The Inner Nature and Essence
of the Human Soul
GA 80b
14 May 1923, Oslo
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The Eternal Soul of Man, tr. Keltz
12. Seelenewigkeit des Menschen vom Gesichtspunkt der Anthroposophie
The Eternal Soul of Man From the Point of View of Anthroposophy
[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Fürs Erste muss ich auch diesmal, wie bei früheren Vorträgen, die ich hier halten durfte, um Entschuldigung bitten, dass ich nicht in der Sprache des Landes den Vortrag halten kann. Da mir das nicht möglich ist, muss ich den Versuch machen, mich in meiner gewohnten Sprache verständlich zu machen. Fürs Zweite bitte ich zu entschuldigen, dass ich mit einer Erkältung hier angekommen bin, sodass vielleicht auch dadurch der Vortrag da oder dort gestört wird. Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man in der Gegenwart über eine Frage spricht wie die für das heutige Thema angekündigte, eine Frage, die ja zusammenhängt mit den tiefsten Bedürfnissen, den tiefsten Sehnsuchten der Menschenseele, dann entsteht ja aus der heutigen Zeitbildung heraus der Einwand, dass über solche Fragen wissenschaftlich, erkenntnismäßig, überhaupt nicht gesprochen werden könne, dass man sich begnügen müsse für solche Fragen, stehen zu bleiben bei den traditionellen Glaubensvorstellungen, bei demjenigen, was Empfindung und Gefühl über diese Dinge sagen. Das ist nun einmal die heute gewohnte Ansicht, und daher wird alles dasjenige, was von dem Gesichtspunkte einer wirklichen geistigen Erkenntnis, wie sie hier geltend gemacht werden soll, vorgebracht wird, eben heute als etwas Absonderliches empfunden werden. Alles dasjenige, was hier vorgebracht wird, was als Gesichtspunkte geltend gemacht wird, will durchaus auf demselben Boden stehen, den man gewohnt ist, als den wissenschaftlichen anzusehen im Laufe der letzten drei bis vier Jahrhunderte, wo die zu einem großen Erfolg gelangten Naturwissenschaften eigentlich ihre Höhe erstiegen haben. Aber wenn man nur diejenige Erkenntnismethode, die in der heutigen Wissenschaft zur Anwendung kommt, gelten lässt, so kann man eben nicht einen Weg finden in jene Gebiete hinauf, in denen die Antworten gesucht werden müssen, soweit sie den Menschen möglich sind in solchen Fragen wie diejenigen, die wir heute behandeln wollen: die Fragen der Seelenewigkeit, der Ewigkeit des innersten Wesens des Menschen.
[ 1 ] First, as in previous lectures here, I must take a moment to ask for apologies, as I cannot give the lecture in the language of this country. Since this is not possible for me, I must make the attempt to be understood in my customary language. Secondly, I beg to apologize as I've arrived here with a cold, and so perhaps there will also be interruptions here and there throughout the lecture. When one speaks in the present time of the question that has been announced for today's topic, a question that is indeed related to the deepest needs, the deepest yearnings of the human soul, then there emerges out of today's education the objection that questions so bereft of discovery cannot be spoken of scientifically at all, that one must be satisfied to let such questions remain within traditional beliefs, within the same things said about these things as are perception and feeling on the fingers. This is the familiar view nowadays, and therefore everything that is put forward from the point of view of a truly spiritual knowledge will be perceived as somewhat strange. Yet all that is brought forward here, that has arisen from valid points of view, can absolutely stand on the same ground as the accustomed scientific views over the course of the last three or four centuries, when the natural sciences actually climbed and arrived at the point of their highest success. But if one applies only the same methods of knowledge that are allowed by science today, then a way cannot be found into those areas for which answers must be sought, as far as is possible for people regarding such matters as those that we want to deal with today, questions of the soul's eternity, of the eternity of the innermost being of man.
[ 2 ] Nun, dieser hier geltend gemachte Standpunkt will nichts weiter als fortsetzen, die naturwissenschaftliche Methode fortsetzen, aber nicht etwa nur bis zu denjenigen Punkten, von denen man den Ausblick gewinnen kann in jene übersinnliche Welt, von der aus allein ein möglicher Gesichtspunkt gewonnen werden kann für die ewige Natur des Menscheninneren. Man muss, will man zu einer solchen Erkenntnis gelangen, überhaupt zunächst sein Augenmerk richten auf die Erkenntnisvorstellungen selber. Man muss sich fragen, ob nicht eine Erkenntnis, die stehen bleiben will innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins, wie wir es anwenden gegenüber den Naturerscheinungen, wo wir es verändern durch Messen, durch die Versuche mit der Waage, durch Zählen, Rechnen und so weiter, ob denn, wenn wir mit der Erkenntnisvorstellung innerhalb des gewöhnlichen Bewusstseins stehen bleiben, überhaupt ein Aufblick in die übersinnliche Welt möglich ist, ob nicht eine ganz andere Erkenntnisvorstellung gewonnen werden muss. Und damit wir uns über eine solch andere Erkenntnisvorstellung verstehen, meine sehr verehrten Anwesenden, lassen Sie mich ausgehen zunächst von einem Vergleich; ich will durch diesen Vergleich von vornherein nichts beweisen, sondern mich nur verständlich machen, damit dasjenige, was ich dann in mehr beweisender Art anfügen werde, eben in der richtigen Weise erfasst werden kann.
[ 2 ] Now the point of view here submitted wants nothing further than to continue within those natural scientific methods set down, but not just to those points from which one can gain a glimpse into the supersensory world, from which alone a possible view into the eternal nature of the inner man can be won. One must initially want to succeed in the acquisition of such knowledge so as to set the sights overall on the expectation of the knowledge itself. One must ask whether the insight, the inner realization, will stop within the ordinary consciousness as we apply it towards the phenomena of nature by measuring, by experiments in balance, through counting, arithmetic and so on, or whether a further glimpse into the supersensory is possible; whether an entirely different cognitive perception ought to be gained or not. So that we understand by such means this different cognitive perception, allow me next to make a comparison. I do not from the start want to prove anything by this comparison, but only to make myself understandable so that what I want to add as more evidence of any nature can be captured in just the right way.
[ 3 ] Wir kennen ja für das gewöhnliche Leben zwei stark voneinander verschiedene Bewusstseinszustände des Menschen. Wir kennen den Zustand des Wachens, in dem wir vom Morgen bis zum Abend sind, und wir kennen dann den Schlafzustand zum Beispiel, in dem wir heraußen sind aus den gewöhnlichen Lebensverhältnissen und aus dem aufsteigen die bunt schillernden Träume, denen wir, wenn wir auf einem vernünftigen Standpunkt stehen, nicht denselben Wirklichkeitswert zuschreiben wie demjenigen, was wir im wachen Zustande erleben.
[ 3 ] Even in ordinary life we know of two states of consciousness within the human being that are strongly different from one another. We know the state of wakefulness, where we are from morning till night, and we know the state of sleep, in which we are outside of the ordinary circumstances of life, and from which arise colorful iridescent dreams. If we maintain a reasonable point of view, we do not attribute the same perspective of reality to these dreams that we experience in the waking state.
[ 4 ] Aber bedenken wir: Wodurch kommen wir denn überhaupt dazu, von den Träumen, die aus dem Schlafzustande heraufziehen, überhaupt so zu sprechen, dass sie einen zwar interessanten Charakter tragen, oftmals aber, dass sie einen geringeren Wirklichkeitswert haben oder vielleicht in gewissem Sinne gar keinen Wirklichkeitswert haben gegenüber dem, was wir wachend erleben? Wir kommen zu der Beurteilung der Traumeswelt nur dadurch, dass wir eben erwachen, und dass wir durch das Erwachen in einen ganz anderen Bewusstseinszustand kommen. Was geschieht denn mit dem Erwachen? Wir schalten namentlich unsern Willen in unsern Körper, in unsere körperlichen Verrichtungen ein. Auf den Willen kommt es an, meine sehr verehrten Anwesenden. Denn, auch was wir durch die Sinne wachend wahrnehmen, das wird im Wesentlichen dadurch bedingt, dass wir beim Aufwachen den Willen auch in die Sinne, in die Sinnesorgane einschalten; indem der Wille gewissermaßen in unsern ganzen Organismus hineinfährt, unsern ganzen Organismus ergreift, werden wir fähig, durch unsern Organismus uns in die natürliche Außenwelt einzuschalten. Und durch das, was wir da erleben nach dieser Einschaltung, sind wir imstande, den Wirklichkeitswert des Traumes eben zu beurteilen. Wir könnten niemals innerhalb des Traumes selbst zu einer anderen Ansicht über den Traum kommen als zu derjenigen, dass der Traum volle Wirklichkeit darbietet. Solange wir träumen, sehen wir alles dasjenige als wirklich an, was der Traum uns in seiner bunt schillernden Mannigfaltigkeit darbietet.
[ 4 ] But let us consider: by what means in general do we come to speak of the dreams that arise out of the sleeping state—in general so to speak—so that they often carry, namely, an interesting character, but have a lower reality value, or perhaps in a certain sense they do not quite have the reality value compared to what we experience when awake? We come to an assessment of the dream world only by the fact that we wake up, and by awakening we come to an entirely different state of consciousness. What happens because of this awakening? We switch our will on, especially in our body, in our physical tasks. These depend on the will. After all, what we perceive through the awakened senses is also essentially caused by the awakening of the will in the senses, in the switching on of the sense organs. To a certain extent this goes on in our entire organism, our entire organism is taken hold of; we are able to turn ourselves to the natural world through our organism. And by what we experience because of this activity we are quite capable of assessing the value of the dream's reality. We could never come within the dream to any other insight about the dream than that which the dream itself presents as full reality. So long as we dream we see everything as real, what the dream presents to us in its colorful, dazzling variety.
[ 5 ] Da lassen Sie uns einmal — meine sehr verehrten Anwesenden — eine gewisse recht gewagte paradoxe Hypothese annehmen. Denken Sie nur einmal, wir würden unser ganzes Erdenleben hindurch niemals erwachen, sondern fortwährend träumen. Wir würden dann für unser bewusstes Erdenleben uns ausgefüllt haben mit all den Vorstellungen, die wir eben kennen aus den Träumen. Und man könnte sich zur Not durchaus denken, dass deshalb trotzdem durch irgendwelche Naturkräfte oder meinetwillen durch geistige Wesen, die uns zu unseren Handlungen treiben, zu alldem, was wir vom Morgen bis zum Abend tun, dass trotzdem unser äußeres Leben so verläuft, wie es verläuft. Wir würden nur nichts mit wachen Vorstellungen begleiten. Wir würden etwas ganz anderes tun, von dem wir nichts wissen, aber wir würden unser ganzes Erdenleben hindurch träumen. Und wir würden niemals auch nur zu dem Gedanken kommen, dass das nicht die wahre Wirklichkeit ist. Denn dass wir Dinge angreifen, mit Augen sehen, wie wir es im wachen Zustande haben, das würde gar, gar niemals eintreten.
[ 5 ] Let us allow ourselves, once, to take up a certain correct, daring, paradoxical hypothesis. Allowing for this even once we would never awaken throughout our entire earthly life, but would constantly dream. Then we would fill ourselves during our conscious life on earth with all the ideas that we know only from our dreams. And one with such a problem could therefore definitely think that any force of nature—or by my account any spiritual being—could drive us to our actions, and in everything that we do from morning until evening our outer life thus proceeds as it proceeds. We would be accompanied not only with waking concepts, we would be doing something completely different of which we know nothing. However, we would dream our entire lives through, and we would come only to the thoughts that are not true reality. For that which occurs when we grasp things, when we see with the eyes, such as we have in the waking state, would not occur at all.
[ 6 ] Also, wir können unsern Traumzustand niemals nur vom Gesichtspunkt des Wachens aus beurteilen. Da entsteht allerdings, wenn man eine solche Sache ernst nimmt, wenn man nicht, wie an den gewohnten Ereignissen des Lebens, auch so aus Gewohnheit leichtfertig vorübergeht, sondern wenn man eben solche ernst nimmt, dann entsteht dennoch gerade gegenüber den tieferen Seelenfragen diese hypothetische Anschauung: Ja, ist es denn nicht vielleicht möglich, gewissermaßen auf einem höheren Gesichtspunkte, auch wiederum von unserm gewöhnlichen alltäglichen Wachen neuerdings zu einem höheren Bewusstseinszustande zu erwachen? Lässt sich denn nicht denken, dass man geradeso, wie man aus dem Traum heraus erwacht in die alltägliche Wirklichkeit, dass man aus dieser alltäglichen Wirklichkeit zu einem höheren Bewusstsein erwache? Dass es also ein höheres Bewusstsein gäbe, von dem aus wir den Wirklichkeitswert der alltäglichen Welt, in der wir sind vom Morgen bis zum Abend, so beurteilen würden, wie wir vom Wachzustand aus den Wirklichkeitswert des Traumes beurteilen?
[ 6 ] Thus we know our dream state only from the point of view of the Guardian's judgment. If such a thing is taken seriously, if we do not pass lightly out of habit over the usual events of life, then there arises just opposite the deeper soul questions this hypothetical view: Yes, is it not then perhaps also possible to some extent from a higher point of view to turn from our habitual everyday Guardian and awaken to something new, to a higher state of consciousness? Can we not allow ourselves to think that, if we can wake up out of the dream into everyday reality, we can also awaken out of everyday reality into a higher consciousness? Just as a higher consciousness is given with which we can judge the reality of the everyday world—where we are from morning until evening—can we not also judge the reality value of the dream from the standpoint of wakefulness?
[ 7 ] Ich habe Ihnen das zunächst — meine sehr verehrten Anwesenden — als eine Frage hingestellt, als eine ganz hypothetische Frage. Derjenige wissenschaftliche Gesichtspunkt, den ich hier geltend zu machen habe, der zeigt nun, dass es tatsächlich dem Menschen möglich ist, zu einem solchen zweiten Erwachen zu kommen, zu einem Erwachen, das sich so ausnimmt, wie sich jener Ruck in das Leben vom Schlafen und Träumen, der gewöhnliche Wachzustand, wie sich der ausnimmt; so, auf einer höheren Stufe, nimmt sich der andere aus, wo man aus diesem gewöhnlichen alltäglichen Leben erwacht zu einem höheren Zustande, von dem aus einem dieses alltägliche Leben erscheint, ebenso wie vom alltäglichen Leben aus die Träume.
[ 7 ] I have put this before you first of all as a question, as an entirely hypothetical question. The same scientific point of view that I have here asserted now shows that it is actually possible for the human being to come to such a second awakening. Just as the shift from sleeping to dreaming in life occurs out of ordinary wakefulness, so this occurrence can increase to another higher level whereby one awakens out of this ordinary everyday life to a higher state and, from this, everyday life likewise appears as though out of dreams.
[ 8 ] Nun gehört, um überhaupt einen solchen Gesichtspunkt einzunehmen, etwas dazu, was ich in diesem Zusammenhang immer nenne intellektuelle Bescheidenheit. Diese intellektuelle Bescheidenheit ist dem heutigen Menschen nicht gerade eigen. Der heutige Mensch sagt sich zwar: Nun, als ich ein kleines Kind war, da träumte ich gewissermaßen in das Leben herein; da ließ ich — ich musste ja das — an mich herankommen die Erziehung durch die Eltern, durch das Leben selber. Ich war in meiner ganzen Seelenverfassung ein anderer Mensch. Jener intellektualistische Standpunkt, den ich mir errungen habe, ich habe ihn ja nicht herein zur Welt mitgebracht; ich habe ihn mir ja erst aus dem dumpfen, träumenden Bewusstseinszustande des Kindes herausentwickelt. Das gibt zwar der Mensch heute zu, aber dabei bleibt er auch stehen. Denn jetzt sagt er: Nun ja, ich habe diesen Standpunkt; was von diesem Standpunkte aus mir wahr erscheint, ist wahr. Was von diesem Standpunkte aus mir falsch erscheint, ist falsch. Ich bin durch diesen Standpunkt, den ich mir einmal errungen habe, der souveräne Herrscher über Wahr und Falsch, über Irrtum und Richtigkeit.
[ 8 ] Now in order to take such a point of view at all, something is necessary that I always call, in this context, intellectual humility. This intellectual humility, however, does not belong to present-day man. Indeed, present-day man says to himself: “Well, when I was a small child, I dreamed in a certain way within life. Then I left childhood, I had to do so, yes, and I came to parenting through becoming older, through life itself. I was then in my entire soul constitution a different person. Each intellectual point of view that I had won for myself I had not brought into the world, for I had first developed it within myself out of the dull, dreamy state of the child's consciousness.” This is indeed the man of today, but here he stops, and then he says: “Well, I have this point of view. What appears to me to be true from this point of view is true; what appears to me to be false from this point of view is false. Through this point of view that I once won for myself, I am the sovereign ruler over truth and falseness, error and accuracy.”
[ 9 ] Ja, diese Geste der Unbescheidenheit, sie darf man nicht haben, wenn man zu wirklichen Erkenntnissen über die übersinnliche Welt aufsteigen will. Da muss man sich sagen: Ebenso wie man sich herausentwickelt hat aus dem dumpfen, träumerischen Seelenzustand des Kindes, so muss man voraussetzen, dass man auch von dem Standpunkte der Seele, zu dem man jetzt einmal gekommen ist, den man als erwachsener Mensch einnimmt, dass man sich von dem aus weiterentwickeln kann. Produziert man nun eine solche Weiterentwicklung, so wird sich ja zeigen, ob ein solches zweites Erwachen, wie ich es hypothetisch konstruiert habe, möglich ist.
[ 9 ] Yes, one should not have this gesture of immodesty if one really wants to ascend to true knowledge of the supersensory world. So care must be taken: just as the human being has evolved out of the dull, dreamy soul-state of the child, so must it be presumed that from the standpoint of the soul—where he has already come once—he can continue to develop himself when he becomes an adult. Now it will be shown whether such a second awakening as I have hypothetically constructed is possible, whether such a development can be produced.
[ 10 ] Nun wendet man sich ja zunächst, wenn man in wirkliche, exakte Geistesforschung eintreten will, an diejenigen Erkenntnis- und Seelenkräfte, die schon da sind, selbstverständlich. Denn nicht an irgendetwas anderes kann der Mensch sich in Bezug auf seine Seelenverfassung wenden als dasjenige, was schon da ist. Das kann er versuchen, weiterzuentwickeln.
[ 10 ] First of all, we naturally use those cognitive and mental powers that are already there when we want to enter into true, exact spiritual research. For there is nothing else the human being can use in relation to his soul constitution than what is already there; this he can try to develop further.
[ 11 ] Nun gibt es eine Seelenkraft, der gegenüber heute schon selbst einsichtigere Philosophen zugeben, dass, wenn man sie richtig anschaut, sie bereits auf die ewige Wesenheit des Menschen deutet; sie deutet darauf, aber man will eben diese Seelenkraft nicht weiterentwickeln. Man will einfach philosophische Spekulationen über sie anstellen. Das heißt, man will geradeso, wie wenn der Träumer nicht aufwachen wollte, sondern über den "Traum weiter träumen wollte, um sich einen Aufschluss über den Traum zu geben, so will man eben in der gewöhnlichen Wirklichkeit stehen bleiben. Man will nicht ein zweites Mal aufwachen. Diejenige Seelenkraft, die ich meine, sie ist ja jenseits der Erinnerungskraft. Ich will mich, weil ja die Zeit dazu selbstverständlich nicht da ist, sonst könnte es durchaus sein, hier nicht in weitmaschige philosophische Auseinandersetzungen einlassen, sondern ganz beim populären Bewusstsein bleiben. Aber stellen wir uns einmal vor durch dieses populäre Bewusstsein, wie denn die Erinnerungskraft, Gedächtniskraft im Menschen eigentlich wirkt? Ereignisse, die wir vielleicht vor Jahrzehnten durchgemacht haben, sie werden, sie werden rein vorstellungsgemäß aus den Tiefen der Seele heraufgeholt oder meinetwillen, sagen wir, aus den Tiefen des menschlichen Wesens, damit wir gar keine Hypothese über die Seele aufstellen. Aus den Tiefen des menschlichen Wesens heraus wird im Gedankenbilde vor die menschliche Seele gezaubert dasjenige, was vor Jahren vielleicht in aller Lebendigkeit durchgemacht worden ist. Was liegt denn da eigentlich vor? Da liegt das vor, dass wir in der Erinnerung, im Gedächtnis etwas haben, was sich von allem übrigen Verhalten des Menschen zur Außenwelt unterscheidet, wenn er diese Außenwelt wahrnimmt. Um die Außenwelt wahrzunehmen, muss sie da sein. Wenn die Augen sehen, muss dasjenige, was gesehen wird, da sein. Wenn die Ohren hören, so muss dasjenige, was gehört wird, da sein und so weiter. Die Gegenwart des zu Erlebenden wird von der Wahrnehmung vorausgesetzt. Bei der Erinnerung haben wir etwas in der Seele, was jetzt nicht gegenwärtig ist; was so wie eine Wahrnehmung vielleicht vor langer Zeit, sehr langer Zeit, vielleicht vor Jahrzehnten gegenwärtig war, was jetzt nicht mehr da ist, wird durch die Erinnerung vor unsere Seele gezaubert.
[ 11 ] Now there is a soul force that the more perceptive philosophers admit to, even in respect to our day, and if one looks at this properly it is already pointing clearly to the eternal essence of man. This suggests, however, that man will not develop even this soul force further; he will merely engage in philosophical speculations about it. That is to say, he wants just enough to stop in ordinary reality, and it is as though he, the dreamer, does not want to wake up, but wants to dream further about the dream in order to give himself an insight about the dream. He does not want to wake up a second time. The soul force I refer to is indeed beyond the power of memory. I do not want to engage in wide-meshed philosophical arguments here—naturally there is no time for it; in other circumstances there could very well be—I want to remain entirely within the popular consciousness. Let us imagine once that this popular consciousness actually works in man just as the power of memory and the power of perception do. Events that we may have gone through decades ago are accordingly brought up from the depths of the soul—or, preferably, we should say out of the depths of the human being so that we do not present a hypothesis about the soul. Out of the depths of the human being thought pictures will be conjured before the human soul that are the same as those that perhaps years ago were experienced in all of their vitality. What is actually occurring here? There lies before us something in memory that is different from what had been perceived in the outer world. In order to perceive the outer world it must be there. When the eye sees, that which is seen must be there. When the ear hears, that which is heard must be there, and so forth. What is experienced by the one perceiving is provided by the perception. With memory we have something in the soul that is not now present. What began as a perception, perhaps a long time ago, but is now no longer there, is conjured up before our souls by the memory.
[ 12 ] Von dieser Tatsache geht die hier gemeinte Geisteswissenschaft aus, aber nicht philosophisch spekulierend, sondern diese Tatsache aufgreifend nunmehr und im Anschlusse durch Übungen die Seele weiterentwickelnd. Die Frage ist diese: Wenn wir durch die gewöhnliche Erinnerung imstande sind, etwas in den Vorstellungen, in den Gedanken zu haben, was nicht mehr da ist, aber einmal in unserem Erdenleben da war; können wir vielleicht nicht auch durch irgendwelche Seelenverrichtungen solche Vorstellungen bekommen, die sich auf etwas beziehen, was niemals im Erdenleben da war, was also eine höher entwickelte Erinnerung ist, eigentlich aber keine Erinnerung, sondern eine Vorstellungswelt, wo die Erinnerung so weit entwickelt ist, dass etwas vorgestellt ist, das nicht einmal da war? Das kann erreicht werden dadurch, dass man wirklich das Gedankenleben weiter ausbildet, als man es gewöhnt ist für das gewöhnliche Bewusstsein.
[ 12 ] From these facts intended here to emanate from spiritual science and not from philosophical speculation, connections can now be taken up and developed further through exercises of the soul. The question is this: if we are capable through ordinary memory of having something of the perceptions and the thoughts that are no longer there, but once were there in our earthly life, could we not perhaps also, through further development of such soul exercises, arrive at what refers to something that was never in earthly life, to something that is a more highly developed memory, yet is not actually a memory but an Imagination where the memory is so far advanced that something is presented that was not originally there? This can be achieved the more that we really develop the thought life that is used for ordinary consciousness.
[ 13 ] Hier wird nicht kritisiert — meine sehr verehrten Anwesenden —, sondern es werden eben nur Tatsachen des Seelenlebens dargestellt. Denn für die Naturwissenschaft und für das gewöhnliche Bewusstsein ist das alles richtig für den praktischen Menschen, was eben sein Bewusstsein in Anspruch nimmt, dass man sich den äußeren Eindrücken hingibt und passiv erlebt an den äußeren Eindrücken die Gedanken.
[ 13 ] This is not to criticize, but only to show the facts of mental life. Because for natural science and for the ordinary consciousness of the practical human being, only the external impressions of his consciousness are taken into consideration, and it is entirely correct that he surrenders to and passively experiences the thoughts of these external impressions.
[ 14 ] Aber damit dieses zweite Erwachen, dieses höhere Erwachen zustande kommen kann, von dem ich gesprochen habe, muss man sich mit aller inneren Tätigkeit und Aktivität dem Gedankenleben hingeben, den Gedankenkräften. Ich habe die Dinge, die hier in Betracht kommen, dargestellt in meinen Büchern: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», in meiner «Geheimwissenschaft»; ich will hier nur das Prinzipielle andeuten.
[ 14 ] However, through this second process the higher awakening of which I have spoken can come about, but one must surrender all of the work and activities of thought life, surrender the forces of thought.
[ 15 ] Man greift auf, ganz gleichgültig wie er sich zur Wirklichkeit verhält, irgendeinen überschaubaren Gedankeninhalt. Überschaubar muss er sein, damit man sich nichts suggeriert. Und immer wieder wird natürlich gesagt, dass diejenige Weltanschauung, die ich hier vertrete, ja auch eine Autosuggestion oder dergleichen sein kann. Derjenige, der wirklich das sieht, wie die Seele zu dem zweiten Erwachen kommt, wird diesen Gedanken wirklich aus sachlichen Gründen aufgeben, dass es sich hier um irgendeine Autosuggestion oder um irgendetwas dergleichen handeln könne. Also: Überschaubare Vorstellungen werden in den Mittelpunkt des Bewusstseins gerückt. Dann wird in strenger Seelenkonzentration und meditativ alle Kraft der Seele darauf verwendet, nun diese Vorstellungen durch eine gewisse Zeit hindurch eben im Bewusstsein zu haben. Da merkt man dann, wie etwas in den Seelenkräften eintritt, das ich mit Folgendem vergleichen kann: Wenn Sie die Muskeln Ihres Armes immerfort anstrengen, dann werden diese Muskeln des Armes wesentlich verstärkt. So werden die Seelenkräfte verstärkt, wenn Sie sie mit aller Energie auf eine immer wiederkehrende Vorstellung richten. Je nach der Begabung des Menschen, dauert es für den einen vielleicht wenige Wochen, für den andern viele Jahre. Das hängt ganz davon ab, wie eben die Seelenverfassung ist, die der Mensch in sich hat. Aber durchgeführt müssen für wirkliche geistige Forschung solche Übungen werden.
[ 15 ] Not translated
[ 16 ] Dann tritt dasjenige ein, was nicht verwechselt werden darf mit dem, was man heute oftmals Hellsichtigkeit nennt, die natürlich auf allen möglichen untergeordneten, mit den menschlichen organischen Funktionen zusammenhängenden Betätigungen [beruht]. Dasjenige aber, was hier erworben wird — meine sehr verehrten Anwesenden —, setzt voraus, dass jeder Schritt während des Übens selber mit solcher Besonnenheit vollzogen wird, wie der Mathematiker seine Rechenexempel besonnen vollzieht für die mathematische Wissenschaft; sodass man genau ebenso exakt weiß, wie man übt, wie man jeden Schritt der Seele vorwärts macht, wie der Mathematiker gewöhnt ist, seine Dinge auszuführen. Nur arbeitet das eine Mal der Mathematiker in den objektiven Formen, und hier arbeitet man in den eigenen Seelenkräften, die man vorwärtsbringt.
[ 16 ] There then occurs that which should not be confused with what today is often called clairvoyance, which of course is based upon all possible associations dependent upon human organic functions. That which is acquired here presupposes that each step during practice is completed with as much prudence as the mathematician takes with his arithmetic for the mathematical sciences; so it is known exactly and precisely how to practice every forward step of the soul, just as the mathematician customarily carries out his work. Only the works of the mathematician are in objective forms, while here the work is to bring forward your own soul forces.
[ 17 ] In dieser Weise gelangt man dazu endlich, zu merken: Es kommt der Zeitpunkt, wo man merkt: Du lebst jetzt in einer ganz anderen Gedankenkraft als früher. Früher war die Gedankenkraft eben abstrakt. Du konntest über etwas nachdenken durch deine Gedanken; und jetzt, jetzt erlebst du innerlich die Gedankenkraft als eine wirkliche Kraft, wie du die Wachstumskraft erlebst, wie du die Pulsation deines Blutes erlebst, jetzt erlebst du das Denken und Tätigwerden als ein Reales in dir. Jetzt sieht man ein, dass Erinnerungskraft, die auch in Gedanken lebt, nur, man möchte sagen, eine Verdünnung — wenn ich mich bildlich ausdrücken darf — desjenigen ist, was man jetzt erlebt als eine wesentlich verstärkte Gedankenkraft, die in einem pulst, wie organische Kräfte pulsen. Man erlebt die Realität des Denkens. Und man erlebt diese Realität des Denkens dadurch, dass man sich wirklich jetzt in etwas fühlt, in dem man sich bisher nicht gefühlt hat. Man hat sich bisher in seinem physischen Leibe gefühlt; jetzt fängt man an, sich in einem zweiten, höheren Menschen zu fühlen.
[ 17 ] In this manner you are finally led to remember. You live in an entirely different mental power than previously. Previously the power of thought was just abstract; you could think about something through your thoughts, but now, now you are internally experiencing the power of thought as a real force, just as you experience the pulsation of your blood. Now you experience thinking and action as a reality within you—now you see that the power of memory also lives in thought, only it is a dilution—if I may express myself figuratively—of that which is seen as a much greater power of thought, like the pulse of organic forces. You experience the reality of thought. And you can experience this reality of thought in so far as you really feel something that has not yet been felt. It has been felt in the physical body, and now one begins to feel a second, higher person. And this second, higher person then takes on a very definite shape.
[ 18 ] Und dieser zweite, höhere Mensch nimmt dann eine sehr bestimmte Gestalt an. Dasjenige, was wir als Mensch, so wie wir herumgehen im gewöhnlichen Leben, sind, das sind wir dadurch, dass wir einen Raumesleib an uns tragen, einen fleischlichen Raumesleib. Jetzt erleben wir das, was ich nennen möchte: einen Zeitleib, man kann ihn auch ätherischen oder Bildekräfteleib nennen, wie ich es in meinen Büchern getan habe. Wir erleben nämlich, dass auftaucht wie ein mächtiges Tableau — sagen wir —, auftaucht ein Überschauen unseres bisherigen Erdenlebens von dem Zeitpunkte an, den wir erreicht haben, rückwärtsgehend bis in die erste Kindheit. Wie man sonst nur Raumes-Tableau erlebt, so erlebt man jetzt ein Zeit-Tableau: Das ist das ganze bisherige Erdenleben, das auf einmal überschaulich auftritt. Es ist die erste übersinnliche Erfahrung, die der Mensch machen kann, sein eigenes Erdenleben auf einmal als Tableau vor sich zu haben.
[ 18 ] So you have more than life in this time-body, the head is free: you have a human being in the etheric cosmos. That which I now recognize and know only in its importance as the earthly human being—and it actually has the I-sense—this is the human being as earth man, this is only the physical body that evaporates in space. What we are as human beings as we go around in ordinary life, we are in that we carry a space-body with us, a fleshly space-body. Then we experience what I would call a time-body. One can also call this an etheric or formative forces body, as I have done in my books. We experience namely that which emerges as a powerful tableau, an overview of our previous life on earth, from the point of time that we have reached, going backwards until the beginning of childhood. As otherwise we experience only a space tableau, now we experience a time tableau that occurs suddenly and is an overview of the entire previous life on earth. This is the first supernatural experience that the human being can have, his own earth lives suddenly appearing before him as a tableau.
[ 19 ] Nun kann jemand sagen: Ja, aber vielleicht ist das doch nur ein etwas komplizierteres Erinnerungsbild. Man könnte sich ja auch dasjenige zusammenstellen, was man erlebt hat in Gedanken, und dann einen fortlaufenden Erinnerungsstrom daraus bilden. Dann könnte man ja dieses Bild als Erinnerungsbild bekommen.
[ 19 ] Now someone can say: Yes, but perhaps this is only a somewhat complicated picture from memory. Indeed, one could likewise place together in thoughts what has been experienced and then form a continuous stream of memory; yes, one could just receive this picture as a memory picture.
[ 20 ] Und vielleicht nur durch einige Selbsttäuschung zustande gebracht ist dasjenige, was du uns da schilderst, auf Grundlage deines aktivierten Denkens erworben, doch nichts anderes als ein solches Erinnerungsbild. Das wäre es ganz gewiss, wenn es sich nicht seinem Inhalte nach unterschiede! Wenn man nämlich wirklich diesen Dingen so gegenübersteht, wie man es gewöhnt ist als Wissenschafter, wissenschaftlichen Dingen gegenüberzutreten in den Laboratorien, in physikalischen Kabinetten, auf der Klinik und so weiter, dann prüft man jetzt: Wie ist ein gewöhnliches Erinnerungsbild, stellen uns vor, wie Menschen an uns herangekommen sind, wie sie das oder jenes uns gegenüber getan haben, wie das oder jenes uns sympathisch oder antipathisch berührt hat und so weiter und so weiter. Es stellt uns dieses Erinnerungsbild vielleicht auch dar, wie Naturerscheinungen an uns herangekommen sind. Aber immer ist es dieses Herankommen, was die Hauptsache ist beim bloßen Erinnerungsbild. Bei diesem Tableau, auf das ich jetzt aufmerksam gemacht habe, da ist es nicht so, dass die Dinge an uns herankommen, sondern da kommt alles aus uns heraus. Da erscheint uns vorzugsweise das, wie wir aus den inneren Kräften der Seele an die Naturerscheinungen herantreten, an die Menschen herantreten. Es erscheint uns alles dasjenige, was aus dem Innern herauskommt. Es ist die wirkliche Selbsterkenntnis, die reale, konkrete Selbsterkenntnis, die da auftritt, und zwar zunächst für das bisherige Erdenleben. Wenn wir vergleichen dasjenige, was wir da überschauen, dann müssen wir sagen: Es verhält sich zu einem gewöhnlichen Erinnerungsbild, das wir uns machen über unser bisheriges Erdenleben, wie der Siegellackabdruck zu dem, was im Petschaft ist: Es ist das richtige Reversbild. Und wer ebenso vergleichen kann, der weiß, dass [ist] jetzt die erste Stufe einer neuen Erkenntnis, einer erhöhten Erinnerung, die aber jetzt nicht mehr Erinnerung ist, sondern die jetzt ein imaginatives Überschauen des Erdenlebens darstellt. Das ist die erste Stufe, wo man fühlt, dass man diesen höheren Menschen, den Zeitmenschen, in sich trägt, dass das nicht etwas ist, was der Raumesleib aus sich herauszaubert, sondern dass das etwas ist, was selber an diesem Raumesleib gearbeitet hat, seit wir auf der Erde als Menschen sind. Denn die Kräfte, die in diesem Zeitleib liegen, wir erkennen sie als von der gleichen Art, wie die Wachstumskraft, wie dasjenige, was zum Beispiel, während wir Kind waren, in wunderbarer Weise modelliert hat unser erst unplastisches Gehirn, ich möchte sagen amorphes Gehirn, zu jener wunderbaren Gestalt, die dieses Gehirn nach und nach bekommt und so weiter und so weiter.
[ 20 ] And perhaps we are brought to a state only of some self-deception here, to nothing other than such a memory picture from what you describe to us on the basis of your active guidance. This would assuredly be so if there were no differences in accordance with the content! Indeed, if these things were really faced as though one were a scientist, confronting scientific things in laboratories, in physical cabinets, at the clinic and so forth, and then considering: is this an ordinary memory image? Imagine how people have approached us, how they have done this or that to us, how this or that has touched us with sympathy or antipathy, and so on. This can perhaps also provide us with a memory image that represents how natural phenomena has approached us. But it is always this that comes to us: what the thing mainly is when it is merely recollected. In this tableau to which I have just drawn attention, it is not that the things draw near to us, but rather that everything comes out of us. This appears chiefly to be like that which we confront out of the inner forces of the soul as natural phenomena and the human being, yet everything appears from within us. This is real self-knowledge, real, concrete self-knowledge, which in fact occurs initially out of the previous earth life. And if we compare what we see overall, then we must say: that which we have produced from our previous life on earth does not behave like an ordinary recollection, but—like a sealing wax impression in a signet—it is the correct reverse image. And whoever simply makes this comparison will know that this is the first step of a new knowledge, of an increased memory that is not just more memory but represents an overall Imagination of a previous earth life. This is the first stage where one feels that he is this higher human being who carries within himself this time-body; this is not just something that the space-body has conjured out of itself, but something that has worked itself into this space-body ever since we have been on earth as human beings. For we recognize that the powers that lie in this space-body are of the same nature as the power of growth, the same kind that, in addition—for instance, when we were children—has wonderfully modeled our first—I want to say—unplastic, amorphous brain to the wonderful form that this brain gradually becomes, and so on.
[ 21 ] Und lebt man sich ein in diesen Zeitleib des Menschen, dieser ersten Stufe der übersinnlichen Erlebnisse des Menschen, dann muss man allerdings auch die engherzige IchVorstellung zunächst ablehnen, die man dadurch hat, dass man eben mit seinem Ich ruht innerhalb seiner menschlichen Haut. Jetzt fühlt man sich wie zusammengehörig mit dem ganzen Kosmos. Man fühlt nun sich wirklich in seinem Ätherleib, in seinem Zeitleibe, als ein Glied des ganzen Kosmos. Und man bekommt ganz real die Vorstellung: Wenn ich einen Finger abschneide von meinem Organismus, dann ist das kein Finger mehr; der Finger hat nur einen Sinn im Zusammenhang mit dem Organismus. So hat man, indem man sich zu diesem Zeitleibe hinüberlebt, das deutliche Bewusstsein: Du hast als Mensch in dieser höheren Wesenheit nur einen Sinn als ein Glied des ganzen ätherischen Kosmos; du gehörst dem ätherischen Kosmos an. Das Ich erkennt sich jetzt in seiner Bedeutung als Erdenmensch erst so recht, weiß, dass es eigentlich jene Ich-Empfindung, die der Mensch als Erdenmensch hat, gerade dem physischen Raumesleib verdankt.
[ 21 ] And in settling into this time-body of the human being, into this first stage of the supernatural experiences of the human being, what must be rejected are all of the narrow-minded notions of the ego that one has, such as that the I is resting inside of the human skin. Now one feels as though he belongs together with the entire cosmos. Now one feels that he really is in his etheric body, in his time-body as a member of the entire cosmos, and he has a concept that is very real: if I cut off a finger of my body then it is no longer a finger; the finger has meaning only in the context of the organism. So by focusing on this time-body, you have a clear awareness: as a human being within this higher being you have the sense of being a member of the entire etheric cosmos, you belong to the etheric cosmos. It is really correct that the I now recognizes itself in its significance as an earthly human being; knows that it is actually owing to the physical space-body that the human being has the I-sensations as earthly man.
[ 22 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, das ist aber nur die erste Stufe jener übersinnlichen Erkenntnis, die erworben werden kann, um das Ewige der menschlichen Seele zu erfühlen. Die folgende Stufe, sie führt eigentlich erst in Wahrheit zu jenem zweiten Erwachen. Denn wir haben ja mit der ersten Stufe nichts anderes erreicht als Selbsterkenntnis des Erdenmenschen. Die höhere Stufe wird nun dadurch erreicht, dass man mit derselben Kraft, mit der man zunächst sich ganz konzentriert hat auf Vorstellungen im aktiven Denken, dass man mit derselben Intensität des Seelenlebens solche Vorstellungen wiederum wegschafft aus dem Bewusstsein; nur muss man immer wiederum darauf zurückkommen. Es handelt sich bei all diesen Vorgängen um nichts Suggestives, sondern um etwas, was mit vollster Besonnenheit wie das mathematische Operieren verläuft. Aber dennoch, indem man sich in starker Weise hingibt solchen Vorstellungen, solchen Gedanken, die man in der geschilderten Weise in den Mittelpunkt seines Bewusstseins rückt, ist man eben zunächst doch an diese Vorstellungen ganz hingegeben. Man kommt schwerer los als von den passiv erworbenen Vorstellungen des gewöhnlichen Bewusstseins. Man muss daher eine stärkere Kraft anwenden, als man sonst anwenden muss, um etwas zu vergessen oder aus dem Bewusstsein fortzuschaffen. Aber das ist gut; denn dadurch, dass man diese stärkere Kraft anwendet, dadurch gelangt man zu einem weiteren, höheren Bewusstseinszustand.
[ 22 ] However, this is only the first stage of a super-sensible knowledge that can be acquired in order to feel the eternity of the human soul. The following higher stage actually leads, in truth, to a second awakening. For in the first stage we have reached nothing other than the self-knowledge of the earthly human being. The higher level will now be achieved with the same power with which one has initially, through active thinking, concentrated fully on concepts, and, with the same intensity of soul life, now carries away in turn such concepts from consciousness; only one has to come back to them time and again. In the handling of all of these processes there is nothing suggestive; it proceeds as something with the fullest deliberation, like the course of mathematical procedures. But still, the one who finds himself surrendering such concepts, such thoughts in a strong manner, the one who moves as in the described example into the center of his consciousness, this is the one who at first is wholly devoted to these concepts. And it is more difficult to get rid of these than the passively acquired ideas of ordinary consciousness. Therefore, in order to forget or carry away something from your consciousness, a stronger force must be applied than would otherwise be applied. But this is good, because through the fact that you apply this stronger force you can reach yet another higher state of consciousness.
[ 23 ] Sie brauchen ja nur — meine sehr verehrten Anwesenden — ehrlich daran zu denken, was im menschlichen Bewusstsein eintritt, wenn die gewohnten, passiv erworbenen Vorstellungen aufhören. Denken Sie sich nur einmal, die Sehvorstellungen hören auf und man weiß — es sind ja solche Versuche auch in den psychologischen Laboratorien gemacht worden —, der Mensch schläft ein. Das ist dasjenige, was nun eben beim Menschen nicht eintreten kann, wenn er als Geistesforscher zunächst alle Seelenkraft konzentriert hat auf bestimmte Vorstellungen und dann sie wieder wegschafft. Dann tritt für ihn jener Zustand ein, den ich nennen kann das tiefste Schweigen der menschlichen Seele, leeres Bewusstsein. Und mit diesem tiefsten Schweigen der menschlichen Seele ist eigentlich etwas außerordentlich Bedeutsames gesagt. Indem man also die erst mit aller Kraft in das Bewusstsein hereingebrachten Vorstellungen wiederum herausschafft, hat man zunächst ein leeres Bewusstsein. Das ist einfach so, man kann warten im bloßen Wachzustand auf dasjenige, was sich nun dem inneren Seelenleben ergibt; aber es tritt eben etwas ein, was ich nur bezeichnen kann mit dem tiefen Schweigen der Seele.
[ 23 ] You need only think honestly about what occurs in human consciousness when the familiar, passively acquired conceptions stop. Think first of all about stopping these visual concepts and you know that the person will fall asleep—such attempts have indeed also been made in psychological laboratories. This is exactly what now occurs in the human being when he, as a spiritual investigator, has first concentrated all of the powers of his soul on certain conceptions and then clears them away again. There then occurs in him a state which I call the deepest silence of the human soul, empty consciousness. And within this deepest silence of the human soul something very significant is actually said. Thus, the concepts that were first brought into consciousness with all of your strength are again released, and then you have an empty consciousness. This is simply so. You can wait in mere wakefulness for that which the inner life of the soul then reveals, but in that which I can only describe as the deep silence of the soul, something else enters in.
[ 24 ] Damit wir uns über dieses Seelenerlebnis verständigen, lassen Sie mich folgenden Vergleich gebrauchen. Denken Sie sich, wir wären zunächst in einer der modernen großen Städte, wo so richtiges Getöse, furchtbarer Tumult herrscht, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen kann, wenn man auf der Straße geht. Dann entfernt man sich von der Stadt, geht fünf Minuten weiter weg, es wird immer stiller; weitere fünf Minuten weg wird es noch stiller, immer stiller, denken wir uns, wir kommen dann in die tiefe, schweigsame Einsamkeit des Waldes; wir können sagen: Da schweigt alles ringsherum. Unsere Seele kommt mit dem Schweigen der Umgebung selber in Schweigen. Aber sehen Sie, wir haben damit noch nicht jenes Schweigen erlangt, von dem ich jetzt spreche als dem tiefen Schweigen der Seele. Wenn man von dem Schweigen des Waldes gegenüber dem Getöse der Großstadt spricht, so sagt man, dass das Laute ganz allmählich aufhört. Bei dem Zustand Null, gegenüber dem lauten Getöse bei dem Zustand Null angekommen, nennen wir das dann Ruhe.
[ 24 ] If we can agree on this soul experience, allow me to make the following comparison. Think to yourself: at first we are in one of the big, modern cities, where, if we go out onto the street, such real noise and tumult reign that we cannot understand our own words. Then, removed from the city, five minutes away, it is always silent, and another five minutes away it is even more silent, and more silent. Let us imagine then that we come to the deep, silent solitude of the forest. We can say: all around is silence. With the environment itself in silence our soul comes to silence.—But you see, we have not yet attained that silence which I now speak of as the deep silence of the soul. When one speaks of the silence of the forest over the din of the city, it is said that sounds very gradually cease. At the state of zero—having arrived at the zero state over the loud din—we call this, then, rest. But there is something that goes beyond the zero! Distract yourself, once, with one who has a fortune; he gives continuously of this wealth until he has little, yes, until he has less than nothing.
[ 25 ] Aber — meine sehr verehrten Anwesenden — es gibt da etwas, was noch über die Null hinausgeht! Denken Sie sich einmal, einer hat ein Vermögen; er gibt von diesem Vermögen immerfort aus, bis er wenig hat, ja, bis er weniger hat als nichts. Das sehen wir, dass man da insbesondere heutzutage nicht stehen bleibt, wenn man nichts hat, sondern man gibt weiter aus. Wie macht man das? Man geht unter die Null herunter, man geht, wie der Mathematiker sagt, ins Negative hinein, in dasjenige, was Schulden sind gegenüber dem Vermögen, in dasjenige, was negativ ist gegenüber der Null, was weniger ist als die Null. Denken Sie sich das für das Schweigen. Wir können von dem lauten Getöse bis zur Ruhe — Null — kommen; können aber noch weitergehen, sodass wir herunterkommen in Regionen des Schweigens, die stärkeres Schweigen sind, als das bloße Null-Schweigen. Und in solchen Regionen, wo eine größere Ruhe drinnen ist als die Ruhe Null, in solche Regionen kommt das Seelenleben hinein, wenn es in der Weise, wie ich es angedeutet habe, die erst kraftvoll in das Bewusstsein gesetzten Vorstellungen auslöscht. Dann kommt die Seele in das wachende Leere gegenüber den inneren Erlebnissen. Dann tritt aus dem tiefen Schweigen der Seele heraus die der sinnlichen entgegengesetzte Welt, die objektive geistige Welt, die aus dem lauten Treiben der sinnlichen Welt uns in dieser sinnlichen Welt mit ihren Vorgängen entgegentritt. So tritt dem Geistesforscher, der auf der Stufe angekommen ist, die ich geschildert habe, gegenüber dem tiefen Schweigen der Seele die geistige Welt entgegen und er befindet sich in der geistigen Welt, stufenweise, so wie sich der Mensch durch seine Augen, durch seine Ohren in der physisch-sinnlichen Welt befindet. Und dem tiefen Schweigen der Seele offenbart sich die positive geistige Welt.
[ 25 ] Nowadays we see that one does not particularly stop when he has nothing, but goes further. How does he do this? He goes below the zero, goes—as the mathematician says—into the negative, into debts that are made against the assets, into that which is negative in respect to zero, which is less than zero. Regarding the silence, think of this: we can go from the loud roar to the rest—zero—yet we can go still further, so that we enter into the regions of silence where the silence is stronger than the mere zero-silence. And the life of the soul enters into such regions, where there is a greater peace within than the mere zero-silence. If this occurs as I have indicated, the complex concepts of the consciousness are first powerfully extinguished; then the soul moves into the growing emptiness toward the inner experiences. There then emerges from the deep silence of the soul, contrary to the opposite sensual world, the objective spiritual world. Thus the spiritual researcher has arrived at the level I have described, and from the deep silence of the soul he meets the spiritual world, and he is gradually within the spiritual world, just as the human being through his eyes, through his ears, is in the physical-sensory world. And in the deep silence of the soul the objective spiritual world is revealed.
[ 26 ] Und dann kann man weitergehen in seinen Übungen: So wie man eine Vorstellung wegschaffen kann, so kann man dieses ganze Bild des Lebens, das man auf der ersten Stufe seines übersinnlichen Erkennens, wie ich es geschildert habe, erlebt hat als richtige Selbsterkenntnis, das kann man nun mit aller Kraft wegschaffen, seinen Zeitmenschen wegschaffen, wie man in dem Erkenntnismomente, wo man zu dem Zeitmenschen gekommen ist, seinen Raumesmenschen schon weggeschafft hat mit seiner starken Ich-Empfindung. Jetzt kann man den Zeitmenschen wegschaffen. Und aus dem Schweigen der Seele heraus entzündet sich einem — wenn man gegenüber der eigenen Selbsterkenntnis, der realen Selbsterkenntnis zu dem wachen Bewusstsein im tiefen Schweigen der Seele gekommen ist —, offenbart sich einem jetzt nichts [Gleichzeitiges], sondern mit dem Hinwegschaffen seines Zeitmenschen tritt man ein in diejenige Welt, in der man war, bevor man heruntergestiegen ist, um den für einen von Eltern, Voreltern zubereiteten physischen Leib anzunehmen. Aus dem tiefen Schweigen der Seele heraus offenbart sich einem neben den gleichzeitigen geistigen Welten-Vorgängen das eigene geistig-seelische Wesen, das man war, bevor man zu diesem Erdendasein heruntergestiegen ist. Jetzt schaut man hinein in das Leben, das man durchmacht mit anderen, rein geistig-seelischen Wesen, bevor man ein irdisches — wenn ich so sagen darf — Kleid angenommen hat; das Dasein des Menschen vor der Geburt oder eigentlich vor der Konzeption, tritt jetzt vor das seelische Schauen an den Menschen heran.
[ 26 ] And then one can go further in the exercises. Just as one can get rid of a concept, so can one get rid of this entire picture of life that he had at the first stage of his super-sensible cognition, as I have described it, and that was experienced as real self-knowledge. This he can now clear away with all of his strength, clear away this time-person just as when, in the moment of realization when he had come to the time-person, he had already rid himself of the space-person with his strong I-feeling. Now the time-person can be removed. And out of the silence of the soul one is inflamed when one compares his own self-knowledge, the real self-knowledge, to the waking consciousness that has come in the deep silence of the soul. There is now revealed nothing spiritual, but through the outer work of his time-person he enters into the same world where he was before he descended to take on the physical body that had been prepared by his parents and forefathers. And from the deep silence of the soul there is revealed, in addition to the simultaneous spiritual world events, one's own spiritual and soul being, what he was before he descended to this earthly existence. Now he looks into the life that he went through with others before an earthly garment, if I may call it so, was accepted, purely spiritual-soul beings. The existence of the human being prior to birth or prior to conception actually occurs before the soul seeks to connect with others.
[ 27 ] Das — meine sehr verehrten Anwesenden — ist dasjenige, um was es sich bei dem hier vertretenen Gesichtspunkt handelt. Man beginnt nicht zu spekulieren von irgendeinem Punkte aus, um darauf zu kommen, ob es eine Seelenunsterblichkeit gibt oder nicht. Man verspricht sich davon nichts. Denn das wäre so, wie wenn einer aus dem Träumen, aus dem Traum selber sich Aufklärung holte. Er muss aufwachen, um sich über den Traum aufzuklären. Jetzt wacht man im tiefen Schweigen der Seele auf einer höheren Stufe auf, und man klärt sich auf über dasjenige, was das Erdendasein ist. Es wird gestaltet von demjenigen Dasein, das man durchgemacht hat, bevor man durch die Geburt schritt, beziehungsweise durch die Konzeption, und zu diesem Erdendasein heruntergestiegen ist. Geisteswissenschaft in dem hier gemeinten Sinne will die Methode aufzeigen, durch die die Anschauung des Ewigen in der Menschenseele gewonnen werden kann. Damit aber — meine sehr verehrten Anwesenden — ist die zweite Stufe der Geisteserkenntnis, durch die wir neben den Geheimnissen der Welt auch die Geheimnisse des eigenen Wesens uns verschaffen können, erklommen.
[ 27 ] It is this that is the point of view represented here. One does not begin to speculate on any viewpoints so as to determine whether or not the soul is immortal. Nothing can be expected from this, because that would be as though one had pulled oneself out of the dreams, out of the dream that had won enlightenment. One must awaken in order to educate himself about the dream. Now one can awaken in the deep silence of the soul to a higher stage and clarify what life on earth is. It is formed from that existence that he had gone through before the step through birth—or rather through conception—and the descent to this earthly existence. Spiritual science in the sense meant here wants to show the methods by which the vision of the eternal can be acquired by the human soul. This however is the second stage of spiritual knowledge by which we can climb to the secrets of the world, and which can also give us, in addition, the secrets of our own being.
[ 28 ] Eine dritte Stufe wird erklommen dadurch, dass etwas nun Erkenntniskraft wird, das im gewöhnlichen Bewusstsein nun auch nicht Erkenntniskraft ist, ebenso wenig, wie die Erinnerungskraft eine eigentliche Erkenntniskraft ist. Wir erinnern uns an dasjenige, was wir erlebt haben. Ebenso wenig ist eine andere Kraft der Seele eine Erkenntniskraft. Und wenn ich sage, sie soll eine Erkenntniskraft werden, dann werden etwaige Wissenschafter, die dasitzen — ich kann das ganz gut begreifen; denn wie man als Wissenschafter zunächst über diese Dinge denken muss, das weiß ich sehr gut; niemand sollte eigentlich unter voller Verantwortung über das hier geltend gemachte, exakte geistige Erkennen sprechen, der nicht voll vertraut ist mit den gewöhnlichen naturwissenschaftlichen Methoden —, also wenn Wissenschafter von den bisherigen Ausführungen nicht eine leise Gänsehaut erhalten haben, so werden sie sie wenigstens erhalten, wenn ich nun auch noch in Anspruch nehme, dass eine Kraft, die sonst im gewöhnlichen Leben eine ungeheure Rolle spielt, aber nicht wissenschaftlich in Anspruch genommen werden soll im gewöhnlichen Leben, dass diese nun als Erkenntniskraft für die Seele in Anspruch genommen wird: Das ist die Kraft der Liebe.
[ 28 ] A third stage is scaled through the fact that something is now a power of knowledge, although it is not a power of knowledge in ordinary consciousness, nor is the power of memory an actual power. We remember what we have experienced. Just as little is another power of the soul a power of cognition. And when I say it is to be a power of cognition, then any scientist who sits here—I can understand quite well, because you have first to think as a scientist about these things, I know very well, and no one should actually speak with full responsibility about the exact spiritual knowledge asserted here who is not fully familiar with the usual scientific methods. So if scientists do not receive from the above the silent "goose bumps," they will at least receive a little if I now also claim that a force which otherwise plays a huge role in ordinary life—but should not be scientifically availed upon in ordinary life—that this will be now be taken as a power of knowledge for the soul to complete: the power of love.
[ 29 ] Liebe spielt ja gewiss eine ungeheure Rolle im Dasein, aber man sagt, sie sei blind. Sie darf nicht irgendwie als Erkenntniskraft in Anspruch genommen werden. Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man die Erkenntniskraft so weit getrieben hat, dass man zum tiefen Schweigen der Seele gekommen ist, dann tritt innerhalb dieses tiefen Schweigens der Seele vor allen Dingen auch das ein, was man nennen könnte das deutliche Gefühl: Du musst zunächst, wenn du erkennen willst, entbehren den Anblick der äußeren Sinneswelt. Du musst dich herausziehen aus deinem physischen Leibe, herausziehen sogar aus deinem Zeitleibe. Und dann schwindet sozusagen jenes derbere, an den physischen Leib gebundene Ichgefühl sehr stark dahin — noch weiter, als ich das früher geschildert habe, wo man sich mit dem Zeitleib schon eins fühlt mit dem ganzen kosmischen Dasein.
[ 29 ] Yes, certainly love plays a huge role in existence, but it is said that she is blind. It may not be taken as some sort of complete power of knowledge. But if one has driven the power of knowledge so far that we have come to the deep silence of the soul, then there occurs above all within this deep silence of the soul what one might call a distinct impression: When you want to see you have first to deprive your sight of the outer sense world. You must pull it out of your physical body, pull it out even from the time-body. And then it fades so to speak, that coarser part that is bound to the physical body; the I-feeling very strongly goes yet further, as I have described earlier, where you feel that the time-body is already one with the entire cosmic existence.
[ 30 ] Aber wenn man durch Übungen, die ebenfalls in den genannten Büchern in den Einzelheiten geschildert sind, [sich] bekannt macht mit dieser Entbehrung, die da als ein wirkliches Gefühl auftritt — Entbehrung des physischen, Entbehrung des Zeitleibes —, wenn man hinschaut auf das Dasein, wie man war, bevor man in das physische Erdendasein heruntergestiegen ist, dann erlebt man etwas wie einen tiefen Schmerz der Seele. Und eigentlich ist die wahre höhere Erkenntnis durchaus aus dem Schmerze herausgeboren.
[ 30 ] But if—through the exercises that are described in detail in the books mentioned—you become acquainted with this deprivation, in which there occurs, in a very real sense, deprivation of the physical, deprivation of the time-body—if you look to existence as it was before you descended into physical existence on earth then you will experience something like a deep pain of the soul. And the true higher knowledge is actually born out of this pain.
[ 31 ] Glauben Sie nicht — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass man, wenn man ehrlich ist, schildern kann, dass aus Lust heraus die höhere Erkenntnis geboren ist! Sie ist aus dem Schmerz herausgeboren. Und man muss nach und nach Ertragsamkeit gewinnen gegenüber diesem Schmerze. Wenn man Ertragsamkeit dem Schmerze gegenüber gewinnt, dann lernt man als solcher Geistesforscher, in etwas anderer Art auch in das physisch-sinnliche Dasein immer wieder zurückzukehren. Denn, Sie werden ja begreifen: Dasjenige, was ich geschildert habe als im Momente höherer Erkenntnis, die man auf die charakterisierte Weise erwirbt, die hat man ja nur ganz kurze Zeit immer. Man ist nicht etwa immer entrückt, wenn man ein Geistforscher ist, in eine höhere Welt; man muss ja immer wieder und wiederum, wenn man die höhere Welt durchschritt, zurückkehren in eine gewöhnliche, sinnlich-physische Welt. Aber man kehrt aus dem Momente des höheren Anschauens zurück, indem man zunächst in tiefem Schmerz hat entbehren gelernt diese physisch-sinnliche Welt. Da bekommt man einen ganz anderen Standpunkt gegenüber dieser physisch-sinnlichen Welt. Da muss man tatsächlich kennenlernen dasjenige, was man Opfergefühl nennen kann — das Opfergefühl, das darinnen besteht, dass der Mensch wirklich sich mit vollem Bewusstsein an das andere Wesen, nicht bloß aus Instinkt, sondern mit vollem Bewusstsein an das andere Wesen oder auch an die anderen Naturvorgänge hingibt. Während der Instinkt in der Liebe so wirkt, dass er gewissermaßen einpfahlt in den physischen Leib die Liebesempfindung, kann die Liebe, wenn sie hinaufgetragen wird und ausgebildet wird als Hinopferung an das andere, an die geistige Welt und auch an die physisch-sinnliche Welt, wenn man wieder zurückkehrt, kann die Liebe so entwickelt werden, dass sie in leibfreier Seelentätigkeit verläuft.
[ 31 ] Do not believe, if you are honest, that you can describe higher knowledge as being born out of desire! It is born out of pain. And you must gradually acquire the endurance to win against this pain. If one acquires the endurance to win against the pain, then he will learn as a spiritual researcher to turn back repeatedly to physical-sensory existence in a slightly different way. Because he will understand, yes, that he will have what I have described as a higher knowledge—that may be acquired in the characterized example—for only a very short time. It is not about getting caught in a higher world if you are a spiritual researcher, for when you have stepped through the higher world you must return ever and again to the ordinary physical-sensory world. However, one returns from the moments of higher intuition in which one has first learned, in deepest pain, to do without this physical-sensory world. Then you get a very different stance with respect to this physical-sensory world, since you actually get to know what may be called the feeling of being a victim. One really has this feeling, that remains within, of being a victim, and with full awareness—not only out of instinct but with full awareness—he surrenders himself to other beings or even to other natural processes. While the instinct of love so acts that the sensation of love is felt to a certain extent in the physical body, then the love can be so developed that it runs in bodily-free activity if it is carried up and formed as a sacrifice to the other, in the spiritual world and also in the physical-sensory world. Then this love itself gradually becomes the power of knowledge. And then you get to know just what you can really only know when love becomes the power of knowledge.
[ 32 ] Dann — meine sehr verehrten Anwesenden — wird diese Liebe selber allmählich zur Erkenntniskraft. Und dann lernt man eben kennen, was man eigentlich nur dann kennenlernen kann, wenn die Liebe zur Erkenntniskraft wird. Sehen Sie, durch die Liebe kommen wir ja in ein Verhältnis zu einem anderen Wesen, das uns zunächst fremd sein kann, indem wir uns nahestehend fühlen dann, wenn wir unser eigenes Dasein in sein Dasein hinübertragen. Wir müssen gewissermaßen von unserm Wesen eine Brücke zu dem fremden Wesen durch die Liebe bilden.
[ 32 ] You see, through love we come into a relationship with another being who may at first be foreign to us, and we feel ourselves standing next to the other being if we carry across our own existence into that existence. We need the certainty of the sense of our building a bridge to the unknown being through love. If love—at a higher level, I would like to say—so awakens as I have just indicated, then we obtain our ego again, like a foreign being that—yes—we have lost along the way, as I have described.
[ 33 ] Wenn die Liebe auf einem höheren Niveau, möchte ich sagen so erwacht, wie ich das eben angedeutet habe, dann erlangen wir wie ein fremdes Wesen unser Ich wiederum, das wir ja auf dem Wege, den ich geschildert habe, verloren haben. Aber wie erlangen wir unser Ich? Indem dasjenige, was wir waren in früheren Erdenleben, was uns so fremd ist wie in diesem Erdenleben eine andere Persönlichkeit — indem das ergriffen wird durch die durchgeistigte, veredelte, auf ein höheres Niveau erhobene Liebe. Unser Ich wird uns nicht früher zurückgegeben, als bis wir es in Liebe als ein ganz Fremdes erfassen können. Wir haben es nicht begehrt. Wer es begehrt zu sehen, dieses Ich — wie es in früheren Erdenleben gelebt hat, dann durch die Zeit durchgegangen ist, die zwischen dem Tod und einer neuen Geburt liegt, in der wir uns wahrnehmen können aus dem tiefen Schweigen der Seele heraus, ehe wir zum Erdenleben heruntergestiegen sind —, indem wir zurückschauen zu dem früheren Erdenleben, wie es war vor diesem rein geistig-seelischen Leben, entdecken wir unser Ich.
[ 33 ] But how do we obtain our ego? As the one whom we were in former earth lives, who is as strange to us in this earth life as a different personality, taken to a higher scale by the spiritualized, refined level of love. Our ego is not given back earlier to us, not until we can grasp it in love as entirely foreign. We have not desired to see this ego as it has lived in former lives on earth, and then passed through the time that lies between death and a new birth. However, we discover our ego where we are able to perceive ourselves out of the deep silence of the soul, before we descended to earth life, and look back to the previous earth life as it was before this purely spiritual-soul life.
[ 34 ] Aber wir müssen zunächst, ich möchte sagen ganz selbstlos die höhere Liebe ausgebildet haben als eine Erkenntniskraft, dann ergibt sich uns unangestrebt die Einsicht in frühere Erdenleben. Dann wissen Sie ja: Diese früheren Erdenleben mussten wir durchmachen. Und sind wir aber auch aufgestiegen — meine sehr verehrten Anwesenden —, sodass wir das eigene Ich sehen können, wie es war, und wie es einen anderen Leib als diesen gehabt hat, den wir jetzt seit der Geburt bis zu diesem Zeitpunkte des Erdenlebens tragen, in diesem Augenblicke sind wir dazu gelangt, uns wirklich ganz leibfrei erfassen zu können; das heißt, erkennend den Moment zu durchleben, den wir dann real durchleben, wenn wir durch den Tod gehen. Da legen wir den physischen Leib in Wirklichkeit ab.
[ 34 ] But, I want to say—we must first have developed an entirely selfless higher love as a power of knowledge; this then gives us an unsought insight into a former life on earth. Then we know that we had to go through these former lives on earth. And we have so risen that we can see the ego, how it was and how it had a body other than the body that we have now, that has carried us since birth to this point of time in earthly life. Then we have arrived at this moment, to be able to really comprehend ourselves as entirely free of the body—that is, recognizing the moment to live through that we then live through as real when we pass through death. For we have placed the physical body into reality.
[ 35 ] In der Erkenntnisstufe, die in Liebe errungen ist, legen wir den physischen Leib für die Erkenntnis ab. Und wir erleben uns in demselben Elemente, in dem wir sein werden, wenn wir mit unserem ewigen Inneren durch die Pforte des Todes hindurchschreiten in die geistige Welt, aus der wir heruntergestiegen sind zum physischen Erdendasein. Und so erleben wir die Unsterblichkeit erkennend, wie wir erst — verzeihen Sie, dass ich den Ausdruck gebrauche — die Ungeborenheit erkennend erleben.
[ 35 ] In the stage of knowledge that is gained in love, we remove the physical body of knowledge and we experience ourselves in the same elements where we will be with our eternal inner being when we pass through the gate of death into the spiritual world, from which we have descended into physical existence on earth. And so we experience immortality when we—forgive me when I use the term—first recognize the experience of unbornness.
[ 36 ] Aber die Ewigkeit der Menschenseele besteht aus diesen beiden, aus der Ungeborenheit — für die wir in unserer heutigen gebildeten Sprache nicht einmal ein Wort haben — und aus der Unsterblichkeit. Nur wenn man die beiden begreift als zwei Seiten der Ewigkeit der Menschenseele, kommt man an dieses Begreifen wirklich heran. Heute, in den intellektuellen Vorstellungen, behandeln leider die Menschen auch diese Dinge mit einem gewissen Egoismus. Sie sagen sich, ohne dass sie dies aussprechen, mehr unbewusst sagen sie sich: Nun, dasjenige, was unserem Erdenleben vorangegangen ist, das interessiert uns nicht, denn wir sind ja da. Es interessiert uns, dass wir da sind. Aber das interessiert uns, was nach dem Tode geschieht, denn das wissen wir noch nicht.
[ 36 ] But the eternity of the human soul consists of these two: from unbornness, for which we do not even have a word in our contemporary educated language, and from immortality. Only when one comprehends these two as two sides of the eternity of the human soul can one really approach understanding. In the intellectual conceptions of today, people unfortunately treat these things with a certain egoism. They say to themselves—without having to voice this—more unconsciously they say to themselves: Well, that which has preceded our life on earth does not interest us, for we are here. It interests us that we are here. But we are interested in what happens after death because we do not yet know this.
[ 37 ] Sehen Sie, das ist ein Egoismus. Aber dem ergibt sich nicht die Erkenntnis. Die Erkenntnis ergibt sich nur dem unegoistischen Wesen. Daher kann auch keiner eine wirkliche Erkenntnis von der Seelenunsterblichkeit gewinnen, der nicht den Willen dazu hat, eine Erkenntnis aus der Seelenungeborenheit zu erringen. Denn aus Seelenungeborenheit und aus Seelenunsterblichkeit setzt sich das Ewige der Menschenseele zusammen.
[ 37 ] This is egotism, but the results are not knowledge. Knowledge results only from unegotistical essence. Therefore, no one can gain a real knowledge of the immortality of the soul who does not have the will to achieve knowledge of the soul's unbornness. Because the eternity of the human soul is composed of the soul's unbornness and the soul's immortality.
[ 38 ] Damit ergibt sich auch der Ausblick auf die wiederholten Erdenleben, weil eben auf der dritten Stufe der Erkenntnis, nach dem Voll-Erwachen hinaus in die geistige Welt, die Erinnerung nicht nur hineinerstreckt wird in das vorirdische Dasein, sondern hinauserstreckt wird in die vorher durchlebten Erdenleben-Daseinsstufen.
[ 38 ] This also results in the outlook of repeated earth lives, as indicated at the third level of knowledge after full awakening out into the spiritual world; the memory not only extends into premortal existence, it also extends into the stages of existence in the previously-lived earth life.
[ 39 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, wir wissen, da steht wirklich vor uns ein zweites Aufwachen der Seele. Aus dem Träumen heraus schalten wir uns mit dem Willen in den Leib ein. Dadurch leben wir in der Raumeswelt. Während sonst die Bilder verlaufen und wir als Träumende die verlaufenden Bilder als Wirklichkeiten hinnehmen — erwachen wir, so erkennen wir den Bildcharakter. Aber wodurch sind denn Bilder Bilder? Sie sind es dadurch, dass sie hinter sich gewissermaßen die Wirklichkeit nicht haben, dass sie als Bilder dastehen. Indem wir erwachen, schalten wir uns in unsere Leibesfunktionen ein. Ich möchte sagen: Rot sehen wir als Rot, ob wir wachen oder schlafen, gleich; den Ton hören wir, ob wir träumend oder wachend sind, gleich. Aber indem wir wach sind, eingeschaltet haben unsern Willen in die Leibesfunktionen, gehen wir gewissermaßen in die Realitäten hinüber — reden jetzt [wieder] nicht von philosophischen Spekulationen, sondern ganz innerhalb des populären Bewusstseins —, über die harten Dinge hinüber. Dadurch sind wir erwacht, dass wir gewissermaßen die Sinneswahrnehmungen nicht beim Bild behalten, sondern über die harten Dinge hinüberbreiten. Wir sind in dasselbe Element eingeschaltet, das uns die Dinge der Welt im Sinnendasein, im physischen Dasein darbietet.
[ 39 ] Thus we know that there really is before us a second awakening of the soul. Out of the dreams we switch our will on in the body. As a result we live in the world of space while the images otherwise proceed, and we accept these passing dream images as realities; we recognize the awakened nature of the image. But by what means are the images images? By the fact that they stand as images. As we awaken, we switch on our bodily functions. I want to say, we see red as red, the same whether we are awake or asleep; we hear tones the same way, whether we are dreaming or awake. But while we are awake, having turned our will on to bodily functions, we go over to some extent to the realities—in crossing over the hard things we are not speaking now of philosophical speculations, but are entirely within the popular consciousness. Thus to a certain extent when we are awake we do not retain the picture in sensory perceptions, but cross broadly over the hard things. We are switched on to the same element that presents to us the things of the world, in the sense of physical existence.
[ 40 ] Jetzt haben wir uns stufenweise als Geistesforscher eingeschaltet in die neue Welt. Warum haben wir das getan, sehr verehrte Anwesende? Wenn Sie vergleichen das Denken, das Fühlen, das Wollen des Menschen, wie es in der Seele auch beim wachen Zustande vorhanden ist, so ist es ja eigentlich ein Träumen. Wir wachen ja nur eigentlich mit der Außenwelt zusammen in den Sinnesvorstellungen und den Gedanken, die diese Sinnesvorstellungen kombinieren. Sobald wir in unser Inneres schauen im gewöhnlichen Bewusstsein, träumen wir ja. Sogar unsere Gedanken sind, wenn wir uns einwärts wenden, mehr oder weniger [Traumesvorstellungen] — und erst unser Fühlen und unser Wollen, das bleibt ja traumhaft, sogar das Wollen schlafend.
[ 40 ] Now we have gradually switched into a new world as a spiritual researcher. Why have we done this? When you compare the thinking, the feeling, and the will of the human being as they exist in the soul and also in the waking state, they are actually a dream. We actually only wake up with sensory thoughts and ideas together in the outer world, and these are combined as sensory perceptions. As soon as we look within ourselves with ordinary consciousness, we are dreaming. Even our thoughts, when we turn inward, are more or less dream perceptions. This remains so dreamlike, even the will is asleep.
[ 41 ] Denn, was wissen wir, wenn wir irgendeine Handlung beschlossen haben, wie sich diese Handlung, die wir in der Vorstellung vor uns haben, als Vorstellung hinunter fortsetzt in unsere Glieder, sodass wir anfangen, die Glieder zu bewegen? Das sieht man ja erst durch Geisteswissenschaft ein, was da in den Muskeln, was da im ganzen Organismus vor sich geht; sonst bleibt ja dasjenige, was Willenshandlung ist, im Schlafzustande befangen. Wir haben zunächst nur die Vorstellung. Dann geht alles hinunter in den unbewussten Zustand. Dann tritt wieder die Vorstellung des Geschehens auf. Und dass durch das Wollen eintritt dasjenige, was Seelen von sich selber nur träumen, auch im Wachzustande, das schalten wir stufenweise durch verstärktes Denken, durch das tiefe Schweigen der Seele, durch die zur Erkenntniskraft erwachte Liebe in das Geistdasein des Menschen ein — wie wir einschalten beim gewöhnlichen Erwachen den Willen in das Körperdasein. Dadurch lernen wir beurteilen vom Gesichtspunkte des Ewigen im Menschen das gewöhnliche sinnlich-physische Leben, das wir zwischen Geburt und Tod absolvieren, wie wir vom Standpunkt des sinnlichphysischen Lebens den Inhalt des Traumes einschalten, erkennen werden. Wir treten auf diese Weise in das Ewige ein — erkennend!
[ 41 ] For when we have decided upon any action we know how this action that we initially had as an idea continues down into our limbs as an idea, so that we begin to move the limbs. Only through spiritual science can one see what is going on in the muscles, what is going on in the entire organism; usually that which is a voluntary action remains inhibited during sleep. First we have only the idea. Then it all goes down into an unconscious state. Then the idea of the action occurs again. And what the soul by itself can only dream about even in the waking state, we gradually switch on through reinforced thinking, through the deep silence of the soul, through the power of knowledge awakened by love in the spiritual existence of the human being, as we switch on the ordinary awakening of the will in bodily existence. Thus we learn to judge the eternal in the human being from the point of view of the ordinary physical-sensory life that we absolve between birth and death, as we judge the content of the dream from the point of view of physical-sensory life. We advocate recognizing the eternal in this way!
[ 42 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Immer wieder und wiederum muss ich bei einer solchen Gelegenheit sagen: Natürlich ist der Einwand gegeben: Diese Dinge gehen ja nur den an, der eben ein Geistesforscher werden will, der in diese Welten hineinsieht. Nein — meine sehr verehrten Anwesenden —, der Geistesforscher selber hat eigentlich von diesen Dingen für seinen Menschen erst etwas, wenn er sie heruntergebracht hat in das gewöhnliche Vorstellen, in die gewöhnliche Sprache, in das gewöhnliche Leben. Und das kann für jeden Menschen geschehen, der diese Dinge auch vom Geistesforscher hört. Geradeso, wie man sich angewöhnt hat, die Dinge hinzunehmen, die der Botaniker mit seinen schwierigen Methoden erkundet oder der Astronom mit seinen schwierigen Methoden erkundet, so wird man sich eben nach und nach daran gewöhnen müssen, die Dinge, die der Geistesforscher, nachdem er Rechenschaft abgibt über seine Methode, wie ich sie heute charakterisiert habe, die Dinge, die der Geistesforscher erkundet, sie wird man hinnehmen, hinnehmen umso leichter — meine sehr verehrten Anwesenden —, als zwischen dem gewöhnlichen gesunden Menschenverstande und diesen Wahrheiten dasselbe Verhältnis besteht wie zwischen dem richtigen ästhetischen Geschmack und einem schönen Bilde. Man muss ein Maler sein, um ein schönes Bild zu malen; aber man muss kein Maler sein, um das Bild in seiner Schönheit zu beurteilen! Man braucht dazu nur gesunden Geschmack zu haben.
[ 42 ] Again and again I have to say on such an occasion: of course the objection is given that these things only apply to those who want to be a spiritual researcher, who look into these worlds.—No, ladies and gentlemen, the spiritual researcher actually has these things for himself as a human being only slightly, when he brought them down with the usual introduction into ordinary language, into ordinary life. And this can happen as well for everyone who hears these things from the spiritual researcher. Just as one has grown accustomed to accept the things that the botanist or the astronomer has explored with his difficult methods, so one will gradually have to get used to the things that the spiritual researcher has explored after he gives an account of his method, as I have described today—to accept, to accept more readily, for there is the same relationship between ordinary common sense and these truths as there is between the right aesthetic taste and a beautiful picture. You have to be a painter to paint a beautiful picture, but you do not have to be a painter to judge the beauty of its image! One needs only to have healthy taste.
[ 43 ] Man muss Geistesforscher sein, um die Dinge so wissen zu können, wie sie geschildert worden sind. Aber geradeso wenig, wie man Maler zu sein braucht, um beurteilen zu können die Schönheit eines Bildes, geradeso wenig braucht man Geistesforscher zu sein, um bei völlig gesunden Menschenverstand einzusehen dasjenige, was der Geistesforscher sagt, wie man sieht bei richtigem Geschmack dasjenige, was der Maler malt — abgesehen davon, dass heute, für den heutigen Menschen bis zu einer gewissen Stufe es möglich ist, dass jeder ein Geistesforscher werden kann. Derjenige, der sich vertieft in die Bücher, die ich genannt habe, der die entsprechenden Übungen macht, kann heute, gleichgültig, in welchem Beruf, in welcher Lebenslage er ist, zum Mindesten so weit kommen, dass er in einer völlig einwandfreien Weise das kontrollieren kann, was ich am heutigen Abend gesprochen habe, und noch manches andere.
[ 43 ] One must be a spiritual researcher in order to know the things as they have been portrayed. But just as little as one needs to be a painter in order to judge the beauty of a picture, just as little does one need to be a spiritual researcher in order with complete common sense to be in agreement with what the spiritual researcher says. Apart from this, for people today at a certain level it is possible that each one can be a spiritual researcher. The one who delves into the books I have mentioned, who does the corresponding exercises, can today—no matter in what profession, in what life situation—get as far at the least as to control in a completely satisfactory manner that of which I have spoken this evening, and many other things.
[ 44 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Was ist das für eine Erkenntnis, was also in das Ewige der Seele hineinführt? Es ist eine Erkenntnis, die nicht bloß den Kopf des Menschen ergreift. Es ist eine Erkenntnis, die den ganzen Menschen als Erkenntnis ergreift. Für dasjenige, was farbige Welt ist, wird das Auge ergriffen. Für dasjenige, was Tonwelt ist, wird das Ohr ergriffen. Für dasjenige, was Naturgesetze sind, wird der menschliche Verstand ergriffen. Für dasjenige aber, was geistige Welt ist, wie ich sie heute hier angedeutet habe, wird der ganze Mensch ergriffen.
[ 44 ] What is this knowledge that leads into the eternal soul? It is a realization that is not only grasped in the head of the human being, it affects the entire person. For that which is the world of color, the eye will grasp. For that which is the world of tone, the ear will grasp. For that which is the law of nature, the human mind will grasp. For that, however, which is the spiritual world—as I have indicated here today—that will be grasped by the entire human being.
[ 45 ] Daher gestatten Sie mir, dass ich, um das zu erläutern, zum Schluss etwas Persönliches sage, was aber nicht persönlich gemeint ist, sondern doch ganz objektiv gemeint ist. Wenn man dasjenige, was einem in der geistigen Welt sich offenbart, wirklich erfassen will, man braucht Geistesgegenwart dazu, denn es schlüpft sozusagen schnell wiederum hinweg; es ist flüchtig. Dasjenige, was gewissermaßen durch einen Fortschritt der Erinnerungskraft errungen ist, es prägt sich nur schwer der gewöhnlichen Erinnerung ein. Man muss alle Kraft anwenden, um das, was man in der geistigen Welt erschaut, zu der gewöhnlichen Sprache, zu den gewöhnlichen Erinnerungsgedanken herunterzubringen. Ich würde nicht vortragen können über diese Dinge, wenn ich nicht versuchen würde mit allen Mitteln, die sich mir ergeben, dasjenige, was in der geistigen Welt erschaut werden kann, nicht auch wirklich in die Region der physisch hörbaren Gedankenworte herunterzubringen.
[ 45 ] Hence, allow me in conclusion to say something personal by way of illustration, although this is not meant to be personal, but is meant rather to be entirely objective. If you really want to capture that which is disclosed by the spiritual world, you need presence of mind, because it slips so to speak, turns away quickly; it is fleeting. That which is to a certain extent advanced through an improvement in the power of memory imprints itself only with difficulty upon the ordinary memory. One must use all of his strength to bring down what he beholds in the spiritual world, to bring this down to ordinary language, to ordinary memory-thought. I would not be able to lecture about these things if I did not try by all means to bring down what arises in me of what can be beheld in the spiritual world, especially to really bring these thought-words down into physically audible regions.
[ 46 ] Sehen Sie, da kann man nicht mit dem bloßen Kopf erfassen, da muss der ganze Mensch gewissermaßen zum Sinnesorgan werden, aber zum geistig entwickelten Sinnesorgan. Daher versuche ich jedes Mal — es ist das mein Brauch, ein anderer hat einen anderen —, daher versuche ich jedes Mal, wenn sich mir etwas ergibt aus der geistigen Welt, nicht bloß, dass ich, indem ich es aus der geistigen Welt herausbekomme, zu durchdenken, sondern es auch aufzuschreiben oder mit irgendeinem charakteristischen Striche aufzuzeichnen; sodass auch die Arme und Hände als seelische Organe daran beteiligt sind, also etwas anderes noch als der bloße Kopf, der nur in abstrakten Vorstellungen bleibt. Der ganze Mensch muss an diesen Erkenntnissen beteiligt sein. Ich habe auf diese Weise ganze Wagenladungen von Notizbüchern vollgeschrieben, die ich nie wieder anschaue, die nur dazu da sind, um beschrieben zu werden, um eben hereinzuarbeiten dasjenige, was aus der geistigen Welt, geistig erschauten Welt ist, wirklich in die physische Welt; damit es dann [formiert] werden kann, wirklich in Worte gekleidet werden kann mit den Gedanken — mit denen sonst Erinnerungen gebildet werden oder die man sonst im Leben anwendet —, auch wirklich durchdrungen werden kann. So erlangt man eine Wissenschaft, die sich auf den ganzen Menschen bezieht.
[ 46 ] One cannot comprehend with the mere head, because the entire human being must to a certain extent become a sense organ, but a spiritually developed sense organ. Therefore I attempt every time—it is my custom, another has another one—I attempt every time if something is given to me from the spiritual world, not merely to think it through as I receive it from the spiritual world, but to write it down as well, or to record it with some characteristic stroke, so that the arms and hands are involved as well as the soul organs. So something else other than the mere head, which remains only in abstract ideas, must be involved in these findings: the entire person. I have in this way entire truckloads of fully-written notebooks that I never again look at, which are only there in order to be descriptions, in order to provide preliminary work in the physical world for that which is from the spiritual world, so that the spiritually beheld world can then really be clothed in words; whereby the thoughts of which memories are usually formed or that usually apply in life can actually be penetrated—Thus one obtains a science that relates to the whole person.
[ 47 ] Ich werde morgen dann an demselben Ort hier zu zeigen haben, meine sehr verehrten Anwesenden, wie diese Wissenschaft uns die Möglichkeit bietet, die Kulturentwicklung des Menschen nicht nur zu verstehen, sondern sie auch vielleicht sozial zu fördern, wie aber namentlich diese Wissenschaft eine Grundlage ist — eine wahre, reale Grundlage für eine wahre, echte Pädagogik — der Erziehungskunst. Diese Dinge, wie die Menschenerziehung und die Menschenentwicklung sich im Lichte dieser geisteswissenschaftlichen Weltanschauung ausnehmen, das werde ich dann morgen zu schildern haben.
[ 47 ] I will have to show you tomorrow how this science provides us with the opportunity not only to understand the cultural development of humanity, but it might also socially promote namely a foundation, a true, real foundation for a true, real education, for a true, genuine pedagogy, for Waldorf education. These things, how the development of the humanity and the education of humanity in light of this spiritual-scientific world view is excluded, this I will have to describe tomorrow.
[ 48 ] Heute wollte ich nur die Vorstellung davon hervorrufen, wie dieser geisteswissenschaftliche Standpunkt bestrebt ist, dem Menschen durch eine Erkenntnis, die gewissermaßen auf einem zweiten Erwachen beruht, dem Menschen die Seele in ihrer Ewigkeit für das volle Leben wiederum zurückzugeben.
[ 48 ] Today I wanted only to evoke the idea of how this spiritual-scientific point of view, through knowledge, is based to a certain extent on a second awakening, the soul of the human being in its eternity again returning to the full life.
[ 49 ] Wir haben es ja aus unserem Zeitbewusstsein heraus erleben müssen, sehr verehrte Anwesende, dass gerade die Gelehrsamkeit gesprochen hat von «Seelenlehre ohne Seele», in einem gewissen Sinne — ich werde diese Frage morgen zu berühren haben — von Religion sogar ohne Gott.
[ 49 ] Yes, we have to experience this out of our awareness of time, that scholarship has just spoken of a doctrine of the soul without soul, in a certain sense.—I will have to touch upon this question tomorrow—even of religion without God.
[ 50 ] Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, will wiederum in der vollen Intensität dem Menschenwesen die Seele, das Ewige der Seele geben, will dem religiösen Bewusstsein den religiös-göttlichen Inhalt wiedergeben für Menschenentwicklung und Menschenerziehung, dass dem Menschen gerade dadurch seine volle Würde zum Bewusstsein kommt und er — im Bewusstsein dieser seiner Würde, die sich ihm ergibt aus seiner Erkenntnis des Zusammenhanges seiner Seele mit dem Ewigen, mit den urewigen göttlich-geistigen Weltenkräften — dazu kommt, dass dem Menschen bewusst wird, dass diese Würde zu seinem wahren Wesen gehört, wie der physische Leib, wie irgendetwas, das im alltäglichen Leben steht und mit ihm zusammenhängt, zu seinem Leben gehört.
[ 50 ] Spiritual science as it is meant here wants in turn to enter into the fullest intensity of the soul of the human being, into the eternity of the soul; it wants religious consciousness, the godly-religious content to enter again into the development of humanity and the education of humanity, precisely so that man can come through awareness to his full dignity. And he, conscious of his dignity which results from his knowledge of the connection of his soul with the eternal, with the ur-eternal powers of the world, realizes that this is part of his true nature, as the physical body, as something that stands in everyday life, is connected with him, is part of his life.
[ 51 ] Das ist dasjenige, wonach sich als einem Wissen doch schon viele, viele Menschen der Gegenwart sehnen, wenn sie es auch nicht zu ihrem vollen Bewusstsein bringen. Dasjenige, was heute die Menschen quält, worüber sie Unruhe des Lebens fühlen — was sie im Grunde genommen nervös macht, was sie so treibt, dass sie sich wie unterhöhlt fühlen hier in ihrem ganzen Dasein —, das ist die brennende Frage nach den ewigen Kräften, den zugrunde liegenden zeitlichen Kräften, die wir im gewöhnlichen und im sozialen Dasein entfalten müssen; dass sie — wollen die Menschen eine Erkenntnis haben von diesen ewigen Kräften — die hier gemeinte Geisteswissenschaft finden, Methoden finden, die zu dieser Erkenntnis führen den Menschen, sodass er, der Mensch, auch von dieser Erkenntnis her in das soziale Leben so einzugreifen vermag, dass er sich und seinen Mitmenschen nicht nur ansieht als etwas, das gewissermaßen hingetragen wird vom Strome des Erdendaseins — das geboren wird mit der Geburt und stirbt mit dem Tode —, sondern dass er sich vielmehr ansehen lernt als etwas, das dahin geführt wird durch alle Ewigkeiten, hindurchgeführt wird durch das Sternenziel des Menschen, durch das kosmische Ziel, dass dieses kosmische Ziel allen Erdenzielen erst den rechten Sinn gibt.
[ 51 ] This is that which people themselves have followed as knowledge, and already many, many of them crave the equivalent, if it is not fully conscious to them. That which today torments people, what they feel as the uneasiness of life that makes them basically nervous about what drives them so that they feel undermined in their whole existence, this is the burning question of the eternal forces underlying the temporal forces that we need to develop in normal and in social life. This spiritual science is here so that people who want to have knowledge of these eternal forces—that spiritual science here intends—can find methods to lead others to this realization, so that others can also engage in this knowledge in social life; that they and their fellow man not only see something as it were that is borne by the stream of life on earth, to be born with birth and die with death, but that they learn rather of something that will go through all eternity, guided by the stars and the aims of people through the cosmic goal so that this cosmic goal gives the correct meaning to all earthly goals.
[ 52 ] Von diesem kosmischen Sinn, des Sinnes der Erdenziele, möchte Anthroposophie zu den Menschen sprechen. Das ist dasjenige, was sie als Gefühl und Empfindung des Zusammenhanges der Menschenseele mit allen ewigen Kräften des Daseins für die Menschen der Gegenwart und der Zukunft in den Seelen wiederum erwecken möchte.
[ 52 ] Anthroposophy wants to speak to people of this cosmic sense, the sense of the goals of earth. This is what it would awaken in souls again as feeling and sensation in the relationship of the human soul with all of the forces of eternal life, for people of the present and of the future.
[ 53 ] Und das — meine sehr verehrten Anwesenden —, wenn man ehrlich mit sich zurate geht, man wird es sich gestehen müssen: Das braucht man als Mensch der Gegenwart. Das wird man immer mehr und mehr brauchen als Mensch der Zukunft.
[ 53 ] And this, ladies and gentlemen—if you are going on honest advice you will have to admit—is what one needs as a human being at the present time. And what one will need more and more as a human being of the future.
