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The Essence of Anthroposophy
GA 80a

18 January 1922, Frankfurt

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Das Wesen der Anthroposophie
  1. The Essence of Anthroposophy, tr. SOL

4. Das Wesen der Anthroposophie

4. Das Wesen der Anthroposophie

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie wird von vielen Menschen, die sich ungenau mit ihr bekannt gemacht haben, als ein mehr oder weniger phantastischer Versuch angesehen, auf dem Wege des Erkennens in ein Weltgebiet einzudringen, mit dem sich ein ernster Wissenschaftler eigentlich nichts zu tun machen soll. Denn in der Tat möchte ja Anthroposophie ihrem Wesen nach die Mittel suchen, um durch wirkliches Erkennen in jene übersinnlichen Welten einzudringen, in denen der unsterbliche Keim der menschlichen Seele wurzelt, und aus dem heraus die menschliche Seele ihr eigentliches Wesen kennenlernen kann. Nun ist ja bekannt, dass heute auch durchaus ernste Wissenschaftler bereits sich befassen mit allerlei, bei vielen Persönlichkeiten auftretenden abnormen Seelenfähigkeiten, die hinweisen darauf, dass in der menschlichen Wesenheit sich allerdings noch ganz andere Weltenzusammenhänge offenbaren, als diejenigen sind, die mit den anerkannten naturwissenschaftlichen Methoden beherrscht werden können.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Die Anthroposophie wird von vielen Menschen, die sich ungenau mit ihr bekannt gemacht haben, als ein mehr oder weniger phantastischer Versuch angesehen, auf dem Wege des Erkennens in ein Weltgebiet einzudringen, mit dem sich ein ernster Wissenschaftler eigentlich nichts zu tun machen soll. Denn in der Tat möchte ja Anthroposophie ihrem Wesen nach die Mittel suchen, um durch wirkliches Erkennen in jene übersinnlichen Welten einzudringen, in denen der unsterbliche Keim der menschlichen Seele wurzelt, und aus dem heraus die menschliche Seele ihr eigentliches Wesen kennenlernen kann. Nun ist ja bekannt, dass heute auch durchaus ernste Wissenschaftler bereits sich befassen mit allerlei, bei vielen Persönlichkeiten auftretenden abnormen Seelenfähigkeiten, die hinweisen darauf, dass in der menschlichen Wesenheit sich allerdings noch ganz andere Weltenzusammenhänge offenbaren, als diejenigen sind, die mit den anerkannten naturwissenschaftlichen Methoden beherrscht werden können.

[ 2 ] Allein diese Persönlichkeiten, welche sich vorzugsweise an die abnormen menschlichen Seelen- und Leibesfähigkeiten wenden, die dann das, was ihnen durch die Beobachtung zutage tritt, auf ganz naturwissenschaftliche Weise registrieren, suchen dafür Gesetze, die allein erst recht die anthroposophischen Geisteswege geben. [Der anthroposophische Geistesweg] erscheint ihnen, da er nichts weiter will als die gewöhnlichen, normalen menschlichen Erkenntnisfähigkeiten nun über ihr gewöhnliches Maß hinausführen, vielfach als Schwärmerei, als etwas Phantastisches, und sie gliedern ihn zuweilen sogar in das Gebiet des Aberglaubens ein. Nun kann man aber nicht gerade sagen, dass schwärmerische, nebelhaftmystische Naturen an dem, was heute Anthroposophie betrachtet, ihre besondere Befriedigung finden könnten.

[ 2 ] Allein diese Persönlichkeiten, welche sich vorzugsweise an die abnormen menschlichen Seelen- und Leibesfähigkeiten wenden, die dann das, was ihnen durch die Beobachtung zutage tritt, auf ganz naturwissenschaftliche Weise registrieren, suchen dafür Gesetze, die allein erst recht die anthroposophischen Geisteswege geben. [Der anthroposophische Geistesweg] erscheint ihnen, da er nichts weiter will als die gewöhnlichen, normalen menschlichen Erkenntnisfähigkeiten nun über ihr gewöhnliches Maß hinausführen, vielfach als Schwärmerei, als etwas Phantastisches, und sie gliedern ihn zuweilen sogar in das Gebiet des Aberglaubens ein. Nun kann man aber nicht gerade sagen, dass schwärmerische, nebelhaftmystische Naturen an dem, was heute Anthroposophie betrachtet, ihre besondere Befriedigung finden könnten.

[ 3 ] Diese Anthroposophie will durchaus ihre wissenschaftliche Gesinnung und Gewissenhaftigkeit nach ihren Aufgaben nicht weniger ernst und methodisch nehmen als die anerkannten Wissenschaften selbst. Und wenn es auch wahr ist, dass es heute sehr viele Menschen gibt, die einfach aus einer gewissen Unbefriedigtheit des Lebens heraus allem zulaufen, was sich irgendwie okkult nennt, so muss man doch sagen, dass sehr bald gerade solche Naturen an dem strengen methodischen Denken, das durchaus in der Anthroposophie sowie sonst in den Gebieten der Wissenschaft gesucht wird, eben ihr Genügen nicht finden könnten. Das hindert ja allerdings nicht, dass manche Menschen, weil bei Anthroposophie etwas Ungewohntes auftritt, sie einfach mit einer leichten Handbewegung ablehnen möchten, da doch diejenigen, die sich für Anthroposophie interessieren, den neurasthenischen oder hysterischen Personen angehörten! Und so ist es einigermaßen schwierig, in einem einleitenden Vortrage kurz über das eigentliche Wesen der Anthroposophie zu sprechen. Ich möchte es in der Weise tun, dass ich die Forschungswege der Anthroposophie heute vor Ihnen einer Betrachtung zu unterziehen versuche und dann einiges andeute von den wesentlichen Ergebnissen.

[ 3 ] Diese Anthroposophie will durchaus ihre wissenschaftliche Gesinnung und Gewissenhaftigkeit nach ihren Aufgaben nicht weniger ernst und methodisch nehmen als die anerkannten Wissenschaften selbst. Und wenn es auch wahr ist, dass es heute sehr viele Menschen gibt, die einfach aus einer gewissen Unbefriedigtheit des Lebens heraus allem zulaufen, was sich irgendwie okkult nennt, so muss man doch sagen, dass sehr bald gerade solche Naturen an dem strengen methodischen Denken, das durchaus in der Anthroposophie sowie sonst in den Gebieten der Wissenschaft gesucht wird, eben ihr Genügen nicht finden könnten. Das hindert ja allerdings nicht, dass manche Menschen, weil bei Anthroposophie etwas Ungewohntes auftritt, sie einfach mit einer leichten Handbewegung ablehnen möchten, da doch diejenigen, die sich für Anthroposophie interessieren, den neurasthenischen oder hysterischen Personen angehörten! Und so ist es einigermaßen schwierig, in einem einleitenden Vortrage kurz über das eigentliche Wesen der Anthroposophie zu sprechen. Ich möchte es in der Weise tun, dass ich die Forschungswege der Anthroposophie heute vor Ihnen einer Betrachtung zu unterziehen versuche und dann einiges andeute von den wesentlichen Ergebnissen.

[ 4 ] Zunächst wird Ihnen schon aus diesen Worten hervorgehen, dass wenigstens der Gesinnung nach diese Anthroposophie dem Ideal jener strengen Wissenschaftlichkeit nachzustreben und nachzuleben versucht, die in den letzten drei bis vier Jahrhunderten des naturwissenschaftlichen Forschens auftritt. Anthroposophie will nicht in einer Opposition stehen zu den berechtigten Wegen naturwissenschaftlichen Erkennens, sie möchte nur das, was die Naturwissenschaft für das Sinnengebiet gibt, ausdehnen in diejenigen Gebiete hinein, die als die übersinnliche Welt bezeichnet werden können, womit sie sich aber zugleich, wenn sie nicht dilettantisch vorgehen will, vor zwei ganz gewaltige, das menschliche Erkennen hemmende Klippen stellt.

[ 4 ] Zunächst wird Ihnen schon aus diesen Worten hervorgehen, dass wenigstens der Gesinnung nach diese Anthroposophie dem Ideal jener strengen Wissenschaftlichkeit nachzustreben und nachzuleben versucht, die in den letzten drei bis vier Jahrhunderten des naturwissenschaftlichen Forschens auftritt. Anthroposophie will nicht in einer Opposition stehen zu den berechtigten Wegen naturwissenschaftlichen Erkennens, sie möchte nur das, was die Naturwissenschaft für das Sinnengebiet gibt, ausdehnen in diejenigen Gebiete hinein, die als die übersinnliche Welt bezeichnet werden können, womit sie sich aber zugleich, wenn sie nicht dilettantisch vorgehen will, vor zwei ganz gewaltige, das menschliche Erkennen hemmende Klippen stellt.

[ 5 ] Die erste zeigt, wie strenges naturwissenschaftliches Erkennen an gewisse Grenzen kommt, wie es, wenn es sich im Gebiet der Tatsachen ergeht, zwar zu befriedigenden Resultaten kommen kann, wie es aber sofort in Unbefriedigendes hineingerät, wenn es über das Gebiet der sinnlichen oder durch den menschlichen Verstand zu kombinierenden Tatsachen hinausgehen will. Wir wissen ja, dass gerade die ernstesten Naturforscher viel darauf halten, dass diese Grenzen nicht durch allerlei Phantastereien überschritten werden. Gerade nach dieser Richtung hin stellt sich Anthroposophie zunächst ganz auf den Boden naturwissenschaftlichen Denkens. Sie ist sich klar darüber, dass aber das Denken, welches der Mensch im gewöhnlichen Leben und in der Wissenschaft anwendet, durchaus nicht nur für das Gebiet der äußeren Tatsachen geeignet ist. Nun versuchen ja manche zum bloßen Denken überzugehen, um zu ergründen, was hinter der sinnenfälligen Welt steht. Aber das menschliche Denken ergeht sich nicht nur in den Tatsachen, sondern, durch die gesellschaftliche Kultur der letzten Jahrhunderte an der Tatsachenwelt heranerzogen, hat es seinen eigenen Charakter an diesen Tatsachen gewonnen, und, indem es die philosophische Spekulation verlässt, gerät es in unbefriedigte Gebiete hinein, in eine Art Leere. Daher kommen ja die vielen Streitigkeiten unter den philosophischen Weltanschauungssystemen. Und es kommt daher die Empfindung, dass, wenn man so mit dem Denken, das den Tatsachen entlaufen ist, in die Welt hineinphilosophiert, man die Richtung und den Strom des Denkens subjektiv leiten kann und daher das, was erreicht werden kann, unbefriedigt bleiben müsse, weil es ein Element der subjektiven Willkür des Menschen tragen muss. Das ist die eine Klippe der philosophischen Weltanschauungsspekulation.

[ 5 ] Die erste zeigt, wie strenges naturwissenschaftliches Erkennen an gewisse Grenzen kommt, wie es, wenn es sich im Gebiet der Tatsachen ergeht, zwar zu befriedigenden Resultaten kommen kann, wie es aber sofort in Unbefriedigendes hineingerät, wenn es über das Gebiet der sinnlichen oder durch den menschlichen Verstand zu kombinierenden Tatsachen hinausgehen will. Wir wissen ja, dass gerade die ernstesten Naturforscher viel darauf halten, dass diese Grenzen nicht durch allerlei Phantastereien überschritten werden. Gerade nach dieser Richtung hin stellt sich Anthroposophie zunächst ganz auf den Boden naturwissenschaftlichen Denkens. Sie ist sich klar darüber, dass aber das Denken, welches der Mensch im gewöhnlichen Leben und in der Wissenschaft anwendet, durchaus nicht nur für das Gebiet der äußeren Tatsachen geeignet ist. Nun versuchen ja manche zum bloßen Denken überzugehen, um zu ergründen, was hinter der sinnenfälligen Welt steht. Aber das menschliche Denken ergeht sich nicht nur in den Tatsachen, sondern, durch die gesellschaftliche Kultur der letzten Jahrhunderte an der Tatsachenwelt heranerzogen, hat es seinen eigenen Charakter an diesen Tatsachen gewonnen, und, indem es die philosophische Spekulation verlässt, gerät es in unbefriedigte Gebiete hinein, in eine Art Leere. Daher kommen ja die vielen Streitigkeiten unter den philosophischen Weltanschauungssystemen. Und es kommt daher die Empfindung, dass, wenn man so mit dem Denken, das den Tatsachen entlaufen ist, in die Welt hineinphilosophiert, man die Richtung und den Strom des Denkens subjektiv leiten kann und daher das, was erreicht werden kann, unbefriedigt bleiben müsse, weil es ein Element der subjektiven Willkür des Menschen tragen muss. Das ist die eine Klippe der philosophischen Weltanschauungsspekulation.

[ 6 ] Es gibt aber Menschen, welche aus den tiefsten Sehnsuchtsgedanken der Menschen heraus, welche die Erkenntnis des Ewigen anstreben, sich unbefriedigt fühlen an dem bloßen Naturerkennen, welche das Unbefriedigende des sich selbst überlassenen philosophischen Spekulierens einsehen und sich daher zuwenden einer mehr oder weniger unklaren Mystik, in dem Glauben, durch innerliche Versenkung hinunterdringen zu können in die Tiefen der menschlichen Seele und durch diese innere Beschaulichkeit innerhalb der menschlichen Natur das Ewige der menschlichen Seele über Tod und Geburt hinaus zu erkennen.

[ 6 ] Es gibt aber Menschen, welche aus den tiefsten Sehnsuchtsgedanken der Menschen heraus, welche die Erkenntnis des Ewigen anstreben, sich unbefriedigt fühlen an dem bloßen Naturerkennen, welche das Unbefriedigende des sich selbst überlassenen philosophischen Spekulierens einsehen und sich daher zuwenden einer mehr oder weniger unklaren Mystik, in dem Glauben, durch innerliche Versenkung hinunterdringen zu können in die Tiefen der menschlichen Seele und durch diese innere Beschaulichkeit innerhalb der menschlichen Natur das Ewige der menschlichen Seele über Tod und Geburt hinaus zu erkennen.

[ 7 ] Der, wer in unbefangener Weise auf diese oft grundehrlich gemeinten mystischen Bestrebungen hinsieht, der wird auch die Täuschungen durchschauen können, in welche der Mensch gerade durch diese mystischen Versenkungen kommt. Das, was der Mensch für sein gewöhnliches Bewusstsein in sich aufnimmt, sind doch nur die äußeren Eindrücke und Wahrnehmungen. Diese teilen sich der Seele mit, sie werden vorgestellt. In ihnen wird empfunden und gefühlt, an ihren Ergebnissen entzünden sich die Willensimpulse. Aber schließlich ist alles, was in der Seele durch das gewöhnliche Bewusstsein ist, ein Ergebnis der äußeren Wahrnehmungen. Und die, die glauben, schon mit diesem gewöhnlichen Bewusstsein etwas Ewiges aus den Schächten der Seele hervorholen zu können, die können nicht in unbefangener Weise das innere Leben des Menschen prüfen. Der, wer weiß, wie Eindrücke, welche die menschliche Seele vor Jahrzehnten empfunden hat, Eindrücke, die ihr gar nicht vollkommen bewusst geworden sind, innerlich verarbeitet, auf dem Vorstellungsgebiet umgewandelt und mit Gefühlsgehalt durchdrungen werden, wie dann diese Vorstellungen nach vielen Jahren aus der Seele hervorgeholt werden können, eine vollständige Verwandlung durchgemacht haben. Wenn man nicht gewissenhaft vorgehen wollte, so könnte man sich der Illusion hingeben, dass man aus der Tiefe der Seele etwas Göttliches hervorholen könnte, dass man aber nur etwas Verwandeltes heraufgezogen hat, was seit langer Zeit in ihr schlummerte.

[ 7 ] Der, wer in unbefangener Weise auf diese oft grundehrlich gemeinten mystischen Bestrebungen hinsieht, der wird auch die Täuschungen durchschauen können, in welche der Mensch gerade durch diese mystischen Versenkungen kommt. Das, was der Mensch für sein gewöhnliches Bewusstsein in sich aufnimmt, sind doch nur die äußeren Eindrücke und Wahrnehmungen. Diese teilen sich der Seele mit, sie werden vorgestellt. In ihnen wird empfunden und gefühlt, an ihren Ergebnissen entzünden sich die Willensimpulse. Aber schließlich ist alles, was in der Seele durch das gewöhnliche Bewusstsein ist, ein Ergebnis der äußeren Wahrnehmungen. Und die, die glauben, schon mit diesem gewöhnlichen Bewusstsein etwas Ewiges aus den Schächten der Seele hervorholen zu können, die können nicht in unbefangener Weise das innere Leben des Menschen prüfen. Der, wer weiß, wie Eindrücke, welche die menschliche Seele vor Jahrzehnten empfunden hat, Eindrücke, die ihr gar nicht vollkommen bewusst geworden sind, innerlich verarbeitet, auf dem Vorstellungsgebiet umgewandelt und mit Gefühlsgehalt durchdrungen werden, wie dann diese Vorstellungen nach vielen Jahren aus der Seele hervorgeholt werden können, eine vollständige Verwandlung durchgemacht haben. Wenn man nicht gewissenhaft vorgehen wollte, so könnte man sich der Illusion hingeben, dass man aus der Tiefe der Seele etwas Göttliches hervorholen könnte, dass man aber nur etwas Verwandeltes heraufgezogen hat, was seit langer Zeit in ihr schlummerte.

[ 8 ] Ich musste diese beiden Klippen vorausschicken, weil ich ja in einem einleitenden Vortrage nur ein Gefühl dafür hervorrufen kann, mit welcher Strenge Anthroposophie in die übersinnliche Welt eindringen will, wie sie die illusorischen Wege nach beiden Seiten hin vermeiden möchte. So anerkennt die Anthroposophie, dass man weder auf dem Wege des sich selbst überlassenen philosophischen Weltanschauungsspekulierens, noch auf dem Wege der Mystik in befriedigender Weise in übersinnliche Welten eindringen kann. Indem Anthroposophie diese Vorbedingung zu ihrer eigenen Aufgabe klar durchschaut, gelangt sie dazu, zu sagen: Der Mensch kann mit dem, was ihn zuweilen so sicher führt, durch die Handhabungen des praktischen Lebens von Geburt bis Tod, was ihn hineinleitet in die Triumphe der Wissenschaft; er kann durch alles das, wenn er sich richtig selbst versteht, nicht glauben, in die übersinnlichen Welten eindringen zu können. Daher appelliert Anthroposophie nicht an diese gewöhnlichen Erkenntniskräfte, aber auch nicht an abnorme, sondern sie sagt sich, es gibt in jedes Menschen Seele schlummernd Erkenntnisfähigkeiten, die heraufgeholt werden können durch gewissenhafte, streng geregelte, methodische innere Seelenübungen. Man muss schon intellektuelle Bescheidenheit haben. Man muss sagen können: Ich blicke zurück: Wie war ich, da ich ein ganz junges Kind war, die Welt mir wie ein Traum vor der Seele vorüberzog, wie habe ich von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr meine Fähigkeiten entwickeln müssen, aus den Untergründen des menschlichen Wesens hervorholen müssen.

[ 8 ] Ich musste diese beiden Klippen vorausschicken, weil ich ja in einem einleitenden Vortrage nur ein Gefühl dafür hervorrufen kann, mit welcher Strenge Anthroposophie in die übersinnliche Welt eindringen will, wie sie die illusorischen Wege nach beiden Seiten hin vermeiden möchte. So anerkennt die Anthroposophie, dass man weder auf dem Wege des sich selbst überlassenen philosophischen Weltanschauungsspekulierens, noch auf dem Wege der Mystik in befriedigender Weise in übersinnliche Welten eindringen kann. Indem Anthroposophie diese Vorbedingung zu ihrer eigenen Aufgabe klar durchschaut, gelangt sie dazu, zu sagen: Der Mensch kann mit dem, was ihn zuweilen so sicher führt, durch die Handhabungen des praktischen Lebens von Geburt bis Tod, was ihn hineinleitet in die Triumphe der Wissenschaft; er kann durch alles das, wenn er sich richtig selbst versteht, nicht glauben, in die übersinnlichen Welten eindringen zu können. Daher appelliert Anthroposophie nicht an diese gewöhnlichen Erkenntniskräfte, aber auch nicht an abnorme, sondern sie sagt sich, es gibt in jedes Menschen Seele schlummernd Erkenntnisfähigkeiten, die heraufgeholt werden können durch gewissenhafte, streng geregelte, methodische innere Seelenübungen. Man muss schon intellektuelle Bescheidenheit haben. Man muss sagen können: Ich blicke zurück: Wie war ich, da ich ein ganz junges Kind war, die Welt mir wie ein Traum vor der Seele vorüberzog, wie habe ich von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr meine Fähigkeiten entwickeln müssen, aus den Untergründen des menschlichen Wesens hervorholen müssen.

[ 9 ] Nun zeigt die Anthroposophie, dass es möglich ist, wenn man alles das, was sich seit der Kindheit an Seelenfähigkeiten entwickelt hat, wenn man seine Entwicklung als reifer Mensch in die Hand nimmt, diese zu höheren Fähigkeiten hinaufzuführen. Dadurch unterscheidet sich Anthroposophie von den übrigen Erkenntnisgebieten, dass jene mit den gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeiten rechnen, dass aber Anthroposophie da beginnt, wo diese Wissenschaften aufhören, indem sie diese Fähigkeiten zu übersinnlichen Erkenntnisfähigkeiten ausbildet.

[ 9 ] Nun zeigt die Anthroposophie, dass es möglich ist, wenn man alles das, was sich seit der Kindheit an Seelenfähigkeiten entwickelt hat, wenn man seine Entwicklung als reifer Mensch in die Hand nimmt, diese zu höheren Fähigkeiten hinaufzuführen. Dadurch unterscheidet sich Anthroposophie von den übrigen Erkenntnisgebieten, dass jene mit den gewöhnlichen Erkenntnisfähigkeiten rechnen, dass aber Anthroposophie da beginnt, wo diese Wissenschaften aufhören, indem sie diese Fähigkeiten zu übersinnlichen Erkenntnisfähigkeiten ausbildet.

[ 10 ] Das geschieht nun nicht durch irgendeine phantastische Methode, auch nicht durch äußere Vornahmen, sondern so, dass durchaus zunächst bei ihrer Ausbildung dieselbe strenge Methode vorherrscht, die man sonst nur hat, wenn man wahre Wissenschaft in ihrem Wesen kennt. Die anthroposophische Entwicklung ist nicht leichter als das Forschen auf der Sternwarte oder der medizinischen Klinik. Die Übungen nehmen jahrelange Seelenschulung bei dem Menschen in Anspruch. Ich habe diese in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und «Geheimwissenschaft» näher beschrieben. Es handelt sich vor allem darum, dass das menschliche Gedankenleben des gewöhnlichen Lebens weitergebildet wird, dass es innerlich erkraftet wird. Geradeso wie man einen Muskel erstarken kann, wenn man ihn arbeitend gebraucht, so kann man das Vorstellungsleben der Seele verstärken, wenn man es arbeitend in eine gewisse Richtung lenkt. Die Erkraftung des menschlichen Vorstellungslebens soll in den Mittelpunkt ihres Bewusstseins gerückt werden, damit sie einen überschaubaren Komplex einnimmt. Es ist notwendig, dass der Mensch diese Vorstellung so erlebt, wie er sonst nur eine äußere Sinneswahrnehmung betrachtet. Wir müssen diese äußere Wahrnehmung unbefangen betrachten, objektiv, wir müssen sie so nehmen, wie sie ist. Genau dasselbe Verhältnis muss in der Seele vorhanden sein gegenüber demjenigen, was als meditatives, sich konzentrierendes Denken geübt wird.

[ 10 ] Das geschieht nun nicht durch irgendeine phantastische Methode, auch nicht durch äußere Vornahmen, sondern so, dass durchaus zunächst bei ihrer Ausbildung dieselbe strenge Methode vorherrscht, die man sonst nur hat, wenn man wahre Wissenschaft in ihrem Wesen kennt. Die anthroposophische Entwicklung ist nicht leichter als das Forschen auf der Sternwarte oder der medizinischen Klinik. Die Übungen nehmen jahrelange Seelenschulung bei dem Menschen in Anspruch. Ich habe diese in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» und «Geheimwissenschaft» näher beschrieben. Es handelt sich vor allem darum, dass das menschliche Gedankenleben des gewöhnlichen Lebens weitergebildet wird, dass es innerlich erkraftet wird. Geradeso wie man einen Muskel erstarken kann, wenn man ihn arbeitend gebraucht, so kann man das Vorstellungsleben der Seele verstärken, wenn man es arbeitend in eine gewisse Richtung lenkt. Die Erkraftung des menschlichen Vorstellungslebens soll in den Mittelpunkt ihres Bewusstseins gerückt werden, damit sie einen überschaubaren Komplex einnimmt. Es ist notwendig, dass der Mensch diese Vorstellung so erlebt, wie er sonst nur eine äußere Sinneswahrnehmung betrachtet. Wir müssen diese äußere Wahrnehmung unbefangen betrachten, objektiv, wir müssen sie so nehmen, wie sie ist. Genau dasselbe Verhältnis muss in der Seele vorhanden sein gegenüber demjenigen, was als meditatives, sich konzentrierendes Denken geübt wird.

[ 11 ] Aus diesem Grunde ist es gut, wenn der Mensch zu diesen Seelenübungen nicht irgendwelche Vorstellungen aus den Erinnerungen hervorholt, denn diese haben sich verflochten, verwandelt, sondern aus irgendeiner Quelle einen vollständig neuen Satz oder Spruch nimmt. Dann wird der Vorstellungsinhalt dem Seelenleben einverleibt, die ganze Seelentätigkeit sucht sich zu konzentrieren auf diesen einzelnen Vorstellungsinhalt. Alles, was man an Kräften in der Seele hat, wird auf diesen Inhalt gerichtet, und zwar bei allen Übungen. Sie müssen der menschlichen Willkür sich unterordnen, es darf nichts von Suggestion und Traumhaftem in der Tätigkeit liegen, so streng wie man einer mathematischen Operation vollbewusst hingegeben ist, so muss man sich auf einen bestimmten Gedanken konzentrieren. Dadurch kommen wir dazu, auf einen bestimmten Gedanken uns so konzentrieren zu können, wie sonst es nur beim äußeren Sinneseindruck möglich ist, sodass also die innere Vorstellung genau eine solche Lebendigkeit und Anschaulichkeit gewinnt wie ein äußeres Erlebnis. Durch diese willentlichen Gedankenanstrengungen gelangt man dazu, den Gedanken überhaupt ganz anders gegenüberzustehen. Jetzt lernt man erst erkennen, dass das gewöhnliche Gedankenleben, das den äußeren Tatsachen oder den Erinnerungen hingegeben ist, an den menschlichen Organismus gebunden ist, dass es sich aber immer mehr losreißt vom Leibe, und man lernt jetzt mit dem zu sehen, was nicht mehr an den Leib gebunden ist. Dieses neue Denken ist innerlich bildhaft. Man mündet mit seinem Seelenleben ein in ein bildhaftes Erleben, in ein Erleben, das ich das imaginative genannt habe, nicht, weil bloße Einbildungen erzielt werden sollen, sondern weil in der Tat die menschliche Seele sich in ein innerlich plastisches Bilderleben begeben kann und weil sie darin fühlt, wie sie immer mehr frei wird von dem Leiblichen und immer mehr leibloses Seelenleben sich erringt.

[ 11 ] Aus diesem Grunde ist es gut, wenn der Mensch zu diesen Seelenübungen nicht irgendwelche Vorstellungen aus den Erinnerungen hervorholt, denn diese haben sich verflochten, verwandelt, sondern aus irgendeiner Quelle einen vollständig neuen Satz oder Spruch nimmt. Dann wird der Vorstellungsinhalt dem Seelenleben einverleibt, die ganze Seelentätigkeit sucht sich zu konzentrieren auf diesen einzelnen Vorstellungsinhalt. Alles, was man an Kräften in der Seele hat, wird auf diesen Inhalt gerichtet, und zwar bei allen Übungen. Sie müssen der menschlichen Willkür sich unterordnen, es darf nichts von Suggestion und Traumhaftem in der Tätigkeit liegen, so streng wie man einer mathematischen Operation vollbewusst hingegeben ist, so muss man sich auf einen bestimmten Gedanken konzentrieren. Dadurch kommen wir dazu, auf einen bestimmten Gedanken uns so konzentrieren zu können, wie sonst es nur beim äußeren Sinneseindruck möglich ist, sodass also die innere Vorstellung genau eine solche Lebendigkeit und Anschaulichkeit gewinnt wie ein äußeres Erlebnis. Durch diese willentlichen Gedankenanstrengungen gelangt man dazu, den Gedanken überhaupt ganz anders gegenüberzustehen. Jetzt lernt man erst erkennen, dass das gewöhnliche Gedankenleben, das den äußeren Tatsachen oder den Erinnerungen hingegeben ist, an den menschlichen Organismus gebunden ist, dass es sich aber immer mehr losreißt vom Leibe, und man lernt jetzt mit dem zu sehen, was nicht mehr an den Leib gebunden ist. Dieses neue Denken ist innerlich bildhaft. Man mündet mit seinem Seelenleben ein in ein bildhaftes Erleben, in ein Erleben, das ich das imaginative genannt habe, nicht, weil bloße Einbildungen erzielt werden sollen, sondern weil in der Tat die menschliche Seele sich in ein innerlich plastisches Bilderleben begeben kann und weil sie darin fühlt, wie sie immer mehr frei wird von dem Leiblichen und immer mehr leibloses Seelenleben sich erringt.

[ 12 ] Aber über eines muss man sich klar sein. Zunächst ist alles das, was man erlangt, innerliches subjektives Erleben. Derjenige, der mit Ernst an die Anthroposophie herantritt, wird den gewaltigen Unterschied sehen, der zwischen diesem neuen Denken und dem krankhaften, halluzinatorischen besteht. Diejenigen, die sich mit Anthroposophie nur oberflächlich bekannt machen, weisen in missverständlicher Weise darauf hin, dass die angepriesenen höheren Seelenfähigkeiten nichts anderes sein können als das, was als traumhafte Seelenerlebnisse in den Visionen und so weiter vorherrscht. In Wahrheit wendet sich Anthroposophie nach dem Gegenpol desjenigen hin, was krankhaft ist. Dort verliert der Mensch sein gewöhnliches Bewusstsein, der Halluzinierende lebt in seinen Halluzinationen, der Suggestionsmensch im alleinigen Erleben dieses Traumhaften-Illusorischen. Der, wer sein Seelenleben zur wirklichen Imagination hinlenkt, weiß, dass er zunächst nur Bildhaftes erlebt, aber er hat fortwährend neben sich wie eine zweite Persönlichkeit das Bewusstsein, was er im gewöhnlichen Leben auch in der Wissenschaft hat. Er hat seine menschliche Persönlichkeit mit dem alltäglichen, gesunden Menschenverstand, der immerfort das kontrollieren kann, einer Kritik unterwerfen kann, was als zweites, imaginatives Bewusstsein auftritt.

[ 12 ] Aber über eines muss man sich klar sein. Zunächst ist alles das, was man erlangt, innerliches subjektives Erleben. Derjenige, der mit Ernst an die Anthroposophie herantritt, wird den gewaltigen Unterschied sehen, der zwischen diesem neuen Denken und dem krankhaften, halluzinatorischen besteht. Diejenigen, die sich mit Anthroposophie nur oberflächlich bekannt machen, weisen in missverständlicher Weise darauf hin, dass die angepriesenen höheren Seelenfähigkeiten nichts anderes sein können als das, was als traumhafte Seelenerlebnisse in den Visionen und so weiter vorherrscht. In Wahrheit wendet sich Anthroposophie nach dem Gegenpol desjenigen hin, was krankhaft ist. Dort verliert der Mensch sein gewöhnliches Bewusstsein, der Halluzinierende lebt in seinen Halluzinationen, der Suggestionsmensch im alleinigen Erleben dieses Traumhaften-Illusorischen. Der, wer sein Seelenleben zur wirklichen Imagination hinlenkt, weiß, dass er zunächst nur Bildhaftes erlebt, aber er hat fortwährend neben sich wie eine zweite Persönlichkeit das Bewusstsein, was er im gewöhnlichen Leben auch in der Wissenschaft hat. Er hat seine menschliche Persönlichkeit mit dem alltäglichen, gesunden Menschenverstand, der immerfort das kontrollieren kann, einer Kritik unterwerfen kann, was als zweites, imaginatives Bewusstsein auftritt.

[ 13 ] Was aber solchen Übungen parallel gehen muss, damit nicht nur das Konzentrieren auf Gedanken, das Hinlenken der Seelenfähigkeiten auf irgendeinen Vorstellungskomplex geübt wird, auf dass man eine innere Kraft bekommt, ist die gleiche Willkürlichkeit in der entgegengesetzten Tätigkeit. Man wird ja bald bemerken, wenn man sich in dieser Weise konzentriert, dass einen diese Gedanken in Anspruch nehmen, dass man in ihnen aufgehen kann. Nun muss man den freien Willen so gebrauchen lernen, dass man solche Vorstellungen wieder aus dem Bewusstsein herausbringen und ebenso willkürlich unterdrücken kann, wie man sie aufgenommen hat, das heißt, man muss in jedem Augenblick zum leeren Bewusstsein übergehen können. Auf der einen Seite sehen wir die Erkraftung des Seelenlebens im aufgenommenen Vorstellungskomplex, auf der anderen Seite das Wiederablenken desselben. Dieses leere Bewusstsein ist aber kein Schlafzustand, sondern ein volles Bewusstsein, welches eben einen Vorstellungsinhalt bewusst ausgeschieden hat.

[ 13 ] Was aber solchen Übungen parallel gehen muss, damit nicht nur das Konzentrieren auf Gedanken, das Hinlenken der Seelenfähigkeiten auf irgendeinen Vorstellungskomplex geübt wird, auf dass man eine innere Kraft bekommt, ist die gleiche Willkürlichkeit in der entgegengesetzten Tätigkeit. Man wird ja bald bemerken, wenn man sich in dieser Weise konzentriert, dass einen diese Gedanken in Anspruch nehmen, dass man in ihnen aufgehen kann. Nun muss man den freien Willen so gebrauchen lernen, dass man solche Vorstellungen wieder aus dem Bewusstsein herausbringen und ebenso willkürlich unterdrücken kann, wie man sie aufgenommen hat, das heißt, man muss in jedem Augenblick zum leeren Bewusstsein übergehen können. Auf der einen Seite sehen wir die Erkraftung des Seelenlebens im aufgenommenen Vorstellungskomplex, auf der anderen Seite das Wiederablenken desselben. Dieses leere Bewusstsein ist aber kein Schlafzustand, sondern ein volles Bewusstsein, welches eben einen Vorstellungsinhalt bewusst ausgeschieden hat.

[ 14 ] Wenn man diese Übungen gemacht hat, so werden wir unser Erdenleben von der Geburt an überblicken können, aber innerlich. Wir haben ja einen in den Untergründen des Seelischen fließenden Strom, aus dem wir das eine oder andere erinnerungsgemäß hervorholen können, aber gewöhnlich nur in Fragmenten und zeitlichen Bruchstücken. Doch durch die Erringung des imaginativen Seelenlebens erfassen wir die einzelnen Elemente desselben auf einmal in einem Tableau, wir haben die Grundkräfte, die es bilden, vor uns, wie sie seit der Geburt im Menschen wirken. Wie wenn die Zeit, in der wir sonst die Erinnerungen überblicken, zu einem einzigen Augenblicke geworden wäre. Es ist die erste übersinnliche Erfahrung, die wir machen. Wir schauen durch den ganzen Strom unseres Erdenlebens hindurch. Der Mensch empfindet in sich eine zweite übersinnliche Leiblichkeit, die nicht mit dem Physischen entwickelt werden kann, man vermag sie nur durch Imagination zu erkennen. Ferner ist sie etwas, was nicht als einzelne Gestalt im Raume begrenzt ist, sondern etwas, was in der Zeit verläuft, obwohl es in einem einzigen Tableau überschaut werden kann. Ich möchte diese zweite übersinnliche Leiblichkeit des Menschen den Bildekräfte-Leib nennen, Ätherleib. Man gelangt dazu, sich innerlich zu durchschauen, wie man innerlich seine Fähigkeiten leitet, wie man zu seinen moralischen Kräften kommt und so weiter. Man lernt sich als ganzen, in der Zeit verlaufenden Menschen erkennen. Man kann diesen Bildekräfteleib nicht anders malen als einen Blitz, den man nur in einem Augenblick festhalten kann, wie alles dauernd Bewegte nur für einen Augenblick die Wiedergabe gestattet, wie man nicht philosophisch erspekulieren kann, was man in unmittelbarer Anschauung erhält, wenn man in der beschriebenen Weise weiter fortschreitet.

[ 14 ] Wenn man diese Übungen gemacht hat, so werden wir unser Erdenleben von der Geburt an überblicken können, aber innerlich. Wir haben ja einen in den Untergründen des Seelischen fließenden Strom, aus dem wir das eine oder andere erinnerungsgemäß hervorholen können, aber gewöhnlich nur in Fragmenten und zeitlichen Bruchstücken. Doch durch die Erringung des imaginativen Seelenlebens erfassen wir die einzelnen Elemente desselben auf einmal in einem Tableau, wir haben die Grundkräfte, die es bilden, vor uns, wie sie seit der Geburt im Menschen wirken. Wie wenn die Zeit, in der wir sonst die Erinnerungen überblicken, zu einem einzigen Augenblicke geworden wäre. Es ist die erste übersinnliche Erfahrung, die wir machen. Wir schauen durch den ganzen Strom unseres Erdenlebens hindurch. Der Mensch empfindet in sich eine zweite übersinnliche Leiblichkeit, die nicht mit dem Physischen entwickelt werden kann, man vermag sie nur durch Imagination zu erkennen. Ferner ist sie etwas, was nicht als einzelne Gestalt im Raume begrenzt ist, sondern etwas, was in der Zeit verläuft, obwohl es in einem einzigen Tableau überschaut werden kann. Ich möchte diese zweite übersinnliche Leiblichkeit des Menschen den Bildekräfte-Leib nennen, Ätherleib. Man gelangt dazu, sich innerlich zu durchschauen, wie man innerlich seine Fähigkeiten leitet, wie man zu seinen moralischen Kräften kommt und so weiter. Man lernt sich als ganzen, in der Zeit verlaufenden Menschen erkennen. Man kann diesen Bildekräfteleib nicht anders malen als einen Blitz, den man nur in einem Augenblick festhalten kann, wie alles dauernd Bewegte nur für einen Augenblick die Wiedergabe gestattet, wie man nicht philosophisch erspekulieren kann, was man in unmittelbarer Anschauung erhält, wenn man in der beschriebenen Weise weiter fortschreitet.

[ 15 ] Hat man die Seelenfähigkeiten nun erkraftet, so kommt man in die Lage, dass man das so Überschaute auch in seiner Gesamtheit unterdrücken kann, wie früher die einzelnen, bildhaften Bestandteile, sodass man jetzt das leere Bewusstsein herstellt und fähig wird, sich auszusetzen einer Welt und zu warten, was nun in diese Welt hereinkommt. Das, was in die menschliche Seele hereinkommt, ist ganz verschieden von dem, was in der von uns gewohnten Welt für die Sinne vorliegt. Denn was nun in das leere Bewusstsein hereinkommt, ist das Übersinnliche, das Ewig-Geistige der menschlichen Seele, man hat die Kraft erhalten, das Geistig-Seelische zu überblicken! Man erlebt den Zeitpunkt jeder einzelnen Erinnerung, wie es war, bevor die Seele sich durch die Konzeption oder Geburt mit einem Leib verbunden hatte. Man erlebt das Geistig-Seelische, wie es war, als der Mensch noch im Geistig-Seelischen wurzelte. Man erringt sich so eine Anschauung davon, was im Menschen nicht nur ein Ergebnis seines physischen Leibes, sondern was von den Vererbungskräften her dem Menschen leiblich gegeben wird, was sich hinausrankt in die Leiblichkeit, aber was schon da war, bevor es vom Leibe Besitz ergriffen hatte, vor dem ersten Auftreten des Leibes in einer geistig-seelischen Welt. Man gelangt zum Schöpferischen des Geistig-Seelenhaften, indem man auf diese Weise nebeneinandergestellt hat den vergänglichen Menschenleib und das, was hineinwirkt in die Vererbungskräfte. Dann wird man sich immer mehr nähern der Erkenntnis des unsterblichen Teiles der menschlichen Wesenheit. Diese Erkenntnisstufe ist die inspirierte. Wie der Atem erst im Raume ist und dann im Leibe verarbeitet wird, so dringt in die menschliche sterbliche Leiblichkeit das Geistig-Seelische hinein, und indem wir es erkennen, sprechen wir von inspirierter Erkenntnis.

[ 15 ] Hat man die Seelenfähigkeiten nun erkraftet, so kommt man in die Lage, dass man das so Überschaute auch in seiner Gesamtheit unterdrücken kann, wie früher die einzelnen, bildhaften Bestandteile, sodass man jetzt das leere Bewusstsein herstellt und fähig wird, sich auszusetzen einer Welt und zu warten, was nun in diese Welt hereinkommt. Das, was in die menschliche Seele hereinkommt, ist ganz verschieden von dem, was in der von uns gewohnten Welt für die Sinne vorliegt. Denn was nun in das leere Bewusstsein hereinkommt, ist das Übersinnliche, das Ewig-Geistige der menschlichen Seele, man hat die Kraft erhalten, das Geistig-Seelische zu überblicken! Man erlebt den Zeitpunkt jeder einzelnen Erinnerung, wie es war, bevor die Seele sich durch die Konzeption oder Geburt mit einem Leib verbunden hatte. Man erlebt das Geistig-Seelische, wie es war, als der Mensch noch im Geistig-Seelischen wurzelte. Man erringt sich so eine Anschauung davon, was im Menschen nicht nur ein Ergebnis seines physischen Leibes, sondern was von den Vererbungskräften her dem Menschen leiblich gegeben wird, was sich hinausrankt in die Leiblichkeit, aber was schon da war, bevor es vom Leibe Besitz ergriffen hatte, vor dem ersten Auftreten des Leibes in einer geistig-seelischen Welt. Man gelangt zum Schöpferischen des Geistig-Seelenhaften, indem man auf diese Weise nebeneinandergestellt hat den vergänglichen Menschenleib und das, was hineinwirkt in die Vererbungskräfte. Dann wird man sich immer mehr nähern der Erkenntnis des unsterblichen Teiles der menschlichen Wesenheit. Diese Erkenntnisstufe ist die inspirierte. Wie der Atem erst im Raume ist und dann im Leibe verarbeitet wird, so dringt in die menschliche sterbliche Leiblichkeit das Geistig-Seelische hinein, und indem wir es erkennen, sprechen wir von inspirierter Erkenntnis.

[ 16 ] Damit hat der Mensch die Vorbereitung gewonnen, nicht nur seine Gedankenwelt zu verstärken, sondern auch seine Willenswelt durch eine geistige Schulung weiter zu bringen, als es im gewöhnlichen Leben möglich ist. Wie man auf der einen Seite darauf hinweisen muss, dass man in die übersinnlichen Welten nur eindringen kann, indem man aus dem Denken des gewöhnlichen Lebens etwas anderes macht, so erkennt man, dass Anthroposophie da anfängt, wo die gewöhnliche Wissenschaft aufhören muss.

[ 16 ] Damit hat der Mensch die Vorbereitung gewonnen, nicht nur seine Gedankenwelt zu verstärken, sondern auch seine Willenswelt durch eine geistige Schulung weiter zu bringen, als es im gewöhnlichen Leben möglich ist. Wie man auf der einen Seite darauf hinweisen muss, dass man in die übersinnlichen Welten nur eindringen kann, indem man aus dem Denken des gewöhnlichen Lebens etwas anderes macht, so erkennt man, dass Anthroposophie da anfängt, wo die gewöhnliche Wissenschaft aufhören muss.

[ 17 ] Man gelangt aber so nur auf die eine Seite des übersinnlichen Daseins. So, wie in der vollständigen Menschenseele zwischen Willen und Denken das Gefühlsleben sich befindet, so muss auch dieses Gefühls-, Willensleben in einer ähnlichen Weise weitergebildet werden. Wiederum muss in strenger Gewissenhaftigkeit geübt werden, wie man auch den Willen losreißen kann von der menschlichen Leiblichkeit. Dadurch gelangen wir dann nach der anderen Seite hin, nach der Seite des Todes, die über den "Tod hinaus die Menschenseele führt. Die Willensübungen streben in das übersinnliche Gebiet hinein, müssen also an diejenigen Teile anknüpfen, die vom Übersinnlichen schon ins gewöhnliche Leben hineinfallen. Dies ist wiederum auf den verschiedensten Wegen zu erreichen, ich verweise auf die schon genannten Bücher. Nur einige Beispiele möchte ich hier anführen, durch die die Befreiung des menschlichen Willens von dem Gebundensein an die Leiblichkeit erreicht werden kann.

[ 17 ] Man gelangt aber so nur auf die eine Seite des übersinnlichen Daseins. So, wie in der vollständigen Menschenseele zwischen Willen und Denken das Gefühlsleben sich befindet, so muss auch dieses Gefühls-, Willensleben in einer ähnlichen Weise weitergebildet werden. Wiederum muss in strenger Gewissenhaftigkeit geübt werden, wie man auch den Willen losreißen kann von der menschlichen Leiblichkeit. Dadurch gelangen wir dann nach der anderen Seite hin, nach der Seite des Todes, die über den "Tod hinaus die Menschenseele führt. Die Willensübungen streben in das übersinnliche Gebiet hinein, müssen also an diejenigen Teile anknüpfen, die vom Übersinnlichen schon ins gewöhnliche Leben hineinfallen. Dies ist wiederum auf den verschiedensten Wegen zu erreichen, ich verweise auf die schon genannten Bücher. Nur einige Beispiele möchte ich hier anführen, durch die die Befreiung des menschlichen Willens von dem Gebundensein an die Leiblichkeit erreicht werden kann.

[ 18 ] Im menschlichen Leben ist der Willensimpuls durchzogen von unserem Triebleben. Aber wir können gerade dadurch, dass wir ins Auge fassen, wie in der Seele alles ein einheitliches Ganzes wird, was im Verstande einzelhaft ist, zu Willensübungen kommen. In dem wir denken, lebt ja in unserem Denken das Willenselement. Wenn wir erwägen, wie unser uns überkommenes Denken im gewöhnlichen Leben sich entfaltet, so finden wir: Es hält sich an die Reihenfolge, den Verlauf der Tatsachen. Wir überlassen uns mit unserem Denken, mehr oder weniger passiv hingegeben, dem Tatsachenverlauf. Wenn wir auch logisch dieses Denken davon befreien, so geschieht es so, dass wir mit unserer Logik den Tatsachenverlauf gesetzmäßig durchschauen wollen, aber wir entfernen uns doch nicht von ihm! Erst wenn wir das Denken losreißen von seiner gewöhnlichen Betätigungsart, wenn wir zum Beispiel ein Drama von der letzten bis zur ersten Szene uns stückweise vorstellen oder am Abend das Leben des Tages rückwärts bis zum Morgen verfolgen, möglichst bis ins Einzelste gehen, dass man das Seelenleben voll in Anspruch nimmt, oder wenn man zum Beispiel beim Hinaufsteigen mehrerer Stockwerke die Treppenstufen rückwärts bis zur ersten verfolgt, und so eine starke Willensanstrengung allmählich zur Gewohnheit macht, reißt man auch den Willen los vom gewöhnlichen Leben und gelangt zu einer Verwandlung des seelischen Willens, bis man es so weit bringt, dass man seinen eigenen Handlungen so zuzuschauen lernt, wie man einer fremden Persönlichkeit zuschauen kann. Man muss sich eine gewisse Fertigkeit aneignen, geradezu neben sich selbst herzugehen und sich wie einen Fremden zu kontrollieren, den Willen zu üben, dass man sich Dinge vornimmt, die man dann gewissenhaft ausübt. Auf diese Weise gelangt man dazu, diesen Willen so loszureißen von der Leiblichkeit, dass man weiß: Du willst jetzt außerhalb deines Leibes! Das Gefühlsleben verbindet sich dann nach beiden Seiten, es verwandelt sich wie das Gedanken- und Willensleben.

[ 18 ] Im menschlichen Leben ist der Willensimpuls durchzogen von unserem Triebleben. Aber wir können gerade dadurch, dass wir ins Auge fassen, wie in der Seele alles ein einheitliches Ganzes wird, was im Verstande einzelhaft ist, zu Willensübungen kommen. In dem wir denken, lebt ja in unserem Denken das Willenselement. Wenn wir erwägen, wie unser uns überkommenes Denken im gewöhnlichen Leben sich entfaltet, so finden wir: Es hält sich an die Reihenfolge, den Verlauf der Tatsachen. Wir überlassen uns mit unserem Denken, mehr oder weniger passiv hingegeben, dem Tatsachenverlauf. Wenn wir auch logisch dieses Denken davon befreien, so geschieht es so, dass wir mit unserer Logik den Tatsachenverlauf gesetzmäßig durchschauen wollen, aber wir entfernen uns doch nicht von ihm! Erst wenn wir das Denken losreißen von seiner gewöhnlichen Betätigungsart, wenn wir zum Beispiel ein Drama von der letzten bis zur ersten Szene uns stückweise vorstellen oder am Abend das Leben des Tages rückwärts bis zum Morgen verfolgen, möglichst bis ins Einzelste gehen, dass man das Seelenleben voll in Anspruch nimmt, oder wenn man zum Beispiel beim Hinaufsteigen mehrerer Stockwerke die Treppenstufen rückwärts bis zur ersten verfolgt, und so eine starke Willensanstrengung allmählich zur Gewohnheit macht, reißt man auch den Willen los vom gewöhnlichen Leben und gelangt zu einer Verwandlung des seelischen Willens, bis man es so weit bringt, dass man seinen eigenen Handlungen so zuzuschauen lernt, wie man einer fremden Persönlichkeit zuschauen kann. Man muss sich eine gewisse Fertigkeit aneignen, geradezu neben sich selbst herzugehen und sich wie einen Fremden zu kontrollieren, den Willen zu üben, dass man sich Dinge vornimmt, die man dann gewissenhaft ausübt. Auf diese Weise gelangt man dazu, diesen Willen so loszureißen von der Leiblichkeit, dass man weiß: Du willst jetzt außerhalb deines Leibes! Das Gefühlsleben verbindet sich dann nach beiden Seiten, es verwandelt sich wie das Gedanken- und Willensleben.

[ 19 ] Aber da es das Intimste der menschlichen Seele ist, so soll es nicht künstlich weitergebildet werden, sondern es folgt dieses Empfindungsleben der menschlichen Entwicklung hinein in die übersinnliche Welt.

[ 19 ] Aber da es das Intimste der menschlichen Seele ist, so soll es nicht künstlich weitergebildet werden, sondern es folgt dieses Empfindungsleben der menschlichen Entwicklung hinein in die übersinnliche Welt.

[ 20 ] Wir lernen scheinbar aus objektiven Gründen auch den nötigen Enthusiasmus entwickeln für das, was uns in den geistigen Welten entgegentritt. Wenn man in obiger Weise den Willen frei macht, gelangt man zu der dritten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die man die intuitive nennt. Dort wird das Wort angewandt, wenn die Seele sich wirklich leibfrei in die geistige Welt zu versetzen vermag. Dadurch, dass der Mensch zu dieser Intuition aufsteigt, lernt er das kennen, was fortwirkt in ihm, nachdem es als sein Geistig-Seelisches durch Konzeption und Geburt herübergekommen ist in den menschlichen Leib. Er lernt, wie sich das loslöst vom Menschlichen, was Geistig-Seelisches ist, was selbstständig und unsterblich ist, was in die Pforte des Todes tritt, wenn der Leib dem Verfalle anheimgegeben ist — dann geht das intuitiv Erschaute in die geistig-seelische Welt ein.

[ 20 ] Wir lernen scheinbar aus objektiven Gründen auch den nötigen Enthusiasmus entwickeln für das, was uns in den geistigen Welten entgegentritt. Wenn man in obiger Weise den Willen frei macht, gelangt man zu der dritten Stufe der übersinnlichen Erkenntnis, die man die intuitive nennt. Dort wird das Wort angewandt, wenn die Seele sich wirklich leibfrei in die geistige Welt zu versetzen vermag. Dadurch, dass der Mensch zu dieser Intuition aufsteigt, lernt er das kennen, was fortwirkt in ihm, nachdem es als sein Geistig-Seelisches durch Konzeption und Geburt herübergekommen ist in den menschlichen Leib. Er lernt, wie sich das loslöst vom Menschlichen, was Geistig-Seelisches ist, was selbstständig und unsterblich ist, was in die Pforte des Todes tritt, wenn der Leib dem Verfalle anheimgegeben ist — dann geht das intuitiv Erschaute in die geistig-seelische Welt ein.

[ 21 ] In den neunziger Jahren versuchte ich in meiner «Philosophie der Freiheit» dem Freiheitsproblem entgegenzutreten und zu zeigen, dass die Frage nicht richtig gestellt ist. Die Wahrheit ist, dass der Mensch für eine große Anzahl von Handlungen abhängig ist, dass er sich aber abhebt, hinentwickelt zur freien Persönlichkeit, indem er seine Willensimpulse zu gestalten lernt, erfasst im reinen Denken. Nur auf diesen Gebieten, bei den Impulsen, die unseren wirklich freien Handlungen zugrunde liegen, haben wir ein Vorgefühl desjenigen, was auch schon objektiv im Menschen lebt und was nach dem Tode eintritt in die geistig-seelische Welt. In der «Philosophie der Freiheit» habe ich das die moralische Intuition genannt. Eine höhere Ausbildungsstufe bildet die Erkenntnis-Intuition, in der wir die Unsterblichkeit vollständig überschauen, dass das Geistig-Seelische durch des Todes Pforte zu weiteren Wegen in die geistig-seelische Welt eintritt. Nachdem man das ewige Wesen der Menschenseele so erkennt, lernt man auch die Umgebung der Seele kennen, bevor sie in den Leib übergeht und nachdem sie diesen verlassen hat. Nicht nur die äußere Sinneswelt erschließt sich, sondern die fortentwickelten Sinneskräfte können hineindringen in die menschliche Seele. Sie vermögen nicht nur Nebelhaft-Mystisches emporzuholen, sondern das wirklich Ewige der Menschenseele zu erschauen. Indem wir dann das Geistig-Seelische des Menschen konkret vor uns haben, können wir die beiden Welten voneinander unterscheiden, was dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen angehört. Indem man diese beiden Welten kennengelernt hat, lernt man, gerade durch die charakterisierte Intuition, ein Weiteres in der menschlichen Wesenheit kennen, das, was sich mit dem menschlichen Fühlen verbindet und erkannt wird als das Wesen des menschlichen Fühlens. Dann erweitert sich das Hinschauen auf die Vergangenheit, indem man nicht nur die Seele vor der Geburt erblickt. Sondern man blickt auf die wiederholten Erdenleben hin, was die geistige Welt durchgemacht hat. Man gewinnt die Zuversicht, dass auch in der Zukunft im wiederholten Erdenleben Welten durchlebt werden fortschreitender Entwicklung. Sie ergibt sich für den, der die Zugehörigkeit der menschlichen Seele zu der übersinnlichen Welt erschaut.

[ 21 ] In den neunziger Jahren versuchte ich in meiner «Philosophie der Freiheit» dem Freiheitsproblem entgegenzutreten und zu zeigen, dass die Frage nicht richtig gestellt ist. Die Wahrheit ist, dass der Mensch für eine große Anzahl von Handlungen abhängig ist, dass er sich aber abhebt, hinentwickelt zur freien Persönlichkeit, indem er seine Willensimpulse zu gestalten lernt, erfasst im reinen Denken. Nur auf diesen Gebieten, bei den Impulsen, die unseren wirklich freien Handlungen zugrunde liegen, haben wir ein Vorgefühl desjenigen, was auch schon objektiv im Menschen lebt und was nach dem Tode eintritt in die geistig-seelische Welt. In der «Philosophie der Freiheit» habe ich das die moralische Intuition genannt. Eine höhere Ausbildungsstufe bildet die Erkenntnis-Intuition, in der wir die Unsterblichkeit vollständig überschauen, dass das Geistig-Seelische durch des Todes Pforte zu weiteren Wegen in die geistig-seelische Welt eintritt. Nachdem man das ewige Wesen der Menschenseele so erkennt, lernt man auch die Umgebung der Seele kennen, bevor sie in den Leib übergeht und nachdem sie diesen verlassen hat. Nicht nur die äußere Sinneswelt erschließt sich, sondern die fortentwickelten Sinneskräfte können hineindringen in die menschliche Seele. Sie vermögen nicht nur Nebelhaft-Mystisches emporzuholen, sondern das wirklich Ewige der Menschenseele zu erschauen. Indem wir dann das Geistig-Seelische des Menschen konkret vor uns haben, können wir die beiden Welten voneinander unterscheiden, was dem Geistig-Seelischen und dem Physisch-Leiblichen angehört. Indem man diese beiden Welten kennengelernt hat, lernt man, gerade durch die charakterisierte Intuition, ein Weiteres in der menschlichen Wesenheit kennen, das, was sich mit dem menschlichen Fühlen verbindet und erkannt wird als das Wesen des menschlichen Fühlens. Dann erweitert sich das Hinschauen auf die Vergangenheit, indem man nicht nur die Seele vor der Geburt erblickt. Sondern man blickt auf die wiederholten Erdenleben hin, was die geistige Welt durchgemacht hat. Man gewinnt die Zuversicht, dass auch in der Zukunft im wiederholten Erdenleben Welten durchlebt werden fortschreitender Entwicklung. Sie ergibt sich für den, der die Zugehörigkeit der menschlichen Seele zu der übersinnlichen Welt erschaut.

[ 22 ] Und er erkennt das, was zu einem höheren Kräftedasein sich erhebt, was die Errungenschaften der beiden Welten von Leben zu Leben trägt. Aber er erkennt nicht nur die menschliche Wesenheit, sondern auch die geistig-seelische Wesenheit, illusionsfrei, was innerhalb der Sinneswelt liegt, aber was für das gewöhnliche Wahrnehmungsvermögen nicht erkennbar ist.

[ 22 ] Und er erkennt das, was zu einem höheren Kräftedasein sich erhebt, was die Errungenschaften der beiden Welten von Leben zu Leben trägt. Aber er erkennt nicht nur die menschliche Wesenheit, sondern auch die geistig-seelische Wesenheit, illusionsfrei, was innerhalb der Sinneswelt liegt, aber was für das gewöhnliche Wahrnehmungsvermögen nicht erkennbar ist.

[ 23 ] Indem man diese Fähigkeiten im Laufe der Zeit entwickelt, lernt man hinschauen auf diese physisch-sinnliche Welt, nicht als ob man dem gesunden Menschenverstand nicht mehr voll vertrauen könnte, sondern indem man neben ihm die zweite Persönlichkeit entwickelt, die geistig-seelische Sinne hat, die das, was sie sinnlich-physisch sieht, auch seelisch zu schauen vermag. Man lernt auch den Kosmos anders anschauen. Allerdings komme ich hier zu etwas, wo die Anthroposophie noch mehr die Antipathie erwirbt!

[ 23 ] Indem man diese Fähigkeiten im Laufe der Zeit entwickelt, lernt man hinschauen auf diese physisch-sinnliche Welt, nicht als ob man dem gesunden Menschenverstand nicht mehr voll vertrauen könnte, sondern indem man neben ihm die zweite Persönlichkeit entwickelt, die geistig-seelische Sinne hat, die das, was sie sinnlich-physisch sieht, auch seelisch zu schauen vermag. Man lernt auch den Kosmos anders anschauen. Allerdings komme ich hier zu etwas, wo die Anthroposophie noch mehr die Antipathie erwirbt!

[ 24 ] Wir stehen zum Beispiel im gewöhnlichen Leben der Sonne gegenüber als einer begrenzten Raumeswesenheit, wir beschreiben sie in der Wissenschaft auf die bekannte Weise. Gewinnen wir nun die höheren Erkenntnisfähigkeiten hinzu, dann tritt uns die Sonne als eine andere Gestalt entgegen. Wir lernen sprechen von etwas, was nicht begrenzt ist innerhalb der Konturen. Wir lernen das Sonnenhafte kennen, was alles durchzieht, was überhaupt zur menschlichen Umgebung gehört, was welterfüllend, was weltdurchkraftend ist, was hereindringt in das menschliche Leben, dieses verwandelte Sonnenhafte können wir auch in uns selbst klar erkennen. Es erweist sich so verwandt mit uns wie irgendein äußerer Wahrnehmungsgegenstand. Wir gelangen dazu zu verstehen, wie vieles Sonnenhafte hereinwirkt in die menschliche Wesenheit, wie es alle Wachstumskräfte stärkt, wie es uns jung macht, uns jung erhält, uns durchs Leben begleitet, unsere Ernährung zum Prozesse macht, uns durchzieht in aufsteigender Entwicklung — das ist das Ergebnis des Geistig-Sonnenhaften.

[ 24 ] Wir stehen zum Beispiel im gewöhnlichen Leben der Sonne gegenüber als einer begrenzten Raumeswesenheit, wir beschreiben sie in der Wissenschaft auf die bekannte Weise. Gewinnen wir nun die höheren Erkenntnisfähigkeiten hinzu, dann tritt uns die Sonne als eine andere Gestalt entgegen. Wir lernen sprechen von etwas, was nicht begrenzt ist innerhalb der Konturen. Wir lernen das Sonnenhafte kennen, was alles durchzieht, was überhaupt zur menschlichen Umgebung gehört, was welterfüllend, was weltdurchkraftend ist, was hereindringt in das menschliche Leben, dieses verwandelte Sonnenhafte können wir auch in uns selbst klar erkennen. Es erweist sich so verwandt mit uns wie irgendein äußerer Wahrnehmungsgegenstand. Wir gelangen dazu zu verstehen, wie vieles Sonnenhafte hereinwirkt in die menschliche Wesenheit, wie es alle Wachstumskräfte stärkt, wie es uns jung macht, uns jung erhält, uns durchs Leben begleitet, unsere Ernährung zum Prozesse macht, uns durchzieht in aufsteigender Entwicklung — das ist das Ergebnis des Geistig-Sonnenhaften.

[ 25 ] Als den Gegensatz hierzu erkennen wir das Mondenhafte. Es durchkraftet alles das, was in uns schon von Geburt an als die Kräfte des Alterns, Abwelkens, Ersterbens geborgen ist, als absteigendes Leben. Von der Mitte der dreißiger Jahre an gewinnen die zersetzenden Kräfte im Menschen die Oberhand, das Abbauende, Rückschreitende, Krankhafte — alles das liegt im Mondenhaften. Wir lernen erkennen, wie alles das, was im Kosmos ist, in die menschliche Wesenheit hineinwirkt. In dieser Weise können wir übersehen, was wir aus dem Verhältnis des Menschen zum Kosmos erkennen, über die Sterne hinaus. Wir gelangen zu einem geistig-seelischen Kosmos durch unmittelbares Anschauen, nicht durch analoge Schlüsse! Hier sind keine Illusionen. Das Leben unterscheidet sofort Realität von Phantastereien. So wie man philosophisch recht unterscheiden kann die bloße Vorstellung der Hitze des Stahles von dem konkreten Berühren des heißen Eisenstabes, so unterscheidet das Erleben im geistigen Gebiete das bloß Vorstellbare von dem, was wirklich ist. Und wie man von der Imagination zur Inspiration vorschreitet, so weiß man, dass man zu einer wirklichen Welt vorschreitet.

[ 25 ] Als den Gegensatz hierzu erkennen wir das Mondenhafte. Es durchkraftet alles das, was in uns schon von Geburt an als die Kräfte des Alterns, Abwelkens, Ersterbens geborgen ist, als absteigendes Leben. Von der Mitte der dreißiger Jahre an gewinnen die zersetzenden Kräfte im Menschen die Oberhand, das Abbauende, Rückschreitende, Krankhafte — alles das liegt im Mondenhaften. Wir lernen erkennen, wie alles das, was im Kosmos ist, in die menschliche Wesenheit hineinwirkt. In dieser Weise können wir übersehen, was wir aus dem Verhältnis des Menschen zum Kosmos erkennen, über die Sterne hinaus. Wir gelangen zu einem geistig-seelischen Kosmos durch unmittelbares Anschauen, nicht durch analoge Schlüsse! Hier sind keine Illusionen. Das Leben unterscheidet sofort Realität von Phantastereien. So wie man philosophisch recht unterscheiden kann die bloße Vorstellung der Hitze des Stahles von dem konkreten Berühren des heißen Eisenstabes, so unterscheidet das Erleben im geistigen Gebiete das bloß Vorstellbare von dem, was wirklich ist. Und wie man von der Imagination zur Inspiration vorschreitet, so weiß man, dass man zu einer wirklichen Welt vorschreitet.

[ 26 ] So tritt zu der gewöhnlichen Welt des Sinneskosmos in einem systematischen Fortbilden der menschlichen Erkenntniskräfte der geistig-seelische Kosmos mit seinen unsterblichen Wesensteilen. Dadurch gelangt man auch, indem man die tiefer liegenden Kräfte der Welt und der menschlichen Natur erblickt, zu der Erkenntnis, wie das, was in der Menschennatur ist, sich verwandelt. Indem die übersinnliche Erkenntnis errungen wird, löst sich auf, was sonst in scharfen Konturen auftritt. Das menschliche Herz, die Lunge und so weiter [lösen] sich in Prozesse auf. Man kann nur vom Gehirn-Lungen-Herzens-Prozess sprechen. Was sonst in räumlich scharfer Umgrenzung ist, gerät in Beweglichkeit. Darin sehen wir die sonnenhaften und mondhaften Kräfte auftreten, und hier erweitert sich das, was Anthroposophie vermag, zu einer Befruchtung der einzelnen Wissenschaften.

[ 26 ] So tritt zu der gewöhnlichen Welt des Sinneskosmos in einem systematischen Fortbilden der menschlichen Erkenntniskräfte der geistig-seelische Kosmos mit seinen unsterblichen Wesensteilen. Dadurch gelangt man auch, indem man die tiefer liegenden Kräfte der Welt und der menschlichen Natur erblickt, zu der Erkenntnis, wie das, was in der Menschennatur ist, sich verwandelt. Indem die übersinnliche Erkenntnis errungen wird, löst sich auf, was sonst in scharfen Konturen auftritt. Das menschliche Herz, die Lunge und so weiter [lösen] sich in Prozesse auf. Man kann nur vom Gehirn-Lungen-Herzens-Prozess sprechen. Was sonst in räumlich scharfer Umgrenzung ist, gerät in Beweglichkeit. Darin sehen wir die sonnenhaften und mondhaften Kräfte auftreten, und hier erweitert sich das, was Anthroposophie vermag, zu einer Befruchtung der einzelnen Wissenschaften.

[ 27 ] Indem wir so hineinschauen in den Werde- und Aufbauprozess des menschlichen Organismus, in die werdenden und abbauenden Pflanzen- und Tierwesen, indem wir so im toten Steinreiche die Kräfte des Übersinnlichen entdecken, finden wir die Verhältnisse des inneren Menschen zu den inneren Kräften des Kosmos. Da ist ein Weg, wo Anthroposophie befruchtend wirken kann auf das medizinische Element. Daher war es uns möglich, mit der Pathologie, der Therapie zu beginnen. In Stuttgart und Dornach haben wir ein auf anthroposophischer Anschauung begründetes therapeutisches Institut. Und es ergibt sich die Möglichkeit, einsehen zu können in unregelmäßige Abbauprozesse und zu erkennen, wie man dieses Krankhafte durch aufbauende Kräfte heilen kann. An die Stelle der nur probierenden Medizin tritt die Heilkunde, die auf der einen Seite das Gesunde und Kranke überschaut, auf der anderen das Heilende. So haben wir hier ein Beispiel, wie die Anthroposophie auf die einzelnen Wissenschaften befruchtend wirken kann. [In Stuttgart ist auch ein physikalisches und biologisches Institut.] Auf der Grundlage der naturwissenschaftlichen Forschung trägt man das Übersinnliche in die Ergebnisse hinein. Auch diese Kräfte haben für die Technik, für das praktische Leben in einer neuen Gestalt Bedeutung.

[ 27 ] Indem wir so hineinschauen in den Werde- und Aufbauprozess des menschlichen Organismus, in die werdenden und abbauenden Pflanzen- und Tierwesen, indem wir so im toten Steinreiche die Kräfte des Übersinnlichen entdecken, finden wir die Verhältnisse des inneren Menschen zu den inneren Kräften des Kosmos. Da ist ein Weg, wo Anthroposophie befruchtend wirken kann auf das medizinische Element. Daher war es uns möglich, mit der Pathologie, der Therapie zu beginnen. In Stuttgart und Dornach haben wir ein auf anthroposophischer Anschauung begründetes therapeutisches Institut. Und es ergibt sich die Möglichkeit, einsehen zu können in unregelmäßige Abbauprozesse und zu erkennen, wie man dieses Krankhafte durch aufbauende Kräfte heilen kann. An die Stelle der nur probierenden Medizin tritt die Heilkunde, die auf der einen Seite das Gesunde und Kranke überschaut, auf der anderen das Heilende. So haben wir hier ein Beispiel, wie die Anthroposophie auf die einzelnen Wissenschaften befruchtend wirken kann. [In Stuttgart ist auch ein physikalisches und biologisches Institut.] Auf der Grundlage der naturwissenschaftlichen Forschung trägt man das Übersinnliche in die Ergebnisse hinein. Auch diese Kräfte haben für die Technik, für das praktische Leben in einer neuen Gestalt Bedeutung.

[ 28 ] Auch nach der künstlerischen Seite hin wirkt Anthroposophie befruchtend. Dies bekundet das Goetheanum, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaften bei Basel. Wenn Anthroposophie zurückgeht auf die tieferen menschlichen Seelenkräfte, wirkt sie auf und aus dem ganzen Menschen heraus. So wie die Nuss im Inneren von denselben Kräften beherrscht wird wie in der Schale, so muss das, was künstlerische Umrahmung erfordert für das Wirken der Anthroposophie, wie die Schale um den Kern sein, aus denselben Impulsen heraus, aus denen Ideen strömen, die aus geistiger Anschauung kommen. So ist jener neue Baustil entstanden in der Architektur, Plastik und Malerei. Er macht in einem weiteren Fortschreiten wahr, was Goethe in seiner Seele empfand, wenn er sprach: Wem die Natur ihre wahren Geheimnisse zu enthüllen beginnt, der empfindet dann die tiefste Sehnsucht nach ihrer tiefsten Auslegerin, der Kunst. — Die Kunst ist eine geheime Manifestation tiefster Naturgesetze. Nicht durch Allegorien, durch abstrakte Symbole, sondern durch Gestaltung wirklicher Kunstformen zeigt es sich, dass Anthroposophie keine Theorie ist, sondern unmittelbares Leben, das in allen Gebieten befruchtend wirken kann.

[ 28 ] Auch nach der künstlerischen Seite hin wirkt Anthroposophie befruchtend. Dies bekundet das Goetheanum, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaften bei Basel. Wenn Anthroposophie zurückgeht auf die tieferen menschlichen Seelenkräfte, wirkt sie auf und aus dem ganzen Menschen heraus. So wie die Nuss im Inneren von denselben Kräften beherrscht wird wie in der Schale, so muss das, was künstlerische Umrahmung erfordert für das Wirken der Anthroposophie, wie die Schale um den Kern sein, aus denselben Impulsen heraus, aus denen Ideen strömen, die aus geistiger Anschauung kommen. So ist jener neue Baustil entstanden in der Architektur, Plastik und Malerei. Er macht in einem weiteren Fortschreiten wahr, was Goethe in seiner Seele empfand, wenn er sprach: Wem die Natur ihre wahren Geheimnisse zu enthüllen beginnt, der empfindet dann die tiefste Sehnsucht nach ihrer tiefsten Auslegerin, der Kunst. — Die Kunst ist eine geheime Manifestation tiefster Naturgesetze. Nicht durch Allegorien, durch abstrakte Symbole, sondern durch Gestaltung wirklicher Kunstformen zeigt es sich, dass Anthroposophie keine Theorie ist, sondern unmittelbares Leben, das in allen Gebieten befruchtend wirken kann.

[ 29 ] Die Freie Waldorfschule in Stuttgart zeigt, was errungen werden kann in der Erkenntnis des ganzen Menschen an Leib, Seele und Geist. Die großen Pädagogen stehen nicht in Opposition, aber durch die Erfassung des Vollmenschen im Kinde schon wird die höchste pädagogische Leistung in der Erziehung erzielt. Die Waldorfschule ist nicht eine Weltanschauungsschule, auch der Religionsunterricht der verschiedenen Bekenntnisse wird erteilt. Die Waldorfschule ist eine Anstalt, in der die praktische Handhabung des Unterrichts vom Morgen bis zum Abend in pädagogisch-didaktischer Geschicklichkeit verwirklicht wird aus anthroposophischer Erkenntnis heraus. Man weiß, was in jedem Lebensalter des Menschen sich entwickelt, man kann Lehrplan und Lehrziel aus dem Menschen ablesen, man pfropft nichts in ihn hinein, sondern man entwickelt im Kinde, was schon im Menschen ruht.

[ 29 ] Die Freie Waldorfschule in Stuttgart zeigt, was errungen werden kann in der Erkenntnis des ganzen Menschen an Leib, Seele und Geist. Die großen Pädagogen stehen nicht in Opposition, aber durch die Erfassung des Vollmenschen im Kinde schon wird die höchste pädagogische Leistung in der Erziehung erzielt. Die Waldorfschule ist nicht eine Weltanschauungsschule, auch der Religionsunterricht der verschiedenen Bekenntnisse wird erteilt. Die Waldorfschule ist eine Anstalt, in der die praktische Handhabung des Unterrichts vom Morgen bis zum Abend in pädagogisch-didaktischer Geschicklichkeit verwirklicht wird aus anthroposophischer Erkenntnis heraus. Man weiß, was in jedem Lebensalter des Menschen sich entwickelt, man kann Lehrplan und Lehrziel aus dem Menschen ablesen, man pfropft nichts in ihn hinein, sondern man entwickelt im Kinde, was schon im Menschen ruht.

[ 30 ] Zuletzt weise ich noch darauf hin, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung durch ihre Einseitigkeit in sozialer Beziehung in eine Art Sackgasse hineingeriet. Was im sozialen Leben wirken soll, kann nicht, wie Marx sagt, nach abstrakten Gesetzen wirken, man muss auf den ganzen Menschen, den Vollmenschen schauen. Heute ist die Einseitigkeit, die vom Sinnes- und Verstandesmenschen herkommt, bereits faktisch geworden, wir sehen es im Osten von Europa. Es ist das, was uns zum Lechzen bringt nach einer Erkenntnis des Vollmenschen, nach Leib, Seele und Geist. Heilend und gesundend kann da nur wirken, was als wirkliche Lebenspraxis in das Soziale hineinwirkt.

[ 30 ] Zuletzt weise ich noch darauf hin, wie die naturwissenschaftliche Weltanschauung durch ihre Einseitigkeit in sozialer Beziehung in eine Art Sackgasse hineingeriet. Was im sozialen Leben wirken soll, kann nicht, wie Marx sagt, nach abstrakten Gesetzen wirken, man muss auf den ganzen Menschen, den Vollmenschen schauen. Heute ist die Einseitigkeit, die vom Sinnes- und Verstandesmenschen herkommt, bereits faktisch geworden, wir sehen es im Osten von Europa. Es ist das, was uns zum Lechzen bringt nach einer Erkenntnis des Vollmenschen, nach Leib, Seele und Geist. Heilend und gesundend kann da nur wirken, was als wirkliche Lebenspraxis in das Soziale hineinwirkt.

[ 31 ] Nach dieser Richtung hin wird sich die Anthroposophie weiterzuentwickeln suchen. Innerhalb der verschiedenen Darbietungen auf dem anthroposophischen Kongress in Stuttgart, Sommer 1921, wurde gezeigt, wie die experimentelle Pädagogik ergänzt werden muss durch das, was sich der geistigen anthroposophischen Forschung ergibt, und wie dadurch erst eine volle Pädagogik sich gestalten kann. Der Bankrott der Nationalökonomie wurde von Direktor Leinhas erwiesen. Er zeigte, woher die wirklich lebenspraktischen Kräfte für eine gesunde soziale Gestaltung fließen müssen. Die Anthroposophie will nicht in ein mystisches, nebuloses Wolkenkuckucksheim hineinführen, zu denen, die das gewöhnliche alltägliche Leben verachten, sondern der Geist wird so kraftvoll ergriffen, dass wir auch im Physisch-Praktischen schöpferisch wirken können, denn der Geist, der die Materie geschaffen, soll nicht fliehen vor ihr, er, der Lebenspraxis ist, der alles untertauchen kann in das physisch-materielle Dasein, damit dieses in der Fortentwicklung immer vollkommener werde.

[ 31 ] Nach dieser Richtung hin wird sich die Anthroposophie weiterzuentwickeln suchen. Innerhalb der verschiedenen Darbietungen auf dem anthroposophischen Kongress in Stuttgart, Sommer 1921, wurde gezeigt, wie die experimentelle Pädagogik ergänzt werden muss durch das, was sich der geistigen anthroposophischen Forschung ergibt, und wie dadurch erst eine volle Pädagogik sich gestalten kann. Der Bankrott der Nationalökonomie wurde von Direktor Leinhas erwiesen. Er zeigte, woher die wirklich lebenspraktischen Kräfte für eine gesunde soziale Gestaltung fließen müssen. Die Anthroposophie will nicht in ein mystisches, nebuloses Wolkenkuckucksheim hineinführen, zu denen, die das gewöhnliche alltägliche Leben verachten, sondern der Geist wird so kraftvoll ergriffen, dass wir auch im Physisch-Praktischen schöpferisch wirken können, denn der Geist, der die Materie geschaffen, soll nicht fliehen vor ihr, er, der Lebenspraxis ist, der alles untertauchen kann in das physisch-materielle Dasein, damit dieses in der Fortentwicklung immer vollkommener werde.

[ 32 ] Und so möchte Anthroposophie die Erkenntnis bieten, wonach sich, wenn auch unbewusst, ein großer Teil unserer Zeitgenossen sehnt. Ich möchte alles Gesagte zusammenfassen, dass ich das Wesen der Anthroposophie charakterisiere.

[ 32 ] Und so möchte Anthroposophie die Erkenntnis bieten, wonach sich, wenn auch unbewusst, ein großer Teil unserer Zeitgenossen sehnt. Ich möchte alles Gesagte zusammenfassen, dass ich das Wesen der Anthroposophie charakterisiere.

[ 33 ] Wenn wir den ganzen, den Vollmenschen vor uns haben, schauen wir ihn nach seiner äußeren Gestalt durch unsere Sinne selber an als ein sinnliches Wesen. Er steht aber nicht vor uns in der einseitigen Offenbarung eines neuen Wesens. In ihm lebt eine von Geist durchdrungene Seele. Der Mensch braucht eine Lebensauffassung, welche ihn vom Geiste her durchdringt. Wir haben in den letzten Jahrhunderten eine große Naturwissenschaft erlangt. Sie ist weit entfernt von der Erreichung ihrer Ideale. Sie wird in ihren Leistungen voll anerkannt, aber die Anthroposophie weiß, dass diese Naturwissenschaft es zu tun hat mit den äußeren Gestaltungen der Welt. So wie beim Menschen das Durchkraftende, Durchgeistigende, die Seele ist, so braucht auch die Naturwissenschaft ein Geistdurchseeltes; die Anthroposophie bildet sie weiter. Denn sie möchte im Grunde nichts anderes sein als das Geistige, Beseligende für den Körper der Naturwissenschaft. Und wie uns im Leben der Mensch entgegentritt mit leben- und geistdurchströmter Seele, so erstrebt die Anthroposophie für die Naturwissenschaft eine Erkenntnis, die geistdurchströmte Seele allmählich werden kann!

[ 33 ] Wenn wir den ganzen, den Vollmenschen vor uns haben, schauen wir ihn nach seiner äußeren Gestalt durch unsere Sinne selber an als ein sinnliches Wesen. Er steht aber nicht vor uns in der einseitigen Offenbarung eines neuen Wesens. In ihm lebt eine von Geist durchdrungene Seele. Der Mensch braucht eine Lebensauffassung, welche ihn vom Geiste her durchdringt. Wir haben in den letzten Jahrhunderten eine große Naturwissenschaft erlangt. Sie ist weit entfernt von der Erreichung ihrer Ideale. Sie wird in ihren Leistungen voll anerkannt, aber die Anthroposophie weiß, dass diese Naturwissenschaft es zu tun hat mit den äußeren Gestaltungen der Welt. So wie beim Menschen das Durchkraftende, Durchgeistigende, die Seele ist, so braucht auch die Naturwissenschaft ein Geistdurchseeltes; die Anthroposophie bildet sie weiter. Denn sie möchte im Grunde nichts anderes sein als das Geistige, Beseligende für den Körper der Naturwissenschaft. Und wie uns im Leben der Mensch entgegentritt mit leben- und geistdurchströmter Seele, so erstrebt die Anthroposophie für die Naturwissenschaft eine Erkenntnis, die geistdurchströmte Seele allmählich werden kann!