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The Reality of the Higher Worlds
GA 79

1 December 1921, Oslo

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5. Die Weltentwickelung im Lichte der Anthroposophie

5. World Development in the Light of Anthroposophy

[ 1 ] Es dürfte aus den Betrachtungen, die ich mir erlaubte, vor Ihnen hier anzustellen, hervorgegangen sein, daß es sich vor allen Dingen zum Behufe wirklicher übersinnlicher Erkenntnisse darum handelt, gewissermaßen zu trennen durch Übungen‚ wie ich sie charakterisiert habe, die beiden Seiten der menschlichen Natur, die man gewöhnlich ungenau bezeichnet als menschliches Inneres und menschliches Äußeres. Es darf vielleicht darauf hingewiesen werden, daß ja der Mensch im gewöhnlichen Bewußtwerden, wenn er von Äußerem und Innerem spricht, eine genaue Trennung nicht vornimmt. Und die Art und Weise, wie zu charakterisieren war jenes Heraustreten des gefühls- und willensmäßigen Wesens des Menschen im Schlafzustande, und wie weiter zu charakterisieren war das Bewußtwerden im übersinnlichen Erkennen außerhalb des menschlichen Leibes, das wird zeigen, daß gerade in diesem übersinnlichen Erkennen eine genaue Trennung desjenigen zu erlangen ist, was man eigentlich im gewöhnlichen Bewußtsein nur ahnend als das Äußere und das Innere des Menschen bezeichnet. Ich möchte sagen, durch diese Trennung wird das Innere des Menschen zum Äußeren, und was der Mensch sonst als sein Äußeres anspricht, das wird zum Inneren.

[ 1 ] It should have become clear from the observations I took the liberty of presenting to you here that, above all, for the sake of genuine supersensible knowledge, it is a matter of separating—through exercises such as I have described—the two aspects of human nature that are usually imprecisely referred to as the human inner and the human outer. It may be worth pointing out that in ordinary consciousness, when people speak of the external and the internal, they do not make a precise distinction. And the way in which that emergence of the human being’s emotional and volitional nature during the state of sleep was to be characterized, and how to further characterize the awareness in supersensible perception outside the human body—will show that it is precisely in this supersensible perception that a precise distinction can be made between what is actually referred to in ordinary consciousness, only intuitively, as the outer and inner aspects of the human being. I would like to say that through this separation, the inner being of the human being becomes the outer, and what the human being otherwise refers to as his or her outer becomes the inner.

[ 2 ] Was geschieht denn da eigentlich? Das willens- und gefühlsmäßige Wesen des Menschen tritt im Schlafzustande aus dem heraus, was genannt worden ist der physische Leib des Menschen und der Bildekräfteleib oder Ätherleib des Menschen, und dieses gefühls-willensmäßige Wesen des Menschen sieht zurück wie auf ein Objekt auf den physischen Leib und den Ätherleib. Wir haben gezeigt, daß bei diesem Zurückschauen uns das gesamte Gewebe des Denkens ja nun auch außerhalb des menschlichen Inneren erscheint. Was uns im gewöhnlichen Bewußtsein als unsere Gedankenwelt erfüllt, in der sich die Außenwelt spiegelt, das geht ja nicht im Einschlafen mit dem eigentlichen Inneren des Menschen, das bleibt zurück als die eigentlichen Kräfte des Ätherleibes beim physischen Leib. Und wir haben auf diese Weise es begreiflich finden können — weil der Mensch ja den gewöhnlichen Wachzustand, wie man leicht durch Selbstbeobachtung sich überzeugen kann, durch seine Gedankenwelt hat —, daß im wachen Zustande der Mensch sich gerade dessen nicht bewußt sein kann, was nun als für das gewöhnliche Bewußtsein eben Unbewußtes im Schlafe heraustritt.

[ 2 ] What actually happens there? During sleep, the human being’s will-and-feeling essence emerges from what has been called the human physical body and the human form-body or etheric body, and this will-and-feeling essence of the human being looks back upon the physical body and the etheric body as if they were objects. We have shown that, in this act of looking back, the entire fabric of thought now appears to us outside the human inner being. What fills us in ordinary consciousness as our world of thought—in which the external world is reflected—does not, upon falling asleep, go with the actual inner being of the human being; rather, it remains behind as the actual forces of the etheric body alongside the physical body. And in this way we have been able to understand—because, as one can easily verify through self-observation, the human being experiences the ordinary waking state through his world of thought—that in the waking state, the human being cannot be conscious of precisely that which now emerges in sleep as the unconscious for ordinary consciousness.

[ 3 ] Es ist ein dumpfes, dämmerhaftes Sein in jenem Menschenwesen, das mit dem Einschlafen aus dem physischen Leib und Ätherleib herausgeht, und man lernt dieses menschliche Innere erst kennen, wenn es durch die übersinnliche Erkenntnis, ich möchte sagen, durchleuchtet und durchwärmt wird, wenn man sich in diesem Inneren ebenso bewußt wird, wie man sich sonst im physischen Leib bewußt ist. Man lernt aber auch erkennen, warum man im gewöhnlichen Schlaf unbewußt dahinlebt. Die Bewußtheit tritt eben auf, wenn man beim Aufwachen untertaucht in den physischen und in den ätherischen Leib. Und durch das Untertauchen in den physischen Leib bedient man sich seiner Sinne, die einen mit der Außenwelt in Verbindung bringen. Die Folge davon ist, daß die sinnliche Welt erwacht und man dadurch in dieser sinnlichen Welt bewußt wird.

[ 3 ] There is a dull, twilight-like state of being within that human being who, upon falling asleep, leaves the physical body and the etheric body, and one only comes to know this inner human being when it is, so to speak, illuminated and warmed by supersensible knowledge—when one becomes just as conscious within this inner being as one is otherwise in the physical body. But one also comes to understand why one lives unconsciously during ordinary sleep. Consciousness arises precisely when, upon waking, one immerses oneself in the physical and etheric bodies. And through this immersion in the physical body, one makes use of one’s senses, which connect one to the external world. The result of this is that the sensory world awakens, and one thereby becomes conscious within this sensory world.

[ 4 ] Ebenso taucht man unter in seinen Äther- oder Lebensleib, das heißt in seine Gedankenwelt, und man wird sich bewußt in Gedanken. Das gewöhnliche Bewußtsein beruht also darauf, daß man sich der Werkzeuge seines physischen Leibes bedient, und daß man sich, ich möchte sagen, des Bildekräftegewebes des ätherischen Leibes bedient. Im gewöhnlichen Leben ist dieses wirkliche Innere des Menschen, das aus Gefühl und Wille gewoben ist, nicht imstande, zu einem Bewußtsein zu kommen, weil es keine Organe hat. Indem man diejenigen denkerischen und Willensübungen macht, von denen ich gesprochen habe, stattet man das Seelische selber mit Organen aus. Dieses Seelische, das zuerst unbestimmt im gewöhnlichen Bewußtsein ist, das wird plastisch gestaltet, so wie sonst unser physischer Leib und unser Ätherleib zu den Sinnen, zu den Denkorganen plastisch gestaltet wird. Es wird also das eigentliche seelisch-geistige Wesen des Menschen plastisch gestaltet. Und in demselben Maße, in dem es plastisch gestaltet wird, indem es gewissermaßen geistig-seelische Sinnesorgane — wenn ich mich des paradoxen Ausdruckes bedienen darf — bekommt, taucht die geistig-seelische Welt um dieses menschliche Innere auf. Was also sonst im dumpfen, dämmerhaften Zustande ist und deshalb erst eine Welt, nämlich die Sinneswelt, wahrnehmen kann, wenn es sich der physischen und der ätherischen Organe bedient, das gewinnt Plastik, kommt in Beziehung zu der Welt, von der wir sonst auch immer umgeben sind, ohne daß wir es wissen, und in der wir ja lebten, bevor wir durch die Geburt oder Empfängnis auf die vorgestern hier beschriebene Art in das physische Wesen eingezogen sind, in der wir auch wiederum leben — denn wir erkennen sie dann als zu uns gehörig und nicht begrenzt durch Geburt und Tod —, wenn wir durch die Pforte des Todes treten. Indem man die seelisch-geistige Welt betritt, macht man aber eine bestimmte Erfahrung: Es ist so, daß man nicht in derselben abstrakt-theoretischen Weise in diese Geisteswelt einziehen kann, mit der man leben kann in der sinnlichen und in der Verstandes- oder Gedankenwelt. In der sinnlichen und in der Verstandeswelt, da bedienen wir uns der Gedanken, Ideen, welche uns eigentlich als solche, ich möchte sagen, kalt lassen. Jeder Mensch, der nur ein wenig Selbstbeobachtung hat, weiß ja, daß, wenn er sich in das Gebiet des reinen Gedankens erhebt, wenn er sich der äußeren Sinneswelt hingibt, ohne besondere Interessen, ohne ein besonderes Zusammengewachsensein mit irgend etwas, ihn eigentlich sowohl die äußere Sinneswelt als auch die Ideenwelt kalt läßt. Man muß nur im einzelnen an besonderen Beispielen aus dem Leben kennen lernen, wie dies der Fall ist. Man muß einmal vergleichen, mit wie anderen inneren Erlebnissen zum Beispiel der Mensch gewöhnlich seine Heimat betrachtet, als irgendeine ihm gleichgültige fremde Gegend. Man wird dann sehen, wie der Mensch durch besondere Verhältnisse sein Gefühl und seinen Willen — die eben immer erst beim Aufwachen untertauchen in die physische Welt und von dorther die Verbindung mit der Sinneswelt und der Verstandeswelt bekommen — heranziehen muß, um ein lebendiges Interesse an der Umwelt zu haben. Daß wir an gewissen Menschen, die uns in der physischen Welt entgegentreten, unser Gefühl entzünden in Liebe, vielleicht auch unseren Haß entzünden, daß wir geneigt sind, aus Mitgefühl für sie irgendwelche Taten zu tun: das alles fordert erst, daß wir unsere Empfindungen, unsere Gefühle, alles, was unser Inneres ist, heranerziehen zu dem, was uns da in der äußeren physischen Welt entgegentritt. Und wie sehr weiß ja der Mensch, wie sein inneres Leben erkaltet, wenn er sich in die Gebiete erhebt, die man gewöhnlich die Gebiete des blassen, trockenen Gedankens, des theoretischen Studiums nennt.

[ 4 ] Similarly, one immerses oneself in one’s etheric or life body—that is, in one’s world of thoughts—and becomes conscious through thought. Ordinary consciousness, then, is based on making use of the instruments of one’s physical body and, I might say, on making use of the fabric of formative forces in the etheric body. In ordinary life, this true inner being of the human being—woven from feeling and will—is unable to attain consciousness because it has no organs. By performing the exercises of thought and will that I have spoken of, one endows the soul itself with organs. This soul, which is at first indeterminate in ordinary consciousness, is plastically shaped, just as our physical body and our etheric body are otherwise plastically shaped into the senses and the organs of thought. Thus, the actual soul-spiritual being of the human being is given a concrete form. And to the same extent that it is given this concrete form—by acquiring, so to speak, spiritual-soul sensory organs, if I may use this paradoxical expression—the spiritual-soul world emerges around this human inner being. What is otherwise in a dull, twilight state—and can therefore perceive only one world, namely the sensory world, when it makes use of the physical and etheric organs—gains form, enters into a relationship with the world that otherwise always surrounds us without our knowing it, and in which we did indeed live before we entered the physical being through birth or conception in the manner described here the day before yesterday, and in which we will live again—for we then recognize it as belonging to us and not limited by birth and death—when we pass through the gate of death. However, upon entering the spiritual-soul world, one has a specific experience: The fact is that one cannot enter this spiritual world in the same abstract, theoretical way that one lives in the sensory world and in the world of the intellect or thought. In the sensory world and in the world of the intellect, we make use of thoughts and ideas which, as such, actually leave us—I might say—cold. Anyone who engages in even a little self-observation knows that when they rise into the realm of pure thought, when they surrender to the external sensory world without any particular interests, without any special connection to anything, both the external sensory world and the world of ideas actually leave them cold. One need only examine specific examples from life to see how this is the case. One need only compare, for example, how differently a person usually regards their homeland as an inner experience compared to some foreign region that is indifferent to them. One will then see how a person must draw upon their feelings and will—which, after all, only emerge into the physical world upon waking and from there establish a connection with the sensory and intellectual worlds—in order to take a lively interest in their surroundings. The fact that we kindle our feelings into love—and perhaps also into hatred—toward certain people we encounter in the physical world, and that we are inclined to perform certain acts out of compassion for them: all of this first requires that we draw our sensations, our feelings, and everything that constitutes our inner being toward what confronts us in the outer physical world. And how well does the human being know how his inner life grows cold when he ascends into the realms commonly called the realms of pale, dry thought and theoretical study.

[ 5 ] Es muß erst das, was vom Einschlafen bis zum Aufwachen im dumpfen, dämmerhaften Zustand verweilt, sich gewissermaßen durch das innerliche Miterleben während des Tagwachens zusammenbinden mit dem Gedanken und mit den Sinneserlebnissen, damit die ganze Mannigfaltigkeit der Interessen für die äußere Welt entstehe. Und so erkennen wir ja, wie erst im Leben selbst Gefühl und Wille engagiert werden an der Sinneswelt und an der Gedankenwelt. Im vollsten Sinne des Wortes aber erfahren wir das erst, wenn wir nun durch übersinnliche Erkenntnisse, frei vom physischen Leib und frei vom ätherischen Leib, uns außerhalb derselben erleben in dem gefühls- und willensmäßigen Wesen des Menschen. Und da zeigt sich, daß man anfangen muß, ganz anders zu reden über die Welt, als man im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Bewußtsein redet. Man muß anfangen, das, was man sonst in der Wissenschaft gewöhnt ist, mit trockenen Ideen, mit Naturgesetzen, die uns theoretisch wohl interessieren, aber innerlich doch teilnahmslos lassen, darzustellen, zu durchdringen mit gewissen Wortnuancen, die in anderer Weise charakterisieren, als man die äußere Welt im gewöhnlichen Leben zu charakterisieren versucht ist. Durch diese übersinnliche Erkenntnis wird das innere Erleben wesentlich intensiver. Man lebt mehr als sonst die äußere Welt mit. Man ist gar nicht imstande, im Erkennen teilnahmslos und kalt sich den inneren Ideen hinzugeben. Freilich ist man dadurch ausgesetzt dem Vorwurf, daß eine gewisse innere Wärme, daß das Gefühl erwacht, und daß man dadurch, daß der subjektive Sinn erwacht, die Objektivität fälschen würde. Allein diesen Vorwurf erheben nur diejenigen, die die Verhältnisse nicht kennen.

[ 5 ] First, what remains in that dull, twilight state from the moment we fall asleep until we wake up must, as it were, be woven together with thought and sensory experiences through our inner participation during waking hours, so that the full diversity of interests in the external world can emerge. And so we recognize how, in life itself, feeling and will are engaged with the sensory world and the world of thought. But in the fullest sense of the word, we experience this only when, through supersensible knowledge—free from the physical body and free from the etheric body—we experience ourselves outside of these bodies in the emotional and volitional nature of the human being. And there it becomes clear that we must begin to speak about the world in a completely different way than we do in ordinary life, in ordinary consciousness. One must begin to infuse what one is otherwise accustomed to presenting in science—with dry ideas and natural laws that may interest us theoretically but leave us emotionally detached—with certain nuances of language that characterize things in a different way than one is accustomed to characterizing the outer world in ordinary life. Through this supersensible knowledge, inner experience becomes significantly more intense. One engages more deeply with the external world than usual. One is simply incapable of devoting oneself to inner ideas in a detached and cold manner. Of course, this exposes one to the accusation that a certain inner warmth is awakened, that feeling is stirred, and that, by awakening the subjective sense, one is distorting objectivity. Yet only those who are unfamiliar with the circumstances level this accusation.

[ 6 ] Was man in der übersinnlichen Erkenntnis schaut, das macht, daß man anders spricht von den übersinnlichen Erkenntnisobjekten. Anders werden diese nicht, weniger objektiv werden diese nicht, denn sie sind eben objektiv. Und wenn ich ein kunstvoll gemaltes Bild ansehe, so wird das dadurch nicht anders, daß ich voll Feuer und Enthusiasmus vor ihm stehe. Aber ich müßte ein kalter Nüchternling sein, wenn ich mit Kunstverständnis etwa vor einer Raffaelschen Madonna oder vor einem Leonardo-Bild kalt und nüchtern stehen würde. Ebenso ist es, wenn in der übersinnlichen Erkenntnis die geistigen Welten auftauchen. Was sie enthalten, das wird nicht anders dadurch, daß man mit stärkerem inneren Anteil mit diesen Welten verbunden sein muß, als man gewöhnlich in der äußeren Welt mit seinen Objekten verbunden ist. Daher wird manches eben anders gesprochen sein, was aus der Erkenntnis dieser höheren Welten heraus gesprochen ist, als man im gewöhnlichen Leben zu hören gewöhnt ist. Aber weniger objektiv wird dadurch diese Welt nicht. Man könnte im Gegenteil sagen: Das Subjektive, das da jetzt herausdringt aus dem physischen und aus dem ätherischen Leib, das wird selbst in seinem ganzen Erleben objektiver, selbstloser. Und so ist dasjenige, was man zuerst erlebt, indem man aus dem physischen Leib heraustritt und sich in seinem eigentlichen Inneren nun bewußt erlebt — während man sich sonst immer unbewußt erlebt —, ein Gefühl absoluter Einsamkeit. Man hat niemals sonst im gewöhnlichen Bewußtsein dieses Erlebnis, daß man — was es auch sonst in der Welt von ihm geben mag, indem man nur in diesem Inneren verweilt — einsam ist, daß man ganz und gar auf sich angewiesen ist mit alledem, was nunmehr seelischer und geistiger Inhalt sein soll.

[ 6 ] What one perceives in supersensible knowledge causes one to speak differently about the objects of supersensible knowledge. These objects do not become any different; they do not become any less objective, for they are, after all, objective. And when I look at a masterfully painted picture, it does not change simply because I stand before it full of passion and enthusiasm. But I would have to be a cold, sober person if, with an appreciation for art, I were to stand coldly and soberly before a Madonna by Raphael or a painting by Leonardo. It is the same when the spiritual worlds emerge in supersensible knowledge. What they contain is not altered by the fact that one must be connected to these worlds with a stronger inner involvement than one is usually connected to objects in the outer world. Therefore, some things spoken from the insight into these higher worlds will be expressed differently than what one is accustomed to hearing in ordinary life. But this does not make this world any less objective. On the contrary, one could say: The subjective aspect that now emerges from the physical and etheric bodies becomes, in its entire experience, more objective and selfless. And so the first thing one experiences upon stepping out of the physical body and consciously experiencing one’s true inner self—whereas one otherwise always experiences oneself unconsciously—is a feeling of absolute loneliness. One never otherwise has this experience in ordinary consciousness—that, while dwelling solely within this inner self, one is lonely, regardless of what else may exist in the world, and that one is entirely dependent on oneself with all that is now to be the content of the soul and spirit.

[ 7 ] Das, was nur im Abglanz — und da manchmal schon schmerzlich genug für manche Menschen — in der physischen Welt als das Gefühl der Einsamkeit auftritt, das steigert sich in unermeßlicher Art, wenn man in dieser Weise eintritt in die übersinnliche Welt. Aber dann schaut man ja zurück zu dem, was sich als die geistige Umgebung im Spiegel des physischen und des ätherischen Leibes zeigt, die man zurückgelassen hat. Da wird man eben gewahr des völligen Einsamkeitsgefühls, durch das man einzig und allein sein Ich aufrechterhalten kann in dieser Welt. Man würde sonst in dieser Welt des Geistes zerfließen, wenn man nicht gerade so, wie man hier sein Ich-Gefühl durch seinen Leib, durch sein Leibesempfinden hat, in der geistigen Welt dieses Ich-Gefühl nicht durch die Einsamkeit erleben würde. Dieser Einsamkeit dankt man die Aufrechterhaltung des Ich in der geistigen Welt. Dann lernt man erkennen diese geistige Welt als dasjenige, was einen umgibt. Aber man weiß, daß man sie nur kennenlernen kann — wie man in der sinnlichen Welt durch die Augen sieht — durch das innere seelisch-geistige Auge. So ist es ja auch, wenn der Mensch — wie ich in weiterer Ausführung dasjenige, was ich gestern gesagt habe, hier darstellen will — durch des Todes Pforte seinen physischen Leib und seinen Ätherleib verläßt. Es ist wahr, daß dann der physische Leib den Elementen der Erde übergeben wird, daß der ätherische Leib, wie ich es dargestellt habe, zerfließt im allgemeinen Weltenäther. Dasjenige aber, was der Mensch erkennen gelernt hat als seine physische Welt, das heißt, fühlend, wollend erkennen gelernt hat, worinnen er sich erlebt hat in dem gewöhnlichen Bewußtsein zwischen der Geburt und dem Tode, das bleibt dem Menschen. Der stofferfüllte physische Leib, der ätherdurchdrungene Bildekräfteleib, die werden mit dem Tode abgelegt, aber dasjenige, was der Mensch darinnen erfahren hat, das bleibt wie ein weiteres Spiegelndes vorhanden. Man sieht von der geistigen Welt zurück durch den Tod, durch den man hindurchgegangen ist, in das letzte Erdenleben. Und gerade dadurch, daß man nach dem Tode wie einen festen Widerstand, an dem sich alles spiegelt, dieses letzte Erdenleben vor sich hat, dadurch spiegelt sich auch jetzt beim ganzen Durchgang durch die geistig-seelische Welt zwischen dem Tode und neuer Geburt alles dasjenige, was einen umgibt. Und man sieht nun aus dem, was man auf diese Weise erlebt, alles in einem intensiveren Leben auftauchen, als man es hier in der physischen Welt kennengelernt hat. Und als geistig-seelische Wesenheit sieht man zunächst alles dasjenige, zu dem man durch sein Schicksal, durch sein Karma eine gewisse Verbindung eingegangen ist, in dieser Welt. Die Menschen, die man liebgewonnen hat, sie tauchen als Seelen auf. Was man mit ihnen erlebt hat, tritt einem vor das übersinnliche Schauen.

[ 7 ] What appears in the physical world only as a reflection—and even then is sometimes painful enough for some people—in the form of the feeling of loneliness, intensifies immeasurably when one enters the supersensible world in this way. But then one looks back at what appears as the spiritual environment reflected in the physical and etheric bodies that one has left behind. There one becomes aware of the complete sense of loneliness through which one can maintain one’s sense of self in this world. Otherwise, one would dissolve in this world of the spirit if one did not experience this sense of the “I” through loneliness in the spiritual world—just as one has a sense of the “I” here through one’s body and bodily sensations. It is thanks to this loneliness that the “I” is sustained in the spiritual world. Then one learns to recognize this spiritual world as that which surrounds one. But one knows that one can only come to know it—just as one sees through the eyes in the physical world—through the inner soul-spiritual eye. This is indeed the case when a human being—as I shall explain here in further detail, building on what I said yesterday—leaves their physical body and their etheric body through the gate of death. It is true that the physical body is then surrendered to the elements of the earth, and that the etheric body, as I have described, dissolves into the universal world ether. But what a person has come to know as their physical world—that is, what they have come to know through feeling and willing, within which they have experienced themselves in ordinary consciousness between birth and death—that remains with the person. The physical body filled with matter and the body of formative forces permeated by ether are cast off at death, but what the human being has experienced within them remains present as a further mirror. From the spiritual world, one looks back through death—which one has passed through—into one’s last earthly life. And precisely because, after death, one has this last earthly life before oneself as a kind of solid backdrop against which everything is reflected, everything that surrounds one is now also reflected throughout the entire passage through the spiritual-soul world between death and a new birth. And from what one experiences in this way, one now sees everything emerge in a more intense form than one has known here in the physical world. And as a spiritual-soul being, one first sees everything with which one has formed a certain connection in this world through one’s destiny, through one’s karma. The people one has grown to love appear as souls. What one has experienced with them comes into view through one’s supersensible perception.

[ 8 ] Wer geistige, übersinnliche Erkenntnisse erwirbt, erwirbt sich das Bildschauen davon eben schon hier in der physischen Welt durch alles das, was ich geschildert habe. Derjenige, der in der gewöhnlichen Weise durch des Todes Pforte geht, hat diese Anschauung auch, obwohl etwas verändert gegenüber dem hiesigen Schauen. Aus dem, was sich als das Abgelegte, Hüllenhafte des physischen Leibes und des ätherischen Leibes zeigt, taucht alles das auf, mit dem wir im Erdenleben schicksalsmäßig oder sonst verbunden waren. Solange diejenigen, die wir zurückgelassen haben, noch hier auf der Erde sind, ist die Verbindung mit ihnen eine schwierigere. Aber dann, wenn sie nachgekommen sind, im freien geistig-seelischen Leben, taucht auf das Zusammensein mit alledem, was man als Menschenwesen um sich herum mit sich in Verbindung gebracht hat. Daß — wenn ich es jetzt ausdrücken will mit den Worten des gewöhnlich sehenden Bewußtseins — die Menschen, insofern sie sich als zusammengehörig erwiesen haben hier in dieser physischen Welt, sich in der geistig-seelischen Welt, nachdem sie durch des Todes Pforte gegangen sind, wiederfinden, das ist für das übersinnliche Erkennen kein Glaube, der in dunkler Ahnung angenommen wird, sondern das ist eine ebensolche Gewißheit, wie die Ergebnisse der Physik oder der Chemie Gewißheiten sind. Und das ist schon dasjenige, was anthroposophische Geisteswissenschaft zu dem hinzuzufügen vermag, was der Mensch heute in seiner Zivilisation hat. Der Mensch hat heute sich angewöhnt, in einer bestimmten Weise Gewißheit zu erlangen dadurch, daß immer mehr und mehr das wissenschaftliche Bewußtsein populär wird. Er strebt danach, nicht mehr in Form von alten Ahnungen, wie es die Glaubensbekenntnisse traditionell überliefert haben, etwas zu erfahren über die übersinnlichen Welten; er hat sich nunmehr gewöhnt und erzogen zu derjenigen Gewißheit, die die äußere Welt bieten kann. Anthroposophische Geisteswissenschaft will den Weg eröffnen zu dem, was jenseits von Geburt und Tod liegt und dafür dieselbe Art von Gewißheit bieten. Das kann sie tatsächlich. Allein diejenigen, die den Weg, den ich geschildert habe, in die geistigen Welten hinein machen, die können das Wissen fortsetzen, das wir in Physik und Chemie gewonnen haben, bis hinaus in die Welten, die wir betreten, wenn wir durch des Todes Pforte gehen.

[ 8 ] Whoever acquires spiritual, supersensory insights gains the ability to visualize them right here in the physical world through everything I have described. The person who passes through the gate of death in the ordinary way also has this vision, although it is somewhat different from the vision experienced here. From what appears as the shed, shell-like aspects of the physical body and the etheric body, everything emerges with which we were connected in our earthly life—whether by fate or otherwise. As long as those we have left behind are still here on Earth, the connection with them is more difficult. But then, when they have followed us into the free spiritual-soul life, the communion with all that one, as a human being, has associated with oneself in one’s surroundings emerges. That—if I may now express it in the words of ordinary consciousness—the people who have proven themselves to belong together here in this physical world will find one another again in the spiritual-soul world, after they have passed through the gate of death, is not, for supersensible knowledge, a matter of faith accepted on the basis of a vague intuition, but rather a certainty just as certain as the findings of physics or chemistry. And this is precisely what anthroposophical spiritual science is able to add to what humanity possesses today in its civilization. People today have become accustomed to attaining certainty in a specific way, as scientific consciousness becomes increasingly widespread. They no longer seek to learn about the supersensible worlds through ancient intuitions, as traditional creeds have handed down; but have now become accustomed to—and have been educated in—the kind of certainty that the external world can offer. Anthroposophical spiritual science seeks to open the path to what lies beyond birth and death and to offer the same kind of certainty in this regard. It is indeed capable of doing so. Only those who follow the path I have described into the spiritual worlds can extend the knowledge we have gained in physics and chemistry all the way into the worlds we enter when we pass through the gate of death.

[ 9 ] Allerdings nicht alles erscheint uns in dieser Weise, wenn wir in der übersinnlichen Erkenntnis zurückblicken von außerhalb des Leibes nach diesem Leibe zurück. Und etwas tritt da ganz besonders rätselhaft auf. Das, was da rätselhaft auftritt, kann am besten zeigen, daß anthroposophische Geisteswissenschaft nicht etwa die Dinge, die sie in ihre Erkenntnis hereinnimmt, in nüchternen, trockenen Rationalismus übersetzt. Sie bringt den Menschen zum Schauen, oder indem sie ihre Erkenntnisse mitteilt, spricht sie von etwas, was geschaut werden kann. Aber die volle Ehrfurcht vor dem, was die Welt an Geheimnissen enthält, was die Welt eben an Ehrfurchtwerten enthält, die geht einem nicht verloren, indem man schauend vor das hingeführt wird, was sonst höchstens dem unbestimmten Ahnen aufgeht. Und das Rätselvolle, das ich meine, das einem da erscheint, ist, daß man jetzt kennenlernt, welches das Verhältnis des Menschen zur Erde ist, namentlich welches das Verhältnis des Menschen zur physischen mineralischen Erde ist.

[ 9 ] However, not everything appears to us in this way when we look back at this body from outside it through supersensible knowledge. And something appears there that is particularly enigmatic. What appears there in such a mysterious way best demonstrates that anthroposophical spiritual science does not translate the things it incorporates into its knowledge into sober, dry rationalism. It leads people to see, or, in communicating its insights, it speaks of something that can be seen. But one does not lose one’s full sense of awe for the mysteries the world contains—for the things in the world that inspire awe—simply by being led, through contemplation, to what would otherwise be open only to vague intuition at best. And the mystery I am referring to, which appears to one there, is that one now comes to know what the relationship of human beings to the earth is, namely, what the relationship of human beings to the physical, mineral earth is.

[ 10 ] Ich habe ja gerade von den verschiedensten Gesichtspunkten aus dargestellt, wie, an den physischen Leib gebunden, unser Gedankengewebe zurückbleibt, und man kann außer dem, was ich jetzt geschildert habe, was sich spiegelt und was uns in erkenntnismäßiger Weise zum ewigen Wesenskern des Menschen führt, auch dasjenige erkennen, was die Natur des Spiegels selber ist, den man da vor sich hat. Ich möchte sagen: So wie man in der physischen Welt einen Spiegel vor sich hat und im Spiegel die Welt, die vor einem ist, mit einem selbst erscheint, so erscheint einem die geistige Welt im übersinnlichen Erkennen durch diesen Spiegel. Aber gerade so, wie man den Spiegel mit seinem Belag nun auch betasten kann, wie man ihn untersuchen kann in seiner Wesenheit, so kann man auch diesen Spiegel des Übersinnlichen, nämlich unseren physischen und unseren Ätherleib untersuchen, wenn man mit seinem eigentlichen geistig-seelischen Wesen außerhalb desselben gedrungen ist.

[ 10 ] I have just described from a wide variety of perspectives how, bound to the physical body, our fabric of thought remains behind; and in addition to what I have now described—that which is reflected and which leads us, through knowledge, to the eternal core of the human being—one can also recognize the very nature of the mirror itself that one has before one. I would like to say: Just as in the physical world one has a mirror before oneself and sees in the mirror the world that lies before one, together with oneself, so does the spiritual world appear to us through this mirror in supersensible cognition. But just as one can now touch the mirror with its coating, just as one can examine it in its essence, so too can one examine this mirror of the supersensible—namely, our physical and etheric bodies—when one has stepped outside of them with one’s true spiritual-soul being.

[ 11 ] Und da zeigt sich, daß ja der Mensch während seines Erdenlebens fortwährend aus der Außenwelt zu seinem Wachstum, zu seinem ganzen Leben, die Stoffe dieser Außenwelt aufnimmt. Wir nehmen allerdings Stoffe aus dem tierischen, aus dem pflanzlichen Reiche auf, aber in allen diesen Stoffen, die wir aus dem tierischen, aus dem pflanzlichen Reiche aufnehmen, sind ja durchaus auch die mineralischen Substanzen enthalten. In den Pflanzen sind die mineralischen Substanzen enthalten, denn die Pflanze baut sich aus den Mineralsubstanzen auf. Indem wir zum Beispiel Pflanzennahrung zu uns nehmen, bauen wir dann unseren eigenen Leib aus mineralischen Substanzen auf. Und hier zeigt sich, indem wir nun zurückblicken auf unseren physischen Leib von außerhalb, welches eigentlich die Bedeutung ist dieser mineralischen Stoffe, die wir aufnehmen. Denn was man durch das gewöhnliche Bewußtsein gar nicht einmal leicht ahnen kann, das zeigt sich jetzt der Anschauung: wie das Denken waltet. Wir haben ja das Denken zurückgelassen. Die Gedanken glimmen, möchte ich sagen, weiter, leuchten weiter im physischen Leibe, den wir anhaben. Also wir können die Wirkung der Gedanken im physischen Leibe nun von außerhalb wie ein Objektives sehen. Und wir sehen, daß die Wirkung der Gedanken auf den physischen Leib des Menschen die ist, daß die physischen Substanzen aufgelöst werden, eigentlich in einem gewissen Sinne in nichts zerfallen. Ich weiß, daß ich scheinbar jetzt gegen das Gesetz von der Erhaltung der Kraft spreche, allein die Zeit reicht nicht aus, um dasjenige auch hier jetzt erörtern zu können, was zeigt, daß meine Angaben in voller Harmonie mit diesem Gesetz stehen. Ich muß mich in Anbetracht der Natur der Sache etwas populär ausdrücken. Es kann aber verständlich sein, daß eigentlich das, was in den Menschen als rein Mineralisches eingegliedert wird, was er als rein Mineralisches in sich trägt, daß das in ihm sein muß, weil es aufgelöst werden muß durch die Gedanken. Die Gedanken könnten nicht da sein — denn das ist ihre Lebensbedingung —, wenn sie nicht mineralische, irdische Substanzen — wie man in früheren, mehr ahnungsvollen Geisteswissenschaften auch sagt — auflösen würden. Dieses Auflösen, gewissermaßen dieses Fällen physischer Substanzen, das ist das, was die physische Vermittlung des Denkens ist.

[ 11 ] And this shows that, during their earthly life, human beings are constantly absorbing substances from the external world for their growth and for their entire life. We do, of course, take in substances from the animal and plant kingdoms, but all these substances we take in from the animal and plant kingdoms also contain mineral substances. Plants contain mineral substances, for the plant builds itself up from these mineral substances. For example, when we consume plant-based food, we build our own physical body from mineral substances. And here, as we now look back at our physical body from the outside, the true significance of these mineral substances we take in becomes clear. For what is not even easily discerned through ordinary consciousness now reveals itself to our perception: how thinking operates. We have, after all, left thinking behind. The thoughts, I would say, continue to smolder, continue to shine within the physical body we wear. So we can now observe the effect of thoughts on the physical body from the outside, as if it were an objective entity. And we see that the effect of thoughts on the human physical body is that the physical substances are dissolved—in a certain sense, they disintegrate into nothing. I know that I now seem to be speaking against the law of conservation of energy, but there is not enough time here to discuss what would show that my statements are in full harmony with this law. In view of the nature of the matter, I must express myself in somewhat popular terms. But it can be understood that what is actually incorporated into human beings as purely mineral—what they carry within themselves as purely mineral—must be present in them because it must be dissolved by thoughts. Thoughts could not exist—for that is their condition of life—if they did not dissolve mineral, earthly substances—as was also stated in earlier, more intuitive spiritual sciences. This dissolution, this breaking down of physical substances, so to speak, is what constitutes the physical mediation of thought.

[ 12 ] Man lernt jetzt erkennen, indem man mit seinem gefühls- und willensmäßigen Menschen, also mit dem eigenen menschlichen Inneren in seinem physischen und in seinem ätherischen Leibe ist, und durchdrungen ist von dem Denken, daß dieses Denken dann abläuft dadurch, daß fortwährend mineralische, physische Substanz vernichtet wird. Man lernt jetzt erkennen, wie eigentlich unser gewöhnliches Bewußtsein verläuft. Es verläuft nicht in der Weise, daß die Wachstumskräfte, die sich im sonstigen Organismus mit Hilfe der Nahrungsaufnahme entwickeln, in uns walten. In demselben Sinne, in dem die Wachstumskräfte rege werden in uns, wird ja gerade das Denken abgedämpft. Im Aufwachen muß das Denken, ich möchte sagen, freie Berätigung darin erlangen, die physische Materie aufzulösen, auszuscheiden aus dem physischen Leib. Und das Nervensystem des Menschen ist für anthroposophische Geisteswissenschaft gerade dasjenige Organ, welches durch den ganzen Körper hindurch die Abscheidung des Mineralisch-Physischen vermittelt. Und in dieser Abscheidung des Mineralisch-Physischen entwickelt sich auch gerade eben dasjenige Denken, das wir sonst gewöhnlich durch die Welt tragen.

[ 12 ] We now come to realize, by being present with our emotional and volitional self—that is, with our own inner human being—within our physical and etheric bodies, and by being permeated by thought, that this thinking process occurs through the continuous destruction of mineral, physical substance. One now learns to recognize how our ordinary consciousness actually functions. It does not function in such a way that the growth forces, which develop in the rest of the organism through the intake of food, are at work within us. In the very same sense that the growth forces become active within us, thinking is actually dampened. Upon waking, thinking must, I might say, gain free rein in dissolving physical matter and excreting it from the physical body. And for anthroposophical spiritual science, the human nervous system is precisely the organ that mediates the excretion of the mineral-physical throughout the entire body. And it is precisely in this separation of the mineral-physical that the very thinking we otherwise usually carry through the world develops.

[ 13 ] Sie sehen also, daß man durch anthroposophische Geisteswissenschaft nicht allein das Ewige kennenlernt, sondern daß man auch die Art und Weise kennenlernt, wie dieses Ewige des Menschen in dem physischen Leibe wirkt, wie also zum Beispiel das Denken nur dadurch da sein kann, daß der Mensch immer weiter und weiter das Mineralische, das heißt das Tote, in sich entwickelt. Und so können wir sagen: Wenn wir in dieser Weise den Menschen kennenlernen, dann lernen wir den Tod auch noch auf eine andere Weise kennen, als ich es schon geschildert habe. Der Tod tritt uns sonst als der Abschluß des Lebens, als ein Moment des Lebens, als ein einmaliges Erlebnis entgegen. Wenn man in dieser Weise den physischen und den ätherischen Leib des Menschen, ich möchte sagen, durchleuchtet, dann lernt man den langsam verlaufenden Tod, das heißt das Abscheiden von mineralisch-physischer Substanz — und das Sterben ist ja nichts anderes, als daß man die mineralisch-physische Substanz auf einmal abscheidet —, man lernt das fortwährend dauernde Abscheiden eines Leichnamhaften in uns kennen. Man lernt erkennen, daß man eigentlich von der Geburt an partiell immer stirbt, und nur dann, wenn wir mit dem ganzen Leib dasselbe machen, was wir sonst nur durch das Nervensystem in einem kleinen Teil des Leibes machen durch das ganze Leben hindurch, dann sterben wir.

[ 13 ] So you see that through anthroposophical spiritual science, one not only comes to know the eternal, but also comes to know the way in which this eternal aspect of the human being works within the physical body—how, for example, thinking can exist only because the human being continually develops the mineral, that is, the dead, within themselves. And so we can say: When we come to know the human being in this way, we also come to know death in a different way than I have already described. Otherwise, death appears to us as the conclusion of life, as a moment in life, as a one-time experience. When one, so to speak, examines the physical and etheric bodies of the human being in this way, one comes to understand the slow process of death—that is, the gradual shedding of mineral-physical substance—and dying is, after all, nothing other than the sudden shedding of this mineral-physical substance— one comes to know the ceaseless shedding of a corpse-like element within us. One comes to realize that, in fact, we are always dying in part from the moment of birth, and only when we do with the entire body what we otherwise do throughout our entire life only through the nervous system in a small part of the body—only then do we die.

[ 14 ] Man lernt also den Moment des Todes anschauen, indem man ihn im Kleinen durchschaut in der Arbeit des Denkens im menschlichen Organismus. Und der Mensch kann die ganze Zeit, die er durchmacht nach dem Tode, deshalb auf seinen physischen Leib zurückblicken, weil folgendes da ist. Denken Sie doch nur, wenn im gewöhnlichen Leben irgendein Gedanke in Ihnen aufhellt, aufleuchtet, dann ist immer das zugrunde liegend im physischen Leibe, daß ja, wie in einer Salzlösung, wenn sie gefällt wird, die physische Materie sich abscheidet, in Ihnen physische Materie sich abscheidet. Das Aufleuchten des Gedankens verdanken Sie gewissermaßen dieser Trübe, dieser Abscheidung von physischer, von mineralischer Substanz. Indem Sie den physischen Leib verlassen, summiert sich für den ganzen Leib in einer verhältnismäßig kurzen Zeit dasjenige, was Sie in fortwährendem Gedankenleben haben. Sie haben also das vor sich, daß Sie im Tode wie auf einmal aufleuchten sehen, was durch Ihr ganzes Erdenleben von der Geburt bis zum Tode langsam geglommen, geleuchtet hat.

[ 14 ] One thus learns to observe the moment of death by examining it on a small scale in the workings of thought within the human organism. And the human being can look back on his physical body throughout the entire period he experiences after death because of the following fact. Just think: when, in ordinary life, a thought brightens or flashes within you, the underlying process in the physical body is always that—just as in a salt solution when it is allowed to settle—physical matter precipitates; physical matter precipitates within you. In a sense, you owe the flash of thought to this cloudiness, this precipitation of physical, mineral substance. As you leave the physical body, what you have accumulated in your continuous life of thought is summed up for the entire body in a relatively short time. You are thus faced with the fact that in death you see, as if all at once, what has slowly glowed and shone throughout your entire earthly life, from birth to death.

[ 15 ] Und durch diesen mächtigen Eindruck, in dem das Gedankenleben wie ein mächtiger Blitz die Seele überstrahlt, bekommt der Mensch die Erinnerung an sein physisches Erdenleben. Der physische Leib kann nur ganz abfallen; der Ätherleib kann sich ganz auflösen im allgemeinen Weltenäther. Dadurch, daß man diesen mächtigen, einmaligen Gedankeneindruck bekommen hat — für Mathematiker möchte ich sagen: dieses Gedankenintegral, gegenüber den Gedankendifferentialen, von der Geburt bis zum Tode —, dadurch hat man nun, wenn man auch das Physische, das Ätherische abgeworfen hat, in der ganzen Zeit nach dem Tode dieses physische Erdenleben jederzeit wie ein Spiegelndes vor sich, durch das sich alles das zeigt, was man jetzt erlebt, wenn nach und nach heraufkommen die menschlichen Wesen, mit denen man schicksalsmäßig in Liebe oder in Haß verbunden ist, wenn auftauchen jene geistigen Wesen, die in der Geisteswelt vorhanden sind und die nicht auf die Erde heruntersteigen, in deren Gemeinschaft man jetzt auch eintritt. Der Geistesforscher darf das ruhig sagen, denn er weiß, daß er nicht aus irgendwelchen Wahngebilden heraus redet, sondern er weiß, daß sich diese Dinge dem übersinnlichen Schauen als ebensolche Realitäten ergeben, wenn dieses übersinnliche Schauen eben eintritt durch das Organ des physischen und Ätherleibes, die jetzt draußen sind, er weiß, daß diese Dinge geschaut werden, wie sonst geschaut werden durch die physischen Augen die physischen Farben, durch die physischen Ohren die physischen Töne.

[ 15 ] And through this powerful impression, in which the life of thought illuminates the soul like a mighty flash of lightning, the human being regains the memory of his physical life on Earth. The physical body can only fall away completely; the etheric body can dissolve entirely into the general world ether. Because one has received this powerful, unique thought-impression—for mathematicians, I would say: this “thought integral,” as opposed to the “thought differentials” from birth to death—therefore, even after one has cast off the physical and the etheric, one has, throughout the entire time after death, this physical earthly life before one at all times like a mirror, through which everything one now experiences is revealed: as, little by little, the human beings with whom one is fatefully bound in love or hatred come into view; as those spiritual beings emerge who exist in the spiritual world but do not descend to Earth, and into whose community one now also enters. The spiritual researcher may say this with confidence, for he knows that he is not speaking from some delusion, but rather that these things reveal themselves to supersensible vision as realities in their own right, when this supersensible vision occurs through the organs of the physical and etheric bodies, which are now outside, he knows that these things are perceived just as physical colors are otherwise perceived by the physical eyes and physical sounds by the physical ears.

[ 16 ] So also gliedert sich Menschheitsentwickelung der Weltentwickelung ein. Wenn man die Weltentwickelung betrachtet, sagen wir zum Beispiel das mineralische Erdenleben, dann begreift man, warum die mineralischen Erdengesetze da sind. Sie sind da, damit sie auch in uns sein können, und das Denken ist daher an die Erde gebunden. Aber indem man sieht, wie die Geschöpfe, die ihr Denken mit der Erde verbunden haben, aus dem heraustreten, was das Denken hervorruft, lernt man auch erkennen, wie der Mensch sich in seiner eigentlichen Wesenheit über das bloß Irdische erhebt. Das ist es, was Weltentwickelung an die Menschheitsentwikkelung anknüpft, sie mit ihr verbindet. Man lernt den Menschen erkennen, und man lernt dadurch auch die Welt erkennen. Lernt man den physischen Leib des Menschen erkennen, wie er durch das Denken mineralisiert wird, so lernt man von dem physischen Leib des Menschen aus auch die tote, mineralisierte Erde kennen. Dadurch ist die Grundlage geschaffen für die Erkenntnis der Weltentwickelung auch ihrer geistigen Seite nach.

[ 16 ] This is how human development fits into the development of the world. When we consider the development of the world—for example, the mineral life of the Earth—we come to understand why the mineral laws of the Earth exist. They exist so that they may also be present within us, and thinking is therefore bound to the Earth. But by seeing how creatures whose thinking is bound to the Earth emerge from what thinking brings forth, one also learns to recognize how human beings, in their true essence, rise above the merely earthly. This is what links the development of the world to the development of humanity, connecting the two. One learns to recognize human beings, and through this one also learns to recognize the world. If one learns to recognize the human physical body as it is mineralized through thinking, then, starting from the human physical body, one also comes to know the dead, mineralized earth. This lays the foundation for understanding world evolution, including its spiritual aspect.

[ 17 ] Wenn man in dieser Weise das menschliche Innere kennenlernt, dann ist es mit der Weltentwickelung so, wie es mit den gewöhnlichen irdischen Erlebnissen ist, die man seit seiner Geburt durchgemacht hat. Wenn Sie jetzt aus Ihren möglichen Gedächtnisschätzen heraus irgend etwas holen, was Sie als ein Erlebnis vor zehn Jahren durchgemacht haben, so tritt ein Vergangenes, das Sie erlebt haben, im Bilde vor Ihrer Seele auf. Sie wissen genau aus den Lebenszusammenhängen, daß das im Bilde auftritt. Aber das Bild schafft Ihnen eine Erkenntnis dessen, was objektiv vor zehn Jahren da war. Wodurch? Weil Vorgänge im Organismus zurückgeblieben sind, die Ihnen jetzt das Bild heraufrufen. In Ihrem Organismus sind Vorgänge zurückgeblieben, die rufen in Ihnen das Bild hervor, und dadurch können Sie aus dem Bilde dasjenige vor sich wiederum — wie ich es hier einmal genannt habe — konstruieren, was Sie vor zehn Jahren erlebt haben. Aber durch die übersinnliche Erkenntnis kommt man ja tiefer in das menschliche Innere hinein. Man lernt zum Beispiel erkennen, wie während des Denkens der physische Leib sich mineralisiert, ebenso wie man ein Erlebnis, das man gehabt hat seit der Geburt, erkennen lernt durch das, was man in sich selber trägt, durch die Spuren, die es in einem zurückgelassen hat.

[ 17 ] When one comes to know the inner human being in this way, the development of the world is just like the ordinary earthly experiences one has gone through since birth. If you now draw from your store of memories something you experienced ten years ago, a past event that you lived through appears as an image before your soul. You know precisely from the context of life that this appears as an image. But the image provides you with an understanding of what objectively existed ten years ago. How? Because processes have remained within your organism that now evoke the image for you. Processes have remained within your organism that bring forth the image within you, and through this you can, from the image, reconstruct before yourself—as I once called it here—what you experienced ten years ago. But through supersensible knowledge, one penetrates deeper into the human inner being. One learns, for example, to recognize how the physical body mineralizes during thinking, just as one learns to recognize an experience one has had since birth through what one carries within oneself, through the traces it has left behind.

[ 18 ] Ebenso erkennt man die Entwickelung der Erde aus der Entwickelung des Menschen. Aus dem, was das Mineralische im Menschen tut, lernt man die Aufgabe des Mineralreichs in der Erdenentwickelung kennen. Und lernt man in derselben Weise erkennen, wie ich es Ihnen jetzt dargestellt habe — ich kann es nur erwähnen, die einzelne Darstellung würde zu weit führen —, wie das Pflanzenreich mit dem Menschen verbunden ist, wie das Tierreich mit dem Menschen verbunden ist — denn auch das kann man kennenlernen —, dann kann man vom Menschen aus die Weltentwickelung kennenlernen. Und innerhalb dieser Weltentwickelung ergibt sich dann etwas, was nun wiederum so wichtig ist für den, der sich für die heutige Zivilisation interessiert, wie das wichtig ist, was ich für die eigentliche Erkenntnis des menschlichen Wesens, des ewigen Wesenskernes des Menschen erwähnt habe.

[ 18 ] Similarly, one can recognize the evolution of the Earth through the evolution of humankind. From what the mineral element does within the human being, one comes to understand the role of the mineral kingdom in the Earth’s evolution. And if one learns to recognize in the same way—as I have just described to you (I can only mention this briefly, as a detailed explanation would take us too far afield)—how the plant kingdom is connected to the human being, and how the animal kingdom is connected to the human being—for this, too, can be understood—then one can come to understand the evolution of the world through the human being. And within this world evolution, something then emerges that is just as important for those interested in today’s civilization as what I have mentioned regarding the true understanding of the human being, the eternal core of the human being.

[ 19 ] Wir haben ja erlebt in der neueren Zivilisation, daß es gelungen ist, wenigstens bis zu einem gewissen Grade — wenn die betreffenden Theorien, oder wie manche meinen, Hypothesen auch noch manches Unklare, Ergänzungsbedürftige, Modifikationsbedürftige enthalten —, den Menschen in seinem Verhältnis zur Weltentwickelung so zu betrachten, daß wir ihn anschließen an die Entwickelung der Tiere. Wir verfolgen das, was sich von den einfachsten organischen Wesen herauf entwickelt bis zu den höheren Tieren, dann weiter, und wir gelangen dann dazu, den Menschen an die Spitze der tierischen Entwickelung zu stellen. Der eine tut es so, der andere so, der eine in einer mehr idealistischen, der andere mehr in einer materialistischen Andeutung der darwinistischen Evolutionslehre, aber methodisch wird heute kaum jemand leugnen, daß wir — was übrigens seit längerer Zeit gepflogen worden ist —, wenn wir seiner physischen Natur nach den Menschen nach naturwissenschaftlicher Methode kennenlernen wollen, ihn anreihen müssen an die Tierreihe. Wir müssen untersuchen, wie sein Haupt, sein Kopf umgestaltet ist gegenüber den Köpfen der verschiedenen Tierarten, wir müssen seine Gliedmaßen untersuchen und so weiter. Wir bekommen dadurch dasjenige, was man vergleichende Anatomie, vergleichende Morphologie, vergleichende Physiologie nennt, und wir bekommen dann auch Vorstellungen über die Art und Weise, wie sich im Verlauf der Weltentwickelung der Mensch seiner physischen Gestalt nach aus den niederen Wesen heraus gebildet hat. Aber wir bleiben dabei immer im Gebiete des Physischen. Man nimmt heute dem anthroposophischen Geistesforscher übel, daß er von der geistigen Welt in der Weise spricht, wie ich es mir erlaubt habe, in diesem Vortrage zu tun. Man sieht das von vielen Seiten als eine Phantasterei an; wenn auch manche glauben, daß es eine gutgemeinte Phantasterei ist, sie sehen es als eine Phantasterei an.

[ 19 ] We have indeed seen in modern civilization that it has been possible, at least to a certain extent—even if the relevant theories, or as some believe, hypotheses, still contain many unclear points and require further elaboration or modification—to view human beings in their relationship to the development of the world in such a way that we place them in the context of the development of animals. We trace the progression from the simplest organic beings up to the higher animals, and then further still, and we thus arrive at the conclusion that humans stand at the pinnacle of animal evolution. One person does it this way, another that way; one adopts a more idealistic interpretation of Darwinian evolutionary theory, another a more materialistic one, but methodologically, hardly anyone today would deny that—as has, incidentally, been the practice for quite some time—if we wish to understand human beings according to their physical nature using the scientific method, we must place them within the animal kingdom. We must examine how the human head is structured in comparison to the heads of various animal species; we must examine the human limbs, and so on. Through this we arrive at what is called comparative anatomy, comparative morphology, and comparative physiology, and we thereby also gain insights into the way in which, in the course of world evolution, human beings have developed their physical form from lower beings. But in doing so, we always remain within the realm of the physical. Today, the anthroposophical spiritual researcher is criticized for speaking about the spiritual world in the way I have taken the liberty of doing in this lecture. Many regard this as mere fantasy; even if some believe it to be well-intentioned fantasy, they still regard it as fantasy.

[ 20 ] Wer sich nur ein wenig bekanntmacht mit dem, was ich geschildert habe, wer es nur überhaupt vornimmt, der wird sehen, daß die Vorbereitungen dazu ebenso ernst sind, wie zum Beispiel die Vorbereitungen zum Betreiben der Mathematik, daß daher gar keine Rede davon sein kann, daß man hineinsegelt in irgendein phantastisches Gebiet. Wie aber einem auf der einen Seite übelgenommen wird, daß man von der geistigen Welt als einer realen, anschaubaren Welt spricht, so wird einem auf der anderen Seite übelgenommen, daß man in bezug auf die physische Entwickelung des Menschen sich eigentlich im vollen Sinne des Wortes zu denjenigen bekennt, die in darwinistischer Weise, in ganz disziplinierter Naturwissenschaft die Tierreihe bis herauf zum Menschen verfolgen. Es darf eben durchaus nicht in das, was physisch betrachtet wird, hineinspekuliert werden und allerlei im Physischen schon gesucht werden, wie es heute schon wieder der Neo-Vitalismus tut. Der spekuliert tief hinein; der alte Vitalismus hat es auch getan. Indem man die physische Welt betrachtet, muß man beim Physischen stehen bleiben.

[ 20 ] Anyone who familiarizes themselves even a little with what I have described—or who even merely sets out to do so—will see that the preparations for this are just as serious as, for example, the preparations for studying mathematics; therefore, there can be no question of “sailing off” into some fantastical realm. But just as, on the one hand, people take offense at the fact that one speaks of the spiritual world as a real, perceptible world, so, on the other hand, they take offense at the fact that, with regard to the physical development of the human being, one actually, in the full sense of the word, aligns oneself with those who, in a Darwinian manner and within the framework of strictly disciplined natural science, trace the animal kingdom all the way up to the human being. One must simply not speculate about what is considered physical and seek all manner of things within the physical realm, as Neo-Vitalism is doing once again today. It speculates deeply into it; the old Vitalism did so as well. When observing the physical world, one must remain within the realm of the physical.

[ 21 ] Deshalb betrachtet es der anthroposophische Geistesforscher, der es auf der einen Seite wagt, in gewisser Weise über die Verhältnisse nach dem Tode und vor der Geburt zu sprechen, wie ich es hier getan habe, nicht als Vorwurf, beziehungsweise er erträgt den Vorwurf leicht, wenn man ihm dann sagt, daß, wenn er die physische Welt beschreibt, er dieses ganz im Sinne eines heutigen Naturforschers tue. Er träumt nichts hinein in dasjenige, was die physische Welt ist. Man mag ihn dann, wenn er die physische Welt beschreibt, selber meintwillen einen Materialisten nennen, er nimmt diesen Vorwurf hin, weil er in strengster Weise sondern will die geistige Welt, die nur durch geistige Methode betrachtet werden kann, und die physisch-sinnliche Welt, die mit den ordentlichen, disziplinierten Methoden der heutigen Naturwissenschaft betrachtet werden will. Wenn man daher dem anthroposophischen Geistesforscher sehr häufig diejenigen Anhänger zum Vowurfe macht, die nicht gerade aus einer sehr tiefen Naturwissenschaft heraus manchmal diese Naturwissenschaft abkanzeln, und die in einem gewissen hochmütigen Empfinden ihrer geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse glauben, dann auch in negativer Weise über das mitsprechen zu können, was Wissenschaftlichkeit ist, dann muß der ernste Geistesforscher wirklich das selber als etwas ganz Schmerzliches empfinden, daß leider manche, die sich auch Anhänger nennen, in dieser laienhaften, dilettantischen Weise verfahren. Es liegt aber nicht in der Natur anthroposophischer Geistesforschung. In der Natur anthroposophischer Geistesforschung liegt es eben, so streng wissenschaftlich in der äußeren Sinneswelt zu verfahren, wie man verfährt in der geistigen Welt selbst und umgekehrt.

[ 21 ] That is why the anthroposophical spiritual researcher—who, on the one hand, dares to speak in a certain way about the conditions after death and before birth, as I have done here—does not regard it as a reproach, or rather, he easily bears the reproach when he is told that, when he describes the physical world, he does so entirely in the spirit of a modern natural scientist. He does not project any fantasies onto what the physical world actually is. One might then, when he describes the physical world, be tempted to call him a materialist; he accepts this criticism because he makes a strict distinction between the spiritual world—which can only be observed through spiritual methods—and the physical-sensory world, which must be studied using the proper, disciplined methods of modern natural science. Therefore, when the anthroposophical spiritual researcher is very often reproached by those followers who—without a truly deep understanding of natural science—sometimes disparage that very science, and who, in a certain haughty sense of their spiritual-scientific insights, believe they can also have a say—albeit in a negative way—on what constitutes scientific rigor, then the serious spiritual researcher must truly find it deeply painful that, unfortunately, some who also call themselves followers proceed in this amateurish, dilettantish manner. But this is not in the nature of anthroposophical spiritual research. It is precisely in the nature of anthroposophical spiritual research to proceed just as rigorously scientifically in the external sensory world as one does in the spiritual world itself—and vice versa.

[ 22 ] Dann aber allerdings, wenn diese Voraussetzung gemacht wird, dann steht zwar der anthroposophische Geistesforscher in bezug auf die Anschauung der Weltentwickelung äußerlich ganz auf dem Boden strengster naturwissenschaftlicher Betrachtungsweise, aber er richtet zu gleicher Zeit den Blick auf die geistig-seelische Welt. Und so wie er weiß, daß — indem der Mensch als Einzelwesen embryonal in dieser physischen Welt entsteht — dies nicht bloß ein physischer Vorgang ist, sondern daß sich ein Geistig-Seelisches vereinigt mit dem menschlichen Embryo, mit dem Menschenkeim, so weiß er auch, daß in der gesamten Weltentwickelung, obzwar sie sich für den physischen Leib als Sinnesteppich ausbreitet, obwohl sie sich in ihren Naturgesetzen für das Gedankengewebe, das heißt für den ätherischen Leib, eben in der Kausalität zeigt, in den Naturgesetzen zeigt, daß diese physische Welt überall in ihrer Entwickelung durchsetzt und geleitet ist von geistigen Kräften, die ihre Führung haben durch geistige Wesenheiten, die ja auf diese Weise erkannt werden, wie ich das geschildert habe. So weiß also der anthroposophische Forscher, daß er gerade dann, wenn er im Sinne echtester Wissenschaft die äußere physische Welt betrachtet, an die richtige Grenze gelangt, wo er dann anfangen darf mit seiner Geistesforschung.

[ 22 ] However, when this premise is accepted, the anthroposophical researcher of the spirit, while outwardly standing firmly on the ground of the strictest scientific approach to the view of world development, simultaneously turns his gaze toward the spiritual-soul world. And just as he knows that—when the human being, as an individual entity, arises embryonically in this physical world—this is not merely a physical process, but that a spiritual-psychic element unites with the human embryo, with the human seed, so he also knows that in the entire development of the world, even though it unfolds before the physical body as a tapestry of sensory impressions, and although its natural laws, as they relate to the fabric of thought—that is, to the etheric body—reveal themselves precisely through causality, these natural laws show that this physical world is permeated and guided throughout its development by spiritual forces directed by spiritual beings, who are recognized in the manner I have described. Thus, the anthroposophical researcher knows that it is precisely when he observes the external physical world in the spirit of the truest science that he reaches the proper boundary, where he may then begin his spiritual research.

[ 23 ] Wenn man nun ganz gewissenhaft verfolgt hat, wie etwa Darwin selbst oder andere Darwinianer oder Haeckel die Tierreihe verfolgen bis herauf zum Menschen, und wenn man auf das wissenschaftlich Berechtigte dieser Weltentwikkelung des Menschen eingegangen ist, dann kann man, gerade wenn man sich in richtiger Weise naturwissenschaftlich an die Grenze gestellt hat, an dieser Grenze geisteswissenschaftlich die Sache weiterführen. Und da kommt man darauf, indem man sich durchdringt für die übersinnliche Erkenntnis mit einem Anschauen der Form, daß man jetzt erst lernen kann die ganze Bedeutung der Formen, wie sie uns entgegentreten im Menschenreich auf der einen Seite, im Tierreich auf der anderen Seite. Man kommt darauf, die ganze Bedeutung der Formen kennenzulernen. Jetzt sieht man, ausgerüstet mit dem, was eine übersinnliche Forschung gibt, wie das Tier — wenigstens für die meisten Tiere ist das der Fall, und die Ausnahmen werden schon erklärlich — mit seinen vier Gliedmaßen auf der Erde steht, wie das Rückgrat horizontal, parallel der Erdoberfläche gelagert ist, wie sich an diesem Rückgrat in einer ganz anderen Lage, als der Mensch seinen Kopf trägt, dieser Kopf beim Tier ausbildet. Man lernt die ganze Gestalt des Tieres, ich möchte sagen, innerlich als Kräftewirkung und auch im Verhältnis zum ganzen Kosmos kennen. Und man lernt damit die Art und Weise vergleichen, wie umgestaltet, metamorphosiert in seiner Gestalt der Mensch erscheint, der nun nur auf den zwei Gliedmaßen steht, der, ich möchte sagen, im rechten Winkel gegen das tierische Rückgrat, sein menschliches Rückgrat senkrecht auf die Erdoberfläche aufstellt, und der sein Haupt gemäß dieser Lage zum Rückgrat nun ausbildet. Man lernt, indem man sich hineinversetzt in die innere Kunst des Naturschaffens, indem man in die kosmische Kunst eindringt, die menschliche Gestalt unterscheiden von der Tiergestalt. Und man dringt in die Weltentwickelung ein, indem man aufsteigt von dem, was sonst abstrakte, konstruktive Gedanken sind, zu den Gedanken, die innerlich leben, die sich künstlerisch im Geiste gestalten.

[ 23 ] If one has carefully traced—as Darwin himself, other Darwinists, or Haeckel did—the animal kingdom all the way up to humankind, and if one has considered the scientific validity of this evolutionary development of humankind, then—precisely when one has correctly positioned oneself at the boundary from a natural-scientific perspective—one can continue the inquiry from a spiritual-scientific perspective at that very boundary. And this is where one arrives—by immersing oneself in supersensible knowledge through a contemplation of form—at the realization that only now can one learn the full significance of the forms as they appear to us in the human kingdom on the one hand, and in the animal kingdom on the other. One comes to understand the full significance of forms. Now, equipped with the insights provided by supersensible research, one sees how the animal—at least for most animals, this is the case— and the exceptions can already be explained—stands on the earth with its four limbs, how the spine is positioned horizontally, parallel to the earth’s surface, and how the head in animals develops in a position on this spine that is entirely different from the way humans carry their heads. One comes to know the entire form of the animal—I would say—internally as a play of forces and also in relation to the entire cosmos. And in doing so, one learns to compare the way in which the human being appears transformed, metamorphosed in form—standing now on only two limbs, positioning, I might say, his human spine at a right angle to the animal spine, perpendicular to the Earth’s surface, and forming his head in accordance with this position relative to the spine. By immersing oneself in the inner art of nature’s creation, by penetrating the cosmic art, one learns to distinguish the human form from the animal form. And one penetrates the development of the world by rising from what are otherwise abstract, constructive thoughts to thoughts that live inwardly, that take artistic form in the spirit.

[ 24 ] Das ist das Wichtige, daß anthroposophische Geistesforschung in dem Momente, wo sie die Weltentwickelung kennenlernen will, sich umgestaltet von dem abstrakten Erkennen, das sonst mit Recht in der Wissenschaft als das trockene, nüchterne, systematisierende Erkennen, als das kombinierende Erkennen geschildert wird, in ein konkreteres. Nicht für die höhere geistige Welt, in welche die Begriffe so eindringen müssen, wie ich es dargestellt habe, aber für die sinnliche Welt gestaltet sich nun dieses übersinnliche Erkennen noch um in eine Art künstlerischen Erfassens zunächst der Gestaltungen in der Weltentwickelung. Indem man so hinweisen muß, wie sich Wissenschaft in Kunst umgestaltet, wendet einem natürlich wiederum derjenige, der gewohnt ist, nur mit heutigen Begriffen zu denken, ein: Ja, Wissenschaft darf doch keine Kunst werden! — Nun, das kann man ja als menschliche Forderung immer sagen. Man kann sagen: Ich befehle der Weltenlogik, daß sie keine Kunst werden darf, denn wir lernen das Wirkliche nur erkennen, wenn die Gedanken an Gedanken anknüpfen und dann so an das Wirkliche herangehen. — Ja, wenn die Welt so wäre, wie der Mensch es sich einbildet, dann könnte man ablehnen, zur Kunst, zum künstlerischen Erfassen der Gestalten aufzusteigen. Wenn die Welt aber so ist, daß sie sich nur durch künstlerisches Ergreifen fassen läßt, dann muß man eben zum künstlerischen Ergreifen kommen. Und so ist es. Deshalb kamen diejenigen, die es nun mit der Erkenntnis ernst nahmen, indem sie das Organische in der Weltentwikkelung erfassen wollten, in der Tat zu einer inneren Gestaltung des abstrakten, als wissenschaftlich anerkannten Denkens, zum künstlerischen Erfassen der Welt. Und in dem Moment, wo man mit künstlerisch intuitivem Blick nun fortsetzt die gewöhnliche darwinistische Entwickelungslehre, da sieht man, daß der Mensch, als Ganzes erfaßt, nicht einfach so hingestellt werden darf, als wenn es einmal in der Welt zunächst niedere Tiere gegeben hätte, dann sich daraus etwas höhere, dann noch höhere Tiere entwickelt hätten und so fort, und dann wäre der Mensch entstanden.

[ 24 ] The important point is that, the moment anthroposophical spiritual research seeks to understand the development of the world, it transforms itself from abstract cognition—which is otherwise rightly described in science as dry, sober, systematic cognition, or combinatory cognition—into a more concrete form of cognition. Not for the higher spiritual world—into which concepts must penetrate as I have described—but for the sensory world, this supersensory cognition is now transformed into a kind of artistic grasping, initially of the forms in the development of the world. When one points out in this way how science is transformed into art, those accustomed to thinking only in terms of modern concepts will naturally object: “But science must not become art!” — Well, one can always make that claim as a human demand. One might say: “I command the logic of the world not to become art, for we learn to recognize reality only when thoughts build upon thoughts and then approach reality in this way.” — Yes, if the world were as human beings imagine it to be, then one could refuse to ascend to art, to the artistic grasping of forms. But if the world is such that it can only be grasped through artistic perception, then one must simply arrive at artistic perception. And that is how it is. That is why those who took this insight seriously—by seeking to grasp the organic aspect of world development—did in fact arrive at an inner structuring of abstract, scientifically recognized thought: the artistic perception of the world. And the moment one continues the ordinary Darwinian theory of evolution with an artistically intuitive gaze, one sees that human beings, understood as a whole, cannot simply be presented as if there had once been lower animals in the world, from which somewhat higher animals, then even higher animals, and so on, had developed, and then human beings had emerged.

[ 25 ] Eigentlich widerspricht die Embryologie, wenn man sie unbefangen studiert, einem solchen Vorstellen. Aber obwohl die neueren Forscher das biogenetische Grundgesetz aufgestellt haben, und gerade die Embryologie vergleichen mit der Phylogenie, so deuten sie, weil sie nicht zu diesem künstlerischen Begreifen der Weltgestaltung aufsteigen, das, was auch in der menschlichen Embryologie schon äußerlich einem entgegentritt, nicht im richtigen Sinne. Wenn man beim menschlichen Embryo sieht, wie sich, ich möchte sagen, aus zunächst verkümmert auftretenden Organen die Gliedmaßen ansetzen, wie eigentlich alles zuerst Kopf ist, so hat man schon die ersten Elemente zu dem, was dann das von mir gemeinte künstlerische Ergreifen der menschlichen Gestalt vollends zeigt. Man kann nicht den ganzen Menschen anreihen an die Tierreihe. Man kann nicht sagen: Der Mensch, wie er heute vor uns steht, ist ein Abkömmling der ganzen Tierreihe. Nein, das ist er nicht. Gerade derjenige, der mit echtem wissenschaftlichem Gewissen sich ganz vollständig hineinlebt in den wissenschaftlichen Darwinismus, wie er heute die Weltentwickelung darstellt, der wird darauf kommen, daß er im höheren Erkennen gar nicht einfach den ganzen Menschen an das Ende, an die Spitze der Tierreihe hinstellen kann, sondern da muß er das menschliche Haupt als solches, den menschlichen Kopf studieren. Denn dieser menschliche Kopf allein ist der Abkömmling der ganzen Tierreihe. So sonderbar, so paradox das klingt, dasjenige, was man gewöhnlich als das Vollkommenste beim Menschen ansieht, das ist umgestaltet aus der Tierreihe.

[ 25 ] In fact, when studied objectively, embryology contradicts such a conception. But although modern researchers have established the fundamental law of biogenetics and specifically compare embryology with phylogeny, they fail to interpret—precisely because they do not rise to this artistic understanding of the world’s structure—what is already evident even externally in human embryology in the correct sense. When one observes in the human embryo how, I might say, the limbs develop from organs that initially appear stunted, and how everything is essentially a head at first, one already has the first elements of what then fully reveals the artistic grasp of the human form that I have in mind. One cannot simply place the entire human being in the animal lineage. One cannot say: The human being, as he stands before us today, is a descendant of the entire animal lineage. No, he is not. Precisely the person who, with a genuine scientific conscience, immerses himself completely in scientific Darwinism—as it represents the development of the world today—will come to realize that, in higher understanding, he cannot simply place the entire human being at the end, at the pinnacle of the animal kingdom; rather, he must study the human head as such. For this human head alone is the descendant of the entire animal kingdom. As strange and paradoxical as it may sound, what is usually regarded as the most perfect aspect of the human being is a transformation of the animal kingdom.

[ 26 ] Gehen Sie mit diesem Gedanken an ein wirkliches Studium des menschlichen Kopfes. Studieren Sie von da aus, aber mit einem gewissen morphologisch-künstlerischen Sinn, wie die Unterkieferknochen umgewandelte Gließmaßen sind, die Oberkieferknochen umgewandelte Gliedmaßen sind, wie alles im Haupte umgewandelte, erhöhte, gesteigerte Tiergestalt ist, dann werden Sie im Haupte des Menschen, im Kopfe des Menschen erkennen, daß auf höherer Stufe das erscheint, was in den Tieren in der verschiedensten Weise ausgebildet ist. Dann werden Sie auch erkennen, warum das SO 1st. Wenn Sie das Tier ansehen, dann sehen Sie, wie sein Kopf an der einen Seite des Rückgrates hängt, und wie er beim echten Tiere ganz der Schwerkraft unterworfen ist. Sehen Sie sich dagegen in der Stellung des Menschen in dem Kosmos das menschliche Haupt an. Das menschliche Haupt ist auf der vertikal gerichteten Rückgratlinie aufgestellt. Das menschliche Haupt ruht so auf dem übrigen Menschen, daß dieser übrige Mensch gewissermaßen das Haupt davor schützt, bloß der Schwerkraft zu unterliegen. Das menschliche Haupt ist wirklich etwas, das am menschlichen übrigen Organismus als etwas verhältnismäßig Selbständiges angebracht ist. Und man kommt schon dazu, zu begreifen, daß das menschliche Haupt, indem es getragen wird von dem übrigen Organismus, eigentlich dahinfährt, wie derjenige, der eine Kutsche benützt, in der Kutsche dahinfährt. Der übrige Organismus ist es, der das menschliche Haupt durch die Welt trägt. Das menschliche Haupt hat seine umgewandelten Gliedmaßen, die gewissermaßen zusammengeschrumpft sind. Es ist aufgesetzt dem übrigen Organismus. Dieser übrige Organismus verhält sich zum menschlichen Kopfe, wie sich beim Tiere die ganze Erde mit ihrer Schwerkraft zum Tiere verhält. Der Mensch ist seinem eigenen übrigen Organismus so zugegliedert hinsichtlich seines Kopfes, wie das ganze Tier der Erde zugegliedert ist. Man beginnt jetzt aus der Weltentwickelung den Menschen zu verstehen. Und schreitet man fort in einer solchen Erkenntnis der menschlichen Gestalt mit erkenntnismäßigem künstlerischem Sinn, dann kommt man dazu, zu begreifen, wie der menschliche Kopf die Fortsetzung der Tierreihe ist, wie aber der übrige Organismus gewissermaßen erst ein später, ein aus der Erde hinzuerworbenes Glied ist, erst angesetzt ist an den menschlichen Kopf. Und so kommt man dazu, jetzt erst die Menschheitsentwickelung zu begreifen. Wenn wir in frühere, ältere Zeiten zurückgehen, dann dürfen wir in den Menschen in diesen uralten Zeiten nichts anderes suchen als dasjenige, was zugrunde gelegen hat seiner heutigen Kopfbildung. Wir dürfen nicht in diesen alten Zeiten seine Gliedmaßen, seine Brustbildung suchen; die haben sich erst später angesetzt. Aber wenn wir in der Weise, wie ich es geschildert habe vom Menschen aus, so wie wir durch das Gedächtnis ein früheres Erlebnis anschauen, so die Weltentwickelung anschauen, finden wir, daß der Mensch seine Weltentwickelung schon gefunden hat, als zum Beispiel unsere höheren Tiere noch gar nicht da waren. Damals waren allerdings andere Tierformen vorhanden, aus denen sich der menschliche Kopf gebildet hat, aber dasjenige, was die heutigen höheren Tiere sind, das war noch gar nicht da. So daß man sagen kann — nehmen wir jetzt eine spätere Erdenperiode —: Der Mensch hat, indem er sich fortgebildet hat, seinen Kopf herausgebildet aus früheren Tierwesen, indem er beseelt worden ist von seinem Geistigen. Daher konnte er den Kopf steigern gegenüber dem, was er früher war. Dann hat er angesetzt seine Gliedmaßen aus den gesetzmäßigen Kräften der Erde. Die Tiere, die nun nachgekommen sind, konnten sich nur so weit bilden, als der Mensch mit Ausschluß des Kopfes gebildet ist. Sie haben ihre Entwickelung später angefangen, sind daher nicht bis zu der menschlichen Kopfbildung gekommen. Sie bleiben mit der Erde verbunden; der Mensch sondert sich ab von der Erde. Das zeigt, wie es Sinn hat, wenn man sagt: Der Mensch ist so in die Weltentwickelung eingegliedert, daß er zwar mit der Tierreihe verwandt ist, daß er aber durch seine geistige Bildung aus ihr herausgehoben worden ist, daß die Tiere, die erst nachgekommen sind mit ihrer Entwickelung, eben nur so viel noch entwickeln konnten, als der Mensch dann an seinen Gliedmaßen und seinem Rumpf sich entwickelt hat. Der Kopf blieb verkümmert, weil eine längere Entwickelungsreihe, wie sie der Mensch gehabt hat, hätte vorangehen müssen, um so weit zu kommen, daß die Kopfbildung entsteht.

[ 26 ] With this in mind, embark on a genuine study of the human head. From there, study—but with a certain morphological and artistic sensibility—how the lower jawbones are transformed limbs, how the upper jawbones are transformed limbs, how everything in the head is transformed, elevated, and enhanced animal form—then you will recognize in the human head that what is developed in animals in the most varied ways appears at a higher level. Then you will also recognize why this is SO. When you look at an animal, you see how its head hangs on one side of the spine, and how, in a true animal, it is entirely subject to gravity. In contrast, consider the human head in relation to the human being’s position in the cosmos. The human head is positioned along the vertically oriented spinal column. The human head rests upon the rest of the human body in such a way that the rest of the body, so to speak, protects the head from being subjected solely to gravity. The human head is truly something attached to the rest of the human organism as a relatively independent entity. And one comes to understand that the human head, by being carried by the rest of the organism, actually travels along just as someone who uses a carriage travels along in it. It is the rest of the organism that carries the human head through the world. The human head has its transformed limbs, which have, so to speak, shrunk together. It is set upon the rest of the organism. This rest of the organism relates to the human head just as, in the case of an animal, the entire Earth with its gravity relates to the animal. The human being is connected to the rest of his own organism with regard to his head just as the entire animal is connected to the Earth. One now begins to understand the human being through the evolution of the world. And if one proceeds in such an understanding of the human form with an artistic sensibility grounded in knowledge, one comes to grasp how the human head is the continuation of the animal lineage, while the rest of the organism is, in a sense, only a later member acquired from the earth—one that has only been attached to the human head. And so one comes to understand human evolution only now. When we go back to earlier, more ancient times, we must look for nothing else in the human beings of those primeval times than that which lay at the foundation of their present-day head structure. We must not look for their limbs or their chest structure in those ancient times; these were added only later. But if we view the development of the world in the same way I have described it with regard to human beings—just as we look back on a past experience through memory—we find that human beings had already attained their stage of development when, for example, our higher animals did not yet exist at all. At that time, of course, other animal forms existed from which the human head was formed, but what today’s higher animals are did not yet exist at all. So one can say—let us now take a later period of Earth’s history—that as the human being continued to evolve, he developed his head out of earlier animal beings by being animated by his spiritual nature. This is why he was able to develop his head beyond what it had been before. Then he developed his limbs from the natural forces of the Earth. The animals that came later could only develop to the extent that human beings have developed, excluding the head. They began their development later and therefore did not reach the stage of human head formation. They remain connected to the Earth; human beings separate themselves from the Earth. This shows how meaningful it is to say: Human beings are integrated into the development of the world in such a way that, although they are related to the animal kingdom, they have been elevated above it through their spiritual development; the animals, which came later in their evolution, were able to develop only to the extent that human beings had already developed their limbs and torso. The head remained underdeveloped because a longer series of evolution, such as that undergone by human beings, would have had to precede it in order to reach the stage at which the head could develop.

[ 27 ] So wandelt sich um durch künstlerisches Anschauen der Weltentwickelungsgestaltungen die ganz gewissenhaft aufgenommene darwinistische Theorie, soweit sie heute naturwissenschaftlich berechtigt ist. Und der Mensch wird dadurch erkannt als in der Weltentwickelung so enthalten, daß er eine längere Entwickelungsvorzeit hinter sich hat als die Tiere, daß die Tiere dasjenige, was er dem Kopf nur ansetzt, als ihre Hauptgestalt entwickeln. Und in dieser Weise kommt der Mensch dazu, daß, während die Tiere an die Schwerkraft gebunden sind, ihr unterworfen sind, er einen Teil seines Wesens heraushebt aus der Schwerkraft. Alles dasjenige, was unser Kopf mit den Sinnesorganen ist, das ist der Schwerkraft enthoben, das wendet sich daher nicht zu der schweren Materie, zu der ponderablen Materie, das wendet sich nach dem Äther, der eingegliedert ist der Sinneswelt. Das tun vorzugsweise die Sinne. Wenn wir näher darauf eingehen könnten, würde sich das schon zeigen. In dieser Weise ist zum Beispiel auch das menschliche Gehörorgan abhängig von einer ätherischen Struktur, nicht nur von der Luftstruktur.

[ 27 ] Thus, through an artistic contemplation of the forms of world development, the Darwinian theory—which has been adopted with the utmost diligence—is transformed, to the extent that it is scientifically valid today. And through this, human beings are recognized as being so embedded in the development of the world that they have a longer period of pre-development behind them than the animals; the animals develop as their primary form that which human beings merely attach to their heads. And in this way, while the animals are bound to and subject to gravity, human beings are able to lift a part of their being out of gravity. Everything that constitutes our head in conjunction with the sense organs is liberated from gravity; therefore, it does not turn toward heavy matter—toward ponderable matter—but rather toward the ether, which is integrated into the sensory world. This is primarily the work of the senses. If we could examine this more closely, it would become apparent. In this way, for example, the human organ of hearing is also dependent on an etheric structure, not merely on the structure of air.

[ 28 ] Durch alles das gliedert sich der Mensch nicht nur der schwermateriellen Welt ein, sondern er gliedert sich auch der ätherischen Außenwelt ein. Er nimmt durch die Ätherwelt zum Beispiel dasjenige wahr, was ihm das Licht in der Farbenwelt hervorzaubert, und so weiter. Er erhebt sich aus der schweren Materie zum freien Äther herauf schon durch seine äußere Gestalt, und wir sehen daher in einer anderen Weise in die Weltentwickelung hinein, als das möglich ist, wenn wir nicht durch Naturwissenschaft heraufsteigen zur Geisteswissenschaft.

[ 28 ] Through all of this, human beings not only integrate themselves into the world of dense matter, but also into the ethereal outer world. Through the ethereal world, for example, they perceive what light conjures up for them in the world of colors, and so on. Human beings rise from dense matter up into the free ether simply through their outward form, and we therefore gain a different perspective on the development of the world than is possible if we do not ascend from the natural sciences to the spiritual sciences.

[ 29 ] Aber wir sehen auch, was an dem Menschen das GeistigSeelische tut, sehen, wie wir heraufsteigen müssen bis zum Künstlerischen, wenn wir den Menschen zu begreifen suchen. Aber wir müssen auch noch weiter heraufsteigen; wir müssen zum Beispiel sagen können: Für seine geistig-seelische, gefühlsmäßige, willensmäßige Wesenheit muß man von Einsamkeit und vom Zusammenleben mit anderen sprechen wie von theoretischen Begriffen, wie ich es heute geschildert habe. Man muß heraufsteigen zur moralischen Welt, und kommt zuletzt zur religiösen Welt, Diese Welten gliedern sich zusammen als ein Ganzes.

[ 29 ] But we also see what the spiritual-soul aspect does to the human being; we see how we must ascend to the artistic realm if we seek to understand the human being. But we must ascend even further; we must, for example, be able to say: With regard to his spiritual-soul, emotional, and volitional nature, one must speak of solitude and of living together with others as theoretical concepts, as I have described today. One must ascend to the moral world, and ultimately arrives at the religious world. These worlds are structured together as a whole.

[ 30 ] Wenn wir im Sinn der heutigen Zivilisation nach den Gewohnheiten der naturwissenschaftlichen Denkweise den Menschen betrachten, dann finden wir die starre wissenschaftliche Naturnotwendigkeit, welcher der Mensch eingegliedert ist. Wir finden aber auf der anderen Seite, wie der Mensch sich seiner Würde nur bewußt werden kann, wenn er sagen kann: Ich bin wahrhaft Mensch nur, wenn ich in mir die moralisch-religiösen Impulse fühle. — Aber wenn man ehrlich sich auf naturwissenschaftlichen Boden stellt, dann bleiben einem für Erdenanfang und Erdenende lediglich Hypothesen, die uns am Anfange sprechen von dem Kant-Laplaceschen Weltennebel, am Ende vom Wärmetod.

[ 30 ] When we view human beings in the context of today’s civilization, according to the habits of scientific thinking, we find the rigid scientific necessity of nature into which human beings are integrated. On the other hand, however, we find that human beings can only become aware of their dignity when they can say: I am truly human only when I feel the moral and religious impulses within me. — But if one honestly stands on the ground of natural science, then all that remains regarding the beginning and end of the Earth are mere hypotheses—ones that speak to us, at the beginning, of the Kant-Laplacean cosmic nebula, and at the end, of heat death.

[ 31 ] Wenn man nun gegenüber dem, was als naturwissenschaftliche Anforderung an uns gestellt wird, nur im Sinne der heutigen Zivilisation dasjenige betrachtet, was sich uns als moralisch-religiöse Welt intuitiv enthüllt — ich habe das getan in meiner «Philosophie der Freiheit» —, wenn man das anschaut, so muß man sagen: Eigentlich täuscht man sich einen Nebel vor. Kann man denn noch glauben, daß, wenn die Erde durch den Wärmetod geht, etwas anderes da sein würde im naturwissenschaftlichen Sinne, als der Tod auch aller Ideale? Da tritt Geisteswissenschaft, Anthroposophie ein und zeigt, wie das Geistig-Seelische eine Realität ist, wie es am Physischen arbeitet, wie es in der menschlichen Gestalt in die Weltentwickelung hinein den Menschen gestellt hat, und daß man zurückschauen muß auf ganz andere animalische Wesen, als die heutigen Tiere es sind, daß man die Methode der heutigen Naturwissenschaft zwar beibehalten kann, aber andere Resultate bekommt. Dadurch gliedert Anthroposophie das Moralische, das Religiöse in die Wissenschaft ein. Dadurch wird Anthroposophie moralisch-religiöse Erkenntnis. Wir blicken nun nicht bloß mehr hin auf den Kant-Laplaceschen Urnebel, wir blicken zugleich hin auf ein ursprünglich Geistiges, aus dem heraus dasjenige, was geistig-seelisch in der Anthroposophie aufgezeigt wird, ebenso sich entwickelt hat, wie sich das Physische aus eben dem physischen Erdenursprung entwickelt hat. Und wir blicken hin zum Erdenende, können zeigen, weil die Entropiegesetze vollberechtigt sind, daß die Erde mit einer Art von Wärmetod enden wird. Aber wir blicken ebenso darauf hin, wie wir hinblicken vom anthroposophischen Gesichtspunkte auf das Ende des einzelnen Menschen. Der Leichnam wird den Elementen übergeben, der Mensch geht in eine geistige Welt ein. So blicken wir auf das Erdenende. Die wissenschaftlichen Resultate beirren uns nicht weiter, denn wir wissen: Alles dasjenige, was an Geistig-Seelischem die Menschen entwickelt haben, es wird, wenn die Erde einmal nicht mehr sein wird, ebenso durch die Todespforte der Erde hinaus zu neuen Weltentwickelungen gehen, wie der Mensch, wenn er durch seinen einzelnen Tod geht, zu neuen Weltentwickelungen geht.

[ 31 ] If, in light of the demands placed on us by the natural sciences, we consider—solely from the perspective of today’s civilization—that which intuitively reveals itself to us as a moral-religious world—as I did in my *Philosophy of Freedom*—if we look at this, we must say: In reality, we are deluding ourselves with a fog. Can one still believe that, when the Earth undergoes heat death, there would be anything else there—in the scientific sense—other than the death of all ideals as well? This is where spiritual science, anthroposophy, steps in and shows how the spiritual-soul aspect is a reality, how it works upon the physical, how it has placed the human being within the course of world evolution in human form, and that one must look back to animal beings quite different from today’s animals; that while one can retain the methods of modern natural science, one arrives at different results. In this way, anthroposophy integrates the moral and the religious into science. In this way, anthroposophy becomes moral-religious knowledge. We no longer look merely at the Kant-Laplacean primordial nebula; we also look at an original spiritual reality from which that which is revealed as spiritual and soul-related in anthroposophy has developed just as the physical world has developed from the very same physical origin of the Earth. And we look toward the end of the Earth; we can show—because the laws of entropy are fully valid—that the Earth will end in a kind of heat death. But we look at this just as we look, from the anthroposophical point of view, at the end of the individual human being. The physical body is returned to the elements; the human being enters a spiritual world. Thus we look toward the end of the Earth. The scientific findings do not further mislead us, for we know: everything that human beings have developed in the spiritual and soul realms will, once the Earth ceases to exist, pass through the Earth’s gate of death toward new world developments, just as the human being, when passing through his or her individual death, proceeds toward new world developments.

[ 32 ] Und indem man die Erde also überblickt, da erst sieht man in die Mitte ihrer Entwickelung das Ereignis von Golgatha gestellt. Da sieht man, wie dieses Ereignis von Golgatha hineingestellt ist in die Mitte der Erdentwickelung, weil vorher nur Kräfte in dieser Erdentwickelung waren, die längst den Menschen zu einer Art Ablähmung seiner Kräfte hätten führen müssen. Man lernt wirklich erkennen — das kann ich hier nur zum Schlusse erwähnen —, daß so wie in der pflanzlichen, wie in der tierischen Befruchtung etwas Besonderes eintritt in dem befruchteten Organismus, so durch außerirdische geistige Welten im Mysterium von Golgatha etwas hereingetragen ist in die Erdentwickelung, das nun weiterlebt, die Seelen begleitet, bis sie am Erdenende zu anderen Verwandlungsformen unseres Erdendaseins sich wandeln. Ich müßte tagelang zu Ihnen sprechen, wenn ich Ihnen den Weg zeigen wollte, der in strenger wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit führt von dem, was ich Ihnen heute dargestellt habe über die Menschheitsentwickelung und Weltentwickelung, zu dem, was dann das Mysterium von Golgatha, was das Auftreten der Christus-Wesenheit im irdischen Zusammenhang ist.

[ 32 ] And when one surveys the Earth in this way, only then does one see the event of Golgotha placed at the very center of its evolution. There one sees how this event of Golgotha is placed at the very center of Earth’s evolution, because prior to that there were only forces at work in this evolution that should long ago have led humanity to a kind of atrophy of its powers. One truly comes to recognize—and I can only mention this here in conclusion—that just as in plant and animal fertilization something special occurs within the fertilized organism, so, through extraterrestrial spiritual worlds in the Mystery of Golgotha, something has been brought into Earth’s evolution that now lives on, accompanying the souls until, at the end of the Earth’s existence, they transform into other forms of our earthly existence. I would have to speak to you for days on end if I were to show you the path that leads, with strict scientific rigor, from what I have presented to you today regarding human and world evolution to what the Mystery of Golgotha is—that is, the appearance of the Christ Being in the earthly context.

[ 33 ] Aber manches Wort wird dann aus den Evangelien gerade durch die geisteswissenschaftliche Vertiefung in einer ganz anderen Weise heraufleuchten, als das bisher möglich war für das abendländische Bewußtsein. Denken wir uns einmal nur: Wenn wir uns ganz auf naturwissenschaftlichen Boden stellen, müssen wir hinschauen auf das physische Erdenende. Und derjenige, der dann weiter diesen naturwissenschaftlichen Boden verfolgt, der wird auch verfolgen können, wie das, was schließlich die Erde mit der Sternenwelt umgibt, wie auch das verfällt. Er wird hinschauen auf eine Zukunft, wo diese Erde unten nicht mehr sein wird, wo diese Sterne oben nicht mehr sein werden. Aber die Gewißheit kommt aus dieser Geisteswissenschaft, daß das, was jeden Abend herausgeht aus dem physischen und dem Ätherleib, und des Morgens wieder hineingeht, daß dieses Ewige weiterlebt, geradeso wie es weiterlebt, wenn sein einzelner Leib abfällt. Wenn von allen Menschenseelengeistern die ganze Erde abfällt, dieses Ewige lebt weiter zu neuen planetarischen, zu neuen Weltentwickelungsphasen.

[ 33 ] But some words in the Gospels will then, precisely through spiritual scientific deepening, shine forth in a completely different way than has been possible for Western consciousness up to now. Let us just imagine: If we stand entirely on the ground of natural science, we must look toward the physical end of the Earth. And whoever then continues to follow this path of natural science will also be able to see how that which ultimately surrounds the Earth—the world of the stars—also decays. They will look toward a future in which this Earth below will no longer be, and these stars above will no longer be. But spiritual science provides the certainty that what emerges each evening from the physical and etheric bodies—and returns to them in the morning—that this eternal essence lives on, just as it lives on when its individual body falls away. When the entire Earth is shed by all human souls and spirits, this eternal essence lives on into new planetary phases, into new phases of world development.

[ 34 ] Und jetzt klingt uns in einer ganz wunderbaren Weise aus dem Evangelium entgegen das Christus-Wort: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. — Und es schließt sich an das Pauluswort: Nicht ich, sondern der Christus in mir. — Und wenn das von dem Christen, von demjenigen, der innerlich das Christentum also versteht, wirklich empfunden wird, wenn der Christ sich sagt: Nicht ich, sondern der Christus in mir — und wenn er versteht das Wort des Christus: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte — das heißt dasjenige, was in meinem Ewigen liegt — werden nicht vergehen —, dann leuchtet in merkwürdiger Weise aus diesem Evangelium etwas heraus wie ein allerdings Ehrfurcht hervorzauberndes Wort, das jedoch, wenn man ehrlich ist, nicht so ohne weiteres verstanden werden kann.

[ 34 ] And now, in a truly wonderful way, Christ’s words resound to us from the Gospel: “Heaven and earth will pass away, but my words will never pass away.” — And this is followed by Paul’s words: “Not I, but Christ in me.” — And when this is truly felt by the Christian—by the one who thus understands Christianity inwardly—when the Christian says to himself, “Not I, but Christ in me”—and when he understands Christ’s words: “Heaven and earth will pass away, but my words—that is, that which lies in my Eternal Self—will not pass away”—then something shines forth from this Gospel in a remarkable way, like a word that certainly inspires awe but which, if one is honest, cannot be understood so readily.

[ 35 ] Tritt man mit Geisteswissenschaft, wie sie im anthroposophischen Sinne gemeint ist, heran an diese und viele andere solche Worte, die aus dem Geistesdunkel der Weltentwickelung, der Erden- und Menschheitsentwickelung uns entgegentreten, strahlt ein Licht auf sie. Es ist schon so, als wenn ein Licht strahlte auf ein solches Wort, wie das: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen — wenn wir es hertönen hören aus derjenigen Gegend, in der sich abgespielt hat das Mysterium von Golgatha, durch das die ganze Erdenentwickelung ihren Sinn erst eigentlich bekommen hat.

[ 35 ] When we approach these and many other such words—which confront us from the spiritual darkness of world evolution, the evolution of the Earth and of humanity—with spiritual science as understood in the anthroposophical sense, a light shines upon them. It is indeed as if a light were shining upon a word such as this: “Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away”—when we hear it resound from the very region where the Mystery of Golgotha took place, through which the entire development of the Earth has truly come to have its meaning.

[ 36 ] Und so sehen wir, wie durch Geisteswissenschaft, wie sie als Anthroposophie gemeint ist, erstrebt wird allerdings ein gewissenhaftes Beharren bei den strengen Sinnesmethoden, aber auch ein Fortführen dieser strengen Wissenschaftsmethode bis zu denjenigen Gebieten, in denen uns entgegenstrahlt unser eigenes ewiges Wesen, in denen uns aber auch entgegenstrahlt das geistige Wesen der Weltentwickelung, in denen uns das Licht erscheint, in welchem die WeltentwickeJung selber mit ihren geistigen Kräften und geistigen Wesenheiten in ihrer Geistgöttlichkeit erscheint.

[ 36 ] And so we see how spiritual science, as understood in the context of anthroposophy, strives not only to adhere conscientiously to rigorous sensory methods, but also to extend this rigorous scientific method into those realms where our own eternal being shines forth toward us, where the spiritual essence of world evolution also shines forth toward us, and where the light appears in which world evolution itself, with its spiritual forces and spiritual beings, appears in its spiritual divinity.

[ 37 ] Lassen Sie mich das zum Schlusse dieser Betrachtungen — daß Sie ihnen Ihr Interesse zugewendet haben, dafür bin ich sehr dankbar — aussprechen, daß geisteswissenschaftliche Anthroposophie voll verstehen kann, wie sich die neuere Menschheit, gerade die wissenschaftlich gewissenhafte neuere Menschheit, daran gewöhnt hat, das für wahr und sicher zu halten, was aus der kausalen, aus der naturwissenschaftlichen Erkenntnis, aus der äußeren Sinnesbeobachtung und aus der verstandesmäßigen Kombination der Sinnesbeobachtungen und des Experimentes erfolgt. Gewißheit hat man daran gelernt. Und indem man zunächst diese Gewißheit an dem gelernt hat, hat man sich hineingelebt in eine gewisse Empfindung überhaupt dem gegenüber, was «gewiß» sein kann. Bisher hat man noch nicht versucht, in derselben Weise zu verfolgen, was übersinnlich ist, wie man verfolgt hat das, was sinnlich ist. Man hat daher diese Gewißheit noch nicht hineingetragen in die übersinnlichen Welten. Man glaubt heute noch, man müsse bei einem bloßen Glauben stehenbleiben den übersinnlichen Welten gegenüber, bei einem ehrfurchtsvollen Ahnen, weil sonst das Geheimnis verlorengehe, weil sonst das Übersinnliche rationalisiert würde. Geisteswissenschaft versucht nicht, das Geheimnis zu rationalisieren, die ehrfürchtige Scheu zu vertreiben, die der Mensch vor den Geheimnissen hat. Sie führt durch Schauen den Menschen vor diese Geheimnisse hin. Sie läßt es Geheimnis sein, aber sie stellt es so in das Gebiet der Weltentwickelung, wie sonst die sinnlichen Dinge im Gebiete der Weltentwickelung stehen.

[ 37 ] Let me conclude these reflections by saying—and I am very grateful that you have taken an interest in them— for which I am very grateful—that anthroposophy, as a spiritual science, can fully understand how modern humanity—especially the scientifically conscientious segment of modern humanity—has become accustomed to regarding as true and certain that which arises from causal, natural-scientific knowledge, from external sensory observation, and from the intellectual synthesis of sensory observations and experimentation. People have learned certainty from this. And by first learning this certainty in this way, they have developed a certain general attitude toward what can be “certain.” So far, no attempt has been made to investigate the supersensible in the same way that the sensible has been investigated. Consequently, this certainty has not yet been carried into the supersensible worlds. People still believe today that one must remain at the level of mere faith when faced with the supersensible worlds—at the level of a reverent sense of the mysterious—because otherwise the mystery would be lost, because otherwise the supersensible would be rationalized. Spiritual science does not attempt to rationalize the mystery or to dispel the reverent awe that human beings feel toward mysteries. Through contemplation, it leads human beings to these mysteries. It allows them to remain mysteries, but it places them within the realm of world development in the same way that sensory phenomena are situated within that realm.

[ 38 ] Und wahr muß es sein, daß der Mensch auch Gewißheit braucht für das, was über das bloße Natürliche hinaus liegt. In dem Maße, in dem der Mensch empfinden wird, daß er durch Geisteswissenschaft, wie sie im anthroposophischen Sinne gemeint ist, nicht ein vages, ein dilettantisches, ein verschwommenes Herumreden über die Welten hört, sondern etwas, was durchzogen ist von demselben Geiste, wie er sich in der neueren Wissenschaft äußert, in demselben Maße wird auch die Menschheit fühlen und empfinden, daß die Gewißheit, die wir uns angeeignet haben, die wir gewohnt worden sind aus der sinnlichen Welt zu erhalten, auch hinübergetragen werden kann in die geistigen Welten. Und man wird fühlen: Hätten wir zwar Gewißheit, aber nur für die sinnliche Welt, was hülfe uns diese Gewißheit, wenn die sinnliche Welt vergeht? — Der Mensch braucht ein Ewiges, denn er will selber in einem Ewigen wurzeln. Er kann nicht hingeben, die Gewißheit dafür, daß sie nur für das Vergängliche gelten soll. Er muß auch das Unvergängliche der wirklichen Gewißheit, der Erkenntnisgewißheit erobern.

[ 38 ] And it must be true that human beings also need certainty regarding what lies beyond the merely natural. To the extent that human beings come to feel that spiritual science—as understood in the anthroposophical sense—does not offer a vague, amateurish, or hazy rambling about the worlds, but rather something imbued with the same spirit that expresses itself in modern science—to that same extent, humanity will also feel and sense that the certainty we have acquired, which we have become accustomed to deriving from the sensory world, can also be carried over into the spiritual worlds. And people will feel: Even if we had certainty—but only for the sensory world—what good would that certainty do us when the sensory world passes away? — Human beings need something eternal, for they themselves wish to be rooted in the eternal. They cannot accept that certainty should apply only to the transitory. They must also attain the imperishable nature of true certainty, of certainty born of knowledge.

[ 39 ] In allerbescheidenstem Maße — das weiß derjenige, der heute mit anthroposophischer Geisteswissenschaft sich befaßt — will das heute diese anthroposophische Geisteswissenschaft. Sie will, daß der Mensch nicht verliere über der natürlichen Gewißheit ein Wissen von dem Unvergänglichen, über der Gewißheit von dem Vergänglichen die Gewißheit über das Unvergängliche. Gewißheit über das Unvergängliche, damit Gewißheit über die Rätsel der Geburt und des Todes, über das Rätsel der Unsterblichkeit, über die Rätsel der geistigen Weltentwickelungen will Anthroposophie in unsere Zivilisation hereinbringen. Und damit glaubt sie mitarbeiten zu können an dieser Zivilisation. Denn in demselben Maße, in dem der Mensch hier das mutige Anerkennen faßt, daß Gewißheit auch für das Unvergängliche, nicht nur für das Vergängliche erobert werden muß, in demselben Maße wird man sich gewöhnen, Anthroposophie nicht mehr als phantastisch und als das müßige Spiel einzelner hinzustellen, sondern als etwas, was so wie die anderen Wissenschaften sich unserer gesamten Geistkultur, und damit unserer Zivilisation überhaupt, eingliedern muß.

[ 39 ] In the most modest way possible—as anyone who studies anthroposophical spiritual science today knows—this is what anthroposophical spiritual science seeks today. It seeks to ensure that human beings do not lose, above the certainty of the natural world, a knowledge of the imperishable; above the certainty of the transitory, the certainty of the imperishable. Anthroposophy seeks to bring into our civilization a certainty about the imperishable—and thus a certainty about the mysteries of birth and death, about the mystery of immortality, and about the mysteries of spiritual world developments. And in this way, it believes it can contribute to this civilization. For to the same extent that human beings here come to courageously acknowledge that certainty must be attained not only for the transitory but also for the imperishable, to that same extent will people become accustomed to no longer to regard anthroposophy as fanciful or as the idle pastime of a few, but as something that, just like the other sciences, must become an integral part of our entire spiritual culture—and thus of our civilization as a whole.