The Reality of the Higher Worlds
GA 79
2 December 1921, Oslo
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Die Wirklichkeit der höheren Welten
6. Die Notwendigkeit einer Kulturerneuerung
6. Die Notwendigkeit einer Kulturerneuerung
[ 1 ] Für den heutigen Abend wurde gewünscht, daß ich sprechen solle über das Thema «Die Notwendigkeit einer Kulturerneuerung». Nun habe ich mir erlaubt, im Laufe der vergangenen Tage über anthroposophische Geisteswissenschaft zu sprechen. Das ist ein Gebiet, aus dem heraus im allgemeinen der einzelne sprechen darf, wenn er glaubt, das eine oder das andere aus besonderen Forschungsergebnissen oder Impulsen seinen Mitmenschen mitteilen zu dürfen. Denn es handelt sich ja dabei um den Ausdruck eines individuellen Impulses, wenn man auch durchaus der Meinung sein muß, daß man es da mit etwas zu tun habe, das alle Mitmenschen von irgendeinem Gesichtspunkte aus angehen könne. Dem heutigen Thema gegenüber fühle ich aber durchaus anders. Wenn von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung in unserer Zeit gesprochen werden soll, dann rechtfertigt sich ein solches Thema nur, wenn man wirklich wahrnehmen kann, daß ein solches Thema einer allgemeinen Meinung entspricht, und ein Glaube oder Wille vorhanden ist zu dem, was man Kulturerneuerung nennen könnte. Es muß also der einzelne sich mehr oder weniger zum Interpreten einer allgemein herrschenden Ansicht machen. Denn willkürliche einzelne Meinungen wären einer solchen Frage gegenüber etwas, was nur Unbescheidenheit und Überhebung hervorbringen könnte. Daher entsteht vor allen Dingen die Frage: Entspricht dieses Thema einer heute allgemein herrschenden Empfindung, einer Summe von Gefühlen, die in weiteren Kreisen vorhanden sind? Man darf allerdings glauben, wenn man mit unbefangenem Blicke durchgeht, was in den Herzen, in den sonstigen Seelenstimmungen und Seelenverfassungen unserer gegenwärtigen Mitwelt vorhanden ist, daß dieses Thema von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung in vieler Beziehung gerechtfertigt ist. Sehen wir denn nicht, wie von vielen unserer Zeitgenossen auf den mannigfaltigsten Gebieten des Lebens empfunden wird, es müsse etwas hereintreten in unser Geistesleben und in die anderen Zweige unseres menschlichen Zusammenlebens, das in irgendeiner Form einem Suchen entsprechen soll, welches deutlich vorhanden ist?
[ 1 ] Für den heutigen Abend wurde gewünscht, daß ich sprechen solle über das Thema «Die Notwendigkeit einer Kulturerneuerung». Nun habe ich mir erlaubt, im Laufe der vergangenen Tage über anthroposophische Geisteswissenschaft zu sprechen. Das ist ein Gebiet, aus dem heraus im allgemeinen der einzelne sprechen darf, wenn er glaubt, das eine oder das andere aus besonderen Forschungsergebnissen oder Impulsen seinen Mitmenschen mitteilen zu dürfen. Denn es handelt sich ja dabei um den Ausdruck eines individuellen Impulses, wenn man auch durchaus der Meinung sein muß, daß man es da mit etwas zu tun habe, das alle Mitmenschen von irgendeinem Gesichtspunkte aus angehen könne. Dem heutigen Thema gegenüber fühle ich aber durchaus anders. Wenn von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung in unserer Zeit gesprochen werden soll, dann rechtfertigt sich ein solches Thema nur, wenn man wirklich wahrnehmen kann, daß ein solches Thema einer allgemeinen Meinung entspricht, und ein Glaube oder Wille vorhanden ist zu dem, was man Kulturerneuerung nennen könnte. Es muß also der einzelne sich mehr oder weniger zum Interpreten einer allgemein herrschenden Ansicht machen. Denn willkürliche einzelne Meinungen wären einer solchen Frage gegenüber etwas, was nur Unbescheidenheit und Überhebung hervorbringen könnte. Daher entsteht vor allen Dingen die Frage: Entspricht dieses Thema einer heute allgemein herrschenden Empfindung, einer Summe von Gefühlen, die in weiteren Kreisen vorhanden sind? Man darf allerdings glauben, wenn man mit unbefangenem Blicke durchgeht, was in den Herzen, in den sonstigen Seelenstimmungen und Seelenverfassungen unserer gegenwärtigen Mitwelt vorhanden ist, daß dieses Thema von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung in vieler Beziehung gerechtfertigt ist. Sehen wir denn nicht, wie von vielen unserer Zeitgenossen auf den mannigfaltigsten Gebieten des Lebens empfunden wird, es müsse etwas hereintreten in unser Geistesleben und in die anderen Zweige unseres menschlichen Zusammenlebens, das in irgendeiner Form einem Suchen entsprechen soll, welches deutlich vorhanden ist?
[ 2 ] Suchende Seelen, wir finden sie heute auf manchen Gebieten des künstlerischen Lebens. Suchende Seelen — wer sollte es nicht bemerkt haben? — finden sich vor allen Dingen in der heutigen Jugend. Gerade in der heutigen Jugend finden wir, wie etwas erwartet wird,was diese Jugend nicht finden kann in dem, was ihr aus dem allgemeinen Zeitgeiste entgegentritt. Suchende Seelen finden wir vor allen Dingen auf dem Gebiete des ethisch-religiösen Lebens. Unzählige ausgesprochene und noch mehr unausgesprochene, bloß empfundene Fragen ruhen in ethisch-religiöser Beziehung heute in den menschlichen Herzen. Und wenn wir das soziale Leben betrachten, so erscheint uns ja der Weltengang selber, alles das, möchte man sagen, was in diesen Gebieten des Lebens geschieht, wie eine große Frage: Woher soll eine Art Kulturerneuerung dieses sozialen Lebens kommen?
[ 2 ] Suchende Seelen, wir finden sie heute auf manchen Gebieten des künstlerischen Lebens. Suchende Seelen — wer sollte es nicht bemerkt haben? — finden sich vor allen Dingen in der heutigen Jugend. Gerade in der heutigen Jugend finden wir, wie etwas erwartet wird,was diese Jugend nicht finden kann in dem, was ihr aus dem allgemeinen Zeitgeiste entgegentritt. Suchende Seelen finden wir vor allen Dingen auf dem Gebiete des ethisch-religiösen Lebens. Unzählige ausgesprochene und noch mehr unausgesprochene, bloß empfundene Fragen ruhen in ethisch-religiöser Beziehung heute in den menschlichen Herzen. Und wenn wir das soziale Leben betrachten, so erscheint uns ja der Weltengang selber, alles das, möchte man sagen, was in diesen Gebieten des Lebens geschieht, wie eine große Frage: Woher soll eine Art Kulturerneuerung dieses sozialen Lebens kommen?
[ 3 ] Noch immer aber darf der einzelne, wenn er auch diese mannigfaltigsten Fragestellungen sieht, wohl nicht weiter gehen in seiner Beantwortung, als dazu, daß er meinen kann, einen kleinen Beitrag zur Beantwortung des allgemeinen Bedürfnisses auf diesem Gebiete zu geben. Und vielleicht rechtfertigen es doch gerade die Ausführungen, die ich in den verschiedenen Vorträgen der letzten Tage aus anthroposophischer Geistesforschung heraus gegeben habe, einiges mit Bezug auf unser heutiges Thema vorzubringen, weil doch — wenn diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch weiß, daß sie höchstens etwas ganz Keimhaftes geben kann und nur Anregungen zu bieten in der Lage ist für manches, was man heute sucht — diese anthroposophische Forschung gerade solche Keime geben will. Es ist versucht worden, in Dornach in der Schweiz die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, das Goetheanum, aufzurichten. Und da darf man sagen, daß wenigstens der Versuch gemacht worden ist, die einzelnen wissenschaftlichen Gebiete zu befruchten dadurch, daß in Medizin, in Naturwissenschaft, in die Soziologie, in die Geschichte, in die verschiedensten anderen Gebiete des menschlichen Forschens, zu dem, was die außerordentlichen, bedeutsamen Methoden der neuesten Zeit haben geben können, das hinzugetragen wurde, was man durch unmittelbare Forschung in der geistigen Welt selbst gewinnen kann. Und es wird gerade auf diesem Gebiete versucht, in pädagogisch-didaktischer Weise auch Praktisches durch die «Waldorfschule» in Stuttgart zu geben. Es sind sogar Versuche gemacht worden, in ökonomischer Beziehung manches zu leisten. Da muß allerdings gesagt werden: Unsere gegenwärtigen Verhältnisse sind so schwierig, daß erst die Probe wird gemacht werden müssen, ob diese ökonomischen Gründungen das in bezug auf eine wirkliche Kulturerneuerung, ich will nicht sagen, leisten können, aber anregen können, was eine größere Anzahl von Menschen heute sucht.
[ 3 ] Noch immer aber darf der einzelne, wenn er auch diese mannigfaltigsten Fragestellungen sieht, wohl nicht weiter gehen in seiner Beantwortung, als dazu, daß er meinen kann, einen kleinen Beitrag zur Beantwortung des allgemeinen Bedürfnisses auf diesem Gebiete zu geben. Und vielleicht rechtfertigen es doch gerade die Ausführungen, die ich in den verschiedenen Vorträgen der letzten Tage aus anthroposophischer Geistesforschung heraus gegeben habe, einiges mit Bezug auf unser heutiges Thema vorzubringen, weil doch — wenn diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch weiß, daß sie höchstens etwas ganz Keimhaftes geben kann und nur Anregungen zu bieten in der Lage ist für manches, was man heute sucht — diese anthroposophische Forschung gerade solche Keime geben will. Es ist versucht worden, in Dornach in der Schweiz die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, das Goetheanum, aufzurichten. Und da darf man sagen, daß wenigstens der Versuch gemacht worden ist, die einzelnen wissenschaftlichen Gebiete zu befruchten dadurch, daß in Medizin, in Naturwissenschaft, in die Soziologie, in die Geschichte, in die verschiedensten anderen Gebiete des menschlichen Forschens, zu dem, was die außerordentlichen, bedeutsamen Methoden der neuesten Zeit haben geben können, das hinzugetragen wurde, was man durch unmittelbare Forschung in der geistigen Welt selbst gewinnen kann. Und es wird gerade auf diesem Gebiete versucht, in pädagogisch-didaktischer Weise auch Praktisches durch die «Waldorfschule» in Stuttgart zu geben. Es sind sogar Versuche gemacht worden, in ökonomischer Beziehung manches zu leisten. Da muß allerdings gesagt werden: Unsere gegenwärtigen Verhältnisse sind so schwierig, daß erst die Probe wird gemacht werden müssen, ob diese ökonomischen Gründungen das in bezug auf eine wirkliche Kulturerneuerung, ich will nicht sagen, leisten können, aber anregen können, was eine größere Anzahl von Menschen heute sucht.
[ 4 ] Von diesem Suchen also lassen Sie mich zunächst sprechen. Ich kann hier natürlich nicht vom Standpunkt Ihres Volkstums aus, innerhalb dessen ich mich ja nur als Gast zu meiner tiefsten Befriedigung betrachten darf, ich kann nur vom internationalen Standpunkt aus sprechen. Wie soll aber derjenige, der Herz und Sinn und Gemüt und offene Seele hat für das, was der für die Zukunft wichtigere Teil der Menschheit heute als seine Sehnsucht vor sich hat, wie soll der, der das mit unbefangenem Sinn beobachtet, nicht zunächst seinen Blick wenden auf das Suchen der Jugend! Überall finden wir, daß gerade unsere Jugend die Sehnsucht hat, aus einem, ich möchte sagen, zunächst völlig Unbestimmten heraus, irgend etwas Neues zu empfangen. Und die ganz ernste, bedeutsame Frage muß auftauchen: Warum ist es denn so bei unserer Jugend, daß sie in dem, was wir ihr haben geben können als Alte, nicht mehr die volle Befriedigung finden kann? Und ich glaube gerade, daß dieses Suchen der Jugend zusammenhängt mit den intimsten, tiefsten Seelenimpulsen, die in der Gegenwart dieses allgemeine menschliche Suchen hervorrufen. Ich glaube, daß man auf diesem Teile allerdings tief hineinschürfen muß in die menschlichen Gemüter, wenn man das, was allerdings an der Oberfläche zu bemerken ist, das Rufen nach einer Kulturerneuerung, seinem eigentlichen Untergrunde nach beurteilen will. Man wird schon hineinschauen müssen in die vielen Tiefen des menschlichen Seelenlebens, und man wird vor allen Dingen nicht bloß fragen dürfen nach den Kultureigentümlichkeiten der unmittelbaren Gegenwart, sondern man wird den Blick über einen etwas längeren Zeitraum richten müssen.
[ 4 ] Von diesem Suchen also lassen Sie mich zunächst sprechen. Ich kann hier natürlich nicht vom Standpunkt Ihres Volkstums aus, innerhalb dessen ich mich ja nur als Gast zu meiner tiefsten Befriedigung betrachten darf, ich kann nur vom internationalen Standpunkt aus sprechen. Wie soll aber derjenige, der Herz und Sinn und Gemüt und offene Seele hat für das, was der für die Zukunft wichtigere Teil der Menschheit heute als seine Sehnsucht vor sich hat, wie soll der, der das mit unbefangenem Sinn beobachtet, nicht zunächst seinen Blick wenden auf das Suchen der Jugend! Überall finden wir, daß gerade unsere Jugend die Sehnsucht hat, aus einem, ich möchte sagen, zunächst völlig Unbestimmten heraus, irgend etwas Neues zu empfangen. Und die ganz ernste, bedeutsame Frage muß auftauchen: Warum ist es denn so bei unserer Jugend, daß sie in dem, was wir ihr haben geben können als Alte, nicht mehr die volle Befriedigung finden kann? Und ich glaube gerade, daß dieses Suchen der Jugend zusammenhängt mit den intimsten, tiefsten Seelenimpulsen, die in der Gegenwart dieses allgemeine menschliche Suchen hervorrufen. Ich glaube, daß man auf diesem Teile allerdings tief hineinschürfen muß in die menschlichen Gemüter, wenn man das, was allerdings an der Oberfläche zu bemerken ist, das Rufen nach einer Kulturerneuerung, seinem eigentlichen Untergrunde nach beurteilen will. Man wird schon hineinschauen müssen in die vielen Tiefen des menschlichen Seelenlebens, und man wird vor allen Dingen nicht bloß fragen dürfen nach den Kultureigentümlichkeiten der unmittelbaren Gegenwart, sondern man wird den Blick über einen etwas längeren Zeitraum richten müssen.
[ 5 ] Wer dies mit offenem Sinn tut, der wird finden, daß sich die besondere Seelenverfassung der Menschheit der Gegenwart in internationaler Beziehung vorbereitet hat durch die letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte, und er findet, daß diese letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte im Grunde in bezug auf die menschliche Seelenverfassung ein völlig Neues aufweisen gegenüber dem, was — bei einem wirklich unbefangenen historischen Blick sieht man es — etwa als die Geistesverfassung des Abendlandes im zehnten, elften, zwölften Jahrhundert aus früher Vorzeit noch vorhanden war. Man findet überall, wenn man in diese früheren Zeiten des abendländischen Geisteslebens zurückgeht, daß die menschliche seelisch-geistige Anschauung und die physische Anschauung, die sinnliche Anschauung nicht in dem strengen Sinne getrennt waren, wie das später der Fall geworden ist, und wie das in unserer unmittelbaren Gegenwart der Fall ist. Der Mensch der früheren Jahrhunderte, er hat, indem er seine Sinne hinausgerichtet hat in die physische Umwelt, überall in den sinnlich wahrnehmbaren Dingen auch irgend etwas Geistiges vermutet. Er hat die Welt zwar nicht mehr in dem Grade geistig vorgestellt, wie vielleicht der alte Ägypter oder der alte Grieche selbst noch, die in der Gestirnwelt die äußere Verkörperung von geistig-seelischen Wesenheiten sahen, aber er hatte noch eine Ahnung davon, daß Geistiges alles das durchdringt, was er in seiner physischen Umwelt hat. Und wiederum, wenn dieser Mensch der älteren Jahrhunderte auf sich selbst hingesehen hat, dann hat er das Physisch-Leibliche nicht streng getrennt von dem Seelischen, von dem Denken, von dem Fühlen, von dem Wollen. Ich möchte sagen, der Mensch hat sich, indem er seiner Seele sich bewußt war, auch sich bewußt gefühlt seiner Leibesglieder, seiner Leibesorgane, und er hat auch in diesen Leibesorganen in seinem eigenen Organismus etwas Seelisch-Physisches gesehen. Seelisch-Physisches hat er draußen empfunden in der Welt, Seelisch-Physisches in seinem eigenen Inneren. Und so konnte er eine gewisse Verwandtschaft fühlen, ein gewisses Vertrautsein mit seiner Weltumgebung. Er konnte sich sagen: Dasjenige, was in mir lebt, es lebt in einer gewissen Beziehung auch in der Welt, in die mich irgendwelche göttlich-geistigen Mächte, die die Welt lenken und leiten, hineingestellt haben. - Der Mensch fühlte sich verwandt und vertraut mit der Welt. Er fühlte sich gewissermaßen als ein Glied in dem großen geistig-seelisch-physischen Weltenorganismus.
[ 5 ] Wer dies mit offenem Sinn tut, der wird finden, daß sich die besondere Seelenverfassung der Menschheit der Gegenwart in internationaler Beziehung vorbereitet hat durch die letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte, und er findet, daß diese letzten drei, vier, fünf Jahrhunderte im Grunde in bezug auf die menschliche Seelenverfassung ein völlig Neues aufweisen gegenüber dem, was — bei einem wirklich unbefangenen historischen Blick sieht man es — etwa als die Geistesverfassung des Abendlandes im zehnten, elften, zwölften Jahrhundert aus früher Vorzeit noch vorhanden war. Man findet überall, wenn man in diese früheren Zeiten des abendländischen Geisteslebens zurückgeht, daß die menschliche seelisch-geistige Anschauung und die physische Anschauung, die sinnliche Anschauung nicht in dem strengen Sinne getrennt waren, wie das später der Fall geworden ist, und wie das in unserer unmittelbaren Gegenwart der Fall ist. Der Mensch der früheren Jahrhunderte, er hat, indem er seine Sinne hinausgerichtet hat in die physische Umwelt, überall in den sinnlich wahrnehmbaren Dingen auch irgend etwas Geistiges vermutet. Er hat die Welt zwar nicht mehr in dem Grade geistig vorgestellt, wie vielleicht der alte Ägypter oder der alte Grieche selbst noch, die in der Gestirnwelt die äußere Verkörperung von geistig-seelischen Wesenheiten sahen, aber er hatte noch eine Ahnung davon, daß Geistiges alles das durchdringt, was er in seiner physischen Umwelt hat. Und wiederum, wenn dieser Mensch der älteren Jahrhunderte auf sich selbst hingesehen hat, dann hat er das Physisch-Leibliche nicht streng getrennt von dem Seelischen, von dem Denken, von dem Fühlen, von dem Wollen. Ich möchte sagen, der Mensch hat sich, indem er seiner Seele sich bewußt war, auch sich bewußt gefühlt seiner Leibesglieder, seiner Leibesorgane, und er hat auch in diesen Leibesorganen in seinem eigenen Organismus etwas Seelisch-Physisches gesehen. Seelisch-Physisches hat er draußen empfunden in der Welt, Seelisch-Physisches in seinem eigenen Inneren. Und so konnte er eine gewisse Verwandtschaft fühlen, ein gewisses Vertrautsein mit seiner Weltumgebung. Er konnte sich sagen: Dasjenige, was in mir lebt, es lebt in einer gewissen Beziehung auch in der Welt, in die mich irgendwelche göttlich-geistigen Mächte, die die Welt lenken und leiten, hineingestellt haben. - Der Mensch fühlte sich verwandt und vertraut mit der Welt. Er fühlte sich gewissermaßen als ein Glied in dem großen geistig-seelisch-physischen Weltenorganismus.
[ 6 ] Das ist eine Empfindung, die wir heute nur noch wenig verstehen, weil eben in den letzten Jahrhunderten die Zeiten durchaus andere geworden sind. Und dieses Anderswerden äußert sich nicht bloß bei den Theoretikern, bei den Wissenschaftern, dieses Andersgewordensein äußert sich in jeder einzelnen Menschenbrust, in jeder einzelnen Menschenseele. Es äußert sich nicht bloß darin, wie wir wissenschaftlich heute die Welt betrachten, es äußert sich auch darin, wie wir in künstlerischem Schaffen und künstlerischem Genießen den Geist der physischen Materie einverleiben. Es äußert sich darin, wie wir im sozialen Zusammenleben dem einzelnen Mitmenschen begegnen, wie wir ihn verstehen, was wir von ihm fordern. Es äußert sich endlich auch darin, wie wir über unsere eigenen sittlich-religiösen Impulse empfinden, wie wir das Göttliche in der eigenen Brust, in der eigenen Seele erleben, wie wir zu dem stehen, was der Erde im allertiefsten Sinn den Geist des Erdenseins enträtselt hat: wie wir stehen zu dem tieferen inneren Sinn des Christentums.
[ 6 ] Das ist eine Empfindung, die wir heute nur noch wenig verstehen, weil eben in den letzten Jahrhunderten die Zeiten durchaus andere geworden sind. Und dieses Anderswerden äußert sich nicht bloß bei den Theoretikern, bei den Wissenschaftern, dieses Andersgewordensein äußert sich in jeder einzelnen Menschenbrust, in jeder einzelnen Menschenseele. Es äußert sich nicht bloß darin, wie wir wissenschaftlich heute die Welt betrachten, es äußert sich auch darin, wie wir in künstlerischem Schaffen und künstlerischem Genießen den Geist der physischen Materie einverleiben. Es äußert sich darin, wie wir im sozialen Zusammenleben dem einzelnen Mitmenschen begegnen, wie wir ihn verstehen, was wir von ihm fordern. Es äußert sich endlich auch darin, wie wir über unsere eigenen sittlich-religiösen Impulse empfinden, wie wir das Göttliche in der eigenen Brust, in der eigenen Seele erleben, wie wir zu dem stehen, was der Erde im allertiefsten Sinn den Geist des Erdenseins enträtselt hat: wie wir stehen zu dem tieferen inneren Sinn des Christentums.
[ 7 ] So kann man sagen: Was da in weitesten Kreisen gesucht wird, es wird wohl in irgendeiner Weise verwandt sein mit diesem Andersgewordensein. Und wie ist dieses Andersgewordensein? — Nun, es ist ja in den letzten Jahrhunderten das Zeitalter heraufgezogen, das man so sehr häufig nennt das Zeitalter des Intellektualismus. Es war nicht der Intellektualismus, es war nicht der abstrakte Verstandesgebrauch, der einst in früheren Jahrhunderten den Menschen so vertraut und verwandt gemacht hat mit seiner Weltumgebung, wie ich es eben andeutungsweise zu charakterisieren versuchte. Der neuere Mensch erst hat innerhalb der Entwickelung des Menschentums so recht gelernt, sein volles Vertrauen beim Betrachten der Welt, selbst beim Empfinden der Welt, dem Intellekt, dem Verstande zuzuwenden.
[ 7 ] So kann man sagen: Was da in weitesten Kreisen gesucht wird, es wird wohl in irgendeiner Weise verwandt sein mit diesem Andersgewordensein. Und wie ist dieses Andersgewordensein? — Nun, es ist ja in den letzten Jahrhunderten das Zeitalter heraufgezogen, das man so sehr häufig nennt das Zeitalter des Intellektualismus. Es war nicht der Intellektualismus, es war nicht der abstrakte Verstandesgebrauch, der einst in früheren Jahrhunderten den Menschen so vertraut und verwandt gemacht hat mit seiner Weltumgebung, wie ich es eben andeutungsweise zu charakterisieren versuchte. Der neuere Mensch erst hat innerhalb der Entwickelung des Menschentums so recht gelernt, sein volles Vertrauen beim Betrachten der Welt, selbst beim Empfinden der Welt, dem Intellekt, dem Verstande zuzuwenden.
[ 8 ] Nun ergeben sich aber für das menschliche Leben zwei Bedingungen, die zusammengehören: Innerlich der Intellektualismus, das Vertrauen auf die Autorität der Vernunft, des Verstandes, und äußerlich der Glaube an die Naturerscheinungen, der Sinn für die Beobachtung der Naturerscheinungen. Innerlich erstand dem neueren Menschen die Neigung, alles unter die Macht der vernünftigen, der verstandesmäßigen, der intellektualistischen Betrachtung zu stellen. Und da ergab sich von selbst, daß diese innerliche Fähigkeit vor allen Dingen nur anwendbar ist auf die Naturerscheinungen, auf alles, was durch die Sinne beobachtet und eben in Begriffen analysiert oder kombiniert werden kann. Diese zwei Dinge, möchte ich sagen, die einwandfreie Betrachtung des Natürlichen und die Ausbildung des Intellektuellen, das waren die beiden großen, bedeutsamen Erziehungsmittel der letzten Jahrhunderte, die Erziehungsmittel, die ihre größte Macht auf die Kulturmenschheit ausgeübt haben im 19. Jahrhundert, und die auch ihre Früchte hereingetragen haben in das 20. Jahrhundert.
[ 8 ] Nun ergeben sich aber für das menschliche Leben zwei Bedingungen, die zusammengehören: Innerlich der Intellektualismus, das Vertrauen auf die Autorität der Vernunft, des Verstandes, und äußerlich der Glaube an die Naturerscheinungen, der Sinn für die Beobachtung der Naturerscheinungen. Innerlich erstand dem neueren Menschen die Neigung, alles unter die Macht der vernünftigen, der verstandesmäßigen, der intellektualistischen Betrachtung zu stellen. Und da ergab sich von selbst, daß diese innerliche Fähigkeit vor allen Dingen nur anwendbar ist auf die Naturerscheinungen, auf alles, was durch die Sinne beobachtet und eben in Begriffen analysiert oder kombiniert werden kann. Diese zwei Dinge, möchte ich sagen, die einwandfreie Betrachtung des Natürlichen und die Ausbildung des Intellektuellen, das waren die beiden großen, bedeutsamen Erziehungsmittel der letzten Jahrhunderte, die Erziehungsmittel, die ihre größte Macht auf die Kulturmenschheit ausgeübt haben im 19. Jahrhundert, und die auch ihre Früchte hereingetragen haben in das 20. Jahrhundert.
[ 9 ] Nun ist es eine Eigentümlichkeit, daß wenn man sich dem Verstandesgebrauche hingibt, man in einer gewissen Beziehung einsam wird im innerlichen Erleben. Der Verstandesgebrauch hat etwas — es kündigt sich deutlich an in seinem Bildcharakter —, was in einer gewissen Weise dem unmittelbaren Empfinden fremd wird, was eine kalte, nüchterne Nuance des Lebens annimmt, und was sich wiederum eigentlich nur im rechten Sinne entwickeln kann an der äußeren Natur, an alledem, was den Menschen umgibt. Und man mag wohl durch eine solche Beziehung, durch ein solches Verhältnis des Menschen zur Welt, tief befriedigende Erklärungen für das Natürliche finden, aber man hat nicht in einer solchen Weise wie früher die Möglichkeit, gewissermaßen sich selbst zu finden in der äußeren Natur. Was dem Menschen früherer Jahrhunderte als Geistig-Seelisches aus der farbigen, aus der tönenden, aus der warmen und kalten Welt, aus den Jahreszeiten entgegengeleuchtet hat, das fühlte er, das erlebte er als etwas mit dem Verwandtes, was in seinem eigenen Inneren lebte. Dasjenige, was wir durch den Intellekt erfahren, das ganze äußerlich-natürliche Dasein, möchte ich sagen, alles was wir so durch die intellektualistische Forschung in Physik, in Chemie, in Biologie selbst finden, können wir nicht unmittelbar hereintragen mit unserer Empfindung in unser eigenes Menschentum. Gewiß, wir können streben, die innere menschliche organische Struktur biologisch zu erforschen, wir können so weit gehen, selbst den Chemismus des menschlichen Organismus erforschen zu wollen. Aber wir werden niemals finden können, daß das, was wir so aus der Erforschung der äußeren Natur hineintragen in das Verstehen unseres eigenen Menschentums, unsere Empfindung ergreift, daß das sich zuletzt zusammenfaßt in einer religiösen, in einer ethischen Empfindung gegenüber der Welt, daß das sich zuletzt zusammenfaßt etwa in der Empfindung: Ich bin ein Glied dieser Welt, geistig-seelisch ist sie, geistig-seelisch bin ich.
[ 9 ] Nun ist es eine Eigentümlichkeit, daß wenn man sich dem Verstandesgebrauche hingibt, man in einer gewissen Beziehung einsam wird im innerlichen Erleben. Der Verstandesgebrauch hat etwas — es kündigt sich deutlich an in seinem Bildcharakter —, was in einer gewissen Weise dem unmittelbaren Empfinden fremd wird, was eine kalte, nüchterne Nuance des Lebens annimmt, und was sich wiederum eigentlich nur im rechten Sinne entwickeln kann an der äußeren Natur, an alledem, was den Menschen umgibt. Und man mag wohl durch eine solche Beziehung, durch ein solches Verhältnis des Menschen zur Welt, tief befriedigende Erklärungen für das Natürliche finden, aber man hat nicht in einer solchen Weise wie früher die Möglichkeit, gewissermaßen sich selbst zu finden in der äußeren Natur. Was dem Menschen früherer Jahrhunderte als Geistig-Seelisches aus der farbigen, aus der tönenden, aus der warmen und kalten Welt, aus den Jahreszeiten entgegengeleuchtet hat, das fühlte er, das erlebte er als etwas mit dem Verwandtes, was in seinem eigenen Inneren lebte. Dasjenige, was wir durch den Intellekt erfahren, das ganze äußerlich-natürliche Dasein, möchte ich sagen, alles was wir so durch die intellektualistische Forschung in Physik, in Chemie, in Biologie selbst finden, können wir nicht unmittelbar hereintragen mit unserer Empfindung in unser eigenes Menschentum. Gewiß, wir können streben, die innere menschliche organische Struktur biologisch zu erforschen, wir können so weit gehen, selbst den Chemismus des menschlichen Organismus erforschen zu wollen. Aber wir werden niemals finden können, daß das, was wir so aus der Erforschung der äußeren Natur hineintragen in das Verstehen unseres eigenen Menschentums, unsere Empfindung ergreift, daß das sich zuletzt zusammenfaßt in einer religiösen, in einer ethischen Empfindung gegenüber der Welt, daß das sich zuletzt zusammenfaßt etwa in der Empfindung: Ich bin ein Glied dieser Welt, geistig-seelisch ist sie, geistig-seelisch bin ich.
[ 10 ] Diese Empfindung, sie leuchtet nicht hervor aus dem, was wir in so großartiger Weise in den letzten Jahrhunderten haben lernen können durch die Anregung der Naturwissenschaft. Und so ist es gekommen, daß gerade das, was dem Menschen die größten, bedeutsamsten Früchte gebracht hat, was das ganze moderne Dasein umgestaltet hat, daß das den Menschen sich selbst entfremdet hat. Daß der Mensch dasteht in der Welt und bewundernd aufblicken kann zu seinem mathematischen Urteile über die Raumeswelt, über die Sterne und ihre Bewegungen, daß er mit einer gewissen wissenschaftlichen Ehrfurcht dasjenige ergründen kann, was da lebt in Pflanze, Tier und so weiter, es hat, trotz aller noch ungelösten Probleme, etwas Befriedigendes, wie der Mensch auf der einen Seite die Natur auf diese Weise enträtseln kann durch die Anwendung eben dieser natürlichen Wissenschaft, durch die Anwendung seines Intellektes, seiner Vernunft, seines Verstandesgebrauches. Aber wozu der Mensch auf diesem Wege nicht kommen konnte, das ist die Erkenntnis seiner selbst. Diejenige Wissenschaft, die wir von den Sternen haben, diejenige Wissenschaft, die wir als Physik und als Chemie haben, diejenige Wissenschaft, die wir als Biologie haben, in der neueren Zeit selbst die Wissenschaft der Geschichte, sie sagen dem Menschen nichts für seine tiefste Sehnsucht in bezug auf sein eigenes Menschsein. Und dadurch kam immer mehr und mehr ein Suchen herauf.
[ 10 ] Diese Empfindung, sie leuchtet nicht hervor aus dem, was wir in so großartiger Weise in den letzten Jahrhunderten haben lernen können durch die Anregung der Naturwissenschaft. Und so ist es gekommen, daß gerade das, was dem Menschen die größten, bedeutsamsten Früchte gebracht hat, was das ganze moderne Dasein umgestaltet hat, daß das den Menschen sich selbst entfremdet hat. Daß der Mensch dasteht in der Welt und bewundernd aufblicken kann zu seinem mathematischen Urteile über die Raumeswelt, über die Sterne und ihre Bewegungen, daß er mit einer gewissen wissenschaftlichen Ehrfurcht dasjenige ergründen kann, was da lebt in Pflanze, Tier und so weiter, es hat, trotz aller noch ungelösten Probleme, etwas Befriedigendes, wie der Mensch auf der einen Seite die Natur auf diese Weise enträtseln kann durch die Anwendung eben dieser natürlichen Wissenschaft, durch die Anwendung seines Intellektes, seiner Vernunft, seines Verstandesgebrauches. Aber wozu der Mensch auf diesem Wege nicht kommen konnte, das ist die Erkenntnis seiner selbst. Diejenige Wissenschaft, die wir von den Sternen haben, diejenige Wissenschaft, die wir als Physik und als Chemie haben, diejenige Wissenschaft, die wir als Biologie haben, in der neueren Zeit selbst die Wissenschaft der Geschichte, sie sagen dem Menschen nichts für seine tiefste Sehnsucht in bezug auf sein eigenes Menschsein. Und dadurch kam immer mehr und mehr ein Suchen herauf.
[ 11 ] Und dieses Suchen ist kein anderes als das Suchen des modernen Menschen nach dem Menschen selbst. Wenn man sich noch so sehr Mühe gibt, zusammenzufassen, was Suchen auf den verschiedensten Gebieten ist, so findet man überall: Die Menschen suchen eigentlich das Rätsel ihres eigenen Selbstes, das Rätsel des Menschen zu erforschen. Das ist nicht bloß etwas, was wiederum den Theoretiker interessiert, das ist etwas, was tief eingreift in alle menschlichen Seelenverfassungen. Gewiß, es ist für jeden, der sich für solche Dinge interessiert, im höchsten Grade Sehnsucht gebärend, wenn er durch die Forschung über die Natur gerade hingewiesen wird darauf, auch zu ergründen, was außerhalb der Weiten des Naturdaseins verhüllt ist: der Mensch mit seinem Wesen, das ja doch weit über das hinausgeht, was in den äußeren Reichen der Natur erfahren werden kann. Aber ich möchte sagen: Da beginnt eigentlich erst die große Rätselfrage.
[ 11 ] Und dieses Suchen ist kein anderes als das Suchen des modernen Menschen nach dem Menschen selbst. Wenn man sich noch so sehr Mühe gibt, zusammenzufassen, was Suchen auf den verschiedensten Gebieten ist, so findet man überall: Die Menschen suchen eigentlich das Rätsel ihres eigenen Selbstes, das Rätsel des Menschen zu erforschen. Das ist nicht bloß etwas, was wiederum den Theoretiker interessiert, das ist etwas, was tief eingreift in alle menschlichen Seelenverfassungen. Gewiß, es ist für jeden, der sich für solche Dinge interessiert, im höchsten Grade Sehnsucht gebärend, wenn er durch die Forschung über die Natur gerade hingewiesen wird darauf, auch zu ergründen, was außerhalb der Weiten des Naturdaseins verhüllt ist: der Mensch mit seinem Wesen, das ja doch weit über das hinausgeht, was in den äußeren Reichen der Natur erfahren werden kann. Aber ich möchte sagen: Da beginnt eigentlich erst die große Rätselfrage.
[ 12 ] Das andere ist darin gelegen, daß wir auch unsere Empfindungen, daß wir auch unsere ganze Erziehung haben beeinflussen lassen von dem, was in dieser Art in den neueren Jahrhunderten heraufgezogen ist. Und das äußere Leben ist durchaus ein Abglanz davon. Mehr als man denkt, spiegelt sich im äußeren Leben das, was sich in der eben geschilderten Weise im Geistesleben in der neueren Menschheitsentwickelung ergeben hat.
[ 12 ] Das andere ist darin gelegen, daß wir auch unsere Empfindungen, daß wir auch unsere ganze Erziehung haben beeinflussen lassen von dem, was in dieser Art in den neueren Jahrhunderten heraufgezogen ist. Und das äußere Leben ist durchaus ein Abglanz davon. Mehr als man denkt, spiegelt sich im äußeren Leben das, was sich in der eben geschilderten Weise im Geistesleben in der neueren Menschheitsentwickelung ergeben hat.
[ 13 ] Wir fragen nicht nur theoretisch vergeblich nach dem Menschenwesen, o nein, wir gehen heute Mensch an Mensch aneinander vorbei und haben unter dem Einfluß unserer neuzeitlichen Erziehung nicht die Fähigkeit erlangt, unsere Mitmenschen innerlich zu verstehen, die Fähigkeit, mit einer Art hellseherischem Mitgefühl, wie es in vielen älteren Kulturen vorhanden war, in das hineinzuschauen, was in der menschlichen Seele lebt. Wir stellen viele Forderungen des Lebens auf, aber wir gehen in der Regel Mensch an Mensch aneinander vorbei. Wir haben nicht nur theoretisches Menschenverständnis verloren durch die angegebenen Gründe, wir haben auch empfindendes Menschenverständnis für jede Stunde des Tages, in der wir unter unseren Mitmenschen leben, verloren. Und vielleicht kann uns nichts mehr, als gerade das Auftauchen der sozialen Frage in der heutigen Form, darauf aufmerksam machen, wie wir dieses Verständnis für unsere Mitmenschen verloren haben. Warum ertönt denn eigentlich so stark der Ruf nach sozialen Reformen, nach sozialer Erneuerung? Er ertönt aus dem Grunde, weil wir eigentlich recht unsoziale Menschen geworden sind. Im Grunde fordert der Mensch gerade dasjenige immer am meisten, was ihm am meisten fehlt, und in dem lauten Rufe nach Sozialismus kündet sich eigentlich für die Ohren, die unbefangen hören können, an, daß wir solche unsoziale Menschen geworden sind, daß wir einander nicht verstehen, daß wir keinen sozialen Organismus zu bilden vermögen, und daß wir daher von unserem Verstande, der so hohe Ausbildung erfahren hat, von dem Intellektualismus erhoffen, er werde uns doch zu einem solchen sozialen Organismus wiederum zurückführen.
[ 13 ] Wir fragen nicht nur theoretisch vergeblich nach dem Menschenwesen, o nein, wir gehen heute Mensch an Mensch aneinander vorbei und haben unter dem Einfluß unserer neuzeitlichen Erziehung nicht die Fähigkeit erlangt, unsere Mitmenschen innerlich zu verstehen, die Fähigkeit, mit einer Art hellseherischem Mitgefühl, wie es in vielen älteren Kulturen vorhanden war, in das hineinzuschauen, was in der menschlichen Seele lebt. Wir stellen viele Forderungen des Lebens auf, aber wir gehen in der Regel Mensch an Mensch aneinander vorbei. Wir haben nicht nur theoretisches Menschenverständnis verloren durch die angegebenen Gründe, wir haben auch empfindendes Menschenverständnis für jede Stunde des Tages, in der wir unter unseren Mitmenschen leben, verloren. Und vielleicht kann uns nichts mehr, als gerade das Auftauchen der sozialen Frage in der heutigen Form, darauf aufmerksam machen, wie wir dieses Verständnis für unsere Mitmenschen verloren haben. Warum ertönt denn eigentlich so stark der Ruf nach sozialen Reformen, nach sozialer Erneuerung? Er ertönt aus dem Grunde, weil wir eigentlich recht unsoziale Menschen geworden sind. Im Grunde fordert der Mensch gerade dasjenige immer am meisten, was ihm am meisten fehlt, und in dem lauten Rufe nach Sozialismus kündet sich eigentlich für die Ohren, die unbefangen hören können, an, daß wir solche unsoziale Menschen geworden sind, daß wir einander nicht verstehen, daß wir keinen sozialen Organismus zu bilden vermögen, und daß wir daher von unserem Verstande, der so hohe Ausbildung erfahren hat, von dem Intellektualismus erhoffen, er werde uns doch zu einem solchen sozialen Organismus wiederum zurückführen.
[ 14 ] Gerade die soziale Frage selbst ist es, die uns zeigt, wie fremd wir einander eigentlich als Menschen geworden sind. Die religiöse Frage, sie tritt uns gerade aus dem Grunde in der Gegenwart, ja schon in der ganzen neueren Zeit entgegen, weil der Mensch eben verloren hat das unmittelbare innere Erlebnis, mit dem göttlichen Wesenskern der Welt unmittelbar zusammenzuhängen, zu erleben, wie das, was in seinem eigenen Inneren spricht, ein Ausdruck des GöttlichGeistigen ist. Wiederum entsteht aus einem Mangel heraus der Ruf nach einer religiösen Erneuerung.
[ 14 ] Gerade die soziale Frage selbst ist es, die uns zeigt, wie fremd wir einander eigentlich als Menschen geworden sind. Die religiöse Frage, sie tritt uns gerade aus dem Grunde in der Gegenwart, ja schon in der ganzen neueren Zeit entgegen, weil der Mensch eben verloren hat das unmittelbare innere Erlebnis, mit dem göttlichen Wesenskern der Welt unmittelbar zusammenzuhängen, zu erleben, wie das, was in seinem eigenen Inneren spricht, ein Ausdruck des GöttlichGeistigen ist. Wiederum entsteht aus einem Mangel heraus der Ruf nach einer religiösen Erneuerung.
[ 15 ] Wenn wir von solchen Ausgangspunkten aus nun tiefer in das Leben, in unser heutiges suchendes Leben hineinschauen, dann finden wir ja doch, daß die intellektuelle Kultur, das intellektuelle Anschauen, das selbst das menschliche Gefühl allmählich hat erblassen lassen, im Grunde genommen etwas ist, was gebunden ist an ein bestimmtes Lebensalter des Menschen. Wir dürfen uns keiner Täuschung hingeben, keiner Illusion hingeben: Der einzelne individuelle Mensch erwacht für den Intellekt im Grunde genommen erst mit der Geschlechtsreife, mit dem Jünglingsalter. Er erwacht für den Intellektualismus in derjenigen Zeit seines Lebens, in der er heraustreten soll, um im Leben zu arbeiten. Aber der Intellektualismus ist nichts von dem, was uns eigen sein kann, was unsere Seele bewegen kann, wenn wir Kind sind oder wenn wir unmittelbar nach dem kindlichen Alter im Schulalter stehen. In diesem jugendlichen Menschenalter muß die Seelenverfassung eine andere sein, als sie später sein kann. Und das Intellektualistische, das im Leben der heutigen Menschheit brauchbar ist, es kann sich nicht ausleben, es darf sich gar nicht ausleben im jugendlichen Alter, denn es müßte erkältend, ertötend, lähmend auf die Kräfte des Jugendalters wirken. Und so ist es eigentlich gekommen — man muß eben in intimere Einzelheiten des Lebens hineinschauen, wenn man die suchende Gegenwart verstehen will —, daß wir hineinwachsen in eine Kultur, die uns, so paradox es klingt, in unserem reifen Lebensalter um die schönsten Erinnerungen unserer Kindheit bringt.
[ 15 ] Wenn wir von solchen Ausgangspunkten aus nun tiefer in das Leben, in unser heutiges suchendes Leben hineinschauen, dann finden wir ja doch, daß die intellektuelle Kultur, das intellektuelle Anschauen, das selbst das menschliche Gefühl allmählich hat erblassen lassen, im Grunde genommen etwas ist, was gebunden ist an ein bestimmtes Lebensalter des Menschen. Wir dürfen uns keiner Täuschung hingeben, keiner Illusion hingeben: Der einzelne individuelle Mensch erwacht für den Intellekt im Grunde genommen erst mit der Geschlechtsreife, mit dem Jünglingsalter. Er erwacht für den Intellektualismus in derjenigen Zeit seines Lebens, in der er heraustreten soll, um im Leben zu arbeiten. Aber der Intellektualismus ist nichts von dem, was uns eigen sein kann, was unsere Seele bewegen kann, wenn wir Kind sind oder wenn wir unmittelbar nach dem kindlichen Alter im Schulalter stehen. In diesem jugendlichen Menschenalter muß die Seelenverfassung eine andere sein, als sie später sein kann. Und das Intellektualistische, das im Leben der heutigen Menschheit brauchbar ist, es kann sich nicht ausleben, es darf sich gar nicht ausleben im jugendlichen Alter, denn es müßte erkältend, ertötend, lähmend auf die Kräfte des Jugendalters wirken. Und so ist es eigentlich gekommen — man muß eben in intimere Einzelheiten des Lebens hineinschauen, wenn man die suchende Gegenwart verstehen will —, daß wir hineinwachsen in eine Kultur, die uns, so paradox es klingt, in unserem reifen Lebensalter um die schönsten Erinnerungen unserer Kindheit bringt.
[ 16 ] Wenn wir erinnerungsmäßig darauf zurückschauen, was wir als Kind haben erleben können, so können wir das, was da oftmals im Unbewußten unten sitzt, was nur in dunklen Ahnungen, Erinnerungen, manchmal nur in Färbungen von Gedanken und Erinnerungen heraufkommen kann, nicht mit der nötigen Intensität, mit der nötigen Wärme heraufholen. Wir kommen dazu, uns selber nicht mehr ganz zu verstehen. Wir sehen auf das Leben unserer Kindheit wie auf ein Rätsel zurück. Wir verstehen nicht mehr, aus unserem ganzen, aus unserem vollen Menschen heraus zu reden und in die Sprache, die wir als Erwachsener führen, diejenige Nuance hineinzulegen, die durchklingen läßt durch diese Sprache des Erwachsenen, was das Kind in seiner lebendigen Weisheit erlebt, wenn es seine unschuldigen Augen in die Umwelt richtet, wenn es seinen Willen in den ersten Jahren des Daseins entfaltet.
[ 16 ] Wenn wir erinnerungsmäßig darauf zurückschauen, was wir als Kind haben erleben können, so können wir das, was da oftmals im Unbewußten unten sitzt, was nur in dunklen Ahnungen, Erinnerungen, manchmal nur in Färbungen von Gedanken und Erinnerungen heraufkommen kann, nicht mit der nötigen Intensität, mit der nötigen Wärme heraufholen. Wir kommen dazu, uns selber nicht mehr ganz zu verstehen. Wir sehen auf das Leben unserer Kindheit wie auf ein Rätsel zurück. Wir verstehen nicht mehr, aus unserem ganzen, aus unserem vollen Menschen heraus zu reden und in die Sprache, die wir als Erwachsener führen, diejenige Nuance hineinzulegen, die durchklingen läßt durch diese Sprache des Erwachsenen, was das Kind in seiner lebendigen Weisheit erlebt, wenn es seine unschuldigen Augen in die Umwelt richtet, wenn es seinen Willen in den ersten Jahren des Daseins entfaltet.
[ 17 ] Der studiert nicht wirklich Geschichte, der durch die Geschichte nicht wissen lernt, wie bei einer älteren Menschheit überall mitgesprochen hat die Kindheitsentwickelung, wenn die Sprache des reifen Menschen erklungen ist. Wir verbringen die Kindheit unbewußt, aber wir verbringen sie so, daß in diesem unbewußten Seelenleben noch intensiv vorhanden ist, was wir uns durch die Geburt, durch die Verbindung mit der physischen Leiblichkeit aus dem geistig-seelischen Leben, aus dem präexistenten Leben mitbringen. darf sich gar nicht ausleben im jugendlichen Alter, denn es müßte erkältend, ertötend, lähmend auf die Kräfte des Jugendalters wirken. Und so ist es eigentlich gekommen — man muß eben in intimere Einzelheiten des Lebens hineinschauen, wenn man die suchende Gegenwart verstehen will —, daß wir hineinwachsen in eine Kultur, die uns, so paradox es klingt, in unserem reifen Lebensalter um die schönsten Erinnerungen unserer Kindheit bringt.
[ 17 ] Der studiert nicht wirklich Geschichte, der durch die Geschichte nicht wissen lernt, wie bei einer älteren Menschheit überall mitgesprochen hat die Kindheitsentwickelung, wenn die Sprache des reifen Menschen erklungen ist. Wir verbringen die Kindheit unbewußt, aber wir verbringen sie so, daß in diesem unbewußten Seelenleben noch intensiv vorhanden ist, was wir uns durch die Geburt, durch die Verbindung mit der physischen Leiblichkeit aus dem geistig-seelischen Leben, aus dem präexistenten Leben mitbringen. darf sich gar nicht ausleben im jugendlichen Alter, denn es müßte erkältend, ertötend, lähmend auf die Kräfte des Jugendalters wirken. Und so ist es eigentlich gekommen — man muß eben in intimere Einzelheiten des Lebens hineinschauen, wenn man die suchende Gegenwart verstehen will —, daß wir hineinwachsen in eine Kultur, die uns, so paradox es klingt, in unserem reifen Lebensalter um die schönsten Erinnerungen unserer Kindheit bringt.
[ 18 ] Wenn wir erinnerungsmäßig darauf zurückschauen, was wir als Kind haben erleben können, so können wir das, was da oftmals im Unbewußten unten sitzt, was nur in dunklen Ahnungen, Erinnerungen, manchmal nur in Färbungen von Gedanken und Erinnerungen heraufkommen kann, nicht mit der nötigen Intensität, mit der nötigen Wärme heraufholen. Wir kommen dazu, uns selber nicht mehr ganz zu verstehen. Wir sehen auf das Leben unserer Kindheit wie auf ein Rätsel zurück. Wir verstehen nicht mehr, aus unserem ganzen, aus unserem vollen Menschen heraus zu reden und in die Sprache, die wir als Erwachsener führen, diejenige Nuance hineinzulegen, die durchklingen läßt durch diese Sprache des Erwachsenen, was das Kind in seiner lebendigen Weisheit erlebt, wenn es seine unschuldigen Augen in die Umwelt richtet, wenn es seinen Willen in den ersten Jahren des Daseins entfaltet.
[ 18 ] Wenn wir erinnerungsmäßig darauf zurückschauen, was wir als Kind haben erleben können, so können wir das, was da oftmals im Unbewußten unten sitzt, was nur in dunklen Ahnungen, Erinnerungen, manchmal nur in Färbungen von Gedanken und Erinnerungen heraufkommen kann, nicht mit der nötigen Intensität, mit der nötigen Wärme heraufholen. Wir kommen dazu, uns selber nicht mehr ganz zu verstehen. Wir sehen auf das Leben unserer Kindheit wie auf ein Rätsel zurück. Wir verstehen nicht mehr, aus unserem ganzen, aus unserem vollen Menschen heraus zu reden und in die Sprache, die wir als Erwachsener führen, diejenige Nuance hineinzulegen, die durchklingen läßt durch diese Sprache des Erwachsenen, was das Kind in seiner lebendigen Weisheit erlebt, wenn es seine unschuldigen Augen in die Umwelt richtet, wenn es seinen Willen in den ersten Jahren des Daseins entfaltet.
[ 19 ] Der studiert nicht wirklich Geschichte, der durch die Geschichte nicht wissen lernt, wie bei einer älteren Menschheit überall mitgesprochen hat die Kindheitsentwickelung, wenn die Sprache des reifen Menschen erklungen ist. Wir verbringen die Kindheit unbewußt, aber wir verbringen sie so, daß in diesem unbewußten Seelenleben noch intensiv vorhanden ist, was wir uns durch die Geburt, durch die Verbindung mit der physischen Leiblichkeit aus dem geistig-seelischen Leben, aus dem präexistenten Leben mitbringen. Wer ein Kind zu beobachten vermag, wer Seele und Sinn hat zu dieser Beobachtung, dem enthüllt sich das größte Geheimnis, wenn er sieht, wie in dem Kinde von Woche zu Woche herauskommt, was der Mensch aus einem geistig-seelischen Dasein in diese irdisch-physische Welt sich mitbringt. Dasjenige, was da unbewußt das Ewige den menschlichen Gliedern, der ganzen menschlichen Organisation einkörpert und einpulsiert, das verursacht ein innerliches Durchdrungensein mit dem Seelisch-Geistigen, dieses wird aber später wie von einem erkältenden Stoff getroffen, wenn das, was eigentlich nur für die Erdenangelegenheiten vorhanden ist, wenn der Intellekt sich darüberlegt.
[ 19 ] Der studiert nicht wirklich Geschichte, der durch die Geschichte nicht wissen lernt, wie bei einer älteren Menschheit überall mitgesprochen hat die Kindheitsentwickelung, wenn die Sprache des reifen Menschen erklungen ist. Wir verbringen die Kindheit unbewußt, aber wir verbringen sie so, daß in diesem unbewußten Seelenleben noch intensiv vorhanden ist, was wir uns durch die Geburt, durch die Verbindung mit der physischen Leiblichkeit aus dem geistig-seelischen Leben, aus dem präexistenten Leben mitbringen. Wer ein Kind zu beobachten vermag, wer Seele und Sinn hat zu dieser Beobachtung, dem enthüllt sich das größte Geheimnis, wenn er sieht, wie in dem Kinde von Woche zu Woche herauskommt, was der Mensch aus einem geistig-seelischen Dasein in diese irdisch-physische Welt sich mitbringt. Dasjenige, was da unbewußt das Ewige den menschlichen Gliedern, der ganzen menschlichen Organisation einkörpert und einpulsiert, das verursacht ein innerliches Durchdrungensein mit dem Seelisch-Geistigen, dieses wird aber später wie von einem erkältenden Stoff getroffen, wenn das, was eigentlich nur für die Erdenangelegenheiten vorhanden ist, wenn der Intellekt sich darüberlegt.
[ 20 ] Derjenige, der heute genug Selbstbeobachtung hat für diese intimen Dinge, der weiß, wie ein leiser Nebel über das gebreitet wird, was hereindringen will aus unserer Kindheit in unser reifes Bewußtsein, er weiß, wie wir gar nicht in unsere alt gewordenen Worte das hineinbringen, was so lebendig im Kinde lebt, und, weil es geistig-seelisch hereinwirkt, im Grunde genommen viel geistig-seelischer im Kinde lebt, als es später leben kann im Intellektualismus.
[ 20 ] Derjenige, der heute genug Selbstbeobachtung hat für diese intimen Dinge, der weiß, wie ein leiser Nebel über das gebreitet wird, was hereindringen will aus unserer Kindheit in unser reifes Bewußtsein, er weiß, wie wir gar nicht in unsere alt gewordenen Worte das hineinbringen, was so lebendig im Kinde lebt, und, weil es geistig-seelisch hereinwirkt, im Grunde genommen viel geistig-seelischer im Kinde lebt, als es später leben kann im Intellektualismus.
[ 21 ] Ein geistvoller Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts hat gesagt: Der Mensch lernt in den drei ersten Lebensjahren mehr als in den drei akademischen. — Ich will gewiß den Akademikern nicht im entferntesten zu nahe treten, denn ich weiß sie zu schätzen, allein, das glaube ich auch, daß wir in bezug auf unser ganzes, auf unser volles Menschentum in den ersten drei Lebensjahren, wo wir selbst noch aus unserer unbewußten Weisheit unseren Organismus gestalten, mehr lernen, als wir später jemals lernen können. Allein wir sind in unserer gegenwärtigen Kultur sehr darauf aus, diese drei wichtigsten Lehrjahre eigentlich zu vergessen, wenigstens sie nicht in der entsprechenden Weise lebendig zu machen in dem, was dann später als Ausdruck unserer vor allen Dingen durch eine solche Lehrerschaft eine Schulreform anzustreben, welche die Möglichkeit findet, aus der geistigen Verjüngung der späteren Menschenjahre wiederum zu Kindern zu sprechen wie zu echten Freunden. Denn wer eben etwas von wirklicher Geistigkeit im Leben sich angeeignet hat, für den ist jedes Kind eine Offenbarung, und er weiß, daß das Kind, das jüngere und reifere Kind, ihm jedenfalls mehr noch gibt — wenn er einen offenen Sinn dafür hat —, als er dem Kinde geben kann. So paradox das klingt, so ist es doch diejenige Nuance, die uns gerade auf diesem Gebiete zu einer Art Kulturerneuerung führen kann.
[ 21 ] Ein geistvoller Schriftsteller des 18. und 19. Jahrhunderts hat gesagt: Der Mensch lernt in den drei ersten Lebensjahren mehr als in den drei akademischen. — Ich will gewiß den Akademikern nicht im entferntesten zu nahe treten, denn ich weiß sie zu schätzen, allein, das glaube ich auch, daß wir in bezug auf unser ganzes, auf unser volles Menschentum in den ersten drei Lebensjahren, wo wir selbst noch aus unserer unbewußten Weisheit unseren Organismus gestalten, mehr lernen, als wir später jemals lernen können. Allein wir sind in unserer gegenwärtigen Kultur sehr darauf aus, diese drei wichtigsten Lehrjahre eigentlich zu vergessen, wenigstens sie nicht in der entsprechenden Weise lebendig zu machen in dem, was dann später als Ausdruck unserer vor allen Dingen durch eine solche Lehrerschaft eine Schulreform anzustreben, welche die Möglichkeit findet, aus der geistigen Verjüngung der späteren Menschenjahre wiederum zu Kindern zu sprechen wie zu echten Freunden. Denn wer eben etwas von wirklicher Geistigkeit im Leben sich angeeignet hat, für den ist jedes Kind eine Offenbarung, und er weiß, daß das Kind, das jüngere und reifere Kind, ihm jedenfalls mehr noch gibt — wenn er einen offenen Sinn dafür hat —, als er dem Kinde geben kann. So paradox das klingt, so ist es doch diejenige Nuance, die uns gerade auf diesem Gebiete zu einer Art Kulturerneuerung führen kann.
[ 22 ] Und wenn wir gewissermaßen von diesem Lichte aus uns beleuchten lassen, was uns sonst im Leben entgegentritt, dann müssen wir sagen: Wenn wir so ganz deutlich sehen, daß der Mensch den Menschen sucht und suchen muß, nämlich der durch den Intellektualismus vereinseitigte Mensch den ganzen, vollen Menschen, dann tritt uns das auch auf manchem anderen Gebiete heute ganz stark entgegen.
[ 22 ] Und wenn wir gewissermaßen von diesem Lichte aus uns beleuchten lassen, was uns sonst im Leben entgegentritt, dann müssen wir sagen: Wenn wir so ganz deutlich sehen, daß der Mensch den Menschen sucht und suchen muß, nämlich der durch den Intellektualismus vereinseitigte Mensch den ganzen, vollen Menschen, dann tritt uns das auch auf manchem anderen Gebiete heute ganz stark entgegen.
[ 23 ] Wir sehen, wenn wir zurückblicken gerade in diejenige Zeit, in der die großen, die nicht genug zu schätzenden Errungenschaften der neueren Kultur heraufgekommen sind, wie diese Kultur nur errungen werden konnte dadurch, daß der Mensch etwas hingab von seinem Vollmenschentum. Der Mensch sah hinaus in den Weltenraum. Er konnte sich die Instrumente verfertigen, durch welche sich ihm die Sterne in ihrem Wesen und in ihren Bewegungen enthüllten. Allein seit Jahrhunderten ist dasjenige, was da den Menschen entgegentritt, im Grunde genommen so geworden, daß es ihm ein mathematisch-physikalisches Weltbild gegeben hat. Man hat heute kein Empfinden mehr dafür, wie einstmals der Mensch hinausgeschaut hat und in dem Wandel der Sterne ebenso die Offenbarung des Geistigen in dem Kosmos gesehen hat, wie er heute die Offenbarung des Geistigen, des Seelischen in der menschlichen Physiognomie sieht. Trockenes, altes, obwohl nicht genug zu schätzendes Mathematisch-Mechanisches erscheint uns im Kosmos. Wir blicken hinauf und sehen im Grunde genommen einen großen Weltenmechanismus. Immer mehr und mehr ist das Ideal entstanden, diesen großen Weltenmechanismus überall in unserer Weltenbetrachtung zu sehen. Und was ist heute daraus geworden?
[ 23 ] Wir sehen, wenn wir zurückblicken gerade in diejenige Zeit, in der die großen, die nicht genug zu schätzenden Errungenschaften der neueren Kultur heraufgekommen sind, wie diese Kultur nur errungen werden konnte dadurch, daß der Mensch etwas hingab von seinem Vollmenschentum. Der Mensch sah hinaus in den Weltenraum. Er konnte sich die Instrumente verfertigen, durch welche sich ihm die Sterne in ihrem Wesen und in ihren Bewegungen enthüllten. Allein seit Jahrhunderten ist dasjenige, was da den Menschen entgegentritt, im Grunde genommen so geworden, daß es ihm ein mathematisch-physikalisches Weltbild gegeben hat. Man hat heute kein Empfinden mehr dafür, wie einstmals der Mensch hinausgeschaut hat und in dem Wandel der Sterne ebenso die Offenbarung des Geistigen in dem Kosmos gesehen hat, wie er heute die Offenbarung des Geistigen, des Seelischen in der menschlichen Physiognomie sieht. Trockenes, altes, obwohl nicht genug zu schätzendes Mathematisch-Mechanisches erscheint uns im Kosmos. Wir blicken hinauf und sehen im Grunde genommen einen großen Weltenmechanismus. Immer mehr und mehr ist das Ideal entstanden, diesen großen Weltenmechanismus überall in unserer Weltenbetrachtung zu sehen. Und was ist heute daraus geworden?
[ 24 ] Vielleicht wird es manchen Zeitgenossen noch paradox erscheinen, allein ich glaube, daß es sich der unbefangenen Beobachtung überall aufdrängt: Heute antwortet aus dem sozialen Menschenleben heraus das, was uns überall umgibt, was unsere Gegenwartskultur ist, auf die Anschauung vom Weltenmechanismus. Denn heute ist unser soziales, auch unser ethisches, unser juristisches Leben, ja in einem gewissen Grade, wie ich gleich nachher zeigen werde, sogar unser religiöses Leben mechanistisch geworden.
[ 24 ] Vielleicht wird es manchen Zeitgenossen noch paradox erscheinen, allein ich glaube, daß es sich der unbefangenen Beobachtung überall aufdrängt: Heute antwortet aus dem sozialen Menschenleben heraus das, was uns überall umgibt, was unsere Gegenwartskultur ist, auf die Anschauung vom Weltenmechanismus. Denn heute ist unser soziales, auch unser ethisches, unser juristisches Leben, ja in einem gewissen Grade, wie ich gleich nachher zeigen werde, sogar unser religiöses Leben mechanistisch geworden.
[ 25 ] Wir sehen, wie in Millionen und Millionen von Menschen die Anschauung lebt, innerhalb des geschichtlichen Werdens der Menschheit seien nicht geistige Kräfte vorhanden, sondern allein wirtschaftliche Kräfte, und was in Kunst, in Religion, in Sitte, in Wissenschaft, in Recht und so weiter lebt, das sei gewissermaßen ein Nebel, der aufsteige aus dem, was sich in der einzigen geschichtlichen Realität, im Wirtschaftsleben, abspielt. Wirtschaftsformen seien das Reale, und indem die Wirtschaftsformen auf den Menschen wirken — so sagen manche heute, und man muß nur ein Herz haben, um das Tragische dieses Sagens zu empfinden —, entsteht das, was der Mensch ausbildet als Recht, Sitte, als Religion, als Kunst und so weiter, und das ist Ideologie. Wir sind auf diese Weise in ein Fahrwasser hineingekommen, das uns allerdings Großes gebracht hat im abendländischen Geistesleben, das aber heute bei dem entgegengesetzten Pol angelangt ist von dem, was einmal in alten, besseren Zeiten — heute ist ja auch die morgenländische Kultur durchaus in die Dekadenz gekommen — in der morgenländischen Kultur vorhanden war. Dort eine Einseitigkeit, jetzt aber bei uns auch eine Einseitigkeit.
[ 25 ] Wir sehen, wie in Millionen und Millionen von Menschen die Anschauung lebt, innerhalb des geschichtlichen Werdens der Menschheit seien nicht geistige Kräfte vorhanden, sondern allein wirtschaftliche Kräfte, und was in Kunst, in Religion, in Sitte, in Wissenschaft, in Recht und so weiter lebt, das sei gewissermaßen ein Nebel, der aufsteige aus dem, was sich in der einzigen geschichtlichen Realität, im Wirtschaftsleben, abspielt. Wirtschaftsformen seien das Reale, und indem die Wirtschaftsformen auf den Menschen wirken — so sagen manche heute, und man muß nur ein Herz haben, um das Tragische dieses Sagens zu empfinden —, entsteht das, was der Mensch ausbildet als Recht, Sitte, als Religion, als Kunst und so weiter, und das ist Ideologie. Wir sind auf diese Weise in ein Fahrwasser hineingekommen, das uns allerdings Großes gebracht hat im abendländischen Geistesleben, das aber heute bei dem entgegengesetzten Pol angelangt ist von dem, was einmal in alten, besseren Zeiten — heute ist ja auch die morgenländische Kultur durchaus in die Dekadenz gekommen — in der morgenländischen Kultur vorhanden war. Dort eine Einseitigkeit, jetzt aber bei uns auch eine Einseitigkeit.
[ 26 ] Erinnern wir uns doch, daß es einstmals im Erdenleben, vor allen Dingen drüben im Orient, eine Menschheit gegeben hat, welche die äußere Sinneswelt als Maja, als die große Illusion, als die bloße Scheinwelt bezeichnet hat, und das, was der Mensch in seinem Innern erregt, was er denkt, was er empfindet, was er fühlt, was in seinen Willensimpulsen lebt, als die einzige wirkliche Realität ansah. Es gab einstmals diese andere Einseitigkeit, daß, wenn der Mensch in sein Inneres schaute, er in seiner Gedanken-, Gefühls- und Empfindungswelt die Wahrheit, das wahre Sein sah, und äußerlich die Maja, die große Illusion. Wir sind heute bei dem entgegengesetzten einseitigen Betrachten angelangt. Wir sehen vom Standpunkte der Gegenwartskultur aus überall in unserer Umgebung die materielle Sinnenwelt und nennen sie das wirkliche Sein. Und Millionen von Menschen sehen nur in dem sinnlichen Vorsichgehen der Wirtschaftsprozesse das wirkliche Sein und nennen das, was im Innern des Menschen lebt, wie auch dasjenige, was der Mensch als Kulturentwikkelung aus diesem seinem Innern hervorgehen läßt, Ideologie. Es ist im Grund genommen dasselbe, was einstmals der Morgenländer als Maja, als Illusion bezeichnet hat, was heute Millionen und Millionen von Menschen als Ideologie bezeichnen, ein anderes Wort nur, allerdings auch im entgegengesetzten Sinne angewendet. Ideologie hätte der Morgenländer sagen können für die Außenwelt, Realität für sein Inneres. Wir sind innerhalb unserer Kultur dazu gekommen, daß unzählige Menschen dieses in entgegengesetzter Einseitigkeit sagen.
[ 26 ] Erinnern wir uns doch, daß es einstmals im Erdenleben, vor allen Dingen drüben im Orient, eine Menschheit gegeben hat, welche die äußere Sinneswelt als Maja, als die große Illusion, als die bloße Scheinwelt bezeichnet hat, und das, was der Mensch in seinem Innern erregt, was er denkt, was er empfindet, was er fühlt, was in seinen Willensimpulsen lebt, als die einzige wirkliche Realität ansah. Es gab einstmals diese andere Einseitigkeit, daß, wenn der Mensch in sein Inneres schaute, er in seiner Gedanken-, Gefühls- und Empfindungswelt die Wahrheit, das wahre Sein sah, und äußerlich die Maja, die große Illusion. Wir sind heute bei dem entgegengesetzten einseitigen Betrachten angelangt. Wir sehen vom Standpunkte der Gegenwartskultur aus überall in unserer Umgebung die materielle Sinnenwelt und nennen sie das wirkliche Sein. Und Millionen von Menschen sehen nur in dem sinnlichen Vorsichgehen der Wirtschaftsprozesse das wirkliche Sein und nennen das, was im Innern des Menschen lebt, wie auch dasjenige, was der Mensch als Kulturentwikkelung aus diesem seinem Innern hervorgehen läßt, Ideologie. Es ist im Grund genommen dasselbe, was einstmals der Morgenländer als Maja, als Illusion bezeichnet hat, was heute Millionen und Millionen von Menschen als Ideologie bezeichnen, ein anderes Wort nur, allerdings auch im entgegengesetzten Sinne angewendet. Ideologie hätte der Morgenländer sagen können für die Außenwelt, Realität für sein Inneres. Wir sind innerhalb unserer Kultur dazu gekommen, daß unzählige Menschen dieses in entgegengesetzter Einseitigkeit sagen.
[ 27 ] Und so sehen wir gerade in unserem sozialen Leben das sich ausprägen, wovon wir sagen können: Der Wissenschaft hat es große, bedeutsame Triumphe gebracht, dem denkerischen menschlichen Leben, dem ethischen, dem sozialen Leben hat es Schwierigkeiten gebracht. Aber das, was da vor uns steht, diese Mechanisierung des Lebens, sie lebt nicht nur in den Ideen von Millionen, sie ist ja auch in der Realität vorhanden. Unser äußeres Leben hat sich mechanisiert, und wir stehen heute mit unserer Kultur in dem Zeitalter, das die menschliche Antwort gibt im sozialen, im ethischen, im religiösen Leben. Was in dem großen Zeitalter des Galilei, des Kopernikus, des Giordano Bruno zuerst als Anschauung der Welt begründet worden ist an Großem, erfordert allerdings, daß es in anderer Weise durchsetzt wird mit Menschentum, als es bisher hat durchsetzt werden können. Denn der Mechanismus unseres menschlichen Lebens ist gewissermaßen die Kulturantwort auf den Mechanismus unseres denkerischen, unseres intellektualistischen und wissenschaftlichen Lebens.
[ 27 ] Und so sehen wir gerade in unserem sozialen Leben das sich ausprägen, wovon wir sagen können: Der Wissenschaft hat es große, bedeutsame Triumphe gebracht, dem denkerischen menschlichen Leben, dem ethischen, dem sozialen Leben hat es Schwierigkeiten gebracht. Aber das, was da vor uns steht, diese Mechanisierung des Lebens, sie lebt nicht nur in den Ideen von Millionen, sie ist ja auch in der Realität vorhanden. Unser äußeres Leben hat sich mechanisiert, und wir stehen heute mit unserer Kultur in dem Zeitalter, das die menschliche Antwort gibt im sozialen, im ethischen, im religiösen Leben. Was in dem großen Zeitalter des Galilei, des Kopernikus, des Giordano Bruno zuerst als Anschauung der Welt begründet worden ist an Großem, erfordert allerdings, daß es in anderer Weise durchsetzt wird mit Menschentum, als es bisher hat durchsetzt werden können. Denn der Mechanismus unseres menschlichen Lebens ist gewissermaßen die Kulturantwort auf den Mechanismus unseres denkerischen, unseres intellektualistischen und wissenschaftlichen Lebens.
[ 28 ] Und wir sehen das in allen Einzelheiten. Wir studieren heute Naturwissenschaft. Wir studieren die Reihe der Tiere von den untergeordnetsten, einfachsten, unvollkommensten bis herauf zum Menschen. Wir stellen dann, aus einer sehr anerkennenswerten Wissenschaft heraus, den Menschen an das Ende der Organismenreihe. Was wissen wir dadurch von ihm? Wir lernen dadurch erkennen, daß er das höchste Tier ist. Gewiß, es ist das in einem gewissen Sinne bedeutsam, aber wir lernen ihn ja nur in seiner Beziehung zu den anderen Wesen kennen, wir lernen ihn nicht kennen so, wie er als Mensch sich selbst erlebt. Wir lernen ja kennen, was der Mensch in bezug auf die anderen Wesen entwickelt, nicht aber, was er in bezug auf sich selbst ist. Der Mensch verliert sich, indem er in der neueren Weise die äußere Welt in großartiger Art betrachtet. Daher das Suchen nach dem Menschen, weil der Mensch sich gerade durch die größten Errungenschaften der neueren Zeit in einer gewissen Weise verliert. Und sehen wir dann auf das menschliche Zusammenleben im sozialen Organismus, so finden wir ja, wie in diesem sozialen Organismus die Menschen zusammen leben müssen durch das, was sie sich gegenseitig leisten. In bezug auf diese Notwendigkeit hat es die neuere Zeit ja sehr weit gebracht. Arbeitsteilung auf den verschiedensten Gebieten im ganzen sozialen Leben ist eingetreten. In bezug auf das äußerliche, mechanisierte Leben müssen wir schon so arbeiten, daß es gilt: Alle für einen, einer für alle! — Wir haben lernen müssen in bezug auf das äußere Leben das Füreinander-Arbeiten. Allein auch da zeigt sich uns wiederum, wie für diejenigen, die nicht alte Traditionen bewahren, sondern hineingewachsen sind gerade in die modernste Form des Lebens, dieses menschliche Arbeiten sich ganz losgelöst hat vom Menschen, wie eigentlich unsere Erkenntnis uns nur die Natur des äußeren Menschen gibt. So ist unsere Auffassung, unsere Empfindung von der menschlichen Arbeit, durch die wir unseren Mitmenschen helfen, durch die wir mit unseren Mitmenschen zusammenwirken müssen, eine äußerliche geworden. Wir schauen nicht darauf hin, wie sich aus dem seelisch-sinnlich-geistigen Dasein des Menschen seine Leistung herausentwickelt, wie sich die Arbeit loslöst aus dem Menschen, dem wir gefühlsmäßig nahestehen, der ein Wesen ist, wie wir selber, wir blicken nicht fühlend hin, wie er die Arbeit für uns leistet. Nein, wir sehen heute im sozialen Leben das Produkt an, wir sehen, wie viel Menschenarbeit hineingeflossen ist und beurteilen die Menschenarbeit danach, inwieweit wir sie im Produkte finden. Das ist so eingewurzelt, daß eben in einer Steigerung dieses großen Irrtums der neueren Zeit Karl Marx überhaupt alles, was als menschliche Leistung in Waren, in Gütern zirkuliert und für den menschlichen Nutzen und Verbrauch geschaffen werden muß, eine kristallisierte, eine geronnene Arbeit nennt. Arbeit beurteilen wir in Absonderung von dem Menschen, wie wir uns vorzugsweise angeeignet haben die Fähigkeit, die Natur in Absonderung vom Menschen zu beobachten. Wir sind wirklich angesteckt worden in unserer Beurteilung der Menschenleistung von dem, was wir über den Menschen als Naturwesen wissen und betrachten gelernt haben. Wir dringen nur bis zum Natürlichen des Menschen, gewissermaßen nur dahin, daß der Mensch das oberste Tier ist, wir dringen nicht bis zum tiefsten Innern des Menschen.
[ 28 ] Und wir sehen das in allen Einzelheiten. Wir studieren heute Naturwissenschaft. Wir studieren die Reihe der Tiere von den untergeordnetsten, einfachsten, unvollkommensten bis herauf zum Menschen. Wir stellen dann, aus einer sehr anerkennenswerten Wissenschaft heraus, den Menschen an das Ende der Organismenreihe. Was wissen wir dadurch von ihm? Wir lernen dadurch erkennen, daß er das höchste Tier ist. Gewiß, es ist das in einem gewissen Sinne bedeutsam, aber wir lernen ihn ja nur in seiner Beziehung zu den anderen Wesen kennen, wir lernen ihn nicht kennen so, wie er als Mensch sich selbst erlebt. Wir lernen ja kennen, was der Mensch in bezug auf die anderen Wesen entwickelt, nicht aber, was er in bezug auf sich selbst ist. Der Mensch verliert sich, indem er in der neueren Weise die äußere Welt in großartiger Art betrachtet. Daher das Suchen nach dem Menschen, weil der Mensch sich gerade durch die größten Errungenschaften der neueren Zeit in einer gewissen Weise verliert. Und sehen wir dann auf das menschliche Zusammenleben im sozialen Organismus, so finden wir ja, wie in diesem sozialen Organismus die Menschen zusammen leben müssen durch das, was sie sich gegenseitig leisten. In bezug auf diese Notwendigkeit hat es die neuere Zeit ja sehr weit gebracht. Arbeitsteilung auf den verschiedensten Gebieten im ganzen sozialen Leben ist eingetreten. In bezug auf das äußerliche, mechanisierte Leben müssen wir schon so arbeiten, daß es gilt: Alle für einen, einer für alle! — Wir haben lernen müssen in bezug auf das äußere Leben das Füreinander-Arbeiten. Allein auch da zeigt sich uns wiederum, wie für diejenigen, die nicht alte Traditionen bewahren, sondern hineingewachsen sind gerade in die modernste Form des Lebens, dieses menschliche Arbeiten sich ganz losgelöst hat vom Menschen, wie eigentlich unsere Erkenntnis uns nur die Natur des äußeren Menschen gibt. So ist unsere Auffassung, unsere Empfindung von der menschlichen Arbeit, durch die wir unseren Mitmenschen helfen, durch die wir mit unseren Mitmenschen zusammenwirken müssen, eine äußerliche geworden. Wir schauen nicht darauf hin, wie sich aus dem seelisch-sinnlich-geistigen Dasein des Menschen seine Leistung herausentwickelt, wie sich die Arbeit loslöst aus dem Menschen, dem wir gefühlsmäßig nahestehen, der ein Wesen ist, wie wir selber, wir blicken nicht fühlend hin, wie er die Arbeit für uns leistet. Nein, wir sehen heute im sozialen Leben das Produkt an, wir sehen, wie viel Menschenarbeit hineingeflossen ist und beurteilen die Menschenarbeit danach, inwieweit wir sie im Produkte finden. Das ist so eingewurzelt, daß eben in einer Steigerung dieses großen Irrtums der neueren Zeit Karl Marx überhaupt alles, was als menschliche Leistung in Waren, in Gütern zirkuliert und für den menschlichen Nutzen und Verbrauch geschaffen werden muß, eine kristallisierte, eine geronnene Arbeit nennt. Arbeit beurteilen wir in Absonderung von dem Menschen, wie wir uns vorzugsweise angeeignet haben die Fähigkeit, die Natur in Absonderung vom Menschen zu beobachten. Wir sind wirklich angesteckt worden in unserer Beurteilung der Menschenleistung von dem, was wir über den Menschen als Naturwesen wissen und betrachten gelernt haben. Wir dringen nur bis zum Natürlichen des Menschen, gewissermaßen nur dahin, daß der Mensch das oberste Tier ist, wir dringen nicht bis zum tiefsten Innern des Menschen.
[ 29 ] Aber auch wenn wir den Menschen in seiner Arbeit sehen, sehen wir nicht, wie diese Arbeit aus ihm hervorquillt, sondern wir warten, bis das Produkt, das Erzeugnis da ist, und suchen nur die Arbeit in dem, was sich abgesondert hat vom Menschen. Und da steht dann der Mensch als ein soziales Wesen mitten unter uns, wissend, daß er sein Menschenwesen, ja, oftmals seine Menschenwürde hineinlegen muß in die Arbeit, und er sieht, daß gewürdigt wird nicht diese Menschenwürde, nicht die Art, wie aus dem Menschen diese Arbeit hervorquillt, sondern daß gewürdigt wird diese Arbeit nur, indem sie hineingeronnen ist in die äußere Leistung, die dann auf den Markt kommt, wo die Arbeit als etwas, das in der Ware untergegangen ist, gewissermaßen käuflich geworden ist. So sehen wir, wie der Mensch auch in dieser Beziehung sich verloren hat, wie der Mensch gewissermaßen ein Stück von seinem Wesen, seine Arbeit, an dem Mechanismus der heutigen Kultur verliert.
[ 29 ] Aber auch wenn wir den Menschen in seiner Arbeit sehen, sehen wir nicht, wie diese Arbeit aus ihm hervorquillt, sondern wir warten, bis das Produkt, das Erzeugnis da ist, und suchen nur die Arbeit in dem, was sich abgesondert hat vom Menschen. Und da steht dann der Mensch als ein soziales Wesen mitten unter uns, wissend, daß er sein Menschenwesen, ja, oftmals seine Menschenwürde hineinlegen muß in die Arbeit, und er sieht, daß gewürdigt wird nicht diese Menschenwürde, nicht die Art, wie aus dem Menschen diese Arbeit hervorquillt, sondern daß gewürdigt wird diese Arbeit nur, indem sie hineingeronnen ist in die äußere Leistung, die dann auf den Markt kommt, wo die Arbeit als etwas, das in der Ware untergegangen ist, gewissermaßen käuflich geworden ist. So sehen wir, wie der Mensch auch in dieser Beziehung sich verloren hat, wie der Mensch gewissermaßen ein Stück von seinem Wesen, seine Arbeit, an dem Mechanismus der heutigen Kultur verliert.
[ 30 ] Das sehen wir vor allen Dingen im rechtlichen Teile des sozialen Organismus. Wenn wir darauf sehen, wie das Geistesleben unter uns waltet, so finden wir, daß der Geist nur vorhanden ist in abstrakten Gedanken, daß wir nur zu diesen abstrakten Gedanken Vertrauen haben, daß wir abgekommen sind davon, daß der Geist unmittelbar in uns lebt, daß der Geist einzieht, indem wir uns mit ihm befassen, daß unsere Seele nicht nur gedankenerfüllt ist, sondern daß unsere Seele wirklich geistdurchdrungen wird, wenn wir uns einer geistigen Betätigung hingeben. Diesen Zusammenhang mit dem Geiste hat die Menschheit verloren, indem ihre Naturanschauung groß geworden ist. — Das in bezug auf das Geistesleben.
[ 30 ] Das sehen wir vor allen Dingen im rechtlichen Teile des sozialen Organismus. Wenn wir darauf sehen, wie das Geistesleben unter uns waltet, so finden wir, daß der Geist nur vorhanden ist in abstrakten Gedanken, daß wir nur zu diesen abstrakten Gedanken Vertrauen haben, daß wir abgekommen sind davon, daß der Geist unmittelbar in uns lebt, daß der Geist einzieht, indem wir uns mit ihm befassen, daß unsere Seele nicht nur gedankenerfüllt ist, sondern daß unsere Seele wirklich geistdurchdrungen wird, wenn wir uns einer geistigen Betätigung hingeben. Diesen Zusammenhang mit dem Geiste hat die Menschheit verloren, indem ihre Naturanschauung groß geworden ist. — Das in bezug auf das Geistesleben.
[ 31 ] In bezug auf unseren Rechts- und sozialen, auf unseren Staatszusammenhang, sehen wir es an dem Beispiel der Arbeit, wie sich losgerissen hat von der menschlichen Wesenheit das, was mit dieser menschlichen Wesenheit verbunden ist. Indem wir die Menschenseele im Verkehr als Mensch dem Menschen gegenüber sehen, sehen wir nicht, wie das Gefühl aufleuchtet und sich erwärmt, wenn der Mensch die Arbeit des anderen erblickt. Es quillt nicht die Wärme hervor für den arbeitenden Menschen. Wir sehen nicht am Menschen die sich entwickelnde Arbeit, nein, wir sehen das, worin das Mitgefühl sich nicht mehr erwärmen und entzünden kann, wir sehen die Arbeit, nachdem sie den Menschen verlassen hat und in das Produkt hereingeronnen ist. So verlieren wir auch auf diesem Gebiete, auf dem Gebiete des rechtlichen Zusammenlebens den Menschen.
[ 31 ] In bezug auf unseren Rechts- und sozialen, auf unseren Staatszusammenhang, sehen wir es an dem Beispiel der Arbeit, wie sich losgerissen hat von der menschlichen Wesenheit das, was mit dieser menschlichen Wesenheit verbunden ist. Indem wir die Menschenseele im Verkehr als Mensch dem Menschen gegenüber sehen, sehen wir nicht, wie das Gefühl aufleuchtet und sich erwärmt, wenn der Mensch die Arbeit des anderen erblickt. Es quillt nicht die Wärme hervor für den arbeitenden Menschen. Wir sehen nicht am Menschen die sich entwickelnde Arbeit, nein, wir sehen das, worin das Mitgefühl sich nicht mehr erwärmen und entzünden kann, wir sehen die Arbeit, nachdem sie den Menschen verlassen hat und in das Produkt hereingeronnen ist. So verlieren wir auch auf diesem Gebiete, auf dem Gebiete des rechtlichen Zusammenlebens den Menschen.
[ 32 ] Und sehen wir uns auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens um. Auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens muß ja der Mensch sich mit dem versorgen, was er für seinen Konsum braucht. Was der Mensch für seinen Konsum braucht, ist ja nichts anderes als dasjenige, wofür er seine Fähigkeiten ausbildet. Der Mensch wird um so besser wirtschaften für den anderen Menschen, für sich selber, für die ganze menschliche Gesellschaft schaffen können, je mehr er seine Fähigkeiten entwickeln kann. Auf die Entwickelung der Fähigkeiten kommt es im wirtschaftlichen Leben an. Derjenige, der ein Arbeitnehmer ist, wird zu dem, der ein Arbeitsleiter ist, wenn es vorzugsweise auf die Leute ankommt, so hinschauen, daß er seinen eigenen Vorteil findet bei dem tüchtigen, bei dem fähigen Arbeitsleiter. Das kann schon durchaus erreicht werden, denn es sieht sehr bald derjenige, der sich in seiner Arbeit physisch und geistig leiten lassen muß, daß er besser gedeiht bei dem Befähigteren als bei dem Unbefähigten. Ist aber unser heutiges wirtschaftliches Streben darauf gerichtet, vor allen Dingen hinzuschauen auf die wirtschaftende Menschheit und dann überall zu fragen: Wo sind die größeren Fähigkeiten? — Hinzuschauen auf dieses Lebendige im Menschen, auf dieses reine Menschliche, und den Menschen hineinzustellen nach seinen Fähigkeiten in das wirtschaftliche Leben, damit er das Beste für seine Mitmenschen leisten kann, das würde eine Anschauung, eine Kultur erringen können, welche den Menschen im Menschen finden kann. Aber das ist ja gerade das Eigentümliche, daß unsere Kultur eben den Menschen im Menschen nicht finden kann, daß wir allmählich — das bietet sich dem unbefangenen Blicke dar — die Möglichkeit verloren haben, den Menschen nach seinen Fähigkeiten richtig zu beurteilen.
[ 32 ] Und sehen wir uns auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens um. Auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens muß ja der Mensch sich mit dem versorgen, was er für seinen Konsum braucht. Was der Mensch für seinen Konsum braucht, ist ja nichts anderes als dasjenige, wofür er seine Fähigkeiten ausbildet. Der Mensch wird um so besser wirtschaften für den anderen Menschen, für sich selber, für die ganze menschliche Gesellschaft schaffen können, je mehr er seine Fähigkeiten entwickeln kann. Auf die Entwickelung der Fähigkeiten kommt es im wirtschaftlichen Leben an. Derjenige, der ein Arbeitnehmer ist, wird zu dem, der ein Arbeitsleiter ist, wenn es vorzugsweise auf die Leute ankommt, so hinschauen, daß er seinen eigenen Vorteil findet bei dem tüchtigen, bei dem fähigen Arbeitsleiter. Das kann schon durchaus erreicht werden, denn es sieht sehr bald derjenige, der sich in seiner Arbeit physisch und geistig leiten lassen muß, daß er besser gedeiht bei dem Befähigteren als bei dem Unbefähigten. Ist aber unser heutiges wirtschaftliches Streben darauf gerichtet, vor allen Dingen hinzuschauen auf die wirtschaftende Menschheit und dann überall zu fragen: Wo sind die größeren Fähigkeiten? — Hinzuschauen auf dieses Lebendige im Menschen, auf dieses reine Menschliche, und den Menschen hineinzustellen nach seinen Fähigkeiten in das wirtschaftliche Leben, damit er das Beste für seine Mitmenschen leisten kann, das würde eine Anschauung, eine Kultur erringen können, welche den Menschen im Menschen finden kann. Aber das ist ja gerade das Eigentümliche, daß unsere Kultur eben den Menschen im Menschen nicht finden kann, daß wir allmählich — das bietet sich dem unbefangenen Blicke dar — die Möglichkeit verloren haben, den Menschen nach seinen Fähigkeiten richtig zu beurteilen.
[ 33 ] Gewiß, dasjenige Wesen, wodurch die menschlichen Fähigkeiten sich zeigen sollen, das Prüfungswesen, ist Ja groß geworden in unserer neueren Kultur. Aber es handelt sich vor allen Dingen auch nicht darum, wirklich zu ergründen, in welcher Weise der Mensch am besten eingreifen kann in das Leben, denn das mechanisch gewordene Leben fordert zunächst etwas anderes. Es wird ja heute vielfach der Ruf laut, den besten Menschen je nach den Bedürfnissen an den richtigen Platz zu stellen. Allein vorerst bleibt das ein frommer Wunsch, und wir sehen, daß sich das wirtschaftliche Leben vor allen Dingen — gerade so wie die anderen Gebiete, wie das geistige Leben und das rechtliche Leben — vom Menschen absondert. Wir sehen vor allen Dingen nicht auf den Menschen, auf sein lebendiges Sich-Hineinstellen in das Wirtschaftsleben, sondern darauf sehen wir, wie er am besten etwas mit sich verbinden kann, was nicht das eigentlich Menschliche ist. Wir sehen auch das Wirtschaftsleben sich loslösen vom Menschen. So ist es kein Wunder, daß der Ruf nach einer Erneuerung unserer Gegenwartskultur eigentlich auf allen Gebieten des Lebens dem Suchen nach dem Menschen entspringt.
[ 33 ] Gewiß, dasjenige Wesen, wodurch die menschlichen Fähigkeiten sich zeigen sollen, das Prüfungswesen, ist Ja groß geworden in unserer neueren Kultur. Aber es handelt sich vor allen Dingen auch nicht darum, wirklich zu ergründen, in welcher Weise der Mensch am besten eingreifen kann in das Leben, denn das mechanisch gewordene Leben fordert zunächst etwas anderes. Es wird ja heute vielfach der Ruf laut, den besten Menschen je nach den Bedürfnissen an den richtigen Platz zu stellen. Allein vorerst bleibt das ein frommer Wunsch, und wir sehen, daß sich das wirtschaftliche Leben vor allen Dingen — gerade so wie die anderen Gebiete, wie das geistige Leben und das rechtliche Leben — vom Menschen absondert. Wir sehen vor allen Dingen nicht auf den Menschen, auf sein lebendiges Sich-Hineinstellen in das Wirtschaftsleben, sondern darauf sehen wir, wie er am besten etwas mit sich verbinden kann, was nicht das eigentlich Menschliche ist. Wir sehen auch das Wirtschaftsleben sich loslösen vom Menschen. So ist es kein Wunder, daß der Ruf nach einer Erneuerung unserer Gegenwartskultur eigentlich auf allen Gebieten des Lebens dem Suchen nach dem Menschen entspringt.
[ 34 ] Und zum Schluß ist es auch in der Kunst nicht anders. Wenn wir zurückblicken auf das Griechentum, so erscheinen uns heute die griechischen Tragödiendichter so, als ob sie auch in der Weise ihre Dramen verfaßt hätten, wie das heute noch geschieht. Die griechische Lebensauffassung ist aber durchaus nicht wie die heutige gewesen. Der Grieche sprach von der Katharsis, von der Reinigung, von der Läuterung, die durch ein Drama stattfinden soll. Und was verstand er unter dieser Katharsis, unter dieser Läuterung? Er verstand das, daß der Mensch, der an dem Darstellen eines solchen Trauerspieles oder eines anderen Stückes teilnahm, etwas in seiner Seele erlebt, wodurch er fingierte Leidenschaften durchmacht. Dieses Durchmachen aber wirkt läuternd, reinigend und damit gesundend bis in den physischen Organismus hinein, vor allen Dingen aber auf die Seele. Und das wichtigste im griechischen Drama war etwas, was ebenso ein höherer geistiger, wie, ich möchte sagen, ein medizinischer Impuls war. Eine Art Heilungsprozeß wurde von dem Griechen gesehen in demjenigen, was er gerade in seiner hohen Kunstvollendung seinen Mitmenschen geben wollte. Wir können selbstverständlich nicht wiederum Griechen werden. Es sollte dies zur Verdeutlichung dienen dafür, daß wir in der Tat in eine Mechanisierung des Lebens hineingekommen sind, welche in einer gewissen Weise den Menschen verleugnet und dafür, daß die tiefe Sehnsucht erklärlich ist, die als ein Suchen nach dem Menschen selbst durch die heutige Welt geht.
[ 34 ] Und zum Schluß ist es auch in der Kunst nicht anders. Wenn wir zurückblicken auf das Griechentum, so erscheinen uns heute die griechischen Tragödiendichter so, als ob sie auch in der Weise ihre Dramen verfaßt hätten, wie das heute noch geschieht. Die griechische Lebensauffassung ist aber durchaus nicht wie die heutige gewesen. Der Grieche sprach von der Katharsis, von der Reinigung, von der Läuterung, die durch ein Drama stattfinden soll. Und was verstand er unter dieser Katharsis, unter dieser Läuterung? Er verstand das, daß der Mensch, der an dem Darstellen eines solchen Trauerspieles oder eines anderen Stückes teilnahm, etwas in seiner Seele erlebt, wodurch er fingierte Leidenschaften durchmacht. Dieses Durchmachen aber wirkt läuternd, reinigend und damit gesundend bis in den physischen Organismus hinein, vor allen Dingen aber auf die Seele. Und das wichtigste im griechischen Drama war etwas, was ebenso ein höherer geistiger, wie, ich möchte sagen, ein medizinischer Impuls war. Eine Art Heilungsprozeß wurde von dem Griechen gesehen in demjenigen, was er gerade in seiner hohen Kunstvollendung seinen Mitmenschen geben wollte. Wir können selbstverständlich nicht wiederum Griechen werden. Es sollte dies zur Verdeutlichung dienen dafür, daß wir in der Tat in eine Mechanisierung des Lebens hineingekommen sind, welche in einer gewissen Weise den Menschen verleugnet und dafür, daß die tiefe Sehnsucht erklärlich ist, die als ein Suchen nach dem Menschen selbst durch die heutige Welt geht.
[ 35 ] Nichts anderes, als diesem Suchen zu dienen, erstrebt aus anthroposophischer Geisteswissenschaft heraus das, was man die «Dreigliederung des sozialen Organismus» nennt. Sie wird vielfach mißverstanden. Sie sucht aber nichts anderes als die Wege, welche dazu führen können, daß im Geistesleben wiederum gefunden werden könne nicht bloß der abstrakte Geist, das Nachdenken höchstens über den Geist, nicht bloß eine blasse Gedankenwelt, sondern der lebendige Geist; daß im rechtlich-staatlichen Zusammenleben wiederum gefunden werden könne nicht bloß das, was zum Beispiel als Arbeit in das Produkt hineingerinnt, sondern die menschliche Würdigung der Arbeit, jene menschliche Würdigung der Arbeit, die im menschlichen Zusammenleben sich ergibt, wenn der Mensch als Mensch, in reiner Menschlichkeit dem anderen gegenübersteht. Und auf dem wirtschaftlichen Gebiete sucht diese Dreigliederung des sozialen Organismus nach solchen Assoziationen, wo sich die Menschen zusammentun als Konsumenten, als Produzenten, und zwar so, daß sie aus ihren verschiedensten menschlich erkannten Interessen auch das Wirtschaftsleben assoziativ führen können.
[ 35 ] Nichts anderes, als diesem Suchen zu dienen, erstrebt aus anthroposophischer Geisteswissenschaft heraus das, was man die «Dreigliederung des sozialen Organismus» nennt. Sie wird vielfach mißverstanden. Sie sucht aber nichts anderes als die Wege, welche dazu führen können, daß im Geistesleben wiederum gefunden werden könne nicht bloß der abstrakte Geist, das Nachdenken höchstens über den Geist, nicht bloß eine blasse Gedankenwelt, sondern der lebendige Geist; daß im rechtlich-staatlichen Zusammenleben wiederum gefunden werden könne nicht bloß das, was zum Beispiel als Arbeit in das Produkt hineingerinnt, sondern die menschliche Würdigung der Arbeit, jene menschliche Würdigung der Arbeit, die im menschlichen Zusammenleben sich ergibt, wenn der Mensch als Mensch, in reiner Menschlichkeit dem anderen gegenübersteht. Und auf dem wirtschaftlichen Gebiete sucht diese Dreigliederung des sozialen Organismus nach solchen Assoziationen, wo sich die Menschen zusammentun als Konsumenten, als Produzenten, und zwar so, daß sie aus ihren verschiedensten menschlich erkannten Interessen auch das Wirtschaftsleben assoziativ führen können.
[ 36 ] Wir beurteilen den wirtschaftlichen Bedarf lediglich nach dem Mechanismus des Marktes. Die Assoziationen sollen ein Zusammenhang sein von lebendigen Menschen, die den Bedarf erkennen, ein Organismus, der aus menschlichem Zusammenleben und aus der Erkenntnis der Bedürfnisse dieses Zusammenlebens die Bedingungen des Produzierens regeln kann. Und so sucht die Dreigliederung des sozialen Organismus diese drei Glieder — das Geistesleben, das Rechtsleben und das Wirtschaftsleben — in eine solche Beziehung, in solche Verhältnisse im sozialen Organismus zu bringen, daß überall wiederum das Menschliche gefunden werden könne im freien Geistesleben, das nicht den wirtschaftlichen Interessen dient oder aus ihnen hervorgehen soll, das gar nicht den staatlichen Interessen dient oder aus ihnen hervorgehen soll, sondern das frei auf sich gestellt sein soll und dazu dienen soll, die menschlichen Fähigkeiten in der besten Weise zu entwickeln. Dieses freie Geistesleben sucht dem Menschen den Menschen zu zeigen: Mensch dem Menschen. So daß der Mensch dadurch gefunden werden könnte im freien Geistesleben, daß er den Geist wiederum erlebt, dadurch die Fähigkeiten harmonisch ausbildet, und aus einem solchen reJativ selbständigen Geistesleben in das Staatsleben, in das Wirtschaftsleben befruchtend hineinschicken kann eben den Menschen mit den am besten ausgebildeten Fähigkeiten. Wenn das Wirtschaftsleben, wenn das Staatsleben diktiert, welche Fähigkeiten ausgebildet werden sollen, dann können sie selbst nicht gedeihen. Wenn sie das Geistesleben völlig frei lassen, so daß es aus seinen eigenen Untergründen der Welt das gibt, was jede einzelne Individualität aus geistig-göttlichen Welten in das Dasein hereinbringt, dann werden im weitesten Sinne die anderen Gebiete des Lebens befruchtet werden können. Das Staatsleben soll das ausbilden, was die Menschen, indem sie als Gleicher dem Gleichen einander gegenübertreten, als Rechtsgefühle, als moralische Verfassung entwickeln können. Das Wirtschaftsleben soll durch entsprechende Assoziationen den Menschen finden nach seinen Bedürfnissen und nach seinen Fähigkeiten im Wirtschaftsleben. Nicht ein mechanistisches Trennen der drei Gebiete versucht die Dreigliederung des sozialen Organismus, sondern sie versucht, durch eine relative Selbständigkeit dieser drei Glieder das zu erreichen, daß der Mensch wiederum durch die drei Gebiete des Lebens eine Vollmenschlichkeit finden könne, die er im Grunde genommen verloren hat und nach der er sucht. In einem solchen Sinne kann man wohl von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung sprechen, die sich aber ganz besonders ergibt, wenn man noch tiefer hineinschaut in das menschliche Innere, in jene Stelle dieses menschlichen Inneren, wo der Mensch, wenn er Vollmensch sein will, wenn er seine Menschenwürde und seinen Weltwert als Mensch ganz empfinden will, sich an das Göttlich-Geistige anschließen muß, wo er seine ewige Wesenheit fühlen und erleben muß, wenn wir also hinschauen auf das religiöse Zusammenleben der Menschen. Ich will natürlich nur sagen, daß das den Überzeugungen anthroposophischer Geisteswissenschaft entspricht, will niemandem gerade mit Bezug auf das heutige Thema diese spezielle Lösung aufdrängen. Aber es wird in dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft versucht, vor allen Dingen wieder zu erkennen, wie das Christentum sich hineingestellt hat in die menschliche Erdenentwickelung. Hingedeutet wird mit dem, was auf anthroposophische Weise in der geistigen Welt ergründet werden kann, auf das Mysterium von Golgotha. Die geschichtliche Entwickelung wird mit Bezug auf dieses Mysterium von Golgatha verfolgt.
[ 36 ] Wir beurteilen den wirtschaftlichen Bedarf lediglich nach dem Mechanismus des Marktes. Die Assoziationen sollen ein Zusammenhang sein von lebendigen Menschen, die den Bedarf erkennen, ein Organismus, der aus menschlichem Zusammenleben und aus der Erkenntnis der Bedürfnisse dieses Zusammenlebens die Bedingungen des Produzierens regeln kann. Und so sucht die Dreigliederung des sozialen Organismus diese drei Glieder — das Geistesleben, das Rechtsleben und das Wirtschaftsleben — in eine solche Beziehung, in solche Verhältnisse im sozialen Organismus zu bringen, daß überall wiederum das Menschliche gefunden werden könne im freien Geistesleben, das nicht den wirtschaftlichen Interessen dient oder aus ihnen hervorgehen soll, das gar nicht den staatlichen Interessen dient oder aus ihnen hervorgehen soll, sondern das frei auf sich gestellt sein soll und dazu dienen soll, die menschlichen Fähigkeiten in der besten Weise zu entwickeln. Dieses freie Geistesleben sucht dem Menschen den Menschen zu zeigen: Mensch dem Menschen. So daß der Mensch dadurch gefunden werden könnte im freien Geistesleben, daß er den Geist wiederum erlebt, dadurch die Fähigkeiten harmonisch ausbildet, und aus einem solchen reJativ selbständigen Geistesleben in das Staatsleben, in das Wirtschaftsleben befruchtend hineinschicken kann eben den Menschen mit den am besten ausgebildeten Fähigkeiten. Wenn das Wirtschaftsleben, wenn das Staatsleben diktiert, welche Fähigkeiten ausgebildet werden sollen, dann können sie selbst nicht gedeihen. Wenn sie das Geistesleben völlig frei lassen, so daß es aus seinen eigenen Untergründen der Welt das gibt, was jede einzelne Individualität aus geistig-göttlichen Welten in das Dasein hereinbringt, dann werden im weitesten Sinne die anderen Gebiete des Lebens befruchtet werden können. Das Staatsleben soll das ausbilden, was die Menschen, indem sie als Gleicher dem Gleichen einander gegenübertreten, als Rechtsgefühle, als moralische Verfassung entwickeln können. Das Wirtschaftsleben soll durch entsprechende Assoziationen den Menschen finden nach seinen Bedürfnissen und nach seinen Fähigkeiten im Wirtschaftsleben. Nicht ein mechanistisches Trennen der drei Gebiete versucht die Dreigliederung des sozialen Organismus, sondern sie versucht, durch eine relative Selbständigkeit dieser drei Glieder das zu erreichen, daß der Mensch wiederum durch die drei Gebiete des Lebens eine Vollmenschlichkeit finden könne, die er im Grunde genommen verloren hat und nach der er sucht. In einem solchen Sinne kann man wohl von der Notwendigkeit einer Kulturerneuerung sprechen, die sich aber ganz besonders ergibt, wenn man noch tiefer hineinschaut in das menschliche Innere, in jene Stelle dieses menschlichen Inneren, wo der Mensch, wenn er Vollmensch sein will, wenn er seine Menschenwürde und seinen Weltwert als Mensch ganz empfinden will, sich an das Göttlich-Geistige anschließen muß, wo er seine ewige Wesenheit fühlen und erleben muß, wenn wir also hinschauen auf das religiöse Zusammenleben der Menschen. Ich will natürlich nur sagen, daß das den Überzeugungen anthroposophischer Geisteswissenschaft entspricht, will niemandem gerade mit Bezug auf das heutige Thema diese spezielle Lösung aufdrängen. Aber es wird in dieser anthroposophischen Geisteswissenschaft versucht, vor allen Dingen wieder zu erkennen, wie das Christentum sich hineingestellt hat in die menschliche Erdenentwickelung. Hingedeutet wird mit dem, was auf anthroposophische Weise in der geistigen Welt ergründet werden kann, auf das Mysterium von Golgotha. Die geschichtliche Entwickelung wird mit Bezug auf dieses Mysterium von Golgatha verfolgt.
[ 37 ] Da zeigt sich für eine geistige Betrachtung der Geschichte des Menschen, daß ja allerdings die Menschheit in Urzeiten eine Art Uroffenbarung, eine Art Urweisheit — aber instinktiv — gehabt hat, daß diese Weisheit allmählich immer mehr und mehr hingeschwunden ist, blasser geworden ist, und daß dieses Blasserwerden sich hätte immer mehr und mehr steigern müssen. Und wir wären heute schon, wenn nichts anderes gekommen wäre, in einer Weise in einem blassen, unweisen Geistesleben drinnen, das nichts zu tun haben könnte mit der Wärme unseres Seelenlebens, wenn nicht das Erdenleben in einem gewissen Zeitpunkte befruchtet worden wäre von dem Außerirdischen. Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne kann da wiederum hinweisen auf den Menschen Jesus, der im Beginne unserer Zeitrechnung über den Boden Palästinas gewandelt ist. Wir sehen, wie immer mehr und mehr das heutige äußere Christentum diesen Menschen Jesus als einen bloßen Menschen betrachtet, während ältere Zeiten in diesem Menschen Jesus ein Wesen gesehen haben, das aus geistigen, außerirdischen Welten sich mit diesem Menschen Jesus verbunden hat und dadurch zum Christus Jesus wurde. Geisteswissenschaft sucht wiederum, indem sie durch geistige Betrachtung das Außerirdische erforschen will, nicht nur auf den Menschen Jesus hinzuweisen, sondern wiederum auf den Christus, der wie ein außerirdisches Prinzip aus Himmelshöhen sich gesenkt hat in das Erdenmenschenleben durch das Mysterium von Golgatha. Und die Menschheitsentwickelung der Erde ist eine andere geworden seit dem Mysterium von Golgatha, als sie vorher war. Eine Befruchtung durch die Himmelswelten ist eingetreten. Indem der heutige Mensch aus seiner heutigen Kultur immer mehr und mehr nur auf den Menschen Jesus hinschaut, verliert er im Grunde genommen das, was an richtiger religiöser Hinneigung ihn allein befriedigen kann, wenn er zu dem Christus Jesus schaut. Er verliert, indem er nur den Menschen Jesus betrachtet, im Grunde genommen auch das, was an diesem Menschen Jesus ihm besonders wert sein könnte. Denn der Mensch hat ja den Menschen verloren. Er weiß auch den Menschen nicht in rechter Weise religiös in dem Jesus von Nazareth zu suchen. Indem aber anthroposophische Geisteswissenschaft das geistig-religiöse Leben vertieft, damit auch den Quell religiöser Frömmigkeit wiederum eröffnet, das heißt, das Göttliche des Menschen im Menschen aufsuchen läßt, findet diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch wieder in dem Menschen Jesus den überirdischen Christus und dringt im wahrhaftigen Sinne zu dem Christus Jesus vor. Es ist nicht eine Herabwürdigung des Mysteriums von Golgatha, wenn sie sagt: Das, was vorher außerirdisch war, es ist auf die Erde herabgestiegen. — Und was erlebt man mit einer solchen Bestrebung im Zeitalter der heutigen Kultur?
[ 37 ] Da zeigt sich für eine geistige Betrachtung der Geschichte des Menschen, daß ja allerdings die Menschheit in Urzeiten eine Art Uroffenbarung, eine Art Urweisheit — aber instinktiv — gehabt hat, daß diese Weisheit allmählich immer mehr und mehr hingeschwunden ist, blasser geworden ist, und daß dieses Blasserwerden sich hätte immer mehr und mehr steigern müssen. Und wir wären heute schon, wenn nichts anderes gekommen wäre, in einer Weise in einem blassen, unweisen Geistesleben drinnen, das nichts zu tun haben könnte mit der Wärme unseres Seelenlebens, wenn nicht das Erdenleben in einem gewissen Zeitpunkte befruchtet worden wäre von dem Außerirdischen. Geisteswissenschaft im anthroposophischen Sinne kann da wiederum hinweisen auf den Menschen Jesus, der im Beginne unserer Zeitrechnung über den Boden Palästinas gewandelt ist. Wir sehen, wie immer mehr und mehr das heutige äußere Christentum diesen Menschen Jesus als einen bloßen Menschen betrachtet, während ältere Zeiten in diesem Menschen Jesus ein Wesen gesehen haben, das aus geistigen, außerirdischen Welten sich mit diesem Menschen Jesus verbunden hat und dadurch zum Christus Jesus wurde. Geisteswissenschaft sucht wiederum, indem sie durch geistige Betrachtung das Außerirdische erforschen will, nicht nur auf den Menschen Jesus hinzuweisen, sondern wiederum auf den Christus, der wie ein außerirdisches Prinzip aus Himmelshöhen sich gesenkt hat in das Erdenmenschenleben durch das Mysterium von Golgatha. Und die Menschheitsentwickelung der Erde ist eine andere geworden seit dem Mysterium von Golgatha, als sie vorher war. Eine Befruchtung durch die Himmelswelten ist eingetreten. Indem der heutige Mensch aus seiner heutigen Kultur immer mehr und mehr nur auf den Menschen Jesus hinschaut, verliert er im Grunde genommen das, was an richtiger religiöser Hinneigung ihn allein befriedigen kann, wenn er zu dem Christus Jesus schaut. Er verliert, indem er nur den Menschen Jesus betrachtet, im Grunde genommen auch das, was an diesem Menschen Jesus ihm besonders wert sein könnte. Denn der Mensch hat ja den Menschen verloren. Er weiß auch den Menschen nicht in rechter Weise religiös in dem Jesus von Nazareth zu suchen. Indem aber anthroposophische Geisteswissenschaft das geistig-religiöse Leben vertieft, damit auch den Quell religiöser Frömmigkeit wiederum eröffnet, das heißt, das Göttliche des Menschen im Menschen aufsuchen läßt, findet diese anthroposophische Geisteswissenschaft auch wieder in dem Menschen Jesus den überirdischen Christus und dringt im wahrhaftigen Sinne zu dem Christus Jesus vor. Es ist nicht eine Herabwürdigung des Mysteriums von Golgatha, wenn sie sagt: Das, was vorher außerirdisch war, es ist auf die Erde herabgestiegen. — Und was erlebt man mit einer solchen Bestrebung im Zeitalter der heutigen Kultur?
[ 38 ] Nun, gerade diesem Hinneigen anthroposophischer Geisteswissenschaft zu einer außerirdischen Betrachtung hat man erwidert: diese Anthroposophie sei kein Christentum, könne kein Christentum sein, weil sie ja an die Stelle des rein Menschlichen in dem Christus Jesus ein überirdisches Wesen setzt, ein kosmisches Wesen. Man empfindet das sogar als eine Beleidigung, daß aus kosmischen Himmelsweiten der Christus in den Jesus hereingezogen sein soll. Warum ist das denn so? Das ist aus dem Grunde so, weil bis in die Religion, bis in das religiöse Empfinden der Mensch, indem er die Himmelsweiten schaut, nur den mathematisch-mechanischen Kosmos sieht, nur gewissermaßen die große Maschinerie sieht. Und so vermeint selbst der Religiöse, selbst derjenige, der das Religiöse heute lehren will, daß, wenn man den Christus vor dem Mysterium von Golgatha in Weltenweiten sucht, man die Religion mechanisieren würde. Geisteswissenschaft mechanisiert nicht die Religion, entchristet nicht das Christentum, sondern durchchristet gerade das äußere Leben, indem sie zeigt: Da im Kosmos ist nicht bloß Mechanismus, da ist nicht bloß das, was durch Mathematik und Naturwissenschaft erfahren werden kann, da ist Geistigkeit. — Während der heutige Theologe oftmals glaubt, aus dem kalten Weltenraume, von der Sonne herab ließe Anthroposophie den Christus zu dem Jesus kommen, ist die Wahrheit diese, daß Anthroposophie gerade das Geistige im Außerirdischen auch sehen will, und die Erde beglückt sein lassen will damit, daß auf sie von den Himmeln so gewirkt wurde, daß dieses Wesen, das der Erde einen Sinn gegeben hat durch das Mysterium von Golgatha, sich aus Himmelshöhen mit der irdischen Menschheitsentwickelung vereinigt hat.
[ 38 ] Nun, gerade diesem Hinneigen anthroposophischer Geisteswissenschaft zu einer außerirdischen Betrachtung hat man erwidert: diese Anthroposophie sei kein Christentum, könne kein Christentum sein, weil sie ja an die Stelle des rein Menschlichen in dem Christus Jesus ein überirdisches Wesen setzt, ein kosmisches Wesen. Man empfindet das sogar als eine Beleidigung, daß aus kosmischen Himmelsweiten der Christus in den Jesus hereingezogen sein soll. Warum ist das denn so? Das ist aus dem Grunde so, weil bis in die Religion, bis in das religiöse Empfinden der Mensch, indem er die Himmelsweiten schaut, nur den mathematisch-mechanischen Kosmos sieht, nur gewissermaßen die große Maschinerie sieht. Und so vermeint selbst der Religiöse, selbst derjenige, der das Religiöse heute lehren will, daß, wenn man den Christus vor dem Mysterium von Golgatha in Weltenweiten sucht, man die Religion mechanisieren würde. Geisteswissenschaft mechanisiert nicht die Religion, entchristet nicht das Christentum, sondern durchchristet gerade das äußere Leben, indem sie zeigt: Da im Kosmos ist nicht bloß Mechanismus, da ist nicht bloß das, was durch Mathematik und Naturwissenschaft erfahren werden kann, da ist Geistigkeit. — Während der heutige Theologe oftmals glaubt, aus dem kalten Weltenraume, von der Sonne herab ließe Anthroposophie den Christus zu dem Jesus kommen, ist die Wahrheit diese, daß Anthroposophie gerade das Geistige im Außerirdischen auch sehen will, und die Erde beglückt sein lassen will damit, daß auf sie von den Himmeln so gewirkt wurde, daß dieses Wesen, das der Erde einen Sinn gegeben hat durch das Mysterium von Golgatha, sich aus Himmelshöhen mit der irdischen Menschheitsentwickelung vereinigt hat.
[ 39 ] So versucht in der Tat Geisteswissenschaft als Anthroposophie das religiöse Leben wiederum zu befruchten, das religiöse Leben wirklich zu durchwärmen, den Menschen zum Urquell des Göttlichen zurückzuführen. Und sie versucht das dadurch, daß sie hinhorcht auf das, was in dem Ruf nach einer Erneuerung unserer Kultur liegt.
[ 39 ] So versucht in der Tat Geisteswissenschaft als Anthroposophie das religiöse Leben wiederum zu befruchten, das religiöse Leben wirklich zu durchwärmen, den Menschen zum Urquell des Göttlichen zurückzuführen. Und sie versucht das dadurch, daß sie hinhorcht auf das, was in dem Ruf nach einer Erneuerung unserer Kultur liegt.
[ 40 ] Wir haben heute eine großartige Wissenschaft, wir stehen bewundernd vor dieser großartigen Wissenschaft der neueren Zeit, die so Gewaltiges in bezug auf unsere Gegenwartskultur geleistet hat. Aber wir sehen, wie neben dieser Wissenschaft der Ruf nach religiöser Erneuerung auftritt, nach neuerlicher religiöser Vertiefung. Wir sollen also auf der einen Seite eigentlich eine Wissenschaft haben, die mit Religion nichts zu tun haben will, und wir sollen neben der Wissenschaft eine religiöse Erneuerung haben. Das ist der Traum vieler. Es wird ein vergeblicher Traum sein. Denn niemals kann der Religionsinhalt aus etwas anderem hervordringen als aus dem, was irgendeine Zeit zu wissen glaubt. Und wenn wir in die Zeiten zurückschauen, wo Religionen voll gelebt haben, so war immer in der Religion doch dasjenige da, was dem betreffenden Zeitalter zugleich als Wissensinhalt gedient hat, nur eben auf besondere Art, als Verehrung, mit dem Hauch der Frömmigkeit, mit dem Hauch der Hingebung, und gewöhnlich — außerordentlich bedeutend ist dies — mit der Verehrung vor allen Dingen für den besonderen Religionsstifter. Daher wird auch unser Zeitalter, wird unsere Kultur nicht froh werden mit einem religiösen Inhalte, der nicht in Harmonie steht mit dem, was unsere Zeit wissen kann.
[ 40 ] Wir haben heute eine großartige Wissenschaft, wir stehen bewundernd vor dieser großartigen Wissenschaft der neueren Zeit, die so Gewaltiges in bezug auf unsere Gegenwartskultur geleistet hat. Aber wir sehen, wie neben dieser Wissenschaft der Ruf nach religiöser Erneuerung auftritt, nach neuerlicher religiöser Vertiefung. Wir sollen also auf der einen Seite eigentlich eine Wissenschaft haben, die mit Religion nichts zu tun haben will, und wir sollen neben der Wissenschaft eine religiöse Erneuerung haben. Das ist der Traum vieler. Es wird ein vergeblicher Traum sein. Denn niemals kann der Religionsinhalt aus etwas anderem hervordringen als aus dem, was irgendeine Zeit zu wissen glaubt. Und wenn wir in die Zeiten zurückschauen, wo Religionen voll gelebt haben, so war immer in der Religion doch dasjenige da, was dem betreffenden Zeitalter zugleich als Wissensinhalt gedient hat, nur eben auf besondere Art, als Verehrung, mit dem Hauch der Frömmigkeit, mit dem Hauch der Hingebung, und gewöhnlich — außerordentlich bedeutend ist dies — mit der Verehrung vor allen Dingen für den besonderen Religionsstifter. Daher wird auch unser Zeitalter, wird unsere Kultur nicht froh werden mit einem religiösen Inhalte, der nicht in Harmonie steht mit dem, was unsere Zeit wissen kann.
[ 41 ] Daher sucht anthroposophische Geisteswissenschaft nicht Religion neben der Wissenschaft, sondern sie sucht die Wissenschaft selbst so weit zu erheben, daß diese Wissenschaft wieder religiös werden kann. Sie sucht nicht eine religionslose Wissenschaft und daneben eine unwissenschaftliche Religion, sie sucht eine Wissenschaft, die aus sich heraus, durch ihren eigenen Quell, das religiöse Leben treiben kann, weil sie eine Wissenschaft sucht, die nicht einseitig auf dem Intellekt ruht, sondern die beruht auf dem vollen Menschen, auf allem, was im Menschen lebt. Und eine solche Wissenschaft, sie wirkt nicht zerstörend auf das religiöse Leben, sie wirkt vor allen Dingen nicht zerstörend auf das christliche Leben, sondern sie wird so auf dasselbe leuchten, daß man in dem, was sich in die Erdenentwickelung hereinstellt als das Mysterium von Golgatha, die ewige, übersinnliche Bedeutung sehen kann, welche die Menschheit mit diesem Ereignis begnadet hat. Und es wird gefühlsmäßig, und moralisch im Willen, aus der Betrachtung des Mysteriums von Golgatha der religiöse Enthusiasmus und auch die innere religiöse Beglükkung hervorgehen, die nicht zerstört, sondern in der rechten Weise beleuchtet werden kann durch das, was geschaut, was gewußt werden kann über den Eintritt des Christus Jesus in die irdische Menschheitsentwickelung.
[ 41 ] Daher sucht anthroposophische Geisteswissenschaft nicht Religion neben der Wissenschaft, sondern sie sucht die Wissenschaft selbst so weit zu erheben, daß diese Wissenschaft wieder religiös werden kann. Sie sucht nicht eine religionslose Wissenschaft und daneben eine unwissenschaftliche Religion, sie sucht eine Wissenschaft, die aus sich heraus, durch ihren eigenen Quell, das religiöse Leben treiben kann, weil sie eine Wissenschaft sucht, die nicht einseitig auf dem Intellekt ruht, sondern die beruht auf dem vollen Menschen, auf allem, was im Menschen lebt. Und eine solche Wissenschaft, sie wirkt nicht zerstörend auf das religiöse Leben, sie wirkt vor allen Dingen nicht zerstörend auf das christliche Leben, sondern sie wird so auf dasselbe leuchten, daß man in dem, was sich in die Erdenentwickelung hereinstellt als das Mysterium von Golgatha, die ewige, übersinnliche Bedeutung sehen kann, welche die Menschheit mit diesem Ereignis begnadet hat. Und es wird gefühlsmäßig, und moralisch im Willen, aus der Betrachtung des Mysteriums von Golgatha der religiöse Enthusiasmus und auch die innere religiöse Beglükkung hervorgehen, die nicht zerstört, sondern in der rechten Weise beleuchtet werden kann durch das, was geschaut, was gewußt werden kann über den Eintritt des Christus Jesus in die irdische Menschheitsentwickelung.
[ 42 ] So sucht diese Geisteswissenschaft dem Suchen nach dem Menschen entgegenzukommen. Wie gesagt, das sollte nur gewissermaßen dazu dienen, um ein Kleines beizutragen zu der heute ersehnten, erhofften Kulturerneuerung. Das sollte nur zur Erläuterung dessen dienen, wie man sich vorstellen kann, daß eine Bedeutung, eine tiefe innerliche, menschliche Bedeutung haben diejenigen Sehnsuchten, die sich ausdrükken können in einer solchen Frage, wie der nach der Erneuerung unserer Kultur.
[ 42 ] So sucht diese Geisteswissenschaft dem Suchen nach dem Menschen entgegenzukommen. Wie gesagt, das sollte nur gewissermaßen dazu dienen, um ein Kleines beizutragen zu der heute ersehnten, erhofften Kulturerneuerung. Das sollte nur zur Erläuterung dessen dienen, wie man sich vorstellen kann, daß eine Bedeutung, eine tiefe innerliche, menschliche Bedeutung haben diejenigen Sehnsuchten, die sich ausdrükken können in einer solchen Frage, wie der nach der Erneuerung unserer Kultur.
[ 43 ] Und auch das wollten diese Betrachtungen zeigen, wie im Grunde genommen dieser Ruf nach einer Kulturerneuerung zugleich der Ruf nach einer Erkenntnis, nach einem erneuerten Fühlen des wahrhaft Menschlichen ist, wie es richtig ist, daß die Frage nach dem Wesen dieses Suchens nach Kulturerneuerung eigentlich da ist, daß wir nach einer vollen Empfindung vom Menschen suchen, nach einem vollen Erleben des Menschen. Und man darf schon glauben, daß man vielleicht doch zu einer Interpretation des heutigen, vielfach unbestimmten Rufes nach Erneuerung der Kultur kommen wird, wenn man sich sagt, in einer wirklich bedeutsamen Weise steht heute die Erneuerung der Frage vor dem suchenden Menschen, die schon aus dem alten Griechenland zu uns herübertönt: Mensch, erkenne dich selbst.
[ 43 ] Und auch das wollten diese Betrachtungen zeigen, wie im Grunde genommen dieser Ruf nach einer Kulturerneuerung zugleich der Ruf nach einer Erkenntnis, nach einem erneuerten Fühlen des wahrhaft Menschlichen ist, wie es richtig ist, daß die Frage nach dem Wesen dieses Suchens nach Kulturerneuerung eigentlich da ist, daß wir nach einer vollen Empfindung vom Menschen suchen, nach einem vollen Erleben des Menschen. Und man darf schon glauben, daß man vielleicht doch zu einer Interpretation des heutigen, vielfach unbestimmten Rufes nach Erneuerung der Kultur kommen wird, wenn man sich sagt, in einer wirklich bedeutsamen Weise steht heute die Erneuerung der Frage vor dem suchenden Menschen, die schon aus dem alten Griechenland zu uns herübertönt: Mensch, erkenne dich selbst.
[ 44 ] Gewiß, die Jahrhunderte und Jahrtausende haben ihr edelstes Streben an diese Frage gesetzt. Heute ist es aber in erhöhtem Maße die größte Schicksalsfrage. Und wie auch der einzelne — das glaube ich ein wenig angedeutet zu haben — antworten mag auf die Frage: Wie soll die Kultur erneuert werden? — irgendwie wird die Antwort in der Richtung liegen müssen: Wie finden wir aus einem vollmenschlichen Bestreben heraus wiederum den Menschen selbst, damit der Mensch an dem Menschen, der sich wiederum ganz der Welt und seinen Mitmenschen hingeben kann, seine sittliche, seine soziale, seine Erkenntnisbefriedigung und auch seine religiöse Befriedigung wieder haben könne? — Das scheint mir die Frage nach der Erneuerung unserer Kultur zu sein.
[ 44 ] Gewiß, die Jahrhunderte und Jahrtausende haben ihr edelstes Streben an diese Frage gesetzt. Heute ist es aber in erhöhtem Maße die größte Schicksalsfrage. Und wie auch der einzelne — das glaube ich ein wenig angedeutet zu haben — antworten mag auf die Frage: Wie soll die Kultur erneuert werden? — irgendwie wird die Antwort in der Richtung liegen müssen: Wie finden wir aus einem vollmenschlichen Bestreben heraus wiederum den Menschen selbst, damit der Mensch an dem Menschen, der sich wiederum ganz der Welt und seinen Mitmenschen hingeben kann, seine sittliche, seine soziale, seine Erkenntnisbefriedigung und auch seine religiöse Befriedigung wieder haben könne? — Das scheint mir die Frage nach der Erneuerung unserer Kultur zu sein.
