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The Reality of the Higher Worlds
GA 79

25 November 1921, Oslo

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The Reality of the Higher Worlds, tr. SOL
  1. Die Wirklichkeit der höheren Welten

1. Das freie Geistesleben und die Geisteslage der Gegenwart

1. The Free Spiritual Life and the Spiritual State of the Present

[ 1 ] Vor allem anderen lassen Sie mich mein Bedauern darüber aussprechen, daß ich nicht in der Lage bin, dasjenige, was ich mir erlauben werde vor Ihnen zu sprechen, in Ihrer Sprache vorzubringen, Allein da dies nicht möglich ist, muß ich Sie eben darum bitten, das Auszuführende in deutscher Sprache entgegenzunehmen.

[ 1 ] First and foremost, let me express my regret that I am unable to present what I am about to say to you in your language. However, since this is not possible, I must ask you to accept what I am about to say in German.

[ 2 ] Vorerst habe ich für die außerordentlich freundlichen, lieben Begrüßungsworte, die eben ausgesprochen worden sind, auf das allerherzlichste zu danken. Ich hoffe nur, daß es mir gelingen werde, wenigstens in einigem dasjenige zu erfüllen, was vorausgesetzt wird. Ich bin der hier vereinigten Studentenschaft von Herzen dankbar für die Gelegenheit, die sie mir gibt, über anthroposophische Geisteswissenschaft einiges zu sagen. Ich weiß gerade aus den langen Jahren der Beschäftigung mit dieser Geisteswissenschaft, welche außerordentlichen Schwierigkeiten bestehen, sie unserer heutigen Zivilisation und Kulturrichtung einigermaßen verständlich zu machen, und wie leicht es ist, daß man ihr gegenüber zunächst mit Mißverständnissen kommt. Aus diesem Grunde darf ich der mich einladenden Studentenschaft meinen ganz besonderen Dank aussprechen und die Versicherung abgeben, daß es mir von ganz besonderem Werte erscheint, gerade von seiten der Studentenschaft, innerhalb welcher ja auch in anderen Ländern heute anthroposophische Geisteswissenschaft einige Aufmerksamkeit findet, diesem Entgegenkommen auch hier zu begegnen.

[ 2 ] First of all, I would like to express my most heartfelt thanks for the exceptionally kind and warm words of welcome that have just been spoken. I only hope that I will be able to live up, at least in some respects, to the expectations placed upon me. I am deeply grateful to the student body gathered here today for the opportunity they have given me to speak a little about anthroposophical spiritual science. I know from my many years of engagement with this spiritual science just how extraordinarily difficult it is to make it even somewhat understandable to our present-day civilization and cultural orientation, and how easily it is met with misunderstandings at first. For this reason, I would like to express my very special thanks to the student body that has invited me and assure you that I consider it of particular value to be met with such openness here, especially from the student body—within which, after all, anthroposophical spiritual science is also receiving some attention in other countries today.

[ 3 ] Nun, für den heutigen Abend ist das Thema «Die Wirklichkeit der höheren Welten» gewünscht worden. Da im Grunde genommen mein gesamtes Schrifttum seit Jahrzehnten eigentlich die eine große Frage nach der Wirklichkeit dieser höheren Welten beantworten will, so werden Sie es verstehen, daß in einem kurzen Abendvortrag von vornherein man dazu verurteilt ist, etwas Ungenügendes und Unvollständiges zu geben. Ich werde mich bemühen müssen, einige Richtlinien anzudeuten, hinzuweisen darauf, wie man zu dieser Wirklichkeit der höheren Welten kommt. Ich werde selbstverständlich nicht schon heute — einiges wird ja in den nächsten Tagen bei anderen Gelegenheiten möglich sein — igendwie etwas restlos Beweisendes vorzubringen in der Lage sein, sondern nur auf die Wege und Richtungen, in denen diese Beweise liegen, werde ich hindeuten können. Die anthroposophische Geisteswissenschaft kann nicht von der Wirklichkeit höherer Welten sprechen, ohne die Wege anzudeuten, die zu dieser Wirklichkeit führen, und diese Wege sind durchaus nicht solche, die etwa sich in Gegensatz stellen wollen zu dem, was sich in so bewunderungswürdiger Weise durch das wissenschaftliche Streben der Menschheit, durch den Wissenschaftsgeist der letzten Jahrhunderte herausgebildet hat.

[ 3 ] Well, the topic requested for this evening is “The Reality of the Higher Worlds.” Since, essentially, my entire body of work over the past decades has sought to answer the one great question regarding the reality of these higher worlds, you will understand that a short evening lecture is, from the outset, bound to be somewhat inadequate and incomplete. I will have to endeavor to outline a few guidelines and point out how one might approach this reality of the higher worlds. Of course, I will not be in a position today—though some things may be possible in the coming days on other occasions—to present anything that is completely conclusive, but I will only be able to point to the paths and directions along which such evidence lies. Anthroposophical spiritual science cannot speak of the reality of the higher worlds without indicating the paths that lead to this reality, and these paths are by no means intended to stand in opposition to what has emerged in such an admirable way through humanity’s scientific endeavors and through the scientific spirit of the past centuries.

[ 4 ] Wenn von dieser oder jener Seite gerade die Wissenschaftlichkeit anthroposophischer Forschung angezweifelt wird, so glaubt diese Forschung selbst, daß diese Zweifel durchaus auf Mißverständnissen beruhen. Denn nicht irgendein bloß laienhaftes Gerede möchte Anthroposophie sein, sondern etwas, das mit derselben wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, mit innerer wissenschaftlicher Disziplin und Methodik sich den höheren Welten, den übersinnlichen Welten nähert, wie sich seit langem die gesicherte, naturwissenschaftliche Anschauungsweise den Gesetzmäßigkeiten der Natur nähert. Allein es ist notwendig, wenn man gerade mit derselben Strenge, wie die Naturwissenschaft zu ihren Ergebnissen zu kommen versucht, zu den übersinnlichen Welten gelangen will, daß man dann sowohl mit Bezug auf die Ergebnisse, wie auch mit Bezug auf die Forschungsmethode über dasjenige hinausgeht, was heute allgemein als wissenschaftlich anerkannt wird. Anthroposophische Geisteswissenschaft ist durchaus auf der Grundlage errichtet, auf welcher man sich einlebt in all dasjenige, was die moderne Wissenschaft groß macht. Diese moderne Wissenschaft ist groß geworden durch gewissenhafte Beobachtung der Sinneswelt, durch das Experiment und durch die verstandesmäßige Erwägung dessen, was sich durch die Sinnesbeobachtung und das Experiment ergibt. Alles, was man an dieser Forschung lernen kann, wenn man sich selbst in sie hineinbegibt, das möchte anthroposophische Geisteswissenschaft mit auf den Weg nehmen, wenn sie nun hinausgeht sowohl über die Ergebnisse, wie auch über die Art und Weise der Forschung der heute schon anerkannten Wissenschaft.

[ 4 ] Whenever the scientific nature of anthroposophical research is called into question by one side or the other, the research community itself believes that these doubts are based entirely on misunderstandings. For anthroposophy is not meant to be mere layman’s talk, but rather something that approaches the higher worlds—the supersensible worlds—with the same scientific rigor, inner scientific discipline, and methodology as the well-established scientific approach has long used to approach the laws of nature. However, if one wishes to reach the supersensible worlds with the same rigor with which natural science seeks to arrive at its results, it is necessary to go beyond what is generally recognized as scientific today—both in terms of the results and in terms of the research method. Anthroposophical spiritual science is firmly founded on the basis of immersing oneself in all that makes modern science great. This modern science has become great through conscientious observation of the sensory world, through experimentation, and through rational consideration of what emerges from sensory observation and experimentation. Anthroposophical spiritual science seeks to take with it everything that can be learned from this research—if one immerses oneself in it—as it now moves beyond both the results and the methods of research employed by science as it is recognized today.

[ 5 ] Dieses Hinausgehen fußt vor allen Dingen ganz stark auf der Erkenntnis, daß das menschliche Forschungsvermögen, insoweit es sich in der Naturwissenschaft ausgebildet hat, zu gewissen Grenzen kommt. Wer naturwissenschaftlich zu forschen versteht, der weiß ganz gut, daß die große Frage des Menschendaseins nach der ewigen Bedeutung der Menschenseele, die Frage, die man gewöhnlich die Unsterblichkeitsfrage nennt, die Frage, welche man die Schicksalsfrage nennt, die Frage also, welche man im weitesten Umfange die nach den höheren Welten nennt, daß diese Frage außerhalb der Grenzen der modernen naturwissenschaftlichen Forschung zunächst liegt. Und man lernt erkennen, daß die ganze Art und Weise des Denkens, das Erkenntnisvermögen, die Erkenntnisfähigkeit selber sich an der Sinnesforschung ausgebildet haben, und daß sie in dem Momente an eine Grenze kommen, wo sie über die Sinneswelt hinausgehen wollen. Anthroposophie ist mit anerkannten Forschern der Gegenwart völlig einverstanden, wenn es sich darum handelt, festzustellen, daß solche Grenzen für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein vorhanden sind.

[ 5 ] This move beyond is based, above all, very strongly on the realization that human investigative capacity—insofar as it has developed within the natural sciences—reaches certain limits. Anyone who understands how to conduct scientific research knows full well that the great question of human existence—the question of the eternal significance of the human soul, the question commonly called the question of immortality, the question called the question of destiny, and thus, in the broadest sense, the question of the higher worlds—lies, for the time being, beyond the boundaries of modern scientific research. And one comes to recognize that the entire mode of thinking, the capacity for knowledge, and the ability to know itself have been developed through sensory research, and that they reach a limit the moment they seek to go beyond the sensory world. Anthroposophy is in complete agreement with recognized contemporary researchers when it comes to establishing that such limits exist for ordinary human consciousness.

[ 6 ] Es gibt ja viele Bestrebungen, die in philosophischer Weise hinausgehen möchten über diese Grenzen. Allein alles, was der menschliche Verstand, wohl auch das menschliche Gemüt ersinnen über dasjenige, was jenseits der Sinneswelt liegt, all das kann doch einer gewissen strengen Kritik nicht standhalten und verrät sich vor allem als unbefriedigend dadurch, daß es gewissermaßen ins Leere greift, daß der Verstand fühlen kann, wie er angewiesen ist auf das, was ihm zunächst die Sinne liefern und wie er, wenn er den Sinnesteppich, der um uns herum ausgebreitet ist, durchbrechen will, wenn er sich selbst überlassen ist, wie er dann eigentlich keinen Inhalt mehr hat, wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein stehen bleibt.

[ 6 ] There are, of course, many efforts that seek to transcend these boundaries in a philosophical sense. Yet everything that the human mind—and indeed the human spirit—conceives regarding what lies beyond the sensory world cannot withstand a certain rigorous criticism and reveals itself, above all, to be unsatisfactory in that it, so to speak, reaches into a void; for the mind can sense how it is dependent on what the senses initially provide, and how, when left to its own devices and attempting to break through the tapestry of sensory experience spread out around us, it actually has no content left if one remains within ordinary consciousness.

[ 7 ] Tiefere Gemüter, die dennoch ihre Seelen- und Geistesbedürfnisse vor der Wissenschaft heute zu rechtfertigen versuchen und nicht bloß dabei stehen bleiben möchten, sich einem gewissen Glauben hinzugeben, sondern etwas wissen möchten über die Dinge, welche über das Zeitliche hinausliegen, solche tieferen Menschengemüter flüchten heute sehr häufig in eine gewisse Mystik hinein. Sie glauben, daß dasjenige, was ihnen die äußere Wissenschaft nicht geben kann, ihnen zuteil werden kann, wenn sie sich in die Tiefen des Seelenlebens hinunter versenken. Sie glauben, daß aus den Tiefen des Gemütes ihnen heraufströmen kann dasjenige, was ihnen Aussagen liefern kann über den ewigen Wert, die ewige Bedeutung der Menschenseele, über die Zusammenhänge der Menschenseele mit der göttlich-geistigen Welt.

[ 7 ] People of deeper sensibilities, who nevertheless seek to justify their spiritual and intellectual needs in the face of modern science and do not wish to merely content themselves with adhering to a certain faith, but rather wish to know something about the things that lie beyond the temporal—such people of deeper sensibilities very often take refuge today in a certain form of mysticism. They believe that what external science cannot give them can be bestowed upon them if they immerse themselves in the depths of the soul’s life. They believe that from the depths of the soul can well up that which can provide them with insights into the eternal value and meaning of the human soul, and into the connections between the human soul and the divine-spiritual world.

[ 8 ] Aber gerade eine tiefere Seelenkunde kann nicht einverstanden sein mit solch einer Mystik im gewöhnlichen Sinne. Denn eine tiefere Seelenkunde kennt all die verborgenen Wege des menschlichen Erinnerungsvermögens. Das gewöhnliche Bewußtsein hat ja gewiß seine Erinnerungen, die Schätze seines Gedächtnisses, die es immer wieder und wiederum hervorholt, weil das für ein gesundes Seelenleben notwendig ist. Aber in den Tiefen der Seelen ruht manches, was in diese Erinnerungen sich hineinmischt, und was in seiner Wesenheit dieses gewöhnliche Bewußtsein nicht überschauen kann. Da schürft mancher Mystiker aus den Tiefen der Menschenseele etwas herauf, was er wie einen Ausspruch höherer Welten anschaut, aber für den wirklichen Seelenkenner sind das vielleicht nur Eindrücke der Sinnenwelt aus der lange verflossenen ersten Kindheit. Der Seelenforscher weiß, welche Metamorphosen das durchmachen kann, was wir selbst unbewußt in der allerersten Kindheit hereinnehmen in unsere Seele, wie es verändert im späteren Lebensalter wieder auftreten kann. Mancher glaubt, einen göttlichen Funken in seiner Seele auf mystische Art zu finden, und er zieht nichts anderes aus den Tiefen der Seele hervor als die umgewandelten Kindheitserlebnisse.

[ 8 ] But a deeper understanding of the soul, in particular, cannot agree with such mysticism in the ordinary sense. For a deeper understanding of the soul knows all the hidden paths of human memory. Ordinary consciousness certainly has its memories—the treasures of its memory—which it brings forth again and again because this is necessary for a healthy spiritual life. But in the depths of the soul lie many things that mingle with these memories, and whose true nature ordinary consciousness cannot fathom. There, some mystics dredge up from the depths of the human soul something they regard as a utterance from higher worlds, but for the true connoisseur of the soul, these may be nothing more than impressions from the sensory world dating back to early childhood long past. The researcher of the soul knows what metamorphoses can be undergone by what we ourselves unconsciously take into our souls in the very earliest childhood, and how it can reappear, transformed, in later life. Many believe they have found a divine spark in their souls in a mystical way, yet they draw nothing from the depths of the soul other than the transformed experiences of childhood.

[ 9 ] Das sind die beiden Klippen, vor die wir gestellt sind, wenn wir in ernster und ehrlicher Weise an die Wirklichkeit der höheren Welten sehnend, forschend herantreten. Sowohl vor einer spekulativen Philosophie, welche in bloßen Verstandeserwägungen die äußere Sinneswelt durchbrechen und zu einer Art von Jenseitswelt kommen möchte, wie auch vor einer solchen Mystik, die im Grunde genommen doch nur verwandelte Erinnerungen aus den Tiefen des Menschengemütes hervorholt, muß sich der ernste Geistesforscher hüten. Nach beiden Seiten hin entdeckt er unübersteigliche Grenzen: Auf der einen Seite die Sinneswelt, die er nicht durchbrechen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, auf der anderen Seite, nach der Seite des Menschen, die Erinnerungswelt, die da sein muß für ein gesundes Seelenleben, und die nach dem Innern hin eine Grenze bildet, die auch für das gewöhnliche Bewußtsein eigentlich nur durch Illusionen und Phantasmen überschritten werden kann.

[ 9 ] These are the two pitfalls we face when we approach the reality of the higher worlds with earnest and sincere longing and inquiry. The serious spiritual researcher must guard against both a speculative philosophy—which seeks to penetrate the external sensory world through mere intellectual considerations and arrive at a kind of otherworld—and a form of mysticism that, when all is said and done, merely brings forth transformed memories from the depths of the human mind. On both sides, he discovers insurmountable boundaries: On the one hand, the sensory world, which he cannot penetrate with ordinary consciousness; on the other hand, on the human side, the world of memory, which must exist for a healthy soul life and which, inwardly, forms a boundary that even ordinary consciousness can actually cross only through illusions and phantasms.

[ 10 ] An diesen beiden Klippen möchte anthroposophische Geistesforschung vorbeikommen zu einer wirklichen Erkenntnis der höheren, der übersinnlichen Welten. Sie gesteht sich daher ganz ehrlich und offen, daß die Erkenntnisfähigkeiten, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft üblich sind, eben an diese beiden Grenzen kommen müssen, daß man mit diesen Erkenntnisfähigkeiten eben nicht in die höheren Welten eindringen kann. Daher geht anthroposophische Geisteswissenschaft darauf aus, solche Fähigkeiten, wie die in der Seele schlummernden, deren sich das gewöhnliche Bewußtsein eben nicht bewußt ist, zum Bewußtsein heraufzuheben und diese erst auszubilden, um mit diesen ausgebildeten Fähigkeiten dann erst die Forschung nach der höheren Wirklichkeit anzutreten. Diese Geistesforschung geht nicht aus von irgendeinem nebulosen Mystischen, sie geht durchaus von Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aus, bildet diese Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aber nicht nur weiter um, sondern sie macht aus ihnen wesentlich andere Fähigkeiten.

[ 10 ] Anthroposophical spiritual research seeks to navigate past these two obstacles to attain a true understanding of the higher, supersensible worlds. It therefore admits quite honestly and openly that the cognitive faculties customary in ordinary life and in ordinary science must inevitably reach these two limits, and that one simply cannot penetrate the higher worlds with these cognitive faculties. For this reason, anthroposophical spiritual science aims to raise to consciousness those faculties that lie dormant in the soul—faculties of which ordinary consciousness is simply unaware—and to develop them first, so that only then, with these developed faculties, can the exploration of higher reality begin. This spiritual research does not stem from some nebulous mysticism; it is based entirely on the faculties of ordinary life, but it does not merely transform these faculties of ordinary life—it transforms them into fundamentally different faculties.

[ 11 ] Das erste, worauf die Aufmerksamkeit des ehrlichen Geistesforschers gerichtet sein muß, ist die menschliche Erinnerungsfähigkeit, die wir in ihrer Begrenztheit, in ihrer Eingeschränktheit eben besprochen haben. Diese Erinnerungsfähigkeit, sie macht es uns möglich im gewöhnlichen Leben, dasjenige, was wir seit unserer Geburt oder von einem Zeitpunkte, der etwas später liegt, durchgemacht, erlebt haben, in Bildern immer wieder und wiederum willkürlich oder unwillkürlich vor unsere Seele zu zaubern. Dieses Faktum, das gewöhnlich nicht in seiner vollen Tragweite vor die Seelenforschung hingestellt wird, stellt nun die Anthroposophie in voller Tragweite vor die menschliche Seele hin. Und sie versucht, gerade so, wie das sonst nur bei der Erinnerung, bei der Gedächtnisfähigkeit der Fall ist, Vorstellungen, Begriffe, kurz Gedankliches, willkürlich in den Mittelpunkt des menschlichen Bewußtseins zu rücken. Sie versucht auf diese Weise eine erste höhere Erkenntnisfähigkeit auszubilden durch gewisse Übungen, die gerade vorgenommen werden mit der Denkkraft. Sie bleibt nicht stehen bei der Denkkraft, wie sie sich in der gewöhnlichen Erinnerung äußert. Sie schreitet fort — nicht zu jener willkürlichen Meditation, von der man in nebuloser Mystik oft spricht —, sondern zu einer innerlich ganz geregelten, systematischen Meditation.

[ 11 ] The first thing on which the honest researcher of the spirit must focus their attention is the human capacity for memory, the limitations and constraints of which we have just discussed. This capacity for memory enables us, in ordinary life, to conjure up before our soul—again and again, whether voluntarily or involuntarily—images of what we have gone through and experienced since our birth or from a point in time somewhat later. This fact, which is not usually presented to spiritual research in its full significance, is now presented by anthroposophy to the human soul in its full significance. And it attempts—just as is otherwise the case only with memory—to bring ideas, concepts, in short, the mental realm, arbitrarily into the center of human consciousness. In this way, it seeks to develop an initial higher capacity for cognition through certain exercises carried out specifically with the power of thought. It does not stop at the power of thought as it manifests in ordinary memory. It proceeds further—not toward that arbitrary meditation often spoken of in nebulous mysticism—but toward an inwardly well-ordered, systematic meditation.

[ 12 ] Ich werde hier zunächst das Prinzipielle der Sache anzudeuten haben. Alles Genauere finden Sie in verschiedenen meiner Bücher in allen Einzelheiten, und ich werde Einzelheiten auch in den nächsten Tagen hier noch zu erörtern haben. Meine Bücher, die diese Einzelheiten erörtern, sind vor allem «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft». Dasjenige, was ein jahrzehntelanges Studium ist, kann eben hier nur prinzipiell in einigen Richtlinien angedeutet werden. Es handelt sich darum, daß die Denkkraft des Menschen zu einer größeren Stärke, zu einer größeren Intensität entwickelt wird, als sie sie im gewöhnlichen Leben und in der gebräuchlichen Wissenschaft hat. Wenn man einen Muskel besonders anstrengt in der Arbeit, so wird die Kraft dieses Muskels verstärkt. Was hier mit einem äußeren Leibesgliede ausgeführt wird, das führt, ganz systematisch, der Geistesforscher in bezug auf die Seelenkräfte aus. Er stellt eine leicht überschaubare Vorstellung oder einen leicht überschaubaren Vorstellungskomplex mit voller Bewußtheit, mit vollem freien Willen in den Mittelpunkt des Bewußtseins, und er verweilt mit dem Bewußtsein eine Zeitlang — der eine braucht länger, der andere kürzere Zeit, je nach seinen Fähigkeiten, je nach seiner Konzentrationsmöglichkeit — auf einer solchen überschaubaren Vorstellung.

[ 12 ] I will first have to touch on the fundamental principles of the matter here. You will find more precise information in full detail in various books of mine, and I will also have to discuss further details here in the coming days. My books that discuss these details are, above all, *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and *Esoteric Science*. What constitutes decades of study can only be outlined here in principle through a few guidelines. The point is that the human power of thought is developed to a greater strength and intensity than it possesses in ordinary life and in conventional science. When one exerts a muscle particularly hard during work, the strength of that muscle is increased. What is done here with an external limb is carried out, quite systematically, by the spiritual researcher with regard to the powers of the soul. He places a clearly comprehensible idea or a clearly comprehensible complex of ideas at the center of his consciousness with full awareness and full free will, and he holds his consciousness on such a clearly comprehensible idea for a time—some need longer, others shorter, depending on their abilities and their capacity for concentration.

[ 13 ] Ich bitte Sie, darauf zu achten, daß ich von einer überschaubaren Vorstellung spreche. Das ist außerordentlich wichtig. Würden wir aus unserem gewöhnlichen Erinnerungsschatze zu unserer Meditation, zu unserer Denkübung einfach etwas heraufholen, dann würden wir nicht zurechtkommen. Denn in dem, was wir da aus unserem Denkschatz heraufholen, ist vieles enthalten an Reminiszenzen, an unbewußten Lebenseindrücken, das dann wirken würde, wenn wir uns daran gedanklich üben. Nichts darf aus dem Unbewußten heraus wirken in die richtige anthroposophische Meditation hinein. Alles muß überschaubar sein. Alles muß der vollen Besonnenheit unterliegen. Daher wird auch zuweilen gefordert, und das mit Recht, daß derjenige, der in dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft selber ein Forscher werden will, sich an einen schon erfahrenen Forscher wende und sich Übungen von ihm geben lasse. Wenn wir solche Dinge üben, die wir in der einen oder anderen Weise selbst suchen, oder wenn wir sie uns geben lassen, so treten sie als etwas Neues in unser Bewußtsein ein, so wie eine Sinneserfahrung, der wir gegenüberstehen, die auch nicht aus den Tiefen unserer Seele aufrückt, sondern die eben als etwas Neues in unsere Seele eintritt. Es handelt sich nicht darum, daß wir aus dem Inhalte irgendeiner solchen Vorstellung etwas gewinnen, sondern daß sie mit der Neuheit einer Sinneserfahrung in unser Bewußtsein eintritt, und daß wir dann mit unseren Seelenkräften auf ihr verweilen. Geradeso wie wir mit dem Muskel eine Arbeit verrichten, so arbeiten wir mit den Seelenkräften, wenn wir emsig mit innerer Konzentration auf einer solchen Vorstellung verweilen. Wenn wir darauf bedacht sind, alle die Einzelheiten, die ich in meinen Büchern beschrieben habe über dieses Üben, zu beobachten, dann werden wir nicht in irgendeine Suggestion oder Autosuggestion verfallen, sondern wir werden jeden einzelnen Augenblick einer solchen Gedankenübung mit voller Entfaltung unseres Willens vornehmen. Wir werden aber nach einiger Zeit verspüren, wie wir die innere Seelenkraft verstärken, wie wir sie intensiver machen. Es braucht nicht viel Zeit für diese Übungen an einem einzelnen Tage, aber man muß diese Übungen immer wieder und wiederum wiederholen. Der eine braucht länger, der andere kann schon etwas Erhebliches erreichen in wenigen Monaten, manche brauchen Jahre. Aber im Prinzip liegt überall dasselbe vor: daß sich die Seelenkräfte, namentlich die Gedankenkräfte, durch solche Übungen innerlich verstärken. Und man gelangt endlich an einen Punkt, wo man zu dem sogenannten imaginativen Denken vorrückt.

[ 13 ] I ask you to note that I am speaking of a manageable concept. This is extremely important. If we were to simply draw upon our usual store of memories for our meditation, for our mental exercise, we would not be able to manage. For what we draw upon from our store of thoughts contains many reminiscences and unconscious impressions of life that would then come into play if we were to engage in this mental exercise. Nothing from the unconscious must influence proper anthroposophical meditation. Everything must be manageable. Everything must be subject to full self-control. That is why it is sometimes required—and rightly so—that anyone who wishes to become a researcher in this anthroposophical spiritual science should turn to an experienced researcher and have exercises given to them by that person. When we practice such things—which we seek out in one way or another on our own, or when we have them given to us—they enter our consciousness as something new, just like a sensory experience we encounter, which does not arise from the depths of our soul but rather enters our soul as something new. It is not a matter of gaining something from the content of any such image, but rather that it enters our consciousness with the novelty of a sensory experience, and that we then dwell upon it with our soul forces. Just as we perform work with a muscle, so do we work with our soul forces when we dwell diligently on such an image with inner concentration. If we are careful to observe all the details I have described in my books regarding this practice, then we will not fall into any form of suggestion or autosuggestion, but we will undertake every single moment of such a mental exercise with our will fully engaged. After some time, however, we will sense how we are strengthening our inner spiritual power, how we are making it more intense. These exercises do not take much time on any given day, but they must be repeated over and over again. Some people need more time; others can achieve significant results in just a few months; and some need years. But in principle, the same thing applies in every case: that the powers of the soul—namely, the powers of thought—are strengthened from within through such exercises. And one finally reaches a point where one advances to what is called imaginative thinking.

[ 14 ] Was sich da ausbildet, habe ich imaginatives Denken genannt aus dem Grunde, weil man allmählich bemerkt, daß das Denken aus jener Abstraktheit und jenem Intellektualismus, dem es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unterliegt, herauskommt: Es wird allmählich das rein innere Denken durchleuchtet von einer Bildhaftigkeit, durchwärmt von einer Lebendigkeit, die durchaus gleichkommen demjenigen, was wir an Lebendigkeit und Bildhaftigkeit gegenüber den äußeren Sinneseindrücken entwickeln. Das ist außerordentlich wichtig zu beachten, denn wir wissen alle, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf äußere Sinneseindrücke richten, so ist alles intensiv, es ist alles gesättigt. Wir sind mit unserem ganzen Menschen an diese äußeren Sinneseindrücke hingegeben. Wenn wir aber, nachdem wir die Aufmerksamkeit von den äußeren Sinneseindrücken abgewendet haben, uns dann dem Denken im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft überlassen, so ist dieses Denken blaß, wenig durchwärmt. Man spricht ja mit Recht von der Blaßheit des abstrakten Denkens. Und abstrakt ist fast alles Denken, das man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt. Voll gesättigt sind nur diejenigen Gedanken, die wir entwickeln in dem Momente, wo wir der äußeren Sinneswirklichkeit hingegeben sind.

[ 14 ] I have called what develops there “imaginative thinking” because one gradually notices that thinking is emerging from the abstractness and intellectualism to which it is subject in ordinary life and in ordinary science: Pure inner thinking is gradually illuminated by a vividness and warmed by a liveliness that are entirely comparable to the vividness and liveliness we develop in response to external sensory impressions. It is extremely important to note this, for we all know that when we direct our attention to external sensory impressions, everything is intense; everything is saturated. We are wholly devoted to these external sensory impressions with our entire being. But when, after turning our attention away from external sensory impressions, we then turn to thinking in ordinary life and in ordinary science, this thinking is pale and lacks warmth. People rightly speak of the pallor of abstract thinking. And almost all thinking that we develop in ordinary life and in ordinary science is abstract. Only those thoughts that we develop in the moment when we are fully absorbed in external sensory reality are fully saturated.

[ 15 ] Zu dieser Lebendigkeit, zu dieser innerlichen Gesättigtheit kommt man aber bei bloßem zunächst inneren Erleben, wenn man solche Denkübungen macht, wie ich sie angedeutet habe. Dann kommt man wirklich dazu, bildhaft, imaginativ zu denken. Man muß sich dann nur klar sein darüber, daß man zunächst in diesem imaginativen Denken nichts vor sich hat oder in sich hat, was nun schon irgendeiner äußeren geistigen Wirklichkeit entspricht. Wohl aber merkt man nach und nach die reale, die objektive Bedeutung dieses imaginativen Denkens, wenn man folgende innere Erfahrung macht.

[ 15 ] However, one arrives at this liveliness, at this inner richness, through mere inner experience at first, when one engages in the kinds of thought exercises I have described. Then one truly comes to think in a pictorial, imaginative way. One must simply be aware that, at first, in this imaginative thinking, one has nothing before oneself or within oneself that already corresponds to any external spiritual reality. However, one gradually becomes aware of the real, objective significance of this imaginative thinking when one has the following inner experience.

[ 16 ] Sie wissen alle, wie beim heranwachsenden kleinen Kinde sich das Gehirn allmählich zu dem wunderbaren Organ ausbildet, das es im Laufe des Lebens dann wird. Man kann durchaus sagen: Das Gehirn ist zunächst ein plastisches Organ, es duldet, daß die bildsamen Kräfte der Seele sich abdrücken in seinem ganzen Bau, in seinen Windungen und so weiter. Das geschieht ja in den ersten Jahren des kindlichen Lebens. Das bleibt auf einem gewissen Punkt stehen, auf dem wir ankommen durch die gewöhnliche natürliche Entwickelung des Menschen und durch die gewöhnliche Erziehung. Und mit demjenigen, was wir auf diese Weise erreichen, suchen wir dann im gewöhnlichen Leben zurechtzukommen, suchen wir uns in der gewöhnlichen Wissenschaft fortzubringen. Aber indem wir uns als Kind von Jahr zu Jahr entwickelt haben, sind wir ja immer fähiger und fähiger geworden. Dieses immer Fähiger- und Fähigerwerden, das erfährt man wiederum, wenn man nach dem imaginativen Erkennen strebt. Da erfährt man, daß man durch diejenige Tätigkeit, die ich eben als eine Tätigkeit von Denkübungen beschrieben habe, wiederum etwas in sich bearbeitet, daß man etwas, was jetzt plastisch ist, bearbeitet. Aber man fühlt auch, daß das, was man da bearbeitet — was in derselben Weise, ich möchte sagen, seelisch-geistig jetzt gefurcht wird, wie das physische Gehirn in der Kindheit gefurcht worden ist —, daß das ein Übersinnliches, ein Seelisch-Geistiges im Menschen ist, das sich abhebt vom physischen Leibe. Und man fühlt nach einiger Zeit, daß man sich ganz anders jetzt verhalten kann gegenüber den äußeren und inneren Erkenntnisgrenzen. Man hat gerade als Geistesforscher denjenigen recht zu geben, die von solchen Erkenntnisgrenzen sprechen. Man fühlt aber, daß man jetzt wirklich diese Erkenntnisgrenzen durch neuentwickelte Fähigkeiten allmählich überschreiten kann.

[ 16 ] You all know how, in a growing child, the brain gradually develops into the marvelous organ it eventually becomes over the course of a lifetime. One can certainly say: The brain is initially a malleable organ; it allows the formative forces of the soul to imprint themselves on its entire structure, its convolutions, and so on. This, of course, takes place during the first years of a child’s life. It comes to a halt at a certain point, which we reach through the ordinary natural development of the human being and through ordinary education. And with what we achieve in this way, we then seek to cope with ordinary life and to make progress in ordinary science. But as we developed from year to year as children, we became more and more capable. This process of becoming increasingly capable is experienced anew when one strives for imaginative cognition. There one discovers that through the activity I have just described as a series of thought exercises, one is once again working on something within oneself—that one is working on something that is now plastic. But one also feels that what one is working on there—which, in the same way, I would say, is now being furrowed in a soul-spiritual sense as the physical brain was furrowed in childhood—is a supersensible, soul-spiritual aspect of the human being that stands apart from the physical body. And after some time, one feels that one can now relate quite differently to the outer and inner limits of knowledge. Precisely as a researcher of the spirit, one must agree with those who speak of such limits of knowledge. But one feels that one can now truly and gradually transcend these limits of knowledge through newly developed abilities.

[ 17 ] Wenn diese innere Erfahrung, dieses innere Erlebnis gekommen ist, wenn man wirklich fühlt, du brauchst jetzt nicht bloß bei der Sinneswelt stehen zu bleiben, du erfährst etwas durch dein bildhaftes Denken, durch dein lebendiges Denken, wenn du den Sinnesteppich durchstößt, wenn du in dein Inneres hineinzuschauen versuchst, erfährst du etwas, was gewöhnliche Naturwissenschaft nicht erfährt, was gewöhnliche Mystik nur in illusionärer Weise sich vor die Seele rücken kann, wenn man dieses ehrlich als ein Ergebnis einer inneren Entwickelung erlebt, dann kann man sicher sein, daß man auf einem Wege ist, der nun wirklich nach höheren Welten hinführen kann.

[ 17 ] When this inner experience, this inner realization has come—when you truly feel that you no longer need to remain confined to the sensory world, when you experience something through your imaginative thinking, through your living thinking, when you break through the veil of the senses, when you try to look into your inner self— you experience something that ordinary natural science does not experience, something that ordinary mysticism can only present to the soul in an illusory way; if you honestly experience this as the result of inner development, then you can be certain that you are on a path that can truly lead to higher worlds.

[ 18 ] Zunächst hat man ja noch nichts Äußerliches vor sich. Man hat nur die alten Kräfte verstärkt, intensiver gemacht. Aber man merkt sehr bald, daß in dem Bewußtsein des Menschen jetzt etwas Wesentliches, etwas Wichtiges vor sich geht. Man bekommt nämlich nach und nach etwas wie eine Innenschau, die sich über das ganze bisherige Leben seit der Geburt erstreckt. Ja, dies ist die erste übersinnliche Wirklichkeit, die man erlebt: sein eigenes inneres Leben seit der Geburt in einem überschaubaren Tableau. Und es drückt sich dieses überschaubare Tableau dadurch aus, daß man mit seinem Denken in einem anderen Verhältnis zu dem ist, was man jetzt äußerlich wahrnimmt, als man früher mit seinem Denken zu dem äußerlich Gegebenen und innerlich Erlebten war.

[ 18 ] At first, there is nothing outwardly visible. One has merely strengthened the old forces, made them more intense. But one soon realizes that something essential, something important, is now taking place within one’s consciousness. Gradually, one begins to experience something like an inner vision that spans one’s entire life up to that point, from birth onward. Yes, this is the first supersensible reality one experiences: one’s own inner life since birth presented as a clear, comprehensive tableau. And this clear, comprehensive tableau is expressed by the fact that one’s thinking now stands in a different relationship to what one perceives externally than one’s thinking previously stood in relation to external realities and inner experiences.

[ 19 ] Im gewöhnlichen Leben entwickelt man das Denken. Man denkt über etwas nach. Die Gedanken sind in der Seele, sie sind subjektiv. Das andere ist objektiv, das andere ist draußen. Man fühlt seine Gedankentätigkeit getrennt von demjenigen, was draußen ist. Jetzt hat man das Tableau seines eigenen Seelenlebens seit der Geburt vor sich. Aber ich möchte sagen, die Gedanken gehen hinein in dieses Gewebe. Man fühlt sich in diesem Gewebe drinnen. Man sagt sich: Jetzt beginnst du dich selber erst wirklich zu erfassen. Du mußt deine Gedanken abgeben an dasjenige, was dir objektiv vor das Bewußtsein tritt. — Das begründet sogar eine gewisse, ich möchte sagen, schmerzliche Erfahrung zunächst bei dem anthroposophischen Geistesforscher. Solche schmerzlichen Erfahrungen muß der anthroposophische Geistesforscher mit seinen Erlebnissen in verschiedener Richtung durchmachen. Er darf sich nicht scheuen, in einer gewissen Weise innerlich Schwieriges, oftmals Schmerzliches durchzumachen. Ich werde auch darüber heute noch nach anderer Richtung hin zu sprechen haben. Jetzt aber erlebt man gegenüber diesem Lebenstableau zunächst dieses, daß man in einer Art innerer Bedrückung die eigene Wesenheit verspürt. Man verspürt sie nicht in der Leichtigkeit, mit der man sonst Gedanken, Vorstellungen hegt, mit der sonst Gefühle, Willensimpulse, Wünsche und dergleichen in uns sind, man verspürt sie wie etwas, das einen beklemmt. Kurz, man verspürt in dieser Bedrückung gerade die Realität. Hat man diese Bedrückung nicht, dann hat man doch nur ein Gedankengebilde, dann hat man doch nicht die Realität. Aber indem man in diese Bedrückung hineinträgt alles das, was man früher an frei sich entfaltenden Gedankengeweben hatte, ist man dadurch geschützt davor, mit seiner imaginativen Erkenntnis etwas zu entwickeln wie Illusionen, Visionen, Halluzinationen.

[ 19 ] In everyday life, we develop our thinking. We reflect on things. Thoughts reside in the soul; they are subjective. The other is objective; the other is out there. We feel our thought processes as separate from what is out there. Now we have before us a panorama of our own inner life since birth. But I would like to say that thoughts enter into this fabric. One feels oneself to be within this fabric. One says to oneself: Only now are you truly beginning to grasp yourself. You must surrender your thoughts to that which objectively presents itself to your consciousness. — This even gives rise to a certain, I would say, painful experience, at least initially, for the anthroposophical spiritual researcher. The anthroposophical spiritual researcher must go through such painful experiences in various ways. He must not shy away from going through, in a certain sense, inner difficulties—and often pain. I will also have to speak about this today from a different perspective. But for now, what one initially experiences in relation to this tableau of life is that, in a kind of inner oppression, one senses one’s own being. One does not perceive it with the ease with which one otherwise nurtures thoughts and ideas, or with which feelings, impulses of will, desires, and the like are usually present within us; rather, one perceives it as something that weighs heavily upon one. In short, it is precisely within this heaviness that one perceives reality. If one does not experience this heaviness, then one has merely a mental construct; one does not have reality. But by bringing into this sense of oppression everything that one previously had in the form of freely unfolding webs of thought, one is thereby protected from developing, through one’s imaginative insight, things such as illusions, visions, or hallucinations.

[ 20 ] Das ist etwas, was der anthroposophischen Geisteswissenschaft so häufig in den Weg geworfen wird. Man sagt: Mit ihren Übungen entwickelt sich ja doch nichts anderes als Vision, Halluzination. Sie bringt an die Oberfläche des Bewußtseins gewissermaßen unterdrückte Nervenkräfte, und niemand könne die Wirklichkeit desjenigen beweisen, wovon anthroposophische Geisteswissenschaft als von höheren Welten redet. Wer auch nur das beachtet, was ich heute schon gesagt habe, der wird fühlen, daß der Weg, den anthroposophische Geisteswissenschaft geht, der entgegengesetzte ist von all jenen Wegen, die zu Visionen, zu Halluzinationen oder etwa gar zu Mediumismus führen. Alles das, was zum Mediumismus, zu Halluzinationen, zu Visionen führt, das geht zuletzt doch nur hervor aus krank gewordenen Leibesorganen, die gewissermaßen ihr Geistig-Seelisches in pathologischer Weise ausatmen herauf in das Bewußtsein. Das alles liegt unterhalb der Sinnesempfindung. Dagegen dasjenige, was als imaginative Erkenntnis ausgebildet wird, liegt oberhalb der gewöhnlichen Sinneswahrnehmung, wird gerade an der Objektivität ausgebildet, nicht an dem krankhaften Inneren.

[ 20 ] This is something that is so often held against anthroposophical spiritual science. People say: Its exercises lead to nothing more than visions and hallucinations. It brings repressed nervous forces to the surface of consciousness, so to speak, and no one can prove the reality of what anthroposophical spiritual science speaks of as higher worlds. Anyone who considers even what I have already said today will sense that the path taken by anthroposophical spiritual science is the opposite of all those paths that lead to visions, hallucinations, or even mediumship. Everything that leads to mediumship, hallucinations, or visions ultimately arises only from diseased physical organs that, in a sense, exhale their spiritual-psychic content in a pathological manner upward into consciousness. All of this lies below the level of sensory perception. In contrast, what develops as imaginative knowledge lies above ordinary sensory perception; it is formed precisely through objectivity, not through the diseased inner state.

[ 21 ] Es ist daher ein vollständiges Mißverständnis, wenn man solche Pathologie demjenigen vorwirft, was als anthroposophische geistesforscherische Methode charakterisiert wird. Im Gegenteil, dadurch, daß man in völliger Freiheit des Bewußtseins das ergreift, was ich als imaginative Erkenntnis geschildert habe, gelangt man dazu, alles Halluzinatorische, alles Mediumistische als solches zu durchschauen. Niemand wird strenger abweisen alle derartigen Psychopathien, als gerade derjenige, der nun nicht weiter sein Seelisches hineingedrängt hat in den Leib, wie der Halluzinierende, sondern der sein Seelisches durch die geschilderten Anstrengungen aus dem Leibe gerade herausgezogen hat, der auf der einen Seite nun dazu gekommen ist, sein eigenes Leben bis zu der Geburt hin zunächst in einem solchen Tableau zu überschauen.

[ 21 ] It is therefore a complete misunderstanding to accuse what is characterized as the anthroposophical method of spiritual research of such pathology. On the contrary, by grasping—with complete freedom of consciousness—what I have described as imaginative knowledge, one comes to see through everything hallucinatory and everything mediumistic for what it is. No one will reject all such psychopathologies more strictly than precisely the person who has not pushed his or her soul further into the body, as the hallucinator does, but who has, through the efforts described, drawn his or her soul right out of the body—the person who has now, on the one hand, come to survey his or her own life back to the moment of birth in such a tableau.

[ 22 ] An dem, was ich eben als Realität bezeichnet habe, merkt man, daß man jetzt wirklich ergriffen hat, was nun nicht bloße Gedanken, sondern was die lebendigen Kräfte sind, die, seit wir im Erdenleben weilen, an dem Aufbau unseres Organismus mitgearbeitet haben. Was sich als Imagination so auftut, ist nichts anderes als die Summe der Kräfte, durch die wir wachsen, die Summe der Kräfte, die auch in unserer Ernährung wirken. Daher nennt anthroposophische Geisteswissenschaft dasjenige, was auf diese Weise als ein übersinnlich im Menschen Wirkendes entdeckt wird, den Ätherleib oder Bildekräfteleib. Sie sehen: Auf eine ganz systematische Weise entdeckt man ein höheres Glied der menschlichen Wesenheit, dasjenige, was als übersinnliches Glied zunächst arbeitet an der Gestaltung unseres Erdenleibes. Und daran, daß man sich in dem, was einem da als Tableau entgegentritt, nicht bewegt wie in gewöhnlichen Gedanken, sondern so, daß man an der Bedrückung gerade die Realität verspürt, dadurch merkt man: Was du da innerlich schaust, ist dasselbe, was sonst unbewußt in deinem Organismus tätig ist.

[ 22 ] From what I have just referred to as reality, one can see that one has now truly grasped not mere thoughts, but rather the living forces that have been working to build up our organism ever since we began our earthly life. What unfolds in this way as imagination is nothing other than the sum of the forces through which we grow—the sum of the forces that are also at work in our nutrition. That is why anthroposophical spiritual science calls that which is discovered in this way as a supersensible force at work within the human being the etheric body or body of formative forces. You see: in a completely systematic way, one discovers a higher aspect of the human being—that which, as a supersensible aspect, initially works to shape our earthly body. And the fact that, in what appears before you as a tableau, you do not move as you would in ordinary thoughts, but rather sense reality precisely in the oppressive feeling—this is how you realize: What you are seeing inwardly is the very same thing that is otherwise at work unconsciously in your organism.

[ 23 ] Es ist nichts phantastisch Ersonnenes, was die anthroposophische Geisteswissenschaft als übersinnlichen Äther- oder Lebensleib anspricht. Es ist nicht die hypothetische alte Lebenskraft, die mit Recht von der Wissenschaft verlassen worden ist, es ist etwas, was sich in ganz realer Anschauung ergibt, was eine Wirklichkeit wird für das verstärkte VorstelJungsleben, das entwickelt worden ist, wie die äußere Sinneswelt eine Wirklichkeit ist. Und nicht nebulose mystische Entwickelungen sind es, die uns zu dieser Wirklichkeit bringen, sondern die Verstärkung, die Erkraftung des ganz normalen Denkvermögens, das nur hinausgeführt wird zu einem freien, rein geistig-seelischen Ich. Das ist es, was uns diese erste höhere Wirklichkeit vor die Seele bringt.

[ 23 ] What anthroposophical spiritual science refers to as the supersensible etheric or life body is not some fantastical construct. It is not the hypothetical “old life force” that science has rightly abandoned; it is something that emerges from a very real perception, something that becomes a reality for the heightened power of imagination that has been developed, just as the external sensory world is a reality. And it is not nebulous mystical speculations that lead us to this reality, but rather the strengthening and invigoration of our entirely normal faculty of thought, which is simply extended outward toward a free, purely spiritual-psychic “I.” This is what brings this first higher reality before our soul.

[ 24 ] Wir müssen aber, da wir auf der einen Seite zunächst eigentlich nichts anderes als unser eigenes Lebendiges in der Zeitenfolge wie ein Tableau überblicken als Erdenmensch, wir müssen weiterkommen auf dem Wege zu den übersinnlichen Welten. Das geschieht, indem wir wiederum durch Übungen weitere in der Seele schlummernde Kräfte heraufholen. Es gibt im menschlichen Leben, wie Sie wissen, nicht nur das Erinnern, also das Festhalten von Vorstellungen, sondern es gibt auch das Vergessen. Das Vergessen wird uns im gewöhnlichen Leben zu unserem Leidwesen oftmals leicht. Aber gerade derjenige, der viel in Gedanken lebt, wird wissen, daß Gedanken einen auch plagen können, daß es Mühe gibt, die Gedanken ganz zu unterdrücken. Das wird insbesondere zu einer großen Mühe, wenn wir in dieser systematischen Weise, wie ich es beschrieben habe, meditieren, wenn wir das innere tiefe Denken entwickeln. Wenn wir so gewisse Vorstellungen in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken und die Kräfte des Vorstellens verstärken, dann wollen die Vorstellungen nicht gleich wieder fort. Sie bedrücken uns. Sie lassen sich nur unterdrücken, wenn wir uns wiederum ganz systematisch darin üben. Wir müssen gewissermaßen, wenn ich mich etwas paradox ausdrücken darf, künstlich das Vergessen, das Unterdrücken von Vorstellungen, die da sein wollen, üben.

[ 24 ] However, since, as earthly human beings, we initially see nothing more than our own living being unfolding in the sequence of time like a tableau, we must progress further along the path to the supersensible worlds. This happens when, through exercises, we awaken further powers that lie dormant within the soul. As you know, human life involves not only remembering—that is, retaining mental images—but also forgetting. In everyday life, to our regret, forgetting often comes easily to us. But precisely those who live deeply in their thoughts will know that thoughts can also torment us, and that it takes effort to suppress them entirely. This becomes a particularly great struggle when we meditate in the systematic way I have described, when we develop deep inner thinking. When we bring certain images to the center of our consciousness in this way and strengthen the powers of imagination, those images do not want to fade away immediately. They weigh on us. They can only be suppressed if we, in turn, practice this quite systematically. In a sense—if I may express myself somewhat paradoxically—we must artificially practice forgetting, suppressing the images that insist on being there.

[ 25 ] Wiederum habe ich im einzelnen in den genannten Büchern viele Übungen geschildert, durch die wir diese Kraft verstärken, welche die Vorstellung unterdrückt. Dann kommen wir dahin, wenn wir lange Zeit solche Übungen im Unterdrücken von Vorstellungen machen, das Bewußtsein bei vollem Wachen ganz leer zu machen. Es ist damit nicht etwas so Unwesentliches gesagt, wie man gewöhnlich glauben könnte. Die meisten Menschen zunächst, die im gewöhnlichen Leben drinnen stehen, wenn sie versuchen, ihr Bewußtsein ganz leer zu machen, schlafen nach einiger Zeit ein. Nun ist das Bewußtsein noch schwerer leer zu machen, wenn man zuerst es durch Meditation mit verstärkten Vorstellungen angefüllt hat. Allein man muß sich darin üben. Und dadurch gelangt man allmählich dahin, nicht nur einzelne Vorstellungen zu unterdrücken, nicht nur gegenüber denselben das Bewußtsein leer zu machen, sondern man gelangt allmählich durch immerwährende Anstrengungen dazu, das ganze Tableau des bisherigen Lebens, von dem ich gesprochen habe, aus dem Bewußtsein herauszubringen. Es ist fast das ganze Leben wie in einem, ich möchte sagen, zur Zeit gewordenen Raume oder in einer zum Raum gewordenen Zeit. Es ist das ganze Tableau des bisherigen Lebens vor uns. Wir erlangen allmählich durch die angedeuteten Übungen die Fähigkeit, dieses ganze Tableau aus dem Bewußtsein auszulöschen, nachdem wir dieses Tableau gehabt haben, das Bewußtsein leer zu machen und doch zu wachen. Dieses ist eine sehr wichtige Etappe auf dem Wege zur Wirklichkeit der höheren Welten. Denn wenn wir in dieser Weise dazu kommen, unser Bewußtsein völlig leer zu machen, nachdem wir es zuerst mit unserem eigenen Lebenstableau, mit der Anschauung unseres Ätherleibs angefüllt hatten, dann stehen wir nicht vor einem Nichts. Dann können wir zwar erkennen, daß alles das, was Sinneswelt ist, nun nicht um uns herum da ist — so wenig ist die Sinneswelt jetzt um uns herum da, wie sie da ist im tiefen traumlosen Schlafe—, aber eine Welt, die wir bisher nicht gekannt haben, taucht auf, eine Welt übersinnlicher Wesen und übersinnlicher Vorgänge. Die entdecken wir, nachdem wir unser eigenes Lebenstableau erst aus dem Bewußtsein herausgeschafft haben. Es ist einfach absurd, gegenüber dem, was da auftaucht nach diesen Anstrengungen, davon zu sprechen, daß es bloße Lebensreminiszenzen, daß es Illusionen sein könnten. Wer das in Realität erlebt, der weiß — ebenso wie er gegenüber der äußeren Sinneswirklichkeit weiß, daß er eben eine Wirklichkeit vor sich hat — durch das unmittelbare Leben, daß er eben eine solche Wirklichkeit vor sich hat.

[ 25 ] Once again, I have described in detail in the books mentioned many exercises through which we can strengthen this power that suppresses mental images. Then, if we practice such exercises in suppressing mental images for a long time, we reach the point where we can completely empty our consciousness while fully awake. This is not as trivial a matter as one might ordinarily suppose. Most people, at first, who are immersed in ordinary life, fall asleep after a while when they try to make their consciousness completely empty. Now, it is even more difficult to empty the consciousness if one has first filled it with intensified mental images through meditation. But one must practice this. And through this practice, one gradually arrives not only at suppressing individual images, not only at emptying one’s consciousness of them, but through constant effort, one gradually succeeds in removing from consciousness the entire tableau of one’s life up to this point, of which I have spoken. It is almost as if one’s entire life were contained within—I would say—a space that has become time, or a time that has become space. The entire tableau of one’s life up to this point lies before us. Through the exercises I have described, we gradually acquire the ability to erase this entire tableau from our consciousness; after having held this tableau, we learn to empty our consciousness and yet remain awake. This is a very important stage on the path to the reality of the higher worlds. For when we come to completely empty our consciousness in this way—after first having filled it with the tableau of our own life and with the vision of our etheric body—we do not find ourselves facing nothingness. Then we can indeed recognize that everything that constitutes the sensory world is no longer present around us—the sensory world is now just as absent from our surroundings as it is during deep, dreamless sleep—but a world we have not known until now emerges: a world of supersensory beings and supersensory processes. We discover this only after we have first removed the tableau of our own life from our consciousness. It is simply absurd, in the face of what emerges after these efforts, to speak of it as mere reminiscences of life or as possible illusions. Anyone who experiences this in reality knows—just as they know, when faced with external sensory reality, that they are indeed facing a reality—through direct experience that they are indeed facing such a reality.

[ 26 ] Das Wesentliche bei diesem allem aber ist, daß wenn der Mensch zum Halluzinierenden, zum Visionsmenschen wird, er dann sein gewöhnliches Bewußtsein verliert. Der Halluzinierende lebt in seinen Halluzinationen. Seine gewöhnliche Besonnenheit ist nicht mehr da. Derjenige, der in solcher Weise sich ausbildet, wie ich es beschrieben habe, verliert nichts von seinem gesunden Menschenverstand, er verliert nichts von seiner gewöhnlichen Besonnenheit. All dasjenige, was er früher hatte, bleibt ihm, und er kann von dem Anblicke der neuen Welten, der übersinnlichen Welten, die jetzt vor ihm auftauchen, immer zurückblicken. Wie man auf seine Erinnerungen zurückblickt, kann er immer zurückblicken zu dem, was er im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft seinem Bewußtsein einverleiben kann. Daher kann der also sich Ausbildende sein bewußtes Denken, sein ganz vom Willen durchdrungenes Denken in die ganze Wahrnehmung der übersinnlichen Welt hineintragen. Er kann über diese übersinnliche Welt verstandesmäßig, vernunftgemäß so sprechen, wie man sonst über die Sinneswelt in der gewöhnlichen Wissenschaft spricht. Da er diese höheren Welten mit dem gewöhnlichen Verstande, mit der gewöhnlichen wissenschaftlichen Methode beschreibt, so kann ihm jeder folgen, auch wenn er kein Geistesforscher, kein forschender Anthroposoph geworden ist, sondern einfach seinen gesunden Menschenverstand Kritik üben läßt. Weil der anthroposophische Forscher diesen gesunden Menschenverstand in alle Erkenntnis der höheren Welten hineinträgt, braucht man kein Geistesforscher zu sein, um seine Mitteilungen zu verstehen. Wenn man die Mitteilungen des Geistesforschers entgegennimmt, so müssen sie einem in solchen Formen entgegentreten, daß der gesunde Menschenverstand sie verfolgen kann. Das gilt nicht nur vom imaginativen Denken, durch das einem ja zunächst nur erst das Erdenleben auftritt, sondern das gilt auch bis zu der Stufe des Erkennens, von der ich eben jetzt gesprochen habe, und die ich in meinen Büchern das inspirierte Erkennen genannt habe.

[ 26 ] The essential point in all of this, however, is that when a person becomes a hallucinationist—a visionary—he loses his ordinary consciousness. The hallucinationist lives within his hallucinations. His usual level-headedness is no longer present. The person who develops in the way I have described loses none of his common sense; he loses none of his usual level-headedness. Everything he had before remains with him, and he can always look back from the sight of the new worlds—the supersensible worlds—that now appear before him. Just as one looks back on one’s memories, he can always look back to what he can incorporate into his consciousness in ordinary life and in ordinary science. Therefore, the person developing in this way can carry his conscious thinking—his thinking, which is entirely permeated by the will—into the entire perception of the supersensible world. He can speak about this supersensible world in an intellectual, rational manner, just as one otherwise speaks about the sensory world in ordinary science. Since he describes these higher worlds using ordinary intellect and the ordinary scientific method, anyone can follow him—even if they have not become a spiritual researcher or an active anthroposophist, but simply allow their common sense to exercise critical judgment. Because the anthroposophical researcher brings this common sense to bear on all knowledge of the higher worlds, one need not be a spiritual researcher to understand his communications. When one receives the communications of the spiritual researcher, they must be presented in such a way that common sense can follow them. This applies not only to imaginative thinking—through which, after all, only earthly life first presents itself to us—but it also applies up to the level of knowledge I have just spoken of, and which I have called “inspired knowledge” in my books.

[ 27 ] Ich bitte, sich an solchen Ausdrücken nicht zu stoßen. Es ist nichts Abergläubisches oder Althergebrachtes damit gemeint, sondern allein dasjenige, was ich beschreibe. Inspiriertes Erkennen nenne ich es deshalb, weil in der Tat gerade so, wie aus der Außenwelt als ein Reales die Luft in unseren Atmungsorganismus hereinkommt, so jetzt die übersinnliche Welt in die gewöhnliche Seelenwelt hereinkommt. Wir sind, indem wir einem solchen inspirierten Erkennen als Geistesforscher hingegeben sind, in der folgenden Lage. Wir gehen zunächst aus von der gewöhnlichen Seelenverfassung. Nachdem wir uns zuerst die Fähigkeit angeeignet haben, das Bewußtsein leer zu machen, können wir, wo wir auch stehen, in der Zeit oder im Raume, was wir auch in unserem Bewußtsein haben, die Möglichkeit herbeiführen, das Bewußtsein leer zu machen. Von gewissen Ausgangspunkten aus erscheint uns dann irgend etwas von dem Wesen, von den Vorgängen der übersinnlichen Welt. Wie eine Einatmung, eine Inspiration ist dieses. Die geistige Welt wird hereingeatmet in die gewöhnliche Welt. Und wiederum müssen wir die Stärke haben, das gewöhnliche Bewußtsein herzustellen, zu urteilen vom gewöhnlichen Bewußtsein aus über diese geistige Welt. Es ist ein fortwährendes Aus- und Einatmen der geistigen Welt, ein immer wiederkehrendes Herankommen an das gewöhnliche Bewußtsein, das den Menschen eben auch gegenüber diesen geistigen Welten voll besonnen macht.

[ 27 ] Please do not take offense at such expressions. They do not imply anything superstitious or antiquated, but refer solely to what I am describing. I call it “inspired insight” because, just as air from the external world enters our respiratory system as a real entity, so too does the supersensible world now enter the ordinary soul world. As spiritual researchers devoted to such inspired insight, we find ourselves in the following situation. We begin with the ordinary state of the soul. Once we have first acquired the ability to empty our consciousness, we can—no matter where we are in time or space, or whatever we have in our consciousness—bring about the possibility of emptying our consciousness. From certain starting points, something of the nature and processes of the supersensible world then appears to us. This is like an inhalation, an inspiration. The spiritual world is breathed into the ordinary world. And in turn, we must have the strength to restore ordinary consciousness and to judge this spiritual world from the perspective of ordinary consciousness. It is a continuous exhalation and inhalation of the spiritual world, a constant return to ordinary consciousness, that makes human beings fully level-headed even in the face of these spiritual worlds.

[ 28 ] Daß der Ausdruck Inspiration berechtigt ist, mag hervorgehen aus etwas, das ich nur zum Vergleich heranziehen möchte. Der heutige Geistesforscher ist nicht in der Lage, in derselben Weise zu den übersinnlichen höheren Welten vorzudringen, wie vordrangen Völker früherer, namentlich menschlicher Urzeiten. Die Art und Weise, wie orientalische Völker vorgedrungen sind zu den höheren Welten, ist überliefert und wird in dekadenter Form noch vielfach heute in Asien drüben, bei einer anderen Leibesorganisation, bei einer anderen Körperkonstitution geübt als Joga-Übung. Das ist nichts, was man im Abendlande zu unserem Heile aufnehmen kann. Das läuft instinktiv, unbewußt ab, während all dasjenige, was ich geschildert habe, bei vollem Bewußtsein, mit vollem Willen abläuft. Dennoch können wir aber in gewisser Weise etwas lernen an der Art und Weise, wie man in früheren instinktiven Zeitaltern der Menschheitsentwickelung zu den höheren Welten und ihren Wirkungen aufsteigen wollte. In den Joga-Übungen suchte der alte Inder sein Atmen zu regeln, nicht in der gewöhnlichen Weise zu atmen, sondern in einer geregelten, geordneten oder besser gesagt, umgeordneten Weise zu atmen, in einer Weise zu atmen, die ihm zum Bewußtsein kam, bei der er immer dabei war mit seinem Bewußtsein, während das gewöhnliche Atmen ja durchaus unbewußt als ein bloßer organischer Prozeß abläuft. Indem erlebt wurde dieser Rhythmus: Einatmen-Ausatmen, Einatmen-Ausatmen, lebte sich der Joga-Schüler in den Weltenrhythmus ein, und in dem physischen Rhythmus des Atmens lebte er sich ein in den geistigen Rhythmus des Einatmens der geistigen Welten, des Wiederausatmens der geistigen Welten, wie ich das eben als für unsere abendländische Zivilisation geeignet auch beschrieben habe. Man lebt sich in der Tat in einen Rhythmus ein. Dasjenige Dasein, das man sonst als Erdendasein hat, das kann gewissermaßen fortwährend inspiriert und wieder inspiriert werden gegenüber einer übersinnlichen, höheren Welt. Welches ist diese übersinnliche höhere Welt?

[ 28 ] That the term “inspiration” is justified may become clear from something I would like to mention merely by way of comparison. Today’s spiritual researcher is not able to penetrate the supersensible higher worlds in the same way that peoples of earlier times—particularly in prehistoric times—were able to do. The manner in which Eastern peoples penetrated the higher worlds has been handed down and is still widely practiced today in Asia—albeit in a decadent form—as yoga, adapted to a different physical constitution and bodily structure. This is not something we in the West can adopt for our own benefit. That process occurs instinctively, unconsciously, whereas everything I have described takes place with full consciousness and with full will. Nevertheless, we can, in a certain sense, learn something from the way in which, in earlier, instinctive ages of human development, people sought to ascend to the higher worlds and their effects. In yoga exercises, the ancient Indian sought to regulate his breathing—not to breathe in the ordinary way, but in a regulated, orderly, or rather, reorganized manner—in a way that came to their conscious awareness, in which they were always present with their consciousness, whereas ordinary breathing takes place entirely unconsciously as a mere organic process. By experiencing this rhythm: inhaling—exhaling, inhaling—exhaling, the yoga student attuned himself to the rhythm of the world; and through the physical rhythm of breathing, he attuned himself to the spiritual rhythm of inhaling the spiritual worlds and exhaling the spiritual worlds, as I have just described as suitable for our Western civilization. One does indeed attune oneself to a rhythm. The existence that one otherwise has as an earthly existence can, in a sense, be continually inspired and re-inspired in relation to a supersensible, higher world. What is this supersensible, higher world?

[ 29 ] Man hat vorher durch das imaginative Anschauen dasjenige erkennen gelernt, was in einem arbeitet als Äther- oder Bildekräfteleib während des Erdendaseins. Diesen Äther- oder Bildekräfteleib hat man unterdrückt. Man hat eine neue Welt entdeckt. Insofern man in dieser neuen Welt lebt, ist die Sinneswelt nicht da. Sie ist nur wie eine Erinnerung da, wie ich ausgeführt habe. Aber in der neuen Welt, die man entdeckt, entdeckt man eine höhere Wirklichkeit, diejenige Wirklichkeit, die nun den Äther- oder Bildekräfteleib wiederum so durcharbeitet, durchdringt, wie dieser Äther- oder Bildekräfteleib den physischen Leib durchdringt. Wiederum spricht anthroposophische Geisteswissenschaft nicht aus einer Phantastik heraus, sondern aus streng systematisch eingeschlagenen Wegen in die höheren Wirklichkeiten, von dem astralischen Leibe des Menschen, der in dieser Weise entdeckt wird, und der den ätherischen oder Bildekräfteleib durchdringt, der aber in anderen Welten lebt. Und wenn man prüft die Welten, in denen dieser astralische Leib mit dem Ich lebt, so wie ich körperlich unter den Sinnesdingen lebe, dann entdeckt man die geistig-seelische Welt, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist, indem er sich durch die Geburt, oder sagen wir, durch die Empfängnis mit der physischen Materie, die ihm Vater und Mutter gegeben haben, verbindet. Man entdeckt den ewigen, unsterblichen Wesenskern des Menschen durch unmittelbare Anschauung, zu der man sich durchgerungen hat, und die geprüft werden kann von dem gesunden Menschenverstand durch die Gründe, die ich angeführt habe.

[ 29 ] Through imaginative contemplation, one has previously come to recognize that which works within one as the etheric or formative body during one’s earthly existence. This etheric or formative body has been suppressed. A new world has been discovered. To the extent that one lives in this new world, the sensory world is not present. It exists only as a memory, as I have explained. But in the new world that one discovers, one discovers a higher reality—the reality that now works through and permeates the etheric or formative body in the same way that this etheric or formative body permeates the physical body. Once again, anthroposophical spiritual science does not speak from a realm of fantasy, but from strictly systematic paths into the higher realities—from the human astral body, which is discovered in this way and which permeates the etheric or formative body, yet lives in other worlds. And when one examines the worlds in which this astral body lives together with the “I,” just as I live physically among sensory objects, one discovers the spiritual-soul world from which the human being has descended by connecting, through birth—or, let us say, through conception—with the physical matter provided by the father and mother. One discovers the eternal, immortal core of the human being through direct perception, which one has struggled to attain, and which can be verified by sound reason on the grounds I have cited.

[ 30 ] Es wird einem heute ganz besonders übel genommen, wenn man nicht im allgemeinen, wie etwa der Pantheist, spricht von einer verschwommenen Geisteswelt, die alles durchdringe, sondern wenn man aufsteigt zu der besonderen Beschreibung einer geistig-seelischen Welt, aus der wir heruntergestiegen sind durch die Geburt zum physischen Dasein, zu der wir wieder hinaufsteigen, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, die wir also als Wirklichkeit, nicht durch Spekulation, nicht durch nebulose mystische Empfindung, sondern durch streng geregelte Anschauung entdekken. Es wird einem übel genommen, wenn man diese Welten beschreibt, wie ich es zum Beispiel getan habe in meiner «Geheimwissenschaft». Ich möchte mich durch einen einfachen Vergleich verständlich machen, wie man wirklich diese Welten beschreiben kann. Wenn Sie auf die gewöhnliche Erinnerung und das gewöhnliche Gedächtnis schauen, was erleben Sie dann da? Sie haben dies oder jenes durchgemacht im Leben. Was längst vorbei ist, was längst keine äußere Realität mehr ist, das steht im Bilde in der Erinnerung vor Ihnen. Von diesem Bild aus konstruieren Sie sich das Erlebnis wıederum. Es ist aus der Außenwelt in Sie eben gewissermaßen hineingewandert, ist Seeleninhalt geworden. Aus unserem Seeleninhalt heraus konstruieren wir uns in jedem Augenblick die ganze Erinnerungswelt, die Welt der äußeren Erlebnisse, in die wir hineinverstrickt worden sind. Das Innere wird begriffen, wird ergriffen, wird erfaßt im Vorstellungs-, im Gemüts-, im Willensleben. Indem man das Innere erfaßt, zaubert sich die äußere Welt der Erlebnisse vor die Seele. Was aber erfaßt man durch Imagination, Inspiration?

[ 30 ] Today, people take particular offense when one does not speak in general terms—as, for example, a pantheist might—of a vague spiritual world that permeates everything, but rather when one rises to a specific description of a spiritual -psychic world from which we have descended through birth into physical existence, and to which we ascend again by passing through the gate of death—a world we thus discover as reality, not through speculation, not through nebulous mystical feeling, but through strictly regulated intuition. People take offense when one describes these worlds, as I have done, for example, in my *The Secret Science*. I would like to make myself understood through a simple comparison to illustrate how these worlds can truly be described. When you look at ordinary recollection and ordinary memory, what do you experience there? You have gone through this or that in life. What is long past, what has long ceased to be an external reality, stands before you as an image in your memory. From this image, you reconstruct the experience for yourself. It has, so to speak, migrated from the external world into you and become part of your soul’s content. From the content of our souls, we reconstruct for ourselves at every moment the entire world of memory—the world of external experiences—in which we have become entangled. The inner world is grasped, taken in, and comprehended in the life of the imagination, the life of the emotions, and the life of the will. By grasping the inner world, the outer world of experiences conjures itself before the soul. But what is grasped through imagination and inspiration?

[ 31 ] Man erfaßt nicht bloß dasjenige, was man im Erdenleben aufgenommen hat, man erfaßt den ganzen Menschen. Man lernt erkennen, wie in allen menschlichen Organen der Bildekräfteleib arbeitet und durch das ganze Leben hindurch ein einheitlicher bleibt. Man lernt erkennen, wie der astralische Leib in einer geistig-seelischen Welt vor der Geburt und der Empfängnis unseren ewigen Wesenskern trägt, wie er in uns eindringt, wie er in uns arbeitet. Der Mensch wird sozusagen ganz durchsichtig. Sein Physisches lernt er erkennen als Wirkung des Geistigen. Geradeso wie wir in unsere Erinnerung hereinschauen, unser Erdenleben uns vorkonstruieren, so können wir, wenn wir jetzt tiefer in unser Inneres hineinschauen, wenn wir nicht nur dasjenige in uns erfassen, was wir durch unser Erdenleben hindurch geistig-seelisch in uns gelegt haben, sondern wenn wir erfassen, wie wir in unseren Organen konstruiert sind, wie unser Ätherleib, wie unser astralischer Leib, wie unser Ich einverwebt ist diesem physischen Leib. Wir können uns schauend ebenso hinausversetzen, wie durch die Erinnerung in unseren Ätherleib, in die großen kosmischen, in die Welterlebnisse. Denn der Mensch war bei allem dabei, was sich in der Welt, mit der er verbunden ist, geistig und seelisch und physisch abgespielt hat. Er kann, wenn er sich selbst in der geschilderten Weise durchschaut, in der Selbstschau erkennen, durch welche Ereignisse er geschichtlich sich heraufentwickelt hat, durch welche Ereignisse das ganze menschliche Wesen im Kosmos sich entwickelt hat.

[ 31 ] One does not merely perceive what one has absorbed during one’s earthly life; one perceives the whole human being. One learns to recognize how the body of formative forces works in all human organs and remains a unified whole throughout one’s entire life. One learns to recognize how the astral body, in a spiritual-soul world prior to birth and conception, carries our eternal core of being, how it enters into us, and how it works within us. The human being becomes, so to speak, completely transparent. One learns to recognize one’s physical body as an effect of the spiritual. Just as we look into our memories and reconstruct our earthly life, so too, when we now look deeper into our inner being—not merely grasping what we have spiritually and psychologically imbued within ourselves throughout our earthly life, but also understanding how we are structured within our organs, how our etheric body, our astral body, and our “I” are interwoven with this physical body— We can also project ourselves outward through contemplation, just as we do through memory, into our etheric body, into the great cosmic experiences, into the experiences of the world. For human beings have been present in everything that has unfolded spiritually, psychically, and physically in the world with which they are connected. If they look within themselves in the manner described, they can recognize through self-observation the events through which they have historically evolved, and the events through which the entire human being has developed within the cosmos.

[ 32 ] Wer diesen Gedanken in seiner vollen Tragweite erfaßt, wird es nicht mehr absonderlich finden, daß ich in meiner «Geheimwissenschaft» geschildert habe, wie der Mensch in seinen ursprünglichen Gestaltungen nicht nur mit der Erde verbunden war, sondern mit planetarischen Welten, die als ältere Metamorphosen der Erde vorangegangen sind, wie man durch dasjenige, was im Menschen veranlagt ist, durchschauen kann, daß die Erde wiederum in andere planetarische Zustände sich verwandeln wird, wie man das nicht bloß durchschauen kann vom Menschen aus, sondern wie man wirklich in höhere Welten dadurch eindringt, und die gewöhnlichen Welten, die um uns als Erdenmenschen sich ausbreitenden Welten, als Wirkung höherer geistiger Welten, übersinnlicher Welten erkennen kann. Man muß sich nur bekannt machen mit all den Anstrengungen, die anthroposophische Geisteswissenschaft durchmacht, um zu diesen Resultaten zu kommen. Es ist oftmals der Glaube vorhanden, daß aus irgendwelchen Einfällen heraus, aus subjektiven Verstandeserwägungen oder gar aus Phantasmen dasjenige erzählt wird, was anthroposophische Geistesforschung über die Wirklichkeit höherer Welten vorbringt. Es ist nicht so. Klinische Forschung, Sternwartenforschung muß man im einzelnen lernen. Es ist schwer. Dasjenige aber, was in dieser Weise innerlich, ich möchte sagen, innerlich experimentierend vom Menschen erobert wird, um zu der Anschauung höherer Welten zu kommen, es ist noch schwerer. Es erfordert noch mehr Hingabe, mehr Sorgfalt, mehr innere Gewissenhaftigkeit und Methodik. Und was hier im ernsten und ehrlichen Sinne als Geisteswissenschaft geschildert wird, ist weit verschieden von dem, was landläufig als Okkultismus, als Mystik und dergleichen auftritt. Wie sich die Wissenschaft zum Aberglauben verhält, so verhält sich diese Geisteswissenschaft zu dem landläufigen Okkultismus, der durch allerlei Medien oder durch allerlei laienhaftes Sammeln von äußerlichen, überraschenden Tatsachen zu seinen Erkenntnissen kommen will. Diese besondere Form des modernen Aberglaubens, sie wird durch nichts sicherer überwunden als durch die ernste und ehrliche Geistesforschung, die ihre durchaus gewissenhaften Methoden ausbildet.

[ 32 ] Anyone who grasps the full significance of this idea will no longer find it strange that I have described in my *Secret Science* how human beings, in their original forms, were connected not only to the Earth but also to planetary worlds that preceded it as earlier metamorphoses of the Earth, and how, through what is inherent in human beings, can perceive that the Earth will in turn transform into other planetary states; how one can not only perceive this from the perspective of the human being, but how one can truly penetrate into higher worlds through it, and recognize the ordinary worlds—the worlds that extend around us as Earth-dwellers—as the effects of higher spiritual worlds, supersensible worlds. One need only familiarize oneself with all the efforts that anthroposophical spiritual science undergoes to arrive at these results. There is often a belief that what anthroposophical spiritual research presents about the reality of higher worlds is derived from mere whims, from subjective intellectual considerations, or even from fantasies. This is not the case. One must learn clinical research and astronomical research in detail. It is difficult. But what is attained in this way inwardly—I would say, through inner experimentation—in order to arrive at a vision of higher worlds, is even more difficult. It requires even greater dedication, greater care, greater inner conscientiousness, and greater methodical rigor. And what is described here in a serious and honest sense as spiritual science is far removed from what is commonly regarded as occultism, mysticism, and the like. Just as science stands in relation to superstition, so does this spiritual science stand in relation to popular occultism, which seeks to arrive at its insights through all manner of mediums or through all manner of amateurish collection of external, surprising facts. This particular form of modern superstition is most surely overcome by nothing other than serious and honest spiritual research, which develops its thoroughly conscientious methods.

[ 33 ] Und wenn der Mensch in dieser Weise zum inspirierten Erkennen und damit zu der Anschauung derjenigen Welt gekommen ist, die er verlassen hat mit der Geburt oder mit der Konzeption, und die er wiederum nach dem Tode betritt, wenn der Mensch in diese Welten eintritt, dann erfährt er wiederum innerlich etwas, was, wenn es im Abglanze im gewöhnlichen Bewußtsein erscheint — und alles Übersinnliche erscheint ja irgendwie als sehr unbestimmte Gefühle oder dergleichen im gewöhnlichen Bewußstein —, ihm als Pessimismus erscheint. Was der Geistesforscher durch inspiriertes Erkennen erlebt, erscheint ihm als Pessimismus. Warum als Pessimismus? Weil der Geistesforscher in der Tat, indem er in diese höheren Welten eintritt, schon etwas empfindet wie tiefen Schmerz, wie umfassende Entbehrung. Nun muß man gerade durch diejenigen Übungen, die ich ja in meinen Büchern schildere, gewappnet sein, vorbereitet sein dazu, aufrecht, wacker diesen Schmerz zu ertragen. Was ist es denn für ein Schmerz? Man lernt diesen Schmerz als eine Realität erkennen. Dieser Schmerz, der eigentlich eine intensive Sehnsucht ist, nichts anderes ist er, als das Erleben der Kraft, durch welche die Seele aus den geistigen Welten durch die Geburt ins physische Dasein tritt. Die letzten Zeiten, welche die Seele durchmacht, um, nachdem sie in geistigen Welten gelebt hat, ins physische Dasein herunterzusteigen, erlebt die Seele als Sehnsucht nach der physischen Welt. Diese Sehnsucht erlebt man als Schmerz nach. Und gerade, daß man nicht nur abstrakt theoretisch etwas erlebt in der Geisteswissenschaft, sondern daß man mit seinem ganzen Menschen, mit Fühlen und Wollen in Geisteswissenschaft drinnen steht, das macht das Wesentliche dieses Weges in die höheren Welten aus.

[ 33 ] And when a person has attained, in this way, inspired insight and thus a vision of the world they left behind at birth or at conception, and which they will enter again after death—when a person enters these worlds, they experience something inwardly that, when it appears as a reflection in ordinary consciousness—and everything supersensible does indeed appear in ordinary consciousness as very vague feelings or the like—seems to them to be pessimism. What the spiritual researcher experiences through inspired insight appears to him as pessimism. Why as pessimism? Because the spiritual researcher, in fact, upon entering these higher worlds, already feels something like deep pain, like all-encompassing deprivation. Now one must be armed and prepared—precisely through the exercises I describe in my books—to endure this pain with dignity and fortitude. What kind of pain is it, then? One learns to recognize this pain as a reality. This pain, which is actually an intense longing—it is nothing other than the experience of the force through which the soul passes from the spiritual worlds into physical existence through birth. The soul experiences the final stages it undergoes—after having lived in the spiritual worlds—to descend into physical existence as a longing for the physical world. One experiences this longing as pain. And it is precisely the fact that one does not merely experience something abstractly and theoretically in spiritual science, but that one is fully immersed in spiritual science with one’s whole being—with feeling and will—that constitutes the essence of this path into the higher worlds.

[ 34 ] Das Theoretisieren genügt nicht, um den anthroposophischen Weg in die übersinnlichen Welten hinein zu machen. Was an den Methoden dieser Geistesforschung durchlebt werden muß, erfordert durchaus auf allen Stufen moralische Vorbereitung. Und es gibt im Grunde genommen keine bessere Vorbereitung zur moralischen Festigung des ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist, als diejenigen Übungen durchzumachen, die durchgemacht werden müssen, um die Wirklichkeit übersinnlicher Welten zu erlangen. Dem bloßen Theoretiker ergeben sie sich nicht. Nur demjenigen ergeben sie sich, der sein ganzes Menschtum einsetzt, der alles an Kräften des guten Empfindens, des schönen Auffassens der Welt, des religiösen, frommen Vertiefens in die Weltengeheimnisse in seiner Seele lebendig macht, der Menschenliebe und Weltenliebe zu Kräften innerlicher Durchwärmung macht, nur der erlangt die moralische Festigung, die notwendig ist, um in dieser Weise vorzudringen zu der Wirklichkeit höherer Welten. Es wird daher von manchen Menschen anerkannt, daß die Übungen‚ die ich charakterisiere, um den geisteswissenschaftlichen Weg in die höheren Welten zu gehen, eine moralische Seite haben, die durchaus anerkennenswert sei. Aber es wird das auch von denjenigen zugegeben, die dann abschwenken und nicht mitmachen wollen den wirklichen Erkenntnisweg in die übersinnlichen Welten. Es ist aber doch nur dieser Weg, der gegenüber der heutigen wissenschaftlichen Sehnsucht, welche die Menschheit schon einmal hat, hineinführt in diese höheren Welten. Und indem man aufrückt durch Imagination und Inspiration, gelangt man erstens hinein in sein eigenes Selbst. Aber dieses eigene Selbst muß sich auch hingeben an die Umwelt. Ich habe schon angeführt, wie das Denken gewissermaßen schon bei der Imagination ausfließen muß in das Objektive. Wir nehmen dieses Denken überall mit hin. Die volle Besonnenheit des Denkens nehmen wir überall mit hin, wo wir übersinnliche Welten entdecken. Aber wir müssen auch gewahr werden, wie unser ganzer Mensch sich gewissermaßen hingeben muß an diese Wirklichkeit übersinnlicher Welten. Nach der Inspiration aber, durch die Anstrengungen, die wir durchmachen, durch die Erlebnisse, die wir haben, gelangen wir dazu, auch unser Ich, den Mittelpunkt unseres Wesens, kräftig zu fühlen. Und hier tritt der Punkt ein, wo man die Harmonie, die Vereinigung des Erlebnisses der Freiheit mit dem Erlebnis der Naturnotwendigkeit erkennen kann. Wir sind im gewöhnlichen Leben eingespannt in diese Naturnotwendigkeit. Wie sehr fühlen wir, daß dasjenige, was in unseren Willensimpulsen lebt, auch dann, wenn es sich ein wenig aus dem Sündhaften in das Gute heraufgearbeitet hat, dennoch aus unterbewußten Tiefen des Seelenlebens, aus Instinktivem und Triebhaftem heraufkommt. Fast so wenig, wie wir bewußt überschauen können, was wir durchmachen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, können wir überschauen, was in unseren Willenstrieben lebt, und worin doch zuletzt vieles von dem enthalten ist, was auch in unser bewußtes, verantwortungsvoll sittliches Leben hineinspielt. Derjenige aber, der durch Inspiration und Imagination gegangen ist, erhält auch durch die Anstrengungen, die er durchgemacht hat, eine Verstärkung seines Ich. Er erlebt sein Ich intensiver. Er erlebt es allerdings hingegeben, ich möchte sagen, ausgegossen an die äußere Welt, aber er erlebt es so, daß es ihm wiedergegeben wird. Und er ist jetzt nicht mehr in der Lage, wie ein vorurteilsvolles naturwissenschaftliches Anschauen zu tun pflegt, zu sagen: Dieselbe Naturnotwendigkeit, die den Stein zur Erde fallen läßt, die durch den Sonnenstrahl den Stein erwärmen läßt, die in Elektrizität und Magnetismus, in den akustischen, in den optischen Erscheinungen lebt, diese selbe Notwendigkeit lebt auch, wenn ich als Mensch handle, wenn ich als Mensch meine Willensimpulse entwickle. — Und in der gewöhnlichen Wissenschaft und im gewöhnlichen Leben kommt man in bezug auf diese Frage über herbe Zweifel nicht hinaus.

[ 34 ] Theoretical speculation alone is not enough to embark on the anthroposophical path into the supersensible worlds. What must be lived through in the methods of this spiritual research requires moral preparation at every stage. And, fundamentally, there is no better preparation for the moral strengthening of the whole human being—body, soul, and spirit—than undergoing the exercises that must be undertaken to attain the reality of the supersensible worlds. They do not reveal themselves to the mere theorist. They reveal themselves only to those who commit their entire humanity to the task, who bring to life within their souls all the powers of good feeling, of a beautiful perception of the world, and of religious, devout immersion in the mysteries of the universe; who transform love for humanity and love for the world into forces of inner warmth; only such a person attains the moral fortitude necessary to advance in this way toward the reality of higher worlds. It is therefore acknowledged by some people that the exercises I describe for walking the spiritual-scientific path into the higher worlds have a moral aspect that is certainly worthy of recognition. But this is also admitted by those who then turn away and do not wish to participate in the true path of knowledge leading into the supersensible worlds. Yet it is only this path that, in contrast to the scientific yearning humanity has today—a yearning it has had before—leads into these higher worlds. And as one ascends through imagination and inspiration, one first enters into one’s own self. But this own self must also surrender to the environment. I have already pointed out how thinking must, in a sense, flow out into the objective realm even during imagination. We take this thinking with us everywhere. We take the full clarity of thought with us wherever we discover the supersensible worlds. But we must also become aware of how our entire being must, in a sense, surrender to the reality of these supersensible worlds. But after inspiration—through the efforts we undergo, through the experiences we have—we come to feel our “I,” the center of our being, with great intensity. And here we reach the point where we can recognize the harmony, the union, of the experience of freedom with the experience of natural necessity. In ordinary life, we are bound by this natural necessity. How keenly we feel that what lives in our impulses of will—even when it has worked its way up a little from the sinful toward the good—nevertheless arises from the subconscious depths of our soul life, from the instinctive and the impulsive. Just as we can hardly consciously grasp what we go through from falling asleep to waking up, so too can we hardly grasp what lives in our volitional impulses—and yet much of what ultimately plays a role in our conscious, responsible moral life is contained within them. But the person who has gone through inspiration and imagination also gains a strengthening of their “I” through the efforts they have undergone. They experience their “I” more intensely. They experience it, admittedly, as devoted—I would say, poured out—into the outer world, but they experience it in such a way that it is reflected back to them. And they are now no longer in a position to say, as a prejudiced scientific view tends to do: The same natural necessity that causes the stone to fall to the earth, that causes the stone to be warmed by the sun’s rays, that is at work in electricity and magnetism, in acoustic and optical phenomena—this very same necessity is also at work when I act as a human being, when I develop my impulses of will as a human being. — And in conventional science and in everyday life, one cannot move beyond bitter doubts regarding this question.

[ 35 ] Auf der einen Seite steht die menschliche Freiheit, deren wir uns bewußt sind. Verleugnen muß man sie, so glaubt man, wenn man im ehrlichen Sinne ein heutiger naturwissenschaftlicher Forscher ist und an die Erhaltung der Kraft und des Stoffes glaubt. Man meint dann, aus freiem Willen heraus könne kein menschlicher Willensimpuls, keine menschliche Handlung kommen, denn der Mensch müsse unterworfen sein der Naturnotwendigkeit, wie alle anderen Wesen in den Reichen der Natur. Aber wenn man sein wahres Ich-Wesen jetzt in verstärkter Art vor sich hat, erlangt man eine Art Erkenntnis, die noch höher ist als Inspiration und Imagination. Ich habe sie die wahre Intuition genannt, das wahre Untertauchen, aber jetzt in eine geistige Wirklichkeit. Da wird dasjenige, was Anthroposophie die wiederholten Erdenleben nennt, von einem wirklichen Sinn durchdrungen. Was einem als notwendig erscheint im eigenen Handeln, im eigenen Willen, das zeigt sich als Ergebnis vorangegangener Erdenleben. Der ewige Wesenskern des Menschen macht irdische Leben in Wiederholungen durch, und dazwischen Leben zwischen Tod und neuer Geburt in geistig-seelischen Welten. Und man lernt jetzt erkennen: Was sich von Leben zu Leben zieht, ist ein notwendiges Sich-Unterstellen in bezug auf unser Ich und seine Willensimpulse, nicht der äußeren Naturnotwendigkeit, sondern jener Notwendigkeit, die durch die wiederholten Erdenleben geht. Mit unserem Denken aber, das zunächst als das gewöhnliche Bewußtsein diese Notwendigkeit nicht überschaut, das herausgeholt ist aus dieser Notwendigkeit, das in sich als ein freies, sinnlichkeitsfreies Denken, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, in dem einzelnen Erdendasein sich entwickelt, mit dem haben wir eine Grundlage für unsere Freiheit. Indem wir uns als Mensch des einzelnen Lebens hinaufringen zu solchen sittlichen Impulsen, die in freier Denkkraft erfaßt sind, werden wir hier auf Erden zwischen Geburt und Tod zu freien Menschen. Und was in uns als Notwendigkeit lebt, was sich als Schicksal auslebt, das ist nicht eine Naturnotwendigkeit, das geht durch die wiederholten Erdenleben hindurch.

[ 35 ] On the one hand, there is human freedom, of which we are aware. It is believed that one must deny this freedom if one is, in the true sense, a modern scientific researcher and believes in the conservation of energy and matter. It is then believed that no human impulse of will, no human action, can arise out of free will, for human beings must be subject to natural necessity, just like all other beings in the realms of nature. But when one now has one’s true “I”-being before oneself in a heightened form, one attains a kind of insight that is even higher than inspiration and imagination. I have called it true intuition, true immersion—but now into a spiritual reality. There, what anthroposophy calls repeated earthly lives is imbued with true meaning. What appears necessary in one’s own actions and will reveals itself as the result of previous earthly lives. The eternal core of the human being undergoes repeated earthly lives, interspersed with lives between death and new birth in spiritual-soul worlds. And one now comes to recognize: What extends from one life to the next is a necessary submission—not to external natural necessity, but to that necessity that runs through the repeated earthly lives—with regard to our “I” and its impulses of will. But with our thinking—which, as ordinary consciousness, does not initially grasp this necessity, which is drawn from this necessity, and which develops within the individual earthly existence as a free, senseless thinking, as I have described it in my *Philosophy of Freedom*—with this we have a foundation for our freedom. By striving, as human beings in our individual lives, toward such moral impulses that are grasped through free thinking, we become free human beings here on earth between birth and death. And what lives within us as necessity, what plays out as fate, is not a natural necessity; it extends through repeated earthly lives.

[ 36 ] Auch das ergibt sich als eine Anschauung dem Intuitiven, der dritten Stufe des übersinnlichen Erkennens. In einer wunderbaren Harmonie steht vor uns das, was als Freiheit des einzelnen Erdenlebens auftritt, und das, was wir als eine Notwendigkeit des Schicksals fühlen, die aber nicht eine Notwendigkeit der äußeren Natur, auch nicht der natürlichen Beschaffenheit des menschlichen Lebens ist, sondern die hereinstrahlt aus früheren Erdenleben. Hierdurch werden wir nicht unfrei, gerade so wenig wie wir unfrei werden dadurch, daß wir einen neuen Schauplatz unseres Lebens betreten und abhängig sind von dem, wie dieser neue Schauplatz mit dem früheren verbunden ist, etwa wenn wir von Europa nach Amerika wandern. Es ist unser Schicksal, wie uns das Schiff hinübergetragen hat, wir betreten einen neuen Schauplatz, bleiben aber frei, auch wenn wir von Europa nach Amerika herübergewandert sind. Wir können Notwendigkeit von Freiheit unterscheiden, sobald wir diese Notwendigkeit in den wiederholten Erdenleben, die Freiheit in dem einzelnen Erdenleben erblicken. Und das Hinaufblikken in höhere Welten gibt uns eine menschliche Sicherheit, indem es uns zeigt, welches der Sinn des Erdenlebens ist. Wir werden nicht bloß erfaßt von einer Sehnsucht nach höheren Welten, die wir allerdings auch erfühlen müssen, wenn wir auf Erden sicher stehen wollen, denn das Göttlich-Geistige ist immer in uns, und wir werden unsicher im Erdenleben, wenn wir unsere Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen nicht haben. Aber wir werden nicht weltflüchtige, erdenfremde Menschen durch die wahre Erkenntnis der Wirklichkeit höherer Welten im anthroposophischen Sinne. Wir wissen, daß wir immer wiederum auf die Erde herabsteigen müssen, um in unser menschliches Wesen allmählich die Freiheit aufzunehmen. Freiheitsbewußtsein durchdringt uns, obwohl wir die große Schicksalsfrage in einem geistigen Sinne aus den höheren Welten, aus der Wirklichkeit dieser höheren Welten herauszulesen verstehen.

[ 36 ] This, too, presents itself as a vision to the intuitive mind, the third stage of supersensible cognition. In a wondrous harmony, we see before us what appears as the freedom of the individual earthly life, and what we feel as a necessity of destiny—a necessity that is not, however, a necessity of external nature, nor of the natural constitution of human life, but one that radiates from previous earthly lives. This does not make us unfree, any more than we become unfree by entering a new setting for our lives and being dependent on how this new setting is connected to the previous one—for example, when we migrate from Europe to America. It is our destiny, just as the ship carried us across; we enter a new setting but remain free, even though we have migrated from Europe to America. We can distinguish necessity from freedom as soon as we perceive this necessity in our repeated earthly lives and freedom in the individual earthly life. And looking up toward higher worlds gives us a human sense of security by showing us what the meaning of earthly life is. We are not merely seized by a longing for higher worlds—a longing we must, of course, also feel if we wish to stand firmly on earth—for the divine-spiritual is always within us, and we become unsteady in earthly life when we lack our connection to the divine-spiritual. But we do not become people who flee from the world or are alien to it through the true knowledge of the reality of higher worlds in the anthroposophical sense. We know that we must always descend back to Earth in order to gradually incorporate freedom into our human being. An awareness of freedom permeates us, even though we are able to discern the great question of destiny in a spiritual sense from the higher worlds, from the reality of these higher worlds.

[ 37 ] Was ich zu sagen hatte, konnte ich nur in einzelnen Strichen andeuten. Es liegt ja heute schon eine reiche Literatur vor, die jedem zur Verfügung steht. In einem kurzen Abendvortrag konnte ich nur einzelne Richtlinien geben. Aber durch das, was ich gesagt habe, werden Sie einigermaßen entnehmen, daß diese Geisteswissenschaft, diese anthroposophische Erforschung der übersinnlichen Welten durchaus nichts Weltfremdes, nichts Unpraktisches sein will. Sie will nicht den Menschen hinaufführen selbstisch in leere Wolkenkuckucksheime, nein, sie würde glauben, sich sündhaft gegenüber dem Geistigen zu verhalten, wenn sie den Menschen weltfremd machen würde. Der Geist wird nur in der richtigen Weise erfaßt, wenn wir ihn in seiner Kraft erfassen, wenn wir uns mit ihm so durchdringen, daß wir dadurch praktische Menschen werden. Der Geist ist ein Schöpferisches. Er hat die Aufgabe, die Mission, das materielle Dasein zu durchdringen, nicht es zu fliehen. Daher ist anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zugleich durchaus wirkliche Lebenspraxis. Und Anthroposophie ist daher bestrebt — ich werde das noch in späteren Vorträgen, die mir erlaubt sind, hier in Kristiania zu halten, im einzelnen ausführen —, sowohl die einzelnen Wissenschaften, wie das künstlerische Leben, wie auch die praktischen Lebensgebiete mit dem zu befruchten, was sie zu der sinnlichen materiellen Welt hinzu aus der Wirklichkeit der höheren Welten heraus zu sagen hat.

[ 37 ] I was only able to touch on what I had to say in broad strokes. After all, there is already a wealth of literature available today that is accessible to everyone. In a short evening lecture, I could only offer a few general guidelines. But from what I have said, you will be able to gather to some extent that this spiritual science, this anthroposophical exploration of the supersensible worlds, is by no means intended to be unworldly or impractical. It does not seek to lead people selfishly up into empty, cloud-cuckoo-land fantasies; no, it would consider it a sin against the spiritual realm if it were to make people unworldly. The spirit is grasped correctly only when we grasp it in its power, when we allow it to permeate us in such a way that we thereby become practical human beings. The spirit is creative. Its task, its mission, is to permeate material existence, not to flee from it. Therefore, anthroposophical knowledge of the supersensible worlds is at the same time a thoroughly real way of life. And anthroposophy therefore strives—I will elaborate on this in detail in later lectures that I am permitted to give here in Kristiania—to enrich not only the individual sciences and artistic life, but also the practical spheres of life with what it has to say, beyond the sensory, material world, drawn from the reality of the higher worlds.

[ 38 ] Wenn man dasjenige, was der Mensch in seiner Leibesorganisation hat, aus dem ätherischen oder Bildekräfteleib heraus begreift, welcher der Imagination zugänglich ist, wenn man begreift, was am zeitlichen Menschen in Lunge, Leber, Magen, Gehirn und so weiter lebt, in seiner Gestaltung aus dem astralischen Leibe heraus, der aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen ist, dann begreift man auch in einer äußerlichen Weise Gesundheit und Krankheit. Dann kann durch eine solche Erkenntnis der übersinnlichen Welten nicht bloß eine gewisse Erkenntnisbefriedigung erzielt werden, sondern dann kann zum Beispiel erlebt werden eine Befruchtung des medizinisch-therapeutischen Wissens. In Stuttgart und in Dornach in der Schweiz haben wir bereits medizinisch-therapeutische Institute, welche praktisch verwerten dasjenige, was an Anregungen für die Medizin, namentlich für die Therapie, aber auch für die Pathologie, von der anthroposophischen Erkenntnis übersinnlicher Welten kommen kann. Und auch in künstlerischer Beziehung sucht Anthroposophie dasjenige, was sie an höheren Welten erfaßt, fruchtbar zu machen.

[ 38 ] If one comprehends what a human being possesses in his physical organization from the perspective of the etheric body—or body of formative forces—which is accessible to the imagination; if one comprehends what lives within the temporal human being in the lungs, liver, stomach, brain, and so on, in its form from the astral body, which has descended from the spiritual-soul worlds, then one also comes to understand health and illness in an external way. Then, through such an understanding of the supersensible worlds, not only can a certain intellectual satisfaction be achieved, but one can also experience, for example, a enrichment of medical and therapeutic knowledge. In Stuttgart and in Dornach, Switzerland, we already have medical and therapeutic institutes that put into practical use the insights for medicine—particularly for therapy, but also for pathology—that can be derived from anthroposophical knowledge of the supersensible worlds. And in the artistic realm as well, anthroposophy seeks to make fruitful what it perceives in the higher worlds.

[ 39 ] Im Dornacher Bau, im Goetheanum, in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft wurde aus dem heraus, was anthroposophische Anschauung ist, ein neuer Baustil geschaffen. Dieser neue Baustil ist nicht irgend etwas Symbolisches oder Allegorisches. Kein einziges Symbolum, keine einzige Allegorie findet sich, sondern alles ist in wirkliche künstlerische Gestaltung ausgeflossen. Geisteswissenschaft ist keine Theorie, sie ergreift nicht bloß das Intellektuelle. Das Intellektuelle, künstlerisch verwertet, würde ja eine allegorische, stroherne Symbolik geben. Geisteswissenschaft führt zur wirklichen Anschauung, zum konkreten Ergreifen des Inhaltes der geistigen Welt. Dieser Inhalt kann dann wiederum der Materie einbezogen werden, wie es in der Natur selber ist. Man erforscht im höchsten Maße dasjenige, was Goethe als Kunst verlangt: sie soll sein eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie niemals zur Offenbarung kommen würden. — Und ebenso versuchen wir dasjenige, was in der ganzen menschlichen Organisation an Bildekräften wirkt, was übersinnlich am Menschen wirkt, aus dieser menschlichen Organisation herauszuholen zu einer Bewegungskunst, die wir uns erlauben werden, am nächsten Sonntag hier in einer Vorstellung vorzuführen: zur Ausbildung der Eurythmie. Das ist nicht eine Tanzkunst, das ist nicht irgend etwas Pantomimisches, das ist etwas, was aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche der Menschennatur geholt ist, was tatsächlich zeigt, wie der Mensch innerlich verbunden ist mit dem ganzen Kosmos und seiner Gesetzmäßigkeit, und wie er in einer sichtbaren Sprache geradeso innere Seelen- und Geistesgeheimnisse zur Darstellung bringen kann, wie er das durch die hörbare Sprache oder durch den Gesang kann.

[ 39 ] At the Dornach Building, the Goetheanum, and the School of Spiritual Science, a new architectural style was created out of the anthroposophical worldview. This new architectural style is not merely symbolic or allegorical. Not a single symbol, not a single allegory is to be found; rather, everything has flowed into genuine artistic form. Spiritual science is not a theory; it does not merely address the intellectual. The intellectual, when treated artistically, would indeed result in an allegorical, hollow symbolism. Spiritual science leads to true insight, to a concrete grasp of the content of the spiritual world. This content can then, in turn, be incorporated into matter, just as it is in nature itself. One explores to the highest degree what Goethe demanded of art: it should be a manifestation of secret laws of nature that would never be revealed without it. — And in the same way, we are attempting to draw out of the entire human organism—from the formative forces at work within it, from what acts supersensibly upon the human being—an art of movement that we shall take the liberty of presenting here next Sunday in a performance: the development of eurythmy. This is not a dance art; it is not some form of pantomime; it is something drawn from the supersensible into the sensible realm of human nature, something that truly shows how the human being is inwardly connected to the entire cosmos and its laws, and how, through a visible language, they can express inner mysteries of the soul and spirit just as they can through spoken language or song.

[ 40 ] Ebenso kann Geisteswissenschaft in das soziale, in das moralische, in das ethische Leben wirken. Ich habe das versucht zu zeigen durch meine «Kernpunkte der sozialen Frage». Das, was unter den Menschen lebt in sozialer Beziehung, kann niemals in äußerer marxistischer oder sonstiger materialistischer Weise erfaßt werden. Der Mensch ist einmal ein geistig-übersinnliches Wesen seiner Innerlichkeit nach, und er ist auch als soziales Wesen darauf angewiesen, das Übersinnliche in diesem Sozialen wirksam zu gestalten. Ohne dieses kommt man auch nicht zu irgendeiner fruchtbaren Gestaltung der sozialen Fragen, die heute so brennende sind.

[ 40 ] Similarly, spiritual science can influence social, moral, and ethical life. I have attempted to demonstrate this in my *Key Points of the Social Question*. What exists among human beings in their social relationships can never be grasped in an external, Marxist, or otherwise materialistic way. Human beings are, first and foremost, spiritual and supersensible beings in their innermost nature, and as social beings they are also dependent on actively shaping the supersensible within the social realm. Without this, it is impossible to arrive at any fruitful resolution of the social issues that are so pressing today.

[ 41 ] Endlich aber hängt ja all dasjenige, was nun auf einem Forschungs-, nicht auf einem bloßen Glaubenswege von anthroposophischer Geisteswissenschaft gesucht wird als Weg zu höheren Welten, zusammen mit dem tiefst Innersten, was der Mensch erstrebt, mit dem, was er erstrebt als seinen Zusammenhang mit dem göttlich-geistigen Weltengrunde, mit dem, was er erstrebt an Hingabe, an frommer Hingabe an diesen Weltengrund. Kurz, es hängt zusammen mit all dem, was der Mensch im tiefsten Inneren als seine religiösen Empfindungen, als sein ganzes religiöses Leben entfalten muß, wenn er zu seiner vollen Menschenwürde kommen will. Daher bedeutet anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zu gleicher Zeit eine Belebung, eine Befruchtung des religiösen Lebens, dessen wir heute, was jeder Unbefangene zugeben wird, gar sehr bedürftig sind. Daher kann ich es kaum begreifen, daß man gerade von theologischer Seite auch neuerdings wiederum eingewendet hat gegen anthroposophische Geistesforschung, sie ertöte das religiöse Leben. Der Satz ist zum Beispiel gefallen: Das Leben der Anthroposophie bedeute den Tod der Religion. — Nun, das Leben der Anthroposophie hängt zusammen mit demjenigen Leben der menschlichen Seele, das gerade die innigsten religiösen Kräfte entwickelt. Es kann dieses anthroposophische Forschen nach den übersinnlichen Wirklichkeiten nicht den Tod der Religion bedeuten, sondern höchstens den Tod von etwas, was man für Religion hält und eigentlich schon ein Erstorbenes ist. Da würde Anthroposophie auf das schon Erstorbensein hinweisen können, würde gewissermaßen eine Art von Leichenschau sein. Ihrem Wesen nach aber muß sie, weil sie ein lebensvoller Weg in die übersinnlichen Wirklichkeiten ist, zu gleicher Zeit ein Mittel sein, die religiösen Empfindungen, das ganze religiöse Durchdrungensein des Menschen mit Hingabe an die übersinnlichen Welten zu erhöhen, zu beleben, zu durchwärmen.

[ 41 ] Ultimately, however, everything that is now sought by anthroposophical spiritual science—not through mere faith but through research—as a path to higher worlds is connected to the deepest innermost part of the human being, to what the human being strives for as his connection to the divine spiritual foundation of the world, with what they seek in devotion—in pious devotion to this foundation of the world. In short, it is connected to everything that human beings must develop in their innermost being as their religious feelings, as their entire religious life, if they wish to attain their full human dignity. Therefore, anthroposophical knowledge of the supersensible worlds simultaneously signifies a revitalization and enrichment of religious life—something we are in great need of today, as any impartial observer will admit. That is why I can hardly understand why, particularly from a theological perspective, objections have recently been raised once again against anthroposophical spiritual research, claiming that it stifles religious life. For example, the statement has been made: “The life of anthroposophy means the death of religion.” — Well, the life of anthroposophy is connected to that very life of the human soul which develops the most intimate religious forces. This anthroposophical exploration of supersensible realities cannot mean the death of religion, but at most the death of something that is mistaken for religion and is, in fact, already dead. In this sense, anthroposophy could point to that which is already dead; it would, so to speak, be a kind of postmortem examination. By its very nature, however, because it is a vibrant path into the supersensible realities, it must at the same time be a means of elevating, enlivening, and warming the religious feelings—the entire religious permeation of the human being—with devotion to the supersensible worlds.

[ 42 ] So will Anthroposophie auf den verschiedensten, auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens befruchtend wirken. Sie will im schönsten und edelsten Sinne — das ist ihr Ziel, ihr Ideal, so wenig sie auch heute schon davon erreichen kann — auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens eingreifen in die fortschrittliche Entwickelung der Menschheit. Und jeder Unbefangene, der mit wachem Bewußtsein die katastrophale Zeit durchgemacht hat, durch die wir im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gegangen sind, wird zugeben, daß heute die verschiedensten Gebiete des Lebens eine Auffrischung brauchen, daß manches eine Neubelebung braucht. Gewiß hängt dasjenige, was ich mir in kurzen Strichen erlaubte vor Ihnen zu charakterisieren, zusammen mit den ewigen Angelegenheiten der Menschheit. Es kann gepflegt werden im Forum des Lebens, wenn der Mensch sich bewußt werden will seiner inneren Sicherheit, die nur liegen kann in dem Bewußtsein seiner ewigen Wesenheit, es kann gepflegt sein in der Einsamkeit der stillen Hütte, wenn der Mensch entrückt ist dem Forum des Lebens: denn von dem Ewigen in seiner eigenen Wesenheit, von dem Ewigen in ihm muß der Mensch jederzeit berührt sein, wenn er im vollen Sinne des Wortes Mensch sein will. Es ist also auf der einen Seite durchaus etwas, was allgemein menschlich ist, was allgemein für den Menschen von unbedingtem Interesse ist, weil es seine ewigen Angelegenheiten berührt. In unserer Zeit aber, wo wir so vieles niedergehen sehen, muß man auch zugeben, daß gegenüber den Niedergangskräften gar sehr Impulse zu einem Aufstieg unserer abendländischen Zivilisation wiederum notwendig sind. Nicht nur, weil sie auf das Ewige achtet, bedarf heute Anthroposophie einiger Berücksichtigung, sondern auch gegenüber den großen, schweren Zeitaufgaben.

[ 42 ] Thus, anthroposophy seeks to have a fruitful influence in the most diverse areas of life—from the most mundane to the most sacred. In the most beautiful and noble sense—that is its goal, its ideal, however little it may be able to achieve of it even today—it seeks to contribute to the progressive development of humanity in both the most mundane and the most sacred spheres of life. And any impartial person who has lived through with clear awareness the catastrophic period we experienced in the second decade of the 20th century will admit that today the most diverse spheres of life need renewal, that many things need revitalization. Certainly, what I have taken the liberty of outlining briefly before you is connected with the eternal concerns of humanity. It can be cultivated in the arena of life when a person seeks to become aware of their inner security, which can lie only in the awareness of their eternal essence; it can be cultivated in the solitude of a quiet hut, when a person is removed from the forum of life: for a person must be touched at all times by the eternal in his own being, by the eternal within him, if he wishes to be human in the fullest sense of the word. So, on the one hand, it is certainly something that is universally human, something of absolute interest to all people, because it touches upon their eternal concerns. In our time, however, when we see so much in decline, one must also admit that, in the face of the forces of decline, impulses toward the ascent of our Western civilization are once again very much necessary. Anthroposophy deserves some consideration today not only because it pays attention to the eternal, but also in light of the great and weighty tasks of our time.

[ 43 ] Daher darf ich vielleicht zum Schlusse der heutigen Betrachtung die Worte aussprechen: Anthroposophie will nicht nach Erbauung in mystischen Wolkenkuckucksheimen bedürftige Menschen zu einer Weltfremdheit führen, anthroposophische Geisteswissenschaft will so zu der Wirklichkeit übersinnlicher Welten führen, daß der Mensch den Geist ergreift, um praktisch in das materielle Leben einzugreifen. Er muß das, weil er dessen bedarf zu seiner Lebenssicherheit, wegen seiner notwendigen Berührung mit übersinnlichen Welten, mit dem Ewigen in seiner Natur, heute aber auch besonders zur Lösung jener schweren Zeitfragen, in die wir in unserer katastrophalen Zeit hineingestellt sind.

[ 43 ] Therefore, perhaps I may conclude today’s reflection with these words: Anthroposophy does not seek to lead people in need of spiritual uplift into a world alien to reality by lulling them into mystical daydreams; anthroposophical spiritual science seeks to lead people to the reality of supersensible worlds in such a way that they grasp the spirit in order to intervene practically in material life. They must do this because they need it for their sense of security in life, because of their necessary connection to supersensible worlds and to the eternal within their nature, but today especially to resolve those grave contemporary issues with which we are confronted in these catastrophic times.