäßig herangerückt an das Wesen anthroposophischer Menschenerkenntnis. Dieses Wesen anthroposophischer Menschenerkenntnis — ich habe versucht, es zum Teil zu schildern nach seiner Methode in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», ich habe es zu schildern versucht namentlich in meinem Buche «Theosophie» und dann in der «Geheimwissenschaft», Ich habe zu zeigen versucht, wie aufzusteigen hat ein Erkenntnisstreben, das zu wirklicher anthroposophischer Menschenerkenntnis kommen will durch drei Erkenntnisstufen, durch die Imagination, durch die Inspiration, durch die im tieferen Sinne verstandene Intuition. Und ich glaube, ich habe bemerklich gemacht bei der Schilderung desjenigen, was der Mensch erleben kann in imaginativem, inspiriertem, intuitierendem Leben, daß das Durchmachen eines solchen Erkenntnisweges durchaus eine Reihe innerer Schicksalserlebnisse für den Menschen zugleich bedeutet, also nicht nur in einer Abstraktion dasjenige, was Erkenntnisinhalt wird, an den Menschen heranrückt, sondern heranrückt das Bild vom Menschen an das unmittelbare menschliche Erleben, an dasjenige, was in uns sitzt, als das erlebte Wesen unserer Menschenwürde.
[ 4 ] But, my esteemed audience, does not the very essence of the human soul in everyday life ultimately consist in the fact that we go through inner upheavals, pain, suffering, joys, and satisfactions? Do we not go through catastrophes and twists of fate in our external lives? Can we therefore hope to grasp this inwardly changeable human being—who, in his changeability, is so close to us—through a science that, on the one hand, provides us with an image of the human being that must actually leave us indifferent, indeed, that must, in a certain sense, regard its perfection precisely in the fact that it leaves us indifferent? Whoever sees this fact in its proper light will, at first, be drawn emotionally to the essence of anthroposophical knowledge of the human being. This essence of anthroposophical knowledge of the human being—I have attempted to describe it in part, according to its method, in my work How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?, I have tried to describe it specifically in my book Theosophy and then in Occult Science; I have tried to show how a quest for knowledge that aims to attain true anthroposophical knowledge of the human being must ascend through three stages of knowledge: imagination, inspiration, and intuition understood in its deeper sense. And I believe I have made it clear in my description of what a person can experience in an imaginative, inspired, and intuitive life that undergoing such a path of knowledge simultaneously entails a series of inner experiences of destiny for the person, so that it is not merely the content of knowledge—in an abstract sense—that approaches the human being, but rather the image of the human being approaches immediate human experience, that which lies within us as the lived essence of our human dignity.
[ 5 ] Imagination ist eine erste Stufe der Erkenntnis zum Eindringen in das Wesen der Welt sowohl wie in das Wesen des Menschen. Diese Imagination und wie man sich zu ihr erhebt in einer Art meditativem Leben, durch eine Art Konzentration der Denkkraft, auf einem durchaus gesunden, dem Pathologischen gerade entgegengesetzten Wege — ich habe es geschildert. Jetzt möchte ich aufmerksam machen auf dasjenige, was da eigentlich im Innern des Menschen geschieht, wenn er diese imaginative Erkenntnisstufe anstrebt. Es ist ja so, daß durch dieses meditative, durch dieses in Gedanken und Empfindungen sich konzentrierende, methodisch durchaus disziplinierte innere Erleben die Seelenkräfte gewissermaßen zusammengenommen werden, daß sie intensiver, als das sonst der Fall ist, mit dem Bewußtsein durchdrungen werden. Beobachtet man dann, was da eigentlich wächst, wenn wir so meditieren, wenn wir so uns konzentrieren, dann finden wir, daß das Wachsende dasselbe ist — nur in seiner Fortsetzung —, das uns für das gewöhnliche Erleben zum eigentlichen Ichbewußtsein gebracht hat, das uns zu Besonnenheit, zum ruhigen Persönlichkeitsbewußtsein gebracht hat, und das uns gebracht hat, wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf, zur eigentlichen Egoität des Menschen, zu demjenigen, worinnen der Mensch sich finden muß, damit er sich in besonnener Weise von der Welt ablösen kann, damit er in der richtigen Weise zum Selbstbewußtsein kommt.
[ 5 ] Imagination is the first stage of cognition in penetrating the essence of the world as well as the essence of humanity. I have described this imagination and how one rises to it through a kind of meditative life, by concentrating one’s powers of thought in a thoroughly healthy way—one that is the exact opposite of the pathological. Now I would like to draw attention to what actually takes place within a person when they strive for this imaginative level of insight. The fact is that through this meditative inner experience—which concentrates on thoughts and feelings and is methodically and thoroughly disciplined—the soul forces are, so to speak, brought together, so that they are permeated by consciousness more intensely than is otherwise the case. If we then observe what is actually growing when we meditate in this way, when we concentrate in this way, we find that what is growing is the very same thing—only in its continuation—that has brought us, in ordinary experience, to true self-consciousness, that has brought us to level-headedness, to a calm sense of personality, and that has led us—if I may use the expression—to the very essence of the human ego, to that in which a person must find themselves so that they can detach themselves from the world in a level-headed manner, so that they may arrive at self-awareness in the proper way.
[ 6 ] Das ist ja auch das Gefährliche bei diesem Wege, daß zunächst diese Egoität des Menschen verstärkt werden muß. Dasjenige, was die Menschen zur Egoität hingeführt hat, muß weitergeführt werden. Daher kann im Grunde genommen dasjenige, was hier angestrebt wird, richtig nur dann erreicht werden, wenn ihm eine entsprechende Vorbereitung vorangeht, jene Vorbereitung, wie ich sie der Wahrheit gemäß geschildert habe in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Sie werden da geschildert finden eine gewisse Methode, zur wahrhaftigen inneren Bescheidenheit zu kommen, zu jener inneren Bescheidenheit, die vielleicht nicht immer im äußeren Leben ganz offen zur Schau getragen werden kann — eben wegen der äußeren Verhältnisse —, die aber das Seelenleben tief durchdringen muß. Wird diese Bescheidenheit nicht als eine innere Kraft des seelischen Erlebens durchgreifend ausgebildet, dann liegt allerdings auf dem Wege zur Imagination die Gefahr des menschlichen Größenwahnsinnes, nicht des pathologischen Größenwahnsinnes, aber des psychologischen, moralischen Größenwahnsinnes. Wer richtig anthroposophische Methoden anwendet, der kann — weil diese Methoden in ihrer Richtung direkt entgegengesetzt laufen demjenigen, was den Menschen aus seiner Naturgrundlage heraus in pathologische Zustände hineinführen kann —, der kann eigentlich nicht dadurch in Pathologisches verfallen, aber er kann allerdings psychologisch vor solche Gefahren sich gestellt sehen, wie es der hier gemeinte Größenwahnsinn ist. Einen gewissen inneren Halt, der in Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit wurzelt, den muß der Mensch haben, wenn er anstreben will jene Erhöhung und Steigerung der Egoität, welche notwendig ist zur Erreichung der imaginativen Erkenntnis. Im gewöhnlichen Leben und im gewöhnlichen Erkennen sind unsere Begriffe zu blaß, unsere höchsten Ideen gerade zu abstrakt, um aus einer ihnen eigenen vollen Sättigung heraus zum innerlichen Erleben desjenigen zu kommen, was den Menschen eigentlich zur Egoität hindrängt. Dasjenige, was sonst in der Begriffe bildenden, in der Ideen gestaltenden Kraft lebt, das muß erhöht, das muß gesteigert werden. Dann allerdings tritt eine Erfahrung ein, und an dem Eintreten dieser Erfahrung kann eigentlich der zur Imagination Strebende die Richtigkeit seines Strebens ermessen —, dann tritt eine Erfahrung ein: Man hat Übungen gemacht, um die Egoität zu steigern, man hat solche Übungen gemacht, daß die blassen Begriffe und Ideen bis zur Intensität sich erheben, die man erlebt, wenn man ein Sinnesbild durch Augen oder Ohren vor sich hat. Man hat dadurch jene Kraft, die durch ihr Zusammendrängen unsere Besonnenheit, unser Persönlichkeitsgefühl, eben unsere Egoität hervorbringt, man hat diese Kraft gesteigert. Die Erfahrung, die man macht, ist die, daß nun von einem gewissen Punkte aus nicht mehr eine Steigerung der Egoität eintritt, daß von einem gewissen Punkte aus gerade durch die Steigerung der Egoität, gewissermaßen durch das Ankommen der Egoität an einem Kulminationspunkte, diese Egoität eigentlich zerfließt. Das ist das Bedeutsame, daß unsere Egoität, wenn sie gesteigert wird, richtig gesteigert wird, sich nicht ins Maßlose steigert als Egoität, sondern daß sie im Grunde genommen zerfließt.
[ 6 ] That is, after all, the danger of this path: that, to begin with, human egotism must be intensified. The very thing that has led people to egotism must be carried forward. Therefore, fundamentally speaking, what is being sought here can only truly be achieved if it is preceded by appropriate preparation—that preparation which I have described truthfully in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. There you will find described a certain method for attaining true inner humility—that inner humility which, perhaps, cannot always be openly displayed in outward life—precisely because of external circumstances—but which must deeply permeate the life of the soul. If this humility is not thoroughly cultivated as an inner force of soul experience, then there is indeed a danger of human megalomania on the path to imagination—not pathological megalomania, but psychological and moral megalomania. Anyone who correctly applies anthroposophical methods—because these methods run in a direction directly opposed to that which, based on human nature, can lead a person into pathological states—cannot actually fall into pathology through them; yet they may indeed find themselves psychologically confronted with dangers such as the megalomania referred to here. A person must possess a certain inner stability, rooted in unpretentiousness and modesty, if they wish to strive for that elevation and intensification of the ego that is necessary for attaining imaginative knowledge. In ordinary life and ordinary cognition, our concepts are too pale, our highest ideas downright too abstract, to arrive—out of their own full richness—at an inner experience of that which actually drives a person toward egoity. That which otherwise lives in the power that forms concepts and shapes ideas must be elevated; it must be intensified. Then, indeed, an experience arises, and it is precisely through the emergence of this experience that the one striving toward imagination can gauge the correctness of his striving—then an experience arises: One has performed exercises to heighten selfhood; one has performed such exercises that the pale concepts and ideas rise to the intensity one experiences when one has a sensory image before one’s eyes or ears. Through this, one has increased that force which, by its convergence, brings forth our self-awareness, our sense of personality—indeed, our ego—one has increased this force. The experience one has is that, from a certain point onward, egoity no longer increases; that from a certain point onward, precisely because of the increase in egoity—as it were, because egoity has reached a culmination point—this egoity actually dissolves. This is the significant point: that when our sense of self is intensified—properly intensified—it does not escalate into excess as a sense of self, but rather, fundamentally, it dissolves.
[ 7 ] Schon daraus sieht man, daß dasjenige Erleben, das wir als Mensch in der äußeren physischen Körperlichkeit haben, und das durch seine eigene Wesenheit uns zur Egoität hinträgt, daß dieses notwendig ist als Durchgang, daß also die Egoität in gesunder Weise in der physischen Welt und durch sinnliche Wahrnehmungen erlangt sein muß, bevor man zu jener Steigerung, die ich hier meine, sich wenden kann, die dann zu einer Auflösung gewissermaßen der Egoität, besser gesagt, eben zu einem Ausfließen der Egoität führt.
[ 7 ] From this alone we can see that the experience we have as human beings in our outer physical body, and which, through its own nature, carries us toward egohood—that this is necessary as a passage; that is, egohood must be attained in a healthy way in the physical world and through sensory perceptions before one can turn toward that elevation I am referring to here, which then leads, so to speak, to a dissolution of egohood—or rather, to an outflow of egohood.
[ 8 ] Wo hinein fließt zunächst unsere Egoität? Im gewöhnlichen Leben, meine sehr verehrten Anwesenden, ist unsere Egoität eigentlich in den Augenblick hereingebannt. Wir können im Grunde genommen nur, indem wir uns als ein im Augenblick erlebendes Wesen erfühlen, zu uns «ich» sagen. Dasjenige, was wir schon gestern erlebt haben, was gestern innig verknüpft war mit dieser unserer Egoität, worinnen wir gestern drinnen gestanden haben, das ist heute in diesem Augenblick für uns objektiv geworden. Und in einem gewissen Grade sehen wir dasjenige, was wir gestern erlebt haben, gegenüber unserem Ich-Erfühlen so als etwas Äußeres durch die Erinnerung an, wie wir irgendein äußeres Erleben als ein Äußeres ansehen. Das eine Mal steigt in der Erinnerung ein Objektives aus dem Untergrunde unserer eigenen Organisation herauf, das andere Mal tritt es an uns heran, indem es sich uns durch die äußeren Sinne ankündet.
[ 8 ] Where does our sense of self flow into at first? In everyday life, my dear friends, our sense of self is actually bound up in the present moment. Essentially, we can only say “I” to ourselves by sensing ourselves as beings experiencing the present moment. That which we already experienced yesterday—that which was intimately connected with our sense of self yesterday, that in which we were immersed yesterday—has now, in this very moment, become objective to us. And to a certain extent, we perceive what we experienced yesterday as something external to our sense of “I,” just as we regard any external experience as external. At one moment, an objective element rises from the depths of our own constitution into memory; at another, it approaches us by making itself known to us through the external senses.
[ 9 ] Gewiß, wir unterscheiden das erinnerte Erlebnis von dem äußeren Sinneserlebnis; aber es gibt zu gleicher Zeit zwischen beiden ein durchaus Ähnliches im Herantreten an das Ich, an die Egoität, die sich voll doch eigentlich nur im Augenblicke erfaßt. In dem Bestreben, zur Imagination vorzurücken, fließt das Ich tatsächlich allmählich aus über unser zwischen Geburt und Tod zugebrachtes physisches Erdenleben, und wir lernen, in einem vergangenen Erlebnis so drinnenzustehen, wie wir drinnenstehen in dem Erlebnis des gegenwärtigen Augenblicks. Wir lernen, uns als Ich ebenso in dem längst vergangenen Erlebnis zu erfühlen, wie wir das sonst im gegenwärtigen Augenblicke tun. Ich mache Sie aufmerksam darauf, daß Sie ja gewiß schon im Traum — den ich gewiß nicht etwa als irgendeine gültige Erkenntnisquelle ansehe, sondern ihn nur zur Verdeutlichung hier gebrauche —, daß Sie gewiß schon im Traume es erlebt haben, daß Sie sich vorkamen als 20 Jahre zurückliegender Mensch, als Mensch, der 20 Jahre jünger ist, daß Sie sich vorstellten Ihr Bild von vor 20 Jahren und sich ganz so im Traume benahmen, als wenn Sie eben nur das Alter von vor 20 Jahren hätten, daß Sie dasselbe taten, was Sie vor 20 Jahren getan haben. Ich möchte Sie daran erinnern, daß Sie sich in der Tat mit diesem Traumesbild dann so objektivieren, daß Sie sich in dem Augenblicke in dem Alter fühlen, in dem Sie waren in einer weit zurückreichenden Zeit.
[ 9 ] Certainly, we distinguish between the remembered experience and the external sensory experience; but at the same time, there is a distinct similarity between the two in the way they approach the “I,” the ego, which is fully—yet in reality only—grasped in the moment. In the effort to advance toward imagination, the “I” does indeed gradually transcend our physical earthly life spent between birth and death, and we learn to be as fully immersed in a past experience as we are in the experience of the present moment. We learn to feel ourselves as the “I” just as fully within that long-past experience as we otherwise do in the present moment. I would like to draw your attention to the fact that you have certainly already experienced this in a dream—which I certainly do not regard as any valid source of knowledge, but am using here merely for the sake of illustration— that you have certainly already experienced in a dream that you felt like a person from 20 years ago, like a person who is 20 years younger, that you imagined your image from 20 years ago and behaved in the dream exactly as if you were just that age from 20 years ago, that you did the same things you did 20 years ago. I would like to remind you that, in fact, you objectify yourself so completely through this dream image that, in that moment, you feel as though you are the age you were at a time long past.
[ 10 ] Was da halb pathologisch im Traume auftritt, das kann in Besonnenheit durch imaginative Erkenntnis von dem Menschen errungen werden, das kann in vollem Bewußtsein ausgebildet werden. Dann erlebt der Mensch dasjenige, was er in diesem Erdenleben jemals erlebt hat — er erlebt es nicht nur als die gewöhnliche Erinnerung, der gegenüber das Erleben des gegenwärtigen Augenblicks steht, er erlebt es so, daß sein Ich, seine Egoität ausfüllt den gesamten Strom seines Erlebens in diesem Erdenleben. Er tritt aus dem Augenblick heraus und tritt ein in den Strom seines Zeiterlebens. Das Ich fließt nicht in einer nebulosen Weise aus, das Ich fließt in den Strom der wirklichen Erlebnisse dieses Erdenlebens aus. Aber in diesem Ausfließen erfaßt man etwas anderes als im gewöhnlichen Augenblicksbewußtsein, das sich ja aus der gewöhnlichen Logik heraus mit den Verstandesbildern in Abstraktionen ausfüllen muß. Man erfaßt in diesem über den Lebensstrom ergossenen Ich Bilder, Bilder von der Lebendigkeit des Sinneslebens. Dasjenige, was sonst gleichsam als Lebenserinnerung vor der Seele steht, das wird innerlich gesättigt, intensiv; man lernt an sich selber das Wesen des imaginativen Erkennens. Man dringt zugleich in die Wesenheit des Menschen ein, indem man in der Erkenntnis weiterkommt. Aber von diesem Augenblicke an weiß man, daß man mit dem Ich untergetaucht ist nicht in einen Strom von abstrakten Erinnerungen, sondern in einen Strom von wirklichen Lebenskräften, von denselben Lebenskräften, die von unserer Geburt, oder sagen wir von unserer Empfängnis an die Kräfte sind, die unseren Organismus konstituieren, die unsere Organe formen, die innerlich an uns arbeiten, in Wachstum, in Ernährung, in Reproduktion.
[ 10 ] What appears in a dream in a semi-pathological way can be attained by a person in a state of sobriety through imaginative insight; it can be developed in full consciousness. Then the human being experiences everything he has ever experienced in this earthly life—he does not experience it merely as an ordinary memory set against the experience of the present moment; rather, he experiences it in such a way that his “I,” his ego, fills the entire stream of his experience in this earthly life. He steps out of the moment and enters the stream of his experience of time. The “I” does not flow out in a nebulous way; the “I” flows out into the stream of the real experiences of this earthly life. But in this flowing out, one grasps something different than in ordinary momentary consciousness, which, based on ordinary logic, must fill itself with abstractions derived from intellectual images. In this “I” poured out over the stream of life, one perceives images—images of the vitality of sensory life. That which otherwise stands, as it were, before the soul as a memory of life becomes inwardly saturated and intense; one learns from one’s own experience the essence of imaginative cognition. At the same time, one penetrates into the very essence of the human being as one advances in this understanding. But from this moment on, one knows that one has plunged with the “I” not into a stream of abstract memories, but into a stream of real life forces—the very same life forces that, from our birth, or let us say from our conception, are the forces that constitute our organism, that shape our organs, that work within us in growth, nutrition, and reproduction.
[ 11 ] Wir leben uns ein nunmehr in den Strom jener Kräfte, die sonst nur mit dem Vermitteln unserer Ernährung zu tun haben, die uns wachsen machen, und die unsere Reproduktion ermöglichen. Und jetzt erfahren wir, indem wir uns, statt in ein Abstraktes, mit dem vollen Gedankenbewußtsein in ein Konkretes einleben, was Ätherleib ist, wir erfahren, wie unserem physischen Leib, in dem wir sonst im gewöhnlichen Leben drinnen sind, zugrunde liegt ein Leib, der eine innere Kraftgestaltung ist und der nur in einer solchen imaginativen Erkenntnis geschaut werden kann. Man lebt sich ein in dasjenige, was durch Hypothese von der physikalischen und biologischen Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten immer wieder und wiederum gesucht worden ist, was von anderen heute sogar geleugnet wird in seinem Dasein, man lebt sich ein in die reale Ätherwelt gegenüber der ponderablen physischen Welt und lernt erkennen, wie dasjenige, was unserer physischen Menschengestaltung zugrunde liegt, wirklich ein solcher Äthermensch ist. Aber indem man sich als solcher Äthermensch ergreift, zeigt sich in einem noch höheren Sinne das Zerfließen des Ich-Erdenmenschen. Man kann diesen Äthermenschen nicht ergreifen, ohne daß man in seinen einzelnen Gliedern, in seinen einzelnen Teilen überall zugleich sieht und schaut dasjenige, was Kosmos, was Welt ist. Man wird zu gleicher Zeit aus sich herausgeführt, indem man sich als ätherischen Menschen ergreift, denn dasjenige, was da in uns organisierend wirkt als Äthermensch, das wirft seine Strahlen in Strömungen hinaus in den Kosmos, das bringt uns einen Zusammenhang zwischen diesen oder jenen inneren Organen, zwischen diesem oder jenem Gliede unseres physischen Organismus und dem Kosmos.
[ 11 ] We are now immersing ourselves in the flow of those forces that are otherwise concerned only with providing our sustenance, that make us grow, and that enable our reproduction. And now, by immersing ourselves—not in something abstract, but with our full conscious thought—in something concrete, namely the etheric body, we experience what it is; we experience how our physical body—in which we otherwise dwell in ordinary life—is underpinned by a body that is an inner configuration of forces and that can only be perceived through such imaginative insight. One immerses oneself in that which physical and biological science has sought time and again through hypotheses over the past decades—and whose very existence is even denied by others today—one immerses oneself in the real etheric world as opposed to the ponderable physical world and learns to recognize how that which underlies our physical human form is truly such an etheric human being. But as one grasps oneself as such an etheric human being, the dissolution of the “I”-earth human becomes apparent in an even higher sense. One cannot grasp this etheric human being without seeing and perceiving, in all its individual limbs and parts at once, that which is the cosmos, that which is the world. At the same time, one is led out of oneself by perceiving oneself as an etheric human being, for that which acts within us as an organizing force—the etheric human being—projects its rays in currents out into the cosmos; this establishes a connection between this or that internal organ, between this or that limb of our physical organism and the cosmos.
[ 12 ] Nicht in der Form der abstrakten Begrifflichkeit tritt dasjenige auf, was da erlebt wird, sondern in der gesättigten Form der Bildlichkeit, der Imagination. Aber indem wir in einem gewissen Sinne unsere Egoität dahingegeben haben im Erkennen, so, wie ich das geschildert habe, ergreifen wir zugleich dasjenige, was nun ätherisch außer uns in der Welt ist. Wir dringen durch unseren eigenen Ätherleib in das Ätherische der großen Welt ein, aus der wir ja doch zuletzt als Mensch herausgeboren sind.
[ 12 ] What is experienced there does not appear in the form of abstract concepts, but in the rich form of imagery, of imagination. But by surrendering, in a certain sense, our egoity in the act of cognition—as I have described—we simultaneously grasp that which now exists ethereally outside of us in the world. Through our own etheric body, we penetrate into the ethereal realm of the great world, from which we were, after all, ultimately born as human beings.
[ 13 ] Aber da ergibt sich wiederum eine neue Aufgabe. Die Welt, die wir jetzt erleben, sie ist eine ganz andere [als die physische]; sie hat gewisse Dinge nicht, die wir mit Recht als das Maßgebende unserer physischen Welt betrachten. Sie tritt uns zunächst in einer Bildhaftigkeit entgegen, während wir unsere physische Welt in ihrer richtigen Objektivität erkennen, wenn wir das Bildhafte abstreifen. Aber wenn wir nun aufsteigen aus dem Ergreifen unseres eigenen Ätherleibes zu der Ätherizität der Welt, dann bemerken wir, daß gerade diejenigen Sinne, die uns sonst in der schönsten Weise die Außenwelt vermitteln, daß diese in der Wirksamkeit zurückbleiben. Wir verdanken dasjenige, was wir von der physischen Außenwelt haben, dem Auge, dem Ohr und so weiter. Diese Sinne treten gewissermaßen zunächst zurück, und ge{ade diejenigen Sinne treten, indem man sich so in die Ätherwelt einlebt, in dem menschlichen Erleben in den Vordergrund, die im gewöhnlichen physischen Leben eigentlich nicht beachtet werden: der Gleichgewichtssinn, der Bewegungssinn, der Lebenssinn. Die treten in den Vordergrund. Die Schwere fällt gewissermaßen von uns ab. Ein Erleben eines der Welt eigenen Gleichgewichtes, in das wir uns selber hineinfinden, tritt ein. Die äußerlich durch die Augen angeschauten Bewegungen oder die mit den Instrumenten konstatierten Bewegungen, sie hören auf. Dasjenige aber, was in der Bewegung innerlich erlebt werden kann, wenn der Mensch selber in dieser Bewegung ist, das wird erlebt in der Imagination durch den ruhenden Menschen, indem das Bewegen sich zunächst steigert. Das ist ein lebendiges Hineindringen in die ätherische Welt. Und hier darf ich darauf aufmerksam machen, meine sehr verehrten Anwesenden, daß es wirklich so ist, wie ich in meinen Einleitungsworten heute charakterisiert habe, indem ich sagte, der Weg der anthroposophischen Erkenntnis bedeutet eine Reihe von inneren seelischen Schicksalserlebnissen. Denn dasjenige, was da gewissermaßen als Dämpfung der höheren Sinne und als Vergeistigung und Verstärkung zugleich der gewöhnlich als niedrig angesehenen Sinne eintritt, das ist mit einem solchen Schicksalserlebnis in Verbindung. Und, ich möchte, trotzdem ich weiß, wessen man sich aussetzt bei einer solchen Schilderung, ich möchte dasjenige, was ich hier sagen will, an einem Beispiel erwähnen: Ich war einstmals beschäftigt mit dem innerlichen gedanklichen Durcharbeiten desjenigen, was der Mensch eigentlich erlebt, wenn er sich mit seiner Seele zu diesen oder jenen Weltanschauungen bekennt, wenn er Materialist wird, Idealist, Realist, Spiritualist, Positivist, Skeptiker und so weiter. Diese Dinge lassen sich ja, wenn man sie wirklich aus dem menschlichen Inneren heraus zu erkennen strebt, nicht erschöpfen in dem, was das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche heutige Wissenschaft über sie hervorbringen. Das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche heutige Wissenschaft erschöpfen sich eigentlich darinnen, daß der Idealist über den Realisten schimpft, ihn abkritisiert und daß er dasjenige, was der Realist vorbringt, in Grund und Boden bohrt; der Spiritualist wird hochmütig, und trotzdem er oftmals ein völliger Laie ist in demjenigen, was man nur in der materiellen Welt erkennen kann, ergeht er sich in den abfälligsten Kritiken über den Materialismus, der dennoch eine kosmische Begleiterscheinung war unserer modernen, mit Recht so gerühmten Wissenschaftlichkeit. Diese Dinge, warum das Menschengemüt nach der einen Seite sich zum Materialismus hinneigt, auf der anderen Seite zum Beispiel zum Spiritualismus oder Idealismus, diese Dinge liegen tiefer als man gewöhnlich meint.
[ 13 ] But this, in turn, gives rise to a new task. The world we now experience is quite different [from the physical world]; it lacks certain things that we rightly regard as defining our physical world. At first, it appears to us in a pictorial form, whereas we perceive our physical world in its true objectivity only when we strip away the pictorial aspect. But when we now rise from the perception of our own etheric body to the etheric nature of the world, we notice that precisely those senses which otherwise convey the external world to us in the most beautiful way fall short in their effectiveness. We owe what we experience of the physical external world to the eye, the ear, and so on. These senses, so to speak, initially recede into the background, and as one becomes attuned to the etheric world, precisely those senses that are not usually taken into account in ordinary physical life come to the fore in human experience: the sense of balance, the sense of movement, and the sense of life. These come to the fore. The sense of heaviness, as it were, falls away from us. An experience of a balance inherent in the world, into which we find our way, sets in. The movements observed externally through the eyes, or those recorded by instruments, cease. But what can be experienced inwardly in the movement—when the human being is within that movement—is experienced in the imagination by the person at rest, as the movement initially intensifies. This is a living penetration into the etheric world. And here I would like to draw your attention, my esteemed audience, to the fact that it is truly as I characterized it in my opening remarks today, when I said that the path of anthroposophical knowledge involves a series of inner, soulful experiences of destiny. For what occurs there—in a sense, as a dampening of the higher senses and, at the same time, as a spiritualization and strengthening of the senses usually regarded as lower—is connected with such an experience of destiny. And, although I know what one exposes oneself to with such a description, I would like to illustrate what I wish to say here with an example: I was once engaged in an inner, intellectual exploration of what a person actually experiences when they commit themselves, with their soul, to this or that worldview—whether they become a materialist, an idealist, a realist, a spiritualist, a positivist, a skeptic, and so on. If one truly strives to understand these things from within the human being, they cannot be fully grasped through what ordinary life and contemporary science have to offer on the subject. Ordinary life and contemporary science, in fact, are limited to the idealist railing against the realist, criticizing him, and thoroughly dismantling the realist’s arguments; the spiritualist becomes arrogant, and even though he is often a complete layman in matters that can only be understood in the material world, he indulges in the most disparaging criticisms of materialism, which was nonetheless a cosmic byproduct of our modern, rightly celebrated scientific approach. These reasons—why the human mind tends toward materialism on the one hand, and toward spiritualism or idealism, for example, on the other—run deeper than is generally supposed.
[ 14 ] Wenn man sich ernsthaftig auf diese Dinge einläßt, dann vollzieht man eine innerliche Seelenarbeit, die mit dem Gedankenhaften in einem gesunden, aber auch umfassenden Sinne zusammenhängt. Man erlebt zugleich etwas, indem man denkt. Indem man abstrakt denkt, erlebt man nichts, indem man aber dasjenige, was für den Menschen doch Erlebnis wird, Materialist oder Spiritualist, Realist oder Idealist zu sein, indem man das erlebt, wird man gewissermaßen hineingeführt in das unmittelbare Dasein des Menschlich-Seelischen. In einer ganz anderen Weise wird dieses Menschlich-Seelische von einem solchen, ich möchte sagen tief ins Innere hineingeschobenen Denken ergriffen, als das der Fall ist bei den gewöhnlichen Wissenschaften.
[ 14 ] When one seriously engages with these things, one undertakes an inner spiritual process that is connected to the realm of thought in a healthy yet comprehensive sense. At the same time, one experiences something through thinking. Through abstract thinking, one experiences nothing; but by experiencing what ultimately becomes an experience for every human being—whether materialist or spiritualist, realist or idealist—one is, in a sense, led into the immediate existence of the human soul. This human-spiritual realm is grasped in a completely different way by such thinking—which I would describe as deeply rooted within—than is the case in the ordinary sciences.
[ 15 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, was man bei einem solchen Denken, das eben ein meditatives, ein konzentriertes Denken sein muß, erleben kann, das führt einen dann weiter, das löst los gewisse Kräfte der Imagination, das führt dazu, daß für einzelne konkrete Dinge sich wirklich statt des bloßen Gedankenerlebens, aber mit dem vollständigen Charakter dieses Gedankenerlebens, ein inneres Bild-Erleben einstellt, das aber jetzt nicht ein erträumtes, ein phantasiertes Bilderlebnis ist, sondern das zusammenhängt mit den kosmischen, den äußeren Erscheinungen zugrunde liegenden, gelst1gübersinnlichen Tatsachen.
[ 15 ] What one can experience, my esteemed audience, in such thinking—which must necessarily be meditative, concentrated thinking—leads one further; it unleashes certain powers of the imagination; it leads to a point where, for individual concrete things, instead of merely experiencing them as thoughts, but with the full character of that mental experience, an inner image experience arises—one that is not a dreamlike or fancied image, but is connected to the cosmic, supersensible facts underlying external phenomena.
[ 16 ] Und so lebte ich mich dazumal, nachdem ich durchgemacht hatte diese Konzentration, diese Meditation über das Ihnen eben Geschilderte, so lebte ich mich dazumal ein in die imaginative Welt so, daß aus dem ganzen Menschen, der in der Vorstellung auftauchte, etwas wurde, was plötzlich in einer konkreten Weltentatsache vor dem inneren Auge stand. Es formte sich aus demjenigen, was man als das Wesen des Menschen erfaßt, als Bild des Kosmischen der Tierkreis, der Zodiakus; aber jetzt nicht so, wie man ihn in der abstrakten Erfassung vor sich hat, sondern so, daß die einzelnen Gebilde des Tierkreises wirklich wesenhaft wurden, daß das Geistige aus diesem Tierkreis heraustrat und selber verriet, wie es nun wieder mit den einzelnen Gliedern der Menschennatur zusammentrat: Die Welt als Bild, innerhalb einer gewissen Sphäre als Bild, das Hinausleben der inneren Gedanken, strebend in die kosmische Bildlichkeit.
[ 16 ] And so, back then, after I had gone through this concentration, this meditation on what I have just described to you, I immersed myself in the world of imagination in such a way that the whole human being who appeared in my imagination became something that suddenly stood before my inner eye as a concrete fact of the world. From what is grasped as the essence of the human being—as an image of the cosmic—the zodiac took shape; but not in the abstract way one usually conceives of it, but rather in such a way that the individual constellations of the zodiac truly became essential entities, so that the spiritual emerged from this zodiac and itself revealed how it now reconnected with the individual aspects of human nature: The world as an image, within a certain sphere as an image, the outward expression of inner thoughts, striving toward cosmic imagery.
[ 17 ] Das Ich fließt nicht nur aus in diesem Strom der eigenen persönlichen Erlebnisse für dieses Erdenleben, das Ich fließt aus in den Kosmos. Man lernt dasjenige erkennen, was im wellenden, wogenden Äther des Kosmos wirklich da ist. Man gelangt nicht in dieses wellende, wogende Leben des Kosmos anders als dadurch, daß man die Egoität steigert bis zu dem Grade, wo sie ankommt an ihrer Kulmination, sich dann selber im Welterfassen aufhebt und sich ausergießt in das objektive Weltendasein.
[ 17 ] The “I” does not merely flow out into this stream of one’s own personal experiences in this earthly life; the “I” flows out into the cosmos. One learns to recognize what truly exists in the undulating, surging ether of the cosmos. One cannot enter into this undulating, surging life of the cosmos except by increasing one’s sense of self to the point where it reaches its culmination, then transcends itself in the act of comprehending the world, and pours itself out into objective worldly existence.
[ 18 ] Dasjenige, was ich Ihnen schildere, ist im Grunde genommen der Charakter der ätherischen Welt. In dieser ätherischen Welt sich zu erleben — Sie werden es jetzt verstehen, daß ich es ein Schicksalserlebnis nenne. Erkenntniserleben ist zugleich ein Schicksalserlebnis. In dieser ätherischen Welt kann man dasjenige erleben, was nicht anders geschildert werden kann als so, wie ich es geschildert habe in meiner «Geheimwissenschaft». Es ist das ätherische Welterlebnis, das in dieser «Geheimwissenschaft» hat zur Darstellung kommen können.
[ 18 ] What I am describing to you is, in essence, the nature of the etheric world. To experience oneself in this etheric world—you will now understand why I call it an experience of destiny. An experience of insight is at the same time an experience of destiny. In this etheric world, one can experience what cannot be described in any other way than as I have described it in my Occult Science. It is the experience of the etheric world that has been able to find expression in this Occult Science.
[ 19 ] Aber zu gleicher Zeit wendet sich das innere Schicksal da so, daß man die Egoität, in die man hineinversetzt ist im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod, daß man diese Egoität, ich möchte sagen, kontinuierend sich verbreiten fühlt. Da handelt es sich dann darum, daß durch die Fortsetzung solcher Übungen, wie ich sie ja angegeben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft» in ihrem zweiten Teile, daß durch die Fortsetzung solcher Übungen das Ich, das man eigentlich in einem gewissen Sinne psychologisch verloren hat, daß dieses Ich wiedergefunden wird.
[ 19 ] But at the same time, one’s inner destiny takes such a turn that one feels the sense of self—into which one is placed in ordinary life between birth and death—expanding continuously, so to speak. The point, then, is that through the continuation of such exercises—as I have described them in How to Attain Knowledge of the Higher Worlds and in the second part of my Esoteric Science—through the continuation of such exercises, the “I,” which one has in a certain sense psychologically lost, is rediscovered.
[ 20 ] Entwickelt man — jeder Mensch kann das entwikkeln —, entwickelt man die Kraft, die Gedanken hineinzutragen in das Bild-Erleben, und übt man dieses Hineintragen der Gedankenkraft in das ätherische BildErleben lange genug — für den einzelnen Menschen ist es so lange, für den anderen anders lange —, übt man dieses lange genug, übt man es gewissermaßen so lange, bis es die nötige Stärke hat, um zu bekämpfen die fortdauernde Sucht, daß man den Gedanken verliert in den Bildern, behält man gewissermaßen Oberhand mit seiner Besonnenheit, mit dem Durchtränktsein der ätherischen BildErlebnisse von der Gedankenkraft, dann tritt das IchErlebnis wieder auf. Aber es tritt auf jetzt in einer völlig verwandelten Gestalt, es tritt jetzt auf vor der vollbesonnenen Seele, vor der Seele, die so besonnen ist, wie man nur in der Lösung irgendeines mathematischen Problems besonnen sein kann. Es tritt das Ich-Erlebnis heraus aus der ätherischen Bilderwelt, aber es tritt so heraus, daß wir es gewissermaßen nicht erblicken als etwas, was unserer physischen Körperlichkeit innewohnt, sondern daß wir es erblicken als hervorgehend aus der kosmischen Ätherwelt, bis zu deren Anschauung wir uns aufgeschwungen haben. Man möchte sagen: Während sonst unser Ich, wenn es heraustritt, so erlebt, so angeschaut wird, wie wenn es aus dem physischen Leibe käme, wie wenn es also aus einem menschlichen Zentrum herauskäme, erleben wir es jetzt, wie, ich möchte sagen, aus der unbestimmten Peripherie des Weltenalls unser Ich herunterstrahlt, wie es in einem Zentrum zusammenlaufen will, statt auseinanderzulaufen. Und wir merken: Von der Welt, in die wir jetzt versetzt sind mit voller innerer Besonnenheit, mit voller innerer Erkenntniskraft, von der Welt träumen wir eigentlich im gewöhnlichen Leben zwischen Geburt und Tod nur dann, wenn wir eine Kraft anwenden, die zunächst keine Erkenntniskraft sein kann, wenn wir die Kraft des Fühlens anwenden.
[ 20 ] If one develops this ability—and every person can do so—one develops the power to carry thoughts into the experience of images; and if one practices carrying this power of thought into the etheric experience of images long enough—for one person it is one length of time, for another a different length of time— if one practices this long enough—if one practices it, so to speak, until it has the necessary strength to combat the persistent tendency to lose one’s thoughts in the images—and if one maintains, so to speak, the upper hand through one’s composure and by saturating the etheric visual experiences with the power of thought, then the experience of the “I” reemerges. But it now emerges in a completely transformed form; it now appears before the fully composed soul—the soul that is as composed as one can only be when solving a mathematical problem. The experience of the “I” emerges from the ethereal world of images, but it emerges in such a way that we do not, so to speak, perceive it as something inherent in our physical body, but rather as emerging from the cosmic etheric world, to the contemplation of which we have elevated ourselves. One might say: Whereas ordinarily, when our “I” emerges, it is experienced and perceived as if it were coming from the physical body—as if, in other words, it were emerging from a human center—we now experience it as if, I might say, our “I” were radiating down from the indefinite periphery of the universe, as if it were striving to converge at a center rather than diverge. And we realize: Of the world into which we are now transported—with full inner composure, with full inner power of insight—we actually dream of this world in ordinary life between birth and death only when we apply a power that cannot initially be a power of insight, when we apply the power of feeling.
[ 21 ] Das, was wir im gewöhnlichen Menschenleben fühlend erleben, es ist ja nicht durchdrungen in demselben Maße von der Gedankenkraft wie unser Vorstellungsleben. Es ist in Wirklichkeit — ich habe das oftmals auseinandergesetzt — nur insoweit durchdrungen von der Gedankenkraft, wie unsere Träume von der Gedankenkraft durchdrungen sind. Dasjenige, was wir also gewissermaßen im Weltenschatten des persönlichen Fühlens erleben, das erleben wir nun in seiner wahren Gestalt: das Ich, wie es heruntersteigt aus der Weltenperipherie, aus der Weltenätherizität, wie es sich, statt zu zerfließen ins Unbestimmte, hindrängt nach dem Mittelpunkte des eigenen Wesens. Und in diesem Erfassen, das das gewöhnliche Gefühlserlebnis zu einem wirklichen Gedankenerlebnis, daher auch zu einem wirklichen Erkenntniserlebnis macht, in diesem Erlebnis erfassen wir dasjenige, was in anthroposophischer Menschenerkenntnis der astralische Leib genannt wird, der astralische Leib, der uns erscheint als uns von der Welt gegeben, wenn wir aus unserem Zentrum herausblicken. Wir entdecken, wie gewissermaßen herausträufelt aus den Ätherkraftanordnungen dasjenige, was unser astralischer Leib ist. Es ist uns so, wie wenn wir plötzlich nun nicht in uns leben, sondern lebten in Atemluft, die wir einatmen — wie wenn unser Körper objektiv dastünde und wir nicht in diesem Körper wären, sondern in der Atemluft, die wir einatmen —, und es ist uns so wie wenn wir fühlten, daß unsere äußerliche Körperlichkeit lediglich eben dieser Luftkörper wäre, der eindringt in das menschliche Innere, es ist uns so, wie wenn wir da in die Organe des Menschen hineinsähen, wie wenn wir erst uns annäherten der menschlichen Form in ihrer Äußerlichkeit.
[ 21 ] What we experience emotionally in ordinary human life is not, after all, permeated by the power of thought to the same extent as our life of imagination. In reality—as I have often explained—it is permeated by the power of thought only to the same extent that our dreams are permeated by the power of thought. What we thus experience, so to speak, in the “shadow world” of personal feeling, we now experience in its true form: the “I” as it descends from the periphery of the world, from the world’s etheric realm, and as it, instead of dissolving into the indeterminate, pushes its way toward the center of its own being. And in this perception—which transforms the ordinary emotional experience into a genuine experience of thought, and thus also into a genuine experience of insight—in this experience we grasp what is called the astral body in anthroposophical understanding of the human being, the astral body that appears to us as given to us by the world when we look out from our center. We discover how, as it were, what constitutes our astral body trickles out of the arrangements of etheric forces. It is as if we were suddenly no longer living within ourselves, but were living in the air we breathe in—as if our body were standing there objectively and we were not within this body, but within the air we breathe in—and it is as if we felt that our external physicality were merely this very air body that penetrates into the human interior, it is as if we were looking into the human organs, as if we were only just approaching the human form in its outward appearance.
[ 22 ] Von diesem Atmungserlebnis aufsteigend hat gerade die indische Yoga-Philosophie dasjenige Erlebnis erreichen wollen, was ich Ihnen jetzt als das Erleben der astralischen Welt geschildert habe. Wir im Abendlande dürfen — das ist durch unsere Organisation bedingt — dem Morgenland dieses Yoga-Erlebnis nicht nachmachen. Aber alles dasjenige, das wir zunächst erleben können, indem wir auf diese Weise eigentlich uns außerhalb unseres Leibes erleben, das nimmt sich so dar, wie die Weltenseele in dem ätherischen Weltenleibe. Wir haben überhaupt in einer konkreten Erkenntnis niemals einen physischen Weltenleib vor uns, sondern in wirklicher Erkenntnis erreichen wir auf die geschilderte Weise nur einen ätherischen Weltenleib, und in diesem ätherischen Weltenleib erleben wir die Weltenseele in ihren Konfigurationen, deren eine unsere eigene Seele, unser eigener Astralleib — wenn ich es so ausdrücken darf — ist.
[ 22 ] Building upon this experience of breathing, Indian yoga philosophy in particular has sought to attain the very experience that I have just described to you as the experience of the astral world. We in the West—due to our constitution—must not imitate this yogic experience of the East. But everything we can initially experience by perceiving ourselves in this way as existing outside our physical body presents itself in the same way as the world soul does within the etheric world body. In concrete knowledge, we never actually have a physical world-body before us; rather, in true knowledge, we attain only an etheric world-body in the manner described, and within this etheric world-body we experience the World Soul in its various configurations, one of which is our own soul, our own astral body—if I may put it that way.
[ 23 ] Man kann nun, so wie ich in meiner «Geheimwissenschaft» dasjenige, was man als Ätherwelt überblickt, das Wogen und Wesen dieser Ätherwelt in seiner Konkretheit geschildert habe, ebenso seelenhaft das Werden und Weben des Kosmos schildern. Es wird mir ja vielleicht obliegen, wenn es in diesem Leben noch zustande kommen sollte, daß ich nun dasjenige, was gewissermaßen äußerlich als Ätherwelt geschildert ist in meiner «Geheimwissenschaft», daß das auch als astralische Welt einmal geschildert werden kann. Man wird sehen, daß dann aus ganz anderem Geiste heraus gesprochen werden muß, daß dann den Schilderungen dieser «Geheimwissenschaft» etwas zur Seite treten muß, das sich in seiner Schilderung, in seinen Charakterisierungen durchaus wiederum ganz anders ausnehmen muß, als die Schilderungen, die Charakteristik dieser «Geheimwissenschaft». Und ich sage denjenigen, die heute an meine Schriften so herantreten, daß sie, statt den Willen zu haben, in die Sachen einzudringen, an Worten herumkrebsen und nach Widersprüchen angeln, ich sage denen voraus, daß sie finden werden zwischen dem Buche, das in dieser Weise entsteht durch die Schilderung des Astralischen gegenüber dem Ätherischen, daß sie da eine noch größere Portion von demjenigen finden werden, was sie in ihrer Art als Widersprüche konstatieren werden. Es sind das die Widersprüche des Lebens, und derjenige, der objektiv in das Leben eindringen will, der muß sich mit diesen Widersprüchen lebendig, nicht in abstrakter Logik bekanntmachen.
[ 23 ] Just as I have described in my Secret Science the world of the ether—its undulations and essence in all their concreteness—one can likewise describe the becoming and weaving of the cosmos in a soulful way. It may well fall to me—should it come to pass in this lifetime—to describe what is, in a sense, portrayed externally as the etheric world in my Secret Science as the astral world as well. It will become clear that this will require speaking from an entirely different spirit, and that the descriptions in this Secret Science must give way to something that, in its depiction and characterizations, will appear quite different from the descriptions and characterizations found in Secret Science. And I say to those who approach my writings in this way today—who, instead of having the will to delve into the matters at hand, nitpick at words and fish for contradictions— I predict to them that, in the book that arises in this way through the description of the astral in contrast to the ethereal, they will find an even greater abundance of what they, in their own way, will regard as contradictions. These are the contradictions of life, and anyone who wishes to penetrate life objectively must familiarize themselves with these contradictions in a living way, not through abstract logic.
[ 24 ] Indem aber dieses, was wir kennenlernen als unser eigenes Astralisches, als unser eigenes Seelisches, in dieser Welt an uns herantritt, fühlen wir uns ja eigentlich als kosmischer Mensch, und unseren eigenen astralischen Leib, unsere eigene Seele fühlen wir nur als ein Glied des Kosmos. Aber wir fühlen es als ein Glied nunmehr nicht des ätherischen, sondern des seelischen Kosmos, und wir wissen jetzt: der Kosmos, er hat eine Seele. Und indem wir in der Lage sind, den astralischen Leib als etwas anderes vor unsere Seele hinzustellen als dasjenige, was uns nur durch unsere äußere physische Körperlichkeit und durch die Ätherizität erscheint, wird ein unserer Geburt oder unserer Konzeption vorangehendes, ein im Geiste, in der Seelenwelt vollbrachtes Leben vor diese unsere Seele gestellt, und ein Leben, in das wir eintreten als ein Geistig-Seelisches, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Dasjenige, was man Unsterblichkeit nennt, und auch dasjenige, was unsere Zivilisation verloren hat und das man Ungeborenheit nennen müßte, das wird eine Tatsache, denn man lernt sich aus der ganzen, das einzelne Menschenleben überdauernden Welt heraus kennen. Man ergreift nicht nur dasjenige Stück des menschlichen Wesens, das im Leibe zwischen Geburt und Tod eingekörpert ist, sondern man ergreift jene menschliche Wesenheit, die der Geburt vorangeht und dem Tode folgt; man ergreift sich als ein Glied der dauernden geistigen Welt.
[ 24 ] But when that which we come to know as our own astral body, as our own soul, approaches us in this world, we actually feel ourselves to be cosmic human beings, and we perceive our own astral body, our own soul, merely as a part of the cosmos. But we now perceive it as a part not of the etheric cosmos, but of the soul-cosmos, and we now know: the cosmos has a soul. And because we are able to present the astral body to our soul as something different from what appears to us solely through our outer physical body and through the etheric, a life that preceded our birth or conception—a life accomplished in the spirit, in the world of the soul—is set before our soul, and a life into which we enter as a spiritual-soul being when we pass through the gate of death. What is called immortality—and also that which our civilization has lost and which one would have to call “pre-birth”—becomes a reality, for we come to know ourselves from within the entire world that endures beyond the individual human life. One grasps not only that part of the human being that is embodied in the physical body between birth and death, but one grasps that human being which precedes birth and follows death; one grasps oneself as a member of the enduring spiritual world.
[ 25 ] Und noch weiter kann fortgesetzt werden jene innere Konzentration, jene innere Meditation, wobei man nur darauf sehen muß, daß die Kraft, die man erlangt hat, die Bilderwelt mit Gedanken zu durchdringen, daß die Kraft der Besonnenheit voll erhalten wird. Noch weiter kann man vordringen in diesem Durchsetzen der Imagination mit Gedankeninhalten, und dem Durchsetzen der Inspiration mit Gedankeninhalten, man kann immer verstärken dasjenige, was besonnenes Gedankenerlebnis in Imagination, in Inspiration ist, und dann kommt man zum Erleben der wahren Gestalt des zentralen menschlichen Ich. Dann dringt man durch den menschlichen Astralleib, der sich eigentlich darstellt als aus der Peripherie der Welt sich gegen unser menschliches Zentrum hin entwickelnd, der sich darstellt als ein Glied des ganzen astralischen Kosmos. Man gelangt von diesem aus in das eigentliche wahre Ich, von dem man ja im gewöhnlichen Leben nur einen Schatten hat, zu dem man «Ich» sagt, man gelangt zu demjenigen, was man als Ich nunmehr objektiv anschaut, wie man sonst äußere Dinge objektiv anschaut. Denn dasjenige, was man auf dem Erkenntniswege durchmacht, das hat einen aus der eigenen Leiblichkeit herausgebracht, und was jetzt wiederum einzieht in die eigene Leiblichkeit, das ist nicht das Ich, das man im gewöhnlichen Leben hat, das ist ein reales Ich.
[ 25 ] And one can go even further with this inner concentration, this inner meditation, provided one ensures that the power one has attained—the power to permeate the world of images with thoughts—and the power of prudence are fully preserved. One can advance even further in this process of imbuing imagination with thought content and inspiration with thought content; one can continually strengthen that which constitutes a sober experience of thought in imagination and inspiration, and then one comes to experience the true form of the central human “I.” Then one penetrates through the human astral body, which actually presents itself as developing from the periphery of the world toward our human center, and which presents itself as a limb of the entire astral cosmos. From there one reaches the actual true “I”—of which one has only a shadow in ordinary life, to which one says “I”—and one arrives at that which one now views objectively as the “I,” just as one otherwise views external things objectively. For what one experiences on the path of knowledge has brought one out of one’s own physicality, and what now returns to one’s own physicality is not the “I” one has in ordinary life; it is a real “I.”
[ 26 ] Dieses reale Ich hat zunächst nichts zu tun mit vielem von dem, was uns aus dem Kosmos heraus als menschlichen Organismus gestaltet, was in uns wirkt und lebt aus der Welt, die wir vor der Geburt oder vor der Empfängnis im geistig-seelischen Reiche durchgemacht haben. Dieses Ich stellt sich dar als ein Objektives, als dasjenige, das gewissermaßen die Summe darstellt all derjenigen Iche, die wir durchlebt haben in unseren abgelaufenen Erdenleben.
[ 26 ] This real “I” initially has nothing to do with much of what shapes us as human organisms from the cosmos—that which acts within us and lives on from the world we experienced in the spiritual-soul realm before birth or before conception. This “I” presents itself as something objective, as that which, in a sense, represents the sum of all the “I”s we have lived through in our past earthly lives.
[ 27 ] Das wird erreicht auf der Stufe des Intuitiven, des wahrhaftigen Intuitiven. Da wird dasjenige, was in anthroposophischer Menschenerkenntnis geschildert werden kann als die wiederholten Erdenleben, da wird das zu einer Weisheit. Wie überhaupt anthroposophische Erkenntnis nicht darinnen besteht, daß man auf Grund vorliegender Tatsachen abstrakte Erkenntnisse aufstellt, die Bilder sind der Tatsachen, sondern wie anthroposophische Menschenerkenntnis darin besteht, daß man sich in das Wesenhaft-Menschliche nach und nach real hineinlebt. Dasjenige, was man von diesem Menschenwesen erfährt, indem man zuerst in der ätherischen Erkenntnis ausgegossen hat sein Ich, seine Egoität, in den Strom des Lebens zwischen Geburt und Tod, das steht jetzt als das Subjekt denjenigen Ichen gegenüber, die objektiv geworden sind auf dem Wege von unserem früheren Erdenleben zu unserem gegenwärtigen Erdenleben. Aus einem solchen Erkenntniswege heraus spricht derjenige, der aus innerer Anschauung, nicht aus einer Theorie heraus, über das Bestehen wiederholter menschlicher Erdenleben spricht. Diese Anschauung von den wiederholten menschlichen Erdenleben ist eben keine Theorie, sondern sie ist etwas, was auftritt als eine Erkenntnis gleichzeitig mit der Anschauung des wahren Ich, das wir im Grunde genommen im gewöhnlichen Leben so vor uns haben, wie wir unser Seelenleben vor uns haben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Wie wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in einem Zustande sind, in den wir nicht hineinschauen, der uns gewissermaßen nur negativ als ein leerer Stromteil unseres Erlebens gegeben ist, wie wir gewissermaßen aussparen müssen in unserem Lebensstrom dasjenige, was wir schlafend erlebt haben, wie wir, wenn wir zurückblicken und unser Leben vor uns auftreten lassen, wie wir für das gewöhnliche Bewußtsein eigentlich nur immer jene Lebensstrecken haben, die verlaufen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie diese immer unterbrochen sind von leeren Stromlängen, Stromgliedern, so sehen wir im gewöhnlichen Leben in unser Ich, in unsere Organisation hinunter. Wir sehen, indem wir erleben das wogende, webende Seelenleben, gewissermaßen eine leere Stelle, die wir so verschlafen, wie wir unseren Schlafzustand verschlafen, und zu dieser leeren Stelle sagen wir Ich, nicht zu etwas real Erfülltem. Anthroposophische Menschenerkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden, kann angeben, wie sie zu ihrem Inhalte gelangt, kann Stück für Stück schildern, wie sie innerlich vorrückt zum Ergreifen desjenigen, was sie als Lehre muß vor die Welt hinstellen. Und weil wirkliche anthroposophische Menschenerkenntnis überall den Gedanken hineinträgt — denn Sie haben gesehen, daß ich den Hauptwert darauf legen mußte in der Schilderung dieser anthroposophischen Menschenerkenntnismethode, daß in Imagination, in Inspiration das Gedankenerlebnis mit aller Schärfe hineingetragen worden ist, daß dieses Gedankenerlebnis zuletzt auch noch erscheint im intuitiven Erlebnis; Sie haben gesehen, daß ich darauf den besonderen Wert legen mußte —, und weil das Gedankenerlebnis überall drinnen ist, weil dasjenige, was der Mensch im abstrakten Gedankenerlebnis hat, das er verwendet zu der gewöhnlichen Wissenschaft, überall in all dem drinnen ist, wohinein der Geistesforscher seine Seele und seinen Geist, sein Ich lenkt, deshalb ist auch alles dasjenige, was der Geistesforscher vor der Welt vorbringt, durch das bloße Gedankenerlebnis nachzuleben und auch nachzuprüfen. Der Mensch muß nur die Möglichkeit haben, dem Geistesforscher bis zum Gedankenerlebnis zu folgen. Er darf nur nicht das Gedankenerlebnis sogleich verlieren, wenn er die Sphäre des Sinneserlebens verläßt. Er muß die Kraft haben, diejenige innere Wachstumsfähigkeit und Reproduktionsfähigkeit zu entwickeln, die den sich selbst erzeugenden Gedanken auch dann noch hat, wenn der an der äußeren Sinneserscheinung angeregte Gedanke aufhört, seinen eigentlichen Charakter zu tragen. Dieses intensive innere Erleben, das kann zunächst angeeignet werden; dann wird man finden: der Geistesforscher, er schildert Dinge, die er im wesentlichen erlebt hat, indem er den Gedanken hineingetragen hat in Imagination, Inspiration und Intuition.
[ 27 ] This is achieved on the level of the intuitive, the truly intuitive. There, what can be described in anthroposophical knowledge of the human being as repeated earthly lives becomes a form of wisdom. Just as anthroposophical knowledge does not consist in deriving abstract insights—which are merely images of the facts—from existing facts, but rather consists in gradually immersing oneself in the essential nature of the human being. What one learns about this human being—by first, in etheric knowledge, having poured out one’s “I,” one’s ego, into the stream of life between birth and death—now stands as the subject facing those “I’s” that have become objective on the path from our previous earthly life to our present one. It is from such a path of knowledge that one speaks—based on inner insight, not on theory—about the existence of repeated human earthly lives. This insight into repeated human earthly lives is precisely not a theory, but rather something that arises as a realization simultaneously with the insight into the true “I,” which we essentially have before us in ordinary life just as we have our soul life before us between falling asleep and waking up. Just as, between falling asleep and waking up, we are in a state into which we do not look—a state that is, so to speak, given to us only negatively as an empty segment of our stream of experience—just as we must, so to speak, leave out of our life’s stream that which we experienced while asleep, just as, when we look back and let our life unfold before us, how, for ordinary consciousness, we actually always have only those stretches of life that run from waking to falling asleep, how these are always interrupted by empty stretches of the stream, segments of the stream—so in ordinary life we look down into our “I,” into our organization. As we experience the undulating, weaving life of the soul, we see, so to speak, an empty space that we sleep through, just as we sleep through our state of sleep; and to this empty space we say “I,” not to something that is truly filled. Anthroposophical knowledge of the human being, my esteemed audience, can explain how it arrives at its content; it can describe, step by step, how it advances inwardly to grasp that which it must present to the world as a teaching. And because true anthroposophical knowledge of the human being carries thought into every aspect of it—for you have seen that I had to place particular emphasis on this in my description of this anthroposophical method of understanding the human being: that in imagination and inspiration, the experience of thought has been carried in with the utmost clarity, and that this experience of thought ultimately also appears in the intuitive experience; you have seen that I had to place special emphasis on this—and because the experience of thought is present throughout, because what the human being possesses in the abstract experience of thought—which he employs in ordinary science—is present everywhere in all that into which the spiritual researcher directs his soul, his spirit, and his “I,” therefore everything the spiritual researcher presents to the world must be relived and verified through the mere thought experience itself. People need only have the opportunity to follow the spiritual researcher all the way to the thought experience. He must simply not lose that experience of thought immediately upon leaving the sphere of sensory experience. He must have the strength to develop that inner capacity for growth and reproduction which the self-generating thought still possesses even when the thought stimulated by the external sensory phenomenon ceases to bear its true character. This intense inner experience can first be acquired; then one will find that the spiritual researcher describes things he has essentially experienced by carrying the thought into imagination, inspiration, and intuition.
[ 28 ] Dasjenige, was er da an Gedanken hineinträgt, man kann ihm folgen, man kann es prüfen. Denn an den Gedanken, die er gestaltet im imaginativen, im inspirierten, im intuitiven Leben, an den Gedanken kann man, wenn man sie sich vorhält, aus ihrer eigenen Natur und Wesenheit heraus die Richtigkeit prüfen. Man muß nur nicht an dem menschlichen Vorurteil, das ja in der neueren Zeit nur allzustark heraufgezogen ist, kleben, daß ein geprüfter Gedanke nur derjenige ist, für den man eine äußere sinnliche Tatsache als Beweis haben kann. Man muß erkennen, daß der Gedanke selber, derselbe Gedanke, den man in der äußeren Wissenschaft braucht, ein inneres Leben hat, daß er seine innere Organisation gestalten kann. Erlebt man nur diese innere Selbstgestaltung der Gedankenkraft, erlebt man sie in einer Weise, wie sie Hegel zu seiner Zeit noch nicht erleben konnte — daher er nur abstrakte Gedanken in seiner Philosophie aufdröselte —, erlebt man dieses lebendige Bewegen des Gedankens, das ich zunächst in seiner Gestalt darzustellen versuchte in meiner «Philosophie der Freiheit», dann kann man jeden einzelnen Gedanken, den der Geistesforscher äußert, wirklich prüfen. Derjenige, der diese Prüfung nicht unternimmt, der wird das zumeist aus dem Grunde heraus tun, daß er sich aus einem mangelhaften Willen veranlaßt fühlt, zu sagen: Dasjenige, was du da denkst, dem folge ich nicht, denn dazu gibt mir dasjenige, was ich bisher weiß, keine Veranlassung.
[ 28 ] The thoughts he brings into this—one can follow them; one can examine them. For the thoughts he forms in his imaginative, inspired, and intuitive life—one can, when one considers them, verify their correctness based on their own nature and essence. One must simply not cling to the human prejudice—which has become all too prevalent in recent times—that a verified thought is only one for which one can have an external, sensory fact as proof. One must recognize that the thought itself—the very same thought that is used in external science—has an inner life, that it can shape its own inner organization. If one experiences this inner self-formation of the power of thought—experiences it in a way that Hegel, in his time, was not yet able to experience (hence his philosophy consisted only of unraveling abstract ideas)—if one experiences this living movement of thought, which I first attempted to depict in its form in my Philosophy of Freedom, then one can truly examine every single thought expressed by the researcher of the spirit. Those who do not undertake this examination will usually do so because they feel compelled, out of a lack of will, to say: “I do not follow what you are thinking there, for what I know so far gives me no reason to do so.”
[ 29 ] Wer auf diesem Standpunkte steht, mit dem ist allerdings über Anthroposophie, namentlich über anthroposophische Menschenerkenntnis einfach nicht zu reden. Es ist nicht nötig, daß man selber zur Imagination, zur Inspiration, zur Intuition aufsteigt, es ist nur nötig, daß man das Gedankenleben, das man schon in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt, lebendig hineinträgt in das ganze innere Seelenleben, und von diesem lebendigen Erfassen des Gedankens aus dasjenige verfolgt, was der Geistesforscher aus Imagination, Inspiration und Intuition heraus bringt. Aber das, meine sehr verehrten Anwesenden, muß man als einen Entschluß fassen, von dem toten Denken abzukommen, das nur Glied an Glied als Begriffe anordnet, so wie die äußere Sinneswelt verläuft. Dieses tote Denken verläuft so, daß ich an dem einen Stück äußerer Sinnenwelt bilde diesen Begriff, dann klebe ich ihn an an denjenigen Begriff, den ich an dem anderen Stück Sinneswelt gewinne und so weiter. Nur wer festhält an dieser Klebemethode für ein Begriffssystem, der wird sagen, er könne vom Standpunkte des gewöhnlichen Denkens aus nicht nachprüfen, was in der Anthroposophie gegeben ist. Wer aber erfaßt, daß der Mensch in sich wirklich trägt, in sich erlebt das Denken als einen lebendigen Organismus — es ist nur überschattet, es ist nur durch eine Illusion überschattet —, wer erfaßt dieses im lebendigen Leben stehende Denken, der kann aus diesem Denken heraus alles nachprüfen, was der Geistesforscher über Mensch und Welt hinstellt.
[ 29 ] It is simply impossible to discuss anthroposophy—and especially anthroposophical understanding of the human being—with anyone who holds this view. It is not necessary to rise to the levels of imagination, inspiration, or intuition oneself; it is only necessary to bring the life of thought—which one already develops in ordinary science—vividly into one’s entire inner soul life, and from this living grasp of thought to follow what the spiritual researcher brings forth through imagination, inspiration, and intuition. But this, my esteemed audience, must be taken as a resolution to break away from that dead thinking which merely strings concepts together one after another, just as the external sensory world unfolds. This dead thinking proceeds in such a way that I form this concept from one aspect of the external sensory world, then I attach it to the concept I derive from another aspect of the sensory world, and so on. Only those who cling to this method of piecing together a conceptual system will say that, from the standpoint of ordinary thinking, they cannot verify what is presented in anthroposophy. But anyone who grasps that human beings truly carry within themselves—and experience within themselves—thinking as a living organism—it is merely overshadowed, merely overshadowed by an illusion—anyone who grasps this thinking that stands within living life can, from within this thinking, verify everything that the spiritual researcher presents about humanity and the world.
[ 30 ] So sehen Sie aus dem ganzen Sinn desjenigen, was ich mir erlaubte Ihnen vorzutragen, daß sich, wenn der Geistesforscher versucht, vorzudringen zur Menschenerkenntnis, im Erstreben dieser Menschenerkenntnis zugleich Welterkenntnis ergibt. Erkenntnis des wahren menschlichen Wesens führt uns über uns hinaus in die objektive Welt hinein. Wirkliche Erkenntnis der wahren objektiven Welt gibt uns innerhalb ihres Inhaltes den Menschen, den wirklich äußerlich und innerlich lebendigen Menschen, der sich heimisch fühlen kann in der Welt, die er auf diese Weise entdeckt. Und so darf gesagt werden: Wie schon geahnt werden kann, daß Welt und Mensch im Intimsten doch zusammengehören müssen, wie ich es schon betont habe in meiner «Philosophie der Freiheit», so stellt gerade Geisteswissenschaft die Erkenntnis vor die Welt hin, daß Welterkenntnis errungen werden muß durch Menschenerkenntnis, weil Weltwesenheit erlebt werden kann im innersten Menschenwesen, daß Menschenwesen erkannt werden kann aus Welterkenntnis heraus, weil der Mensch mit seinem innersten Wesen aus der objektiven, wahren Welt stammt; daß errungen werden muß Welterkenntnis durch Menschenerkenntnis [und Menschenerkenntnis durch Welterkenntnis].
[ 30 ] Thus, from the overall meaning of what I have taken the liberty of presenting to you, you can see that when the spiritual researcher attempts to advance toward an understanding of humanity, the pursuit of this understanding of humanity simultaneously yields an understanding of the world. Knowledge of the true human nature leads us beyond ourselves and into the objective world. True knowledge of the real objective world reveals to us, within its very content, the human being—the human being who is truly alive both outwardly and inwardly—who can feel at home in the world he discovers in this way. And so it may be said: Just as one can already intuit that the world and the human being must, at their very core, belong together—as I have already emphasized in my Philosophy of Freedom— it is precisely spiritual science that presents to the world the insight that knowledge of the world must be attained through knowledge of the human being, because the essence of the world can be experienced in the innermost essence of the human being; that the essence of the human being can be understood through knowledge of the world, because the human being, with his innermost essence, originates from the objective, true world; that knowledge of the world must be attained through knowledge of the human being [and knowledge of the human being through knowledge of the world].
[ 31 ] Darinnen kann nun wiederum ein Widerspruch oder gar ein Paradoxon gefunden werden, denn man könnte fragen: Wo sollen wir denn nun anfangen, sollen wir bei der Welterkenntnis anfangen, um aus der Welterkenntnis heraus Menschenerkenntnis zu gewinnen, wie es der Pantheist oder irgendein philosophisch oder materialistisch Denkender unternimmt, oder sollen wir, wie es der Mystiker oftmals unternimmt, aus der Menschenerkenntnis heraus zur Welterkenntnis uns aufschwingen?
[ 31 ] Here, in turn, a contradiction or even a paradox can be found, for one might ask: Where, then, should we begin? Should we start with knowledge of the world in order to gain knowledge of humanity from that knowledge of the world, as the pantheist or any philosophical or materialistic thinker does, or should we, as the mystic often does, soar from knowledge of humanity to knowledge of the world?
[ 32 ] Das ist aber tot, das ist nicht lebendig gedacht. Menschenerkenntnis und Welterkenntnis gehören nicht zusammen wie zwei tote Glieder eines Organismus, so daß man bei dem einen anfangen und zu dem anderen übergehen kann, sondern Menschenerkenntnis und Welterkenntnis gehören zusammen wie die belebten Glieder eines Wesens selber. Und sowenig man sagen kann, es lebt der Kopf durch die Glieder, oder die Glieder leben durch den Kopf, sowenig kann man sagen, man könne bei Welterkenntnis anfangen, um zum Menschen zu kommen, oder bei Menschenerkenntnis anfangen, um zur Welterkenntnis zu kommen, sondern man muß sagen: beides muß sich in lebendiger Einheitlichkeit ergeben, beides muß sich in lebendiger Einheitlichkeit gegenseitig aufhellen. Und in diesem Sinne, im Sinne einer lebendigen Erkenntnis muß sich ergeben für die großen Fragen unserer Zeit eine aus Geistesforschung heraus gewonnene Welterkenntnis durch wahre Menschenerkenntnis, eine wirkliche Menschenerkenntnis durch wahre Welterkenntnis.
[ 32 ] But that is dead; it is not conceived in a living way. Knowledge of humanity and knowledge of the world do not belong together like two dead limbs of an organism, so that one can begin with one and move on to the other; rather, knowledge of humanity and knowledge of the world belong together like the living limbs of a being itself. And just as one cannot say that the head lives through the limbs, or that the limbs live through the head, so too one cannot say that one can begin with knowledge of the world in order to arrive at knowledge of the human being, or begin with knowledge of the human being in order to arrive at knowledge of the world; rather, one must say: both must emerge in living unity; both must illuminate one another in living unity. And in this sense—in the sense of living knowledge—an understanding of the world derived from spiritual research must emerge through true knowledge of the human being, and a true knowledge of the human being must emerge through true understanding of the world, in response to the great questions of our time.
