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The Reality of the Higher Worlds
GA 79

28 November 1921, Oslo

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3. Grundlagen der Anthroposophie

3. Fundamentals of Anthroposophy

[ 1 ] In drei Vorträgen denke ich Ihnen einen Überblick zu geben über das, was Anthroposophie zu sagen hat über den Menschen und über das Verhältnis des Menschen zur Welt. Dies sind ja ohne Zweifel die beiden bedeutendsten Fragegebiete für alle menschliche Anschauung: die Welt und der Mensch. Sie schließen im Grunde genommen sowohl jede kleinste wie jede größte wissenschaftliche und Lebensfrage ein. Es liegt nun in der Natur der Aufgabe, daß ich mich darauf zu beschränken haben werde, zu sagen, was über diese beiden Fragegebiete innerhalb der anthroposophischen Horizonte liegt, das also, was sich bezieht auf die großen Lebensfragen des menschlichen Daseins, welche über die sinnliche Erkenntnis und über das Feld der gewöhnlichen Wissenschaft hinausgehen.

[ 1 ] In three lectures, I intend to give you an overview of what anthroposophy has to say about human beings and about the relationship between human beings and the world. These are, without a doubt, the two most significant areas of inquiry for all human understanding: the world and the human being. They essentially encompass every scientific and existential question, from the smallest to the largest. It is in the nature of this task, however, that I will have to limit myself to discussing what lies within the anthroposophical horizon regarding these two areas—that is, what relates to the great questions of human existence that go beyond sensory perception and the realm of conventional science.

[ 2 ] Man kann nicht leugnen, daß in bezug auf den Menschen, in bezug auf Selbsterkenntnis des Menschen eine derjenigen Fragen gegeben ist, welche den Menschen selbst am tiefsten, am intensivsten berühren muß. Denn der Mensch muß, um Sicherheit im Leben zu haben, um einen festen Standpunkt im Leben zu haben, eine Anschauung seiner eigenen Wesenheit haben. Und der Mensch hat, das darf wohl gesagt werden, jederzeit auch nach Welterkenntnis gesucht, denn er weiß, daß das, was in den Geheimnissen der Weltentwickelung eingeschlossen ist, zusammenhängt mit seinem eigenen Wesen, daß er vor allen Dingen über das letztere, über das eigene Wesen nur etwas wissen kann, wenn er erkennt, was die Welt, der er einmal angehört, ihm zu geben vermag. Nun kann man auch nicht leugnen, daß in der Gegenwart ein reges Interesse vorhanden ist für alles, was in bezug auf Menschenerkenntnis und Welterkenntnis über die gewöhnliche Sinneswissenschaft hinausgeht, und wir sehen zahlreiche Versuche, über diese gewöhnliche Wissenschaft hinauszugehen, um zu erforschen, was jenseits von Geburt und Tod liegt, was jenseits desjenigen liegt, was man durch die gewöhnliche Sinnesbeobachtung und durch den auf diese Sinnesbeobachtung gestützten Verstand ergründen kann. Wir sehen ja in der neueren Zeit gerade wissenschaftlich forschende Menschen in der mannigfaltigsten Weise bemüht, über die gekennzeichneten Gebiete hinauszugehen, und ich möchte einleitungsweise wenigstens markante Anschauungen gegenwärtiger Forscher erwähnen, welche beweisen, daß ein reges Interesse für Fragen, wie die in meinen drei Vorträgen zu behandelnden, vorhanden ist, daß es aber auch außerordentlich schwierig ist, selbst den in der gewöhnlichen Wissenschaft ganz gut bewanderten Persönlichkeiten, in das Gebiet des Geistigen, des Seelischen einzudringen. Ich möchte nicht im Abstrakten herumreden, möchte gleich von konkreten Beispielen ausgehen.

[ 2 ] There is no denying that, with regard to human beings and their self-knowledge, this is one of those questions that must touch human beings themselves most deeply and most intensely. For in order to have security in life, to have a firm standpoint in life, a person must have a conception of his own being. And it may well be said that human beings have always sought knowledge of the world, for they know that what is contained in the mysteries of the world’s development is connected to their own being, and that, above all, they can only know something about the latter—their own being—if they recognize what the world, to which they belong, is capable of giving them. Now, one cannot deny that there is currently a keen interest in everything that, in terms of knowledge of humanity and the world, goes beyond ordinary sensory science, and we see numerous attempts to go beyond this ordinary science in order to explore what lies beyond birth and death, what lies beyond what can be fathomed through ordinary sensory observation and through the intellect based on that sensory observation. Indeed, in recent times we see scientists in particular striving in the most diverse ways to go beyond the areas described, and by way of introduction, I would like to mention at least a few striking views of contemporary researchers that demonstrate that there is a keen interest in questions such as those to be addressed in my three lectures, but also that it is extraordinarily difficult—even for individuals well-versed in conventional science—to penetrate the realm of the spiritual and the psychological. I do not wish to speak in abstract terms; I would like to begin immediately with concrete examples.

[ 3 ] Ein deutscher Forscher, der sich viel damit beschäftigt hat, zu sehen, wie die übersinnliche Natur der Seele als solche zu erforschen ist, wie die übersinnliche Natur der Seele auf die sinnliche Natur des Leibes wirkt, hat aus seiner ärztlichen und sonstigen Naturforschererfahrung heraus manches Beispiel von der Wirkung der Seele, des zweifellos Seelischen auf die menschliche Körperlichkeit gegeben, und ein eklatantes Beispiel, das dieser Arzt und Forscher Schleich, der mir auch persönlich sehr gut bekannt ist, in einem seiner Bücher erwähnt, ist das folgende. Er stellt dar, wie in furchtbarer Aufregung ein Patient zu ihm kam, der in seinem Büro während des Tages sich ein wenig die Haut mit der tintigen Feder geritzt hatte. Es war, wie der Arzt konstatieren konnte, eine außerordentlich leichte, unbedeutende Verwundung. Aber der Patient war von der Wahnidee befallen, daß er sich eine Blutvergiftung durch diesen Stich mit der tintigen Feder zugezogen habe, und daß er unbedingt sterben müsse, wenn ihm die Hand nicht abgenommen, amputiert würde, und er bat, so schnell als möglich die Hand, den Arm amputiert zu bekommen. Der Arzt konnte ihm nichts anderes sagen als, er solle nur ruhig sein, die Sache werde in ein paar Tagen vorüber sein und er habe gar nichts zu befürchten. Selbstverständlich konnte eben der Arzt unter voller Verantwortung nichts anderes als dieses sagen. Er konnte ihm doch nicht den Arm wegschneiden. Der Betreffende aber gab sich nicht damit zufrieden, ging zu einem anderen Arzt, der ihm dasselbe sagte, der ihm den Arm natürlich auch nicht abschnitt. Aber etwas ängstlich, weil mit den menschlichen Gemütszuständen sehr gut bekannt, war Schleich doch, und er erkundigte sich am nächsten Morgen nach dem Patienten, und siehe da: der Patient war gestorben! Die Autopsie ergab nichts von irgendeiner bemerkbaren inneren Blutvergiftung oder dergleichen. Es konnte gar keine Rede davon sein. Aber der Patient war gestorben. Schleich fügt zu diesem Fall, den er erzählt, hinzu: Tod durch radikale Autosuggestion. Der Betreffende habe sich eingebildet, er müsse sterben; das war eine außerordentlich radikale Autosuggestion, und der Betreffende ist wirklich unter dem Einfluß dieser Autosuggestion gestorben.

[ 3 ] A German researcher who has devoted much of his work to investigating how the supersensory nature of the soul can be explored as such, and how the supersensory nature of the soul affects the sensory nature of the body, has, drawing on his experience as a physician and natural scientist, provided many examples of the effect of the soul—of what is undoubtedly spiritual—on the human physical body, and a striking example, which this physician and researcher, Schleich—whom I also know very well personally—mentions in one of his books, is the following. He describes how a patient came to him in a state of terrible agitation after having slightly scratched his skin with an ink-stained pen while in his office during the day. As the doctor was able to ascertain, it was an extraordinarily minor, insignificant wound. But the patient was seized by the delusion that he had contracted blood poisoning from this prick with the ink-filled pen, and that he would certainly die unless his hand were amputated; and he begged to have his hand and arm amputated as quickly as possible. The doctor could say nothing else to him but that he should remain calm, that the matter would be over in a few days, and that he had nothing at all to fear. Of course, the doctor, acting with full professional responsibility, could say nothing else. He certainly could not cut off his arm. The patient, however, was not satisfied with this, went to another doctor, who told him the same thing—and who, of course, did not cut off his arm either. But Schleich was somewhat apprehensive—being very familiar with human emotional states—and so he inquired about the patient the next morning, and lo and behold: the patient had died! The autopsy revealed no signs of any noticeable internal blood poisoning or the like. There was absolutely no question of that. But the patient had died. Schleich adds the following about this case, which he recounts: Death by radical autosuggestion. The patient had convinced himself that he was going to die; this was an extraordinarily radical form of autosuggestion, and the patient truly died under the influence of this autosuggestion.

[ 4 ] So sagt ein Forscher, der immerhin mit allen naturwissenschaftlichen Methoden, mit allen medizinischen Methoden sehr gut bekannt ist. Er berichtet diesen Fall, um daran zu erhärten, welche Macht etwas rein Seelisches, also ein Gedanke, der gefaßt wird, auf den Verlauf von Körperprozes sen haben könne: bis zum Herbeiführen des Todes. So meint Schleich. Schleich bringt eine ganze Menge anderer Fälle als Beispiele, die weniger markant und radikal sind, um zu beweisen, daß tatsächlich eine Möglichkeit vorhanden ist, hinzuschauen auf das in Gedanken, in Empfindungen, in Gefühlen, Willensimpulsen lebende Seelenwesen, das durch die eigene Kraft nun wirken kann auf das Körperliche. Also es soll sozusagen dargestellt werden die Wirkung des Übersinnlichen auf das Sinnliche.

[ 4 ] So says a researcher who, after all, is very well versed in all scientific and medical methods. He reports this case to illustrate the power that something purely psychological—that is, a thought that is formed—can have on the course of bodily processes: even to the point of causing death. That is Schleich’s view. Schleich cites a whole host of other cases as examples—ones that are less striking and radical—to prove that there is indeed a possibility of observing the soul, which lives in thoughts, sensations, feelings, and impulses of the will, and which can now, through its own power, act upon the physical body. In other words, the aim is, so to speak, to illustrate the effect of the supersensible on the sensible.

[ 5 ] Ein anderer Fall, der von einem viel bedeutenderen Naturforscher erzählt wird, von Oliver Lodge, ist der folgende: Oliver Lodge hat ja seinen Sohn Raymond im Weltkriege verloren. Der Betreffende ist an der belgisch-deutschen Grenze gefallen, und Sir Oliver Lodge — er hat ja schon seit langem hingeneigt dazu, eine Brücke zu bauen von SinnlichNaturwissenschaftlichem zu Übersinnlichem — wurde durch diesen Fall, durch den Verlust seines geliebten Sohnes, ja noch persönlich außerordentlich stark getroffen. Und durch allerlei Veranstaltungen, die an ihn herantraten, die hier nichts zur Sache tun, die ich daher auch nicht zu erzählen brauche, wurde er dazu geführt, die mediale Kraft einer Persönlichkeit dazu zu benützen, mit der abgeschiedenen Seele seines Sohnes Raymond Lodge in Verbindung zu treten.

[ 5 ] Another case, recounted by a much more prominent natural scientist, Oliver Lodge, is as follows: Oliver Lodge lost his son Raymond during the World War. The young man fell in battle on the Belgian-German border, and Sir Oliver Lodge—who had long been inclined to build a bridge between the natural sciences and the supernatural—was personally and profoundly affected by this tragedy, by the loss of his beloved son. And through various events that came to his attention—which are irrelevant here and which I therefore need not recount—he was led to use the mediumistic powers of a certain individual to make contact with the departed soul of his son, Raymond Lodge.

[ 6 ] Nun, wenn in gewöhnlichen Spiritistenkreisen ein solcher Fall auftaucht, braucht man ihn nicht besonders ernst zu nehmen, denn man weiß ja, wie unkritisch da verfahren wird, und wie laienhaft gegenüber den naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden über solche Fälle, über solche Dinge in solchen Kreisen geurteilt und geforscht wird. Aber man muß die Sache ernster nehmen, wenn man es zu tun hat mit einem der größten Naturforscher der Gegenwart, mit jemandem, der durchaus auf dem Gebiet äußerer naturwissenschaftlicher Forschung gründlich bewandert ist, der die naturwissenschaftliche Methode kennt. Und aus diesem Grunde ist es auch, daß das Buch, welches Sir Oliver Lodge geschrieben hat über den Geistverkehr mit seinem Sohne Raymond Lodge, einen so großen Eindruck gemacht hat. Wenn man das Buch liest, so hat man ohne weiteres sogleich das Gefühl: Man hat es hier zu tun mit einer Persönlichkeit, welche nicht leichtsinnig, nicht ohne wissenschaftliche Verantwortung und Gewissenhaftigkeit an die Untersuchung solcher Dinge herangeht. Und auch in den anderen Dingen, die ich hier nicht erzählen will, sieht man überall, daß Oliver Lodge auf dieses Gebiet dieselbe Denkweise anwendet, dieselbe wissenschaftliche Methode, die er gewöhnt ist, im physikalischen Laboratorium anzuwenden. Das Reale, das er nun erzählt und das, wie man ja sagen kann, mit Recht einen großen Eindruck hervorgerufen hat bei all denen, die das Werk von Sir Oliver Lodge lasen, das ist das Folgende. Durch das betreffende Medium wurden Oliver Lodge und einige andere Persönlichkeiten, die bei den Versuchen dabei waren, darauf aufmerksam gemacht, wie sein Sohn, das heißt die Seele, der Geist seines Sohnes ihm berichten will von einer Szene, die sich kurz vor dem Tode an der belgisch-deutschen Grenze zugetragen hat, und es wurde durch das Medium erzählt, daß sich Raymond Lodge photographieren ließ, und dieser Akt des Photographierens wurde mit einer besonderen Ausführlichkeit auf medialem Wege erzählt. Es wurde ausdrücklich gesagt: Es wurden zwei Aufnahmen gemacht, und diese zwei Aufnahmen wurden beschrieben, und es wurde hingedeutet darauf, daß auf der zweiten Aufnahme die ganze Stellung des Sohnes von Oliver Lodge erwas anders ist als auf der ersten Aufnahme. In der Zeit, als diese mediaJlen Mitteilungen in London durch das Medium gemacht worden sind — und von Sir Oliver Lodge wird es so dargestellt, daß man wirklich sieht, er braucht, ich betone das immer wieder, alle wissenschaftlichen Vorsichtsmaßregeln —, in der Zeit, in der der Versuch angestellt wurde, wußte niemand in London etwas von den Photographien oder von dem Akt der photographischen Aufnahme. Es konnte also, so meinte Lodge, nachdem er alles geprüft hat, die Mitteilung, wenn sie wahr ist, nur von dem toten Sohne selber kommen. Und siehe da, nach etwa zwei oder drei Wochen kamen die Photographien wirklich nach London, die vorher niemand gekannt hat. Sie waren so, wie sie durch das Medium, beziehungsweise also nach dem Glauben von Sir Oliver Lodge durch die Seele seines Sohnes beschrieben waren. Darinnen konnte auch ein Naturforscher zunächst, man möchte sagen, ein experimentum crucis sehen. Es konnte eben niemand die Photographien in London gesehen haben. Und es stellte sich heraus, daß die Mitteilung bis auf den Grad hin genau war, daß tatsächlich zwei Aufnahmen gemacht waren, und die zweite Aufnahme hatte die andere Haltung. Der Photograph hatte die Aufnahme gemacht in der Gruppe, innerhalb welcher Raymond Lodge war, und sie bei der zweiten Aufnahme etwas anders gesetzt, und das war nun ganz genau wirklich beschrieben worden. Man hat nicht den geringsten Grund, bei einem gewissenhaften Naturforscher an dieser mitgeteilten Tatsache irgendwie zu zweifeln.

[ 6 ] Well, when such a case arises in ordinary spiritualist circles, there is no need to take it particularly seriously, for we know how uncritically matters are handled there, and how amateurishly such cases and such matters are judged and investigated in those circles when it comes to scientific methods of inquiry. But one must take the matter more seriously when dealing with one of the greatest natural scientists of our time—someone who is thoroughly well-versed in the field of empirical scientific research and who is familiar with the scientific method. And that is precisely why the book that Sir Oliver Lodge wrote about his spiritual communication with his son, Raymond Lodge, has made such a profound impression. When one reads the book, one immediately and unquestionably gets the feeling that one is dealing here with a person who does not approach the investigation of such matters lightly, nor without scientific responsibility and conscientiousness. And even in the other matters—which I do not wish to recount here—one sees everywhere that Oliver Lodge applies to this field the same way of thinking, the same scientific method, that he is accustomed to using in the physics laboratory. The actual account he gives—which, as one might say, has rightly made a great impression on all those who have read Sir Oliver Lodge’s work—is as follows. Through the medium in question, Oliver Lodge and several other individuals present during the experiments were made aware of how his son—that is, the soul, the spirit of his son—wished to tell him about a scene that took place shortly before his death on the Belgian-German border, and the medium recounted that Raymond Lodge had his photograph taken, and this act of being photographed was described in great detail through mediumship. It was explicitly stated: Two photographs were taken, and these two photographs were described, and it was implied that in the second photograph, the entire posture of Oliver Lodge’s son was somewhat different from that in the first photograph. At the time these mediumistic communications were made in London by the medium—and Sir Oliver Lodge presents it in such a way that one can truly see, as I emphasize time and again, that he applies all scientific precautions—at the time the experiment was conducted, no one in London knew anything about the photographs or the act of taking them. So, Lodge reasoned, after examining everything, if the communication were true, it could only have come from the deceased son himself. And lo and behold, after about two or three weeks, the photographs—which no one had known about before—actually arrived in London. They were exactly as described by the medium—or, according to Sir Oliver Lodge’s belief, by his son’s soul. Even a natural scientist could initially see in this, one might say, a crucial test. After all, no one in London could have seen the photographs. And it turned out that the message was accurate to the extent that two photographs had indeed been taken, and the second photograph showed a different pose. The photographer had taken the picture of the group that included Raymond Lodge and had positioned them slightly differently for the second shot, and this had been described with complete accuracy. There is not the slightest reason to doubt this reported fact when it comes to a conscientious naturalist.

[ 7 ] Nun, ich habe Ihnen zwei radikale Fälle dargestellt, die zeigen, wie aus der Sehnsucht, der Erkenntnissehnsucht von durchaus ernsten wissenschaftlichen Persönlichkeiten in unserer Gegenwart das Streben entsteht, vom Menschen mehr kennenzulernen, als die äußere sinnliche Forschung geben kann.

[ 7 ] Well, I have presented two extreme cases that show how the longing—the thirst for knowledge—of thoroughly serious scientific figures of our time gives rise to the quest to learn more about human beings than what external sensory research can provide.

[ 8 ] Wer vom anthroposophischen Gesichtspunkte sprechen will, und wer über die Grundlagen der anthroposophischen Forschung berichten will, der ist heute schon einmal genötigt, darauf aufmerksam zu machen, daß diese Methoden anthroposophischer Forschung doch noch andere sind als diejenigen, die selbst von so ernst zu nehmenden Persönlichkeiten heute geübt werden. Denn diese Grundlagen — ich hoffe, daß das durch die drei Vorträge, die ich hier zu halten habe, nach allen Seiten hin klar wird —, diese Grundlagen anthroposophischer Forschung sollen, selbst solchen kritischen Geistern gegenüber, noch kritischer, noch gewissenhafter in bezug auf wissenschaftliche Denkweise und Gesinnung sein. Und wer es nun wagt, selbst gegenüber solchen Persönlichkeiten Kritik zu üben, der ist vielleicht erst berufen, darüber zu urteilen, auf einer wie viel größeren Sicherheit, als selbst die gewissenhaftesten Naturforscher der Gegenwart, Anthroposophie, die man so leicht der Phantastik zeiht, bauen will. Und um gerade auf das Kritische, auf das im ernsten Sinne Wissenschaftliche der anthroposophischen Grundlagen hier hinzuweisen, will ich das nun vorbringen, was gegen die wissenschaftliche Ausdeutung, die in beiden Fällen hier von angesehenen Persönlichkeiten gegeben wird, doch kritisch sich einwenden läßt. Ich gehe heute von diesen Dingen aus, weil gerade mit Bezug auf mein heutiges Thema manches ja vorausgenommen ist durch meine beiden letzten Vorträge, so daß Wesentliches wohl für die meisten der hier versammelten verehrten Zuhörer in diesen beiden Vorträgen schon gesagt worden ist, und ich will daher das Gesagte von einem anderen Gesichtspunkte aus kurz beleuchten. Schleich gegenüber mit seinem Tod durch Autosuggestion muß folgendes eingewendet werden. Ich bitte zunächst das so aufzufassen, daß ich nur einen kritischen Einwand mache, wie die Sache auch sein könnte! Nehmen wir einmal an, die betreffende Persönlichkeit, die sich die tintige Feder in die Hand gestochen hat und glaubte, an Blutvergiftung zu leiden, hätte doch einen innerlichen Defekt gehabt, der einen schnellen Tod in der nächsten Nacht einfach durch natürliche Ursache herbeiführen mußte. Solche plötzlichen Tode gibt es ja. Aber auf der anderen Seite weiß jeder, der sich im Ernste bekanntmacht mit dem, was immerhin an einer Verstärkung, an einer Intensivierung der menschlichen Erkenntniskräfte geleistet werden kann in dem Sinne, wie ich das in den letzten Tagen versuchte auseinanderzusetzen, daß gewisse unbestimmte Gemütskräfte durch abnorme Zustände, man kann durchaus sagen, durch abnorme pathologische Zustände, zu einer besonderen Höhe getrieben werden können. Und die Fälle sind ja durchaus vorhanden und wiederum im kritischen Sinne so in der Literatur verzeichnet, daß sie jeder nachprüfen kann, wo immerhin der Wille des Menschen — wir werden gleich nachher sehen, wie das möglich ist — sich umgestaltet, metamorphosiert zu einer gewissen Erkenntniskraft. Und weil der Wille des Menschen in die Zukunft gerichtet ist, kann er, durch gewisse pathologische Voraussetzungen bedingt, das, was sich aus dem ganzen menschlichen Zusammenhang heraus für die Zukunft eines Menschen vorbereitet, unter Umständen vorausahnen. Ob man das nun Ahnungen nennt oder wie man es nennen will, das ist gleichgültig. Und es ist durchaus in das Gebiet des Tatsächlichen zu rechnen, daß Menschen in pathologischen Zuständen, die leichter Art sind, so daß sie nicht gerade als Krankheit zum Vorschein kommen, sagen wir, vorausahnen, wie sie in vierzehn Tagen — sie sehen es im Bilde — vom Pferde stürzen werden. Alle Vorsichtsmaßnahmen helfen nichts, weil sie ja die begleitenden Umstände doch nicht wahrnehmen. Sie haben einfach das vorausgeahnt, was in der Zukunft eintreten wird.

[ 8 ] Anyone who wishes to speak from an anthroposophical perspective, and anyone who wishes to report on the foundations of anthroposophical research, is already compelled today to point out that these methods of anthroposophical research are, after all, different from those practiced today even by figures who are taken very seriously. For these foundations—and I hope this will become clear from every angle through the three lectures I am to give here—these foundations of anthroposophical research are intended to be even more critical and even more conscientious with regard to scientific thinking and attitude, even in the face of such critical minds. And whoever now dares to voice criticism even toward such figures is perhaps best qualified to judge the far greater certainty upon which anthroposophy—which is so easily accused of being fanciful—seeks to build, compared to even the most conscientious natural scientists of our time. And in order to highlight precisely the critical, truly scientific nature of the anthroposophical foundations, I would now like to present the points that can be raised as critical objections to the scientific interpretations offered here in both cases by respected figures. I am taking these matters as my starting point today because, particularly with regard to my topic today, much has already been covered in my last two lectures, so that the essentials have likely already been addressed in those two lectures for most of the esteemed audience gathered here; I therefore wish to briefly shed light on what has been said from a different perspective. With regard to Schleich’s death through autosuggestion, the following objection must be raised. First of all, please understand that I am merely raising a critical objection, whatever the actual circumstances may be! Let us suppose for a moment that the individual in question—who stabbed himself in the hand with an ink-stained pen and believed he was suffering from blood poisoning—did in fact have an internal condition that was bound to cause a rapid death the following night simply due to natural causes. Such sudden deaths do occur, after all. But on the other hand, anyone who seriously familiarizes themselves with what can be achieved in terms of strengthening and intensifying human cognitive powers—in the sense that I have attempted to explain over the past few days—knows that certain indefinable mental powers can be driven to a particular height by abnormal states; one can certainly say, by abnormal pathological states. And such cases certainly do exist and are, in a critical sense, documented in the literature in such a way that anyone can verify them—cases in which, after all, the human will—we will see shortly how this is possible—is transformed, metamorphosed into a certain faculty of cognition. And because the human will is directed toward the future, it can—under certain pathological conditions—in some circumstances foresee what is being prepared for a person’s future within the broader context of human existence. Whether one calls this a premonition or whatever else, it is irrelevant. And it is certainly a fact that people in mild pathological states—ones that do not manifest as full-blown illness—can, let’s say, foresee how, in fourteen days, they will fall from a horse; they see it as a mental image. All precautions are of no help, because they do not perceive the accompanying circumstances. They have simply foreseen what will happen in the future.

[ 9 ] Kritisch ist nun einzuwenden von dem, der wirklich die geistigen Verhältnisse des Menschen in ihrer Intensivierung kennt, daß ja bei dem betreffenden Patienten des Schleich einfach das vorgelegen haben kann, was seinen Tod in der nächsten Nacht bewirkte, und er vorher eine innere Ahnung hatte von diesem eintretenden Tode. Solche innere Ahnung braucht nicht zum Bewußtsein zu kommen, kann durchaus im Unterbewußten bleiben. Aber ihre Wirkung auf das Bewußtsein kann sie äußern durch das, was man nennt: Man wird nervös, man wird zappelig, man tut allerlei Dinge, die unüberlegt sind. Und es könnte durchaus das Stoßen der tintigen Feder in die Hand unter dem Einfluß der Nervosität, die von dieser Ahnung kam, gekommen sein, so daß der Betreffende einfach innerlich unbewußt wußte — wenn ich mich des Paradoxons bedienen darf —, er werde sterben. Aber er kleidete das nicht in die Behauptung, daß er seinen Tod ahne, sondern er wurde nervös, stieß sich die Feder in die Hand und kleidete das in die Behauptung, er werde an Blutvergiftung sterben. Es handelte sich dann nicht um einen Tod durch Autosuggestion, sondern darum, daß der Betreffende eine innere Ahnung hatte von seinem kommenden Tode, und alles, was er unternahm, aus seiner Ahnung heraus unternahm. Wenn die Sache so ist, dann verwechselt Schleich einfach Ursache und Wirkung, dann liegt eben nicht eine Autosuggestion in der Weise vor, wie Schleich es annimmt, daß der bewußte Gedanke irgendwo suggestiv den Tod bewirkt habe, sondern dann liegt das vor, daß der Tod unter allen Umständen eingetreten wäre, daß aber die Todesahnung den Betreffenden zu seinen Forderungen gebracht hat. Sie sehen, man kann sich schon kritisch auch zu solchen Dingen verhalten, wenn man bekannt ist mit dem, was eben durchaus auch möglich ist: das Heraufdämmern von gewissen unterbewußten Zuständen, die in der Seele immer vorhanden sind, in das Bewußtsein, aber in maskierten Zuständen. Vieles von dem, was sich im Bewußtsein äußert, ist eigentlich in anderer Form in den unbewußten Tiefen der Menschenseele vorhanden und wird nur vom Bewußtsein anders ausgelegt. Nehmen wir den andern Fall von Sir Oliver Lodge. Sie werden wahrscheinlich alle das kennen, was man «second sight», das zweite Gesicht, nennt. Da kann durchaus durch eine Intensivierung der menschlichen Erkenntniskräfte der Mensch etwas schauen, was er eben durch seine gewöhnlichen gesunden Sinne nicht schauen kann. Da kann in einer gewissen Weise der Mensch schauen, wie es nicht den sonstigen Bedingungen des Raumes, in den er eingespannt ist, entspricht, und da kann der Mensch in einer gewissen Weise Raum und Zeit mit seinem Wahrnehmungsvermögen überwinden. Nun, hieraus ergibt sich der kritische Einwand, selbst gegen die Gewissenhaftigkeit von Sir Oliver Lodge. Denn immerhin braucht Sir Oliver Lodge dieses Experimentum crucis, um zu beweisen, daß kein anderer, als die Seele seines Sohnes aus dem Jenseits mit ihm gesprochen haben könne. Aber derjenige, der weiß, wie fein und intim gerade dieses «second sight» wirkt, wie sich durch die Intimitäten dieser Art von Wahrnehmung Raum und Zeit unter gewissen abnormen Umständen — wie sie ja bei einer medialen Persönlichkeit immer vorhanden sind, wenn auch meistens nicht zum Heile dieser medialen Persönlichkeit — überwinden lassen, der weiß auch, daß das bis zu dem Grade gehen kann, den man in der folgenden Art charakterisieren kann.

[ 9 ] A critical objection might be raised by someone who truly understands the intensification of a person’s mental states: it is quite possible that Schleich’s patient simply had a condition that caused his death the following night, and that he had a premonition of this impending death beforehand. Such an inner premonition need not reach the level of consciousness; it can certainly remain in the subconscious. But it can express its effect on consciousness through what is commonly described as: one becomes nervous, one becomes restless, one does all sorts of things that are ill-considered. And it is entirely possible that the jabbing of the ink-stained pen into his hand occurred under the influence of the nervousness stemming from this premonition, so that the person in question simply knew inwardly and unconsciously—if I may use this paradox—that he was going to die. But he did not express this as a claim that he foresaw his death; rather, he became nervous, jabbed the pen into his hand, and framed it as the claim that he would die of blood poisoning. It was not, then, a case of death by autosuggestion, but rather that the individual had an inner premonition of his impending death, and everything he did, he did based on that premonition. If this is the case, then Schleich is simply confusing cause and effect; it is not a matter of autosuggestion in the sense that Schleich assumes—that a conscious thought somehow suggestively brought about death—but rather that death would have occurred under any circumstances, and that the premonition of death led the individual to make his demands. You see, one can certainly take a critical stance even toward such matters if one is familiar with what is indeed quite possible: the emergence into consciousness—albeit in masked forms—of certain subconscious states that are always present in the soul. Much of what manifests in consciousness actually exists in a different form in the unconscious depths of the human soul and is merely interpreted differently by consciousness. Let us take the other case of Sir Oliver Lodge. You are probably all familiar with what is called “second sight.” Through an intensification of the human powers of cognition, a person can indeed perceive something that they cannot perceive through their ordinary, healthy senses. In a certain way, a person can perceive in a manner that does not correspond to the usual conditions of the space in which they are confined, and in a certain way, a person can transcend space and time with their powers of perception. Now, this gives rise to a critical objection, even against Sir Oliver Lodge’s scrupulousness. For after all, Sir Oliver Lodge needs this experimentum crucis to prove that no one other than his son’s soul from the beyond could have spoken to him. But anyone who knows how subtle and intimate this very “second sight” operates—how, through the intimacies of this kind of perception, space and time can be transcended under certain abnormal circumstances (which are, after all, always present in a medium, even if usually not for the medium’s own good)—such a person also knows that this can go to a degree that can be characterized as follows:

[ 10 ] Die beiden Bilder sind jedenfalls vierzehn Tage oder drei Wochen später in London angekommen. Diejenigen Personen, die bei der Mediumssitzung waren, hatten ihre Augen auf diese Bilder gerichtet. Es war eine Zukunftstatsache, daß Sir Oliver Lodge selber und seine Verwandten diese Bilder ansahen. Und diese Zukunftstatsache, die brauchte einfach durch eine Art zweiten Gesichts das Medium zu interpretieren. Wenn dies der Fall war, kann man nicht mehr sprechen von einem Hereinleuchten des Übersinnlichen der Seele des Raymond Lodge in die Experimentierstube von Sir Oliver Lodge; dann hat man es in diesem Falle zu tun mit etwas, das durchaus im Bereich des Irdischen sich abspielt, einfach mit einem Zukunftsehen, das ja auch über das gewöhnliche Wahrnehmungsvermögen hinausgeht, das aber nicht berechtigt, anzunehmen, daß die jenseitige Seele sich herein in das Sitzungszimmer geäußert habe.

[ 10 ] In any case, the two pictures arrived in London fourteen days or three weeks later. The people who were present at the séance had their eyes fixed on these pictures. It was a future fact that Sir Oliver Lodge himself and his relatives would view these pictures. And this future fact simply needed to be interpreted by the medium through a kind of second sight. If this was the case, one can no longer speak of the supernatural shining through from Raymond Lodge’s soul into Sir Oliver Lodge’s laboratory; in that case, we are dealing with something that takes place entirely within the realm of the earthly—simply a vision of the future that, while it does indeed go beyond ordinary perceptual capacity, does not justify the assumption that the soul from the beyond manifested itself in the séance room.

[ 11 ] Ich erwähne diese beiden Fälle und die kritischen Einwände, um ein Gefühl davon hervorzurufen, wie vorsichtig und wie durchaus kritisch die Denkweise der anthroposophischen Geistesforschung ist. Denn diese anthroposophische Geistesforschung geht zunächst überhaupt gar nicht aus — das haben ja schon meine beiden letzten Vorträge gezeigt — von abnormen Erscheinungen, sondern sie geht aus von dem durchaus normalen Menschenleben, von dem, was als Erkenntniskräfte, als Willenskräfte, als Gefühlskräfte im normalen menschlichen Leben da ist. Und diese Kräfte will anthroposophische Forschung zum Behufe der Erkenntnis übersinnlicher Welten weiter entwickeln, um gewissermaßen ein innerliches Recht zu haben, um die richtige Gewissenhaftigkeit zu haben, Übungen vorzunehmen, welche das Denken verstärken. Meditationsübungen, wie ich sie in den letzten Tagen beschrieben habe, verstärken das Denken bis zu einem hohen Grade, so daß der Mensch zu einem Denken kommt, das ebenso lebendig, intensiv ist, wie das sinnliche Wahrnehmen. Oder es sind Willensübungen, wie ich sie auch schon erwähnt habe, wie ich sie auch weiterhin noch charakterisieren will in diesen Vorträgen. Um diese Übungen vorzunehmen, dazu ist vor allen Dingen notwendig, daß der Mensch eine intensive Aufmerksamkeit habe auf das normale Leben, daß er sich gut auskenne in den Verhältnissen, in denen der Mensch im normalen Leben selber drinnen steht.

[ 11 ] I mention these two cases and the critical objections in order to convey a sense of just how cautious and thoroughly critical the approach of anthroposophical spiritual research is. For this anthroposophical spiritual research does not, as my last two lectures have already shown, start at all from abnormal phenomena, but rather from perfectly normal human life—from what exists in normal human life as powers of cognition, powers of will, and powers of feeling. And anthroposophical research seeks to further develop these powers for the purpose of gaining knowledge of supersensible worlds, in order, so to speak, to have an inner right—to possess the proper conscientiousness—to undertake exercises that strengthen thinking. Meditation exercises, such as those I have described in recent days, strengthen thinking to such a high degree that a person arrives at a form of thinking that is just as vivid and intense as sensory perception. Or there are exercises of the will, as I have already mentioned, and which I intend to characterize further in these lectures. In order to perform these exercises, it is necessary above all that a person pay close attention to everyday life and be well acquainted with the circumstances in which they find themselves in everyday life.

[ 12 ] In Deutschland hat jüngst ein wissenschaftlich geschulter Mann einen kurzen Abriß der von mir gegründeten anthroposophischen Wissenschaft gegeben. Der betreffende Mann ist durchaus nicht ein Blindgläubiger. Er stellt das, was ja in einer reichen Literatur von mir gegeben worden ist, in einem kurzen Abriß zusammen. Er stellt es zusammen, indem er zunächst sich weder für ja noch für nein entscheidet, und er macht eine Bemerkung, die sich so ausnimmt, wie die Bemerkungen eines starken Gegners, obwohl der Mann weder Gegner noch Anhänger ist. Aber ich muß gestehen, daß mir diese scharfe Bemerkung außerordentlich gut gefällt, gut gefällt aus der ganzen Situation heraus, in der anthroposophische Geistesforschung gegenüber der anderen geistigen Zivilisation in unserer Gegenwart ist. Der Mann macht die Bemerkung: Manche meiner Behauptungen wären, wenn man sie mit dem gewöhnlichen Bewußtsein verfolgt, unwiderstehlich komisch. — Ich muß gestehen, daß mir diese Bemerkung außerordentlich gut gefällt aus folgendem einfachem Grunde. Wenn man solche Dinge erzählt, wie die von Oliver Lodge oder den anderen Fall, den ich erzählt habe, da horchen die Menschen auf, weil es in einem gewissen Sinne an die Sensationsgefühle heranschlägt, weil es herausrückt aus dem, was man gewöhnt ist, und da findet man keine unwiderstehliche Komik. Wenn aber der Anthroposoph genötigt ist, gerade an das ganz normale Menschliche anzuknüpfen, an die gewöhnliche menschliche Erinnerung, an die gewöhnlichen menschlichen Willensiußerungen, und davon redet, daß man durch gewisse Übungen das menschliche Gedankenleben verstärken kann durch Meditation, daß man durch Selbsterziehung den Willen in einer gewissen Weise entwickeln kann, so daß der Mensch ein anderer wird als er vorher war und als anderer dann in die übersinnlichen Welten eindringen könne, dann kann, weil man sozusagen mit gewöhnlichen Worten redet, welche die Menschen eben im Leben auf das anwenden, was immer um sie ist, die sie sich daher nicht nehmen lassen wollen für etwas anderes, dann kann man unwiderstehlich komisch wirken. Daher wirkt auf diejenigen Menschen, welche die Worte nur auf das anwenden wollen, worauf sie eben im gewöhnlichen Leben angewendet werden, manches so unwiderstehlich komisch. Der anthroposophische Geistesforscher findet nur, daß sehr häufig solche Urteile über anthroposophische Geisteswissenschaft sich vor ihm so ausnehmen, wie wenn jemand einen Brief bekommt, den er lesen sollte, ihn aber nicht liest, sondern die Tinte chemisch analysiert. Ich muß gestehen, daß mir sehr vieles, was über Anthroposophie gesagt wird, so vorkommt, wie wenn jemand einen Brief nicht liest, sondern die Tinte chemisch analysiert.

[ 12 ] In Germany, a man with a scientific background recently presented a brief overview of the anthroposophical science I founded. This man is by no means a blind believer. He summarizes what I have presented in a rich body of literature in a brief overview. He does so by initially refraining from taking a position either for or against, and he makes a remark that sounds like the remarks of a staunch opponent, even though the man is neither an opponent nor a supporter. But I must confess that I like this sharp remark extremely well—I like it very much in light of the entire situation in which anthroposophical spiritual research finds itself in relation to the other spiritual civilization of our time. The man makes the remark: Some of my assertions would be irresistibly comical if one were to consider them with ordinary consciousness. — I must admit that I find this remark exceptionally appealing for the following simple reason. When one recounts such things as the story of Oliver Lodge or the other case I mentioned, people prick up their ears because, in a certain sense, it appeals to their sense of sensation—because it departs from what they are accustomed to—and in that context, one does not find any irresistible humor. But when the anthroposophist is compelled to draw precisely on what is entirely normal and human—on ordinary human memory, on ordinary expressions of the will—and speaks of how, through certain exercises, one can strengthen one’s human life of thought through meditation, and how, through self-education, one can develop the will in a certain way, so that a person becomes different from what they were before and, as a different person, can then penetrate the supersensible worlds—then, because one speaks, so to speak, in ordinary words that people apply in life to whatever is around them, and which they therefore do not want to have taken away for something else—then one can come across as irresistibly comical. That is why many things seem irresistibly comical to those people who want to apply the words only to what they are used for in ordinary life. The anthroposophical spiritual researcher simply finds that very often such judgments about anthroposophical spiritual science appear to him as if someone were to receive a letter that they were supposed to read, but instead of reading it, they chemically analyze the ink. I must admit that much of what is said about anthroposophy strikes me as if someone were not reading a letter but instead chemically analyzing the ink.

[ 13 ] Das ist das Wesentliche bei den Grundlagen der Anthroposophie, daß man ausgeht von den durchaus normalen menschlichen Erlebnissen, daß man das gut kennt, was heutige wissenschaftliche Erkenntnis ist, was heutiges moralisches, ethisches Leben ist, und daß man gerade diese Dinge zu einer höheren Intensität entwickelt, so daß man dann in die höheren Welten eindringt durch die Steigerung derjenigen Erkenntniskräfte, die eigentlich in ihrem minderen Grade auch im gewöhnlichen Leben und in der Wissenschaft vorhanden sind. Allerdings muß man dazu eben einen Sinn haben für diese gewöhnlichen Erlebnisse des Menschen. Man muß dasjenige, was ja durchaus gewöhnliches, normales Erlebnis ist, aber herausfällt aus dem, was man gern aufmerksam beobachtet, ins Auge fassen. Es müssen sozusagen Dinge Rätselfragen werden können, deren Rätselhaftigkeit man im gewöhnlichen Leben leicht übersieht, obwohl sie dastehen im gewöhnlichen Leben. Und hier schon beginnt für manchen. die unwiderstehliche Komik, wenn man sagt: Vor allen Dingen müssen gerade Rätselfragen werden die Fragen, die sich auf den Wechselzustand des Menschen zwischen Wachen und Schlafen beziehen. Wir wechseln für unser Leben fortwährend zwischen Wachen und Schlafen, beachten aber wenig diesen Pendelschlag des Lebens, der sich abspielt zwischen dem Zustande des Wachens und dem Zustande des Schlafens. Man hat ja die sonderbarsten Theorien aufgebaut. Ich könnte lange sprechen, wenn ich die einzelnen Theorien erwähnen würde, die man aufgebaut hat über den Wechselzustand von Wachen und Schlafen. Aber ich will nur die eine, die bekannteste, gebräuchlichste erwähnen, die einfach annimmt: Während des Wachens wird der Mensch ermüdet, und wenn er genügend ermüdet ist, dann schläft er eben ein, und der Schlaf bringt dann wiederum die Ausgleichung für die Ermüdung. Er schafft — man kann das nun so oder so darstellen, mehr oder weniger materialistisch — die Ursache der Ermüdung fort. Ich möchte einmal wissen, ob derjenige, der radikal diese Theorie vertritt, schon einmal genügend beobachtet hat, wenn so jemand, der nun durchaus keine Veranlassung gehabt hat, am Tage besonders zu ermüden, sagen wir, ein dicker Rentier, wenn der, ich will nicht einmal sagen, abends spät, sondern vielleicht des Nachmittags zu einem schwierigeren Konzert oder gar zu einem Vortrage geht und vielleicht nicht erst nach den ersten fünf Minuten, sondern nach zwei Minuten einschläft, ob man bei dem durchaus sagen kann, daß die Ermüdung die Ursache des Einschlafens ist.

[ 13 ] This is the essence of the foundations of anthroposophy: that one starts from entirely normal human experiences; that one is well acquainted with what constitutes contemporary scientific knowledge and what constitutes contemporary moral and ethical life; and that one develops precisely these things to a higher intensity, so that one then penetrates into the higher worlds through the intensification of those powers of cognition that are, in fact, present—albeit to a lesser degree—in ordinary life and in science as well. Of course, to do this, one must have a sense for these ordinary human experiences. One must take note of that which is, after all, an entirely ordinary, normal experience, but which falls outside the scope of what one tends to observe attentively. These things must, so to speak, be able to become riddles—whose enigmatic nature is easily overlooked in everyday life, even though they are right there in everyday life. And this is where, for some, the irresistible humor begins when one says: Above all, the questions that relate to the human being’s alternating state between waking and sleeping must become riddles. Throughout our lives, we constantly alternate between waking and sleeping, yet we pay little attention to this pendulum swing of life that takes place between the state of waking and the state of sleeping. People have, after all, come up with the strangest theories. I could speak at length if I were to mention the individual theories that have been developed regarding the transition between waking and sleeping. But I want to mention only the one—the best-known and most common—which simply assumes: During wakefulness, a person becomes tired, and when they are sufficiently tired, they simply fall asleep, and sleep then in turn provides relief from that fatigue. It eliminates—one can describe this in various ways, more or less materialistically—the cause of the fatigue. I’d like to know whether those who radically advocate this theory have ever observed closely enough when someone—who has had absolutely no reason to tire themselves out particularly during the day, let’s say, a portly pensioner—if that person, I won’t even say late in the evening, but perhaps in the afternoon, attends a more demanding concert or even a lecture and falls asleep—not just after the first five minutes, but after two minutes—whether one can truly say that fatigue is the cause of falling asleep.

[ 14 ] Es sind das durchaus Dinge, die ja zunächst wirklich eine Art von komischem Anstrich haben, die aber in ihrer vollen, ernsten Rätselhaftigkeit, gerade wenn man sie allseitig beurteilt, vor des Menschen Seele treten müssen. Und wer einfach glaubt, durch die gewöhnlichen, heute anerkannten naturwissenschaftlichen Methoden den Wechsel zwischen Wachen und Schlafen studieren zu können, der wird eben niemals zu irgendeiner befriedigenden Problemlösung auf diesem Gebiete kommen können. Denn schon solche durchaus normalen Fragen des Lebens setzen voraus, daß man nicht mit den gewöhnlichen Erkenntniskräften, sondern mit den durch Meditation, Konzentration, durch andere Seelenübungen, wie ich sie beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in meiner «Geheimwissenschaft», mit verstärktem, mit intensiviertem Denken und auch mit einem umgestalteten Willen an die Erscheinungen herantritt.

[ 14 ] These are indeed things that, at first glance, do seem somewhat comical, but which—in their full, serious mystery, especially when considered from all angles—must confront the human soul. And anyone who simply believes they can study the transition between waking and sleeping using the ordinary, currently accepted scientific methods will never be able to arrive at any satisfactory solution to the problems in this field. For even such thoroughly normal questions of life presuppose that one approaches the phenomena not with ordinary powers of cognition, but with those developed through meditation, concentration, and other exercises of the soul—as I have described in my book *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and in my *Secret Science*, through strengthened and intensified thinking, as well as a transformed will.

[ 15 ] Was gewinnt man, wenn man zunächst versucht, durch eine ernst gemeinte Meditation sein Denken zu verstärken? Ich habe es in diesen Tagen erörtert, wie diese Meditation, wenn sie in gesundem Sinne wirken soll, darauf ausgeht, das Denken so zu verstärken, daß dieses Denken eine umgewandelte Erinnerung wird. Im gewöhnlichen Erinnern haben wir ja innerliche Bilder, welche uns irgend etwas abbilden, was wir im gewöhnlichen Erdenleben seit der Geburt durchgemacht haben. Von einem realen Ereignis stellt sich uns in der Erinnerung ein Bild vor die Seele, und der Zusammenhang des gesunden Seelenlebens und der Zusammenhang mit der äußeren Welt, in dem wir drinnenstehen, bürgt uns einfach dafür, daß wir in den Erinnerungen Dinge nicht irgendwie phantastisch aufwerfen, sondern daß das Erinnerungsbild hinweist auf etwas, was wirklich einmal real da war. So muß man dahin gelangen, Bilder, wie die Erinnerungsbilder sonst sind, im imaginativen Erkennen, wie ich es genannt habe in diesen Tagen, vor die Seele stellen zu können, Bilder, die einfach dadurch entstehen, daß man immer mehr und mehr meditative Vorstellungen in sein Bewußtsein hereinrückt und, so wie man sonst einen Muskel an der Arbeit erkraftet, die Seelenfähigkeit des Denkens erkraftet, stärker macht. Man muß dazu gelangen, das Denken so stark zu machen, daß es in seinem Inhalte lebt, wie man sonst nur in der Sinneserfahrung, in den Sinnen lebt. Dann aber, wenn man eine genügend lange Zeit solche Übungen durchgemacht hat, wenn man wirklich zu einer solchen inneren Lebendigkeit des Denkens gekommen ist, dann tritt das ein, was man eben bildhaftes, gestaltendes, morphologisches Denken nennen kann. Dann hat man im Denken ein so Lebendiges, einen so lebendigen Inhalt, wie man ihn sonst nur in der sinnlichen Wahrnehmung hat. Dann aber lernt man noch etwas anderes erkennen. Das, was uns die moderne Wissenschaft heraufgebracht hat, wird ja eigentlich von vielen bedauert: Es ist der Materialismus. Nun aber muß auf einem gewissen Gebiete gerade Anthroposophie, welche mit ihren Methoden in die übersinnlichen Welten eindringen will, unter der Anregung der modernen Wissenschaft im rechten Sinne auf gewissen Gebieten durchaus materialistisch werden. Und das ist der Fall, wenn man nun gelernt hat, sein Denken in gesunder Weise zu verstärken, wenn man gelernt hat, im imaginativen Denken Bilder von sinnlicher Lebendigkeit vor Augen zu haben, durch die man wirklich frei wird in der Behandlung des Wahrnehmungsmaterials, wie man sonst nur frei ist in der Sinneswahrnehmung, wo man ganz gewiß weiß: Wenn ich Rot sehe, wenn ich Cis höre, so habe ich es mit etwas Äußerlichem zu tun, nicht mit etwas, was aus meiner Seele aufsteigt. So weiß ich, wenn ich das imaginative Denken habe, daß ich nicht etwas habe, was als Phantasma aus meiner Seele aufsteigt, sondern was in mir lebt wie eine Sinneswahrnehmung.

[ 15 ] What does one gain by first attempting to strengthen one’s thinking through earnest meditation? I have discussed in recent days how this meditation, if it is to have a healthy effect, aims to strengthen thinking in such a way that this thinking becomes a transformed memory. In ordinary memory, we have inner images that represent something we have experienced in our ordinary earthly life since birth. When we recall a real event, an image appears before our soul, and the context of a healthy soul life—along with our connection to the external world in which we live—simply guarantees that we do not conjure up things in our memories in some fantastical way, but rather that the image of memory points to something that was once truly real. Thus, one must learn to bring images—such as those of memory—before the soul through imaginative cognition, as I have called it in recent days; images that arise simply by bringing more and more meditative ideas into one’s consciousness and, just as one otherwise strengthens a muscle through exercise, strengthening and making the soul’s capacity for thought more powerful. One must come to strengthen thinking to such an extent that it lives in its content, just as one otherwise lives only in sensory experience, in the senses. But then, once one has undergone such exercises for a sufficiently long time, once one has truly attained such an inner vitality of thought, what emerges is what one might call pictorial, formative, morphological thinking. Then one has in one’s thinking something so alive, such living content, as one otherwise experiences only in sensory perception. But then one learns to recognize something else as well. What modern science has brought upon us is, in fact, lamented by many: it is materialism. Now, however, in certain areas, anthroposophy—which seeks to penetrate the supersensible worlds with its methods—must, under the influence of modern science in the proper sense, become thoroughly materialistic in certain areas. And this is the case once one has learned to strengthen one’s thinking in a healthy way, once one has learned to hold before one’s eyes, in imaginative thinking, images of sensory vividness through which one becomes truly free in the handling of perceptual material—just as one is otherwise free only in sensory perception, where one knows with absolute certainty: When I see red, when I hear C-sharp, I am dealing with something external, not with something that arises from my soul. Thus, when I engage in imaginative thinking, I know that I am not dealing with something that arises from my soul as a phantasm, but with something that lives within me like a sensory perception.

[ 16 ] Dann aber, wenn man dieses innerlich erlebt, dieses Freigewordensein von der Leiblichkeit, wie man eben nur frei ist in der Sinneswahrnehmung, dann weiß man auch, was die Erinnerung des gewöhnlichen Lebens ist, dann weiß man, daß man mit der Erinnerung, mit den Gedächtnisvorstellungen jederzeit hinuntertaucht in den physischen Leib, daß man jederzeit, indem man eine Erinnerungsvorstellung hat, einen parallelgehenden physischen oder wenigstens ätherischen Leibesvorgang hat. Man lernt die materielle Bedeutung desjenigen Lebens kennen, das das gewöhnliche Gedankenleben ist. Man schreibt nicht mehr, wie es etwa der französische Philosoph Bergson tut, das, was in den Erinnerungen lebt, der selbständigen Seele zu, sondern man weiß, daß im gewöhnlichen Erinnerungsleben die Seele einfach in den Leib untertaucht und im Leibe das Instrument hat, die Erinnerungen heraufzuzaubern. Denn man weiß jetzt, daß man erst in der Imagination dazu gekommen ist, körperfrei zu denken, mit der bloßen Seele zu denken, und daß man das niemals im gewöhnlichen Leben tut. Im gewöhnlichen Leben nimmt man sinnlich wahr, zieht die Gedanken ab von der sinnlichen Wahrnehmung, behält die Gedanken im Gedächtnis. Dieses Im-Gedächtnis-Behalten aber bedeutet, in den Leib untergetaucht sein. Man lernt jetzt erst durch imaginatives Erkennen den Prozeß des Erinnerns und den Prozeß der Sinneswahrnehmungen kennen. Man lernt erkennen, was es heißt, frei, leib-, körperfrei in Gedanken zu leben. Man lernt aber auch erkennen, was es heißt, mit den Gedanken durch die Erinnerungen unterzutauchen in den physischen Organismus. Und ebenso, wie man dieses kennenlernen kann durch ein Intensivermachen des Denkens, durch ein Verstärken, Erkraften des Denkens in der Meditation, so kann man nach der anderen Seite, nach der Willensseite, eine Art von Selbsterziehung üben, durch die man zu einem ähnlichen Resultate kommt. Im gewöhnlichen Leben hat ja der Wille eigentlich nur einen bestimmten Wert, wenn er in die äußere Handlung überfließt, sonst bleibt er ein bloßer Wunsch, selbst wenn wir in unseren höchsten Idealen leben, in den schönsten Idealen, wenn wir ganz Idealisten sind. Sind wir nicht in der Lage, Hand anzulegen an die äußere physische Wirklichkeit, können wir die schönsten Ideale haben, es bleibt beim bloßen Wunsch. Was hat denn also der Wunsch eigentlich für eine besondere Eigenschaft? Der Wunsch hat die besondere Eigenschaft, daß er sich von der Wirklichkeit zurückzieht. Und man kann bildhaft sagen: Es ist wie ein Einziehen der seelischen Fühler, wenn man im bloßen Wunsche lebt. Man lebt ganz innerlich im Seelischen, wenn man im bloßen Wunsche lebt. Aber man weiß auch, wie der Wunsch gefärbt ist zunächst von den menschlichen Temperamenten. Anderes wünschen melancholische Menschen, anderes wünschen sanguinische Menschen. Und derjenige, der nun mit gewissenhafter naturwissenschaftlicher Methode zu Werke gehen würde, würde schon auch die physischen Bedingungen des Wünschens sehen. Man kann also die ätherischen Bedingungen des Wünschens in den Temperamenten sehen, aber auch die physischen Bedingungen des Wünschens, die besondere Art der Blutzusammensetzung, der sonstigen Körperbeschaffenheit und dergleichen erkennen. Allerdings ist es da notwendig, daß man jene Kritikhaftigkeit, von der ich in der Einleitung zu meinem heutigen Vortrage schon gesprochen habe, wirklich üben kann, und ich möchte sagen, durch diese Kritikhaftigkeit wird mancher schöne Traum zerstreut. Gestatten Sie mir auch den Hinweis, wie da mancher schöne Traum zerstreut wird.

[ 16 ] But then, when one experiences this inwardly—this freedom from physicality, just as one is free only in sensory perception— then one also knows what memory is in ordinary life; then one knows that with memory, with mental images, one dives down into the physical body at all times, that at any moment, by having a mental image, one experiences a parallel physical—or at least etheric—process in the body. One comes to understand the material significance of what constitutes ordinary thought life. One no longer attributes, as the French philosopher Bergson does, for example, what lives in memories to an independent soul, but one knows that in ordinary memory life, the soul simply plunges into the body and has in the body the instrument to conjure up memories. For one now knows that it is only in the imagination that one has come to think free of the body, to think with the soul alone, and that one never does this in ordinary life. In ordinary life, one perceives through the senses, draws thoughts away from sensory perception, and retains those thoughts in memory. But this retaining in memory means being submerged in the body. Only now, through imaginative cognition, does one come to understand the process of remembering and the process of sensory perception. One learns to recognize what it means to live freely in thought, free from the body. But one also learns to recognize what it means to immerse oneself in the physical organism through one’s thoughts and memories. And just as one can come to know this by intensifying one’s thinking—by strengthening and invigorating one’s thinking in meditation—so too, on the other side, the side of the will, one can practice a kind of self-education through which one arrives at a similar result. In ordinary life, the will actually has a specific value only when it flows into outward action; otherwise, it remains a mere wish, even if we live according to our highest ideals—the most beautiful ideals—even if we are complete idealists. If we are not able to take action in the outer physical reality, we may have the most beautiful ideals, but they remain mere wishes. So what, then, is the special characteristic of desire? Desire has the special characteristic of withdrawing from reality. And one can say figuratively: It is like retracting one’s soul’s feelers when one lives in mere desire. One lives entirely within the soul when one lives in mere desire. But one also knows how desire is initially colored by human temperaments. Melancholic people desire one thing; sanguine people desire another. And anyone who were to set to work with a conscientious scientific method would certainly also see the physical conditions of desire. One can thus perceive the ethereal conditions of desire in the temperaments, but also recognize the physical conditions of desire—the specific composition of the blood, the general physical constitution, and the like. However, it is necessary here to truly exercise that critical spirit I already spoke of in the introduction to my lecture today, and I would like to say that this critical spirit dispels many a beautiful dream. Allow me also to point out how many a beautiful dream is dispelled in this way.

[ 17 ] Ich will gewiß nicht pietätlos sein und aus Pietätlosigkeit vor Ihnen sehr ideale Dinge zerstören, denn ich habe ein Gefühl für das Schöne, für das Herrliche, das zum Beispiel enthalten ist in der Mystik einer Heiligen Theresa oder eines Johannes vom Kreuz. Glauben Sie nicht, daß ich irgend jemandem nachstehe in der Verehrung des Schönen, das in diesen mystischen Äußerungen liegt. Aber der, welcher sich nun Erfahrung gesammelt hat für die besondere Art, wie zum Beispiel die Heilige Theresa oder Johannes vom Kreuz ihre Gesichte, ihre Visionen vorbringen, der weiß, welchen Anteil an diesen Dingen das menschliche Wünschen hat, welchen Anteil gerade bei diesen mystischen Dingen die in dem Untergrund der Seele lebenden Wünsche haben, und er wird dann weitergeführt von den Wünschen auf die körperliche Beschaffenheit. Für den Forscher gibt es nichts, was in dieser Weise entheiligt werden könnte dadurch, daß man auf die Wahrheit hinweist. Allein, es ist eine gewisse innere Aufgeregtheit gewisser Organe, eine andere Nervenwirkung in gewissen Organen, welche heraufwirkt in die Seele und selbst so Schönes bewirkt, wie dasjenige, was vorgebracht wird von Johannes vom Kreuz oder der Heiligen Theresa oder anderen solchen Mystikern. Und man hat viel mehr Recht, wenn man in einer gewissen Körperbeschaffenheit auch die Beschaffenheit der Bilder sucht, die hier so schön, so wunderbar poetisch zutage treten, als wenn man diese Beschaffenheit der Bilder in dem Schauen irgendeines nebulosen Geheimnisses sucht. Wie gesagt, nicht zerpflücken möchte ich das, was ich nicht weniger verehre als irgend jemand hier, aber auf die Wahrheit muß hingewiesen werden, auf den kritischen Geist der anthroposophischen Grundlagen, darauf, daß sich der Anthroposoph vor allen Dingen keinen Illusionen hingeben darf. Und illusionsfrei muß er zunächst sein auch gegenüber dem menschlichen Wünschen und seinem Wurzeln in dem menschlichen Organismus, in dem physischen Organismus, und in dem, ich möchte sagen, Aufleuchten dessen, was im menschlichen Organismus — wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf — kocht und zu den schönsten Visionen wird.

[ 17 ] I certainly do not wish to be irreverent or, out of irreverence, to destroy very ideal things in your presence, for I have a sense of beauty and of the sublime—as found, for example, in the mysticism of Saint Teresa or John of the Cross. Do not think that I am in any way inferior to anyone else in my reverence for the beauty found in these mystical expressions. But anyone who has gained experience with the particular way in which, for example, Saint Teresa or John of the Cross present their visions knows what part human desire plays in these things, what role the desires living in the depths of the soul play—especially in these mystical matters—and is then led by those desires to consider the physical nature of things. For the researcher, there is nothing that could be desecrated in this way by pointing out the truth. Yet there is a certain inner agitation of certain organs, a different nervous response in certain organs, which works its way up into the soul and brings about something as beautiful as what is presented by John of the Cross or Saint Teresa or other such mystics. And one is far more justified in seeking, within a certain physical constitution, the nature of the images that emerge here so beautifully, so wonderfully poetically, than in seeking this nature of the images in the contemplation of some nebulous mystery. As I said, I do not wish to pick apart what I revere no less than anyone here, but the truth must be pointed out—the critical spirit of the anthroposophical foundations—and the fact that, above all, the anthroposophist must not succumb to illusions. And above all, they must be free of illusions regarding human desires and their roots in the human organism—the physical organism—and in what I would call the radiance of that which, if I may use the expression, “simmering” within the human organism, transforms into the most beautiful visions.

[ 18 ] Der Mensch muß nicht nur, wenn er Geistesforscher im anthroposophischen Sinn werden will, sein Denkvermögen verstärken durch Meditation, er muß auch durch Selbsterziehung sein Wunschleben zu einem anderen machen. Das geschieht auf die Weise, daß man das, was sonst im Leben wie von selbst geschieht, systematisch in die Hand nimmt. Seien wir ehrlich: Im gewöhnlichen Leben lassen wir uns von allem viel mehr leiten, als daß wir unser eigenes Leben leiten. Im gewöhnlichen Leben wirken diese oder jene Dinge auf uns ein, und wenn wir zehn Jahre zurückblicken in unser vergangenes Erdenleben, so finden wir durchaus, daß die äußeren Verhältnisse, die Menschen, mit denen wir zusammengekommen sind, dasjenige in uns zur Entwickelung gebracht haben, was heute in uns anders ist, als es vor zehn Jahren war. Wer im ernsten Sinne anthroposophischer Geistesforscher werden will, der muß in dieser Beziehung auch solche Übungen machen, die Willensübungen sind. Der gewöhnliche Lebenswille hat einen Sinn, wenn er auf äußere Handlungen geht. Der anthroposophische Geistesforscher muß die Willensimpulse anwenden auf die eigene Entwickelung, auf das eigene Leben. Er muß sich vornehmen können: in bezug auf diese oder jene Charaktereigenschaft, in bezug auf diese oder jene Lebensäußerung mußt du anders werden als du jetzt bist.

[ 18 ] If a person wants to become a spiritual researcher in the anthroposophical sense, they must not only strengthen their thinking abilities through meditation; they must also, through self-education, transform their life of desire into something different. This is achieved by systematically taking control of what otherwise happens in life as if by itself. Let’s be honest: In ordinary life, we allow ourselves to be guided by everything much more than we guide our own lives. In ordinary life, this or that circumstance influences us, and when we look back ten years on our past earthly life, we certainly find that external circumstances and the people we have encountered have brought about the development within us of what is different in us today than it was ten years ago. Anyone who seriously wishes to become an anthroposophical spiritual researcher must, in this regard, also engage in exercises that are exercises of the will. The ordinary will to live has meaning when it is directed toward external actions. The anthroposophical spiritual researcher must direct the impulses of the will toward his or her own development, toward his or her own life. He or she must be able to resolve: with regard to this or that character trait, with regard to this or that expression of life, you must become different from what you are now.

[ 19 ] So paradox es klingen mag, etwas, was man stark in Gewohnheit hat, und wenn es selbst nur eine Kleinigkeit ist, es hilft einem, wenn aus der eigensten Initiative, aus ureigenstem Impuls heraus man sich vornimmt, mit Bezug auf irgendeine Sache anders zu werden. Eine Kleinigkeit, sage ich, es braucht nur die Kleinigkeit der Handschrift zu sein. Wenn sich jemand wirklich mit eiserner Energie vornimmt, eine andere Handschrift zu schreiben, als er bisher geschrieben hat, so ist die Anwendung dieser Kraft durch die Abänderung einer Gewohnheit — hier wiederum mit Bezug auf die Gewohnheit — zu vergleichen mit der Verstärkung einer Muskelkraft, weil der Wille verstärkt ist. Und indem der Wille innerlich sich verstärkt, nicht auf Äußerliches, sondern innerlich angewandt wird, entwickelt er dabei seine Wirkungen im Menschen. Und was ich sonst durch meine Willenswirkungen an der äußeren Welt verändere, das verändere ich nun in bezug auf meinen eigenen Menschen. Und wenn man solche Willensübungen, wie sie wiederum in anthroposophischen Schriften im einzelnen angegeben sind, durchmacht, dann kommt man dazu, das Wunschleben so umzugestalten, daß es nun frei wird von der menschlichen Organisation, wie durch das Meditieren das Denken vom Körper, vom Leibe frei wird. Dann ist das vorüber — für diejenigen Augenblicke, in denen man in anthroposophischer Forschung verweilt —, wovon man noch sagen kann: Der Wunsch ist der Vater des Gedankens. — Wenn solche Selbsterziehung, solches Auf-sich-selber-Anwenden der Erziehungsimpulse geübt wird im reifsten Alter, dann wird der Wunsch zu einer innerlichen Kraft, welche sich verbindet mit dem frei gewordenen Denken. Und dadurch gelangt man dazu, nun wirklich zu sehen, was die Willensimpulse des gewöhnlichen Lebens sind, was die Gedanken des gewöhnlichen Lebens sind. Wie man früher Rot und Blau oder Cis oder C wahrzunehmen gelernt hat, so lernt man jetzt Gedanken wahrzunehmen als Wirklichkeiten, so lernt man jetzt dieWillensimpulse von sich abgesondert kennen.

[ 19 ] As paradoxical as it may sound, something you’re deeply accustomed to—even if it’s just a small thing—can help you when, on your own initiative and out of your very own impulse, you resolve to change in some way. A small thing, I say—it need only be something as small as one’s handwriting. If someone truly resolves, with iron determination, to write in a different hand than they have up to now, then the application of this strength through the alteration of a habit—here again with reference to the habit—can be compared to the strengthening of muscle power, because the will is strengthened. And as the will strengthens inwardly—applied not to external things but inwardly—it thereby develops its effects within the human being. And what I otherwise change in the external world through the effects of my will, I now change with regard to my own being. And when one undergoes such exercises of the will—as they are described in detail in anthroposophical writings—one comes to transform one’s life of desire in such a way that it becomes free from the human organism, just as thinking becomes free from the body through meditation. Then—for those moments in which one is engaged in anthroposophical research—what one might still say, “Desire is the father of thought,” is no longer true. — When such self-education, such application of educational impulses to oneself, is practiced in one’s mature years, then desire becomes an inner force that unites with the now-liberated thinking. And through this, one comes to truly see what the impulses of the will in ordinary life are, what the thoughts of ordinary life are. Just as one has previously learned to perceive red and blue or C-sharp or C, so one now learns to perceive thoughts as realities; so one now comes to know the impulses of the will as separate from oneself.

[ 20 ] Man gelangt auf diese Weise dazu, erst die Wechselzustände zwischen Wachen und Schlafen in der richtigen Weise zu beurteilen. Erst dadurch, daß man den Gedanken durch Übung so gemacht hat, daß er objektiv geworden ist wie eine Sinneswahrnehmung, daß man mit diesem in freier Meditation entwickelten Gedanken nicht mehr mit seinem Leibe verbunden ist wie mit einem erinnerten Gedanken, gelangt man dazu, den Akt des Einschlafens in der richtigen Weise durch Anschauung erfassen zu können. Derjenige, der so etwas wie das gewöhnliche, normale Einschlafen mit den gewöhnlichen Erkenntniskräften durchschauen will, der wird Hypothesen über Hypothesen aufstellen können: Er lernt nicht erkennen, was das Einschlafen selber ist. Und dieses verstärkte Denken, das man sich angeeignet hat, und andererseits der umgestaltete Wunsch, die sind es, welche dem Menschen zeigen: Wenn du einschläfst, so kannst du in einem gewissen Sinne den Moment deines Einschlafens noch verfolgen, du schaust gewissermaßen auf dein Einschlafen hin, und du erfährst jetzt, daß du, indem du einschläfst, nicht einfach vor dir hast einen veränderten Zustand deines Leibes, sondern daß du wirklich mit deinem selbständigen Seelenleben aus deinem Leibe hinausschlüpfst, hinausgehst, denn du Jäßt etwas zurück, und das sind deine Gedanken.

[ 20 ] In this way, one comes to correctly assess the alternating states between waking and sleeping. Only by training the mind through practice so that it becomes as objective as a sensory perception—and by no longer being connected to one’s body through this thought developed in free meditation, as one is with a remembered thought—can one come to grasp the act of falling asleep correctly through direct perception. Anyone who wishes to penetrate something like ordinary, normal falling asleep using ordinary cognitive faculties will be able to formulate hypothesis after hypothesis: they will not learn to recognize what falling asleep itself is. And this intensified thinking that one has acquired, together with the transformed desire, are what show a person: When you fall asleep, you can, in a certain sense, still follow the moment of your falling asleep; you look, as it were, toward your falling asleep, and you now experience that, as you fall asleep, you do not simply have before you an altered state of your body, but that you truly slip out of your body with your independent soul life, for you leave something behind, and that is your thoughts.

[ 21 ] Erst dadurch, daß man die Gedanken verstärkt hat, kann man sie bewußt zurücklassen beim Einschlafen. Sie bleiben beim Leibe, die Gedanken, sie durchsetzen den Leib als Bildekräfte. Und man merkt, man ist nur herausgetreten aus seinem Leibe mit dem Fühlen und dem Wollen. Aber man hat damit auch, indem man sieht, mit welchem Seelischen man heraustritt aus dem Leib, eine anschauliche Sicherheit davon bekommen, daß man ein selbständiges Seelisches hat, daß man mit dem selbständigen Seelischen aus dem Leib herausrückt. Und man weiß jetzt: Was man im Bette beim Einschlafen zurückgelassen hat, ist nicht bloß das, was man durch die physische Anatomie und Physiologie und Biologie erforschen kann, sondern das ist durchsetzt von dem Gedankengewebe. Man mußte das Gedankengewebe erst stark genug machen, damit man es nun so verlassen kann, bewußt, wie man sich abwendet mit dem Gesicht von den Farben, wie man die Anschauung verläßt. Und man weiß durch das verstärkte Denken: Du hast in deinem Bette zurückgelassen, damit diese für sich bestehen zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, deinen physischen Leib und einen Kraftleib, der die kraftartig wirkenden Gedanken enthält. — Diese gestaltenden Gedanken, diese morphologischen Gedanken, von denen ich in den vorigen Vorträgen gesprochen habe, die sind in unserem gewöhnlichen Bewußtsein nur wie Spiegelbilder. Sie haben auch eine Wirklichkeit, und mit dieser Wirklichkeit sitzen sie als ein besonderer ätherischer Leib in dem physischen Leib darinnen. Man weiß jetzt: Mit deinem Willen, mit deinem Fühlen bist du einschlafend aus deinem Sinnenleibe und aus deinem Gedankenleibe — ich kann auch sagen physischen Leib und Ätherleib, oder physischen Leib und Bildekräfteleib — herausgetreten. Nur sind wir im gewöhnlichen Leben so geartet, daß unser Bewußtsein nicht stark genug ist, sich bewußt besonnen zu erhalten, wenn es nicht gedankenerfüllt ist. Das Bewußtsein, wie wir es im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft haben, muß sich mit dem Leibe vereinigen und die Gedanken des Leibes in sich erleben, dann ist es eben voll bewußt. Wenn es als bloßes Fühlen und Wollen nun heraustritt aus dem Leibe, dann wird es im Gewöhnlichen eben unbewußt. Aber wer das in diesen Tagen hier erwähnte imaginative Denken sich angeeignet hat, der erlebt eben den Augenblick des Einschlafens bewußt, und er kann auch solche Zustände herbeiführen, die sonst so sind, wie der gewöhnliche Schlaf, nur daß sie jetzt nicht unbewußt sind, sondern daß der Mensch in sich ein Kraftendes fühlt, daß er das, womit er aus dem Leibe herausgetreten ist, den Gefühls- und Willensorganismus der Seele, wirklich erlebt, daß er also dasjenige, was leibfrei werden kann, wirklich erlebt.

[ 21 ] Only by strengthening one’s thoughts can one consciously leave them behind when falling asleep. The thoughts remain with the body; they permeate the body as formative forces. And one realizes that one has merely stepped out of one’s body with one’s feelings and will. But by seeing what aspects of the soul one brings with oneself when stepping out of the body, one has also gained a vivid certainty that one possesses an independent soul, that one steps out of the body with this independent soul. And one now knows: What one has left behind in bed upon falling asleep is not merely what can be investigated through physical anatomy, physiology, and biology, but is interwoven with the fabric of thought. One first had to make this fabric of thought strong enough so that one can now leave it behind in this way—consciously, just as one turns one’s face away from colors, just as one leaves behind a visual perception. And through this intensified thinking, one knows: You have left behind in your bed—so that they may exist independently between falling asleep and waking up—your physical body and a force body that contains the thoughts acting as forces. — These formative thoughts, these morphological thoughts, of which I spoke in the previous lectures, are in our ordinary consciousness merely like mirror images. They also have a reality, and with this reality they reside within the physical body as a special etheric body. One now knows: Through your will and your feelings, as you fall asleep, you have stepped out of your sensory body and your thought body—I can also say physical body and etheric body, or physical body and formative-force body. It is just that in ordinary life we are such that our consciousness is not strong enough to remain consciously alert when it is not filled with thought. Consciousness, as we experience it in ordinary life and in ordinary science, must unite with the body and experience the body’s thoughts within itself; only then is it fully conscious. When it steps out of the body as mere feeling and willing, it becomes unconscious in ordinary life. But whoever has mastered the imaginative thinking mentioned here in recent days experiences the moment of falling asleep consciously, and can also bring about states that are otherwise like ordinary sleep, except that they are now not unconscious; rather, the person feels a force at work within themselves, so that they truly experience what they have stepped out of the body with—the soul’s organism of feeling and will—and thus truly experience that which can become free of the body.

[ 22 ] Wer auf diese Weise kennengelernt hat den Moment des Einschlafens, der lernt auch den Moment des Aufwachens kennen. Er lernt jetzt beurteilen, daß der Moment des Aufwachens eigentlich aus zwei Teilen besteht: Wir wachen auf, wie wir sonst uns verhalten, wenn wir durch einen Sinneseindruck gereizt werden. Es muß bei jedem Aufwachen irgendwie etwas unsere Seele reizen. Es braucht nur der eigene Leib zu sein, der lange genug geschlafen hat, und der in seinem veränderten Zustand diesen Reiz ausübt. Aber es ist immer, geradeso wie beim sinnlichen Eindruck ein Reiz da ist, ein Reiz da beim Aufwachen, und dieser Reiz spricht zu unserem Gefühl, das beim Einschlafen herausgetreten ist. Wie sonst die Augen, die Ohren Ton oder Farbe wahrnehmen, so nimmt jetzt die selbständige Seele mit ihrem Fühlen etwas Äußerliches wahr, und es ist der Moment des Aufwachens ein Wahrnehmen durch das Gefühl, und es ist der Moment des Aufwachens ein Ergreifen des Körpers. Wie wenn wir sonst einen Arm bewegen oder ein Bein bewegen, so ergreifen wir mit dem selbständigen Willen den Organismus. Es sind wirklich zwei Akte, die da sind beim Aufwachen.

[ 22 ] Anyone who has come to know the moment of falling asleep in this way also comes to know the moment of waking up. They now learn to recognize that the moment of waking up actually consists of two parts: We wake up just as we normally do when stimulated by a sensory impression. Every time we wake up, something must somehow stimulate our soul. It need only be our own body, which has slept long enough and, in its altered state, exerts this stimulus. But just as there is a stimulus in the case of a sensory impression, there is always a stimulus upon waking, and this stimulus speaks to our feeling, which had withdrawn as we fell asleep. Just as the eyes and ears normally perceive sound or color, so now the independent soul, through its feeling, perceives something external; and the moment of waking is a perception through feeling, and the moment of waking is a taking hold of the body. Just as we normally move an arm or a leg, so we take hold of the organism with our independent will. There are truly two acts involved in waking up.

[ 23 ] Jetzt haben wir für das Einschlafen und Aufwachen die Wechselbeziehung kennengelernt zwischen der selbständigen Seele, die in ihrem Fühlen und Wollen sich aus dem Leibe jede Nacht herausbegibt, und den Zuständen, in denen diese Seele ist vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wo sie eben mit dem Leibe verbunden ist. Die Grundlagen anthroposophischer Forschung sind also eine Erkraftung der Erkenntnis- und Willensfähigkeit, so daß man Dinge anschauen kann, wirklich wahrnehmen kann, die man sonst nicht wahrnehmen kann. Und ist man imstande, in dieser Weise die Wechselzustände zwischen Schlafen und Wachen wahrzunehmen, so kann man auch noch zu etwas anderem vorrücken.

[ 23 ] We have now learned about the interrelationship between falling asleep and waking up—specifically, the interplay between the independent soul, which leaves the body every night through its feelings and will, and the states in which this soul exists from waking until falling asleep, when it is connected to the body. The foundations of anthroposophical research are thus a strengthening of the powers of cognition and will, so that one can observe and truly perceive things that one would otherwise be unable to perceive. And if one is able to perceive the transitional states between sleeping and waking in this way, one can also advance to something else.

[ 24 ] Wenn man immer mehr und mehr solche Übungen, wie ich sie in diesen Tagen geschildert habe, wie sie in den angedeuteten Büchern ausführlich mit Einzelheiten beschrieben sind, weiter macht, dann kommt man dadurch dazu, eben nicht immer schlafen zu müssen, wenn man aus seinem Leibe heraus ist, sondern willkürlich Gefühl und Wille aus seinem Leibe wirklich herausziehen zu können und wirklich zurückzuschauen auf den Leib. Dann ist der Leib des Menschen etwas, was objektiv ist, wie sonst das Pult oder der Tisch. Und erst dadurch lernt man wirklich eine Sache kennen, daß man nicht mehr mit ihr verknüpft ist, nicht mit ihr subjektiv durchdrungen ist, sondern dadurch, daß man sie als Objekt vor sich hat. Was man als Objekt vor sich hat, wenn man mit Wille und Gefühl herausrückt aus dem menschlichen Leib, das ist vor allen Dingen der physische Leib. Wir werden morgen sehen, wie er in etwas veränderter Form auftritt, wie man durch diese Anschauung außerhalb des Leibes eben auch eine neue Anschauung vom physischen Wesen des Menschen bekommt. Aber es ist vor allen Dingen der Bildekräfteleib, der aus einem Gedankengewebe, aber aus kraftenden Gedanken besteht. Auf den sieht man zurück wie auf einen Spiegel. Und man hat die eigentümliche Tatsache, daß man früher als Subjekt, als Persönlichkeit, mit seinen Gedanken verbunden war; jetzt hat man die Gedankenwelt, ich möchte sagen, wie auf einer photographischen Platte vor sich, indem man auf den eigenen Leib zurückschaut. Es ist, wie man sonst eben im Auge drinnen ein kleines Abbild der überschauten Welt hat. Wie das Auge dadurch ein Organ für das Sehen ist, daß sich die Welt drinnen abbilden kann, so wird für eine solche Anschauung der zurückgebliebene Äther- und physische Leib ein Spiegelungsapparat, wo sich nun eben geistig-seelisch etwas spiegelt, während sich im Auge nur äußerlich physisch etwas spiegelt. Aber man sieht durch diesen Spiegel eben nicht nur das Gedankengewebe, sondern man sieht die Welt, indem man die Gedanken zurückgelassen hat am physischen Leibe.

[ 24 ] If one continues to practice more and more of the exercises I have described in recent days—as they are described in detail in the books I have mentioned—one will eventually reach a point where one does not always have to sleep when out of one’s body, but can actually withdraw one’s feelings and will from one’s body at will and truly look back at the body. Then the human body becomes something objective, just like a desk or a table. And it is only through this that one truly comes to know a thing—not by being linked to it, not by being subjectively imbued with it, but by having it before oneself as an object. What one has before oneself as an object when one steps out of the human body with will and feeling is, above all, the physical body. Tomorrow we will see how it appears in a somewhat altered form, and how, through this perception from outside the body, one also gains a new insight into the physical nature of the human being. But above all, it is the body of formative forces, which consists of a web of thoughts—but of active, forceful thoughts. One looks back upon it as upon a mirror. And one encounters the peculiar fact that one was previously connected to one’s thoughts as a subject, as a personality; now one has the world of thoughts—I would say—before oneself as if on a photographic plate, by looking back upon one’s own body. It is just as one normally has a small image of the observed world within the eye. Just as the eye is an organ for seeing because the world can be reflected within it, so, for such a perception, the etheric and physical body left behind becomes a mirroring apparatus in which something spiritual-soul-related is now reflected, whereas in the eye only something external and physical is reflected. But through this mirror one sees not only the fabric of thought, but one sees the world by having left one’s thoughts behind in the physical body.

[ 25 ] So kann man ganz genau im einzelnen schildern, wie es hergeht, wenn der Mensch meditativ und durch Selbsterziehung des Willens seine Erkenntniskräfte zum Behuf der Erkenntnis übersinnlicher Welten verstärkt. Dadurch kommt der Mensch dazu, gewisse Zustände zu entwickeln, die nun nicht schlafend sind, wenn er außerhalb des Leibes ist, sondern das darstellen, was ich in meinen Schriften die Kontinuität des Bewußtseins genannt habe. Der Mensch geht mit seinem selbständigen seelischen Wesen im höheren Erkennen wirklich aus seinem Leibe heraus. Er erkennt dieses Herausgekommensein dadurch, daß er den Gedankenspiegel jetzt nicht an sich, sondern außer sich hat. Der Mensch geht aus dem Leibe heraus, aber er bleibt — ich habe das schon ausgeführt — durchaus seiner selbst bewußt. Er kann immer wieder zurückkehren, er ist keiner, der halluziniert, der sich Visionen hingibt, sondern mit mathematischer Sicherheit den ganzen Vorgang verfolgt, der sich hier abspielt. Dadurch, daß der Mensch in dieser Weise den Vorgang verfolgen kann, kann er nun auch zurück das gewöhnliche irdische Leben beurteilen. Er weiß, wie das ist, wenn er nun mit der selbständigen Seele in den Körper untertaucht. Er lernt nicht nur das Einschlafen, das Herausgehen aus dem Körper kennen, er lernt jetzt g'anz willkürlich in seinen Körper mit der selbständigen Seele untertauchen. Das macht noch einen besonderen Eindruck, wenn der Mensch einmal seine selbständige Seele erlebt hat und dann untertaucht, der Körper ihn wieder gefangennimmt. Da hört dasjenige auf, was man selbständig als geistig-seelische Welt um sich hat. Man fühlt es wie abschwinden, und man fühlt, wie man absorbiert wird, indem man wieder untertaucht in den Körper. Man lernt ebenso das Herausgehen aus dem Körper kennen, indem man sieht, wie die Gedanken sich von einem entfernen, wie sie beim Körper bleiben, und wie man mit dem fühlenden und wollenden Wesen der Seele aus dem Körper herausgeht. Man fühlt aber in dem Momente, wo man herausgeht, die geistige Welt auftauchen. Was hat man jetzt kennengelernt? Jetzt hat man kennengelernt auf dem Umwege durch das Aufwachen und Einschlafen das Geborenwerden und Sterben. Man hat kennengelernt, wie der Mensch beim Einschlafen unbewußt mit seinem Fühlen und Wollen aus dem physischen und ätherischen Organismus herausrückt und darin wiederum untertaucht des Morgens beim Aufwachen. Wie er da unbewußt wird, so wird er heller bewußt, wenn er nach stattgehabten Übungen aus seinem physischen Körper herausgeht. Das ist, was man nun erlebt im vollen Bewußtsein als eine Vorausnahme des Vorganges, der im Tode eintritt, und dessen, was man erlebt, wenn man untertaucht aus der geistigen Welt in den physischen Leib. Wenn die Gedanken wiederum verschwinden, wenn sie sich wiederum als bloße Bilder, als Unwirklichkeiten in der Persönlichkeit geltend machen, lernt man den Moment des Geborenwerdens kennen.

[ 25 ] In this way, one can describe in great detail exactly what happens when a person, through meditation and the self-discipline of the will, strengthens their powers of cognition for the purpose of perceiving supersensible worlds. Through this, a person comes to develop certain states that are not states of sleep when they are outside the body, but rather represent what I have called in my writings the continuity of consciousness. Through higher cognition, a person truly steps out of their body with their independent soul being. They recognize this stepping out by the fact that the mirror of thought is now not within them but outside of them. A person steps out of the body, but—as I have already explained—remains fully conscious of himself. He can return again and again; he is not someone who hallucinates or indulges in visions, but rather follows the entire process unfolding here with mathematical certainty. Because the human being can follow the process in this way, he is now also able to assess ordinary earthly life from a distance. He knows what it is like to re-enter the body with his independent soul. He not only learns about falling asleep and leaving the body; he now learns to re-enter his body with his independent soul entirely at will. This makes an even more profound impression once a person has experienced their independent soul and then, as they re-enter the body, finds themselves captured by it again. That is when the world of the spiritual and soul life—which one experiences independently around oneself—comes to an end. One feels it fading away, and one feels oneself being absorbed as one re-enters the body. One also learns to step out of the body by observing how thoughts drift away from oneself, how they remain with the body, and how one steps out of the body with the soul’s feeling and willing essence. But at the very moment one steps out, one feels the spiritual world emerge. What has one now come to know? One has now come to know, indirectly through waking and falling asleep, the processes of birth and death. One has come to understand how, upon falling asleep, a person unconsciously withdraws with their feelings and will from the physical and etheric organism, and how they re-enter it in the morning upon waking. Just as they become unconscious in this way, so do they become more clearly conscious when, after performing the exercises, they step out of their physical body. This is what one now experiences in full consciousness as a foretaste of the process that occurs at death, and of what one experiences when one descends from the spiritual world into the physical body. When the thoughts disappear again, when they assert themselves once more as mere images, as unrealities within the personality, one comes to know the moment of birth.

[ 26 ] Während man mit den gewöhnlichen wissenschaftlichen Methoden dabei stehenbleibt, den gewöhnlichen Verstand anzuwenden, die Gedanken anzuwenden auf die äußere Beobachtung oder das Experiment, die mit einem verbunden bleiben, macht man durch anthroposophische Forschung eine andere Persönlichkeit aus sich insofern, als man die Gedanken verobjektiviert, als man seinen eigenen Leib zu einem umfassenden großen Sinnesorgan macht. Ich möchte sagen, ein einziges Auge wird der eigene Leib. Das Auge ist aber jetzt außer ihm, ist zugleich wie eine photographische Platte. Die Welt, in der man ist, die geistig-seelische Welt, die bildet sich jetzt gedankenhaft in der Außenwelt ab. Und jetzt kommt man dazu, indem man sozusagen ganz normale Vorgänge, das Aufwachen und Einschlafen, das Geborenwerden und Sterben, durchschaut hat, auch eine innere Anschauung zu haben von dem Seelischen. Jetzt lernt man durch Anschauung entscheiden, ob das eine bloß unbewußte Vorstellung war, was Professor Schleich Tod durch Autosuggestion nennt, oder ob das «second sight» war, was Oliver Lodge beschreibt. Man lernt jetzt nämlich wirklich erkennen, wie sich der Mensch verhält, wenn er nicht zum bewußten Geistesforscher wird, sondern wenn durch abnorme Verhältnisse herausgedrängt wird das selbständige Seelische aus dem physischen Leibe. Dazu ist Veranlassung, wenn der physische Leib in irgendeiner Weise krank wird. Sagen wir nur, irgendein Organ wird verletzt. Das kann schon durchaus hinreichen, daß bei dem noch zum selbständigen Schauen unfähigen Menschen, Seelen- und Geistesmenschen, nun doch, weil er nicht durch den bloßen Schlaf, sondern durch pathologische Zustände herausgedrängt wird aus seinem physischen Leib, ein unvollkommenes Schauen von dem auftritt, was sonst in bewußter, methodischer Weise von dem Geistesforscher bewirkt wird. Daher hat man nicht nötig, die abnormen Beobachtungen, die heute schon durchaus die Leute interessieren, die etwas über das gewöhnliche Triviale hinauskommen wollen, in ihrer Wahrheit zu leugnen. Aber man wird auch kritisch dagegen, und diese Kritik rührt einfach davon her, daß anthroposophische Geisteswissenschaft nicht das ist, was ihr viele Leute nachsagen, daß sie nicht die Karikatur ist, die viele Leute aus ihr machen, sondern eben mit der Anerkennung aller wissenschaftlichen, gewissenhaften Methodik, die sich die Menschheit im Laufe der letzten Jahrhunderte errungen hat, aufrücken will durch Erweckung besonderer Geisteskräfte in die übersinnlichen Welten. Und da der Mensch mit seinem innersten, ewigen Wesenskern diesen übersinnlichen Welten angehört, so kann der Mensch nach seinem sterblichen und unsterblichen Teil, nach seiner ganzen Wesenheit nur durch diese Geistesforschung erkannt werden, wie das im morgigen Vortrage gezeigt werden soll. Dadurch aber, daß der Mensch in dieses sein Ewiges untertaucht, daß er gewissermaßen nicht bloß eine Anthropologie aufbaut, durch die man weiß, wie der Mensch durch seinen Körper weiß, sondern daß er aufbaut eine Anthroposophie, die da weiß, wie der Mensch durch seine Seele und durch seinen Geist als selbständige Wesenheit weiß, dadurch lernt der Mensch erst die wahre Welt kennen.

[ 26 ] While conventional scientific methods remain limited to applying ordinary reason and directing thoughts toward external observation or experimentation—which remain tied to the individual—anthroposophical research enables one to develop a different aspect of one’s personality by objectifying one’s thoughts and transforming one’s own body into a comprehensive, expansive sensory organ. I would say that one’s own body becomes a single eye. But the eye is now outside of oneself; it is at the same time like a photographic plate. The world in which one exists—the spiritual-soul world—is now reflected as a thought-image in the external world. And now, by having, so to speak, seen through entirely normal processes—waking up and falling asleep, being born and dying—one also comes to have an inner insight into the soul. Now, through this insight, one learns to determine whether a particular experience was merely an unconscious imagination—what Professor Schleich calls “death through autosuggestion”—or whether it was “second sight,” as described by Oliver Lodge. One now learns, in fact, to truly recognize how a person behaves not when they become a conscious researcher of the spirit, but when the independent soul is forced out of the physical body by abnormal circumstances. This occurs when the physical body becomes ill in any way. Let’s just say that some organ is injured. That can certainly be enough for a person—a soul-and-spirit person—who is not yet capable of independent vision to experience an imperfect perception of what is otherwise achieved in a conscious, methodical way by the spiritual researcher, precisely because they are driven out of their physical body not by mere sleep but by pathological conditions. Therefore, there is no need to deny the truth of the anomalous observations that already interest people today who wish to go beyond the ordinary and trivial. But one also becomes critical of them, and this criticism stems simply from the fact that anthroposophical spiritual science is not what many people claim it to be; it is not the caricature that many people make of it, but rather seeks, through the recognition of all the scientific, conscientious methodology that humanity has attained over the course of the last few centuries, to advance into the supersensible worlds by awakening special spiritual powers. And since the human being, with his innermost, eternal core of being, belongs to these supersensible worlds, the human being—in his mortal and immortal aspects, in his entire being—can only be understood through this spiritual research, as will be demonstrated in tomorrow’s lecture. But it is precisely by immersing themselves in this eternal aspect of their being—not merely by developing an anthropology that explains how human beings know through their bodies, but by developing an anthroposophy that explains how human beings know through their souls and spirits as independent entities—that human beings come to know the true world.

[ 27 ] Von diesem Gesichtspunkte aus das wahre Wesen des Menschen, auch sein unsterbliches, sein ewiges Wesen, und die wahre Gestalt der Welt zu schildern, das wird die Aufgabe der beiden nächsten Vorträge sein.

[ 27 ] The task of the next two lectures will be to describe, from this perspective, the true nature of human beings—including their immortal, eternal nature—and the true form of the world.