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Anthroposophy
Its Roots of Knowledge and Fruits of Life
GA 78

2 September 1921, Stuttgart

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Anthroposophy: Its Roots of Knowledge and Fruits of Life, tr. SOL
  1. Anthroposophie ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte

Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft will aufsteigen von der Sinnesanschauung zu der Geistesanschauung, und sie will aufsteigen von dem Verstandesgebrauch, wie er sein muß im gewöhnlichen Leben und in der gebräuchlichen Wissenschaft, zu solchen andern Arten von Seelentätigkeiten, durch welche die Erkenntnis in Gebiete geführt werden kann, die sich zwar offenbaren in der gewöhnlichen Sinneswelt, die aber durch die Sinne und durch die Verstandeserkenntnis als solche unmittelbar nicht erkennbar sind. Und solche inneren Seelenbetätigungen leben in dem, was ich in meinen Schriften als Imagination, Inspiration, Intuition bezeichnete.

[ 1 ] Anthroposophical spiritual science seeks to ascend from sensory perception to spiritual perception, and it seeks to rise from the use of the intellect—as it must be in ordinary life and in conventional science—to other kinds of soul activities through which knowledge can be guided into realms that, while they manifest themselves in the ordinary sensory world, are not directly recognizable as such through the senses or through intellectual cognition. And such inner activities of the soul are found in what I have referred to in my writings as imagination, inspiration, and intuition.

[ 2 ] Wenn nun von Imagination geredet wird, so hat man zunächst nicht an irgend etwas Nebulos-Mystisches zu denken, zu dem man kommt, wenn man an die Stelle der klaren, besonnenen Verstandeseinsicht irgend etwas dunkel in der Seele Lebendiges setzt, sondern man hat an etwas zu denken, das ausgeht von einem vollständigen und umfassenden Gebrauche der besonnenen Verstandeserkenntnis, diese aber weiterentwickelt durch Heraufheben von in der Seele verborgenen Kräften zu einer Betätigung der Seele, die nun nicht in den gebräuchlichen Begriffen lebt, sondern zunächst in etwas Bildartigem, das sich aber durchaus im weiteren Verlaufe seiner Betätigung in ebenso klaren Begriffen auszuleben hat wie die Verstandeserkenntnis selbst. Ich habe in meinen Büchern dasjenige geschildert, was der Mensch als innerliche Übungen zu vollbringen hat, um diese für das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche Wissenschaft in der Seele verborgen bleibenden Kräfte zu entwickeln und so zur imaginativen Erkenntnis zu kommen. Heute möchte ich diese imaginative Erkenntnis, wie sie sich auf die in jenen Büchern geschilderte Weise ergibt, zunächst mit einigen Strichen charakterisieren.

[ 2 ] When we speak of imagination, we should not initially think of something nebulous and mystical—something that arises when we replace clear, level-headed intellectual insight with something obscure yet vibrant within the soul—but rather we should think of something that arises from a complete and comprehensive use of level-headed intellectual insight, but which is further developed by bringing forth powers hidden within the soul, leading to an activity of the soul that does not yet exist in ordinary concepts, but initially takes the form of imagery—which, however, must, in the further course of its activity, find expression in concepts just as clear as intellectual insight itself. In my books, I have described what a person must accomplish as inner exercises in order to develop these powers—which remain hidden in the soul from ordinary life and ordinary science—and thus to arrive at imaginative knowledge. Today I would like to characterize this imaginative knowledge, as it arises in the manner described in those books, in a few broad strokes.

[ 3 ] Diese imaginative Erkenntnis lebt nicht in den abstrakten Begriffen, an die wir im gewöhnlichen logischen Denken gewöhnt sind, aber man hat sich auch nicht zu denken, daß diese Erkenntnis irgend erwas vielleicht bloß Phantasiemäßiges ist. Man hat, wenn man zunächst, was da vorliegt, mehr äußerlich charakterisieren will, sich zu besinnen auf jene Form des Erlebnisses, das der Mensch hat, wenn er aus den Untergründen seiner Organisation Erinnerungsvorstellungen herausholt, oder auch, wenn diese Erinnerungsvorstellungen, angeregt durch dieses oder jenes, aus diesen Untergründen wie von selbst auftauchen. Man fasse also dasjenige genau ins Seelenauge, was eine Erinnerungsvorstellung ist, und man wird damit die Art und Weise gegeben haben, wie auch Imaginationen in der Seele leben. Sie leben mit derselben Intensität, ja mit einer oft weit gesteigerten Intensität gegenüber den Erinnerungsvorstellungen. Aber gerade so, wie die Erinnerungsvorstellungen durch ihr eigenes Auftreten, durch ihren eigenen Inhalt zeigen, wie das Erlebnis war, das der Mensch vielleicht vor Jahren hatte und von dem sie ein Bild sind, so zeigen diese Imaginationen, indem sie in die Seele hereingerufen werden, daß sie zunächst nicht an ein persönliches Erlebnis anknüpfen, wenn sie als wirkliche Erkenntnisimaginationen auftreten, sondern daß sie sich beziehen, obwohl sie genau mit dem Charakter der Erinnerungsvorstellungen auftreten, auf eine nun nicht sinnliche, aber doch durchaus objektive Welt, die innerhalb der Sinneswelt lebt und webt, aber durch die Wahrnehmungsorgane der Sinne sich nicht offenbart.

[ 3 ] This imaginative insight does not exist in the abstract concepts to which we are accustomed in ordinary logical thinking, but one should not think that this insight is merely a figment of the imagination. If one wishes, at first, to characterize what is at hand in more external terms, one must reflect on that form of experience a person has when they draw up memories from the depths of their psyche, or when these memories, stimulated by this or that, emerge from those depths as if of their own accord. Let us therefore grasp precisely in the eye of the soul what a memory image is, and we will thereby have grasped the manner in which imaginations also live in the soul. They live with the same intensity—indeed, often with a far greater intensity—than memory images. But just as memories, through their very appearance and content, reveal what an experience was like—one that a person may have had years ago and of which they are an image—so these imaginations, when summoned into the soul, reveal that they do not initially connect to a personal experience when they appear as true imaginative insights, but rather that they refer, —even though they appear with exactly the same character as memory images—to a world that is not sensory but is nonetheless thoroughly objective, a world that lives and weaves within the sensory world but does not reveal itself through the organs of sensory perception.

[ 4 ] So könnte man zunächst in einem positiven Sinne das mehr Äußerliche der Erkenntnisimaginationen charakterisieren. In einem negativen Sinne ist zu sagen, was diese Erkenntnisimaginationen nicht sind. Sie sind nicht irgendwie etwas, das einer Vision, einer Halluzination oder dergleichen ähnlich ist. Sie führen im Gegenteil die Seelenverfassung des Menschen nach der entgegengesetzten Richtung, als diejenige ist, in der sie sich bewegt, wenn sie in Visionen, in Halluzinationen und dergleichen verfällt. Erkenntnisimaginationen sind in demselben Sinne gesunde Seelenerlebnisse, in dem Visionen, Halluzinationen und so weiter kranke Seelenerlebnisse sind. Was ist mit Bezug auf den Menschen selber das eigentlich Kennzeichnende des visionären, des halluzinierenden Lebens? Eines der Kennzeichen ist das herabgedämpfte Ich-Gefühl, die herabgedämpfte Besonnenheit auf sich selbst. Wir haben, indem wir uns unserer gesunden Sinnesverfassung und unserem gesunden Erleben der äußeren sinnlichen Wirklichkeit hingeben, eben dasjenige, was wir Besonnenheit auf unser eigenes Ich nennen können. Wir müssen in jedem Augenblick, in dem wir gesund die äußere Welt anschauen, in dem wir gesund uns in die äußere Welt hineinstellen, uns selber in einem gewissen Grade unterscheiden können von demjenigen, was Inhalt unseres Selbstes ist. Übermannt uns dasjenige, was Inhalt unseres Bewußtseins, unseres Selbstes ist, so, daß die notwendige Besonnenheit auf uns selbst herabgelähmt wird, dann treten eben ungesunde Zustände ein, und solche sind auch die des visionären, des halluzinatorischen Lebens. Wer in diesen Dingen ein unbefangenes Urteil sich erwirbt, der weiß, daß ein gewisser Grad der so geschilderten Besonnenheit vorhanden ist, wenn wir im gesunden Sinneserfahren leben, und er weiß, daß unter diesem gesunden Sinneserfahren das visionäre, das halluzinatorische Leben steht. Er wird gar nicht versucht sein, diese Herabstimmungen des Bewußtseins irgendwie hinzunehmen als Offenbarungen einer Welt, die wertvoller ist als die Sinneswelt.

[ 4 ] This is how one might initially characterize, in a positive sense, the more external aspect of the imaginative insights. In a negative sense, we must state what these imaginative insights are not. They are not in any way similar to a vision, a hallucination, or the like. On the contrary, they lead the human soul in the opposite direction from that in which it moves when it succumbs to visions, hallucinations, and the like. Imaginations of knowledge are healthy soul experiences in the same sense that visions, hallucinations, and the like are unhealthy soul experiences. What, with regard to the human being himself, is the defining characteristic of a visionary or hallucinatory life? One of the characteristics is a diminished sense of self, a diminished sense of self-awareness. By surrendering ourselves to our healthy sensory state and our healthy experience of external sensory reality, we possess precisely what we might call a sense of self-awareness. At every moment when we view the external world in a healthy way, when we position ourselves within the external world in a healthy way, we must be able to distinguish ourselves to a certain degree from that which constitutes the content of our self. If what constitutes the content of our consciousness—of our self—overwhelms us to the point that the necessary self-reflection is paralyzed, then unhealthy states set in, and these are precisely the states of visionary and hallucinatory life. Anyone who develops an unbiased judgment in these matters knows that a certain degree of the self-control described above is present when we live within a healthy sensory experience, and knows that beneath this healthy sensory experience lies the visionary and hallucinatory life. Such a person will not be tempted in the least to accept these states of lowered consciousness as revelations of a world that is more valuable than the sensory world.

[ 5 ] Man kann es einfach als eine Art Kriterium auffassen, ob jemand etwas versteht von wahrer anthroposophischer Geisteswissenschaft oder nicht, wie er sich zu diesen Dingen verhält. Wenn jemand den Glauben hat, daß er etwas Wertvolleres über die Welt erfährt durch Visionen und Halluzinationen als durch Sinneswahrnehmung, dann hat er eigentlich kein genügendes Verständnis für anthroposophische Geisteswissenschaft. Die Sinneswahrnehmung bringt uns mit der Außenwelt in ein Verhältnis. Visionäres, halluzinatorisches Leben setzt dieses Verhältnis auf eine niedrigere Stufe der Besonnenheit herab, indem es dasjenige, was schon reinere objektive Welt in der Sinneswahrnehmung ist, in die subjektive Sphäre versetzt, in dasjenige Gebiet des Erlebens, in dem in ungesunder Weise aus dem Organismus selbst sich ein Inhalt herausentwickelt und zum mindesten unsere Sinneswahrnehmung durchsetzt, in Krankheitsfällen sie überhaupt vertreibt und durch Krankhaftes ersetzt. Wenn man dies, was ich jetzt ausgesprochen habe, streng festhält, dann wird man unter allen Umständen die Forderung gegenüber den Erkenntnisimaginationen haben, daß durch sie das Verhältnis, das wir in der Sinneswelt zur objektiven Außenwelt haben, nicht heruntergestimmt, herabgelähmt, sondern hinaufgestimmt und durch ein starkes Leben angeregt werde.

[ 5 ] One can simply regard a person’s attitude toward these matters as a kind of criterion for determining whether or not they understand true anthroposophical spiritual science. If someone believes that they learn something more valuable about the world through visions and hallucinations than through sensory perception, then they actually lack a sufficient understanding of anthroposophical spiritual science. Sensory perception brings us into a relationship with the external world. A life of visions and hallucinations reduces this relationship to a lower level of clarity by transferring what is already a purer, objective world in sensory perception into the subjective sphere—into that realm of experience where content develops in an unhealthy way from within the organism itself and, at the very least, permeates our sensory perception, and in cases of illness, drives it away entirely and replaces it with pathological content. If one strictly adheres to what I have just stated, then one will, under all circumstances, demand of the imaginative acts of cognition that through them the relationship we have in the sensory world to the objective external world be not dampened or stifled, but rather elevated and stimulated by a strong life.

[ 6 ] Wenn man sich nun klar darüber ist, daß es die Besonnenheit auf das eigene Selbst, auf das Ich ist, was die Sinneswahrnehmungen heraufhebt über die bloßen visionären und halluzinatorischen, traumhaften Erlebnisse, dann wird man auch verstehen, warum es von dem Geistesforscher als eine Notwendigkeit hingestellt wird, daß behufs der Erkenntnisimaginationen solche Übungen gemacht werden, die zunächst die innere Intensität des Ich-Gefühls nicht herabstimmen, sondern sie sogar erhöhen, steigern. Damit aber bin ich bei etwas angekommen, das im eminentesten Sinne notwendig ist für die Erlangung übersinnlicher Erkenntnisse, wie auch bei etwas, das, wenn es nicht mit Beobachtung all derjenigen Gesetzmäßigkeiten vollzogen wird, die ich angedeutet habe in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», sogar in einem gewissen Sinn zwar nicht eine Gefahr für den Organismus, wohl aber zunächst für die seelische, namentlich die moralische Verfassung des Menschen sein kann. Das Ich-Gefühl muß gesteigert werden, die Besonnenheit auf sich selbst muß kraftvoller werden. Damit wird bei Menschen, welche nicht zugleich die von mir oftmals geschilderten Vorkehrungen treffen, um ein solches verstärktes Ich-Gefühl ohne moralische, ohne psychische Einbuße zu ertragen, schon etwas von seelischem — nicht pathologischem — Größenwahn erzeugt.

[ 6 ] Once one realizes that it is the focus on one’s own self—on the “I”—that elevates sensory perceptions above mere visionary, hallucinatory, and dreamlike experiences, then one will also understand why the spiritual researcher presents it as a necessity that, for the sake of imaginative insights, one perform exercises that do not initially diminish the inner intensity of the sense of self, but rather increase and heighten it. But this brings me to something that is absolutely essential for the attainment of supersensible knowledge, as well as to something that—if not carried out in accordance with all the laws I have indicated in my work *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in my *An Outline of Esoteric Science*, may—in a certain sense—not pose a danger to the organism, but certainly, at first, to the human being’s psychological, and specifically moral, constitution. The sense of self must be heightened, and self-awareness must become more vigorous. Consequently, in people who do not simultaneously take the precautions I have often described—to endure such a strengthened sense of self without moral or psychological detriment—a form of psychological—not pathological—megalomania is already generated.

[ 7 ] Das ist überhaupt etwas, was man zunächst — gestatten Sie den Ausdruck — bei «Übern» zu übersinnlichen Erkenntnissen leicht bemerken kann, weil sie hinüberhuschen möchten über die nötigen Vorkehrungsmaßregeln, daß sie nicht bescheidener werden, sondern wirklich in eine Art Größenwahn verfallen. Man muß dies ungeschminkt aussprechen, damit niemand auf den Glauben kommt, derjenige, welcher innerhalb einer wirklichen anthroposophischen Erkenntnis steht, wolle verkennen, daß ein solcher Größenwahn vielfach wirklich unter denen wütet, die sich nun vielleicht aus diesen oder jenen Untergründen heraus zur Anthroposophie bekennen. Das Eigentümliche, das auftritt, wenn in dieser Weise das Selbstgefühl gesteigert wird, ist das Folgende: Man kann dieses Selbstgefühl steigern, man kann es dahin bringen, daß das Ich in einem ganz erheblichen Grade ein stärkeresExistenzgefühl hat als im gewöhnlichen Leben. Wie tritt zunächst diese Steigerung auf?

[ 7 ] This is something one can easily notice—if you’ll pardon the expression—in “Übern” when it comes to supersensible knowledge, because they tend to gloss over the necessary precautions, so that rather than becoming more modest, they actually fall into a kind of megalomania. One must state this plainly so that no one comes to believe that someone who stands within genuine anthroposophical knowledge would fail to recognize that such megalomania often truly rages among those who, perhaps for one reason or another, now profess to be anthroposophists. The peculiar phenomenon that arises when self-esteem is heightened in this way is as follows: One can heighten this self-esteem; one can bring it to the point where the “I” has, to a very considerable degree, a stronger sense of existence than in ordinary life. How does this heightening initially occur?

[ 8 ] Für das gewöhnliche Leben und auch für die gewöhnliche Wissenschaft gibt es etwas, was ich das Augenblicksbewußtsein nennen möchte. Man muß sich nur einmal klar sein darüber, was dieses Augenblicksbewußtsein eigentlich ist. Man wird sich klar, wenn man unterscheidet, wie man ein Ereignis erlebt, in dem man unmittelbar in der Gegenwart drinnensteht, das man mit den Sinnen anschaut, das man mit dem Verstande ergreift, von dem man sich also in der Gegenwart Vorstellungen bildet, mit dem man vielleicht auch in der Gegenwart durch die Willenserregungen zusammenhängt. Man werfe einmal einen prüfenden Blick auf das Seelenleben, wenn es in der geschilderten Lage ist, und man vergleiche dann damit, wie dieses Seelenleben innerlich ist, wenn man sich einem Komplex von Erinnerungen hingibt; man sehe hin auf dasjenige, wofür die Erinnerungsvorstellungen Bilder sind. Was man, sagen wir, vor zehn Jahren als Gegenwärtiges erlebt hat, das erlebt sich im gegenwärtigen Augenblick, wenn auch mit schwächerer Intensität, als ein Gegenwartserlebnis. Es erlebt sich auch als Objektives gegenüber dem Augenblicksbewußtsein. Das Augenblicksbewußtsein schaut durch die Erinnerungsvorstellung hin auf dasjenige, was vor zehn Jahren erlebt worden ist. Und man vergleiche den Grad des Erlebnisses, den man dem gegenwärtigen Erlebnis gegenüber hat, mit demjenigen, den man einem vergangenenErlebnis gegenüber hat. Wie wenig steckt man im Verhältnis zu dem Gegenwartserlebnis mit seiner Vollpersönlichkeit in demjenigen drinnen, das gegenwärtig nur in den Erinnerungsbildern im Bewußtsein anwesend ist!

[ 8 ] In everyday life, and also in everyday science, there is something I would like to call “momentary consciousness.” One need only be clear about what this momentary consciousness actually is. It becomes clear when one distinguishes between how one experiences an event in which one is immediately immersed in the present—an event one perceives with the senses, grasps with the intellect, and thus forms mental images of in the present, and with which one may also be connected in the present through volitional impulses. Let us cast a critical eye on the inner life of the soul when it is in the situation described, and then compare it with what this inner life is like when one gives oneself over to a complex of memories; let us look at that for which the images of memory serve as representations. What one experienced, say, ten years ago as something in the present is experienced in the present moment—albeit with weaker intensity—as a present-moment experience. It is also experienced as something objective in relation to momentary consciousness. Momentary consciousness looks through the memory image toward what was experienced ten years ago. And compare the degree of experience one has in relation to the present experience with that which one has in relation to a past experience. How little, in comparison to the present experience, is one fully engaged with one’s whole personality in that which is currently present in consciousness only as images of memory!

[ 9 ] Das wird anders, wenn man zur Erkenntnisimagination aufsteigt, und zwar so, daß man das Erleben willkürlich handhaben kann und nicht überwältigt wird. Es wird so, daß in der Tat das Ich-Erlebnis sich allmählich so verstärkt, daß man für das ganze zurückliegende Leben, an das man sich sonst nur erinnert, ein Ich-Erlebnis hat, als ob man in den vergangenen Ereignissen als unmittelbar Gegenwärtigem wirklich drinnen lebte. Das Augenblicksbewußtsein wird ausgedehnt zu einem im Strom der Zeit verlaufenden Bewußtsein. Das ist die erste Stufe für das Erleben von Erkenntnisimaginationen. Man läßt gewissermaßen sein Ich ausfließen in die Erlebnisse, die man in diesem Erdenleben seit der Geburt gehabt hat. Wenn ich sage, man wird von diesen intensiver gemachten Erlebnissen nicht überwältigt, so meine ich, wer in richtiger Weise zu einer solchen Stufe des Erkennens aufsteigt, der ist in der Lage, dieses Ausfließen des Ich$ in die Vergangenheit willkürlich bewirken zu können. Er kann Anfang und Ende des Vorganges voll festsetzen, während er im übrigen eben derselbe, in dem Grade des Alltagsbewußtseins besonnene Mensch bleibt, wie er früher war. Nichts darf von einer Überwältigung eintreten, sondern es muß dasjenige, was der Mensch sich erwirbt, als Fähigkeit einer andern Erkenntnis durchaus so in die Willkür gestellt sein, wie der Gebrauch irgendeines Komplexes von Urteilen im gewöhnlichen Leben in die Willkür des Urteilenden gestellt ist; sonst sind diese Dinge nicht auf einem gesunden Boden. Es ist aber eine beträchtliche Intensivierung des Ich$, wenn das, was sonst im Augenblick lebt, die Stärke seines Erlebens ausdehnt über den ganzen Lebensstrom.

[ 9 ] This changes when one ascends to cognitive imagination, in such a way that one can control the experience at will and is not overwhelmed by it. What happens is that the sense of “I” gradually intensifies to such an extent that one experiences one’s entire past life—which one would otherwise merely recall—as a sense of “I,” as if one were truly living within those past events as if they were immediately present. Momentary consciousness is expanded into a consciousness flowing within the stream of time. This is the first stage for experiencing imaginative insight. One allows one’s “I,” so to speak, to flow out into the experiences one has had in this earthly life since birth. When I say that one is not overwhelmed by these intensified experiences, I mean that whoever ascends to such a stage of cognition in the proper way is able to bring about this outflow of the “I” into the past at will. One can fully determine the beginning and end of the process, while otherwise remaining the same person—as level-headed in the realm of everyday consciousness—as one was before. Nothing must take the form of an overwhelming experience; rather, what the person acquires as the capacity for a different kind of insight must be entirely subject to their will, just as the use of any complex of judgments in ordinary life is subject to the will of the person making the judgments; otherwise, these things are not on a sound foundation. However, there is a considerable intensification of the “I” when that which otherwise lives in the moment extends the strength of its experience across the entire stream of life.

[ 10 ] Man wird für die erkennenden Augenblicke, in denen Imaginationserkenntnis Fähigkeit werden soll, in gewissem Sinne ein anderer Mensch dadurch, daß man nun nicht bloß mit einem gewissen Ich-Erfühlen in der Gegenwart lebt, sondern daß man in der Zeit lebt, daß man die Zeit in sein Erleben vollständig aufgenommen hat, während im gewöhnlichen Erleben nur der gegenwärtige Augenblick subjektiv, der übrige Zeitverlauf einschließlich des eigenen Erlebens seit der Geburt aber eigentlich objektiv ist. Man kann sehen, daß es sich bei einem solchen systematischen Ausbilden von inneren Erkenntnisfähigkeiten um ein Untertauchen in die Objektivität handelt, ja, es ist die erste Art des Untertauchens in die Objektivität, die darin besteht, daß man in den Zeitenverlauf auf dem angedeuteten Gebiete untertaucht.

[ 10 ] In those moments of insight when imaginative knowledge is to become a capacity, one becomes, in a certain sense, a different person—not merely by living in the present with a certain sense of “I,” but by living in time, by having fully incorporated time into one’s experience, whereas in ordinary experience only the present moment is subjective, but the rest of the course of time—including one’s own experience since birth—is in fact objective. One can see that such a systematic development of inner cognitive faculties involves an immersion in objectivity; indeed, it is the first kind of immersion in objectivity, which consists in immersing oneself in the passage of time in the area indicated.

[ 11 ] Indem das Ich in einer solchen Weise sich steigert, gelangt es zu einer Art von Kulmination. Es ist so, daß das Ich übend zunächst sich steigern muß, daß es aber, indem es sich steigert, einen Punkt erreicht, wo die Steigerung durch die eigene Gesetzmäßigkeit der Sache aufhört, indem von einem gewissen Punkte ab das Ich zum Abschwächen ganz von selbst kommt. Nur bis zu einem gewissen Punkte hin kann das Ich in bezug auf sein Inneres sich erfühlend steigern; dann kommt es dazu, dieses Ich-Erfühlen wiederum in absteigender Kurve in einer Abschwächung zu erleben. Das ist so, daß das Ich sich dann von dem eigenen Erleben, das zunächst da war in dem Erleben des Zeitenstromes, hinausbegibt in ein nun nicht in den eigenen Zeitenstrom eingeschlossenes Erleben, sondern in ein Erleben des kosmischen Weltendaseins. Dieses Erleben ist dann ein solches, das zunächst nicht in abstrakten Verstandesbegriffen auftritt, sondern in etwas, was deshalb Imagination genannt werden darf, weil es bildhaft auftritt. Obwohl das Erleben der Art nach genau dasjenige ist, was ich für das Begreifen der Freiheit in meiner «Philosophie der Freiheit» geschildert habe, so ist doch der Inhalt dieses Erlebens so, daß man in dem Bildhaften, das sich in das Bewußtsein hereinbegibt, nun nicht einen eigenen Inhalt hat, sondern einen Weltinhalt, wie man in der Sinneswahrnehmung einen Weltinhalt hat.

[ 11 ] As the “I” elevates itself in this way, it reaches a kind of culmination. The fact is that the ego must first intensify itself through practice, but that, as it intensifies, it reaches a point where the intensification ceases due to the inherent laws of the matter, in that from a certain point onward the ego begins to weaken of its own accord. The ego can intensify itself through self-awareness with regard to its inner life only up to a certain point; then it comes to the point where it experiences this sense of self once again in a downward curve of attenuation. This occurs because the “I” then moves beyond its own experience—which was initially present in the experience of the flow of time—into an experience that is no longer confined to its own flow of time, but rather into an experience of cosmic world existence. This experience is one that does not initially arise in abstract intellectual concepts, but in something that may be called imagination because it appears in pictorial form. Although this experience is, in its nature, precisely what I have described as the grasping of freedom in my *Philosophy of Freedom*, the content of this experience is such that the imagery entering into consciousness does not now possess its own content, but rather a world-content, just as one has a world-content in sensory perception.

[ 12 ] Geistesforschung kann in ganz systematischer Weise jeden einzelnen Schritt, ja jedes Schrittchen angeben, durch welches sie sich bewegt von dem gewöhnlichen Verstandeserkennen zu dem Auftreten des imaginativen Erkennens. Wenn dieses imaginative Erkennen eintritt, ist das allerdings, man darf das schon sagen, ein inneres Schicksalserlebnis. Und damit bin ich an einem Punkte, wo ein Unterschied anzugeben ist zwischen dem Verlauf des übersinnlichen und des gewöhnlichen Erkenntnisstrebens, das man heute als das einzig objektive ansehen möchte. Dieses gewöhnliche Erkenntnisstreben macht man in den meisten Fällen ohneKatastrophen und Peripetien durch. Denn, was während des gewöhnlichen Erkenntnisstrebens durchgemacht wird mit Bezug auf den Vollmenschen, nicht auf den Kopfmenschen, das sind doch Außerlichkeiten gegenüber dem eigentlichen Erkenntnisvorgange. Man kann als Forscher gewiß eine gewisse Freude und Befriedigung haben, wenn man etwas Neues gefunden hat, aber dasjenige, was man da als Freude empfindet über das Ereignis, über die Erfindung, die Entdeckung, das hängt mit der Methodik der Entdeckung selber höchstens ganz entfernt zusammen. Schließlich haben auch mit dem Erkenntnisverlauf selber die andern katastrophen- oder peripetieähnlichen inneren Erlebnisse, welche man bezeichnen muß als Examensschmerzen und dergleichen, nichts zu tun. Solche Dinge kann man im gewöhnlichen Erkenntniserleben haben, aber sie haben mit dem Erkenntnisvorgang als solchem nichts zu tun. Dagegen ist tatsächlich dasjenige, was einen von dem gewöhnlichen Verstandeserkennen in das imaginative Erkennen hineinführt, etwas, das den ganzen, den vollen Menschen mit Erlebnissen durchsetzt, was inneres Schicksal darstellt.

[ 12 ] Spiritual research can describe in a very systematic way every single step—indeed, every tiny step—through which it moves from ordinary intellectual cognition to the emergence of imaginative cognition. When this imaginative cognition arises, it is indeed—and one may well say this—an inner experience of destiny. And this brings me to a point where a distinction must be made between the course of the supersensible quest for knowledge and that of the ordinary quest for knowledge, which people today would like to regard as the only objective one. In most cases, this ordinary quest for knowledge is undertaken without any catastrophes or dramatic twists and turns. For what is experienced during the ordinary pursuit of knowledge—with regard to the whole human being, not the intellectual—is, after all, merely external to the actual process of knowledge. As a researcher, one can certainly experience a certain joy and satisfaction when one has found something new, but what one feels as joy in that moment—regarding the event, the invention, or the discovery—is, at most, only very remotely connected to the methodology of the discovery itself. Finally, the other inner experiences—resembling catastrophes or plot twists—which must be described as “exam anxiety” and the like, have nothing to do with the course of cognition itself. One may have such experiences in the ordinary process of cognition, but they have nothing to do with the process of cognition as such. In contrast, what actually leads one from ordinary intellectual cognition into imaginative cognition is something that permeates the whole, complete human being with experiences—something that constitutes an inner destiny.

[ 13 ] Solch inneres Schicksal erlebt man insbesondere dann, wenn mit Bezug auf irgendeinen Punkt dieser Erkenntnisentwickelung das eintritt, daß, nachdem man zuerst mehr innerliche Erlebnisse hatte, die noch mit dem Menschen zusammenhängen, diese Erlebnisse sich hinausversetzen in das Durchschauen von Geheimnissen des Kosmos. Wenn ich ein Beispiel anführen sollte, das zu gleicher Zeit ein wenig, figürlich gesprochen, in das Laboratorium des Geistesforschers hineinführt, so möchte ich folgendes sagen. Es ist jetzt ziemlich lange her, da hatte ich einen inneren Erwägungsund Urteilsprozeß durchgemacht, der sich namentlich damit beschäftigte: Wie steht das seelische Erleben bei demjenigen, der genötigt ist, durch seine Lebensimpulse Materialist zu werden, wie steht es bei demjenigen, der durch seine Lebensimpulse genötigt ist, Idealist oder Spiritualist zu werden — ich meine das Wort «spirituell» jetzt im Sinne des deutschen philosophischen Sprachgebrauchs —, oder wie verhalten sich überhaupt solche an der Welt erworbene Seelenverfassungen zueinander? Ich versuchte objektiv drinnenzustehen in dem seelischen Erleben, das den Materialisten, den Naturalisten ausfüllt, und wiederum in dem seelischen Erleben, das den Idealisten, den Spiritualisten ausfüllt; ich versuchte gewissermaßen hineinzuschlüpfen in dieSeelenverfassungen, die in dieser Weise sich des Menschen bemächtigen können. Nur auf diese Art lernt man eigentlich die Welt des Seelischen in ihrem Inneren verstehen, daß man mit dem Materialisten freiwillig, wenn auch probeweise, Materialist sein kann, daß man auf der andern Seite Idealist oder Spiritualist in ebendemselben Sinne probeweise sein kann. Man bekommt ein neues Verhältnis dadurch zu der Art und Weise, wie der Mensch logisch dasjenige zusammenfaßt, was dann Inhalt seiner Weltanschauung wird.

[ 13 ] One experiences such an inner destiny especially when, with regard to some point in this development of insight, the following occurs: after initially having had more inner experiences still connected with the human being, these experiences extend outward into the penetration of the mysteries of the cosmos. If I were to give an example that, figuratively speaking, also offers a glimpse into the laboratory of the spiritual researcher, I would say the following. It has been quite some time now, but I once went through an inner process of reflection and judgment that dealt specifically with the following question: What is the nature of the soul experience in the person who is compelled by his or her life impulses to become a materialist, and what is it in the person who is compelled by his or her life impulses to become an idealist or spiritualist—I now use the word “spiritual” in the sense of German philosophical usage—or how do such states of mind, acquired through experience in the world, relate to one another at all? I tried to place myself objectively within the inner experience that fills the materialist and the naturalist, and likewise within the inner experience that fills the idealist and the spiritualist; I tried, so to speak, to slip into the states of mind that can take hold of a person in this way. Only in this way can one truly come to understand the inner world of the soul—by voluntarily, if only tentatively, becoming a materialist alongside the materialist, and, on the other hand, by tentatively becoming an idealist or spiritualist in the very same sense. Through this, one gains a new perspective on the way in which a person logically synthesizes what then becomes the content of their worldview.

[ 14 ] Ich erwähne dieses aber jetzt nur in methodischer Beziehung. Wer in ehrlicher, innerlich aufrichtiger Weise so etwas durchmacht, wie ich es jetzt geschildert habe, der erlebt schon an diesen besonderen Seelenverfassungen schicksalsmäßige Dinge, denn man sieht dann in ganz anderer Weise ein, warum Menschen zum Materialismus oder zum Spiritualismus gedrängt werden können. Man hört auf, im gewöhnlichen Sinne kritisch gestachelt zu werden, eben nur von seinem eigenen Gesichtspunkt aus die andern abzukanzeln. Das führt das seelische Erleben in ein anderes Niveau hinein; es wird umgeartet. Wenn man das dann längere Zeit durchmacht, so merkt man, daß in solchen Meditationen, die aber das seelische Leben ergreifen, etwas liegt, das einen realen Seelenprozeß darstellt und das sich gerade hinbewegt zur Entwickelung der Fähigkeiten für objektive Erkenntnisimaginationen. Denn dadurch, daß sich gewissermaßen meine Seele so präpariert hatte, wie ich geschildert habe, dadurch artete sich die Seele so, daß vor ihr plötzlich stand das Verständnis dafür, anschauend zu erleben, wie in dem sonst nur sinnlich-mechanistisch angeschauten Gang der Sonne durch den Tierkreis ein lebendiger, ein kosmisch-organischer Vorgang liegt. Was sonst nur in einem kosmisch-mechanischen Bilde angeschaut werden kann, das wurde imaginativ inhaltsvoll. Etwas Neues sah ich in dem Kosmos. Gerade bei einem solchen Sich-Erweitern des Bewußtseins über den Kosmos erfährt man schicksalsmäßig, was es heißt, sein Ich erst verstärkt zu haben, indem man kraftvoller gewisse Verstandesoperationen durchgeführt hat, und dann von einer gewissen Kulmination an dieses Ich nun in die Welt ausfließen zu fühlen, so daß man mit diesem Ich nun drinnensteht in der Welt. Das ist ein Erlebnis, das im Erkenntnisvorgang selbst etwas Schicksalsmäfßiges anzeigt, das einen Erkenntnisvorgang hervorruft, der in der Tat den ganzen Menschen ergreift; und dieses Zusammenhängen mit dem ganzen Menschen, während eigentlich der gewöhnliche Erkenntnisvorgang nur mit dem Kopfmenschen zusammenhängt, das ist das unterscheidende Merkmal. Ich wollte auf diese Weise nur aufmerksam darauf machen, wie nicht in irgendeiner verschwommenen Mystik dasjenige dargestellt werden soll, was zu den Erkenntnisimaginationen führt, sondern wie dieser Vorgang mit derselben Exaktheit geschildert werden kann wie das Auflösen irgendeines mathematischen Problems. Und was auf solchen Wegen an Fähigkeiten für Erkenntnisimaginationen erworben wird, das ist so in der Seele präsent, wie mathematisch-geometrische Gebilde mit aller Klarheit und Durchsichtigkeit in der Seele präsent sind. Man hat nicht einen Seeleninhalt, dem man sich nur in verborgenem, innerem Erleben nebulos hingibt, sondern einen so durchsichtigen und mit der Aufrechterhaltung seines eigenen Wirklichkeitswertes verbundenen, wie das bei dem mathematischen Seeleninhalt der Fall ist.

[ 14 ] However, I mention this now only from a methodological perspective. Anyone who goes through something like what I have just described in an honest and genuinely sincere way experiences fateful events even in these particular states of mind, for one then comes to understand in a completely different way why people can be driven toward materialism or spiritualism. One ceases to be provoked by criticism in the ordinary sense—to rebuke others solely from one’s own point of view. This elevates the soul’s experience to a different level; it is transformed. If one goes through this for a longer period of time, one realizes that in such meditations—which, however, take hold of the soul’s life—there lies something that constitutes a real soul process and that moves precisely toward the development of the faculties for objective imaginative insight. For by the fact that my soul had, so to speak, prepared itself in the way I have described, the soul was transformed in such a way that it suddenly gained the understanding to experience, through contemplation, how the course of the sun through the zodiac—which is otherwise viewed only in a sensory-mechanistic way—contains a living, cosmically organic process. What can otherwise be perceived only as a cosmically-mechanical image became rich in imaginative content. I saw something new in the cosmos. It is precisely in such an expansion of consciousness toward the cosmos that one experiences, as if by fate, what it means to have first strengthened one’s “I” by carrying out certain intellectual operations with greater vigor, and then, from a certain culmination onward, to feel this “I” now flowing out into the world, so that one now stands within the world with this “I.” This is an experience that reveals something fateful in the process of cognition itself—a process that in fact grips the whole human being; and this connection to the whole human being, whereas the ordinary process of cognition is actually connected only to the intellectual aspect of the person—that is the distinguishing feature. In this way, I simply wanted to draw attention to the fact that what leads to imaginative insights should not be presented in terms of some vague mysticism, but rather that this process can be described with the same precision as the solution to any mathematical problem. And the abilities for imaginative cognition acquired through such paths are present in the soul just as mathematical and geometric structures are present there with the utmost clarity and transparency. One does not possess a content of the soul to which one merely surrenders in a nebulous, hidden, inner experience, but rather one that is as transparent and linked to the maintenance of its own reality as is the case with the mathematical content of the soul.

[ 15 ] Ich habe damit zunächst in einer etwas äußerlichen Weise geschildert, wie in der Seele das imaginative Leben Platz greift, das dann auf die ebenfalls weiter zu schildernde Weise zu Erkenntnissen der übersinnlichen Welt führt. Ich möchte aber nie aus dem Auge verlieren, zu zeigen, daß mit dem Erringen, mit dem Erstreben solcher übersinnlicher Erkenntnisarten nicht irgend etwas gegeben ist, was ganz willkürlich in unserer heutigen Zeit in die Kultur- und Zivilisationsentwickelung der Menschheit sich hereinstellen will, sondern was aus dem Gange dieser Zeit selber mit einer gewissen Notwendigkeit folgt. Was heute nur in aller Bewußtheit, so wie ich es geschildert habe, als imaginative Erkenntnis errungen werden kann, was sich dann auch in Begriffen aussprechen kann, wenn es den Umweg durch das Bildwesen genommen hat, das ist in früheren EntwickeJungsepochen der Menschheit auf mehr instinktive Art angestrebt worden. Der Gang der Entwickelung der Menschheit war so, daß ältere Zeiten ihre Erkenntnisse nicht durch jene logisch-empirischen Erwägungen empfangen haben, die wir seit der Mitte des i5. Jahrhunderts als die unseres rechten Weges anerkennen, sondern daß in älteren Zeiten eine Art instinktiven Strebens nach Imaginationen und auch ein Erreichen solcher Imaginationen vorhanden war.

[ 15 ] I have thus begun by describing, in a somewhat external way, how the imaginative life takes root in the soul, which then leads to insights into the supersensible world in a manner that will also be described in greater detail. However, I never wish to lose sight of the point that the attainment of—and the striving for—such forms of supersensible knowledge is not something that arbitrarily imposes itself upon the cultural and civilizational development of humanity in our present age, but rather something that follows with a certain necessity from the course of this age itself. What today can only be attained in full consciousness—as I have described it—as imaginative knowledge, and what can then also be expressed in concepts once it has taken the detour through the realm of imagery, was sought in earlier epochs of human development in a more instinctive manner. The course of human development was such that in earlier times, insights were not gained through those logical-empirical considerations that we have recognized since the mid-15th century as our proper path, but rather that in earlier times there existed a kind of instinctive striving toward imaginations and also an attainment of such imaginations.

[ 16 ] Diese Imaginationen hat man zur Zeit dieses instinktiven Geistschauens nicht bis zum Begriffe bringen können. Daß man sich in Begriffen so aussprechen kann, wie wir das heute wissenschaftlich gewöhnt sind aus dem begrifflichen Bearbeiten der unorganischen Welt, das ist erst ein Ergebnis des Galilei- und Kopernikus-Zeitalters. Früher hat man sich nicht in Begriffen in dieser Weise auszudrücken vermocht. Die griechischen Begriffe sind etwas wesentlich anderes gewesen. Man hat sich in Bildern ausgedrückt, in Bildern, die durch Linien oder auch wohl durch Farbenzusammenstellungen zustande gekommen sind. Ich möchte nur nebenbei erwähnen, daß Erkenntnisse in früheren Epochen der Menschheitsentwickelung nicht so allgemein, ich möchte sagen, demokratisch behandelt wurden, wie heute das Wissen, die Erkenntnis behandelt wird, sondern daß sich die Erkennenden abschlossen in kleinere Gruppen, die man gewöhnt worden ist, Geheimgesellschaften und dergleichen zu nennen, wovon heute noch die Spuren, allerdings nur mißverständliche Spuren, in allerlei Orden und ähnlichen Gruppen vorhanden sind. Die Erkennenden haben sich in kleine Gruppen abgeschlossen. Diejenigen Menschen, die sie in diese Gruppen eingelassen haben, haben sie sorgfältig vorbereitet, so daß sie gefahrlos für ihr moralisches Leben zu diesen Erkenntnissen, die man für notwendig hielt, kommen konnten. Und es wurde in gewissen, sagen wir symbolischen, bildhaften Darstellungen dasjenige gelehrt, was man in instinktiven Imaginationen erleben konnte. Solche Bilder bildeten den Lehrinhalt der alten Weisheitsschulen, so wie heute unsere Bücher unseren Lehrinhalt bilden, aber diese Lehrmittel bestanden eben durchaus in Bildern, die aus dem Inneren des Menschen hervorgeholt waren.

[ 16 ] At the time of this instinctive spiritual insight, it was not yet possible to articulate these imaginings in concepts. The ability to express oneself in concepts—as we are accustomed to doing today in science through our conceptual analysis of the inorganic world—is only a result of the age of Galileo and Copernicus. In earlier times, people were not able to express themselves in concepts in this way. Greek concepts were something fundamentally different. People expressed themselves in images—images created through lines or, indeed, through combinations of colors. I would just like to mention in passing that in earlier epochs of human development, insights were not treated as generally, I would say, as democratically as knowledge and insight are treated today; rather, those who possessed such knowledge withdrew into smaller groups, which we have come to call secret societies and the like—traces of which still exist today, albeit only as misleading traces, in all manner of orders and similar groups. Those who sought knowledge isolated themselves in small groups. The people they admitted into these groups were carefully prepared so that they could safely, without endangering their moral lives, arrive at these insights, which were considered necessary. And what could be experienced in instinctive imaginings was taught through certain—let us say—symbolic, pictorial representations. Such images constituted the content of the teachings in the ancient schools of wisdom, just as our books constitute the content of our teachings today; but these teaching aids consisted entirely of images drawn from within the human being.

[ 17 ] Ich möchte, um Ihnen nicht im Unbestimmten etwas vorzureden, an etwas ganz Bestimmtes, an ein einzelnes Bild erinnern: Da trat immer wiederum ein Bild auf, das gebraucht wurde für die imaginative Erkenntnis des Erkenntnisvorgangs beim Menschen selber. Man schilderte den Erkenntnisvorgang nicht so wie heute die Erkenntnistheoretiker. Man schaute ihn in einer Art instinktiven Hellsehens an, und das, was man da anschaute, charakterisierte man dadurch, daß man das Bild der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, zeichnete. Ein wesentliches Charakteristikon des Erkennens war in diesem Bilde zu sehen. Aber dieses Bild, wie ich es Ihnen jetzt geschildert habe, ist eigentlich nur dasjenige, was dann mehr oder weniger in populäre Darstellungen übergegangen ist. Die eigentlichen symbolischen Bilder haben sie, die Erkennenden, aus einem gewissen Machtdrang heraus, damit sie allein die Wissenden sein konnten, die andern dieUnwissenden sein sollten, in den Gruppen sorgfältig geheimgehalten. Das Bild, das eigentlich gemeint ist mit dem Exoterischen der Schlange, die sich in den Schwanz beißt, ist ein solches, in dem die Schlange so gemalt wird, daß sie sich nicht nur in den Schwanz beißt, sondern gewissermaßen den eigenen Schwanz verschlingt. Immer so weit dieses Schwanzende in den Mund hineingeht, vergeistigt es sich. Und es erscheint dann etwas, das man, wenn man die Schlange mit einer dichteren Farbe aufzeichnet, mit einer dünneren Farbe wie eine Art Aura der Schlange hinzuzumalen hätte. Man bekommt dadurch ein kompliziertes Gebilde, das aber, wenn man es mit einfachen Worten charakterisieren will, mit den Worten charakterisiert werden muß, die heute morgen Dr. Unger in seinem Vortrage gebraucht hat, indem er sich fortwährend für dieses Wort eigentlich entschuldigte. Man muß sich schon für vieles, was im höchsten Grade heute berechtigt ist, wenn man es aus der Geisteswissenschaft heraus sagt, gewissermaßen entschuldigen. Unger gebrauchte mehrmals das Wort «umstülpen». Man denke, man habe eine elastische Kugel und man bohrte oben an einer Stelle hinein, so daß man die Kugel so in sich stülpt, daß dann dasjenige, was zuerst nach oben geragt hat, nun nach unten hin gepreßt ist, so daß man also eine Art Schüsselchen oder Teller aus der Kugel bekommt, und man denke jetzt daran, daß man nun nicht nur bis zum unteren Boden der Kugel umstülpt, sondern noch über diesen hinaus, gleichsam ihn durchdringend, daß aber auf der andern Seite die Kugelsubstanz in einer andern Konsistenz herauskommt, so daß sich die Kugel nun, nachdem man sie durchstoßen hat, von außen wie mit einem Lichte umsäumt, das aber aus dem umgestülpten Teil selber entstanden ist. Das ist eine Figur, die man nicht so einfach hinmalen kann, welche aber auf eine einfachere Weise das wiedergibt, was symbolisch angedeutet werden sollte mit dem, was in solchen Geheimgesellschaften für den Erkenntnisvorgang hingemalt worden ist, um die Anschauung dieses Erkenntnisvorganges anzuregen bei denjenigen, die durch diese Anschauung lernen sollten.

[ 17 ] So as not to speak to you in vague terms, I would like to remind you of something very specific, a single image: There was always an image that was used to help people imaginatively understand the process of cognition in human beings themselves. The process of cognition was not described in the same way as it is today by epistemologists. It was viewed through a kind of instinctive clairvoyance, and what was observed there was characterized by drawing the image of a snake biting its own tail. An essential characteristic of cognition was seen in this image. But this image, as I have just described it to you, is actually only what has more or less found its way into popular depictions. The true symbolic images were carefully kept secret within the groups by those who possessed knowledge—out of a certain desire for power—so that they alone could be the knowers, while others were to remain the ignorant. The image actually intended by the exoteric symbol of the snake biting its tail is one in which the snake is depicted not merely biting its tail, but, in a sense, devouring its own tail. To the extent that this end of the tail enters the mouth, it becomes spiritualized. And then something appears that, if one were to depict the snake with a denser color, one would have to add with a lighter color—like a kind of aura surrounding the snake. This results in a complex formation which, however, if one wishes to characterize it in simple terms, must be characterized with the words Dr. Unger used this morning in his lecture, in which he continually apologized, as it were, for using this word. One really does have to, in a sense, apologize for many things that are entirely justified today when expressed from the perspective of spiritual science. Unger used the word “invert” several times. Imagine you have an elastic sphere and you drill into it at a single point at the top, so that you invert the sphere in on itself, with the result that what initially protruded upward is now pressed downward, so that one ends up with a sort of little bowl or plate formed from the sphere; and now imagine that one does not merely turn it inside out down to the bottom of the sphere, but goes beyond it, piercing through it, as it were, so that on the other side the substance of the sphere emerges in a different consistency—so that the sphere, after it has been pierced, appears from the outside as if rimmed with light—light that has, however, arisen from the inverted part itself. This is a figure that cannot be easily depicted, but which conveys in a simpler way what was meant to be symbolically indicated by the images used in such secret societies to illustrate the process of knowledge, in order to stimulate an understanding of this process among those who were to learn through this visualization.

[ 18 ] Diese Figuren wurden, wie gesagt, aus einem gewissen Machtbewußtsein heraus sehr geheimgehalten. Man bekam sie nur, wenn man innerlich die Anschauung eines Weltenprozesses erlebte. Es gab keinen andern Weg, um einen Sinn zu bekommen für das innerliche Erleben und Verstehen solcher Figuren. Wenn ich mich eines Ausdrucks bedienen darf, der gegenüber dem Vorgang etwas trivial ist, so muß ich sagen: Durch Aufsteigen innerer Geistinhalte bekam man etwas, wofür man, wie in etwas Selbstverständlicherm, einen solchen symbolischen Ausdruck versuchte. Es waren das fixierte instinktive Imaginationen.

[ 18 ] As mentioned, these figures were kept very secret out of a certain sense of power. One could only obtain them if one experienced, within oneself, a vision of a cosmic process. There was no other way to gain a sense of the inner experience and understanding of such figures. If I may use an expression that is somewhat trivial in light of the process, I must say: Through the rise of inner spiritual contents, one obtained something for which, as with something more self-evident, one sought such a symbolic expression. These were fixed, instinctive imaginations.

[ 19 ] Nun tauchten diejenigen neueren Forschungen in der Naturwissenschaft auf, die in gewissem Sinne einen Zusammenfasser in Haeckel fanden. Haeckel dachte über das, worüber er überhaupt forschte, in einem gewissen zusammenfassenden, man kann sogar sagen großartigen Sinne nach. Und er hatte aus Untergründen, die ich gestern charakterisiert habe, ein Bedürfnis, das, was er am tierischen Lebewesen erforschte, zu zeichnen, namentlich dasjenige, was mit dem Werden der ganzen tierischen Organisation zusammenhängt. Wenn Sie Haeckels Schriften aufschlagen und wenn Sie die Zeichnungen betrachten — andere haben sie ja auch gemacht, aber Haeckel hat sie eben, ich möchte sagen, zum Grundkern seines ganzen Denkens gemacht —, die Haeckel über die ersten Stadien des Embryonallebens gemacht hat, über diejenigen Stadien, durch die er zeigen wollte, wie die Ontogenie eines Wesens ein verkürztes Werden gegenüber der Phylogenie ist, dann werden Sie Zeichnungen finden, die, wenn Sie kennen würden dasjenige, was als instinktive Imaginationen alte Weise aufgezeichnet haben, an diese Imaginationen erinnern.

[ 19 ] It was then that those more recent scientific studies began to emerge which, in a certain sense, found a synthesizer in Haeckel. Haeckel reflected on the very subject of his research in a certain synthesizing—one might even say magnificent—sense. And, for reasons I outlined yesterday, he felt a need to illustrate what he was investigating in animal life, namely, that which is connected with the development of the entire animal organism. If you open Haeckel’s writings and look at the drawings—others have made them as well, but Haeckel, I would say, made them the very core of his entire thinking— the ones Haeckel made about the earliest stages of embryonic life—the stages through which he sought to demonstrate how the ontogeny of a being is a condensed version of phylogeny—then you will find drawings that, if you were familiar with what the ancient sages recorded as instinctive imaginations, would remind you of those imaginations.

[ 20 ] Haeckel hat den Anfangsvorgang der Embryonalentwickelung studiert, den man die Gastrulation nennt, das Herausbilden des Keimbechers, wo tatsächlich die Zellenanordnung so geschieht, wie wenn man eben eine Kugel einstülpte; und er hat in der Phantasie konstruiert die Gasträa, ein hypothetisches Wesen, welches einmal eine solche Gestaltung gehabt hat in der Stammesentwickelung, die sich in diesem Frühstadium der Embryonalentwickelung, im Gastrulastadium, wiederholt. Mit andern Worten: was Haeckel da zeichnete, das sollte sein, obwohl es nur an der sinnlichen Außenwelt gewonnen worden ist, eine treue Wiedergabe, höchstens etwas phantasiemäßig ausgestaltet und in die Hypothese eingekleidet, eine Wiedergabe solcher Vorgänge, die sich in der Welt abspielen, die wir mit unseren Sinnen überschauen.

[ 20 ] Haeckel studied the initial stage of embryonic development, known as gastrulation—the formation of the blastocoel—during which the arrangement of cells actually occurs as if one were turning a sphere inside out; and he constructed in his imagination the Gasträa, a hypothetical organism that once had such a form in phylogenetic development, which is repeated in this early stage of embryonic development, the gastrula stage. In other words: what Haeckel drew there was intended to be—even though it was derived solely from the sensory external world—a faithful representation, at most somewhat embellished by the imagination and clothed in hypothesis, of processes taking place in the world that we can perceive with our senses.

[ 21 ] Ich deute Ihnen damit etwas an, was vielleicht manchen Menschen der Gegenwart höchst gleichgültig ist, was aber derjenige, der ehrlich im Erkenntnisleben drinnensteht, als ein im allereminentesten Sinne hervorragendes Kulturfaktum ansehen muß. Haeckel zeichnet die Außenwelt ab und kommt zu den Anfängen jener symbolischen Figuren, die in einer gewissen Vorzeit als die esoterischsten galten, die heute zwar da und dort bewahrt werden, aber sehr verborgen gehalten werden. Man betrachtet es geradezu als Verrat innerhalb gewisser machtdürstiger Gruppen, wenn davon gesprochen wird. Diese Figuren waren ehedem hervorgeholt aus inneren Erlebnissen; sie waren die aufgezeichneten instinktiven Imaginationen. Das heißt nichts Geringeres als: Wir sind mit der Naturforschung auf einem Punkte angekommen — indem sie heraufrückt in das Erkennen der Vorgänge in der tierischen Organisation —, wo die Naturforschung zeichnen muß als Wiedergabe äußerer Vorgänge so, wie man einstmals gezeichnet hat aus dem in der Seele frei aufsteigenden imaginativen Leben, das durch eine Intensivierung des Inneren sich kosmische Erkenntnisse verschaffte. Inneres Erleben wurde in Symbole gegossen, die — und es werden noch ganz andere im Verlaufe der weiteren Naturforschung gefunden werden — ganz und gar ähneln denjenigen, die nunmehr im Abzeichnen der äußeren Welt gewonnen werden. Ein kulturhistorisches Faktum allerersten Ranges!

[ 21 ] I am thereby hinting at something that may be of the utmost indifference to some people today, but which anyone who is sincerely engaged in the pursuit of knowledge must regard as an outstanding cultural phenomenon in the most eminent sense. Haeckel depicts the external world and arrives at the origins of those symbolic figures that, in a certain bygone era, were considered the most esoteric; although they are preserved here and there today, they are kept very well hidden. It is regarded as nothing short of treason within certain power-hungry groups when anyone speaks of them. These figures were once drawn from inner experiences; they were the recorded instinctive imaginations. This means nothing less than this: Through natural science—as it advances toward an understanding of the processes within the animal organism—we have reached a point where natural science must depict external processes just as one once depicted them from the imaginative life that arose freely within the soul, a life that, through an intensification of the inner world, gained cosmic insights. Inner experience was cast into symbols that—and quite different ones will be found in the course of further natural science—resemble entirely those that are now gained through the depiction of the external world. A cultural-historical fact of the very highest order!

[ 22 ] So stehen wir denn in der Menschheitsentwickelung mit Bezug auf die Erkenntnis heute an einem Punkte, wo empirische Außenbeobachtung des Tierischen uns aufdrängt dasjenige, was einmal im intimsten Inneren der Seele gefunden wurde. Exoterik liefert heute einen Inhalt, der einmal zu der tiefsten Esoterik gehört hat. Haeckel kam in einer ganz naiven Weise zu diesen Dingen. Viel interessanter ist der Vorgang noch, wenn wir ihn beobachten in demjenigen Geiste, der weniger naiv dazugekommen ist, der so, wie ich es gestern charakterisiert habe, die Stufen seines Erkenntniserlebens mit einer gewissen Besonnenheit durchlief, wenn wir ihn bei Goethe beobachten. Goethe zeichnete in den neunziger Jahren vor Schiller seine Urpflanze auf, eine symbolische Pflanze. Er zeichnete mit wenig Strichen dasjenige hin, was er glaubte, daß es wiedergeben könne die Pflanze, die eben metamorphosisch sich in allen Pflanzenformen zeigt. Schiller sagte: Das ist keine Empirie, das ist eine Idee. — Goethe sagte darauf: Dann sehe ich meine Ideen mit Augen. — Goethe war sich bewußt, daß er etwas Objektives, etwas, das er aus der Pflanzenwelt abgesehen hat, hingezeichnet habe. Warum konnte Goethe das? Wie der innere Prozeß war, durch den Goethe getrieben wurde, in einer solchen Weise das Pflanzenleben anzuschauen, daß er zu seiner Metamorphosenanschauung kam, das habe ich in meinen Schriften über Goethe des öfteren geschildert. Seither ist, wohl in Anlehnung an dasjenige, was da als der Goethesche Erkenntnisweg dargestellt worden ist, jetzt auch schon vor vielen Jahren in Berlin von einem jüngeren Mann, der dazumal viel bei mir ein- und ausging, eine Dissertation erschienen über den Einfluß von Swedenborg auf Goethe. Diese Dissertation gehört zu den hervorragenderen literarischen Erscheinungen der neuen Zeit. Solche Dinge verschwinden nur in dem Wust von Dissertationen, die sonst auftauchen und die nicht gelesen werden. Diese Dissertation über Goethes Naturphilosophie im Verhältnis zu Swedenborg zeigt, wie Goethe gerade dadurch, daß er sich als junger : Mann in Swedenborgs Seelenverfassung hineingelebt hat, zu gewissen Begriffsformen kam, die ihn dann mehr oder weniger unbewußt leiteten zu seinen morphologischen Imaginationen über die Pflanzenwelt. Es ist höchst interessant, von diesem Gesichtspunkt aus das Verhältnis Goethes zu Swedenborg ins Auge zu fassen.

[ 22 ] Thus, in the development of humanity with regard to knowledge, we have now reached a point where empirical observation of the animal world from the outside compels us to recognize what was once found in the innermost depths of the soul. Exotericism today provides content that once belonged to the deepest esotericism. Haeckel arrived at these ideas in a very naive way. The process is even more interesting when we observe it in someone who approached it with less naivety—someone who, as I characterized him yesterday, passed through the stages of his cognitive experience with a certain level-headedness—when we observe it in Goethe. In the 1890s, Goethe sketched his “primordial plant”—a symbolic plant—for Schiller. With just a few strokes, he sketched what he believed could represent the plant that manifests itself metamorphically in all plant forms. Schiller said, “That is not empiricism; that is an idea.”—Goethe replied, “Then I see my ideas with my eyes.” — Goethe was aware that he had sketched something objective, something he had observed in the plant world. Why was Goethe able to do this? I have frequently described in my writings on Goethe the inner process that drove him to view plant life in such a way that he arrived at his conception of metamorphosis. Since then—likely drawing on what has been presented there as Goethe’s path to knowledge—a dissertation on Swedenborg’s influence on Goethe was published many years ago in Berlin by a younger man who used to visit me frequently at the time. This dissertation ranks among the most outstanding literary works of recent times. Such works are easily lost in the flood of dissertations that otherwise appear and go unread. This dissertation on Goethe’s philosophy of nature in relation to Swedenborg shows how Goethe, precisely by immersing himself in Swedenborg’s state of mind as a young man, arrived at certain conceptual forms that then, more or less unconsciously, guided him toward his morphological imaginings about the plant world. It is highly interesting to consider Goethe’s relationship to Swedenborg from this perspective.

[ 23 ] Bei Swedenborg liegt die Sache so, daß er durchaus eine wissenschaftliche Persönlichkeit auf der Höhe seiner Zeit war. Er hat bis zu seinem vierzigsten Jahr Begriffsformulierungen ausgebildet, durch die er gemäß dem wissenschaftlichen Standpunkt seiner Zeit in echt naturwissenschaftlichem Sinne so vorgehen konnte, daß jetzt seine noch nicht gedruckten wissenschaftlichen Manuskripte durch eine Gelehrtengesellschaft als etwas höchst Wertvolles herausgegeben werden. Swedenborg war bis zu seinem vierzigsten Jahre ein tonangebender, repräsentativer naturforschender Gelehrter seiner Zeit. Er war es aus dem Grund, weil in ihm synthetisierende Ideen gelebt haben, durch die er größere Zusammenhänge des Naturgeschehens konstatieren konnte. Dann wurde er in einer gewissen Weise krank, und in einen kranken Organismus hinein ergossen sich diejenigen Begriffsformationen, die er früher für das Naturerkennen ausgebildet hatte. Was gewisse mystische Naturen an Swedenborg verehren, das ist dessen vorherige wissenschaftliche Seelenverfassung in ihrer Erkrankungsmetamorphose.

[ 23 ] As far as Swedenborg is concerned, the fact is that he was certainly a scientific figure at the forefront of his time. By the age of forty, he had developed conceptual frameworks that allowed him—in accordance with the scientific perspective of his time and in a truly scientific sense—to proceed in such a way that his scientific manuscripts, which have not yet been published, are now being issued by a scholarly society as works of the highest value. Until the age of forty, Swedenborg was a leading, representative natural scientist of his time. He was so because he possessed synthesizing ideas that enabled him to identify broader patterns in natural phenomena. Then he fell ill in a certain sense, and the conceptual frameworks he had previously developed for understanding nature poured into his ailing organism. What certain mystical minds revere in Swedenborg is his former scientific state of mind in the metamorphosis brought about by his illness.

[ 24 ] So wie Swedenborg kann gesundes geistiges Anschauen die geistigen Welten nicht sehen, nicht in diesen Personifikationen, in diesen ganz und gar aus der eigenen Konstitution hervorgeholten Bildern, die mit einigen Änderungen eigentlich dem irdischen Leben voll gleichen, wenn man diesem nur eine gewisse Schwere nimmt. Ich will nicht weiter eingehen auf dasjenige, was Swedenborgs Erkrankung zugrunde liegt, will aber, damit ich nicht mißverstanden werde, aufmerksam darauf machen, daß allerdings dasjenige, was Swedenborg als Seher geleistet hat, immerhin dadurch auch von höchstem Interesse sein kann, weil sich in dies hinein etwas ergossen hat, was aus einer großen, umfassenden, wissenschaftlich denkenden Seele gekommen ist. Von demjenigen nun, was bei Swedenborg in dieser Art begrifflicher Synthese auftauchte, wurde Goethe im höchsten Sinne schon als junger Mann angeregt, und er bildete für seine Morphologie, für die charakteristisch-wissenschaftliche Durchdringung des Pflanzenwesens dasjenige gesund aus, was Swedenborg als krankhaftes Sehen ausgebildet hat.

[ 24 ] Just as Swedenborg does, sound spiritual perception cannot see the spiritual worlds—not in these personifications, in these images drawn entirely from one’s own constitution, which, with a few changes, actually resemble earthly life exactly, if one only removes a certain heaviness from it. I do not wish to delve further into the root cause of Swedenborg’s illness, but—so as not to be misunderstood—I wish to point out that what Swedenborg accomplished as a seer can nonetheless be of the utmost interest, because something has poured into it that originated from a great, comprehensive, scientifically minded soul. Goethe was inspired in the highest sense, even as a young man, by what emerged in Swedenborg in this kind of conceptual synthesis, and he developed in a healthy way for his morphology—for the characteristic, scientific penetration of the nature of plants—what Swedenborg had developed as a pathological vision.

[ 25 ] Dieses Verhältnis von Goethe zu Swedenborsg ist im höchsten Grade interessant, weil hier ein Weg gegangen worden ist, den der eine nach der kranken, der andere im intensivsten Sinne nach der gesunden Richtung hin gegangen ist. Und diejenigen Begriffsformulierungen, zu denen da Goethe gekommen ist in bezug auf das plastische Erfassen der Pflanzenwelt, sie liegen schon auf dem Wege zu solchen Zeichnungen, zu solchen «Malereien» möchte ich sagen, den Begriff des Malens weit fassend, wie sie dann Haeckel genötigt war, für die organische Welt der Tiere anzuwenden. Goethe geht nur besonnener vor. Er ist ja so besonnen, daß er den Swedenborgianismus nur mitmacht, soweit er gesund ist. Aber auch Goethe segelt hinein in das Erbilden der äußeren Welt in solchen Bildern, welche früher, als die menschliche Erkenntnis innerlichere Wege genommen hat, aus dem Inneren aufgestiegen oder heraufgeholt worden sind. Schon zu Goethes Zeit war eben, wenigstens für Goethe und diejenigen, die ihn verstanden, die Entwickelung des Erkenntnislebens so weit gekommen, daß man genötigt war, in der äußeren Welt dieselbe Bildlichkeit zu suchen, die früher gefunden worden war in einem instinktiven Imaginationsleben.

[ 25 ] This relationship between Goethe and Swedenborg is extremely interesting because here a path was taken in which one moved in the direction of illness, while the other moved in the direction of health in the most intense sense. And the conceptual formulations that Goethe arrived at regarding the three-dimensional perception of the plant world are already on the path toward such drawings—or, I would say, such “paintings,” taking the concept of painting in a broad sense—which Haeckel was later compelled to apply to the organic world of animals. Goethe proceeds more prudently. He is, after all, so prudent that he embraces Swedenborgianism only to the extent that it is sound. But Goethe, too, ventures into the representation of the external world through such images that, in earlier times—when human knowledge had taken more inward paths—had risen from within or been drawn up from within. Even in Goethe’s time, at least for Goethe and those who understood him, the development of the life of knowledge had progressed so far that one was compelled to seek in the external world the very same imagery that had previously been found in an instinctive life of imagination.

[ 26 ] Auf dem Boden des instinktiven Imaginationslebens kann man gegenüber dem Fortschritt der Menschheitsentwickelung nicht stehenbleiben. So bewußt, wie ich es im Anfange der heutigen Betrachtung geschildert habe, muß das Imaginationsleben gesucht werden. Dann aber ergibt sich das Folgende. Wir kommen mit unserer Verstandeserkenntnis so weit, daß wir die unorganische Außenwelt nach Maß, Zahl und Gewicht begreifen, wiedergeben können, daß wir zu konstruktiven Begriffen über diese Welt kommen, die in Maß, Zahl und Gewicht lebt. Wenn wir heraufsteigen ins : Pflanzliche, heraufsteigen ins Tierische, da reichen wir gerade aus dem Grunde, weil die naturwissenschaftliche Anschauung in unserem Zeitalter einen gewissen Fortschritt erreicht hat, nicht aus mit diesen Verstandeserwägungen. Wir brauchen eine andere Art der Darstellung, und wenn der Mensch die unorganische Natur vor sich hat, dann geht er zu seinem begreifenden Verstande und verinnerlicht sich diese unlebendige Natur, kommt zu einem Wissen, zu einer Erkenntnis dieser in Maß, Zahl und Gewicht lebenden Natur.

[ 26 ] On the basis of the instinctive life of the imagination, one cannot stand still in the face of the progress of human development. The life of the imagination must be sought as consciously as I described at the beginning of today’s reflection. But then the following becomes apparent. We reach a point with our intellectual understanding where we can comprehend and describe the inorganic external world in terms of measure, number, and weight, and arrive at constructive concepts of this world, which exists in terms of measure, number, and weight. When we ascend into the plant realm, into the animal realm, we find—precisely because the scientific view of nature has reached a certain level of advancement in our age—that these intellectual considerations are no longer sufficient. We need a different kind of representation, and when a person has inorganic nature before them, they turn to their comprehending intellect and internalize this inanimate nature, arriving at a knowledge, at an understanding of this nature that exists in measure, number, and weight.

[ 27 ] Wenn der Mensch aber nun die Pflanzenwelt, die tierische Welt so vor sich hat, wie er heute schon die unorganische Natur vor sich hat und wie frühere Zeitalter mit der instinktiven Imagination diese nicht vor sich hatten, dann ist er genötigt, nun nicht das Pflanzen-, das Tierwesen zu begreifen mit einem inneren Seelenerfassen, das nur im Verstandesbegriff lebt, sondern dann zeigt sich, daß Goethe mehr bewußt, Haeckel ganz naiv und unbewußt, in Darstellungen hineinkommen, die an frühere instinktive Imaginationen erinnern. Das aber weist darauf hin, daß wir gerade deswegen, weil wir im Naturbeobachten allmählich so weit gekommen sind, dann, wenn wir aufrücken vom Mineral zur Pflanze, vom Tier zum Menschen, zum Erkennen der Welt überhaupt, höhere Erkenntnisstufen anwenden müssen, daß wir aufrücken müssen vom gewöhnlichen begreifenden Verstande zu der Imagination, Inspiration und Intuition. Das weitere soll sich aus den folgenden Betrachtungen ergeben. Das aber wird zeigen, daß es noch ganz andere gesunde Gebiete gibt als diejenigen, die oftmals aufgezählt werden, um zu der durch Haeckel mit einer gewissen Färbung behandelten Naturwissenschaft der neueren Zeit ein Verhältnis zu gewinnen. Dieses Verhältnis muß ein lebendiges sein. Man muß gerade auf diese Naturforschung eingehen, um zu zeigen, wie sich durch ihre eigene Entwickelung die Notwendigkeit ergibt, zum imaginativen Leben in voller Bewußtheit hinzukommen. Und in dem Folgenden wird einfach durch die objektive Darstellung der Erkenntnisquellen der Anthroposophie sich zeigen, daß es sich beim Ausbilden dieser anthroposophischen Weltanschauung um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert für mich wirklich darum handeln konnte, zu zeigen, wie von demjenigen, was Haeckel ganz naiv nur für die äußere Natur andeutend hingestellt hat, zu einer wirklichen GeistErkenntnis geschritten werden muß.

[ 27 ] But when human beings now perceive the plant and animal worlds as they already perceive inorganic nature today—and as earlier ages, with their instinctive imagination, did not perceive them—then they are compelled no longer grasp the nature of plants and animals through an inner, soul-based comprehension that exists solely as an intellectual concept; rather, it becomes apparent that Goethe—more consciously—and Haeckel—quite naively and unconsciously—delve into descriptions that recall earlier instinctive imaginations. This, however, points to the fact that precisely because we have gradually advanced so far in our observation of nature—when we move from minerals to plants, from animals to humans, and toward an understanding of the world as a whole—we must apply higher levels of cognition; that is, we must move from ordinary conceptual understanding to imagination, inspiration, and intuition. The rest will become clear from the following reflections. This, however, will show that there are entirely different, sound fields of study besides those often cited in order to establish a relationship with modern natural science—a field treated by Haeckel with a certain bias. This relationship must be a living one. One must address this very field of natural research in order to show how its own development gives rise to the necessity of arriving at an imaginative life in full consciousness. And in what follows, it will become evident simply through the objective presentation of the sources of knowledge in anthroposophy that, in the development of this anthroposophical worldview at the turn of the 19th to the 20th century, my aim was truly to show how one must progress from what Haeckel quite naively presented merely as an indication of external nature to a genuine spiritual insight.

[ 28 ] Dazumal lag dieses vor, daß Haeckel eine solche Naturerkenntnis entwickelte, von der eigentlich nur die Bilder, die er hinmalte, eine Bedeutung hatten. In diesen Bildern entwickelte er allerlei Begriffe. Diese Begriffe entnahm er seinem Zeitalter. Ich habe es oftmals gesagt, wenn ich damals über Haeckel Vorträge gehalten habe: Man nehme selbst von dem vielverpönten Buche «Die Welträtsel» die ersten Seiten, wo positiv, konstruktiv dargestellt wird dasjenige, was in der tierischen Natur lebt, und man reiße die Polemik der letzten Seiten weg, den größten Teil des Buches, dann bleibt noch immer ein wertvolles Buch für denjenigen übrig, der sich hineinfinden will in die Art, wie man die organische Natur heute anschauen muß. Aber die Begriffe, die Haeckel nun herausnimmt von alldem und die eben in dem Teil des Buches stehen, von dem ich sagte, daß man ihn wegreißen soll, diese Begriffe sind entlehnt aus der allgemeinen Begriffswelt der neueren Zeit. Die Begriffe aber sind allmählich tot geworden für das Gebiet der organischen Natur.

[ 28 ] At that time, the situation was such that Haeckel developed a view of nature in which, in reality, only the illustrations he drew had any significance. In these illustrations, he developed all sorts of concepts. He drew these concepts from his own era. I often said this when I gave lectures on Haeckel back then: Take even the much-maligned book *The Riddles of the World*—specifically the first few pages, where what lives in the animal world is presented in a positive, constructive light—and tear out the polemics from the last few pages, which make up the bulk of the book; what remains is still a valuable book for anyone who wishes to familiarize themselves with the way we must view organic nature today. But the concepts that Haeckel now extracts from all of this—and which appear precisely in the part of the book that I said should be torn out—these concepts are borrowed from the general conceptual framework of modern times. Yet these concepts have gradually become obsolete in the realm of organic nature.

[ 29 ] Haeckel arbeitete mit lebendigen Anschauungen, aber mit toten Begriffen. Das mußte ich oft bei Vorträgen über den Haeckelismus bemerken, und so schrieb ich meine Schrift «Haeckel und seine Gegner». Sie ging aus von der Empfindung, daß Haeckel zwar tote Begriffe, die man nicht brauchen kann, für seine Anschauungen hat, daß aber seine Gegner auch seine Anschauungen wieder mit ihren toten Begriffen bekämpften. Daher konnte es sich schon damals um nichts anderes handeln, als es sich mit Bezug auf die Naturforschung für die Geisteswissenschaft auch heute handeln muß: man soll der Naturforschung von seiten der Geisteswissenschaft in anthroposophischer Orientierung nicht kritisierend begegnen mit toten Begriffen, aber man soll ihre Anschauungen, die sie durch den Fortschritt der naturforschenden Methoden gewonnen hat, weiterführen zu lebendigen Begriffen; man soll dasjenige, was in der Naturforschung auftritt, nicht bekämpfen durch den toten Geist, sondern fortführen zum lebendigen Geist.

[ 29 ] Haeckel worked with vivid illustrations, but with dead concepts. I often noticed this during lectures on Haeckelism, and so I wrote my treatise “Haeckel and His Opponents.” It arose from the feeling that, while Haeckel indeed used dead concepts—ones that are of no use—to support his views, his opponents, in turn, combated his views with their own dead concepts. Therefore, even back then, the issue could be nothing other than what it must be today for spiritual science in relation to natural science: the humanities, with an anthroposophical orientation, should not approach natural science critically with dead concepts, but should take the views it has gained through the progress of scientific methods and develop them into living concepts; one should not combat what arises in natural science with the dead spirit, but carry it forward into the living spirit.