The Reality of the Higher Worlds
GA 79
30 November 1921, Oslo
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The Reality of the Higher Worlds, tr. SOL
8. Die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens
8. The Fundamental Question of Economic Life
[ 1 ] Ich danke zunächst dem verehrten Vorsitzenden für seine herzlichen Worte und bitte Sie vor allen Dingen zu berücksichtigen, was ich ebenso herzlich versichere, daß es mir eine tiefe Befriedigung gewährt, einige Richtlinien aus den sozialen Bestrebungen, denen ich einen großen Teil meiner Zeit gewidmet habe, auch hier vortragen zu dürfen. Doch muß ich natürlich sogleich um Entschuldigung bitten deswegen, weil über die soziale Frage heute zu sprechen, eine außerordentlich schwierige Sache ist. Man kann in einem kurzen Vortrage ja eigentlich nur einige Richtlinien und vielleicht Anregungen geben, und das bitte ich Sie durchaus zu berücksichtigen. Vielleicht könnte die Meinung bestehen, daß jemand, der im wesentlichen sich der Popularisierung und Verbreitung anthroposophischer Geisteswissenschaft widmet, wenn er auf soziale Gebiete sich begibt, nur Weltvergessenes, vielleicht Phantasiemäßiges oder gar Utopistisches vorbringen könne. Was sich mir aber gerade aus anthroposophischer Denkweise heraus ergeben hat für die soziale Frage, es unterscheidet sich von vielem, das in der Gegenwart nach dieser Richtung gesprochen wird, vielleicht doch dadurch, daß es durchaus auf die Praxis des Lebens eingehen will und es eigentlich ablehnt, mehr oder weniger soziale Theorien zu besprochen.
[ 1 ] First of all, I would like to thank the esteemed Chairman for his warm words, and I ask you, above all, to bear in mind—as I assure you just as warmly—that it gives me deep satisfaction to be able to present here some guidelines drawn from the social endeavors to which I have devoted a large part of my time. However, I must, of course, immediately ask for your forgiveness, because speaking about the social question today is an extraordinarily difficult task. In a short lecture, one can really only offer a few guiding principles and perhaps some suggestions, and I ask you to bear this in mind. One might think that someone who is essentially dedicated to popularizing and spreading anthroposophical spiritual science, when venturing into social matters, could only present ideas that are out of touch with reality, perhaps fanciful, or even utopian. However, what has emerged for me regarding the social question specifically from the anthroposophical way of thinking differs from much of what is currently being said in this vein, perhaps precisely because it seeks to address the practical realities of life and actually rejects the discussion of more or less abstract social theories.
[ 2 ] Ich selbst habe im Laufe von Jahrzehnten aus den verschiedensten Untergründen heraus diejenige Anschauung über die soziale Frage gewonnen, über die ich einige Richtlinien heute verzeichnen möchte, und zwar durch unmittelbare Beobachtung des sozialen Lebens. Ich habe daraus die Anschauung gewonnen, daß unsere soziale Frage, namentlich auch die wirtschaftliche Frage, heute im Grunde genommen eine ganz allgemein menschliche ist. Sie kündigt sich, wenn man sie lebensgemäß, nicht theoretisch studiert, als eine Frage an, die durch und durch eigentlich gar nicht aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten besteht, sondern aus rein menschlichen Gründen in der Gegenwart sich in so vulkanischer Weise aufwirft. Und es wird auch nur möglich sein, an diese Frage in einem praktischen Sinn heranzutreten, wenn man an die Lösung — natürlich kann die Rede nur sein von dem Versuch einer partiellen Lösung — vom rein menschlichen Gesichtspunkte aus herangeht. Und da werde ich zunächst etwas ganz anderes als die wirtschaftliche Kardinalfrage bezeichnen müssen, als man gewöhnlich erwartet. Ja, ich werde nicht einmal — da das Leben reicher ist als Theorien und Ideen — irgendwie in einem kurzen Satze diese wirtschaftliche Kardinalfrage beantworten können, sondern ich werde sie mehr als etwas durch meine heutigen Betrachtungen Durchgehendes erst erscheinen lassen können.
[ 2 ] Over the course of decades, drawing on a wide variety of sources, I myself have arrived at a perspective on the social question—the guiding principles of which I would like to outline today—through direct observation of social life. From this, I have come to the conclusion that our social question—and specifically the economic question—is, at its core, a universally human one today. When studied in the context of real life rather than theoretically, it reveals itself to be an issue that, in essence, is not at all driven by economic considerations, but rather arises in the present in such a volcanic manner for purely human reasons. And it will only be possible to approach this issue in a practical sense if one approaches the solution—of course, we can only speak of an attempt at a partial solution—from a purely human perspective. And in doing so, I will first have to identify something quite different from the cardinal economic question than one would usually expect. Indeed, since life is richer than theories and ideas, I will not even be able to answer this cardinal economic question in a single brief sentence; rather, I will be able to let it emerge as a thread running through my reflections today.
[ 3 ] Wenn ich aber doch zunächst einen ganz abstrakten Gesichtspunkt von vornherein angeben möchte, so ist es der, daß wir in einer Zeit leben, in der im hohen Grade der Mensch mit dem, was er denkt, was er sich als Prinzipien ausgestaltet, dem Leben überhaupt und besonders dem wirtschaftlichen Leben sich entfremdet. Diese Anschauung hat sich mir insbesondere dadurch erhärtet, daß ich durch Jahre hindurch unter der proletarischen Arbeiterschaft als Lehrer gewirkt habe, auf den verschiedensten Gebieten der Erkenntnis und des Unterrichtes, sowohl auf historischem Gebiete, wie auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Fragen. Und vor allen Dingen konnte ich das moderne Proletariat in seinem Leben dadurch kennenlernen, daß es mir vergönnt war, durch Jahre hindurch mit den Arbeitern Unterricht und Übungen in freier Rede abzuhalten. Da lernt man kennen, wie die Leute denken, wie die Leute empfinden. Und wenn man weiß, daß vor allen Dingen die wirtschaftliche Frage heutzutage daran hängt, daß man in einer den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Menschheit entsprechenden Weise das Proletariat wiederum an die Arbeit heranbringt, dann wird man zunächst genötigt sein, von dieser menschlichen Seite aus die wirtschaftlichen Fragen zu betrachten. Und da hat sich mir denn ergeben, daß wenn man heute innerhalb des Proletariates versucht, Interesse zu erregen für dies oder jenes, dann die eigentlichen konkreten wirtschaftlichen Fragen, das Verständnis für wirklich praktisches Wirtschaftsleben unter dem Proletariat im Grunde genommen gar kein Interesse findet. Die Leute stehen einem Interesse für konkrete einzelne wirtschaftliche Fragen ganz fern. Es lebt im Proletariat heute — und es gehören zu diesem Proletariate, von dem ich spreche, im internationalen Leben heute ja Millionen von Menschen — durchaus nur eine wirtschaftliche, abstrakte Theorie, aber allerdings eine abstrakte Theorie, welche in diesem Proletariate selbst den Lebensinhalt bildet. Seiner Arbeit, das heißt dem eigentlichen Inhalte seiner Arbeit, steht der proletarische Arbeiter im Grunde genommen mit seinem Herzen sehr fremd gegenüber. Ihm ist es gleichgültig, was er arbeitet. Ihn interessiert nur, wie er in seiner Unternehmung behandelt wird, und er spricht, wenn er über diese Behandlung redet, doch von ganz allgemeinen abstrakten Gesichtspunkten aus. Ihn interessiert das Verhältnis seines Lohnes zu dem, was das Erträgnis der Produkte ausmacht, an deren Fabrikation er beteiligt ist, während die Qualität seiner Produkte durchaus außerhalb des Gesichtskreises seiner Interessen liegt. Ich habe versucht, gerade im proletarischen Unterricht durch Zuhilfenahme des Geschichtlichen, durch Zuhilfenahme des Naturwissenschaftlichen, Interesse zu erwecken für konkrete Fabrikations- und Betriebszweige. Das alles ist aber etwas, was den Proletarier als solchen nicht interessiert. Ihn interessiert die Stellung der Klassen, der Klassenkampf, ihn interessiert das — was ich Ihnen ja hier nicht zu charakterisieren brauche —, was er den Mehrwert nennt. Ihn interessiert die Entwickelung des wirtschaftlichen Lebens, insofern als er ihr die Ursachen für alles menschliche geschichtliche Leben zuschreibt, und er redet eigentlich von einer theoretischen Region, die sich ganz oberhalb dessen befindet, in dem er vom Morgen bis zum Abend drinnen steckt und möchte nach dieser die Wirklichkeit formen. Und man darf sagen: Was er als seine Theorie anerkennt über das wirtschaftliche Leben, das stammt auch wiederum von einer theoretischen Betrachtungsweise. Die meisten Proletarier sind ja heute mehr oder weniger modifizierte oder ursprüngliche Marxisten, das heißt Anhänger einer Theorie, die sich eigentlich durchaus nicht mit den Bedingungen des wirtschaftlichen Lebens als solchem befaßt, sondern eben nach jener Richtung hin wirkt, die ich eben charakterisiert habe.
[ 3 ] If, however, I may begin by stating a completely abstract point of view from the outset, it is this: we live in an age in which human beings are, to a high degree, becoming alienated from life in general—and from economic life in particular—through their thoughts and the principles they formulate for themselves. This view has been reinforced for me in particular by the fact that I have worked for years as a teacher among the proletarian working class, in a wide variety of fields of knowledge and instruction, both in the field of history and in the field of economic issues. Above all, I was able to gain insight into the life of the modern proletariat because I had the privilege of conducting classes and discussions in an open forum with the workers for many years. That is how one comes to understand how people think and how they feel. And when one realizes that, above all, the economic question today hinges on reintegrating the proletariat into the workforce in a manner that meets humanity’s economic needs, one is first compelled to view economic issues from this human perspective. And it has become clear to me that when one tries today to arouse interest within the proletariat for this or that, the actual concrete economic issues—an understanding of real, practical economic life—basically meet with no interest at all among the proletariat. People are completely uninterested in concrete, individual economic issues. What exists among the proletariat today—and the proletariat I am speaking of includes millions of people in international life today—is nothing but an economic, abstract theory; but it is, in fact, an abstract theory that constitutes the very meaning of life for this proletariat itself. The proletarian worker is, at heart, fundamentally alienated from his work—that is, from the actual content of his work. He is indifferent to the nature of his work. He is interested only in how he is treated at his workplace, and when he speaks of this treatment, he does so from entirely general, abstract perspectives. He is interested in the relationship between his wage and the profit generated by the products he helps manufacture, while the quality of those products lies entirely outside the scope of his interests. I have tried, particularly in proletarian education, to arouse interest in specific branches of manufacturing and industry by drawing on history and the natural sciences. But all of this is something that does not interest the proletarian as such. He is interested in the position of the classes, the class struggle; he is interested in what—which I need not define for you here—he calls surplus value. He is interested in the development of economic life, insofar as he attributes to it the causes of all human historical life, and he is actually speaking of a theoretical realm that lies far above the reality in which he is immersed from morning to night, and he wishes to shape reality according to this realm. And one might say: What he recognizes as his theory regarding economic life also stems, in turn, from a theoretical perspective. Most proletarians today are, after all, more or less modified or original Marxists—that is, adherents of a theory that does not actually deal with the conditions of economic life as such, but rather works in the direction I have just described.
[ 4 ] Das erfährt man heute innerhalb weiter Kreise des Proletariats durch den praktischen Verkehr mit diesem Proletariat, durch die Wirksamkeit unter dem Proletariat. Aber das ist doch in gewisser Beziehung nur der Abglanz einer in den letzten Jahrhunderten immer mehr und mehr auftretenden Entfremdung der rein menschlichen Interessen von den Interessen des praktischen Lebens. Man möchte sagen: Das Kompliziertwerden unseres Wirtschaftslebens hat eine Art von Betäubung hervorgerufen, so daß man nicht mehr mit dem, was man ethisch als das Gute ansieht, mit dem, was man als das Rechtliche ansieht, in die einzelnen kompliziert gewordenen Gebiete des Wirtschaftslebens untertauchen kann. Wenn man aber nicht aus der Praxis heraus redet, sondern von allgemein-abstrakten Gesichtspunkten ausgeht, berührt man mit dem, was man immer als Forderungen, als Prinzipien aufstellt, fast gar nicht dasjenige, was dann die Arbeit des Tages, was die Aufgaben des Tages ausmacht.
[ 4 ] This is what one learns today among broad sections of the proletariat through practical interaction with them and through working among them. But in a certain sense, this is merely a reflection of an alienation—which has become increasingly pronounced over the past few centuries—between purely human interests and the interests of practical life. One might say: The increasing complexity of our economic life has produced a kind of numbness, so that one can no longer immerse oneself in the individual, now-complex areas of economic life with what one ethically regards as good, with what one regards as just. But if one does not speak from practical experience, but rather proceeds from general, abstract perspectives, the demands and principles one sets forth hardly touch upon what actually constitutes the work of the day, the tasks of the day.
[ 5 ] Wie ich Ihnen aus meiner eigenen Lebenspraxis dieses veranschaulichen konnte, so kann es aber auch durch allerlei Beispiele aus dem geschichtlichen Leben erhärtet werden. Ich möchte ein groteskes Beispiel anführen für das, was ich sagen will. Es war 1884, da sagte Bismarck im Deutschen Reichstag, indem er die Grundlage legen wollte für seine weitere Behandlung der wirtschaftlichen Kardinalfrage, er erkenne an das Recht eines jeden Menschen auf Arbeit. Und er apostrophierte dann die Reichstagsabgeordneten so, daß er sagte: Verschaffen Sie jedem gesunden Menschen von gemeinschaftswegen die Arbeit, die ihn ernährt, sorgen Sie dafür, daß diejenigen, die krank oder schwach sind, von gemeinschaftswegen versorgt werden, sorgen Sie dafür, daß die Alten versorgt werden, und Sie können überzeugt sein, daß das Proletariat seinen proletarischen Führern entläuft, daß die sozialdemokratischen Theorien, die verbreitet werden, keine Anhänger mehr finden. — Nun, das sprach Bismarck, der allerdings in seinen Memoiren gestand, daß er in seiner Jugend republikanische Neigungen gehabt habe, aber den Sie doch ganz gewiß als einen echten Monarchisten anerkennen werden, dem Sie ganz gewiß nicht zuschreiben werden, daß er etwa eingestimmt hätte, wenn in einer proletarischen Versammlung zum Schlusse das Hoch ausgesprochen worden wäre auf die internationale Sozialdemokratie.
[ 5 ] Just as I have been able to illustrate this to you from my own life experience, it can also be corroborated by all sorts of examples from history. I would like to cite a grotesque example to illustrate my point. It was in 1884 when Bismarck, speaking in the German Reichstag and seeking to lay the groundwork for his further handling of the cardinal economic issue, acknowledged every person’s right to work. He then addressed the members of the Reichstag, saying: “Provide every able-bodied person, through the community, with the work that sustains them; ensure that those who are sick or infirm are cared for by the community; ensure that the elderly are cared for; and you can be certain that the proletariat will turn away from its proletarian leaders, and that the social democratic theories being propagated will find no more followers.” — Well, those were the words of Bismarck, who admittedly confessed in his memoirs that he had held republican leanings in his youth, but whom you will certainly recognize as a true monarchist—one whom you would certainly not accuse of having agreed if, at the conclusion of a proletarian assembly, a toast had been raised to international social democracy.
[ 6 ] Ich möchte auf eine andere Persönlichkeit hinweisen, die dasselbe fast mit denselben Worten ausgesprochen hat, und die allerdings mit ihrer ganzen Gesinnung, mit ihrer ganzen menschlichen Empfindung auf einem anderen allgemein menschlichen Boden stand. Das ist Robespierre. Robespierre hat, indem er seine «Menschenrechte» verfaßt hat, 1793 ungefähr dasselbe gesagt, nein, ich möchte sagen, ganz genau dasselbe gesagt, was Bismarck 1884 im Deutschen Reichstag gesagt hat: Es ist die Pflicht der Gemeinschaft, jedem gesunden Menschen Arbeit zu verschaffen, für die Kranken und Schwachen von gemeinschaftswegen zu sorgen, den Alten eine Versorgung zu geben, wenn sie nicht mehr arbeiten können.
[ 6 ] I would like to point out another figure who expressed the same idea in almost the same words, but who, in his entire outlook and in all his human sensibilities, stood on a different, universally human ground. That figure is Robespierre. In drafting his “Declaration of the Rights of Man” in 1793, Robespierre said roughly the same thing—no, I would say, exactly the same thing—that Bismarck said in the German Reichstag in 1884: It is the duty of the community to provide work for every able-bodied person, to care for the sick and the weak through communal means, and to provide for the elderly when they can no longer work.
[ 7 ] Dieselben Sätze von Robespierre, von Bismarck, ganz gewiß auf ganz verschiedenem menschlichen Boden! Und dazu kommt das dritte, das auch nicht uninteressant ist hinzuzufügen: Bismarck berief sich, indem er seine «RobespierreWorte» aussprach — die er ganz gewiß nicht von Robespierre gelernt hat — darauf, daß ja diese Forderungen bereits im Preußischen Landrecht seit 1794 stehen. Nun, man wird daraus ganz gewiß nicht schließen dürfen, daß das Preußische Landrecht ein Jahr, nachdem Robespierre die «Menschenrechte» verfaßt hat, diese Menschenrechte in seinen Gesetzeskodex aufgenommen hat, und man wird ganz gewiß in der Welt nicht so urteilen, daß der preußische Staat die Ideen Robespierres durch fast ein Jahrhundert hat verwirklichen wollen gemäß seinem Landrechte, als Bismarck 1884 neuerdings diese Forderung ausgesprochen hatte. Da entsteht schon auch gegenüber den historischen Tatsachen die Frage: Wie kommt es denn eigentlich, daß zwei so verschiedene Menschen wie Robespierre und Bismarck wörtlich dasselbe sagen können, und daß doch beide sich ganz gewiß vorstellen, daß das soziale Milieu, das sie danach bilden wollen, ein ganz anderes ist?
[ 7 ] The same words from Robespierre and Bismarck—certainly spoken from very different human perspectives! And there is a third point, which is also worth adding: When Bismarck uttered his “Robespierre-like words”—which he certainly did not learn from Robespierre—he cited the fact that these demands had already been enshrined in the Prussian Landrecht since 1794. Well, one certainly cannot conclude from this that the Prussian Landrecht, one year after Robespierre had drafted the “Declaration of the Rights of Man,” had incorporated these human rights into its legal code; nor would anyone in the world judge that the Prussian state had sought to implement Robespierre’s ideas for nearly a century in accordance with its Landrecht, when Bismarck had once again articulated this demand in 1884. This raises a question in light of the historical facts: How is it possible that two people as different as Robespierre and Bismarck can say exactly the same thing, yet both certainly envision the social environment they wish to create thereafter as being entirely different?
[ 8 ] Ich kann die Sache nicht anders ansehen als so, daß eben wir heute, wenn wir über die konkreten Fragen des durch die neueren Jahrhunderte kompliziert gewordenen Lebens sprechen, in so starken Abstraktionen sprechen, daß wir eigentlich alle, der Bismarck von rechts, von der äußersten Rechten, der Robespierre von der äußersten Linken, in bezug auf die allgemeinen Prinzipien miteinander harmonisieren. Wir finden uns in den allgemeinen Prinzipien alle zusammen. Im Leben aber fangen wir sogleich an, in die äußersten Disharmonien zu zerfallen, weil eben unsere allgemeinen Prinzipien ganz weit abliegen von dem, was wir den ganzen Tag im einzelnen treiben müssen. Wir habe heute gerade dann, wenn es auf die Lebenspraxis ankommt, keine Möglichkeit, das, was wir im allgemeinen denken, auch im einzelnen wirklich durchzuführen. Und am meisten abstrakt ist das, was in der proletarischen Theorie heute als wirtschaftliche Forderung auftritt, aus den Gründen, die ich versuchte zu Charakterisieren.
[ 8 ] I cannot view the matter any other way than this: that today, when we discuss the concrete issues of life—which have become complicated over the past few centuries—we speak in such strong abstractions that, in fact, we all—Bismarck on the right, on the far right, and Robespierre on the far left—are in harmony with one another when it comes to general principles. We all find common ground in these general principles. In real life, however, we immediately begin to fall into the most extreme disharmony, precisely because our general principles are so far removed from what we must actually do in our day-to-day lives. Today, precisely when it comes to practical life, we have no way of actually putting into practice in specific instances what we generally believe. And what appears today in proletarian theory as an economic demand is the most abstract of all, for the reasons I have attempted to characterize.
[ 9 ] Dieser Sachlage steht man ja heute gegenüber. Und man muß sagen: Durch die ganze Entwickelung der neueren Zeit ist diese Sachlage heraufgekommen. Wir sehen, wie derjenige Teil des wirtschaftlichen Lebens, den wir als den Produktionsprozeß überschauen, durch die Kompliziertheit des technischen Lebens immer mannigfaltiger geworden ist. Und wenn ich es mit einem Worte, das ja schon ein Schlagwort geworden ist — allein man muß solche Worte gebrauchen —, bezeichnen will: Wir sehen, daß das Produktionsleben immer kollektivistischer geworden ist.
[ 9 ] This is, after all, the situation we face today. And it must be said: This situation has arisen as a result of the entire course of development in recent times. We see how that part of economic life which we regard as the production process has become increasingly multifaceted due to the complexity of technical life. And if I were to describe it in a single word—one that has, admittedly, already become a buzzword, though one must use such words—we see that production life has become increasingly collectivist.
[ 10 ] Was kann denn im Grunde genommen heute der einzelne innerhalb unseres sozialen Organismus im Produktionsleben leisten? Er ist überall eingespannt in das, was mit anderen in Gemeinschaft getan werden muß. Unsere Art des Produzierens ist so kompliziert geworden, daß der einzelne wie in einem großen Produktionsmechanismus eingespannt ist. Es ist das Produktionsleben kollektivistisch geworden. Darauf sieht gerade der Proletarier hin, und er verspricht sich in seiner wirtschaftlich fatalistischen Anschauungsweise, daß der Kollektivismus noch immer stärker und stärker werden wird, daß immer mehr und mehr die Produktionszweige sich zusammenschließen werden, und daß dann die Zeit kommen werde, wo das internationale Proletariat selbst diese Produktion übernehmen kann. Auf das wartet der Proletarier. Er gibt sich also dem großen Irrtum hin, daß der Kollektivismus der Produktion das Naturnotwendige ist — denn er empfindet das wirtschaftlich Notwendige fast wie eine Naturnotwendigkeit —, und daß dieser Kollektivismus weiter ausgebaut werden soll, daß vor allen Dingen das Proletariat dazu berufen sei, sich dann auf die Stühle zu setzen, auf denen die heutigen Produzenten sitzen, und daß das kollektivistisch Gewordene nunmehr kollektivistisch verwaltet werde. Wie stark das Proletariat aus seinem wirtschaftlichen Interesse heraus an einer solchen Idee hängt, sehen wir in den traurigen Ergebnissen des wirtschaftlichen Experimentes im Osten, denn dort wurde sozusagen — allerdings nicht so, wie es sich die Proletarier-Theoretiker geträumt haben, sondern aus den kriegerischen Verhältnissen heraus — der Versuch gemacht, in diesem Sinne das Wirtschaftsleben zu gestalten. Man kann heute schon sehen, und man wird es immer mehr und mehr sehen: Der Versuch wird — ganz abgesehen von seinen ethischen oder sonstigen Werten oder von den Sympathien oder Antipathien, die man ihm entgegenbringen kann — durch seine eigenen inneren zerstörenden Kräfte kläglich scheitern und unsägliches Unglück in die Menschheit bringen.
[ 10 ] What, after all, can the individual actually accomplish today within our social organism in the realm of production? Everywhere, he is caught up in what must be done in community with others. Our mode of production has become so complex that the individual is caught up in it as if in a vast production mechanism. Productive life has become collectivist. This is precisely what the proletarian focuses on, and in his economically fatalistic worldview, he expects that collectivism will grow ever stronger, that more and more branches of production will merge, and that the time will come when the international proletariat itself can take over this production. This is what the proletarian is waiting for. He thus succumbs to the great delusion that the collectivization of production is a natural necessity—for he perceives economic necessity almost as a natural necessity— and that this collectivism should be further expanded, that above all the proletariat is destined to take the seats currently occupied by today’s producers, and that what has become collectivized will henceforth be administered collectively. We can see just how strongly the proletariat clings to such an idea out of its own economic interest in the sad results of the economic experiment in the East, for there—though not in the way the proletarian theorists had dreamed, but rather as a result of the conditions of war—an attempt was made to shape economic life in this sense. One can already see this today, and one will see it more and more: the experiment—quite apart from its ethical or other merits, or from the sympathies or antipathies one may feel toward it—will fail miserably due to its own internal destructive forces and bring unspeakable misfortune upon humanity.
[ 11 ] Dem Produktionsleben steht gegenüber das Leben der Konsumtion. Aber das Leben der Konsumtion kann niemals von selbst kollektivistisch werden. In der Konsumtion steht der einzelne im Grunde genommen durch Naturnotwendigkeit als Individualität darinnen. Aus der Persönlichkeit des Menschen, aus dem menschlichen Individuum heraus kommen die Bedürfnisse der Gesamtkonsumtion. Es blieb daher, neben dem Kollektivistischen der Produktion, das Individualistische der Konsumtion bestehen. Und immer schroffer und schroffer wurde der Abgrund, tiefer und tiefer wurde dieser Abgrund zwischen der nach Kollektivismus strebenden Produktion und den doch sich immer heftiger geltend machenden, gerade durch den Kontrast immer heftiger geltend machenden Interessen der Konsumtion. Für den, der das heutige Leben durchschauen kann mit unbefangenem Blicke, ist es nun keine Abstraktion, sondern für den beruhen die furchtbaren Disharmonien, in die wir hineingestellt sind, gerade auf dem Mißverhältnis, das sich durch das Angedeutete heute herausgebildet hat zwischen den Impulsen der Produktion und den Bedürfnissen der Konsumtion.
[ 11 ] The life of production is contrasted with the life of consumption. But the life of consumption can never become collectivist on its own. In consumption, the individual is, by a natural necessity, fundamentally present as an individual. The needs of overall consumption arise from the human personality, from the human individual. Thus, alongside the collectivist nature of production, the individualistic nature of consumption persisted. And the chasm grew ever more jarring, ever deeper—this chasm between production, which strives for collectivism, and the interests of consumption, which assert themselves ever more vehemently, precisely because of this contrast. For those who can view contemporary life with an unbiased eye, this is no abstraction; rather, for them, the terrible disharmonies in which we find ourselves stem precisely from the imbalance that has emerged today—as indicated above—between the impulses of production and the needs of consumption.
[ 12 ] Man kann allerdings das ganze Elend, das in dieser Beziehung heute bis in die tiefsten Gemüter der Menschen hinein herrscht, nur überschauen, wenn man sich eben nicht durch Studium, sondern durch Lebenspraxis Jahrzehnte hindurch in das vertieft hat, aus dem sich auf den einzelnen Gebieten des Lebens diese Disharmonie ergeben hat. Und nun wirklich nicht aus irgendwelchen Prinzipien, nicht aus theoretischen Erwägungen, sondern aus diesen Lebenserfahrungen heraus ist entstanden, was ich niedergelegt habe in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage». Ganz fern lag es mir, aus dieser Lebenspraxis heraus irgendwie eine utopische Lösung der sozialen Frage zu versuchen. Ich mußte allerdings erfahren, daß das heutige Denken der Menschen ganz unwillkürlich nach der utopischen Seite hinneigt. Ich mußte selbstverständlich zusammenfassen, was sich mir aus der großen Mannigfaltigkeit des Lebens ergeben hat, was ich lieber in einzelnen konkreten Beispielen erörtert hätte, ich mußte es zusammenfassen in allgemeine Sätze, die dann wiederum ihrerseits zusammengestellt sind in den Schlagworten «Dreigliederung des sozialen Organismus». Aber was da drinnen ist, das mußte doch durch einige Richtlinien wenigstens exemplifiziert werden. Man mußte sagen, wie man sich denkt, daß die Dinge in die Hand genommen werden sollen. Deshalb habe ich einige Beispiele gegeben, wie die Entwickelung des Kapitalismus weiter fortschreiten soll, wie etwa die Arbeiterfrage zu regeln ist und so weiter. Da habe ich versucht, konkrete, einzelne Andeutungen zu geben. Nun, ich habe viele Diskussionen mitgemacht über diese «Kernpunkte der sozialen Frage», und ich habe stets gefunden, daß die Menschen in ihrer utopistischen Meinung von heute immer fragen: Ja, wie wird denn in der Zukunft das oder jenes sein? — Sie haben sich dabei gestützt auf die Andeutungen, die ich über das einzelne gegeben habe, was ich aber niemals anders gemeint habe, denn als Beispiel. Im ganzen konkreten Leben ist es ja so, daß man irgend etwas, was man tut, was man nach seinem besten Wissen einrichtet, daß man das in irgendeiner Gestalt in die Wirklichkeit hineinstellen kann, daß man es aber selbstverständlich auch anders machen könnte. Die Wirklichkeit ist nicht so, daß nur ein einzelnes Theoretisches auf sie paßt. Man könnte selbstverständlich auch alles anders machen. Der Utopist aber, der möchte bis ins einzelne hinein schlagwortartig alles charakterisiert haben. Und so sind denn diese «Kernpunkte der sozialen Frage» vielfach gerade durch die anderen im utopistischen Sinne ausgedeutet worden. Sie sind in Utopien vielfach umgewandelt worden, während sie nicht im entferntesten als Utopie gemeint sind, sondern hervorgegangen sind aus einem Betrachten dessen, was sich im Produktionsprozeß als der Kollektivismus ergeben hat, aus der Anschauung, wie nun wirklich von seiten der Produktion eine gewisse Notwendigkeit vorliegt, in diesen Kollektivismus hineinzusegeln, wie aber auf der anderen Seite alle Kraft der Produktion doch wiederum abhängt von den Fähigkeiten des menschlichen Individuums.
[ 12 ] However, one can only grasp the full extent of the misery that prevails today in this regard, penetrating even the deepest recesses of people’s souls, if one has immersed oneself—not through study, but through decades of practical life experience—in the very source from which this disharmony has arisen in the various spheres of life. And it is truly not from any principles, nor from theoretical considerations, but from these life experiences that what I have set forth in my book *The Key Points of the Social Question* has emerged. It was far from my intention to attempt, based on this practical experience of life, to arrive at some kind of utopian solution to the social question. I had to learn, however, that people’s thinking today tends quite involuntarily toward the utopian side. Naturally, I had to summarize what I had gleaned from the great diversity of life—things I would have preferred to discuss using specific, concrete examples—and I had to condense them into general statements, which in turn are grouped under the catchphrase “Threefold Social Order.” But the content within it had to be at least illustrated by a few guiding principles. It was necessary to explain how one envisions these matters being addressed. That is why I gave some examples of how the development of capitalism should proceed, how the labor question, for instance, should be resolved, and so on. In doing so, I tried to offer concrete, specific suggestions. Well, I have participated in many discussions about these “Key Points of the Social Question,” and I have always found that people, in their utopian views today, keep asking: “Yes, but what will this or that be like in the future?”—They have based their questions on the suggestions I made regarding specific details, which I never intended to be anything other than examples. In real life, after all, it’s the case that whatever you do—whatever you organize to the best of your knowledge—you can implement it in some form in reality, but of course you could also do it differently. Reality is not such that only a single theoretical framework fits it. Of course, one could also do everything differently. The utopian, however, wants to have everything characterized down to the smallest detail in the form of catchphrases. And so these “key points of the social question” have often been interpreted by others precisely in a utopian sense. They have frequently been transformed into utopias, even though they are not in the least intended as utopia, but have emerged from an examination of what has emerged in the production process as collectivism—from the observation that, on the one hand, there is indeed a certain necessity on the part of production to move toward this collectivism, while, on the other hand, all the power of production ultimately depends on the abilities of the human individual.
[ 13 ] So trat einem gerade aus der Betrachtung der modernen Produktion mit furchtbarer Intensität vor das seelische Auge, daß eigentlich der Grundimpuls, der aller Produktion zugrunde liegen muß, das persönliche Können, gewissermaßen absorbiert wird durch den Kollektivismus, der sich aus den wirtschaftlichen Kräften selbst heraus ergeben hat und immer weiter ergibt. Es trat einem auf der einen Seite entgegen dasjenige, wozu das wirtschaftliche Leben neigt, und auf der anderen Seite die auch selbstverständliche Forderung, die individuellen Kräfte der einzelnen menschlichen Persönlichkeit gerade innerhalb des Wirtschaftslebens zur Geltung zu bringen. Und es obliegt einem, über den sozialen Organismus so nachzudenken, wie diese Grundforderung des wirtschaftlichen Fortschrittes: die Pflege der individuellen Fähigkeiten —, bestehen kann im rein durch die technischen Verhältnisse immer Komplizierterwerden der Produktionsprozesse. Das ist es auf der einen Seite, was einem so ganz lebendig vor die Seele tritt: der wirkliche wirtschaftliche Fortgang, und die notwendigen Anforderungen, die man stellen muß an das wirtschaftliche Leben, damit es gedeihen könne.
[ 13 ] Thus, simply by observing modern production, it became painfully clear to the mind’s eye that the fundamental impulse that must underlie all production—namely, personal ability—is, so to speak, absorbed by the collectivism that has emerged from economic forces themselves and continues to emerge. On the one hand, one was confronted with the direction toward which economic life tends; on the other hand, with the equally self-evident demand to bring the individual strengths of each human personality to bear precisely within economic life. And it is up to us to reflect on the social organism in such a way that this fundamental requirement of economic progress—the cultivation of individual abilities—can endure amid the ever-increasing complexity of production processes, driven purely by technical conditions. On the one hand, this is what comes so vividly to mind: real economic progress and the necessary demands that must be placed on economic life so that it can flourish.
[ 14 ] Auf der anderen Seite geht ja alles das, was wir die heutige soziale Frage nennen, im Grunde genommen praktisch gar nicht aus den Produktionsinteressen hervor. Wenn im Produktionsgebiete nach Kollektivismus gesucht wird, so ergibt sich das eigentlich aus den technischen Möglichkeiten des Wirtschaftslebens, aus den technischen Notwendigkeiten auch. Was man gewöhnlich die soziale Frage nennt, wird eigentlich ganz und gar aus Konsumtionsinteressen vorgebracht, die wiederum nur auf der menschlichen Individualität beruhen können. Und die merkwürdige Tatsache stellt sich heraus, daß — wenn auch scheinbar etwas anderes stattfindet — aus reinen Konsumtionsinteressen heraus der Ruf nach Sozialisierung durch die Welt geht. Man sieht das auch, wenn man die Diskussionen und das Leben praktisch verfolgt. Ich habe das ja gesehen bei meinen Vorträgen, die ich im April 1919 zu halten begonnen habe, und die immer wieder gehalten wurden, und in den darauffolgenden Diskussionen, wie eigentlich unsympathisch berührt sind diejenigen, die als Produzenten oder Unternehmer im praktischen Wirtschaftsleben drinnen stehen, von der Diskussion dessen, was man soziale Frage nennt, in dem Sinne, wie es aus den Konsumtionsinteressen heraus gepredigt wird.
[ 14 ] On the other hand, everything we call the “social question” today does not, in essence, stem from production interests at all. When collectivism is sought in the realm of production, it actually arises from the technical possibilities of economic life—and from technical necessities as well. What is commonly called the social question is actually raised entirely out of consumer interests, which in turn can be based only on human individuality. And the curious fact emerges that—even if something else appears to be happening—the call for socialization is spreading throughout the world out of purely consumer interests. One can see this, too, by following the discussions and practical life. I observed this myself during the lectures I began giving in April 1919—and which were repeated time and again—and in the subsequent discussions: how deeply offended those who are actively involved in practical economic life as producers or entrepreneurs are by the discussion of what is called the “social question,” as it is preached from the perspective of consumer interests.
[ 15 ] Dagegen sieht man, wie im Grunde genommen überall, wo der Ruf nach Sozialismus aufkommt, nur das Konsumtionsinteresse ins Auge gefaßt wird. So daß man hier gerade in den Idealen des Sozialismus wirksam hat als Willensimpuls den Individualismus. Im Grunde genommen streben alle diejenigen, die sozialistisch sind, nach dem Sozialismus hin aus ganz individuellen Emotionen heraus. Und das Streben nach dem Sozialismus ist im Grunde genommen nur eine Theorie, die über dem, was die individuellen Emotionen sind, dahinschwimmt. Aber auf der anderen Seite ergibt sich durch eine ganz ernstliche Betrachtung dessen, was sich in unserem Wirtschaftsleben, auch wiederum seit Jahrhunderten, immer mehr und mehr entwickelt hat, die ganze volle Bedeutung desjenigen, was man ja landläufig in der Nationalökonomie, in der Volkswirtschaftslehre zusammenfaßt mit dem Namen Arbeitsteilung.
[ 15 ] In contrast, as is essentially the case wherever the call for socialism arises, one sees that the focus is solely on consumer interests. Thus, it is individualism that serves as the driving force behind the ideals of socialism. Essentially, all those who are socialists strive toward socialism out of entirely individual emotions. And the striving for socialism is, at its core, merely a theory that floats above these individual emotions. On the other hand, however, a very serious examination of what has been developing more and more in our economic life—again, over the course of centuries—reveals the full significance of what is commonly summarized in political economy and economics under the term “division of labor.”
[ 16 ] Ich bin überzeugt davon, daß außerordentlich viel Geistvolles über diese Arbeitsteilung geschrieben und gesagt worden ist, glaube aber nicht, daß sie in ihrer vollen Bedeutung für das praktische wirtschaftliche Leben bis in ihre letzten Konsequenzen schon durchdacht worden ist. Ich glaube das aus dem Grunde nicht, weil man sonst einsehen müßte, daß im Grunde genommen überhaupt aus dem Prinzip der Arbeitsteilung mit Konsequenz folgt, daß niemand eigentlich in einem sozialen Organismus, in dem volle Arbeitsteilung herrscht, für sich selber noch etwas produzieren — ich sage sogar — kann. Wir sehen ja heute noch die letzten Reste der Selbstproduktion, namentlich wenn wir die kleinen Landgüter ins Auge fassen. Da sehen wir, daß eigentlich derjenige, der produziert, das zurückbehält, was für seinen und seiner Familie Bedarf notwendig ist. Und was bewirkt dieses, daß er sozusagen ein Versorger des eigenen Bedarfs noch sein kann? Das bewirkt, daß er eigentlich in einer ganz unrichtigen Weise innerhalb eines sozialen Organismus produziert, der im übrigen auf Arbeitsteilung aufgebaut ist. Jeder, der heute sich selbst einen Rock macht, oder der sich selbst mit seinen eigenen, auf seinem eigenen Grund und Boden gebauten Nahrungsmitteln versorgt, versorgt sich eigentlich zu kostspielig, denn dadurch, daß Arbeitsteilung herrscht, kommt jedes Erzeugnis billiger zustande, als es zustandekommen kann, wenn man es für sich selbst fabriziert. Man braucht nur über diese Tatsache nachzudenken und man wird als ihre letzte Konsequenz das ansehen müssen, daß im Grunde genommen niemand heute so produzieren kann, daß irgendwie seine Arbeit in das Produktionserzeugnis, in das Erzeugnis hineinfließt. Und doch liegt die Merkwürdigkeit ja vor, daß zum Beispiel Karl Marx das Erzeugnis wie eine kristallisierte Arbeit behandelt. So ist es aber am allerwenigsten heute. Das Erzeugnis ist heute in bezug auf seinen Wert — und allein der kommt im wirtschaftlichen Leben in Betracht — von der Arbeit zunächst am allerwenigsten bestimmt. Es ist bestimmt von der Brauchbarkeit, das heißt von Konsumtionsinteressen, von der Brauchbarkeit, mit der es drinnen steht in dem auf Arbeitsteilung beruhenden sozialen Organismus.
[ 16 ] I am convinced that an extraordinary amount of insightful commentary has been written and spoken about this division of labor, but I do not believe that its full significance for practical economic life—right down to its ultimate consequences—has yet been fully thought through. I do not believe this because, otherwise, one would have to recognize that, fundamentally, it follows logically from the principle of the division of labor that no one in a social organism where a full division of labor prevails can actually produce anything for themselves—I would even go so far as to say. We still see the last remnants of self-production today, particularly when we consider small farms. There we see that the person who produces actually retains only what is necessary for his own and his family’s needs. And what does this mean—that he can, so to speak, still be a provider for his own needs? It means that he is actually producing in a completely incorrect manner within a social organism that is, for the rest, based on the division of labor. Anyone who makes their own coat today, or who provides for themselves with food grown on their own land, is actually doing so at too high a cost; for because the division of labor prevails, every product is produced more cheaply than it can be when one manufactures it for oneself. One need only reflect on this fact to see that its ultimate consequence is that, fundamentally, no one today can produce in such a way that their labor is in any way incorporated into the product. And yet it is indeed curious that, for example, Karl Marx treats the product as crystallized labor. But that is certainly not the case today. Today, in terms of its value—and value alone is what matters in economic life—the product is, first and foremost, least determined by labor. It is determined by its utility, that is, by consumer interests, and by the utility it serves within the social organism based on the division of labor.
[ 17 ] Das alles gibt einem auf wirtschaftlichem Gebiete die großen Fragen der Gegenwart auf. Und aus diesen Fragen heraus hat sich mir ergeben, daß wir eben einfach in dem heutigen Zeitpunkte der Menschheitsentwickelung vor der Notwendigkeit stehen, den sozialen Organismus so zu gestalten, daß er immer mehr und mehr seine naturgemäßen drei Glieder zeigt. Und als eines dieser drei Glieder muß ich zunächst erkennen das Geistesleben, das im wesentlichen beruht auf den menschlichen Fähigkeiten. Ich rechne, indem ich von der Dreigliederung des sozialen Organismus spreche, nicht nur das mehr oder weniger abstrakte Geistesleben oder das spirituelle Leben in das geistige Gebiet hinein, sondern ich rechne alles das in das geistige Gebiet hinein, was auf menschlichen, geistigen oder physischen Fähigkeiten beruht. Das muß ich ausdrücklich betonen, sonst könnte man die Begrenzung des Geistgebietes im dreigliedrigen sozialen Organismus völlig mißverstehen. Auch derjenige, der nur Handarbeit verrichtet, braucht eine gewisse Geschicklichkeit zu dieser Handarbeit, er braucht verschiedenes andere noch, was den einzelnen in dieser Beziehung nicht erscheinen läßt als einen Angehörigen des reinen Wirtschaftens, sondern als einen Angehörigen des Geistgebietes.
[ 17 ] All of this raises the major economic questions of our time. And these questions have led me to the conclusion that, at this very moment in human development, we are faced with the necessity of structuring the social organism in such a way that it increasingly reveals its three natural components. And as one of these three members, I must first recognize the spiritual life, which is essentially based on human faculties. When I speak of the threefold structure of the social organism, I do not include in the spiritual realm merely the more or less abstract spiritual life or the spiritual life itself, but rather I include in the spiritual realm everything that is based on human, spiritual, or physical faculties. I must emphasize this explicitly; otherwise, one could completely misunderstand the boundaries of the spiritual sphere within the threefold social organism. Even someone who performs only manual labor requires a certain degree of dexterity for that work; they also require various other qualities, which, in this regard, do not make the individual appear as a member of the purely economic sphere, but rather as a member of the spiritual sphere.
[ 18 ] Das andere Gebiet des sozialen Organismus ist das des reinen Wirtschaftens. Im reinen Wirtschaften hat man es nur zu tun mit Produktion, Konsumtion und mit der Zirkulation zwischen Produktion und Konsumtion. Das heißt aber nichts anderes als: man hat es im reinen Wirtschaftsleben bloß mit der Zirkulation der erzeugten Güter, die, indem sie zirkulieren, zur Ware werden, man hat es mit der Zirkulation von Waren zu tun. Ein Gut, das innerhalb des sozialen Organismus dadurch, daß es gebraucht wird, einen bestimmten Wert erhält, der dann auf seinen Preis wirkt, ein solches Gut ist eben in dem Sinne, wie ich es auffassen muß, seine Ware.
[ 18 ] The other sphere of the social organism is that of pure economic activity. In pure economic activity, one deals only with production, consumption, and the circulation between production and consumption. But this means nothing other than that, in pure economic life, one deals solely with the circulation of produced goods, which, as they circulate, become commodities; one deals with the circulation of commodities. A good that, within the social organism, acquires a certain value through its use—a value that then affects its price—such a good is, in the sense in which I must understand it, a commodity.
[ 19 ] Nun ergibt sich aber das Weitere. Ich kann selbstverständlich die Dinge, die ich den Richtlinien nach andeuten will, nur aphoristisch andeuten, sonst würde die Auseinandersetzung viel zu lang werden. Es ergibt sich nun, daß all dasjenige, was Ware ist, einen wirklichen objektiven Wert im Zusammenhange nicht nur des Wirtschaftslebens, sondern des gesamten sozialen Lebens haben kann. Einfach durch das, was ein Produkt bedeutet innerhalb des Konsumtionslebens, bekommt es einen bestimmten Wert, der durchaus eine objektive Bedeutung hat. Ich muß nun erörtern, was ich jetzt mit dem Worte «objektive Bedeutung» meine.
[ 19 ] But this leads to a further point. Of course, I can only allude to the ideas I wish to convey in accordance with the guidelines in an aphoristic manner; otherwise, the discussion would become far too long. It follows, then, that everything that is a commodity can have a real, objective value in the context not only of economic life but of social life as a whole. Simply by virtue of what a product signifies within consumer life, it acquires a certain value that certainly has an objective significance. I must now discuss what I mean by the term “objective significance.”
[ 20 ] Mit «objektive Bedeutung» meine ich nicht, daß man diesen Wert einer Ware, von dem ich jetzt spreche, etwa durch Statistik oder dergleichen unmittelbar angeben könne. Dazu sind die Verhältnisse, aus denen heraus eine Ware ihren Wert erhält, viel zu kompliziert, viel zu mannigfaltig. Aber abgesehen von dem, was man zunächst darüber wissen kann, hat außerhalb unserer Erkenntnis jede Ware einen ganz bestimmten Wert. Wenn eine Ware einen bestimmten Preis auf dem Markt hat, so kann dieser Preis für den wirklichen objektiven Wert entweder zu hoch oder zu niedrig sein, oder er kann mit ihm übereinstimmen. Aber so wenig maßgebend der Preis ist, der äußerlich uns entgegentritt — weil er durch irgendwelche andere Verhältnisse gefälscht sein kann —, so wahr ist es auf der anderen Seite, wenn man in der Lage wäre, alle die tausend und abertausend einzelnen Bedingungen anzugeben, aus denen heraus produziert und konsumiert wird, so würde man den objektiven Wert einer Ware angeben können. Daraus geht hervor, daß das, was Ware ist, in einer ganz besonderen Art im wirtschaftlichen Leben drinnen steht. Was ich nämlich nun den objektiven wirtschaftlichen Wert nenne, das kann man nur auf die Ware anwenden, das kann man nicht anwenden auf anderes, das heute in einem ähnlichen Sinne in unserem wirtschaftlichen Leben drinnen steht wie die Ware. Man kann es nämlich nicht anwenden auf Grund und Boden, und man kann es nicht anwenden auf das Kapital.
[ 20 ] By “objective significance,” I do not mean that one can directly determine the value of a commodity—which I am now discussing—through statistics or the like. The conditions from which a commodity derives its value are far too complex and far too diverse for that. But apart from what we can initially know about it, every commodity has a very specific value that lies beyond our knowledge. If a commodity has a certain price on the market, this price may be either too high or too low in relation to its real objective value, or it may correspond to it. But just as the price that appears to us externally is not decisive—because it may be distorted by various other circumstances—so it is true, on the other hand, that if one were able to specify all the thousands upon thousands of individual conditions under which production and consumption take place, one would be able to determine the objective value of a commodity. It follows from this that a commodity occupies a very special place in economic life. For what I now call objective economic value can be applied only to commodities; it cannot be applied to other things that currently occupy a similar place in our economic life as commodities do. It cannot be applied to land, nor can it be applied to capital.
[ 21 ] Ich möchte nicht mißverstanden werden, Sie werden von mir niemals zum Beispiel Charakteristiken des Kapitalismus hören, wie man sie heute so oft erhält, und die aus allerlei Schlagworten heraus kommen. Es ist ja so selbstverständlich, daß man es gar nicht weiter auszuführen braucht, daß im heutigen Wirtschaftsleben ohne Kapitalien gar nichts auszurichten ist, und daß das Wettern gegen den Kapitalismus eben ein wirtschaftlicher Dilettantismus ist. Also nicht dasjenige, was man heute so oftmals hören kann, liegt in dem, was ich jetzt über das Kapital und über Grund und Boden zu sagen habe, sondern doch etwas anderes. Wenn man bei jeder Ware angeben kann, daß ihr Preis über oder unter einer allerdings nicht ohne weiteres angebbaren Mitte liegt, die aber objektiv vorhanden ist, und die das allein Heilsame ist, obwohl sie zunächst nicht erkannt werden kann, so kann man das nicht angeben für etwas, was heute gleich einer Ware behandelt wird: für Grund und Boden. Der Preis für Grund und Boden, der Wert von Grund und Boden unterliegt heute durchaus dem, was man nennen kann menschliche Spekulation, was man nennen kann alles andere als soziale Impulse. Und es liegt keine Objektivität vor für eine Preisansetzung oder Wertansetzung im wirtschaftlichen Sinne für Grund und Boden. Das ist aus dem Grunde so, weil eine Ware, nachdem sie vorhanden ist — gleichgültig, ob sie gut oder schlecht ist, ist sie gut, ist sie eben gut brauchbar, ist sie schlecht, ist sie eben schlecht brauchbar —, ihren objektiven Wert selber festsetzen kann durch die Art und Weise und die Intensität, in der nach ihr Bedarf ist.
[ 21 ] I don’t want to be misunderstood; you will never hear me, for example, offer characterizations of capitalism such as those so often heard today, which are based on all sorts of catchphrases. It goes without saying—so much so that there is no need to elaborate further—that in today’s economic life, nothing can be accomplished without capital, and that railing against capitalism is simply economic amateurism. So what I have to say now about capital and land is not what one so often hears today, but rather something else. While it is possible to state for every commodity that its price lies above or below a mean—which, admittedly, cannot be readily specified but which objectively exists and is the sole source of salvation, even though it cannot be recognized at first glance—this cannot be stated for something that is treated today as if it were a commodity: land. The price of land, the value of land, is today entirely subject to what one might call human speculation—which is anything but a social impulse. And there is no objectivity whatsoever in setting a price or determining a value for land in the economic sense. This is because a commodity, once it exists—regardless of whether it is good or bad (if it is good, it is useful; if it is bad, it is of little use)—can determine its own objective value through the nature and intensity of the demand for it.
[ 22 ] Das kann nicht gesagt werden von Grund und Boden, kann auch nicht gesagt werden von Kapital. Bei Grund und Boden und bei dem Kapital hängt die Art und Weise, wie er trägt, wie er sich hineinstellt in den ganzen sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhang, durchaus von den menschlichen Fähigkeiten ab. Sie sind niemals etwas Fertiges. Habe ich irgendeinen Grund und Boden zu verwalten, so kann ich ihn nur verwalten nach meinen Fähigkeiten, und sein Wert ist dadurch etwas durchaus Variables. Ebenso ist es in bezug auf das Kapital, das ich zu verwalten habe. Derjenige, der diese Tatsache in ihrer vollen Bedeutung praktisch studiert, der wird eben sagen müssen: Dieser radikale Unterschied zwischen einer Ware einerseits, Grund und Boden und Kapital andrerseits, ist durchaus vorhanden. — Und daraus ergibt sich, daß gewisse Symptome, die in unserem Wirtschaftsleben auftreten und die uns deutlich als Krankheitssymptome des sozialen Organismus erscheinen, daß sie in irgendeinem Zusammenhange gedacht werden müssen mit dem, was sich im wirtschaftlichen Leben dadurch ergibt, daß man praktisch mit demselben Gelde, das heißt mit derselben Wertschätzung behandelt das, was eigentlich gar nicht kommensurabel ist, daß man also zusammenwirft und gegeneinander auf dem Umwege durch das Geld zum Austausche bringt, zur wirtschaftlichen Wechselwirkung bringt, was seiner inneren Wesenheit nach ganz verschieden ist, also auch verschieden im wirtschaftlichen Leben behandelt werden müßte.
[ 22 ] The same cannot be said of land, nor can it be said of capital. In the case of both land and capital, the way in which they yield returns—how they fit into the broader social and economic context—depends entirely on human capabilities. They are never a fixed entity. If I have any land to manage, I can manage it only according to my abilities, and its value is therefore something entirely variable. The same is true of the capital I have to manage. Anyone who studies this fact in its full significance in practice will have to conclude: This radical difference between a commodity on the one hand, and land and capital on the other, certainly exists. — And it follows from this that certain symptoms that arise in our economic life—and which clearly appear to us as symptoms of a disease in the social organism—must be understood in some connection with what arises in economic life from the fact that, in practice, the same money, that is, with the same valuation, treats things that are actually not at all commensurable—that is, that one lumps together and, indirectly through money, brings into exchange and economic interaction things that are entirely different in their inner nature and therefore ought to be treated differently in economic life as well.
[ 23 ] Und wenn man nun weiter praktisch studiert, wie eigentlich in unseren sozialen Organismus hineingekommen ist die Gleichbehandlung, sozusagen das Zahlen mit demselben Gelde sowohl für Waren, also für Gebrauchsgüter, wie auch für Grund und Boden und für Kapital, das ja im Grunde genommen auch ein Gegenstand des Handels geworden ist, wie jeder weiß, der das Wirtschaftsleben kennt, wenn man sich also fragte, wie das eigentlich gekommen ist, und das geschichtliche Werden der Menschheit verfolgt, so sieht man, daß unorganisch heute zusammenwirken in unserem sozialen Organismus drei Gebiete des Lebens, die im Grunde genommen aus ganz verschiedenen Wurzeln stammen und die einen Zusammenhang im sozialen Leben nur durch den individuellen Menschen haben. Das ist eben erstens das Geistesgebiet, dasjenige Gebiet, in dem die menschlichen Fähigkeiten sich betätigen, die eigentlich der Mensch von anderen Welten her auf die Erde bringt, die in seinen Anlagen liegen, die in dem liegen, was er aus diesen Anlagen heraus erlernen kann, die durchaus ein Individuelles darstellen, die um so intensiver entfaltet werden, je mehr die einzelne Individualität des Menschen im sozialen Leben zur Geltung kommen kann. Man mag Materialist oder was immer sein, man wird sagen müssen: Was auf diesem Gebiete sich betätigt, das bringt der Mensch durch die Geburt in diese Welt mit hinein, das ist etwas, von der physischen Geschicklichkeit des Handarbeiters bis zu den höchsten Äußerungen und Offenbarungen der Erfinderkraft, was durchaus auf die einzelne Individualität des Menschen angewiesen ist, wenn es gedeihen soll.
[ 23 ] And if we now proceed to study in practical terms how the principle of equal treatment actually came to be incorporated into our social organism—that is, the practice of paying the same price both for goods, that is, for consumer goods, and for land and capital, which, as anyone familiar with economic life knows, has essentially become an object of trade as well—if, then, we ask ourselves how this actually came about, and traces the historical development of humanity, one sees that three spheres of life are interacting in an inorganic way within our social organism today—spheres that, fundamentally, stem from entirely different roots and are connected in social life only through the individual human being. First and foremost is the spiritual realm—the realm in which human faculties are exercised, faculties that human beings actually bring to Earth from other worlds, that lie in their innate dispositions, that lie in what they can learn from these dispositions, that represent something thoroughly individual, and that unfold all the more intensely the more the individuality of each person can come to the fore in social life. One may be a materialist or whatever one may be, but one will have to admit: What is active in this realm is brought into this world by the human being at birth; it is something—ranging from the physical dexterity of the manual laborer to the highest expressions and manifestations of inventive power—that is entirely dependent on the individuality of the human being if it is to flourish.
[ 24 ] Ertwas anderes liegt vor auf dem Gebiete des Wirtschaftslebens. Was ich darüber sagen will, möchte ich durch eine Tatsache erörtern. Sie wissen ja alle, daß zu einer gewissen Zeit im 19. Jahrhundert da und dort das Ideal entstanden ist der einheitlichen Goldwährung. Wer verfolgt, was von praktischen Wirtschaftern, von wirtschaftlichen Theoretikern, von Parlamentariern gesagt worden ist in der Zeit, in der man da oder dort nach der Goldwährung gestrebt hat — ich sage es ganz gewiß ohne Ironie —, das ist außerordentlich geistvoll. Man ist oftmals tief durchdrungen von dem Geistvollen, das in Parlamenten, in Handelskammern, in sonstigen Gemeinschaften gesprochen worden ist, was geschrieben worden ist über die Goldwährung und ihren Segen für das Wirtschaftsleben. Das eine, was gesagt worden ist und was gerade von den bedeutendsten Menschen betont worden ist, von vielen wenigstens der bedeutendsten Menschen betont worden ist, das ist, daß die Goldwährung es dahin bringen werde, daß überall der wirtschaftlich segensreiche Freihandel blühen werde, daß die wirtschaftlich schädigenden politischen Grenzen ihre wirtschaftliche Bedeutung verlieren werden. Und die Gründe, die Beweise, die vorgebracht worden sind für solche Behauptungen, die sind außerordentlich geistreich. Und was ist in der Wirklichkeit eingetreten? In der Wirklichkeit ist nämlich das eingetreten, daß gerade auf den Gebieten, wo man erwartet hat, daß durch die Goldwährung die wirtschaftlichen Grenzen fallen, diese doch als notwendig sich herausgestellt haben oder wenigstens von vielen als notwendig betont worden sind. Aus dem wirklichen Wirtschaftsleben heraus hat sich ergeben das Gegenteil von dem, was aus theoretischen Erwägungen heraus gerade von den gescheitesten Leuten vorausgesagt worden ist.
[ 24 ] The situation is somewhat different in the realm of economic life. I would like to illustrate my point with a historical fact. As you all know, at a certain time in the 19th century, the ideal of a uniform gold standard emerged here and there. Anyone who follows what was said by practical economists, economic theorists, and members of parliament during the period when efforts were being made here and there to achieve the gold standard—and I say this quite certainly without irony—will find it extraordinarily insightful. One is often deeply moved by the insightful remarks made in parliaments, chambers of commerce, and other forums, as well as by what has been written about the gold standard and its benefits for economic life. One thing that has been said—and emphasized particularly by the most prominent figures, or at least by many of the most prominent figures—is that the gold standard will lead to the flourishing of economically beneficial free trade everywhere, and that economically harmful political borders will lose their economic significance. And the reasons and evidence put forward to support such claims are extraordinarily ingenious. And what has actually happened? In reality, what has happened is that precisely in those areas where it was expected that the gold standard would cause economic barriers to fall, these barriers have nevertheless proved to be necessary—or at least have been emphasized as necessary by many. Actual economic life has revealed the opposite of what was predicted on the basis of theoretical considerations, even by the most intelligent people.
[ 25 ] Es ist dies eine sehr wichtige historische Tatsache, die nicht allzu weit hinter uns liegt, aus der man nur die nötigen Konsequenzen ziehen sollte. Und welches sind diese nötigen Konsequenzen? Es sind diese, die sich einem immer ergeben, wenn man in die wirkliche Wirtschaftspraxis hineinschaut: daß auf dem Gebiete des eigentlichen Wirtschaftslebens, das aus Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum besteht — lassen Sie mich das Paradoxon aussprechen, ich halte es für eine Wahrheit, die sich wirklich dem unbefangenen Betrachten ergibt —, dem einzelnen seine Gescheitheit gar nichts nützt. Man kann noch so gescheit sein, kann über das wirtschaftliche Leben noch so gescheit nachdenken, die Beweise können restlos stimmen, aber sie werden sich im wirtschaftlichen Leben nicht bewahrheiten. Warum das? Weil das wirtschaftliche Leben überhaupt nicht durch die Erwägung des einzelnen umfaßt werden kann, sondern weil das wirtschaftliche Erfahren, das wirtschaftliche Erkennen nur durch die Verständigung von in verschiedener Weise am Wirtschaftsleben Interessierten zu gültigen Urteilen kommen kann. Niemals kann der einzelne ein bündiges Urteil, auch nicht durch Statistik darüber gewinnen, wie die Wirtschaft laufen soll, sondern nur durch Verständigung, sagen wir, von Konsumenten und Produzenten, die sich in Gesellschaften vereinigen, wodurch der eine dem anderen sagt, was für Bedürfnisse vorliegen, der andere dem einen das sagt, was die Produktion als Möglichkeit hat. Nur wenn ein Kollektivurteil aus der Verständigung innerhalb von Gemeinschaften des wirtschaftlichen Lebens entsteht, kann ein gültiges Urteil für das Wirtschaftsleben sich ergeben.
[ 25 ] This is a very important historical fact, one that is not too far behind us, from which one should simply draw the necessary conclusions. And what are these necessary conclusions? They are the ones that always become apparent when one looks into actual economic practice: that in the realm of economic life itself—which consists of the production, circulation, and consumption of goods—let me state this paradox, for I consider it a truth that truly becomes evident to the impartial observer—an individual’s cleverness is of no use whatsoever. No matter how clever one may be, no matter how cleverly one may reflect on economic life, no matter how completely the evidence may add up, it will not prove true in economic life. Why is that? Because economic life cannot be comprehended at all through the deliberations of the individual, but rather because economic experience and economic understanding can only lead to valid judgments through the mutual understanding of those with various interests in economic life. The individual can never arrive at a concise judgment—not even through statistics—regarding how the economy should function, but only through mutual understanding, say, between consumers and producers who unite in associations, whereby one tells the other what needs exist, and the other tells the one what production is capable of. Only when a collective judgment arises from communication within communities of economic life can a valid judgment regarding economic life emerge.
[ 26 ] Hier berühren wir allerdings etwas, wo die äußere Wirtschaftserkenntnis an, ich möchte sagen, Wirtschaftspsychologie stößt. Aber das Leben ist ja ein Einheitliches, und man kann eben die Seelen der Menschen nicht umgehen, wenn man vom praktischen Leben wirklich sprechen will. Um was es sich handelt ist also, daß ein wirkliches wirtschaftliches Urteil nur folgen kann aus der Verständigung der im Wirtschaftsleben Drinnenstehenden, aus den Erkenntnissen heraus, die sich die einzelnen als Partialerkenntnisse erwerben, und die erst zu adäquaten Urteilen werden dadurch, daß sich die einzelne Erkenntnis des einen an der Erkenntnis des anderen abschleift. Nur die Auseinandersetzung kann im wirtschaftlichen Leben zu gültigen Urteilen führen. Damit aber haben wir zwei radikal verschiedene Gebiete des menschlichen Lebens. Und je praktischer man das Leben anschaut, desto mehr ergibt sich, daß die beiden Gebiete verschieden sind voneinander, und daß zum Beispiel die Produktion, die ja erfordert, daß man die Kenntnisse hat, wie produziert werden soll, wie man aus den menschlichen Fähigkeiten heraus arbeitet, durchaus das menschliche Individuum auf den Plan ruft, daß aber alles dasjenige, was mit der Ware, mit dem Gute geschieht, wenn es produziert ist, dem Kollektivurteil unterliegt. Zwischen beiden Gebieten drinnen steht ein drittes, wo nun nicht der einzelne dasteht, um seine Fähigkeiten, die er sich durch die Geburt ins Leben gebracht hat, zu entfalten, wo er auch nicht mit irgendwelchen anderen sich verbinden kann, um an ihnen sein wirtschaftliches Urteil abzuschleifen und ein Kollektivurteil zustande zu bringen, das für die Bewertung des wirtschaftlichen Lebens in der Praxis gelten kann, sondern wo er so gegenübersteht dem Menschen, daß dieses Gegenüberstehen ein rein Menschliches, ein Verhältnis von Mensch zu Mensch ist.
[ 26 ] Here, however, we are touching on something where external economic understanding—I would say, economic psychology—comes into play. But life is, after all, a unified whole, and one simply cannot ignore people’s souls if one truly wants to speak of practical life. The point, then, is that a genuine economic judgment can only arise from the understanding of those who are actively involved in economic life—from the insights that individuals acquire as partial understandings, which only become adequate judgments when one person’s individual insight is refined by another’s. Only through discussion can valid judgments be reached in economic life. But this brings us to two radically different spheres of human life. And the more practically one views life, the more evident it becomes that these two spheres are distinct from one another, and that, for example, production—which, after all, requires knowledge of how to produce and how to work with human capabilities—indeed calls the human individual into play; yet everything that happens to the commodity, to the good, once it has been produced, is subject to collective judgment. Between these two spheres lies a third, where the individual does not stand alone to develop the abilities he has brought into life through birth, nor can he join with others to refine his economic judgment through interaction with them and arrive at a collective judgment, that can apply to the evaluation of economic life in practice, but where he faces his fellow human being in such a way that this encounter is a purely human one—a relationship from person to person.
[ 27 ] Und dieses Gebiet umfaßt alle Verhältnisse, in denen eben der einzelne Mensch dem einzelnen Menschen unmittelbar gegenübersteht, nicht als Wirtschaftender, sondern als Mensch, wo er es auch nicht zu tun hat mit den Fähigkeiten, die einem angeboren oder anerzogen sind, sondern wo er es zu tun hat mit dem, was er in dem sozialen Organismus tun darf oder wozu er verpflichtet sein kann, wozu er sein Recht hat, mit dem, was er im sozialen Organismus eben bedeutet, indem der Mensch als Mensch dem anderen Menschen rein menschlich gegenübersteht, abgesehen von seinen Fähigkeiten, abgesehen von seiner wirtschaftlichen Position. Das ist das dritte Gebiet des sozialen Organismus.
[ 27 ] And this sphere encompasses all relationships in which one individual stands directly face-to-face with another individual—not as an economic actor, but as a human being—where the focus is not on innate or acquired abilities, but rather on what one is permitted to do within the social organism or what one may be obligated to do, what they are entitled to, and what they actually represent within the social organism—namely, when one human being faces another purely as a human being, apart from their abilities and apart from their economic position. This is the third sphere of the social organism.
[ 28 ] Es könnte scheinen, als ob diese drei Gebiete ausgeklügelt wären. Das sind sie nicht. Es scheint, als ob sie nicht der Praxis entnommen wären. Das sind sie aber gerade. Denn was ihr Spezifisches ausmacht, das ist unmittelbar in der Lebenspraxis das Wirksame. Und wenn diese drei Gebiete des sozialen Organismus in einer falschen Art zusammenwirken, so entstehen die Schädigungen des sozialen Organismus. Ich habe in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» — nicht, um etwas zu beweisen, ich weiß sehr gut, daß man durch Analogien niemals etwas beweisen kann, aber um etwas, was ich zu sagen hatte, zu erläutern — die Analogie gebraucht von dem menschlichen Organismus, der ganz gewiß eine Einheit ist, der aber, wenn man ihn mit wirklicher Physiologie analysiert, dennoch auch auf einer Dreigliederung beruht. Wir haben deutlich voneinander unterschieden im menschlichen Organismus den Nerven-Sinnes-Organismus, der zwar den ganzen Menschen durchzieht, aber hauptsächlich im Haupte lokalisiert ist. Wir haben dann im Menschen als zweiten relativ selbständigen Organismus den Atmungs- und Zirkulationsrhythmus, den Rhythmus-Organismus. Und wir haben als dritten Organismus den Stoffwechsel-Gliedmaßen-Organismus, alles dasjenige, was beruht entweder auf den inneren Funktionen des Stoffwechsels oder auf dem Stoffwechselverbrauch in der äußeren menschlichen Beträtigung, die ja anfängt mit der Regung der menschlichen Gliedmaßen, wodurch der Stoffwechsel in Anspruch genommen wird. Wie gesagt, der Mensch ist eine Einheit, aber er ist es gerade dadurch, daß diese drei relativ selbständigen Glieder harmonisch ineinanderwirken. Und würde man an Stelle dieses organischen Zusammenwirkens wünschen, daß der Mensch eine abstrakte Einheit sein soll, so würde man eben etwas Törichtes wünschen. Jedes dieser Glieder hat seine eigenen Öffnungen nach der Außenwelt, die Sinne, die Atmungsöffnungen, die Ernährungsöffnung: relative Selbständigkeit. Und gerade durch diese relative Selbständigkeit wirken die Glieder in der richtigen Weise organisch harmonisch zusammen, indem jedes Glied seine ihm eigene spezifische Kraft entwickelt und dadurch ein Einheitliches entsteht. Wie gesagt, ich weiß, daß man durch Analogie nichts beweisen kann. Ich will auch dadurch nichts beweisen, sondern nur erläutern. Denn derjenige, der ebenso objektiv wie in dieser Physiologie die Dreigliederung des Menschen betrachtet, objektiv den sozialen Organismus betrachtet, wird finden, daß aus seinen ureigensten Qualitäten heraus der soziale Organismus erfordert eine selbständige, relativ selbständige Stellung des Wirtschaftsorganismus, des staatlich-politischen oder rechtlichen Organismus und des geistigen Organismus, in der Begrenzung, wie ich sie angedeutet habe.
[ 28 ] It might seem as though these three areas were contrived. They are not. It seems as though they were not drawn from practical experience. But that is precisely the case. For what constitutes their specific nature is precisely what is effective in the practical reality of life. And when these three spheres of the social organism interact in the wrong way, damage to the social organism results. In my *Key Points of the Social Question*, —not to prove anything; I know very well that one can never prove anything through analogies, but to illustrate a point I wanted to make—I used the analogy of the human organism, which is certainly a unity, but which, when analyzed using actual physiology, is nevertheless also based on a threefold division. We have clearly distinguished within the human organism the nervous-sensory organism, which, although it permeates the entire human being, is primarily localized in the head. We then have, as a second relatively independent organism within the human being, the respiratory and circulatory rhythm—the rhythm organism. And as a third organism, we have the metabolic-limb organism—everything that is based either on the internal functions of metabolism or on the metabolic expenditure involved in external human activity, which, after all, begins with the movement of the human limbs, thereby engaging the metabolism. As I said, the human being is a unity, but this is precisely because these three relatively independent components interact harmoniously with one another. And if, instead of this organic interaction, one were to wish for the human being to be an abstract unity, one would simply be wishing for something foolish. Each of these components has its own openings to the outside world—the senses, the respiratory openings, the alimentary opening—relative independence. And it is precisely through this relative independence that the members interact in the right way—organically and harmoniously—as each member develops its own specific power, thereby giving rise to a unified whole. As I said, I know that one cannot prove anything by analogy. Nor do I intend to prove anything by this, but only to explain. For anyone who views the threefold structure of the human being as objectively as in this physiology, and who views the social organism objectively, will find that, based on its very own qualities, the social organism requires an independent, relatively independent position for the economic organism, the state-political or legal organism, and the spiritual organism, within the limits I have indicated.
[ 29 ] Man hat vielfach mißverständlich dieser Dreigliederung des sozialen Organismus vorgeworfen, daß ja im Grunde genommen diese Trennung gar nicht stattfinden könne, daß zum Beispiel ins Wirtschaftsleben fortwährend die Rechtsverhältnisse hineinspielen, daß auch die geistigen Fähigkeiten hineinspielen und daß es daher ein Unding sei, eine Gliederung im Sinne dieser Dreiheit für den sozialen Organismus herbeiführen zu wollen.
[ 29 ] This threefold structure of the social organism has often been criticized, mistakenly, on the grounds that such a separation could not actually take place—that, for example, legal relationships constantly play a role in economic life, that intellectual faculties also play a role, and that it is therefore absurd to attempt to bring about a structure for the social organism based on this triad.
[ 30 ] Auch im menschlichen natürlichen Organismus wirken die drei Glieder eben zu einer Einheit zusammen, gerade dadurch, daß sie, ein jedes, in ihrer spezifischen Eigentümlichkeit sich auswirken können, und es ist durchaus so, daß auch der Nerven-Sinnes-Organismus ernährt wird, daß er seine besonderen Ernährungsvorgänge hat und daß dasjenige, was der Nerven-Sinnes-Organismus ist, auch seine Bedeutung für den Stoffwechsel-Organismus hat. Daß die drei Glieder dennoch relativ selbständig sind, das ergibt eine gesunde Physiologie.
[ 30 ] In the human natural organism, too, the three members work together as a unity, precisely because each one can exert its specific characteristics, and it is certainly the case that the nervous-sensory organism is also nourished, that it has its own particular nourishing processes, and that what the nervous-sensory organism is also has its significance for the metabolic organism. The fact that the three systems are nevertheless relatively independent is a finding of sound physiology.
[ 31 ] Eine gesunde soziale Physiologie wird auch ergeben, daß gerade bei relativer Selbständigkeit jedes der drei einzelnen Gebiete — das Geistgebiet, dasjenige Gebiet, wo der Mensch einfach als Mensch dem anderen gegenübersteht, also das rechtlich-staatlich-politische Gebiet, und das wirtschaftliche Gebiet, wo der Mensch zu Assoziationen, zu Gemeinschaften in dem angedeuteten Sinne vorschreiten muß —, daß diese Gebiete, wenn sie relativ selbständig ihre ureigenen Qualitäten entwickeln, dann gerade im rechten Sinne zu einer Einheit zusammenwirken können. Es ist, was sich hier geltend macht, durchaus nicht eine Aufwärmung etwa der alten platonischen Dreigliederung: Lehrstand, Wehrstand, Nährstand, denn da sind die Menschen gegliedert nach drei Ständen. Von einer solchen Gliederung kann unserer gegenwärtigen Zeitlage gemäß nicht die Rede sein, sondern allein von einer Gliederung der Verwaltung, der äußeren Gestaltung der drei Gebiete des Lebens ist allein bei der Dreigliederung des sozialen Organismus die Rede.
[ 31 ] A healthy social physiology will also show that, precisely when each of the three individual spheres—the spiritual sphere, the sphere where human beings simply face one another as human beings (that is, the legal, state, and political sphere), and the economic sphere, where human beings must progress toward associations and communities in the sense indicated—that these spheres, when they develop their own inherent qualities with relative autonomy, can then work together to form a unity in the true sense. What is being asserted here is by no means a revival of, say, the old Platonic tripartite division: the scholarly class, the military class, and the productive class, for there people are divided into three classes. Given our current circumstances, there can be no question of such a division; rather, the threefold social organism refers solely to a division of administration—the external organization of the three spheres of life.
[ 32 ] Das geistige Gebiet soll durchaus aus seinen eigenen Grundlagen heraus verwaltet werden. Diejenigen, welche, sagen wir zum Beispiel, Lehrer sind, sie sollen zu gleicher Zeit die Verwalter des Unterrichtswesens sein, so daß wir also nicht getrennt haben auf der einen Seite die pädagogisch-didaktische Wissenschaft, und auf der anderen Seite die Vorschriften des politischen Organismus für den Unterricht. Aus dem, was pädagogisch-didaktische Wissenschaft ist, also unmittelbar aus dem Geistigen, muß alle Verwaltung auf dem Geistgebiete hervorgehen. Auf dem politisch-staatlichen Gebiete wird alles durch die Verständigung von Mensch zu Mensch in den entsprechenden Verwaltungs- und Verfassungskörperschaften hervorgehen können. Auf dem wirtschaftlichen Gebiete werden sich aus Gründen, die ja schon aus meinen heutigen Darlegungen hervorgehen, Assoziationen bilden müssen, in denen die Menschen als Wirtschaftssubjekte drinnen stehen. Diese Assoziationen auf wirtschaftlichem Gebiete, was müssen sie denn vorzugsweise für eine Aufgabe haben? Nun, bei der Gestaltung dieser Aufgabe kann sich gerade das Spezifische zeigen, das ich versucht habe darzustellen in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage». In diesen «Kernpunkten der sozialen Frage» ist nirgends gesagt, so oder so sollen soziale Einrichtungen entstehen, das oder jenes ist das Allerbeste. Das würde für mich schon die Berührung mit einem Utopistischen sein. Denn wer das heutige Menschenleben kennt, der weiß, daß selbst wenn man die besten Theorien ausdenkt, die Lebenspraxis von diesen Theorien unendlich wenig hat. Ich bin sogar praktisch von folgendem überzeugt: Man kann, wenn man zwölf, oder weniger oder mehr, gar nicht besonders gescheite Leute zusammensetzt, wunderbare Programme über alles, sagen wir zum Beispiel über die Einrichtung der Volksschule, erhalten, Programme, gegen die gar nichts einzuwenden ist: Punkt 1, Punkt 2, Punkt 3. Wenn das alles Wirklichkeit würde, was da in Punkt 1, Punkt 2, Punkt 3 steht, es wäre geradezu eine ideale Schule da. Aber es kann nicht wirklich werden, weil der Mensch zwar das Idealste ausdenken kann; was sich aber verwirklichen läßt, hängt von ganz anderen Bedingungen ab.
[ 32 ] The intellectual realm should certainly be administered on the basis of its own principles. Those who are, say, teachers, for example, should at the same time be the administrators of the educational system, so that we do not have, on the one hand, the science of pedagogy and didactics, and on the other hand, the regulations of the political organism governing education. All administration in the spiritual realm must arise from the science of pedagogy and didactics—that is, directly from the spiritual. In the political-state sphere, everything will be able to emerge through mutual understanding between people within the corresponding administrative and constitutional bodies. In the economic sphere, for reasons that are already evident from my remarks today, associations will have to form in which people participate as economic agents. What, then, should be the primary task of these associations in the economic sphere? Well, it is precisely in shaping this task that the specific nature I have sought to describe in my *Key Points of the Social Question* can become apparent. Nowhere in these “Key Points of the Social Question” is it stated that social institutions should be established in one way or another, or that this or that is the very best. For me, that would already border on utopianism. For anyone familiar with human life today knows that even if one devises the best theories, real-life practice has infinitely little to do with these theories. I am, in fact, practically convinced of the following: If you bring together twelve—or fewer, or more—people who aren’t particularly clever, you can come up with wonderful programs on just about anything, say, for example, on the organization of elementary schools—programs against which there is absolutely nothing to object to: Point 1, Point 2, Point 3. If everything stated in Point 1, Point 2, and Point 3 were to become reality, the result would be nothing short of an ideal school. But it cannot really become reality, because although humans can conceive of the most ideal things, what can actually be realized depends on entirely different conditions.
[ 33 ] Wir haben, und zwar soweit es in der heutigen Zeit möglich ist, versucht, in der Waldorfschule in Stuttgart etwas zu begründen, was nun gar nicht auf Programmen aufgebaut ist, was lediglich aus Pädagogik und Didaktik selbst herausfließt. Die Freie Waldorfschule hat eine Anzahl von Lehrern. Auch diese würden, obwohl ich sie deswegen nicht gerade rühmen möchte, wenn sie sich zusammensetzten, ideale Schulprogramme ersinnen können. Aber das wird uns erspart. Die Menschen, die lebendigen Menschen sind in der Lehrerschaft da. Und was die können, das beste, das man aus ihnen herausbringen kann, das soll entwickelt werden. Alle idealen Programme werden dabei abgewiesen, alle Vorschriften werden abgewiesen, alles wird in den unmittelbaren Impuls des individuellen Könnens gestellt. Keine Vorschrift beirrt denjenigen, der — und das ist eben die Aufgabe des individuellen, des persönlichen Menschen — aus Pädagogik und Didaktik, das heißt aus seinen eigenen Fähigkeiten heraus tätig eingreifen soll auf einem gewissen Gebiete des Geisteslebens.
[ 33 ] We have tried, as far as is possible in this day and age, to establish something at the Waldorf School in Stuttgart that is not based on any set curriculum, but rather flows directly from pedagogy and didactics themselves. The Free Waldorf School has a number of teachers. Even they—though I do not wish to praise them for this—could devise ideal school curricula if they got together. But we are spared that. The people—the living human beings—are present in the teaching staff. And what they are capable of—the very best that can be drawn out of them—is what should be developed. All ideal programs are rejected in this process; all regulations are rejected; everything is placed within the immediate impulse of individual ability. No regulation misleads the one who—and this is precisely the task of the individual, the personal human being—is to intervene actively in a certain area of spiritual life based on pedagogy and didactics, that is, based on his or her own abilities.
[ 34 ] Man kann selbstverständlich heute solche Dinge nur bis zu einem gewissen Grade ausführen. Aber im praktischen Leben läßt sich eben nirgends ein Ideal verwirklichen, sondern man muß das tun, was sich aus den Lebensmöglichkeiten heraus ergibt. Ebenso ist für alles übrige aus meinen «Kernpunkten der sozialen Frage» heraus verfahren. Nirgends ist der Versuch gemacht, zu zeigen, wie die einzelnen Einrichtungen sein sollen. Nicht als Forderung, nicht als Ideal, sondern als Beobachtung dessen, was der Mensch in seinem heutigen geschichtlichen Werden will, ist darauf aufmerksam gemacht, daß die Menschen — obwohl sie eben so sind, wie sie einmal sind —, auf ihren richtigen Platz gestellt, anders wirken könnten, als sie heute wirken. Ich gebe daher nicht wirkliche Gestaltungen, wie diese oder jene Einrichtung sein soll, sondern wende mich an die Menschen unmittelbar und sage: Wenn die Menschen in richtiger Weise zusammenwirken und in richtiger Weise die Gesichtspunkte finden, von denen aus sie die soziale Frage zu betrachten haben, dann wird das Beste entstehen, das entstehen kann. — Und ich glaube eben, daß die beste Gestaltung des sozialen Organismus aus dem Menschen heraus die ist, wenn jeder einzelne Mensch, ich möchte sagen, in gesonderter Körperschaft nachdenkt, wirkt und handelt auf dem Geistgebiete, auf dem Rechts- und Staats- oder politischen Gebiete, und auf dem Wirtschaftsgebiete. Jeder Mensch — nicht nach Ständen ist der soziale Organismus gegliedert —, jeder Mensch kann unter Umständen in allen drei Gebieten drinnen stehen, wenn er dazu die Kraft hat. Dasjenige, worauf es ankommt, ist nicht, daß dieser oder jener Mensch gerade auf diesem oder jenem Gebiete wirkt, sondern daß objektiv, abgesondert vom Menschen, diese drei Lebensgebiete selbständig aus ihren Grundbedingungen heraus verwaltet werden, so daß der Mensch in allen dreien oder in zweien oder in einem drinnen sein kann, aber jetzt verwaltet aus den Prinzipien dieses Gebietes heraus. Wer überdenkt, wie sich dadurch die Harmonie der drei Gebiete ergibt, der wird schon sehen, daß es gerade auf die Einheit bei dieser Dreigliederung ankommt, nicht auf die Trennung, wie man mißverständlich in den Kritiken und Besprechungen meint.
[ 34 ] Of course, today such things can only be carried out to a certain extent. But in practical life, no ideal can ever be fully realized; rather, one must do what arises from the possibilities of life. The same approach was taken for everything else in my “Key Points of the Social Question.” Nowhere is an attempt made to show what the individual institutions should look like. Not as a demand, not as an ideal, but as an observation of what people want in their current historical development, attention is drawn to the fact that people—even though they are exactly as they are—could have a different impact than they do today if they were placed in their proper place. I therefore do not provide concrete designs for how this or that institution should be, but address people directly and say: If people cooperate in the right way and find the right perspectives from which to view the social question, then the best possible outcome will emerge. — And I believe that the best structure for the social organism, arising from human beings themselves, is one in which each individual—I would say, as a separate entity—thinks, works, and acts in the spiritual realm, in the legal, state, or political realm, and in the economic realm. Every individual—the social organism is not structured according to social classes—every individual can, under certain circumstances, be active in all three spheres if they have the capacity to do so. What matters is not that this or that person is active in this or that sphere, but that, objectively and independently of the individual, these three spheres of life are administered autonomously according to their fundamental conditions, so that a person can be involved in all three, or in two, or in one, but now administered according to the principles of that sphere. Anyone who reflects on how this results in harmony among the three spheres will see that what matters in this threefold division is precisely unity, not separation, as is mistakenly assumed in the critiques and discussions.
[ 35 ] Und so handelt es sich ganz besonders im wirtschaftlichen Gebiete darum, daß die Dinge nicht gefunden werden sollen durch irgendwelche Festsetzungen, sagen wir, durch Studium der Statistik und dergleichen, sondern aus dem unmittelbaren Leben heraus. Ich will an ein Beispiel anknüpfen. Nicht wahr, jedermann weiß, daß ein Artikel, eine Ware im wirtschaftlichen Kreislauf zu billig wird, wenn eine zu große Anzahl von Menschen dasselbe produzieren, wenn eben zuviel produziert wird, und jeder Mensch weiß, daß eine Ware zu teuer wird, wenn zu wenige Menschen sie produzieren. Daran haben wir eine Richtschnur dafür, wo jene Mitte doch objektiv liegt, von der ich gesprochen habe. Diese Mitte, dieser objektive Wert, dieser objektive Preis, der kann nicht als solcher fixiert werden. Wenn aber Assoziationen entstehen, welche ihre Beschäftigung darinnen sehen, das wirtschaftliche Leben praktisch kennenzulernen, praktisch in jedem Augenblicke, in jeder Gegenwart zu studieren, dann kann die Hauptbeobachtung darin bestehen, wie Preise steigen, wie Preise fallen. Und es kann dadurch, daß Assoziationen sich mit diesem Steigen und Fallen der Preise befassen, durch Verhandlungen das erreicht werden, daß eine genügend große Anzahl von Menschen für eine wirtschaftliche Zusammengehörigkeit gebildet werde, eine genügend große Anzahl von Menschen sich mit einem Produktionszweig beschäftigt, daß man gewissermaßen durch Verhandlungen die rechte Anzahl von Menschen in einen Produktionszweig hineinbringt. Das läßt sich nicht theoretisch bestimmen, das läßt sich nur dadurch bestimmen, daß die Menschen an ihre richtige Stelle gestellt sind, daß also aus menschlichem Erleben heraus diese Dinge bestimmt werden. Daher kann man auch nicht sagen: Dies oder jenes ist der objektive Wert. Wenn aber Assoziationen in dieser Richtung im Wirtschaftsleben so arbeiten werden, daß sie es zu einer ihrer Obliegenheiten machen werden, Betriebe, die die Preise zu stark verbilligen nach den entsprechenden Bräuchen, allmählich abzubauen, andere dafür einzurichten, die anderes produzieren, dann werden sich genügend viele Menschen an den einzelnen Produktionszweigen beteiligen. Das kann nur durch ein wirkliches assoziatives Leben geschehen. Und dann wird sich das, was als Preis auftritt für irgendeine Ware, dem objektiven Preise nähern. So daß wir niemals sagen können: Aus diesen oder jenen Bedingungen heraus muß der objektive Preis so oder so sein, sondern nur sagen können: Wenn die richtige menschliche Assoziation entsteht, so kann durch ihre Arbeit im unmittelbaren Leben des sozialen Organismus der richtige Preis allmählich herauskommen. — Nicht darum handelt es sich, anzugeben, wie Institutionen sein sollen, damit das sozial Richtige geschehe, sondern darum handelt es sich, die Menschen in eine solche soziale Verbindung zu bringen, daß aus dem Zusammenwirken der Menschen die allmähliche Lösung der sozialen Fragen entstehe. Denn wer die soziale Frage richtig versteht, kann sie nicht als eine solche ansehen, die einmal heraufgekommen ist und durch irgendeine Utopie gelöst werden könnte, sondern die soziale Frage ist ein Ergebnis des neuzeitlichen Zusammenwirkens, wird eigentlich immer mehr in alle Zukunft vorhanden sein. Dasjenige aber, was obliegt, ist, daß die Menschen von ihrem wirtschaftlichen Gesichtspunkte aus die sozialen Strömungen verfolgen, und aus Assoziationen heraus, in denen allein ein wirtschaftliches Urteil entstehen kann, das wirtschaftliche Leben nun nicht durch Gesetze, sondern eben aus dem unmittelbaren Leben heraus, durch unmittelbares menschliches Verhandeln in die richtigen Bahnen bringen. Praktisch auf das Menschliche gestellt soll das soziale Leben werden.
[ 35 ] And so, particularly in the economic sphere, the point is that things should not be determined by arbitrary fixations—say, through the study of statistics and the like—but rather drawn directly from life itself. Let me give an example. Everyone knows, doesn’t it, that a product becomes too cheap in the economic cycle when too many people produce it—that is, when too much is produced—and everyone knows that a product becomes too expensive when too few people produce it. This gives us a guideline for where that objective middle ground I spoke of actually lies. This middle ground, this objective value, this objective price—it cannot be fixed as such. But when associations arise that see their purpose in gaining practical knowledge of economic life, in studying it practically at every moment, in every present situation, then the main observation can consist in how prices rise and how prices fall. And by having associations deal with this rise and fall of prices, it can be achieved through negotiation that a sufficiently large number of people are brought together in an economic community, that a sufficiently large number of people are engaged in a particular branch of production—that, so to speak, through negotiation, the right number of people are directed into a particular branch of production. This cannot be determined theoretically; it can only be determined by placing people in their proper roles—that is, by determining these matters based on human experience. Therefore, one cannot say: This or that is the objective value. But if associations in economic life operate in this way—making it one of their duties to gradually phase out businesses that undercut prices too sharply according to prevailing customs, and to establish others in their place that produce different goods—then a sufficient number of people will participate in the individual branches of production. This can only happen through a genuine associative life. And then the price that emerges for any given commodity will approach the objective price. So that we can never say: “Given these or those conditions, the objective price must be this or that,” but can only say: “If the right kind of human association arises, then through its work in the immediate life of the social organism, the correct price can gradually emerge.” — The point is not to specify what institutions should be like so that what is socially right may come about, but rather to bring people into such a social connection that the gradual resolution of social issues arises from their interaction. For anyone who truly understands the social question cannot view it as something that has simply arisen and could be solved by some utopian ideal; rather, the social question is a result of modern social interaction and will, in fact, continue to exist in ever-greater measure into the future. What is required, however, is for people to follow social trends from their economic perspective and, through associations—in which alone an economic judgment can arise—to steer economic life onto the right course not through laws, but precisely from within direct life itself, through direct human negotiation. Social life must be grounded in practical human reality.
[ 36 ] Also nicht darauf gehen die «Kernpunkte der sozialen Frage», irgendeine soziale Struktur zu schildern, sondern darauf gehen sie, anzudeuten, wie die Menschen in ein Verhältnis gebracht werden sollen, damit diese Menschen in ihrem Zusammenwirken von Zeitpunkt zu Zeitpunkt das tun, was die soziale Frage nun nicht in dem Sinne, wie man es manchmal erträumt, löst, sondern in das richtige Fahrwasser bringt. Diese Assoziationen, sie werden es also vorzugsweise, wie man schon daraus sieht, zu tun haben mit dem eigentlichen Wirtschaftsleben. Im eigentlichen Wirtschaftsleben zirkulieren Waren. Daher werden die Assoziationen vorzugsweise aus dem unmittelbaren Leben heraus die Tendenz zu gestalten haben nach dem richtigen Preise, so daß jeder tatsächlich aus seinem eigenen Erzeugen heraus dasjenige auch kaufen kann, was ihn versorgt. Ich habe einmal versucht, in eine Formel zu bringen, wie ein solcher gerechter Preis sich ausnehmen werde. Das ist natürlich nicht gemeint, daß er abstrakt bestimmt werden soll. Bestimmt wird er, wie ich angedeutet habe, aus dem wirklichen Leben heraus. Aber ich habe gesagt: Ein solcher Preis für irgendein Erzeugnis im sozialen Leben, also für eine Ware, ist der, der dem Menschen die Möglichkeit gibt, für sich und seine Familie den Lebensunterhalt und alle seine Bedürfnisse zu besorgen, bis er wiederum ein gleiches Produkt hervorgebracht hat.
[ 36 ] Thus, the “key points of the social question” are not concerned with describing any particular social structure, but rather with indicating how people should be brought into a relationship so that, in their interaction from one moment to the next, they do what does not solve the social question in the sense that is sometimes imagined, but rather steers it into the right course. These associations, as one can already see, will therefore primarily concern actual economic life. In actual economic life, goods circulate. Consequently, these associations will primarily have to shape the tendency toward the correct price out of immediate life itself, so that everyone can actually purchase, from the proceeds of their own production, what provides for their needs. I once attempted to formulate what such a just price would look like. Of course, this does not mean that it should be determined abstractly. As I have indicated, it is determined by real life. But I have said: Such a price for any product in social life—that is, for a commodity—is the one that gives a person the opportunity to provide for themselves and their family’s livelihood and all their needs until they have once again produced an equivalent product.
[ 37 ] Das stelle ich nicht als ein Dogma hin. Ich sage nicht: Das soll so sein, denn man würde es niemals ausführen können, weil man solche Theorien nicht in die Wirklichkeit einführen kann, sondern ich sage bloß, was sich als richtiger Preis ergibt durch das assoziative Zusammenwirken, das wird nach dieser Richtung hin tendieren. Ich will also gerade ein Resultat angeben. Nicht will ich ein Dogma, irgendein wirtschaftliches Dogma aufstellen. Und gerade darauf kommt es meiner Überzeugung nach beim heutigen wirtschaftlichen Denken an, daß man es überall auf menschliche Grundlagen stellt, daß man wiederum erkenne, inwiefern der Mensch überall der Motor des wirtschaftlichen Lebens sein muß, daß man nicht daran denkt, durch bloße, aus den Gedanken heraus, aus den Theorien heraus zu gestaltende Einrichtungen irgendwie einen sozialen Organismus zu gestalten, sondern daß man versucht, herauszubekommen, wie das Zusammenleben der Menschen sein soll, damit das Richtige entsteht.
[ 37 ] I am not presenting this as a dogma. I am not saying, “This is how it should be,” because it would never be possible to implement it—since such theories cannot be applied to reality—but I am simply saying that the price that emerges as the correct one through associative interaction will tend in this direction. So I simply want to present a result. I do not wish to establish a dogma—any kind of economic dogma. And in my conviction, this is precisely what matters in today’s economic thinking: that it be grounded everywhere in human principles; that we recognize once again to what extent human beings must be the driving force of economic life everywhere; that we do not think of shaping a social organism in any way through mere institutions devised from ideas or theories, but rather that we try to figure out how human coexistence should be, so that the right kind of system emerges.
[ 38 ] Ich möchte dies noch durch folgende Analogie klarmachen. Auf dem Naturgebiete gibt es dies: daß in den Voraussetzungen, in den Bedingungen, die durch die Menschen geschaffen werden, zwar etwas liegt, was aus dem elementaren Empfinden des Menschen herauskommt, was aber nicht darauf ausgeht, irgend etwas, was sich draußen im sozialen Leben gestaltet, zu fixieren. Man hat nämlich in der neuesten Zeit viel davon gesprochen, wie die embryonale Entwickelung des Menschen beeinflußt werden könnte, so daß man es in einem gewissen Sinne in seiner Willkür hätte, Knaben oder Mädchen in die Welt zu setzen. Nun, ich will natürlich über diese Frage heute nicht theoretisch reden, aber ich betrachte es als ein Glück, wenn diese Frage nicht restlos praktisch gelöst wird, denn obwohl die Menschen nicht abstrakt festlegen können, wie die beste Verteilung von männlichem und weiblichem Geschlecht in der Welt ist, so entsteht diese doch annähernd, ohne daß die Menschen etwas dazutun können. Es gibt eben objektive Gesetzmäßigkeiten, die dann entstehen, wenn der Mensch aus ganz anderen Bedingungen heraus einfach das tut, was seinen elementaren Impulsen entspricht. Und so wird auch, wenn die Assoziationen in der richtigen Weise und aus den Erkenntnissen des Lebens heraus wirken, ohne daß man dogmatisch vorausnimmt, so oder so muß der gerechte Preis sein, dieser Preis durch das assoziative Wirken entstehen. Ich nenne es assoziatives Wirken, weil gewahrt werden soll die menschliche Individualität im Assoziieren, das heißt im Vereinigen der Kräfte des einen mit der Kraft des anderen bleibt die Individualität vorhanden. In den Koalitionen, in den Genossenschaften geht die Individualität unter. Das ist dasjenige, was ins reale, nicht ins dogmatische wirtschaftliche Denken meiner Überzeugung nach hineinführen kann.
[ 38 ] I would like to clarify this further with the following analogy. In the realm of nature, the following is true: while the prerequisites and conditions created by human beings do contain something that stems from human’s elementary sensibility, this does not aim to determine anything that takes shape outside in social life. In recent times, there has been much discussion about how human embryonic development could be influenced, so that, in a certain sense, one would have the freedom to bring boys or girls into the world. Well, I certainly do not wish to discuss this question theoretically today, but I consider it fortunate that this question is not completely resolved in practical terms, for although people cannot determine in the abstract what the optimal distribution of male and female sexes in the world is, it nevertheless emerges approximately as such, without people being able to do anything about it. There are simply objective laws that arise when human beings, operating under entirely different conditions, simply act in accordance with their basic impulses. And so, when associations function in the right way and are based on insights gained from life—without dogmatically assuming that the “fair price” must be this or that—this price will emerge through associative action. I call it associative action because human individuality must be preserved in the process of association; that is, when the forces of one are united with the forces of another, individuality remains intact. In coalitions and cooperatives, individuality is lost. This, in my conviction, is what can lead to real—rather than dogmatic—economic thinking.
[ 39 ] Und man kann sich andere Aufgaben dieser Assoziationen denken. Wenn wir wiederum die Analogie mit dem menschlichen Organismus ins Auge fassen, so können wir sagen: An diesem oder jenem Symptom bemerken wir, daß der menschliche Organismus krank ist. Aus einem Symptomkomplex heraus können wir eine Anschauung über die Krankheit, über den Krankheitsprozeß gewinnen. Ganz ähnlich ist es mit dem sozialen Organismus. Wir sehen heute deutliche Krankheitssymptome im sozialen Organismus. Assoziationen sind das Gesundende. Assoziationen wirken auf Harmonisierung der Interessen hin, so daß die Produzenten- und die Konsumenteninteressen durch das Zusammenwirken in der Assoziation harmonisiert werden, daß andere Interessen harmonisiert werden, daß vor allen Dingen die Interessen zwischen den Arbeitsleitern und Arbeitnehmern harmonisiert werden. Wir sehen heute, wie aus einem kranken Wirtschaftskörper heraus das Gegenteil des assoziativen Lebens entsteht, wir sehen, wie entstehen passive Resistenz, Aussperrung und Ausstand, Sabotage bis zu Aufständen. Niemand, der gesund denkt, kann anders denken, als daß das alles in der entgegengesetzten Richtung des assoziativen Prinzips wirkt, und daß dieses alles, Sabotage, Aussperrungen, Aufstand und so weiter, Krankheitssymptome des sozialen Organismus sind, die überwunden werden müssen durch das, was harmonisierend wirkt. Dazu braucht man aber eine wirklich sinngemäße Gestaltung dieses sozialen Organismus, so wie der menschliche natürliche, dreigegliederte Organismus sinnvoll gestaltet ist.
[ 39 ] And one can imagine other functions of these associations. If we again consider the analogy with the human organism, we can say: From this or that symptom, we notice that the human organism is ill. From a complex of symptoms, we can gain an understanding of the disease and the disease process. It is quite similar with the social organism. Today we see clear symptoms of illness in the social organism. Associations are the healing force. Associations work toward harmonizing interests, so that the interests of producers and consumers are harmonized through cooperation within the association, so that other interests are harmonized, and above all, so that the interests between managers and workers are harmonized. Today we see how, out of a sick economic body, the opposite of associative life arises; we see how passive resistance, lockouts and strikes, sabotage, and even uprisings emerge. No one with sound judgment can think otherwise than that all of this works in the opposite direction of the associative principle, and that all of this—sabotage, lockouts, uprisings, and so on—are symptoms of illness in the social organism that must be overcome by that which has a harmonizing effect. To achieve this, however, we need a truly appropriate structure for this social organism, just as the human natural, threefold organism is meaningfully structured.
[ 40 ] Und jetzt komme ich auf das zurück, was ich gesagt habe, daß Grund und Boden und Kapital selber durchaus nicht kommensurabel sind mit der Ware, denn deren Wert unterliegt den menschlichen Fähigkeiten. Haben wir ein abstrakt Einheitliches, wie es sich in der neueren Zeit immer mehr und mehr herausgebildet hat, das aber auch die Krankheitssymptome von der geschilderten Art und noch andere enthält, dann treibt es eben durch dieses abstrakte Einheitliche dahin, daß auch der Boden, auch das Kapital, zuletzt auch die Arbeit in gleicher Weise bewertet wird wie die Ware.
[ 40 ] And now I return to what I said earlier: that land and capital are by no means commensurate with commodities, for their value is subject to human capabilities. If we have an abstract unity—as has increasingly emerged in recent times, but one that also contains the symptoms of the illness described above, as well as others—then this very abstract unity leads to a situation in which land, capital, and ultimately labor are valued in the same way as commodities.
[ 41 ] Hat man einen dreigegliederten sozialen Organismus, so wirkt auf dem Gebiet des geistigen Lebens die Individualität, wirken die Kräfte der Individualität. Alles dasjenige daher, was mit der Entfaltung der Individualität im Wirtschaftsleben zusammenhängen muß, was also mit Grund und Boden und Kapital zusammenhängt, das muß eigentlich sinngemäß eingegliedert sein dem geistigen Teil des sozialen Organismus. Daher habe ich geschildert, wie allerdings die Verwaltung des Kapitals, wie die Verwaltung von Grund und Boden im geistigen Teil des sozialen Organismus vor sich zu gehen hat. Derjenige, der nun kritisiert, ich würde die drei Gebiete zerreißen, der achtet gar nicht darauf, daß — wie ich selbst es schilderte — der geistige Organismus, der eben auf die individuelle Kraft aufgebaut ist, die Verwaltung des Kapitals, die Verwaltung des Grund und Bodens von selbst übernimmt, wenn die Menschen an ihre richtige Stelle gestellt sind. Das aber, was als Arbeit auftritt im sozialen Organismus, ist eine Leistung, die der Mensch dem Menschen leistet, das ist etwas, was nimmermehr gedeihen kann, wenn es im bloßen Wirtschaftsleben drinnen steht. Daher gehört, was Regelung der Arbeit ist, in den Rechtsstaat, in den politischen Staat. Und es wird gerade dadurch, daß aus ganz anderen Untergründen heraus als heute Zeit und Maß der Arbeit aus den Verhältnissen von Mensch zu Mensch, abgesondert von den wirtschaftlichen Verträgen, die im Wirtschaftsleben durch die Assoziationen bestimmt werden, geregelt werden können, etwas eintreten, was von außerordentlicher Wichtigkeit sein wird: Es wird das wirtschaftliche Leben dadurch auf eine gesunde Basis gestellt, daß es auf der einen Seite die Natur mit ihren Bedingungen hat, auf der anderen Seite den Menschen mit seinen Bedingungen.
[ 41 ] In a threefold social organism, individuality—and the forces of individuality—are at work in the realm of spiritual life. Therefore, everything that must be connected to the unfolding of individuality in economic life—that is, everything connected to land and capital—must in fact be meaningfully integrated into the spiritual part of the social organism. That is why I have described how, indeed, the administration of capital and the administration of land must take place within the spiritual part of the social organism. Anyone who now criticizes me for tearing the three spheres apart fails to take into account that—as I myself described—the spiritual organism, which is built precisely upon individual power, automatically takes over the administration of capital and land once people are placed in their proper positions. But what appears as labor in the social organism is a service that one human being renders to another; this is something that can never flourish if it remains confined to mere economic life. Therefore, the regulation of labor belongs within the constitutional state, within the political state. And precisely because the duration and scope of work can be regulated—based on entirely different foundations than today—through human relationships, separate from the economic contracts determined in economic life by associations, something of extraordinary importance will come to pass: Economic life will thereby be placed on a sound foundation, with nature and its conditions on the one hand, and human beings and their conditions on the other.
[ 42 ] Es wäre ganz gewiß sehr sonderbar, wenn wir uns heute in einem kleinen Komitee zusammensetzen und darüber nachdenken würden, wieviele Regentage im Jahre 1922 sein müssen, damit die wirtschaftlichen Angelegenheiten wunschgemäß verlaufen. Die Natur muß man hinnehmen, und erst auf Grundlage der hingenommenen Natur kann das Wirtschaftsleben aufgebaut werden. Das ist auf der einen Seite. Im dreigliedrigen sozialen Organismus steht auf der anderen Seite vom Wirtschaftsleben, von auf sich selbst gestellten, relativ selbständigen, bis zur Gestaltung des Geldwesens relativ selbständigen Assoziationen der Mensch dem Menschen gegenüber als Mensch, nicht als Wirtschaftssubjekt, und als Mensch bildet er aus die Gesetze der Arbeit. Und jetzt wird man auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen heraus, aus denen nur die Warenpreise, die gegenseitigen Wertverhältnisse der Ware, also rein Wirtschaftliches sich feststellen soll, jetzt wird man nicht aus wirtschaftlichen Erfordernissen heraus die menschliche Arbeit bestimmen, wie man nicht aus wirtschaftlichen Verhältnissen heraus die Ertragsamkeit der Natur bestimmen kann. Dann aber erst wird man das Wirtschaftsleben ebenso auf rein menschliche wie auf rein natürliche Verhältnisse gestellt haben.
[ 42 ] It would certainly be very strange if we were to sit down today in a small committee and ponder how many rainy days there must be in 1922 for economic affairs to proceed as desired. We must accept nature, and it is only on the basis of this accepted nature that economic life can be built. That is one side of the matter. In the threefold social organism, on the other side of economic life—which consists of associations that are relatively independent, from their own perspective, even in the organization of the monetary system—human beings face one another as human beings, not as economic entities, and as human beings they formulate the laws of labor. And now, human labor will not be determined by economic reasons—reasons that are intended to establish only commodity prices, the mutual value relationships of commodities, that is, purely economic factors—just as one cannot determine the productivity of nature based on economic conditions. Only then will economic life have been grounded in purely human as well as purely natural conditions.
[ 43 ] Es wird dann allerdings nicht eine Utopie sich verwirklichen können. Allein was würde man denn davon haben, wenn man nachdenken wollte darüber, wie der Mensch besser gestaltet sein könnte, als er nun einmal ist? Man kann ja doch nur ihn studieren, wie er ist. Daher kann gesagt werden, daß es ja ganz schön sein kann, von irgendwelchen Zukunftswelten zu reden, in denen es dem Menschen wünschenswert gut gehe, aber es ist fruchtlos; denn man kann alles mögliche ausdenken, wie der soziale Organismus gestaltet werden soll. Das kann aber niemals die Frage sein. Die Frage kann lediglich die sein: Wie ist er möglich? Wie müssen seine Glieder zusammenwirken, damit er nicht der beste, sondern der durch seine eigenen Kräfte mögliche sei, der mit möglichst wenig Krankheitssymptomen in dem angedeuteten Sinne begabt, in möglichst gesunder Weise sich entwickele?
[ 43 ] However, a utopia will not be able to become a reality. But what good would it do to ponder how human beings could be better than they actually are? After all, one can only study human beings as they are. Therefore, it can be said that while it may be quite pleasant to speak of some future worlds in which human beings are desirably well off, it is fruitless; for one can conceive of all sorts of ways in which the social organism should be structured. But that can never be the question. The question can only be this: How is it possible? How must its parts interact so that it is not the best, but rather the one made possible by its own forces—one that is endowed with as few symptoms of illness as possible in the sense indicated, and that develops in the healthiest way possible?
[ 44 ] Man wird vielleicht, wie ich meine, nach und nach, gerade wenn man aus einer wirklichen Erkenntnis der sozialen Lebensbedingungen heraus sich verständigen will, zu einer Verständigung kommen können über diese Kardinalfrage des Wirtschaftslebens, die ich angedeutet habe, die in meinen ganzen Ausführungen gelebt hat, und die ich nicht abstrakt dogmatisch formelhaft feststellen will. Heute aber entstehen unsere furchtbarsten Kämpfe, die das Wirtschaftsleben zermürben, doch schließlich daraus, daß man nicht mit demselben guten Willen das Wirtschaftsleben studiert, seine Bedingungen innerhalb des sozialen Organismus verfolgt, wie man das etwa in bezug auf den natürlichen Organismus tut. Und erst wenn man, in bezug auf den sozialen Organismus, ebenso vorgehen lernt wie in Biologie, in Physiologie und in der Therapie, dann wird man erkennen, welche Möglichkeiten vorliegen, und dann werden die Fragen, die man heute die sozialen nennt, erst in der richtigen Weise gestellt werden können. Damit werden sie auf das Menschliche zurückgebracht werden können. Daher scheint mir das Allerwichtigste, daß zunächst möglichst viele Köpfe und Sinne gewonnen werden für ein solches naturgemäßes Verständnis des sozialen Organismus, für ein solches Verständnis, das den sozialen Organismus nach Gesundheit und Krankheit zu betrachten vermag, wie die Naturwissenschaft es versucht in bezug auf den menschlichen Organismus. Und man kann, wie ich glaube, heute erkennen, daß in der Tat auch in bezug auf die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens gesagt werden muß, daß die Dreigliederung des sozialen Organismus in die Gebiete des reinen Wirtschaftslebens, des Rechts- oder Staats- oder politischen Lebens, und des geistigen Gebietes das richtige Licht werfen kann. Denn nicht getrennt sollen die drei Gebiete werden, sondern jedes soll gerade dadurch mit den anderen harmonisch zusammenwirken können, daß es in relativer Selbständigkeit seine starken Kräfte entwickeln kann.
[ 44 ] Perhaps, as I believe, we will gradually—precisely when we seek to communicate based on a genuine understanding of the conditions of social life—be able to reach an understanding regarding this fundamental question of economic life that I have alluded to, which has been at the heart of all my remarks, and which I do not wish to state in an abstract, dogmatic, or formulaic manner. Today, however, our most terrible struggles—which are wearing down economic life—ultimately arise from the fact that we do not study economic life or examine its conditions within the social organism with the same goodwill as we do, for example, with regard to the natural organism. And only when we learn to proceed with regard to the social organism in the same way as we do in biology, physiology, and therapy will we recognize the possibilities that exist, and only then will the questions we today call “social” be posed in the correct manner. In this way, they can be brought back to the human level. Therefore, it seems to me that the most important thing is to first win over as many minds and sensibilities as possible to such a natural understanding of the social organism—an understanding capable of viewing the social organism in terms of health and illness, just as the natural sciences attempt to do with regard to the human organism. And I believe we can recognize today that, indeed, even with regard to the cardinal question of economic life, the threefold division of the social organism into the realms of pure economic life, legal or state or political life, and the spiritual realm can shed the proper light on the matter. For the three spheres are not to be separated; rather, each is to be able to interact harmoniously with the others precisely by developing its strong forces within relative autonomy.
[ 45 ] Und die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens ist diese: Wie muß in bezug auf Kapital, Grund und Boden, Bemessung und Bewertung der menschlichen Arbeit, das Staatsleben und Geistesleben in das reine Wirtschaftsleben selbständig hineinwirken, damit im Wirtschaftsleben durch die Ausgestaltung der Assoziationen zwar nicht ein irdisches Paradies, aber ein möglicher sozialer Organismus geschaffen werde? — Und man kann glauben, daß, wenn in so naturgemäßer Weise erst gedacht wird über die Frage, dann eine solche Frage, die man wohl die Kardinalfrage des Wirtschaftslebens nennen muß, erst in der richtigen, lebensgemäßen, praktischen Weise wird gestellt werden können. Und im Leben ist es meistens so, daß die größten Fehler gemacht werden nicht dadurch, daß man falsche Lösungen anstrebt — es sind in der Regel Utopien —, sondern dadurch, daß man schon die Frage falsch stellt, daß man die Fragen nicht aus der wirklichen Lebensbeobachtung und wirklichen Lebenserkenntnis heraus stellt. Das aber scheint mir heute die bedeutsamste Frage gerade des Wirtschaftslebens zu sein, daß die Fragen richtig gestellt werden und daß das Leben so gestaltet werde, daß nun nicht theoretische Antworten kommen, sondern daß das Leben, die volle menschliche und geschichtliche Wirklichkeit selbst, die Antworten gibt auf die richtig gestellten Fragen. Die Fragen werden aus den geschichtlichen Untergründen heraus gestellt, das Leben muß unmittelbar wirklich die Antwort geben. Keine Theorie kann diese Antwort geben, sondern allein die volle praktische Wirklichkeit des Lebens.
[ 45 ] And the fundamental question of economic life is this: How must public life and spiritual life—with regard to capital, land, and the measurement and valuation of human labor—independently influence pure economic life itself, so that, through the structuring of associations, economic life may create—if not an earthly paradise, then at least a viable social organism? — And one can believe that only when this question is first considered in such a natural way will such a question—which one must surely call the cardinal question of economic life—be able to be posed in the correct, life-affirming, practical manner. And in life, it is usually the case that the greatest mistakes are made not by striving for false solutions—which are generally utopian—but by posing the question incorrectly in the first place, by failing to ask questions based on genuine observation of life and genuine insight into life. But it seems to me that the most significant question in economic life today is precisely this: that the questions be posed correctly and that life be shaped in such a way that the answers do not come from theory, but rather that life itself—the full human and historical reality—provides the answers to the correctly posed questions. The questions arise from the historical foundations; life itself must provide the answer directly and truly. No theory can provide this answer; only the full practical reality of life can do so.
