The Reality of the Higher Worlds
GA 79
25 November 1921, Oslo
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Die Wirklichkeit der höheren Welten
1. Das freie Geistesleben und die Geisteslage der Gegenwart
1. Das freie Geistesleben und die Geisteslage der Gegenwart
[ 1 ] Vor allem anderen lassen Sie mich mein Bedauern darüber aussprechen, daß ich nicht in der Lage bin, dasjenige, was ich mir erlauben werde vor Ihnen zu sprechen, in Ihrer Sprache vorzubringen, Allein da dies nicht möglich ist, muß ich Sie eben darum bitten, das Auszuführende in deutscher Sprache entgegenzunehmen.
[ 1 ] Vor allem anderen lassen Sie mich mein Bedauern darüber aussprechen, daß ich nicht in der Lage bin, dasjenige, was ich mir erlauben werde vor Ihnen zu sprechen, in Ihrer Sprache vorzubringen, Allein da dies nicht möglich ist, muß ich Sie eben darum bitten, das Auszuführende in deutscher Sprache entgegenzunehmen.
[ 2 ] Vorerst habe ich für die außerordentlich freundlichen, lieben Begrüßungsworte, die eben ausgesprochen worden sind, auf das allerherzlichste zu danken. Ich hoffe nur, daß es mir gelingen werde, wenigstens in einigem dasjenige zu erfüllen, was vorausgesetzt wird. Ich bin der hier vereinigten Studentenschaft von Herzen dankbar für die Gelegenheit, die sie mir gibt, über anthroposophische Geisteswissenschaft einiges zu sagen. Ich weiß gerade aus den langen Jahren der Beschäftigung mit dieser Geisteswissenschaft, welche außerordentlichen Schwierigkeiten bestehen, sie unserer heutigen Zivilisation und Kulturrichtung einigermaßen verständlich zu machen, und wie leicht es ist, daß man ihr gegenüber zunächst mit Mißverständnissen kommt. Aus diesem Grunde darf ich der mich einladenden Studentenschaft meinen ganz besonderen Dank aussprechen und die Versicherung abgeben, daß es mir von ganz besonderem Werte erscheint, gerade von seiten der Studentenschaft, innerhalb welcher ja auch in anderen Ländern heute anthroposophische Geisteswissenschaft einige Aufmerksamkeit findet, diesem Entgegenkommen auch hier zu begegnen.
[ 2 ] Vorerst habe ich für die außerordentlich freundlichen, lieben Begrüßungsworte, die eben ausgesprochen worden sind, auf das allerherzlichste zu danken. Ich hoffe nur, daß es mir gelingen werde, wenigstens in einigem dasjenige zu erfüllen, was vorausgesetzt wird. Ich bin der hier vereinigten Studentenschaft von Herzen dankbar für die Gelegenheit, die sie mir gibt, über anthroposophische Geisteswissenschaft einiges zu sagen. Ich weiß gerade aus den langen Jahren der Beschäftigung mit dieser Geisteswissenschaft, welche außerordentlichen Schwierigkeiten bestehen, sie unserer heutigen Zivilisation und Kulturrichtung einigermaßen verständlich zu machen, und wie leicht es ist, daß man ihr gegenüber zunächst mit Mißverständnissen kommt. Aus diesem Grunde darf ich der mich einladenden Studentenschaft meinen ganz besonderen Dank aussprechen und die Versicherung abgeben, daß es mir von ganz besonderem Werte erscheint, gerade von seiten der Studentenschaft, innerhalb welcher ja auch in anderen Ländern heute anthroposophische Geisteswissenschaft einige Aufmerksamkeit findet, diesem Entgegenkommen auch hier zu begegnen.
[ 3 ] Nun, für den heutigen Abend ist das Thema «Die Wirklichkeit der höheren Welten» gewünscht worden. Da im Grunde genommen mein gesamtes Schrifttum seit Jahrzehnten eigentlich die eine große Frage nach der Wirklichkeit dieser höheren Welten beantworten will, so werden Sie es verstehen, daß in einem kurzen Abendvortrag von vornherein man dazu verurteilt ist, etwas Ungenügendes und Unvollständiges zu geben. Ich werde mich bemühen müssen, einige Richtlinien anzudeuten, hinzuweisen darauf, wie man zu dieser Wirklichkeit der höheren Welten kommt. Ich werde selbstverständlich nicht schon heute — einiges wird ja in den nächsten Tagen bei anderen Gelegenheiten möglich sein — igendwie etwas restlos Beweisendes vorzubringen in der Lage sein, sondern nur auf die Wege und Richtungen, in denen diese Beweise liegen, werde ich hindeuten können. Die anthroposophische Geisteswissenschaft kann nicht von der Wirklichkeit höherer Welten sprechen, ohne die Wege anzudeuten, die zu dieser Wirklichkeit führen, und diese Wege sind durchaus nicht solche, die etwa sich in Gegensatz stellen wollen zu dem, was sich in so bewunderungswürdiger Weise durch das wissenschaftliche Streben der Menschheit, durch den Wissenschaftsgeist der letzten Jahrhunderte herausgebildet hat.
[ 3 ] Nun, für den heutigen Abend ist das Thema «Die Wirklichkeit der höheren Welten» gewünscht worden. Da im Grunde genommen mein gesamtes Schrifttum seit Jahrzehnten eigentlich die eine große Frage nach der Wirklichkeit dieser höheren Welten beantworten will, so werden Sie es verstehen, daß in einem kurzen Abendvortrag von vornherein man dazu verurteilt ist, etwas Ungenügendes und Unvollständiges zu geben. Ich werde mich bemühen müssen, einige Richtlinien anzudeuten, hinzuweisen darauf, wie man zu dieser Wirklichkeit der höheren Welten kommt. Ich werde selbstverständlich nicht schon heute — einiges wird ja in den nächsten Tagen bei anderen Gelegenheiten möglich sein — igendwie etwas restlos Beweisendes vorzubringen in der Lage sein, sondern nur auf die Wege und Richtungen, in denen diese Beweise liegen, werde ich hindeuten können. Die anthroposophische Geisteswissenschaft kann nicht von der Wirklichkeit höherer Welten sprechen, ohne die Wege anzudeuten, die zu dieser Wirklichkeit führen, und diese Wege sind durchaus nicht solche, die etwa sich in Gegensatz stellen wollen zu dem, was sich in so bewunderungswürdiger Weise durch das wissenschaftliche Streben der Menschheit, durch den Wissenschaftsgeist der letzten Jahrhunderte herausgebildet hat.
[ 4 ] Wenn von dieser oder jener Seite gerade die Wissenschaftlichkeit anthroposophischer Forschung angezweifelt wird, so glaubt diese Forschung selbst, daß diese Zweifel durchaus auf Mißverständnissen beruhen. Denn nicht irgendein bloß laienhaftes Gerede möchte Anthroposophie sein, sondern etwas, das mit derselben wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, mit innerer wissenschaftlicher Disziplin und Methodik sich den höheren Welten, den übersinnlichen Welten nähert, wie sich seit langem die gesicherte, naturwissenschaftliche Anschauungsweise den Gesetzmäßigkeiten der Natur nähert. Allein es ist notwendig, wenn man gerade mit derselben Strenge, wie die Naturwissenschaft zu ihren Ergebnissen zu kommen versucht, zu den übersinnlichen Welten gelangen will, daß man dann sowohl mit Bezug auf die Ergebnisse, wie auch mit Bezug auf die Forschungsmethode über dasjenige hinausgeht, was heute allgemein als wissenschaftlich anerkannt wird. Anthroposophische Geisteswissenschaft ist durchaus auf der Grundlage errichtet, auf welcher man sich einlebt in all dasjenige, was die moderne Wissenschaft groß macht. Diese moderne Wissenschaft ist groß geworden durch gewissenhafte Beobachtung der Sinneswelt, durch das Experiment und durch die verstandesmäßige Erwägung dessen, was sich durch die Sinnesbeobachtung und das Experiment ergibt. Alles, was man an dieser Forschung lernen kann, wenn man sich selbst in sie hineinbegibt, das möchte anthroposophische Geisteswissenschaft mit auf den Weg nehmen, wenn sie nun hinausgeht sowohl über die Ergebnisse, wie auch über die Art und Weise der Forschung der heute schon anerkannten Wissenschaft.
[ 4 ] Wenn von dieser oder jener Seite gerade die Wissenschaftlichkeit anthroposophischer Forschung angezweifelt wird, so glaubt diese Forschung selbst, daß diese Zweifel durchaus auf Mißverständnissen beruhen. Denn nicht irgendein bloß laienhaftes Gerede möchte Anthroposophie sein, sondern etwas, das mit derselben wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, mit innerer wissenschaftlicher Disziplin und Methodik sich den höheren Welten, den übersinnlichen Welten nähert, wie sich seit langem die gesicherte, naturwissenschaftliche Anschauungsweise den Gesetzmäßigkeiten der Natur nähert. Allein es ist notwendig, wenn man gerade mit derselben Strenge, wie die Naturwissenschaft zu ihren Ergebnissen zu kommen versucht, zu den übersinnlichen Welten gelangen will, daß man dann sowohl mit Bezug auf die Ergebnisse, wie auch mit Bezug auf die Forschungsmethode über dasjenige hinausgeht, was heute allgemein als wissenschaftlich anerkannt wird. Anthroposophische Geisteswissenschaft ist durchaus auf der Grundlage errichtet, auf welcher man sich einlebt in all dasjenige, was die moderne Wissenschaft groß macht. Diese moderne Wissenschaft ist groß geworden durch gewissenhafte Beobachtung der Sinneswelt, durch das Experiment und durch die verstandesmäßige Erwägung dessen, was sich durch die Sinnesbeobachtung und das Experiment ergibt. Alles, was man an dieser Forschung lernen kann, wenn man sich selbst in sie hineinbegibt, das möchte anthroposophische Geisteswissenschaft mit auf den Weg nehmen, wenn sie nun hinausgeht sowohl über die Ergebnisse, wie auch über die Art und Weise der Forschung der heute schon anerkannten Wissenschaft.
[ 5 ] Dieses Hinausgehen fußt vor allen Dingen ganz stark auf der Erkenntnis, daß das menschliche Forschungsvermögen, insoweit es sich in der Naturwissenschaft ausgebildet hat, zu gewissen Grenzen kommt. Wer naturwissenschaftlich zu forschen versteht, der weiß ganz gut, daß die große Frage des Menschendaseins nach der ewigen Bedeutung der Menschenseele, die Frage, die man gewöhnlich die Unsterblichkeitsfrage nennt, die Frage, welche man die Schicksalsfrage nennt, die Frage also, welche man im weitesten Umfange die nach den höheren Welten nennt, daß diese Frage außerhalb der Grenzen der modernen naturwissenschaftlichen Forschung zunächst liegt. Und man lernt erkennen, daß die ganze Art und Weise des Denkens, das Erkenntnisvermögen, die Erkenntnisfähigkeit selber sich an der Sinnesforschung ausgebildet haben, und daß sie in dem Momente an eine Grenze kommen, wo sie über die Sinneswelt hinausgehen wollen. Anthroposophie ist mit anerkannten Forschern der Gegenwart völlig einverstanden, wenn es sich darum handelt, festzustellen, daß solche Grenzen für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein vorhanden sind.
[ 5 ] Dieses Hinausgehen fußt vor allen Dingen ganz stark auf der Erkenntnis, daß das menschliche Forschungsvermögen, insoweit es sich in der Naturwissenschaft ausgebildet hat, zu gewissen Grenzen kommt. Wer naturwissenschaftlich zu forschen versteht, der weiß ganz gut, daß die große Frage des Menschendaseins nach der ewigen Bedeutung der Menschenseele, die Frage, die man gewöhnlich die Unsterblichkeitsfrage nennt, die Frage, welche man die Schicksalsfrage nennt, die Frage also, welche man im weitesten Umfange die nach den höheren Welten nennt, daß diese Frage außerhalb der Grenzen der modernen naturwissenschaftlichen Forschung zunächst liegt. Und man lernt erkennen, daß die ganze Art und Weise des Denkens, das Erkenntnisvermögen, die Erkenntnisfähigkeit selber sich an der Sinnesforschung ausgebildet haben, und daß sie in dem Momente an eine Grenze kommen, wo sie über die Sinneswelt hinausgehen wollen. Anthroposophie ist mit anerkannten Forschern der Gegenwart völlig einverstanden, wenn es sich darum handelt, festzustellen, daß solche Grenzen für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein vorhanden sind.
[ 6 ] Es gibt ja viele Bestrebungen, die in philosophischer Weise hinausgehen möchten über diese Grenzen. Allein alles, was der menschliche Verstand, wohl auch das menschliche Gemüt ersinnen über dasjenige, was jenseits der Sinneswelt liegt, all das kann doch einer gewissen strengen Kritik nicht standhalten und verrät sich vor allem als unbefriedigend dadurch, daß es gewissermaßen ins Leere greift, daß der Verstand fühlen kann, wie er angewiesen ist auf das, was ihm zunächst die Sinne liefern und wie er, wenn er den Sinnesteppich, der um uns herum ausgebreitet ist, durchbrechen will, wenn er sich selbst überlassen ist, wie er dann eigentlich keinen Inhalt mehr hat, wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein stehen bleibt.
[ 6 ] Es gibt ja viele Bestrebungen, die in philosophischer Weise hinausgehen möchten über diese Grenzen. Allein alles, was der menschliche Verstand, wohl auch das menschliche Gemüt ersinnen über dasjenige, was jenseits der Sinneswelt liegt, all das kann doch einer gewissen strengen Kritik nicht standhalten und verrät sich vor allem als unbefriedigend dadurch, daß es gewissermaßen ins Leere greift, daß der Verstand fühlen kann, wie er angewiesen ist auf das, was ihm zunächst die Sinne liefern und wie er, wenn er den Sinnesteppich, der um uns herum ausgebreitet ist, durchbrechen will, wenn er sich selbst überlassen ist, wie er dann eigentlich keinen Inhalt mehr hat, wenn man im gewöhnlichen Bewußtsein stehen bleibt.
[ 7 ] Tiefere Gemüter, die dennoch ihre Seelen- und Geistesbedürfnisse vor der Wissenschaft heute zu rechtfertigen versuchen und nicht bloß dabei stehen bleiben möchten, sich einem gewissen Glauben hinzugeben, sondern etwas wissen möchten über die Dinge, welche über das Zeitliche hinausliegen, solche tieferen Menschengemüter flüchten heute sehr häufig in eine gewisse Mystik hinein. Sie glauben, daß dasjenige, was ihnen die äußere Wissenschaft nicht geben kann, ihnen zuteil werden kann, wenn sie sich in die Tiefen des Seelenlebens hinunter versenken. Sie glauben, daß aus den Tiefen des Gemütes ihnen heraufströmen kann dasjenige, was ihnen Aussagen liefern kann über den ewigen Wert, die ewige Bedeutung der Menschenseele, über die Zusammenhänge der Menschenseele mit der göttlich-geistigen Welt.
[ 7 ] Tiefere Gemüter, die dennoch ihre Seelen- und Geistesbedürfnisse vor der Wissenschaft heute zu rechtfertigen versuchen und nicht bloß dabei stehen bleiben möchten, sich einem gewissen Glauben hinzugeben, sondern etwas wissen möchten über die Dinge, welche über das Zeitliche hinausliegen, solche tieferen Menschengemüter flüchten heute sehr häufig in eine gewisse Mystik hinein. Sie glauben, daß dasjenige, was ihnen die äußere Wissenschaft nicht geben kann, ihnen zuteil werden kann, wenn sie sich in die Tiefen des Seelenlebens hinunter versenken. Sie glauben, daß aus den Tiefen des Gemütes ihnen heraufströmen kann dasjenige, was ihnen Aussagen liefern kann über den ewigen Wert, die ewige Bedeutung der Menschenseele, über die Zusammenhänge der Menschenseele mit der göttlich-geistigen Welt.
[ 8 ] Aber gerade eine tiefere Seelenkunde kann nicht einverstanden sein mit solch einer Mystik im gewöhnlichen Sinne. Denn eine tiefere Seelenkunde kennt all die verborgenen Wege des menschlichen Erinnerungsvermögens. Das gewöhnliche Bewußtsein hat ja gewiß seine Erinnerungen, die Schätze seines Gedächtnisses, die es immer wieder und wiederum hervorholt, weil das für ein gesundes Seelenleben notwendig ist. Aber in den Tiefen der Seelen ruht manches, was in diese Erinnerungen sich hineinmischt, und was in seiner Wesenheit dieses gewöhnliche Bewußtsein nicht überschauen kann. Da schürft mancher Mystiker aus den Tiefen der Menschenseele etwas herauf, was er wie einen Ausspruch höherer Welten anschaut, aber für den wirklichen Seelenkenner sind das vielleicht nur Eindrücke der Sinnenwelt aus der lange verflossenen ersten Kindheit. Der Seelenforscher weiß, welche Metamorphosen das durchmachen kann, was wir selbst unbewußt in der allerersten Kindheit hereinnehmen in unsere Seele, wie es verändert im späteren Lebensalter wieder auftreten kann. Mancher glaubt, einen göttlichen Funken in seiner Seele auf mystische Art zu finden, und er zieht nichts anderes aus den Tiefen der Seele hervor als die umgewandelten Kindheitserlebnisse.
[ 8 ] Aber gerade eine tiefere Seelenkunde kann nicht einverstanden sein mit solch einer Mystik im gewöhnlichen Sinne. Denn eine tiefere Seelenkunde kennt all die verborgenen Wege des menschlichen Erinnerungsvermögens. Das gewöhnliche Bewußtsein hat ja gewiß seine Erinnerungen, die Schätze seines Gedächtnisses, die es immer wieder und wiederum hervorholt, weil das für ein gesundes Seelenleben notwendig ist. Aber in den Tiefen der Seelen ruht manches, was in diese Erinnerungen sich hineinmischt, und was in seiner Wesenheit dieses gewöhnliche Bewußtsein nicht überschauen kann. Da schürft mancher Mystiker aus den Tiefen der Menschenseele etwas herauf, was er wie einen Ausspruch höherer Welten anschaut, aber für den wirklichen Seelenkenner sind das vielleicht nur Eindrücke der Sinnenwelt aus der lange verflossenen ersten Kindheit. Der Seelenforscher weiß, welche Metamorphosen das durchmachen kann, was wir selbst unbewußt in der allerersten Kindheit hereinnehmen in unsere Seele, wie es verändert im späteren Lebensalter wieder auftreten kann. Mancher glaubt, einen göttlichen Funken in seiner Seele auf mystische Art zu finden, und er zieht nichts anderes aus den Tiefen der Seele hervor als die umgewandelten Kindheitserlebnisse.
[ 9 ] Das sind die beiden Klippen, vor die wir gestellt sind, wenn wir in ernster und ehrlicher Weise an die Wirklichkeit der höheren Welten sehnend, forschend herantreten. Sowohl vor einer spekulativen Philosophie, welche in bloßen Verstandeserwägungen die äußere Sinneswelt durchbrechen und zu einer Art von Jenseitswelt kommen möchte, wie auch vor einer solchen Mystik, die im Grunde genommen doch nur verwandelte Erinnerungen aus den Tiefen des Menschengemütes hervorholt, muß sich der ernste Geistesforscher hüten. Nach beiden Seiten hin entdeckt er unübersteigliche Grenzen: Auf der einen Seite die Sinneswelt, die er nicht durchbrechen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, auf der anderen Seite, nach der Seite des Menschen, die Erinnerungswelt, die da sein muß für ein gesundes Seelenleben, und die nach dem Innern hin eine Grenze bildet, die auch für das gewöhnliche Bewußtsein eigentlich nur durch Illusionen und Phantasmen überschritten werden kann.
[ 9 ] Das sind die beiden Klippen, vor die wir gestellt sind, wenn wir in ernster und ehrlicher Weise an die Wirklichkeit der höheren Welten sehnend, forschend herantreten. Sowohl vor einer spekulativen Philosophie, welche in bloßen Verstandeserwägungen die äußere Sinneswelt durchbrechen und zu einer Art von Jenseitswelt kommen möchte, wie auch vor einer solchen Mystik, die im Grunde genommen doch nur verwandelte Erinnerungen aus den Tiefen des Menschengemütes hervorholt, muß sich der ernste Geistesforscher hüten. Nach beiden Seiten hin entdeckt er unübersteigliche Grenzen: Auf der einen Seite die Sinneswelt, die er nicht durchbrechen kann mit dem gewöhnlichen Bewußtsein, auf der anderen Seite, nach der Seite des Menschen, die Erinnerungswelt, die da sein muß für ein gesundes Seelenleben, und die nach dem Innern hin eine Grenze bildet, die auch für das gewöhnliche Bewußtsein eigentlich nur durch Illusionen und Phantasmen überschritten werden kann.
[ 10 ] An diesen beiden Klippen möchte anthroposophische Geistesforschung vorbeikommen zu einer wirklichen Erkenntnis der höheren, der übersinnlichen Welten. Sie gesteht sich daher ganz ehrlich und offen, daß die Erkenntnisfähigkeiten, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft üblich sind, eben an diese beiden Grenzen kommen müssen, daß man mit diesen Erkenntnisfähigkeiten eben nicht in die höheren Welten eindringen kann. Daher geht anthroposophische Geisteswissenschaft darauf aus, solche Fähigkeiten, wie die in der Seele schlummernden, deren sich das gewöhnliche Bewußtsein eben nicht bewußt ist, zum Bewußtsein heraufzuheben und diese erst auszubilden, um mit diesen ausgebildeten Fähigkeiten dann erst die Forschung nach der höheren Wirklichkeit anzutreten. Diese Geistesforschung geht nicht aus von irgendeinem nebulosen Mystischen, sie geht durchaus von Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aus, bildet diese Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aber nicht nur weiter um, sondern sie macht aus ihnen wesentlich andere Fähigkeiten.
[ 10 ] An diesen beiden Klippen möchte anthroposophische Geistesforschung vorbeikommen zu einer wirklichen Erkenntnis der höheren, der übersinnlichen Welten. Sie gesteht sich daher ganz ehrlich und offen, daß die Erkenntnisfähigkeiten, die im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft üblich sind, eben an diese beiden Grenzen kommen müssen, daß man mit diesen Erkenntnisfähigkeiten eben nicht in die höheren Welten eindringen kann. Daher geht anthroposophische Geisteswissenschaft darauf aus, solche Fähigkeiten, wie die in der Seele schlummernden, deren sich das gewöhnliche Bewußtsein eben nicht bewußt ist, zum Bewußtsein heraufzuheben und diese erst auszubilden, um mit diesen ausgebildeten Fähigkeiten dann erst die Forschung nach der höheren Wirklichkeit anzutreten. Diese Geistesforschung geht nicht aus von irgendeinem nebulosen Mystischen, sie geht durchaus von Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aus, bildet diese Fähigkeiten des gewöhnlichen Lebens aber nicht nur weiter um, sondern sie macht aus ihnen wesentlich andere Fähigkeiten.
[ 11 ] Das erste, worauf die Aufmerksamkeit des ehrlichen Geistesforschers gerichtet sein muß, ist die menschliche Erinnerungsfähigkeit, die wir in ihrer Begrenztheit, in ihrer Eingeschränktheit eben besprochen haben. Diese Erinnerungsfähigkeit, sie macht es uns möglich im gewöhnlichen Leben, dasjenige, was wir seit unserer Geburt oder von einem Zeitpunkte, der etwas später liegt, durchgemacht, erlebt haben, in Bildern immer wieder und wiederum willkürlich oder unwillkürlich vor unsere Seele zu zaubern. Dieses Faktum, das gewöhnlich nicht in seiner vollen Tragweite vor die Seelenforschung hingestellt wird, stellt nun die Anthroposophie in voller Tragweite vor die menschliche Seele hin. Und sie versucht, gerade so, wie das sonst nur bei der Erinnerung, bei der Gedächtnisfähigkeit der Fall ist, Vorstellungen, Begriffe, kurz Gedankliches, willkürlich in den Mittelpunkt des menschlichen Bewußtseins zu rücken. Sie versucht auf diese Weise eine erste höhere Erkenntnisfähigkeit auszubilden durch gewisse Übungen, die gerade vorgenommen werden mit der Denkkraft. Sie bleibt nicht stehen bei der Denkkraft, wie sie sich in der gewöhnlichen Erinnerung äußert. Sie schreitet fort — nicht zu jener willkürlichen Meditation, von der man in nebuloser Mystik oft spricht —, sondern zu einer innerlich ganz geregelten, systematischen Meditation.
[ 11 ] Das erste, worauf die Aufmerksamkeit des ehrlichen Geistesforschers gerichtet sein muß, ist die menschliche Erinnerungsfähigkeit, die wir in ihrer Begrenztheit, in ihrer Eingeschränktheit eben besprochen haben. Diese Erinnerungsfähigkeit, sie macht es uns möglich im gewöhnlichen Leben, dasjenige, was wir seit unserer Geburt oder von einem Zeitpunkte, der etwas später liegt, durchgemacht, erlebt haben, in Bildern immer wieder und wiederum willkürlich oder unwillkürlich vor unsere Seele zu zaubern. Dieses Faktum, das gewöhnlich nicht in seiner vollen Tragweite vor die Seelenforschung hingestellt wird, stellt nun die Anthroposophie in voller Tragweite vor die menschliche Seele hin. Und sie versucht, gerade so, wie das sonst nur bei der Erinnerung, bei der Gedächtnisfähigkeit der Fall ist, Vorstellungen, Begriffe, kurz Gedankliches, willkürlich in den Mittelpunkt des menschlichen Bewußtseins zu rücken. Sie versucht auf diese Weise eine erste höhere Erkenntnisfähigkeit auszubilden durch gewisse Übungen, die gerade vorgenommen werden mit der Denkkraft. Sie bleibt nicht stehen bei der Denkkraft, wie sie sich in der gewöhnlichen Erinnerung äußert. Sie schreitet fort — nicht zu jener willkürlichen Meditation, von der man in nebuloser Mystik oft spricht —, sondern zu einer innerlich ganz geregelten, systematischen Meditation.
[ 12 ] Ich werde hier zunächst das Prinzipielle der Sache anzudeuten haben. Alles Genauere finden Sie in verschiedenen meiner Bücher in allen Einzelheiten, und ich werde Einzelheiten auch in den nächsten Tagen hier noch zu erörtern haben. Meine Bücher, die diese Einzelheiten erörtern, sind vor allem «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft». Dasjenige, was ein jahrzehntelanges Studium ist, kann eben hier nur prinzipiell in einigen Richtlinien angedeutet werden. Es handelt sich darum, daß die Denkkraft des Menschen zu einer größeren Stärke, zu einer größeren Intensität entwickelt wird, als sie sie im gewöhnlichen Leben und in der gebräuchlichen Wissenschaft hat. Wenn man einen Muskel besonders anstrengt in der Arbeit, so wird die Kraft dieses Muskels verstärkt. Was hier mit einem äußeren Leibesgliede ausgeführt wird, das führt, ganz systematisch, der Geistesforscher in bezug auf die Seelenkräfte aus. Er stellt eine leicht überschaubare Vorstellung oder einen leicht überschaubaren Vorstellungskomplex mit voller Bewußtheit, mit vollem freien Willen in den Mittelpunkt des Bewußtseins, und er verweilt mit dem Bewußtsein eine Zeitlang — der eine braucht länger, der andere kürzere Zeit, je nach seinen Fähigkeiten, je nach seiner Konzentrationsmöglichkeit — auf einer solchen überschaubaren Vorstellung.
[ 12 ] Ich werde hier zunächst das Prinzipielle der Sache anzudeuten haben. Alles Genauere finden Sie in verschiedenen meiner Bücher in allen Einzelheiten, und ich werde Einzelheiten auch in den nächsten Tagen hier noch zu erörtern haben. Meine Bücher, die diese Einzelheiten erörtern, sind vor allem «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», «Geheimwissenschaft». Dasjenige, was ein jahrzehntelanges Studium ist, kann eben hier nur prinzipiell in einigen Richtlinien angedeutet werden. Es handelt sich darum, daß die Denkkraft des Menschen zu einer größeren Stärke, zu einer größeren Intensität entwickelt wird, als sie sie im gewöhnlichen Leben und in der gebräuchlichen Wissenschaft hat. Wenn man einen Muskel besonders anstrengt in der Arbeit, so wird die Kraft dieses Muskels verstärkt. Was hier mit einem äußeren Leibesgliede ausgeführt wird, das führt, ganz systematisch, der Geistesforscher in bezug auf die Seelenkräfte aus. Er stellt eine leicht überschaubare Vorstellung oder einen leicht überschaubaren Vorstellungskomplex mit voller Bewußtheit, mit vollem freien Willen in den Mittelpunkt des Bewußtseins, und er verweilt mit dem Bewußtsein eine Zeitlang — der eine braucht länger, der andere kürzere Zeit, je nach seinen Fähigkeiten, je nach seiner Konzentrationsmöglichkeit — auf einer solchen überschaubaren Vorstellung.
[ 13 ] Ich bitte Sie, darauf zu achten, daß ich von einer überschaubaren Vorstellung spreche. Das ist außerordentlich wichtig. Würden wir aus unserem gewöhnlichen Erinnerungsschatze zu unserer Meditation, zu unserer Denkübung einfach etwas heraufholen, dann würden wir nicht zurechtkommen. Denn in dem, was wir da aus unserem Denkschatz heraufholen, ist vieles enthalten an Reminiszenzen, an unbewußten Lebenseindrücken, das dann wirken würde, wenn wir uns daran gedanklich üben. Nichts darf aus dem Unbewußten heraus wirken in die richtige anthroposophische Meditation hinein. Alles muß überschaubar sein. Alles muß der vollen Besonnenheit unterliegen. Daher wird auch zuweilen gefordert, und das mit Recht, daß derjenige, der in dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft selber ein Forscher werden will, sich an einen schon erfahrenen Forscher wende und sich Übungen von ihm geben lasse. Wenn wir solche Dinge üben, die wir in der einen oder anderen Weise selbst suchen, oder wenn wir sie uns geben lassen, so treten sie als etwas Neues in unser Bewußtsein ein, so wie eine Sinneserfahrung, der wir gegenüberstehen, die auch nicht aus den Tiefen unserer Seele aufrückt, sondern die eben als etwas Neues in unsere Seele eintritt. Es handelt sich nicht darum, daß wir aus dem Inhalte irgendeiner solchen Vorstellung etwas gewinnen, sondern daß sie mit der Neuheit einer Sinneserfahrung in unser Bewußtsein eintritt, und daß wir dann mit unseren Seelenkräften auf ihr verweilen. Geradeso wie wir mit dem Muskel eine Arbeit verrichten, so arbeiten wir mit den Seelenkräften, wenn wir emsig mit innerer Konzentration auf einer solchen Vorstellung verweilen. Wenn wir darauf bedacht sind, alle die Einzelheiten, die ich in meinen Büchern beschrieben habe über dieses Üben, zu beobachten, dann werden wir nicht in irgendeine Suggestion oder Autosuggestion verfallen, sondern wir werden jeden einzelnen Augenblick einer solchen Gedankenübung mit voller Entfaltung unseres Willens vornehmen. Wir werden aber nach einiger Zeit verspüren, wie wir die innere Seelenkraft verstärken, wie wir sie intensiver machen. Es braucht nicht viel Zeit für diese Übungen an einem einzelnen Tage, aber man muß diese Übungen immer wieder und wiederum wiederholen. Der eine braucht länger, der andere kann schon etwas Erhebliches erreichen in wenigen Monaten, manche brauchen Jahre. Aber im Prinzip liegt überall dasselbe vor: daß sich die Seelenkräfte, namentlich die Gedankenkräfte, durch solche Übungen innerlich verstärken. Und man gelangt endlich an einen Punkt, wo man zu dem sogenannten imaginativen Denken vorrückt.
[ 13 ] Ich bitte Sie, darauf zu achten, daß ich von einer überschaubaren Vorstellung spreche. Das ist außerordentlich wichtig. Würden wir aus unserem gewöhnlichen Erinnerungsschatze zu unserer Meditation, zu unserer Denkübung einfach etwas heraufholen, dann würden wir nicht zurechtkommen. Denn in dem, was wir da aus unserem Denkschatz heraufholen, ist vieles enthalten an Reminiszenzen, an unbewußten Lebenseindrücken, das dann wirken würde, wenn wir uns daran gedanklich üben. Nichts darf aus dem Unbewußten heraus wirken in die richtige anthroposophische Meditation hinein. Alles muß überschaubar sein. Alles muß der vollen Besonnenheit unterliegen. Daher wird auch zuweilen gefordert, und das mit Recht, daß derjenige, der in dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft selber ein Forscher werden will, sich an einen schon erfahrenen Forscher wende und sich Übungen von ihm geben lasse. Wenn wir solche Dinge üben, die wir in der einen oder anderen Weise selbst suchen, oder wenn wir sie uns geben lassen, so treten sie als etwas Neues in unser Bewußtsein ein, so wie eine Sinneserfahrung, der wir gegenüberstehen, die auch nicht aus den Tiefen unserer Seele aufrückt, sondern die eben als etwas Neues in unsere Seele eintritt. Es handelt sich nicht darum, daß wir aus dem Inhalte irgendeiner solchen Vorstellung etwas gewinnen, sondern daß sie mit der Neuheit einer Sinneserfahrung in unser Bewußtsein eintritt, und daß wir dann mit unseren Seelenkräften auf ihr verweilen. Geradeso wie wir mit dem Muskel eine Arbeit verrichten, so arbeiten wir mit den Seelenkräften, wenn wir emsig mit innerer Konzentration auf einer solchen Vorstellung verweilen. Wenn wir darauf bedacht sind, alle die Einzelheiten, die ich in meinen Büchern beschrieben habe über dieses Üben, zu beobachten, dann werden wir nicht in irgendeine Suggestion oder Autosuggestion verfallen, sondern wir werden jeden einzelnen Augenblick einer solchen Gedankenübung mit voller Entfaltung unseres Willens vornehmen. Wir werden aber nach einiger Zeit verspüren, wie wir die innere Seelenkraft verstärken, wie wir sie intensiver machen. Es braucht nicht viel Zeit für diese Übungen an einem einzelnen Tage, aber man muß diese Übungen immer wieder und wiederum wiederholen. Der eine braucht länger, der andere kann schon etwas Erhebliches erreichen in wenigen Monaten, manche brauchen Jahre. Aber im Prinzip liegt überall dasselbe vor: daß sich die Seelenkräfte, namentlich die Gedankenkräfte, durch solche Übungen innerlich verstärken. Und man gelangt endlich an einen Punkt, wo man zu dem sogenannten imaginativen Denken vorrückt.
[ 14 ] Was sich da ausbildet, habe ich imaginatives Denken genannt aus dem Grunde, weil man allmählich bemerkt, daß das Denken aus jener Abstraktheit und jenem Intellektualismus, dem es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unterliegt, herauskommt: Es wird allmählich das rein innere Denken durchleuchtet von einer Bildhaftigkeit, durchwärmt von einer Lebendigkeit, die durchaus gleichkommen demjenigen, was wir an Lebendigkeit und Bildhaftigkeit gegenüber den äußeren Sinneseindrücken entwickeln. Das ist außerordentlich wichtig zu beachten, denn wir wissen alle, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf äußere Sinneseindrücke richten, so ist alles intensiv, es ist alles gesättigt. Wir sind mit unserem ganzen Menschen an diese äußeren Sinneseindrücke hingegeben. Wenn wir aber, nachdem wir die Aufmerksamkeit von den äußeren Sinneseindrücken abgewendet haben, uns dann dem Denken im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft überlassen, so ist dieses Denken blaß, wenig durchwärmt. Man spricht ja mit Recht von der Blaßheit des abstrakten Denkens. Und abstrakt ist fast alles Denken, das man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt. Voll gesättigt sind nur diejenigen Gedanken, die wir entwickeln in dem Momente, wo wir der äußeren Sinneswirklichkeit hingegeben sind.
[ 14 ] Was sich da ausbildet, habe ich imaginatives Denken genannt aus dem Grunde, weil man allmählich bemerkt, daß das Denken aus jener Abstraktheit und jenem Intellektualismus, dem es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft unterliegt, herauskommt: Es wird allmählich das rein innere Denken durchleuchtet von einer Bildhaftigkeit, durchwärmt von einer Lebendigkeit, die durchaus gleichkommen demjenigen, was wir an Lebendigkeit und Bildhaftigkeit gegenüber den äußeren Sinneseindrücken entwickeln. Das ist außerordentlich wichtig zu beachten, denn wir wissen alle, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf äußere Sinneseindrücke richten, so ist alles intensiv, es ist alles gesättigt. Wir sind mit unserem ganzen Menschen an diese äußeren Sinneseindrücke hingegeben. Wenn wir aber, nachdem wir die Aufmerksamkeit von den äußeren Sinneseindrücken abgewendet haben, uns dann dem Denken im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft überlassen, so ist dieses Denken blaß, wenig durchwärmt. Man spricht ja mit Recht von der Blaßheit des abstrakten Denkens. Und abstrakt ist fast alles Denken, das man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft entwickelt. Voll gesättigt sind nur diejenigen Gedanken, die wir entwickeln in dem Momente, wo wir der äußeren Sinneswirklichkeit hingegeben sind.
[ 15 ] Zu dieser Lebendigkeit, zu dieser innerlichen Gesättigtheit kommt man aber bei bloßem zunächst inneren Erleben, wenn man solche Denkübungen macht, wie ich sie angedeutet habe. Dann kommt man wirklich dazu, bildhaft, imaginativ zu denken. Man muß sich dann nur klar sein darüber, daß man zunächst in diesem imaginativen Denken nichts vor sich hat oder in sich hat, was nun schon irgendeiner äußeren geistigen Wirklichkeit entspricht. Wohl aber merkt man nach und nach die reale, die objektive Bedeutung dieses imaginativen Denkens, wenn man folgende innere Erfahrung macht.
[ 15 ] Zu dieser Lebendigkeit, zu dieser innerlichen Gesättigtheit kommt man aber bei bloßem zunächst inneren Erleben, wenn man solche Denkübungen macht, wie ich sie angedeutet habe. Dann kommt man wirklich dazu, bildhaft, imaginativ zu denken. Man muß sich dann nur klar sein darüber, daß man zunächst in diesem imaginativen Denken nichts vor sich hat oder in sich hat, was nun schon irgendeiner äußeren geistigen Wirklichkeit entspricht. Wohl aber merkt man nach und nach die reale, die objektive Bedeutung dieses imaginativen Denkens, wenn man folgende innere Erfahrung macht.
[ 16 ] Sie wissen alle, wie beim heranwachsenden kleinen Kinde sich das Gehirn allmählich zu dem wunderbaren Organ ausbildet, das es im Laufe des Lebens dann wird. Man kann durchaus sagen: Das Gehirn ist zunächst ein plastisches Organ, es duldet, daß die bildsamen Kräfte der Seele sich abdrücken in seinem ganzen Bau, in seinen Windungen und so weiter. Das geschieht ja in den ersten Jahren des kindlichen Lebens. Das bleibt auf einem gewissen Punkt stehen, auf dem wir ankommen durch die gewöhnliche natürliche Entwickelung des Menschen und durch die gewöhnliche Erziehung. Und mit demjenigen, was wir auf diese Weise erreichen, suchen wir dann im gewöhnlichen Leben zurechtzukommen, suchen wir uns in der gewöhnlichen Wissenschaft fortzubringen. Aber indem wir uns als Kind von Jahr zu Jahr entwickelt haben, sind wir ja immer fähiger und fähiger geworden. Dieses immer Fähiger- und Fähigerwerden, das erfährt man wiederum, wenn man nach dem imaginativen Erkennen strebt. Da erfährt man, daß man durch diejenige Tätigkeit, die ich eben als eine Tätigkeit von Denkübungen beschrieben habe, wiederum etwas in sich bearbeitet, daß man etwas, was jetzt plastisch ist, bearbeitet. Aber man fühlt auch, daß das, was man da bearbeitet — was in derselben Weise, ich möchte sagen, seelisch-geistig jetzt gefurcht wird, wie das physische Gehirn in der Kindheit gefurcht worden ist —, daß das ein Übersinnliches, ein Seelisch-Geistiges im Menschen ist, das sich abhebt vom physischen Leibe. Und man fühlt nach einiger Zeit, daß man sich ganz anders jetzt verhalten kann gegenüber den äußeren und inneren Erkenntnisgrenzen. Man hat gerade als Geistesforscher denjenigen recht zu geben, die von solchen Erkenntnisgrenzen sprechen. Man fühlt aber, daß man jetzt wirklich diese Erkenntnisgrenzen durch neuentwickelte Fähigkeiten allmählich überschreiten kann.
[ 16 ] Sie wissen alle, wie beim heranwachsenden kleinen Kinde sich das Gehirn allmählich zu dem wunderbaren Organ ausbildet, das es im Laufe des Lebens dann wird. Man kann durchaus sagen: Das Gehirn ist zunächst ein plastisches Organ, es duldet, daß die bildsamen Kräfte der Seele sich abdrücken in seinem ganzen Bau, in seinen Windungen und so weiter. Das geschieht ja in den ersten Jahren des kindlichen Lebens. Das bleibt auf einem gewissen Punkt stehen, auf dem wir ankommen durch die gewöhnliche natürliche Entwickelung des Menschen und durch die gewöhnliche Erziehung. Und mit demjenigen, was wir auf diese Weise erreichen, suchen wir dann im gewöhnlichen Leben zurechtzukommen, suchen wir uns in der gewöhnlichen Wissenschaft fortzubringen. Aber indem wir uns als Kind von Jahr zu Jahr entwickelt haben, sind wir ja immer fähiger und fähiger geworden. Dieses immer Fähiger- und Fähigerwerden, das erfährt man wiederum, wenn man nach dem imaginativen Erkennen strebt. Da erfährt man, daß man durch diejenige Tätigkeit, die ich eben als eine Tätigkeit von Denkübungen beschrieben habe, wiederum etwas in sich bearbeitet, daß man etwas, was jetzt plastisch ist, bearbeitet. Aber man fühlt auch, daß das, was man da bearbeitet — was in derselben Weise, ich möchte sagen, seelisch-geistig jetzt gefurcht wird, wie das physische Gehirn in der Kindheit gefurcht worden ist —, daß das ein Übersinnliches, ein Seelisch-Geistiges im Menschen ist, das sich abhebt vom physischen Leibe. Und man fühlt nach einiger Zeit, daß man sich ganz anders jetzt verhalten kann gegenüber den äußeren und inneren Erkenntnisgrenzen. Man hat gerade als Geistesforscher denjenigen recht zu geben, die von solchen Erkenntnisgrenzen sprechen. Man fühlt aber, daß man jetzt wirklich diese Erkenntnisgrenzen durch neuentwickelte Fähigkeiten allmählich überschreiten kann.
[ 17 ] Wenn diese innere Erfahrung, dieses innere Erlebnis gekommen ist, wenn man wirklich fühlt, du brauchst jetzt nicht bloß bei der Sinneswelt stehen zu bleiben, du erfährst etwas durch dein bildhaftes Denken, durch dein lebendiges Denken, wenn du den Sinnesteppich durchstößt, wenn du in dein Inneres hineinzuschauen versuchst, erfährst du etwas, was gewöhnliche Naturwissenschaft nicht erfährt, was gewöhnliche Mystik nur in illusionärer Weise sich vor die Seele rücken kann, wenn man dieses ehrlich als ein Ergebnis einer inneren Entwickelung erlebt, dann kann man sicher sein, daß man auf einem Wege ist, der nun wirklich nach höheren Welten hinführen kann.
[ 17 ] Wenn diese innere Erfahrung, dieses innere Erlebnis gekommen ist, wenn man wirklich fühlt, du brauchst jetzt nicht bloß bei der Sinneswelt stehen zu bleiben, du erfährst etwas durch dein bildhaftes Denken, durch dein lebendiges Denken, wenn du den Sinnesteppich durchstößt, wenn du in dein Inneres hineinzuschauen versuchst, erfährst du etwas, was gewöhnliche Naturwissenschaft nicht erfährt, was gewöhnliche Mystik nur in illusionärer Weise sich vor die Seele rücken kann, wenn man dieses ehrlich als ein Ergebnis einer inneren Entwickelung erlebt, dann kann man sicher sein, daß man auf einem Wege ist, der nun wirklich nach höheren Welten hinführen kann.
[ 18 ] Zunächst hat man ja noch nichts Äußerliches vor sich. Man hat nur die alten Kräfte verstärkt, intensiver gemacht. Aber man merkt sehr bald, daß in dem Bewußtsein des Menschen jetzt etwas Wesentliches, etwas Wichtiges vor sich geht. Man bekommt nämlich nach und nach etwas wie eine Innenschau, die sich über das ganze bisherige Leben seit der Geburt erstreckt. Ja, dies ist die erste übersinnliche Wirklichkeit, die man erlebt: sein eigenes inneres Leben seit der Geburt in einem überschaubaren Tableau. Und es drückt sich dieses überschaubare Tableau dadurch aus, daß man mit seinem Denken in einem anderen Verhältnis zu dem ist, was man jetzt äußerlich wahrnimmt, als man früher mit seinem Denken zu dem äußerlich Gegebenen und innerlich Erlebten war.
[ 18 ] Zunächst hat man ja noch nichts Äußerliches vor sich. Man hat nur die alten Kräfte verstärkt, intensiver gemacht. Aber man merkt sehr bald, daß in dem Bewußtsein des Menschen jetzt etwas Wesentliches, etwas Wichtiges vor sich geht. Man bekommt nämlich nach und nach etwas wie eine Innenschau, die sich über das ganze bisherige Leben seit der Geburt erstreckt. Ja, dies ist die erste übersinnliche Wirklichkeit, die man erlebt: sein eigenes inneres Leben seit der Geburt in einem überschaubaren Tableau. Und es drückt sich dieses überschaubare Tableau dadurch aus, daß man mit seinem Denken in einem anderen Verhältnis zu dem ist, was man jetzt äußerlich wahrnimmt, als man früher mit seinem Denken zu dem äußerlich Gegebenen und innerlich Erlebten war.
[ 19 ] Im gewöhnlichen Leben entwickelt man das Denken. Man denkt über etwas nach. Die Gedanken sind in der Seele, sie sind subjektiv. Das andere ist objektiv, das andere ist draußen. Man fühlt seine Gedankentätigkeit getrennt von demjenigen, was draußen ist. Jetzt hat man das Tableau seines eigenen Seelenlebens seit der Geburt vor sich. Aber ich möchte sagen, die Gedanken gehen hinein in dieses Gewebe. Man fühlt sich in diesem Gewebe drinnen. Man sagt sich: Jetzt beginnst du dich selber erst wirklich zu erfassen. Du mußt deine Gedanken abgeben an dasjenige, was dir objektiv vor das Bewußtsein tritt. — Das begründet sogar eine gewisse, ich möchte sagen, schmerzliche Erfahrung zunächst bei dem anthroposophischen Geistesforscher. Solche schmerzlichen Erfahrungen muß der anthroposophische Geistesforscher mit seinen Erlebnissen in verschiedener Richtung durchmachen. Er darf sich nicht scheuen, in einer gewissen Weise innerlich Schwieriges, oftmals Schmerzliches durchzumachen. Ich werde auch darüber heute noch nach anderer Richtung hin zu sprechen haben. Jetzt aber erlebt man gegenüber diesem Lebenstableau zunächst dieses, daß man in einer Art innerer Bedrückung die eigene Wesenheit verspürt. Man verspürt sie nicht in der Leichtigkeit, mit der man sonst Gedanken, Vorstellungen hegt, mit der sonst Gefühle, Willensimpulse, Wünsche und dergleichen in uns sind, man verspürt sie wie etwas, das einen beklemmt. Kurz, man verspürt in dieser Bedrückung gerade die Realität. Hat man diese Bedrückung nicht, dann hat man doch nur ein Gedankengebilde, dann hat man doch nicht die Realität. Aber indem man in diese Bedrückung hineinträgt alles das, was man früher an frei sich entfaltenden Gedankengeweben hatte, ist man dadurch geschützt davor, mit seiner imaginativen Erkenntnis etwas zu entwickeln wie Illusionen, Visionen, Halluzinationen.
[ 19 ] Im gewöhnlichen Leben entwickelt man das Denken. Man denkt über etwas nach. Die Gedanken sind in der Seele, sie sind subjektiv. Das andere ist objektiv, das andere ist draußen. Man fühlt seine Gedankentätigkeit getrennt von demjenigen, was draußen ist. Jetzt hat man das Tableau seines eigenen Seelenlebens seit der Geburt vor sich. Aber ich möchte sagen, die Gedanken gehen hinein in dieses Gewebe. Man fühlt sich in diesem Gewebe drinnen. Man sagt sich: Jetzt beginnst du dich selber erst wirklich zu erfassen. Du mußt deine Gedanken abgeben an dasjenige, was dir objektiv vor das Bewußtsein tritt. — Das begründet sogar eine gewisse, ich möchte sagen, schmerzliche Erfahrung zunächst bei dem anthroposophischen Geistesforscher. Solche schmerzlichen Erfahrungen muß der anthroposophische Geistesforscher mit seinen Erlebnissen in verschiedener Richtung durchmachen. Er darf sich nicht scheuen, in einer gewissen Weise innerlich Schwieriges, oftmals Schmerzliches durchzumachen. Ich werde auch darüber heute noch nach anderer Richtung hin zu sprechen haben. Jetzt aber erlebt man gegenüber diesem Lebenstableau zunächst dieses, daß man in einer Art innerer Bedrückung die eigene Wesenheit verspürt. Man verspürt sie nicht in der Leichtigkeit, mit der man sonst Gedanken, Vorstellungen hegt, mit der sonst Gefühle, Willensimpulse, Wünsche und dergleichen in uns sind, man verspürt sie wie etwas, das einen beklemmt. Kurz, man verspürt in dieser Bedrückung gerade die Realität. Hat man diese Bedrückung nicht, dann hat man doch nur ein Gedankengebilde, dann hat man doch nicht die Realität. Aber indem man in diese Bedrückung hineinträgt alles das, was man früher an frei sich entfaltenden Gedankengeweben hatte, ist man dadurch geschützt davor, mit seiner imaginativen Erkenntnis etwas zu entwickeln wie Illusionen, Visionen, Halluzinationen.
[ 20 ] Das ist etwas, was der anthroposophischen Geisteswissenschaft so häufig in den Weg geworfen wird. Man sagt: Mit ihren Übungen entwickelt sich ja doch nichts anderes als Vision, Halluzination. Sie bringt an die Oberfläche des Bewußtseins gewissermaßen unterdrückte Nervenkräfte, und niemand könne die Wirklichkeit desjenigen beweisen, wovon anthroposophische Geisteswissenschaft als von höheren Welten redet. Wer auch nur das beachtet, was ich heute schon gesagt habe, der wird fühlen, daß der Weg, den anthroposophische Geisteswissenschaft geht, der entgegengesetzte ist von all jenen Wegen, die zu Visionen, zu Halluzinationen oder etwa gar zu Mediumismus führen. Alles das, was zum Mediumismus, zu Halluzinationen, zu Visionen führt, das geht zuletzt doch nur hervor aus krank gewordenen Leibesorganen, die gewissermaßen ihr Geistig-Seelisches in pathologischer Weise ausatmen herauf in das Bewußtsein. Das alles liegt unterhalb der Sinnesempfindung. Dagegen dasjenige, was als imaginative Erkenntnis ausgebildet wird, liegt oberhalb der gewöhnlichen Sinneswahrnehmung, wird gerade an der Objektivität ausgebildet, nicht an dem krankhaften Inneren.
[ 20 ] Das ist etwas, was der anthroposophischen Geisteswissenschaft so häufig in den Weg geworfen wird. Man sagt: Mit ihren Übungen entwickelt sich ja doch nichts anderes als Vision, Halluzination. Sie bringt an die Oberfläche des Bewußtseins gewissermaßen unterdrückte Nervenkräfte, und niemand könne die Wirklichkeit desjenigen beweisen, wovon anthroposophische Geisteswissenschaft als von höheren Welten redet. Wer auch nur das beachtet, was ich heute schon gesagt habe, der wird fühlen, daß der Weg, den anthroposophische Geisteswissenschaft geht, der entgegengesetzte ist von all jenen Wegen, die zu Visionen, zu Halluzinationen oder etwa gar zu Mediumismus führen. Alles das, was zum Mediumismus, zu Halluzinationen, zu Visionen führt, das geht zuletzt doch nur hervor aus krank gewordenen Leibesorganen, die gewissermaßen ihr Geistig-Seelisches in pathologischer Weise ausatmen herauf in das Bewußtsein. Das alles liegt unterhalb der Sinnesempfindung. Dagegen dasjenige, was als imaginative Erkenntnis ausgebildet wird, liegt oberhalb der gewöhnlichen Sinneswahrnehmung, wird gerade an der Objektivität ausgebildet, nicht an dem krankhaften Inneren.
[ 21 ] Es ist daher ein vollständiges Mißverständnis, wenn man solche Pathologie demjenigen vorwirft, was als anthroposophische geistesforscherische Methode charakterisiert wird. Im Gegenteil, dadurch, daß man in völliger Freiheit des Bewußtseins das ergreift, was ich als imaginative Erkenntnis geschildert habe, gelangt man dazu, alles Halluzinatorische, alles Mediumistische als solches zu durchschauen. Niemand wird strenger abweisen alle derartigen Psychopathien, als gerade derjenige, der nun nicht weiter sein Seelisches hineingedrängt hat in den Leib, wie der Halluzinierende, sondern der sein Seelisches durch die geschilderten Anstrengungen aus dem Leibe gerade herausgezogen hat, der auf der einen Seite nun dazu gekommen ist, sein eigenes Leben bis zu der Geburt hin zunächst in einem solchen Tableau zu überschauen.
[ 21 ] Es ist daher ein vollständiges Mißverständnis, wenn man solche Pathologie demjenigen vorwirft, was als anthroposophische geistesforscherische Methode charakterisiert wird. Im Gegenteil, dadurch, daß man in völliger Freiheit des Bewußtseins das ergreift, was ich als imaginative Erkenntnis geschildert habe, gelangt man dazu, alles Halluzinatorische, alles Mediumistische als solches zu durchschauen. Niemand wird strenger abweisen alle derartigen Psychopathien, als gerade derjenige, der nun nicht weiter sein Seelisches hineingedrängt hat in den Leib, wie der Halluzinierende, sondern der sein Seelisches durch die geschilderten Anstrengungen aus dem Leibe gerade herausgezogen hat, der auf der einen Seite nun dazu gekommen ist, sein eigenes Leben bis zu der Geburt hin zunächst in einem solchen Tableau zu überschauen.
[ 22 ] An dem, was ich eben als Realität bezeichnet habe, merkt man, daß man jetzt wirklich ergriffen hat, was nun nicht bloße Gedanken, sondern was die lebendigen Kräfte sind, die, seit wir im Erdenleben weilen, an dem Aufbau unseres Organismus mitgearbeitet haben. Was sich als Imagination so auftut, ist nichts anderes als die Summe der Kräfte, durch die wir wachsen, die Summe der Kräfte, die auch in unserer Ernährung wirken. Daher nennt anthroposophische Geisteswissenschaft dasjenige, was auf diese Weise als ein übersinnlich im Menschen Wirkendes entdeckt wird, den Ätherleib oder Bildekräfteleib. Sie sehen: Auf eine ganz systematische Weise entdeckt man ein höheres Glied der menschlichen Wesenheit, dasjenige, was als übersinnliches Glied zunächst arbeitet an der Gestaltung unseres Erdenleibes. Und daran, daß man sich in dem, was einem da als Tableau entgegentritt, nicht bewegt wie in gewöhnlichen Gedanken, sondern so, daß man an der Bedrückung gerade die Realität verspürt, dadurch merkt man: Was du da innerlich schaust, ist dasselbe, was sonst unbewußt in deinem Organismus tätig ist.
[ 22 ] An dem, was ich eben als Realität bezeichnet habe, merkt man, daß man jetzt wirklich ergriffen hat, was nun nicht bloße Gedanken, sondern was die lebendigen Kräfte sind, die, seit wir im Erdenleben weilen, an dem Aufbau unseres Organismus mitgearbeitet haben. Was sich als Imagination so auftut, ist nichts anderes als die Summe der Kräfte, durch die wir wachsen, die Summe der Kräfte, die auch in unserer Ernährung wirken. Daher nennt anthroposophische Geisteswissenschaft dasjenige, was auf diese Weise als ein übersinnlich im Menschen Wirkendes entdeckt wird, den Ätherleib oder Bildekräfteleib. Sie sehen: Auf eine ganz systematische Weise entdeckt man ein höheres Glied der menschlichen Wesenheit, dasjenige, was als übersinnliches Glied zunächst arbeitet an der Gestaltung unseres Erdenleibes. Und daran, daß man sich in dem, was einem da als Tableau entgegentritt, nicht bewegt wie in gewöhnlichen Gedanken, sondern so, daß man an der Bedrückung gerade die Realität verspürt, dadurch merkt man: Was du da innerlich schaust, ist dasselbe, was sonst unbewußt in deinem Organismus tätig ist.
[ 23 ] Es ist nichts phantastisch Ersonnenes, was die anthroposophische Geisteswissenschaft als übersinnlichen Äther- oder Lebensleib anspricht. Es ist nicht die hypothetische alte Lebenskraft, die mit Recht von der Wissenschaft verlassen worden ist, es ist etwas, was sich in ganz realer Anschauung ergibt, was eine Wirklichkeit wird für das verstärkte VorstelJungsleben, das entwickelt worden ist, wie die äußere Sinneswelt eine Wirklichkeit ist. Und nicht nebulose mystische Entwickelungen sind es, die uns zu dieser Wirklichkeit bringen, sondern die Verstärkung, die Erkraftung des ganz normalen Denkvermögens, das nur hinausgeführt wird zu einem freien, rein geistig-seelischen Ich. Das ist es, was uns diese erste höhere Wirklichkeit vor die Seele bringt.
[ 23 ] Es ist nichts phantastisch Ersonnenes, was die anthroposophische Geisteswissenschaft als übersinnlichen Äther- oder Lebensleib anspricht. Es ist nicht die hypothetische alte Lebenskraft, die mit Recht von der Wissenschaft verlassen worden ist, es ist etwas, was sich in ganz realer Anschauung ergibt, was eine Wirklichkeit wird für das verstärkte VorstelJungsleben, das entwickelt worden ist, wie die äußere Sinneswelt eine Wirklichkeit ist. Und nicht nebulose mystische Entwickelungen sind es, die uns zu dieser Wirklichkeit bringen, sondern die Verstärkung, die Erkraftung des ganz normalen Denkvermögens, das nur hinausgeführt wird zu einem freien, rein geistig-seelischen Ich. Das ist es, was uns diese erste höhere Wirklichkeit vor die Seele bringt.
[ 24 ] Wir müssen aber, da wir auf der einen Seite zunächst eigentlich nichts anderes als unser eigenes Lebendiges in der Zeitenfolge wie ein Tableau überblicken als Erdenmensch, wir müssen weiterkommen auf dem Wege zu den übersinnlichen Welten. Das geschieht, indem wir wiederum durch Übungen weitere in der Seele schlummernde Kräfte heraufholen. Es gibt im menschlichen Leben, wie Sie wissen, nicht nur das Erinnern, also das Festhalten von Vorstellungen, sondern es gibt auch das Vergessen. Das Vergessen wird uns im gewöhnlichen Leben zu unserem Leidwesen oftmals leicht. Aber gerade derjenige, der viel in Gedanken lebt, wird wissen, daß Gedanken einen auch plagen können, daß es Mühe gibt, die Gedanken ganz zu unterdrücken. Das wird insbesondere zu einer großen Mühe, wenn wir in dieser systematischen Weise, wie ich es beschrieben habe, meditieren, wenn wir das innere tiefe Denken entwickeln. Wenn wir so gewisse Vorstellungen in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken und die Kräfte des Vorstellens verstärken, dann wollen die Vorstellungen nicht gleich wieder fort. Sie bedrücken uns. Sie lassen sich nur unterdrücken, wenn wir uns wiederum ganz systematisch darin üben. Wir müssen gewissermaßen, wenn ich mich etwas paradox ausdrücken darf, künstlich das Vergessen, das Unterdrücken von Vorstellungen, die da sein wollen, üben.
[ 24 ] Wir müssen aber, da wir auf der einen Seite zunächst eigentlich nichts anderes als unser eigenes Lebendiges in der Zeitenfolge wie ein Tableau überblicken als Erdenmensch, wir müssen weiterkommen auf dem Wege zu den übersinnlichen Welten. Das geschieht, indem wir wiederum durch Übungen weitere in der Seele schlummernde Kräfte heraufholen. Es gibt im menschlichen Leben, wie Sie wissen, nicht nur das Erinnern, also das Festhalten von Vorstellungen, sondern es gibt auch das Vergessen. Das Vergessen wird uns im gewöhnlichen Leben zu unserem Leidwesen oftmals leicht. Aber gerade derjenige, der viel in Gedanken lebt, wird wissen, daß Gedanken einen auch plagen können, daß es Mühe gibt, die Gedanken ganz zu unterdrücken. Das wird insbesondere zu einer großen Mühe, wenn wir in dieser systematischen Weise, wie ich es beschrieben habe, meditieren, wenn wir das innere tiefe Denken entwickeln. Wenn wir so gewisse Vorstellungen in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken und die Kräfte des Vorstellens verstärken, dann wollen die Vorstellungen nicht gleich wieder fort. Sie bedrücken uns. Sie lassen sich nur unterdrücken, wenn wir uns wiederum ganz systematisch darin üben. Wir müssen gewissermaßen, wenn ich mich etwas paradox ausdrücken darf, künstlich das Vergessen, das Unterdrücken von Vorstellungen, die da sein wollen, üben.
[ 25 ] Wiederum habe ich im einzelnen in den genannten Büchern viele Übungen geschildert, durch die wir diese Kraft verstärken, welche die Vorstellung unterdrückt. Dann kommen wir dahin, wenn wir lange Zeit solche Übungen im Unterdrücken von Vorstellungen machen, das Bewußtsein bei vollem Wachen ganz leer zu machen. Es ist damit nicht etwas so Unwesentliches gesagt, wie man gewöhnlich glauben könnte. Die meisten Menschen zunächst, die im gewöhnlichen Leben drinnen stehen, wenn sie versuchen, ihr Bewußtsein ganz leer zu machen, schlafen nach einiger Zeit ein. Nun ist das Bewußtsein noch schwerer leer zu machen, wenn man zuerst es durch Meditation mit verstärkten Vorstellungen angefüllt hat. Allein man muß sich darin üben. Und dadurch gelangt man allmählich dahin, nicht nur einzelne Vorstellungen zu unterdrücken, nicht nur gegenüber denselben das Bewußtsein leer zu machen, sondern man gelangt allmählich durch immerwährende Anstrengungen dazu, das ganze Tableau des bisherigen Lebens, von dem ich gesprochen habe, aus dem Bewußtsein herauszubringen. Es ist fast das ganze Leben wie in einem, ich möchte sagen, zur Zeit gewordenen Raume oder in einer zum Raum gewordenen Zeit. Es ist das ganze Tableau des bisherigen Lebens vor uns. Wir erlangen allmählich durch die angedeuteten Übungen die Fähigkeit, dieses ganze Tableau aus dem Bewußtsein auszulöschen, nachdem wir dieses Tableau gehabt haben, das Bewußtsein leer zu machen und doch zu wachen. Dieses ist eine sehr wichtige Etappe auf dem Wege zur Wirklichkeit der höheren Welten. Denn wenn wir in dieser Weise dazu kommen, unser Bewußtsein völlig leer zu machen, nachdem wir es zuerst mit unserem eigenen Lebenstableau, mit der Anschauung unseres Ätherleibs angefüllt hatten, dann stehen wir nicht vor einem Nichts. Dann können wir zwar erkennen, daß alles das, was Sinneswelt ist, nun nicht um uns herum da ist — so wenig ist die Sinneswelt jetzt um uns herum da, wie sie da ist im tiefen traumlosen Schlafe—, aber eine Welt, die wir bisher nicht gekannt haben, taucht auf, eine Welt übersinnlicher Wesen und übersinnlicher Vorgänge. Die entdecken wir, nachdem wir unser eigenes Lebenstableau erst aus dem Bewußtsein herausgeschafft haben. Es ist einfach absurd, gegenüber dem, was da auftaucht nach diesen Anstrengungen, davon zu sprechen, daß es bloße Lebensreminiszenzen, daß es Illusionen sein könnten. Wer das in Realität erlebt, der weiß — ebenso wie er gegenüber der äußeren Sinneswirklichkeit weiß, daß er eben eine Wirklichkeit vor sich hat — durch das unmittelbare Leben, daß er eben eine solche Wirklichkeit vor sich hat.
[ 25 ] Wiederum habe ich im einzelnen in den genannten Büchern viele Übungen geschildert, durch die wir diese Kraft verstärken, welche die Vorstellung unterdrückt. Dann kommen wir dahin, wenn wir lange Zeit solche Übungen im Unterdrücken von Vorstellungen machen, das Bewußtsein bei vollem Wachen ganz leer zu machen. Es ist damit nicht etwas so Unwesentliches gesagt, wie man gewöhnlich glauben könnte. Die meisten Menschen zunächst, die im gewöhnlichen Leben drinnen stehen, wenn sie versuchen, ihr Bewußtsein ganz leer zu machen, schlafen nach einiger Zeit ein. Nun ist das Bewußtsein noch schwerer leer zu machen, wenn man zuerst es durch Meditation mit verstärkten Vorstellungen angefüllt hat. Allein man muß sich darin üben. Und dadurch gelangt man allmählich dahin, nicht nur einzelne Vorstellungen zu unterdrücken, nicht nur gegenüber denselben das Bewußtsein leer zu machen, sondern man gelangt allmählich durch immerwährende Anstrengungen dazu, das ganze Tableau des bisherigen Lebens, von dem ich gesprochen habe, aus dem Bewußtsein herauszubringen. Es ist fast das ganze Leben wie in einem, ich möchte sagen, zur Zeit gewordenen Raume oder in einer zum Raum gewordenen Zeit. Es ist das ganze Tableau des bisherigen Lebens vor uns. Wir erlangen allmählich durch die angedeuteten Übungen die Fähigkeit, dieses ganze Tableau aus dem Bewußtsein auszulöschen, nachdem wir dieses Tableau gehabt haben, das Bewußtsein leer zu machen und doch zu wachen. Dieses ist eine sehr wichtige Etappe auf dem Wege zur Wirklichkeit der höheren Welten. Denn wenn wir in dieser Weise dazu kommen, unser Bewußtsein völlig leer zu machen, nachdem wir es zuerst mit unserem eigenen Lebenstableau, mit der Anschauung unseres Ätherleibs angefüllt hatten, dann stehen wir nicht vor einem Nichts. Dann können wir zwar erkennen, daß alles das, was Sinneswelt ist, nun nicht um uns herum da ist — so wenig ist die Sinneswelt jetzt um uns herum da, wie sie da ist im tiefen traumlosen Schlafe—, aber eine Welt, die wir bisher nicht gekannt haben, taucht auf, eine Welt übersinnlicher Wesen und übersinnlicher Vorgänge. Die entdecken wir, nachdem wir unser eigenes Lebenstableau erst aus dem Bewußtsein herausgeschafft haben. Es ist einfach absurd, gegenüber dem, was da auftaucht nach diesen Anstrengungen, davon zu sprechen, daß es bloße Lebensreminiszenzen, daß es Illusionen sein könnten. Wer das in Realität erlebt, der weiß — ebenso wie er gegenüber der äußeren Sinneswirklichkeit weiß, daß er eben eine Wirklichkeit vor sich hat — durch das unmittelbare Leben, daß er eben eine solche Wirklichkeit vor sich hat.
[ 26 ] Das Wesentliche bei diesem allem aber ist, daß wenn der Mensch zum Halluzinierenden, zum Visionsmenschen wird, er dann sein gewöhnliches Bewußtsein verliert. Der Halluzinierende lebt in seinen Halluzinationen. Seine gewöhnliche Besonnenheit ist nicht mehr da. Derjenige, der in solcher Weise sich ausbildet, wie ich es beschrieben habe, verliert nichts von seinem gesunden Menschenverstand, er verliert nichts von seiner gewöhnlichen Besonnenheit. All dasjenige, was er früher hatte, bleibt ihm, und er kann von dem Anblicke der neuen Welten, der übersinnlichen Welten, die jetzt vor ihm auftauchen, immer zurückblicken. Wie man auf seine Erinnerungen zurückblickt, kann er immer zurückblicken zu dem, was er im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft seinem Bewußtsein einverleiben kann. Daher kann der also sich Ausbildende sein bewußtes Denken, sein ganz vom Willen durchdrungenes Denken in die ganze Wahrnehmung der übersinnlichen Welt hineintragen. Er kann über diese übersinnliche Welt verstandesmäßig, vernunftgemäß so sprechen, wie man sonst über die Sinneswelt in der gewöhnlichen Wissenschaft spricht. Da er diese höheren Welten mit dem gewöhnlichen Verstande, mit der gewöhnlichen wissenschaftlichen Methode beschreibt, so kann ihm jeder folgen, auch wenn er kein Geistesforscher, kein forschender Anthroposoph geworden ist, sondern einfach seinen gesunden Menschenverstand Kritik üben läßt. Weil der anthroposophische Forscher diesen gesunden Menschenverstand in alle Erkenntnis der höheren Welten hineinträgt, braucht man kein Geistesforscher zu sein, um seine Mitteilungen zu verstehen. Wenn man die Mitteilungen des Geistesforschers entgegennimmt, so müssen sie einem in solchen Formen entgegentreten, daß der gesunde Menschenverstand sie verfolgen kann. Das gilt nicht nur vom imaginativen Denken, durch das einem ja zunächst nur erst das Erdenleben auftritt, sondern das gilt auch bis zu der Stufe des Erkennens, von der ich eben jetzt gesprochen habe, und die ich in meinen Büchern das inspirierte Erkennen genannt habe.
[ 26 ] Das Wesentliche bei diesem allem aber ist, daß wenn der Mensch zum Halluzinierenden, zum Visionsmenschen wird, er dann sein gewöhnliches Bewußtsein verliert. Der Halluzinierende lebt in seinen Halluzinationen. Seine gewöhnliche Besonnenheit ist nicht mehr da. Derjenige, der in solcher Weise sich ausbildet, wie ich es beschrieben habe, verliert nichts von seinem gesunden Menschenverstand, er verliert nichts von seiner gewöhnlichen Besonnenheit. All dasjenige, was er früher hatte, bleibt ihm, und er kann von dem Anblicke der neuen Welten, der übersinnlichen Welten, die jetzt vor ihm auftauchen, immer zurückblicken. Wie man auf seine Erinnerungen zurückblickt, kann er immer zurückblicken zu dem, was er im gewöhnlichen Leben, in der gewöhnlichen Wissenschaft seinem Bewußtsein einverleiben kann. Daher kann der also sich Ausbildende sein bewußtes Denken, sein ganz vom Willen durchdrungenes Denken in die ganze Wahrnehmung der übersinnlichen Welt hineintragen. Er kann über diese übersinnliche Welt verstandesmäßig, vernunftgemäß so sprechen, wie man sonst über die Sinneswelt in der gewöhnlichen Wissenschaft spricht. Da er diese höheren Welten mit dem gewöhnlichen Verstande, mit der gewöhnlichen wissenschaftlichen Methode beschreibt, so kann ihm jeder folgen, auch wenn er kein Geistesforscher, kein forschender Anthroposoph geworden ist, sondern einfach seinen gesunden Menschenverstand Kritik üben läßt. Weil der anthroposophische Forscher diesen gesunden Menschenverstand in alle Erkenntnis der höheren Welten hineinträgt, braucht man kein Geistesforscher zu sein, um seine Mitteilungen zu verstehen. Wenn man die Mitteilungen des Geistesforschers entgegennimmt, so müssen sie einem in solchen Formen entgegentreten, daß der gesunde Menschenverstand sie verfolgen kann. Das gilt nicht nur vom imaginativen Denken, durch das einem ja zunächst nur erst das Erdenleben auftritt, sondern das gilt auch bis zu der Stufe des Erkennens, von der ich eben jetzt gesprochen habe, und die ich in meinen Büchern das inspirierte Erkennen genannt habe.
[ 27 ] Ich bitte, sich an solchen Ausdrücken nicht zu stoßen. Es ist nichts Abergläubisches oder Althergebrachtes damit gemeint, sondern allein dasjenige, was ich beschreibe. Inspiriertes Erkennen nenne ich es deshalb, weil in der Tat gerade so, wie aus der Außenwelt als ein Reales die Luft in unseren Atmungsorganismus hereinkommt, so jetzt die übersinnliche Welt in die gewöhnliche Seelenwelt hereinkommt. Wir sind, indem wir einem solchen inspirierten Erkennen als Geistesforscher hingegeben sind, in der folgenden Lage. Wir gehen zunächst aus von der gewöhnlichen Seelenverfassung. Nachdem wir uns zuerst die Fähigkeit angeeignet haben, das Bewußtsein leer zu machen, können wir, wo wir auch stehen, in der Zeit oder im Raume, was wir auch in unserem Bewußtsein haben, die Möglichkeit herbeiführen, das Bewußtsein leer zu machen. Von gewissen Ausgangspunkten aus erscheint uns dann irgend etwas von dem Wesen, von den Vorgängen der übersinnlichen Welt. Wie eine Einatmung, eine Inspiration ist dieses. Die geistige Welt wird hereingeatmet in die gewöhnliche Welt. Und wiederum müssen wir die Stärke haben, das gewöhnliche Bewußtsein herzustellen, zu urteilen vom gewöhnlichen Bewußtsein aus über diese geistige Welt. Es ist ein fortwährendes Aus- und Einatmen der geistigen Welt, ein immer wiederkehrendes Herankommen an das gewöhnliche Bewußtsein, das den Menschen eben auch gegenüber diesen geistigen Welten voll besonnen macht.
[ 27 ] Ich bitte, sich an solchen Ausdrücken nicht zu stoßen. Es ist nichts Abergläubisches oder Althergebrachtes damit gemeint, sondern allein dasjenige, was ich beschreibe. Inspiriertes Erkennen nenne ich es deshalb, weil in der Tat gerade so, wie aus der Außenwelt als ein Reales die Luft in unseren Atmungsorganismus hereinkommt, so jetzt die übersinnliche Welt in die gewöhnliche Seelenwelt hereinkommt. Wir sind, indem wir einem solchen inspirierten Erkennen als Geistesforscher hingegeben sind, in der folgenden Lage. Wir gehen zunächst aus von der gewöhnlichen Seelenverfassung. Nachdem wir uns zuerst die Fähigkeit angeeignet haben, das Bewußtsein leer zu machen, können wir, wo wir auch stehen, in der Zeit oder im Raume, was wir auch in unserem Bewußtsein haben, die Möglichkeit herbeiführen, das Bewußtsein leer zu machen. Von gewissen Ausgangspunkten aus erscheint uns dann irgend etwas von dem Wesen, von den Vorgängen der übersinnlichen Welt. Wie eine Einatmung, eine Inspiration ist dieses. Die geistige Welt wird hereingeatmet in die gewöhnliche Welt. Und wiederum müssen wir die Stärke haben, das gewöhnliche Bewußtsein herzustellen, zu urteilen vom gewöhnlichen Bewußtsein aus über diese geistige Welt. Es ist ein fortwährendes Aus- und Einatmen der geistigen Welt, ein immer wiederkehrendes Herankommen an das gewöhnliche Bewußtsein, das den Menschen eben auch gegenüber diesen geistigen Welten voll besonnen macht.
[ 28 ] Daß der Ausdruck Inspiration berechtigt ist, mag hervorgehen aus etwas, das ich nur zum Vergleich heranziehen möchte. Der heutige Geistesforscher ist nicht in der Lage, in derselben Weise zu den übersinnlichen höheren Welten vorzudringen, wie vordrangen Völker früherer, namentlich menschlicher Urzeiten. Die Art und Weise, wie orientalische Völker vorgedrungen sind zu den höheren Welten, ist überliefert und wird in dekadenter Form noch vielfach heute in Asien drüben, bei einer anderen Leibesorganisation, bei einer anderen Körperkonstitution geübt als Joga-Übung. Das ist nichts, was man im Abendlande zu unserem Heile aufnehmen kann. Das läuft instinktiv, unbewußt ab, während all dasjenige, was ich geschildert habe, bei vollem Bewußtsein, mit vollem Willen abläuft. Dennoch können wir aber in gewisser Weise etwas lernen an der Art und Weise, wie man in früheren instinktiven Zeitaltern der Menschheitsentwickelung zu den höheren Welten und ihren Wirkungen aufsteigen wollte. In den Joga-Übungen suchte der alte Inder sein Atmen zu regeln, nicht in der gewöhnlichen Weise zu atmen, sondern in einer geregelten, geordneten oder besser gesagt, umgeordneten Weise zu atmen, in einer Weise zu atmen, die ihm zum Bewußtsein kam, bei der er immer dabei war mit seinem Bewußtsein, während das gewöhnliche Atmen ja durchaus unbewußt als ein bloßer organischer Prozeß abläuft. Indem erlebt wurde dieser Rhythmus: Einatmen-Ausatmen, Einatmen-Ausatmen, lebte sich der Joga-Schüler in den Weltenrhythmus ein, und in dem physischen Rhythmus des Atmens lebte er sich ein in den geistigen Rhythmus des Einatmens der geistigen Welten, des Wiederausatmens der geistigen Welten, wie ich das eben als für unsere abendländische Zivilisation geeignet auch beschrieben habe. Man lebt sich in der Tat in einen Rhythmus ein. Dasjenige Dasein, das man sonst als Erdendasein hat, das kann gewissermaßen fortwährend inspiriert und wieder inspiriert werden gegenüber einer übersinnlichen, höheren Welt. Welches ist diese übersinnliche höhere Welt?
[ 28 ] Daß der Ausdruck Inspiration berechtigt ist, mag hervorgehen aus etwas, das ich nur zum Vergleich heranziehen möchte. Der heutige Geistesforscher ist nicht in der Lage, in derselben Weise zu den übersinnlichen höheren Welten vorzudringen, wie vordrangen Völker früherer, namentlich menschlicher Urzeiten. Die Art und Weise, wie orientalische Völker vorgedrungen sind zu den höheren Welten, ist überliefert und wird in dekadenter Form noch vielfach heute in Asien drüben, bei einer anderen Leibesorganisation, bei einer anderen Körperkonstitution geübt als Joga-Übung. Das ist nichts, was man im Abendlande zu unserem Heile aufnehmen kann. Das läuft instinktiv, unbewußt ab, während all dasjenige, was ich geschildert habe, bei vollem Bewußtsein, mit vollem Willen abläuft. Dennoch können wir aber in gewisser Weise etwas lernen an der Art und Weise, wie man in früheren instinktiven Zeitaltern der Menschheitsentwickelung zu den höheren Welten und ihren Wirkungen aufsteigen wollte. In den Joga-Übungen suchte der alte Inder sein Atmen zu regeln, nicht in der gewöhnlichen Weise zu atmen, sondern in einer geregelten, geordneten oder besser gesagt, umgeordneten Weise zu atmen, in einer Weise zu atmen, die ihm zum Bewußtsein kam, bei der er immer dabei war mit seinem Bewußtsein, während das gewöhnliche Atmen ja durchaus unbewußt als ein bloßer organischer Prozeß abläuft. Indem erlebt wurde dieser Rhythmus: Einatmen-Ausatmen, Einatmen-Ausatmen, lebte sich der Joga-Schüler in den Weltenrhythmus ein, und in dem physischen Rhythmus des Atmens lebte er sich ein in den geistigen Rhythmus des Einatmens der geistigen Welten, des Wiederausatmens der geistigen Welten, wie ich das eben als für unsere abendländische Zivilisation geeignet auch beschrieben habe. Man lebt sich in der Tat in einen Rhythmus ein. Dasjenige Dasein, das man sonst als Erdendasein hat, das kann gewissermaßen fortwährend inspiriert und wieder inspiriert werden gegenüber einer übersinnlichen, höheren Welt. Welches ist diese übersinnliche höhere Welt?
[ 29 ] Man hat vorher durch das imaginative Anschauen dasjenige erkennen gelernt, was in einem arbeitet als Äther- oder Bildekräfteleib während des Erdendaseins. Diesen Äther- oder Bildekräfteleib hat man unterdrückt. Man hat eine neue Welt entdeckt. Insofern man in dieser neuen Welt lebt, ist die Sinneswelt nicht da. Sie ist nur wie eine Erinnerung da, wie ich ausgeführt habe. Aber in der neuen Welt, die man entdeckt, entdeckt man eine höhere Wirklichkeit, diejenige Wirklichkeit, die nun den Äther- oder Bildekräfteleib wiederum so durcharbeitet, durchdringt, wie dieser Äther- oder Bildekräfteleib den physischen Leib durchdringt. Wiederum spricht anthroposophische Geisteswissenschaft nicht aus einer Phantastik heraus, sondern aus streng systematisch eingeschlagenen Wegen in die höheren Wirklichkeiten, von dem astralischen Leibe des Menschen, der in dieser Weise entdeckt wird, und der den ätherischen oder Bildekräfteleib durchdringt, der aber in anderen Welten lebt. Und wenn man prüft die Welten, in denen dieser astralische Leib mit dem Ich lebt, so wie ich körperlich unter den Sinnesdingen lebe, dann entdeckt man die geistig-seelische Welt, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist, indem er sich durch die Geburt, oder sagen wir, durch die Empfängnis mit der physischen Materie, die ihm Vater und Mutter gegeben haben, verbindet. Man entdeckt den ewigen, unsterblichen Wesenskern des Menschen durch unmittelbare Anschauung, zu der man sich durchgerungen hat, und die geprüft werden kann von dem gesunden Menschenverstand durch die Gründe, die ich angeführt habe.
[ 29 ] Man hat vorher durch das imaginative Anschauen dasjenige erkennen gelernt, was in einem arbeitet als Äther- oder Bildekräfteleib während des Erdendaseins. Diesen Äther- oder Bildekräfteleib hat man unterdrückt. Man hat eine neue Welt entdeckt. Insofern man in dieser neuen Welt lebt, ist die Sinneswelt nicht da. Sie ist nur wie eine Erinnerung da, wie ich ausgeführt habe. Aber in der neuen Welt, die man entdeckt, entdeckt man eine höhere Wirklichkeit, diejenige Wirklichkeit, die nun den Äther- oder Bildekräfteleib wiederum so durcharbeitet, durchdringt, wie dieser Äther- oder Bildekräfteleib den physischen Leib durchdringt. Wiederum spricht anthroposophische Geisteswissenschaft nicht aus einer Phantastik heraus, sondern aus streng systematisch eingeschlagenen Wegen in die höheren Wirklichkeiten, von dem astralischen Leibe des Menschen, der in dieser Weise entdeckt wird, und der den ätherischen oder Bildekräfteleib durchdringt, der aber in anderen Welten lebt. Und wenn man prüft die Welten, in denen dieser astralische Leib mit dem Ich lebt, so wie ich körperlich unter den Sinnesdingen lebe, dann entdeckt man die geistig-seelische Welt, aus welcher der Mensch heruntergestiegen ist, indem er sich durch die Geburt, oder sagen wir, durch die Empfängnis mit der physischen Materie, die ihm Vater und Mutter gegeben haben, verbindet. Man entdeckt den ewigen, unsterblichen Wesenskern des Menschen durch unmittelbare Anschauung, zu der man sich durchgerungen hat, und die geprüft werden kann von dem gesunden Menschenverstand durch die Gründe, die ich angeführt habe.
[ 30 ] Es wird einem heute ganz besonders übel genommen, wenn man nicht im allgemeinen, wie etwa der Pantheist, spricht von einer verschwommenen Geisteswelt, die alles durchdringe, sondern wenn man aufsteigt zu der besonderen Beschreibung einer geistig-seelischen Welt, aus der wir heruntergestiegen sind durch die Geburt zum physischen Dasein, zu der wir wieder hinaufsteigen, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, die wir also als Wirklichkeit, nicht durch Spekulation, nicht durch nebulose mystische Empfindung, sondern durch streng geregelte Anschauung entdekken. Es wird einem übel genommen, wenn man diese Welten beschreibt, wie ich es zum Beispiel getan habe in meiner «Geheimwissenschaft». Ich möchte mich durch einen einfachen Vergleich verständlich machen, wie man wirklich diese Welten beschreiben kann. Wenn Sie auf die gewöhnliche Erinnerung und das gewöhnliche Gedächtnis schauen, was erleben Sie dann da? Sie haben dies oder jenes durchgemacht im Leben. Was längst vorbei ist, was längst keine äußere Realität mehr ist, das steht im Bilde in der Erinnerung vor Ihnen. Von diesem Bild aus konstruieren Sie sich das Erlebnis wıederum. Es ist aus der Außenwelt in Sie eben gewissermaßen hineingewandert, ist Seeleninhalt geworden. Aus unserem Seeleninhalt heraus konstruieren wir uns in jedem Augenblick die ganze Erinnerungswelt, die Welt der äußeren Erlebnisse, in die wir hineinverstrickt worden sind. Das Innere wird begriffen, wird ergriffen, wird erfaßt im Vorstellungs-, im Gemüts-, im Willensleben. Indem man das Innere erfaßt, zaubert sich die äußere Welt der Erlebnisse vor die Seele. Was aber erfaßt man durch Imagination, Inspiration?
[ 30 ] Es wird einem heute ganz besonders übel genommen, wenn man nicht im allgemeinen, wie etwa der Pantheist, spricht von einer verschwommenen Geisteswelt, die alles durchdringe, sondern wenn man aufsteigt zu der besonderen Beschreibung einer geistig-seelischen Welt, aus der wir heruntergestiegen sind durch die Geburt zum physischen Dasein, zu der wir wieder hinaufsteigen, indem wir durch die Pforte des Todes gehen, die wir also als Wirklichkeit, nicht durch Spekulation, nicht durch nebulose mystische Empfindung, sondern durch streng geregelte Anschauung entdekken. Es wird einem übel genommen, wenn man diese Welten beschreibt, wie ich es zum Beispiel getan habe in meiner «Geheimwissenschaft». Ich möchte mich durch einen einfachen Vergleich verständlich machen, wie man wirklich diese Welten beschreiben kann. Wenn Sie auf die gewöhnliche Erinnerung und das gewöhnliche Gedächtnis schauen, was erleben Sie dann da? Sie haben dies oder jenes durchgemacht im Leben. Was längst vorbei ist, was längst keine äußere Realität mehr ist, das steht im Bilde in der Erinnerung vor Ihnen. Von diesem Bild aus konstruieren Sie sich das Erlebnis wıederum. Es ist aus der Außenwelt in Sie eben gewissermaßen hineingewandert, ist Seeleninhalt geworden. Aus unserem Seeleninhalt heraus konstruieren wir uns in jedem Augenblick die ganze Erinnerungswelt, die Welt der äußeren Erlebnisse, in die wir hineinverstrickt worden sind. Das Innere wird begriffen, wird ergriffen, wird erfaßt im Vorstellungs-, im Gemüts-, im Willensleben. Indem man das Innere erfaßt, zaubert sich die äußere Welt der Erlebnisse vor die Seele. Was aber erfaßt man durch Imagination, Inspiration?
[ 31 ] Man erfaßt nicht bloß dasjenige, was man im Erdenleben aufgenommen hat, man erfaßt den ganzen Menschen. Man lernt erkennen, wie in allen menschlichen Organen der Bildekräfteleib arbeitet und durch das ganze Leben hindurch ein einheitlicher bleibt. Man lernt erkennen, wie der astralische Leib in einer geistig-seelischen Welt vor der Geburt und der Empfängnis unseren ewigen Wesenskern trägt, wie er in uns eindringt, wie er in uns arbeitet. Der Mensch wird sozusagen ganz durchsichtig. Sein Physisches lernt er erkennen als Wirkung des Geistigen. Geradeso wie wir in unsere Erinnerung hereinschauen, unser Erdenleben uns vorkonstruieren, so können wir, wenn wir jetzt tiefer in unser Inneres hineinschauen, wenn wir nicht nur dasjenige in uns erfassen, was wir durch unser Erdenleben hindurch geistig-seelisch in uns gelegt haben, sondern wenn wir erfassen, wie wir in unseren Organen konstruiert sind, wie unser Ätherleib, wie unser astralischer Leib, wie unser Ich einverwebt ist diesem physischen Leib. Wir können uns schauend ebenso hinausversetzen, wie durch die Erinnerung in unseren Ätherleib, in die großen kosmischen, in die Welterlebnisse. Denn der Mensch war bei allem dabei, was sich in der Welt, mit der er verbunden ist, geistig und seelisch und physisch abgespielt hat. Er kann, wenn er sich selbst in der geschilderten Weise durchschaut, in der Selbstschau erkennen, durch welche Ereignisse er geschichtlich sich heraufentwickelt hat, durch welche Ereignisse das ganze menschliche Wesen im Kosmos sich entwickelt hat.
[ 31 ] Man erfaßt nicht bloß dasjenige, was man im Erdenleben aufgenommen hat, man erfaßt den ganzen Menschen. Man lernt erkennen, wie in allen menschlichen Organen der Bildekräfteleib arbeitet und durch das ganze Leben hindurch ein einheitlicher bleibt. Man lernt erkennen, wie der astralische Leib in einer geistig-seelischen Welt vor der Geburt und der Empfängnis unseren ewigen Wesenskern trägt, wie er in uns eindringt, wie er in uns arbeitet. Der Mensch wird sozusagen ganz durchsichtig. Sein Physisches lernt er erkennen als Wirkung des Geistigen. Geradeso wie wir in unsere Erinnerung hereinschauen, unser Erdenleben uns vorkonstruieren, so können wir, wenn wir jetzt tiefer in unser Inneres hineinschauen, wenn wir nicht nur dasjenige in uns erfassen, was wir durch unser Erdenleben hindurch geistig-seelisch in uns gelegt haben, sondern wenn wir erfassen, wie wir in unseren Organen konstruiert sind, wie unser Ätherleib, wie unser astralischer Leib, wie unser Ich einverwebt ist diesem physischen Leib. Wir können uns schauend ebenso hinausversetzen, wie durch die Erinnerung in unseren Ätherleib, in die großen kosmischen, in die Welterlebnisse. Denn der Mensch war bei allem dabei, was sich in der Welt, mit der er verbunden ist, geistig und seelisch und physisch abgespielt hat. Er kann, wenn er sich selbst in der geschilderten Weise durchschaut, in der Selbstschau erkennen, durch welche Ereignisse er geschichtlich sich heraufentwickelt hat, durch welche Ereignisse das ganze menschliche Wesen im Kosmos sich entwickelt hat.
[ 32 ] Wer diesen Gedanken in seiner vollen Tragweite erfaßt, wird es nicht mehr absonderlich finden, daß ich in meiner «Geheimwissenschaft» geschildert habe, wie der Mensch in seinen ursprünglichen Gestaltungen nicht nur mit der Erde verbunden war, sondern mit planetarischen Welten, die als ältere Metamorphosen der Erde vorangegangen sind, wie man durch dasjenige, was im Menschen veranlagt ist, durchschauen kann, daß die Erde wiederum in andere planetarische Zustände sich verwandeln wird, wie man das nicht bloß durchschauen kann vom Menschen aus, sondern wie man wirklich in höhere Welten dadurch eindringt, und die gewöhnlichen Welten, die um uns als Erdenmenschen sich ausbreitenden Welten, als Wirkung höherer geistiger Welten, übersinnlicher Welten erkennen kann. Man muß sich nur bekannt machen mit all den Anstrengungen, die anthroposophische Geisteswissenschaft durchmacht, um zu diesen Resultaten zu kommen. Es ist oftmals der Glaube vorhanden, daß aus irgendwelchen Einfällen heraus, aus subjektiven Verstandeserwägungen oder gar aus Phantasmen dasjenige erzählt wird, was anthroposophische Geistesforschung über die Wirklichkeit höherer Welten vorbringt. Es ist nicht so. Klinische Forschung, Sternwartenforschung muß man im einzelnen lernen. Es ist schwer. Dasjenige aber, was in dieser Weise innerlich, ich möchte sagen, innerlich experimentierend vom Menschen erobert wird, um zu der Anschauung höherer Welten zu kommen, es ist noch schwerer. Es erfordert noch mehr Hingabe, mehr Sorgfalt, mehr innere Gewissenhaftigkeit und Methodik. Und was hier im ernsten und ehrlichen Sinne als Geisteswissenschaft geschildert wird, ist weit verschieden von dem, was landläufig als Okkultismus, als Mystik und dergleichen auftritt. Wie sich die Wissenschaft zum Aberglauben verhält, so verhält sich diese Geisteswissenschaft zu dem landläufigen Okkultismus, der durch allerlei Medien oder durch allerlei laienhaftes Sammeln von äußerlichen, überraschenden Tatsachen zu seinen Erkenntnissen kommen will. Diese besondere Form des modernen Aberglaubens, sie wird durch nichts sicherer überwunden als durch die ernste und ehrliche Geistesforschung, die ihre durchaus gewissenhaften Methoden ausbildet.
[ 32 ] Wer diesen Gedanken in seiner vollen Tragweite erfaßt, wird es nicht mehr absonderlich finden, daß ich in meiner «Geheimwissenschaft» geschildert habe, wie der Mensch in seinen ursprünglichen Gestaltungen nicht nur mit der Erde verbunden war, sondern mit planetarischen Welten, die als ältere Metamorphosen der Erde vorangegangen sind, wie man durch dasjenige, was im Menschen veranlagt ist, durchschauen kann, daß die Erde wiederum in andere planetarische Zustände sich verwandeln wird, wie man das nicht bloß durchschauen kann vom Menschen aus, sondern wie man wirklich in höhere Welten dadurch eindringt, und die gewöhnlichen Welten, die um uns als Erdenmenschen sich ausbreitenden Welten, als Wirkung höherer geistiger Welten, übersinnlicher Welten erkennen kann. Man muß sich nur bekannt machen mit all den Anstrengungen, die anthroposophische Geisteswissenschaft durchmacht, um zu diesen Resultaten zu kommen. Es ist oftmals der Glaube vorhanden, daß aus irgendwelchen Einfällen heraus, aus subjektiven Verstandeserwägungen oder gar aus Phantasmen dasjenige erzählt wird, was anthroposophische Geistesforschung über die Wirklichkeit höherer Welten vorbringt. Es ist nicht so. Klinische Forschung, Sternwartenforschung muß man im einzelnen lernen. Es ist schwer. Dasjenige aber, was in dieser Weise innerlich, ich möchte sagen, innerlich experimentierend vom Menschen erobert wird, um zu der Anschauung höherer Welten zu kommen, es ist noch schwerer. Es erfordert noch mehr Hingabe, mehr Sorgfalt, mehr innere Gewissenhaftigkeit und Methodik. Und was hier im ernsten und ehrlichen Sinne als Geisteswissenschaft geschildert wird, ist weit verschieden von dem, was landläufig als Okkultismus, als Mystik und dergleichen auftritt. Wie sich die Wissenschaft zum Aberglauben verhält, so verhält sich diese Geisteswissenschaft zu dem landläufigen Okkultismus, der durch allerlei Medien oder durch allerlei laienhaftes Sammeln von äußerlichen, überraschenden Tatsachen zu seinen Erkenntnissen kommen will. Diese besondere Form des modernen Aberglaubens, sie wird durch nichts sicherer überwunden als durch die ernste und ehrliche Geistesforschung, die ihre durchaus gewissenhaften Methoden ausbildet.
[ 33 ] Und wenn der Mensch in dieser Weise zum inspirierten Erkennen und damit zu der Anschauung derjenigen Welt gekommen ist, die er verlassen hat mit der Geburt oder mit der Konzeption, und die er wiederum nach dem Tode betritt, wenn der Mensch in diese Welten eintritt, dann erfährt er wiederum innerlich etwas, was, wenn es im Abglanze im gewöhnlichen Bewußtsein erscheint — und alles Übersinnliche erscheint ja irgendwie als sehr unbestimmte Gefühle oder dergleichen im gewöhnlichen Bewußstein —, ihm als Pessimismus erscheint. Was der Geistesforscher durch inspiriertes Erkennen erlebt, erscheint ihm als Pessimismus. Warum als Pessimismus? Weil der Geistesforscher in der Tat, indem er in diese höheren Welten eintritt, schon etwas empfindet wie tiefen Schmerz, wie umfassende Entbehrung. Nun muß man gerade durch diejenigen Übungen, die ich ja in meinen Büchern schildere, gewappnet sein, vorbereitet sein dazu, aufrecht, wacker diesen Schmerz zu ertragen. Was ist es denn für ein Schmerz? Man lernt diesen Schmerz als eine Realität erkennen. Dieser Schmerz, der eigentlich eine intensive Sehnsucht ist, nichts anderes ist er, als das Erleben der Kraft, durch welche die Seele aus den geistigen Welten durch die Geburt ins physische Dasein tritt. Die letzten Zeiten, welche die Seele durchmacht, um, nachdem sie in geistigen Welten gelebt hat, ins physische Dasein herunterzusteigen, erlebt die Seele als Sehnsucht nach der physischen Welt. Diese Sehnsucht erlebt man als Schmerz nach. Und gerade, daß man nicht nur abstrakt theoretisch etwas erlebt in der Geisteswissenschaft, sondern daß man mit seinem ganzen Menschen, mit Fühlen und Wollen in Geisteswissenschaft drinnen steht, das macht das Wesentliche dieses Weges in die höheren Welten aus.
[ 33 ] Und wenn der Mensch in dieser Weise zum inspirierten Erkennen und damit zu der Anschauung derjenigen Welt gekommen ist, die er verlassen hat mit der Geburt oder mit der Konzeption, und die er wiederum nach dem Tode betritt, wenn der Mensch in diese Welten eintritt, dann erfährt er wiederum innerlich etwas, was, wenn es im Abglanze im gewöhnlichen Bewußtsein erscheint — und alles Übersinnliche erscheint ja irgendwie als sehr unbestimmte Gefühle oder dergleichen im gewöhnlichen Bewußstein —, ihm als Pessimismus erscheint. Was der Geistesforscher durch inspiriertes Erkennen erlebt, erscheint ihm als Pessimismus. Warum als Pessimismus? Weil der Geistesforscher in der Tat, indem er in diese höheren Welten eintritt, schon etwas empfindet wie tiefen Schmerz, wie umfassende Entbehrung. Nun muß man gerade durch diejenigen Übungen, die ich ja in meinen Büchern schildere, gewappnet sein, vorbereitet sein dazu, aufrecht, wacker diesen Schmerz zu ertragen. Was ist es denn für ein Schmerz? Man lernt diesen Schmerz als eine Realität erkennen. Dieser Schmerz, der eigentlich eine intensive Sehnsucht ist, nichts anderes ist er, als das Erleben der Kraft, durch welche die Seele aus den geistigen Welten durch die Geburt ins physische Dasein tritt. Die letzten Zeiten, welche die Seele durchmacht, um, nachdem sie in geistigen Welten gelebt hat, ins physische Dasein herunterzusteigen, erlebt die Seele als Sehnsucht nach der physischen Welt. Diese Sehnsucht erlebt man als Schmerz nach. Und gerade, daß man nicht nur abstrakt theoretisch etwas erlebt in der Geisteswissenschaft, sondern daß man mit seinem ganzen Menschen, mit Fühlen und Wollen in Geisteswissenschaft drinnen steht, das macht das Wesentliche dieses Weges in die höheren Welten aus.
[ 34 ] Das Theoretisieren genügt nicht, um den anthroposophischen Weg in die übersinnlichen Welten hinein zu machen. Was an den Methoden dieser Geistesforschung durchlebt werden muß, erfordert durchaus auf allen Stufen moralische Vorbereitung. Und es gibt im Grunde genommen keine bessere Vorbereitung zur moralischen Festigung des ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist, als diejenigen Übungen durchzumachen, die durchgemacht werden müssen, um die Wirklichkeit übersinnlicher Welten zu erlangen. Dem bloßen Theoretiker ergeben sie sich nicht. Nur demjenigen ergeben sie sich, der sein ganzes Menschtum einsetzt, der alles an Kräften des guten Empfindens, des schönen Auffassens der Welt, des religiösen, frommen Vertiefens in die Weltengeheimnisse in seiner Seele lebendig macht, der Menschenliebe und Weltenliebe zu Kräften innerlicher Durchwärmung macht, nur der erlangt die moralische Festigung, die notwendig ist, um in dieser Weise vorzudringen zu der Wirklichkeit höherer Welten. Es wird daher von manchen Menschen anerkannt, daß die Übungen‚ die ich charakterisiere, um den geisteswissenschaftlichen Weg in die höheren Welten zu gehen, eine moralische Seite haben, die durchaus anerkennenswert sei. Aber es wird das auch von denjenigen zugegeben, die dann abschwenken und nicht mitmachen wollen den wirklichen Erkenntnisweg in die übersinnlichen Welten. Es ist aber doch nur dieser Weg, der gegenüber der heutigen wissenschaftlichen Sehnsucht, welche die Menschheit schon einmal hat, hineinführt in diese höheren Welten. Und indem man aufrückt durch Imagination und Inspiration, gelangt man erstens hinein in sein eigenes Selbst. Aber dieses eigene Selbst muß sich auch hingeben an die Umwelt. Ich habe schon angeführt, wie das Denken gewissermaßen schon bei der Imagination ausfließen muß in das Objektive. Wir nehmen dieses Denken überall mit hin. Die volle Besonnenheit des Denkens nehmen wir überall mit hin, wo wir übersinnliche Welten entdecken. Aber wir müssen auch gewahr werden, wie unser ganzer Mensch sich gewissermaßen hingeben muß an diese Wirklichkeit übersinnlicher Welten. Nach der Inspiration aber, durch die Anstrengungen, die wir durchmachen, durch die Erlebnisse, die wir haben, gelangen wir dazu, auch unser Ich, den Mittelpunkt unseres Wesens, kräftig zu fühlen. Und hier tritt der Punkt ein, wo man die Harmonie, die Vereinigung des Erlebnisses der Freiheit mit dem Erlebnis der Naturnotwendigkeit erkennen kann. Wir sind im gewöhnlichen Leben eingespannt in diese Naturnotwendigkeit. Wie sehr fühlen wir, daß dasjenige, was in unseren Willensimpulsen lebt, auch dann, wenn es sich ein wenig aus dem Sündhaften in das Gute heraufgearbeitet hat, dennoch aus unterbewußten Tiefen des Seelenlebens, aus Instinktivem und Triebhaftem heraufkommt. Fast so wenig, wie wir bewußt überschauen können, was wir durchmachen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, können wir überschauen, was in unseren Willenstrieben lebt, und worin doch zuletzt vieles von dem enthalten ist, was auch in unser bewußtes, verantwortungsvoll sittliches Leben hineinspielt. Derjenige aber, der durch Inspiration und Imagination gegangen ist, erhält auch durch die Anstrengungen, die er durchgemacht hat, eine Verstärkung seines Ich. Er erlebt sein Ich intensiver. Er erlebt es allerdings hingegeben, ich möchte sagen, ausgegossen an die äußere Welt, aber er erlebt es so, daß es ihm wiedergegeben wird. Und er ist jetzt nicht mehr in der Lage, wie ein vorurteilsvolles naturwissenschaftliches Anschauen zu tun pflegt, zu sagen: Dieselbe Naturnotwendigkeit, die den Stein zur Erde fallen läßt, die durch den Sonnenstrahl den Stein erwärmen läßt, die in Elektrizität und Magnetismus, in den akustischen, in den optischen Erscheinungen lebt, diese selbe Notwendigkeit lebt auch, wenn ich als Mensch handle, wenn ich als Mensch meine Willensimpulse entwickle. — Und in der gewöhnlichen Wissenschaft und im gewöhnlichen Leben kommt man in bezug auf diese Frage über herbe Zweifel nicht hinaus.
[ 34 ] Das Theoretisieren genügt nicht, um den anthroposophischen Weg in die übersinnlichen Welten hinein zu machen. Was an den Methoden dieser Geistesforschung durchlebt werden muß, erfordert durchaus auf allen Stufen moralische Vorbereitung. Und es gibt im Grunde genommen keine bessere Vorbereitung zur moralischen Festigung des ganzen Menschen nach Leib, Seele und Geist, als diejenigen Übungen durchzumachen, die durchgemacht werden müssen, um die Wirklichkeit übersinnlicher Welten zu erlangen. Dem bloßen Theoretiker ergeben sie sich nicht. Nur demjenigen ergeben sie sich, der sein ganzes Menschtum einsetzt, der alles an Kräften des guten Empfindens, des schönen Auffassens der Welt, des religiösen, frommen Vertiefens in die Weltengeheimnisse in seiner Seele lebendig macht, der Menschenliebe und Weltenliebe zu Kräften innerlicher Durchwärmung macht, nur der erlangt die moralische Festigung, die notwendig ist, um in dieser Weise vorzudringen zu der Wirklichkeit höherer Welten. Es wird daher von manchen Menschen anerkannt, daß die Übungen‚ die ich charakterisiere, um den geisteswissenschaftlichen Weg in die höheren Welten zu gehen, eine moralische Seite haben, die durchaus anerkennenswert sei. Aber es wird das auch von denjenigen zugegeben, die dann abschwenken und nicht mitmachen wollen den wirklichen Erkenntnisweg in die übersinnlichen Welten. Es ist aber doch nur dieser Weg, der gegenüber der heutigen wissenschaftlichen Sehnsucht, welche die Menschheit schon einmal hat, hineinführt in diese höheren Welten. Und indem man aufrückt durch Imagination und Inspiration, gelangt man erstens hinein in sein eigenes Selbst. Aber dieses eigene Selbst muß sich auch hingeben an die Umwelt. Ich habe schon angeführt, wie das Denken gewissermaßen schon bei der Imagination ausfließen muß in das Objektive. Wir nehmen dieses Denken überall mit hin. Die volle Besonnenheit des Denkens nehmen wir überall mit hin, wo wir übersinnliche Welten entdecken. Aber wir müssen auch gewahr werden, wie unser ganzer Mensch sich gewissermaßen hingeben muß an diese Wirklichkeit übersinnlicher Welten. Nach der Inspiration aber, durch die Anstrengungen, die wir durchmachen, durch die Erlebnisse, die wir haben, gelangen wir dazu, auch unser Ich, den Mittelpunkt unseres Wesens, kräftig zu fühlen. Und hier tritt der Punkt ein, wo man die Harmonie, die Vereinigung des Erlebnisses der Freiheit mit dem Erlebnis der Naturnotwendigkeit erkennen kann. Wir sind im gewöhnlichen Leben eingespannt in diese Naturnotwendigkeit. Wie sehr fühlen wir, daß dasjenige, was in unseren Willensimpulsen lebt, auch dann, wenn es sich ein wenig aus dem Sündhaften in das Gute heraufgearbeitet hat, dennoch aus unterbewußten Tiefen des Seelenlebens, aus Instinktivem und Triebhaftem heraufkommt. Fast so wenig, wie wir bewußt überschauen können, was wir durchmachen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, können wir überschauen, was in unseren Willenstrieben lebt, und worin doch zuletzt vieles von dem enthalten ist, was auch in unser bewußtes, verantwortungsvoll sittliches Leben hineinspielt. Derjenige aber, der durch Inspiration und Imagination gegangen ist, erhält auch durch die Anstrengungen, die er durchgemacht hat, eine Verstärkung seines Ich. Er erlebt sein Ich intensiver. Er erlebt es allerdings hingegeben, ich möchte sagen, ausgegossen an die äußere Welt, aber er erlebt es so, daß es ihm wiedergegeben wird. Und er ist jetzt nicht mehr in der Lage, wie ein vorurteilsvolles naturwissenschaftliches Anschauen zu tun pflegt, zu sagen: Dieselbe Naturnotwendigkeit, die den Stein zur Erde fallen läßt, die durch den Sonnenstrahl den Stein erwärmen läßt, die in Elektrizität und Magnetismus, in den akustischen, in den optischen Erscheinungen lebt, diese selbe Notwendigkeit lebt auch, wenn ich als Mensch handle, wenn ich als Mensch meine Willensimpulse entwickle. — Und in der gewöhnlichen Wissenschaft und im gewöhnlichen Leben kommt man in bezug auf diese Frage über herbe Zweifel nicht hinaus.
[ 35 ] Auf der einen Seite steht die menschliche Freiheit, deren wir uns bewußt sind. Verleugnen muß man sie, so glaubt man, wenn man im ehrlichen Sinne ein heutiger naturwissenschaftlicher Forscher ist und an die Erhaltung der Kraft und des Stoffes glaubt. Man meint dann, aus freiem Willen heraus könne kein menschlicher Willensimpuls, keine menschliche Handlung kommen, denn der Mensch müsse unterworfen sein der Naturnotwendigkeit, wie alle anderen Wesen in den Reichen der Natur. Aber wenn man sein wahres Ich-Wesen jetzt in verstärkter Art vor sich hat, erlangt man eine Art Erkenntnis, die noch höher ist als Inspiration und Imagination. Ich habe sie die wahre Intuition genannt, das wahre Untertauchen, aber jetzt in eine geistige Wirklichkeit. Da wird dasjenige, was Anthroposophie die wiederholten Erdenleben nennt, von einem wirklichen Sinn durchdrungen. Was einem als notwendig erscheint im eigenen Handeln, im eigenen Willen, das zeigt sich als Ergebnis vorangegangener Erdenleben. Der ewige Wesenskern des Menschen macht irdische Leben in Wiederholungen durch, und dazwischen Leben zwischen Tod und neuer Geburt in geistig-seelischen Welten. Und man lernt jetzt erkennen: Was sich von Leben zu Leben zieht, ist ein notwendiges Sich-Unterstellen in bezug auf unser Ich und seine Willensimpulse, nicht der äußeren Naturnotwendigkeit, sondern jener Notwendigkeit, die durch die wiederholten Erdenleben geht. Mit unserem Denken aber, das zunächst als das gewöhnliche Bewußtsein diese Notwendigkeit nicht überschaut, das herausgeholt ist aus dieser Notwendigkeit, das in sich als ein freies, sinnlichkeitsfreies Denken, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, in dem einzelnen Erdendasein sich entwickelt, mit dem haben wir eine Grundlage für unsere Freiheit. Indem wir uns als Mensch des einzelnen Lebens hinaufringen zu solchen sittlichen Impulsen, die in freier Denkkraft erfaßt sind, werden wir hier auf Erden zwischen Geburt und Tod zu freien Menschen. Und was in uns als Notwendigkeit lebt, was sich als Schicksal auslebt, das ist nicht eine Naturnotwendigkeit, das geht durch die wiederholten Erdenleben hindurch.
[ 35 ] Auf der einen Seite steht die menschliche Freiheit, deren wir uns bewußt sind. Verleugnen muß man sie, so glaubt man, wenn man im ehrlichen Sinne ein heutiger naturwissenschaftlicher Forscher ist und an die Erhaltung der Kraft und des Stoffes glaubt. Man meint dann, aus freiem Willen heraus könne kein menschlicher Willensimpuls, keine menschliche Handlung kommen, denn der Mensch müsse unterworfen sein der Naturnotwendigkeit, wie alle anderen Wesen in den Reichen der Natur. Aber wenn man sein wahres Ich-Wesen jetzt in verstärkter Art vor sich hat, erlangt man eine Art Erkenntnis, die noch höher ist als Inspiration und Imagination. Ich habe sie die wahre Intuition genannt, das wahre Untertauchen, aber jetzt in eine geistige Wirklichkeit. Da wird dasjenige, was Anthroposophie die wiederholten Erdenleben nennt, von einem wirklichen Sinn durchdrungen. Was einem als notwendig erscheint im eigenen Handeln, im eigenen Willen, das zeigt sich als Ergebnis vorangegangener Erdenleben. Der ewige Wesenskern des Menschen macht irdische Leben in Wiederholungen durch, und dazwischen Leben zwischen Tod und neuer Geburt in geistig-seelischen Welten. Und man lernt jetzt erkennen: Was sich von Leben zu Leben zieht, ist ein notwendiges Sich-Unterstellen in bezug auf unser Ich und seine Willensimpulse, nicht der äußeren Naturnotwendigkeit, sondern jener Notwendigkeit, die durch die wiederholten Erdenleben geht. Mit unserem Denken aber, das zunächst als das gewöhnliche Bewußtsein diese Notwendigkeit nicht überschaut, das herausgeholt ist aus dieser Notwendigkeit, das in sich als ein freies, sinnlichkeitsfreies Denken, wie ich es in meiner «Philosophie der Freiheit» dargestellt habe, in dem einzelnen Erdendasein sich entwickelt, mit dem haben wir eine Grundlage für unsere Freiheit. Indem wir uns als Mensch des einzelnen Lebens hinaufringen zu solchen sittlichen Impulsen, die in freier Denkkraft erfaßt sind, werden wir hier auf Erden zwischen Geburt und Tod zu freien Menschen. Und was in uns als Notwendigkeit lebt, was sich als Schicksal auslebt, das ist nicht eine Naturnotwendigkeit, das geht durch die wiederholten Erdenleben hindurch.
[ 36 ] Auch das ergibt sich als eine Anschauung dem Intuitiven, der dritten Stufe des übersinnlichen Erkennens. In einer wunderbaren Harmonie steht vor uns das, was als Freiheit des einzelnen Erdenlebens auftritt, und das, was wir als eine Notwendigkeit des Schicksals fühlen, die aber nicht eine Notwendigkeit der äußeren Natur, auch nicht der natürlichen Beschaffenheit des menschlichen Lebens ist, sondern die hereinstrahlt aus früheren Erdenleben. Hierdurch werden wir nicht unfrei, gerade so wenig wie wir unfrei werden dadurch, daß wir einen neuen Schauplatz unseres Lebens betreten und abhängig sind von dem, wie dieser neue Schauplatz mit dem früheren verbunden ist, etwa wenn wir von Europa nach Amerika wandern. Es ist unser Schicksal, wie uns das Schiff hinübergetragen hat, wir betreten einen neuen Schauplatz, bleiben aber frei, auch wenn wir von Europa nach Amerika herübergewandert sind. Wir können Notwendigkeit von Freiheit unterscheiden, sobald wir diese Notwendigkeit in den wiederholten Erdenleben, die Freiheit in dem einzelnen Erdenleben erblicken. Und das Hinaufblikken in höhere Welten gibt uns eine menschliche Sicherheit, indem es uns zeigt, welches der Sinn des Erdenlebens ist. Wir werden nicht bloß erfaßt von einer Sehnsucht nach höheren Welten, die wir allerdings auch erfühlen müssen, wenn wir auf Erden sicher stehen wollen, denn das Göttlich-Geistige ist immer in uns, und wir werden unsicher im Erdenleben, wenn wir unsere Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen nicht haben. Aber wir werden nicht weltflüchtige, erdenfremde Menschen durch die wahre Erkenntnis der Wirklichkeit höherer Welten im anthroposophischen Sinne. Wir wissen, daß wir immer wiederum auf die Erde herabsteigen müssen, um in unser menschliches Wesen allmählich die Freiheit aufzunehmen. Freiheitsbewußtsein durchdringt uns, obwohl wir die große Schicksalsfrage in einem geistigen Sinne aus den höheren Welten, aus der Wirklichkeit dieser höheren Welten herauszulesen verstehen.
[ 36 ] Auch das ergibt sich als eine Anschauung dem Intuitiven, der dritten Stufe des übersinnlichen Erkennens. In einer wunderbaren Harmonie steht vor uns das, was als Freiheit des einzelnen Erdenlebens auftritt, und das, was wir als eine Notwendigkeit des Schicksals fühlen, die aber nicht eine Notwendigkeit der äußeren Natur, auch nicht der natürlichen Beschaffenheit des menschlichen Lebens ist, sondern die hereinstrahlt aus früheren Erdenleben. Hierdurch werden wir nicht unfrei, gerade so wenig wie wir unfrei werden dadurch, daß wir einen neuen Schauplatz unseres Lebens betreten und abhängig sind von dem, wie dieser neue Schauplatz mit dem früheren verbunden ist, etwa wenn wir von Europa nach Amerika wandern. Es ist unser Schicksal, wie uns das Schiff hinübergetragen hat, wir betreten einen neuen Schauplatz, bleiben aber frei, auch wenn wir von Europa nach Amerika herübergewandert sind. Wir können Notwendigkeit von Freiheit unterscheiden, sobald wir diese Notwendigkeit in den wiederholten Erdenleben, die Freiheit in dem einzelnen Erdenleben erblicken. Und das Hinaufblikken in höhere Welten gibt uns eine menschliche Sicherheit, indem es uns zeigt, welches der Sinn des Erdenlebens ist. Wir werden nicht bloß erfaßt von einer Sehnsucht nach höheren Welten, die wir allerdings auch erfühlen müssen, wenn wir auf Erden sicher stehen wollen, denn das Göttlich-Geistige ist immer in uns, und wir werden unsicher im Erdenleben, wenn wir unsere Verbindung mit dem Göttlich-Geistigen nicht haben. Aber wir werden nicht weltflüchtige, erdenfremde Menschen durch die wahre Erkenntnis der Wirklichkeit höherer Welten im anthroposophischen Sinne. Wir wissen, daß wir immer wiederum auf die Erde herabsteigen müssen, um in unser menschliches Wesen allmählich die Freiheit aufzunehmen. Freiheitsbewußtsein durchdringt uns, obwohl wir die große Schicksalsfrage in einem geistigen Sinne aus den höheren Welten, aus der Wirklichkeit dieser höheren Welten herauszulesen verstehen.
[ 37 ] Was ich zu sagen hatte, konnte ich nur in einzelnen Strichen andeuten. Es liegt ja heute schon eine reiche Literatur vor, die jedem zur Verfügung steht. In einem kurzen Abendvortrag konnte ich nur einzelne Richtlinien geben. Aber durch das, was ich gesagt habe, werden Sie einigermaßen entnehmen, daß diese Geisteswissenschaft, diese anthroposophische Erforschung der übersinnlichen Welten durchaus nichts Weltfremdes, nichts Unpraktisches sein will. Sie will nicht den Menschen hinaufführen selbstisch in leere Wolkenkuckucksheime, nein, sie würde glauben, sich sündhaft gegenüber dem Geistigen zu verhalten, wenn sie den Menschen weltfremd machen würde. Der Geist wird nur in der richtigen Weise erfaßt, wenn wir ihn in seiner Kraft erfassen, wenn wir uns mit ihm so durchdringen, daß wir dadurch praktische Menschen werden. Der Geist ist ein Schöpferisches. Er hat die Aufgabe, die Mission, das materielle Dasein zu durchdringen, nicht es zu fliehen. Daher ist anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zugleich durchaus wirkliche Lebenspraxis. Und Anthroposophie ist daher bestrebt — ich werde das noch in späteren Vorträgen, die mir erlaubt sind, hier in Kristiania zu halten, im einzelnen ausführen —, sowohl die einzelnen Wissenschaften, wie das künstlerische Leben, wie auch die praktischen Lebensgebiete mit dem zu befruchten, was sie zu der sinnlichen materiellen Welt hinzu aus der Wirklichkeit der höheren Welten heraus zu sagen hat.
[ 37 ] Was ich zu sagen hatte, konnte ich nur in einzelnen Strichen andeuten. Es liegt ja heute schon eine reiche Literatur vor, die jedem zur Verfügung steht. In einem kurzen Abendvortrag konnte ich nur einzelne Richtlinien geben. Aber durch das, was ich gesagt habe, werden Sie einigermaßen entnehmen, daß diese Geisteswissenschaft, diese anthroposophische Erforschung der übersinnlichen Welten durchaus nichts Weltfremdes, nichts Unpraktisches sein will. Sie will nicht den Menschen hinaufführen selbstisch in leere Wolkenkuckucksheime, nein, sie würde glauben, sich sündhaft gegenüber dem Geistigen zu verhalten, wenn sie den Menschen weltfremd machen würde. Der Geist wird nur in der richtigen Weise erfaßt, wenn wir ihn in seiner Kraft erfassen, wenn wir uns mit ihm so durchdringen, daß wir dadurch praktische Menschen werden. Der Geist ist ein Schöpferisches. Er hat die Aufgabe, die Mission, das materielle Dasein zu durchdringen, nicht es zu fliehen. Daher ist anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zugleich durchaus wirkliche Lebenspraxis. Und Anthroposophie ist daher bestrebt — ich werde das noch in späteren Vorträgen, die mir erlaubt sind, hier in Kristiania zu halten, im einzelnen ausführen —, sowohl die einzelnen Wissenschaften, wie das künstlerische Leben, wie auch die praktischen Lebensgebiete mit dem zu befruchten, was sie zu der sinnlichen materiellen Welt hinzu aus der Wirklichkeit der höheren Welten heraus zu sagen hat.
[ 38 ] Wenn man dasjenige, was der Mensch in seiner Leibesorganisation hat, aus dem ätherischen oder Bildekräfteleib heraus begreift, welcher der Imagination zugänglich ist, wenn man begreift, was am zeitlichen Menschen in Lunge, Leber, Magen, Gehirn und so weiter lebt, in seiner Gestaltung aus dem astralischen Leibe heraus, der aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen ist, dann begreift man auch in einer äußerlichen Weise Gesundheit und Krankheit. Dann kann durch eine solche Erkenntnis der übersinnlichen Welten nicht bloß eine gewisse Erkenntnisbefriedigung erzielt werden, sondern dann kann zum Beispiel erlebt werden eine Befruchtung des medizinisch-therapeutischen Wissens. In Stuttgart und in Dornach in der Schweiz haben wir bereits medizinisch-therapeutische Institute, welche praktisch verwerten dasjenige, was an Anregungen für die Medizin, namentlich für die Therapie, aber auch für die Pathologie, von der anthroposophischen Erkenntnis übersinnlicher Welten kommen kann. Und auch in künstlerischer Beziehung sucht Anthroposophie dasjenige, was sie an höheren Welten erfaßt, fruchtbar zu machen.
[ 38 ] Wenn man dasjenige, was der Mensch in seiner Leibesorganisation hat, aus dem ätherischen oder Bildekräfteleib heraus begreift, welcher der Imagination zugänglich ist, wenn man begreift, was am zeitlichen Menschen in Lunge, Leber, Magen, Gehirn und so weiter lebt, in seiner Gestaltung aus dem astralischen Leibe heraus, der aus geistig-seelischen Welten heruntergestiegen ist, dann begreift man auch in einer äußerlichen Weise Gesundheit und Krankheit. Dann kann durch eine solche Erkenntnis der übersinnlichen Welten nicht bloß eine gewisse Erkenntnisbefriedigung erzielt werden, sondern dann kann zum Beispiel erlebt werden eine Befruchtung des medizinisch-therapeutischen Wissens. In Stuttgart und in Dornach in der Schweiz haben wir bereits medizinisch-therapeutische Institute, welche praktisch verwerten dasjenige, was an Anregungen für die Medizin, namentlich für die Therapie, aber auch für die Pathologie, von der anthroposophischen Erkenntnis übersinnlicher Welten kommen kann. Und auch in künstlerischer Beziehung sucht Anthroposophie dasjenige, was sie an höheren Welten erfaßt, fruchtbar zu machen.
[ 39 ] Im Dornacher Bau, im Goetheanum, in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft wurde aus dem heraus, was anthroposophische Anschauung ist, ein neuer Baustil geschaffen. Dieser neue Baustil ist nicht irgend etwas Symbolisches oder Allegorisches. Kein einziges Symbolum, keine einzige Allegorie findet sich, sondern alles ist in wirkliche künstlerische Gestaltung ausgeflossen. Geisteswissenschaft ist keine Theorie, sie ergreift nicht bloß das Intellektuelle. Das Intellektuelle, künstlerisch verwertet, würde ja eine allegorische, stroherne Symbolik geben. Geisteswissenschaft führt zur wirklichen Anschauung, zum konkreten Ergreifen des Inhaltes der geistigen Welt. Dieser Inhalt kann dann wiederum der Materie einbezogen werden, wie es in der Natur selber ist. Man erforscht im höchsten Maße dasjenige, was Goethe als Kunst verlangt: sie soll sein eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie niemals zur Offenbarung kommen würden. — Und ebenso versuchen wir dasjenige, was in der ganzen menschlichen Organisation an Bildekräften wirkt, was übersinnlich am Menschen wirkt, aus dieser menschlichen Organisation herauszuholen zu einer Bewegungskunst, die wir uns erlauben werden, am nächsten Sonntag hier in einer Vorstellung vorzuführen: zur Ausbildung der Eurythmie. Das ist nicht eine Tanzkunst, das ist nicht irgend etwas Pantomimisches, das ist etwas, was aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche der Menschennatur geholt ist, was tatsächlich zeigt, wie der Mensch innerlich verbunden ist mit dem ganzen Kosmos und seiner Gesetzmäßigkeit, und wie er in einer sichtbaren Sprache geradeso innere Seelen- und Geistesgeheimnisse zur Darstellung bringen kann, wie er das durch die hörbare Sprache oder durch den Gesang kann.
[ 39 ] Im Dornacher Bau, im Goetheanum, in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft wurde aus dem heraus, was anthroposophische Anschauung ist, ein neuer Baustil geschaffen. Dieser neue Baustil ist nicht irgend etwas Symbolisches oder Allegorisches. Kein einziges Symbolum, keine einzige Allegorie findet sich, sondern alles ist in wirkliche künstlerische Gestaltung ausgeflossen. Geisteswissenschaft ist keine Theorie, sie ergreift nicht bloß das Intellektuelle. Das Intellektuelle, künstlerisch verwertet, würde ja eine allegorische, stroherne Symbolik geben. Geisteswissenschaft führt zur wirklichen Anschauung, zum konkreten Ergreifen des Inhaltes der geistigen Welt. Dieser Inhalt kann dann wiederum der Materie einbezogen werden, wie es in der Natur selber ist. Man erforscht im höchsten Maße dasjenige, was Goethe als Kunst verlangt: sie soll sein eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie niemals zur Offenbarung kommen würden. — Und ebenso versuchen wir dasjenige, was in der ganzen menschlichen Organisation an Bildekräften wirkt, was übersinnlich am Menschen wirkt, aus dieser menschlichen Organisation herauszuholen zu einer Bewegungskunst, die wir uns erlauben werden, am nächsten Sonntag hier in einer Vorstellung vorzuführen: zur Ausbildung der Eurythmie. Das ist nicht eine Tanzkunst, das ist nicht irgend etwas Pantomimisches, das ist etwas, was aus dem Übersinnlichen in das Sinnliche der Menschennatur geholt ist, was tatsächlich zeigt, wie der Mensch innerlich verbunden ist mit dem ganzen Kosmos und seiner Gesetzmäßigkeit, und wie er in einer sichtbaren Sprache geradeso innere Seelen- und Geistesgeheimnisse zur Darstellung bringen kann, wie er das durch die hörbare Sprache oder durch den Gesang kann.
[ 40 ] Ebenso kann Geisteswissenschaft in das soziale, in das moralische, in das ethische Leben wirken. Ich habe das versucht zu zeigen durch meine «Kernpunkte der sozialen Frage». Das, was unter den Menschen lebt in sozialer Beziehung, kann niemals in äußerer marxistischer oder sonstiger materialistischer Weise erfaßt werden. Der Mensch ist einmal ein geistig-übersinnliches Wesen seiner Innerlichkeit nach, und er ist auch als soziales Wesen darauf angewiesen, das Übersinnliche in diesem Sozialen wirksam zu gestalten. Ohne dieses kommt man auch nicht zu irgendeiner fruchtbaren Gestaltung der sozialen Fragen, die heute so brennende sind.
[ 40 ] Ebenso kann Geisteswissenschaft in das soziale, in das moralische, in das ethische Leben wirken. Ich habe das versucht zu zeigen durch meine «Kernpunkte der sozialen Frage». Das, was unter den Menschen lebt in sozialer Beziehung, kann niemals in äußerer marxistischer oder sonstiger materialistischer Weise erfaßt werden. Der Mensch ist einmal ein geistig-übersinnliches Wesen seiner Innerlichkeit nach, und er ist auch als soziales Wesen darauf angewiesen, das Übersinnliche in diesem Sozialen wirksam zu gestalten. Ohne dieses kommt man auch nicht zu irgendeiner fruchtbaren Gestaltung der sozialen Fragen, die heute so brennende sind.
[ 41 ] Endlich aber hängt ja all dasjenige, was nun auf einem Forschungs-, nicht auf einem bloßen Glaubenswege von anthroposophischer Geisteswissenschaft gesucht wird als Weg zu höheren Welten, zusammen mit dem tiefst Innersten, was der Mensch erstrebt, mit dem, was er erstrebt als seinen Zusammenhang mit dem göttlich-geistigen Weltengrunde, mit dem, was er erstrebt an Hingabe, an frommer Hingabe an diesen Weltengrund. Kurz, es hängt zusammen mit all dem, was der Mensch im tiefsten Inneren als seine religiösen Empfindungen, als sein ganzes religiöses Leben entfalten muß, wenn er zu seiner vollen Menschenwürde kommen will. Daher bedeutet anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zu gleicher Zeit eine Belebung, eine Befruchtung des religiösen Lebens, dessen wir heute, was jeder Unbefangene zugeben wird, gar sehr bedürftig sind. Daher kann ich es kaum begreifen, daß man gerade von theologischer Seite auch neuerdings wiederum eingewendet hat gegen anthroposophische Geistesforschung, sie ertöte das religiöse Leben. Der Satz ist zum Beispiel gefallen: Das Leben der Anthroposophie bedeute den Tod der Religion. — Nun, das Leben der Anthroposophie hängt zusammen mit demjenigen Leben der menschlichen Seele, das gerade die innigsten religiösen Kräfte entwickelt. Es kann dieses anthroposophische Forschen nach den übersinnlichen Wirklichkeiten nicht den Tod der Religion bedeuten, sondern höchstens den Tod von etwas, was man für Religion hält und eigentlich schon ein Erstorbenes ist. Da würde Anthroposophie auf das schon Erstorbensein hinweisen können, würde gewissermaßen eine Art von Leichenschau sein. Ihrem Wesen nach aber muß sie, weil sie ein lebensvoller Weg in die übersinnlichen Wirklichkeiten ist, zu gleicher Zeit ein Mittel sein, die religiösen Empfindungen, das ganze religiöse Durchdrungensein des Menschen mit Hingabe an die übersinnlichen Welten zu erhöhen, zu beleben, zu durchwärmen.
[ 41 ] Endlich aber hängt ja all dasjenige, was nun auf einem Forschungs-, nicht auf einem bloßen Glaubenswege von anthroposophischer Geisteswissenschaft gesucht wird als Weg zu höheren Welten, zusammen mit dem tiefst Innersten, was der Mensch erstrebt, mit dem, was er erstrebt als seinen Zusammenhang mit dem göttlich-geistigen Weltengrunde, mit dem, was er erstrebt an Hingabe, an frommer Hingabe an diesen Weltengrund. Kurz, es hängt zusammen mit all dem, was der Mensch im tiefsten Inneren als seine religiösen Empfindungen, als sein ganzes religiöses Leben entfalten muß, wenn er zu seiner vollen Menschenwürde kommen will. Daher bedeutet anthroposophische Erkenntnis der übersinnlichen Welten zu gleicher Zeit eine Belebung, eine Befruchtung des religiösen Lebens, dessen wir heute, was jeder Unbefangene zugeben wird, gar sehr bedürftig sind. Daher kann ich es kaum begreifen, daß man gerade von theologischer Seite auch neuerdings wiederum eingewendet hat gegen anthroposophische Geistesforschung, sie ertöte das religiöse Leben. Der Satz ist zum Beispiel gefallen: Das Leben der Anthroposophie bedeute den Tod der Religion. — Nun, das Leben der Anthroposophie hängt zusammen mit demjenigen Leben der menschlichen Seele, das gerade die innigsten religiösen Kräfte entwickelt. Es kann dieses anthroposophische Forschen nach den übersinnlichen Wirklichkeiten nicht den Tod der Religion bedeuten, sondern höchstens den Tod von etwas, was man für Religion hält und eigentlich schon ein Erstorbenes ist. Da würde Anthroposophie auf das schon Erstorbensein hinweisen können, würde gewissermaßen eine Art von Leichenschau sein. Ihrem Wesen nach aber muß sie, weil sie ein lebensvoller Weg in die übersinnlichen Wirklichkeiten ist, zu gleicher Zeit ein Mittel sein, die religiösen Empfindungen, das ganze religiöse Durchdrungensein des Menschen mit Hingabe an die übersinnlichen Welten zu erhöhen, zu beleben, zu durchwärmen.
[ 42 ] So will Anthroposophie auf den verschiedensten, auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens befruchtend wirken. Sie will im schönsten und edelsten Sinne — das ist ihr Ziel, ihr Ideal, so wenig sie auch heute schon davon erreichen kann — auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens eingreifen in die fortschrittliche Entwickelung der Menschheit. Und jeder Unbefangene, der mit wachem Bewußtsein die katastrophale Zeit durchgemacht hat, durch die wir im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gegangen sind, wird zugeben, daß heute die verschiedensten Gebiete des Lebens eine Auffrischung brauchen, daß manches eine Neubelebung braucht. Gewiß hängt dasjenige, was ich mir in kurzen Strichen erlaubte vor Ihnen zu charakterisieren, zusammen mit den ewigen Angelegenheiten der Menschheit. Es kann gepflegt werden im Forum des Lebens, wenn der Mensch sich bewußt werden will seiner inneren Sicherheit, die nur liegen kann in dem Bewußtsein seiner ewigen Wesenheit, es kann gepflegt sein in der Einsamkeit der stillen Hütte, wenn der Mensch entrückt ist dem Forum des Lebens: denn von dem Ewigen in seiner eigenen Wesenheit, von dem Ewigen in ihm muß der Mensch jederzeit berührt sein, wenn er im vollen Sinne des Wortes Mensch sein will. Es ist also auf der einen Seite durchaus etwas, was allgemein menschlich ist, was allgemein für den Menschen von unbedingtem Interesse ist, weil es seine ewigen Angelegenheiten berührt. In unserer Zeit aber, wo wir so vieles niedergehen sehen, muß man auch zugeben, daß gegenüber den Niedergangskräften gar sehr Impulse zu einem Aufstieg unserer abendländischen Zivilisation wiederum notwendig sind. Nicht nur, weil sie auf das Ewige achtet, bedarf heute Anthroposophie einiger Berücksichtigung, sondern auch gegenüber den großen, schweren Zeitaufgaben.
[ 42 ] So will Anthroposophie auf den verschiedensten, auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens befruchtend wirken. Sie will im schönsten und edelsten Sinne — das ist ihr Ziel, ihr Ideal, so wenig sie auch heute schon davon erreichen kann — auf den profansten und auf den heiligsten Gebieten des Lebens eingreifen in die fortschrittliche Entwickelung der Menschheit. Und jeder Unbefangene, der mit wachem Bewußtsein die katastrophale Zeit durchgemacht hat, durch die wir im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts gegangen sind, wird zugeben, daß heute die verschiedensten Gebiete des Lebens eine Auffrischung brauchen, daß manches eine Neubelebung braucht. Gewiß hängt dasjenige, was ich mir in kurzen Strichen erlaubte vor Ihnen zu charakterisieren, zusammen mit den ewigen Angelegenheiten der Menschheit. Es kann gepflegt werden im Forum des Lebens, wenn der Mensch sich bewußt werden will seiner inneren Sicherheit, die nur liegen kann in dem Bewußtsein seiner ewigen Wesenheit, es kann gepflegt sein in der Einsamkeit der stillen Hütte, wenn der Mensch entrückt ist dem Forum des Lebens: denn von dem Ewigen in seiner eigenen Wesenheit, von dem Ewigen in ihm muß der Mensch jederzeit berührt sein, wenn er im vollen Sinne des Wortes Mensch sein will. Es ist also auf der einen Seite durchaus etwas, was allgemein menschlich ist, was allgemein für den Menschen von unbedingtem Interesse ist, weil es seine ewigen Angelegenheiten berührt. In unserer Zeit aber, wo wir so vieles niedergehen sehen, muß man auch zugeben, daß gegenüber den Niedergangskräften gar sehr Impulse zu einem Aufstieg unserer abendländischen Zivilisation wiederum notwendig sind. Nicht nur, weil sie auf das Ewige achtet, bedarf heute Anthroposophie einiger Berücksichtigung, sondern auch gegenüber den großen, schweren Zeitaufgaben.
[ 43 ] Daher darf ich vielleicht zum Schlusse der heutigen Betrachtung die Worte aussprechen: Anthroposophie will nicht nach Erbauung in mystischen Wolkenkuckucksheimen bedürftige Menschen zu einer Weltfremdheit führen, anthroposophische Geisteswissenschaft will so zu der Wirklichkeit übersinnlicher Welten führen, daß der Mensch den Geist ergreift, um praktisch in das materielle Leben einzugreifen. Er muß das, weil er dessen bedarf zu seiner Lebenssicherheit, wegen seiner notwendigen Berührung mit übersinnlichen Welten, mit dem Ewigen in seiner Natur, heute aber auch besonders zur Lösung jener schweren Zeitfragen, in die wir in unserer katastrophalen Zeit hineingestellt sind.
[ 43 ] Daher darf ich vielleicht zum Schlusse der heutigen Betrachtung die Worte aussprechen: Anthroposophie will nicht nach Erbauung in mystischen Wolkenkuckucksheimen bedürftige Menschen zu einer Weltfremdheit führen, anthroposophische Geisteswissenschaft will so zu der Wirklichkeit übersinnlicher Welten führen, daß der Mensch den Geist ergreift, um praktisch in das materielle Leben einzugreifen. Er muß das, weil er dessen bedarf zu seiner Lebenssicherheit, wegen seiner notwendigen Berührung mit übersinnlichen Welten, mit dem Ewigen in seiner Natur, heute aber auch besonders zur Lösung jener schweren Zeitfragen, in die wir in unserer katastrophalen Zeit hineingestellt sind.
