The Essence of Anthroposophy
GA 80a
23 January 1922, Cologne
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The Essence of Anthroposophy, tr. SOL
6. Das Wesen der Anthroposophie
6. The Essence of Anthroposophy
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Anthroposophie wird heute noch von vielen Menschen, die sie nur von außen her anzuschauen in der Lage sind, für einen mehr oder weniger phantastischen Versuch hingenommen, durch Erkenntnis in Weltgebiete eindringen zu wollen, mit denen sich ein ernster Wissenschaftler nichts zu tun machen soll. Und es ist richtig, dass Anthroposophie durch die Entwicklung besonderer Erkenntniskräfte in Lebensgebiete eindringen will, die dem Menschen vor allen Dingen wichtig sind, und zu denen Naturwissenschaft mit ihren großen Triumphen, die gerade von Anthroposophie voll anerkannt werden, keinen Zugang hat. Man muss vor allen Dingen sagen, dass es heute schon durchaus ernst zu nehmende Wissenschaftler gibt, welche sich befassen mit allerlei abnormen menschlichen Seelen-Körper-Kräften, die darauf hinweisen, wie der Mensch Wirkungen entwickeln kann, die zeigen, dass er durchaus noch in anderer Weise in der Welt wurzelt, als durch bloße Naturwissenschaft festgestellt werden kann. Allein gerade solche ernst zu nehmenden Wissenschaftler finden den Weg, den Anthroposophie einschlägt, gerade phantastisch. Sie finden ihn der Schwärmerei oder vielleicht sogar dem Aberglauben ausgesetzt. Jedenfalls finden sie ihn nicht als einen wissenschaftlich ernst zu nehmenden Weg.
[ 1 ] Ladies and gentlemen! Even today, many people—who are only able to view anthroposophy from the outside—regard it as a more or less fanciful attempt to penetrate, through knowledge, into areas of the world with which a serious scientist should have nothing to do. And it is true that anthroposophy, through the development of special powers of insight, seeks to penetrate areas of life that are of paramount importance to human beings, and to which the natural sciences—with all their great triumphs, which are fully acknowledged by anthroposophy—have no access. Above all, it must be said that there are already scientists today who are to be taken quite seriously and who are concerned with all manner of abnormal human soul-body forces that point to how human beings can develop effects demonstrating that they are still rooted in the world in ways other than those that can be established by natural science alone. Yet it is precisely these serious scientists who find the path taken by anthroposophy to be nothing short of fantastical. They regard it as prone to fanciful speculation or perhaps even superstition. In any case, they do not consider it a path that can be taken seriously from a scientific standpoint.
[ 2 ] Nun muss man wirklich sagen: Diejenigen Menschen, die zur Schwärmerei, zur nebelhaften Mystik neigen, und die von der Art sind, dass sie heute, wie das ja so üblich ist, zu allem leicht hinlaufen, was irgendwie sich okkult oder dergleichen nennt, die werden keineswegs auf die Dauer durch die Anthroposophie irgendwelche wahrhaftige Befriedigung haben. Denn diese Anthroposophie will arbeiten mit dem Ernste, mit der Gewissenhaftigkeit, mit der Methodik, welche durchaus in der Richtung neuerer naturwissenschaftlicher Entwicklung liegt. Und es muss vor allen Dingen das gesunde, harmonische, menschliche Denken in dieser Anthroposophie zur Anwendung kommen. Und so nehmen denn gerade die Schwärmer und die abergläubischen Leute von ihr sehr bald Abstand. Das hindert natürlich nicht, dass diejenige Menschen, die alles dasjenige, was ihnen ungewohnt zunächst ist, mit einer leichten Handbewegung ablehnen wollen, dann sagen: Nur Neurastheniker oder hysterische Personen haben ein Interesse an anthroposophischer Forschung.
[ 2 ] Now one really must say: Those people who are prone to fanciful enthusiasm and nebulous mysticism—and who are of the sort that, as is so common today, readily gravitate toward anything that is in any way labeled “occult” or the like—will by no means find any genuine satisfaction in anthroposophy in the long run. For this anthroposophy seeks to work with the seriousness, conscientiousness, and methodology that are entirely in line with recent developments in the natural sciences. And above all, healthy, harmonious, human thinking must be applied in this anthroposophy. And so it is precisely the dreamers and the superstitious who very quickly distance themselves from it. Of course, this does not prevent those people who are quick to dismiss anything that is initially unfamiliar to them from saying: “Only neurasthenics or hysterical individuals have an interest in anthroposophical research.”
[ 3 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, dem gegenüber ist es schwierig, das Charakterbild vom Wesen der Anthroposophie in einem kurzen Vortrage eines Abends klarzulegen. Ich will aber versuchen zu zeigen, welches die Wege dieser Anthroposophie sind, und wenigstens andeuten, zu welchen Ergebnissen diese Anthroposophie kommen kann, um dadurch zu charakterisieren, wie diese Anthroposophie allerdings nicht für Schwärmer, für abergläubische Leute sein kann; wie sie aber sein kann ein Seelengut für alle diejenigen, die mit gesundem Menschenverstand im praktischen Leben drinnenstehen, die aber gerade dadurch brauchen, gemäß der geistigen Entwicklung unserer Zeit, Halt, Sicherheit und Richtung für das Seelenleben, und wohl auch gewisse Kräfte, die auch im äußeren praktischen, sozialen Leben nur richtig wirksam sein können, wenn sie aus einer geistigen, aus einer übersinnlichen Welt heraus geschöpft sind und aus einer solchen heraus die Menschenseele tragen.
[ 3 ] Well—my esteemed audience—given this, it is difficult to clearly outline the essence of anthroposophy in a short evening lecture. I will, however, attempt to show what the paths of this anthroposophy are, and at least hint at the results to which this anthroposophy can lead, in order thereby to characterize how this anthroposophy certainly cannot be for dreamers or superstitious people; but rather how it can be a spiritual asset for all those who engage in practical life with sound common sense, yet who, precisely because of this, need—in accordance with the spiritual development of our time—stability, security, and direction for their spiritual life—and indeed certain powers that can only be truly effective in external, practical, social life if they are drawn from a spiritual, a supersensible world and sustain the human soul from within such a world.
[ 4 ] Nun könnte allerdings keine geistige Forschung heute auf die Dauer irgendwie Eindruck machen, fruchtbare Wirkungen ausüben, die im Widerspruch sich stellen wollte zu demjenigen, was in so bedeutsamer Weise heraufgekommen ist im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte und insbesondere des neunzehnten Jahrhunderts durch die Naturwissenschaft mit ihren praktischen Ergebnissen. Das aber will Anthroposophie sicher nicht. Sie möchte gerade diejenigen Wege, die in der Naturwissenschaft zu bedeutungsvollen Ergebnissen geführt haben, bis in die geistigen Welten hinein weiter beschreiten. Daher muss sie gerade auf die Seite derjenigen Naturforscher, der besonnenen Naturforscher sich stellen, welche aus einer gründlichen Verfolgung der naturwissenschaftlichen Wege von Grenzen dieser Naturwissenschaft sprechen. Diese Grenzen ergeben sich ja bald, wenn man bedenkt, dass die Naturwissenschaft nur kann beobachten die äußere Sinneswelt, nur kann durch den Intellekt, durch den Verstand kombinieren die Tatsachen der äußeren Sinneswelt, die sich der Beobachtung oder dem Experiment ergeben, und dann gewisse Naturgesetze aus diesen Beobachtungen, aus diesen Experimenten kombinieren kann; Naturgesetze, in die allerdings auch der Mensch mit seiner physischen Leiblichkeit eingespannt ist. Aber die Versuche, die gemacht werden, um durch den bloßen Verstand — wie man auch wohl sagt, durch philosophisches Denken — über diese Grenzen, die uns die Sinneswelt setzt, hinauszukommen, sie lassen den unbefangenen Menschen doch immer unbefriedigt. Der unbefangene Mensch fühlt: Sobald das wissenschaftliche Denken, wie man es heute gewohnt ist, die Wege der Sinneserfahrung, des Experiments, der Beobachtung verlässt, so kommt das sich selbst überlassene Denken in eine Unsicherheit hinein. Der Streit der philosophischen Systeme bezeugt ja, wie sehr man da mit dem sich selbst überlassenen Denken in ein Unsicheres hineinkommt. Gerade anthroposophische Forschung macht einem klar, wie dieses Denken, das wir im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen, anerkannten Wissenschaft haben, nicht nur seiner Gewohnheit nach oder aus einer Willkür heraus sich an die Sinneserfahrung bei dem besonnenen Naturforscher bindet, sondern wie es selber Schritt für Schritt abhängig ist von dieser Sinneserfahrung, sodass es nur eine Sicherheit hat, wenn diese äußerliche Erfahrung, diese sinnliche Erfahrung es führt.
[ 4 ] However, no spiritual research today could, in the long run, make any kind of impression or have fruitful effects if it were to contradict what has emerged so significantly over the course of the last three to four centuries—and especially during the nineteenth century—through the natural sciences and their practical findings. But that is certainly not what anthroposophy intends. It seeks precisely to continue along the very paths that have led to significant results in the natural sciences, extending them into the spiritual worlds. Therefore, it must stand on the side of those natural scientists—the level-headed natural scientists—who, based on a thorough pursuit of the methods of the natural sciences, speak of the limits of those very sciences. These limits soon become apparent when one considers that natural science can only observe the external sensory world; it can only use the intellect and reason to synthesize the facts of the external sensory world that result from observation or experiment, and can then derive certain laws of nature from these observations and experiments; laws of nature in which, however, human beings, with their physical bodies, are also bound. But the attempts made to go beyond these limits set for us by the sensory world through mere reason—or, as one might say, through philosophical thinking—always leave the open-minded person unsatisfied. The open-minded person feels: As soon as scientific thinking, as we are accustomed to it today, departs from the paths of sensory experience, experimentation, and observation, thinking left to its own devices enters a realm of uncertainty. The conflict among philosophical systems indeed testifies to how deeply one enters into this realm of uncertainty when relying on thinking left to its own devices. It is precisely anthroposophical research that makes it clear how this thinking, which we employ in everyday life and in conventional, accepted science, is not merely bound to sensory experience—as is customary or arbitrary—in the case of the level-headed natural scientist, but how it is itself, step by step, dependent on this sensory experience, so that it has certainty only when this external experience, this sensory experience, guides it.
[ 5 ] Kurz — meine sehr verehrten Anwesenden —, gerade wenn man nicht laienhaft und dilettantisch naturwissenschaftlich denken kann, dann sieht man das Unbefriedigende diesem sich selbst überlassenen Denken gegenüber, das irgendwie philosophisch in das Übersinnliche eindringen will, man sieht diese Berechtigung [dieses Unbefriedigenden] ein. Viele Menschen unserer Zeit halten daher durchaus nicht viel davon, ihre Seelenbedürfnisse, ihre Sehnsuchten gegenüber dem Ewigem in der Menschenseele durch solch ein sich selbst überlassenes Denken zu befriedigen. Und in unserer Zeit, in der die alten Traditionen des religiösen Lebens, des Glaubens, als solche immer wankender und wankender werden, brauchen doch die Menschen solche neuen Stützen. Daher finden sich viele tiefer veranlagte Gemüter in unserer Zeit, welche einsehen: Eine auf das sich selbst überlassene Denken vertrauende Weltanschauung kann der Seele nicht den nötigen Halt, die nötige Sicherheit geben. Daher wenden sich solche tiefer veranlagten Naturen heute gewissen mystischen Richtungen zu.
[ 5 ] In short—my esteemed audience—it is precisely when one is unable to think scientifically in a layman’s or amateurish way that one recognizes the inadequacy of this self-directed thinking, which somehow seeks to penetrate the supernatural through philosophy; one comes to understand the validity of this inadequacy. Many people of our time therefore do not think much of satisfying their spiritual needs—their longings for the eternal within the human soul—through such unguided thinking. And in our time, when the old traditions of religious life and faith are becoming increasingly unstable, people do need such new pillars of support. Consequently, there are many deeply inclined minds in our time who recognize that a worldview relying on thought left to its own devices cannot provide the soul with the necessary support and security. That is why such deeply inclined natures are turning today to certain mystical movements.
[ 6 ] Gerade wenn man nun im Ernste von dem spricht, was Anthroposophie für den heutigen Menschen sein kann, muss man diese beiden Klippen, an denen sie mit ihrer Forschung vorbei muss, charakterisieren. Die eine Klippe ist die rein denkerische Weltanschauung, die in das Übersinnliche durch das sich selbst überlassene Denken hinaus will; das andere sind gewisse mystische Richtungen. Diese suchen dadurch, dass der Mensch sich, wie man sagt, in das eigene Innere versenkt, vorzudringen in tiefere Schächte des menschlichen Seelenlebens. Sie suchen aus diesen tieferen Schächten heraufzuholen dasjenige, was im gewöhnlichen Leben nicht da ist, und was das Ewige in der Seele verbindet mit den ewigen, die Welt lenkenden Weltenmächten. Anthroposophie muss auf diese beiden Klippen aufmerksam machen aus dem Grunde, weil sie zeigen muss, wie es ihr durchaus ernst ist, weder nach der einen Seite noch nach der anderen Seite hin, leichtsinnig bei etwas stehen zu bleiben, das doch nicht einen sicheren Erkenntnishalt geben kann. Wer nämlich unbefangen das eigene menschliche Seeleninnere beobachten kann — sehr verehrte Anwesende —, der kann ebenso wenig bei einer mehr oder weniger nebelhaften Mystik stehen bleiben, wie er über die Grenzen der Naturerkenntnis durch das sich selbst überlassene Denken hinaus kann. Man weiß gewöhnlich nicht, wie dasjenige, was im Innern der Seele lebt, zusammenhängt mit den äußeren sinnlichen Eindrücken. Man weiß gewöhnlich nicht, wie eigentümlich dasjenige, was menschliches Gedächtnis, menschliche Erinnerung ist, wirkt. Da hat irgendjemand vor Jahrzehnten vielleicht unbewusst oder unterbewusst, ohne dass er es voll bemerkt hat, irgendeinen Eindruck aus der Außenwelt empfangen. Er ist hinuntergezogen in das seelische Leben; da hat er sich verwandelt. Er hat sich vielleicht verbunden mit dem menschlichen Gefühlsleben; hat sich verbunden mit den menschlichen Sympathien und Antipathien, mit den Willensimpulsen. Er ist etwas ganz anderes geworden, aber er ist doch nur ein umgewandelter äußerer Eindruck. Und dann wird er, wie man sagt, durch innere Versenkung heraufgeholt aus der Seele und wird für etwas gehalten, das aus ewigen Untergründen komme, das nicht aus irgendeiner Außenwelt durch einen äußeren Eindruck gekommen sei. Illusionen über Illusionen können bei nebelhafter Mystik auf diese Weise entstehen. Daher kann Anthroposophie durchaus auch nicht stehen bleiben bei diesem mystischen Sichversenken in das menschliche Innere. Wenn dieses menschliche Innere so genommen wird, wie es im gewöhnlichen Leben dasteht, und wie es auch zur Forschung in der gewöhnlichen Wissenschaft verwendet wird.
[ 6 ] Precisely when one speaks seriously about what anthroposophy can mean for people today, one must characterize these two pitfalls that its research must navigate. One pitfall is the purely intellectual worldview, which seeks to reach the supersensible through thought left to its own devices; the other consists of certain mystical movements. These seek, by having the human being, as it were, immerse themselves in their own inner being, to penetrate into the deeper recesses of human soul life. They seek to bring up from these deeper recesses that which is not present in ordinary life, and which connects the eternal in the soul with the eternal world powers that govern the world. Anthroposophy must draw attention to these two pitfalls because it must demonstrate how seriously it is committed to avoiding, on either side, the reckless tendency to settle for something that cannot provide a secure foundation for knowledge. For whoever is able to observe the inner life of their own human soul with an open mind—dear friends—can no more remain stuck in a more or less nebulous mysticism than they can go beyond the limits of natural science through thinking left to its own devices. People usually do not realize how what lives within the soul is connected to external sensory impressions. People usually do not know how peculiarly human memory and recollection function. Perhaps decades ago, someone received some impression from the external world—unconsciously or subconsciously, without fully realizing it. It sank down into the life of the soul, where it was transformed. It may have become connected with human emotional life; it may have become connected with human sympathies and antipathies, with impulses of the will. It has become something entirely different, yet it is still only a transformed external impression. And then, as one says, it is brought up from the soul through inner contemplation and is regarded as something that comes from eternal depths, something that did not originate from any external world through an external impression. Illusions upon illusions can arise in this way through nebulous mysticism. Therefore, anthroposophy certainly cannot stop at this mystical immersion into the human inner life. If this human inner life is taken as it appears in ordinary life, and as it is also used for research in ordinary science.
[ 7 ] Gerade weil sich Anthroposophie voll klarmacht, dass man weder durch Durchbrechen der sinnlichen Erscheinungen nach außen hin mit dem gewöhnlichen menschlichen Erkennen, noch auch durch inneres Versenken vordringen kann zu irgendetwas, was nicht in diesem gewöhnlichen Leben schon in irgendeiner Form gegeben ist, muss Anthroposophie nach Erkenntniskräften suchen, die erst entwickelt werden, die in der menschlichen Seele schlummern — man könnte auch sagen, wenn man einen wissenschaftlichen Ausdruck gebrauchen will —, in ihr latent liegen und heraufgeholt werden können.
[ 7 ] Precisely because anthroposophy fully recognizes that one cannot penetrate to anything that is not already present in some form in this ordinary life—neither by breaking through outward sensory appearances with ordinary human cognition, nor through inner contemplation—anthroposophy must seek out powers of cognition that have yet to be developed, that lie dormant in the human soul — one could also say, if one wishes to use a scientific term —, lie latent within it and can be brought to the surface.
[ 8 ] Dass es solche in der Menschenseele schlummernde Kräfte gibt, die heraufgeholt werden können, die höhere Erkenntniskräfte werden können als die des gewöhnlichen Lebens und der gewöhnlichen Wissenschaft, das kann allerdings nur die Praxis beweisen, von der ich Ihnen heute Abend sprechen will. Dass man aber überhaupt dazu gelange, solche Erkenntniskräfte durch eigene Seelenentwicklung zu suchen, dazu gehört etwas, was ich nennen möchte intellektuelle Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit muss einem in irgendeinem Moment des Lebens einmal sagen: Du warst einstmals ein Kind mit traumhaften Seelenkräften, Seelenkräften die der Außenwelt gegenüber ohne alle Orientierung waren, mit einer Seelenverfassung, die dumpf war gegenüber derjenigen, die du heute in dir trägst. Die äußere Erziehung und das Leben, sie haben herausgeholt aus der Seele dasjenige, was in ihr schlummerte. Sie haben herangebildet diejenigen Erkenntniskräfte, die eben heute allgemein anerkannt werden bei einen Menschen, der eine entsprechende Lebens- oder sonstige Erziehung hat. Nun muss man sich einmal im Leben eben durch intellektuelle Bescheidenheit sagen: Man kann auch von dem Standpunkte aus, den man auf diese Art errungen hat durch die gewöhnliche Erziehung, durch das gewöhnliche Leben, seine Selbstentwicklung nun in die eigenen Hände nehmen und sich weiter bringen, als man war, kann weitere, in der Seele schlummernde Kräfte aus dieser herausholen. Und mit solchen, bei jedem Menschen in der Seele schlummernden Kräften, die durchaus nichts anderes darstellen in ihrer Entwicklung als eine Fortsetzung der normalen menschlichen Seelenkräfte, mit solchen Kräften will Anthroposophie forschen. Forschen nach demjenigen, was hinter der Sinneswelt liegt, forschen nach demjenigen, was als Ewiges in der Menschenseele verborgen ist, und was zusammenhängt mit den allerwichtigsten Sehnsuchten und Lebensrätseln dieser Menschenseele, Ich werde Ihnen allerdings nicht zu sprechen haben von äußeren Maßnahmen, die etwa zu treffen seien, um solche in der Seele schlummernden Kräfte aus dieser heraus zu entwickeln. Ich werde Ihnen von intimen Übungen der menschlichen Seele zunächst zu sprechen haben, wenn ich die Wege charakterisieren will, welche Anthroposophie in die übersinnliche Welt hineinnimmt.
[ 8 ] That there are such powers lying dormant in the human soul—powers that can be awakened and that can become higher powers of cognition than those of ordinary life and ordinary science—can, of course, only be proven by the practice I wish to speak to you about this evening. But in order to even begin seeking such powers of insight through one’s own spiritual development, one needs what I would like to call intellectual humility. At some point in life, this intellectual humility must prompt one to say: You were once a child with dreamlike soul powers—powers that were completely disoriented in relation to the outer world, with a state of mind that was dull compared to the one you carry within you today. External education and life have drawn out of the soul what lay dormant within it. They have cultivated those powers of insight that are generally recognized today in a person who has received an appropriate upbringing or other education. Now, at some point in life, one must say to oneself—out of intellectual humility—that even from the standpoint one has attained in this way through ordinary education and ordinary life, one can now take one’s self-development into one’s own hands and advance beyond where one was before; one can draw forth further powers that lie dormant in the soul. And it is with such powers—which lie dormant in the soul of every human being and whose development is nothing other than a continuation of the normal human soul powers—that anthroposophy seeks to explore. To investigate what lies beyond the sensory world, to investigate what is hidden in the human soul as the eternal, and what is connected to the most vital longings and mysteries of life within this human soul—I will certainly not have to speak to you of external measures that might need to be taken to develop these powers that lie dormant within the soul. I will first have to speak to you about intimate exercises of the human soul if I am to characterize the paths that anthroposophy takes into the supersensible world.
[ 9 ] Ich habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft» und in anderen Büchern im Einzelnen auf alles dasjenige hingewiesen, was in energischen und ausdauernden Seelenübungen durchgemacht werden muss, damit der Mensch zu solchen übersinnlichen Erkenntnissen kommen könne. Ich werde das, was dort ausführlich geschrieben ist, heute seinem Prinzipiellen nach zu kennzeichnen haben.
[ 9 ] In my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*, in the second part of my *Secret Science*, and in other books, I have pointed out in detail everything that must be undergone through vigorous and persistent spiritual exercises so that a person may attain such supersensible knowledge. Today I will outline the fundamental principles of what is described there in detail.
[ 10 ] Das Erste, um das es sich handelt, ist eine Entwicklung der Seele nach [den vorstellenden], nach den Gedankenkräften hin. So wie man einen Muskel dadurch verstärken, erkraften kann, dass man ihn arbeitend gebraucht, so kann man in der Tat auch die Gedankenkräfte der menschlichen Seele, indem man sie in einer gewissen Weise gebraucht und immer wieder gebraucht, ja, in rhythmischer Folge immer wieder gebraucht, verstärken, erkraften, sodass sie etwas ganz anderes werden, als sie zunächst sind. Dazu ist notwendig, dass man eine leicht überschaubare Vorstellung oder einen leicht überschaubaren Vorstellungskomplex in den Mittelpunkt des Bewusstseins rückt, dass man dann das ganze menschliche Seelenleben, indem man die Aufmerksamkeit von allem Übrigen durch starke innere Willkür abzieht, auf diese eine Vorstellung oder diesen einen Vorstellungskomplex konzentriert. Damit man dasjenige erreicht, was zu erreichen notwendig ist, dazu muss allerdings dieser Vorstellungskomplex so sein, dass er nicht aus unserem gewöhnlichen Erinnerungsleben entnommen ist. Das, was wir aus dem gewöhnlichen Erinnerungsleben heraufholen, ich habe ja schon angedeutet, wie es uns in Illusionen versetzen kann, es bringt uns Reminiszenzen herauf, die im Unbewussten schlummern. Man kann gar nicht wissen, was da alles aus der Seele heraufkommt, wenn man aus seinem gewöhnlichen Erinnerungsleben eine Vorstellung oder einen Vorstellungskomplex in den Mittelpunkt des Seelenlebens versetzen würde, und sich dann darauf konzentrieren würde. Man nehme daher dasjenige, was man, sagen wir — es ist nur beispielsweise — in irgendeinem fremden Buch findet, einen Spruch, einen Satz, es kommt nicht auf den Inhalt an, sondern darauf, dass man das Denken erkraftet, in der Gedankenarbeit eben, und dass man dazu irgendeine Materie nimmt, die einem bisher nicht bekannt war, die neu in das Seelenleben eintritt. Wir werden gleich sehen, warum. Oder aber, man lasse sich von irgendeinem auf diesem Gebiet erfahrenen Menschen solch einen Spruch geben. Denn das, worauf es ankommt, ist, dass dasjenige, was da in den Mittelpunkt des Seelenlebens hereindringt, und auf das man dann das ganze Seelenleben konzentriert, auf das man alle Aufmerksamkeit verwendet, dass das so an den Menschen herantritt, wie sonst nur irgendein äußerer Sinneseindruck, wie eine Farbe oder ein Ton oder ein sonstiger äußerer Sinneseindruck. Dasjenige, dem Anthroposophie bei diesem Forschungswege nachstrebt, das ist durchaus die äußere sinnliche Wahrnehmung. Diese äußere sinnliche Wahrnehmung, sie bietet sich ja dar so, dass sie von außen an uns herankommt, dass wir dadurch genötigt sind, ihren Inhalt hinzunehmen. So wie der Mensch der äußeren Wahrnehmung als etwas Fremdem gegenübersteht, und dadurch gerade lebhaft seine Aufmerksamkeit auf sie verwendet, geradeso soll dasjenige, wovon ich hier gesprochen habe, dass es in den Mittelpunkt des Erlebens gerückt wird, dem Seelenleben gegenüberstehen. Denn so lebendig soll der Mensch sein Denken erkraften, wie er sonst nur sich verhält, wenn er einem äußeren Sinneseindruck gegenüber ist.
[ 10 ] The first thing at issue here is a development of the soul toward [the powers of imagination], toward the powers of thought. Just as one can strengthen and build up a muscle by using it in work, so too can one indeed strengthen and build up the powers of thought in the human soul by using them in a certain way—and using them again and again, indeed, using them repeatedly in rhythmic succession—so that they become something entirely different from what they were at first. To achieve this, it is necessary to place a readily comprehensible image or a readily comprehensible complex of images at the center of one’s consciousness, and then—by withdrawing one’s attention from everything else through strong inner willpower—to concentrate the entire life of the human soul on this single image or this single complex of images. However, in order to achieve what needs to be achieved, this complex of ideas must not be drawn from our ordinary life of memory. As I have already indicated, what we draw up from our ordinary life of memory can lead us into illusions; it brings up reminiscences that lie dormant in the unconscious. One cannot possibly know what might all rise up from the soul if one were to place an idea or a complex of ideas from one’s ordinary life of memory at the center of one’s soul life and then concentrate on it. So take, for example—and this is just an example—something you find in some book by another author: a saying, a sentence. The content doesn’t matter; what matters is that you exercise your thinking—in the very act of thinking—and that you take as your subject matter something that was previously unknown to you, something new entering your inner life. We will see why in a moment. Or, one could ask someone experienced in this field to provide such a saying. For what matters is that whatever enters the center of one’s inner life—and upon which one then concentrates one’s entire inner life, devoting all one’s attention—approaches the person in the same way that any external sensory impression otherwise does, such as a color, a sound, or any other external sensory impression. What anthroposophy strives for in this path of research is, in fact, external sensory perception. This external sensory perception presents itself in such a way that it approaches us from the outside, compelling us to accept its content. Just as a person faces external perception as something foreign—and thereby directs their attention to it with particular vividness—so too should that which I have spoken of here, once it has been brought into the center of experience, stand before the life of the soul. For a person should exert their thinking with the same liveliness with which they otherwise behave only when faced with an external sensory impression.
[ 11 ] Dadurch mache ich schon darauf aufmerksam — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass dasjenige, was Anthroposophie als Erkenntnisweg anstrebt, nicht verwechselt werden darf, wie es heute leider noch vielfach geschieht, mit alledem, was nach der pathologischen, der krankhaften Seite des Seelenlebens hinneigt. Für denjenigen, der das menschliche Seelenleben unbefangen betrachten kann, ist es klar, dass schon die gewöhnliche Erinnerung — allerdings, sie liegt auf gesundem Gebiet, selbstverständlich —, aber, dass schon die gewöhnliche Erinnerung gebunden ist an den menschlichen physischen Organismus, und dass, wenn das normale Gebundensein der menschlichen Seele an den physischen Organismus im Erinnern nach der abnormen Seite sich hin entwickelt, wenn das Seelenleben mehr gebunden wird, intimer gebunden wird an den physischen Organismus, jene pathologischen Zustände auftreten, die sich in Halluzinationen, in Visionen, in Illusionen, in der leichten Suggerierbarkeit und so weiter kundgeben, und die gerade nach dem entgegengesetzten Pol hin liegen, als demjenigen, nach dem anthroposophische Erkenntniswege führen. Alles dasjenige, was da pathologisch uns entgegentritt, das führt das Seelenleben tiefer hinunter in die körperlichen Funktionen, tiefer hinunter, als die Erinnerungsfähigkeit liegt. Dasjenige, was ausgebildet wird durch die geschilderte Erkraftung des Denkens, das macht das menschliche Denken immer ähnlicher und ähnlicher dem Verhalten der menschlichen Seele beim Aufnehmen eines äußeren sinnlichen Wahrnehmungseindruckes. Wie da der Mensch viel lebendiger diesem sinnlichen Eindruck hingegeben ist, als dem gewöhnlichen, mehr passiven Denken, so soll eben das Denken erkraftet werden, damit es so lebendig, so intensiv werde wie sonst das Erleben eines äußeren sinnlichen Eindruckes. Gerade an diesem Lebendigwerden der Gedankenwelt merkt man immer mehr und mehr, dass man in ein Seelenleben hineindringt, das nicht das gewöhnliche ist. Sie wissen ja — meine verehrten Anwesenden —, wie blass, mit Recht blass genannt wird das gewöhnliche Gedankenleben gegenüber dem Leben in sinnlichen Eindrücken und überhaupt in äußeren Vorgängen. So wie man sonst in sinnlichen Eindrücken und äußeren Vorgängen lebt, so soll das ganze Gedankenleben werden für diejenigen Zeiten, in denen man der übersinnlichen Erkenntnis sich hingeben will.
[ 11 ] In this way, I would like to point out—my esteemed audience—that what anthroposophy strives for as a path of knowledge must not be confused, as unfortunately still often happens today, with everything that leans toward the pathological, the diseased aspect of soul life. For anyone who can view human soul life with an open mind, it is clear that even ordinary memory—admittedly, it lies within the realm of health, of course—but that even ordinary memory is bound to the human physical organism, and that when the normal connection of the human soul to the physical organism in the act of remembering develops in an abnormal direction, when the life of the soul becomes more closely bound, more intimately bound to the physical organism, those pathological states arise that manifest themselves in hallucinations, visions, illusions, easy suggestibility, and so on—and which lie precisely at the opposite pole from that toward which anthroposophical paths of knowledge lead. Everything that confronts us pathologically draws the life of the soul deeper down into the bodily functions, deeper than the capacity for memory lies. That which is developed through the strengthening of thinking described above makes human thinking more and more like the behavior of the human soul when it takes in an external sensory impression. Just as a person is much more vividly absorbed in this sensory impression than in ordinary, more passive thinking, so too must thinking be strengthened so that it becomes as vivid and as intense as the experience of an external sensory impression. It is precisely in this coming to life of the world of thought that one increasingly realizes that one is entering a soul life that is not the ordinary one. You know, my esteemed audience, how pale—and rightly so—ordinary thought life is compared to life in sensory impressions and, in general, in external events. Just as one normally lives in sensory impressions and external events, so should one’s entire thought life become during those times when one wishes to devote oneself to supersensible knowledge.
[ 12 ] Nun muss ich, damit ich nicht missverstanden werde, noch einen anderen Unterschied angeben gegenüber den abnormen Seelenzuständen, die ich eben genannt habe, das ist: Indem derjenige, der anthroposophische Forschung sucht, solches Erkraften des Denkens entwickelt, bleibt immerzu in ihrer vollen, gesunden Seelenverfassung die gewöhnliche Persönlichkeit bestehen. Es entwickelt sich gewissermaßen eine zweite Persönlichkeit. Und die erste, die Persönlichkeit mit dem gesunden Menschenverstand, mit der gesunden Kritik, bleibt kontrollierend neben der entwickelten Persönlichkeit, der Persönlichkeit mit der höheren Erkenntnisfähigkeit bestehen. Wenn jemand in Halluzinationen, in Visionen, in Illusionen verfällt, wenn er zum Medium wird, wenn er Suggestionen ausgesetzt ist, dann geht seine ganze gewöhnliche, gesunde Persönlichkeit in den Zustand des Halluzinierens, der Illusionen und so weiter über. Das ist der radikale Unterschied des durch und durch gesunden anthroposophischen Weges, dass die gewöhnliche Persönlichkeit immer so gesund, als sie sonst im Leben dasteht, kontrollierend, Kritik übend, neben der entwickelten anderen Persönlichkeit bestehen bleibt. Indem das vorausgesetzt wird, darf dann erst gesagt werden, dass — es dauert bei dem einen, je nach Anlage, jahrelang, bei dem anderen nur Monate, mancher kann in wenigen Wochen das erreichen durch Meditieren und durch Konzentration auf einen bestimmten Gedankeninhalt, so nenne ich es —, es darf gesagt werden, dass dadurch erreicht werden kann, dass der Mensch ähnlich fühlt wie beim gewöhnlichen Denken. Beim gewöhnlichen Denken braucht er den physischen Organismus. In dieser Beziehung — könnte man sagen — erkennt die anthroposophische Geisteswissenschaft das Berechtigte des Materialismus voll an.
[ 12 ] Now, so as not to be misunderstood, I must point out yet another difference from the abnormal states of mind I have just mentioned, namely: As the person seeking anthroposophical research develops this capacity for thinking, the ordinary personality continues to exist in its full, healthy state of mind. In a sense, a second personality develops. And the first—the personality with common sense and sound critical judgment—remains in control alongside the developed personality, the personality with the higher capacity for insight. When someone succumbs to hallucinations, visions, or illusions; when they become a medium; or when they are exposed to suggestion, their entire ordinary, healthy personality shifts into a state of hallucination, illusion, and so on. This is the fundamental difference of the thoroughly healthy anthroposophical path: that the ordinary personality always remains as healthy as it is in everyday life—exercising control and critical judgment—and coexists alongside the developed, alternative personality. Only on this basis can it be said that—it takes years for some, depending on their disposition, only months for others, and some can achieve this in a few weeks through meditation and concentration on a specific thought content, as I call it—it can be said that through this, a person can come to feel in a manner similar to that of ordinary thinking. In ordinary thinking, the person needs the physical organism. In this regard—one might say—anthroposophical spiritual science fully acknowledges the validity of materialism.
[ 13 ] Der Mensch braucht, um überhaupt seine Seelenfähigkeiten im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft zu entwickeln, den physischen Leib. Und er wird erst vom physischen Leibe frei, indem er also das Denken erkraftet, intensiver, lebendiger macht. Das Denken wird in dem Grade vom physischen Leibe frei, wie die äußeren sinnlichen Erscheinungen vom physischen Leibe frei sind. Bedenken Sie, wie unabhängig der physikalische Apparat des Auges ist von dem übrigen menschlichen Organismus. Ich kann das jetzt nicht weiter charakterisieren, möchte nur andeuten. Dasjenige, was im Auge geschieht unter dem Einflusse der Außenwelt, das macht in einer gewissen Weise aus, dass der Mensch in den Sinneswahrnehmungen des Auges einer objektiven Welt hingegeben ist. Indem er sein Denken mit dieser objektiven Welt verknüpft, wird auch das Denken selber in eine objektive Welt eingeführt. Der Mensch kommt durch das sinnliche Wahrnehmen in einer gewissen Weise aus sich heraus.
[ 13 ] In order to develop their soul faculties at all in everyday life and in ordinary science, human beings need the physical body. And they become free from the physical body only by strengthening their thinking and making it more intense and more alive. Thinking becomes free from the physical body to the same extent that external sensory phenomena are free from the physical body. Consider how independent the physical apparatus of the eye is from the rest of the human organism. I cannot elaborate further on this now; I merely wish to hint at it. What takes place in the eye under the influence of the external world is what, in a certain sense, means that the human being is immersed in the sensory perceptions of an objective world through the eye. By linking his thinking to this objective world, thinking itself is also introduced into an objective world. Through sensory perception, the human being, in a certain sense, steps outside of himself.
[ 14 ] Es ist hier nicht der Ort, tiefe erkenntnistheoretische Betrachtungen anzustellen, aber das, was ich sage, kann jedes einfache Menschengemüt einsehen. Es kommt der Mensch heraus aus sich, wenn er auf diese Weise Meditations- und Konzentrationsübungen macht, wie ich sie beschrieben habe. Dann aber merkt der Mensch, wie er in der Tat jetzt erst allmählich lernt, das seelische Leben als solches unabhängig vom Leibe zu entwickeln. So grotesk, so paradox es für den Menschen der Gegenwart noch klingt: Man lernt durch Erfahrung, durch Lebenspraxis kennen, was es heißt, Gedanken [zu] haben außerhalb des menschlichen physischen Organismus. Diese Gedanken sind allerdings andere als die gewöhnlichen blassen Gedanken, auch als diejenigen, die sich mit Naturgesetzen zu befassen haben. Bildhaft wie die äußeren Sinneseindrücke selbst sind diese entwickelten, erkrafteten Gedanken. Dasjenige, was wiederum dem anthroposophischen Forscher voll klar ist, es darf gerade auf dieser Stufe des Erkennens nicht fehlen. Ich habe in den genannten Schriften und auch sonst diese Stufe des Erkennens die imaginative Stufe genannt. Imaginativ nicht deshalb, weil man sich etwas einbildet, sondern weil das Denken aus der abstrakten Form durchaus in die bildhafte, in die lebendige, in die intensivierte Form übergeht. Aber dasjenige, was innerhalb dieses imaginativen Denkens derjenige, der anthroposophische Forschungswege einschlägt, durchaus in seinem Bewusstsein hat, und was notwendig ist, das ist, dass er weiß: Du trägst jetzt nur etwas in deinen Gedankenbildern mit dir, was innerhalb deiner eigenen menschlichen Wesenheit lebt.
[ 14 ] This is not the place to engage in deep epistemological reflections, but what I am saying is something any ordinary person can understand. A person steps outside of themselves when they engage in the exercises in meditation and concentration that I have described. But then the person realizes how, in fact, they are only now gradually learning to develop their spiritual life as such, independently of the body. As grotesque and paradoxical as it may still sound to people today: one comes to know through experience, through the practice of life, what it means to have thoughts outside the human physical organism. These thoughts, however, are different from ordinary, pale thoughts, and even from those that deal with the laws of nature. These developed, energized thoughts are as vivid as the external sensory impressions themselves. That which, in turn, is fully clear to the anthroposophical researcher must not be lacking precisely at this stage of cognition. In the aforementioned writings and elsewhere, I have called this stage of cognition the imaginative stage. Imaginative not because one imagines something, but because thinking transitions from the abstract form into the pictorial, the living, and the intensified form. But what the person who embarks on anthroposophical paths of research is fully aware of within this imaginative thinking—and what is necessary—is that they know: You are now carrying within your thought-images only that which lives within your own human being.
[ 15 ] Sie sehen, wie vorsichtig geschildert werden muss der anthroposophische Erkenntnisweg. Man muss darauf aufmerksam machen, wie diese erste Stufe zwar erleben lässt ein intensiveres, eigenes Inneres des Menschen, wie aber der Mensch sich klar werden muss, dass er noch keine Außenwelt zunächst erlebt, sondern nur dieses menschliche Innere. Aber man erlangt schon ein erstes Ergebnis, wenn man das Innere erkraftet an einem solchen intensiveren, bildhaften, an einem solchen imaginativen Vorstellen. Denn man gelangt nach und nach dazu, wie in einem umfassenden Lebenstableau alles dasjenige vor der Seele stehen zu haben, was an einem gebildet hat, was an einem geschafft hat innerlich seelisch seit der Geburt bis zu dem gegenwärtigen Augenblick. Wir tragen das, was wir in der Seele innerlich haben, ja sonst nur in uns in der Form der gewöhnlichen Erinnerung. Die Strömung, aus der willkürlich oder unwillkürlich die Erinnerungen an dieses oder jenes Erlebnis auftauchen, diese Strömung verläuft im Wesentlichen unterbewusst. Wir wissen ja, wie abstrakt sie verläuft, wie abgeschattet gegenüber den wirklichen Erlebnissen, wenn wir drinnenstehen, diese Erinnerungsbilder sind. Mit diesen Erinnerungsbildern darf dasjenige nicht verwechselt werden, was jetzt vor der imaginativen Erkenntnis auftritt. Nicht etwa bloße Erinnerungen treten auf, sondern es tritt dasjenige auf, was einem andeutet, wie man geworden ist. Ja, bis in die ersten Jahre der Kindheit hinein sieht man innerliche Kräfte, die die gewöhnlichen Fähigkeiten des Lebens in einem entwickelt haben. Man sieht, wie sich die moralischen, die intellektuellen Fähigkeiten entwickelt haben, wie sie sich hineingegliedert haben in die Wachstums-, in die Ernährungskräfte. Man schaut wirklich in das menschliche Innere hinein.
[ 15 ] You can see how carefully the anthroposophical path of knowledge must be described. One must point out that, while this first stage does allow one to experience a more intense, inner aspect of the human being, the individual must realize that, at first, they are not yet experiencing the external world, but only this inner human realm. But one already achieves a first result when one strengthens this inner life through such an intensified, pictorial, imaginative visualization. For one gradually comes to have before one’s soul, as in a comprehensive tableau of life, everything that has shaped one, everything that has been formed within one’s inner soul from birth up to the present moment. We carry within our souls—and otherwise only within ourselves—what we have in the form of ordinary memory. The stream from which memories of this or that experience arise, whether voluntarily or involuntarily, essentially flows through the subconscious. We know, after all, how abstract this stream is, how these images of memory are overshadowed compared to the actual experiences when we are in the midst of them. What now appears before imaginative insight must not be confused with these images of memory. It is not mere memories that appear, but rather that which suggests to us how we have become who we are. Yes, even back into the earliest years of childhood, one sees the inner forces that have developed one’s ordinary life abilities. One sees how the moral and intellectual faculties have developed, how they have become integrated into the forces of growth and nutrition. One truly looks into the human inner being.
[ 16 ] Man lernt dasjenige erkennen, was ich genannt habe den Bildekräfteleib des Menschen. Man lernt erkennen wirklich einen zweiten Leib. Aber wenn man ihn genau charakterisieren will, muss man sagen: Er ist ein Zeitleib. Er ist etwas, was sich immer beweglich fortentwickelt. Man kann es nicht zeichnen, ohne dass man sich bewusst wird, dass man so zeichnet oder malt, wie man den Blitz malt. Dasjenige, was in der Zeit beweglich ist, kann man nur in einem Augenblick festhalten, so auch diesen menschlichen Bildekräfteleib. In Wahrheit ist er eine einheitlich in der Zeit verlaufende Organisation, und man muss ihn in einer solchen Art verstehen. Ältere Ahnungen hat es ja immer gegeben für solche höheren Erkenntnisse, und man hat dasjenige, was ich Bildekräfteleib nenne, auch Äther- oder Lebensleib genannt. Lernt man es erkennen in der angedeuteten Weise, nicht durch logische Schlüsse oder sonst, sondern durch unmittelbare innere Anschauung mit der hergestellten imaginativen Erkenntnis, dann weiß man ein für alle Mal: Dasjenige, was menschliche Organisation ist, spielt sich nicht nur dadurch ab, dass eine Summe von chemischen und physischen Kräften da ist, die den menschlichen physischen Leib konstituieren, sondern dadurch, dass ein GeistigSeelisches eingezogen ist in die physische Organisation mit der Geburt oder Konzeption, und dass ein zweiter, ein geistig-seelischer, ein übersinnlicher Leib, der nur nicht bloß räumlich, der zeitlich ist, der immer beweglich ist, in uns arbeitet. Und man lernt erkennen die innere Verwandtschaft, die besteht zwischen dem Denken, dem Vorstellen und den Wachstumskräften. Solange man nur den Menschen physiologisch und biologisch betrachtet, findet man auf der einen Seite die Wachstumskräfte, auf der anderen Seite, etwa durch innere Beobachtung, die abstrakten Denkkräfte. Durch die imaginative Anschauung, von der ich eben gesprochen habe, lernt man erkennen, wie ein allmählicher Übergang stattfindet zwischen den gewöhnlichen Wachstumskräften und den Denkkräften, wie das Vorstellen selber, indem es sich erkraftet, in dasjenige hineinführt, was zu gleicher Zeit das Wachstum bewirkt, die Entwicklung der inneren organischen Kraft von Stufe zu Stufe im heranwachsenden Menschen. So wird imaginative Erkenntnis zu einem ersten Ergebnis anthroposophischer Innenforschung.
[ 16 ] One learns to recognize what I have called the human being’s “body of formative forces.” One truly learns to recognize a second body. But if one wants to characterize it precisely, one must say: It is a body of time. It is something that is constantly evolving and in motion. One cannot draw it without becoming aware that one is drawing or painting it in the same way one paints a flash of lightning. That which is in motion within time can only be captured in a single moment—and so it is with this human formative body. In truth, it is a unified organization unfolding in time, and one must understand it in this way. There have, of course, always been older intuitions regarding such higher insights, and what I call the “body of formative forces” has also been called the “etheric body” or the “life body.” If one learns to recognize it in the manner described—not through logical conclusions or otherwise, but through direct inner perception with the imaginative insight thus developed—then one knows once and for all: What constitutes the human organism does not occur merely through the presence of a sum of chemical and physical forces that constitute the human physical body, but through the fact that a spiritual-soul element is drawn into the physical organism at birth or conception, and that a second, a spiritual-soul body—a supersensible body that is not merely spatial but temporal, and is always in motion—is at work within us. And one learns to recognize the inner relationship that exists between thinking, imagining, and the forces of growth. As long as one considers the human being solely from a physiological and biological perspective, one finds, on the one hand, the forces of growth, and on the other hand—for example, through inner observation—the abstract powers of thought. Through the imaginative contemplation I have just spoken of, one learns to recognize how a gradual transition takes place between the ordinary forces of growth and the powers of thought, how imagination itself, as it gains strength, leads into that which simultaneously brings about growth—the development of the inner organic power, step by step, in the growing human being. Thus, imaginative insight becomes a first result of anthroposophical inner research.
[ 17 ] Nun genügt es nicht, dass man bloß das Seelenleben auf irgendeine Vorstellung konzentriert oder auf einen Vorstellungskomplex, sondern neben solchen Übungen müssen auch noch andere, in anderer Richtung, getrieben werden. Obwohl alles dasjenige, was ich geschildert habe, und was in den genannten Büchern ausgeführt ist, darauf hinzielt, dass der Mensch in voller Willkür, durchaus mit innerer Besonnenheit, wie man nur sonst im gewöhnlichen Leben dasteht, solche Übungen ausführt, und auch zu solcher Konzentration, solcher Aufmerksamkeitslenkung auf eine gewisse Vorstellung kommt, so ist es doch so, dass man an solche Vorstellungen sich allmählich hingegeben fühlt, zu stark hingegeben fühlt, wenn nicht nach einer anderen Richtung andere Seelenübungen vorgenommen werden. Man muss daher ebenso treulich, wie man sich konzentriert auf gewisse Vorstellungen, wiederum Übungen machen, damit diese Vorstellungen im Bewusstsein jeder Zeit, wenn man will, verlöschen, aus dem Bewusstsein wiederum herausgetan werden. Dann kommt man dazu, dasjenige herzustellen, was man nennen kann deeres Bewusstseim. Leeres Bewusstsein ist sonst bei den Menschen nur vorhanden in der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Und ist man durch keine Schule der Übung hindurchgegangen, dann ist die große Versuchung vorhanden, dass in dem Augenblick, wo das Bewusstsein leer wird von äußeren Eindrücken — oder auch wo es so stark hingenommen wird von äußeren Eindrücken, dass es sie nicht mehr unterscheidet —, wenn das Bewusstsein auf diese Weise leer wird, eine Art Schlafzustand eintritt. Gerade das ist das Wesentliche für das weitere Fortschreiten anthroposophischer Forschung, dass leeres Bewusstsein hergestellt werden kann, ohne dass der Mensch in irgendeinen Schlafzustand oder Traumzustand kommt, sondern dass er so voll bewusst bleiben kann, ohne dass er irgendetwas durch seine eigene innere Kraft vorstellt, wie er sonst bei äußeren Eindrücken oder bei stark entwickeltem Gedanken- oder Gefühls- oder Willensleben ist. Und dann, wenn zuerst das Gedankenleben erkraftet ist in der geschilderten Weise, so stark erkraftet ist, dass man gewissermaßen innerlich erfasst im unmittelbaren Erleben dieses Erinnerungstableau, von dem ich gesprochen habe, wenn einem da das ganze bisherige Erdenleben wie ein gewaltiges Tableau vor Augen steht, wenn man so weit das Vorstellungsleben erkraftet hat, dann bringt man es auch dazu, bei völligem Wachsein die einzelne Vorstellung, die man auf diese Weise in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt hat, oder die sich selbst dahin gestellt hat, wiederum abzudämpfen, herauszuwerfen aus dem Bewusstsein und ein leeres Bewusstsein herzustellen. Hat man dies eine Zeit lang geübt, es ist wiederum je nach Anlage der Menschen verschieden, ob man längere oder kürzere Zeit dazu braucht. Ich darf nur sagen: Anthroposophische Forschung ist nicht leichter als die Forschungen auf der Sternwarte, im Laboratorium oder in der Klinik, man muss lange Zeit ausdauernd und emsig solche Übungen durchmachen, wie ich sie jetzt schildere.
[ 17 ] It is not enough, however, to simply focus one’s inner life on a single idea or a complex of ideas; in addition to such exercises, others must also be pursued in a different direction. Although everything I have described, and what is explained in the books mentioned, aims to enable a person to perform such exercises with complete freedom of will and with the same inner composure as one experiences in ordinary life, and also to achieve such concentration and such focusing of attention on a certain idea, the fact remains that one gradually feels oneself becoming attached to such ideas—too strongly attached—unless other spiritual exercises are undertaken in a different direction. One must therefore, just as faithfully as one concentrates on certain ideas, perform exercises to ensure that these ideas can be extinguished from consciousness at any time, if one so desires, and removed from consciousness once again. Then one is able to achieve what can be called “empty consciousness.” Otherwise, empty consciousness is present in human beings only during the time between falling asleep and waking up. And if one has not undergone any training in this practice, there is a great temptation that, at the moment when consciousness becomes empty of external impressions—or even when it is so strongly overwhelmed by external impressions that it can no longer distinguish them—when consciousness becomes empty in this way, a kind of sleep state sets in. This is precisely what is essential for the further progress of anthroposophical research: that empty consciousness can be established without the person entering any state of sleep or dreaming, but rather that they can remain fully conscious—without imagining anything through their own inner power—just as they otherwise are in the presence of external impressions or in the case of a highly developed life of thought, feeling, or will. And then, once the life of thought has been strengthened in the manner described—strengthened to such an extent that one is, so to speak, inwardly absorbed in the immediate experience of this tableau of memories I have spoken of, when one’s entire earthly life to date stands before one’s eyes like a vast tableau, when one has strengthened the life of imagination to that degree—then one is also able to while fully awake, to dampen the individual image—which one has brought into the center of consciousness in this way, or which has placed itself there—and to cast it out of consciousness, thereby creating a state of empty consciousness. Once one has practiced this for some time—and again, this varies depending on the individual’s disposition, whether it takes a longer or shorter time— I can only say this: Anthroposophical research is no easier than research at an observatory, in a laboratory, or in a clinic; one must persistently and diligently undergo such exercises as I am now describing for a long time.
[ 18 ] Hat man es also dazu gebracht, einzelne Vorstellungen herauszuwerfen aus dem Bewusstsein, nachdem sie da waren, und ein leeres Bewusstsein herzustellen, dann kann man auch dasjenige, was sich als ein solches Erinnerungstableau vor die Seele gestellt hat, was einem als Bildekräfteleib, als Zeitorganismus aufgetreten ist, auch aus dem Bewusstsein herausschaffen. Es gehört eine starke innere Seelenkraft dazu. Man muss sie erst erwerben dadurch, dass man andere Vorstellungen abdämpft bis zum leeren Bewusstsein. Aber man erlangt zuletzt diese Kraft, den ganzen Bildekräfteleib abzudämpfen, sodass er gewissermaßen in die tieferen Schichten des Bewusstseins hinunterdringt. Dann kann der Moment eintreten, wo die imaginative Erkenntnis zunächst für die Erfassung des menschlichen Eigenlebens in das zweite Stadium der übersinnlichen Erkenntnis eintritt, die zweite Stufe der Erkenntnis, die inspirierte Erkenntnis.
[ 18 ] Once one has managed to expel individual ideas from consciousness after they have entered it, and to create an empty consciousness, then one can also remove from consciousness that which has presented itself to the soul as a tableau of memories—that which has appeared as a body of formative forces, as a temporal organism. This requires a strong inner spiritual power. One must first acquire it by dampening other ideas until consciousness is emptied. But one ultimately attains this power to subdue the entire body of formative forces, so that it sinks, as it were, into the deeper layers of consciousness. Then the moment may arrive when imaginative knowledge first enters the second stage of supersensible knowledge—the second level of knowledge, inspired knowledge—for the comprehension of human inner life.
[ 19 ] Stoßen Sie sich nicht an dem Ausdruck, man muss ja überall Ausdrücke haben. Sie meinen in diesem Falle nichts Traditionelles oder Abergläubisches, sondern nur das, was ich hier charakterisiere. Nachdem man also zuerst das Denken erkraftet hat, nachdem man dann die Seele so weit erkraftet hat, dass leeres Bewusstsein hergestellt werden kann, dann kann in dieses leere Bewusstsein hineindringen — wie die Atemluft in die Lunge als etwas Objektives eindringt — die objektive geistige Welt.
[ 19 ] Don’t take offense at the expression; after all, expressions are necessary everywhere. In this case, it does not refer to anything traditional or superstitious, but only to what I am describing here. So once one has first strengthened one’s thinking, and once one has then strengthened the soul to the point where empty consciousness can be established, the objective spiritual world can penetrate this empty consciousness—just as the air we breathe enters the lungs as something objective.
[ 20 ] Und jetzt wird wirklich Anschauung dasjenige, was der Mensch seelisch-geistig durchlebt hat, bevor er sich als seelisch-geistiges Wesen mit dem physischen Menschenleibe verbunden hat. In diesem Moment der inneren Seelenforschung tritt das Große, Gewaltige ein, dass das Geistig-Seelische an sich, in seiner eigenen Wesenheit, vor dem Schauen der Seele auftritt; dass man die Seele schaut, wie sie war in einer rein geistig-seelischen Welt, bevor sie durch die Geburt oder Empfängnis sich mit den physisch-leiblichen Stoffen und Kräften verbunden hat, die ihr durch die Vererbungskräfte von Eltern und Voreltern mitgegeben werden.
[ 20 ] And now what a person has experienced soul-spiritually before uniting, as a soul-spiritual being, with the physical human body truly becomes a vision. In this moment of inner soul-exploration, the great and mighty reality emerges: the spiritual-soul aspect itself, in its own essence, appears before the soul’s gaze; that one beholds the soul as it was in a purely spiritual-soul world before it became united, through birth or conception, with the physical-bodily substances and forces bestowed upon it through the hereditary forces of parents and ancestors.
[ 21 ] Das ist das Wesentliche der anthroposophischen Forschung, dass sie nicht durch bloßes Denken, nicht durch mystisches Versenken, sondern durch Entwicklung von Seelenkräften, die sonst im Inneren der Menschen schlummern, zu der Anschauung des wirklichen GeistigSeelischen vorrückt. Man könnte natürlich, wenn man so etwas hört, leicht sagen: Nun ja, dann können zu solcher Überzeugung von der Unsterblichkeit der Menschenseele — oder besser gesagt, wenn ich von dem spreche, wovon ich bisher gesprochen habe —, von dem Ungeborensein der Menschenseele nur diejenigen sprechen, welche eben zu solchen Erkenntnissen aufrücken. Nun, erstens ist das der Fall, dass durch solche Bücher, wie ich sie genannt habe, für jeden Menschen dasjenige ermöglicht werden kann, was ihn die ersten Schritte machen lässt zu einer solchen übersinnlichen Erkenntnis, wie ich sie geschildert habe. Und wenn das auch heute noch ungewohnte Seelenwege sind, derjenige, der in sie eingedrungen ist, weiß, dass sie immer mehr und mehr werden die Wege der Menschheitsentwicklung sein. Weil sie heute erst wie ein Erstes in die Geistesentwicklung der Menschheit eintreten müssen, deshalb nehmen sie sich für viele paradox aus. Allein ebenso wenig, wie man ein Maler zu sein braucht, um mit vollem inneren Seelenanteil vor einem guten Gemälde entzückt zu sein, es zu durchschauen in seiner Wesenheit, in dem, was der Maler gewollt hat, ebenso wenig braucht man anthroposophischer Forscher zu sein, um dasjenige als wahr anzuerkennen, was von dem anthroposophischen Forscher geltend gemacht wird. Der gesunde Menschenverstand reicht durchaus hin, so wie das gewöhnliche Empfinden gegenüber einer Kunstleistung hinreicht, um sie zu würdigen. Denn es ist in der menschlichen Seele eine ursprüngliche Anlage für die Empfindung der Wahrheit. Deshalb kann man durchaus nicht sagen, dass nur derjenige, der selbst in der geschilderten Weise Geistesforscher ist, anerkennen könne die Ergebnisse der Geistesforschung. Nur dass man durch viele Jahrhunderte in der Menschheitsentwicklung gewohnt worden ist, solche Dinge überhaupt nicht gelten zu lassen, das hat allmählich für den Verstand, für den Intellekt die Vorurteile hervorgerufen, die heute noch nicht als für den gesunden Menschenverstand vernünftig erscheinen lassen dasjenige, was die anthroposophische Forschung als ihre Wege und ihre Ergebnisse charakterisiert.
[ 21 ] This is the essence of anthroposophical research: that it advances toward a direct perception of the true spiritual-soul realm not through mere thinking, not through mystical contemplation, but through the development of soul powers that otherwise lie dormant within human beings. Of course, when one hears something like this, it would be easy to say: Well, then, only those who have advanced to such insights can speak of such a conviction regarding the immortality of the human soul—or rather, when I speak of what I have been discussing so far—of the pre-existence of the human soul. Well, first of all, it is the case that through books such as those I have mentioned, it becomes possible for every human being to take the first steps toward the kind of supersensible knowledge I have described. And even if these are still unfamiliar paths of the soul today, those who have ventured onto them know that they will increasingly become the paths of human development. Because they must first make their way into the spiritual development of humanity today, they seem paradoxical to many. But just as one need not be a painter to be enchanted by a good painting with one’s whole inner being, to perceive its essence and what the painter intended, so too does one need not be an anthroposophical researcher to recognize as true what the anthroposophical researcher asserts. Common sense is quite sufficient, just as ordinary sensibility is sufficient to appreciate a work of art. For there is an innate capacity in the human soul for perceiving the truth. Therefore, one cannot say that only those who are spiritual researchers in the manner described can acknowledge the results of spiritual research. It is simply that, over many centuries of human development, people have become accustomed to rejecting such things outright; this has gradually given rise to prejudices in the mind and intellect that still prevent what characterizes anthroposophical research—its methods and findings—from appearing reasonable to common sense today.
[ 22 ] Nun habe ich Ihnen gekennzeichnet, wie der Mensch zu seinem Unsterblichen zunächst kommt, indem er nach der einen Seite sich hin entwickelt, hinausschauend über Geburt oder Empfängnis durch die imaginative und die inspirierte Erkenntnis. Die Wege anthroposophischer Forschung müssen aber weiter gehen. Nicht bloß soll entwickelt werden dasjenige, was Vorstellungskraft, was Gedankenkraft ist, sondern auch dasjenige, was menschliche Willenskraft ist, soll zu einer höheren Stufe entwickelt werden. Auch davon will ich wiederum das Prinzipielle angeben. Allerdings, dasjenige, was das Intimste der menschlichen Seele ist, das menschliche Fühlen, der menschliche Gemütsinhalt, der liegt ja zwischen dem Denken und dem Wollen mittendrinnen. Aber dasjenige, was so im Mittelpunkt der Seele als unser Gefühls-, unser Gemütsleben ruht, das entwickelt sich mit in die höheren Welten hinein, wenn man auf der einen Seite das Vorstellungsleben, wie angedeutet, entwickelt, auf der anderen Seite das Willensleben entwickelt.
[ 22 ] I have now outlined for you how human beings first come to their immortal nature by developing in one direction, looking beyond birth or conception through imaginative and inspired knowledge. But the paths of anthroposophical research must go further. It is not merely a matter of developing what constitutes the power of imagination and the power of thought; rather, the power of human will must also be developed to a higher level. I would like to outline the fundamental principles of this as well. Admittedly, what lies at the very core of the human soul—human feeling, the content of the human emotions—is situated right in the middle between thinking and willing. But that which rests at the very center of the soul as our emotional and inner life develops along with us into the higher worlds when, on the one hand, we develop the life of imagination, as indicated, and, on the other hand, we develop the life of the will.
[ 23 ] Ist auf der einen Seite für Anthroposophie — ich möchte sagen — eine Art Ideal das Seelenerleben an der äußeren Wahrnehmung, so wird nach der anderen Seite für die Entfaltung in der Seele schlummernder Willenskräfte dasjenige ein Ideal, was im sittlichen Leben, vor allen Dingen im hingebungsvollen Leben der Liebe, in der menschlichen Seele stattfindet. Ich weiß — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn von hingebungsvoller Liebe gesprochen wird, da wird etwas genannt, was sehr viele Menschen weit wegstellen wollen von allen wirklichen Erkenntniskräften. Allein es ist auch nicht die Rede davon, dass die Liebe, wie sie im gewöhnlichen Leben vorhanden und berechtigt ist, schon irgendeine Erkenntniskraft sein soll. Aber so, wie das Denken nach der einen Seite ausgebildet wird, so wird auch die hingebungsvolle Liebefähigkeit nach der anderen Seite ausgebildet, um dadurch den Willen ebenso frei zu machen vom physischen Organismus, wie das Gedankenleben in der angedeuteten Weise frei gemacht werden kann vom physischen Organismus. Scheinbar sind es durchaus nicht seelische Übungen in der Liebefähigkeit, die da in Betracht kommen. Dennoch, sie führen zu einer bis zur Erkenntnismäßigkeit gesteigerten Liebefähigkeit. Ich will auch hier wiederum das Prinzipielle andeuten. Eine solche Übung, eine solche Fähigkeit, die insbesondere den Willen entwickelt, ist die folgende: Man stellt irgendetwas, von dem man gewöhnt ist, es nur in einer gewissen Weise vom Früheren zum Späteren, vom Anfang bis Ende vorzustellen, nunmehr in umgekehrter Folge vor. Zum Beispiel ein Drama stellt man vor von dem letzten Ereignis des fünften Aktes rückwärts bis zum ersten Ereignis des ersten Aktes. Oder man stellt sich eine Melodie umgekehrt vor. Oder auch man stellt nur am Abend das gewöhnliche Tagesleben in umgekehrter Folge vor. Aber man muss möglichst in die Einzelheiten eingehen, muss in kleinen Partien umgekehrt vorstellen.
[ 23 ] If, on the one hand, a kind of ideal for anthroposophy—I would say—is the soul’s experience of external perception, then, on the other hand, what takes place in the human soul in moral life—above all in a life of self-sacrificing love—becomes an ideal for the unfolding of the will powers slumbering within the soul. I know—my esteemed audience—that when we speak of self-sacrificing love, we are referring to something that many people wish to distance from all true powers of knowledge. Yet there is no suggestion here that love, as it exists and is justified in ordinary life, is itself supposed to be some kind of power of knowledge. But just as thinking is developed on one side, so too is the capacity for self-sacrificing love developed on the other side, in order thereby to free the will from the physical organism just as the life of thought can be freed from the physical organism in the manner indicated. On the surface, these do not appear to be spiritual exercises in the capacity for love at all. Nevertheless, they lead to a capacity for love heightened to the level of cognitive clarity. Here, too, I wish to indicate the underlying principle. One such exercise—one such capacity that develops the will in particular—is the following: One imagines something that one is accustomed to conceiving only in a certain way—from the earlier to the later, from the beginning to the end—but now in reverse order. For example, one imagines a drama starting from the final event of the fifth act and working backward to the first event of the first act. Or one imagines a melody in reverse. Or one simply imagines one’s ordinary daily life in reverse order in the evening. But one must go into as much detail as possible, imagining it in reverse in small segments.
[ 24 ] Was hat das für einen Sinn? Meine sehr verehrten Anwesenden, im gewöhnlichen Leben entfalten wir das Denken an der äußeren Tatsachenfolge. Das Denken ist passiiv der äußeren Tatsachenfolge hingegeben. Dadurch macht es sich auch abhängig von den Gesetzen des physischen menschlichen Organismus. Der physische menschliche Organismus ist mit den physischen Sinnen der äußeren Tatsachenfolge hingegeben. Das Denken ist von dieser Tatsachenfolge abhängig. Und indem es erinnerungsmäßig wiederum die Erlebnisse bildhaft heraufbringt, bleibt es dennoch abhängig von der äußeren Tatsachenfolge. Gewiss, man kann einwenden: Mit logischem Denken macht sich der Mensch von dieser Tatsachenfolge unabhängig. Aber worauf zielt er denn schließlich zumeist, wenn er sich unabhängig macht? Gerade darauf, die äußere Tatsachenfolge erst recht gut zu erkennen. Wir denken logisch, damit wir den räumlichen und zeitlichen Verfolg der Tatsachen erst recht gut durchschauen. Von dieser Abhängigkeit von der äußeren Tatsachenwelt, aber auch der Abhängigkeit des Denkens, werden wir herausgehoben dadurch, dass wir in dieser Weise das Denken entwickeln, indem wir von rückwärts nach vorne, also umgekehrt der äußeren Tatsachenfolge, denken. Dadurch aber entwickeln wir nun den Willen. Im Seelenleben ist es so, dass durchaus Gedanken, Gefühle, Wille ineinanderspielen. Im abstrakten Denken können wir die drei trennen; im Seelenleben ist in jedem Denken der Wille enthalten, indem er die Gedanken verbindet und trennt; und im Willen sind die Gedanken wirksam, wenn auch der Zusammenhang der Gedanken zunächst für das gewöhnliche Bewusstsein so unklar ist, wie etwa der nächtlich schlafende Bewusstseinszustand. Aber gerade der Wille, der an das Denken hingegeben ist, er entwickelt sich frei und unabhängig von der Tatsachenwelt und auch von der menschlichen Körperlichkeit durch solches umgekehrtes Denken.
[ 24 ] What is the point of this? Ladies and gentlemen, in everyday life we base our thinking on the sequence of external events. Thinking is passively devoted to the external sequence of events. In this way, it also makes itself dependent on the laws of the physical human organism. The physical human organism, through the physical senses, is devoted to the external sequence of events. Thinking is dependent on this sequence of events. And by recalling experiences in a pictorial way through memory, it nevertheless remains dependent on the external sequence of events. Certainly, one might object: Through logical thinking, human beings free themselves from this sequence of events. But what, after all, is their primary aim when they seek independence? Precisely to recognize the external sequence of events all the more clearly. We think logically so that we can understand the spatial and temporal sequence of events all the more clearly. We are lifted out of this dependence on the external world of facts—and also out of the dependence of thought itself—by developing our thinking in this way: by thinking backward from the end to the beginning, that is, in the opposite direction of the external sequence of events. Through this, however, we now develop the will. In the life of the soul, thoughts, feelings, and the will are indeed intertwined. In abstract thinking, we can separate the three; in the life of the soul, the will is contained within every thought, connecting and separating the thoughts; and within the will, thoughts are at work, even if the connection between thoughts is initially as unclear to ordinary consciousness as, for example, the state of consciousness during sleep at night. But it is precisely the will, which is devoted to thinking, that develops freely and independently of the world of facts and also of human physicality through such reverse thinking.
[ 25 ] Fügt man zu diesen Übungen noch andere, die ich bezeichnen möchte als gesteigerte menschliche Selbstschau — alles das muss bei absoluter innerer Besonnenheit, mit absoluter Willkür vollbracht werden —, vollzieht man eine solche Selbstschau in der Art, dass man dasjenige, was man tut, was man denkt und fühlt, die ganze Art und Weise, wie man als Mensch ist und handelt, beobachtet, wie wenn man als ein anderer, als ein zweiter Mensch neben sich selber stünde, wird man in Bezug auf den Willen bedächtig, dann reißt sich der Wille allmählich los von der Körperlichkeit, wenn die Übungen nur lange und energisch ausgeführt werden, insbesondere, wenn man auch noch aktiv in die eigene Entwicklung eingreift. Bedenken Sie nur, wie der Mensch im gewöhnlichen Leben weitergebracht wird durch dasjenige, was das Leben selber gibt. Gewiss, jeder ist doch anders heute, als er vor zehn, zwanzig Jahren war in Bezug auf gewisse feinere Nuancen des Seelenlebens. Das hat das Leben getan. Nimmt man aber diese seine Selbstentwicklung selber in die Hand, nimmt man sich vor: Du sollst dir diese oder jene Eigenschaft einverleiben; arbeitet man darauf hin, sich solche Eigenschaften einzuverleiben, arbeitet man besonders energisch darauf hin, gewisse Gewohnheiten von sich loszubekommen, dann bildet man dasjenige aus, was den Willen losreißt von der physischen Leiblichkeit. Und man gelangt jetzt dazu, den Willen sozusagen nur insoweit in der Seele leben zu haben, als er ganz von Gedanken überall durchzogen ist; er ist losgerissen von der Leiblichkeit, er ist durchsichtig geworden. Bedenken Sie, wie wenig durchsichtig das Wollen ist, wenn wir den Gedanken fassen, sagen wir, den Arm zu heben, die Hand zu heben. Der Gedanke, die Absicht ist klar, und nachher, wenn die Hand gehoben ist, sehen wir an dem Sinneseindruck, was geschehen ist. Was dazwischen liegt an Willensentfaltung, das ist für das menschliche Bewusstsein so verborgen, wie die Vorgänge des Schlafens selber. Jetzt aber erleben wir einen Willen, in dem wir ganz drinnen sind, wie wir sonst nur in den Gedanken sind, einen leibfreien Willen, der sich fügt zu den leibfreien imaginativen und inspirierten Vorstellungen, die wir vorher bekommen haben.
[ 25 ] If one adds to these exercises others that I would like to describe as heightened human self-observation—all of which must be accomplished with absolute inner composure and with absolute free will—one carries out such self-observation in such a way that one observes what one does, what one thinks and feels, the entire manner in which one is and acts as a human being, as if one were standing beside oneself as another person, as a second human being; one becomes deliberate in regard to the will, and then the will gradually detaches itself from physicality—provided the exercises are performed for a long time and with vigor, especially if one also actively intervenes in one’s own development. Just consider how a person is shaped in ordinary life by what life itself provides. Certainly, everyone is different today than they were ten or twenty years ago with regard to certain finer nuances of the soul life. Life has brought about that change. But if one takes one’s own self-development into one’s own hands, if one resolves: “You shall incorporate this or that quality into yourself”; if one works toward incorporating such qualities, if one works particularly energetically to rid oneself of certain habits, then one cultivates that which tears the will away from physical corporeality. And one now reaches the point where the will, so to speak, lives in the soul only to the extent that it is entirely permeated by thought throughout; it is torn away from physicality; it has become transparent. Consider how little transparency there is in the act of willing when we form the thought—say, of raising our arm or raising our hand. The thought, the intention, is clear, and afterward, when the hand is raised, we see from the sensory impression what has happened. What lies in between—the unfolding of the will—is as hidden from human consciousness as the processes of sleep itself. But now we experience a will in which we are fully immersed, just as we are otherwise only immersed in thought—a body-free will that harmonizes with the body-free imaginative and inspired perceptions we have received previously.
[ 26 ] Und jetzt — meine sehr verehrten Anwesenden —, da wir erleben, wie unser Wille leibfrei werden kann, da wir gewissermaßen mit unserem Willen aus unserem Leibe heraustreten können, jetzt erleben wir das Wesen der menschlichen Unsterblichkeit nach der anderen Seite hin. Denn dieses Heraustreten aus dem Leibe ist nichts anderes als ein Erkenntnisbild desjenigen, was eintritt, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Indem der Mensch gewahr wird, was er durch diesen erstarkten Willen, durch diesen bedächtig gewordenen Willen, den ich die Stufe der intuitiven Erkenntnis nenne, erlebt, indem er außerhalb des Leibes ist, das ist unmittelbar durch seine Eigenschaften klar als ein Bild desjenigen, was als Geistig-Seelisches in die geistig-seelische Welt eintritt, wenn der Mensch seinen physischen Leib in der physischen Körperlichkeit zurücklässt. In dieser intuitiven Erkenntnis lernt man erkennen die andere Seite der menschlichen Ewigkeit, die über den Tod hinausgehende.
[ 26 ] And now—my esteemed audience—as we experience how our will can become free of the body, as we can, so to speak, step out of our bodies with our will, we now experience the essence of human immortality from the other side. For this stepping out of the body is nothing other than a symbolic representation of what occurs when a human being passes through the gate of death. As a human being becomes aware of what they experience through this strengthened will, through this will that has become contemplative—which I call the stage of intuitive knowledge—and as they are outside the body, this is immediately evident through its characteristics as an image of what enters the spiritual-soul world as the spiritual-soul aspect -soul world when a human being leaves their physical body behind in its physical form. In this intuitive insight, one learns to recognize the other side of human eternity, that which extends beyond death.
[ 27 ] Sie sehen — meine sehr verehrten Anwesenden —, nicht als ein Gedanke tritt vor anthroposophische Forschung das Ewige der Menschenseele, sondern es gliedert sich zusammen aus dem vorgeburtlichen und aus dem, wenn ich so sagen darf, nachtodlichen Dasein, aus Ungeborenheit und Unsterblichkeit. Und indem man so kennenlernt dasjenige, was ewig ist, was unsterblich ist in der menschlichen Seele, lernt man auch erkennen diejenigen Welten, welche diese Menschenseele umgeben, wenn sie in ihrem rein geistig-seelischen Wesen ist, indem man hinschaut auf dasjenige, was die Seele war vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption. Es ist natürlich noch eine Einwendung möglich, die Einwendung: Ja, wie weiß man denn, dass dasjenige, was man da im Bewusstsein anschaut, wirklich der Zeit nach vor der Geburt oder vor der Konzeption liegt? Nun, wie schon bei der gewöhnlichen Erinnerung, wenn Sie sich erinnern an ein Erlebnis, das Sie vor zehn Jahren hatten, die Erinnerung selbst die Zeit enthält, wie Sie nicht glauben können, Sie haben etwas im Bewusstsein, was nur in der Gegenwart da ist, wie schon der Bewusstseinsinhalt durch sich selbst auf die Zeit hinweist, in der das Erlebnis verlaufen ist, so trägt dasjenige, was wir als GeistigSeelisches erleben, in sich die Zeit vor der Geburt beziehungsweise vor der Konzeption. Aber auch werden wir gewahr die Welten, die dann nicht die sinnlichen sind, denn sie nehmen wir nur zwischen Geburt und Tod wahr durch die Menschensinne. Aber diejenigen Welten, die wir wahrnehmen durch die Seelensinne, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf, vor der Geburt und nach dem Tode, sie sind jetzt aufgeschlossen. Wir lernen sie als konkrete, wesenhafte Welten kennen. Und indem wir diese Welten kennenlernen, lernen wir auch die geistig-übersinnliche Welt kennen, die uns immer umgibt, in die wir nicht eindringen können durch bloße philosophische Spekulation. In die dringen wir ein, indem wir immer mehr und mehr imaginative, inspirierte, intuitive Erkenntnis entwickeln.
[ 27 ] You see—my esteemed audience—the eternal aspect of the human soul does not present itself to anthroposophical research as a mere idea, but rather it is composed of the pre-birth and, if I may say so, post-death existence—of pre-birth and immortality. And by coming to know in this way that which is eternal, that which is immortal in the human soul, one also learns to recognize those worlds that surround this human soul when it is in its purely spiritual-soul nature, by looking at that which the soul was before birth or, respectively, before conception. Of course, another objection is possible: “Yes, but how do we know that what we are observing in our consciousness actually predates birth or conception?” Well, just as with ordinary memory—when you recall an experience you had ten years ago, the memory itself contains the time—just as you cannot believe you have something in your consciousness that exists only in the present—just as the content of consciousness itself points to the time in which the experience took place—so what we experience as spiritual-soul life carries within it the time before birth or before conception. But we also become aware of worlds that are not the sensory ones, for we perceive those only between birth and death through the human senses. But those worlds that we perceive through the soul senses—if I may use that expression—before birth and after death, are now open to us. We come to know them as concrete, essential worlds. And as we get to know these worlds, we also come to know the spiritual-suprasensory world that always surrounds us—a world we cannot penetrate through mere philosophical speculation. We enter into it by developing more and more imaginative, inspired, and intuitive insight.
[ 28 ] Diese intuitive Erkenntnis, die für das Anschauen der äußeren geistigen Welt in gewisser Beziehung die höchste Erkenntnisstufe ist, sie tritt uns im gewöhnlichen Leben, wenn auch in anderer Form, schon entgegen. Und ich musste bereits Anfang der neunziger Jahre — wenn ich diese persönliche Bemerkung machen darf — aus meiner eigenen Seelenentwicklung heraus in meiner «Philosophie der Freiheit» darauf aufmerksam machen, wie die moralischen, die sittlichen Impulse des Menschen — und das moralische, das sittliche Leben gibt ja dem Menschen seinen eigentlichen Wert und seine eigentliche Würde — aus einer Welt geschöpft werden, die ich auch dazumal eine intuitive Welt genannt habe, eine Welt der geistigen Wesenhaftigkeiten. Und ich sagte schon in dieser «Philosophie der Freiheit»: Dasjenige, was die wahren moralischen Impulse sind, sie werden aus einer geistig-übersinnlichen Welt geholt durch reines, sinnlichkeitfreies Denken. Ich begründete die Freiheit im menschlichen Leben dadurch, dass ich aufmerksam machte: Die Frage wird gewöhnlich falsch gestellt. Man fragt: Ist der Mensch frei oder unfrei? Er ist ebenso wohl frei wie auch unfrei. Unfrei in Bezug auf alles das, was die gewöhnlichen Handlungen des Lebens sind, die an den physischen Organismus gebunden sind, wo sie von Instinkten, Trieben impulsiert werden. Aber der Mensch entwickelt sich immer mehr und mehr zur Freiheit, indem er dazu kommt, schon im gewöhnlichen Leben, wenn auch mehr oder weniger unbewusst, aus einer geistigen Welt durch reines Denken seine Impulse für das sittliche, das moralische Leben herauszuholen. Und soweit ist der Mensch frei, als ihm seine moralischen Impulse aus einer geistigen Welt kommen. Daher wird dasjenige, was der Mensch als moralische Intuitionen erfasst, zum Vorbild für dasjenige, was nun in anthroposophischer Forschung als höchste Erkenntnisstufe, als die intuitive Stufe geltend gemacht werden muss.
[ 28 ] This intuitive insight, which in a certain sense represents the highest level of knowledge for perceiving the outer spiritual world, already presents itself to us in everyday life, albeit in a different form. And as early as the beginning of the 1890s—if I may make this personal remark—I was already able, through my own spiritual development, to draw attention to this in my *Philosophy of Freedom*—how human moral and ethical impulses—and it is, after all, moral and ethical life that gives human beings their true value and dignity—are drawn from a world that I also called at the time an “intuitive world,” a world of spiritual essences. And I already stated in this *Philosophy of Freedom*: True moral impulses are drawn from a spiritual, supersensible world through pure, senseless thinking. I grounded freedom in human life by pointing out that the question is usually posed incorrectly. People ask: Is the human being free or unfree? The human being is just as much free as he is unfree. Unfree with regard to all the ordinary actions of life that are bound to the physical organism, where they are driven by instincts and drives. But human beings develop more and more toward freedom by coming to draw—even in ordinary life, albeit more or less unconsciously—their impulses for ethical and moral life from a spiritual world through pure thinking. And to the extent that a person’s moral impulses come from a spiritual world, to that extent is the person free. Therefore, what a person grasps as moral intuitions becomes the model for what must now be recognized in anthroposophical research as the highest level of knowledge—the intuitive level.
[ 29 ] Man möchte sagen: Am moralischen Leben kann man lernen, wozu es auch das Erkenntnisleben bringen muss. Allerdings, für das moralische Leben ist es uns im gewöhnlichen Bewusstsein gegeben, solche Intuitionen zu haben. Sie sind geborgen in dem, was unser Gewissen uns darbietet. In Bezug auf die Erkenntnis der übersinnlichen Welt, der die Menschenseele mit ihrem übersinnlichen Teil angehört, muss die intuitive Erkenntnis erst gesucht werden, nachdem man durchgegangen [ist] durch imaginative, durch inspirierte Erkenntnis. Die inspirierte Erkenntnis bietet erst das Objektive, das Eintreten in eine fremde Welt. Die intuitive Erkenntnis ist die völlige Hingabe an die objektive geistige Welt. Man lernt die letztere Objektivität nur genügend kennen, wenn man erst zugibt, dass die imaginative Erkenntnis einen nur in das eigene Subjektive des Menschen hineinführt. Und lernt man auf diese Weise eine geistige Welt kennen, dann enthüllt sich auch alles dasjenige, was als sinnliche Welt da ist, in der Form des Geistigen. Das heißt, man bleibt für das Gebiet der Natur vollständig auf dem Boden der Naturwissenschaft stehen. Man redet und phantasiert nicht von allerlei Geistigem, von allerlei nebulosen Wesenhaftigkeiten in der Natur. Man steigt auf durch eine wirkliche Erkenntnis zu demjenigen, was als geistige Wesenheiten erschaut wird, wenn sich die objektiv angesehenen sinnlichen Dinge und Wesenhaftigkeiten vor dem geistigen Blick metamorphosieren in der Art und Weise, wie ich es nur in ein paar Fällen Ihnen heute andeuten kann.
[ 29 ] One might say: Through moral life, one can learn what the life of knowledge must ultimately lead to. However, in our ordinary consciousness, we are already endowed with such intuitions for moral life. They are embedded in what our conscience presents to us. With regard to the knowledge of the supersensible world—to which the human soul, with its supersensible aspect, belongs—intuitive knowledge must first be sought only after one has passed through imaginative and inspired knowledge. Inspired knowledge first offers the objective, the entry into a foreign world. Intuitive knowledge is the complete surrender to the objective spiritual world. One comes to know this latter objectivity sufficiently only when one first acknowledges that imaginative knowledge leads one only into the human being’s own subjective realm. And when one comes to know a spiritual world in this way, then everything that exists as the sensory world also reveals itself in the form of the spiritual. This means that, in the realm of nature, one remains entirely grounded in the natural sciences. One does not speak or fantasize about all manner of spiritual things, about all manner of nebulous essences in nature. Through genuine insight, one ascends to that which is perceived as spiritual beings when the sensually perceived things and essences, viewed objectively, metamorphose before the spiritual gaze in the manner that I can only hint at to you today in a few instances.
[ 30 ] Schen Sie, in der sinnlichen Anschauung und in der gewöhnlichen Wissenschaft ist die Sonne gegeben mit sinnlichen Konturen. Wir sehen sie für das gewöhnliche Bewusstsein so. Sie ist mit sinnlichen Konturen gegeben im Weltenraum. Die gewöhnliche Wissenschaft errechnet ihr Richtiges, nicht Anzufechtendes durch Astronomie, Astrophysik in Bezug auf diese Sonne. Für die geistige Anschauung, die ich Ihnen geschildert habe, verwandelt sich die Sonne. Das heißt, sie bleibt natürlich für die eine Persönlichkeit, die voll erhalten bleibt, so wie sie sie sieht. Sonst würde man zum Halluzinanten und nicht zum Geistesforscher. Aber dasjenige, was so voll erhalten bleibt, zeigt sich zu gleicher Zeit in seiner übersinnlichen Wesenheit. Man lernt erkennen, dass die Sonne nicht nur das Wesen ist, das da räumlich draußen im Weltenraum steht, sondern dass ein Sonnenhaftes, das gewissermaßen nur konsolidiert ist, konzentriert ist in dem physischen Raum der Sonne, den ganzen Weltenraum, der uns zugänglich ist, erfüllt, alle Wesen der Naturreiche durchdringt, auch den Menschen selber durchdringt. Man lernt die geistige, übersinnliche Kraft des Sonnenhaften kennen.
[ 30 ] You see, in sensory perception and in conventional science, the sun is presented with sensory contours. This is how we see it in ordinary consciousness. It is perceived with sensory contours in the cosmos. Conventional science calculates its accurate, indisputable properties through astronomy and astrophysics with regard to this sun. In the spiritual perception I have described to you, the Sun transforms. That is to say, it naturally remains as the individual perceives it, fully preserved. Otherwise, one would become a hallucinationist rather than a spiritual researcher. But that which remains so fully preserved reveals itself at the same time in its supersensible essence. One comes to recognize that the Sun is not merely the entity that stands out there in outer space, but that a solar quality—which is, so to speak, merely consolidated and concentrated within the physical space of the Sun—fills the entire universe accessible to us, permeates all beings of the natural kingdoms, and permeates human beings themselves as well. One comes to know the spiritual, supersensible power of the solar essence.
[ 31 ] Und so wie man kennenlernt im gewöhnlichen Bewusstsein, dass da die äußeren Tatsachen im Inneren des Menschen weiterleben als Empfindungen, als Gedanken, als Auslöser von Willensimpulsen, so lernt man erkennen, dass im Tieferen der menschlichen Natur das äußere geistig-übersinnlich Sonnenhafte seine Fortsetzung findet. Man lernt das Sonnenhafte in der eigenen menschlichen Natur kennen. Man möchte sagen: Alles verwandelt sich von einem sinnlich, scharf Konturierten in ein Werden, in ein fortdauerndes Leben. Und die eigenen inneren Organe des Menschen, sie metamorphosieren sich vor dem übersinnlichen Blick so, dass sie im Werden erscheinen. Während Herz, Lunge, Gehirn, die anderen menschlichen Organe, für den gewöhnlichen sinnlichen Blick scharf abgeschlossen sind, gewissermaßen Dinge darstellen, geschieht es für den übersinnlichen Blick, dass wir nur reden können von einem Herzprozess, einem Magenprozess, einem Gehirnprozess, einem Lungenprozess. Alles geht ins Leben über, wird lebendig. Und indem das Sonnenhafte sich ergießt in dieses Leben, nehmen wir wahr, eben auf einer höheren Stufe, alles dasjenige, was aufsteigendes Leben ist, was zusammenhängt mit demjenigen, was uns jung macht und jung erhält, was wachsende, sprießende, sprossende Kräfte im Menschen sind, aber auch die sprießenden, sprossenden Kräfte draußen in den Reichen der Natur, im Pflanzenreich, im Tierreich und auch im Mineralreich. Man lernt jetzt geistig-seelisch durchschauen die Reiche der Natur und das eigene menschliche Innere. Das Eigentümliche ist, dass einem sonst der Mensch als Ganzes gegenübersteht; seine einzelnen Organe sind einzelne Teile. Jetzt lernt man erkennen, wie die einzelnen Organe den verschiedenen Gebieten, den verschiedenen Wirkungskräften des Kosmos zugeteilt sind. Man lernt zum Beispiel erkennen, wie die Gehirnkräfte zugeteilt sind den Sonnenkräften zunächst, indem sie in aufsteigender Entwicklung sind in der ersten Lebenshälfte, wie andere Organe, namentlich das Herz, den Sonnenkräften zugeteilt sind.
[ 31 ] And just as one comes to realize in ordinary consciousness that external facts continue to live within the human being as sensations, as thoughts, and as triggers of impulses of will, so one learns to recognize that, in the depths of human nature, the external, spiritual-supersensible, sun-like quality finds its continuation. One comes to know the solar aspect within one’s own human nature. One is tempted to say: Everything is transformed from something sensually and sharply defined into a process of becoming, into a continuous life. And a person’s own inner organs undergo a metamorphosis before the supersensible gaze in such a way that they appear as a process of becoming. While the heart, lungs, brain, and other human organs appear sharply defined to the ordinary sensory gaze—as objects, so to speak—to the supersensible gaze we can speak only of a heart process, a stomach process, a brain process, and a lung process. Everything passes into life; it becomes alive. And as the solar force pours into this life, we perceive—on a higher level—all that which is ascending life, all that which is connected to what makes us young and keeps us young, all that which are the growing, sprouting, and budding forces within the human being, but also the sprouting and budding forces out there in the realms of nature—in the plant kingdom, the animal kingdom, and also the mineral kingdom. One now learns to perceive the realms of nature and one’s own inner being spiritually and psychologically. What is remarkable is that, otherwise, one faces the human being as a whole; its individual organs are separate parts. Now one learns to recognize how the individual organs are assigned to the various realms, to the various active forces of the cosmos. For example, one learns to recognize how the powers of the brain are assigned first and foremost to the solar forces—since they are in a state of ascending development during the first half of life—just as other organs, notably the heart, are assigned to the solar forces.
[ 32 ] Aber man lernt ebenso, wie man das Sonnenhafte nach der einen Seite hin kennenlernt, das Mondenhafte zum Beispiel nach der anderen Seite hin kennen. Wiederum ist der Mond nur sinnlich geschaut der festumgrenzte Weltenkörper. Es durchströmen den ganzen Weltenraum, alle äußeren Reiche der Natur und den Menschen selber ein Mondhaftes. Das schließt in sich alle Kräfte des Abnehmens, alle Kräfte der rückschreitenden Entwicklung, alle Kräfte, durch die wir altern, durch die unsere Organe sich abdämpfen, sich ertöten, irgendwie in absteigende Entwicklung übergehen. Man lernt jetzt von einer neuen Seite kennen dieses Getriebe des menschlichen Organismus und das äußere Getriebe der Natur, indem man zusammenschauen kann das Sonnenhafte und das Mondenhafte.
[ 32 ] But just as one comes to know the solar aspect on one side, one also comes to know the lunar aspect, for example, on the other side. Again, when viewed solely through the senses, the moon is merely a clearly defined celestial body. A lunar quality permeates the entire cosmos, all the outer realms of nature, and human beings themselves. This encompasses within itself all the forces of decline, all the forces of regressive development, all the forces through which we age, through which our organs weaken, wither away, and in some way undergo a downward course of development. One now comes to understand this inner workings of the human organism and the outer workings of nature from a new perspective by being able to view the solar and the lunar aspects together.
[ 33 ] Und ebenso lernt man in Bezug auf andere Weltenkörper, überhaupt in Bezug auf den Kosmos, das Kraftende, das Erhaltende, das Prozess-Erhaltende, das Werdende kennen. Man lernt es erkennen in seinem Fortwirken im Menscheninneren, in seinem Wirken draußen in der Natur. Dadurch betritt man aber ein Gebiet, wo gezeigt werden kann, wie Anthroposophie durchaus befruchtend sein kann für andere Wissenschaften, zu denen sie nicht in Opposition steht, die sie gerade weiterbilden möchte, indem sie voll anerkennt, was sie selbst erreichen können, wie Geisteswissenschaft befruchtend wirken kann auf anderen Gebieten des Lebens.
[ 33 ] And in the same way, one comes to know—with regard to other celestial bodies, and indeed with regard to the cosmos as a whole—the forces that act, that sustain, that maintain processes, and that bring about becoming. One learns to recognize these forces in their continuing influence within the human being and in their effects out in nature. In doing so, however, one enters a realm where it can be demonstrated how anthroposophy can be thoroughly enriching for other sciences—sciences with which it is not in opposition, but which it seeks to further develop by fully acknowledging what they themselves can achieve, and how spiritual science can have a enriching effect on other areas of life.
[ 34 ] Dadurch, dass man in dieser Weise durchschauen lernt das Werden, das Prozesshafte des menschlichen inneren Organismus, lernt man erkennen in einer intimeren Weise das Gesundsein des Menschen, das Kranksein des Menschen. Man lernt den Abbau mancher organischer Prozesse kennen, wie er in Krankheitsprozessen auftritt. Man lernt auch erkennen, wie man durch entgegengesetzte Prozesse zur Gesundung beitragen kann. Man lernt vor allen Dingen den Zusammenhang der äußeren Natur mit dem menschlichen Inneren kennen. Man lernt zum Beispiel erkennen, wie gewisse abbauende, zerstörerische Kräfte des einen oder anderen Organs ausgeglichen werden können durch die sonnenhaften, aufbauenden Kräfte, sagen wir, im Pflanzen- oder Mineralreich. Man lernt die Heilkräfte aus einer solchen Verfolgung des Übersinnlichen in der Natur kennen und im Menschen. Und es kann dasjenige aus der Anthroposophie hervorgehen, was nun wirklich gerade gegenüber der Medizin schon hervorgegangen ist.
[ 34 ] By learning to perceive in this way the development and the processual nature of the human inner organism, one comes to understand in a more intimate way what it means for a person to be healthy and what it means for a person to be ill. One comes to understand the breakdown of certain organic processes as it occurs in the course of disease. One also learns to recognize how one can contribute to healing through opposing processes. Above all, one comes to understand the connection between the external natural world and the human inner being. One learns, for example, to recognize how certain degenerative, destructive forces in one organ or another can be balanced by the sun-like, constructive forces found, say, in the plant or mineral kingdoms. Through such an exploration of the supersensible in nature and in human beings, one comes to know the healing forces. And from anthroposophy can emerge precisely what has already emerged in relation to medicine.
[ 35 ] Ärzte haben die Anregungen aufgenommen, welche in dieser Art von anthroposophischer Forschung ausgehen können, und in Dornach bei Basel sowie in Stuttgart sind begründet worden medizinischtherapeutische Institute, welche eben daran sind, durchaus in exakter Weise diejenigen Heilmittel und Heilmethoden auszubilden, welche sich ergeben aus den Anregungen der Anthroposophie heraus. Damit ist ein Beispiel genannt für die Befruchtung, welche anthroposophische Forschung für die einzelnen Wissenschaften und praktischen Lebensgebiete liefern soll. Dasjenige, was sonst nur empirisch ausprobiert werden kann, wovon man nach dem Ausprobieren erst sagen kann, wie es wirkt in dieser oder jener Richtung im menschlichen Organismus, das wird durchschaut, weil der Naturprozess nach dem Sonnenhaften und Mondenhaften und nach den anderen kosmischen Prozessen, und der innere menschliche Naturprozess und Seelenprozess und Geistesprozess durchschaut werden kann. Es kann eine rationelle Medizin, eine Medizin des inneren Durchschauens der pathologischen und der Heilprozesse an die Stelle der bloßen Probiermedizin gesetzt werden. Ebenso wird in Stuttgart errichtet ein physikalisches, ein biologisches Institut. Nur das will ich erwähnen. Die einzelnen Wissenschaften können durchaus von Anthroposophie befruchtet werden.
[ 35 ] Physicians have taken up the insights that can arise from this type of anthroposophical research, and medical-therapeutic institutes have been established in Dornach near Basel and in Stuttgart, which are currently working to develop, in a thoroughly scientific manner, the remedies and therapeutic methods that arise from the insights of anthroposophy. This is an example of the enrichment that anthroposophical research is intended to provide for the individual sciences and practical areas of life. What can otherwise only be tested empirically—and about which one can only say, after testing, how it affects the human organism in one direction or another—is now understood, because the natural processes related to the solar and lunar forces and other cosmic processes, as well as the inner human natural processes, soul processes, and spiritual processes, can be understood. A rational medicine—a medicine based on an inner understanding of pathological and healing processes—can replace mere trial-and-error medicine. Likewise, a physical and a biological institute are being established in Stuttgart. That is all I wish to mention. The individual sciences can certainly be enriched by anthroposophy.
[ 36 ] Aber dasjenige, was Anthroposophie auf diese Art liefert, indem sie den Menschen hinweist auf sein eigenes Unsterbliches im Zusammenhang mit dem geistig-werdenden Übersinnlichen des Weltenalls, so kann auch noch in anderer Weise befruchtend auf das Leben gewirkt werden. Das sollte gezeigt werden an einem besonderen Beispiel, an dem Dornacher Bau, dem Goetheanum, der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach bei Basel. Anthroposophie wird ja jetzt schon durch lange Zeit getrieben, und es trat der Zeitpunkt ein, in dem eine Anzahl von Freunden der Anthroposophie die Veranlassung dazu gaben, dass dieser Anthroposophie ein eigenes Heim gebaut werde. Die Verhältnisse, die ich hier nicht zu schildern habe, brachten dieses Heim der Anthroposophie, dieses Goetheanum, in die Nähe von Basel.
[ 36 ] But what anthroposophy offers in this way—by pointing people toward their own immortality in connection with the supersensible realm of the universe as it becomes spiritual—can also have a stimulating effect on life in other ways. This can be illustrated by a specific example: the building in Dornach, the Goetheanum, the School of Spiritual Science in Dornach near Basel. Anthroposophy has, after all, been practiced for a long time now, and the time came when a number of friends of anthroposophy took the initiative to have a home built specifically for anthroposophy. Circumstances—which I need not describe here—brought this home of anthroposophy, the Goetheanum, to the vicinity of Basel.
[ 37 ] Hätte man auf irgendeinem anderen Gebiet einer geistigen Strömung gegenüber die Notwendigkeit gefühlt, ihr ein eigenes Heim zu bauen, so wäre man eben in Verbindung getreten mit diesem oder jenem Baumeister. Da wäre vielleicht ein romanischer oder ein gotischer oder ein Renaissancebau entstanden oder dergleichen. Das konnte Anthroposophie nicht. Man mag dasjenige, was entstanden ist, nach seiner künstlerischen Seite noch so sehr anfechten — das, was manche behaupten, ist es ja jedenfalls nicht. Aber wenn man gerade von dem durchdrungen ist, was Anthroposophie als Gesinnung der Seele geben kann, dann ist man selbst ein strengster Kritiker und schildert das, was man zu schildern hat, zunächst nur als Anfang. Von diesem Gesichtspunkte aus sei denn auch das Goetheanum geschildert. Es konnte sich bei der Anthroposophie, weil sie nicht nach einer Einseitigkeit hinstrebt, sondern weil sie aus dem ganzen, dem vollen Menschentum herausquillt, und wiederum den ganzen, vollen Menschen in die Welt stellen will, nicht darum handeln, einen beliebig stilisierten Bau als Heim aufzuführen.
[ 37 ] If, in any other field, one had felt the need to build a home for a spiritual movement, one would simply have contacted this or that architect. Perhaps a Romanesque, Gothic, or Renaissance building—or something of that sort—would have been constructed. Anthroposophy could not do that. One may criticize what has been created from an artistic standpoint as much as one likes—it is certainly not what some claim it to be. But when one is truly imbued with what anthroposophy can offer as a disposition of the soul, then one is oneself the strictest critic and describes what one has to describe, at first, only as a beginning. From this perspective, let the Goetheanum also be described. Since anthroposophy does not strive toward one-sidedness but rather springs from the whole, full humanity and, in turn, seeks to place the whole, full human being into the world, it could not be a matter of erecting an arbitrarily stylized building as a home.
[ 38 ] Ich möchte einen trivialen Vergleich gebrauchen: So wie die Nussschale in ihren einzelnen Formen nach genau denselben Gesetzen aufgebaut ist wie der Nusskern — wie Sie sehen, [wirken] in der Nussschale dieselben Kräfte in ihrer Lage, in der gegenseitigen Beziehung, wie im Nusskern drinnen selber —, so muss, wenn Anthroposophie nicht als eine Theorie, nicht als eine Summe von grauen Ideen, sondern als in Ideen auftretendes wirkliches Leben aufgefasst werden soll, dasjenige, was als ihre Umrahmung auftritt, gewissermaßen als ihre bauliche Schale, genau aus demselben Geiste heraus sein, aus dem auch die Ideen geholt sind, in denen das übersinnliche Leben dargestellt wird. Daher musste alles das, was in Dornach architektonisch, malerisch, plastisch oder sonst künstlerisch aufgeführt wurde, aus demselben Geiste heraus sein, aus dem dasjenige ist, was auf dem Podium als Wort gesprochen wird. Nicht anders als der Kern der Nuss zur Schale kann sich dieses in Ideen, in Gedankenformen Auftretende verhalten zu demjenigen, was aus den Formen spricht, die nicht stroherne Allegorien oder Symbole sind; da ist alles ins wirklich Künstlerische ausgeflossen. Und dennoch darf man, wenn das Ganze auch nur ein Anfang ist, mit einer gewissen Sicherheit sich doch auf Goethe berufen und namentlich auf Goethes Kunstanschauung. Man braucht nur zu denken daran, wie Goethe es ausgesprochen hat: Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis enthüllt, der empfindet eine tiefe Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst. — In einem anderen Spruch sagt Goethe aus derselben Gesinnung heraus: Die Kunst ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie niemals offenbar würden.
[ 38 ] I would like to use a trivial comparison: Just as the nut shell, in its various forms, is structured according to exactly the same laws as the nut kernel—as you can see, the same forces are at work in the nut shell, in their arrangement and mutual relationship, as they are within the nut kernel itself— so, if anthroposophy is to be understood not as a theory, not as a collection of abstract ideas, but as real life manifesting itself in ideas, then that which serves as its framework—its structural shell, so to speak—must spring from precisely the same spirit from which the ideas are drawn that represent the supersensible life. Therefore, everything that was created in Dornach—whether in architecture, painting, sculpture, or any other artistic form—had to spring from the same spirit as that which is spoken as words on the podium. Just as the kernel of a nut relates to its shell, so too must that which appears in ideas and thought-forms relate to that which speaks through forms that are not mere straw-like allegories or symbols; there, everything has flowed into true artistry. And yet, even if the whole is only a beginning, one may still, with a certain degree of confidence, refer to Goethe—and specifically to Goethe’s view of art. One need only recall how Goethe put it: “To whom nature reveals her manifest secret, there arises a deep longing for her most worthy interpreter, art.” — In another saying, Goethe expresses the same sentiment: “Art is a manifestation of secret laws of nature that would never be revealed without it.”
[ 39 ] Indem Anthroposophie in der charakterisierten Art wirklich eindringen will in die tiefsten Naturgesetze, in die Gesetze der übersinnlich-geistigen Welt, fühlt sie sich auch inspiriert für das Künstlerische, und weiß das Lebendige, nicht etwa das Symbolische, dem Stoffe einzuverleiben. Sie bekommt gerade das richtige Materialempfinden, um nicht in irgendeinem künstlerischen, symbolisierenden Wolkenkuckucksheim sich wohlzufühlen, sondern im eminentesten Sinne dasjenige, was ihr geistiges Leben ist, durch die Kunstform sich offenbaren zu lassen. So kann, ohne dass dabei etwas Didaktisches auftritt, dasjenige, was über alle Theorie hinausgeht in die Erkenntnis des Übersinnlichen, zugleich befruchtend für das künstlerische Gebiet werden.
[ 39 ] Because anthroposophy seeks, in the manner described, to truly penetrate the deepest laws of nature—the laws of the supersensible-spiritual world—it also feels inspired by the artistic and knows how to infuse the material with vitality, rather than mere symbolism. It develops just the right sense of materiality so that it does not feel at home in some artistic, symbolic cloud-cuckoo-land, but rather, in the most eminent sense, allows that which is its spiritual life to reveal itself through the artistic form. In this way, without any didacticism, that which transcends all theory—the knowledge of the supersensible—can simultaneously become a source of inspiration for the artistic realm.
[ 40 ] Nur einzelne Beispiele kann ich anführen von dieser praktischen Auswirkung der Anthroposophie. Als Drittes möchte ich anführen die Freie Waldorfschule in Stuttgart, die ja auch eine gewisse Nachfolge sogar hier schon gefunden hat. Diese Freie Waldorfschule ist begründet worden von Emil Molt; sie wird von mir geleitet. Sie wird so geleitet, dass nicht etwa da irgendwie in eine Opposition getreten werden soll zu den großen Errungenschaften der Pädagogik und Didaktik des neunzehnten und des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts. Eingedenk ist man der großen pädagogischen Maximen, die da sind. Allein gerade dasjenige, was heute oftmals auf dem Gebiete des Erziehungswesens als Sehnsucht nach Reformen auftritt, zeigt, dass etwas notwendig ist, um die gutgemeinten Maximen der großen Pädagogen im Einzelnen praktisch auszuführen. Nicht neue theoretische Maximen an die Stelle der alten will auf diesem Gebiet Anthroposophie setzen, sondern der praktischen Ausführung will sie dienen. Daher ist die Freie Waldorfschule in Stuttgart durchaus eine Schule, wo nicht etwa Anthroposophie in die Kinder hineingepfropft werden soll, das liegt uns ganz fern. Wir haben deshalb ruhig den katholischen Religionsunterricht dem katholischen Seelsorger, den evangelischen Religionsunterricht dem evangelischen Seelsorger übertragen. Nur für diejenigen Kinder, die Dissidentenkinder sein würden sonst, haben wir durch einen freien Religionsunterricht gesorgt. Dasjenige, was Weltanschauung auf einem religiösen Gebiete ist, das ist nicht dasjenige wodurch die Waldorfschule ihren spezifischen Charakter bekommt. Dasjenige, wodurch sie wirken will, ist, dass anthroposophische Erkenntnis den Menschen erkennen lehrt nach Leib, Seele und Geist, erkennen lehrt schon im Kinde; dass man aus Menschenkenntnis heraus für jedes Schuljahr, für jeden Monat, für jede Woche den Lehrplan aus dem Kinde ablesen kann; dass man aus wahrer Menschenkenntnis heraus wirklich die pädagogische Kunst und die didaktische Kunst, die Erziehungs- und Unterrichtskunst begründen kann. In das Handhaben der Erziehung und des Unterrichts, in das «Wie», wie man die Sache ausführt, soll hineinwirken dasjenige, was Anthroposophie geben kann. Und wenn man dieser Anthroposophie nicht eben noch so antipathisch gegenüberstünde, rein aus Missverständnis, wie man das tut, so würden ja solche Dinge, wie sie zum Beispiel in diesem Sommer aufgetreten sind während des anthroposophischen Kongresses in Stuttgart, weit mehr berücksichtigt werden.
[ 40 ] I can cite only a few examples of this practical impact of anthroposophy. Third, I would like to mention the Free Waldorf School in Stuttgart, which has already found a certain following even here. This Free Waldorf School was founded by Emil Molt; I serve as its director. It is led in such a way that it does not seek to oppose the great achievements of pedagogy and didactics of the nineteenth and early twentieth centuries. We are mindful of the great pedagogical principles that exist. However, precisely what often appears today in the field of education as a yearning for reform shows that something is needed to put the well-intentioned principles of the great educators into practice in specific ways. Anthroposophy does not seek to replace the old theoretical principles with new ones in this field, but rather to serve their practical implementation. For this reason, the Free Waldorf School in Stuttgart is by no means a school where anthroposophy is to be forced upon the children—that is the furthest thing from our minds. We have therefore confidently entrusted Catholic religious instruction to the Catholic chaplain and Protestant religious instruction to the Protestant chaplain. Only for those children who would otherwise be considered “dissidents” have we provided independent religious instruction. What constitutes a worldview in the religious sphere is not what gives the Waldorf School its specific character. What it seeks to achieve is that anthroposophical insight teaches us to recognize the human being in body, soul, and spirit—and to recognize this even in the child; that, based on an understanding of human nature, one can derive the curriculum for each school year, each month, and each week directly from the child; that, based on a true understanding of human nature, one can truly establish the art of pedagogy and the art of didactics—the art of education and instruction. What anthroposophy has to offer should influence the practice of education and teaching—the “how,” or the way in which these tasks are carried out. And if people were not so hostile toward this anthroposophy—purely out of misunderstanding, as is the case—then events such as those that occurred this summer during the anthroposophical congress in Stuttgart would be given far greater consideration.
[ 41 ] Da hat zum Beispiel eine Lehrkraft dieser Waldorfschule gezeigt, wie einseitig alles dasjenige ist, was gerade in neuerer Zeit an experimentierender Pädagogik und experimentierender Psychologie für den Unterricht fruchtbar gemacht werden soll. Auch dagegen lehnt sich Anthroposophie nicht auf, was in dieser Weise experimentierend auftritt, aber sie kann zeigen, dass dasjenige, was man so äußerlich am Menschenkinde lernt, erst in der richtigen Weise fruchtbar werden kann, wenn man auch durch innere Anschauung in die Seele hineinkommt; wenn dem Unterricht zugrunde gelegt werden nicht bloß experimentelle Ergebnisse über das Gedächtnis, die Entwicklung der Verstandes- und Willenskräfte, über Ermüdung und so weiter, die man äußerlich gewonnen hat, bei denen man der Menschenseele fernstehen kann. Sondern, was man auf diese selbst gewinnen kann, wird erst fruchtbar, wenn man auch die Möglichkeit erlangt, intim in die Menschenseele hineinzuschauen, in diese wunderbare, rätselhafte Menschenseele, die sich vom ersten kindlichen Tage an entwickelt, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat. Hat man dafür das rechte Erkenntnisgefühl, dann ist man erst imstande, zu erziehen. Und Anthroposophie kann, weil sie nicht bloß auf das Äußere geht, sondern den ganzen, den vollen Menschen nach Leib, Seele und Geist erkennen lernt, eine solche höhere, durchseelte, durchgeistigte Erziehungskunst schaffen.
[ 41 ] For example, a teacher at this Waldorf school has shown just how one-sided all those recent developments in experimental pedagogy and experimental psychology are that are currently being applied to classroom instruction. Anthroposophy does not oppose such experimental approaches, but it can show that what is learned in this external way about the human child can only bear fruit in the right way if one also enters into the soul through inner contemplation; when teaching is based not merely on experimental findings regarding memory, the development of the powers of intellect and will, fatigue, and so on—findings that have been obtained externally and through which one may remain distant from the human soul. Rather, what one can gain through this process itself only bears fruit when one also attains the ability to look intimately into the human soul—into this wondrous, enigmatic human soul that develops from the very first days of childhood, week by week, month by month. Only when one possesses the right sense of insight for this is one truly capable of educating. And because anthroposophy does not focus merely on the external, but learns to recognize the whole, complete human being—body, soul, and spirit—it can create such a higher, soul-infused, spirit-infused art of education.
[ 42 ] Erziehungskunst ist dasjenige, was Anthroposophie an der Waldorfschule ausüben will. Nicht irgendeine Weltanschauung wird dabei den Kindern aufgepfropft. Nun hat eine Lehrkraft der Waldorfschule gerade in einer intimen Weise besprochen — der Vortrag ist jetzt auch als Broschüre erschienen — die Bedeutung der Experimentalpsychologie und dasjenige, was sie werden könnte durch Vertiefung. Dr. von Heydebrand hat damit etwas außerordentlich Bedeutungsvolles, meiner Überzeugung nach, dargestellt mit Bezug auf die Würdigung einer einseitigen Entwicklungsströmung in der gegenwärtigen Zeit. Es wäre das zweifellos in pädagogischen Kreisen viel mehr besprochen worden, wenn es nicht just auf dem vielen, so antipathischen Boden der Anthroposophie erwachsen wäre.
[ 42 ] The art of education is what anthroposophy seeks to practice at the Waldorf School. It is not a matter of imposing just any worldview on the children. Now, a Waldorf school teacher has discussed—in a particularly intimate manner—the significance of experimental psychology and what it could become through further development; this lecture has now also been published as a brochure. In my view, Dr. von Heydebrand has thereby presented something extraordinarily significant with regard to the appreciation of a one-sided trend in development in the present day. It would undoubtedly have been discussed much more widely in educational circles had it not arisen precisely on the ground of anthroposophy, which is so widely disliked.
[ 43 ] Und auch auf das äußere soziale Leben kann Anthroposophie in lebendiger Weise einwirken. Auch dafür ein Beispiel, wenn es auch nur ein schwacher Anfang ist. Emil Leinhas hat ebenfalls auf dem Stuttgarter anthroposophischen Kongress einen Vortrag gehalten — der ebenfalls jetzt schon gedruckt ist — und darin in geistvoller Weise eine Kritik gegeben der gegenwärtigen Nationalökonomie. Der Titel heißt «Der Bankrott der Nationalökonomie». Emil Leinhas zeigt, wie diese Nationalökonomie unfruchtbar bleiben muss für das wirkliche soziale Leben, wenn nicht dasjenige, was nur nach dem Muster äußeren, naturwissenschaftlichen Denkens aufgefasst wird, durch die Erkenntnis der namentlich im Menschenleben wirkenden geistigen, übersinnlichen Kräfte ergänzt wird.
[ 43 ] Anthroposophy can also have a vibrant impact on external social life. Here, too, is an example, even if it is only a tentative beginning. Emil Leinhas also gave a lecture at the Stuttgart Anthroposophical Congress—which has likewise already been published—and in it offered a witty critique of contemporary political economy. The title is “The Bankruptcy of National Economics.” Emil Leinhas shows how this national economics must remain fruitless for real social life unless that which is conceived solely according to the model of external, scientific thinking is supplemented by an understanding of the spiritual, supersensible forces at work, particularly in human life.
[ 44 ] Wir sehen ja gerade auf sozialem Gebiet das Verheerende einer Denkweise, die das einseitig Naturwissenschaftliche auch in das soziale Leben hineintragen möchte. Sehen wir auf die furchtbaren Verheerungen, die immer größer und größer werden, die endlich eine Bedrohung für ganz Europa, ja, für das ganze zivilisierte Abendland bilden. Sehen wir auf dasjenige, was im Osten Europas in sozialer Beziehung geschieht, und werden wir uns bewusst, dass die inneren Gründe für das Auftauchen dieser zerstörenden Kräfte dennoch die sind, dass man das soziale Leben nicht zu durchdringen wusste mit demjenigen, was aus einem geistschauenden Bewusstsein hervorgeht. Wenn man die Menschen nur so betrachtet, wie es die Wirtschaftslehrer des neunzehnten und des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts getan haben, unbefruchtet von einer geistschauenden Erkenntnis, dann müssen zuletzt jene zerstörerischen sozialen Kräfte auftauchen, wie sie im Osten Europas aufgetaucht sind und eben zu einer Bedrohung der ganzen gebildeten Welt in einem viel höheren Sinne werden müssen, wenn nicht ein geistiges Element in unsere soziale Ordnung einzieht.
[ 44 ] It is precisely in the social sphere that we see the devastating effects of a way of thinking that seeks to impose a one-sided, scientific approach on social life as well. Let us look at the terrible devastation, which is growing ever greater and greater, and which ultimately poses a threat to all of Europe—indeed, to the entire civilized Western world. Let us look at what is happening in Eastern Europe in social terms, and let us realize that the underlying reasons for the emergence of these destructive forces are, after all, that people have failed to imbue social life with that which springs from a spiritually perceptive consciousness. If one views human beings solely as the economists of the nineteenth and early twentieth centuries did—devoid of spiritual insight—then ultimately those destructive social forces must emerge, just as they have in Eastern Europe, and they are bound to become a threat to the entire civilized world in a much broader sense unless a spiritual element is incorporated into our social order.
[ 45 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, damit habe ich nur auf einige Gebiete hingewiesen, in welchen Anthroposophie befruchtend werden kann, auf wissenschaftlichen und auf den anderen Gebieten des praktischen Lebens. Nur zum Schlusse möchte ich andeuten dasjenige, was jetzt zuletzt genannt werden muss, obwohl es nicht das Letzte ist: Indem anthroposophische Erkenntnis zum wirklichen Anschauen des Ewigen in der Menschenseele führt, indem sie zum wirklichen Erkennen desjenigen führt, was über Geburt und Tod hinausliegt, zum Ungeborenen, zum Unsterblichen im menschlichen Inneren, indem sie in diejenigen Welten führt, in denen die Menschenseele lebt, wenn sie keinen äußeren physischen Leib trägt, indem sie diese beiden Welten kennenlernt, lernt sie auch kennen das, was in der Menschennatur noch ist, tiefer als die physische Menschennatur, umfassender noch, intensiver noch als dasjenige, was die Seele erlebt, wenn sie in der geistigen Welt vor der Geburt oder nach dem Tode ist. Dasjenige, was in der Menschenseele gefunden wird, das erschöpft sich nicht in der Anschauung der natürlichen, der übersinnlichen Welt.
[ 45 ] Well—my esteemed audience—I have thus highlighted only a few areas in which anthroposophy can have a fruitful impact, both in the scientific realm and in other areas of practical life. In closing, I would like to hint at what must now be mentioned last, even though it is not the last thing: Since anthroposophical knowledge leads to a true contemplation of the eternal in the human soul, since it leads to a true recognition of that which lies beyond birth and death—the unborn, the immortal within the human being— by leading into those worlds in which the human soul lives when it does not bear an outer physical body—by becoming acquainted with these two worlds—it also comes to know that which still exists within human nature, deeper than physical human nature, even more comprehensive, even more intense than what the soul experiences when it is in the spiritual world before birth or after death. What is found within the human soul is not limited to the perception of the natural or the supersensible world.
[ 46 ] Nachdem man die beiden Welten kennengelernt hat, die natürlich nur scheinbar zwei Welten sind, die in Wahrheit nach dem ganzen Sinn der Darstellung ineinanderwirken, sodass man nicht vom Dualismus gegenüber einem Monismus sprechen kann in der Anthroposophie; lernt man am menschlichen Inneren etwas erkennen, was als Zusammenfassung sich offenbart dieser zwei Welten, das ist der innerste, menschliche, ewige Wesenskern, der durch wiederholte Erdenleben hindurchgeht, sodass sich das menschliche Leben zusammensetzt aus solchen Stücken, die zwischen Geburt und Tod und zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegen. Und indem man erkennen lernt den äußeren Kosmos seiner geistigen Bedeutung nach, lernt man auch in anderer Weise erkennend hinzuschauen zu Zeiten, in denen der Mensch noch verwandter war dem äußeren kosmischen Dasein. Da gab es noch keine wiederholten Erdenleben. Und einstmals, wenn der Mensch wiederum einen innigeren Zusammenschluss mit dem Kosmos gefunden haben wird, werden auch die wiederholten Erdenleben aufhören. Aber für eine lange Zeitdauer haben wir zu beobachten durch dieselben Kräfte, die ich geschildert habe, dasjenige, was man nennen kann die Anschauung der wiederholten Erdenleben. Dadurch wird man geführt in erkenntnismäßiger Weise zur geistigen Welt.
[ 46 ] Once one has become acquainted with these two worlds—which, of course, are only seemingly two worlds, but which, in truth, according to the entire meaning of this exposition, interact with one another, so that one cannot speak of dualism as opposed to monism in anthroposophy— one comes to recognize within the human being something that reveals itself as a synthesis of these two worlds—namely, the innermost, human, eternal core of being that passes through repeated earthly lives, so that human life is composed of such segments that lie between birth and death and between death and a new birth. And as one learns to perceive the outer cosmos in terms of its spiritual significance, one also learns to look with insight in a different way at times when human beings were still more closely connected to outer cosmic existence. At that time, there were no repeated earthly lives. And one day, when human beings have once again found a deeper union with the cosmos, repeated earthly lives will also cease. But for a long time to come, through the very forces I have described, we must observe what might be called the vision of repeated earthly lives. Through this, we are guided in a way that leads to knowledge of the spiritual world.
[ 47 ] Das menschliche Fühlen und Empfinden wird, wie ich schon angedeutet habe, von der Ausbildung der Gedanken- und Willenskräfte mitgenommen. Dieses menschliche Fühlen, insofern es sich in der religiösen Frömmigkeit auslebt und ausleben will, es kann nur eine Vertiefung erfahren dadurch, dass vor die menschliche Seele auch erkenntnismäßig hingestellt wird dasjenige, was ewig in der Seele, was geistig-übersinnlich im Kosmos ist. Anthroposophie will ganz gewiss nicht irgendeine sektiererische Bewegung in der Welt begründen. Sie will nicht eine neue Religion stiften. Nehmen Sie den ganzen Sinn desjenigen, was ich versuchte heute auseinanderzusetzen, es ist etwas, was wissenschaftlich streben will, was allerdings durch seine besondere Art des wissenschaftlichen Strebens niemals zu einer bloßen Spezialität werden kann, weil es jeden Menschen angeht. Daher kann man nicht sagen: Anthroposophie ist etwas wie Botanik oder Zoologie oder Geometrie, die in ihren höheren Partien nur von einzelnen Spezialisten erkannt werden können. Anthroposophie ist etwas, was jeden Menschen angeht. Und die Geistesentwicklung wird es schon mit sich bringen, dass es immer mehr und mehr Menschen angehen wird. Und jeder Mensch kann durch dasjenige, was in ihm selber nach Leib, Seele und Geist ist, wenn er nur unbefangen ist, dasjenige verstehen und entgegennehmen, was Anthroposophie, allerdings als Ergebnis mühseliger Forschungswege, hinzustellen hat vor die Welt. Dadurch aber, dass als Forschungsergebnis die übersinnliche Welt auftritt, wird das religiöse Leben dem Menschen wahrhaftig nicht genommen, sondern vertieft. Religionen hätten alle Ursache, zur Anthroposophie als zu etwas hinzuschauen, was ihnen eine Hilfsleistung bieten kann, was gerade den Menschen dasjenige geben kann, was sie brauchen, um wiederum zur religiösen Frömmigkeit zu kommen, nachdem das sonstige Leben von dieser religiösen Frömmigkeit viel weggenommen hat, insbesondere das moderne Geistesleben. Es ist daher ein völliges Missverständnis, wenn man glaubt, dass wahre, echte, religiöse Frömmigkeit, wahres, echtes religiöses Erleben irgendwie gefährdet werden könnte durch Anthroposophie. So ist auch dieses Gebiet ein solches, wo Anthroposophie durchaus befruchtend wirken kann.
[ 47 ] Human feelings and sensibilities, as I have already indicated, are shaped by the development of the powers of thought and will. This human feeling, insofar as it finds expression in religious devotion and seeks to do so, can only be deepened by presenting to the human soul—also in a cognitive sense—that which is eternal in the soul and that which is spiritual and supersensible in the cosmos. Anthroposophy certainly does not seek to establish any kind of sectarian movement in the world. It does not seek to found a new religion. Consider the full meaning of what I have attempted to explain today: it is a scientific endeavor that, due to its particular nature, can never become a mere specialty, because it concerns every human being. Therefore, one cannot say: Anthroposophy is something like botany or zoology or geometry, whose higher aspects can be understood only by individual specialists. Anthroposophy is something that concerns every human being. And spiritual development will naturally ensure that it will concern more and more people. And every human being, through what lies within them—body, soul, and spirit—can, provided they are open-minded, understand and receive what anthroposophy, albeit as the result of arduous research, has to offer the world. Yet the fact that the supersensible world emerges as a result of this research does not truly take away from a person’s religious life; rather, it deepens it. Religions have every reason to view anthroposophy as something that can offer them support—something that can give people precisely what they need to return to religious devotion, after other aspects of life, particularly modern intellectual life, have taken much away from that devotion. It is therefore a complete misunderstanding to believe that true, genuine religious devotion—true, genuine religious experience—could in any way be endangered by anthroposophy. Thus, this is also an area where anthroposophy can have a thoroughly enriching effect.
[ 48 ] Derjenige, der durchschaut, auf was es eigentlich ankommt, der wird sich vielleicht sagen, dass gerade Anthroposophie demjenigen entgegenkommt, wonach die tiefsten menschlichen Sehnsuchten der regeren Gemüter des modernen Menschentums hingehen.
[ 48 ] Those who see through to what really matters may tell themselves that anthroposophy, in particular, meets the deepest human longings of the more active minds of modern humanity.
[ 49 ] Und soll ich kurz zusammenfassen am Schluss in wenig Worten dasjenige, was ich versuchte — allerdings, in einem kurzen Vortrage kann das nur ungenügend geschehen — als das Wesen der Anthroposophie zu schildern, so möchte ich sagen: Der Mensch steht vor uns mit seiner physisch leiblichen Gestaltung. Wir schauen ihn an. Aus seinem tiefsten Innern spricht sein Seelisch-Geistiges. Aus seinem Antlitz, aus jeder seiner Bewegungen spricht es. Wir haben nicht den ganzen Menschen vor uns, wenn wir nicht dieses Geistig-Seelische in dem Natürlich-Leiblichen schauen. Naturwissenschaft hat es im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, insbesondere im neunzehnten Jahrhundert, zu einer hohen Vollendung gebracht. Anthroposophie will nicht auf Laientum, auf Dilettantismus bauen, obwohl sie für jeden Menschen ist. Der anthroposophische Forscher möchte jedes Laientum, jeden Dilettantismus auf naturwissenschaftlichem Gebiete ausschließen. Er möchte gerade auf naturwissenschaftlichem Gebiet echte Wissenschaftlichkeit und echte Methodik zur Entfaltung gebracht wissen. Damit aber ist er sich gerade klar, wie die äußere Naturwissenschaft, die mit Recht solche Triumphe gefeiert hat, die so bedeutsam ins praktische Leben eingegriffen hat nach der Außenseite hin, wie diese Naturwissenschaft etwas Äußeres darstellt, was zu vergleichen ist mit dem Physisch-Leiblichen des Menschen.
[ 49 ] And if I am to briefly summarize at the end, in just a few words, what I have attempted—though, in a short lecture, this can only be done inadequately—to describe as the essence of anthroposophy, I would like to say: The human being stands before us with his physical form. We look at him. His soul-spiritual nature speaks from his innermost being. It speaks from his face, from his every movement. We do not have the whole human being before us unless we see this soul-spiritual aspect within the natural, physical body. Natural science has brought it to a high degree of perfection over the course of the last three to four centuries, especially in the nineteenth century. Anthroposophy does not wish to rely on amateurism or dilettantism, even though it is intended for everyone. The anthroposophical researcher seeks to exclude all amateurism and dilettantism from the field of natural science. He wishes to see genuine scientific rigor and genuine methodology developed precisely in the field of natural science. Yet he is fully aware that external natural science—which has rightly celebrated such triumphs and has had such a significant impact on practical life from the outside—represents something external that can be compared to the physical-bodily aspect of the human being.
[ 50 ] Überall, wo man wirklich unbefangen als ganzer, voller Mensch hinschaut, ausgerüstet mit den Erkenntnissen der Naturwissenschaft, da tritt einem etwas entgegen, wie das Geistig-Seelische einem entgegentritt aus der menschlichen Physiognomie, aus den menschlichen Bewegungen; da tritt einem etwas als Wissenschaft, als Erkenntnis des Geistig-Seelischen im Naturerkennen entgegen. Ich möchte sagen: Das Naturerkennen kann durch seine Physiognomie, durch die Art und Weise, wie es sich entwickelt, auf dieses Geistig-Seelische einer besonderen Erkenntnis hinweisen. So wie der natürliche Mensch in seiner Leibesgestaltung den Geist, die Seele offenbart, so offenbart wahre, naturwissenschaftliche Erkenntnis eine auf das Geistig-Seelische gehende höhere, übersinnliche Erkenntnis. Das, was Menschenseele und Menschengeist im Menschenleibe, im Menschenkörper sind, das — meine sehr verehrten Anwesenden, also Seele und Geist in der Erkenntnis — möchten für eine wirkliche Naturwissenschaft die anthroposophischen Wege, die anthroposophischen Ergebnisse sein.
[ 50 ] Wherever one looks with true impartiality as a whole, complete human being, equipped with the insights of natural science, something comes to meet one—just as the spiritual-psychic aspect comes to meet one in human physiognomy and human movements; there, something comes to meet one as science, as an understanding of the spiritual-psychic in the study of nature. I would like to say: The study of nature can, through its physiognomy—through the way it develops—point to this spiritual-psychic realm as the object of a special kind of knowledge. Just as the natural human being reveals the spirit and the soul in the form of the body, so true scientific knowledge reveals a higher, supersensory knowledge that reaches into the spiritual-psychic realm. What the human soul and the human spirit are within the human body—that is, my esteemed audience, the soul and spirit in knowledge—should be the anthroposophical paths and the anthroposophical findings for a true natural science.
