Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

The Essence of Anthroposophy
GA 77b

27 August 1921, Dornach

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Art and Anthroposophy — The Goetheanum Impulse, tr. SOL
  1. Kunst und Anthroposophie Der Goetheanum-Impuls

10. Schlussworte

10. Concluding Remarks

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Als ich am letzten Sonntag Sie hier als Besucher unseres Sommerkurses begrüßen durfte, da konnte ich aus tiefster Herzensempfindung heraus zu Ihnen sagen, daß hier in diesem Goetheanum versucht werde, in Wissenschaft, in Kunst und in alle dem, was durch Wissenschaft und Kunst religiös angeregt werden kann in den Tiefen des Menschenwesens, dem heute deutlich vernehmbaren Ruf des Geistes der Zeit selber zu folgen, der, wie wir glauben, sich also, wie es hier aufgefaßt ist, vernehmen läßt, weil er will, daß die Menschen sich durch ihre Kraft herausführen aus dem Niedergang hin zu einem neuen Aufgang. Der Erfüllung dieses Zeitenrufes soll ja zunächst die Arbeit dieses Goetheanums, die Arbeit aller seiner Mitarbeiter gewidmet sein. In der kurzen Zeit, die wir so glücklich waren, Sie bei uns hier während dieses Sommerkurses zu sehen, konnte natürlich nicht mehr gegeben werden als höchstens ein paar Andeutungen über dasjenige, was in diesem Goetheanum gewollt wird, was als das eigentliche Ziel unseren Mitarbeitern hier für diese Arbeit vorschwebt. Aber dasjenige, was hier erarbeitet werden will, soll ein lebendiges Ganzes sein. Und so kann es denn wohl auch nicht anders sein als so, daß, wie beim einzelmenschlichen Leben, jeder einzelne Schritt, den man macht, sei es als Kind, sei es als erwachsener Mensch, sei es als Greis, den Sinn des ganzen Lebens in irgendeiner Weise enthält, daß so auch bei einem lebendigen Geisteskörper, einer lebendigen Geistesarbeit, der einzelne Schritt, der nur allein sich darstellen kann in der kurzen Spanne einer Woche, dennoch in gewissem Sinne den Sinn des Ganzen zeigt. Und wir wären hier glücklich, wenn Sie aus diesem einen Schritte etwas entnehmen könnten über den Sinn unserer Arbeit, über den Sinn unseres Wollens. Öfters habe ich mir erlaubt, etwas von dem Sinn dieser Arbeit, dem Sinn dieses Wollens dadurch auszusprechen, daß ich darauf hindeutete, wie der hier im Worte sich aussprechende Erkenntnisinhalt der eine Zweig ist, der aus einer Wurzel herauswächst, wie aber aus dieser Wurzel ein anderer Zweig, der des künstlerischen Schaffens, herauswächst, so daß hier weder Kunst in die Wissenschaft, noch Wissenschaft in die Kunst hineingetragen wird, daß aber beide dieselbe Wurzel haben und beide gleichberechtigt, voll schöpferisch ihre Erzeugnisse hier erarbeiten wollen. Und wenn in dieser Weise erarbeitet wird dasjenige, was sich für die Erkenntnis in Ideen hinstellen kann, dasjenige, was sich für die Anschauungen in Formen aussprechen läßt, so wirkt ein so von den beiden Seiten, von den beiden wichtigsten und wesentlichsten Seiten der menschlichen Natur her sich Offenbarendes auch so, daß es die religiösen Wurzeln des menschlichen Seins erfaßt, daß es in den Menschen hineinwirkt bis in jene tieferen Anlagen des Herzens, wo der Mensch mit dem Einheitlichen der Welt zusammenhängt, mit dem Göttlichen der Welt. So daß, wenn auch hier durchaus nicht alles reformiert werden soll und reformiert werden darf, das religiöse Leben so gepflegt wird, wie es gepflegt werden kann, wenn man die anderen Offenbarungen des Göttlichen, die künstlerischen und die wissenschaftlichen, im rechten Sinne pflegt. Diesen Sinn hat ja Goethe, von dem dieses Goetheanum den Namen trägt, in das schöne Wort geprägt: Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer beide nicht besitzt, der habe Religion. —

[ 1 ] Ladies and gentlemen! When I had the pleasure of welcoming you here last Sunday as participants in our summer course, I was able to say to you from the depths of my heart that here at the Goetheanum we are striving to in science, in art, and in all that which, through science and art, can be religiously inspired in the depths of the human being—to follow the call of the spirit of the times itself, which is clearly audible today; a call that, as we believe, makes itself heard—as it is understood here—because it wants human beings to lead themselves out of decline and toward a new dawn through their own strength. The work of this Goetheanum—the work of all its staff—is, after all, to be dedicated first and foremost to fulfilling this call of the times. In the brief time we were so fortunate to have you here with us during this summer course, we could naturally offer no more than a few hints, at most, about what is intended here at the Goetheanum—what our staff here envision as the actual goal of this work. But what is to be developed here is meant to be a living whole. And so it can hardly be otherwise than that, just as in the life of the individual, every single step one takes—whether as a child, as an adult, or as an elderly person—contains in some way the meaning of one’s entire life; so, too, in the case of a living spiritual body, a living spiritual work, the individual step—which can only manifest itself within the brief span of a week—nevertheless reveals, in a certain sense, the meaning of the whole. And we would be happy here if you could glean something from this one step about the meaning of our work, about the meaning of our will. I have often taken the liberty of expressing something of the meaning of this work, the meaning of this will, by pointing out how the content of knowledge expressed here in words is one branch growing from a single root, and how, from this same root, another branch—that of artistic creation—grows, so that here neither art is carried into science nor science into art, but rather that both have the same root and both, on an equal footing, seek to fully and creatively develop their products here. And when that which can present itself as ideas for understanding, and that which can be expressed in forms for intuition, is developed in this way, then what is revealed from both sides— from the two most important and essential aspects of human nature—also has the effect of grasping the religious roots of human existence, of working within the human being down to those deeper dispositions of the heart where the human being is connected to the unity of the world, to the divine in the world. So that, even though by no means everything here is to be—or may be—reformed, religious life is cultivated as best it can be when the other manifestations of the Divine—the artistic and the scientific—are cultivated in the proper sense. Goethe, after whom this Goetheanum is named, expressed this very meaning in the beautiful saying: “Whoever possesses science and art also possesses religion.” Whoever possesses neither of these, let him have religion. —

[ 2 ] Und indem bei einer solchen Zusammenkunft an das Allerwesentlichste gerührt wird, was der Mensch in seinem Inneren, in seinem ganzen Menschenwesen trägt, möchte in einer solchen Weise gearbeitet werden, daß diejenigen, die als Besucher herbeikommen, sich auch menschlich näherkommen, menschlich näherkommen vor allen Dingen demjenigen, was hier aus dem Sinn des Goetheanismus heraus arbeiten und wirken will. Und derjenige, der diesen Sinn des Goetheanismus versteht, möchte gern erhoffen, aus dem, was hier angestrebt und empfunden wird, daß man mit dem Gedanken von hier fortgeht, in diesem Goetheanum etwas gesehen zu haben, etwas erlebt zu haben, was einem gibt die Empfindung von einer Verwandtschaftlichkeit der Kräfte, die in allen Menschen leben, von einer Verwandtschaftlichkeit derjenigen Kräfte in der Menschennatur, welche die Menschen von dem ganzen Erdenkreis in Bruderschaft zusammenführen können. Man möchte auch hoffen, daß diejenigen, welche dieses Goetheanum besuchen, die Empfindung hätten, es würde hier angestrebt mit unseren bescheidenen Kräften — ob wir das freilich erreichen können, das wird von der Beurteilung der Zeitgenossen abhängen —, es wird hier angestrebt, daß derjenige, der hier miterlebt die Arbeit und das ganze Sein in diesem Goetheanum, daß er hier, weil er Menschenverwandtschaft erlebt, dieses Haus empfinden könne wie ein menschliches Seelenheim. Könnten Sie doch die Empfindung mitnehmen: Wir waren in einem menschlichen Seelenheim! In einem Heim empfindet man eben dasjenige, was Gefühl, Empfindung, das ganze Erleben hinweist auf die gemeinschaftlichen Vorgänge und Ursprünge. Daß so erwas empfunden werden könne wie die Zusammengehörigkeit, die brüderliche Zusammengehörigkeit der ganzen Menschheit, das ist dasjenige, was wir so gerne hineinlegen möchten in alles dasjenige, was hier bewirkt wird. Und auch dieses möchte ich heute beim Abschied sagen, daß dieser Ihr Besuch etwas beigetragen haben könnte zu dem großen Ziel der Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeit, zu jener Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeiterschaft sich jeder aufgerufen finden muß, der in dem wenigstens gewollten Geiste dieses Goetheanums sich einfindet. Und so mögen denn die Tage, die Sie hier verlebt haben, Sie uns auch menschlich nähergebracht haben. Wir hören ja jetzt überall aus den verschiedensten Ecken, von den verschiedensten Gesichtspunkten die Rufe nach Menschenverbrüderung, nach Menschenbündnissen. Aber was will man, indem man diesen Ruf entfaltet? Man will die Menschen, die sich in einer furchtbaren Katastrophe unsäglichen Schmerz zugefügt haben, zu brüderlichen Bündnissen vereinigen. Bedarf es einer solchen Vereinigung, wenn wir im rechten Sinne uns dem Menschenwesen nähern, indem wir uns dem Geiste nähern, aus dem das Menschenwesen erwachsen ist, in dem das Menschenwesen wurzelt? Die wahre, die echte Menschenbrüderschaft brauchte nicht begründet zu werden, brauchte nicht zusammengeleimt zu werden, wenn die Menschen suchen wollten nach der Menschenverbrüderung, die, seitdem das Menschenwesen besteht, auch besteht, nach jener Menschenverbrüderung, die gefunden wird, wenn man vordringt zum Menschengeiste, in dem die Menschen dennoch eigentlich sind, seit der Mensch auf der Erde besteht. Wahrhafte Menschenbruderschaft suchen heißt, nach den Urständen des Menschen in dem Geiste, in der Geisteswelt zu suchen; solches echtes Suchen dessen, was hier im Goetheanum erstrebt wird. In dieser Beziehung hängt mit den Forderungen dieses Geistes der Gegenwart dieses Arbeiten, dieses Streben des Goetheanums zusammen. Aus dieser Gesinnung heraus durfte ich Ihnen am Sonntag, als Sie hierher gekommen sind, die Grußesworte entgegenrufen. Es geschah dankbaren Herzens, weil diese Dankbarkeit immer aufquillt in dem, der es ernst und ehrlich meint mit den Aufgaben dieses Goetheanums, die aufquillt, wenn sich die Menschen finden, die ihre Aufmerksamkeit schenken wollen demjenigen, was hier gewollt ist. Nachdem diese Tage verflossen sind, wurzelt dieser Dank Ihnen gegenüber erst recht in meinem Gemüte. Aus diesem Danke heraus spreche ich Ihnen heute in diesen Worten den Abschiedsgruß aus, jenen Abschiedsgruß, der aber im Grunde genommen sich zusammenfassen muß in die Worte, die aus dem ganzen lebendigen Sinn, der nach der Zukunft hinstrebt, herauskommen, der sich zusammenfassen muß in die Worte: Auf Wiedersehen!

[ 2 ] And since such a gathering touches upon the very essence of what a human being carries within—in their entire being—the aim is to work in such a way that those who come as visitors also draw closer to one another as human beings, and above all, draw closer to that which seeks to work and take effect here out of the spirit of Goetheanism. And anyone who understands this spirit of Goetheanism would like to hope that, from what is strived for and felt here, one leaves with the thought of having seen something here in this Goetheanum, of having experienced something that gives one the feeling of a kinship among the forces that live in all human beings—a kinship among those forces in human nature that can bring people from across the entire globe together in brotherhood. One would also hope that those who visit this Goetheanum would feel that we are striving here with our modest powers—whether we can actually achieve this, of course, will depend on the judgment of our contemporaries— we are striving here so that whoever experiences the work and the entire life of this Goetheanum may, because they experience a sense of human kinship, feel this house as a home for the human soul. May you take with you the feeling: We were in a home for the human soul! In a home, one feels precisely what emotion, sensation, and the entire experience point toward the shared processes and origins. That something such as a sense of belonging—the brotherly unity of all humanity—might be felt: that is what we so dearly wish to infuse into everything that is accomplished here. And I would also like to say this today as we part: that your visit may have contributed something to the great goal of human brotherhood, to working toward it—that human brotherhood to which everyone who gathers here in the spirit of this Goetheanum—even if only in intention—must feel called to contribute. And so may the days you have spent here have also brought you closer to us on a human level. After all, we now hear calls for human brotherhood and human alliances coming from all corners and from the most diverse perspectives. But what is the intention behind issuing this call? The intention is to unite people—who have inflicted unspeakable pain upon one another in a terrible catastrophe—into brotherly alliances. Is such a union necessary if we approach human nature in the true sense—by approaching the spirit from which human nature has arisen and in which it is rooted? True, genuine human brotherhood would not need to be established, would not need to be cobbled together, if people were to seek the brotherhood that has existed ever since the human being came into being—that brotherhood which is found when one penetrates to the human spirit in which human beings have, in fact, always existed since the dawn of humanity on Earth. To seek true human brotherhood means to seek the primordial states of the human being in the spirit, in the spiritual world; such genuine seeking is what is being striven for here at the Goetheanum. In this regard, the work and striving of the Goetheanum are connected to the demands of this spirit of the present. It was out of this spirit that I was able to call out words of greeting to you on Sunday, when you came here. I did so with a grateful heart, for this gratitude always wells up in one who is serious and sincere about the tasks of this Goetheanum—a gratitude that wells up when people come together who wish to give their attention to what is intended here. Now that these days have passed, this gratitude toward you is all the more deeply rooted in my heart. Out of this gratitude, I offer you these words of farewell today—a farewell that, at its core, must be summed up in the words that spring from the whole living spirit striving toward the future, which must be summed up in the words: Goodbye!