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The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b

5 April 1923, Bern

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Das Innere der Natur und das Wesen der Menschenseele
  1. The Inner Nature and Essence of the Human Soul, tr. SOL

11. Was wollte das Goetheanum und Was soll die Anthroposophie?

11. Was wollte das Goetheanum und Was soll die Anthroposophie?

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Das schreckliche Brandunglück der letzten Dezembernacht hat eine äußere Hülle des anthroposophischen Strebens zerstört. Dieses Ereignis, das für viele, welche diesen Bau — das Dornacher Goetheanum — lieb gewonnen hatten, ein so schmerzliches ist, darf vielleicht Veranlassung geben, dass ich heute diese Betrachtungen zunächst an das Goetheanum in Dornach anknüpfe. Ich durfte ja Betrachtungen dieser Art hier von dieser Stelle aus viele halten, und auch die heutige — meine sehr verehrten Anwesenden — soll nur eine solche sein, die in demselben Stile gehalten werden soll wie die anderen, und nur die Anknüpfung soll an das Goetheanum geschehen. Dieses Goetheanum hat ja gewiss viele Menschen gehabt, die aus einem Durchschauen desjenigen Wollens, welches von diesem Goetheanum ausgehen wollte, dieses Goetheanum außerordentlich verehrten und liebten. Allein man darf doch sagen, die große Mehrzahl auch der Besucher, der zahlreichen Besucher, die es ja waren im Laufe der Jahre, sie konnten aus diesem Goetheanum nichts Besonderes machen. Es gab viele Menschen, die schon der Name Goetheanum ärgerte. Und es gab dann viele, welche sich die Formen dieses aus zwei Kuppelbauen zusammengefügten Gesamtbaues ansahen, denen sie absonderlich einfach erschienen, denen sie vielleicht bloß als der Ausdruck eines phantastischen Strebens erschienen. Es gab dann Menschen, welche auf die eine oder andere Ausstreuung hin glaubten, dass in diesem Goetheanum allerlei Spuk, vielleicht spiritistischer Spuk getrieben werde, dass das Goetheanum erbaut sei, um irgendeine unklare verschwommene Mystik zu vertreten, um vielleicht sogar, wie manche sich ausdrückten, dem blindesten Aberglauben zu dienen und so weiter, und so weiter.

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Das schreckliche Brandunglück der letzten Dezembernacht hat eine äußere Hülle des anthroposophischen Strebens zerstört. Dieses Ereignis, das für viele, welche diesen Bau — das Dornacher Goetheanum — lieb gewonnen hatten, ein so schmerzliches ist, darf vielleicht Veranlassung geben, dass ich heute diese Betrachtungen zunächst an das Goetheanum in Dornach anknüpfe. Ich durfte ja Betrachtungen dieser Art hier von dieser Stelle aus viele halten, und auch die heutige — meine sehr verehrten Anwesenden — soll nur eine solche sein, die in demselben Stile gehalten werden soll wie die anderen, und nur die Anknüpfung soll an das Goetheanum geschehen. Dieses Goetheanum hat ja gewiss viele Menschen gehabt, die aus einem Durchschauen desjenigen Wollens, welches von diesem Goetheanum ausgehen wollte, dieses Goetheanum außerordentlich verehrten und liebten. Allein man darf doch sagen, die große Mehrzahl auch der Besucher, der zahlreichen Besucher, die es ja waren im Laufe der Jahre, sie konnten aus diesem Goetheanum nichts Besonderes machen. Es gab viele Menschen, die schon der Name Goetheanum ärgerte. Und es gab dann viele, welche sich die Formen dieses aus zwei Kuppelbauen zusammengefügten Gesamtbaues ansahen, denen sie absonderlich einfach erschienen, denen sie vielleicht bloß als der Ausdruck eines phantastischen Strebens erschienen. Es gab dann Menschen, welche auf die eine oder andere Ausstreuung hin glaubten, dass in diesem Goetheanum allerlei Spuk, vielleicht spiritistischer Spuk getrieben werde, dass das Goetheanum erbaut sei, um irgendeine unklare verschwommene Mystik zu vertreten, um vielleicht sogar, wie manche sich ausdrückten, dem blindesten Aberglauben zu dienen und so weiter, und so weiter.

[ 2 ] Und doch könnte man fast erstaunt sein darüber, wie weit dasjenige, was gerade in der Gegenwart über dies oder jenes geglaubt wird, von dem Tatsächlichen entfernt sein kann. Denn dieses Goetheanum hat ganz gewiss zu alledem, was ich eben ausgesprochen habe, nicht gedient. Und wenn es heute Bekämpfer aller dieser mehr oder weniger rückständigen oder abergläubischen Richtungen gibt, diejenigen, die das wollten, was im Sinne der Erbauung des Goetheanums wirklich gewollt wurde, die gehören ganz gewiss zu diesen Bekämpfern. Aber ich will heute nicht von dem Negativen sprechen, ich möchte von dem sprechen, was das Goetheanum gewollt hat, und was Anthroposophie, der es eine Stätte sein sollte, eigentlich für die gegenwärtige Menschheit soll.

[ 2 ] Und doch könnte man fast erstaunt sein darüber, wie weit dasjenige, was gerade in der Gegenwart über dies oder jenes geglaubt wird, von dem Tatsächlichen entfernt sein kann. Denn dieses Goetheanum hat ganz gewiss zu alledem, was ich eben ausgesprochen habe, nicht gedient. Und wenn es heute Bekämpfer aller dieser mehr oder weniger rückständigen oder abergläubischen Richtungen gibt, diejenigen, die das wollten, was im Sinne der Erbauung des Goetheanums wirklich gewollt wurde, die gehören ganz gewiss zu diesen Bekämpfern. Aber ich will heute nicht von dem Negativen sprechen, ich möchte von dem sprechen, was das Goetheanum gewollt hat, und was Anthroposophie, der es eine Stätte sein sollte, eigentlich für die gegenwärtige Menschheit soll.

[ 3 ] Dass der Name Goetheanum im Laufe der Zeit gewählt worden ist, entsprach ja im Grunde dem Herzensbedürfnis einer Anzahl Verehrer des Goetheanums und der Anthroposophie. Es wurde zuerst der Name einer der Personen meiner Mysteriendramen, Johannes Thomasius — nicht der Evangelist Johannes, sondern der Name einer der Personen meiner Mysteriendramen wurde für diesen Bau auf dem Dornacher Hügel gewählt — und er wurde demgemäß Johannesbau genannt.

[ 3 ] Dass der Name Goetheanum im Laufe der Zeit gewählt worden ist, entsprach ja im Grunde dem Herzensbedürfnis einer Anzahl Verehrer des Goetheanums und der Anthroposophie. Es wurde zuerst der Name einer der Personen meiner Mysteriendramen, Johannes Thomasius — nicht der Evangelist Johannes, sondern der Name einer der Personen meiner Mysteriendramen wurde für diesen Bau auf dem Dornacher Hügel gewählt — und er wurde demgemäß Johannesbau genannt.

[ 4 ] Gerade das gab natürlich, wie leicht begreiflich ist, zu vielen Missverständnissen Veranlassung, und ich habe daher immer wieder und wiederum betonen müssen, dass für mich dieser Dornacher Bau ein Goetheanum sei. Warum? Ich darf sagen: Seit mehr als 40 Jahren beschäftige ich mich mit demjenigen, was in der Erkenntnis, in der Kunst, in der Weltanschauung Goethes begründet ist. Und wer mit unbefangenem Sinne sich in Goethes Erkenntnisstreben, in Goethes Kunst, in Goethes Weltanschauungsstreben vertieft, sich hineinlebt in sie, der wird nicht bloß die Anregung dazu bekommen, dasjenige, was Goethe gewollt hat, äußerlich zu betrachten, sondern Goethe wirkt, wenn man sich wirklich auf ihn einlässt und auf das Allseitige seines Strebens, Goethe wirkt wie ein lebendiger Impuls. Man kann die Seele mit dem, was er gewollt hat, durchdringen wie mit einem geistigen Lebensblute. Und aus dieser Durchdringung desjenigen, wovon ich überzeugt bin, dass es Goethe in Gemäßheit seines Zeitalters für gewisse Partien der menschlichen Anschauung gewollt hat, aus dem heraus, aus diesem Erleben dessen, was man Goetheanismus nennen könnte, ist erwachsen Anthroposophie.

[ 4 ] Gerade das gab natürlich, wie leicht begreiflich ist, zu vielen Missverständnissen Veranlassung, und ich habe daher immer wieder und wiederum betonen müssen, dass für mich dieser Dornacher Bau ein Goetheanum sei. Warum? Ich darf sagen: Seit mehr als 40 Jahren beschäftige ich mich mit demjenigen, was in der Erkenntnis, in der Kunst, in der Weltanschauung Goethes begründet ist. Und wer mit unbefangenem Sinne sich in Goethes Erkenntnisstreben, in Goethes Kunst, in Goethes Weltanschauungsstreben vertieft, sich hineinlebt in sie, der wird nicht bloß die Anregung dazu bekommen, dasjenige, was Goethe gewollt hat, äußerlich zu betrachten, sondern Goethe wirkt, wenn man sich wirklich auf ihn einlässt und auf das Allseitige seines Strebens, Goethe wirkt wie ein lebendiger Impuls. Man kann die Seele mit dem, was er gewollt hat, durchdringen wie mit einem geistigen Lebensblute. Und aus dieser Durchdringung desjenigen, wovon ich überzeugt bin, dass es Goethe in Gemäßheit seines Zeitalters für gewisse Partien der menschlichen Anschauung gewollt hat, aus dem heraus, aus diesem Erleben dessen, was man Goetheanismus nennen könnte, ist erwachsen Anthroposophie.

[ 5 ] Gewiss, derjenige, welcher Goethes Weltanschauung, Goethes künstlerisches Wollen nimmt und sie äußerlich betrachtet, er wird nicht imstande sein, etwa mit irgendeiner Logik oder, sagen wir, mit irgendeinem gewöhnlich künstlerischen Geschmacke dasjenige, was in Anthroposophie gelegen ist, aus Goethe herauszuholen. Aber es gibt, ich möchte sagen eine Logik der Gedanken, und es gibt eine Logik des Lebens. Derjenige, der die Logik des Lebens zu seiner eigenen macht, der kann sich in so etwas, wie es Goethe der Welt geoffenbart hat, hineinvertiefen, sodass es in ihm lebendig wird, dass es weiter wächst und sich entwickelt. Und in diesem Sinne einer lebendigen Logik fühle ich, wie Anthroposophie aus dem Goetheanismus widerspruchslos hervorgeht, sowenig man das heute zugibt. Und weil so Anthroposophie im Grunde genommen ihre Entstehung Goethe verdankt, war es ein selbstverständliches Gefühlsbedürfnis, diejenige Stätte, in der Anthroposophie, sozusagen der Abkömmling der Goethe’schen Weltanschauung, gepflegt wurde, Goetheanum zu nennen.

[ 5 ] Gewiss, derjenige, welcher Goethes Weltanschauung, Goethes künstlerisches Wollen nimmt und sie äußerlich betrachtet, er wird nicht imstande sein, etwa mit irgendeiner Logik oder, sagen wir, mit irgendeinem gewöhnlich künstlerischen Geschmacke dasjenige, was in Anthroposophie gelegen ist, aus Goethe herauszuholen. Aber es gibt, ich möchte sagen eine Logik der Gedanken, und es gibt eine Logik des Lebens. Derjenige, der die Logik des Lebens zu seiner eigenen macht, der kann sich in so etwas, wie es Goethe der Welt geoffenbart hat, hineinvertiefen, sodass es in ihm lebendig wird, dass es weiter wächst und sich entwickelt. Und in diesem Sinne einer lebendigen Logik fühle ich, wie Anthroposophie aus dem Goetheanismus widerspruchslos hervorgeht, sowenig man das heute zugibt. Und weil so Anthroposophie im Grunde genommen ihre Entstehung Goethe verdankt, war es ein selbstverständliches Gefühlsbedürfnis, diejenige Stätte, in der Anthroposophie, sozusagen der Abkömmling der Goethe’schen Weltanschauung, gepflegt wurde, Goetheanum zu nennen.

[ 6 ] Damit soll ja durchaus nicht der alberne Anspruch gemacht werden, etwa dasjenige, was Goetheanismus ist, mit irgendeiner Vollkommenheit zu vertreten, sondern, ich möchte sagen, eher wollte dieses Goetheanum eine Art Huldigungsstätte sein für das, was Goethe der Welt gegeben hat. Durchaus sollte es nicht dienen der Renommisterei, Goethe’sche Geistesart zu vertreten, als vielmehr sollte es sein der Ausdruck der Dankbarkeit für das, was aus Goethes Weltstreben zu erhalten ist. Und derjenige, der diese Namensgebung im Sinne des Ausdruckes eines Dankbarkeitsgefühles empfindet, der wird wahrscheinlich sich dann nicht mehr über den Namen ärgern.

[ 6 ] Damit soll ja durchaus nicht der alberne Anspruch gemacht werden, etwa dasjenige, was Goetheanismus ist, mit irgendeiner Vollkommenheit zu vertreten, sondern, ich möchte sagen, eher wollte dieses Goetheanum eine Art Huldigungsstätte sein für das, was Goethe der Welt gegeben hat. Durchaus sollte es nicht dienen der Renommisterei, Goethe’sche Geistesart zu vertreten, als vielmehr sollte es sein der Ausdruck der Dankbarkeit für das, was aus Goethes Weltstreben zu erhalten ist. Und derjenige, der diese Namensgebung im Sinne des Ausdruckes eines Dankbarkeitsgefühles empfindet, der wird wahrscheinlich sich dann nicht mehr über den Namen ärgern.

[ 7 ] Soll ich aber weitergehen — meine sehr verehrten Anwesenden — und Ihnen zeigen, was das Goetheanum gewollt hat, so muss ich eben die Betrachtungen, die ich hier öfters anstellen durfte in diesem Saal, heute fortsetzen und sagen, was Anthroposophie soll. Anthroposophie soll allerdings die Antwort finden, soweit sie der Mensch finden kann, auf die höchsten Fragen des menschlichen Daseins, auf diejenigen Fragen, die mit Menschenbestimmung und Menschenwürde im höchsten Sinne des Wortes zusammenhängen. Wenn sich der Mensch nicht über sein eigentliches Seelenleben betäubt, dann taucht ja doch immer wieder und wiederum die Frage der Ewigkeit der Seele auf. Dann taucht die Frage auf: Ist die menschliche Seele ein freies oder ein unfreies Wesen? Dann taucht die Frage auf: Inwiefern ruht die menschliche Seele und wirkt die menschliche Seele in demjenigen, was man eine göttliche Welt-Ordnung nennen kann?

[ 7 ] Soll ich aber weitergehen — meine sehr verehrten Anwesenden — und Ihnen zeigen, was das Goetheanum gewollt hat, so muss ich eben die Betrachtungen, die ich hier öfters anstellen durfte in diesem Saal, heute fortsetzen und sagen, was Anthroposophie soll. Anthroposophie soll allerdings die Antwort finden, soweit sie der Mensch finden kann, auf die höchsten Fragen des menschlichen Daseins, auf diejenigen Fragen, die mit Menschenbestimmung und Menschenwürde im höchsten Sinne des Wortes zusammenhängen. Wenn sich der Mensch nicht über sein eigentliches Seelenleben betäubt, dann taucht ja doch immer wieder und wiederum die Frage der Ewigkeit der Seele auf. Dann taucht die Frage auf: Ist die menschliche Seele ein freies oder ein unfreies Wesen? Dann taucht die Frage auf: Inwiefern ruht die menschliche Seele und wirkt die menschliche Seele in demjenigen, was man eine göttliche Welt-Ordnung nennen kann?

[ 8 ] Über diese Fragen, die man oftmals die letzten Fragen des Daseins nennt, ist unsere heutige Wissenschaft, die für die äußeren Gebiete des Lebens so unsäglich Großartiges geleistet hat, ziemlich kleinmütig geworden, denn diese äußere Wissenschaft will sogar als wirkliche, wahre Wissenschaft nur das anerkennen, was mit den Sinnen geschaut werden kann, was durch die menschliche Verstandestätigkeit aus den Sinneswahrnehmungen kombiniert werden kann, und sie lehnt dasjenige ab, was über das Sinnliche hinausgeht. Sie lehnt aber damit auch ab jede Beantwortung der eben gekennzeichneten tieferen Fragen des menschlichen Daseins. Denn ohne einen Eintritt der Erkenntnis in das übersinnliche Gebiet kann der Mensch nicht einmal den Versuch wagen, an eine menschenmögliche Antwort auf diese Frage heranzukommen.

[ 8 ] Über diese Fragen, die man oftmals die letzten Fragen des Daseins nennt, ist unsere heutige Wissenschaft, die für die äußeren Gebiete des Lebens so unsäglich Großartiges geleistet hat, ziemlich kleinmütig geworden, denn diese äußere Wissenschaft will sogar als wirkliche, wahre Wissenschaft nur das anerkennen, was mit den Sinnen geschaut werden kann, was durch die menschliche Verstandestätigkeit aus den Sinneswahrnehmungen kombiniert werden kann, und sie lehnt dasjenige ab, was über das Sinnliche hinausgeht. Sie lehnt aber damit auch ab jede Beantwortung der eben gekennzeichneten tieferen Fragen des menschlichen Daseins. Denn ohne einen Eintritt der Erkenntnis in das übersinnliche Gebiet kann der Mensch nicht einmal den Versuch wagen, an eine menschenmögliche Antwort auf diese Frage heranzukommen.

[ 9 ] Anthroposophie will nun aber, eben soweit das dem Menschen möglich ist, die Antworten auf diese Fragen nicht in einer bloßen Glaubenslehre geben, Anthroposophie will auch nicht die Antworten auf diese Fragen durch eine unklare Mystik geben, sondern Anthroposophie will zu diesen Antworten möglichst weit vordringen auf dieselbe Weise, wie eigentlich die heutigen Wissenschaften streben. Nur ist sich Anthroposophie klar darüber, dass dasjenige, was der Mensch als Erkenntnis bezeichnet, noch in einer ganz anderen Weise gefasst werden muss, als es heute gerade oftmals von den maßgebendsten Autoritäten geschieht, wenn man diese Fragen überhaupt im rechten Lichte sehen will.

[ 9 ] Anthroposophie will nun aber, eben soweit das dem Menschen möglich ist, die Antworten auf diese Fragen nicht in einer bloßen Glaubenslehre geben, Anthroposophie will auch nicht die Antworten auf diese Fragen durch eine unklare Mystik geben, sondern Anthroposophie will zu diesen Antworten möglichst weit vordringen auf dieselbe Weise, wie eigentlich die heutigen Wissenschaften streben. Nur ist sich Anthroposophie klar darüber, dass dasjenige, was der Mensch als Erkenntnis bezeichnet, noch in einer ganz anderen Weise gefasst werden muss, als es heute gerade oftmals von den maßgebendsten Autoritäten geschieht, wenn man diese Fragen überhaupt im rechten Lichte sehen will.

[ 10 ] Ich möchte ausgehen von einer gleichnisweisen Betrachtung, die aber mehr sein soll als ein bloßes Gleichnis. Sehen Sie — meine sehr verehrten Anwesenden —, eigentlich steht vor jeder die Welt betrachtenden Seele, allerdings ohne die Meinung, dass dadurch besondere Anhaltspunkte für die Beantwortung der Welträtsel gewonnen werden können, es steht jede tiefere Seele, wenn auch vielleicht nur erstaunend und bewundernd, vor den Bildern jener abgedämpften Welt, die wir die Traumeswelt nennen. Ich gehe von der Traumeswelt aus, gewiss nicht darum, um in mystischer Weise irgendetwas aus dieser Traumeswelt herauszuholen, aber um anschaulich zu machen, wie Anthroposophie über dasjenige denkt, was Erkenntnis werden muss für die Menschheit, wenn an die charakterisierten Fragen herangetreten werden soll.

[ 10 ] Ich möchte ausgehen von einer gleichnisweisen Betrachtung, die aber mehr sein soll als ein bloßes Gleichnis. Sehen Sie — meine sehr verehrten Anwesenden —, eigentlich steht vor jeder die Welt betrachtenden Seele, allerdings ohne die Meinung, dass dadurch besondere Anhaltspunkte für die Beantwortung der Welträtsel gewonnen werden können, es steht jede tiefere Seele, wenn auch vielleicht nur erstaunend und bewundernd, vor den Bildern jener abgedämpften Welt, die wir die Traumeswelt nennen. Ich gehe von der Traumeswelt aus, gewiss nicht darum, um in mystischer Weise irgendetwas aus dieser Traumeswelt herauszuholen, aber um anschaulich zu machen, wie Anthroposophie über dasjenige denkt, was Erkenntnis werden muss für die Menschheit, wenn an die charakterisierten Fragen herangetreten werden soll.

[ 11 ] Man vergegenwärtige sich einmal, wie die so mannigfaltige, so farbenreiche Traumwelt vor der schlafenden Seele verläuft. Man vergegenwärtige sich, wie auf der einen Seite der Inhalt des Traumes ein Abbild ist desjenigen, was wir gut kennen aus derjenigen Welt heraus, die wir im tagwachen Bewusstsein durchleben. Aber man stelle sich auch vor die Seele, in welch frei beweglicher Weise umgestaltend, phantastisch werdend, die Traumwelt die Seele umschwebt und umwellt. Und derjenige, der unbefangenes Denken hat, derjenige, der mit gesundem Sinn und mit einem gesunden Willen vor allen Dingen in der Welt drinnensteht, der wird sich nicht anders sagen können als: Den Wirklichkeitswert der Traumwelt, wir können ihn nimmermehr erkennen während des Träumens selbst.

[ 11 ] Man vergegenwärtige sich einmal, wie die so mannigfaltige, so farbenreiche Traumwelt vor der schlafenden Seele verläuft. Man vergegenwärtige sich, wie auf der einen Seite der Inhalt des Traumes ein Abbild ist desjenigen, was wir gut kennen aus derjenigen Welt heraus, die wir im tagwachen Bewusstsein durchleben. Aber man stelle sich auch vor die Seele, in welch frei beweglicher Weise umgestaltend, phantastisch werdend, die Traumwelt die Seele umschwebt und umwellt. Und derjenige, der unbefangenes Denken hat, derjenige, der mit gesundem Sinn und mit einem gesunden Willen vor allen Dingen in der Welt drinnensteht, der wird sich nicht anders sagen können als: Den Wirklichkeitswert der Traumwelt, wir können ihn nimmermehr erkennen während des Träumens selbst.

[ 12 ] Wir könnten ja, ich möchte sagen unser ganzes Leben lang träumen, dann würden wir einfach, wie wir es im Traumerleben tun, den Trauminhalt für unsere Wirklichkeit halten. Wir würden glauben, das sei die wirkliche Welt, die wir träumen. Da wir aber aus der Traumwelt durch unsere Organisation aufwachen, so erhalten wir im Wachen den Gesichtspunkt, um den Wirklichkeitswert der Traumwelt zu prüfen. Erst wenn wir außerhalb des Traumes stehen, erst wenn unsere Sinne und wenn unser Wille gewissermaßen eingeschaltet ist in die uns umgebende Außenwelt, haben wir einen Gesichtspunkt, um die Traumeswelt in ihrem Wirklichkeitswert zu beurteilen. Niemand darf selbstverständlich dasjenige, was räumliche Wirklichkeit ist, etwa vom Traumgesichtspunkt aus beurteilen. Für ein gesundes Denken und gesundes Wollen ist allein die umgekehrte Beurteilung möglich.

[ 12 ] Wir könnten ja, ich möchte sagen unser ganzes Leben lang träumen, dann würden wir einfach, wie wir es im Traumerleben tun, den Trauminhalt für unsere Wirklichkeit halten. Wir würden glauben, das sei die wirkliche Welt, die wir träumen. Da wir aber aus der Traumwelt durch unsere Organisation aufwachen, so erhalten wir im Wachen den Gesichtspunkt, um den Wirklichkeitswert der Traumwelt zu prüfen. Erst wenn wir außerhalb des Traumes stehen, erst wenn unsere Sinne und wenn unser Wille gewissermaßen eingeschaltet ist in die uns umgebende Außenwelt, haben wir einen Gesichtspunkt, um die Traumeswelt in ihrem Wirklichkeitswert zu beurteilen. Niemand darf selbstverständlich dasjenige, was räumliche Wirklichkeit ist, etwa vom Traumgesichtspunkt aus beurteilen. Für ein gesundes Denken und gesundes Wollen ist allein die umgekehrte Beurteilung möglich.

[ 13 ] Nun, indem jemand sich vertieft nicht in eine Traumeswelt, sondern gerade in die Welt der täglichen Wirklichkeit, die uns ja auch, obwohl auf andere Art wie der Traum, mannigfaltige, farbenreiche Bilder liefert, aber Bilder, deren inneren Gehalt wir nur erkennen, wenn wir sie durchdringen, wenn wir sie namentlich in ihrer Wechselwirkung durchdringen mit demjenigen, was uns unser Verstand an die Hand gibt. Indem Anthroposophie sich in diese Wirklichkeitswelt vertieft, indem Anthroposophie geradeso herangeht an die Welt der alltäglichen Wirklichkeit, wie der Träumer an seine Traumeswelt herangeht, kommen Sie zu der Frage: Ja, ist es nicht möglich, dass sozusagen im menschlichen Seelenleben ein zweites Erwachen stattfindet? Geradeso, wie die naturgemäße Einrichtung unseres Organismus uns aus dem Traume herausreißt, wie unser Wille beim Erwachen eingeschaltet wird in die äußere sinnliche Wirklichkeitswelt, so könnte es ja möglich sein, dass auch aus der Welt, die unser alltägliches Bewusstsein betrifft, noch ein weiteres Erwachen möglich sei. Ist das so, dann muss man sagen, dann wird erst von dem Gesichtspunkt derjenigen Welt, in die man so hinein erwacht, der übersinnlichen Welt, der Wirklichkeitswert der sinnlichen abzuschätzen sein, so wie der Wirklichkeitswert der Traumeswelt abzuschätzen ist durch den Gesichtspunkt der alltäglichen Welt. Ich möchte sagen: Anthroposophie stellt sich zunächst die große Frage: Ist ein solches zweites Erwachen möglich? Sie möchte auf keinen Fall zurücksinken, um die Welt zu erkennen, in die träumerische Wirklichkeit. Sie möchte den entgegengesetzten Weg gehen; sie möchte den Weg gehen, den der Mensch geht von dem Traum in die sinnliche Wirklichkeit hinein. Sie möchte weiterschreiten von der sinnlichen Wirklichkeit in die übersinnliche Wirklichkeit hinein. Ob man das kann, das hängt ja davon ab, wie man nun in der Lage ist, das menschliche Seelenleben, überhaupt das ganze menschliche Leben, zu durchdringen. Ich möchte sagen: Man muss einfach die Seele und ihr Leben der Prüfung unterwerfen, ob sie zu einem solchen zweiten Erwachen die Möglichkeit hat.

[ 13 ] Nun, indem jemand sich vertieft nicht in eine Traumeswelt, sondern gerade in die Welt der täglichen Wirklichkeit, die uns ja auch, obwohl auf andere Art wie der Traum, mannigfaltige, farbenreiche Bilder liefert, aber Bilder, deren inneren Gehalt wir nur erkennen, wenn wir sie durchdringen, wenn wir sie namentlich in ihrer Wechselwirkung durchdringen mit demjenigen, was uns unser Verstand an die Hand gibt. Indem Anthroposophie sich in diese Wirklichkeitswelt vertieft, indem Anthroposophie geradeso herangeht an die Welt der alltäglichen Wirklichkeit, wie der Träumer an seine Traumeswelt herangeht, kommen Sie zu der Frage: Ja, ist es nicht möglich, dass sozusagen im menschlichen Seelenleben ein zweites Erwachen stattfindet? Geradeso, wie die naturgemäße Einrichtung unseres Organismus uns aus dem Traume herausreißt, wie unser Wille beim Erwachen eingeschaltet wird in die äußere sinnliche Wirklichkeitswelt, so könnte es ja möglich sein, dass auch aus der Welt, die unser alltägliches Bewusstsein betrifft, noch ein weiteres Erwachen möglich sei. Ist das so, dann muss man sagen, dann wird erst von dem Gesichtspunkt derjenigen Welt, in die man so hinein erwacht, der übersinnlichen Welt, der Wirklichkeitswert der sinnlichen abzuschätzen sein, so wie der Wirklichkeitswert der Traumeswelt abzuschätzen ist durch den Gesichtspunkt der alltäglichen Welt. Ich möchte sagen: Anthroposophie stellt sich zunächst die große Frage: Ist ein solches zweites Erwachen möglich? Sie möchte auf keinen Fall zurücksinken, um die Welt zu erkennen, in die träumerische Wirklichkeit. Sie möchte den entgegengesetzten Weg gehen; sie möchte den Weg gehen, den der Mensch geht von dem Traum in die sinnliche Wirklichkeit hinein. Sie möchte weiterschreiten von der sinnlichen Wirklichkeit in die übersinnliche Wirklichkeit hinein. Ob man das kann, das hängt ja davon ab, wie man nun in der Lage ist, das menschliche Seelenleben, überhaupt das ganze menschliche Leben, zu durchdringen. Ich möchte sagen: Man muss einfach die Seele und ihr Leben der Prüfung unterwerfen, ob sie zu einem solchen zweiten Erwachen die Möglichkeit hat.

[ 14 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, ein solches zweites Erwachen ist aber möglich. Es ist vor allen Dingen möglich, wenn der Mensch sich nicht dem intellektuellen Hochmut hingibt, durch den er sich etwa sagt: Du warst zunächst ein kleines Kind, da warst du noch nicht ausgerüstet mit Denkfähigkeiten, Gefühlsfähigkeiten oder Willensfähigkeiten, wie du es als erwachsener hast; du musstest sie mithilfe der menschlichen Umgebung, mithilfe deiner Erziehung, mithilfe des Lebens erst ausbilden, diese Fähigkeiten, bis zu dem Grade, in dem du sie jetzt hast. Aber legt man sozusagen nun als erwachsener Mensch den intellektuellen Hochmut ab und frägt sich: Können vielleicht die Fähigkeiten von der Stufe aus, zu der man sie gebracht hat als erwachsener Mensch, nun ebenso weiterentwickelt werden, wie sie sich entwickelt haben von der kindlichen Stufe bis zu der Stufe eben des alltäglichen Lebens? Und man wird geführt auf den Weg einer solchen weiteren Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten, wenn man auf einzelne solche Fähigkeiten seine besondere Aufmerksamkeit lenkt.

[ 14 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, ein solches zweites Erwachen ist aber möglich. Es ist vor allen Dingen möglich, wenn der Mensch sich nicht dem intellektuellen Hochmut hingibt, durch den er sich etwa sagt: Du warst zunächst ein kleines Kind, da warst du noch nicht ausgerüstet mit Denkfähigkeiten, Gefühlsfähigkeiten oder Willensfähigkeiten, wie du es als erwachsener hast; du musstest sie mithilfe der menschlichen Umgebung, mithilfe deiner Erziehung, mithilfe des Lebens erst ausbilden, diese Fähigkeiten, bis zu dem Grade, in dem du sie jetzt hast. Aber legt man sozusagen nun als erwachsener Mensch den intellektuellen Hochmut ab und frägt sich: Können vielleicht die Fähigkeiten von der Stufe aus, zu der man sie gebracht hat als erwachsener Mensch, nun ebenso weiterentwickelt werden, wie sie sich entwickelt haben von der kindlichen Stufe bis zu der Stufe eben des alltäglichen Lebens? Und man wird geführt auf den Weg einer solchen weiteren Entwicklung der menschlichen Fähigkeiten, wenn man auf einzelne solche Fähigkeiten seine besondere Aufmerksamkeit lenkt.

[ 15 ] Lenken wir zunächst einmal die Aufmerksamkeit auf jene Fähigkeit der menschlichen Seele oder, sagen wir, des menschlichen Wesens, die man gewöhnlich im Leben das Gedächtnis nennt, die Gabe der Erinnerung. Betrachten wir sie zunächst so, wie sich die Erinnerung eben dem alltäglichen Leben darbietet. Da treten aus dem Umfange des Seelenlebens mitten unter den Eindrücken der Gegenwart, vielleicht hervorgerufen, meistens hervorgerufen durch diese Eindrücke der Gegenwart, die Gedankenbilder, blasse Gedankenbilder von irgendetwas auf, das wir vielleicht vor Jahren erlebt haben. Da mischt sich in dasjenige, was da aus dem Untergrunde der Seele herauftaucht oder durch Gegenwartsvorstellungen heraufgeholt wird, da mischt sich vielleicht die umfassende, umbildende Phantasie, vielleicht auch manche Phantastik hinein. Und der Mensch hat vor sich, durch die Fähigkeit der Erinnerung, Bilder von etwas, von dem man zweifellos sagen kann: Es ist in ziemlicher Wirklichkeit, in derjenigen Wirklichkeit, an die wir gewohnt sind, wenn wir die Augen aufmachen und wenn wir mit den Ohren die Umgebung hören, es ist in dieser Wirklichkeit nicht vorhanden. Wir nehmen herein in unsere Erinnerungsbilder Ereignisse, die einfach darinnen bestehen, dass wir selbst vor Jahren in diese oder jene Beziehung zu dem oder jenem Menschen, zu dem oder jenem Naturereignis oder zu sonst etwas getreten sind.

[ 15 ] Lenken wir zunächst einmal die Aufmerksamkeit auf jene Fähigkeit der menschlichen Seele oder, sagen wir, des menschlichen Wesens, die man gewöhnlich im Leben das Gedächtnis nennt, die Gabe der Erinnerung. Betrachten wir sie zunächst so, wie sich die Erinnerung eben dem alltäglichen Leben darbietet. Da treten aus dem Umfange des Seelenlebens mitten unter den Eindrücken der Gegenwart, vielleicht hervorgerufen, meistens hervorgerufen durch diese Eindrücke der Gegenwart, die Gedankenbilder, blasse Gedankenbilder von irgendetwas auf, das wir vielleicht vor Jahren erlebt haben. Da mischt sich in dasjenige, was da aus dem Untergrunde der Seele herauftaucht oder durch Gegenwartsvorstellungen heraufgeholt wird, da mischt sich vielleicht die umfassende, umbildende Phantasie, vielleicht auch manche Phantastik hinein. Und der Mensch hat vor sich, durch die Fähigkeit der Erinnerung, Bilder von etwas, von dem man zweifellos sagen kann: Es ist in ziemlicher Wirklichkeit, in derjenigen Wirklichkeit, an die wir gewohnt sind, wenn wir die Augen aufmachen und wenn wir mit den Ohren die Umgebung hören, es ist in dieser Wirklichkeit nicht vorhanden. Wir nehmen herein in unsere Erinnerungsbilder Ereignisse, die einfach darinnen bestehen, dass wir selbst vor Jahren in diese oder jene Beziehung zu dem oder jenem Menschen, zu dem oder jenem Naturereignis oder zu sonst etwas getreten sind.

[ 16 ] Was sich da abgespielt hat, ist heute keine Wirklichkeit mehr. Wir haben aber die Fähigkeit, aus dem Tiefen unserer Seele heraus dasjenige in mehr oder weniger blassen oder auch mehr oder weniger inhaltsvollen Bildern vor uns zu stellen, was in der Weise, wie wir sonst durch die Sinne die Wirklichkeit wahrnehmen, eben keine gegenwärtige Wirklichkeit ist. Diese Fähigkeit des Erinnerns, sie kann aufgenommen werden. Und sie wird aufgenommen, wenn der Mensch sich in sein Gedankenleben so vertieft, wie er das besonders heute im gewöhnlichen Leben eigentlich nicht tut. Wenn der Mensch heute sich Gedanken hingibt, so sind es eigentlich zumeist Gedanken, zu denen er von außen angeregt wird oder die eben in der Weise, wie ich es geschildert habe, als Erinnerungsgedanken aufsteigen. Ist jemand ehrlich mit seinem Seelenleben, so muss er sich sagen: Aus dem, was die äußeren Eindrücke liefern, aus dem, was aus den Untergründen des Seelenlebens als Erinnerung aufsteigt, setzt sich eigentlich dieses Äußere des seelischen Lebens zusammen.

[ 16 ] Was sich da abgespielt hat, ist heute keine Wirklichkeit mehr. Wir haben aber die Fähigkeit, aus dem Tiefen unserer Seele heraus dasjenige in mehr oder weniger blassen oder auch mehr oder weniger inhaltsvollen Bildern vor uns zu stellen, was in der Weise, wie wir sonst durch die Sinne die Wirklichkeit wahrnehmen, eben keine gegenwärtige Wirklichkeit ist. Diese Fähigkeit des Erinnerns, sie kann aufgenommen werden. Und sie wird aufgenommen, wenn der Mensch sich in sein Gedankenleben so vertieft, wie er das besonders heute im gewöhnlichen Leben eigentlich nicht tut. Wenn der Mensch heute sich Gedanken hingibt, so sind es eigentlich zumeist Gedanken, zu denen er von außen angeregt wird oder die eben in der Weise, wie ich es geschildert habe, als Erinnerungsgedanken aufsteigen. Ist jemand ehrlich mit seinem Seelenleben, so muss er sich sagen: Aus dem, was die äußeren Eindrücke liefern, aus dem, was aus den Untergründen des Seelenlebens als Erinnerung aufsteigt, setzt sich eigentlich dieses Äußere des seelischen Lebens zusammen.

[ 17 ] Man kann aber auch noch etwas anderes machen. Man kann sich herausreißen aus dieser, ich möchte sagen passiven Rolle, die man also dem Denken gegenüber spielt. Man kann mit einer immer mehr und mehr gesteigerten inneren Aktivität versuchen, in Gedanken zu leben. Man kann insbesondere so in Gedanken leben, dass man sich einfach Gedanken bildet, die man leicht überschauen kann; sodass man sicher sein kann, wenn man sich diesen Gedanken in starker innerer Aktivität hingibt, so verfällt man keiner Suggestion, keinem mystischen Träumen, wenn man sich allein überschauliche Gedanken so vor die Seele stellt, dass man sie nicht jetzt hinweghuschen lässt, wie die Gedanken, die von außen oder innen angeregt sind, hinhuschen. Dann merkt man, dass man in diesem durch eigene Willkür hervorgerufenen Denken — in diesem Leben, in der Aktivität des Denkens bildet sich etwas aus innerhalb des Seelenlebens, das verglichen werden kann mit dem, was geschicht, wenn wir in äußerer physischer Arbeit zum Beispiel einen Teil unserer Muskeln gebrauchen. Sie werden stärker, sie werden kräftiger, gerade in der aktiven Anwendung werden die Muskeln stärker und kräftiger. Das aber merken wir allerdings in anderer Art, indem wir immer wieder und wieder durch unser inneres Wollen uns — wenn ich es so ausdrücken darf — in [selbst verwobenen] oder sogar selbst gemachten oder von irgendeinem Geistesforscher erlangten Gedanken versenken. Wir werden innerlich seelisch stärker, und wir merken, wenn wir solche Übungen machen — bei dem einen dauert es länger, bei dem andern kürzer, es kann Wochen, es kann jahrelang dauern —, wenn wir solche Übungen fortsetzen, dann merken wir: Die innere Kraft unserer Seele erwacht. Und sie erwacht in einer Weise, dass wir dasjenige, was wir bisher nur als Erinnerung kannten, kennenlernen in einer umgewandelten, umgebildeten Gestalt. Eine neue innere Fähigkeit, ich möchte sagen eine gesteigerte Erinnerungsfähigkeit, die uns aber jetzt nicht Erinnerungen liefert, die verspüren wir in unserer Seele.

[ 17 ] Man kann aber auch noch etwas anderes machen. Man kann sich herausreißen aus dieser, ich möchte sagen passiven Rolle, die man also dem Denken gegenüber spielt. Man kann mit einer immer mehr und mehr gesteigerten inneren Aktivität versuchen, in Gedanken zu leben. Man kann insbesondere so in Gedanken leben, dass man sich einfach Gedanken bildet, die man leicht überschauen kann; sodass man sicher sein kann, wenn man sich diesen Gedanken in starker innerer Aktivität hingibt, so verfällt man keiner Suggestion, keinem mystischen Träumen, wenn man sich allein überschauliche Gedanken so vor die Seele stellt, dass man sie nicht jetzt hinweghuschen lässt, wie die Gedanken, die von außen oder innen angeregt sind, hinhuschen. Dann merkt man, dass man in diesem durch eigene Willkür hervorgerufenen Denken — in diesem Leben, in der Aktivität des Denkens bildet sich etwas aus innerhalb des Seelenlebens, das verglichen werden kann mit dem, was geschicht, wenn wir in äußerer physischer Arbeit zum Beispiel einen Teil unserer Muskeln gebrauchen. Sie werden stärker, sie werden kräftiger, gerade in der aktiven Anwendung werden die Muskeln stärker und kräftiger. Das aber merken wir allerdings in anderer Art, indem wir immer wieder und wieder durch unser inneres Wollen uns — wenn ich es so ausdrücken darf — in [selbst verwobenen] oder sogar selbst gemachten oder von irgendeinem Geistesforscher erlangten Gedanken versenken. Wir werden innerlich seelisch stärker, und wir merken, wenn wir solche Übungen machen — bei dem einen dauert es länger, bei dem andern kürzer, es kann Wochen, es kann jahrelang dauern —, wenn wir solche Übungen fortsetzen, dann merken wir: Die innere Kraft unserer Seele erwacht. Und sie erwacht in einer Weise, dass wir dasjenige, was wir bisher nur als Erinnerung kannten, kennenlernen in einer umgewandelten, umgebildeten Gestalt. Eine neue innere Fähigkeit, ich möchte sagen eine gesteigerte Erinnerungsfähigkeit, die uns aber jetzt nicht Erinnerungen liefert, die verspüren wir in unserer Seele.

[ 18 ] Und in dem Momente, wo diese Kraft stark genug geworden ist, wo also das in innerer Tätigkeit immer wieder und wiederum ergriffene Denken — das Denken, das nunmehr nicht bloß gedacht wird, sondern erlebt wird, sodass man es als eine innere Wirklichkeit fühlt —, in dem Momente, wo dieses innere Denken stark genug geworden ist, tritt etwas ein, es tritt in der Regel stückweise auf, tritt etwas vor diese menschliche Seele, das sie bisher nicht gekannt hat. Es tritt vor die menschliche Seele nicht die Erinnerung bloß, sondern die Anschauung desjenigen, was der Mensch erlebt hat ungefähr seit seinen ersten Kinderjahren innerhalb dieses Erdendaseins. Aber dasjenige, was da der Mensch erlebt, ist eben nicht eine Summe von mit Mühe heraufgeholten Erinnerungsbildern, sondern es ist etwas, was auf einmal wie ein gewaltiges Lebenstableau vor die Seele hintritt, dass man überschaut — wie etwas Gegenwärtiges, wie wenn die Zeit zum Raume geworden wäre — sein bisheriges Erdenleben. Ist man dazu in der Lage, dann fühlt man sich aber auch mit seinem Ich in einer ganz anderen Art, als dies beim gewöhnlichen Bewusstsein möglich ist, eigentlich nun nicht mehr im physischen Leibe. Man fühlt sich mit seinem Ich verbunden mit all denjenigen Erlebnissen, die man durchgemacht hat und die jetzt in diesem gewaltigen Erinnerungstableau eben für das Bewusstsein heraufkommen.

[ 18 ] Und in dem Momente, wo diese Kraft stark genug geworden ist, wo also das in innerer Tätigkeit immer wieder und wiederum ergriffene Denken — das Denken, das nunmehr nicht bloß gedacht wird, sondern erlebt wird, sodass man es als eine innere Wirklichkeit fühlt —, in dem Momente, wo dieses innere Denken stark genug geworden ist, tritt etwas ein, es tritt in der Regel stückweise auf, tritt etwas vor diese menschliche Seele, das sie bisher nicht gekannt hat. Es tritt vor die menschliche Seele nicht die Erinnerung bloß, sondern die Anschauung desjenigen, was der Mensch erlebt hat ungefähr seit seinen ersten Kinderjahren innerhalb dieses Erdendaseins. Aber dasjenige, was da der Mensch erlebt, ist eben nicht eine Summe von mit Mühe heraufgeholten Erinnerungsbildern, sondern es ist etwas, was auf einmal wie ein gewaltiges Lebenstableau vor die Seele hintritt, dass man überschaut — wie etwas Gegenwärtiges, wie wenn die Zeit zum Raume geworden wäre — sein bisheriges Erdenleben. Ist man dazu in der Lage, dann fühlt man sich aber auch mit seinem Ich in einer ganz anderen Art, als dies beim gewöhnlichen Bewusstsein möglich ist, eigentlich nun nicht mehr im physischen Leibe. Man fühlt sich mit seinem Ich verbunden mit all denjenigen Erlebnissen, die man durchgemacht hat und die jetzt in diesem gewaltigen Erinnerungstableau eben für das Bewusstsein heraufkommen.

[ 19 ] Ich möchte dasjenige, in dem man sich jetzt erlebt, wie man sich im physischen Leben in seinem Erdenleben in den Armen, dem Kopfe, in den Beinen erlebt, ich möchte diese Summe von Lebensbildern, von denen man empfindet: Man ist es selbst, man ist es, nur ausgedehnt über seine Erdenlebenszeit, ich möchte sie den Zeitleib im Gegensatze zu dem Raumesleib nennen, in dem man sich empfindet für das gewöhnliche Bewusstsein. Es ist die erste übersinnliche Erfahrung, die man in dieser Weise macht.

[ 19 ] Ich möchte dasjenige, in dem man sich jetzt erlebt, wie man sich im physischen Leben in seinem Erdenleben in den Armen, dem Kopfe, in den Beinen erlebt, ich möchte diese Summe von Lebensbildern, von denen man empfindet: Man ist es selbst, man ist es, nur ausgedehnt über seine Erdenlebenszeit, ich möchte sie den Zeitleib im Gegensatze zu dem Raumesleib nennen, in dem man sich empfindet für das gewöhnliche Bewusstsein. Es ist die erste übersinnliche Erfahrung, die man in dieser Weise macht.

[ 20 ] Man erlebt aber nun — und das ist das Bedeutsame — dieses Tableau, diesen Zeitleib nicht so, dass man es äußerlich anschaut, sondern man hat sich dadurch, dass man sich mit Aktivität, mit innerer Tätigkeit in das Denken immer wieder und wieder versenkt hat, man hat sich dadurch die Möglichkeit erworben, darinnenzustecken in den Erlebnissen, sie also wie gegenwärtige zu haben, wirklich mit diesem Zeitleibe eins zu sein, nicht nur im Raume zu stehen, sondern in der Zeit sich zu bewegen und sich durch die Zeit, durch die man sich durchbewegt, als eine menschliche Einheit zu fühlen. Man dehnt sein Dasein bis nahe zu seiner Geburt hin wie zu einer fortlaufenden Realität aus.

[ 20 ] Man erlebt aber nun — und das ist das Bedeutsame — dieses Tableau, diesen Zeitleib nicht so, dass man es äußerlich anschaut, sondern man hat sich dadurch, dass man sich mit Aktivität, mit innerer Tätigkeit in das Denken immer wieder und wieder versenkt hat, man hat sich dadurch die Möglichkeit erworben, darinnenzustecken in den Erlebnissen, sie also wie gegenwärtige zu haben, wirklich mit diesem Zeitleibe eins zu sein, nicht nur im Raume zu stehen, sondern in der Zeit sich zu bewegen und sich durch die Zeit, durch die man sich durchbewegt, als eine menschliche Einheit zu fühlen. Man dehnt sein Dasein bis nahe zu seiner Geburt hin wie zu einer fortlaufenden Realität aus.

[ 21 ] Das ist das Ergebnis der, ich möchte sagen umgewandelten Erinnerung. Während man in diesem Zustande ist, dass man anschaut sich selber als drinnensteckend in seinem bisherigen Leben, hat man nicht die Möglichkeit, die Erinnerung besonders auszubilden. Es ist in der Tat so, dass derjenige, der dies erlebt, es immer wieder und wieder erleben muss, wenigstens in schattenhafter Weise, wenn er es vor sich haben will. Dass man die Erinnerung für diese übersinnliche Welt zu etwas anderem gemacht hat, zu der Anschauung einer feineren Zeitwelt, das bewirkt zu gleicher Zeit, dass die Erinnerung für die Momente, wo man diese höhere Welt anschaut, selbst wie ausgelöscht ist. Aber derjenige, der in einer gesunden Weise in dieser Art sich entwickelt, der wird nicht etwa wie ein mystischer Träumer oder wie ein Somnambuler unwillkürlich zu einer anderen Art des Vorstellens kommen, sondern er wird mit vollem Bewusstsein zu dieser Art des anderen Vorstellens kommen. Dadurch ist er auch in der Lage, immer wieder und wieder zurückzukehren, möchte ich sagen zu dem gewöhnlichen Bewusstsein des Alltags. Er ist in der Lage, trotzdem er hineinschaut zunächst in den ersten Raum der geistigen Welt, er ist imstande, dennoch in gesunder Weise mit beiden Füßen in der sinnlichen Wirklichkeit zu stehen und durchaus nicht ein mystischer Schwärmer und Träumer zu werden.

[ 21 ] Das ist das Ergebnis der, ich möchte sagen umgewandelten Erinnerung. Während man in diesem Zustande ist, dass man anschaut sich selber als drinnensteckend in seinem bisherigen Leben, hat man nicht die Möglichkeit, die Erinnerung besonders auszubilden. Es ist in der Tat so, dass derjenige, der dies erlebt, es immer wieder und wieder erleben muss, wenigstens in schattenhafter Weise, wenn er es vor sich haben will. Dass man die Erinnerung für diese übersinnliche Welt zu etwas anderem gemacht hat, zu der Anschauung einer feineren Zeitwelt, das bewirkt zu gleicher Zeit, dass die Erinnerung für die Momente, wo man diese höhere Welt anschaut, selbst wie ausgelöscht ist. Aber derjenige, der in einer gesunden Weise in dieser Art sich entwickelt, der wird nicht etwa wie ein mystischer Träumer oder wie ein Somnambuler unwillkürlich zu einer anderen Art des Vorstellens kommen, sondern er wird mit vollem Bewusstsein zu dieser Art des anderen Vorstellens kommen. Dadurch ist er auch in der Lage, immer wieder und wieder zurückzukehren, möchte ich sagen zu dem gewöhnlichen Bewusstsein des Alltags. Er ist in der Lage, trotzdem er hineinschaut zunächst in den ersten Raum der geistigen Welt, er ist imstande, dennoch in gesunder Weise mit beiden Füßen in der sinnlichen Wirklichkeit zu stehen und durchaus nicht ein mystischer Schwärmer und Träumer zu werden.

[ 22 ] Dadurch aber erlangt der Mensch wahre Selbsterkenntnis. Denn nicht dasjenige, was von außen an mich herangetreten ist, erscheint da in diesem Lebenstableau, sondern gerade dasjenige, wie man selbst in die äußeren Ereignisse eingegriffen hat. Es ist schon ein Unterschied zwischen dem, wenn etwa jemand sich anstrengen würde, im gewöhnlichen Bewusstsein und in der Erinnerung heraufrufen würde die Ereignisse, die er durchgemacht hat, und dem, was ich eben beschrieben habe, wenn man so für das gewöhnliche Bewusstsein, das gewöhnliche Erinnerungsvermögen die Ereignisse, die man durchgemacht hat bei seiner Geburt, heraufruft. So interessiert einen vor allen Dingen, wie die Welt auf einen gewirkt hat, wie dieser oder jener Mensch einem entgegengekommen ist, was dieses oder jenes Naturereignis für eine Wirkung für einen selber gehabt hat. Wenn man dieses höher-geistige, umgewandelte Erinnerungstableau vor sich hat, dann sieht man eigentlich nicht das, was ein anderer Mensch einem zugefügt hat, sondern man sieht vielmehr, wie man sich selber verhalten hat gegenüber dem anderen Menschen, wie man sich verhalten hat gegenüber diesem oder jenem Naturereignis, dieser oder jener Lebenstatsache. Man sieht sich als agieren, sich als tätig. Kurz — meine sehr verehrten Anwesenden —, man ist vorgerückt zu einer wirklichen Selbsterkenntnis, zu einer anschaulichen Selbsterkenntnis. Diese verdankt man, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Verstärkung des Denkens bis zu jenem Grade, dass man fühlt, man lebt jetzt in dem Denken, wie man sonst in seiner Blutzirkulation, in seiner Atmung lebt.

[ 22 ] Dadurch aber erlangt der Mensch wahre Selbsterkenntnis. Denn nicht dasjenige, was von außen an mich herangetreten ist, erscheint da in diesem Lebenstableau, sondern gerade dasjenige, wie man selbst in die äußeren Ereignisse eingegriffen hat. Es ist schon ein Unterschied zwischen dem, wenn etwa jemand sich anstrengen würde, im gewöhnlichen Bewusstsein und in der Erinnerung heraufrufen würde die Ereignisse, die er durchgemacht hat, und dem, was ich eben beschrieben habe, wenn man so für das gewöhnliche Bewusstsein, das gewöhnliche Erinnerungsvermögen die Ereignisse, die man durchgemacht hat bei seiner Geburt, heraufruft. So interessiert einen vor allen Dingen, wie die Welt auf einen gewirkt hat, wie dieser oder jener Mensch einem entgegengekommen ist, was dieses oder jenes Naturereignis für eine Wirkung für einen selber gehabt hat. Wenn man dieses höher-geistige, umgewandelte Erinnerungstableau vor sich hat, dann sieht man eigentlich nicht das, was ein anderer Mensch einem zugefügt hat, sondern man sieht vielmehr, wie man sich selber verhalten hat gegenüber dem anderen Menschen, wie man sich verhalten hat gegenüber diesem oder jenem Naturereignis, dieser oder jener Lebenstatsache. Man sieht sich als agieren, sich als tätig. Kurz — meine sehr verehrten Anwesenden —, man ist vorgerückt zu einer wirklichen Selbsterkenntnis, zu einer anschaulichen Selbsterkenntnis. Diese verdankt man, wenn ich mich so ausdrücken darf, der Verstärkung des Denkens bis zu jenem Grade, dass man fühlt, man lebt jetzt in dem Denken, wie man sonst in seiner Blutzirkulation, in seiner Atmung lebt.

[ 23 ] Im gewöhnlichen Leben sind die Gedanken matt und schattenhaft. Sie zwingen nicht, es ist nicht etwas, worinnen man lebt wie in seinem Blut oder wie in seinem Atem. Indem man sich in der Weise, wie ich es beschrieben habe, übt, spürt man sozusagen sein Leben im Gedanken ebenso, wie man sonst das Leben im physischen Leibe spürt. Und man weiß dann, dass es neben dem, was der Mensch als physischen Leib an sich trägt, eben diesen zweiten Zeitleib gibt, der nicht räumlich ist — räumlich kann man ihn aufzeichnen, das ist aber nur eine Verbildlichung —, dass es diesen zweiten Zeitleib gibt, der unendlich feiner ist, wenn man diesen Ausdruck überhaupt gebrauchen darf, als der physische Leib. Ich habe ihn in meinen Schriften den Äther- oder Bildekräfteleib genannt, weil man für diese Dinge einen Ausdruck haben muss. Man braucht sich an Ausdrücken nicht zu stoßen. Es ist dieses neben dem physischen Leib das zweite Glied der menschlichen Wesenheit, und es führt die erste Stufe hinauf zum übersinnlichen Leib, um weiterzudringen. Denn man lernt durch eine solche Betrachtung ja nur seine eigene menschliche Wesenheit für dieses Erdenleben kennen.

[ 23 ] Im gewöhnlichen Leben sind die Gedanken matt und schattenhaft. Sie zwingen nicht, es ist nicht etwas, worinnen man lebt wie in seinem Blut oder wie in seinem Atem. Indem man sich in der Weise, wie ich es beschrieben habe, übt, spürt man sozusagen sein Leben im Gedanken ebenso, wie man sonst das Leben im physischen Leibe spürt. Und man weiß dann, dass es neben dem, was der Mensch als physischen Leib an sich trägt, eben diesen zweiten Zeitleib gibt, der nicht räumlich ist — räumlich kann man ihn aufzeichnen, das ist aber nur eine Verbildlichung —, dass es diesen zweiten Zeitleib gibt, der unendlich feiner ist, wenn man diesen Ausdruck überhaupt gebrauchen darf, als der physische Leib. Ich habe ihn in meinen Schriften den Äther- oder Bildekräfteleib genannt, weil man für diese Dinge einen Ausdruck haben muss. Man braucht sich an Ausdrücken nicht zu stoßen. Es ist dieses neben dem physischen Leib das zweite Glied der menschlichen Wesenheit, und es führt die erste Stufe hinauf zum übersinnlichen Leib, um weiterzudringen. Denn man lernt durch eine solche Betrachtung ja nur seine eigene menschliche Wesenheit für dieses Erdenleben kennen.

[ 24 ] Um weiterzudringen, ist sozusagen notwendig, dass man die entgegengesetzte Kraft ausbildet von derjenigen, die im Versenken in Gedanken besteht. Es ist schon so: Wer dieses Versenken in Gedanken kennt, der weiß, wie es den Menschen gefangen nimmt. Man bewahrt sich ja allerdings, wenn man die Sache so betreibt, wie ich es beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss». Man erwirbt sich diese Welt ja allerdings, wenn man die Übungen so betreibt, wie ich sie dort beschrieben habe, in völlig freier Weise. Man wird nicht suggeriert von dem, was man erlebt, man steht darinnen in dem, was man erlebt, wie man als freier Mensch in der sinnlichen Außenwelt steht.

[ 24 ] Um weiterzudringen, ist sozusagen notwendig, dass man die entgegengesetzte Kraft ausbildet von derjenigen, die im Versenken in Gedanken besteht. Es ist schon so: Wer dieses Versenken in Gedanken kennt, der weiß, wie es den Menschen gefangen nimmt. Man bewahrt sich ja allerdings, wenn man die Sache so betreibt, wie ich es beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft im Umriss». Man erwirbt sich diese Welt ja allerdings, wenn man die Übungen so betreibt, wie ich sie dort beschrieben habe, in völlig freier Weise. Man wird nicht suggeriert von dem, was man erlebt, man steht darinnen in dem, was man erlebt, wie man als freier Mensch in der sinnlichen Außenwelt steht.

[ 25 ] Aber dennoch, in demselben Maße, wie irgendetwas, was uns besonders nahegeht in der äußeren Welt, uns gefangen nimmt, so nimmt uns diese Welt, die wir erleben bei der Versenkung in die Gedanken, gefangen; man hat nach und nach — es ist nicht einmal übertrieben, meine sehr verehrten Anwesenden — das Gefühl: Du lebst jetzt in dieser Kraft des Denkens, so wie du sonst in deinem physischen Leibe lebst. Und dennoch ist es notwendig, dass man, will man weiterkommen in übersinnlicher Erkenntnis, gerade diese Stufe überwindet. Denn man muss sich klar sein, diese Stufe ist eigentlich nur dasjenige, was ich in meinen Büchern eine [imaginative] Stufe genannt habe. Dasjenige erlebt man, was die Welt während des Erdenlebens in einen verpflanzt hat, was man sich sozusagen selbst als Vorstellung, Fühlen, Wille eingebildet hat — nicht in dem Sinne einer phantastischen Bildung, sondern in dem Sinne von wirklichem Sich-Einbilden, was man sich eingebildet hat.

[ 25 ] Aber dennoch, in demselben Maße, wie irgendetwas, was uns besonders nahegeht in der äußeren Welt, uns gefangen nimmt, so nimmt uns diese Welt, die wir erleben bei der Versenkung in die Gedanken, gefangen; man hat nach und nach — es ist nicht einmal übertrieben, meine sehr verehrten Anwesenden — das Gefühl: Du lebst jetzt in dieser Kraft des Denkens, so wie du sonst in deinem physischen Leibe lebst. Und dennoch ist es notwendig, dass man, will man weiterkommen in übersinnlicher Erkenntnis, gerade diese Stufe überwindet. Denn man muss sich klar sein, diese Stufe ist eigentlich nur dasjenige, was ich in meinen Büchern eine [imaginative] Stufe genannt habe. Dasjenige erlebt man, was die Welt während des Erdenlebens in einen verpflanzt hat, was man sich sozusagen selbst als Vorstellung, Fühlen, Wille eingebildet hat — nicht in dem Sinne einer phantastischen Bildung, sondern in dem Sinne von wirklichem Sich-Einbilden, was man sich eingebildet hat.

[ 26 ] Aber man erlebt eben doch nur dasjenige, was man im engsten Sinne als Mensch ist, man erlebt nur sein Menschlich-Seelisches. Und man hat noch kein Recht zu sagen, dass dieses Menschlich-Seelische, das man da wie in einem Zeitleibe erlebt, dass dieses einen Weiterbestand habe über das Erdenleben hinaus. Dazu sind höhere Übungen notwendig. Dazu ist notwendig, dass man nun sich innerlich in die Lage versetzen kann — ebenso, wie man das Denken vor die Seele gestellt hat, wie man sich in das Denken versenkt hat, sodass das Denken ein Leben wurde —, jederzeit in völliger innerer Freiheit dieses Denken wiederum zu unterdrücken. Das heißt aber jetzt etwas Besonderes.

[ 26 ] Aber man erlebt eben doch nur dasjenige, was man im engsten Sinne als Mensch ist, man erlebt nur sein Menschlich-Seelisches. Und man hat noch kein Recht zu sagen, dass dieses Menschlich-Seelische, das man da wie in einem Zeitleibe erlebt, dass dieses einen Weiterbestand habe über das Erdenleben hinaus. Dazu sind höhere Übungen notwendig. Dazu ist notwendig, dass man nun sich innerlich in die Lage versetzen kann — ebenso, wie man das Denken vor die Seele gestellt hat, wie man sich in das Denken versenkt hat, sodass das Denken ein Leben wurde —, jederzeit in völliger innerer Freiheit dieses Denken wiederum zu unterdrücken. Das heißt aber jetzt etwas Besonderes.

[ 27 ] Hat man sich vom physischen Leib in dem Sinne befreit, wie ich es eben beschrieben habe, hat man sich eingelebt in den Ätherleib, dann bedeutet ja zunächst das Unterdrücken des Denklebens nicht ein WiederumZurückfallen in den physischen Leib, sondern ein Verbleiben außerhalb des physischen Leibes. Aber dasjenige, was man sich erworben hat von außerhalb des physischen Leibes, das unterdrückt man. Und man stellt dasjenige her, was man leeres Bewusstsein nennen kann. Das ist das Bedeutsame, dass der Mensch seine inneren Seelenfähigkeiten bis zu dieser Stufe des leeren Bewusstseins ausbildet.

[ 27 ] Hat man sich vom physischen Leib in dem Sinne befreit, wie ich es eben beschrieben habe, hat man sich eingelebt in den Ätherleib, dann bedeutet ja zunächst das Unterdrücken des Denklebens nicht ein WiederumZurückfallen in den physischen Leib, sondern ein Verbleiben außerhalb des physischen Leibes. Aber dasjenige, was man sich erworben hat von außerhalb des physischen Leibes, das unterdrückt man. Und man stellt dasjenige her, was man leeres Bewusstsein nennen kann. Das ist das Bedeutsame, dass der Mensch seine inneren Seelenfähigkeiten bis zu dieser Stufe des leeren Bewusstseins ausbildet.

[ 28 ] Ich möchte sagen: So wie der Mensch im gewöhnlichen Leben atmet, wie er einatmet und wieder ausatmet, wie die Einatmung Lebensluft, die Ausatmung Todesluft enthält, so muss der Mensch auf dieser höheren Stufe des denkerischen Geist-Erlebens dazu kommen, das Denken in sich rege zu machen, wie er rege macht als physischen Organismus die eingeatmete Luft. Er muss aber auch in der Lage sein, wiederum aus seiner Seele herauszubringen dieses Denkerlebnis. Dann wird das Bewusstsein leer. Aber hat man einmal diese Möglichkeit des leeren Bewusstseins erlangt, ist man dazu vorgedrungen, abzuwechseln in der Seele zwischen Erfülltsein mit innerem kräftigem Denken, das in den Bildern verläuft, wie ich es beschrieben habe in dem Lebenstableau; hat man es erreicht, dass man wechseln kann zwischen diesen Bildern und zwischen dem Nichts-in-der-Seele-Haben, dann tritt nach gehöriger Zeit — alle diese Dinge müssen in Geduld und Energie abgewartet werden — das ein, dass das leere Bewusstsein, das man sich auf diese Weise errungen hat, nun nicht leer bleibt, aber es treten auch nicht die äußeren Wahrnehmungen auf. Es tritt eine geistige Welt um uns herum auf. Und wir erlangen die Fähigkeit, eine Weile in demjenigen zu leben, was wir im Innern als Bilder unseres eigenen Erdenlebens erwecken, und zu wechseln damit, indem wir diese Bilder unterdrücken, den Ansatz nehmen, leeres Bewusstsein herzustellen, indem wir wechseln mit Erfülltsein dieses leeren Bewusstseins mit äußerem geistigen Weltinhalt.

[ 28 ] Ich möchte sagen: So wie der Mensch im gewöhnlichen Leben atmet, wie er einatmet und wieder ausatmet, wie die Einatmung Lebensluft, die Ausatmung Todesluft enthält, so muss der Mensch auf dieser höheren Stufe des denkerischen Geist-Erlebens dazu kommen, das Denken in sich rege zu machen, wie er rege macht als physischen Organismus die eingeatmete Luft. Er muss aber auch in der Lage sein, wiederum aus seiner Seele herauszubringen dieses Denkerlebnis. Dann wird das Bewusstsein leer. Aber hat man einmal diese Möglichkeit des leeren Bewusstseins erlangt, ist man dazu vorgedrungen, abzuwechseln in der Seele zwischen Erfülltsein mit innerem kräftigem Denken, das in den Bildern verläuft, wie ich es beschrieben habe in dem Lebenstableau; hat man es erreicht, dass man wechseln kann zwischen diesen Bildern und zwischen dem Nichts-in-der-Seele-Haben, dann tritt nach gehöriger Zeit — alle diese Dinge müssen in Geduld und Energie abgewartet werden — das ein, dass das leere Bewusstsein, das man sich auf diese Weise errungen hat, nun nicht leer bleibt, aber es treten auch nicht die äußeren Wahrnehmungen auf. Es tritt eine geistige Welt um uns herum auf. Und wir erlangen die Fähigkeit, eine Weile in demjenigen zu leben, was wir im Innern als Bilder unseres eigenen Erdenlebens erwecken, und zu wechseln damit, indem wir diese Bilder unterdrücken, den Ansatz nehmen, leeres Bewusstsein herzustellen, indem wir wechseln mit Erfülltsein dieses leeren Bewusstseins mit äußerem geistigen Weltinhalt.

[ 29 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, in dieses leere Bewusstsein tritt jetzt herein die Erscheinung einer geistigen Welt, die wir unterscheiden von dem, als was wir uns wissen im Zeitleib, wie wir unterscheiden die äußeren Farben, Töne von unserem physischen Leibe, wenn wir in der Raumeswelt, in der physischen Welt dastehen. Wir lernen unterscheiden zwischen dem, was wir äußerlich wahrnehmen als geistigen Inhalt der Welt, als eine Welt von geistigen Wesenheiten, die um uns geradeso ist, wie die physische Welt der physischen Tatsachen und physischen Wesen, und wir lernen uns selbst von dieser geistigen Welt unterscheiden.

[ 29 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, in dieses leere Bewusstsein tritt jetzt herein die Erscheinung einer geistigen Welt, die wir unterscheiden von dem, als was wir uns wissen im Zeitleib, wie wir unterscheiden die äußeren Farben, Töne von unserem physischen Leibe, wenn wir in der Raumeswelt, in der physischen Welt dastehen. Wir lernen unterscheiden zwischen dem, was wir äußerlich wahrnehmen als geistigen Inhalt der Welt, als eine Welt von geistigen Wesenheiten, die um uns geradeso ist, wie die physische Welt der physischen Tatsachen und physischen Wesen, und wir lernen uns selbst von dieser geistigen Welt unterscheiden.

[ 30 ] Konnte ich sagen, dass die erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis bis zu einer wirklichen Art Selbstanschauung komme, das ein erstarktes Denken ist, so lässt sich jetzt diese zweite Stufe, durch die wir eine wirkliche geistige Welt erkennen, durch die wir erfahren, dass um uns herum Geistwelt ist, wie sinnliche Welt, es lässt sich vergleichen diese zweite Fähigkeit mit derjenigen seelischen Tätigkeit, die wir hineingießen in unseren physischen Organismus, indem wir sprechen. Sprechen ist ja nicht bloß eine physische maschinenhafte Äußerung des menschlichen Organismus. In dasjenige, was der physische Organismus offenbart, indem der Mensch spricht, gießt der Mensch hinein das, was sein Seelenleben ist, und es strömt in den Worten und in den Sätzen dasjenige, was Seelenleben ist. Lernen wir das verstärkte Denken, wie ich es beschrieben habe, unterdrücken, dann lernen wir zu dieser Unterscheidung des unterdrückten Denkens etwas, was ich mit einigen Worten bezeichnen werde, was man ja kennt, aber es ist mit diesen Worten in diesem Falle doch etwas anderes bezeichnet. Man lernt nämlich nicht nur das Denken unterdrücken, man lernt nämlich in einem höheren Sinne, als das im gewöhnlichen Leben der Fall ist, innerlich schweigen. Ja, es ist, wenn das leere Bewusstsein hergestellt ist, das innere Erlebnis da: Jetzt schweigt die Seele. Ich sagte, ich gebrauche das Wort, wie man es für das Nichtreden im gewöhnlichen Leben braucht. Aber das Wort bedeutet in diesem Falle etwas anderes. Dieses Schweigen nach dem unterdrückten Denken ist jetzt ein positives inneres Erlebnis sozusagen, wie wir uns sonst — sagen wir — zur Freude oder zum Schmerz erfüllen mit demjenigen, was unsere Rede enthält, was unsere Worte enthalten. In demselben Sinne fühlen wir uns jetzt, indem wir in unsere übersinnliche Wesenheit auf die beschriebene Art untertauchen: wir schweigen ausgefüllt. Und dieses Schweigen ist noch in einer anderen Beziehung von besonderer Art.

[ 30 ] Konnte ich sagen, dass die erste Stufe der übersinnlichen Erkenntnis bis zu einer wirklichen Art Selbstanschauung komme, das ein erstarktes Denken ist, so lässt sich jetzt diese zweite Stufe, durch die wir eine wirkliche geistige Welt erkennen, durch die wir erfahren, dass um uns herum Geistwelt ist, wie sinnliche Welt, es lässt sich vergleichen diese zweite Fähigkeit mit derjenigen seelischen Tätigkeit, die wir hineingießen in unseren physischen Organismus, indem wir sprechen. Sprechen ist ja nicht bloß eine physische maschinenhafte Äußerung des menschlichen Organismus. In dasjenige, was der physische Organismus offenbart, indem der Mensch spricht, gießt der Mensch hinein das, was sein Seelenleben ist, und es strömt in den Worten und in den Sätzen dasjenige, was Seelenleben ist. Lernen wir das verstärkte Denken, wie ich es beschrieben habe, unterdrücken, dann lernen wir zu dieser Unterscheidung des unterdrückten Denkens etwas, was ich mit einigen Worten bezeichnen werde, was man ja kennt, aber es ist mit diesen Worten in diesem Falle doch etwas anderes bezeichnet. Man lernt nämlich nicht nur das Denken unterdrücken, man lernt nämlich in einem höheren Sinne, als das im gewöhnlichen Leben der Fall ist, innerlich schweigen. Ja, es ist, wenn das leere Bewusstsein hergestellt ist, das innere Erlebnis da: Jetzt schweigt die Seele. Ich sagte, ich gebrauche das Wort, wie man es für das Nichtreden im gewöhnlichen Leben braucht. Aber das Wort bedeutet in diesem Falle etwas anderes. Dieses Schweigen nach dem unterdrückten Denken ist jetzt ein positives inneres Erlebnis sozusagen, wie wir uns sonst — sagen wir — zur Freude oder zum Schmerz erfüllen mit demjenigen, was unsere Rede enthält, was unsere Worte enthalten. In demselben Sinne fühlen wir uns jetzt, indem wir in unsere übersinnliche Wesenheit auf die beschriebene Art untertauchen: wir schweigen ausgefüllt. Und dieses Schweigen ist noch in einer anderen Beziehung von besonderer Art.

[ 31 ] Ich muss mich durch einen Vergleich ausdrücken, wenn ich das klarmachen will. Ich muss sagen: Nehmen wir an, wir befinden uns in dem Geräusche einer Großstadt, alles Mögliche poltert um uns herum. Wir entfernen uns aus der Stadt, die Geräusche werden immer schwächer und schwächer, weil sie ferner und ferner tönen; es wird immer stiller. Wir gehen hinaus in die Einsamkeit des Waldes — noch stiller wird es. Endlich ist volles Schweigen um uns. Aber ich möchte sagen: Dieses Schweigen ist erst die Null. Wir können weitergehen. Wir können dasjenige, was Schweigen einfach als etwas nicht hören bedeutet, noch weiter vermindern — wenn ich mich eines ganz trivialen Ausdruckes bedienen darf —, wie wir vermindern können, wenn wir unser Vermögen bis auf die Null herunter ausgegeben haben, dieses Vermögen noch weiter vermindern, indem wir Schulden machen müssen, indem wir noch weniger haben als Null. So können wir das Schweigen vermindern. Es ist etwas Tieferes in der Seele, nachdem das Denken unterdrückt ist, als das Schweigen. Es ist eine innerliche Kraft in diesem verstärkten Schweigen, und in dieses verstärkte Schweigen, diese Stille, die über die Null der Ruhe hinausgeht, diese Stille, sie bringt etwas hervor, was nun nicht ein Äußeres ist, aber eine innerliche Sprache, eine Sprache, die nun nicht aus den Tiefen der Seele herausdringt, sondern die — man erlebt es deutlich — hereinkommt von der übersinnlichen Welt, in der man selbst jetzt in dieser übersinnlichen Wesenheit ist, wie ich es beschrieben habe. Man fühlt sich jetzt gedrängt, dasjenige, was man in dem inneren Schweigen der Seele erlebt, so zu beschreiben. Man erlebt ja die geistige Welt, und von der geistigen Welt ist es, wie wenn sie durch das Schweigen unserer Seele zu uns spräche. Sie spricht wirklich zu uns. Nur muss man dieses Sprechen nicht in die Worte gießen, die sonst hervorgebracht werden mit unseren Sprachorganen, sondern man muss das gießen, indem man die Naturerscheinungen selber verwendet, um dasjenige auszudrücken, was sich da als geistige Welt offenbart. Das geschieht so. Aber es geschieht das — meine sehr verehrten Anwesenden —, man will innere elementare Natürlichkeit, wie es das Verhalten gegenüber der äußeren Sinneswelt ist. Ich nehme wahr auf die beschriebene Art irgendetwas Geistiges in der Welt. Dieses Geistige macht auf mich einen Eindruck, einen ganz bestimmten Eindruck. Unmittelbar steht vor meiner schweigenden Seele dieser Eindruck. Er ist derselbe, den sonst die rote Farbe macht, nicht so, wie ich die rote Farbe gesehen habe, sondern geradeso wie ich, wenn ich irgendeine rote Farbfläche in der Erinnerung wiederum vollständig aufleuchten sehe, sehe ich nicht die Röte der Farbe, sondern die Erinnerung an das Farbigsein, an die Röte der Farbe. Sie ist aber doch etwas ganz anderes. So erlebe ich jetzt in der Seele die unmittelbare Anwesenheit eines Geistigen. Ich muss diese unmittelbare Anwesenheit eines Geistigen so aussprechen, dass ich mich gewissermaßen erinnere. Dieses Geistige wirkt auf mich wie die rote oder blaue Farbe. Ich kann das Geistige in der roten oder blauen Farbe mit diesem oder jenem Tone, obwohl gar nicht gemeint ist irgendein Ton der äußeren Sinneswelt, vergleichen. Mit anderen Worten: Meine Sprache gegenüber der geistigen Welt wird eine ganz besondere. Meine Sprache gegenüber der geistigen Welt wird eine solche, dass ich, um zu charakterisieren, um auszudrücken, was sich mir in der geistigen Welt offenbart, [mich] der sinnlichen Erscheinungen bediene, die aber ebenso wenig zu den geistigen Wesenheiten und Geschehnissen gehören, wie schließlich das Wort Denken zu dem Denken selbst gehört. Man beschreibt dasjenige, was man in der geistigen Welt schaut, so wie ich es beschrieben habe zum Beispiel in meiner «Theosophie»; aber es ist eine Sprache, die man gebraucht. Man bedient sich der sinnlichen Farben, der sinnlichen Töne, um dasjenige, was man in der geistigen Welt zu beschreiben hat, zu beschreiben. Es ist eine Sprache, es ist die Sprache der schweigenden Seele.

[ 31 ] Ich muss mich durch einen Vergleich ausdrücken, wenn ich das klarmachen will. Ich muss sagen: Nehmen wir an, wir befinden uns in dem Geräusche einer Großstadt, alles Mögliche poltert um uns herum. Wir entfernen uns aus der Stadt, die Geräusche werden immer schwächer und schwächer, weil sie ferner und ferner tönen; es wird immer stiller. Wir gehen hinaus in die Einsamkeit des Waldes — noch stiller wird es. Endlich ist volles Schweigen um uns. Aber ich möchte sagen: Dieses Schweigen ist erst die Null. Wir können weitergehen. Wir können dasjenige, was Schweigen einfach als etwas nicht hören bedeutet, noch weiter vermindern — wenn ich mich eines ganz trivialen Ausdruckes bedienen darf —, wie wir vermindern können, wenn wir unser Vermögen bis auf die Null herunter ausgegeben haben, dieses Vermögen noch weiter vermindern, indem wir Schulden machen müssen, indem wir noch weniger haben als Null. So können wir das Schweigen vermindern. Es ist etwas Tieferes in der Seele, nachdem das Denken unterdrückt ist, als das Schweigen. Es ist eine innerliche Kraft in diesem verstärkten Schweigen, und in dieses verstärkte Schweigen, diese Stille, die über die Null der Ruhe hinausgeht, diese Stille, sie bringt etwas hervor, was nun nicht ein Äußeres ist, aber eine innerliche Sprache, eine Sprache, die nun nicht aus den Tiefen der Seele herausdringt, sondern die — man erlebt es deutlich — hereinkommt von der übersinnlichen Welt, in der man selbst jetzt in dieser übersinnlichen Wesenheit ist, wie ich es beschrieben habe. Man fühlt sich jetzt gedrängt, dasjenige, was man in dem inneren Schweigen der Seele erlebt, so zu beschreiben. Man erlebt ja die geistige Welt, und von der geistigen Welt ist es, wie wenn sie durch das Schweigen unserer Seele zu uns spräche. Sie spricht wirklich zu uns. Nur muss man dieses Sprechen nicht in die Worte gießen, die sonst hervorgebracht werden mit unseren Sprachorganen, sondern man muss das gießen, indem man die Naturerscheinungen selber verwendet, um dasjenige auszudrücken, was sich da als geistige Welt offenbart. Das geschieht so. Aber es geschieht das — meine sehr verehrten Anwesenden —, man will innere elementare Natürlichkeit, wie es das Verhalten gegenüber der äußeren Sinneswelt ist. Ich nehme wahr auf die beschriebene Art irgendetwas Geistiges in der Welt. Dieses Geistige macht auf mich einen Eindruck, einen ganz bestimmten Eindruck. Unmittelbar steht vor meiner schweigenden Seele dieser Eindruck. Er ist derselbe, den sonst die rote Farbe macht, nicht so, wie ich die rote Farbe gesehen habe, sondern geradeso wie ich, wenn ich irgendeine rote Farbfläche in der Erinnerung wiederum vollständig aufleuchten sehe, sehe ich nicht die Röte der Farbe, sondern die Erinnerung an das Farbigsein, an die Röte der Farbe. Sie ist aber doch etwas ganz anderes. So erlebe ich jetzt in der Seele die unmittelbare Anwesenheit eines Geistigen. Ich muss diese unmittelbare Anwesenheit eines Geistigen so aussprechen, dass ich mich gewissermaßen erinnere. Dieses Geistige wirkt auf mich wie die rote oder blaue Farbe. Ich kann das Geistige in der roten oder blauen Farbe mit diesem oder jenem Tone, obwohl gar nicht gemeint ist irgendein Ton der äußeren Sinneswelt, vergleichen. Mit anderen Worten: Meine Sprache gegenüber der geistigen Welt wird eine ganz besondere. Meine Sprache gegenüber der geistigen Welt wird eine solche, dass ich, um zu charakterisieren, um auszudrücken, was sich mir in der geistigen Welt offenbart, [mich] der sinnlichen Erscheinungen bediene, die aber ebenso wenig zu den geistigen Wesenheiten und Geschehnissen gehören, wie schließlich das Wort Denken zu dem Denken selbst gehört. Man beschreibt dasjenige, was man in der geistigen Welt schaut, so wie ich es beschrieben habe zum Beispiel in meiner «Theosophie»; aber es ist eine Sprache, die man gebraucht. Man bedient sich der sinnlichen Farben, der sinnlichen Töne, um dasjenige, was man in der geistigen Welt zu beschreiben hat, zu beschreiben. Es ist eine Sprache, es ist die Sprache der schweigenden Seele.

[ 32 ] Und wenn die Seele in dieser Weise vorgeschritten ist, dann kann auch, wenn einfach die Kraft verstärkt wird, welche das Denken unterdrückt und das Schweigen der Seele herstellt, dann kann auch das ganze Tableau der Selbstanschauung ausgelöscht werden. Ich kann sozusagen meinen Zeitleib auslöschen. Wie ich sonst nur einzelne Bilder, einzelne Gedanken aus dem Bewusstsein auslösche, so lösche ich jetzt dasjenige aus, was ich als irdischer Mensch seit meiner Geburt erlebt habe. Habe ich gelernt, Bewusstsein mit Schweigen der Seele herzustellen, dann taucht jetzt nicht nur die umfassende Geistwelt auf, wie ich es eben beschrieben habe, sondern es taucht auf die eigene wahre Wesenheit, die der Mensch war, bevor er heruntergestiegen ist in eine physische Welt in einem vorigen Dasein. Jetzt lernt man durch die Unterdrückung desjenigen, was man als Erdenmensch erlebt hat, durch das leere, von Schweigen erfüllte Bewusstsein sein vorirdisches Dasein kennen, somit die Seele in demjenigen Zustande, in dem sie ewig ist, in dem sie war, bevor sie durch den physischen Menschenkeim in das physische Erdenleben eingetreten ist. Jetzt erlangt man, nicht durch eine philosophische Spekulation, sondern durch eine wirkliche Anschauung, die Erkenntnis der Ewigkeit der Menschenseele.

[ 32 ] Und wenn die Seele in dieser Weise vorgeschritten ist, dann kann auch, wenn einfach die Kraft verstärkt wird, welche das Denken unterdrückt und das Schweigen der Seele herstellt, dann kann auch das ganze Tableau der Selbstanschauung ausgelöscht werden. Ich kann sozusagen meinen Zeitleib auslöschen. Wie ich sonst nur einzelne Bilder, einzelne Gedanken aus dem Bewusstsein auslösche, so lösche ich jetzt dasjenige aus, was ich als irdischer Mensch seit meiner Geburt erlebt habe. Habe ich gelernt, Bewusstsein mit Schweigen der Seele herzustellen, dann taucht jetzt nicht nur die umfassende Geistwelt auf, wie ich es eben beschrieben habe, sondern es taucht auf die eigene wahre Wesenheit, die der Mensch war, bevor er heruntergestiegen ist in eine physische Welt in einem vorigen Dasein. Jetzt lernt man durch die Unterdrückung desjenigen, was man als Erdenmensch erlebt hat, durch das leere, von Schweigen erfüllte Bewusstsein sein vorirdisches Dasein kennen, somit die Seele in demjenigen Zustande, in dem sie ewig ist, in dem sie war, bevor sie durch den physischen Menschenkeim in das physische Erdenleben eingetreten ist. Jetzt erlangt man, nicht durch eine philosophische Spekulation, sondern durch eine wirkliche Anschauung, die Erkenntnis der Ewigkeit der Menschenseele.

[ 33 ] Damit aber erlangt man auch die Erkenntnis des ganzen Zusammenhanges zwischen dieser Menschenseele und dem Menschenleib. Denn man lernt ja jetzt hineinschauen in die Welt, in der man war, bevor man zum irdischen Dasein heruntergestiegen ist. Und jetzt lernt man erkennen, wie in dieser Welt, die eine rein geistige ist, in der man war, bevor man zum irdischen Dasein heruntergestiegen ist, jetzt lernt man kennen, wie ebenso dieser Mensch, dasjenige, was man vor sich hat, der Mensch ist, geradeso, wie hier das Außermenschliche auf der Erde die Welt ist. Man lernt erkennen, wie der Mensch seine übersinnlichen Sinne — wenn ich mich dieses paradoxen Ausdruckes bedienen darf —, seine übersinnlichen Sinne hingerichtet hatte, bevor er in einen physischen Leib heruntergestiegen ist, gerade auf die Natur und Wesenheit des Menschen, wie er damals im vorirdischen Dasein die Geheimnisse des Menschen durchschaut hat, wie er diese Geheimnisse des Menschen in der Geistwelt durchschaut hat, während er in seiner ewigen Natur, nicht eingekleidet in seinem physischen Leibe, war.

[ 33 ] Damit aber erlangt man auch die Erkenntnis des ganzen Zusammenhanges zwischen dieser Menschenseele und dem Menschenleib. Denn man lernt ja jetzt hineinschauen in die Welt, in der man war, bevor man zum irdischen Dasein heruntergestiegen ist. Und jetzt lernt man erkennen, wie in dieser Welt, die eine rein geistige ist, in der man war, bevor man zum irdischen Dasein heruntergestiegen ist, jetzt lernt man kennen, wie ebenso dieser Mensch, dasjenige, was man vor sich hat, der Mensch ist, geradeso, wie hier das Außermenschliche auf der Erde die Welt ist. Man lernt erkennen, wie der Mensch seine übersinnlichen Sinne — wenn ich mich dieses paradoxen Ausdruckes bedienen darf —, seine übersinnlichen Sinne hingerichtet hatte, bevor er in einen physischen Leib heruntergestiegen ist, gerade auf die Natur und Wesenheit des Menschen, wie er damals im vorirdischen Dasein die Geheimnisse des Menschen durchschaut hat, wie er diese Geheimnisse des Menschen in der Geistwelt durchschaut hat, während er in seiner ewigen Natur, nicht eingekleidet in seinem physischen Leibe, war.

[ 34 ] Und damit eröffnet sich auch die Erkenntnis davon, die anschauliche, nicht erspekulierte Erkenntnis davon, wie die menschliche Wesenheit dasjenige, was sie in ihrer ewigen Wesenheit aufrechterhält, wenn der Mensch die Pforte des Todes durchschreitet, durchzieht. Glaubensvorstellungen kann man gewinnen über dasjenige, was über den Tod hinaus lebt. Es soll auch hier gar nicht gesagt werden, dass diese Glaubensvorstellungen etwas falsch oder mangelhaft zu sein brauchen, gegen ihre Richtigkeit soll gar nichts eingewendet werden. Allein wir leben heute in einem Zeitalter schon, wo der Mensch hingeordnet ist, zu demjenigen, was ihm durch Wissen und Erkenntnisinhalt, nicht durch Glaubensinhalt gegeben wird, zu dringen. Deshalb soll auch [der Erkenntnisweg], nicht der bloße Glaubensweg gesucht werden.

[ 34 ] Und damit eröffnet sich auch die Erkenntnis davon, die anschauliche, nicht erspekulierte Erkenntnis davon, wie die menschliche Wesenheit dasjenige, was sie in ihrer ewigen Wesenheit aufrechterhält, wenn der Mensch die Pforte des Todes durchschreitet, durchzieht. Glaubensvorstellungen kann man gewinnen über dasjenige, was über den Tod hinaus lebt. Es soll auch hier gar nicht gesagt werden, dass diese Glaubensvorstellungen etwas falsch oder mangelhaft zu sein brauchen, gegen ihre Richtigkeit soll gar nichts eingewendet werden. Allein wir leben heute in einem Zeitalter schon, wo der Mensch hingeordnet ist, zu demjenigen, was ihm durch Wissen und Erkenntnisinhalt, nicht durch Glaubensinhalt gegeben wird, zu dringen. Deshalb soll auch [der Erkenntnisweg], nicht der bloße Glaubensweg gesucht werden.

[ 35 ] Man gelangt dazu, einzusehen, wie die Menschenseele selber durch den physischen Leib zusammenhängt, wie sie drinnenlebt, wie sie in der Blutzirkulation lebt, im Atmungsprozess lebt, in aller einzelnen Funktion des Körperlichen lebt. Man lernt daher erkennen, wie im physischen Erdenleben nicht nur vorhanden ist ein aufsteigendes, sprossendes, sprießendes Leben, sondern man schaut hinein, nachdem man den ewigen Charakter der Menschenseele kennengelernt hat, wie diese Menschenseele in dem physischen Leibe lebt. Man lernt erkennen, dass zwar der Wille, dass die Wachstumskraft an die sprießenden, sprossenden Kräfte gebunden ist, man lernt aber auch erkennen, dass gerade das Denken und noch ein Teil des Fühlens gebunden ist an Abbaukräfte des menschlichen Organismus.

[ 35 ] Man gelangt dazu, einzusehen, wie die Menschenseele selber durch den physischen Leib zusammenhängt, wie sie drinnenlebt, wie sie in der Blutzirkulation lebt, im Atmungsprozess lebt, in aller einzelnen Funktion des Körperlichen lebt. Man lernt daher erkennen, wie im physischen Erdenleben nicht nur vorhanden ist ein aufsteigendes, sprossendes, sprießendes Leben, sondern man schaut hinein, nachdem man den ewigen Charakter der Menschenseele kennengelernt hat, wie diese Menschenseele in dem physischen Leibe lebt. Man lernt erkennen, dass zwar der Wille, dass die Wachstumskraft an die sprießenden, sprossenden Kräfte gebunden ist, man lernt aber auch erkennen, dass gerade das Denken und noch ein Teil des Fühlens gebunden ist an Abbaukräfte des menschlichen Organismus.

[ 36 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn Sie einen Gedanken, eine Vorstellung fassen, da geschieht nicht ein Wachstumsprozess, da geschieht ein Abbauprozess, gewissermaßen ein atomistischer Sterbeprozess. Wir sterben fortwährend, indem wir denken, und auch für einen Teil des Fühlens gilt das. Wir tragen als physischer Erdenmensch dasjenige in uns, was wächst, wie eine Pflanze wächst. Wir tragen aber auch dasjenige in uns, was innerhalb gerade unseres Nervenorganismus fortwährend abdörrt, wie eine Pflanze abdörrt. Aber während die Pflanze im Abdörren nur einen Verfall hat, haben wir neben, ich möchte sagen Herausbröckelndem des Absterbens, in uns die Möglichkeit des Denkens und eines Teils des Fühlens. Da schaut man in anderer Weise in das menschliche Erdenleben hinein, als das sonst durch eine bloße äußere Physiologie der Fall ist. Da schaut man hin, wie der Mensch zu seinem Denken dadurch kommt, dass sozusagen der Gedanke sich erst festsetzt, wenn Materie [nicht] in ihrer Wachstumskraft lebt oder gar, wenn die Struktur der Materie zerstört ist.

[ 36 ] Ja — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn Sie einen Gedanken, eine Vorstellung fassen, da geschieht nicht ein Wachstumsprozess, da geschieht ein Abbauprozess, gewissermaßen ein atomistischer Sterbeprozess. Wir sterben fortwährend, indem wir denken, und auch für einen Teil des Fühlens gilt das. Wir tragen als physischer Erdenmensch dasjenige in uns, was wächst, wie eine Pflanze wächst. Wir tragen aber auch dasjenige in uns, was innerhalb gerade unseres Nervenorganismus fortwährend abdörrt, wie eine Pflanze abdörrt. Aber während die Pflanze im Abdörren nur einen Verfall hat, haben wir neben, ich möchte sagen Herausbröckelndem des Absterbens, in uns die Möglichkeit des Denkens und eines Teils des Fühlens. Da schaut man in anderer Weise in das menschliche Erdenleben hinein, als das sonst durch eine bloße äußere Physiologie der Fall ist. Da schaut man hin, wie der Mensch zu seinem Denken dadurch kommt, dass sozusagen der Gedanke sich erst festsetzt, wenn Materie [nicht] in ihrer Wachstumskraft lebt oder gar, wenn die Struktur der Materie zerstört ist.

[ 37 ] Die Materie ist so wenig Herr unseres Denkens, dass die Materie ihre eigene Natur da in unserem Organismus aufgeben muss, wo der Gedanke herrschen will. Der Gedanke herrscht in unserem Organismus, indem seine ganze Struktur nicht Wachstum der Materie ist, sondern indem die Materie abdörrt. Die Materie macht erst den Gedanken [Platz]. Lernen wir auf diese Weise, ich möchte sagen den partiellen Tod kennen, lernen wir erkennen, wie immer in uns etwas abstirbt, gerade um unserem Geistigen Platz zu machen, dann gelangen wir, insbesondere wenn wir das Denken und innere Schweigen so fortgebildet haben, wie ich es geschildert habe, dann gelangen wir dazu, nun auch die menschliche Ewigkeit nach der anderen Seite, über den Tod hinaus wirklich anzuschauen, zu erkennen. Dazu aber bedarf es noch etwas anderes.

[ 37 ] Die Materie ist so wenig Herr unseres Denkens, dass die Materie ihre eigene Natur da in unserem Organismus aufgeben muss, wo der Gedanke herrschen will. Der Gedanke herrscht in unserem Organismus, indem seine ganze Struktur nicht Wachstum der Materie ist, sondern indem die Materie abdörrt. Die Materie macht erst den Gedanken [Platz]. Lernen wir auf diese Weise, ich möchte sagen den partiellen Tod kennen, lernen wir erkennen, wie immer in uns etwas abstirbt, gerade um unserem Geistigen Platz zu machen, dann gelangen wir, insbesondere wenn wir das Denken und innere Schweigen so fortgebildet haben, wie ich es geschildert habe, dann gelangen wir dazu, nun auch die menschliche Ewigkeit nach der anderen Seite, über den Tod hinaus wirklich anzuschauen, zu erkennen. Dazu aber bedarf es noch etwas anderes.

[ 38 ] Und jetzt — meine sehr verehrten Anwesenden — muss ich kurz etwas erwähnen, was gewiss außerordentlich paradox erscheinen wird, aber es ist doch eine Wirklichkeit. Es muss noch eine Seelenkraft besonders ausgebildet werden, wenn man nun dazu kommen will, diesen eben angedeuteten Tatbestand über den Tod hinaus zu durchschauen. Während man nämlich dieses leere Bewusstsein ausbildet, dieses innere Schweigen der Seele, erlangt man schon auch immer mehr und mehr das Bedürfnis, eine Seelenkraft, die sonst in uns vorhanden ist, die eine außerordentlich große Rolle spielt im menschlichen Leben, eine solche Seelenkraft weiter ins Geistige, ins Seelische hinüber zu bilden. Das ist die Kraft der Liebe. Liebe, die edelste unter den Seelenkräften, kann auch in gewisser Beziehung die niederste sein. Sie spielt ihre große Rolle im Leben. Also wenn der Mensch diese Stufe durchläuft, dass er sich zuerst in seinem Zeitleibe fühlt, dass er dann hinschaut zu diesem noch viel höheren Leib — wenn ich jetzt diesen Ausdruck gebrauchen darf —, den er getragen hat im vorirdischen Dasein, so sind seine Seelenkräfte so gesteigert, dass er auch das Bedürfnis fühlt, die Liebefähigkeit zu steigern. Deshalb habe ich in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» auch jene Übungen angegeben, welche die Liebefähigkeit steigern. Steigert man parallel den erwähnten anderen Fähigkeiten diese Liebefähigkeit, dann gelangt man dazu, allmählich dasjenige, was man anschaut als sein eigenes Wesen im vorirdischen Dasein, das auch während des Erdenlebens wirklich zu durchleben. Und jetzt erlebt man sich in einem dritten Gliede der Menschennatur.

[ 38 ] Und jetzt — meine sehr verehrten Anwesenden — muss ich kurz etwas erwähnen, was gewiss außerordentlich paradox erscheinen wird, aber es ist doch eine Wirklichkeit. Es muss noch eine Seelenkraft besonders ausgebildet werden, wenn man nun dazu kommen will, diesen eben angedeuteten Tatbestand über den Tod hinaus zu durchschauen. Während man nämlich dieses leere Bewusstsein ausbildet, dieses innere Schweigen der Seele, erlangt man schon auch immer mehr und mehr das Bedürfnis, eine Seelenkraft, die sonst in uns vorhanden ist, die eine außerordentlich große Rolle spielt im menschlichen Leben, eine solche Seelenkraft weiter ins Geistige, ins Seelische hinüber zu bilden. Das ist die Kraft der Liebe. Liebe, die edelste unter den Seelenkräften, kann auch in gewisser Beziehung die niederste sein. Sie spielt ihre große Rolle im Leben. Also wenn der Mensch diese Stufe durchläuft, dass er sich zuerst in seinem Zeitleibe fühlt, dass er dann hinschaut zu diesem noch viel höheren Leib — wenn ich jetzt diesen Ausdruck gebrauchen darf —, den er getragen hat im vorirdischen Dasein, so sind seine Seelenkräfte so gesteigert, dass er auch das Bedürfnis fühlt, die Liebefähigkeit zu steigern. Deshalb habe ich in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» auch jene Übungen angegeben, welche die Liebefähigkeit steigern. Steigert man parallel den erwähnten anderen Fähigkeiten diese Liebefähigkeit, dann gelangt man dazu, allmählich dasjenige, was man anschaut als sein eigenes Wesen im vorirdischen Dasein, das auch während des Erdenlebens wirklich zu durchleben. Und jetzt erlebt man sich in einem dritten Gliede der Menschennatur.

[ 39 ] Man hat sonst im gewöhnlichen Leben seinen physischen Leib, durch die Art, die ich geschildert habe, seinen Äther- oder Bildekräfteleib, den Zeitleib erlebt. Jetzt erlebt man sich in seinem eigentlichen übersinnlichen Leib, in dem das Seelenleben vor sich geht. Den erkennt man jetzt als denjenigen, für den immer von der Materie Platz geschaffen werden muss, indem die Materie ihre Struktur zerstört, damit das eigentliche Seelisch-Geistige sich in unserer Organisation ausbreiten kann. Und jetzt erlebt man auch, indem man zuerst sieht, wie gewissermaßen aus dem Nervensystem die Materie herausfällt, tot wird, und das Seelisch-Gedankenhafte sich geltend macht, jetzt lernt man erkennen, wie das Seelische, wenn der ganze Leib abfällt im Tode, hinübergeht in die geistige Welt.

[ 39 ] Man hat sonst im gewöhnlichen Leben seinen physischen Leib, durch die Art, die ich geschildert habe, seinen Äther- oder Bildekräfteleib, den Zeitleib erlebt. Jetzt erlebt man sich in seinem eigentlichen übersinnlichen Leib, in dem das Seelenleben vor sich geht. Den erkennt man jetzt als denjenigen, für den immer von der Materie Platz geschaffen werden muss, indem die Materie ihre Struktur zerstört, damit das eigentliche Seelisch-Geistige sich in unserer Organisation ausbreiten kann. Und jetzt erlebt man auch, indem man zuerst sieht, wie gewissermaßen aus dem Nervensystem die Materie herausfällt, tot wird, und das Seelisch-Gedankenhafte sich geltend macht, jetzt lernt man erkennen, wie das Seelische, wenn der ganze Leib abfällt im Tode, hinübergeht in die geistige Welt.

[ 40 ] Ich musste Ihnen schildern, meine sehr verehrten Anwesenden, indem ich Ihnen von der menschlichen Unsterblichkeit sprach — diese Frage wollte ich von den drei genannten heute charakterisieren —, indem ich Ihnen dies sagte, musste ich in einer anderen Weise reden, als oftmals in philosophischer Weise geredet wird. Da wird vorausgesetzt, dass man beim gewöhnlichen Denken bleiben kann, dass man die Gedanken kombinieren kann und dass man da durch Urteile und Schlussfolgerungen dazu komme, etwas einzusehen über die Unsterblichkeit der Seele. Hier aber musste ich Ihnen geltend machen aus anthroposophischem Streben heraus, wie man erst die menschliche Seele entwickeln muss mit Unterdrückung des intellektuellen Hochmuts, um zu der Anschauung des ewigen Wesenskernes, des seelisch-geistigen Wesenskernes im Menschen zu kommen.

[ 40 ] Ich musste Ihnen schildern, meine sehr verehrten Anwesenden, indem ich Ihnen von der menschlichen Unsterblichkeit sprach — diese Frage wollte ich von den drei genannten heute charakterisieren —, indem ich Ihnen dies sagte, musste ich in einer anderen Weise reden, als oftmals in philosophischer Weise geredet wird. Da wird vorausgesetzt, dass man beim gewöhnlichen Denken bleiben kann, dass man die Gedanken kombinieren kann und dass man da durch Urteile und Schlussfolgerungen dazu komme, etwas einzusehen über die Unsterblichkeit der Seele. Hier aber musste ich Ihnen geltend machen aus anthroposophischem Streben heraus, wie man erst die menschliche Seele entwickeln muss mit Unterdrückung des intellektuellen Hochmuts, um zu der Anschauung des ewigen Wesenskernes, des seelisch-geistigen Wesenskernes im Menschen zu kommen.

[ 41 ] Das aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ist in der Seele nicht eine mystische Tätigkeit, nicht ein Traum; das verläuft in der Seele mit derselben inneren Klarheit, ja, ich möchte sagen mit derselben inneren Nüchternheit, wie das mit Atmen und Denken verläuft. Eigentlich fühlt derjenige, der Anthroposophie in der Art treibt, wie ich es angedeutet habe, wie Sie es in meinen Büchern weiter nachlesen können, immer die Verpflichtung, nicht anders zu verfahren mit seinen Seelenkräften, als wie der Mathematiker verfährt, Schritt für Schritt sich immer von dem Anteil des Seelenlebens Rechenschaft zu geben. Es ist dieselbe Tätigkeit, die man verrichtet in der Anthroposophie, wie in der Mathematik, nur dass die Mathematik sich mit den toten Raumesverhältnissen und Zahlenverhältnissen beschäftigt und dadurch dasjenige, was sie innerlich geistig erfasst in ihrem Gebilde, in ihren geometrischen, arithmetischen und algebraischen und so weiter Gebilden auch anwendbar hat, nur auf das äußerliche Tote — schafft Anthroposophie in dem Lebendigen. Alles lebt. Und sie kann daher dasjenige, was sie, ich möchte sagen in mathematischer Art erfasst, anwenden nicht nur auf das Lebendige, sondern auch auf das geistig existierende Tote.

[ 41 ] Das aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ist in der Seele nicht eine mystische Tätigkeit, nicht ein Traum; das verläuft in der Seele mit derselben inneren Klarheit, ja, ich möchte sagen mit derselben inneren Nüchternheit, wie das mit Atmen und Denken verläuft. Eigentlich fühlt derjenige, der Anthroposophie in der Art treibt, wie ich es angedeutet habe, wie Sie es in meinen Büchern weiter nachlesen können, immer die Verpflichtung, nicht anders zu verfahren mit seinen Seelenkräften, als wie der Mathematiker verfährt, Schritt für Schritt sich immer von dem Anteil des Seelenlebens Rechenschaft zu geben. Es ist dieselbe Tätigkeit, die man verrichtet in der Anthroposophie, wie in der Mathematik, nur dass die Mathematik sich mit den toten Raumesverhältnissen und Zahlenverhältnissen beschäftigt und dadurch dasjenige, was sie innerlich geistig erfasst in ihrem Gebilde, in ihren geometrischen, arithmetischen und algebraischen und so weiter Gebilden auch anwendbar hat, nur auf das äußerliche Tote — schafft Anthroposophie in dem Lebendigen. Alles lebt. Und sie kann daher dasjenige, was sie, ich möchte sagen in mathematischer Art erfasst, anwenden nicht nur auf das Lebendige, sondern auch auf das geistig existierende Tote.

[ 42 ] Wenn man im Raume von seinen Bildern umgeben ist, so ist man als Mensch mit sich allein. Derjenige, der neben einem steht, die anderen Menschen, die im Zimmer sein können, haben eine ganz andere Welt. Wenn sie alle träumen, können sie von Verschiedenem träumen. Mit seiner Traumwelt ist der Mensch ganz allein, isoliert. In dem Augenblick, wo er aufwacht, wo er seinen Willen einschaltet und seine Sinne einschaltet in die umgebende Sinneswelt, da ist er nicht isoliert, da erlebt er mit den anderen Menschen eine gemeinschaftliche Außenwelt. Aber sein Inneres, das eigentliche Seelenleben, hat der Mensch auch innerhalb der Sinneswelt des Erdendaseins für sich. Das ist so wie der Traum. Wir haben eigentlich nur für die sinnliche Außenwelt dieses; im Innern träumt jeder seine eigene Seelenwelt. In dem Augenblicke, wo wir hineinschauen in das vorirdische Dasein oder auch, wie ich es beschrieben habe, in das Dasein, das der Mensch betritt, bevor er durch die Pforte des Todes tritt, in demselben Augenblicke haben wir auch geistig-seelisch mit dem anderen Menschen ein Dasein. Wir leben in einer geistigen Welt wie alle Seelen. Daher eröffnet sich durch Anthroposophie nicht bloß etwas wie eine Unsterblichkeitsidee, sondern eine wirkliche Erkenntnis davon: Wenn du durch die Pforte des Todes gehst, dann wirfst du den physischen Leib ab, du lebst in deinem GeistigSeelischen in der geistigen Welt weiter. Aber auch dasjenige, was du an Erdenverhältnissen eingegangen bist mit anderen Menschen — dasjenige, was du mit jenen eingegangen bist, die du geliebt hast, mit denen du verwandt bist oder sonst lieb hast, Freunde, Gesinnungsgenossen und so weiter —, dasjenige, was irdisch daran ist, fällt ab. Aber das, was deine eigene Seele weiterlebt, das lebst du gemeinschaftlich mit denen, mit denen du Verhältnisse eingegangen hast, das lebst du mit denen auch, die dir vorangegangen sind vielleicht oder nachdem sie ebenfalls in die geistige Welt gekommen sind, weiter.

[ 42 ] Wenn man im Raume von seinen Bildern umgeben ist, so ist man als Mensch mit sich allein. Derjenige, der neben einem steht, die anderen Menschen, die im Zimmer sein können, haben eine ganz andere Welt. Wenn sie alle träumen, können sie von Verschiedenem träumen. Mit seiner Traumwelt ist der Mensch ganz allein, isoliert. In dem Augenblick, wo er aufwacht, wo er seinen Willen einschaltet und seine Sinne einschaltet in die umgebende Sinneswelt, da ist er nicht isoliert, da erlebt er mit den anderen Menschen eine gemeinschaftliche Außenwelt. Aber sein Inneres, das eigentliche Seelenleben, hat der Mensch auch innerhalb der Sinneswelt des Erdendaseins für sich. Das ist so wie der Traum. Wir haben eigentlich nur für die sinnliche Außenwelt dieses; im Innern träumt jeder seine eigene Seelenwelt. In dem Augenblicke, wo wir hineinschauen in das vorirdische Dasein oder auch, wie ich es beschrieben habe, in das Dasein, das der Mensch betritt, bevor er durch die Pforte des Todes tritt, in demselben Augenblicke haben wir auch geistig-seelisch mit dem anderen Menschen ein Dasein. Wir leben in einer geistigen Welt wie alle Seelen. Daher eröffnet sich durch Anthroposophie nicht bloß etwas wie eine Unsterblichkeitsidee, sondern eine wirkliche Erkenntnis davon: Wenn du durch die Pforte des Todes gehst, dann wirfst du den physischen Leib ab, du lebst in deinem GeistigSeelischen in der geistigen Welt weiter. Aber auch dasjenige, was du an Erdenverhältnissen eingegangen bist mit anderen Menschen — dasjenige, was du mit jenen eingegangen bist, die du geliebt hast, mit denen du verwandt bist oder sonst lieb hast, Freunde, Gesinnungsgenossen und so weiter —, dasjenige, was irdisch daran ist, fällt ab. Aber das, was deine eigene Seele weiterlebt, das lebst du gemeinschaftlich mit denen, mit denen du Verhältnisse eingegangen hast, das lebst du mit denen auch, die dir vorangegangen sind vielleicht oder nachdem sie ebenfalls in die geistige Welt gekommen sind, weiter.

[ 43 ] Das wirkliche Gemeinschaftsverhältnis, nachdem die Menschen durch die Pforte des Todes gegangen sind, tritt in unmittelbarer Anschauung vor die Erkenntnis, die Erkenntnis, die es erreicht hat — wenn ich mich dieses Ausdrucks bedienen darf —, sich innerlich durchsichtig und klar zu entwickeln wie die Mathematik, und auf der anderen Seite wieder [hinaufreichen will] bis zu den höchsten [Fragen] des menschlichen Daseins. In ehrlicher Weise wird angestrebt eine solche Erkenntnis in der Anthroposophie.

[ 43 ] Das wirkliche Gemeinschaftsverhältnis, nachdem die Menschen durch die Pforte des Todes gegangen sind, tritt in unmittelbarer Anschauung vor die Erkenntnis, die Erkenntnis, die es erreicht hat — wenn ich mich dieses Ausdrucks bedienen darf —, sich innerlich durchsichtig und klar zu entwickeln wie die Mathematik, und auf der anderen Seite wieder [hinaufreichen will] bis zu den höchsten [Fragen] des menschlichen Daseins. In ehrlicher Weise wird angestrebt eine solche Erkenntnis in der Anthroposophie.

[ 44 ] Und indem die Menschheit heute tatsächlich sich gewöhnt hat durch die bewunderungsvolle Naturwissenschaft, zu demjenigen, was sie erkennen will, in klarer, durchsichtiger Anschauung zu kommen, wird sich diese Menschheit, wenn sie sich nicht betäubt hat, nicht auf die Dauer beruhigen können mit bloßen Glaubensvorstellungen — die ja auch nur übrigens aus alten Erkenntnissen hervorgegangen sind —, die Menschheit wird ebenso, wie sie eine Natureinsicht seit drei, vier, fünf Jahrhunderten erlangt hat, erlangen müssen eine Geisteseinsicht. Die Menschenseele müsste sich eben betäuben über die höchsten Fragen ihres Daseins, wenn sie nicht nach einer solchen Geist-Einsicht streben würde. Nenne man das Anthroposophie oder wie man will, aber eine solche Geist-Einsicht ist ein Bedürfnis für die meisten Menschen der Gegenwart, wenn auch dieses Bedürfnis noch tief im Unterbewussten sitzt. Also vieles von Wohl und Wehe der gegenwärtigen Menschheit rührt von diesem Bedürfnis her. Klärt man auf dasjenige, was unbewusst in der bloßen Empfindung sitzt der heutigen Menschheit, die sich unbefriedigt fühlt, die nervös geworden ist, die allerlei Disharmonisches und Chaotisches in der Seele hat und dies auch in die Welt trägt, so kommt man darauf, dass zwar sich diese Menschen [das] nicht bis zum Begreifen, bis zum Verständnisse bringen, dass es aber ein tiefes Bedürfnis ist, eine Erkenntnis zu gewinnen über den Geist, so wie die Menschheit eine Erkenntnis gewonnen hat über die Natur, die sie zur äußeren Technik gebracht hat. Die Erkenntnis wird den Menschen zu einer Erfassung des äußerlichen Erlebens, aber auch zu einer tieferen Erfassung, zu einer wahrhaft innerlichen Seelenerfassung führen des Sittlichen. Auch das — meine sehr verehrten Anwesenden — soll Anthroposophie bewirken.

[ 44 ] Und indem die Menschheit heute tatsächlich sich gewöhnt hat durch die bewunderungsvolle Naturwissenschaft, zu demjenigen, was sie erkennen will, in klarer, durchsichtiger Anschauung zu kommen, wird sich diese Menschheit, wenn sie sich nicht betäubt hat, nicht auf die Dauer beruhigen können mit bloßen Glaubensvorstellungen — die ja auch nur übrigens aus alten Erkenntnissen hervorgegangen sind —, die Menschheit wird ebenso, wie sie eine Natureinsicht seit drei, vier, fünf Jahrhunderten erlangt hat, erlangen müssen eine Geisteseinsicht. Die Menschenseele müsste sich eben betäuben über die höchsten Fragen ihres Daseins, wenn sie nicht nach einer solchen Geist-Einsicht streben würde. Nenne man das Anthroposophie oder wie man will, aber eine solche Geist-Einsicht ist ein Bedürfnis für die meisten Menschen der Gegenwart, wenn auch dieses Bedürfnis noch tief im Unterbewussten sitzt. Also vieles von Wohl und Wehe der gegenwärtigen Menschheit rührt von diesem Bedürfnis her. Klärt man auf dasjenige, was unbewusst in der bloßen Empfindung sitzt der heutigen Menschheit, die sich unbefriedigt fühlt, die nervös geworden ist, die allerlei Disharmonisches und Chaotisches in der Seele hat und dies auch in die Welt trägt, so kommt man darauf, dass zwar sich diese Menschen [das] nicht bis zum Begreifen, bis zum Verständnisse bringen, dass es aber ein tiefes Bedürfnis ist, eine Erkenntnis zu gewinnen über den Geist, so wie die Menschheit eine Erkenntnis gewonnen hat über die Natur, die sie zur äußeren Technik gebracht hat. Die Erkenntnis wird den Menschen zu einer Erfassung des äußerlichen Erlebens, aber auch zu einer tieferen Erfassung, zu einer wahrhaft innerlichen Seelenerfassung führen des Sittlichen. Auch das — meine sehr verehrten Anwesenden — soll Anthroposophie bewirken.

[ 45 ] Und das Goetheanum wollte sein die äußere Hülle. Goethe hat die schönen Worte ausgesprochen über die Kunst — als er in Italien eigentlich erst die Kunst kennengelernt hatte —, nach seiner Art, schöne Worte, die er schrieb an seine weimarischen Freunde: «Ich habe eine Vermutung, dass die Griechen nach eben den Gesetzen verfuhren, nach welchen die Natur verfährt und denen ich auf der Spur bin.» Goethe suchte also in der Kunst einen sinnlichen Ausdruck, eine sinnliche Offenbarung für dasjenige, was der Geist-Erkenntnis aufleuchtet, wenn Goethe sprach aus der Tiefe seiner Seele heraus das Wort: «Kunst ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie» — ohne die Kunst nämlich — «niemals offenbar würden». Goethe betrachtete gerade das Erkenntnisgemäße des Menschen in Bezug auf die geistige Welt — nicht in Bezug auf die Sinneswelt — als dasjenige, was den Menschen so durchdringt, dass er dann als Plastiker, als Maler, als Musiker und so weiter aus dem Geiste heraus wiederum die Form bezwingen will. So, könnte man sagen, war für Goethe Erkenntnis die eine Äußerung des menschlichen Strebens, künstlerisches Schaffen und künstlerisches Genießen die andere Äußerung. Nur im Laufe der Menschheitsentwicklung nach den abstrakten Gedanken, nach dem Theoretischen hin, in das wir heute so sehr hineingekommen sind, ist Kunst der Erkenntnis fremd geworden. Goethe strebte wiederum, die Erkenntnis zur Kunst, die Kunst zur Erkenntnis zu bringen, weil er wusste, dass die Natur, namentlich indem sie die menschliche Gestalt schafft, selber als Künstlerin schafft.

[ 45 ] Und das Goetheanum wollte sein die äußere Hülle. Goethe hat die schönen Worte ausgesprochen über die Kunst — als er in Italien eigentlich erst die Kunst kennengelernt hatte —, nach seiner Art, schöne Worte, die er schrieb an seine weimarischen Freunde: «Ich habe eine Vermutung, dass die Griechen nach eben den Gesetzen verfuhren, nach welchen die Natur verfährt und denen ich auf der Spur bin.» Goethe suchte also in der Kunst einen sinnlichen Ausdruck, eine sinnliche Offenbarung für dasjenige, was der Geist-Erkenntnis aufleuchtet, wenn Goethe sprach aus der Tiefe seiner Seele heraus das Wort: «Kunst ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die ohne sie» — ohne die Kunst nämlich — «niemals offenbar würden». Goethe betrachtete gerade das Erkenntnisgemäße des Menschen in Bezug auf die geistige Welt — nicht in Bezug auf die Sinneswelt — als dasjenige, was den Menschen so durchdringt, dass er dann als Plastiker, als Maler, als Musiker und so weiter aus dem Geiste heraus wiederum die Form bezwingen will. So, könnte man sagen, war für Goethe Erkenntnis die eine Äußerung des menschlichen Strebens, künstlerisches Schaffen und künstlerisches Genießen die andere Äußerung. Nur im Laufe der Menschheitsentwicklung nach den abstrakten Gedanken, nach dem Theoretischen hin, in das wir heute so sehr hineingekommen sind, ist Kunst der Erkenntnis fremd geworden. Goethe strebte wiederum, die Erkenntnis zur Kunst, die Kunst zur Erkenntnis zu bringen, weil er wusste, dass die Natur, namentlich indem sie die menschliche Gestalt schafft, selber als Künstlerin schafft.

[ 46 ] Was nützt es — meine sehr verehrten Anwesenden —, aus einer noch so starken Logik heraus zu sagen: Man darf nicht künstlerische Bilder sich vor Augen stellen, wenn man erkennen will? Wenn die Natur selber wie eine Künstlerin schafft, dann lernt man eben einfach die Natur nicht erkennen, wenn man sie bloß logisch erkennen will, und am wenigsten lernt man den Menschen erkennen, wenn man nicht in der Lage ist, überzugehen von dem allerdings strengen logischen Denken allmählich in ein künstlerisches, verbildlichendes Erfassen desjenigen, was eben in der menschlichen Gestalt, was in den Farben, was in allem Menschlichen lebt. Ein gerader Weg führt vom Erkenntnismäßigen ins Künstlerische hinein.

[ 46 ] Was nützt es — meine sehr verehrten Anwesenden —, aus einer noch so starken Logik heraus zu sagen: Man darf nicht künstlerische Bilder sich vor Augen stellen, wenn man erkennen will? Wenn die Natur selber wie eine Künstlerin schafft, dann lernt man eben einfach die Natur nicht erkennen, wenn man sie bloß logisch erkennen will, und am wenigsten lernt man den Menschen erkennen, wenn man nicht in der Lage ist, überzugehen von dem allerdings strengen logischen Denken allmählich in ein künstlerisches, verbildlichendes Erfassen desjenigen, was eben in der menschlichen Gestalt, was in den Farben, was in allem Menschlichen lebt. Ein gerader Weg führt vom Erkenntnismäßigen ins Künstlerische hinein.

[ 47 ] Nun, goethisch in diesem Sinne wollte man auch sein in dem Augenblicke, als einige Freunde jener Weltanschauung, die ich Ihnen heute wiederum mit ein paar Strichen skizzenhaft gezeichnet habe, als einige Freunde sich in opferwilliger Weise zusammentaten, um eben in Dornach bei Basel eine Stätte zu schaffen. Ich wurde beauftragt, diese Stätte zu erbauen.

[ 47 ] Nun, goethisch in diesem Sinne wollte man auch sein in dem Augenblicke, als einige Freunde jener Weltanschauung, die ich Ihnen heute wiederum mit ein paar Strichen skizzenhaft gezeichnet habe, als einige Freunde sich in opferwilliger Weise zusammentaten, um eben in Dornach bei Basel eine Stätte zu schaffen. Ich wurde beauftragt, diese Stätte zu erbauen.

[ 48 ] Viele Leute haben sich angewöhnt, zu sagen: Diejenigen, die sich Anthroposophen nennen, die folgen mir aufs Wort, die glauben nur an meine Autorität. Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, ich glaube, niemand kann sagen, dass er weniger durch seine Anhänger seinen Willen erfüllt sieht als ich. Ich spreche das, trotzdem es paradox klingt, durchaus aus: Meistens geschicht das nicht, was ich will.

[ 48 ] Viele Leute haben sich angewöhnt, zu sagen: Diejenigen, die sich Anthroposophen nennen, die folgen mir aufs Wort, die glauben nur an meine Autorität. Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, ich glaube, niemand kann sagen, dass er weniger durch seine Anhänger seinen Willen erfüllt sieht als ich. Ich spreche das, trotzdem es paradox klingt, durchaus aus: Meistens geschicht das nicht, was ich will.

[ 49 ] Ich wurde also beauftragt, in einer gewissen Weise eben diese Stätte zu erbauen. Hätte man für irgendeine andere Weltanschauung eine solche Stätte zu erbauen gehabt, wäre man zu diesem oder jenem Baumeister gegangen; dieser hätte für die Pflege dieser Weltanschauung oder geistigen Strömung einen gotischen, Renaissanceoder antiken Bau, in diesem oder jenem Stile erbaut. Das konnte nicht für die Anthroposophie geschehen. Denn die Anthroposophie will ja sein — Sie werden das aus meiner heutigen Schilderung erkannt haben — etwas, was sich als ein neuer Impuls in die geistige Menschheitsentwicklung einfügt. Anthroposophie will tatsächlich dazu führen, dass Erkenntnis etwas anderes werde: Dass der Mensch dieses zweite Aufwachen, von dem ich gesprochen habe, erringen kann, das zeigt sich eben, wenn der Versuch in der geschilderten Art wirklich gemacht wird. Da wacht der Mensch in die übersinnliche Welt hinein auf. Da kann er dann die sinnliche Welt hier so beurteilen, wie er von der sinnlichen Welt aus die Traumeswelt beurteilen kann. Das aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ist nicht abstrakte Erkenntnis, das ist nicht eine Summe von Theorien, das ist keine ausgedachte Weltanschauung, das ist etwas, was man erleben muss. Das ist nicht etwas, was bloß den Kopf erfüllt, das ist etwas, was den ganzen Menschen erfüllt und im Herzen — Sie werden verstehen, was ich damit meine — seinen menschlichen Mittelpunkt sucht. Dann aber kann es auch nicht sich erschöpfen in einer einseitigen Tätigkeit, dann muss es übergehen in alles dasjenige, was aus der menschlichen Natur herauskommt. Dann kann der Mensch nicht Weltanschauung vertreten innerhalb eines Baues, der aus ganz anderer Weltanschauung heraus errichtet ist. Innerhalb eines griechischen oder antiken, also eigentlich eines Renaissance- oder eines gotischen Baues lässt sich dasjenige vertreten, was aus der griechischen Anschauung, aus der gotischen Anschauung hervorgegangen ist. Anthroposophie braucht eine eigene Umhüllung durch ihr Wesen. Denn sie ist nicht bloß Anschauung, sie ist nicht bloß Theorie, sie ist Leben und wird im Menschen Leben, wie im Organismus das Blut. Und wie das Blut künstlerisch den menschlichen Leib aufbaut, so baut derjenige, der Anthroposophie erlebt, auch auf dasjenige, was er ihr als eine Stätte errichtet. Ich habe oftmals einen einfachen, trivialen Vergleich gebraucht, der aber tiefer gemeint ist. Ich habe gesagt: Man sehe die Nussschale an. Man kann sich nicht denken, dass andere Kräfte in der Nussschale wirken als innerlich [in dem Nusskern selber, den wir, anstelle der Nussschale, essen]. Aus denselben Kräften heraus, in ähnlicher Form, wie die Nuss selber geschaffen ist, [die Nussschale], sie ist ganz und gar der Nuss angepasst; so muss die Bau-Umhüllung dasjenige sein, was nicht Theorie, was Leben in der Erfassung aller Lebenskräfte des Menschen ist.

[ 49 ] Ich wurde also beauftragt, in einer gewissen Weise eben diese Stätte zu erbauen. Hätte man für irgendeine andere Weltanschauung eine solche Stätte zu erbauen gehabt, wäre man zu diesem oder jenem Baumeister gegangen; dieser hätte für die Pflege dieser Weltanschauung oder geistigen Strömung einen gotischen, Renaissanceoder antiken Bau, in diesem oder jenem Stile erbaut. Das konnte nicht für die Anthroposophie geschehen. Denn die Anthroposophie will ja sein — Sie werden das aus meiner heutigen Schilderung erkannt haben — etwas, was sich als ein neuer Impuls in die geistige Menschheitsentwicklung einfügt. Anthroposophie will tatsächlich dazu führen, dass Erkenntnis etwas anderes werde: Dass der Mensch dieses zweite Aufwachen, von dem ich gesprochen habe, erringen kann, das zeigt sich eben, wenn der Versuch in der geschilderten Art wirklich gemacht wird. Da wacht der Mensch in die übersinnliche Welt hinein auf. Da kann er dann die sinnliche Welt hier so beurteilen, wie er von der sinnlichen Welt aus die Traumeswelt beurteilen kann. Das aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ist nicht abstrakte Erkenntnis, das ist nicht eine Summe von Theorien, das ist keine ausgedachte Weltanschauung, das ist etwas, was man erleben muss. Das ist nicht etwas, was bloß den Kopf erfüllt, das ist etwas, was den ganzen Menschen erfüllt und im Herzen — Sie werden verstehen, was ich damit meine — seinen menschlichen Mittelpunkt sucht. Dann aber kann es auch nicht sich erschöpfen in einer einseitigen Tätigkeit, dann muss es übergehen in alles dasjenige, was aus der menschlichen Natur herauskommt. Dann kann der Mensch nicht Weltanschauung vertreten innerhalb eines Baues, der aus ganz anderer Weltanschauung heraus errichtet ist. Innerhalb eines griechischen oder antiken, also eigentlich eines Renaissance- oder eines gotischen Baues lässt sich dasjenige vertreten, was aus der griechischen Anschauung, aus der gotischen Anschauung hervorgegangen ist. Anthroposophie braucht eine eigene Umhüllung durch ihr Wesen. Denn sie ist nicht bloß Anschauung, sie ist nicht bloß Theorie, sie ist Leben und wird im Menschen Leben, wie im Organismus das Blut. Und wie das Blut künstlerisch den menschlichen Leib aufbaut, so baut derjenige, der Anthroposophie erlebt, auch auf dasjenige, was er ihr als eine Stätte errichtet. Ich habe oftmals einen einfachen, trivialen Vergleich gebraucht, der aber tiefer gemeint ist. Ich habe gesagt: Man sehe die Nussschale an. Man kann sich nicht denken, dass andere Kräfte in der Nussschale wirken als innerlich [in dem Nusskern selber, den wir, anstelle der Nussschale, essen]. Aus denselben Kräften heraus, in ähnlicher Form, wie die Nuss selber geschaffen ist, [die Nussschale], sie ist ganz und gar der Nuss angepasst; so muss die Bau-Umhüllung dasjenige sein, was nicht Theorie, was Leben in der Erfassung aller Lebenskräfte des Menschen ist.

[ 50 ] Und so musste das Goetheanum etwas werden, sodass, wenn man zum Beispiel auf dem Podium stand und sprach, die Worte, die man wählte, um dasjenige, was übersinnliches Schauen ergab, auszusprechen, die Worte eben in Gedankenformen dasjenige zum Ausdruck bringen mussten, was aus den Formen der Säulen, aus der Malerei der Kuppeln den Menschen für seine Augen ansprach, das Ganze musste zusammenstimmen bis in die letzten sinnlichen Formen hinein.

[ 50 ] Und so musste das Goetheanum etwas werden, sodass, wenn man zum Beispiel auf dem Podium stand und sprach, die Worte, die man wählte, um dasjenige, was übersinnliches Schauen ergab, auszusprechen, die Worte eben in Gedankenformen dasjenige zum Ausdruck bringen mussten, was aus den Formen der Säulen, aus der Malerei der Kuppeln den Menschen für seine Augen ansprach, das Ganze musste zusammenstimmen bis in die letzten sinnlichen Formen hinein.

[ 51 ] Und wiederum, wenn in Dornach eurythmische Kunst gepflegt worden ist, diese Kunst, in der der Mensch durch komplizierte, aber ganz aus seiner Natur herausgeholte Gesten zu einer sichtbaren Sprache kommt, sodass man ein Gedicht ebenso in einzelnen Bewegungen wiedergeben kann wie durch Rezitation und Deklamation — da war, wenn die Bühne im Dornacher Goetheanum erfüllt war mit den sich bewegenden Menschen, die ausführten in ihren Bewegungen irgendeine Dichtung oder etwas Musikalisches, indem sie nicht tanzten, sondern in Bewegungen sangen —, da war dasjenige, was auf der Bühne in Bewegungen sang, eine Fortsetzung desjenigen, was die Formen waren, die im Bau die Zuschauer umgaben. Wendete der Zuschauer sein Auge hin zu den Säulenformen, zu den Formen der Kuppeln untereinander, wendete er sein Auge hinauf zu den Kuppelmalereien: Er hatte eine ähnliche Grundempfindung, wie wenn er auf die Bühne hinschaute und dort Eurythmie stattfand.

[ 51 ] Und wiederum, wenn in Dornach eurythmische Kunst gepflegt worden ist, diese Kunst, in der der Mensch durch komplizierte, aber ganz aus seiner Natur herausgeholte Gesten zu einer sichtbaren Sprache kommt, sodass man ein Gedicht ebenso in einzelnen Bewegungen wiedergeben kann wie durch Rezitation und Deklamation — da war, wenn die Bühne im Dornacher Goetheanum erfüllt war mit den sich bewegenden Menschen, die ausführten in ihren Bewegungen irgendeine Dichtung oder etwas Musikalisches, indem sie nicht tanzten, sondern in Bewegungen sangen —, da war dasjenige, was auf der Bühne in Bewegungen sang, eine Fortsetzung desjenigen, was die Formen waren, die im Bau die Zuschauer umgaben. Wendete der Zuschauer sein Auge hin zu den Säulenformen, zu den Formen der Kuppeln untereinander, wendete er sein Auge hinauf zu den Kuppelmalereien: Er hatte eine ähnliche Grundempfindung, wie wenn er auf die Bühne hinschaute und dort Eurythmie stattfand.

[ 52 ] Wie die Nuss nur durch ihre selbst gebildeten Gesetze in ihrer Schale sein kann, so konnte Anthroposophie, als ihr die Möglichkeit gegeben war, ein eigenes Haus zu haben, diese Hülle nur aus dem Geistigen heraus künstlerisch schaffen, aus dem sie selber ihre Weltanschauung erlebte, aus dem die ganze den Menschen ergreifende Weltanschauung geboren ist. Das Goetheanum wollte für das Auge dasjenige sein, was Anthroposophie ist durch das Wort für das unmittelbare Erfassen der Seele.

[ 52 ] Wie die Nuss nur durch ihre selbst gebildeten Gesetze in ihrer Schale sein kann, so konnte Anthroposophie, als ihr die Möglichkeit gegeben war, ein eigenes Haus zu haben, diese Hülle nur aus dem Geistigen heraus künstlerisch schaffen, aus dem sie selber ihre Weltanschauung erlebte, aus dem die ganze den Menschen ergreifende Weltanschauung geboren ist. Das Goetheanum wollte für das Auge dasjenige sein, was Anthroposophie ist durch das Wort für das unmittelbare Erfassen der Seele.

[ 53 ] Deshalb, weil Anthroposophie heute noch die Menschen fremdartig anmutet und weil alles Mögliche von den Nichtkennern aus ihr gemacht wird — ich habe das im Eingang charakterisiert —, deshalb kam auch dasjenige, was äußere Umhüllung war in einem neuen Baustil, den Menschen befremdend vor, so wie demjenigen die Nussschale befremdlich vorkommen wird, der nichts von der Nuss weiß, sondern der glaubt, da ist etwas in einer willkürlichen Weise in Form und Gestalt vorhanden. So wie in der Welt selber gestaltet wird, so wurde versucht, nachzuschaffen aus einer geistigen Impuls-Welt, ergreifend eben anthroposophische Weltanschauung, auch künstlerisch, in Dornach zu schaffen.

[ 53 ] Deshalb, weil Anthroposophie heute noch die Menschen fremdartig anmutet und weil alles Mögliche von den Nichtkennern aus ihr gemacht wird — ich habe das im Eingang charakterisiert —, deshalb kam auch dasjenige, was äußere Umhüllung war in einem neuen Baustil, den Menschen befremdend vor, so wie demjenigen die Nussschale befremdlich vorkommen wird, der nichts von der Nuss weiß, sondern der glaubt, da ist etwas in einer willkürlichen Weise in Form und Gestalt vorhanden. So wie in der Welt selber gestaltet wird, so wurde versucht, nachzuschaffen aus einer geistigen Impuls-Welt, ergreifend eben anthroposophische Weltanschauung, auch künstlerisch, in Dornach zu schaffen.

[ 54 ] Das wollte das Goetheanum in seinen äußeren Formen im Bau zeigen, ganz im Goethe’schen Stil: Die Kunst ist eine Offenbarung jener geheimen Weltengesetzmäßigkeiten, die ohne die Kunst nicht offenbar werden können — ebenso wohl wie das Goetheanum da in sinnlichen Formen sprechend, wo der Gedanke selber auslief in sinnliche Formen. Da war kein Symbol, da war keine Allegorie, da war künstlerisch Empfundenes überall, wo der Gedanke eben als Gedanke nicht mehr genügt, wo der Gedanke erst vollständig wird, indem der Gedanke überläuft in die künstlerische Form. Aber indem der Gedanke aus dem Geist geboren ist, ist auch dasjenige, in das er ausströmt, dann aus dem Geiste geboren. Die Kunst ist ganz für die Anschauung, aber sie ist dennoch, wie alles, was in der Welt ist, aus dem Geiste also geboren. Daher — meine sehr verehrten Anwesenden — ist schon für diejenigen, die Anthroposophie wirklich im tiefsten Inneren verstehen, im Goetheanum auch etwas verloren gegangen, was in gewissem Sinne unersetzlich ist, aus dem Grunde, weil ja das Goetheanum nicht zum Ausdenken, nicht zum Erklären, nicht zum Schildern da war, sondern zur Anschauung, weil in ihm dasjenige anschaulich werden sollte, das aus derselben Quelle stammt, eben die Anthroposophie. Was aber die Anthroposophie eben nur in Worten geben kann, die geradezu danach verlangen, nun auszulaufen in die sinnliche Form — was anschaulich sein sollte —, der Brand hat sozusagen gerade dasjenige weggenommen. Kurz, so wie Goethe im Verhältnis zur Erkenntnis dachte, das wollte im Goetheanum verkörpert sein. Sehen lassen wollte das Goetheanum, was Anthroposophie aussprechen soll.

[ 54 ] Das wollte das Goetheanum in seinen äußeren Formen im Bau zeigen, ganz im Goethe’schen Stil: Die Kunst ist eine Offenbarung jener geheimen Weltengesetzmäßigkeiten, die ohne die Kunst nicht offenbar werden können — ebenso wohl wie das Goetheanum da in sinnlichen Formen sprechend, wo der Gedanke selber auslief in sinnliche Formen. Da war kein Symbol, da war keine Allegorie, da war künstlerisch Empfundenes überall, wo der Gedanke eben als Gedanke nicht mehr genügt, wo der Gedanke erst vollständig wird, indem der Gedanke überläuft in die künstlerische Form. Aber indem der Gedanke aus dem Geist geboren ist, ist auch dasjenige, in das er ausströmt, dann aus dem Geiste geboren. Die Kunst ist ganz für die Anschauung, aber sie ist dennoch, wie alles, was in der Welt ist, aus dem Geiste also geboren. Daher — meine sehr verehrten Anwesenden — ist schon für diejenigen, die Anthroposophie wirklich im tiefsten Inneren verstehen, im Goetheanum auch etwas verloren gegangen, was in gewissem Sinne unersetzlich ist, aus dem Grunde, weil ja das Goetheanum nicht zum Ausdenken, nicht zum Erklären, nicht zum Schildern da war, sondern zur Anschauung, weil in ihm dasjenige anschaulich werden sollte, das aus derselben Quelle stammt, eben die Anthroposophie. Was aber die Anthroposophie eben nur in Worten geben kann, die geradezu danach verlangen, nun auszulaufen in die sinnliche Form — was anschaulich sein sollte —, der Brand hat sozusagen gerade dasjenige weggenommen. Kurz, so wie Goethe im Verhältnis zur Erkenntnis dachte, das wollte im Goetheanum verkörpert sein. Sehen lassen wollte das Goetheanum, was Anthroposophie aussprechen soll.

[ 55 ] So wie des Menschen Seele sich für anthroposophische Anschauung als eine unsterbliche im sterblichen Leibe ergibt, so darf ich ohne Sentimentalität sagen: Wie der Leib abfallen kann, wenn auch alle die Schmerzen und all die Leiden, die wir ja kennen, doch daran hängen, wir denken dann doch erst dann an die Unsterblichkeit der Seele, wenn der Leib abfällt. Und so darf ich wohl heute auch mit den Worten schließen, die nur illustrieren sollen dasjenige, was ich nicht theoretisch, sondern menschlich empfindungsgemäß, gefühlsmäßig gemeint habe heute mit der Fragenbeantwortung: «Was soll die Anthroposophie und was wollte das Goetheanum?», so möchte ich sagen — indem die Frage auftaucht: «Was wollte das Goetheanum?», muss gesagt werden: Das Goetheanum wollte und musste den Geist im äußerlichen Stoffe ausdrücken, wie der menschliche Leib im äußeren Stoffe gestaltet ist. Dasjenige, was im äußeren Stoffe ausgedrückt ist, kann durch die Elemente zerstört werden; dasjenige aber, was im Goetheanum leben sollte, das ist selber von einer geistigen Art. Anthroposophie will nicht erbaut sein und kann nicht erbaut sein aus äußerem Stoffe, sie kann nur gestaltet sein aus demjenigen, was sich aus der geistig übersinnlichen Welt heraus offenbart. Das aber ist durch kein Element zu zerstören, das ist von einer Dauer, die damit charakterisiert werden darf, dass gesagt werden muss: Ja, wer heute die Menschenseele unbefangen betrachten kann, der weiß, diese Menschenseele kann sich länger nicht beruhigen bei demjenigen, was ihr heute aus der Erkenntnis heraus über das [Sinnliche] kommen kann. Sie verlangt, wenn auch heute noch ganz unbewusst, nach einer übersinnlichen Erkenntnis. Und weil die Menschheit dennoch auf die Dauer nicht entbehren wird können die Erkenntnis des Übersinnlichen, so darf Anthroposophie hoffen, dass sie, trotzdem sie nun ihr Heim verloren hat, dass sie selbst, indem sie gerade aus den heutigen Zeitbedürfnissen der Seelen heraus gestaltet das geistige Wort, dass sie erst recht aufleben wird, wenn die Menschheit sich bewusst wird, dass sie sie zum Ergreifen der wahren Menschenwürde, zum Durchschauen der wahren Menschenbestimmung braucht, als die Erkenntnis von der wahren geistigen, ewigen Wesenheit der Menschenseele.

[ 55 ] So wie des Menschen Seele sich für anthroposophische Anschauung als eine unsterbliche im sterblichen Leibe ergibt, so darf ich ohne Sentimentalität sagen: Wie der Leib abfallen kann, wenn auch alle die Schmerzen und all die Leiden, die wir ja kennen, doch daran hängen, wir denken dann doch erst dann an die Unsterblichkeit der Seele, wenn der Leib abfällt. Und so darf ich wohl heute auch mit den Worten schließen, die nur illustrieren sollen dasjenige, was ich nicht theoretisch, sondern menschlich empfindungsgemäß, gefühlsmäßig gemeint habe heute mit der Fragenbeantwortung: «Was soll die Anthroposophie und was wollte das Goetheanum?», so möchte ich sagen — indem die Frage auftaucht: «Was wollte das Goetheanum?», muss gesagt werden: Das Goetheanum wollte und musste den Geist im äußerlichen Stoffe ausdrücken, wie der menschliche Leib im äußeren Stoffe gestaltet ist. Dasjenige, was im äußeren Stoffe ausgedrückt ist, kann durch die Elemente zerstört werden; dasjenige aber, was im Goetheanum leben sollte, das ist selber von einer geistigen Art. Anthroposophie will nicht erbaut sein und kann nicht erbaut sein aus äußerem Stoffe, sie kann nur gestaltet sein aus demjenigen, was sich aus der geistig übersinnlichen Welt heraus offenbart. Das aber ist durch kein Element zu zerstören, das ist von einer Dauer, die damit charakterisiert werden darf, dass gesagt werden muss: Ja, wer heute die Menschenseele unbefangen betrachten kann, der weiß, diese Menschenseele kann sich länger nicht beruhigen bei demjenigen, was ihr heute aus der Erkenntnis heraus über das [Sinnliche] kommen kann. Sie verlangt, wenn auch heute noch ganz unbewusst, nach einer übersinnlichen Erkenntnis. Und weil die Menschheit dennoch auf die Dauer nicht entbehren wird können die Erkenntnis des Übersinnlichen, so darf Anthroposophie hoffen, dass sie, trotzdem sie nun ihr Heim verloren hat, dass sie selbst, indem sie gerade aus den heutigen Zeitbedürfnissen der Seelen heraus gestaltet das geistige Wort, dass sie erst recht aufleben wird, wenn die Menschheit sich bewusst wird, dass sie sie zum Ergreifen der wahren Menschenwürde, zum Durchschauen der wahren Menschenbestimmung braucht, als die Erkenntnis von der wahren geistigen, ewigen Wesenheit der Menschenseele.