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Anthroposophy
Its Roots of Knowledge and Fruits of Life
GA 78

1 September 1921, Stuttgart

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Anthroposophy: Its Roots of Knowledge and Fruits of Life, tr. SOL
  1. Anthroposophie ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte

Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Es wird in den nächsten Tagen meine Aufgabe sein, in diesen Betrachtungen die Ideen zu gestalten, welche die Erkenntniswege zu den übersinnlichen Welten und zur praktischen Verwertung der Ergebnisse dieser übersinnlichen Forschung bezeichnen. Ich habe mir es aber ganz besonders diesmal zur Aufgabe gemacht, behufs Gestaltung dieser Ideen eine Art Orientierung vorzubringen darüber, wie dasjenige, was an solchen Ideen übersinnlich-anthroposophischer Wissenschaft auftreten kann, ein gültiges Verhältnis zu denjenigen Weltanschauungen gewinnt, die in der neuesten Zeit auf die Menschheit Einfluß gewonnen haben und die diesen Einfluß zum Teil noch haben. Ich habe gestern aus diesen Intentionen heraus einiges vorgebracht von dem Suchen Friedrich Nietzsches, und ich glaube, es dürfte sich herausgestellt haben, daß Friedrich Nietzsches Seelentragik sich zuletzt ganz besonders dadurch offenbarte, daß er, um zu einer wahrhaft menschenwürdigen Anschauung für das Leben zu kommen, gewissermaßen den Menschen sprengen mußte und fassen mußte die Idee des Übermenschen. Vor Nietzsches Blick verschwand der Mensch, für den sich ihm kein befriedigender Inhalt ergeben konnte, und er lechzte nach einer Anschauung, die er nur lyrisch oder abstrakt zum Ausdruck bringen konnte in seiner Idee vom Übermenschen. Und auf der anderen Seite hatte Nietzsche dasBedürfnis, hinauszuschauen für eine Gesamterklärung des Menschenlebens und Weltendaseins über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod; aber er kam bei diesem Suchen nur zu seiner Idee von der Wiederkehr des Gleichen, von der ewigen Wiederkehr derselben gleichen Erdenleben des einzelnen Menschen. Mit andern Worten: er konnte demjenigen, was der Mensch in sich birgt zwischen Geburt und Tod, dem, was erlebt werden kann in dieser Zeitenspanne, nicht so viel entlocken, um für seine wiederholten Erdenleben einen wirklichen Inhalt zu gewinnen, und so blieb es bei der abstrakten Idee der bloßen Wiederholung dieser Erdenleben.

[ 1 ] In the coming days, my task will be to articulate in these reflections the ideas that outline the paths of knowledge leading to the supersensory worlds and to the practical application of the results of this supersensory research. However, I have made it my particular task this time, for the purpose of shaping these ideas, to provide a kind of orientation regarding how the ideas that may arise in supersensible-anthroposophical science establish a valid relationship with those worldviews that have gained influence over humanity in recent times and that, to some extent, still exert this influence. Guided by these intentions, I spoke yesterday about some aspects of Friedrich Nietzsche’s quest, and I believe it should have become clear that the tragedy of Friedrich Nietzsche’s soul ultimately manifested itself most notably in the fact that, in order to arrive at a truly human-worthy view of life, he had to, so to speak, transcend humanity and grasp the idea of the Übermensch. In Nietzsche’s view, humanity—for which he could find no satisfying meaning—vanished, and he yearned for a worldview that he could express only lyrically or abstractly in his idea of the Übermensch. On the other hand, Nietzsche felt the need to look beyond the individual human life between birth and death in search of a comprehensive explanation of human life and the existence of the world; but in this search, he arrived only at his idea of the return of the same—the eternal recurrence of the very same earthly lives of the individual human being. In other words: he could not elicit enough from what a person holds within themselves between birth and death—from what can be experienced during this span of time—to give real substance to his concept of repeated earthly lives, and so it remained an abstract idea of the mere repetition of these earthly lives.

[ 2 ] Forscht man näher nach, wie Nietzsche zu dieser Seelentragik gekommen ist, warum er nichts anderes herauslocken konnte aus seinem so tiefen menschlichen Streben, so kommt man zuletzt doch, wie ich glaube, zu denjenigen Ergebnissen, die ich im Beginne dieses Jahrhunderts in meinem Aufsatze über die Persönlichkeit Nietzsches als psycho-pathologisches Problem in der «Wiener klinischen Rundschau» niedergelegt habe. Es stellte sich mir dar, wie in Nietzsche wohl das Streben nach einer umfassenden Anschauung des gesamtmenschlichen Daseins vorhanden war, daß aber dieser Drang in einem von Anfang an ungesunden Organismus lebte und daß sich darin eben offenbart, wie auf der einen Seite seine Seele gewissermaßen einen freien Flug entwickelte gerade wegen der Ungesundheit des Organismus, wie aber dieser Flug dadurch selber kein völlig gesunder sein konnte. Das weist aber darauf hin, gerade die gesunden Erkenntnisquellen anthroposophischer Weltanschauung zu suchen.

[ 2 ] If one investigates more closely how Nietzsche arrived at this tragedy of the soul—why he could elicit nothing else from his profound human striving—one ultimately arrives, I believe, at the conclusions I set forth at the beginning of this century in my essay on Nietzsche’s personality as a psychopathological problem, published in the *Wiener klinische Rundschau*. It became clear to me that, while Nietzsche undoubtedly possessed a striving for a comprehensive view of the entirety of human existence, this urge resided within an organism that was unhealthy from the very beginning; and that this reveals how, on the one hand, his soul developed a kind of free flight precisely because of the organism’s unhealthiness, yet how this flight itself could not be entirely healthy as a result. This, however, points to the need to seek out precisely the healthy sources of knowledge inherent in the anthroposophical worldview.

[ 3 ] Bei Nietzsche findet man, daß er niemals ein eigentliches tieferes Verhältnis hat gewinnen können zu der modernen naturwissenschaftlichen Anschauungsweise. Sie blieb ihm gewissermaßen immer etwas Grobes, etwas, was auf seine feine Organisation abstoßend wirkte. Er konnte sich nicht anders befreunden mit solchen Ideen wie den Darwinschen, als indem er sie sprengte, indem er den Blick abwandte von ihnen und sich nicht vergegenwärtigte, wie der Mensch aus andern Organismen physisch hervorgegangen ist, sondern zu dem Postulat sich hinneigte, daß sich der Übermensch aus dem Menschen entwickeln müsse. Nun, auch wenn man, wie mir scheint, noch so tief eingedrungen wäre in ein Erleben geistiger Welten: man kann zu keiner für die heutige Zeit befriedigenden Formulierung seiner Anschauungen kommen, wenn man nicht die Linien von geistiger Anschauung zu der naturwissenschaftlichen Weltanschauung der neueren Zeit zu ziehen vermag.

[ 3 ] With Nietzsche, one finds that he was never able to develop a truly deep relationship with the modern scientific worldview. To him, it always remained, in a sense, something crude—something that had a repulsive effect on his refined sensibilities. He could not come to terms with ideas such as those of Darwin except by shattering them, by turning his gaze away from them, and by refusing to acknowledge how humans physically evolved from other organisms; instead, he leaned toward the postulate that the Übermensch must develop from the human being. Now, even if, as it seems to me, one were to have penetrated as deeply as possible into an experience of spiritual worlds, one cannot arrive at a formulation of one’s views that is satisfactory for the present day unless one is able to draw the lines from spiritual insight to the scientific worldview of modern times.

[ 4 ] In derselben Zeit, in welcher meine «Philosophie der Freiheit» erschienen ist, die zunächst die menschlichen Handlungsimpulse in einer anthroposophischen Art als übersinnliche zu enthüllen versuchte und damit der menschlichen Ethik eine Grundlage zu liefern trachtete, in derselben Zeit erschien die damals aufsehenerregende Wiedergabe von Haeckels Altenburger Rede «Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft». Und ich glaube nicht, daß der Weg, welchen der gegenwärtige Mensch zu den Erkenntnisquellen anthroposophischer Forschung zurückzulegen hat, fruchtbar geschildert werden kann, ohne daß man dasjenige ins Auge faßt, was gerade mit einer solchen Anschauung wie Haeckels Monismus in unsere Gegenwart hereingezogen ist. Nietzsches Tragik beruht gerade darauf, daß er sich in so etwas eben nicht hat einleben können.

[ 4 ] At the same time that my *Philosophy of Freedom* was published—a work that initially sought to reveal human impulses to action in an anthroposophical way as supersensible, and thereby to provide a foundation for human ethics—a sensational account of Haeckel’s Altenburg lecture, “Monism as the Link Between Religion and Science,” was published. And I do not believe that the path which contemporary humanity must travel to reach the sources of knowledge in anthroposophical research can be fruitfully described without taking into account what has entered our present age precisely through a worldview such as Haeckel’s monism. Nietzsche’s tragedy lies precisely in the fact that he was unable to come to terms with such a thing.

[ 5 ] Haeckels Monismus ist gewiß in vieler Beziehung etwas Anfechtbares, allein, wenn man sich wirklich eingelebt hat in eine solche Denkergesinnung, muß man sagen, daß in ihr diejenige Anschauungsweise wirksam geworden ist, die sich aus der modernen Naturforschung heraus ergeben hat und die bei Haeckel mit einem religiösen, man könnte sogar sagen, fanatischen Charakter aufgetreten ist. Aber man wird doch Haeckel nicht abtun können, wie so viele es wollen, indem man einfach auf seine Klischees in der «Natürlichen Schöpfungsgeschichte» hinweist. Das ist eine Sache, die ihm allerdings, ich möchte sagen, durch eine gewisse wissenschaftliche Schlamperei passiert ist. Er hat Embryonen in frühem Stadium so gezeichnet, daß er, für allerdings wenig Verschiedenes, aber doch Verschiedenes, einfach die gleichen Klischees hat verwenden lassen. Es ist aber doch zu billig, um einer solchen Schlamperei willen etwa Haeckels ganze monistische Denkweise abtun zu wollen, denn diese birgt dennoch in sich dasjenige, wiederum in Reinkultur, was sich einem nach Konsequenz drängenden Geiste aus dem modernen Forschungssinn heraus aufdrängte. Dieser moderne Forschungssinn hat ja eine Hinneigung zur Beobachtung, zum Experiment gezeitigt. Er hat dazu gedrängt, alle subjektiven Einflüsse auf die Weltanschauung des Natürlichen zu tilgen; er hat bewirkt, daß sich an Beobachtung und Experiment das Denken in einer außerordentlichen Weise diszipliniert und methodisiert hat. Und wenn auch gerade in dieser Beziehung Haeckel manchen Fehler aufweist, so wird man im Ganzen seiner Darlegungen immer diese Disziplinierung und diese Methodisierung des Denkens verspüren und zu gleicher Zeit ein künstlerisches Hindrängen nach Lösung der höchsten Probleme, die sich gerade aus naturwissenschaftlicher Forschung auch über den Menschen ergeben können.

[ 5 ] Haeckel’s monism is certainly open to criticism in many respects; however, once one has truly immersed oneself in such a way of thinking, one must acknowledge that it embodies the perspective that has emerged from modern natural science—a perspective that, in Haeckel’s case, took on a religious, one might even say fanatical, character. But one cannot simply dismiss Haeckel, as so many wish to do, by merely pointing to his clichés in *The Natural History of Creation*. That is a matter which, I would say, happened to him due to a certain scientific sloppiness. He drew early-stage embryos in such a way that, for forms that were indeed not very different—but still different—he simply used the same clichés. But it is too simplistic to dismiss Haeckel’s entire monistic way of thinking on the basis of such carelessness, for it nonetheless embodies—in its purest form—what a mind driven by consistency, arising from the modern spirit of research, found compelling. This modern spirit of research has, after all, fostered a penchant for observation and experimentation. It has urged the elimination of all subjective influences on the worldview of nature; it has caused thought to become exceptionally disciplined and methodical in the pursuit of observation and experimentation. And even if Haeckel exhibits certain errors precisely in this regard, one will always sense, throughout the entirety of his expositions, this discipline and systematization of thought—and at the same time, an artistic drive toward solving the highest problems that can arise, particularly from scientific research, even concerning human beings.

[ 6 ] Was ich mit Bezug auf Goethe sagen mußte — daß er eine besondere Seelenverfassung hatte, um in die vielgestaltige und werdende Pflanzenwelt mit seinen anschaulichen Ideen einzudringen —, das lieferte zugleich den Grund für das Verständnis, daß Goethe ein eminenter Geist war zur Erforschung der Pflanzenwelt, aber es brachte auf der andern Seite auch ein Bedenken, wenn man sieht, wie Goethe mit seiner anschaulichen Idee nicht den Weg fortsetzen konnte, um auch das Reich des Tierisch-Lebendigen in einer ihn selbst befriedigenden Weise zu behandeln.

[ 6 ] What I had to say about Goethe—that he possessed a unique spiritual disposition that enabled him to penetrate the multifaceted and evolving plant world with his vivid ideas— this simultaneously provided the basis for understanding that Goethe was an eminent mind for the study of the plant world, but on the other hand, it also raised a reservation when one sees how Goethe, with his vivid ideas, was unable to continue on the path to treating the realm of animal life in a way that would satisfy him.

[ 7 ] Haeckel segelte, ich möchte sagen, aus dem ganzen Sinn des Zeitalters der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, in denen seine Studienjahre lagen, gerade in eine Erforschung des Tierisch-Lebendigen hinein. Für ihn ergab sich die Notwendigkeit, Gestaltung und Werden der tierischen Wesen zu erforschen, zu erforschen wie die vielgestaltigen tierischen Wesen im Weltendasein miteinander zusammenhängen. Man kann nicht sagen, daß Haeckel auf der Höhe Goethes stand, indem er seinen Forschersinn gegenüber der tierischen Lebewelt anwendete; denn Goethe war immerzu bemüht, dasjenige, was er forschend betätigte, in einer gewissen Selbstbeobachtung sich zur Klarheit zu bringen und damit sich mit sich selber dahin zu verständigen, wieviel die äußere Anschauung gibt und wieviel durch eine sinnlich-übersinnliche Anschauung, wie er sie nannte, zu der äußeren Sinnesanschauung hinzukommen müsse, um die wahre Wirklichkeit, namentlich des Pflanzenwesens, zu ergreifen. Haeckel ging mehr wie ein naiver Geist vor; es lebte etwas in ihm, das ihn gerade prädestinierte, in das Werden der tierischen Welt einzudringen. Aber jenen Sinn für Selbstbeobachtung, wie man ihn an Goethe bemerken kann, den hatte Haeckel nicht. Deshalb kam es auch, daß er sich eigentlich niemals recht Klarheit verschaffte, wie der Mensch als solcher nun in der Welt drinnensteht, die er so erforschen muß, wie Haeckel die tierische Welt zu erforschen versuchte.

[ 7 ] Haeckel, I would say, emerged from the very spirit of the 1850s—the era in which he spent his student years—and turned his attention directly to the study of animal life. For him, it became necessary to investigate the form and development of animal beings, to explore how the diverse animal beings are interconnected within the existence of the world. One cannot say that Haeckel stood on the same level as Goethe in applying his scientific spirit to the animal world; for Goethe constantly strove to clarify, through a certain self-observation, what he was investigating, and thereby to come to terms with himself regarding how much is provided by external perception and how much must be added through a -supersensible perception, as he called it, must be added to external sensory perception in order to grasp true reality—namely, that of the plant kingdom. Haeckel proceeded more like a naive mind; there was something within him that predestined him precisely to penetrate the development of the animal world. But Haeckel lacked that sense of self-observation that one can observe in Goethe. That is why he never really gained a clear understanding of how human beings, as such, are situated in the world—a world he felt compelled to explore in the same way that Haeckel attempted to explore the animal world.

[ 8 ] Weil nun aber derjenige, der von der sinnlich-physischen Welt in dem Sinne der hier gemeinten Anthroposophie in die übersinnliche Welt hinauf will, durchaus beim Forschen in dieser denselben Geist betätigen muß, der richtig in die sinnliche, namentlich in die komplizierte sinnliche Welt der tierischen Organismen einführt, so kann man an den Forschungsweisen der Naturwissenschaft manches sich zum Verständnis bringen, was auch zum Aufstieg in Imagination, Inspiration, Intuition gehört, die ja notwendig sind für die übersinnliche Forschung, damit man diese vom Standpunkt des heutigen Wissenschaftsgeistes versteht. Und als Haeckels Altenburger Rede vor mich hintrat — ich kannte Haeckels vorhergehende Schriften gut —, mußte ich mir sagen: Es ist trotz aller Fehler, die von Haeckel gemacht worden sind, für die sinnlich-physische Welt von ihm ein Standpunkterreicht, der innerhalb dieser Welt festgehalten werden muß, wenn man von einem sicheren Boden aus in die geistige Welt eindringen will. Man muß exakt lernen, wie man zu forschen hat, zum Beispiel in der Zoologie, um nicht in Phantastik zu verfallen, sondern um den Phänomenen in ihrer Reinheit nachzugehen. Man muß das gelernt haben, wenn man in sich die gesunde Festigkeit haben will, die einen berechtigt, über die sinnliche Welt hinauszugehen. Vor meiner Seele stand dasjenige, was ich nennen muß: ein methodischer Monismus, der sich klar darüber ist, daß alles phantastisch-dilettantische Herumschwätzen über Lebenskräfte und dergleichen gegenüber den Errungenschaften neuerer Forschung aufhören müsse, daß wir denselben Geist, den wir gebrauchen in der sinnlichen Forschung, hineintragen müssen in die übersinnliche Forschung, daß wir keinen Abgrund aufrichten dürfen zwischen einem wissenschaftlichen und einem Glaubensinhalte.

[ 8 ] However, since the person who, in the sense of Anthroposophy as understood here, wishes to ascend from the sensory-physical world into the supersensible world must, in his research in the latter, employ precisely the same spirit that correctly guides him into the sensory world—namely, the complex sensory world of animal organisms— one can gain insight into many aspects of the methods of natural science that are also part of the ascent into imagination, inspiration, and intuition—which are, after all, necessary for supersensible research—so that one may understand this from the standpoint of today’s scientific spirit. And when Haeckel’s Altenburg lecture came before me—I was well acquainted with Haeckel’s earlier writings—I had to tell myself: Despite all the errors Haeckel has made, he has established a standpoint regarding the sensory-physical world that must be upheld within that world if one wishes to enter the spiritual world from a secure foundation. One must learn precisely how to conduct research—for example, in zoology—so as not to fall into fantasy, but rather to investigate phenomena in their purity. One must have learned this if one wishes to possess within oneself the sound firmness that entitles one to go beyond the sensory world. Before my soul stood what I must call: a methodical monism that is clear about the fact that all fanciful, amateurish rambling about life forces and the like must cease in the face of the achievements of recent research; that we must carry the same spirit we use in sensory research into supersensory research; and that we must not create an abyss between scientific and religious content.

[ 9 ] Aus dem Duktus Haeckelschen Denkens, wie es sich äußerte in seiner Altenburger Monismusrede, ging mir hervor, wie man alle Forschung im monistischen Sinne zu gestalten habe. Man kann ja selbstverständlich viel diskutieren über die Einzelheiten, die von diesem Monismus vorgebracht werden. Da wird man gewiß in vielem vieles einzuwenden haben, aber gegenüber dem Grundnerv monistischer Denkungsweise habe ich im Grunde genommen gerade von meinem anthroposophischen Standpunkt aus nichts einzuwenden. Insofern der Monismus aus einer richtigen Anschauung richtiger Forschungsergebnisse hervorgeht, führe ich keine Polemik gegen ihn. Ich kann nichts dafür, daß ich vom anthroposophischen Standpunkt aus den Inhalt des Monismus bejahen muß, daß ich aber auf der andern Seite, trotzdem ich zu allem ja sage, was der berechtigte Monismus zu sagen hat, noch anderes hinzuzufügen habe. Daß dieses andere gerade von Monisten bekämpft wird, ist, indem ich von den eben charakterisierten Voraussetzungen ausgehe, nicht meine Sache, sondern ihre Sache.

[ 9 ] From the line of Haeckel’s thinking, as expressed in his Altenburg Monism Lecture, it became clear to me how all research should be conducted in a monistic sense. Of course, one can discuss at length the details put forward by this monism. There will certainly be many objections to many aspects of it, but as far as the fundamental spirit of monistic thinking is concerned, I have, in essence, no objection to it from my anthroposophical standpoint. Insofar as monism arises from a correct understanding of valid research findings, I do not engage in polemics against it. I cannot help but affirm the content of monism from an anthroposophical standpoint; yet, on the other hand, even though I say “yes” to everything that legitimate monism has to say, I still have something else to add. That this “something else” is opposed precisely by monists is—given the premises I have just outlined—not my concern, but theirs.

[ 10 ] Nunmehr handelt es sich aber darum, an der Anschauung gerade des Haeckel-Monismus auch etwas zu gewinnen für die Charakteristik der übersinnlichen Forschungsmethoden, die von mir in den weiteren Vorträgen werden geschildert werden müssen. Wenn es sich aber darum handelt, übersinnliche Forschungsmethoden zu schildern, so kommt es darauf an, die für das gewöhnliche Bewußtsein gewissermaßen verborgenen Seelenkräfte, die entwickelt werden können, zu schildern, Seelenkräfte, die in der Seele vorhanden sind, die in den Tiefen der Seele ein Sein haben, die aber für das gewöhnliche Bewußtsein verborgen oder latent bleiben. Dann aber, wenn man diese Seelenkräfte schildert, ist man gezwungen, sich an die menschliche Gesamtnatur zu wenden. Aus dieser quillt ja nicht allein dasjenige, was wir in abstrakter Wissenschaftlichkeit über die Dinge zu sagen haben, sondern aus den Untergründen des seelischen Lebens, aus denselben Untergründen, aus denen unsere naturwissenschaftlichen Methoden hervorquellen, quillt auch dasjenige hervor, was den Menschen zum künstlerischen Schaffen führt. Anthroposophische Geisteswissenschaft muß es ja von ihrem Gesichtspunkte aus immer wieder betonen, daß sie sich an den ganzen vollen Menschen, nicht bloß an den Kopfmenschen wendet, und daß sie dadurch auch zur Anschauung der Verwandtschaft des wissenschaftlichen Forschens und des künstlerischen Schaffens kommt. Indem man an diese Verwandtschaft sich wendet, wird man sogleich wiederum an Goethe erinnert.

[ 10 ] The point now, however, is to draw upon the concept of Haeckel’s monism in particular to gain some insight into the characteristics of the supersensible research methods, which I will need to describe in subsequent lectures. But when it comes to describing supersensible research methods, it is essential to describe the soul forces—which are, so to speak, hidden from ordinary consciousness but can be developed—soul forces that are present in the soul, that exist in the depths of the soul, but that remain hidden or latent to ordinary consciousness. But when one describes these soul forces, one is compelled to turn to the totality of human nature. For it is not only from this that what we have to say about things in abstract scientific terms springs forth, but from the depths of soul life—the very same depths from which our scientific methods spring—that which leads human beings to artistic creation also springs forth. Anthroposophical spiritual science must, from its own perspective, emphasize time and again that it addresses the whole, complete human being—not merely the intellectual being—and that, in doing so, it also comes to recognize the kinship between scientific research and artistic creation. In turning to this kinship, one is immediately reminded of Goethe.

[ 11 ] Goethe stellte die Kunst und die Wissenschaft nicht in einen solch schroffen Gegensatz, wie das die Abstraktlinge tun, sondern er fand, daß man wissenschaftlich eine gewisse Seite der Weltgeheimnisse enthüllen könne, daß aber eine andere Seite dieser Weltengeheimnisse unenthüllt bleibe, wenn man sich der Welt nicht künstlerisch empfindend, künstlerisch in sich schaffend, nahen kann. Aus einer solchen Anschauung ging ja hervor, was Goethe zum Beispiel in die Worte legte: Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne dieses Schöne niemals offenbar würden. Das heißt aber: Goethe meinte, wenn jemand noch so sehr in wissenschaftlich geprägten Ideen die Natur charakterisierte, hätte er nicht die ganze Natur vor sich. In gewisse Untergründe des natürlichen Daseins dringe er dadurch doch nicht ein. Diese Untergründe des natürlichen Daseins, diese Geheimnisse der Welt treten erst ins Bewußtsein herein, werden erst anschaulich, wenn der Mensch ihnen mit Künstlersinn entgegenkommt.

[ 11 ] Goethe did not place art and science in such stark opposition as the abstract thinkers do; rather, he found that while one can scientifically unveil a certain aspect of the world’s mysteries, another aspect of these mysteries remains veiled unless one approaches the world with artistic sensitivity and creates artistically within oneself. It was from such a perspective, after all, that Goethe expressed, for example, the idea that “Beauty is a manifestation of secret laws of nature that would never become apparent without this beauty.” This means, however, that Goethe believed that no matter how much one might characterize nature through scientifically informed ideas, one would still not have the whole of nature before one. Through such an approach, they would still fail to penetrate certain depths of natural existence. These depths of natural existence—these mysteries of the world—only enter our consciousness and become vivid when we approach them with an artistic sensibility.

[ 12 ] Selbstverständlich sind die Einwände gegen eine solche Anschauung außerordentlich plausibel und daher verführerisch, aber deshalb doch nicht gültig, denn man kann mit logischen Gründen aus einer gewissen einseitigen Verstandesanschauung sogar streng beweisen, daß man zu einer sogenannten exakten Wissenschaftlichkeit nur durch das logische Denken kommen könne, das einen Begriff aus dem andern in einer fortwährenden Urteilsvermittlung gewinnt. Aber wenn die Natur, wenn die Welt überhaupt nicht geeignet ist, durch ihre eigene Wesenheit sich einer solchen logischen Zergliederung zu ergeben, so muß eben zu ihrer Erkenntnis ein anderer Weg gesucht werden. Und gerade der Geistesforscher findet auf seinem Wege manches, was ihn stark in die Nähe des inneren künstlerischen Gestaltens bringt, denn dasjenige, was er zur Heranbildung übersinnlicher Schaukräfte auszugestalten hat, hat große Ähnlichkeit mit dem, was im künstlerischen Schaffen sich betätigt. Das hat Goethe gefühlt; daher sprach er auch die Worte aus: Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen beginnt, der empfindet die tiefste Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.

[ 12 ] Of course, the objections to such a view are extremely plausible and therefore seductive, but that does not make them valid, for one can even rigorously prove, using logical arguments based on a certain one-sided intellectual perspective, that so-called exact scientific knowledge can be attained only through logical thinking, which derives one concept from another in a continuous chain of judgments. But if nature—if the world—is not at all suited to submitting to such logical analysis through its own essence, then another path must be sought to understand it. And it is precisely the spiritual researcher who, on his path, finds many things that bring him very close to inner artistic creation, for what he must shape in order to develop supersensible powers of perception bears a great resemblance to what is at work in artistic creation. Goethe sensed this; that is why he also spoke these words: “Whoever to whom nature begins to reveal her manifest secret feels the deepest longing for her most worthy interpreter, art.”

[ 13 ] Es beeinträchtigt nicht die Exaktheit desjenigen, zu dem man zuletzt im wissenschaftlichen Erkennen kommt, wenn die Seele sich notwendig vorbereiten muß zu der schließlichen Exaktheit des Forschens durch dasjenige, was in ihr künstlerisch wirken kann. Es beeinträchtigt nicht, sondern kann nur fördern, daß vielleicht die Seele gerade aus künstlerischen Fähigkeiten heraus dasjenige in sich ausbildet, was zuletzt die besten Erkenntnismethoden abgibt. Daher wird man schon auf das Thema, das ich hier anschlage, etwas eingehen müssen, wenn man die übersinnlichen Erkenntnismethoden der Imagination, der Inspiration und der Intuition zu schildern hat.

[ 13 ] It does not detract from the precision of the ultimate conclusions reached in scientific inquiry when the soul must necessarily prepare itself for the ultimate precision of research through that which can have an artistic effect within it. It does not impair, but can only promote, the possibility that the soul—precisely through its artistic abilities—may develop within itself that which ultimately yields the best methods of knowledge. Therefore, one will have to address the topic I am raising here to some extent when describing the supersensible methods of knowledge: imagination, inspiration, and intuition.

[ 14 ] Goethe, sagte ich, ist besonders groß durch seine besondere Seelenart in der Erforschung der pflanzlichen Welt. Warum ist Goethe gerade in der Erfassung des pflanzlichen Wesens groß? Sehen wir uns, um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, diese goethesche Seelenart genauer an. Wenn man sich Mühe gibt, deren besonderen Charakter vor das eigene Auge treten zu lassen, so ergibt sich, daß diese Seelenart Goethes als ihr charakteristischstes Merkmal das aufweist, daß Goethe alles, was sich ihm vor das Bewußtsein hinstellte, mit einer Art inneren plastischen Gestaltungskraft auffaßte. Goethe war in gewisser Beziehung auf dem Wege, ein Bildhauer zu werden, und mir scheint das Allercharakteristischste bei Goethe eben dieses zu sein, daß die bildhauerische Kraft in seiner Seelenverfassung lag, aber in dieser Seelenverfassung wie ein innerstes verborgenstes Wesen blieb, sich nicht in Bildhauerei nach außen äußerte, daß er gewissermaßen innerlicher Plastiker war in der Ausgestaltung seiner seelischen Anschauungen, daß er aber nicht den Weg dazu suchte, dasjenige, was sich ihm in innerer Plastik als Anschauung geistig vor die Seele stellte, auch dem äußeren Stoffe einzuverleiben. Mir erscheint die Sache so, als ob Goethe, indem er nun seinen Blick über die Pflanzenwelt richtete, mit dieser bildhauerischen Seelenverfassung, mit einem nach allen Richtungen hin ausgebildeten plastischen Sinn schaute. Statt im Ton bildhauerisch zu arbeiten, statt dasjenige, was der plastische Sinn innerlich gestaltete, in den Ton hineinzuprägen, richtete Goethe den Blick auf die Pflanze, und statt daß er die plastische Gestalt dem Ton einverleibte, offenbarte die Pflanze ihre aus ihrem Leben hervorgehende Plastik seiner Seele. Das scheint mir ein Teil, und vielleicht der wichtigste, der Psychologie Goethes zu sein.

[ 14 ] Goethe, I said, is particularly great because of his unique spiritual nature in his exploration of the plant world. Why is Goethe great specifically in his understanding of the nature of plants? To find an answer to this question, let us take a closer look at this Goethean disposition. If one makes the effort to bring its special character to mind, it becomes clear that the most characteristic feature of Goethe’s disposition is that he perceived everything that presented itself to his consciousness with a kind of inner, sculptural creative power. In a certain sense, Goethe was on his way to becoming a sculptor, and it seems to me that the most characteristic aspect of Goethe is precisely this: that sculptural power lay within the constitution of his soul, but that this sculptural power remained within this state of mind as an innermost, most hidden essence, never expressing itself outwardly through sculpture; that he was, so to speak, an inner sculptor in the shaping of his spiritual perceptions, yet did not seek the path to incorporate into external matter that which presented itself to his soul as a spiritual perception in the form of inner plasticity. It seems to me as though Goethe, in turning his gaze toward the plant world, viewed it with this sculptural state of mind, with a sculptural sensibility developed in every direction. Instead of working sculpturally in clay, instead of imprinting upon the clay what his sculptural sense had formed internally, Goethe turned his gaze to the plant; and instead of incorporating the sculptural form into the clay, the plant revealed to his soul the sculptural quality arising from its own life. This seems to me to be a part—and perhaps the most important part—of Goethe’s psychology.

[ 15 ] Nun stelle man neben diese Tatsache eine andere, eine allgemeinere. Man betrachte einmal die plastische Kunst. Gewiß, man kann in allem alles machen, aber wenn man unbefangenen künstlerischen Sinn anwendet, wie muß man sich dann die folgende Frage beantworten: Ist es möglich, mit völliger plastischer Empfindung, mit völlig ausgebildetem plastischem Sinn in derselben Art etwa plastisch geformte Pflanzen anzuschauen, wie man plastisch geformte Tiere oder plastisch geformte Menschen anschaut? — Stellen Sie sich im Geiste eine Blumengruppe vor, blühende Pflanzen in Gips oder in Marmor geformt, vor Ihrem Blick. Ich glaube, mit unbefangenem plastischem Sinn wird man sich sagen müssen: Jawohl, die tierische Organisation, die menschliche Organisation, sie läßt sich wie selbstverständlich in die Plastik hineinbringen; plastisch nachgebildete Pflanzen, die stoßen uns eigentlich ab. — Warum dieses? Wenn man tiefer eingeht auf dieses psychologisch-künstlerische Faktum, dann muß man sich sagen: Die Pflanze ist für sich schon, so wie sie uns in der Natur entgegentritt, so künstlerisch plastisch, daß die Natur einem gar nicht gestattet, mit irgendeiner Plastik noch über diese Naturplastik der Pflanzenwelt selber hinauszugehen. Es ist naturgemäß die Plastik des Pflanzlichen anzuschauen, wie sie da ist, denn man erkennt dann, daß im Wesen des Pflanzlichen etwas liegt, was sich plastisch schon als Natürliches ausgestalten muß. Man hat nichts mehr dazuzubringen durch irgendeine künstlerische Plastik.

[ 15 ] Now let us consider another fact alongside this one—a more general one. Let us consider the plastic arts. Certainly, one can do anything with anything, but if one applies an unbiased artistic sensibility, how must one then answer the following question: Is it possible, with a fully developed sense of form, to view sculpturally rendered plants in the same way as one views sculpturally rendered animals or humans? — Imagine in your mind’s eye a group of flowers—blooming plants sculpted in plaster or marble—before your eyes. I believe that with an unbiased sculptural sensibility, one would have to admit: Yes, the animal form and the human form can be incorporated into sculpture as a matter of course; but sculpturally rendered plants actually repel us. — Why is that? If one delves deeper into this psychological and artistic fact, one must conclude: The plant, in and of itself—just as it appears to us in nature—is already so artistically sculptural that nature does not permit us to go beyond this natural sculptural quality of the plant world itself with any form of sculpture. It is only natural to observe the plasticity of the plant world as it is, for one then recognizes that there is something inherent in the essence of the plant world that must already manifest itself plastically as something natural. There is nothing more to be added through any form of artistic sculpture.

[ 16 ] Nehmen wir nun einen Geist, der so wie Goethe hineingestellt ist in die Welt in einer durchaus naturgemäßen Weise, und nehmen wir ihn mit seiner besonderen Geistesanlage, mit seinen besonderen Fähigkeiten. Er ist nicht dazu ausgebildet, wirklicher plastischer Künstler zu werden, aber die Plastik trägt er überall hinein. Man sehe, wie Plastik selbst in seine vollendetsten poetischen Schöpfungen hineinspielt, wie die «Iphigenie», wie «Tasso», wie «Die natürliche Tochter» überall die plastische Gestaltungskraft selbst im Dramatischen verraten. Goethe ist gewissermaßen überall Plastiker, aber er kommt nicht dazu, die plastische Gestaltungskraft in den Ton hineinzugestalten. Da er aber den innigsten Drang hat, mit der Natur ganz im Einklang zu leben, wo wird er das, was so tief in seinem Inneren sitzt, den plastischen Sinn, draußen befriedigt fühlen? Da, wo die Natur am reinsten als Plastikerin wirkt: an der Pflanzenwelt. Und nun sieht man an der Anschauung Goethes selber, wie der innere Sinn der Menschenseele gewissermaßen zur Plastik hinneigen muß, um die Pflanzenwelt in dem, was sie von Natur aus ist, zu ergreifen, sie in dem zu ergreifen, wie ihr Leben selber eine natürliche Plastik darlebt.

[ 16 ] Let us now consider a spirit who, like Goethe, is placed in the world in a thoroughly natural way, and let us consider him with his particular mental disposition and his particular abilities. He is not trained to become a true sculptor, yet he brings a sculptural quality to everything he does. Observe how sculpture itself plays a role even in his most accomplished poetic works; how *Iphigenia*, *Tasso*, and *The Natural Daughter* all reveal the sculptural creative power even within the dramatic form. Goethe is, in a sense, a sculptor in everything he does, but he never gets around to shaping that sculptural creative power into sound. Yet since he has the deepest urge to live in complete harmony with nature, where will he find satisfaction for what lies so deep within him—his sculptural sensibility? Where nature acts most purely as a sculptor: in the plant world. And now, looking at Goethe’s own perspective, one can see how the inner sense of the human soul must, in a sense, incline toward sculpture in order to grasp the plant world for what it naturally is—to grasp it in the way that its very life embodies a natural sculpture.

[ 17 ] Dem Unorganischen gegenüber können wir mit einer solchen Plastik nicht auskommen. Einem großen Teil der unorganischen Welt gegenüber wenden wir an: Messen, Zählen, Wägen. Das sind Betätigungen, die eigentlich die Gestalt zerreißen; und selbst, wenn wir über dieses Zerreißen der Gestalt in der anorganischen Wissenschaft uns erheben zum Erfassen des Kristalles, so ist es uns in der anorganischen Wissenschaft selber nicht darum zu tun, die besondere plastische Formung des Kristalles innerlich nachzuerleben, sondern wir rechnen die Winkel der Flächen, wir rechnen die Neigungen der Begrenzungslinien und so weiter. Wir versuchen aus demjenigen, was die Gestalt analysiert, diese Gestalt zu begreifen.

[ 17 ] When dealing with the inorganic, we cannot make do with such a form of representation. For a large part of the inorganic world, we resort to measuring, counting, and weighing. These are activities that actually tear the form apart; and even if, in inorganic science, we rise above this tearing apart of form to grasp the crystal, our concern in inorganic science itself is not to internally experience the crystal’s specific plastic form, but rather to calculate the angles of the faces, the inclinations of the boundary lines, and so on. We attempt to comprehend this form from that which analyzes it.

[ 18 ] Eine solche Anschauungsweise hätte gerade Goethes Geist gegenüber der Pflanzenwelt nicht genügt. Seine Morphologie wurde eine Metamorphosenanschauung. Er mußte unmittelbar die Gestalt der Pflanze in ihrer Plastik ergreifen, um die Umwandlung der einzelnen Pflanzengestalten ineinander mit zu durchschauen. Und so wurde sein Anschauen der Pflanzenwelt eine bewegliche innerliche Plastik. In der Pflanze ist also etwas, was gerade einen natürlich veranlagten Geist nötigt, seine Erkenntnisse in innerliche, plastische Gestalten zu wandeln, zu innerlichen plastischen Gestalten zu machen. Indem Goethe dieses tat, indem in seiner Seele lebendig wurde dasjenige, was sich, ich möchte sagen, an Kraftplastik durch die ganze Pflanzenwelt hindurchlebt, kam er zu dem Wesentlichen in der Pflanzenwelt. Man nenne das nun, wie man will: in der anthroposophischen Wissenschaft ist man gewöhnt worden, dasjenige, was Goethe so an der Pflanze mit seinem plastischen Sinn durchschaut hat, den Ätherleib der Pflanze zu nennen. Ich werde wohl in den nächsten Tagen zu sagen haben, warum. Aber man nenne es, wie man will, man halte sich jedoch an die Art, wie man sich dem eigentlichen Weben und Wesen des Pflanzlichen mit einem so naturgemäßen Sinn der Erkenntnis, wie ihn Goethe hatte, nähern muß. Und man sehe dann, wie man in der Plastik selber dasjenige, was man nun im Anschauen der Pflanzenwelt ausgestalten muß, für die tierische, für die menschliche Gestalt in dem künstlerischen Material ausarbeite. Es ist dasjenige, was die Pflanze belebt und was man durch diesen plastischen Sinn findet, auch im Tier und im Menschen drinnen. Nennt man dasjenige, was die Pflanze so durchwebt, daß man es mit dem plastischen Sinn ergreift, Ätherleib, dann findet man diesen Ätherleib auc in der tierischen, in der menschlichen Organisation. Und der Plastiker ist bemüht, dasjenige, was die tierische, die menschliche Organisation durchzieht, in der allerdings noch etwas anderes ist, herauszugestalten dann, wenn er seine plastischen Formen des tierisch, des menschlich Organisierten schafft.

[ 18 ] Such a perspective would not have satisfied Goethe’s spirit, especially in relation to the plant world. His morphology became a view of metamorphosis. He had to grasp the form of the plant directly in its plasticity in order to gain insight into the transformation of individual plant forms into one another. And so his perception of the plant world became a dynamic, inner plastic art. There is, therefore, something in the plant that compels a naturally inclined mind to transform its insights into inner, sculptural forms—to make them into inner, sculptural forms. By doing this—by allowing that which, I might say, lives through the entire plant world in its sculptural power to come alive in his soul—Goethe arrived at the essence of the plant world. Call it what you will: in anthroposophical science, we have become accustomed to calling that which Goethe perceived in the plant with his plastic sense the etheric body of the plant. I will likely have more to say about why in the coming days. But whatever one chooses to call it, one must adhere to the way in which one must approach the very fabric and essence of the plant world with a sense of perception as natural as that which Goethe possessed. And one must then see how, in sculpture itself, one can elaborate in artistic material—for the animal form and for the human form—that which one must now shape through the contemplation of the plant world. It is that which animates the plant and which, through this sculptural sense, one finds within the animal and the human being as well. If one calls that which so interweaves the plant—and which one grasps with the sculptural sense—the etheric body, then one finds this etheric body also in the animal and human organism. And the sculptor strives to shape what permeates the animal and human organisms—even though there is, of course, something else there as well—when he creates his sculptural forms of the animal and human organisms.

[ 19 ] Sieht man aber in der Natur das Tier, sieht man den Menschen an, dann verbirgt sich die bloße Plastik des Ätherleibes, dann ist ihr etwas anderes zugesetzt, dann sieht man durch dieses andere, gewissermaßen wie durch eine Abstraktion hindurch, dasjenige, was sich in der Plastik als Ätherleib darlebt. So kann man sagen, daß Goethe es durch seine besondere Veranlagung dahin brachte, tiefen Einblick in die Pflanzenwelt zu gewinnen. Man könnte sagen, eine künstlerisch veranlagte Persönlichkeit behält eine gewisse künstlerische Richtung im Inneren, auch wenn sie sich wissenschaftlich betätigt. Die befähigt sie, gewisse Geheimnisse der Außenwelt zu entdecken, die eben, wenn diese künstlerische Befähigung im Inneren bleibt, entdeckt werden können.

[ 19 ] But when one looks at an animal in nature, or at a human being, the mere form of the etheric body is concealed; something else is superimposed upon it, and through this “something else”—as it were, through an abstraction—one sees that which lives within the form as the etheric body. Thus, one can say that Goethe’s special disposition enabled him to gain deep insight into the plant world. One might say that a person with an artistic disposition retains a certain artistic orientation within, even when engaged in scientific work. This enables them to discover certain mysteries of the external world—mysteries that can only be discovered when this artistic capacity remains within.

[ 20 ] Ernst Haeckel wandte, allerdings in einer naiveren Weise als Goethe das für die Pflanzen tat, seinen Sinn auf die tierische Welt. Und man kann nun in einer gewissen Weise von Haeckel das Folgende sagen: Wenn Goethes Denken, wie ich in den vorigen Betrachtungen auseinandergesetzt habe, mit Recht von Heinroth als ein gegenständliches bezeichnet worden ist — das heißt ein solches, wobei der Seeleninhalt untertaucht in die Objekte —, so kann man das, wenn auch zunächst in einer unvollkommenen Weise, auch an Haeckels zoologischen Forschungsmethoden durchaus bemerken. Es ist tief bezeichnend, wenn Haeckel einmal, um sich in seiner naiven Weise zu rechtfertigen, sagt, wie er nun nicht die Gestalt — die Goethe gefunden hat, indem er sich auf das Pflanzliche beschränkte —, sondern die Seele in den tierischen Wesenheiten findet. Haeckel redet vom Tierischen, und da muß er von der Seele reden.

[ 20 ] Ernst Haeckel turned his attention to the animal world, albeit in a more naive way than Goethe had done with regard to plants. And in a certain sense, one can say the following about Haeckel: If Goethe’s thinking, as I have explained in the preceding reflections, has rightly been described by Heinroth as “object-oriented”—that is, one in which the content of the soul is submerged in the objects—then one can certainly observe this, albeit initially in an imperfect way, in Haeckel’s zoological research methods as well. It is deeply significant when Haeckel, in an attempt to justify himself in his naive way, says that he finds not the form—which Goethe discovered by limiting himself to the plant kingdom—but rather the soul in animal beings. Haeckel speaks of the animal realm, and in doing so, he must speak of the soul.

[ 21 ] Goethe verfolgte Pflanze für Pflanze, er verfolgte die Metamorphose der Gestalt. Haeckel verfolgte Tier für Tier; es blieb nicht beim Verfolgen der Gestalt, aber es kam zu einem Suchen des Tierisch-Seelischen in den Gestaltungen des Tierischen. Und wenn man ihm eingewendet hätte, er hätte kein Recht, von diesem Seelischen auch in den einfachsten Gestaltungen des Tierischen zu reden, so hätte er immer wieder dasjenige gesagt, was er wirklich auch ausgesprochen hat: Wenn einer gleich mir durch viele Jahrzehnte niedere Tierwesen, wie die Protisten, betrachtet und gesehen hat, wie sich ihre Gestalten verhalten, dann kann er nicht anders, als in diesem Anschauen dazu kommen, daß in diesen Zelltieren Zellseelen leben, die nur qualitativ von den kompliziertesten Seelen verschieden sind.

[ 21 ] Goethe studied plant by plant; he studied the metamorphosis of form. Haeckel studied animal by animal; he did not stop at studying form, but went on to seek the animal-spiritual within the forms of the animal kingdom. And if someone had objected that he had no right to speak of this spiritual aspect even in the simplest forms of the animal kingdom, he would have repeated time and again what he actually did say: If someone, like me, has observed lower animal organisms—such as protists—over many decades and seen how their forms behave, then they cannot help but come to the conclusion, through this observation, that cell souls live within these cellular animals, souls that differ from the most complex souls only in terms of quality.

[ 22 ] So hat Goethe auf der einen Seite gesagt: Wenn ich die Pflanzenwelt durchgehe, so ergibt sich mir dasjenige, was ich in dem einfachsten Pflanzenorganismus sehen muß: eine Gestalt, der Typus der Pflanze, die Urpflanze. Sie bietet mir in der einfachsten Pflanze dasselbe, was nur qualitativ verschieden ist von dem, was ich auch in der vollkommensten Pflanze als Gestalt, als lebendig wirkenden Typus finde.

[ 22 ] Thus, on the one hand, Goethe said: When I walk through the plant world, I find what I must see in the simplest plant organism: a form, the type of the plant, the primordial plant. Even in the simplest plant, it offers me the same thing—differing only in quality—that I find in the most perfect plant as form, as a living, active archetype.

[ 23 ] Haeckel sagt, indem er jetzt nicht von der pflanzlichen, indem er von der tierischen Welt spricht: Wenn ich die ganze tierische Welt durchgehe, so finde ich das Seelenhafte schon in dem einfachsten Tiere, und ich finde es in der mannigfaltigsten Weise metamorphosiert, verwandelt bis in die kompliziertesten Gestaltungen des Tierwesens hinein.

[ 23 ] Haeckel says, speaking not of the plant world but of the animal world: “When I survey the entire animal world, I find the spiritual element even in the simplest animal, and I find it metamorphosed in the most diverse ways, transformed into the most complex forms of animal life.”

[ 24 ] Eine gewisse Verwandtschaft ist da zwischen dieser Anschauung des ‘Tierischen bei Haeckel und der Anschauung des Pflanzlichen bei Goethe; und legt man einen Wert darauf, betrachtet man es nicht als etwas Untergeordnetes, daß Goethe von Gestalt reden muß, Haeckel von Seele, dann ist man auf dem Wege, wie ich glaube, ganz Bedeutsames zu finden. Und woher dieses, daß sich in der naiven Forscherseele Haeckels dasjenige, was Goethe in einer bewußteren Weise anstrebte, in einer solchen Art ergab, wie ich es geschildert habe? Ich suchte nach einer Erklärung für diese Tatsache, und ich fand sie zu meiner vollen Befriedigung, als ich einmal bei einer Ausstellung im Giordano-Bruno-Bund in Berlin dasjenige durchsah, was da vorlag an Haekkels zum Teil dilettantischen Malereien. Das ist etwas, was in die Haeckel-Psychologie hineinführt. Überall ist Haeckel nicht nur tätig als Forscher; überall setzt er sich zugleich hin und malt, und überall hat er seine Freude, dasjenige, was die Natur seinem Forschersinn enthüllt, zu gleicher Zeit in der Farbe festzuhalten. Welche Freude er hatte, diese Formen der tierischen Welt in den Farben festzuhalten, das kann man noch nachempfinden, wenn man die Hefte vor sich ausbreitet, die Haeckel herausgegeben hat unter dem Titel: «Kunstformen der Natur».

[ 24 ] There is a certain kinship between Haeckel’s view of the “animal” and Goethe’s view of the “plant”; and if one attaches importance to this—if one does not regard it as something secondary that Goethe must speak of form while Haeckel speaks of the soul—then, I believe, one is on the path to discovering something quite significant. And how is it that, in Haeckel’s naive, inquiring mind, what Goethe strove for in a more conscious manner emerged in the way I have described? I sought an explanation for this fact, and I found it to my complete satisfaction when, on one occasion at an exhibition at the Giordano Bruno Society in Berlin, I looked through what was on display there of Haeckel’s—in part amateurish—paintings. This is something that leads into Haeckel’s psychology. Everywhere Haeckel is not only active as a researcher; everywhere he also sits down and paints, and everywhere he takes pleasure in simultaneously capturing in color what nature reveals to his scientific mind. One can still sense the joy he took in capturing these forms of the animal world in color when one spreads out before one the booklets Haeckel published under the title: “Art Forms in Nature.”

[ 25 ] So wie Goethe auf einer höheren Stufe in der plastischen Kunst innerlich lebte, so Haeckel in den Farben, welche das Tierische an seine Oberfläche zaubert. Und so wie Goethe nicht zum Bildhauer geworden ist, sondern das Bildhauerische in seinem Inneren bewahrt hat, so wurde Haeckel nicht Maler, sondern Naturforscher; aber ein innerlich Wesenhaftes seiner ganzen Seelenveranlagung war das in Farben Malende. Das lebte in seinem Inneren, und er suchte dasjenige, was sich nun in der Außenwelt so ausdrückt, daß es aus seinem Leben, das von der Empfindung durchdrungen ist, daß es aus dem Seelenhaften heraus sich in der Farbe offenbart. Das suchte er zu erforschen.

[ 25 ] Just as Goethe lived inwardly on a higher level within the plastic arts, so did Haeckel in the colors that the animal realm conjures up on its surface. And just as Goethe did not become a sculptor but preserved the sculptural within himself, so Haeckel did not become a painter but a naturalist; but an inner, essential aspect of his entire spiritual disposition was the act of painting in colors. This lived within him, and he sought that which now expresses itself in the external world in such a way that it emerges from his life—which is permeated by feeling—and reveals itself in color from the depths of his soul. This is what he sought to explore.

[ 26 ] Damit aber sind wir vorgedrungen zu demjenigen, was das Tierische von dem Pflanzlichen unterscheidet. Allerdings kann man sagen: Die Pflanze zeigt erst recht die Farben! — Aber jeder wird empfinden, daß das Innerlichste des tierischen Wesens ganz anders zusammenhängt mit dem, was sich als Farbe enthüllt, als das Pflanzliche. Das Pflanzliche lebt eigentlich in der Gestalt, und die Farbe ist im Grunde genommen etwas, wovon man leicht einsehen kann, daß es von außen an die Pflanze wesenhaft herangebracht ist. Man wird studieren müssen das Verhältnis von Sonne und Luft und anderem Äußerem zur Pflanze, wenn man die Farbe der Pflanze betrachten will. Will man aber das Innere der Pflanze begreifen, dann muß man mit plastischem Sinne die Gestalt der Pflanze ins Auge fassen.

[ 26 ] But this brings us to what distinguishes the animal realm from the plant realm. Of course, one might say: Plants display colors even more so! — But everyone will sense that the innermost essence of the animal being is connected quite differently to what reveals itself as color than is the case with the plant realm. The plant realm actually lives in form, and color is, fundamentally speaking, something that one can easily see is brought to the plant from the outside in an essential way. One must study the relationship of the sun, the air, and other external factors to the plant if one wishes to observe the plant’s color. But if one wishes to understand the inner nature of the plant, then one must take in the plant’s form with a sculptural sense.

[ 27 ] Nicht in derselben Weise ist dasjenige, was an der Oberfläche des Tieres an Farben auftritt, von den äußeren Verhältnissen abhängig. Ja, wenn es abhängig ist — wie bei den Erscheinungen von Mimikry —, dann fühlen wir uns noch veranlaßt, es aus besonderen Bedingungen zu erklären, weil wir ein Gefühl haben, wie aus dem mit Empfindungen durchdrungenen Leben auch von innen heraus die Tingierung mit der Farbe stattfindet. Aber es kommt weniger auf die Farbe, es kommt auf das Leben an, das vom Menschen nacherlebt werden kann, indem er selber im Farbigen empfindet, im Farbigen denkt. Nicht auf das Zusammenstellen der Farbe kommt es an, sondern auf das, was man innerlich empfindet, wenn man in Farben empfindet, in Farben denkt. Und geradeso wie man bei der Pflanze sprechen kann vom ätherischen Leib, den man ergreifen muß durch den plastischen Sinn, so muß man beim Tiere — in gewisser Beziehung auch beim Menschen — sprechen von demjenigen, was Mensch und Tier über die Pflanze hinaus haben, wenn man von den innerlichen Bedingungen des Farbigen sprechen will. Und hält man fest, was das Tier, was der Mensch mit der Pflanze gemein haben, so hält man es in der farblosen Skulptur fest. Greift man zur Malerei für Mensch und Tier, so schafft man beim Tier und beim Menschen dasjenige, was einen durch die Farbe in das Innere hineinschauen läßt, was einem das Innere enthüllt, dasjenige, was sich nicht mehr bloß in der Metamorphose der Gestalt ausspricht, was sich in einer tiefer bedingten Verwandlungsfähigkeit des Lebens selber zur Offenbarung bringt. Was da ebenso anschaulich verfolgt werden kann beim Tier wie beim Menschen, das mag man wiederum nennen, wie man will: in der anthroposophischen Geisteswissenschaft ist man gewöhnt worden, aus der besonderen Anschauung, wie sich das der Inspiration ergibt, es den astralischen Leib zu nennen. Ich werde davon in den nächsten Vorträgen zu sprechen haben. Aber daß man überhaupt herangedrängt wird, die Verwandlungen, das Werden des Tierischen zu erforschen, das hängt zusammen mit einer inneren Seelenverfassung, die anders ist als diejenige, die als plastische Seelenverfassung ins Pflanzliche hineinführt.

[ 27 ] The colors that appear on the surface of the animal do not depend on external conditions in the same way. Indeed, even when it is dependent—as in the case of mimicry—we still feel compelled to explain it in terms of specific conditions, because we have a sense that the coloring arises from within, out of a life imbued with sensations. But what matters is not so much the color as the life that can be relived by the human being by feeling and thinking in color. It is not the composition of the color that matters, but what one feels inwardly when one feels and thinks in colors. And just as one can speak of the etheric body in plants—which must be grasped through the plastic sense—so too must one speak, in the case of animals—and in a certain sense also in the case of human beings—of that which human beings and animals possess beyond what plants have, when one wishes to speak of the inner conditions of the colorful. And if one captures what the animal and the human being have in common with the plant, one captures it in colorless sculpture. When one turns to painting for humans and animals, one creates in both that which allows one to look inward through color, that which reveals the inner being—that which is no longer expressed merely in the metamorphosis of form, but which manifests itself in a deeper capacity for transformation inherent in life itself. What can be observed just as vividly in animals as in humans may, in turn, be called whatever one wishes: in anthroposophical spiritual science, we have become accustomed, based on the specific insight that arises from inspiration, to calling it the astral body. I will speak about this in the next lectures. But the very fact that one is impelled to explore the transformations and the becoming of the animal realm is connected to an inner state of soul that is different from the one that leads, as a plastic state of soul, into the plant realm.

[ 28 ] Wenn, wie gesagt, auf naivere Art als Goethe, so war doch auch Haeckel dazu veranlagt, in die tierische Welt künstlerisch einzudringen. Und das ist es, was Haeckel als einen besonders charakteristischen Geist innerhalb der modernen naturwissenschaftlichen Weltanschauung erscheinen läßt. Daß er nicht in einer äußerlichen Weise forschte, sondern daß er, ich möchte sagen, aus einer verhaltenen Künstlerschaft heraus forschte, wie Goethe ebenfalls aus verhaltener plastischer Künstlerschaft an die Pflanzenmetamorphose herankam, das brachte einen dazu, trotz aller Verirrungen Haeckels die innere Wahrheit dieses Haeckelschen Monismus dennoch zu fühlen und etwas darinnen zu sehen, das, wenn die Ablegung seiner Einseitigkeiten weiter verfolgt werden kann, auch dazu führen kann, nicht nur dasjenige zu suchen, was sich äußerlich im Tiere, im Menschen, über das Pflanzliche hinaus offenbart, sondern es auch im Inneren, in seiner ureigensten Wesenheit durch übersinnliche Erkenntnisse, die so streng diszipliniert sind wie heute die sinnlichen, zu suchen.

[ 28 ] Although, as mentioned, in a more naive manner than Goethe, Haeckel was nonetheless predisposed to explore the animal world artistically. And that is what makes Haeckel appear as a particularly distinctive figure within the modern scientific worldview. The fact that he did not conduct his research in a superficial manner, but rather—I would say—from a restrained artistic sensibility, just as Goethe likewise approached plant metamorphosis from a restrained sculptural sensibility, led one, despite all of Haeckel’s errors, to nevertheless sense the inner truth of this Haeckelian monism and to see something in it, which, if the abandonment of his one-sidedness can be pursued further, may also lead not only to seeking what reveals itself externally in animals, in humans, and beyond the plant realm, but also to seeking it internally, in its very essence, through supersensory insights that are as strictly disciplined as sensory ones are today.

[ 29 ] Es gibt also einen Weg, um lebensvoll hineinzukommen aus den tiefsten Bedürfnissen nach einer menschenwürdigen Weltanschauung in einen modernen Forschergeist. Es gibt einen Weg, dasjenige in einer positiven Gestalt aufzunehmen, was Nietzsche im Grunde genommen nie hat verdauen können und weswegen er zu seiner so ergreifenden, aber ihn auch zerbrechenden seelischen Lebenstragik gekommen ist. Es muß schon der Weg der modernen Naturforschung in das Gebiet anthroposophischer Geistesforschung herübergenommen werden, wenn man zu echten, zu gültigen Formulierungen der Ideen kommen will, wenn man nicht im Dilettantischen, im Laienhaften steckenbleiben will. Wer es ernst mit seiner Zeit nimmt, muß immer ein gewisses Verhältnis zu seiner Zeit haben. Daher ist es nötig, daß, wenn von den Erkenntnisquellen anthroposophischer Geisteswissenschaft gesprochen wird, auf dieses Verhältnis zu den andern Erkenntnisquellen der gegenwärtigen Epoche hingewiesen wird. Mußte vieles in den vorangegangenen Vorträgen gesagt werden zur Ablehnung der agnostischen Denkweise, so ist heute der erste, vielleicht noch wenig weitreichende Ausblick hingestellt worden in einer selbst den Agnostizismus ablehnenden Weltanschauung, wie es der Haeckelsche Monismus war. Und damit ist das angedeutet, was dieser Monismus, wenn er auch vielfach überholt ist, auch für uns Heutige noch sein kann.

[ 29 ] There is, therefore, a way to fully engage with the modern spirit of inquiry, stemming from the deepest needs for a worldview that respects human dignity. There is a way to embrace, in a positive form, that which Nietzsche was essentially never able to come to terms with—and which led him to his deeply moving, yet also shattering, personal tragedy. The approach of modern natural science must indeed be carried over into the realm of anthroposophical spiritual science if one wishes to arrive at genuine, valid formulations of ideas, if one does not want to remain stuck in dilettantism and amateurism. Anyone who takes their time seriously must always maintain a certain relationship to their time. Therefore, when speaking of the sources of knowledge in anthroposophical spiritual science, it is necessary to point out this relationship to the other sources of knowledge of the present epoch. While much had to be said in the preceding lectures regarding the rejection of the agnostic way of thinking, today the first—perhaps still somewhat limited—outlook has been presented in a worldview that itself rejects agnosticism, as Haeckel’s monism did. And this hints at what this monism—even though it is in many respects outdated—can still mean for us today.

[ 30 ] Als ich zu schreiben hatte 1897, am hundertsten Geburtstage Lyells, über Charles Lyell, einen der Begründer der modernen naturwissenschaftlich-monistischen Denkweise, da stand mir auch Haeckel lebendig vor dem Seelenauge. Mir erschien im Geiste eine Gemeinde, welche imstande sein könnte, jenes Hineinleben in die Natur, welches man finden kann in der Linie der Geister von Lyell bis Haeckel, fortzusetzen in der Richtung, in der es fortgesetzt werden muß. Deshalb schrieb ich für diese ideelle Gemeinde, die suchen sollte den Weg, der begonnen war gerade mit dem Haeckelschen Monismus, diejenigen Worte, welche, wenn man sie richtig versteht, andeuten können, daß nun mit diesem Monismus zunächst dennoch ein Wall überschritten worden ist, über den man nicht mehr in frühere Zeiten zurückkehren darf, wenn man es nicht mit Niedergangs-, wenn man es mit Aufgangskräften der menschlichen Entwickelung zu tun haben will.

[ 30 ] When I wrote about Charles Lyell—one of the founders of modern scientific-monistic thought—in 1897, on the hundredth anniversary of his birth, Haeckel also stood vividly before my inner eye. A community appeared to me in my mind’s eye that might be capable of continuing that immersion in nature—which can be found in the lineage of thinkers from Lyell to Haeckel—in the direction in which it must be continued. That is why I wrote for this ideal community, which was to seek the path that had begun precisely with Haeckel’s monism, those words which, if understood correctly, may suggest that with this monism, at least for the time being, a barrier has been crossed beyond which one may no longer return to earlier times—unless one wishes to deal with the forces of decline rather than those of ascent in human development.

[ 31 ] Jawohl, vorwärtsgeschritten werden muß von diesem Monismus; nie und nimmermehr darf zurückgegangen werden zu dem, was durch diesen Monismus an alten Weltanschauungen überwunden worden ist. Deshalb schrieb ich dazumal die Worte nieder: «Wenn wir auch an mancher Stelle», — ich bitte das zu beachten — «an die er uns führt», — nämlich Haeckel — «nicht gerade vorbei wollen», — das kann niemand, in dessen Seele Anthroposophie keimt —, «er hat doch die Richtung, die wir einschlagen wollen. Aus Lyells und Darwins Händen hat er das Steuerruder bekommen; sie hätten es keinem Besseren geben können. Und unsere Gemeinde segelt rasch vorwärts... .» Ja, möge sie den strengen Wissenschaftsgeist, den die wahre Naturforschung heraufgebracht hat, in sich aufnehmen und rasch vorwärtsschreiten in diejenigen Untergründe des Weltendaseins, die im Übersinnlichen liegen und doch nur durch übersinnliche Forschung ergründet werden können!

[ 31 ] Indeed, we must move forward from this monism; we must never, ever revert to what this monism has overcome in terms of old worldviews. That is why I wrote the following words at the time: “Even if, in some places”—please take note of this—“to which he leads us”—namely, Haeckel—“we do not wish to pass right by him”—no one in whose soul anthroposophy is taking root can do that—“he nevertheless points the way we wish to take. He has received the helm from the hands of Lyell and Darwin; they could not have given it to anyone better. And our community is sailing swiftly forward... .” Yes, may it absorb the rigorous scientific spirit that true natural science has brought forth and advance rapidly into those depths of world existence that lie in the supersensible and yet can only be fathomed through supersensible research!