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The Essence of Anthroposophy
GA 80a

17 January 1922, Stuttgart

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Das Wesen der Anthroposophie
  1. The Essence of Anthroposophy, tr. SOL

3. Anthroposophie und die Rätsel der Seele

3. Anthroposophie und die Rätsel der Seele

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Den Daseinsrätseln steht der Mensch eigentlich erst dann wirklich gegenüber, wenn er einen Grad von Bewusstheit über das Leben ausgebildet hat, wenn er genötigt ist, sich Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle über sein Verhältnis zur Welt zu machen. Dann aber, wenn er in eine solche Lage gekommen ist, dann bedeuten für ihn die Daseinsrätsel durchaus dasjenige, was man eine Lebensfrage nennen kann. Denn sie hängen nicht nur zusammen mit irgendwelchen theoretischen Sehnsuchten, sie sind nicht bloß äußerliche Bildungsfragen, sondern es hängt ab die ganze Stellung des Menschen zur Welt, die Art, wie sich der Mensch in der Welt zurechtfinden kann, der Grad von Sicherheit, den er im Leben haben kann, und der innere Halt, mit dem er [sich] durch dieses Leben bewegen kann.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Den Daseinsrätseln steht der Mensch eigentlich erst dann wirklich gegenüber, wenn er einen Grad von Bewusstheit über das Leben ausgebildet hat, wenn er genötigt ist, sich Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle über sein Verhältnis zur Welt zu machen. Dann aber, wenn er in eine solche Lage gekommen ist, dann bedeuten für ihn die Daseinsrätsel durchaus dasjenige, was man eine Lebensfrage nennen kann. Denn sie hängen nicht nur zusammen mit irgendwelchen theoretischen Sehnsuchten, sie sind nicht bloß äußerliche Bildungsfragen, sondern es hängt ab die ganze Stellung des Menschen zur Welt, die Art, wie sich der Mensch in der Welt zurechtfinden kann, der Grad von Sicherheit, den er im Leben haben kann, und der innere Halt, mit dem er [sich] durch dieses Leben bewegen kann.

[ 2 ] Nun ist aber doch ein beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Arten von Daseinsrätseln. Der Mensch steht der Natur gegenüber, muss sich Vorstellungen, Empfindungen bilden über dieses sein Verhältnis zur Natur. Und wenn ich einen Vergleich gebrauchen darf, so möchte ich sagen: Wenn der Mensch in der Weise zum Bewusstsein gekommen ist, wie ich das charakterisiert habe, und er kann sich nicht hineinfinden in gewisse Dinge, die als Geheimnisse der Natur ihm entgegentreten, dann erscheint ihm das Dasein, dem er einmal angehört — wie gesagt, es ist nur als Vergleich ausgesprochen — wie ein Geistig-Finsteres. Er fühlt sich wie in eine finstere Welt hineingestellt, er fühlt, wie er sich in dieser finsteren Welt nicht orientieren kann. Aber es bleibt dieses ganze Verhältnis zu den Weltgeheimnissen des äußeren, natürlichen Daseins dennoch bis zu einem gewissen Grade für den Menschen etwas Äußerliches, es betrifft sein äußeres Verhältnis zum Dasein.

[ 2 ] Nun ist aber doch ein beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Arten von Daseinsrätseln. Der Mensch steht der Natur gegenüber, muss sich Vorstellungen, Empfindungen bilden über dieses sein Verhältnis zur Natur. Und wenn ich einen Vergleich gebrauchen darf, so möchte ich sagen: Wenn der Mensch in der Weise zum Bewusstsein gekommen ist, wie ich das charakterisiert habe, und er kann sich nicht hineinfinden in gewisse Dinge, die als Geheimnisse der Natur ihm entgegentreten, dann erscheint ihm das Dasein, dem er einmal angehört — wie gesagt, es ist nur als Vergleich ausgesprochen — wie ein Geistig-Finsteres. Er fühlt sich wie in eine finstere Welt hineingestellt, er fühlt, wie er sich in dieser finsteren Welt nicht orientieren kann. Aber es bleibt dieses ganze Verhältnis zu den Weltgeheimnissen des äußeren, natürlichen Daseins dennoch bis zu einem gewissen Grade für den Menschen etwas Äußerliches, es betrifft sein äußeres Verhältnis zum Dasein.

[ 3 ] Ganz anders aber steht der Mensch, wenn es sich um die Rätsel seiner Seele handelt, diesen Rätselfragen selber. In diesen Rätselfragen lebt er darinnen, diese Rätselfragen machen im Grunde dasjenige aus, was zunächst seelische Gesundheit und Krankheit sein kann, was aber auch zur körperlichen Gesundheit und Krankheit werden kann. Denn — meine sehr verehrten Anwesenden — das Seelenleben, es ist etwas außerordentlich Kompliziertes, so einfach es zunächst auch erscheinen mag. Dasjenige, was wir während unseres tagwachen Zustandes vom Morgen bis zum Abend in unserem Bewusstsein tragen — es ist ja heute durchaus auch wissenschaftlich anerkannt —, das ist ja nur ein Teil unseres Seelenlebens. Ein großer Teil unseres Seelenlebens ruht in unbewussten — oder ich könnte auch sagen —, unterbewussten Tiefen, schlägt seine Wellen herauf in Form von unbestimmten Empfindungen, von unbestimmten Stimmungen, wohl auch von allerlei anderen Seeleninhalten, und bildet dasjenige, was eine unbestimmte Grundverfassung unseres Seelenlebens ist. Dasjenige aber, was [sich] in dieser Weise mehr oder weniger unbestimmt in den Untergründen unseres Seelenlebens abspielt und heraufflutet, das hängt innig zusammen mit demjenigen, was eigentlich das Glück oder Leid unseres Lebens ist. Und gerade derjenige, der auf anthroposophischem Wege versucht, in das Seelenleben des Menschen einzudringen, der merkt sehr bald, wie alles, was in einer solchen Art unbestimmt aus den Tiefen des Seelischen heraufflutet, mit dem Körperlich-Leiblichen zusammenhängt, wie zuerst leise, dann immer mehr und mehr unser ganzer Gesundheitszustand, der uns lebenstüchtig oder lebensunfähig macht, von diesen unterbewussten Seelenstimmungen abhängen kann.

[ 3 ] Ganz anders aber steht der Mensch, wenn es sich um die Rätsel seiner Seele handelt, diesen Rätselfragen selber. In diesen Rätselfragen lebt er darinnen, diese Rätselfragen machen im Grunde dasjenige aus, was zunächst seelische Gesundheit und Krankheit sein kann, was aber auch zur körperlichen Gesundheit und Krankheit werden kann. Denn — meine sehr verehrten Anwesenden — das Seelenleben, es ist etwas außerordentlich Kompliziertes, so einfach es zunächst auch erscheinen mag. Dasjenige, was wir während unseres tagwachen Zustandes vom Morgen bis zum Abend in unserem Bewusstsein tragen — es ist ja heute durchaus auch wissenschaftlich anerkannt —, das ist ja nur ein Teil unseres Seelenlebens. Ein großer Teil unseres Seelenlebens ruht in unbewussten — oder ich könnte auch sagen —, unterbewussten Tiefen, schlägt seine Wellen herauf in Form von unbestimmten Empfindungen, von unbestimmten Stimmungen, wohl auch von allerlei anderen Seeleninhalten, und bildet dasjenige, was eine unbestimmte Grundverfassung unseres Seelenlebens ist. Dasjenige aber, was [sich] in dieser Weise mehr oder weniger unbestimmt in den Untergründen unseres Seelenlebens abspielt und heraufflutet, das hängt innig zusammen mit demjenigen, was eigentlich das Glück oder Leid unseres Lebens ist. Und gerade derjenige, der auf anthroposophischem Wege versucht, in das Seelenleben des Menschen einzudringen, der merkt sehr bald, wie alles, was in einer solchen Art unbestimmt aus den Tiefen des Seelischen heraufflutet, mit dem Körperlich-Leiblichen zusammenhängt, wie zuerst leise, dann immer mehr und mehr unser ganzer Gesundheitszustand, der uns lebenstüchtig oder lebensunfähig macht, von diesen unterbewussten Seelenstimmungen abhängen kann.

[ 4 ] Nun will ich heute nicht in der Art zu Ihnen sprechen — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie gegenwärtig über dieses Unbewusste der Seele sehr häufig gesprochen wird, indem man alles dasjenige, was unklar im Bewusstsein schillert, eben in diesem großen Behälter schillert, eben in diesem großen Behälter dieses Unbewusste unterbringt und sich mehr oder weniger vage Vorstellungen darüber macht, wie dieses Unbewusste oder Unterbewusste wirkt. Ich spreche ja seit vielen Jahren hier von diesem Orte aus über Fragen der anthroposophischen Forschung und kann daher heute nicht von dem Allerelementarsten dieser Forschung ausgehen, sondern möchte die Fragen des Seelenlebens in ihrem ureigentlichen Sinne so betrachten, wie sie in einem gewissen Sinne mit Glück und Unglück des Lebens zusammenhängen. Da muss man aber schon eingehen auf dasjenige, was im menschlichen Seelenleben, durchflutet von allerlei zunächst Unbekanntem, auf das wir eben gerade durch die heutigen Betrachtungen mehr oder weniger klar hinweisen wollen, was in diesem Seelenleben beunruhigend oder beruhigend, beglückend oder leidvoll, und was dazwischen liegt, wirken kann.

[ 4 ] Nun will ich heute nicht in der Art zu Ihnen sprechen — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie gegenwärtig über dieses Unbewusste der Seele sehr häufig gesprochen wird, indem man alles dasjenige, was unklar im Bewusstsein schillert, eben in diesem großen Behälter schillert, eben in diesem großen Behälter dieses Unbewusste unterbringt und sich mehr oder weniger vage Vorstellungen darüber macht, wie dieses Unbewusste oder Unterbewusste wirkt. Ich spreche ja seit vielen Jahren hier von diesem Orte aus über Fragen der anthroposophischen Forschung und kann daher heute nicht von dem Allerelementarsten dieser Forschung ausgehen, sondern möchte die Fragen des Seelenlebens in ihrem ureigentlichen Sinne so betrachten, wie sie in einem gewissen Sinne mit Glück und Unglück des Lebens zusammenhängen. Da muss man aber schon eingehen auf dasjenige, was im menschlichen Seelenleben, durchflutet von allerlei zunächst Unbekanntem, auf das wir eben gerade durch die heutigen Betrachtungen mehr oder weniger klar hinweisen wollen, was in diesem Seelenleben beunruhigend oder beruhigend, beglückend oder leidvoll, und was dazwischen liegt, wirken kann.

[ 5 ] Nun finden wir in unserem Seelenleben, wenn wir — ich möchte sagen — auch nur oberflächlich über dasselbe hinblicken, zwei deutlich voneinander zu unterscheidende Pole: Auf der einen Seite das Vorstellungsleben, das eigentlich im Umfange alles desjenigen liegt, was sich klar, lichtvoll in unserem Bewusstsein abspielt. Und wir finden auf der anderen Seite das Willensleben, das in einer gewissen Weise dunkel, finster zunächst heraufspielt aus den seelischen Untergründen.

[ 5 ] Nun finden wir in unserem Seelenleben, wenn wir — ich möchte sagen — auch nur oberflächlich über dasselbe hinblicken, zwei deutlich voneinander zu unterscheidende Pole: Auf der einen Seite das Vorstellungsleben, das eigentlich im Umfange alles desjenigen liegt, was sich klar, lichtvoll in unserem Bewusstsein abspielt. Und wir finden auf der anderen Seite das Willensleben, das in einer gewissen Weise dunkel, finster zunächst heraufspielt aus den seelischen Untergründen.

[ 6 ] Wir unterscheiden — ich habe ja das schon öfter hier erwähnt — im gewöhnlichen Lebensverlaufe des Menschen dann zwei Bewusstseinszustände, von denen eigentlich nur der eine ein deutlicher Bewusstseinszustand ist, wir unterscheiden den Wachzustand und den Schlafzustand. Im Schlafzustande hört das bewusste Vorstellungsleben auf, das ganze Seelenleben sinkt hinunter in ein mehr oder weniger finsteres Dunkel. Aber wir können eigentlich, wenn wir ganz unbefangen auf dieses unser Seelenleben auch im Wachzustande hinblicken, wir können eigentlich nur davon sprechen, dass in Bezug auf alles dasjenige, was vorstellungsmäßig ist, wir wirklich wach seien. Wir haben uns gewissermaßen als wache Menschen in der Hand, insoferne wir unser Bewusstsein angefüllt haben mit klaren Vorstellungen, mit lichtvollen Gedanken. Wir begleiten auch unsere Willensimpulse, wir begleiten unsere Handlungen mit Gedanken. Aber vollständig dunkel bleibt es selbst bei der einfachsten Bewegungshandlung des menschlichen Leibes, wie der Gedanke des Bewusstseins zusammenhängt mit demjenigen, was eigentlich bei einem Willensimpuls, bei einem Handeln vor sich geht. Wie dunkel ist es doch, was eigentlich im Innern des Armes geschieht, wenn ich nur diesen Arm hebe, wenn der Gedanke, der als Ziel dieses Armheben hat, sich verwirklichen will, gewissermaßen hineinschießen will und willentlich den Arm in Bewegung setzen will.

[ 6 ] Wir unterscheiden — ich habe ja das schon öfter hier erwähnt — im gewöhnlichen Lebensverlaufe des Menschen dann zwei Bewusstseinszustände, von denen eigentlich nur der eine ein deutlicher Bewusstseinszustand ist, wir unterscheiden den Wachzustand und den Schlafzustand. Im Schlafzustande hört das bewusste Vorstellungsleben auf, das ganze Seelenleben sinkt hinunter in ein mehr oder weniger finsteres Dunkel. Aber wir können eigentlich, wenn wir ganz unbefangen auf dieses unser Seelenleben auch im Wachzustande hinblicken, wir können eigentlich nur davon sprechen, dass in Bezug auf alles dasjenige, was vorstellungsmäßig ist, wir wirklich wach seien. Wir haben uns gewissermaßen als wache Menschen in der Hand, insoferne wir unser Bewusstsein angefüllt haben mit klaren Vorstellungen, mit lichtvollen Gedanken. Wir begleiten auch unsere Willensimpulse, wir begleiten unsere Handlungen mit Gedanken. Aber vollständig dunkel bleibt es selbst bei der einfachsten Bewegungshandlung des menschlichen Leibes, wie der Gedanke des Bewusstseins zusammenhängt mit demjenigen, was eigentlich bei einem Willensimpuls, bei einem Handeln vor sich geht. Wie dunkel ist es doch, was eigentlich im Innern des Armes geschieht, wenn ich nur diesen Arm hebe, wenn der Gedanke, der als Ziel dieses Armheben hat, sich verwirklichen will, gewissermaßen hineinschießen will und willentlich den Arm in Bewegung setzen will.

[ 7 ] Was da im eigenen Organismus vor sich geht, das entzieht sich dem wachen Tagesbewusstsein ganz genau so wie dasjenige, was im Menschen seelisch eigentlich vorgeht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sodass wir eigentlich durchaus sagen müssen: Es ist für dieses menschliche Seelenleben so, dass wir auch im Wachzustande einen Einschlag des Schlafens haben, dass uns der Schlafenszustand fortwährend durchdringt und dass wir nur im Vorstellen selber, im Erleben lichtvoller, klarer Gedanken, vollständig wach sind. Zwischen diesen beiden Zuständen, zwischen dem — ich möchte sagen — vollständig wachen Vorstellungszustand und dem in Dunkelheit eingetauchten Willensleben liegt, an beiden teilnehmend, das Gefühls-, das Gemütsleben. Unsere Gefühle durchdringen unsere Vorstellungen. Wir bringen aus unseren Gefühlen gewisse Sympathien und Antipathien in das Vorstellungsleben hinein, verbinden dadurch unsere Vorstellungen meist, oder trennen sie. Wir begleiten dasjenige, was in unsere Willensimpulse einfließt, mit unserem Gefühlsurteil, indem wir die einen Handlungen als pflichtgemäß empfinden, die anderen als Verfehlungen gegenüber der Pflicht. Und indem wir den pflichtgemäßen Handlungen gegenüber eine gewisse Befriedigung des Gefühls haben, oder ein gewisses Unbefriedigtsein gegenüber, was uns nicht gelingen kann, oder was wir aus einem anderen Grunde verfehlen, so flutet zwischen dem Vorstellungsleben und dem Willensleben das Gefühlsleben hin und her.

[ 7 ] Was da im eigenen Organismus vor sich geht, das entzieht sich dem wachen Tagesbewusstsein ganz genau so wie dasjenige, was im Menschen seelisch eigentlich vorgeht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sodass wir eigentlich durchaus sagen müssen: Es ist für dieses menschliche Seelenleben so, dass wir auch im Wachzustande einen Einschlag des Schlafens haben, dass uns der Schlafenszustand fortwährend durchdringt und dass wir nur im Vorstellen selber, im Erleben lichtvoller, klarer Gedanken, vollständig wach sind. Zwischen diesen beiden Zuständen, zwischen dem — ich möchte sagen — vollständig wachen Vorstellungszustand und dem in Dunkelheit eingetauchten Willensleben liegt, an beiden teilnehmend, das Gefühls-, das Gemütsleben. Unsere Gefühle durchdringen unsere Vorstellungen. Wir bringen aus unseren Gefühlen gewisse Sympathien und Antipathien in das Vorstellungsleben hinein, verbinden dadurch unsere Vorstellungen meist, oder trennen sie. Wir begleiten dasjenige, was in unsere Willensimpulse einfließt, mit unserem Gefühlsurteil, indem wir die einen Handlungen als pflichtgemäß empfinden, die anderen als Verfehlungen gegenüber der Pflicht. Und indem wir den pflichtgemäßen Handlungen gegenüber eine gewisse Befriedigung des Gefühls haben, oder ein gewisses Unbefriedigtsein gegenüber, was uns nicht gelingen kann, oder was wir aus einem anderen Grunde verfehlen, so flutet zwischen dem Vorstellungsleben und dem Willensleben das Gefühlsleben hin und her.

[ 8 ] Aber die eigentlichen Seelenrätsel, sie treten nicht auf für den dumpfen Menschen, der sich in der eben geschilderten Weise auf der einen Seite dem Vorstellungsleben, auf der anderen Seite dem Gefühlsleben und dem Willensleben übergibt, sondern diese Seelenrätsel treten hervor, indem sich der Mensch immer bewusster und bewusster wird. Und auch dann treten die eigentlichen erlebten Seelenrätsel nicht vollbewusst auf, sondern sie gehören gerade zu den mehr oder weniger unterbewussten Erlebnissen des Menschen. Der Mensch wird sich nie in seinem Bewusstsein ganz klar, wovon eigentlich die Stimmung, die Verfassungen seines Seelenlebens, die sein tägliches Glück, sein tägliches Leid so beeinflussen, woher diese eigentlich kommen.

[ 8 ] Aber die eigentlichen Seelenrätsel, sie treten nicht auf für den dumpfen Menschen, der sich in der eben geschilderten Weise auf der einen Seite dem Vorstellungsleben, auf der anderen Seite dem Gefühlsleben und dem Willensleben übergibt, sondern diese Seelenrätsel treten hervor, indem sich der Mensch immer bewusster und bewusster wird. Und auch dann treten die eigentlichen erlebten Seelenrätsel nicht vollbewusst auf, sondern sie gehören gerade zu den mehr oder weniger unterbewussten Erlebnissen des Menschen. Der Mensch wird sich nie in seinem Bewusstsein ganz klar, wovon eigentlich die Stimmung, die Verfassungen seines Seelenlebens, die sein tägliches Glück, sein tägliches Leid so beeinflussen, woher diese eigentlich kommen.

[ 9 ] Und man muss schon dasjenige aufsuchen und klar aussprechen, was unklar im Bewusstsein lebt, und das bitte ich Sie zunächst bei den Ausführungen, die ich nun unmittelbar machen werde, zu berücksichtigen, dass ich genötigt sein werde, etwas in klaren Worten auszusprechen, was niemals in dieser Klarheit im Bewusstsein lebt, was aber im Seelenleben gesundend oder krank machend vorhanden ist, was der Mensch spürt, was der Mensch empfindet, ohne dass er es sich zum Bewusstsein bringen kann. Und weil das so ist, deshalb sind die Seelenrätsel nicht bloß theoretisch, deshalb sind die Seelenrätsel durchaus erlebte Daseinsrätsel.

[ 9 ] Und man muss schon dasjenige aufsuchen und klar aussprechen, was unklar im Bewusstsein lebt, und das bitte ich Sie zunächst bei den Ausführungen, die ich nun unmittelbar machen werde, zu berücksichtigen, dass ich genötigt sein werde, etwas in klaren Worten auszusprechen, was niemals in dieser Klarheit im Bewusstsein lebt, was aber im Seelenleben gesundend oder krank machend vorhanden ist, was der Mensch spürt, was der Mensch empfindet, ohne dass er es sich zum Bewusstsein bringen kann. Und weil das so ist, deshalb sind die Seelenrätsel nicht bloß theoretisch, deshalb sind die Seelenrätsel durchaus erlebte Daseinsrätsel.

[ 10 ] Wenn der Mensch gewissermaßen sich hinlebt nach dem Vorstellungsleben, so empfindet er — wie gesagt, ich spreche klar aus, was unklar nur empfunden wird, was niemals ganz zum Bewusstsein gebracht wird —, so empfindet der Mensch etwas wie die Nichtigkeit seines eigenen Daseins. Das Vorstellungsleben ist ein Bilderleben. Das Vorstellungsleben ist etwas, was sich uns während unseres wachen Tageslebens anfüllt mit dem, was wir aus der äußeren Welt an Eindrücken, an Wahrnehmungen empfangen. Dasjenige, was wir aus der Natur herein erleben, das bildet den Inhalt unserer Vorstellungen, das lebt in uns, das ist es selbst, was wir aus unseren Erinnerungen heraufholen. Aber, obwohl wir uns bewusst sind: Ja, du bist tätig, indem du diese deine Erlebnisse verarbeitest in den Vorstellungen. Indem du die Vorstellungen trennst und verbindest, du bist innerlich tätig, aber du hast diese deine Tätigkeit nicht voll in deinem Geiste gegenwärtig. Was in deinem Geiste gegenwärtig ist, das ist im Grunde genommen Spiegelbild der äußeren Welt. Wir wissen, wir müssen uns anlehnen mit unserem Vorstellungsleben an diese äußere Welt. Das, was wir haben, es ist bloß Bild der äußeren Welt. Wir leben, indem wir in unseren Vorstellungen leben, in Bildern. Wir empfinden kein vollinhaltliches Dasein in unserem Vorstellungsleben.

[ 10 ] Wenn der Mensch gewissermaßen sich hinlebt nach dem Vorstellungsleben, so empfindet er — wie gesagt, ich spreche klar aus, was unklar nur empfunden wird, was niemals ganz zum Bewusstsein gebracht wird —, so empfindet der Mensch etwas wie die Nichtigkeit seines eigenen Daseins. Das Vorstellungsleben ist ein Bilderleben. Das Vorstellungsleben ist etwas, was sich uns während unseres wachen Tageslebens anfüllt mit dem, was wir aus der äußeren Welt an Eindrücken, an Wahrnehmungen empfangen. Dasjenige, was wir aus der Natur herein erleben, das bildet den Inhalt unserer Vorstellungen, das lebt in uns, das ist es selbst, was wir aus unseren Erinnerungen heraufholen. Aber, obwohl wir uns bewusst sind: Ja, du bist tätig, indem du diese deine Erlebnisse verarbeitest in den Vorstellungen. Indem du die Vorstellungen trennst und verbindest, du bist innerlich tätig, aber du hast diese deine Tätigkeit nicht voll in deinem Geiste gegenwärtig. Was in deinem Geiste gegenwärtig ist, das ist im Grunde genommen Spiegelbild der äußeren Welt. Wir wissen, wir müssen uns anlehnen mit unserem Vorstellungsleben an diese äußere Welt. Das, was wir haben, es ist bloß Bild der äußeren Welt. Wir leben, indem wir in unseren Vorstellungen leben, in Bildern. Wir empfinden kein vollinhaltliches Dasein in unserem Vorstellungsleben.

[ 11 ] Und diese Empfindung, sie lebt sich unterbewusst aus, so sonderbar, so paradox das klingt. Und so wenig es im Bewusstsein vorhanden ist, es ist im Unterbewussten lebendig, es lebt sich dieses Empfinden gegenüber dem Vorstellungsleben aus in gewissen ängstlichen Gefühlen, in Gefühlen der Angst.

[ 11 ] Und diese Empfindung, sie lebt sich unterbewusst aus, so sonderbar, so paradox das klingt. Und so wenig es im Bewusstsein vorhanden ist, es ist im Unterbewussten lebendig, es lebt sich dieses Empfinden gegenüber dem Vorstellungsleben aus in gewissen ängstlichen Gefühlen, in Gefühlen der Angst.

[ 12 ] Es klingt paradox — meine sehr verehrten Anwesenden —, aber es gibt eine Unterströmung des menschlichen Seelenlebens. Die meisten Menschen wissen nichts davon, aber die meisten Menschen, oder alle Menschen eigentlich, stehen fortwährend unter ihrem Einflusse. Und diese Unterströmung ist eine ängstliche Strömung, dass wir sozusagen uns selber in der Welt verlieren können, dass wir über einem Abgrund stehen deshalb, weil unsere Vorstellungswelt eine Bilderwelt ist. Und wiederum lebt die unbestimmte Sehnsucht in der menschlichen Seele: Wie finde ich in dieser bloßen Bilderwelt, wie finde ich da das Dasein?

[ 12 ] Es klingt paradox — meine sehr verehrten Anwesenden —, aber es gibt eine Unterströmung des menschlichen Seelenlebens. Die meisten Menschen wissen nichts davon, aber die meisten Menschen, oder alle Menschen eigentlich, stehen fortwährend unter ihrem Einflusse. Und diese Unterströmung ist eine ängstliche Strömung, dass wir sozusagen uns selber in der Welt verlieren können, dass wir über einem Abgrund stehen deshalb, weil unsere Vorstellungswelt eine Bilderwelt ist. Und wiederum lebt die unbestimmte Sehnsucht in der menschlichen Seele: Wie finde ich in dieser bloßen Bilderwelt, wie finde ich da das Dasein?

[ 13 ] Man kann durchaus diese unbewusste Empfindung in der Unterströmung der Seele vergleichen mit derjenigen Empfindung, die der Mensch — durch Körperliches verursacht — dann hat, wenn er zu wenig Luft bekommt, wenn er an Lufthunger leidet und dadurch in ängstliche Gefühle bewusst verfällt. Dasjenige, was da der Mensch bewusst durch körperliche Zustände erlebt, das wird eigentlich unbewusst immer als eine Begleiterscheinung des Vorstellungslebens empfunden. Und so kann hingewiesen werden auf der einen Seite auf ein Seelenrätsel, nicht in theoretischer Formulierung, sondern indem man etwas heraufholt aus den Tiefen der Seele, was in dieser Seele keimt oder schlummert.

[ 13 ] Man kann durchaus diese unbewusste Empfindung in der Unterströmung der Seele vergleichen mit derjenigen Empfindung, die der Mensch — durch Körperliches verursacht — dann hat, wenn er zu wenig Luft bekommt, wenn er an Lufthunger leidet und dadurch in ängstliche Gefühle bewusst verfällt. Dasjenige, was da der Mensch bewusst durch körperliche Zustände erlebt, das wird eigentlich unbewusst immer als eine Begleiterscheinung des Vorstellungslebens empfunden. Und so kann hingewiesen werden auf der einen Seite auf ein Seelenrätsel, nicht in theoretischer Formulierung, sondern indem man etwas heraufholt aus den Tiefen der Seele, was in dieser Seele keimt oder schlummert.

[ 14 ] Und auf der anderen Seite, indem der Mensch sich hinlebt zum Willenselement, empfindet er — ich möchte sagen — den entgegengesetzten Zustand. Da ist eine andere Unterströmung im Seelenleben vorhanden. Da empfindet der Mensch, wie er seinen Trieben, seinen Emotionen, seinen Instinkten ausgesetzt ist, wie da ein Naturhaftes in das menschliche Seelenleben hineinspielt, das sich nicht aufschließt zur Klarheit des Denkens, das immer in einer gewissen Weise in eine Realität, in eine Wirklichkeit getaucht ist, die wir nicht lichtvoll durchdringen können, die ein Finsteres in uns selber bildet. Und man kann wiederum, wenn man mit unbefangener Beobachtung in diese Unterströmungen der Seele eindringen kann, angeben, wie dasjenige — man muss immer einen Widerspruch sagen, indem man eben dasjenige, was in den Tiefen der Seele existiert, charakterisieren will —, wie dasjenige, was da lebt, unbewusst empfunden wird. Man muss es dann charakterisieren, indem man sagt: Es wird empfunden so, wie im Bewusstsein etwa der Zorn empfunden wird, oder auch wie der Mensch empfindet, wenn er nicht ausatmen kann, wenn gestört ist seine Blutzirkulation so, dass nicht in der richtigen Weise die Atmungsluft in seinem Leibe umgesetzt wird, wenn eine Art Ersticken kommt. Etwas wie Zornmütigkeit ist immer durch ein solches Hinleben zum Willenselement in der menschlichen Seele.

[ 14 ] Und auf der anderen Seite, indem der Mensch sich hinlebt zum Willenselement, empfindet er — ich möchte sagen — den entgegengesetzten Zustand. Da ist eine andere Unterströmung im Seelenleben vorhanden. Da empfindet der Mensch, wie er seinen Trieben, seinen Emotionen, seinen Instinkten ausgesetzt ist, wie da ein Naturhaftes in das menschliche Seelenleben hineinspielt, das sich nicht aufschließt zur Klarheit des Denkens, das immer in einer gewissen Weise in eine Realität, in eine Wirklichkeit getaucht ist, die wir nicht lichtvoll durchdringen können, die ein Finsteres in uns selber bildet. Und man kann wiederum, wenn man mit unbefangener Beobachtung in diese Unterströmungen der Seele eindringen kann, angeben, wie dasjenige — man muss immer einen Widerspruch sagen, indem man eben dasjenige, was in den Tiefen der Seele existiert, charakterisieren will —, wie dasjenige, was da lebt, unbewusst empfunden wird. Man muss es dann charakterisieren, indem man sagt: Es wird empfunden so, wie im Bewusstsein etwa der Zorn empfunden wird, oder auch wie der Mensch empfindet, wenn er nicht ausatmen kann, wenn gestört ist seine Blutzirkulation so, dass nicht in der richtigen Weise die Atmungsluft in seinem Leibe umgesetzt wird, wenn eine Art Ersticken kommt. Etwas wie Zornmütigkeit ist immer durch ein solches Hinleben zum Willenselement in der menschlichen Seele.

[ 15 ] Das sind Kräfte, die tief in dem Unbewussten der menschlichen Seele leben, die herauffluten und die das eigentlich Rätselvolle des menschlichen Seelenlebens ausmachen. Und derjenige, der bloß die Vorstellungen in ihrer Bildhaftigkeit, den Willen in seiner Triebhaftigkeit, wie sie sich dem Bewusstsein darbieten, nimmt, der fühlt zwar diese Seelenrätsel als etwas Unbestimmtes, als unbestimmte Empfindung der Seele, aber er macht sich diese Seelenrätsel nicht klar. Er weiß im Grunde genommen nicht, was das unbestimmte Wirken in ihm ist, das aber tief beeinflusst sein glückliches oder unglückliches Gestimmtsein im Leben.

[ 15 ] Das sind Kräfte, die tief in dem Unbewussten der menschlichen Seele leben, die herauffluten und die das eigentlich Rätselvolle des menschlichen Seelenlebens ausmachen. Und derjenige, der bloß die Vorstellungen in ihrer Bildhaftigkeit, den Willen in seiner Triebhaftigkeit, wie sie sich dem Bewusstsein darbieten, nimmt, der fühlt zwar diese Seelenrätsel als etwas Unbestimmtes, als unbestimmte Empfindung der Seele, aber er macht sich diese Seelenrätsel nicht klar. Er weiß im Grunde genommen nicht, was das unbestimmte Wirken in ihm ist, das aber tief beeinflusst sein glückliches oder unglückliches Gestimmtsein im Leben.

[ 16 ] Man muss immer wieder sagen: Die Seelenrätsel sind nicht solche, wie wir sie an der Natur empfinden, die Seelenrätsel sind solche, wie sie innerlich erlebt werden, wie sie herauffluten aus den tiefen Unterströmungen der Seele und wie sie erst gedeutet werden müssen. Deshalb — meine sehr verehrten Anwesenden — weiß jegliche Wissenschaftlichkeit — gegen die selbstverständlich, wie das ja schon öfter hier betont worden ist von mir, nichts auf ihrem berechtigten Gebiet eingewendet werden soll —, deshalb weiß jegliche Wissenschaftlichkeit mit den eigentlichen Seelenrätseln wenig anzufangen. Wir sehen es, und ich möchte zwei Beispiele anführen dafür. Wir sehen es an dem ganzen neuzeitlichen wissenschaftlichen Denken, wie hilflos im Grunde genommen die auf anderen Gebieten so große Triumphe feiernde Wissenschaft, wie hilflos sie dem Seelenleben eigentlich gegenübersteht, trotzdem die höchsten Daseinsrätsel an diesem Seelenleben des Menschen hängen. An zwei Beispiele möchte ich erinnern, die aber meiner Überzeugung nach tief bezeichnend sind für dasjenige, was da ist, und für dasjenige, was wissenschaftlich notwendig ist, um in das eigentliche Gebiet, das der Mensch als Seelenrätsel erlebt, einzudringen.

[ 16 ] Man muss immer wieder sagen: Die Seelenrätsel sind nicht solche, wie wir sie an der Natur empfinden, die Seelenrätsel sind solche, wie sie innerlich erlebt werden, wie sie herauffluten aus den tiefen Unterströmungen der Seele und wie sie erst gedeutet werden müssen. Deshalb — meine sehr verehrten Anwesenden — weiß jegliche Wissenschaftlichkeit — gegen die selbstverständlich, wie das ja schon öfter hier betont worden ist von mir, nichts auf ihrem berechtigten Gebiet eingewendet werden soll —, deshalb weiß jegliche Wissenschaftlichkeit mit den eigentlichen Seelenrätseln wenig anzufangen. Wir sehen es, und ich möchte zwei Beispiele anführen dafür. Wir sehen es an dem ganzen neuzeitlichen wissenschaftlichen Denken, wie hilflos im Grunde genommen die auf anderen Gebieten so große Triumphe feiernde Wissenschaft, wie hilflos sie dem Seelenleben eigentlich gegenübersteht, trotzdem die höchsten Daseinsrätsel an diesem Seelenleben des Menschen hängen. An zwei Beispiele möchte ich erinnern, die aber meiner Überzeugung nach tief bezeichnend sind für dasjenige, was da ist, und für dasjenige, was wissenschaftlich notwendig ist, um in das eigentliche Gebiet, das der Mensch als Seelenrätsel erlebt, einzudringen.

[ 17 ] Es ist jetzt fast ein halbes Jahrhundert her, da hat der große Physiologe du Bois-Reymond auf der 45. Naturforscherversammlung in Leipzig eine Rede gehalten, auf die immer wiederum hingewiesen werden muss, trotzdem außerordentlich viel über sie gesprochen worden ist und sie heute fast vergessen und aus der Diskussion verschwunden ist. Diese Rede handelte über die «Grenzen der Naturerkenntnis», und du Bois-Reymond gibt mit Recht auf der einen Seite an die Grenze des Naturerkennens, die materielle Welt in ihrem Wesen. Er sagt: Da hinein, wo Materie kommt, kann der menschliche Geist nicht eindringen. — Er dringt in die äußere Beobachtung der äußeren Sinneserscheinungen zu der Offenbarung des materiellen Daseins, aber er kann nicht angeben, was eigentlich die Materie selber ist. Das gibt du Bois-Reymond als die eine Grenze an. Die andere Grenze gibt er als diejenige des menschlichen Bewusstseins, das ist heute aber nichts anderes als des menschlichen Seelenlebens, an. Er sagt: Mit der vollkommensten Naturerkenntnis kann man noch nicht einmal irgendeine Vorstellung gewinnen darüber, wie die allereinfachste Empfindung in der Menschenseele zustande kommt. Wenn man auch ganz klar wüsste, wie im Menschengehirn sich bewegen Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-Atome, man würde niemals aus der klaren Einsicht in diese Bewegungen ergründen können, wie die einfachste Empfindung — «ich sehe rot», «ich rieche Rosenduft» — zustande kommt, das heißt wie die ersten Elemente des Seelenlebens zustande kommen.

[ 17 ] Es ist jetzt fast ein halbes Jahrhundert her, da hat der große Physiologe du Bois-Reymond auf der 45. Naturforscherversammlung in Leipzig eine Rede gehalten, auf die immer wiederum hingewiesen werden muss, trotzdem außerordentlich viel über sie gesprochen worden ist und sie heute fast vergessen und aus der Diskussion verschwunden ist. Diese Rede handelte über die «Grenzen der Naturerkenntnis», und du Bois-Reymond gibt mit Recht auf der einen Seite an die Grenze des Naturerkennens, die materielle Welt in ihrem Wesen. Er sagt: Da hinein, wo Materie kommt, kann der menschliche Geist nicht eindringen. — Er dringt in die äußere Beobachtung der äußeren Sinneserscheinungen zu der Offenbarung des materiellen Daseins, aber er kann nicht angeben, was eigentlich die Materie selber ist. Das gibt du Bois-Reymond als die eine Grenze an. Die andere Grenze gibt er als diejenige des menschlichen Bewusstseins, das ist heute aber nichts anderes als des menschlichen Seelenlebens, an. Er sagt: Mit der vollkommensten Naturerkenntnis kann man noch nicht einmal irgendeine Vorstellung gewinnen darüber, wie die allereinfachste Empfindung in der Menschenseele zustande kommt. Wenn man auch ganz klar wüsste, wie im Menschengehirn sich bewegen Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-Atome, man würde niemals aus der klaren Einsicht in diese Bewegungen ergründen können, wie die einfachste Empfindung — «ich sehe rot», «ich rieche Rosenduft» — zustande kommt, das heißt wie die ersten Elemente des Seelenlebens zustande kommen.

[ 18 ] Und du Bois-Reymond hat mit diesem Ausspruch eigentlich vollständig recht. Hier liegt für die äußere Naturwissenschaft durchaus eine zweite Grenze, nur dass die Überzeugung du Bois-Reymonds diejenige ist, die gerade durch anthroposophische Forschung durchbrochen werden muss. Du Bois-Reymond meint, dass die Grenzen der Naturerkenntnis die Grenzen jeglicher Wissenschaftlichkeit seien. Deshalb sagt er: Wenn man hineindringen will in dieses Gebiet des Geistig-Seelischen, so muss man das durch andere Mittel als die wissenschaftlichen tun. Denn wo der Supernaturalismus beginnt, wo man, mit anderen Worten, in das Gebiet des Geistig-Seelischen eindringt, da hört Wissenschaft auf. Das will gerade anthroposophische Forschung vor der Welt verteidigen, dass Wissenschaft nicht sich erschöpfen braucht im äußerlich-natürlichen Dasein, dass Wissenschaft die Mittel entwickeln kann, um auch in das Geistig-Seelische einzudringen.

[ 18 ] Und du Bois-Reymond hat mit diesem Ausspruch eigentlich vollständig recht. Hier liegt für die äußere Naturwissenschaft durchaus eine zweite Grenze, nur dass die Überzeugung du Bois-Reymonds diejenige ist, die gerade durch anthroposophische Forschung durchbrochen werden muss. Du Bois-Reymond meint, dass die Grenzen der Naturerkenntnis die Grenzen jeglicher Wissenschaftlichkeit seien. Deshalb sagt er: Wenn man hineindringen will in dieses Gebiet des Geistig-Seelischen, so muss man das durch andere Mittel als die wissenschaftlichen tun. Denn wo der Supernaturalismus beginnt, wo man, mit anderen Worten, in das Gebiet des Geistig-Seelischen eindringt, da hört Wissenschaft auf. Das will gerade anthroposophische Forschung vor der Welt verteidigen, dass Wissenschaft nicht sich erschöpfen braucht im äußerlich-natürlichen Dasein, dass Wissenschaft die Mittel entwickeln kann, um auch in das Geistig-Seelische einzudringen.

[ 19 ] Das andere Beispiel, das ich vorbringen will, ist dasjenige einer ausgezeichneten Persönlichkeit, Franz Brentano, der eine Seelenkunde begründen wollte ganz nach der Methode der modernen Naturwissenschaftlichkeit. Das war sein Ideal. Ich habe — meine sehr verehrten Anwesenden — den ganzen Tatbestand, der den Forschungen Franz Brentanos zugrunde liegt, im dritten Teil meines Buches «Von Seelenrätseln» eingehend erörtert und möchte hier nur einiges Prinzipielles anführen. Franz Brentano hat dann versucht, im Beginne der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, eine Seelenkunde zu schreiben, eine Psychologie. Der erste Band ist 1874 im Frühling erschienen. Für den Herbst war der zweite Band versprochen; er ist niemals erschienen. Auf vier Bände war das ganze Werk berechnet; außer dem ersten Band ist niemals etwas erschienen als einzelne Ansätze, die aber immer nur Ansätze sind. Das ganze Werk ist ein Torso geblieben. Warum das so sein musste, habe ich in dem genannten Werke auseinandergesetzt. Franz Brentano wollte eben ganz nach dem Muster naturwissenschaftlicher Forschungsweise auch über das seelische Leben Forschungen anstellen, und man findet in diesem ersten Bande ein merkwürdiges Bekenntnis Franz Brentanos. Er sagt da etwa: Mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung gelingt es ja, in den Einzelheiten des seelischen Lebens bescheiden sich zurechtzufinden. Man kann angeben, wie eine Vorstellung sich mit der anderen verbindet, wie eine Vorstellung sich von der anderen trennt, wie sich gewisse Gefühle an Vorstellungen anknüpfen, Willensimpulse an Vorstellungen anknüpfen, wie die Erinnerung wirkt und so weiter. Aber wenn, so sagt Franz Brentano, es dabei bleiben müsste, dass man nur diese Einzelheiten des Seelenlebens erforschen könnte, und wenn erkauft werden müsste das Wissen über die wichtigsten Fragen des menschlichen Daseins mit dieser strengen Wissenschaftlichkeit — wohin käme man? Denn berechtigt findet Franz Brentano die Sehnsucht, die schon in Plato, in Aristoteles, im alten Griechentum lebte, dasjenige, was man im Einzelnen über die Seele des Menschen erforschen kann, zu führen bis zu den großen Fragen von Geburt zu Unsterblichkeit. Und traurig wäre es, meint Franz Brentano, wenn man, weil man wissenschaftlich sein will in der Erkundung des Seelenlebens, verzichten müsse auf ein Wissen, wie es ergehe dem besseren Teil des Menschen in uns, wenn der physische Teil mit dem Tode der Erde übergeben wird.

[ 19 ] Das andere Beispiel, das ich vorbringen will, ist dasjenige einer ausgezeichneten Persönlichkeit, Franz Brentano, der eine Seelenkunde begründen wollte ganz nach der Methode der modernen Naturwissenschaftlichkeit. Das war sein Ideal. Ich habe — meine sehr verehrten Anwesenden — den ganzen Tatbestand, der den Forschungen Franz Brentanos zugrunde liegt, im dritten Teil meines Buches «Von Seelenrätseln» eingehend erörtert und möchte hier nur einiges Prinzipielles anführen. Franz Brentano hat dann versucht, im Beginne der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, eine Seelenkunde zu schreiben, eine Psychologie. Der erste Band ist 1874 im Frühling erschienen. Für den Herbst war der zweite Band versprochen; er ist niemals erschienen. Auf vier Bände war das ganze Werk berechnet; außer dem ersten Band ist niemals etwas erschienen als einzelne Ansätze, die aber immer nur Ansätze sind. Das ganze Werk ist ein Torso geblieben. Warum das so sein musste, habe ich in dem genannten Werke auseinandergesetzt. Franz Brentano wollte eben ganz nach dem Muster naturwissenschaftlicher Forschungsweise auch über das seelische Leben Forschungen anstellen, und man findet in diesem ersten Bande ein merkwürdiges Bekenntnis Franz Brentanos. Er sagt da etwa: Mit dieser naturwissenschaftlichen Forschung gelingt es ja, in den Einzelheiten des seelischen Lebens bescheiden sich zurechtzufinden. Man kann angeben, wie eine Vorstellung sich mit der anderen verbindet, wie eine Vorstellung sich von der anderen trennt, wie sich gewisse Gefühle an Vorstellungen anknüpfen, Willensimpulse an Vorstellungen anknüpfen, wie die Erinnerung wirkt und so weiter. Aber wenn, so sagt Franz Brentano, es dabei bleiben müsste, dass man nur diese Einzelheiten des Seelenlebens erforschen könnte, und wenn erkauft werden müsste das Wissen über die wichtigsten Fragen des menschlichen Daseins mit dieser strengen Wissenschaftlichkeit — wohin käme man? Denn berechtigt findet Franz Brentano die Sehnsucht, die schon in Plato, in Aristoteles, im alten Griechentum lebte, dasjenige, was man im Einzelnen über die Seele des Menschen erforschen kann, zu führen bis zu den großen Fragen von Geburt zu Unsterblichkeit. Und traurig wäre es, meint Franz Brentano, wenn man, weil man wissenschaftlich sein will in der Erkundung des Seelenlebens, verzichten müsse auf ein Wissen, wie es ergehe dem besseren Teil des Menschen in uns, wenn der physische Teil mit dem Tode der Erde übergeben wird.

[ 20 ] Und man kann es ansehen dem, was Franz Brentano im ersten Bande seiner Psychologie ausgeführt hat, dass seine ganze wissenschaftliche Sehnsucht dahin geht, die einzelnen Fragen, die im Grunde genommen das weitere Publikum wenig berühren können, die dieses weitere Publikum gerne dem Gelehrten überlassen will, diese einzelnen Fragen aber hinzuführen auf einem weiten Weg bis zu den großen Fragen der menschlichen Unsterblichkeit und des göttlich-geistigen Inhaltes der Welt, wie er sich in der Seele spiegelt. Brentano fand aber nicht aus seiner naturwissenschaftlichen Denkweise heraus diesen Weg, und weil er eine ehrliche Forschernatur war, so ließ er eben die folgenden Bände, für die er keinen Forschungsweg fand, ungeschrieben bis zu seinem vor einigen Jahren erfolgten Tode.

[ 20 ] Und man kann es ansehen dem, was Franz Brentano im ersten Bande seiner Psychologie ausgeführt hat, dass seine ganze wissenschaftliche Sehnsucht dahin geht, die einzelnen Fragen, die im Grunde genommen das weitere Publikum wenig berühren können, die dieses weitere Publikum gerne dem Gelehrten überlassen will, diese einzelnen Fragen aber hinzuführen auf einem weiten Weg bis zu den großen Fragen der menschlichen Unsterblichkeit und des göttlich-geistigen Inhaltes der Welt, wie er sich in der Seele spiegelt. Brentano fand aber nicht aus seiner naturwissenschaftlichen Denkweise heraus diesen Weg, und weil er eine ehrliche Forschernatur war, so ließ er eben die folgenden Bände, für die er keinen Forschungsweg fand, ungeschrieben bis zu seinem vor einigen Jahren erfolgten Tode.

[ 21 ] Ich möchte sagen, gerade an diesem Forscherschicksal zeigt sich im echten Sinne tragisch, wie dasjenige, was oftmals heute als alleinige Wissenschaftlichkeit anerkannt wird, erlahmen muss an den großen Rätselfragen der menschlichen Seele. Das ist es — wiederum muss ich es sagen —, was Anthroposophie heute vor der Welt verteidigen muss, dass der Weg, den Brentano aus der Naturwissenschaft heraus, aus der bloßen Naturwissenschaft heraus, nicht finden konnte, dass der gefunden werden kann, meine sehr verehrten Anwesenden! Und er kann gefunden werden, wenn man nicht bei den gewöhnlichen Fähigkeiten des Seelenlebens, wie sie sich im äußeren Leben zunächst darbieten, wie sie in der gewöhnlichen Wissenschaft verwendet werden, wenn man bei diesen nicht stehen bleibt.

[ 21 ] Ich möchte sagen, gerade an diesem Forscherschicksal zeigt sich im echten Sinne tragisch, wie dasjenige, was oftmals heute als alleinige Wissenschaftlichkeit anerkannt wird, erlahmen muss an den großen Rätselfragen der menschlichen Seele. Das ist es — wiederum muss ich es sagen —, was Anthroposophie heute vor der Welt verteidigen muss, dass der Weg, den Brentano aus der Naturwissenschaft heraus, aus der bloßen Naturwissenschaft heraus, nicht finden konnte, dass der gefunden werden kann, meine sehr verehrten Anwesenden! Und er kann gefunden werden, wenn man nicht bei den gewöhnlichen Fähigkeiten des Seelenlebens, wie sie sich im äußeren Leben zunächst darbieten, wie sie in der gewöhnlichen Wissenschaft verwendet werden, wenn man bei diesen nicht stehen bleibt.

[ 22 ] Ich habe oftmals davon gesprochen, dass in jedes Menschen Seele schlummernde — sagen wir mit einem wissenschaftlichen Ausdruck —, latente Erkenntnisfähigkeiten liegen, die erst heraufgeholt werden müssen aus dieser Seele, wie aus dem Kinde gewisse Fähigkeiten heraufgeholt werden müssen durch die äußerliche Erziehung. Eine solche innerliche Erziehung muss derjenige, der schon herangereift ist für die gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeiten, sich angedeihen lassen in hingebungsvollen inneren Seelenübungen. Damit er jene Fähigkeiten in der Seele ausbilde, durch die nun nicht mehr unklar bleibt dasjenige, was ich nach den beiden Seiten hin als menschliches, rätselvolles Seelenerleben charakterisiert habe; das Erleben gegenüber den Vorstellungen, das Erleben gegenüber den Willensimpulsen, damit gewissermaßen der menschliche Seelenprozess durchsichtig werde, damit man eindringen kann in dasjenige, was da eigentlich vorgeht im menschlichen Vorstellungs-, im menschlichen Willensleben. Denn ohne dass man in diese alltäglichen Seelenrätsel eindringt, kann man auch nicht den Weg finden zu den großen Fragen des unsterblichen Daseins und des göttlich-geistigen Inhaltes der Welt, in dem auch des Menschen Seele urständet.

[ 22 ] Ich habe oftmals davon gesprochen, dass in jedes Menschen Seele schlummernde — sagen wir mit einem wissenschaftlichen Ausdruck —, latente Erkenntnisfähigkeiten liegen, die erst heraufgeholt werden müssen aus dieser Seele, wie aus dem Kinde gewisse Fähigkeiten heraufgeholt werden müssen durch die äußerliche Erziehung. Eine solche innerliche Erziehung muss derjenige, der schon herangereift ist für die gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeiten, sich angedeihen lassen in hingebungsvollen inneren Seelenübungen. Damit er jene Fähigkeiten in der Seele ausbilde, durch die nun nicht mehr unklar bleibt dasjenige, was ich nach den beiden Seiten hin als menschliches, rätselvolles Seelenerleben charakterisiert habe; das Erleben gegenüber den Vorstellungen, das Erleben gegenüber den Willensimpulsen, damit gewissermaßen der menschliche Seelenprozess durchsichtig werde, damit man eindringen kann in dasjenige, was da eigentlich vorgeht im menschlichen Vorstellungs-, im menschlichen Willensleben. Denn ohne dass man in diese alltäglichen Seelenrätsel eindringt, kann man auch nicht den Weg finden zu den großen Fragen des unsterblichen Daseins und des göttlich-geistigen Inhaltes der Welt, in dem auch des Menschen Seele urständet.

[ 23 ] Nun habe ich des Öfteren in Vorträgen hier charakterisiert, wie der Mensch innerliche Übungen zu machen hat, rein seelisch-geistige Übungen, durch die er die sonst schlummernden Erkenntnisfähigkeiten zum Dasein erweckt, sodass sie ihm wirklich in der Erkenntnis weiterhelfen können. Ich habe darauf hingewiesen, wie man das Vorstellungsleben selber erkraften, verstärken kann. Geradeso, wie wir einen Muskel verstärken, wenn wir ihn fortwährend arbeitend gebrauchen, so können wir das Vorstellungsleben verstärken, wenn wir in dem Sinne, wie ich es zum Beispiel in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» in allen Einzelheiten angeführt habe. Wenn wir dieses Vorstellungsleben durch innerliche, seelische Arbeit in eine gewisse Richtung bringen, wenn wir gewisse leicht überschaubare Vorstellungen in den Mittelpunkt des Bewusstseins rücken und immer wiederum auf diese Weise einer vorstellenden Arbeit uns hingeben, der wir uns sonst nicht hingeben. Ich kann dies nur prinzipiell hier andeuten, aber Sie finden in dem eben genannten Werk und auch im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» deutliche Aufschlüsse darüber, dass das Vorstellungsleben des Menschen etwas ganz anderes werden kann durch solche Meditations-, durch Konzentrations-Übungen des Denkens. Ich möchte sagen, ohne alle irgendwelche abnorme Vornahme, sondern durch bloße Fortbildung desjenigen, was als Gedankenleben, als Vorstellungsleben im Menschen normal ist, kann ein stärkeres, kräftigeres Vorstellungsleben erzeugt werden. Und indem man dieses kräftigere Vorstellungsleben erzeugt, indem man durch Meditation und Konzentration sich hinaushebt über dasjenige, was in unserem gewöhnlichen Vorstellungsleben eigentlich bloß bildhaft ist, kommt man zu dem, was ich nenne in den genannten Büchern das inhaltsvolle, das imaginative Vorstellen.

[ 23 ] Nun habe ich des Öfteren in Vorträgen hier charakterisiert, wie der Mensch innerliche Übungen zu machen hat, rein seelisch-geistige Übungen, durch die er die sonst schlummernden Erkenntnisfähigkeiten zum Dasein erweckt, sodass sie ihm wirklich in der Erkenntnis weiterhelfen können. Ich habe darauf hingewiesen, wie man das Vorstellungsleben selber erkraften, verstärken kann. Geradeso, wie wir einen Muskel verstärken, wenn wir ihn fortwährend arbeitend gebrauchen, so können wir das Vorstellungsleben verstärken, wenn wir in dem Sinne, wie ich es zum Beispiel in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» in allen Einzelheiten angeführt habe. Wenn wir dieses Vorstellungsleben durch innerliche, seelische Arbeit in eine gewisse Richtung bringen, wenn wir gewisse leicht überschaubare Vorstellungen in den Mittelpunkt des Bewusstseins rücken und immer wiederum auf diese Weise einer vorstellenden Arbeit uns hingeben, der wir uns sonst nicht hingeben. Ich kann dies nur prinzipiell hier andeuten, aber Sie finden in dem eben genannten Werk und auch im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» deutliche Aufschlüsse darüber, dass das Vorstellungsleben des Menschen etwas ganz anderes werden kann durch solche Meditations-, durch Konzentrations-Übungen des Denkens. Ich möchte sagen, ohne alle irgendwelche abnorme Vornahme, sondern durch bloße Fortbildung desjenigen, was als Gedankenleben, als Vorstellungsleben im Menschen normal ist, kann ein stärkeres, kräftigeres Vorstellungsleben erzeugt werden. Und indem man dieses kräftigere Vorstellungsleben erzeugt, indem man durch Meditation und Konzentration sich hinaushebt über dasjenige, was in unserem gewöhnlichen Vorstellungsleben eigentlich bloß bildhaft ist, kommt man zu dem, was ich nenne in den genannten Büchern das inhaltsvolle, das imaginative Vorstellen.

[ 24 ] Dieses imaginative Vorstellen, das lebt mit einer solchen inneren Lebendigkeit in dem bloßen Gedanken, wie sonst der Mensch in seinen äußeren Wahrnehmungen lebt. Dadurch aber — meine sehr verehrten Anwesenden — kommt man allmählich dahin, dass das Vorstellungsleben nicht mehr dieses bloß abstrakte, dieses — ich möchte sagen — bloß bildhafte ist, sondern man macht durch rein innerliche Forschung, die aber durchaus mit demselben Ernst getrieben wird wie nur irgendeine wissenschaftliche Forschung, man macht durch innere Forschung die Entdeckung, dass die Seele, die sonst nur ihr Vorstellungsleben anfüllen konnte mit den Ergebnissen der äußeren Eindrücke, dass die Seele innerlich erfüllt wird von den Kräften, die gewissermaßen in das Seelenleben hereinschießen. Die Vorstellungen sind nicht mehr bloß dieses Leichtflüssige, wenn sie durch Meditation, durch Konzentration ausgebildet werden, sondern sie werden durchkraftet, durchzogen von Kräften, die ich gestaltende Kräfte nennen möchte, von Kräften, die ein innerlich geistig-plastisches Element ausmachen. Und man entdeckt nach einiger Zeit, dass man durch diese Ausbildung des Vorstellungslebens zusammenwächst mit demjenigen, was die Bildekräfte des menschlichen Leibes selber sind. Man macht nach einiger Zeit die Entdeckung, dass das Gedankenleben gewissermaßen nichts anderes ist als das verdünnte Kraftleben des menschlichen Wachstums. Dasjenige, was uns innerlich plastisch gestaltet im physischen Leibe von der Geburt bis zum Tode, das ist — ich möchte sagen — in einem verdünnten Zustand unser Vorstellungslebens im gewöhnlichen Bewusstsein.

[ 24 ] Dieses imaginative Vorstellen, das lebt mit einer solchen inneren Lebendigkeit in dem bloßen Gedanken, wie sonst der Mensch in seinen äußeren Wahrnehmungen lebt. Dadurch aber — meine sehr verehrten Anwesenden — kommt man allmählich dahin, dass das Vorstellungsleben nicht mehr dieses bloß abstrakte, dieses — ich möchte sagen — bloß bildhafte ist, sondern man macht durch rein innerliche Forschung, die aber durchaus mit demselben Ernst getrieben wird wie nur irgendeine wissenschaftliche Forschung, man macht durch innere Forschung die Entdeckung, dass die Seele, die sonst nur ihr Vorstellungsleben anfüllen konnte mit den Ergebnissen der äußeren Eindrücke, dass die Seele innerlich erfüllt wird von den Kräften, die gewissermaßen in das Seelenleben hereinschießen. Die Vorstellungen sind nicht mehr bloß dieses Leichtflüssige, wenn sie durch Meditation, durch Konzentration ausgebildet werden, sondern sie werden durchkraftet, durchzogen von Kräften, die ich gestaltende Kräfte nennen möchte, von Kräften, die ein innerlich geistig-plastisches Element ausmachen. Und man entdeckt nach einiger Zeit, dass man durch diese Ausbildung des Vorstellungslebens zusammenwächst mit demjenigen, was die Bildekräfte des menschlichen Leibes selber sind. Man macht nach einiger Zeit die Entdeckung, dass das Gedankenleben gewissermaßen nichts anderes ist als das verdünnte Kraftleben des menschlichen Wachstums. Dasjenige, was uns innerlich plastisch gestaltet im physischen Leibe von der Geburt bis zum Tode, das ist — ich möchte sagen — in einem verdünnten Zustand unser Vorstellungslebens im gewöhnlichen Bewusstsein.

[ 25 ] Wir blicken hin auf das eben geborene Kind. Wir wissen — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass in diesem eben geborenen Kind, vom Gehirn ausgehend, die bildsamen, die plastischen Kräfte arbeiten an der Gestaltung des Leibes. Wir verfolgen das Wachstum des Kindes, wie es ausstrahlt gerade von der plastischen Gehirntätigkeit, wir verfolgen es bis zu einem gewissen Einschnitte in das menschliche Erdenleben, bis zum Zahnwechsel, bis gegen das siebente Lebensjahr hin. Wir werden, indem wir dieses Kraftleben, das da im Menschen pulsiert, das plastisch in ihm tätig ist, indem wir das zunächst als ein Unbestimmtes empfinden. Wir werden auf der anderen Seite, indem wir unser Vorstellungsleben durch Meditation, durch Konzentration kraftvoll ausgestalten, unbewusst zu demselben Element hingeführt, das so plastisch von unserer ersten Kindheit an in uns arbeitete. Und das ist eine bedeutsame Entdeckung des inneren menschlichen Lebens, dass man das Vorstellungsleben so erkraften kann, dass man es so innerlich intensiv machen kann, dass man sich denn darinnen fühlt in demjenigen, was des Menschen Bildekräfte sind, was Bildekräfte sind in seinem Wachstum, in seinem Stoffwechsel. So sonderbar es für die heutige Forschung noch klingt. Es ist so, dass es möglich ist, durch eine Verstärkung des Seelenlebens in dasjenige hineinzuwachsen, was uns gewissermaßen dann aufnimmt als dasjenige, was unsern äußeren physischen Leib als seine Bildekräfte plastisch gestaltet. Man wächst durch das Vorstellungsleben in die Wirklichkeit hinein, man wächst in ein gestaltendes Element hinein. Und man lernt auf diese Art kennen — meine sehr verehrten Anwesenden — dasjenige, was hinter dem bloßen Gedankenprozess liegt. Man lernt erkennen, wie ein Geistiges, mit dem man sich jetzt verbunden hat, am menschlichen Organismus von der Geburt bis zum Tode arbeitet. Das Vorstellungsleben bekommt seine Realität, das Vorstellungsleben ist nicht mehr das bloße Bildleben, das Vorstellungsleben wird ein Kraftleben, das im Dasein selber drinnensteht.

[ 25 ] Wir blicken hin auf das eben geborene Kind. Wir wissen — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass in diesem eben geborenen Kind, vom Gehirn ausgehend, die bildsamen, die plastischen Kräfte arbeiten an der Gestaltung des Leibes. Wir verfolgen das Wachstum des Kindes, wie es ausstrahlt gerade von der plastischen Gehirntätigkeit, wir verfolgen es bis zu einem gewissen Einschnitte in das menschliche Erdenleben, bis zum Zahnwechsel, bis gegen das siebente Lebensjahr hin. Wir werden, indem wir dieses Kraftleben, das da im Menschen pulsiert, das plastisch in ihm tätig ist, indem wir das zunächst als ein Unbestimmtes empfinden. Wir werden auf der anderen Seite, indem wir unser Vorstellungsleben durch Meditation, durch Konzentration kraftvoll ausgestalten, unbewusst zu demselben Element hingeführt, das so plastisch von unserer ersten Kindheit an in uns arbeitete. Und das ist eine bedeutsame Entdeckung des inneren menschlichen Lebens, dass man das Vorstellungsleben so erkraften kann, dass man es so innerlich intensiv machen kann, dass man sich denn darinnen fühlt in demjenigen, was des Menschen Bildekräfte sind, was Bildekräfte sind in seinem Wachstum, in seinem Stoffwechsel. So sonderbar es für die heutige Forschung noch klingt. Es ist so, dass es möglich ist, durch eine Verstärkung des Seelenlebens in dasjenige hineinzuwachsen, was uns gewissermaßen dann aufnimmt als dasjenige, was unsern äußeren physischen Leib als seine Bildekräfte plastisch gestaltet. Man wächst durch das Vorstellungsleben in die Wirklichkeit hinein, man wächst in ein gestaltendes Element hinein. Und man lernt auf diese Art kennen — meine sehr verehrten Anwesenden — dasjenige, was hinter dem bloßen Gedankenprozess liegt. Man lernt erkennen, wie ein Geistiges, mit dem man sich jetzt verbunden hat, am menschlichen Organismus von der Geburt bis zum Tode arbeitet. Das Vorstellungsleben bekommt seine Realität, das Vorstellungsleben ist nicht mehr das bloße Bildleben, das Vorstellungsleben wird ein Kraftleben, das im Dasein selber drinnensteht.

[ 26 ] Und nur durch eine solche Erkenntnis kann dasjenige, was — man könnte sagen — die Unterströmung von Ängstlichkeit, von Furcht in der menschlichen Seele erzeugt, kann vom Bewusstsein aus diese Furcht, diese Ängstlichkeit bezwungen werden, sodass es in der Tat nicht eine theoretische Lösung der Seelenrätsel ist, auf die hier Anthroposophie hinweist, sondern eine durchaus innerliche, praktische Lösung, die zu erleben ist. Indem Anthroposophie hinweisen muss darauf, dass aus ihrer Forschung heraus dasjenige in das menschliche Bewusstsein hereinkommen kann, durch das menschliches Bewusstsein begriffen werden kann, was im Menschen lebt, was — ich möchte sagen — nur zum Schein sich so weit verdünnt, dass es als unser gewöhnliches Vorstellungsleben herauskommt, was aber seiner Wahrheit nach die innere Wachstumssphäre unseres Daseins ist. Und indem der Mensch auf der anderen Seite im Vorstellungsleben — ich möchte sagen — das Schwergewicht verliert und in eine ängstliche Unterströmung dieses Seelenlebens hineingerät, kann er aufnehmen die Ergebnisse der geisteswissenschaftlichen Anthroposophie über das Vorstellungsleben und kann dieses Vorstellungsleben auf dem Erkenntniswege befestigt erhalten. Die Lösung dieses Seelenrätsels bietet Anthroposophie nicht, indem sie eine Theorie hinstellt, sondern indem sie dem Menschen ein Ergebnis hinstellt, das er mit seinem gesunden Menschenverstand durchaus begreifen kann und das dann — wie Schwere verleihend — im Vorstellungsleben für sein Bewusstsein, für sein Seelenleben auftritt, sodass in die Seelenstimmung, in die Seelenverfassung hinein Rätsel lösend strömen kann dasjenige, was Anthroposophie scheinbar als bloße Erkenntnis über das Vorstellungsleben geltend zu machen vermag. Man erkennt eben durchaus da auf der einen Seite, wie der Mensch ein gestaltetes Wesen ist, wie er als Ganzes in einer bestimmten Gestalt auftritt, wie seine einzelnen Organe gestaltet sind aus dem Geiste heraus und wie wir, damit wir ein freies Wesen sein können, damit wir nicht gezwungen durch diese innerlichen Kräfte nur handeln können, sondern uns freien Spiegelbildern hingeben können, wie wir bis zu einem plastisch Gestalteten unsere bloß bildhaften Vorstellungen hin entwickeln.

[ 26 ] Und nur durch eine solche Erkenntnis kann dasjenige, was — man könnte sagen — die Unterströmung von Ängstlichkeit, von Furcht in der menschlichen Seele erzeugt, kann vom Bewusstsein aus diese Furcht, diese Ängstlichkeit bezwungen werden, sodass es in der Tat nicht eine theoretische Lösung der Seelenrätsel ist, auf die hier Anthroposophie hinweist, sondern eine durchaus innerliche, praktische Lösung, die zu erleben ist. Indem Anthroposophie hinweisen muss darauf, dass aus ihrer Forschung heraus dasjenige in das menschliche Bewusstsein hereinkommen kann, durch das menschliches Bewusstsein begriffen werden kann, was im Menschen lebt, was — ich möchte sagen — nur zum Schein sich so weit verdünnt, dass es als unser gewöhnliches Vorstellungsleben herauskommt, was aber seiner Wahrheit nach die innere Wachstumssphäre unseres Daseins ist. Und indem der Mensch auf der anderen Seite im Vorstellungsleben — ich möchte sagen — das Schwergewicht verliert und in eine ängstliche Unterströmung dieses Seelenlebens hineingerät, kann er aufnehmen die Ergebnisse der geisteswissenschaftlichen Anthroposophie über das Vorstellungsleben und kann dieses Vorstellungsleben auf dem Erkenntniswege befestigt erhalten. Die Lösung dieses Seelenrätsels bietet Anthroposophie nicht, indem sie eine Theorie hinstellt, sondern indem sie dem Menschen ein Ergebnis hinstellt, das er mit seinem gesunden Menschenverstand durchaus begreifen kann und das dann — wie Schwere verleihend — im Vorstellungsleben für sein Bewusstsein, für sein Seelenleben auftritt, sodass in die Seelenstimmung, in die Seelenverfassung hinein Rätsel lösend strömen kann dasjenige, was Anthroposophie scheinbar als bloße Erkenntnis über das Vorstellungsleben geltend zu machen vermag. Man erkennt eben durchaus da auf der einen Seite, wie der Mensch ein gestaltetes Wesen ist, wie er als Ganzes in einer bestimmten Gestalt auftritt, wie seine einzelnen Organe gestaltet sind aus dem Geiste heraus und wie wir, damit wir ein freies Wesen sein können, damit wir nicht gezwungen durch diese innerlichen Kräfte nur handeln können, sondern uns freien Spiegelbildern hingeben können, wie wir bis zu einem plastisch Gestalteten unsere bloß bildhaften Vorstellungen hin entwickeln.

[ 27 ] Das, was da vorliegt, habe ich — meine sehr verehrten Anwesenden — im Beginne der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgeführt, indem ich gezeigt habe, dass der Mensch ein freies Wesen dadurch ist, dass er eben gerade in den reinen Gedanken, die nicht mit irgendeiner äußeren Realität für sein Bewusstsein zusammenhängen, leben kann, dass er in diesen reinen Gedanken seine moralischen Impulse formen kann. Spiegelbildern gegenüber wird man so dastehen, dass man selber irgendetwas ausführen muss, wenn das Spiegelbild sich ändern soll; Spiegelbilder bestimmen einen nicht kausal. Der Mensch würde niemals frei, wenn er von einer Realität in seinem gewöhnlichen Bewusstsein bestimmt wäre. In seinem gewöhnlichen Bewusstsein leben die Vorstellungen als Bilder. Dadurch wird er von ihnen nicht bestimmt, wie man durch Spiegelbilder auch nicht bestimmt wird. Er ist frei. Damit er frei sein kann, muss sich sein Leben herausheben aus demjenigen, was es plastisch als Wachstumskraft, als Wachstumsleib — könnte man sagen —, als Bildekräfteleib durchzieht. Aber dieses Leben in der Freiheit muss der Mensch eben mit der charakterisierten ängstlichen Unterströmung in seinem Seelenleben erkaufen. Und daher muss der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewusstsein dazu kommen, seine Freiheitsempfindung voll zu erleben, aber auch als polarischen Gegensatz entgegenstellen können diesem Freiheitserlebnis dasjenige, was Anthroposophie geben kann als Befestigung des Vorstellungslebens in der angedeuteten Weise.

[ 27 ] Das, was da vorliegt, habe ich — meine sehr verehrten Anwesenden — im Beginne der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgeführt, indem ich gezeigt habe, dass der Mensch ein freies Wesen dadurch ist, dass er eben gerade in den reinen Gedanken, die nicht mit irgendeiner äußeren Realität für sein Bewusstsein zusammenhängen, leben kann, dass er in diesen reinen Gedanken seine moralischen Impulse formen kann. Spiegelbildern gegenüber wird man so dastehen, dass man selber irgendetwas ausführen muss, wenn das Spiegelbild sich ändern soll; Spiegelbilder bestimmen einen nicht kausal. Der Mensch würde niemals frei, wenn er von einer Realität in seinem gewöhnlichen Bewusstsein bestimmt wäre. In seinem gewöhnlichen Bewusstsein leben die Vorstellungen als Bilder. Dadurch wird er von ihnen nicht bestimmt, wie man durch Spiegelbilder auch nicht bestimmt wird. Er ist frei. Damit er frei sein kann, muss sich sein Leben herausheben aus demjenigen, was es plastisch als Wachstumskraft, als Wachstumsleib — könnte man sagen —, als Bildekräfteleib durchzieht. Aber dieses Leben in der Freiheit muss der Mensch eben mit der charakterisierten ängstlichen Unterströmung in seinem Seelenleben erkaufen. Und daher muss der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewusstsein dazu kommen, seine Freiheitsempfindung voll zu erleben, aber auch als polarischen Gegensatz entgegenstellen können diesem Freiheitserlebnis dasjenige, was Anthroposophie geben kann als Befestigung des Vorstellungslebens in der angedeuteten Weise.

[ 28 ] Dringt man aber auf diesem Wege weiter — meine sehr verehrten Anwesenden —, so dringt man ja von dem — ich möchte sagen — ganz verdünnten, bloß bildhaften Vorstellungsleben vor zu demjenigen, was wirkliche Realität ist, was in dem Menschen gestaltend lebt. Es ist nicht der physische Leib, es sind nicht die physischen Organe, es ist ein übersinnlich Kraftendes, aber es ist da. Man erfasst etwas, was außerhalb des physischen Leibes liegt. Und man dringt dadurch ein, indem man einfach nach der einen Seite hin die Seelenrätsel verfolgt; man dringt dadurch ein in dasjenige, was unabhängig von dem menschlichen physischen Leibe eine übersinnliche Realität im Menschen hat. Man dringt vor bis zu dem, was durch die Geburt oder durch die Konzeption — sagen wir — als menschlicher physischer Leib, der da zubereitet wird durch die bloßen Vererbungsverhältnisse, durch bloße, äußere Naturtatsachen, was als menschlicher Leib vorgebildet wird. Man lernt erkennen, wie sich mit den vererbten Merkmalen, die von Eltern oder Voreltern herrühren, mit dem ganzen Leib, der sich im mütterlichen Organismus bildet, aus der geistigen Welt heraus dasjenige verbindet, was man im Leben wiederfindet, wenn man das Vorstellungsleben erkraftet. Man gelangt — ich möchte sagen — zu der einen Seite der Unsterblichkeitsfrage. Man schaut hin auf dasjenige, was unsterblich, was ewig ist in der Menschennatur, weil es aus einer geistigen Welt durch Konzeption und Geburt in dasjenige eindringt, was menschlich-leiblich ist, und weil es fortwirkt auch während des Erdenlebens als die innere, plastische Gestaltungskraft, mit der wir uns verbinden, indem wir in der angedeuteten Weise unser Gedankenleben verstärken.

[ 28 ] Dringt man aber auf diesem Wege weiter — meine sehr verehrten Anwesenden —, so dringt man ja von dem — ich möchte sagen — ganz verdünnten, bloß bildhaften Vorstellungsleben vor zu demjenigen, was wirkliche Realität ist, was in dem Menschen gestaltend lebt. Es ist nicht der physische Leib, es sind nicht die physischen Organe, es ist ein übersinnlich Kraftendes, aber es ist da. Man erfasst etwas, was außerhalb des physischen Leibes liegt. Und man dringt dadurch ein, indem man einfach nach der einen Seite hin die Seelenrätsel verfolgt; man dringt dadurch ein in dasjenige, was unabhängig von dem menschlichen physischen Leibe eine übersinnliche Realität im Menschen hat. Man dringt vor bis zu dem, was durch die Geburt oder durch die Konzeption — sagen wir — als menschlicher physischer Leib, der da zubereitet wird durch die bloßen Vererbungsverhältnisse, durch bloße, äußere Naturtatsachen, was als menschlicher Leib vorgebildet wird. Man lernt erkennen, wie sich mit den vererbten Merkmalen, die von Eltern oder Voreltern herrühren, mit dem ganzen Leib, der sich im mütterlichen Organismus bildet, aus der geistigen Welt heraus dasjenige verbindet, was man im Leben wiederfindet, wenn man das Vorstellungsleben erkraftet. Man gelangt — ich möchte sagen — zu der einen Seite der Unsterblichkeitsfrage. Man schaut hin auf dasjenige, was unsterblich, was ewig ist in der Menschennatur, weil es aus einer geistigen Welt durch Konzeption und Geburt in dasjenige eindringt, was menschlich-leiblich ist, und weil es fortwirkt auch während des Erdenlebens als die innere, plastische Gestaltungskraft, mit der wir uns verbinden, indem wir in der angedeuteten Weise unser Gedankenleben verstärken.

[ 29 ] So — meine sehr verehrten Anwesenden — bietet Anthroposophie die Perspektive, die etwa ein Franz Brentano suchte. Brentano begann auch bei einer Untersuchung der Gedanken, er ließ aber die Gedanken so, wie sie im gewöhnlichen Bewusstsein sind. Er beschränkte sich darauf, bloß dasjenige zu registrieren, was im gewöhnlichen Bewusstsein vorhanden ist. Erst die Verstärkung des Gedankenlebens durch Meditation und Konzentration führt dieses Gedankenleben zu der inneren, plastischen Gestaltungskraft. Und sie führt wirklich auf den Weg, der beim Erfassen des einfachen, alltäglichen Gedankens beginnt und der endet bei demjenigen geistig-seelischen Element des Menschen, das da gelebt hat vor der Geburt, vor der Konzeption, in der geistig-seelischen Welt selber und das sich mit den Vererbungskräften, mit den physischen Kräften des Menschenleibes verbunden hat. Auf einem anderen Wege gibt es keine Lösung der Seelenrätsel als dadurch, dass man diesen Weg wirklich findet von den einfachsten Erscheinungen des alltäglichen Lebens bis zu den großen Rätselfragen des Daseins.

[ 29 ] So — meine sehr verehrten Anwesenden — bietet Anthroposophie die Perspektive, die etwa ein Franz Brentano suchte. Brentano begann auch bei einer Untersuchung der Gedanken, er ließ aber die Gedanken so, wie sie im gewöhnlichen Bewusstsein sind. Er beschränkte sich darauf, bloß dasjenige zu registrieren, was im gewöhnlichen Bewusstsein vorhanden ist. Erst die Verstärkung des Gedankenlebens durch Meditation und Konzentration führt dieses Gedankenleben zu der inneren, plastischen Gestaltungskraft. Und sie führt wirklich auf den Weg, der beim Erfassen des einfachen, alltäglichen Gedankens beginnt und der endet bei demjenigen geistig-seelischen Element des Menschen, das da gelebt hat vor der Geburt, vor der Konzeption, in der geistig-seelischen Welt selber und das sich mit den Vererbungskräften, mit den physischen Kräften des Menschenleibes verbunden hat. Auf einem anderen Wege gibt es keine Lösung der Seelenrätsel als dadurch, dass man diesen Weg wirklich findet von den einfachsten Erscheinungen des alltäglichen Lebens bis zu den großen Rätselfragen des Daseins.

[ 30 ] Ich habe — meine sehr verehrten Anwesenden — bisher hingewiesen auf dasjenige, was der Mensch erreichen kann gegenüber seinem Gedankenleben. Da kommt er zu dem, was gewissermaßen den Menschen in den Raum herausgestaltend treibt, was die räumliche Leiblichkeit des Menschen plastisch durchdringt, was sich auslebt in der Gestalt, was aus der geistigen Welt, wie ich angedeutet habe, heruntersteigt und in die äußere Gestalt des Menschen, auch in die Gestalt seiner inneren Organe, hinein verfließt. Das ist aber nur die eine Seite des Menschenlebens. Und auch an der anderen Seite des Menschenlebens nimmt das Seelische durchaus teil, wenn wir ebenso, wie wir ausbilden können durch Meditation und Konzentration das Gedankenleben. Wenn wir nach der anderen Seite das Willensleben jetzt nicht so ausbilden, dass man sagen kann im eigentlichen Sinne, man verstärkt es, sondern so ausbilden, dass wir es hingebungsvoller machen, vergeistigter machen.

[ 30 ] Ich habe — meine sehr verehrten Anwesenden — bisher hingewiesen auf dasjenige, was der Mensch erreichen kann gegenüber seinem Gedankenleben. Da kommt er zu dem, was gewissermaßen den Menschen in den Raum herausgestaltend treibt, was die räumliche Leiblichkeit des Menschen plastisch durchdringt, was sich auslebt in der Gestalt, was aus der geistigen Welt, wie ich angedeutet habe, heruntersteigt und in die äußere Gestalt des Menschen, auch in die Gestalt seiner inneren Organe, hinein verfließt. Das ist aber nur die eine Seite des Menschenlebens. Und auch an der anderen Seite des Menschenlebens nimmt das Seelische durchaus teil, wenn wir ebenso, wie wir ausbilden können durch Meditation und Konzentration das Gedankenleben. Wenn wir nach der anderen Seite das Willensleben jetzt nicht so ausbilden, dass man sagen kann im eigentlichen Sinne, man verstärkt es, sondern so ausbilden, dass wir es hingebungsvoller machen, vergeistigter machen.

[ 31 ] Man kann es dadurch erreichen, dass man dieses Willensleben in einem gewissen Sinne losreißt von seiner Alltäglichkeit, es kann das dadurch geschehen. Ich habe wiederum viele einzelne Übungen gegeben, die jahrelang — Geisteswissenschaft ist nicht leichter als die Forschung auf der Sternwarte oder auf der Klinik —, die jahrelang getrieben werden müssten. Aber ich möchte Einzelnes nur herausgreifen, um das Prinzipielle anzudeuten. Wenn man dasjenige, was im gewöhnlichen Denken als Wille wirkt — denn im Denken ist immer ein Wille vorhanden, die Gedanken werden durch den Willen gestaltet, das Gedankliche ist nur die eine Seite, im Seelenleben ist immer der Wille mit den Gedanken durchwoben und die Gedanken mit dem Willen —, wenn man das Willenselement, das in den Gedanken lebt, dadurch losreißt von seinem gewöhnlichen Gange, der sich an die äußeren physischen Tatsachen hält, dadurch, dass man zum Beispiel etwas rückwärts vorstellt — sagen wir. Während man gewohnt ist, ein Drama vom ersten bis zum fünften Akte vorzustellen, stellen wir einmal dieses Drama von den letzten Vorgängen bis zum Anfange hin rückwärts verlaufend vor. Man gehe dann über dazu, äußere Tatbestände rückwärts verlaufend vorzustellen. Man kann zum Beispiel am Abend sein gewöhnliches Tagesleben rückverlaufend so vorstellen, dass man in möglichst kleinen Partien vorgeht, vom Abend bis zum Morgen, selbst bis zu dem Grad, dass man das Hinaufgehen über eine Treppe so rückwärts vorstellt, dass man es wie ein Rückwärts-Heruntergehen von der obersten bis zu der vorletzten Treppe und so weiter vorstellt.

[ 31 ] Man kann es dadurch erreichen, dass man dieses Willensleben in einem gewissen Sinne losreißt von seiner Alltäglichkeit, es kann das dadurch geschehen. Ich habe wiederum viele einzelne Übungen gegeben, die jahrelang — Geisteswissenschaft ist nicht leichter als die Forschung auf der Sternwarte oder auf der Klinik —, die jahrelang getrieben werden müssten. Aber ich möchte Einzelnes nur herausgreifen, um das Prinzipielle anzudeuten. Wenn man dasjenige, was im gewöhnlichen Denken als Wille wirkt — denn im Denken ist immer ein Wille vorhanden, die Gedanken werden durch den Willen gestaltet, das Gedankliche ist nur die eine Seite, im Seelenleben ist immer der Wille mit den Gedanken durchwoben und die Gedanken mit dem Willen —, wenn man das Willenselement, das in den Gedanken lebt, dadurch losreißt von seinem gewöhnlichen Gange, der sich an die äußeren physischen Tatsachen hält, dadurch, dass man zum Beispiel etwas rückwärts vorstellt — sagen wir. Während man gewohnt ist, ein Drama vom ersten bis zum fünften Akte vorzustellen, stellen wir einmal dieses Drama von den letzten Vorgängen bis zum Anfange hin rückwärts verlaufend vor. Man gehe dann über dazu, äußere Tatbestände rückwärts verlaufend vorzustellen. Man kann zum Beispiel am Abend sein gewöhnliches Tagesleben rückverlaufend so vorstellen, dass man in möglichst kleinen Partien vorgeht, vom Abend bis zum Morgen, selbst bis zu dem Grad, dass man das Hinaufgehen über eine Treppe so rückwärts vorstellt, dass man es wie ein Rückwärts-Heruntergehen von der obersten bis zu der vorletzten Treppe und so weiter vorstellt.

[ 32 ] Dadurch, dass man immerzu gewohnt ist, das Denken immer in demselben Sinne zu führen, wie die äußeren Tatsachen verlaufen, spielt das Denken für uns eigentlich in Bezug auf den Willen, der in ihm entfaltet wird, eine passive Rolle. Es wird aktiv innerlich tätig, durchsetzt von innerlicher Initiative, wenn wir durch solche Übungen es schulen wie das Rückwärtsvorstellen, wo wir es losreißen von dem Gang der äußeren Tatsachen, wo wir es auf sich selbst angewiesen machen. Denn wenn wir solches, was wir auf diese Weise in sorgfältigen und energischen Übungen erreichen, verstärken durch eine wirklich ernste Selbstbeobachtung, indem wir dasjenige, was wir als Willensmensch tun, so beobachten, wie wenn wir neben uns stehen würden und uns Stück für Stück in unserer Willensentfaltung beobachten würden; oder auch, wenn wir zur Aktivität übergehen würden, wenn wir Übungen geradezu zu dem Zwecke machten, uns etwas vorzunehmen und es dann mit einer eisernen Energie exakt auszuführen, sodass wir ganz im Willenselement leben — ich wollte nur prinzipiell solche Übungen angeben, die den Willen losreißen nicht nur von den äußeren Tatsachen, sondern von seinem Gebundensein an den Leib selber, die den Willen selbstständig machen, vergeistigen —, dann kommen wir auf diese Art tatsächlich zu einer Willensentfaltung, sodass wir uns mit unserem Seelenleben, das nun den Willen entfaltet, außer unserem Leibe erleben. Es ist ein bedeutsames Erleben.

[ 32 ] Dadurch, dass man immerzu gewohnt ist, das Denken immer in demselben Sinne zu führen, wie die äußeren Tatsachen verlaufen, spielt das Denken für uns eigentlich in Bezug auf den Willen, der in ihm entfaltet wird, eine passive Rolle. Es wird aktiv innerlich tätig, durchsetzt von innerlicher Initiative, wenn wir durch solche Übungen es schulen wie das Rückwärtsvorstellen, wo wir es losreißen von dem Gang der äußeren Tatsachen, wo wir es auf sich selbst angewiesen machen. Denn wenn wir solches, was wir auf diese Weise in sorgfältigen und energischen Übungen erreichen, verstärken durch eine wirklich ernste Selbstbeobachtung, indem wir dasjenige, was wir als Willensmensch tun, so beobachten, wie wenn wir neben uns stehen würden und uns Stück für Stück in unserer Willensentfaltung beobachten würden; oder auch, wenn wir zur Aktivität übergehen würden, wenn wir Übungen geradezu zu dem Zwecke machten, uns etwas vorzunehmen und es dann mit einer eisernen Energie exakt auszuführen, sodass wir ganz im Willenselement leben — ich wollte nur prinzipiell solche Übungen angeben, die den Willen losreißen nicht nur von den äußeren Tatsachen, sondern von seinem Gebundensein an den Leib selber, die den Willen selbstständig machen, vergeistigen —, dann kommen wir auf diese Art tatsächlich zu einer Willensentfaltung, sodass wir uns mit unserem Seelenleben, das nun den Willen entfaltet, außer unserem Leibe erleben. Es ist ein bedeutsames Erleben.

[ 33 ] Aber dadurch sieht man erst dasjenige ein, was der Wille ist. Der Wille ist im gewöhnlichen Leben an die Organe gebunden. Wir sehen ihn sich entfalten, indem wir unsere Glieder bewegen. Wir beobachten gewissermaßen nur durch unser Gedankenleben die Vorgänge, die Wirkungen unseres Willens. Wir sehen in ihn hinein, wenn wir ihn losgerissen haben von der Leiblichkeit, wenn wir ihn in sich selbst erleben, ganz eins werden mit ihm. Dann wird er durchdrungen von einer Erhöhung derjenigen Kraft, die sonst auch an unseren physischen Organismus gebunden ist, durchdrungen von der Liebekraft. Und zu einer durchsichtigen, hellen Klarheit wird jenes hingebungsvolle Element im Seelenleben ausgebildet, das uns sonst — ich möchte sagen — dunkel, als emotionelles Willensleben entgegentritt in der Liebe.

[ 33 ] Aber dadurch sieht man erst dasjenige ein, was der Wille ist. Der Wille ist im gewöhnlichen Leben an die Organe gebunden. Wir sehen ihn sich entfalten, indem wir unsere Glieder bewegen. Wir beobachten gewissermaßen nur durch unser Gedankenleben die Vorgänge, die Wirkungen unseres Willens. Wir sehen in ihn hinein, wenn wir ihn losgerissen haben von der Leiblichkeit, wenn wir ihn in sich selbst erleben, ganz eins werden mit ihm. Dann wird er durchdrungen von einer Erhöhung derjenigen Kraft, die sonst auch an unseren physischen Organismus gebunden ist, durchdrungen von der Liebekraft. Und zu einer durchsichtigen, hellen Klarheit wird jenes hingebungsvolle Element im Seelenleben ausgebildet, das uns sonst — ich möchte sagen — dunkel, als emotionelles Willensleben entgegentritt in der Liebe.

[ 34 ] Ich weiß, wie wenig die Menschen heute gelten lassen wollen die Liebe als eine Erkenntniskraft. Im gewöhnlichen Leben ist sie es auch nicht. Aber wenn sie so ausgebildet ist, dass der Wille nicht mehr wurzelt in Instinkten, in Trieben, in Emotionen, [sondern,] dass er im rein Seelischen, abgesehen von der Leiblichkeit, lebt, dann wird dieser Wille eigentlich erst seiner Wesenheit nach eingesehen. Und dann zeigt er sich als etwas ganz anderes, als das Gedankenelement sich gezeigt hat. Das Gedankenelement hat sich in seiner Verstärkung als dasjenige, was aufbauend gestaltet, gezeigt, was — ich möchte sagen — Organ herausfließen lässt, was zuletzt gipfelt in der menschlichen Fortpflanzung. Das Gedankenelement entfaltet sich als das plastische Wirken, von der Seele aus plastische Wirken in die menschliche Leiblichkeit hinein. Das Willenselement, das entfaltet sich so, dass es — gerade, wenn man es abgesondert vom Leibe erkennt, kann man dann anschauen, wie es auf den Leib wirkt —, dieses entfaltet sich so im Leibe, dass es das Leibliche nun nicht plastisch gestaltet, sondern das Plastisch-Gestaltete wird zurückgebildet, wird aufgelöst, zerstäubt, verfließend gemacht. Das Willenselement ist das, was stetig — ich möchte sagen, ich bitte, mich nicht misszuverstehen —, was stetig, der Ausdruck ist bildlich gemeint, aber er bedeutet etwas sehr Wichtiges, was stetig die gebildeten Elemente des Menschen wiederum verbrennt, in Flammen — geistig gesprochen — aufgehen lässt.

[ 34 ] Ich weiß, wie wenig die Menschen heute gelten lassen wollen die Liebe als eine Erkenntniskraft. Im gewöhnlichen Leben ist sie es auch nicht. Aber wenn sie so ausgebildet ist, dass der Wille nicht mehr wurzelt in Instinkten, in Trieben, in Emotionen, [sondern,] dass er im rein Seelischen, abgesehen von der Leiblichkeit, lebt, dann wird dieser Wille eigentlich erst seiner Wesenheit nach eingesehen. Und dann zeigt er sich als etwas ganz anderes, als das Gedankenelement sich gezeigt hat. Das Gedankenelement hat sich in seiner Verstärkung als dasjenige, was aufbauend gestaltet, gezeigt, was — ich möchte sagen — Organ herausfließen lässt, was zuletzt gipfelt in der menschlichen Fortpflanzung. Das Gedankenelement entfaltet sich als das plastische Wirken, von der Seele aus plastische Wirken in die menschliche Leiblichkeit hinein. Das Willenselement, das entfaltet sich so, dass es — gerade, wenn man es abgesondert vom Leibe erkennt, kann man dann anschauen, wie es auf den Leib wirkt —, dieses entfaltet sich so im Leibe, dass es das Leibliche nun nicht plastisch gestaltet, sondern das Plastisch-Gestaltete wird zurückgebildet, wird aufgelöst, zerstäubt, verfließend gemacht. Das Willenselement ist das, was stetig — ich möchte sagen, ich bitte, mich nicht misszuverstehen —, was stetig, der Ausdruck ist bildlich gemeint, aber er bedeutet etwas sehr Wichtiges, was stetig die gebildeten Elemente des Menschen wiederum verbrennt, in Flammen — geistig gesprochen — aufgehen lässt.

[ 35 ] Das menschliche Leben, wie es aus der Seele in die Leiblichkeit sich ergießt, kann nur verstanden werden, indem es auf der einen Seite durchschaut wird als dieses plastische Element, auf der anderen Seite als das Wiederauflösen des plastischen Elements, als das — ich möchte sagen — in das Zerstäubte, in das zerfließende Hineinkommenlassen des plastischen Elementes. Und indem alles dasjenige, was als Wille sich im Menschen entfaltet, im menschlichen Leibe sich solch Auflösendes, Zerstäubendes, das zerfließend Bildendes ist, ist dieses willensartige Element dasjenige, was nun erlebt wird als das, was uns nach der anderen Seite des Menschenlebens den Weg weist, was uns den Weg weist zum Tode hin.

[ 35 ] Das menschliche Leben, wie es aus der Seele in die Leiblichkeit sich ergießt, kann nur verstanden werden, indem es auf der einen Seite durchschaut wird als dieses plastische Element, auf der anderen Seite als das Wiederauflösen des plastischen Elements, als das — ich möchte sagen — in das Zerstäubte, in das zerfließende Hineinkommenlassen des plastischen Elementes. Und indem alles dasjenige, was als Wille sich im Menschen entfaltet, im menschlichen Leibe sich solch Auflösendes, Zerstäubendes, das zerfließend Bildendes ist, ist dieses willensartige Element dasjenige, was nun erlebt wird als das, was uns nach der anderen Seite des Menschenlebens den Weg weist, was uns den Weg weist zum Tode hin.

[ 36 ] Wie wir durch die Plastik des Denkens kennenlernen eben zunächst das geistig-plastische Element der menschlichen Seele, das durch Geburt oder Empfängnis in den physischen Leib einzieht, so lernen wir erkennen, wie das willensartige Element den menschlichen Leib auflöst, aber im Auflösen — ich möchte sagen, wie gesagt, bildlich gesprochen — aus der Flamme die reine Geistigkeit hervorgehen lässt. Wir lernen den Auszug der Seele aus dem Leibe kennen. Wir lernen auf diese Weise aus dem Verfließen des Willenselementes heraus den Tod verstehen. Wir lernen verstehen dasjenige, was im Tode mit dem Menschen vorgeht, weil wir verstehen lernen dasjenige, was beim alltäglichen Willensentschluss im Menschen vorgeht. Der alltägliche Willensentschluss bewirkt im physischen Leibe — wie gesagt, bildlich gesprochen — eine Art Verbrennungsprozess, aber aus diesem Verbrennungsprozess geht hervor dasjenige, was unser inneres Seelenleben ist. Was wir innerlich als Seele empfinden, es könnte nicht da sein, wenn wir immer bloß Leib wären, bloß plastisch gestaltet würden. Das Plastische muss abgebaut werden, verfließen, und aus dem Verfließenden des Plastischen, aus dem immer Fortwährend-zerstörtWerdenden des Leiblichen geht das Erleben des Seelischen hervor. Und wir begreifen den Auszug der Menschenseele mit dem Tode aus dem physischen Leibe, der nur in einen Augenblick zusammengefasst dasjenige darstellt, was immerdar sich in der Entfaltung des Willens zur Geistigkeit der Seele darstellt. So wie ich im gegenwärtigen Augenblick meinen Willen erlebe, wie er eine Art Verbrennungsprozess, Auflösungsprozess im Leibe bildet, wie durch die Zerstörung das Geistige auflebt im menschlichen Leib, so lerne ich erkennen, wie mit dem anderen Zerstören des Leibes im Tode, das nichts anderes ist als die letzte Wirkung des im Leibe verborgenen Willens, wie da das Geistige wiederum zurückkehrt in die geistig-seelische Welt.

[ 36 ] Wie wir durch die Plastik des Denkens kennenlernen eben zunächst das geistig-plastische Element der menschlichen Seele, das durch Geburt oder Empfängnis in den physischen Leib einzieht, so lernen wir erkennen, wie das willensartige Element den menschlichen Leib auflöst, aber im Auflösen — ich möchte sagen, wie gesagt, bildlich gesprochen — aus der Flamme die reine Geistigkeit hervorgehen lässt. Wir lernen den Auszug der Seele aus dem Leibe kennen. Wir lernen auf diese Weise aus dem Verfließen des Willenselementes heraus den Tod verstehen. Wir lernen verstehen dasjenige, was im Tode mit dem Menschen vorgeht, weil wir verstehen lernen dasjenige, was beim alltäglichen Willensentschluss im Menschen vorgeht. Der alltägliche Willensentschluss bewirkt im physischen Leibe — wie gesagt, bildlich gesprochen — eine Art Verbrennungsprozess, aber aus diesem Verbrennungsprozess geht hervor dasjenige, was unser inneres Seelenleben ist. Was wir innerlich als Seele empfinden, es könnte nicht da sein, wenn wir immer bloß Leib wären, bloß plastisch gestaltet würden. Das Plastische muss abgebaut werden, verfließen, und aus dem Verfließenden des Plastischen, aus dem immer Fortwährend-zerstörtWerdenden des Leiblichen geht das Erleben des Seelischen hervor. Und wir begreifen den Auszug der Menschenseele mit dem Tode aus dem physischen Leibe, der nur in einen Augenblick zusammengefasst dasjenige darstellt, was immerdar sich in der Entfaltung des Willens zur Geistigkeit der Seele darstellt. So wie ich im gegenwärtigen Augenblick meinen Willen erlebe, wie er eine Art Verbrennungsprozess, Auflösungsprozess im Leibe bildet, wie durch die Zerstörung das Geistige auflebt im menschlichen Leib, so lerne ich erkennen, wie mit dem anderen Zerstören des Leibes im Tode, das nichts anderes ist als die letzte Wirkung des im Leibe verborgenen Willens, wie da das Geistige wiederum zurückkehrt in die geistig-seelische Welt.

[ 37 ] Das ist dasjenige, was aus Anthroposophie heraus lebendig in die Seelenrätsel hineinführt. Anthroposophie will nicht sein eine Theorie; gewiss, sie will Erkenntnis geben, aber nicht eine theoretische Erkenntnis, sie will eine Erkenntnis geben, die Seelennahrung ist. Und sie kann auf diese Weise die einzelnen täglichen Erlebnisse des Seelenwesens vor das geistige Auge hinstellen. Sie kann von diesen einzelnen Erlebnissen dann zu den großen Fragen des Seelenlebens hin schreiten.

[ 37 ] Das ist dasjenige, was aus Anthroposophie heraus lebendig in die Seelenrätsel hineinführt. Anthroposophie will nicht sein eine Theorie; gewiss, sie will Erkenntnis geben, aber nicht eine theoretische Erkenntnis, sie will eine Erkenntnis geben, die Seelennahrung ist. Und sie kann auf diese Weise die einzelnen täglichen Erlebnisse des Seelenwesens vor das geistige Auge hinstellen. Sie kann von diesen einzelnen Erlebnissen dann zu den großen Fragen des Seelenlebens hin schreiten.

[ 38 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, gestatten Sie, dass ich auf diese eine Einzelheit eingehe, damit Sie sehen, worauf gerade dasjenige beruht, was durch Anthroposophie in die menschlichen Seelenrätsel hineinführen soll. Gestatten Sie, dass ich die Einzelheiten der menschlichen Erinnerung anführe.

[ 38 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, gestatten Sie, dass ich auf diese eine Einzelheit eingehe, damit Sie sehen, worauf gerade dasjenige beruht, was durch Anthroposophie in die menschlichen Seelenrätsel hineinführen soll. Gestatten Sie, dass ich die Einzelheiten der menschlichen Erinnerung anführe.

[ 39 ] Ist man dazu gelangt, so das verstärkte Vorstellungsleben in sich zu haben, wie ich es charakterisiert habe, und hat man auf der anderen Seite kennengelernt, wie fortwährend das Plastische wieder abgebaut wird von dem Willensleben, dann schaut man auch die inneren Seelenprozesse erst in durchsichtiger Klarheit an. Man sieht, wie der Mensch gegenübersteht der äußeren Welt, wie er seine Eindrücke von der äußeren Welt bekommt, wie er dann sich Vorstellungen, sich Gedanken über diese äußeren Eindrücke bildet, wie er dann nach einiger Zeit — oder auch nach langer Zeit — als Erinnerungen diese Vorstellungen heraufholt aus gewissen Untergründen, oder wie sie auch von selbst — wie man heute sagt — als frei steigende Gedächtnisvorstellungen herauftauchen.

[ 39 ] Ist man dazu gelangt, so das verstärkte Vorstellungsleben in sich zu haben, wie ich es charakterisiert habe, und hat man auf der anderen Seite kennengelernt, wie fortwährend das Plastische wieder abgebaut wird von dem Willensleben, dann schaut man auch die inneren Seelenprozesse erst in durchsichtiger Klarheit an. Man sieht, wie der Mensch gegenübersteht der äußeren Welt, wie er seine Eindrücke von der äußeren Welt bekommt, wie er dann sich Vorstellungen, sich Gedanken über diese äußeren Eindrücke bildet, wie er dann nach einiger Zeit — oder auch nach langer Zeit — als Erinnerungen diese Vorstellungen heraufholt aus gewissen Untergründen, oder wie sie auch von selbst — wie man heute sagt — als frei steigende Gedächtnisvorstellungen herauftauchen.

[ 40 ] Schon in diesem Herauftauchen der Erinnerungsvorstellungen kündet sich für den, der unbefangen auf das menschliche Seelenleben hinblicken will, ein bedeutsames Seelenrätsel an, und man kann sagen, in durchaus kurioser Weise haben die Menschen gesprochen von dem, was eigentlich das Wesen der Erinnerung ist. Man hat sich — und tut das zuweilen noch heute — vorgestellt: Nun ja, der Mensch bekommt durch die Wahrnehmungen Eindrücke, sie werden durch seine Sinne hervorgerufen, dann setzen sie sich fort durch sein Nervensystem, er bildet sie um durch sein Vorstellen. Diese Vorstellungen tauchen dann in gewisse Untergründe seines Seelenlebens ein und kommen dann wieder herauf, wenn sie erinnert werden. Nun, kein Mensch, der unbefangen denkt, kann sich irgendeinen klaren Gedanken darüber machen, wie eigentlich diese Vorstellungen, wenn wir sie nicht haben, da unten in unbekannten Untergründen des Seelenlebens spazieren gehen sollen, um dann wieder heraufzukommen, wenn sie entweder gerade gebraucht werden, durch Willkür oder an irgendetwas sich anlehnen wollen, das als eine neue Wahrnehmung, als ein neuer Eindruck der Außenwelt auftritt.

[ 40 ] Schon in diesem Herauftauchen der Erinnerungsvorstellungen kündet sich für den, der unbefangen auf das menschliche Seelenleben hinblicken will, ein bedeutsames Seelenrätsel an, und man kann sagen, in durchaus kurioser Weise haben die Menschen gesprochen von dem, was eigentlich das Wesen der Erinnerung ist. Man hat sich — und tut das zuweilen noch heute — vorgestellt: Nun ja, der Mensch bekommt durch die Wahrnehmungen Eindrücke, sie werden durch seine Sinne hervorgerufen, dann setzen sie sich fort durch sein Nervensystem, er bildet sie um durch sein Vorstellen. Diese Vorstellungen tauchen dann in gewisse Untergründe seines Seelenlebens ein und kommen dann wieder herauf, wenn sie erinnert werden. Nun, kein Mensch, der unbefangen denkt, kann sich irgendeinen klaren Gedanken darüber machen, wie eigentlich diese Vorstellungen, wenn wir sie nicht haben, da unten in unbekannten Untergründen des Seelenlebens spazieren gehen sollen, um dann wieder heraufzukommen, wenn sie entweder gerade gebraucht werden, durch Willkür oder an irgendetwas sich anlehnen wollen, das als eine neue Wahrnehmung, als ein neuer Eindruck der Außenwelt auftritt.

[ 41 ] Anthroposophie geht da zur wirklichen, wahrhaftigen Beobachtung des menschlichen Seelenlebens selber über. Sie durchschaut dadurch, dass sie das verstärkte Vorstellungsleben und das durchgeistigte Willensleben kennt, sie durchschaut den ganzen Prozess, der sich abspielt von der Wahrnehmung des äußeren Dinges durch das Vorstellungsbilden, durch das Bilden der Erinnerung bis zum Wiederum-Heraufkommen der erinnerten Vorstellungen. Man möchte sagen: Dadurch, dass anthroposophische Forschung durch eine solche Gestaltung des Vorstellungs- und Willenslebens zu Erkenntniskräften vordringt — wie ich angedeutet habe —, wird der ganze Seelen- und leibliche Prozess, wie diese beiden Prozesse ineinanderspielen, so umgestaltet, wie etwas, wenn ich es mit dem vergleichen darf, umgestaltet wird, was ich als etwas ganz Dunkles, Undurchsichtiges vor mir habe, dadurch, dass es durchleuchtet wird, plötzlich durchsichtig wird. Der ganze menschliche Seelenprozess wird durch dieses verstärkte Vorstellungsleben und durchgeistigte Willensleben durchsichtig.

[ 41 ] Anthroposophie geht da zur wirklichen, wahrhaftigen Beobachtung des menschlichen Seelenlebens selber über. Sie durchschaut dadurch, dass sie das verstärkte Vorstellungsleben und das durchgeistigte Willensleben kennt, sie durchschaut den ganzen Prozess, der sich abspielt von der Wahrnehmung des äußeren Dinges durch das Vorstellungsbilden, durch das Bilden der Erinnerung bis zum Wiederum-Heraufkommen der erinnerten Vorstellungen. Man möchte sagen: Dadurch, dass anthroposophische Forschung durch eine solche Gestaltung des Vorstellungs- und Willenslebens zu Erkenntniskräften vordringt — wie ich angedeutet habe —, wird der ganze Seelen- und leibliche Prozess, wie diese beiden Prozesse ineinanderspielen, so umgestaltet, wie etwas, wenn ich es mit dem vergleichen darf, umgestaltet wird, was ich als etwas ganz Dunkles, Undurchsichtiges vor mir habe, dadurch, dass es durchleuchtet wird, plötzlich durchsichtig wird. Der ganze menschliche Seelenprozess wird durch dieses verstärkte Vorstellungsleben und durchgeistigte Willensleben durchsichtig.

[ 42 ] Und worauf sieht man jetzt hin in Bezug auf das, was ich angedeutet habe? Meine sehr verehrten Anwesenden, man sieht, wie die äußeren Eindrücke den Sinnen sich meilenweit dehnen, der ganze Prozess weiterspielt, und wie in der Tat dasjenige, was ich als gestaltendes, als plastisches Element des Gedankenlebens, des verstärkten Gedankenlebens bezeichnet habe, wie das in dem gewöhnlichen Wahrnehmungsprozess als eine Fortsetzung wirkt. Ich nehme äußerlich wahr, aber es wirken in mir ja nicht bloß die abstrakten Gedanken, die ich im gewöhnlichen Bewusstsein habe, sondern dasjenige, was durch Geisteswissenschaft bloß ergründet wird, das wirkt ja fortwährend. Dieses Plastische in diesen Vorstellungen, das wirkt hinunter in die menschlichen Seelen- und Leibestiefen. Und dann, wenn dies geschehen ist, wenn in die Seelenuntergründe und in die Leibesuntergründe der Gedanke gestaltend gewirkt hat, dann geht der Mensch zu anderem über. Da ist ein Willensentschluss tätig, da spielt der Wille, da ist aber der vergeistigte Wille vorhanden. In demjenigen Leben des Menschen, das an das äußere Gehirn gebunden ist, entfaltet sich dieser Wille. Er baut ab dasjenige für das gewöhnliche Bewusstsein, indem er die Plastik des Gehirns auflöst, er baut ab dasjenige, was der Eindruck aufgebaut hat, sodass wir eine äußere Gehirnoberfläche — wenn ich mich grob ausdrücken darf — haben, ausgebreitet über Untergründe, wo aber die Plastik fortwirkt.

[ 42 ] Und worauf sieht man jetzt hin in Bezug auf das, was ich angedeutet habe? Meine sehr verehrten Anwesenden, man sieht, wie die äußeren Eindrücke den Sinnen sich meilenweit dehnen, der ganze Prozess weiterspielt, und wie in der Tat dasjenige, was ich als gestaltendes, als plastisches Element des Gedankenlebens, des verstärkten Gedankenlebens bezeichnet habe, wie das in dem gewöhnlichen Wahrnehmungsprozess als eine Fortsetzung wirkt. Ich nehme äußerlich wahr, aber es wirken in mir ja nicht bloß die abstrakten Gedanken, die ich im gewöhnlichen Bewusstsein habe, sondern dasjenige, was durch Geisteswissenschaft bloß ergründet wird, das wirkt ja fortwährend. Dieses Plastische in diesen Vorstellungen, das wirkt hinunter in die menschlichen Seelen- und Leibestiefen. Und dann, wenn dies geschehen ist, wenn in die Seelenuntergründe und in die Leibesuntergründe der Gedanke gestaltend gewirkt hat, dann geht der Mensch zu anderem über. Da ist ein Willensentschluss tätig, da spielt der Wille, da ist aber der vergeistigte Wille vorhanden. In demjenigen Leben des Menschen, das an das äußere Gehirn gebunden ist, entfaltet sich dieser Wille. Er baut ab dasjenige für das gewöhnliche Bewusstsein, indem er die Plastik des Gehirns auflöst, er baut ab dasjenige, was der Eindruck aufgebaut hat, sodass wir eine äußere Gehirnoberfläche — wenn ich mich grob ausdrücken darf — haben, ausgebreitet über Untergründe, wo aber die Plastik fortwirkt.

[ 43 ] Nehmen wir nun an, ich erinnere mich in willkürlicher Weise an irgendetwas, dann geschieht das so, dass ich aus einer gewissen Vorstellungsreihe heraus diesen Willen entfalte. Die Willensentfaltung ist wiederum mit einem Abbauen verbunden, wenn jetzt nicht wiederum äußere Eindrücke eindringen, und dass diese nicht kommen, dafür sorgt ja wiederum die Willensentwicklung, die ein Abbauen ist. Und dieses Abbauen, das lässt dasjenige, was in den Untergründen ist, bei der willkürlich heraufgeholten Erinnerung als Plastik des Menschen heraufkommen. Kommen frei steigende Vorstellungen herauf, so geschieht es umgekehrt. Da ist irgendein äußerer Eindruck vorhanden, der sich zum Gedanken bildet. Der Gedanke ist plastisch tätig. Dem Gehirn wird er eingeprägt. Diese Plastik ist ähnlich derjenigen Plastik, die einmal so ausgebildet hat in den Untergründen dasjenige, was in den Untergründen in einer gewissen Gestalt leben kann. Das lebt in derjenigen Plastik, die jetzt der Gedanke gebildet hat.

[ 43 ] Nehmen wir nun an, ich erinnere mich in willkürlicher Weise an irgendetwas, dann geschieht das so, dass ich aus einer gewissen Vorstellungsreihe heraus diesen Willen entfalte. Die Willensentfaltung ist wiederum mit einem Abbauen verbunden, wenn jetzt nicht wiederum äußere Eindrücke eindringen, und dass diese nicht kommen, dafür sorgt ja wiederum die Willensentwicklung, die ein Abbauen ist. Und dieses Abbauen, das lässt dasjenige, was in den Untergründen ist, bei der willkürlich heraufgeholten Erinnerung als Plastik des Menschen heraufkommen. Kommen frei steigende Vorstellungen herauf, so geschieht es umgekehrt. Da ist irgendein äußerer Eindruck vorhanden, der sich zum Gedanken bildet. Der Gedanke ist plastisch tätig. Dem Gehirn wird er eingeprägt. Diese Plastik ist ähnlich derjenigen Plastik, die einmal so ausgebildet hat in den Untergründen dasjenige, was in den Untergründen in einer gewissen Gestalt leben kann. Das lebt in derjenigen Plastik, die jetzt der Gedanke gebildet hat.

[ 44 ] Kurz, Sie sehen, das Seelenleben wird auf diese Weise durchsichtig. Man lernt es erkennen im Zusammenwirken mit dem Leibesleben, im Zusammenwirken des Geistigen mit dem Leiblichen und mit dem Seelischen, man lernt es erkennen in seinem innerlichen plastischen Aufbauen, in seinem fortwährenden Ablöschen, Abbrennen durch das Willenselement. Und indem man so jeden einzelnen Augenblick des Lebens verstehen lernt, lernt man erfassen in diesen Strömen des Lebens dasjenige, was die großen Lebensfragen sind. Man lernt aus den Gedanken heraus dasjenige erkennen, was einzieht durch die Geburt in das physische Erdenleben, man lernt aus dem Willen heraus dasjenige erkennen, was durch den Tod des Menschen hinauszieht in die geistige Welt. So treten die anthroposophischen Forschungsergebnisse wie etwas auf, das von den Einzelheiten des Lebens zu dem Umfassenden des menschlichen rätselvollen Seelenwesens vordringt.

[ 44 ] Kurz, Sie sehen, das Seelenleben wird auf diese Weise durchsichtig. Man lernt es erkennen im Zusammenwirken mit dem Leibesleben, im Zusammenwirken des Geistigen mit dem Leiblichen und mit dem Seelischen, man lernt es erkennen in seinem innerlichen plastischen Aufbauen, in seinem fortwährenden Ablöschen, Abbrennen durch das Willenselement. Und indem man so jeden einzelnen Augenblick des Lebens verstehen lernt, lernt man erfassen in diesen Strömen des Lebens dasjenige, was die großen Lebensfragen sind. Man lernt aus den Gedanken heraus dasjenige erkennen, was einzieht durch die Geburt in das physische Erdenleben, man lernt aus dem Willen heraus dasjenige erkennen, was durch den Tod des Menschen hinauszieht in die geistige Welt. So treten die anthroposophischen Forschungsergebnisse wie etwas auf, das von den Einzelheiten des Lebens zu dem Umfassenden des menschlichen rätselvollen Seelenwesens vordringt.

[ 45 ] In dieser Art — meine sehr verehrten Anwesenden — indem wir erkennen, wie schon in der gewöhnlichen Erinnerung der Gedanke plastisch wirkt, wie wenn irgendetwas im Leibe gestaltet wird. In der Erinnerung erfahren wir auch, wie dasjenige, was noch nicht im Leibe ist, aber mit dem Leib sich verbindet durch Geburt und Konzeption, wie das plastisch eingreift in den Leib, wir lernen kennen das menschliche Lebenselement in dieser plastischen Gestaltung, weil wir das einzelne plastische Element kennenlernen, das schon in der Gestaltung der Erinnerung auftritt.

[ 45 ] In dieser Art — meine sehr verehrten Anwesenden — indem wir erkennen, wie schon in der gewöhnlichen Erinnerung der Gedanke plastisch wirkt, wie wenn irgendetwas im Leibe gestaltet wird. In der Erinnerung erfahren wir auch, wie dasjenige, was noch nicht im Leibe ist, aber mit dem Leib sich verbindet durch Geburt und Konzeption, wie das plastisch eingreift in den Leib, wir lernen kennen das menschliche Lebenselement in dieser plastischen Gestaltung, weil wir das einzelne plastische Element kennenlernen, das schon in der Gestaltung der Erinnerung auftritt.

[ 46 ] Lebensvoll möchte Anthroposophie zu den Seelenrätseln hinblicken! Das sollte überhaupt als das Wesentliche anthroposophischer Forschung aufgefasst werden, dass sie überall durchaus stehen bleibt bei der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, an die man sich heute heranerzogen hat durch die großen, gewaltigen Fortschritte der äußeren Naturwissenschaft, dass sie aber, indem sie bei dieser Gewissenhaftigkeit stehen bleibt, zu gleicher Zeit hinausschreitet über dasjenige, was die bloße äußere Beobachtung, das bloße äußere Experiment darbieten kann, dass sie fortschreitet von den Fähigkeiten, welche gerade durch ihr besonderes Vorhandensein die menschliche Seele für den Menschen selbst zu einem rätselvollen Wesen machen, dass sie durch eine Ausbildung dieser Fähigkeiten dahin führt, dass diese Seelenrätsel nicht theoretisch, aber praktisch gelöst werden.

[ 46 ] Lebensvoll möchte Anthroposophie zu den Seelenrätseln hinblicken! Das sollte überhaupt als das Wesentliche anthroposophischer Forschung aufgefasst werden, dass sie überall durchaus stehen bleibt bei der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit, an die man sich heute heranerzogen hat durch die großen, gewaltigen Fortschritte der äußeren Naturwissenschaft, dass sie aber, indem sie bei dieser Gewissenhaftigkeit stehen bleibt, zu gleicher Zeit hinausschreitet über dasjenige, was die bloße äußere Beobachtung, das bloße äußere Experiment darbieten kann, dass sie fortschreitet von den Fähigkeiten, welche gerade durch ihr besonderes Vorhandensein die menschliche Seele für den Menschen selbst zu einem rätselvollen Wesen machen, dass sie durch eine Ausbildung dieser Fähigkeiten dahin führt, dass diese Seelenrätsel nicht theoretisch, aber praktisch gelöst werden.

[ 47 ] Man braucht nicht zu fürchten — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass derjenige, der auf dem Gesichtspunkte einer solchen sogenannten Lösung der Seelenrätselfragen steht, dass der etwa eines Tages hinstellen möchte wie eine vollendete Sache, wie eine vollendete Erkenntnis, dasjenige, was die Seelenrätsel löst, sodass dann die Seele in Trägheit gegenüber ihrem eigenen Leben, in Lässigkeit verfallen könnte. Nein — meine sehr verehrten Anwesenden —, die Seele wirft diejenigen Rätsel, die ich heute als die lebendigen, als die erlebten Seelenrätsel angeführt habe, diese Rätsel wirft die Seele in jedem Augenblick des Lebens auf, und in jedem Augenblick des Lebens brauchen wir neuerdings die Ergebnisse geistiger Forschung, welche ausgleichend wirken auf dasjenige, was so rätselvoll aus den dunklen Tiefen der Seele aufsteigt. Dasjenige, was ich die ängstliche Strömung des menschlichen Seelenlebens, was ich die zornmütige Unterströmung des menschlichen Seelenlebens genannt habe, es ist nichts anderes als die innerliche Aufforderung der menschlichen Seele, sich nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sich in vollem fortwährendem Erleben hinzunehmen, so hinzunehmen, dass sich diese menschliche Seele fortwährend ein Rätsel ist, dass sie fortwährend die Lösung dieses Rätsels braucht.

[ 47 ] Man braucht nicht zu fürchten — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass derjenige, der auf dem Gesichtspunkte einer solchen sogenannten Lösung der Seelenrätselfragen steht, dass der etwa eines Tages hinstellen möchte wie eine vollendete Sache, wie eine vollendete Erkenntnis, dasjenige, was die Seelenrätsel löst, sodass dann die Seele in Trägheit gegenüber ihrem eigenen Leben, in Lässigkeit verfallen könnte. Nein — meine sehr verehrten Anwesenden —, die Seele wirft diejenigen Rätsel, die ich heute als die lebendigen, als die erlebten Seelenrätsel angeführt habe, diese Rätsel wirft die Seele in jedem Augenblick des Lebens auf, und in jedem Augenblick des Lebens brauchen wir neuerdings die Ergebnisse geistiger Forschung, welche ausgleichend wirken auf dasjenige, was so rätselvoll aus den dunklen Tiefen der Seele aufsteigt. Dasjenige, was ich die ängstliche Strömung des menschlichen Seelenlebens, was ich die zornmütige Unterströmung des menschlichen Seelenlebens genannt habe, es ist nichts anderes als die innerliche Aufforderung der menschlichen Seele, sich nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern sich in vollem fortwährendem Erleben hinzunehmen, so hinzunehmen, dass sich diese menschliche Seele fortwährend ein Rätsel ist, dass sie fortwährend die Lösung dieses Rätsels braucht.

[ 48 ] Und eine solche fortwährende Lösung des Rätsels der Seele möchte eben gerade anthroposophische Forschung darbieten, so anknüpfend an die Wirklichkeit des Daseins, dass man — wenn ich einen trivialen Vergleich gebrauchen darf — sagen kann: So wie der Mensch in seinem physischen Leben ein Wesen ist, das fortwährend Nahrung zu sich nehmen muss, das nicht mit dem einmaligen Nahrung-zu-sich-Nehmen befriedigt sein kann, weil es diese Nahrung verbraucht, weil es diese Nahrung verbindet mit seinem Lebensprozess, so ist es auch mit demjenigen, was uns durch Anthroposophie als Ergebnis der Seelenrätsel dargeboten wird. Es entschwindet uns seine innerliche intensive Wirksamkeit, wenn wir es nicht fortwährend ins Auge fassen, wenn wir nicht fortwährend fortschreiten. Weil wir es zu tun haben auf diesem Gebiete mit einer Wirklichkeit — nicht mit einer Theorie, die man lernen kann und gedächtnismäßig behalten, so wie bei der Wirklichkeit des Sich-Ernährens —, deshalb hat man es zu tun mit etwas, das aus Anthroposophie in den fortwährenden Lebensprozess eindringen muss.

[ 48 ] Und eine solche fortwährende Lösung des Rätsels der Seele möchte eben gerade anthroposophische Forschung darbieten, so anknüpfend an die Wirklichkeit des Daseins, dass man — wenn ich einen trivialen Vergleich gebrauchen darf — sagen kann: So wie der Mensch in seinem physischen Leben ein Wesen ist, das fortwährend Nahrung zu sich nehmen muss, das nicht mit dem einmaligen Nahrung-zu-sich-Nehmen befriedigt sein kann, weil es diese Nahrung verbraucht, weil es diese Nahrung verbindet mit seinem Lebensprozess, so ist es auch mit demjenigen, was uns durch Anthroposophie als Ergebnis der Seelenrätsel dargeboten wird. Es entschwindet uns seine innerliche intensive Wirksamkeit, wenn wir es nicht fortwährend ins Auge fassen, wenn wir nicht fortwährend fortschreiten. Weil wir es zu tun haben auf diesem Gebiete mit einer Wirklichkeit — nicht mit einer Theorie, die man lernen kann und gedächtnismäßig behalten, so wie bei der Wirklichkeit des Sich-Ernährens —, deshalb hat man es zu tun mit etwas, das aus Anthroposophie in den fortwährenden Lebensprozess eindringen muss.

[ 49 ] Und es ist ja auch so — der Mensch wird nämlich Folgendes gewahr werden, gerade wenn er sich mit den Ergebnissen der Anthroposophie in Bezug auf die eigenen Seelenrätsel befasst: Lernen — meine sehr verehrten Anwesenden —, so sonderbar das klingt, es ist eine Wahrheit, die jeder, der sich mit Anthroposophie befasst, erfahren kann gerade mit Bezug auf die Seelenrätsel, lernen kann man im Grunde genommen die Anthroposophie nicht. Man kann ihre Ergebnisse an sich herantreten lassen, man kann Bücher lesen, Vorträge hören. Aber wenn man nicht fortwährend dasjenige erlebt, was man so aufgenommen hat, wenn man nicht in einem fortdauernden Prozesse dasjenige mit der menschlichen Seele verbindet — wie man die leiblichen Stoffe der Außenwelt durch den Ernährungs- und Stoffwechselvorgang fortwährend mit den leiblichen Prozessen verbindet —, wenn man nicht so mit dem seelischen Prozesse dasjenige verbindet, was in Anthroposophie dargeboten wird, man wird sehen, es verliert seine Bedeutung für das Seelische so, wie das Physische seine Bedeutung für die Leiblichkeit verliert, wenn es nicht fortwährend in diese Leiblichkeit eingeführt wird. Und wie sich ausspricht leiblich in dem Hunger und Durst das Nichtvorhandensein der physischen Nahrung, so spricht sich aus in einem aus den Tiefen der Seele heraufdringenden, ängstlichen und krankhaftzornmütigen Wesen dasjenige, was beeinflusst sein will durch eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Bedeutung des Vorstellungs- und des Willenslebens. Und dringt der Mensch vor dadurch, dass er in seinem Bewusstsein das immer hegen kann wie eine Nahrung seiner Seele, was ihm so die anthroposophische Forschung gibt, dann, dann findet er dasjenige, was er als Gleichgewicht seines Seelenlebens braucht, was er als eine fortwährende Lösung, als eine fortwährende lebendige Lösung der auch fortwährend lebendigen Seelenrätsel empfinden und erleben muss.

[ 49 ] Und es ist ja auch so — der Mensch wird nämlich Folgendes gewahr werden, gerade wenn er sich mit den Ergebnissen der Anthroposophie in Bezug auf die eigenen Seelenrätsel befasst: Lernen — meine sehr verehrten Anwesenden —, so sonderbar das klingt, es ist eine Wahrheit, die jeder, der sich mit Anthroposophie befasst, erfahren kann gerade mit Bezug auf die Seelenrätsel, lernen kann man im Grunde genommen die Anthroposophie nicht. Man kann ihre Ergebnisse an sich herantreten lassen, man kann Bücher lesen, Vorträge hören. Aber wenn man nicht fortwährend dasjenige erlebt, was man so aufgenommen hat, wenn man nicht in einem fortdauernden Prozesse dasjenige mit der menschlichen Seele verbindet — wie man die leiblichen Stoffe der Außenwelt durch den Ernährungs- und Stoffwechselvorgang fortwährend mit den leiblichen Prozessen verbindet —, wenn man nicht so mit dem seelischen Prozesse dasjenige verbindet, was in Anthroposophie dargeboten wird, man wird sehen, es verliert seine Bedeutung für das Seelische so, wie das Physische seine Bedeutung für die Leiblichkeit verliert, wenn es nicht fortwährend in diese Leiblichkeit eingeführt wird. Und wie sich ausspricht leiblich in dem Hunger und Durst das Nichtvorhandensein der physischen Nahrung, so spricht sich aus in einem aus den Tiefen der Seele heraufdringenden, ängstlichen und krankhaftzornmütigen Wesen dasjenige, was beeinflusst sein will durch eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Bedeutung des Vorstellungs- und des Willenslebens. Und dringt der Mensch vor dadurch, dass er in seinem Bewusstsein das immer hegen kann wie eine Nahrung seiner Seele, was ihm so die anthroposophische Forschung gibt, dann, dann findet er dasjenige, was er als Gleichgewicht seines Seelenlebens braucht, was er als eine fortwährende Lösung, als eine fortwährende lebendige Lösung der auch fortwährend lebendigen Seelenrätsel empfinden und erleben muss.

[ 50 ] Und immer wieder muss es gesagt werden: Anthroposophie ist nicht darauf angewiesen — obwohl dadurch, dass man dasjenige, was in den genannten Büchern ausgeführt ist, an sich herantreten lässt und prüft, man sich auf den Weg selbstständiger anthroposophischer Forschung begeben kann — dass jeder Mensch auf diesem Wege durch Anthroposophie nachprüfen kann, was in Anthroposophie dargeboten wird. Auch wenn man das nicht tut, kann man trotzdem mit dem gesunden Menschenverstand vernünftig oder unvernünftig finden dasjenige, was in der Anthroposophie zutage tritt. Der Mensch kann mit seinem gesunden Menschenverstand, ohne dass er selbst anthroposophischer Forscher wird, dasjenige verfolgen, was der anthroposophische Forscher behauptet. Aber außer diesem gesunden Menschenverstand hat der Mensch noch etwas. Der Mensch kennt ja auch nicht — wenn er ein Laie ist auf physiologischem oder biologischem Gebiet — die chemische Zusammensetzung seiner Nahrungsmittel, aber er prüft aus dasjenige, was die Nahrungsmittel für den Menschen in Wahrheit sind, indem er sie genießt, indem er die Kräfte mit den Kräften seiner Leibesprozesse verbindet. So kann er dasjenige, was ihm Anthroposophie an Ergebnissen darbietet, wovon sie zeigt, wie es die Seelenrätsel löst, so kann er dasjenige mit seinem Seelenleben vereinigen, und er wird finden: Es sättigt ihn seelisch.

[ 50 ] Und immer wieder muss es gesagt werden: Anthroposophie ist nicht darauf angewiesen — obwohl dadurch, dass man dasjenige, was in den genannten Büchern ausgeführt ist, an sich herantreten lässt und prüft, man sich auf den Weg selbstständiger anthroposophischer Forschung begeben kann — dass jeder Mensch auf diesem Wege durch Anthroposophie nachprüfen kann, was in Anthroposophie dargeboten wird. Auch wenn man das nicht tut, kann man trotzdem mit dem gesunden Menschenverstand vernünftig oder unvernünftig finden dasjenige, was in der Anthroposophie zutage tritt. Der Mensch kann mit seinem gesunden Menschenverstand, ohne dass er selbst anthroposophischer Forscher wird, dasjenige verfolgen, was der anthroposophische Forscher behauptet. Aber außer diesem gesunden Menschenverstand hat der Mensch noch etwas. Der Mensch kennt ja auch nicht — wenn er ein Laie ist auf physiologischem oder biologischem Gebiet — die chemische Zusammensetzung seiner Nahrungsmittel, aber er prüft aus dasjenige, was die Nahrungsmittel für den Menschen in Wahrheit sind, indem er sie genießt, indem er die Kräfte mit den Kräften seiner Leibesprozesse verbindet. So kann er dasjenige, was ihm Anthroposophie an Ergebnissen darbietet, wovon sie zeigt, wie es die Seelenrätsel löst, so kann er dasjenige mit seinem Seelenleben vereinigen, und er wird finden: Es sättigt ihn seelisch.

[ 51 ] Und was sind im Grunde genommen vor diesem anthroposophischen Forum, was sind Seelenrätsel? Seelenrätsel, in ihrer Lebendigkeit erfasst, sind nichts anderes als der Ausdruck des seelisch-geistigen Hungers und des seelisch-geistigen Durstes. Und Lösung der Seelenrätsel ist im Grunde genommen nichts anderes als Aufnahme wahrhaftiger geistiger Inhalte, wahrhaftiger geistiger Wesenheiten, die sich vereinigen mit dem menschlichen Geiste und mit dem menschlichen Seelenleben. Und so — ich möchte sagen — ist geistige Sättigung, die fortwährend sich wiederholen muss, Lösung der Seelenrätsel. Je lebendiger man den Prozess fasst und je mehr man einsieht, wie Anthroposophie durchaus in das praktische Leben hineingreifen will in jedem Punkte, wie sie im Alleralltäglichsten Wurzel fassen will und hinaufgelangen will zu den großen Rätselfragen des Daseins, indem sie den Menschen in den göttlich-geistigen Urgrund des Daseins einführt, indem sie ihn zu seinem Unsterblichen führt, desto mehr wird man einsehen, dass Anthroposophie nicht Theorie sein kann, sondern etwas durchaus Erlebbares sein kann. R

[ 51 ] Und was sind im Grunde genommen vor diesem anthroposophischen Forum, was sind Seelenrätsel? Seelenrätsel, in ihrer Lebendigkeit erfasst, sind nichts anderes als der Ausdruck des seelisch-geistigen Hungers und des seelisch-geistigen Durstes. Und Lösung der Seelenrätsel ist im Grunde genommen nichts anderes als Aufnahme wahrhaftiger geistiger Inhalte, wahrhaftiger geistiger Wesenheiten, die sich vereinigen mit dem menschlichen Geiste und mit dem menschlichen Seelenleben. Und so — ich möchte sagen — ist geistige Sättigung, die fortwährend sich wiederholen muss, Lösung der Seelenrätsel. Je lebendiger man den Prozess fasst und je mehr man einsieht, wie Anthroposophie durchaus in das praktische Leben hineingreifen will in jedem Punkte, wie sie im Alleralltäglichsten Wurzel fassen will und hinaufgelangen will zu den großen Rätselfragen des Daseins, indem sie den Menschen in den göttlich-geistigen Urgrund des Daseins einführt, indem sie ihn zu seinem Unsterblichen führt, desto mehr wird man einsehen, dass Anthroposophie nicht Theorie sein kann, sondern etwas durchaus Erlebbares sein kann. R

[ 52 ] Von diesem Gesichtspunkt aus — meine sehr verehrten Anwesenden — versucht Anthroposophie in die verschiedensten praktischen Gebiete des Lebens hineinzuwirken. Von diesem Gesichtspunkt aus hat sie versucht, dasjenige zu gestalten, was ich hier öfter besprochen habe als die Begründung unserer Waldorfschule durch Emil Molt, dasjenige, was auf praktisch-sozialem Gebiete versucht wird.

[ 52 ] Von diesem Gesichtspunkt aus — meine sehr verehrten Anwesenden — versucht Anthroposophie in die verschiedensten praktischen Gebiete des Lebens hineinzuwirken. Von diesem Gesichtspunkt aus hat sie versucht, dasjenige zu gestalten, was ich hier öfter besprochen habe als die Begründung unserer Waldorfschule durch Emil Molt, dasjenige, was auf praktisch-sozialem Gebiete versucht wird.

[ 53 ] Anthroposophie löst, wie Sie sehen, die Seelenrätsel, indem sie an den ganzen lebendigen Menschen sich wendet, an Leib, Seele und Geistesmenschen sich wendet. Dadurch überwindet sie die Einseitigkeiten desjenigen Erkennens und Seelenlebens, die notwendigerweise heraufziehen müssten mit den auf ihrem Gebiet voll anerkannten Ergebnissen der neueren Naturwissenschaft, die durchaus als Triumph auch von der Anthroposophie angesehen werden.

[ 53 ] Anthroposophie löst, wie Sie sehen, die Seelenrätsel, indem sie an den ganzen lebendigen Menschen sich wendet, an Leib, Seele und Geistesmenschen sich wendet. Dadurch überwindet sie die Einseitigkeiten desjenigen Erkennens und Seelenlebens, die notwendigerweise heraufziehen müssten mit den auf ihrem Gebiet voll anerkannten Ergebnissen der neueren Naturwissenschaft, die durchaus als Triumph auch von der Anthroposophie angesehen werden.

[ 54 ] Aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, man müsste so etwas beachten und man würde es beachten, wenn nicht Anthroposophie noch so missverstanden würde, wie es sich zum Beispiel während des verflossenen Sommers hier in Stuttgart zugetragen hat auf dem anthroposophischen Kongress, wo gerade aus der Waldorf-Pädagogik heraus von Dr. von Heydebrand in einem Vortrag, der auch gedruckt vorliegt, die Einseitigkeiten der bloß äußerlich experimentellen Seelenkunde dargelegt worden sind. Nicht, weil gegen diese experimentelle Seelenkunde oppositionell vorgegangen werden [soll] — sie wird gerade auf ihrem Gebiete mit ihren Ergebnissen in der richtigen Weise gewürdigt werden können, wenn man auf der anderen Seite dasjenige, was so äußerlich erkundet wird, durchdringen kann mit dem, was geistig-seelisch von Anthroposophie erreicht werden kann. Denn von Anthroposophie wird dasjenige, was in das Leiblich-Körperliche des Menschen geistig-seelisch, aus geistig-seelischen Welten heraus wirkt; wird das begriffen.

[ 54 ] Aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, man müsste so etwas beachten und man würde es beachten, wenn nicht Anthroposophie noch so missverstanden würde, wie es sich zum Beispiel während des verflossenen Sommers hier in Stuttgart zugetragen hat auf dem anthroposophischen Kongress, wo gerade aus der Waldorf-Pädagogik heraus von Dr. von Heydebrand in einem Vortrag, der auch gedruckt vorliegt, die Einseitigkeiten der bloß äußerlich experimentellen Seelenkunde dargelegt worden sind. Nicht, weil gegen diese experimentelle Seelenkunde oppositionell vorgegangen werden [soll] — sie wird gerade auf ihrem Gebiete mit ihren Ergebnissen in der richtigen Weise gewürdigt werden können, wenn man auf der anderen Seite dasjenige, was so äußerlich erkundet wird, durchdringen kann mit dem, was geistig-seelisch von Anthroposophie erreicht werden kann. Denn von Anthroposophie wird dasjenige, was in das Leiblich-Körperliche des Menschen geistig-seelisch, aus geistig-seelischen Welten heraus wirkt; wird das begriffen.

[ 55 ] Dadurch aber kann auch alle äußere Forschung belebt werden, kann belebt werden Pädagogik, kann belebt werden Medizin — auch das ist hier in früheren Vorträgen auseinandergesetzt worden — und kann belebt werden auch das soziale Leben.

[ 55 ] Dadurch aber kann auch alle äußere Forschung belebt werden, kann belebt werden Pädagogik, kann belebt werden Medizin — auch das ist hier in früheren Vorträgen auseinandergesetzt worden — und kann belebt werden auch das soziale Leben.

[ 56 ] Auch da möchte ich hinweisen auf ein schönes Beispiel, in dem Vortrag, den Emil Leinhas auf dem genannten Kongress gehalten hat, der auch hier gedruckt vorliegt, der darlegt dasjenige, was die aus bloß nachgebildeten naturwissenschaftlichen Methoden heraus entstandene Nationalökonomie nicht leisten kann. Hier ist ein Anfang gemacht für eine wirkliche, aus dem GeistigSeelischen herauskommende Gesundung des sozialen Lebens. Und woran liegt denn das zuletzt?

[ 56 ] Auch da möchte ich hinweisen auf ein schönes Beispiel, in dem Vortrag, den Emil Leinhas auf dem genannten Kongress gehalten hat, der auch hier gedruckt vorliegt, der darlegt dasjenige, was die aus bloß nachgebildeten naturwissenschaftlichen Methoden heraus entstandene Nationalökonomie nicht leisten kann. Hier ist ein Anfang gemacht für eine wirkliche, aus dem GeistigSeelischen herauskommende Gesundung des sozialen Lebens. Und woran liegt denn das zuletzt?

[ 57 ] Man sieht durch Anthroposophie ein, wie der Gedanke gestaltend wirkt. Nun, er wirkt nicht nur im menschlichen Leib gestaltend als das Seelisch-Geistige, er wirkt auch gestaltend, wenn wir ihn in der richtigen Weise als soziale Ideale in das menschliche Gesellschaftsleben einführen können, und es wirkt der durchschaute Wille in der richtigen Weise auch in sozialer Beziehung. Denn wie durch ihn, wie wir wissen, das menschliche Leibliche aufgelöst wird, so wird dasjenige, was als durchschautes Willenselement in das soziale Leben richtig eingeführt wird, im richtigen Augenblick erkennen, wo irgendeine Einrichtung sich überlebt hat, verschwinden muss, damit gerade ihre Früchte in einer neuen Gestalt aufleben können. So wie das Geistig-Seelische aus dem Abbauen des Leiblichen in der dargestellten Weise sich erhebt, so erheben sich die höheren Gebilde des sozialen Lebens dadurch, dass gewisse äußere Einrichtungen, die sich überlebt haben, verschwinden, dass dieses Verschwinden zusammenwirkt mit dem Plastisch-Aufbauenden. Hinausfließen in das soziale Leben kann — ich möchte sagen — auch die Frage der sozialen Rätsel lösend, dasjenige, was durchschaut wird in dem richtigen anthroposophischen Erfassen der menschlichen Seelenrätsel.

[ 57 ] Man sieht durch Anthroposophie ein, wie der Gedanke gestaltend wirkt. Nun, er wirkt nicht nur im menschlichen Leib gestaltend als das Seelisch-Geistige, er wirkt auch gestaltend, wenn wir ihn in der richtigen Weise als soziale Ideale in das menschliche Gesellschaftsleben einführen können, und es wirkt der durchschaute Wille in der richtigen Weise auch in sozialer Beziehung. Denn wie durch ihn, wie wir wissen, das menschliche Leibliche aufgelöst wird, so wird dasjenige, was als durchschautes Willenselement in das soziale Leben richtig eingeführt wird, im richtigen Augenblick erkennen, wo irgendeine Einrichtung sich überlebt hat, verschwinden muss, damit gerade ihre Früchte in einer neuen Gestalt aufleben können. So wie das Geistig-Seelische aus dem Abbauen des Leiblichen in der dargestellten Weise sich erhebt, so erheben sich die höheren Gebilde des sozialen Lebens dadurch, dass gewisse äußere Einrichtungen, die sich überlebt haben, verschwinden, dass dieses Verschwinden zusammenwirkt mit dem Plastisch-Aufbauenden. Hinausfließen in das soziale Leben kann — ich möchte sagen — auch die Frage der sozialen Rätsel lösend, dasjenige, was durchschaut wird in dem richtigen anthroposophischen Erfassen der menschlichen Seelenrätsel.

[ 58 ] Dadurch aber kommt der Mensch dazu — lassen Sie mich das zum Schlusse aussprechen —, sich selbst in der richtigen Weise zu erfassen, sich zu erfüllen mit rechter innerer Kraft, mit der wahren Kraft seines wirklichen Ichs, das im menschlichen Gefühl, im menschlichen Gemüte lebt. Zwischen dem Vorstellungsleben, zwischen dem Willensleben, da lebt das immer unbegreifbare, immer unfassbare, aber deshalb nicht weniger erlebbare Gefühlsleben des Menschen. Und in diesem Gefühlswesen enthüllt sich für den, der so das Leben anzuschauen vermag, wie ich es heute charakterisiert habe in Bezug auf die Seelenrätsel, da erlebt er das ewige Ich, das durch wiederholte Erdenleben geht. Dann weiß man zusammenzuschauen plastisch-gestaltendes, entwickeltes Vorstellungsleben und durchgeistigtes Willensleben, das abbaut.

[ 58 ] Dadurch aber kommt der Mensch dazu — lassen Sie mich das zum Schlusse aussprechen —, sich selbst in der richtigen Weise zu erfassen, sich zu erfüllen mit rechter innerer Kraft, mit der wahren Kraft seines wirklichen Ichs, das im menschlichen Gefühl, im menschlichen Gemüte lebt. Zwischen dem Vorstellungsleben, zwischen dem Willensleben, da lebt das immer unbegreifbare, immer unfassbare, aber deshalb nicht weniger erlebbare Gefühlsleben des Menschen. Und in diesem Gefühlswesen enthüllt sich für den, der so das Leben anzuschauen vermag, wie ich es heute charakterisiert habe in Bezug auf die Seelenrätsel, da erlebt er das ewige Ich, das durch wiederholte Erdenleben geht. Dann weiß man zusammenzuschauen plastisch-gestaltendes, entwickeltes Vorstellungsleben und durchgeistigtes Willensleben, das abbaut.

[ 59 ] So lernt man ergreifen dasjenige am Menschen, was durch die Geburt oder Konzeption so in den Menschen hereingegangen ist, dass es zunächst auf frühere Erdenleben zurückweist bis zu demjenigen Zustande, wo in aller Urzeit das äußere kosmische Leben so wenig getrennt war von dem inneren Menschenleben, dass es keiner wiederholten Erdenleben, sondern eines kontinuierlich fortschreitenden, geistig-seelisch-natürlichen Lebens bedurfte, um eben den Fortschritt zu bewirken. Man lernt hinschauen auf wiederholte Erdenleben, auf zwischen ihnen liegende geistig-seelische Leben; man lernt hinschauen in die Zukunft bis zu einem Zustand, wo wiederum der Mensch sich verbunden haben wird mit dem Geistigen so, dass die wiederholten Erdenleben ihren Sinn verlieren, indem der Mensch sich erhebt zu der Vergeistigung seines Daseins — ich möchte sagen — mit einem aus dem bloßen Unlebendigen in die Geistigkeit hinstrebenden Erleben sich erhebt.

[ 59 ] So lernt man ergreifen dasjenige am Menschen, was durch die Geburt oder Konzeption so in den Menschen hereingegangen ist, dass es zunächst auf frühere Erdenleben zurückweist bis zu demjenigen Zustande, wo in aller Urzeit das äußere kosmische Leben so wenig getrennt war von dem inneren Menschenleben, dass es keiner wiederholten Erdenleben, sondern eines kontinuierlich fortschreitenden, geistig-seelisch-natürlichen Lebens bedurfte, um eben den Fortschritt zu bewirken. Man lernt hinschauen auf wiederholte Erdenleben, auf zwischen ihnen liegende geistig-seelische Leben; man lernt hinschauen in die Zukunft bis zu einem Zustand, wo wiederum der Mensch sich verbunden haben wird mit dem Geistigen so, dass die wiederholten Erdenleben ihren Sinn verlieren, indem der Mensch sich erhebt zu der Vergeistigung seines Daseins — ich möchte sagen — mit einem aus dem bloßen Unlebendigen in die Geistigkeit hinstrebenden Erleben sich erhebt.

[ 60 ] Man wird geführt durch die Lösung der Seelenrätsel zu der wahren Lösung der Weltenrätsel; man steigt auf zu der menschlichen Seele, zum Kosmos. Dadurch aber erlangt man lebendiges Wissen, lebendige Erkenntnis, die, wie ich eben schon angedeutet habe, geistige Nahrung ist. Dadurch aber wird ein Wissen, wie es von der Anthroposophie dargeboten werden will, zu einem wirklichen inneren Halt der Seele in demjenigen Elemente, wo das Leben schwankend werden will. Lebenssicherheit, Lebenshalt, Lebensorientierung, die findet man, indem man also die geistige Sättigung der Anthroposophie sucht. Dasjenige, was uns heimlich jauchzen machen will, in dem wir uns verlieren könnten, da bringt uns Anthroposophie zu uns selbst zurück, indem sie das verwandelt in inneren Halt, indem sie unserem innerlichen Gleichgewicht einen inneren Schwerpunkt verleiht. Und ebenso in den schweren Augenblicken des Lebens, wo wir im Unglücke zu versinken oftmals drohen; wir können uns einen Halt verschaffen durch eine Seelenstimmung, die innerlich getragen wird von dem Vollbewusstsein der den Menschen erfüllenden Geistigkeit, wo wir vollbewusst werden von dem, dass das Gedankenleben kein nichtiges ist, dass es die Realität finden kann in der plastisch gestaltenden Welt- und Seelenkraft, dass der Wille dasjenige ist, was diese plastische Ausgestaltung der Seelenkraft immer wiederum zum Geiste zurückbringt. Das gibt Halt in den schweren Augenblicken des Lebens, das stellt das Leben auf einen festen Boden, das führt auch in der richtigen Weise zu dem Ende des Lebens hin.

[ 60 ] Man wird geführt durch die Lösung der Seelenrätsel zu der wahren Lösung der Weltenrätsel; man steigt auf zu der menschlichen Seele, zum Kosmos. Dadurch aber erlangt man lebendiges Wissen, lebendige Erkenntnis, die, wie ich eben schon angedeutet habe, geistige Nahrung ist. Dadurch aber wird ein Wissen, wie es von der Anthroposophie dargeboten werden will, zu einem wirklichen inneren Halt der Seele in demjenigen Elemente, wo das Leben schwankend werden will. Lebenssicherheit, Lebenshalt, Lebensorientierung, die findet man, indem man also die geistige Sättigung der Anthroposophie sucht. Dasjenige, was uns heimlich jauchzen machen will, in dem wir uns verlieren könnten, da bringt uns Anthroposophie zu uns selbst zurück, indem sie das verwandelt in inneren Halt, indem sie unserem innerlichen Gleichgewicht einen inneren Schwerpunkt verleiht. Und ebenso in den schweren Augenblicken des Lebens, wo wir im Unglücke zu versinken oftmals drohen; wir können uns einen Halt verschaffen durch eine Seelenstimmung, die innerlich getragen wird von dem Vollbewusstsein der den Menschen erfüllenden Geistigkeit, wo wir vollbewusst werden von dem, dass das Gedankenleben kein nichtiges ist, dass es die Realität finden kann in der plastisch gestaltenden Welt- und Seelenkraft, dass der Wille dasjenige ist, was diese plastische Ausgestaltung der Seelenkraft immer wiederum zum Geiste zurückbringt. Das gibt Halt in den schweren Augenblicken des Lebens, das stellt das Leben auf einen festen Boden, das führt auch in der richtigen Weise zu dem Ende des Lebens hin.

[ 61 ] Es klingen manchmal Worte nach, gesprochen vor der Jahrtausendwende. So könnten wir hier, in Anlehnung an das heute Gesagte, an den Ausspruch eines alten, griechischen, vorsokratischen Weisen erinnert werden, der aus einer erst ahnungsvollen Erkenntnis heraus das gewichtige Wort spricht: «Wenn die menschliche Seele, vom Leibe befreit, in den freien Äther sich aufschwingt, ist ein unsterblicher Geist sie, vom Tode befreit.»

[ 61 ] Es klingen manchmal Worte nach, gesprochen vor der Jahrtausendwende. So könnten wir hier, in Anlehnung an das heute Gesagte, an den Ausspruch eines alten, griechischen, vorsokratischen Weisen erinnert werden, der aus einer erst ahnungsvollen Erkenntnis heraus das gewichtige Wort spricht: «Wenn die menschliche Seele, vom Leibe befreit, in den freien Äther sich aufschwingt, ist ein unsterblicher Geist sie, vom Tode befreit.»

[ 62 ] Ja, man kann durch wirkliche Wissenschaft lösen die Rätsel der Seele. Man kann zu dieser Überzeugung kommen, indem man dasjenige, was das alltägliche Seelenleben an Rätselvollem darbietet, zu lösen versucht durch ein wirkliches geistiges Schauen. Man kann einen Erkenntnisabglanz der Unsterblichkeit sehen in den gewöhnlichen Ereignissen des Lebens. Und wer in der richtigen Weise die einzelnen Gedanken-, die einzelne Gefühls-, die einzelne Willensentfaltung beurteilen kann, der sieht das Unsterbliche schon in ihnen. Und er blickt dann auf zu der Unsterblichkeit im umfassenden Sinne und kommt dadurch zu einem wirklichen Erfassen des Ewigen in der Menschennatur, das im ewigen Daseinsgrunde des Kosmos, der Weltenentwicklung, wurzelt.

[ 62 ] Ja, man kann durch wirkliche Wissenschaft lösen die Rätsel der Seele. Man kann zu dieser Überzeugung kommen, indem man dasjenige, was das alltägliche Seelenleben an Rätselvollem darbietet, zu lösen versucht durch ein wirkliches geistiges Schauen. Man kann einen Erkenntnisabglanz der Unsterblichkeit sehen in den gewöhnlichen Ereignissen des Lebens. Und wer in der richtigen Weise die einzelnen Gedanken-, die einzelne Gefühls-, die einzelne Willensentfaltung beurteilen kann, der sieht das Unsterbliche schon in ihnen. Und er blickt dann auf zu der Unsterblichkeit im umfassenden Sinne und kommt dadurch zu einem wirklichen Erfassen des Ewigen in der Menschennatur, das im ewigen Daseinsgrunde des Kosmos, der Weltenentwicklung, wurzelt.