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The Reality of the Higher Worlds
GA 79

26 November 1921, Oslo

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Die Wirklichkeit der höheren Welten
  1. The Reality of the Higher Worlds, tr. SOL

2. Wege zur Erkenntnis höherer Welten

2. Wege zur Erkenntnis höherer Welten

[ 1 ] Mein erstes Wort gelte dem Ausdruck meines innigsten Dankes für den herzlich schönen Willkommensgruß Ihres Herrn Vorsitzenden, und Ihnen allen Dank dafür, daß es möglich geworden ist, vor Ihnen über ein Kapitel anthroposophischer Geisteswissenschaft sprechen zu können. Ich darf es aussprechen, daß mir diese Einladung Ihrerseits von ganz besonderem Wert ist, denn es muß ja begreiflich erscheinen, daß dasjenige, was in den nächsten Bestrebungen für die Zukunft gemeint ist, sich vor allem gern an die Studentenschaft wendet, weil geistige Schätze wohl zunächst innerhalb der Studentenschaft am besten geborgen sein können und von da aus am besten ihren Weg in die Zukunft machen können. Aus diesem Gefühl heraus sage ich also Ihrem Herrn Vorsitzenden und Ihnen allen für Ihren herzlichen Willkommensgruß innigsten Dank.

[ 1 ] Mein erstes Wort gelte dem Ausdruck meines innigsten Dankes für den herzlich schönen Willkommensgruß Ihres Herrn Vorsitzenden, und Ihnen allen Dank dafür, daß es möglich geworden ist, vor Ihnen über ein Kapitel anthroposophischer Geisteswissenschaft sprechen zu können. Ich darf es aussprechen, daß mir diese Einladung Ihrerseits von ganz besonderem Wert ist, denn es muß ja begreiflich erscheinen, daß dasjenige, was in den nächsten Bestrebungen für die Zukunft gemeint ist, sich vor allem gern an die Studentenschaft wendet, weil geistige Schätze wohl zunächst innerhalb der Studentenschaft am besten geborgen sein können und von da aus am besten ihren Weg in die Zukunft machen können. Aus diesem Gefühl heraus sage ich also Ihrem Herrn Vorsitzenden und Ihnen allen für Ihren herzlichen Willkommensgruß innigsten Dank.

[ 2 ] Es ist gewünscht worden, daß ich heute gerade über das Thema spreche: Wege zur höheren, das heißt zur übersinnlichen Erkenntnis. Ich nehme an, daß nur ein Teil von Ihnen in meinem gestrigen Vortrage war, daher wird es schon geboten sein, daß ich einige der wichtigeren gestern vorgebrachten Dinge in meinen Vortrag wiederum hineinverwebe.

[ 2 ] Es ist gewünscht worden, daß ich heute gerade über das Thema spreche: Wege zur höheren, das heißt zur übersinnlichen Erkenntnis. Ich nehme an, daß nur ein Teil von Ihnen in meinem gestrigen Vortrage war, daher wird es schon geboten sein, daß ich einige der wichtigeren gestern vorgebrachten Dinge in meinen Vortrag wiederum hineinverwebe.

[ 3 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft strebt vor allen Dingen nach einem vollen Einklang mit dem, was im Laufe der letzten Jahrhunderte an wissenschaftlichen Geistesgütern heraufgekommen ist. Anthroposophie ist nicht in irgendeiner Weise, wie manche glauben, gegen wissenschaftliche Bestrebungen gerichtet, sondern im Gegenteil, am liebsten sind denjenigen, die ganz ehrlich und ernst in unserer anthroposophischen Bewegung stehen, solche Menschen, die ein volles Urteil darüber haben, was in der neueren Zeit errungen worden ist an wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit, an innerer wissenschaftlicher Gesinnung. Allerdings, mit dem, was anerkannte Wissenschaft ist, glaubt man mit Recht, nicht in übersinnliche Welten eindringen zu können. Und auf einem gemeinsamen Boden mit der anerkannten Wissenschaft steht in einer gewissen Weise in bezug auf diesen Punkt auch Anthroposophie. Sie ist sich durchaus klar darüber, daß diejenigen Recht haben, die gegenüber der Naturerkenntnis von Grenzen des menschlichen Wissens reden. Sie ist sich auch klar darüber, daß diese Grenzen mit den gewöhnlichen menschlichen Erkenntniskräften nicht überschritten werden können. Daher wird auch von Anthroposophie gar nicht der Versuch gemacht, mit diesen gewöhnlichen Bewußtseins- und Erkenntniskräften die Wege zur übersinnlichen Erkenntnis zu finden, sondern Anthroposophie ist bestrebt, nicht nur in bezug auf die Ergebnisse des wissenschaftlichen Forschens dort anzufangen, wo gewöhnliche Wissenschaft aufhören muß, sondern sie ist auch bestrebt, mit ihren Methoden dort anzufangen, wo die für die äußere Natur und auch für die physische Natur des Menschen geltende Wissenschaft aufhören muß. Anthroposophie muß daher nicht nur über anderes reden, sondern sie muß auch anders reden. Dennoch steht sie im vollen Einklange mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit und mit wissenschaftlicher Disziplin. Sie geht davon aus, die Erkenntniskräfte, durch welche in die übersinnlichen Welten hinaufgedrungen werden soll, erst aus ihrem Schlummer in der menschlichen Wesenheit herauszuholen. Anthroposophie behauptet nicht, daß zum Erkennen übersinnlicher Welten besondere Eigenschaften, Fähigkeiten gehören, die nur einzelne Menschen haben, sondern sie will durchaus nur auf diejenigen Kräfte sich stützen, welche aus jeder Menschenseele hervorgeholt werden können, welche aber hinausgehen über das, was wir im gewöhnlichen Wachstum seit unserer Kindheit gewissermaßen als Menschen anererbt erhalten, und welche auch hinausgehen über das, was durch die gewöhnliche Erziehung, durch das gewöhnliche Lernen erreicht wird.

[ 3 ] Anthroposophische Geisteswissenschaft strebt vor allen Dingen nach einem vollen Einklang mit dem, was im Laufe der letzten Jahrhunderte an wissenschaftlichen Geistesgütern heraufgekommen ist. Anthroposophie ist nicht in irgendeiner Weise, wie manche glauben, gegen wissenschaftliche Bestrebungen gerichtet, sondern im Gegenteil, am liebsten sind denjenigen, die ganz ehrlich und ernst in unserer anthroposophischen Bewegung stehen, solche Menschen, die ein volles Urteil darüber haben, was in der neueren Zeit errungen worden ist an wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit, an innerer wissenschaftlicher Gesinnung. Allerdings, mit dem, was anerkannte Wissenschaft ist, glaubt man mit Recht, nicht in übersinnliche Welten eindringen zu können. Und auf einem gemeinsamen Boden mit der anerkannten Wissenschaft steht in einer gewissen Weise in bezug auf diesen Punkt auch Anthroposophie. Sie ist sich durchaus klar darüber, daß diejenigen Recht haben, die gegenüber der Naturerkenntnis von Grenzen des menschlichen Wissens reden. Sie ist sich auch klar darüber, daß diese Grenzen mit den gewöhnlichen menschlichen Erkenntniskräften nicht überschritten werden können. Daher wird auch von Anthroposophie gar nicht der Versuch gemacht, mit diesen gewöhnlichen Bewußtseins- und Erkenntniskräften die Wege zur übersinnlichen Erkenntnis zu finden, sondern Anthroposophie ist bestrebt, nicht nur in bezug auf die Ergebnisse des wissenschaftlichen Forschens dort anzufangen, wo gewöhnliche Wissenschaft aufhören muß, sondern sie ist auch bestrebt, mit ihren Methoden dort anzufangen, wo die für die äußere Natur und auch für die physische Natur des Menschen geltende Wissenschaft aufhören muß. Anthroposophie muß daher nicht nur über anderes reden, sondern sie muß auch anders reden. Dennoch steht sie im vollen Einklange mit wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit und mit wissenschaftlicher Disziplin. Sie geht davon aus, die Erkenntniskräfte, durch welche in die übersinnlichen Welten hinaufgedrungen werden soll, erst aus ihrem Schlummer in der menschlichen Wesenheit herauszuholen. Anthroposophie behauptet nicht, daß zum Erkennen übersinnlicher Welten besondere Eigenschaften, Fähigkeiten gehören, die nur einzelne Menschen haben, sondern sie will durchaus nur auf diejenigen Kräfte sich stützen, welche aus jeder Menschenseele hervorgeholt werden können, welche aber hinausgehen über das, was wir im gewöhnlichen Wachstum seit unserer Kindheit gewissermaßen als Menschen anererbt erhalten, und welche auch hinausgehen über das, was durch die gewöhnliche Erziehung, durch das gewöhnliche Lernen erreicht wird.

[ 4 ] Der Mensch muß, wenn er im anthroposophischen Sinne Geistesforscher werden will, wenn ich so sagen darf, von dem Punkte aus, auf dem man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft steht, seine Entwickelung nun selbst in die Hand nehmen. Diejenigen Kräfte, die zunächst ausgebildet werden müssen, sind die des Denkens. Damit wird nur ein Anfang dieser Entwickelung gemacht, denn wir werden sehen, daß es sich nicht bloß um Ausbildung einseitiger Verstandes- oder Denkkräfte, sondern um Ausbildung des ganzen Menschen handelt. Aber ein Anfang muß gemacht werden mit einer besonderen Übung im Denken. Das Denken, an das wir heute nicht nur im äußeren Leben, sondern auch in der Wissenschaft gewöhnt sind, gibt sich hin an die äußere Beobachtung, es läuft gewissermaßen am Faden der äußeren Beobachtung hin. Wir richten unsere Sinne in die Außenwelt und knüpfen unsere Gedanken an dasjenige an, was uns die Sinne überliefern. Wir haben dadurch eine feste Stütze an der Beobachtung der Außenwelt für die Verbindung unserer Seeleninhalte, unserer Erlebnisse. Es ist in berechtigter Weise wissenschaftliches Bestreben gewesen, gerade diese Stütze, die Stütze der Beobachtung, immer mehr und mehr auszubilden. Und diese Beobachtung hat noch ihre besondere Verstärkung erfahren durch den wissenschaftlichen Gebrauch des Experimentes, bei dem man ja alle einzelnen Bedingungen, um zu einzelnen Erscheinungen hinführen zu können, wirklich zu überblicken vermag, so daß gewissermaßen die Vorgänge ganz durchsichtig werden.

[ 4 ] Der Mensch muß, wenn er im anthroposophischen Sinne Geistesforscher werden will, wenn ich so sagen darf, von dem Punkte aus, auf dem man im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft steht, seine Entwickelung nun selbst in die Hand nehmen. Diejenigen Kräfte, die zunächst ausgebildet werden müssen, sind die des Denkens. Damit wird nur ein Anfang dieser Entwickelung gemacht, denn wir werden sehen, daß es sich nicht bloß um Ausbildung einseitiger Verstandes- oder Denkkräfte, sondern um Ausbildung des ganzen Menschen handelt. Aber ein Anfang muß gemacht werden mit einer besonderen Übung im Denken. Das Denken, an das wir heute nicht nur im äußeren Leben, sondern auch in der Wissenschaft gewöhnt sind, gibt sich hin an die äußere Beobachtung, es läuft gewissermaßen am Faden der äußeren Beobachtung hin. Wir richten unsere Sinne in die Außenwelt und knüpfen unsere Gedanken an dasjenige an, was uns die Sinne überliefern. Wir haben dadurch eine feste Stütze an der Beobachtung der Außenwelt für die Verbindung unserer Seeleninhalte, unserer Erlebnisse. Es ist in berechtigter Weise wissenschaftliches Bestreben gewesen, gerade diese Stütze, die Stütze der Beobachtung, immer mehr und mehr auszubilden. Und diese Beobachtung hat noch ihre besondere Verstärkung erfahren durch den wissenschaftlichen Gebrauch des Experimentes, bei dem man ja alle einzelnen Bedingungen, um zu einzelnen Erscheinungen hinführen zu können, wirklich zu überblicken vermag, so daß gewissermaßen die Vorgänge ganz durchsichtig werden.

[ 5 ] Von diesem Hingegebensein des Denkens an die äußere Objektivität muß anthroposophische Geisteswissenschaft für ihre Aufgabe abgehen. Für sie handelt es sich darum, das Denken vor allen Dingen innerlich zu verstärken, intensiver zu machen. Ich habe mir erlaubt, gestern zu sagen: Wie ein Muskel, wenn er eine bestimmte Arbeit verrichtet, stärker wird, so ist es auch mit unseren Seelenkräften. Wenn wir bestimmte, überschaubare Vorstellungen immer wieder und wieder in systematischer Übung in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken, und mit dem ganzen Menschen uns hingeben an solche Vorstellungen, so verstärken wir gerade unsere Denkkräfte. Dieses Intensivwerden der Denkkräfte muß aber natürlich so erreicht werden, daß in alledem, was man da vornimmt, der volle besonnene Wille des Menschen enthalten ist. Daher kann derjenige, der im anthroposophischen Sinne ein Geistesforscher werden will, vor allen Dingen ein großes Vorbild haben innerhalb der heutigen Wissenschaftlichkeit: das ist die Mathematik. So sonderbar und paradox es klingen mag, der anthroposophische Geistesforscher, wenn er über das Laientum hinauskommen will, beobachtet vor allen Dingen etwas, was schon über des alten Plato Schule als eine Devise geschrieben war: daß in wirkliche geisteswissenschaftliche Erkenntnis keiner eindringen kann, der nicht eine gewisse mathematische Kultur hat.

[ 5 ] Von diesem Hingegebensein des Denkens an die äußere Objektivität muß anthroposophische Geisteswissenschaft für ihre Aufgabe abgehen. Für sie handelt es sich darum, das Denken vor allen Dingen innerlich zu verstärken, intensiver zu machen. Ich habe mir erlaubt, gestern zu sagen: Wie ein Muskel, wenn er eine bestimmte Arbeit verrichtet, stärker wird, so ist es auch mit unseren Seelenkräften. Wenn wir bestimmte, überschaubare Vorstellungen immer wieder und wieder in systematischer Übung in den Mittelpunkt unseres Bewußtseins rücken, und mit dem ganzen Menschen uns hingeben an solche Vorstellungen, so verstärken wir gerade unsere Denkkräfte. Dieses Intensivwerden der Denkkräfte muß aber natürlich so erreicht werden, daß in alledem, was man da vornimmt, der volle besonnene Wille des Menschen enthalten ist. Daher kann derjenige, der im anthroposophischen Sinne ein Geistesforscher werden will, vor allen Dingen ein großes Vorbild haben innerhalb der heutigen Wissenschaftlichkeit: das ist die Mathematik. So sonderbar und paradox es klingen mag, der anthroposophische Geistesforscher, wenn er über das Laientum hinauskommen will, beobachtet vor allen Dingen etwas, was schon über des alten Plato Schule als eine Devise geschrieben war: daß in wirkliche geisteswissenschaftliche Erkenntnis keiner eindringen kann, der nicht eine gewisse mathematische Kultur hat.

[ 6 ] Was ist denn eigentlich das Besondere, das die Seele von der Mathematik hat? Das hat sie, daß alles, was im mathematischen Erkennen vor die Seele tritt, innerlich durchsichtig, übersichtlich ist, daß gewissermaßen nichts in dieser Erkenntnis drinnen steckt, dem man sich nur unbewußt und ohne Anwendung seines Willens hingibt. Natürlich ist Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne nicht Mathematik. Aber ein bedeutsames Vorbild kann gerade die Art und Weise sein, wie man sich in mathematisches Denken hineinfindet. Eigentlich ist nicht die Mathematik dieses Vorbild, wohl aber, wenn ich mich so ausdrücken darf, das Mathematisieren. Und wenn man vor allen Dingen gelernt hat, über alles Illusionäre, über alles Suggestive hinauszukommen durch eine solche mathematisierende Kultur, dann kann man mit besonderem Erfolg daran gehen, überschaubare Vorstellungen, aber solche Vorstellungen, die einem neu sind, in sich aufzunehmen. Man läßt sie sich von einem erfahrenen Geistesforscher geben oder sucht sonst zu Vorstellungen zu kommen, die man noch nicht in der Erinnerung hat. Diese setzt man in den Mittelpunkt des Bewußtseins und gibt sich ihnen mit dem ganzen Seelenleben hin, wendet alle Kräfte der Aufmerksamkeit von allem übrigen ab und versucht eine gewisse, nicht allzulange Zeit auf eine solche Vorstellung oder solchen Vorstellungskomplex zu richten. Warum muß diese Vorstellung oder dieser Vorstellungskomplex etwas Neues sein? Ja, wenn wir Reminiszenzen aus unserer Erinnerung heraufholen, können wir niemals ganz sicher sein, was da in unserem Organismus vorgeht, was da in unserem Organismus im außerseelischen Unbewußten zu gewissen Erlebnissen treibt. Wir können mit unserer Erkenntnis uns wirklich nur frei bewegen, wenn wir der Sinnesanschauung gegenüberstehen, weil die Sinnesanschauung in jedem Augenblicke uns begegnen wird, weil wir bei ihr sicher wissen, daß sie nicht in irgendeiner phantastischen Weise hervorgeholt sein kann aus Lebensreminiszenzen. Ebenso muß dasjenige sein, was wir jetzt mit Ausschluß der sinnlichen Wahrnehmungen anwesend sein lassen in unserem Bewußtsein, dem wir uns ganz hingeben, so hingeben, daß wir ohne sinnliche Wahrnehmungen in einer inneren Lebendigkeit sind, wie sonst nur bei der äußeren sinnlichen Wahrnehmung. Das ist es, worauf es zunächst ankommt bei dem Wege zur höheren Erkenntnis, daß das sinnlichkeitsfreie Denken in eine innere Bewegung kommt, die unsere Seele so stark in Anspruch nimmt, wie sonst nur eine äußere Sinneswahrnehmung. Man möchte sagen: Was der Mensch sonst in der äußeren Sinneswahrnehmung erlebt, das muß er erleben lernen an demjenigen Denken, welches sich verstärkt und dennoch ganz von besonnenem, bewußtem Willen durchzogen ist.

[ 6 ] Was ist denn eigentlich das Besondere, das die Seele von der Mathematik hat? Das hat sie, daß alles, was im mathematischen Erkennen vor die Seele tritt, innerlich durchsichtig, übersichtlich ist, daß gewissermaßen nichts in dieser Erkenntnis drinnen steckt, dem man sich nur unbewußt und ohne Anwendung seines Willens hingibt. Natürlich ist Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne nicht Mathematik. Aber ein bedeutsames Vorbild kann gerade die Art und Weise sein, wie man sich in mathematisches Denken hineinfindet. Eigentlich ist nicht die Mathematik dieses Vorbild, wohl aber, wenn ich mich so ausdrücken darf, das Mathematisieren. Und wenn man vor allen Dingen gelernt hat, über alles Illusionäre, über alles Suggestive hinauszukommen durch eine solche mathematisierende Kultur, dann kann man mit besonderem Erfolg daran gehen, überschaubare Vorstellungen, aber solche Vorstellungen, die einem neu sind, in sich aufzunehmen. Man läßt sie sich von einem erfahrenen Geistesforscher geben oder sucht sonst zu Vorstellungen zu kommen, die man noch nicht in der Erinnerung hat. Diese setzt man in den Mittelpunkt des Bewußtseins und gibt sich ihnen mit dem ganzen Seelenleben hin, wendet alle Kräfte der Aufmerksamkeit von allem übrigen ab und versucht eine gewisse, nicht allzulange Zeit auf eine solche Vorstellung oder solchen Vorstellungskomplex zu richten. Warum muß diese Vorstellung oder dieser Vorstellungskomplex etwas Neues sein? Ja, wenn wir Reminiszenzen aus unserer Erinnerung heraufholen, können wir niemals ganz sicher sein, was da in unserem Organismus vorgeht, was da in unserem Organismus im außerseelischen Unbewußten zu gewissen Erlebnissen treibt. Wir können mit unserer Erkenntnis uns wirklich nur frei bewegen, wenn wir der Sinnesanschauung gegenüberstehen, weil die Sinnesanschauung in jedem Augenblicke uns begegnen wird, weil wir bei ihr sicher wissen, daß sie nicht in irgendeiner phantastischen Weise hervorgeholt sein kann aus Lebensreminiszenzen. Ebenso muß dasjenige sein, was wir jetzt mit Ausschluß der sinnlichen Wahrnehmungen anwesend sein lassen in unserem Bewußtsein, dem wir uns ganz hingeben, so hingeben, daß wir ohne sinnliche Wahrnehmungen in einer inneren Lebendigkeit sind, wie sonst nur bei der äußeren sinnlichen Wahrnehmung. Das ist es, worauf es zunächst ankommt bei dem Wege zur höheren Erkenntnis, daß das sinnlichkeitsfreie Denken in eine innere Bewegung kommt, die unsere Seele so stark in Anspruch nimmt, wie sonst nur eine äußere Sinneswahrnehmung. Man möchte sagen: Was der Mensch sonst in der äußeren Sinneswahrnehmung erlebt, das muß er erleben lernen an demjenigen Denken, welches sich verstärkt und dennoch ganz von besonnenem, bewußtem Willen durchzogen ist.

[ 7 ] Damit ist schon eine Barriere starker Art aufgerichtet gegen alles das, was in das Bewußtsein hereinkommen will an Suggestion, Illusion, an Visionen, Halluzinationen. Geisteswissenschaftliche Erkenntnis, wie sie hier gemeint ist, wird immer mißverstanden, wenn man sagt: Nun ja, solch ein Geistesforscher kann ja durch seine Übungen auch nur zu Halluzinationen oder dergleichen kommen, zu allerlei krankhaften Seelenzuständen. — Wer es wirklich ernst nimmt mit der Art und Weise, wie der Weg in die höhere Erkenntnis der Anthroposophie geschildert wird, der wird sehen, daß gerade diese Geistesforschung den Menschen am allerklarsten macht über alles, was Illusionen, was Halluzinationen oder was gar Mediumistisches ist. Das wird alles nach der anderen Seite, nach der krankhaften Seite gehend, streng abgewiesen, wird in seiner Wertlosigkeit gerade von demjenigen durchschaut, was mit wirklicher geistiger Forschung errungen werden kann. Dann kommt man dazu, ein ganz anderes Denken sich anzueignen. Das alte Denken, das man für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft braucht, das bleibt voll bestehen. Aber es tritt zu diesem Denken ein ganz neues Denken hinzu, wenn man in entsprechender Weise — Sie finden das in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben — solche Übungen, wie ich sie prinzipiell jetzt als Denkübungen charakterisiert habe, immer wieder und wiederum systematisch vollführt — der eine braucht länger dazu, der andere kürzer —, wenn man diese Übungen in seinem Bewußtsein als innerlich intime Seelenentwickelung vollführt. Was da zu dem gewöhnlichen Denken hinzukommt, ich möchte es in der folgenden Weise charakterisieren.

[ 7 ] Damit ist schon eine Barriere starker Art aufgerichtet gegen alles das, was in das Bewußtsein hereinkommen will an Suggestion, Illusion, an Visionen, Halluzinationen. Geisteswissenschaftliche Erkenntnis, wie sie hier gemeint ist, wird immer mißverstanden, wenn man sagt: Nun ja, solch ein Geistesforscher kann ja durch seine Übungen auch nur zu Halluzinationen oder dergleichen kommen, zu allerlei krankhaften Seelenzuständen. — Wer es wirklich ernst nimmt mit der Art und Weise, wie der Weg in die höhere Erkenntnis der Anthroposophie geschildert wird, der wird sehen, daß gerade diese Geistesforschung den Menschen am allerklarsten macht über alles, was Illusionen, was Halluzinationen oder was gar Mediumistisches ist. Das wird alles nach der anderen Seite, nach der krankhaften Seite gehend, streng abgewiesen, wird in seiner Wertlosigkeit gerade von demjenigen durchschaut, was mit wirklicher geistiger Forschung errungen werden kann. Dann kommt man dazu, ein ganz anderes Denken sich anzueignen. Das alte Denken, das man für das gewöhnliche Leben und für die gewöhnliche Wissenschaft braucht, das bleibt voll bestehen. Aber es tritt zu diesem Denken ein ganz neues Denken hinzu, wenn man in entsprechender Weise — Sie finden das in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» beschrieben — solche Übungen, wie ich sie prinzipiell jetzt als Denkübungen charakterisiert habe, immer wieder und wiederum systematisch vollführt — der eine braucht länger dazu, der andere kürzer —, wenn man diese Übungen in seinem Bewußtsein als innerlich intime Seelenentwickelung vollführt. Was da zu dem gewöhnlichen Denken hinzukommt, ich möchte es in der folgenden Weise charakterisieren.

[ 8 ] Ich darf vielleicht dabei eine persönliche Bemerkung machen, die aber nicht persönlich gemeint ist, sondern von der Sie wohl zugeben werden, daß sie zu dem Objektiven meiner Darstellungen gehört. Ich habe in dem Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts meine «Philosophie der Freiheit» geschrieben, um zu zeigen, wie im moralischen, ethischen Leben der Menschheit die Freiheit wirklich begründet ist, wirklich lebt. Diese «Philosophie der Freiheit» hat viele Mißverständnisse hervorgerufen, weil man sich einfach nicht hineinfinden kann in die Art des Denkens, wie sie in dieser «Philosophie der Freiheit» geübt wird. Es ist nämlich in dieser «Philosophie der Freiheit» schon jenes Denken geübt, zu dem man sich eigentlich behufs Erkenntnis höherer Welten systematisch hindurchringen muß. Es ist der Anfang nur gemacht, derjenige Anfang, den jeder schon im gewöhnlichen Leben machen kann. Aber es ist zu gleicher Zeit der Anfang für die Erkenntnis höherer Welten. Das gewöhnliche Denken — Sie brauchen sich nur zu besinnen auf die Art dieses gewöhnlichen Denkens, so werden Sie sehen, wie berechtigt das ist, was ich sage —, das gewöhnliche Denken ist eigentlich ein aus räumlichen Wahrnehmungen bestehendes Denken. Wir richten ja alles im Grunde genommen in unserem gewöhnlichen Denken räumlich ein. Bedenken Sie nur, daß wir das Zeitliche ja auch auf das Räumliche zurückführen. Wir drücken die Zeit durch die Bewegungen der Uhr aus. Wir haben im Grunde genommen auch in unseren physikalischen Formeln denselben Vorgang. Kurz, wir kommen zuletzt darauf, daß das gewöhnliche Denken ein kombinierendes ist, ein solches, das auseinanderliegende Gebilde zusammenfaßt. Dieses Denken brauchen wir für das gesunde gewöhnliche Leben, brauchen wir auch für die gesunde gewöhnliche Wissenschaft.

[ 8 ] Ich darf vielleicht dabei eine persönliche Bemerkung machen, die aber nicht persönlich gemeint ist, sondern von der Sie wohl zugeben werden, daß sie zu dem Objektiven meiner Darstellungen gehört. Ich habe in dem Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts meine «Philosophie der Freiheit» geschrieben, um zu zeigen, wie im moralischen, ethischen Leben der Menschheit die Freiheit wirklich begründet ist, wirklich lebt. Diese «Philosophie der Freiheit» hat viele Mißverständnisse hervorgerufen, weil man sich einfach nicht hineinfinden kann in die Art des Denkens, wie sie in dieser «Philosophie der Freiheit» geübt wird. Es ist nämlich in dieser «Philosophie der Freiheit» schon jenes Denken geübt, zu dem man sich eigentlich behufs Erkenntnis höherer Welten systematisch hindurchringen muß. Es ist der Anfang nur gemacht, derjenige Anfang, den jeder schon im gewöhnlichen Leben machen kann. Aber es ist zu gleicher Zeit der Anfang für die Erkenntnis höherer Welten. Das gewöhnliche Denken — Sie brauchen sich nur zu besinnen auf die Art dieses gewöhnlichen Denkens, so werden Sie sehen, wie berechtigt das ist, was ich sage —, das gewöhnliche Denken ist eigentlich ein aus räumlichen Wahrnehmungen bestehendes Denken. Wir richten ja alles im Grunde genommen in unserem gewöhnlichen Denken räumlich ein. Bedenken Sie nur, daß wir das Zeitliche ja auch auf das Räumliche zurückführen. Wir drücken die Zeit durch die Bewegungen der Uhr aus. Wir haben im Grunde genommen auch in unseren physikalischen Formeln denselben Vorgang. Kurz, wir kommen zuletzt darauf, daß das gewöhnliche Denken ein kombinierendes ist, ein solches, das auseinanderliegende Gebilde zusammenfaßt. Dieses Denken brauchen wir für das gesunde gewöhnliche Leben, brauchen wir auch für die gesunde gewöhnliche Wissenschaft.

[ 9 ] Dasjenige Denken aber, das zum Behufe der Erkenntnis höherer Welten hinzukommen muß, und das man durch solche Übungen erringt, das ist ein Denken, welches ich nennen möchte das morphologische Denken, das Denken in Gestalten. Dieses Denken bleibt nicht im Raume stehen, dieses Denken ist durchaus ein solches, welches im Medium der Zeit so lebt, wie das andere Denken im Medium des Raumes. Dieses Denken gliedert nicht einen Begriff an den anderen, dieses Denken stellt vor die Seele etwas wie einen Begriffsorganismus. Wenn man einen Begriff, eine Idee, einen Gedanken hat, dann kann man nicht in beliebiger Weise zum anderen übergehen. Geradeso, wie man nicht beim Organismus des Menschen vom Kopf zu beliebigen anderen Formen übergehen kann, sondern zum Hals, dann zur Schulter, zum Brustkorb und so weiter übergehen muß, wie in einem Organismus alles gegliedert ist, wie auch ein Organismus nur ganz betrachtet werden kann, so muß dasjenige Denken, das ich das morphologische Denken nenne, innerlich beweglich sein. Es ist, wie gesagt, im Medium der Zeit, nicht des Raumes, aber es ist so innerlich beweglich, daß es eine Gestalt aus der anderen hervorruft, daß dieses Denken selber sich fortwährend organisch gliedert, fortwährend wächst. Dieses morphologische Denken, das ist es, das zum anderen Denken hinzukommen muß, und das man durch solche Meditationsübungen erlangen kann, wie ich sie im Prinzip angedeutet habe und die das Denken verstärken, intensiver machen. Mit diesem morphologischen Denken, mit diesem Denken, das in Gestalten, in Bildern verläuft, erringt man die erste Stufe der Erkenntnis übersinnlicher Welten, namentlich dasjenige, was ich in meinen Schriften die imaginative Erkenntnis genannt habe.

[ 9 ] Dasjenige Denken aber, das zum Behufe der Erkenntnis höherer Welten hinzukommen muß, und das man durch solche Übungen erringt, das ist ein Denken, welches ich nennen möchte das morphologische Denken, das Denken in Gestalten. Dieses Denken bleibt nicht im Raume stehen, dieses Denken ist durchaus ein solches, welches im Medium der Zeit so lebt, wie das andere Denken im Medium des Raumes. Dieses Denken gliedert nicht einen Begriff an den anderen, dieses Denken stellt vor die Seele etwas wie einen Begriffsorganismus. Wenn man einen Begriff, eine Idee, einen Gedanken hat, dann kann man nicht in beliebiger Weise zum anderen übergehen. Geradeso, wie man nicht beim Organismus des Menschen vom Kopf zu beliebigen anderen Formen übergehen kann, sondern zum Hals, dann zur Schulter, zum Brustkorb und so weiter übergehen muß, wie in einem Organismus alles gegliedert ist, wie auch ein Organismus nur ganz betrachtet werden kann, so muß dasjenige Denken, das ich das morphologische Denken nenne, innerlich beweglich sein. Es ist, wie gesagt, im Medium der Zeit, nicht des Raumes, aber es ist so innerlich beweglich, daß es eine Gestalt aus der anderen hervorruft, daß dieses Denken selber sich fortwährend organisch gliedert, fortwährend wächst. Dieses morphologische Denken, das ist es, das zum anderen Denken hinzukommen muß, und das man durch solche Meditationsübungen erlangen kann, wie ich sie im Prinzip angedeutet habe und die das Denken verstärken, intensiver machen. Mit diesem morphologischen Denken, mit diesem Denken, das in Gestalten, in Bildern verläuft, erringt man die erste Stufe der Erkenntnis übersinnlicher Welten, namentlich dasjenige, was ich in meinen Schriften die imaginative Erkenntnis genannt habe.

[ 10 ] Diese imaginative Erkenntnis gibt noch nicht irgend etwas Äußeres. Sie führt zunächst nur zur menschlichen Selbsterkenntnis, aber zu einer viel tieferen Selbsterkenntnis, als diejenige ist, die man nur in der gewöhnlichen Selbstschau erringen kann. Diese imaginative Erkenntnis, sie führt uns ins Bewußtsein herein Gestalten. Diese Gestalten werden so lebendig erlebt, wie sonst irgendeine Sinneswahrnehmung. Aber sie haben eine ganz besondere Eigentümlichkeit. Unsere gewöhnlichen Gedanken würden nicht gesund in unserem Bewußtsein enthalten sein, wenn wir uns nicht ihrer erinnern würden. An unserer Erinnerungsfähigkeit, an unserem Gedächtnisse hängt außerordentlich viel für die gesunde Entfaltung unseres Seelenlebens, unserer geistigen Gesundheit. Nur derjenige, der eine kontinuierliche Erinnerung hat für alle Wachzustände bis zu einem gewissen Punkte in seiner Kindheit, der ist geistig gesund. Es wird Ihnen ja vielleicht auch bekannt sein, in welche furchtbare Lage ein Mensch kommt, der Psychopath in dem Sinne ist, daß gewisse Erinnerungen ausgelöscht sind. Man kennt in der Psychiatrie diesen Zustand des Auslöschens der Erinnerungen und kann gerade aus ihm entnehmen, wie wesentlich es für die seelische Gesundheit des Menschen ist, daß die Erinnerung eine kontinuierliche ist. Das gilt für unsere gewöhnliche Gedankenbildung.

[ 10 ] Diese imaginative Erkenntnis gibt noch nicht irgend etwas Äußeres. Sie führt zunächst nur zur menschlichen Selbsterkenntnis, aber zu einer viel tieferen Selbsterkenntnis, als diejenige ist, die man nur in der gewöhnlichen Selbstschau erringen kann. Diese imaginative Erkenntnis, sie führt uns ins Bewußtsein herein Gestalten. Diese Gestalten werden so lebendig erlebt, wie sonst irgendeine Sinneswahrnehmung. Aber sie haben eine ganz besondere Eigentümlichkeit. Unsere gewöhnlichen Gedanken würden nicht gesund in unserem Bewußtsein enthalten sein, wenn wir uns nicht ihrer erinnern würden. An unserer Erinnerungsfähigkeit, an unserem Gedächtnisse hängt außerordentlich viel für die gesunde Entfaltung unseres Seelenlebens, unserer geistigen Gesundheit. Nur derjenige, der eine kontinuierliche Erinnerung hat für alle Wachzustände bis zu einem gewissen Punkte in seiner Kindheit, der ist geistig gesund. Es wird Ihnen ja vielleicht auch bekannt sein, in welche furchtbare Lage ein Mensch kommt, der Psychopath in dem Sinne ist, daß gewisse Erinnerungen ausgelöscht sind. Man kennt in der Psychiatrie diesen Zustand des Auslöschens der Erinnerungen und kann gerade aus ihm entnehmen, wie wesentlich es für die seelische Gesundheit des Menschen ist, daß die Erinnerung eine kontinuierliche ist. Das gilt für unsere gewöhnliche Gedankenbildung.

[ 11 ] Es gilt nicht für das, was ich eben als das imaginative, als das morphologische Denken charakterisiert habe. Geradeso, wie wir, wenn wir das Auge oder ein anderes Sinnesorgan an einen äußeren Sinnesreiz hinwenden, nur so lange das Erlebnis der Wahrnehmungen haben, als wir den Sinn exponieren, so haben wir auch dasjenige, was wir erlebt haben als gestaltetes Denken, als imaginatives Denken, nur im Momente des Erlebens, und es kann nicht im gewöhnlichen Sinne das, was so im imaginativen Denken auftritt, in die Erinnerung, in das Gedächtnis geprägt werden. Es muß jederzeit wiederum neu hervorgerufen werden, wenn es erlebt werden soll.

[ 11 ] Es gilt nicht für das, was ich eben als das imaginative, als das morphologische Denken charakterisiert habe. Geradeso, wie wir, wenn wir das Auge oder ein anderes Sinnesorgan an einen äußeren Sinnesreiz hinwenden, nur so lange das Erlebnis der Wahrnehmungen haben, als wir den Sinn exponieren, so haben wir auch dasjenige, was wir erlebt haben als gestaltetes Denken, als imaginatives Denken, nur im Momente des Erlebens, und es kann nicht im gewöhnlichen Sinne das, was so im imaginativen Denken auftritt, in die Erinnerung, in das Gedächtnis geprägt werden. Es muß jederzeit wiederum neu hervorgerufen werden, wenn es erlebt werden soll.

[ 12 ] Derjenige also, der zu einem solchen organisch-morphologischen Denken kommt, das gewissermaßen sich in lebendigem Wachstum selber fortbildet, kann die Ergebnisse dieses Denkens nicht in der gewöhnlichen Erinnerung behalten. Freiheit kann man auch nur charakterisieren, wenn man zu solchem sich entwickelnden, wachsenden Denken aufsteigt. Deshalb wurde meine «Philosophie der Freiheit» mit solchen Mißverständnissen behängt, wie das eben geschehen ist. Aber sie mußte in dieser Methode gegeben werden, weil eben die Freiheit ein geistiges Erlebnis ist, und man nicht zu ihr kommt mit dem gewöhnlichen kombinierenden Denken. Das ist ja das Überraschende für Anfänger in der geisteswissenschaftlichen Methode: sie glauben gewöhnlich, wenn sie ein imaginatives Erlebnis haben, daß sich das in ihrer Seele gerade so einprägen könne wie irgendein anderer Gedanke. Das ist aber nicht der Fall. Es verliert sich aus dem Bewußtsein. Nur das kann man behalten, wie man zu diesem imaginativen Erlebnis gekommen ist. Man kann die Bedingungen wieder herstellen, dann kommt auch das Erlebnis. Wie man zu einer Blume, die man gesehen hat, wenn man weggegangen ist, wieder hingehen muß, um sie zu sehen, so muß man dieselben inneren Vorgänge hervorrufen, um ein solches imaginatives Erlebnis, wie man es einmal gehabt hat, wiederum zu haben.

[ 12 ] Derjenige also, der zu einem solchen organisch-morphologischen Denken kommt, das gewissermaßen sich in lebendigem Wachstum selber fortbildet, kann die Ergebnisse dieses Denkens nicht in der gewöhnlichen Erinnerung behalten. Freiheit kann man auch nur charakterisieren, wenn man zu solchem sich entwickelnden, wachsenden Denken aufsteigt. Deshalb wurde meine «Philosophie der Freiheit» mit solchen Mißverständnissen behängt, wie das eben geschehen ist. Aber sie mußte in dieser Methode gegeben werden, weil eben die Freiheit ein geistiges Erlebnis ist, und man nicht zu ihr kommt mit dem gewöhnlichen kombinierenden Denken. Das ist ja das Überraschende für Anfänger in der geisteswissenschaftlichen Methode: sie glauben gewöhnlich, wenn sie ein imaginatives Erlebnis haben, daß sich das in ihrer Seele gerade so einprägen könne wie irgendein anderer Gedanke. Das ist aber nicht der Fall. Es verliert sich aus dem Bewußtsein. Nur das kann man behalten, wie man zu diesem imaginativen Erlebnis gekommen ist. Man kann die Bedingungen wieder herstellen, dann kommt auch das Erlebnis. Wie man zu einer Blume, die man gesehen hat, wenn man weggegangen ist, wieder hingehen muß, um sie zu sehen, so muß man dieselben inneren Vorgänge hervorrufen, um ein solches imaginatives Erlebnis, wie man es einmal gehabt hat, wiederum zu haben.

[ 13 ] Geisteswissenschaftlicher Inhalt ist nicht ohne weiteres erinnerbar. Das gilt sogar für den ehrlichen Geistesforscher schon für die allerersten elementarsten Dinge. Und da darf ich vielleicht wiederum ein Persönliches anbringen, das aber auch ein Objektives ist. Sehen Sie, dasjenige, was der anthroposophische Geistesforscher zu sagen hat, das kann er nicht in derselben Weise, sagen wir, von Tag zu Tag in seinen Vorträgen vorbringen, wie man gewöhnlich wissenschaftliche Darstellungen vorbringen kann. Die merkt man sich, die hat man im Gedächtnis, die bringt man aus dem Gedächtnisse vor. Was der Geistesforscher vorzubringen hat, das muß aus seinem lebendigen inneren Erleben kommen. Er kann sich gar nicht in derselben Weise vorbereiten, wie man sich sonst mit Hilfe seines Gedächtnisses vorbereitet. Er kann nur die Bedingungen herbeiführen, die es ihm möglich machen, selbst die anfänglichsten Dinge der Geisteswissenschaft zu erleben. Man muß sich schon klar darüber sein, daß anthroposophische Geisteswissenschaft eben schon in ihren allerersten Anfängen zur Entwickelung von sonst schlummernden Kräften in der Seele führt, und man muß nicht glauben, daß man durch gewöhnliche philosophische Spekulationen zu irgendwelchen Ergebnissen in bezug auf höhere Welten kommen kann.

[ 13 ] Geisteswissenschaftlicher Inhalt ist nicht ohne weiteres erinnerbar. Das gilt sogar für den ehrlichen Geistesforscher schon für die allerersten elementarsten Dinge. Und da darf ich vielleicht wiederum ein Persönliches anbringen, das aber auch ein Objektives ist. Sehen Sie, dasjenige, was der anthroposophische Geistesforscher zu sagen hat, das kann er nicht in derselben Weise, sagen wir, von Tag zu Tag in seinen Vorträgen vorbringen, wie man gewöhnlich wissenschaftliche Darstellungen vorbringen kann. Die merkt man sich, die hat man im Gedächtnis, die bringt man aus dem Gedächtnisse vor. Was der Geistesforscher vorzubringen hat, das muß aus seinem lebendigen inneren Erleben kommen. Er kann sich gar nicht in derselben Weise vorbereiten, wie man sich sonst mit Hilfe seines Gedächtnisses vorbereitet. Er kann nur die Bedingungen herbeiführen, die es ihm möglich machen, selbst die anfänglichsten Dinge der Geisteswissenschaft zu erleben. Man muß sich schon klar darüber sein, daß anthroposophische Geisteswissenschaft eben schon in ihren allerersten Anfängen zur Entwickelung von sonst schlummernden Kräften in der Seele führt, und man muß nicht glauben, daß man durch gewöhnliche philosophische Spekulationen zu irgendwelchen Ergebnissen in bezug auf höhere Welten kommen kann.

[ 14 ] Dieses imaginative Erkennen, das ich Ihnen auf diese Weise geschildert habe, das führt, sagte ich, aber nur zu einer Art von Selbsterkenntnis. Es führt nämlich zuletzt dahin, daß man wie in einem großen Tableau, zeitlich aber auf einmal, alles überschaut, was im wesentlichen gesetzmäßig das ganze Leben seit der Geburt hier auf Erden aufgebaut hat. Innerlich sieht man die schaffenden Bildungskräfte am Menschen, zunächst an seinem eigenen Menschen. So, wie das etwa geschildert wird — selbst von naturwissenschaftlich Denkenden ist das ja anerkannt — bei gewissen Leuten, die in Todesgefahr waren, etwa bei Ertrinkenden, daß sie ein webendes, bewegtes Bild ihres bisherigen Lebens ablaufen sehen, so — allerdings nicht als Erinnerungsbild, nicht mit den Einzelheiten des Lebens, sondern gerade mit den Hauptsachen, mit denjenigen Kräften, die einen vorwärts gebracht haben — sieht man dieses Tableau, welches, ich möchte sagen, eben ein tieferes Erinnerungstableau ist. Aber zu gleicher Zeit ist dieses Tableau so, daß man nicht bloß das gewöhnliche, gedankliche Seelenleben vor sich hat, sondern dasjenige innerliche Leben, das von der Seele aus am Organismus arbeitet.

[ 14 ] Dieses imaginative Erkennen, das ich Ihnen auf diese Weise geschildert habe, das führt, sagte ich, aber nur zu einer Art von Selbsterkenntnis. Es führt nämlich zuletzt dahin, daß man wie in einem großen Tableau, zeitlich aber auf einmal, alles überschaut, was im wesentlichen gesetzmäßig das ganze Leben seit der Geburt hier auf Erden aufgebaut hat. Innerlich sieht man die schaffenden Bildungskräfte am Menschen, zunächst an seinem eigenen Menschen. So, wie das etwa geschildert wird — selbst von naturwissenschaftlich Denkenden ist das ja anerkannt — bei gewissen Leuten, die in Todesgefahr waren, etwa bei Ertrinkenden, daß sie ein webendes, bewegtes Bild ihres bisherigen Lebens ablaufen sehen, so — allerdings nicht als Erinnerungsbild, nicht mit den Einzelheiten des Lebens, sondern gerade mit den Hauptsachen, mit denjenigen Kräften, die einen vorwärts gebracht haben — sieht man dieses Tableau, welches, ich möchte sagen, eben ein tieferes Erinnerungstableau ist. Aber zu gleicher Zeit ist dieses Tableau so, daß man nicht bloß das gewöhnliche, gedankliche Seelenleben vor sich hat, sondern dasjenige innerliche Leben, das von der Seele aus am Organismus arbeitet.

[ 15 ] Man kommt jetzt durch eine solche Anschauung zu einem Standpunkt, von dem aus es einem allerdings kindlich erscheint, wenn noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts spekulativ der Vitalismus von einer «Lebenskraft» gesprochen hat. Von einer solchen Lebenskraft spricht man in der Anthroposophie nicht. Wohl aber spricht man von der Anschauung des Lebens, von der Anschauung desjenigen, was ich den Ätherleib oder Bildekräfteleib nenne, der auf der einen Seite das Seelische darstellt, auf der anderen Seite aber, ich möchte sagen, das verdichtete, das intensivierte Seelische, das am Organismus arbeitet. Man wird also zu gleicher Zeit in eine tiefere Erkenntnis des Seelischen geführt und in eine tiefere Erkenntnis der Art und Weise, wie das Seelische am Organismus arbeitet. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür anführen, ein elementares, aber charakteristisches Beispiel.

[ 15 ] Man kommt jetzt durch eine solche Anschauung zu einem Standpunkt, von dem aus es einem allerdings kindlich erscheint, wenn noch in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts spekulativ der Vitalismus von einer «Lebenskraft» gesprochen hat. Von einer solchen Lebenskraft spricht man in der Anthroposophie nicht. Wohl aber spricht man von der Anschauung des Lebens, von der Anschauung desjenigen, was ich den Ätherleib oder Bildekräfteleib nenne, der auf der einen Seite das Seelische darstellt, auf der anderen Seite aber, ich möchte sagen, das verdichtete, das intensivierte Seelische, das am Organismus arbeitet. Man wird also zu gleicher Zeit in eine tiefere Erkenntnis des Seelischen geführt und in eine tiefere Erkenntnis der Art und Weise, wie das Seelische am Organismus arbeitet. Ich will Ihnen ein Beispiel dafür anführen, ein elementares, aber charakteristisches Beispiel.

[ 16 ] Sie wissen ja, daß heute die anerkannte Psychologie eigentlich doch nicht weiter kommt, als bis zu gewissen Spekulationen über die Beziehungen von Seele und Leib, Seele und Körper. Die Seele wird geschildert, als ob sie den Körper bewegte, oder es wird von den materialistisch Gesinnten die Seele als das Plus angesehen, das der Körper gewissermaßen produziert. Am häufigsten spricht man heute von dem psychophysischen Parallelismus: daß die Seelenerscheinungen und die körperlichen Erscheinungen parallel ablaufen und so weiter. Das alles sind Spekulationen, die eigentlich nur darauf beruhen, daß man denselben Wissenschaftsgeist, der sonst herrscht, in das menschliche seelisch-leibliche, seelisch-körperliche Leben nicht einführen will.

[ 16 ] Sie wissen ja, daß heute die anerkannte Psychologie eigentlich doch nicht weiter kommt, als bis zu gewissen Spekulationen über die Beziehungen von Seele und Leib, Seele und Körper. Die Seele wird geschildert, als ob sie den Körper bewegte, oder es wird von den materialistisch Gesinnten die Seele als das Plus angesehen, das der Körper gewissermaßen produziert. Am häufigsten spricht man heute von dem psychophysischen Parallelismus: daß die Seelenerscheinungen und die körperlichen Erscheinungen parallel ablaufen und so weiter. Das alles sind Spekulationen, die eigentlich nur darauf beruhen, daß man denselben Wissenschaftsgeist, der sonst herrscht, in das menschliche seelisch-leibliche, seelisch-körperliche Leben nicht einführen will.

[ 17 ] Sie alle kennen die physikalische Anschauung, die von latenter Wärme spricht, von einer latenten Wärme, die in irgendeinem Ding enthalten ist, die aber nicht als Wärme erscheint. Wenn man gewisse Bedingungen herbeiführt, wird diese Wärme, wie man sagt, frei. Sie erscheint dann. Man hat vorher die Wärme in den Dingen drinnen, sie bewirkt in den Dingen etwas, das aber nicht äußerlich durch Wärmevorgänge sich ausdrückt. Man spricht von latenter Wärme, von freiwerdender Wärme.

[ 17 ] Sie alle kennen die physikalische Anschauung, die von latenter Wärme spricht, von einer latenten Wärme, die in irgendeinem Ding enthalten ist, die aber nicht als Wärme erscheint. Wenn man gewisse Bedingungen herbeiführt, wird diese Wärme, wie man sagt, frei. Sie erscheint dann. Man hat vorher die Wärme in den Dingen drinnen, sie bewirkt in den Dingen etwas, das aber nicht äußerlich durch Wärmevorgänge sich ausdrückt. Man spricht von latenter Wärme, von freiwerdender Wärme.

[ 18 ] Eine solche Anschauung, natürlich modifiziert, bereichert, muß durchaus auch auf das konkrete, nicht spekulative Seelenanschauen ausgedehnt werden. Wir sehen das Kind heranwachsen bis zum Zahnwechsel, um das siebente Jahr herum. Mit diesem Zahnwechsel ist aber viel mehr verbunden, als man gewöhnlich meint. Wer eine unbefangene Beobachtung für Seelisch-Leibliches hat, der weiß, daß die ganze Art des Denkens, des Vorstellens, auch des Gefühls- und Empfindungslebens, also alles Seelische bei dem Kinde ganz anders wird nach dem Zahnwechsel, als es vorher gewesen ist. Der Zahnwechsel ist gewissermaßen für eine bestimmte Art des kindlichen Lebens ein Schlußpunkt. Der Mensch hat nicht mehr nötig, nach dem Zahnwechsel diejenigen Kräfte für seinen Organismus anzuwenden, die er vorher angewendert hat. Denn diese Kräfte, welche — wenn ich mich jetzt trivial ausdrücken darf — die zweiten Zähne herausstoßen, die sind nicht bloß lokalisiert etwa im menschlichen Haupte, es sind die Kräfte, die im ganzen Organismus sind, die nur beim Herausstoßen der zweiten Zähne eben sich an einem einzelnen Orte zeigen. Wer diesen ganzen Vorgang so sachgemäß wissenschaftlich verfolgt, wie man heute gewöhnt ist, in der Naturwissenschaft zu denken, der kommt dazu, zu erkennen, daß diejenigen Kräfte, die die Zähne herausstoßen, eben vorher latent waren, gebunden waren im Organismus, daß sie den Organismus eben durchorganisiert haben, und daß sie jetzt beim Zahnwechsel frei geworden sind und nach dem Zahnwechsel beim Kinde als seelisch-geistige Kräfte erscheinen. Hier haben wir ein konkretes, nicht ein erspekuliertes Wechselverhältnis des Seelisch-Geistigen und des Körperlich-Leiblichen. Wer nur im gegenwärtigen Augenblick auf die Seele und dann auf den Leib hinschauen will, der mag lange spekulieren und experimentieren, er wird doch nur zu abstrakten Anschauungen über das Verhältnis der Seele und des Leibes kommen. Derjenige, der zur Zeitenfolge übergeht, der wird beobachten, wie in dem Kinde nach dem Zahnwechsel etwas an seelischen Kräften, an Konturierung des Gedächtnisbegriffes, an Konturierung der Empfindungen auftritt, und er wird wissen, daß das, was da als freigewordenes Seelenleben jetzt da ist, vorher untergetaucht war in den Organismus. Er lernt beobachtend, nicht denkend bloß, das Verhältnis von Seele und Körper wirklich kennen. Das ist ein Beispiel, wie wir das Zusammenwirken von Seele und Leib durch die imaginative Erkenntnis erforschen können. Man sieht hinein, wie das Seelisch-Geistige an dem Leiblich-Physischen arbeitet. Das bietet sich in dem Tableau dar, von dem ich gesprochen habe. Wenn man auf diese Weise dazu gekommen ist, dieses bildhafte, imaginative Denken auszubilden, dann muß man durch die Stärke, die man gewonnen hat, weitergehen. Ich sagte: Wie der Muskel an der Arbeit erstarkt, so erstarkt unsere Denkkraft, indem sie solche Übungen ausführt, wie ich sie charakterisiert habe, wie Sie sie in den genannten Büchern weiter charakterisiert finden können. Wenn man nun in dieser Weise ein verstärktes, bis zur Bildhaftigkeit, bis zur Gestaltungskraft kommendes Denken in sich ausbildet, das in der Zeit lebt, dann kann man auch dazu kommen, andere Kräfte des Seelenlebens zu verstärken. Die gewöhnlichen Vorstellungen des Lebens kommen und gehen, oder auch wir versuchen, sie loszuwerden, entweder indem wir sie seelisch loszuwerden suchen, oder indem unser Organismus durch das Vergessen dafür sorgt und so weiter. Solche Vorstellungen, die wir — wie ich es geschildert habe — behufs höherer Erkenntnis in unserem Bewußtsein präsent machen, gegenwärtig sein lassen, können schwerer zum Vergessen gebracht werden als andere. Da müssen wir uns stark anstrengen. Das ist eine zweite Art der Übung, das, ich möchte sagen, künstliche Vergessen, das künstliche Unterdrücken der Vorstellungen. Wenn wir aber dieses künstliche Unterdrücken der Vorstellungen entsprechend unseren individuellen Anlagen genügend lange üben, dann kommen wir dazu, dieses ganze Tableau, von dem ich eben gesprochen habe, auch unterdrücken zu können, so daß wir das Bewußtsein völlig leer machen. Was uns einzig und allein bleiben muß, das ist eben das vom Willen und von der Besonnenheit durchdrungene Denken. Dieses Denken aber tritt jetzt wiederum in einer neuen Gestalt auf.

[ 18 ] Eine solche Anschauung, natürlich modifiziert, bereichert, muß durchaus auch auf das konkrete, nicht spekulative Seelenanschauen ausgedehnt werden. Wir sehen das Kind heranwachsen bis zum Zahnwechsel, um das siebente Jahr herum. Mit diesem Zahnwechsel ist aber viel mehr verbunden, als man gewöhnlich meint. Wer eine unbefangene Beobachtung für Seelisch-Leibliches hat, der weiß, daß die ganze Art des Denkens, des Vorstellens, auch des Gefühls- und Empfindungslebens, also alles Seelische bei dem Kinde ganz anders wird nach dem Zahnwechsel, als es vorher gewesen ist. Der Zahnwechsel ist gewissermaßen für eine bestimmte Art des kindlichen Lebens ein Schlußpunkt. Der Mensch hat nicht mehr nötig, nach dem Zahnwechsel diejenigen Kräfte für seinen Organismus anzuwenden, die er vorher angewendert hat. Denn diese Kräfte, welche — wenn ich mich jetzt trivial ausdrücken darf — die zweiten Zähne herausstoßen, die sind nicht bloß lokalisiert etwa im menschlichen Haupte, es sind die Kräfte, die im ganzen Organismus sind, die nur beim Herausstoßen der zweiten Zähne eben sich an einem einzelnen Orte zeigen. Wer diesen ganzen Vorgang so sachgemäß wissenschaftlich verfolgt, wie man heute gewöhnt ist, in der Naturwissenschaft zu denken, der kommt dazu, zu erkennen, daß diejenigen Kräfte, die die Zähne herausstoßen, eben vorher latent waren, gebunden waren im Organismus, daß sie den Organismus eben durchorganisiert haben, und daß sie jetzt beim Zahnwechsel frei geworden sind und nach dem Zahnwechsel beim Kinde als seelisch-geistige Kräfte erscheinen. Hier haben wir ein konkretes, nicht ein erspekuliertes Wechselverhältnis des Seelisch-Geistigen und des Körperlich-Leiblichen. Wer nur im gegenwärtigen Augenblick auf die Seele und dann auf den Leib hinschauen will, der mag lange spekulieren und experimentieren, er wird doch nur zu abstrakten Anschauungen über das Verhältnis der Seele und des Leibes kommen. Derjenige, der zur Zeitenfolge übergeht, der wird beobachten, wie in dem Kinde nach dem Zahnwechsel etwas an seelischen Kräften, an Konturierung des Gedächtnisbegriffes, an Konturierung der Empfindungen auftritt, und er wird wissen, daß das, was da als freigewordenes Seelenleben jetzt da ist, vorher untergetaucht war in den Organismus. Er lernt beobachtend, nicht denkend bloß, das Verhältnis von Seele und Körper wirklich kennen. Das ist ein Beispiel, wie wir das Zusammenwirken von Seele und Leib durch die imaginative Erkenntnis erforschen können. Man sieht hinein, wie das Seelisch-Geistige an dem Leiblich-Physischen arbeitet. Das bietet sich in dem Tableau dar, von dem ich gesprochen habe. Wenn man auf diese Weise dazu gekommen ist, dieses bildhafte, imaginative Denken auszubilden, dann muß man durch die Stärke, die man gewonnen hat, weitergehen. Ich sagte: Wie der Muskel an der Arbeit erstarkt, so erstarkt unsere Denkkraft, indem sie solche Übungen ausführt, wie ich sie charakterisiert habe, wie Sie sie in den genannten Büchern weiter charakterisiert finden können. Wenn man nun in dieser Weise ein verstärktes, bis zur Bildhaftigkeit, bis zur Gestaltungskraft kommendes Denken in sich ausbildet, das in der Zeit lebt, dann kann man auch dazu kommen, andere Kräfte des Seelenlebens zu verstärken. Die gewöhnlichen Vorstellungen des Lebens kommen und gehen, oder auch wir versuchen, sie loszuwerden, entweder indem wir sie seelisch loszuwerden suchen, oder indem unser Organismus durch das Vergessen dafür sorgt und so weiter. Solche Vorstellungen, die wir — wie ich es geschildert habe — behufs höherer Erkenntnis in unserem Bewußtsein präsent machen, gegenwärtig sein lassen, können schwerer zum Vergessen gebracht werden als andere. Da müssen wir uns stark anstrengen. Das ist eine zweite Art der Übung, das, ich möchte sagen, künstliche Vergessen, das künstliche Unterdrücken der Vorstellungen. Wenn wir aber dieses künstliche Unterdrücken der Vorstellungen entsprechend unseren individuellen Anlagen genügend lange üben, dann kommen wir dazu, dieses ganze Tableau, von dem ich eben gesprochen habe, auch unterdrücken zu können, so daß wir das Bewußtsein völlig leer machen. Was uns einzig und allein bleiben muß, das ist eben das vom Willen und von der Besonnenheit durchdrungene Denken. Dieses Denken aber tritt jetzt wiederum in einer neuen Gestalt auf.

[ 19 ] Ich habe Ihnen nun schon von zwei Gestalten des Denkens gesprochen, von dem gewöhnlichen, an den Raum gebundenen Denken, und dem Denken, das ein eigenes Wachstum hat, wo immer ein Begriff, ein Gedanke aus dem anderen hervorwächst, wie sich bei einem Organismus ein Glied an das andere ansetzt. Indem man dieses morphologische Denken eine Zeitlang fortführt, kommt man dazu, nun eine dritte Form des Denkens ausbilden zu können, und die braucht man, wenn man aufsteigt zu der höheren Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich gleich schildern werde, wenn man also aufsteigt in der höheren Welt zu mehr als zu dem, was ein bloßer Überblick über die eigene Organisation ist.

[ 19 ] Ich habe Ihnen nun schon von zwei Gestalten des Denkens gesprochen, von dem gewöhnlichen, an den Raum gebundenen Denken, und dem Denken, das ein eigenes Wachstum hat, wo immer ein Begriff, ein Gedanke aus dem anderen hervorwächst, wie sich bei einem Organismus ein Glied an das andere ansetzt. Indem man dieses morphologische Denken eine Zeitlang fortführt, kommt man dazu, nun eine dritte Form des Denkens ausbilden zu können, und die braucht man, wenn man aufsteigt zu der höheren Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die ich gleich schildern werde, wenn man also aufsteigt in der höheren Welt zu mehr als zu dem, was ein bloßer Überblick über die eigene Organisation ist.

[ 20 ] Durch das imaginative Erkennen kommt man dazu, die eigene Organisation so zu überblicken, daß man sich sagt: Das Seelisch-Geistige als ein Übersinnliches arbeitet im Erdenleben an dem Physisch-Leiblichen. Man braucht dieses morphologische Denken, sonst würde man das, was in der Zeit vor sich geht, was aus dem Übersinnlichen heraus arbeitet an dem Sinnlichen, nicht verstehen, denn das ist in fortwährender Metamorphose vorhanden. Man muß sein Denken beweglich und innerlich zusammenhängend machen. Dasjenige, was lebt aus dem Geiste heraus, kann man nicht erfassen durch das bloße kombinierende Denken, das muß erfaßt werden durch ein innerlich lebendiges Denken. Aber man muß zu einem noch anderen Denken kommen, wenn man gewachsen sein will der nächsthöheren Stufe der übersinnlichen Erkenntnis. Und dieses andere Denken, ich möchte es Ihnen an einem Beispiel erläutern. Es ist selbst dieses Beispiel schon etwas schwierig zu durchdringen, aber wir werden uns doch verständigen können.

[ 20 ] Durch das imaginative Erkennen kommt man dazu, die eigene Organisation so zu überblicken, daß man sich sagt: Das Seelisch-Geistige als ein Übersinnliches arbeitet im Erdenleben an dem Physisch-Leiblichen. Man braucht dieses morphologische Denken, sonst würde man das, was in der Zeit vor sich geht, was aus dem Übersinnlichen heraus arbeitet an dem Sinnlichen, nicht verstehen, denn das ist in fortwährender Metamorphose vorhanden. Man muß sein Denken beweglich und innerlich zusammenhängend machen. Dasjenige, was lebt aus dem Geiste heraus, kann man nicht erfassen durch das bloße kombinierende Denken, das muß erfaßt werden durch ein innerlich lebendiges Denken. Aber man muß zu einem noch anderen Denken kommen, wenn man gewachsen sein will der nächsthöheren Stufe der übersinnlichen Erkenntnis. Und dieses andere Denken, ich möchte es Ihnen an einem Beispiel erläutern. Es ist selbst dieses Beispiel schon etwas schwierig zu durchdringen, aber wir werden uns doch verständigen können.

[ 21 ] Ich erinnere daran, daß Goethe versucht hat, die einzelnen Schädelknochen als gestaltete, metamorphosierte Knochen von der Art der Rückenwirbel aufzufassen. Goethe hat eine Metamorphose, eine Umgestaltung der Rückgratswirbel in den einzelnen Kopfknochen gesehen. Zu einem gewissen Grade, allerdings modifiziert, ist das ja auch die Anschauung der heutigen Wissenschaft; nicht mehr ganz so, wie Goethe sich das vorgestellt hat, aber es ist das schon heute auch noch cine geltende Vorstellung. Nun ist aber mit dieser bloß morphologischen Ableitung der Kopfknochen nichts getan, sondern man muß noch weitergehen, wenn man die Beziehung des menschlichen Hauptes zu dem übrigen menschlichen Organismus — also beim Skelett wollen wir stehenbleiben — verstehen will. Da muß man nicht bloß an eine Umgestaltung denken, sondern man muß noch an etwas ganz anderes denken, wenn man die Frage aufwirft: Wie verhält sich zum Beispiel das Knochensystem, sagen wir in der Form der Arme oder der Beine, zu dem Knochensystem in der Form der Schädelknochen, der Kopfknochen? Da ist es so, daß man die Metamorphose, durch die das eine aus dem anderen hervorgeht, nur versteht, wenn man davon ausgeht, daß nicht nur eine Umgestaltung stattfindet, eine räumliche Umgestaltung in der Zeit, sondern daß noch etwas ganz anderes stattfindet, nämlich eine Art Umstülpung. Sie müssen nämlich, wenn Sie das gegenseitige Verhältnis verstehen wollen, sagen wir, der Beinknochen zu den Kopfknochen, die äußere Oberfläche der Kopfknochen mit der Innenfläche eines Hohlknochens, sagen wir, des Oberschenkels, vergleichen. So daß die Sache so ist, daß das Innere des Oberschenkelknochens nach außen gewendet werden müßte, außerdem noch seine Elastizität ändern müßte. Dann würde das Innere nach außen gekehrt erscheinen, und es würde die äußere Oberfläche eines Schädelknochens entsprechen der inneren Fläche eines Hohlknochens der Gliedmaßen. Und umgekehrt: Die äußere Fläche des Schienbeins entspricht nicht der äußeren Fläche der Schädeldecke, sondern der Innenfläche der Schädeldecke. Sie müssen sich also vorstellen, daß dabei etwas stattfindet wie beim Umstülpen eines Handschuhs. Das Innere wird nach außen gekehrt, gleichzeitig aber wird die Elastizität verändert. Es entsteht eine andere Form. Es ist also so, wie wenn man den Handschuh nicht nur umstülpt, sondern, nachdem man ihn umgestülpt hat, er durch andere Elastizitätskräfte eine völlig andere Form annehmen würde.

[ 21 ] Ich erinnere daran, daß Goethe versucht hat, die einzelnen Schädelknochen als gestaltete, metamorphosierte Knochen von der Art der Rückenwirbel aufzufassen. Goethe hat eine Metamorphose, eine Umgestaltung der Rückgratswirbel in den einzelnen Kopfknochen gesehen. Zu einem gewissen Grade, allerdings modifiziert, ist das ja auch die Anschauung der heutigen Wissenschaft; nicht mehr ganz so, wie Goethe sich das vorgestellt hat, aber es ist das schon heute auch noch cine geltende Vorstellung. Nun ist aber mit dieser bloß morphologischen Ableitung der Kopfknochen nichts getan, sondern man muß noch weitergehen, wenn man die Beziehung des menschlichen Hauptes zu dem übrigen menschlichen Organismus — also beim Skelett wollen wir stehenbleiben — verstehen will. Da muß man nicht bloß an eine Umgestaltung denken, sondern man muß noch an etwas ganz anderes denken, wenn man die Frage aufwirft: Wie verhält sich zum Beispiel das Knochensystem, sagen wir in der Form der Arme oder der Beine, zu dem Knochensystem in der Form der Schädelknochen, der Kopfknochen? Da ist es so, daß man die Metamorphose, durch die das eine aus dem anderen hervorgeht, nur versteht, wenn man davon ausgeht, daß nicht nur eine Umgestaltung stattfindet, eine räumliche Umgestaltung in der Zeit, sondern daß noch etwas ganz anderes stattfindet, nämlich eine Art Umstülpung. Sie müssen nämlich, wenn Sie das gegenseitige Verhältnis verstehen wollen, sagen wir, der Beinknochen zu den Kopfknochen, die äußere Oberfläche der Kopfknochen mit der Innenfläche eines Hohlknochens, sagen wir, des Oberschenkels, vergleichen. So daß die Sache so ist, daß das Innere des Oberschenkelknochens nach außen gewendet werden müßte, außerdem noch seine Elastizität ändern müßte. Dann würde das Innere nach außen gekehrt erscheinen, und es würde die äußere Oberfläche eines Schädelknochens entsprechen der inneren Fläche eines Hohlknochens der Gliedmaßen. Und umgekehrt: Die äußere Fläche des Schienbeins entspricht nicht der äußeren Fläche der Schädeldecke, sondern der Innenfläche der Schädeldecke. Sie müssen sich also vorstellen, daß dabei etwas stattfindet wie beim Umstülpen eines Handschuhs. Das Innere wird nach außen gekehrt, gleichzeitig aber wird die Elastizität verändert. Es entsteht eine andere Form. Es ist also so, wie wenn man den Handschuh nicht nur umstülpt, sondern, nachdem man ihn umgestülpt hat, er durch andere Elastizitätskräfte eine völlig andere Form annehmen würde.

[ 22 ] Sie sehen, ich muß Ihnen etwas außerordentlich Kompliziertes schon als einen ersten Hinweis auf diese dritte Art des Denkens anführen: ein Denken, das nicht nur in sich verändernden Gestalten lebt, sondern ein Denken, das in der Lage ist, die Gestaltung des Inneren nach außen zu kehren und dabei die Form zu verändern. Das ist nicht anders möglich als dadurch, daß man nun mit dem Denken nicht mehr in der Zeit bleibt, sondern bei diesem Umstülpen geht dasjenige, worüber man denkt, im Denken aus Raum und Zeit heraus, kommt in eine Wirklichkeit, die jenseits von Raum und Zeit liegt.

[ 22 ] Sie sehen, ich muß Ihnen etwas außerordentlich Kompliziertes schon als einen ersten Hinweis auf diese dritte Art des Denkens anführen: ein Denken, das nicht nur in sich verändernden Gestalten lebt, sondern ein Denken, das in der Lage ist, die Gestaltung des Inneren nach außen zu kehren und dabei die Form zu verändern. Das ist nicht anders möglich als dadurch, daß man nun mit dem Denken nicht mehr in der Zeit bleibt, sondern bei diesem Umstülpen geht dasjenige, worüber man denkt, im Denken aus Raum und Zeit heraus, kommt in eine Wirklichkeit, die jenseits von Raum und Zeit liegt.

[ 23 ] Ich weiß sehr gut, daß man sich nicht gleich hineinfinden kann in diese dritte Art des Denkens, die ganz anders ist als das kombinierende und das gestaltende Denken, in dieses Denken, welches, ich möchte sagen, untertaucht in die Unräumlichkeit und Unzeitlichkeit; und dasjenige, was wieder erscheint, das ist der Form nach verändert, hat das Innere nach außen gekehrt, das Äußere nach innen gekehrt. Aber Anthroposophie will nicht jenes laienhafte Herumreden über die höheren Welten bringen, dem sich viele hingeben, sondern Anthroposophie muß darauf hinweisen, weil sie ehrlich wie nur irgendeine ehrliche Wissenschaft ist, daß es nicht nur notwendig ist, das Gebiet der gewöhnlichen Wissenschaft zu verlassen, sondern daß die Art des Denkens eine ganz andere werden muß. Man muß ganz anders den Menschen innerlich zusammenhalten, wenn man in dieser Weise zu einem qualitativen Denken vorrücken will, denn es ist einfach ein Ändern der ganzen Qualität des Gedankens, die bei diesem Umstülpen, bei diesem Umkehren des Inneren in das Äußere entsteht.

[ 23 ] Ich weiß sehr gut, daß man sich nicht gleich hineinfinden kann in diese dritte Art des Denkens, die ganz anders ist als das kombinierende und das gestaltende Denken, in dieses Denken, welches, ich möchte sagen, untertaucht in die Unräumlichkeit und Unzeitlichkeit; und dasjenige, was wieder erscheint, das ist der Form nach verändert, hat das Innere nach außen gekehrt, das Äußere nach innen gekehrt. Aber Anthroposophie will nicht jenes laienhafte Herumreden über die höheren Welten bringen, dem sich viele hingeben, sondern Anthroposophie muß darauf hinweisen, weil sie ehrlich wie nur irgendeine ehrliche Wissenschaft ist, daß es nicht nur notwendig ist, das Gebiet der gewöhnlichen Wissenschaft zu verlassen, sondern daß die Art des Denkens eine ganz andere werden muß. Man muß ganz anders den Menschen innerlich zusammenhalten, wenn man in dieser Weise zu einem qualitativen Denken vorrücken will, denn es ist einfach ein Ändern der ganzen Qualität des Gedankens, die bei diesem Umstülpen, bei diesem Umkehren des Inneren in das Äußere entsteht.

[ 24 ] Erst dann, wenn man in dieser Weise sein Denken dazu gebracht hat, daß es ins Qualitative untergetaucht ist, kann man derjenigen Stufe der Erkenntnis in die übersinnlichen Welten folgen, die sich anschließen muß an das imaginative Denken. Hat man nun das Tableau, von dem ich gesprochen habe, unterdrückt, so daß man ein leeres Bewußtsein hergestellt hat, dann hat man eben für kurze Zeit ein leeres Bewußtsein. Man kann, wenn man bloß eine Vorstellung unterdrückt, das Bewußtsein eine Weile leer machen. Wenn man aber diese Realität, die einem eigentlich in Wachstum, in Ernährung fortwährend gedient hat im Erdendasein, unterdrückt, so taucht man unter in eine völlig neue Welt. Dann ist man in den höheren Welten, und dann hat man die gewöhnliche Sinneswelt wie eine Erinnerung hinter sich. Man muß sie als solche haben, sonst ist man kein seelisch gesunder Mensch, sonst ist man ein psychopathischer Mensch, sonst halluziniert man oder hat Illusionen.

[ 24 ] Erst dann, wenn man in dieser Weise sein Denken dazu gebracht hat, daß es ins Qualitative untergetaucht ist, kann man derjenigen Stufe der Erkenntnis in die übersinnlichen Welten folgen, die sich anschließen muß an das imaginative Denken. Hat man nun das Tableau, von dem ich gesprochen habe, unterdrückt, so daß man ein leeres Bewußtsein hergestellt hat, dann hat man eben für kurze Zeit ein leeres Bewußtsein. Man kann, wenn man bloß eine Vorstellung unterdrückt, das Bewußtsein eine Weile leer machen. Wenn man aber diese Realität, die einem eigentlich in Wachstum, in Ernährung fortwährend gedient hat im Erdendasein, unterdrückt, so taucht man unter in eine völlig neue Welt. Dann ist man in den höheren Welten, und dann hat man die gewöhnliche Sinneswelt wie eine Erinnerung hinter sich. Man muß sie als solche haben, sonst ist man kein seelisch gesunder Mensch, sonst ist man ein psychopathischer Mensch, sonst halluziniert man oder hat Illusionen.

[ 25 ] Wenn man in der Geistesforschung regelrecht vorgeht, so bleibt die Besonnenheit, so bleibt das vom Willen durchdrungene Bewußtsein bis in die höchsten Welten hinauf, und es kann gar nicht die Rede davon sein, daß man irgendwie Halluzinationen oder Suggestionen hat. Hat man Suggestionen oder Halluzinationen, so wird das gewöhnliche Bewußtsein ganz verdrängt durch das krankhafte Bewußtsein. Das ist aber das Wesentliche des von der Anthroposophie angestrebten Bewußtseins behufs der Erkenntnis höherer Welten, daß das gewöhnliche Bewußtsein voll bestehen bleibt, daß man ein vernünftiger Mensch, ein besonnener Mensch bleibt neben dem, daß man sich in höhere Welten erhebt. Und auch das, was ich Ihnen angeführt habe als jene Erkraftung des Denkens mit dem umgestülpten Denken, dem übermorphologischen Denken, auch das ist eigentlich nur dazu da, daß man mit völliger Bewußtheit nun in diese höheren Welten eindringen kann. Diese höheren Welten erlebt man jetzt wirklich mit einem geistigen Inhalt.

[ 25 ] Wenn man in der Geistesforschung regelrecht vorgeht, so bleibt die Besonnenheit, so bleibt das vom Willen durchdrungene Bewußtsein bis in die höchsten Welten hinauf, und es kann gar nicht die Rede davon sein, daß man irgendwie Halluzinationen oder Suggestionen hat. Hat man Suggestionen oder Halluzinationen, so wird das gewöhnliche Bewußtsein ganz verdrängt durch das krankhafte Bewußtsein. Das ist aber das Wesentliche des von der Anthroposophie angestrebten Bewußtseins behufs der Erkenntnis höherer Welten, daß das gewöhnliche Bewußtsein voll bestehen bleibt, daß man ein vernünftiger Mensch, ein besonnener Mensch bleibt neben dem, daß man sich in höhere Welten erhebt. Und auch das, was ich Ihnen angeführt habe als jene Erkraftung des Denkens mit dem umgestülpten Denken, dem übermorphologischen Denken, auch das ist eigentlich nur dazu da, daß man mit völliger Bewußtheit nun in diese höheren Welten eindringen kann. Diese höheren Welten erlebt man jetzt wirklich mit einem geistigen Inhalt.

[ 26 ] Hat man durch das imaginative Bewußtsein eine Anschauung erlangt von dem, was an einem arbeitet seit der Geburt — Übersinnliches, das arbeitet an dem Sinnlichen —, so erlangt man jetzt eine Erkenntnis von dem, was vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis des Menschen innerhalb der physischen Welt von ihm im geistig-seelischen Dasein vorhanden war, wo er ebenso umgeben ist von Wesen, geistig-seelischen Wesen, wie wir hier von sinnlichen Wesen umgeben sind in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode. Kurz, man erlebt den ewigen Wesenskern des Menschen, indem man zurückschaut hinter die Geburt in diejenige Daseinsstufe des Menschen, die er durchlebte, bevor er hier auf dieser Erde innerhalb der physischen Vererbungsströmung empfangen wurde, man erlebt ihn in seiner geistigen Umgebung.

[ 26 ] Hat man durch das imaginative Bewußtsein eine Anschauung erlangt von dem, was an einem arbeitet seit der Geburt — Übersinnliches, das arbeitet an dem Sinnlichen —, so erlangt man jetzt eine Erkenntnis von dem, was vor der Geburt, oder sagen wir vor der Empfängnis des Menschen innerhalb der physischen Welt von ihm im geistig-seelischen Dasein vorhanden war, wo er ebenso umgeben ist von Wesen, geistig-seelischen Wesen, wie wir hier von sinnlichen Wesen umgeben sind in der Zeit zwischen der Geburt und dem Tode. Kurz, man erlebt den ewigen Wesenskern des Menschen, indem man zurückschaut hinter die Geburt in diejenige Daseinsstufe des Menschen, die er durchlebte, bevor er hier auf dieser Erde innerhalb der physischen Vererbungsströmung empfangen wurde, man erlebt ihn in seiner geistigen Umgebung.

[ 27 ] Das, was also zur Erkenntnis der höheren Welten geführt hat, ist nicht eine Spekulation, ist nicht ein Begriffssystem, ist eine Anschauung. Gerade so, wie man durch die Entwikkelung seines Leibes seit seinem embryonalen Dasein eine Anschauung von der äußeren Sinneswelt erlangt, so erlangt man durch diejenigen Vornahmen, die ich Ihnen dem Prinzip nach geschildert habe, die Sie in den angeführten Büchern in allen Einzelheiten geschildert finden, Erkenntnisse von Seelenvorgängen, erlangt die Möglichkeit, umgeben zu sein von jener geistigen Welt, in der wir waren vor der Geburt und in die wir eintreten, wenn wir durch die Pforte des Todes treten. Durch Anschauung wird die Erkenntnis der höheren Welten errungen.

[ 27 ] Das, was also zur Erkenntnis der höheren Welten geführt hat, ist nicht eine Spekulation, ist nicht ein Begriffssystem, ist eine Anschauung. Gerade so, wie man durch die Entwikkelung seines Leibes seit seinem embryonalen Dasein eine Anschauung von der äußeren Sinneswelt erlangt, so erlangt man durch diejenigen Vornahmen, die ich Ihnen dem Prinzip nach geschildert habe, die Sie in den angeführten Büchern in allen Einzelheiten geschildert finden, Erkenntnisse von Seelenvorgängen, erlangt die Möglichkeit, umgeben zu sein von jener geistigen Welt, in der wir waren vor der Geburt und in die wir eintreten, wenn wir durch die Pforte des Todes treten. Durch Anschauung wird die Erkenntnis der höheren Welten errungen.

[ 28 ] Nun, dadurch habe ich Ihnen zunächst den Erkenntnisweg geschildert. Der Weg in die höheren Welten wäre aber nicht vollständig geschildert, wenn man ihn nur als Erkenntnisweg schilderte, denn zu dem, was der Mensch da durchmacht, gehört noch etwas anderes als ein bloßes Leben im Denken. Mag es schwierig sein, die zwei höheren Formen des Denkens sich anzueignen, etwas anderes bietet weitere Schwierigkeiten. Wenn wir hier in der physischen Welt uns vorzugsweise an die Beobachtung, an das Experiment halten, so geschieht das aus dem Grunde, weil wir dadurch in einer gewissen Weise beruhigt sind über den Wahrheitsgehalt unserer Erkenntnisse. Man mag erkenntnistheoretisch nun streiten über das Wesen der Sinneswahrnehmungen und ihr Verhältnis zu dem wahren Sein und so weiter, darauf kommt es jetzt nicht an. Worauf es ankommt, ist, daß uns die Sinneswahrnehmung die Wahrheit desjenigen verbürgt, was wir seelisch erleben, was seelisch als das Spiegelbild dieser Sinneswahrnehmungen auftritt, und wir sind beruhigt, indem wir uns anlehnen an die äußere Wirklichkeit. Es ist ja sogar in der neueren Zeit die Krankheit des Spiritismus aufgetreten, die auf eine ebensolche Art das Sein des Geistigen durch eine äußere Beobachtung erhärten will. Man kann natürlich nicht stärker Materialist sein, als wenn man Spiritist ist. Der Spiritismus ist nur die Potenzierung des Materialismus, denn man will nicht nur behaupten, daß es Materie gibt, oder vielleicht nur Materie gibt, sondern man will sogar behaupten, daß der Geist so erscheine wie die Materie, das heißt selber nur Materie sei. Es ist nur eben die letzte Phase, die letzte Konsequenz des Materialismus, was als Spiritismus auftritt. Wahre Geisteswissenschaft erstrebt eben einen Aufstieg in die geistigen Welten, nicht ein Herunterziehen der geistigen Welten in die materiellen Vorgänge.

[ 28 ] Nun, dadurch habe ich Ihnen zunächst den Erkenntnisweg geschildert. Der Weg in die höheren Welten wäre aber nicht vollständig geschildert, wenn man ihn nur als Erkenntnisweg schilderte, denn zu dem, was der Mensch da durchmacht, gehört noch etwas anderes als ein bloßes Leben im Denken. Mag es schwierig sein, die zwei höheren Formen des Denkens sich anzueignen, etwas anderes bietet weitere Schwierigkeiten. Wenn wir hier in der physischen Welt uns vorzugsweise an die Beobachtung, an das Experiment halten, so geschieht das aus dem Grunde, weil wir dadurch in einer gewissen Weise beruhigt sind über den Wahrheitsgehalt unserer Erkenntnisse. Man mag erkenntnistheoretisch nun streiten über das Wesen der Sinneswahrnehmungen und ihr Verhältnis zu dem wahren Sein und so weiter, darauf kommt es jetzt nicht an. Worauf es ankommt, ist, daß uns die Sinneswahrnehmung die Wahrheit desjenigen verbürgt, was wir seelisch erleben, was seelisch als das Spiegelbild dieser Sinneswahrnehmungen auftritt, und wir sind beruhigt, indem wir uns anlehnen an die äußere Wirklichkeit. Es ist ja sogar in der neueren Zeit die Krankheit des Spiritismus aufgetreten, die auf eine ebensolche Art das Sein des Geistigen durch eine äußere Beobachtung erhärten will. Man kann natürlich nicht stärker Materialist sein, als wenn man Spiritist ist. Der Spiritismus ist nur die Potenzierung des Materialismus, denn man will nicht nur behaupten, daß es Materie gibt, oder vielleicht nur Materie gibt, sondern man will sogar behaupten, daß der Geist so erscheine wie die Materie, das heißt selber nur Materie sei. Es ist nur eben die letzte Phase, die letzte Konsequenz des Materialismus, was als Spiritismus auftritt. Wahre Geisteswissenschaft erstrebt eben einen Aufstieg in die geistigen Welten, nicht ein Herunterziehen der geistigen Welten in die materiellen Vorgänge.

[ 29 ] Dasjenige aber, was man, ich möchte sagen, als eine Stütze für ein seelisch Erlebtes durch die äußere Sinneswelt hat, das hat man nun nicht, wenn man sich in der angedeuteten Weise hinauflebt in die geistigen Welten. Man muß eine andere Stütze haben. Man braucht etwas, was einem in derselben Weise Ruhe gibt darüber, daß man nicht im Leeren schwebt, daß man nicht in den blauen Dunst hinein seelisch erlebt, man braucht etwas, an das man sich ebenso anlehnen kann, wie an die äußere Sinneswahrnehmung im gewöhnlichen Leben. Und das, was man da braucht, kann wiederum nur durch die Entwickelung innerer Kräfte kommen. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Ich meine nicht, daß diejenigen Kräfte, die man im gewöhnlichen Leben schon hat — man muß nur die Worte gebrauchen, die aus dem gewöhnlichen Leben entlehnt sind —, daß die genügend seien. Es müssen auch auf anderen Gebieten als auf dem des Denkens Kräfte ausgebildet werden, damit man nicht nur zu Anschauungen, sondern zu im Sein wurzelnden Anschauungen kommt. Was äußerlich einem in der Sinneswahrnehmung die Beruhigung gibt, das ist ja, daß ein Sinn den anderen unterstützt. Wenn irgendeiner einen Gehöreindruck oder einen Gesichtseindruck hat, so ist er noch immer nicht sicher, ob das nicht eine Halluzination ist. Er ist erst sicher, wenn ihn, ich möchte sagen, der Schwere-Sinn unterstützt, wenn ihm ein anderer Sinn zu Hilfe kommt, wenn dasjenige, was durch das Gesicht oder das Gehör nicht genügend verbürgt werden kann, durch einen anderen Sinn mitverbürgt wird. Und was ist es denn eigentlich, wodurch wir uns berufen fühlen, gegenüber der sinnlichen Welt von Sein zu sprechen?

[ 29 ] Dasjenige aber, was man, ich möchte sagen, als eine Stütze für ein seelisch Erlebtes durch die äußere Sinneswelt hat, das hat man nun nicht, wenn man sich in der angedeuteten Weise hinauflebt in die geistigen Welten. Man muß eine andere Stütze haben. Man braucht etwas, was einem in derselben Weise Ruhe gibt darüber, daß man nicht im Leeren schwebt, daß man nicht in den blauen Dunst hinein seelisch erlebt, man braucht etwas, an das man sich ebenso anlehnen kann, wie an die äußere Sinneswahrnehmung im gewöhnlichen Leben. Und das, was man da braucht, kann wiederum nur durch die Entwickelung innerer Kräfte kommen. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Ich meine nicht, daß diejenigen Kräfte, die man im gewöhnlichen Leben schon hat — man muß nur die Worte gebrauchen, die aus dem gewöhnlichen Leben entlehnt sind —, daß die genügend seien. Es müssen auch auf anderen Gebieten als auf dem des Denkens Kräfte ausgebildet werden, damit man nicht nur zu Anschauungen, sondern zu im Sein wurzelnden Anschauungen kommt. Was äußerlich einem in der Sinneswahrnehmung die Beruhigung gibt, das ist ja, daß ein Sinn den anderen unterstützt. Wenn irgendeiner einen Gehöreindruck oder einen Gesichtseindruck hat, so ist er noch immer nicht sicher, ob das nicht eine Halluzination ist. Er ist erst sicher, wenn ihn, ich möchte sagen, der Schwere-Sinn unterstützt, wenn ihm ein anderer Sinn zu Hilfe kommt, wenn dasjenige, was durch das Gesicht oder das Gehör nicht genügend verbürgt werden kann, durch einen anderen Sinn mitverbürgt wird. Und was ist es denn eigentlich, wodurch wir uns berufen fühlen, gegenüber der sinnlichen Welt von Sein zu sprechen?

[ 30 ] Sie können verschiedenes erwägen. Ich müßte stundenlang erkenntnistheoretisch sprechen — das kann ich natürlich hier nicht —, wenn ich dasjenige, was ich kurz zusammenfassen will, auch erhärten wollte. Aber dieses gilt, und Sie werden darauf kommen, wenn Sie die entsprechenden Gedanken verfolgen: Wir nennen in der Sinneswelt ein Ding wirklich, wenn es so auf uns wirkt, daß wir uns selber verleugnen müßten, wenn wir das Ding verleugneten. Wenn Sie eine Glocke nicht nur schlagen hören, sondern sie auch berühren können, sie auch sonst im Zusammenhange mit den Dingen finden, so müßten Sie, wenn diese Wirklichkeit von Ihnen seelisch erlebt würde, sich selber auslöschen, wenn Sie nicht das äußere Ding wirklich nennen könnten. Wir nennen ein äußeres Ding wirklich, wenn wir, ohne seine Wirklichkeit anzuerkennen, unsere eigene Wirklichkeit verleugnen müßten. Sie sehen, es hängt innig dasjenige, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, mit unserer eigenen Wirklichkeit zusammen. Deshalb müssen wir auch aus unserer eigenen, aber jetzt geistig-seelischen Wirklichkeit die Kräfte holen, die sich etwa vergleichen lassen mit einem Gegenstand, den ich angreife und der sich durch die Schwere kundgibt. Wir müssen in unserem Inneren die Stützkräfte suchen für die Realität der höheren geistigen Welten, in die wir uns in der Art einleben, die ich Ihnen geschildert habe. Das können wir nur, wenn wir gewisse moralische Eigenschaften, die wir im gewöhnlichen Leben eben behufs des ethischen Verhaltens haben, weiter ausbilden. So wie wir die Denkkräfte verstärken, so müssen wir die moralischen Kräfte verstärken. Es handelt sich nicht bloß darum, daß man diese moralischen Kräfte für das ethische Leben ausbildet, sondern es handelt sich darum, daß man diese moralischen Kräfte wiederum verstärkt.

[ 30 ] Sie können verschiedenes erwägen. Ich müßte stundenlang erkenntnistheoretisch sprechen — das kann ich natürlich hier nicht —, wenn ich dasjenige, was ich kurz zusammenfassen will, auch erhärten wollte. Aber dieses gilt, und Sie werden darauf kommen, wenn Sie die entsprechenden Gedanken verfolgen: Wir nennen in der Sinneswelt ein Ding wirklich, wenn es so auf uns wirkt, daß wir uns selber verleugnen müßten, wenn wir das Ding verleugneten. Wenn Sie eine Glocke nicht nur schlagen hören, sondern sie auch berühren können, sie auch sonst im Zusammenhange mit den Dingen finden, so müßten Sie, wenn diese Wirklichkeit von Ihnen seelisch erlebt würde, sich selber auslöschen, wenn Sie nicht das äußere Ding wirklich nennen könnten. Wir nennen ein äußeres Ding wirklich, wenn wir, ohne seine Wirklichkeit anzuerkennen, unsere eigene Wirklichkeit verleugnen müßten. Sie sehen, es hängt innig dasjenige, was wir als Wirklichkeit bezeichnen, mit unserer eigenen Wirklichkeit zusammen. Deshalb müssen wir auch aus unserer eigenen, aber jetzt geistig-seelischen Wirklichkeit die Kräfte holen, die sich etwa vergleichen lassen mit einem Gegenstand, den ich angreife und der sich durch die Schwere kundgibt. Wir müssen in unserem Inneren die Stützkräfte suchen für die Realität der höheren geistigen Welten, in die wir uns in der Art einleben, die ich Ihnen geschildert habe. Das können wir nur, wenn wir gewisse moralische Eigenschaften, die wir im gewöhnlichen Leben eben behufs des ethischen Verhaltens haben, weiter ausbilden. So wie wir die Denkkräfte verstärken, so müssen wir die moralischen Kräfte verstärken. Es handelt sich nicht bloß darum, daß man diese moralischen Kräfte für das ethische Leben ausbildet, sondern es handelt sich darum, daß man diese moralischen Kräfte wiederum verstärkt.

[ 31 ] Von zwei Arten möchte ich Ihnen nur sprechen. Das erste ist, daß dasjenige, was man moralischen Mut, was man Mut überhaupt nennt im Menschen, ebenso intensiver gemacht werden muß wie die Denkkräfte. Was wir an Mut in uns haben, es kann intensiver gemacht werden, wenn wir gerade das, was wir in der imaginativen Erkenntnis als eine Rückschau in einem Tableau vor unsere Seele stellen, richtig betrachten, richtig erleben. Da finden wir, daß wir in unserem eigenen Leben, wenn wir in es untertauchen, einen höheren Mut finden, eine stärkere innere Muteskraft, als wir sie für das äußere Leben, dem wir uns passiv hingeben, gewöhnlich brauchen. Dieser Mut muß erhöht werden.

[ 31 ] Von zwei Arten möchte ich Ihnen nur sprechen. Das erste ist, daß dasjenige, was man moralischen Mut, was man Mut überhaupt nennt im Menschen, ebenso intensiver gemacht werden muß wie die Denkkräfte. Was wir an Mut in uns haben, es kann intensiver gemacht werden, wenn wir gerade das, was wir in der imaginativen Erkenntnis als eine Rückschau in einem Tableau vor unsere Seele stellen, richtig betrachten, richtig erleben. Da finden wir, daß wir in unserem eigenen Leben, wenn wir in es untertauchen, einen höheren Mut finden, eine stärkere innere Muteskraft, als wir sie für das äußere Leben, dem wir uns passiv hingeben, gewöhnlich brauchen. Dieser Mut muß erhöht werden.

[ 32 ] Und eine andere moralische Kraft muß erhöht werden. Während sich der Mut eigentlich auf das Gefühlsleben bezieht, eine gewisse innere Sicherheit darstellt, eine gewisse innere Kraft bildet, müssen wir in bezug auf den Willen etwas ausbilden, was dadurch entsteht, daß wir zum Beispiel in ganz energischer Weise in bestimmten Zeitpunkten uns etwas vornehmen und dann mit eiserner Gewalt in einem späteren Zeitpunkte versuchen, die Bedingungen herbeizuführen, um dasjenige, was wir früher uns vorgenommen haben, auch wirklich auszuführen. Solche Übungen, ganz systematisch, muß der anthroposophische Geistesforscher auch machen. Er muß die Impulse seines Willens von jetzt in Zusammenhang bringen innerlich mit den Impulsen, die vor Zeiten in ihm da waren. Im gewöhnlichen Leben übergeben wir uns der Gegenwart. In dem Leben, das uns in höhere Welten hinaufführen soll, müssen wir eine innere Kontinuität des Willens vorstellen. Wir müssen selbst in der Lage sein, durch Jahre hindurch aus Absichten heraus in späterer Zeit irgend etwas auszuführen. Dadurch bilden wir eine starke Willensstütze, eine starke Willensströmung, die wir selber in uns setzen. Es ist dies eine ganz besondere Selbstzucht. Wir machen uns nicht bloß von dem abhängig, was uns jetzt aus äußeren Anlässen, unseren Trieben und Instinkten oder vielJeicht selbst aus Idealen heraus zu irgendeinem Handeln treibt, sondern wir verbinden innerlich seelisch-geistig als Willensimpuls einen späteren Zeitpunkt unseres seelischen Lebens mit einem früheren Zeitpunkte. Bilden wir im Gemüte eine Erhöhung des Mutes aus, bilden wir die Kontinuität der Willensimpulse aus, so daß über die Zeit hinüber unsere Willensimpulse dauern, dann kommen wir dazu, indem wir in dieser Art, wie ich es geschildert habe, uns in die höheren Welten hinauferheben, geradeso, wie wir es sonst der äußeren Sinneswelt gegenüber tun können, auch die Wirklichkeit dessen, was wir dann wahrnehmen, zu konstatieren. Diese Wirklichkeit muß aus innerlich verstärkten Kräften konstatiert werden können. Daher ist der Weg in die geistigen Welten nicht die Ausbildung einer einseitigen Erkenntniskraft, sondern sie ist eine Ausbildung des ganzen Menschen nach Denken, Fühlen und Wollen, nach dem Erkenntnisstreben, nach dem ästhetischen Streben, nach dem ethischen Streben. Und es ist dieser Weg in die höheren Welten zugleich eine religiöse Versenkung, eine religiöse Vertiefung des Menschen.

[ 32 ] Und eine andere moralische Kraft muß erhöht werden. Während sich der Mut eigentlich auf das Gefühlsleben bezieht, eine gewisse innere Sicherheit darstellt, eine gewisse innere Kraft bildet, müssen wir in bezug auf den Willen etwas ausbilden, was dadurch entsteht, daß wir zum Beispiel in ganz energischer Weise in bestimmten Zeitpunkten uns etwas vornehmen und dann mit eiserner Gewalt in einem späteren Zeitpunkte versuchen, die Bedingungen herbeizuführen, um dasjenige, was wir früher uns vorgenommen haben, auch wirklich auszuführen. Solche Übungen, ganz systematisch, muß der anthroposophische Geistesforscher auch machen. Er muß die Impulse seines Willens von jetzt in Zusammenhang bringen innerlich mit den Impulsen, die vor Zeiten in ihm da waren. Im gewöhnlichen Leben übergeben wir uns der Gegenwart. In dem Leben, das uns in höhere Welten hinaufführen soll, müssen wir eine innere Kontinuität des Willens vorstellen. Wir müssen selbst in der Lage sein, durch Jahre hindurch aus Absichten heraus in späterer Zeit irgend etwas auszuführen. Dadurch bilden wir eine starke Willensstütze, eine starke Willensströmung, die wir selber in uns setzen. Es ist dies eine ganz besondere Selbstzucht. Wir machen uns nicht bloß von dem abhängig, was uns jetzt aus äußeren Anlässen, unseren Trieben und Instinkten oder vielJeicht selbst aus Idealen heraus zu irgendeinem Handeln treibt, sondern wir verbinden innerlich seelisch-geistig als Willensimpuls einen späteren Zeitpunkt unseres seelischen Lebens mit einem früheren Zeitpunkte. Bilden wir im Gemüte eine Erhöhung des Mutes aus, bilden wir die Kontinuität der Willensimpulse aus, so daß über die Zeit hinüber unsere Willensimpulse dauern, dann kommen wir dazu, indem wir in dieser Art, wie ich es geschildert habe, uns in die höheren Welten hinauferheben, geradeso, wie wir es sonst der äußeren Sinneswelt gegenüber tun können, auch die Wirklichkeit dessen, was wir dann wahrnehmen, zu konstatieren. Diese Wirklichkeit muß aus innerlich verstärkten Kräften konstatiert werden können. Daher ist der Weg in die geistigen Welten nicht die Ausbildung einer einseitigen Erkenntniskraft, sondern sie ist eine Ausbildung des ganzen Menschen nach Denken, Fühlen und Wollen, nach dem Erkenntnisstreben, nach dem ästhetischen Streben, nach dem ethischen Streben. Und es ist dieser Weg in die höheren Welten zugleich eine religiöse Versenkung, eine religiöse Vertiefung des Menschen.

[ 33 ] Das ist das Wichtige, daß wir uns klar sind darüber, daß in der neueren Zeit, ebenso, wie durch die Wissenschaft in vieler Beziehung Zweifel entstanden sind an den geistigen Welten, auch durch die Wissenschaft wiederum diese geistigen Welten erobert werden müssen. Es ist eine Kurzsichtigkeit, zu glauben, daß der Mensch dadurch, daß er mit ebenso besonnenem Bewußtsein in die höheren Geisteswelten aufsteigt, wie er mit seinen Sinnen an die Sinneswelt kommt, irgendwie das religiöse Leben beeinträchtigen würde. Diejenigen, die in dieser Richtung Kritik üben, die üben gewöhnlich ihre Kritik aus dem Glauben heraus, daß anthroposophische Geisteswissenschaft auch nur zu einem Intellektualismus, zu einem Rationalismus komme. Das ist nicht der Fall. In diejenige Entwickelung des Denkens, die auf die angedeutete Weise errungen wird, fließt der ganze Mensch nach Fühlen, nach Wollen ein, und was die hier gemeinte Geisteswissenschaft als Weg in die höheren Welten vorzeichnet, das ist eine Entfaltung, eine Entwickelung des Vollmenschen. Und so wie auch im gewöhnlichen Sinnesleben das Denken nur erscheint als eine Blüte aus dem Organismus heraus, so erscheint auch die höhere Erkenntnis als eine Blüte des vollentwickelten Menschen, der alle seine Kräfte auf dem Wege in die höheren Welten hinein harmonisch und intensiv ausbildet.

[ 33 ] Das ist das Wichtige, daß wir uns klar sind darüber, daß in der neueren Zeit, ebenso, wie durch die Wissenschaft in vieler Beziehung Zweifel entstanden sind an den geistigen Welten, auch durch die Wissenschaft wiederum diese geistigen Welten erobert werden müssen. Es ist eine Kurzsichtigkeit, zu glauben, daß der Mensch dadurch, daß er mit ebenso besonnenem Bewußtsein in die höheren Geisteswelten aufsteigt, wie er mit seinen Sinnen an die Sinneswelt kommt, irgendwie das religiöse Leben beeinträchtigen würde. Diejenigen, die in dieser Richtung Kritik üben, die üben gewöhnlich ihre Kritik aus dem Glauben heraus, daß anthroposophische Geisteswissenschaft auch nur zu einem Intellektualismus, zu einem Rationalismus komme. Das ist nicht der Fall. In diejenige Entwickelung des Denkens, die auf die angedeutete Weise errungen wird, fließt der ganze Mensch nach Fühlen, nach Wollen ein, und was die hier gemeinte Geisteswissenschaft als Weg in die höheren Welten vorzeichnet, das ist eine Entfaltung, eine Entwickelung des Vollmenschen. Und so wie auch im gewöhnlichen Sinnesleben das Denken nur erscheint als eine Blüte aus dem Organismus heraus, so erscheint auch die höhere Erkenntnis als eine Blüte des vollentwickelten Menschen, der alle seine Kräfte auf dem Wege in die höheren Welten hinein harmonisch und intensiv ausbildet.

[ 34 ] Das bloße Denken auszubilden, führt eigentlich nur zu einer Bilderwelt. Will man in dieser Bilderwelt die Wirklichkeit wahrnehmen, dann muß man in der Weise, wie ich es angedeutet habe, auch das, was in der Moral als Mut, was in dem charaktervollen Leben als der Wille ist, der uns eigen bleibt, der durch die Zeit hindurch erscheint, ausbilden. Diese beiden und noch andere Kräfte, die Sie in den Büchern, die angeführt wurden, lesen können, müssen verstärkt werden. Der ganze, der volle seelisch-geistige Mensch muß in jene anderen Welten hinaufgeführt werden, in denen der Mensch lebt, bevor er hier von den physischen Kräften konzipiert wird, zum physischen Erdenleben übergeht, oder in denen er lebt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Will man zu diesem Leben erkennend aufsteigen, will man sich die Anschauung der übersinnlichen Welten erringen, dann muß man den ganzen seelisch-geistigen Menschen dahin führen, nicht bloß irgend etwas, was theoretisch sich ergehen will in diesen Welten. Dadurch aber ist diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch befruchtend für das gesamte Leben. Diese anthroposophische Geisteswissenschaft will nicht in irgendeiner abstrusen Mystik den Menschen weltfremd machen, sie will ihn gerade ins praktische, ins wahrhaft praktische Leben einführen. Und daher wirkt sie befruchtend auf Wissenschaft, auf Kunst, auf das soziale, auf das religiöse Leben, kurz, auf die verschiedensten Gebiete des Lebens. Darüber kann ich nur noch einige Andeutungen machen.

[ 34 ] Das bloße Denken auszubilden, führt eigentlich nur zu einer Bilderwelt. Will man in dieser Bilderwelt die Wirklichkeit wahrnehmen, dann muß man in der Weise, wie ich es angedeutet habe, auch das, was in der Moral als Mut, was in dem charaktervollen Leben als der Wille ist, der uns eigen bleibt, der durch die Zeit hindurch erscheint, ausbilden. Diese beiden und noch andere Kräfte, die Sie in den Büchern, die angeführt wurden, lesen können, müssen verstärkt werden. Der ganze, der volle seelisch-geistige Mensch muß in jene anderen Welten hinaufgeführt werden, in denen der Mensch lebt, bevor er hier von den physischen Kräften konzipiert wird, zum physischen Erdenleben übergeht, oder in denen er lebt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist. Will man zu diesem Leben erkennend aufsteigen, will man sich die Anschauung der übersinnlichen Welten erringen, dann muß man den ganzen seelisch-geistigen Menschen dahin führen, nicht bloß irgend etwas, was theoretisch sich ergehen will in diesen Welten. Dadurch aber ist diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch befruchtend für das gesamte Leben. Diese anthroposophische Geisteswissenschaft will nicht in irgendeiner abstrusen Mystik den Menschen weltfremd machen, sie will ihn gerade ins praktische, ins wahrhaft praktische Leben einführen. Und daher wirkt sie befruchtend auf Wissenschaft, auf Kunst, auf das soziale, auf das religiöse Leben, kurz, auf die verschiedensten Gebiete des Lebens. Darüber kann ich nur noch einige Andeutungen machen.

[ 35 ] Wenn man das erkennt, was ich vorhin das Lebenstableau der Rückschau genannt habe, das ein Bildekräfteleib, der aber in der Zeit abfließt, ist, dann schaut man auch an, wie der menschliche physische Leib aus diesem Kräftesystem heraus entsteht, wie er sich bildet. Es ist ja nur ein äußerer Schein, wenn wir sprechen vom Herzen, von der Lunge und so weiter. In Wahrheit ist das Herz ein Prozeß, und die äußere räumliche Gestalt ist nur der im Augenblicke festgehaltene Prozeß. So ist es mit jedem Organ. Wir können das, was im Augenblick als Gestalt festgehalten ist, erkennen. Aber wir können das nicht erkennen, was der fortfließende Lebensprozeß ist, aus dem Gesundheit und Krankheit hervorgehen, wenn wir uns nicht zur Erkenntnis der übersinnlichen Bildekräfte des Leibes aufschwingen. Daher kann Medizin, namentlich die Therapie, eine wesentliche Befruchtung aus der Geisteswissenschaft erfahren, und wir haben sowohl in Stuttgart wie in Dornach bereits aus den Anregungen der Anthroposophie heraus klinisch-therapeutische Institute errichten können, welche dasjenige fruchtbar machen sollen für die kranke Menschheit, was aus der Geisteswissenschaft in anthroposophischer Orientierung gewonnen werden kann. Und in mancher anderen Beziehung kann Geisteswissenschaft das Leben befruchten. Wir haben in Dornach, als wir eine Hochschule für Geisteswissenschaft errichten wollten, nicht einen beliebigen Rahmen schaffen können. Was da vorlag, als die Freunde unserer anthroposophischen Weltanschauung in der Hochschule für Geisteswissenschaft einen Bau aufführen wollten, war etwas ganz Besonderes. Ich möchte es mit einem Vergleich charakterisieren.

[ 35 ] Wenn man das erkennt, was ich vorhin das Lebenstableau der Rückschau genannt habe, das ein Bildekräfteleib, der aber in der Zeit abfließt, ist, dann schaut man auch an, wie der menschliche physische Leib aus diesem Kräftesystem heraus entsteht, wie er sich bildet. Es ist ja nur ein äußerer Schein, wenn wir sprechen vom Herzen, von der Lunge und so weiter. In Wahrheit ist das Herz ein Prozeß, und die äußere räumliche Gestalt ist nur der im Augenblicke festgehaltene Prozeß. So ist es mit jedem Organ. Wir können das, was im Augenblick als Gestalt festgehalten ist, erkennen. Aber wir können das nicht erkennen, was der fortfließende Lebensprozeß ist, aus dem Gesundheit und Krankheit hervorgehen, wenn wir uns nicht zur Erkenntnis der übersinnlichen Bildekräfte des Leibes aufschwingen. Daher kann Medizin, namentlich die Therapie, eine wesentliche Befruchtung aus der Geisteswissenschaft erfahren, und wir haben sowohl in Stuttgart wie in Dornach bereits aus den Anregungen der Anthroposophie heraus klinisch-therapeutische Institute errichten können, welche dasjenige fruchtbar machen sollen für die kranke Menschheit, was aus der Geisteswissenschaft in anthroposophischer Orientierung gewonnen werden kann. Und in mancher anderen Beziehung kann Geisteswissenschaft das Leben befruchten. Wir haben in Dornach, als wir eine Hochschule für Geisteswissenschaft errichten wollten, nicht einen beliebigen Rahmen schaffen können. Was da vorlag, als die Freunde unserer anthroposophischen Weltanschauung in der Hochschule für Geisteswissenschaft einen Bau aufführen wollten, war etwas ganz Besonderes. Ich möchte es mit einem Vergleich charakterisieren.

[ 36 ] Nehmen Sie einmal an: eine Nuß mit einer Schale. Wenn Sie unbefangen denken, so werden Sie sich sagen: Die Schale der Nuß muß in ihrer Form gerade so sein, wie sie eben ist, weil die Nuß so ist, wie sie ist. Die Schale gehört zur Nuß. Wenn man heute irgend etwas geistig begründet in ähnlicher Art, wie das, was in der anthroposophischen Bewegung geistig leben will, und man in der Lage ist, einen Bau aufzuführen, so geht man eben zu einem Baumeister, der einem in diesem oder jenem Stil einen Bau aufführt, womöglich irgend etwas, was zu dem darin Befindlichen gar nicht paßt, wie eine Nußschale, die der darin befindlichen Nuß gar nicht angepaßt wäre. Weil Anthroposophie nicht etwas bloß Theoretisches, etwas bloß im Worte Lebendes sein will, konnte die anthroposophische Bewegung auch gegenüber ihrer Umrahmung nicht so vorgehen. In Dornach muß dasjenige, was vom Podium aus erklingt, was von der Bühne aus gespielt wird, was an Künstlerischem vor die Menschen durch das Wort oder durch die Bewegungen auf die Bühne tritt, genau denselben inneren Wesensstil haben wie dasjenige, was von den Wänden spricht, wie das, was außen als äußere Architektur dem Menschen entgegentritt. So wie dieselben Wachstumskräfte, welche die Nuß gestalten, auch die Nußschale gestalten, so mußte dasjenige, was in der Anthroposophie im Worte lebt, auch künstlerisch die Umrahmung in einem neuen Baustil geben. Es war also durchaus organisch begründet, daß in Dornach ein neuer Baustil auftauchte, der eben nichts anderes ist, als das äußerlich Sichtbare für das, was sonst geistig-seelisch auch im Worte lebt. Man wird das, was Anthroposophie unserer Zeit sein will, eben gerade dadurch einsehen können, daß sie in dieser Weise befruchtend auch ins künstlerische Leben hineinwirkt. Und in unserer Eurythmie, die erst im Anfange ist, haben wir eine menschliche Bewegungskunst geschaffen, wo nicht ein Tanz, nicht eine Pantomime vorliegt in den sich bewegenden einzelnen Menschen oder Menschengruppen, sondern wo das, was da in Bewegungsformen auftritt, eine ebenso gesetzmäßige Sprache ist wie die Lautsprache, oder ein sichtbarer Gesang ist, wie sonst der Gesang in Tönen gehört werden kann. Was als Eurythmie auftritt, das ist durchaus aus der geistig-seelisch-leiblichen Gesetzmäßigkeit des Menschen herausgeholt.

[ 36 ] Nehmen Sie einmal an: eine Nuß mit einer Schale. Wenn Sie unbefangen denken, so werden Sie sich sagen: Die Schale der Nuß muß in ihrer Form gerade so sein, wie sie eben ist, weil die Nuß so ist, wie sie ist. Die Schale gehört zur Nuß. Wenn man heute irgend etwas geistig begründet in ähnlicher Art, wie das, was in der anthroposophischen Bewegung geistig leben will, und man in der Lage ist, einen Bau aufzuführen, so geht man eben zu einem Baumeister, der einem in diesem oder jenem Stil einen Bau aufführt, womöglich irgend etwas, was zu dem darin Befindlichen gar nicht paßt, wie eine Nußschale, die der darin befindlichen Nuß gar nicht angepaßt wäre. Weil Anthroposophie nicht etwas bloß Theoretisches, etwas bloß im Worte Lebendes sein will, konnte die anthroposophische Bewegung auch gegenüber ihrer Umrahmung nicht so vorgehen. In Dornach muß dasjenige, was vom Podium aus erklingt, was von der Bühne aus gespielt wird, was an Künstlerischem vor die Menschen durch das Wort oder durch die Bewegungen auf die Bühne tritt, genau denselben inneren Wesensstil haben wie dasjenige, was von den Wänden spricht, wie das, was außen als äußere Architektur dem Menschen entgegentritt. So wie dieselben Wachstumskräfte, welche die Nuß gestalten, auch die Nußschale gestalten, so mußte dasjenige, was in der Anthroposophie im Worte lebt, auch künstlerisch die Umrahmung in einem neuen Baustil geben. Es war also durchaus organisch begründet, daß in Dornach ein neuer Baustil auftauchte, der eben nichts anderes ist, als das äußerlich Sichtbare für das, was sonst geistig-seelisch auch im Worte lebt. Man wird das, was Anthroposophie unserer Zeit sein will, eben gerade dadurch einsehen können, daß sie in dieser Weise befruchtend auch ins künstlerische Leben hineinwirkt. Und in unserer Eurythmie, die erst im Anfange ist, haben wir eine menschliche Bewegungskunst geschaffen, wo nicht ein Tanz, nicht eine Pantomime vorliegt in den sich bewegenden einzelnen Menschen oder Menschengruppen, sondern wo das, was da in Bewegungsformen auftritt, eine ebenso gesetzmäßige Sprache ist wie die Lautsprache, oder ein sichtbarer Gesang ist, wie sonst der Gesang in Tönen gehört werden kann. Was als Eurythmie auftritt, das ist durchaus aus der geistig-seelisch-leiblichen Gesetzmäßigkeit des Menschen herausgeholt.

[ 37 ] So konnten wir nach den verschiedensten künstlerischen Richtungen hin befruchtend mit Anthroposophie wirken.

[ 37 ] So konnten wir nach den verschiedensten künstlerischen Richtungen hin befruchtend mit Anthroposophie wirken.

[ 38 ] In meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» ist versucht worden, zu den großen sozialen Problemen der Gegenwart von anthroposophischem Standpunkt aus Stellung zu nehmen. Wer da bedenkt, daß man es im sozialen Leben eben mit dem ganzen Menschen zu tun hat, nicht bloß mit dem, was man durch rationelle Wissenschaft etwa im Marxismus oder ähnlichem erreichen kann, der wird zugeben, daß dasjenige, was eindringt in die höheren Geisteswelten, auch eindringen kann in die Gesetze des sozialen Zusammenlebens der Menschen, denn diese Gesetze sind eben seelisch-geistige Gesetze der höheren Welten. Sie können uns auch zu solchen Gesetzen führen, welche die Menschen zu einem befriedigenden sozialen Zusammenleben bringen können. Denn Geistiges ist es, was die Menschen in der Sozietät vereinigt, und was sie physisch vereinigt, ist eben nur herausgestaltet aus dem Geistigen. Daß man dieses vergessen hat, das ist in vielem der Grund für unsere furchtbare Katastrophe, für unsere vorhandenen Niedergangskräfte. Mit dem Geiste muß sich die Menschheit wiederum durchdringen.

[ 38 ] In meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» ist versucht worden, zu den großen sozialen Problemen der Gegenwart von anthroposophischem Standpunkt aus Stellung zu nehmen. Wer da bedenkt, daß man es im sozialen Leben eben mit dem ganzen Menschen zu tun hat, nicht bloß mit dem, was man durch rationelle Wissenschaft etwa im Marxismus oder ähnlichem erreichen kann, der wird zugeben, daß dasjenige, was eindringt in die höheren Geisteswelten, auch eindringen kann in die Gesetze des sozialen Zusammenlebens der Menschen, denn diese Gesetze sind eben seelisch-geistige Gesetze der höheren Welten. Sie können uns auch zu solchen Gesetzen führen, welche die Menschen zu einem befriedigenden sozialen Zusammenleben bringen können. Denn Geistiges ist es, was die Menschen in der Sozietät vereinigt, und was sie physisch vereinigt, ist eben nur herausgestaltet aus dem Geistigen. Daß man dieses vergessen hat, das ist in vielem der Grund für unsere furchtbare Katastrophe, für unsere vorhandenen Niedergangskräfte. Mit dem Geiste muß sich die Menschheit wiederum durchdringen.

[ 39 ] Weiter hat befruchtend wirken können Anthroposophie in Erziehung, Pädagogik. In der von Emil Molt in Stuttgart begründeten Waldorfschule wird auf den werdenden Menschen, auf das Kind angewendet, was als wirkliche Menschenerkenntnis vor der anthroposophischen Forschung auftritt. Die Wege, die uns in höhere Welten hineinführen, die bringen uns auch dazu, von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche, dasjenige im Menschenkinde, das heranwächst von seiner Geburt bis zur Geschlechtsreife, zu schauen, was sich das Kind mitgebracht hat aus den höheren geistigen Welten, was der Erzieher, der Unterrichtende, hervorzaubern muß. Ich kann das seiner Richtung nach nur andeuten. Das alles ist im einzelnen zu einer pädagogischen Kunst in der Waldorfschule auszubilden versucht worden. Damit sind nur Beispiele geliefert, wie für die verschiedensten Gebiete des Lebens Anthroposophie anregend wirken will. Für das religiöse Leben, sagte ich schon, kann Anthroposophie belebend wirken deshalb, weil sie wissenschaftlich hinführt zu den höheren Welten, weil sie zeigt, wie dasjenige, was der Mensch im vergänglichen Erdendasein als sich Gestaltendes, aber nicht durch das gewöhnliche Erkennen durchschaubares Ewiges trägt, in seiner wahren Gestalt, in seinem Eigenen in den übersinnlichen Welten sich ausnimmt. Dort kann es höheres Schauen wahrnehmen. Hier ist es verborgen, weil es, indem es in die Geburt eintritt, aufgesogen wird von der physischen Gestaltung. Indem am Materiellen das Geistige arbeitet, wird es für das gewöhnliche Erkennen unsichtbar. Darum ist es aber nicht unlebendig. Es ist nur verborgen im Materiellen. Im Materiellen ist das Geistige zu erkennen. Dazu sollen die Wege, die von der Anthroposophie eröffnet werden wollen in die übersinnlichen Welten, die Mittel bedeuten.

[ 39 ] Weiter hat befruchtend wirken können Anthroposophie in Erziehung, Pädagogik. In der von Emil Molt in Stuttgart begründeten Waldorfschule wird auf den werdenden Menschen, auf das Kind angewendet, was als wirkliche Menschenerkenntnis vor der anthroposophischen Forschung auftritt. Die Wege, die uns in höhere Welten hineinführen, die bringen uns auch dazu, von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche, dasjenige im Menschenkinde, das heranwächst von seiner Geburt bis zur Geschlechtsreife, zu schauen, was sich das Kind mitgebracht hat aus den höheren geistigen Welten, was der Erzieher, der Unterrichtende, hervorzaubern muß. Ich kann das seiner Richtung nach nur andeuten. Das alles ist im einzelnen zu einer pädagogischen Kunst in der Waldorfschule auszubilden versucht worden. Damit sind nur Beispiele geliefert, wie für die verschiedensten Gebiete des Lebens Anthroposophie anregend wirken will. Für das religiöse Leben, sagte ich schon, kann Anthroposophie belebend wirken deshalb, weil sie wissenschaftlich hinführt zu den höheren Welten, weil sie zeigt, wie dasjenige, was der Mensch im vergänglichen Erdendasein als sich Gestaltendes, aber nicht durch das gewöhnliche Erkennen durchschaubares Ewiges trägt, in seiner wahren Gestalt, in seinem Eigenen in den übersinnlichen Welten sich ausnimmt. Dort kann es höheres Schauen wahrnehmen. Hier ist es verborgen, weil es, indem es in die Geburt eintritt, aufgesogen wird von der physischen Gestaltung. Indem am Materiellen das Geistige arbeitet, wird es für das gewöhnliche Erkennen unsichtbar. Darum ist es aber nicht unlebendig. Es ist nur verborgen im Materiellen. Im Materiellen ist das Geistige zu erkennen. Dazu sollen die Wege, die von der Anthroposophie eröffnet werden wollen in die übersinnlichen Welten, die Mittel bedeuten.

[ 40 ] Anthroposophie will eben deshalb nicht etwas sein, was den Menschen asketisch von der gewöhnlichen Welt wegführt, sondern sie will so zum Geistigen, zu übersinnlichen Welten die Wege eröffnen, daß der Mensch mit diesem Geistigen das materielle, das praktische Leben wieder gestalten kann. Das ist ja das Wichtige, daß wir den Geist als ein Schaffendes erkennen. Derjenige Geist wäre schwach, der unschöpferisch nur erlebt würde über dem Materiellen. Es gibt sehr viele Menschen, die sagen: Ach, das Materielle dieser Welt, das ist etwas Niedriges; darüber muß man sich erheben. Das Materielle muß man verlassen, um zu hohem Geistigem zu kommen. — Man muß allerdings vieles überwinden, um zu der Erkenntnis dieses Geistigen zu kommen. Aber wenn man in Liebe dieses Geistige erreicht hat — und man kann es nur erreichen in Liebe und in religiöser Frömmigkeit und Inbrunst, denn die Entwickelung der moralischen Fähigkeiten, von der ich auch gesprochen habe, führt dazu, in Liebe in die übersinnlichen Welten einzudringen —, dann hat man dieses Übersinnlich-Geistige an das Materielle angenähert. Denn nicht das ist das starke Geistige, was das Materielle flieht, sondern das ist das starke Geistige, was das Materielle gestaltet, was im Materiellen praktisch geistig wirken kann. Das auf der einen Seite.

[ 40 ] Anthroposophie will eben deshalb nicht etwas sein, was den Menschen asketisch von der gewöhnlichen Welt wegführt, sondern sie will so zum Geistigen, zu übersinnlichen Welten die Wege eröffnen, daß der Mensch mit diesem Geistigen das materielle, das praktische Leben wieder gestalten kann. Das ist ja das Wichtige, daß wir den Geist als ein Schaffendes erkennen. Derjenige Geist wäre schwach, der unschöpferisch nur erlebt würde über dem Materiellen. Es gibt sehr viele Menschen, die sagen: Ach, das Materielle dieser Welt, das ist etwas Niedriges; darüber muß man sich erheben. Das Materielle muß man verlassen, um zu hohem Geistigem zu kommen. — Man muß allerdings vieles überwinden, um zu der Erkenntnis dieses Geistigen zu kommen. Aber wenn man in Liebe dieses Geistige erreicht hat — und man kann es nur erreichen in Liebe und in religiöser Frömmigkeit und Inbrunst, denn die Entwickelung der moralischen Fähigkeiten, von der ich auch gesprochen habe, führt dazu, in Liebe in die übersinnlichen Welten einzudringen —, dann hat man dieses Übersinnlich-Geistige an das Materielle angenähert. Denn nicht das ist das starke Geistige, was das Materielle flieht, sondern das ist das starke Geistige, was das Materielle gestaltet, was im Materiellen praktisch geistig wirken kann. Das auf der einen Seite.

[ 41 ] Auf der anderen Seite darf ich Ihnen vielleicht zum Schluß gerade an diesem Orte das eine sagen, daß die anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die Wege in die übersinnlichen Welten hinein so gestaltet, daß das, was gefunden wird auf diesen Wegen, nicht fernsteht den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ihren Wirksamkeiten, sondern daß es sie durchdringt als eine geistig-seelische Kraft selber. Wie der Mensch dadurch ein Vollmensch ist, daß er in seinem Leiblich-Physischen hier auf der Erde steht, dieses Leiblich-Physische aber ein Geistig-Seelisches in sich trägt, so ist auch Wissenschaft nur im vollen Sinne des Wortes Vollwissenschaft, wenn sie nicht bloß ein Wissen, eine Erkenntnis von der äußeren materiellen Wirklichkeit ist, sondern wenn sie dieses Wissen mit dem anderen Wissen, mit dem Wissen von den geistigen Welten durchziehen kann. Deshalb möchte anthroposophische Geisteswissenschaft sich so in die andere Wissenschaft hineinstellen, daß sie im Grunde genommen dem von der Natur und dem Wesen sowohl des Menschen wie des Kosmos Geforderten entspricht. So wie der Mensch in sich tragen muß Geist und Seele in seinem materiellen Leben, so muß eine wirkliche Geisteswissenschaft, welche wahre, ehrliche Wege in die übersinnlich-geistigen Welten eröffnet, selber der Geist und die Seele der gewöhnlichen, der materiellen Wissenschaft werden. Und so wie der Geist und die Seele im Menschen nicht wider den Leib streiten, nicht wider den Körper sich auflehnen, sondern mit ihm im vollen Einklang stehen sollen, so muß in vollem Einklang stehen mit der wahren, ehrlichen Natur- und Geschichtserkenntnis dasjenige, was anthroposophische Geisteserkenntnis ist.

[ 41 ] Auf der anderen Seite darf ich Ihnen vielleicht zum Schluß gerade an diesem Orte das eine sagen, daß die anthroposophische Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die Wege in die übersinnlichen Welten hinein so gestaltet, daß das, was gefunden wird auf diesen Wegen, nicht fernsteht den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und ihren Wirksamkeiten, sondern daß es sie durchdringt als eine geistig-seelische Kraft selber. Wie der Mensch dadurch ein Vollmensch ist, daß er in seinem Leiblich-Physischen hier auf der Erde steht, dieses Leiblich-Physische aber ein Geistig-Seelisches in sich trägt, so ist auch Wissenschaft nur im vollen Sinne des Wortes Vollwissenschaft, wenn sie nicht bloß ein Wissen, eine Erkenntnis von der äußeren materiellen Wirklichkeit ist, sondern wenn sie dieses Wissen mit dem anderen Wissen, mit dem Wissen von den geistigen Welten durchziehen kann. Deshalb möchte anthroposophische Geisteswissenschaft sich so in die andere Wissenschaft hineinstellen, daß sie im Grunde genommen dem von der Natur und dem Wesen sowohl des Menschen wie des Kosmos Geforderten entspricht. So wie der Mensch in sich tragen muß Geist und Seele in seinem materiellen Leben, so muß eine wirkliche Geisteswissenschaft, welche wahre, ehrliche Wege in die übersinnlich-geistigen Welten eröffnet, selber der Geist und die Seele der gewöhnlichen, der materiellen Wissenschaft werden. Und so wie der Geist und die Seele im Menschen nicht wider den Leib streiten, nicht wider den Körper sich auflehnen, sondern mit ihm im vollen Einklang stehen sollen, so muß in vollem Einklang stehen mit der wahren, ehrlichen Natur- und Geschichtserkenntnis dasjenige, was anthroposophische Geisteserkenntnis ist.