The Essence of Anthroposophy
GA 77b
27 August 1921, Dornach
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Kunst und Anthroposophie Der Goetheanum-Impuls
10. Schlussworte
10. Schlussworte
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Als ich am letzten Sonntag Sie hier als Besucher unseres Sommerkurses begrüßen durfte, da konnte ich aus tiefster Herzensempfindung heraus zu Ihnen sagen, daß hier in diesem Goetheanum versucht werde, in Wissenschaft, in Kunst und in alle dem, was durch Wissenschaft und Kunst religiös angeregt werden kann in den Tiefen des Menschenwesens, dem heute deutlich vernehmbaren Ruf des Geistes der Zeit selber zu folgen, der, wie wir glauben, sich also, wie es hier aufgefaßt ist, vernehmen läßt, weil er will, daß die Menschen sich durch ihre Kraft herausführen aus dem Niedergang hin zu einem neuen Aufgang. Der Erfüllung dieses Zeitenrufes soll ja zunächst die Arbeit dieses Goetheanums, die Arbeit aller seiner Mitarbeiter gewidmet sein. In der kurzen Zeit, die wir so glücklich waren, Sie bei uns hier während dieses Sommerkurses zu sehen, konnte natürlich nicht mehr gegeben werden als höchstens ein paar Andeutungen über dasjenige, was in diesem Goetheanum gewollt wird, was als das eigentliche Ziel unseren Mitarbeitern hier für diese Arbeit vorschwebt. Aber dasjenige, was hier erarbeitet werden will, soll ein lebendiges Ganzes sein. Und so kann es denn wohl auch nicht anders sein als so, daß, wie beim einzelmenschlichen Leben, jeder einzelne Schritt, den man macht, sei es als Kind, sei es als erwachsener Mensch, sei es als Greis, den Sinn des ganzen Lebens in irgendeiner Weise enthält, daß so auch bei einem lebendigen Geisteskörper, einer lebendigen Geistesarbeit, der einzelne Schritt, der nur allein sich darstellen kann in der kurzen Spanne einer Woche, dennoch in gewissem Sinne den Sinn des Ganzen zeigt. Und wir wären hier glücklich, wenn Sie aus diesem einen Schritte etwas entnehmen könnten über den Sinn unserer Arbeit, über den Sinn unseres Wollens. Öfters habe ich mir erlaubt, etwas von dem Sinn dieser Arbeit, dem Sinn dieses Wollens dadurch auszusprechen, daß ich darauf hindeutete, wie der hier im Worte sich aussprechende Erkenntnisinhalt der eine Zweig ist, der aus einer Wurzel herauswächst, wie aber aus dieser Wurzel ein anderer Zweig, der des künstlerischen Schaffens, herauswächst, so daß hier weder Kunst in die Wissenschaft, noch Wissenschaft in die Kunst hineingetragen wird, daß aber beide dieselbe Wurzel haben und beide gleichberechtigt, voll schöpferisch ihre Erzeugnisse hier erarbeiten wollen. Und wenn in dieser Weise erarbeitet wird dasjenige, was sich für die Erkenntnis in Ideen hinstellen kann, dasjenige, was sich für die Anschauungen in Formen aussprechen läßt, so wirkt ein so von den beiden Seiten, von den beiden wichtigsten und wesentlichsten Seiten der menschlichen Natur her sich Offenbarendes auch so, daß es die religiösen Wurzeln des menschlichen Seins erfaßt, daß es in den Menschen hineinwirkt bis in jene tieferen Anlagen des Herzens, wo der Mensch mit dem Einheitlichen der Welt zusammenhängt, mit dem Göttlichen der Welt. So daß, wenn auch hier durchaus nicht alles reformiert werden soll und reformiert werden darf, das religiöse Leben so gepflegt wird, wie es gepflegt werden kann, wenn man die anderen Offenbarungen des Göttlichen, die künstlerischen und die wissenschaftlichen, im rechten Sinne pflegt. Diesen Sinn hat ja Goethe, von dem dieses Goetheanum den Namen trägt, in das schöne Wort geprägt: Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer beide nicht besitzt, der habe Religion. —
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Als ich am letzten Sonntag Sie hier als Besucher unseres Sommerkurses begrüßen durfte, da konnte ich aus tiefster Herzensempfindung heraus zu Ihnen sagen, daß hier in diesem Goetheanum versucht werde, in Wissenschaft, in Kunst und in alle dem, was durch Wissenschaft und Kunst religiös angeregt werden kann in den Tiefen des Menschenwesens, dem heute deutlich vernehmbaren Ruf des Geistes der Zeit selber zu folgen, der, wie wir glauben, sich also, wie es hier aufgefaßt ist, vernehmen läßt, weil er will, daß die Menschen sich durch ihre Kraft herausführen aus dem Niedergang hin zu einem neuen Aufgang. Der Erfüllung dieses Zeitenrufes soll ja zunächst die Arbeit dieses Goetheanums, die Arbeit aller seiner Mitarbeiter gewidmet sein. In der kurzen Zeit, die wir so glücklich waren, Sie bei uns hier während dieses Sommerkurses zu sehen, konnte natürlich nicht mehr gegeben werden als höchstens ein paar Andeutungen über dasjenige, was in diesem Goetheanum gewollt wird, was als das eigentliche Ziel unseren Mitarbeitern hier für diese Arbeit vorschwebt. Aber dasjenige, was hier erarbeitet werden will, soll ein lebendiges Ganzes sein. Und so kann es denn wohl auch nicht anders sein als so, daß, wie beim einzelmenschlichen Leben, jeder einzelne Schritt, den man macht, sei es als Kind, sei es als erwachsener Mensch, sei es als Greis, den Sinn des ganzen Lebens in irgendeiner Weise enthält, daß so auch bei einem lebendigen Geisteskörper, einer lebendigen Geistesarbeit, der einzelne Schritt, der nur allein sich darstellen kann in der kurzen Spanne einer Woche, dennoch in gewissem Sinne den Sinn des Ganzen zeigt. Und wir wären hier glücklich, wenn Sie aus diesem einen Schritte etwas entnehmen könnten über den Sinn unserer Arbeit, über den Sinn unseres Wollens. Öfters habe ich mir erlaubt, etwas von dem Sinn dieser Arbeit, dem Sinn dieses Wollens dadurch auszusprechen, daß ich darauf hindeutete, wie der hier im Worte sich aussprechende Erkenntnisinhalt der eine Zweig ist, der aus einer Wurzel herauswächst, wie aber aus dieser Wurzel ein anderer Zweig, der des künstlerischen Schaffens, herauswächst, so daß hier weder Kunst in die Wissenschaft, noch Wissenschaft in die Kunst hineingetragen wird, daß aber beide dieselbe Wurzel haben und beide gleichberechtigt, voll schöpferisch ihre Erzeugnisse hier erarbeiten wollen. Und wenn in dieser Weise erarbeitet wird dasjenige, was sich für die Erkenntnis in Ideen hinstellen kann, dasjenige, was sich für die Anschauungen in Formen aussprechen läßt, so wirkt ein so von den beiden Seiten, von den beiden wichtigsten und wesentlichsten Seiten der menschlichen Natur her sich Offenbarendes auch so, daß es die religiösen Wurzeln des menschlichen Seins erfaßt, daß es in den Menschen hineinwirkt bis in jene tieferen Anlagen des Herzens, wo der Mensch mit dem Einheitlichen der Welt zusammenhängt, mit dem Göttlichen der Welt. So daß, wenn auch hier durchaus nicht alles reformiert werden soll und reformiert werden darf, das religiöse Leben so gepflegt wird, wie es gepflegt werden kann, wenn man die anderen Offenbarungen des Göttlichen, die künstlerischen und die wissenschaftlichen, im rechten Sinne pflegt. Diesen Sinn hat ja Goethe, von dem dieses Goetheanum den Namen trägt, in das schöne Wort geprägt: Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, der hat auch Religion. Wer beide nicht besitzt, der habe Religion. —
[ 2 ] Und indem bei einer solchen Zusammenkunft an das Allerwesentlichste gerührt wird, was der Mensch in seinem Inneren, in seinem ganzen Menschenwesen trägt, möchte in einer solchen Weise gearbeitet werden, daß diejenigen, die als Besucher herbeikommen, sich auch menschlich näherkommen, menschlich näherkommen vor allen Dingen demjenigen, was hier aus dem Sinn des Goetheanismus heraus arbeiten und wirken will. Und derjenige, der diesen Sinn des Goetheanismus versteht, möchte gern erhoffen, aus dem, was hier angestrebt und empfunden wird, daß man mit dem Gedanken von hier fortgeht, in diesem Goetheanum etwas gesehen zu haben, etwas erlebt zu haben, was einem gibt die Empfindung von einer Verwandtschaftlichkeit der Kräfte, die in allen Menschen leben, von einer Verwandtschaftlichkeit derjenigen Kräfte in der Menschennatur, welche die Menschen von dem ganzen Erdenkreis in Bruderschaft zusammenführen können. Man möchte auch hoffen, daß diejenigen, welche dieses Goetheanum besuchen, die Empfindung hätten, es würde hier angestrebt mit unseren bescheidenen Kräften — ob wir das freilich erreichen können, das wird von der Beurteilung der Zeitgenossen abhängen —, es wird hier angestrebt, daß derjenige, der hier miterlebt die Arbeit und das ganze Sein in diesem Goetheanum, daß er hier, weil er Menschenverwandtschaft erlebt, dieses Haus empfinden könne wie ein menschliches Seelenheim. Könnten Sie doch die Empfindung mitnehmen: Wir waren in einem menschlichen Seelenheim! In einem Heim empfindet man eben dasjenige, was Gefühl, Empfindung, das ganze Erleben hinweist auf die gemeinschaftlichen Vorgänge und Ursprünge. Daß so erwas empfunden werden könne wie die Zusammengehörigkeit, die brüderliche Zusammengehörigkeit der ganzen Menschheit, das ist dasjenige, was wir so gerne hineinlegen möchten in alles dasjenige, was hier bewirkt wird. Und auch dieses möchte ich heute beim Abschied sagen, daß dieser Ihr Besuch etwas beigetragen haben könnte zu dem großen Ziel der Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeit, zu jener Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeiterschaft sich jeder aufgerufen finden muß, der in dem wenigstens gewollten Geiste dieses Goetheanums sich einfindet. Und so mögen denn die Tage, die Sie hier verlebt haben, Sie uns auch menschlich nähergebracht haben. Wir hören ja jetzt überall aus den verschiedensten Ecken, von den verschiedensten Gesichtspunkten die Rufe nach Menschenverbrüderung, nach Menschenbündnissen. Aber was will man, indem man diesen Ruf entfaltet? Man will die Menschen, die sich in einer furchtbaren Katastrophe unsäglichen Schmerz zugefügt haben, zu brüderlichen Bündnissen vereinigen. Bedarf es einer solchen Vereinigung, wenn wir im rechten Sinne uns dem Menschenwesen nähern, indem wir uns dem Geiste nähern, aus dem das Menschenwesen erwachsen ist, in dem das Menschenwesen wurzelt? Die wahre, die echte Menschenbrüderschaft brauchte nicht begründet zu werden, brauchte nicht zusammengeleimt zu werden, wenn die Menschen suchen wollten nach der Menschenverbrüderung, die, seitdem das Menschenwesen besteht, auch besteht, nach jener Menschenverbrüderung, die gefunden wird, wenn man vordringt zum Menschengeiste, in dem die Menschen dennoch eigentlich sind, seit der Mensch auf der Erde besteht. Wahrhafte Menschenbruderschaft suchen heißt, nach den Urständen des Menschen in dem Geiste, in der Geisteswelt zu suchen; solches echtes Suchen dessen, was hier im Goetheanum erstrebt wird. In dieser Beziehung hängt mit den Forderungen dieses Geistes der Gegenwart dieses Arbeiten, dieses Streben des Goetheanums zusammen. Aus dieser Gesinnung heraus durfte ich Ihnen am Sonntag, als Sie hierher gekommen sind, die Grußesworte entgegenrufen. Es geschah dankbaren Herzens, weil diese Dankbarkeit immer aufquillt in dem, der es ernst und ehrlich meint mit den Aufgaben dieses Goetheanums, die aufquillt, wenn sich die Menschen finden, die ihre Aufmerksamkeit schenken wollen demjenigen, was hier gewollt ist. Nachdem diese Tage verflossen sind, wurzelt dieser Dank Ihnen gegenüber erst recht in meinem Gemüte. Aus diesem Danke heraus spreche ich Ihnen heute in diesen Worten den Abschiedsgruß aus, jenen Abschiedsgruß, der aber im Grunde genommen sich zusammenfassen muß in die Worte, die aus dem ganzen lebendigen Sinn, der nach der Zukunft hinstrebt, herauskommen, der sich zusammenfassen muß in die Worte: Auf Wiedersehen!
[ 2 ] Und indem bei einer solchen Zusammenkunft an das Allerwesentlichste gerührt wird, was der Mensch in seinem Inneren, in seinem ganzen Menschenwesen trägt, möchte in einer solchen Weise gearbeitet werden, daß diejenigen, die als Besucher herbeikommen, sich auch menschlich näherkommen, menschlich näherkommen vor allen Dingen demjenigen, was hier aus dem Sinn des Goetheanismus heraus arbeiten und wirken will. Und derjenige, der diesen Sinn des Goetheanismus versteht, möchte gern erhoffen, aus dem, was hier angestrebt und empfunden wird, daß man mit dem Gedanken von hier fortgeht, in diesem Goetheanum etwas gesehen zu haben, etwas erlebt zu haben, was einem gibt die Empfindung von einer Verwandtschaftlichkeit der Kräfte, die in allen Menschen leben, von einer Verwandtschaftlichkeit derjenigen Kräfte in der Menschennatur, welche die Menschen von dem ganzen Erdenkreis in Bruderschaft zusammenführen können. Man möchte auch hoffen, daß diejenigen, welche dieses Goetheanum besuchen, die Empfindung hätten, es würde hier angestrebt mit unseren bescheidenen Kräften — ob wir das freilich erreichen können, das wird von der Beurteilung der Zeitgenossen abhängen —, es wird hier angestrebt, daß derjenige, der hier miterlebt die Arbeit und das ganze Sein in diesem Goetheanum, daß er hier, weil er Menschenverwandtschaft erlebt, dieses Haus empfinden könne wie ein menschliches Seelenheim. Könnten Sie doch die Empfindung mitnehmen: Wir waren in einem menschlichen Seelenheim! In einem Heim empfindet man eben dasjenige, was Gefühl, Empfindung, das ganze Erleben hinweist auf die gemeinschaftlichen Vorgänge und Ursprünge. Daß so erwas empfunden werden könne wie die Zusammengehörigkeit, die brüderliche Zusammengehörigkeit der ganzen Menschheit, das ist dasjenige, was wir so gerne hineinlegen möchten in alles dasjenige, was hier bewirkt wird. Und auch dieses möchte ich heute beim Abschied sagen, daß dieser Ihr Besuch etwas beigetragen haben könnte zu dem großen Ziel der Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeit, zu jener Menschenverbrüderung, zu deren Mitarbeiterschaft sich jeder aufgerufen finden muß, der in dem wenigstens gewollten Geiste dieses Goetheanums sich einfindet. Und so mögen denn die Tage, die Sie hier verlebt haben, Sie uns auch menschlich nähergebracht haben. Wir hören ja jetzt überall aus den verschiedensten Ecken, von den verschiedensten Gesichtspunkten die Rufe nach Menschenverbrüderung, nach Menschenbündnissen. Aber was will man, indem man diesen Ruf entfaltet? Man will die Menschen, die sich in einer furchtbaren Katastrophe unsäglichen Schmerz zugefügt haben, zu brüderlichen Bündnissen vereinigen. Bedarf es einer solchen Vereinigung, wenn wir im rechten Sinne uns dem Menschenwesen nähern, indem wir uns dem Geiste nähern, aus dem das Menschenwesen erwachsen ist, in dem das Menschenwesen wurzelt? Die wahre, die echte Menschenbrüderschaft brauchte nicht begründet zu werden, brauchte nicht zusammengeleimt zu werden, wenn die Menschen suchen wollten nach der Menschenverbrüderung, die, seitdem das Menschenwesen besteht, auch besteht, nach jener Menschenverbrüderung, die gefunden wird, wenn man vordringt zum Menschengeiste, in dem die Menschen dennoch eigentlich sind, seit der Mensch auf der Erde besteht. Wahrhafte Menschenbruderschaft suchen heißt, nach den Urständen des Menschen in dem Geiste, in der Geisteswelt zu suchen; solches echtes Suchen dessen, was hier im Goetheanum erstrebt wird. In dieser Beziehung hängt mit den Forderungen dieses Geistes der Gegenwart dieses Arbeiten, dieses Streben des Goetheanums zusammen. Aus dieser Gesinnung heraus durfte ich Ihnen am Sonntag, als Sie hierher gekommen sind, die Grußesworte entgegenrufen. Es geschah dankbaren Herzens, weil diese Dankbarkeit immer aufquillt in dem, der es ernst und ehrlich meint mit den Aufgaben dieses Goetheanums, die aufquillt, wenn sich die Menschen finden, die ihre Aufmerksamkeit schenken wollen demjenigen, was hier gewollt ist. Nachdem diese Tage verflossen sind, wurzelt dieser Dank Ihnen gegenüber erst recht in meinem Gemüte. Aus diesem Danke heraus spreche ich Ihnen heute in diesen Worten den Abschiedsgruß aus, jenen Abschiedsgruß, der aber im Grunde genommen sich zusammenfassen muß in die Worte, die aus dem ganzen lebendigen Sinn, der nach der Zukunft hinstrebt, herauskommen, der sich zusammenfassen muß in die Worte: Auf Wiedersehen!
