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Anthroposophical Spiritual Science
and the Big Questions of Contemporary Civilization
GA 80c

6 November 1922, The Delft

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The Big Questions of Contemporary Civilization, tr. SOL
  1. Die großen Zivilisationsfragen der Gegenwart

9. Die übersinnliche Erkenntnis und der Wissenschaft der Gegenwart

9. Supernatural Knowledge and Contemporary Science

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Zuerst meinen herzlichsten Dank für die freundlichen Begrüßungsworte und für Ihre Einladung zu diesem Vortrage. Ich habe mir erlaubt, zu dem Thema der heutigen Darstellung die Beziehung der von mir vertretenen Richtung in übersinnlicher Erkenntnis zu der Wissenschaft der Gegenwart zu machen. Die Einwände, die gegen die Möglichkeit übersinnlicher Erkenntnisse überhaupt — und insbesondere auch gegen jene Richtung der übersinnlichen Erkenntnis, die ich vorzubringen gedenke und die gerade auf wissenschaftliche Methodik hinarbeitet —, die Bedenken, die vorgebracht werden, richten sich vorzugsweise darauf, dass man der Meinung ist, übersinnliche Erkenntnis widerspreche überhaupt der wissenschaftlichen Forschungsmethode und der eigentlichen Aufgabe des wissenschaftlichen Denkens.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! First of all, I would like to express my heartfelt thanks for your kind words of welcome and for inviting me to give this lecture. I have taken the liberty of choosing as the topic of today’s presentation the relationship between the approach to supersensible knowledge that I advocate and contemporary science. The objections raised against the very possibility of supersensible knowledge—and in particular against the approach to supersensible knowledge that I intend to present, which is specifically geared toward scientific methodology—as well as the reservations that are expressed, are primarily based on the belief that supersensible knowledge is fundamentally at odds with the scientific method of research and the very purpose of scientific thought.

[ 2 ] Nun möchte ich auf eines hinweisen, zunächst historisch. Ich möchte darauf hinweisen, dass eine solche übersinnliche Erkenntnis, wie sie gerade durch Anthroposophie angestrebt wird, eigentlich erst ein Ergebnis gerade unserer Zeit, unserer Zivilisation sein kann, und zwar aus dem Grunde, weil diese unsere Zeit — und ich meine damit etwa die letzten drei bis vier Jahrhunderte bis herauf zur Gegenwart —, weil diese unsere Zeit erst dasjenige hervorgebracht hat, was man eine vollkommene Erkenntnisart der Sinnenwelt nennen kann.

[ 2 ] Now I would like to point out one thing, first from a historical perspective. I would like to point out that such supersensible knowledge, as sought specifically through anthroposophy, can in fact only be a product of our own time, of our civilization—and I mean by this roughly the last three to four centuries up to the present— because it is only our time that has brought forth what can be called a perfect mode of knowledge of the sensory world.

[ 3 ] Die sinnliche Erkenntnis, wie wir sie heute haben, wie wir sie haben als ein Ergebnis naturwissenschaftlicher Forschungsmethode, diese sinnliche Erkenntnis war bis vor drei bis vier Jahrhunderten überhaupt nicht vorhanden. Diese sinnliche Erkenntnis ist eigentlich erst ein Ergebnis der Bestrebungen, die eingeleitet worden sind durch Kopernikus, Kepler und andere, und sie haben ja im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts, insbesondere in dessen letztem Drittel, und auch im zwanzigsten Jahrhundert ihre größten Triumphe gefeiert. Jede Art von Weltanschauung, jede Art von Geistesforschung, welche in Widerspruch heute mit dieser wissenschaftlichen Erkenntnis und Gesinnungsart sich entwickeln wollte, hätte ganz gewiss keine Aussicht, irgendwie überzeugend auf diejenigen Menschen zu wirken, auf die es heute ankommt, auf die Menschen mit wissenschaftlicher Bildung.

[ 3 ] Sensory knowledge, as we have it today—as a result of the scientific method of research—did not exist at all until three or four centuries ago. This sensory knowledge is, in fact, only the result of the efforts initiated by Copernicus, Kepler, and others, and it celebrated its greatest triumphs in the course of the nineteenth century—particularly in its last third—and also in the twentieth century. Any kind of worldview, any kind of spiritual research that sought to develop today in contradiction to this scientific knowledge and mindset would certainly have no prospect of making any kind of convincing impact on those people who matter today—namely, people with a scientific education.

[ 4 ] Aus dieser Überzeugung heraus sucht vor allen Dingen anthroposophische Geisteswissenschaft so zu arbeiten, dass sie sich bewusst wird: Sie hat zu wirken in diesem unserem wissenschaftlichen Zeitalter. Sie will nicht nur nicht etwa der Wissenschaft widersprechen, sie will durchaus aus denselben Grundlagen, denselben Voraussetzungen heraus arbeiten, aus denen die anerkannte Wissenschaft arbeitet. Aber allerdings, gerade aus dem Grunde, weil wir es innerhalb der sinnlichen Beobachtungs- und Experimentiermethode so weit gebracht haben, wie das eben der Fall ist, weil wir es dazu gebracht haben, innerhalb dieser Forschungsmethode exakte Erkenntnisarten auszubilden, deshalb, weil diese exakten Erkenntnismethoden sich vorzugsweise auf die Erforschung der Sinneswelt richten, brauchen wir — und das glaube ich Ihnen heute darlegen zu können —, brauchen wir heute eine Erkenntnis des Übersinnlichen.

[ 4 ] Based on this conviction, anthroposophical spiritual science, above all, seeks to work in such a way that it becomes aware that it must operate within our scientific age. Not only does it not wish to contradict science, but it also seeks to work entirely from the same foundations and premises as those upon which recognized science is based. But indeed, precisely because we have advanced so far within the methods of sensory observation and experimentation—as is currently the case—and because we have succeeded in developing exact forms of knowledge within this research method, precisely because these exact methods of knowledge are directed primarily toward the investigation of the sensory world, we need—and I believe I can demonstrate this to you today—we need today a knowledge of the supersensible.

[ 5 ] Die Wissenschaft selbst fordert für den Unbefangenen eine Erkenntnis des Übersinnlichen. Denn vergegenwärtigen wir uns nur für einen Augenblick einmal — meine sehr verehrten Anwesenden —, wie Erkenntnisse in früheren Jahrhunderten oder gar weiter zurückliegend waren. Die Menschen konnten da nicht beobachten dasjenige, was in der äußeren Sinneswelt sich selber seiner Gesetzmäßigkeit nach ausspricht. Man braucht sich nur zu erinnern daran, wie schwierig es im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts gewesen ist, dasjenige, was man die Lebenskraft nannte — ein mystisches Ungeheuer, das man rein durch innere Spekulation, durch inneres Denken aufgestellt hatte —, diese Lebenskraft, die nicht ein Beobachtungsresultat, nicht ein Experimentierresultat war, die etwas rein Erdachtes war, diese Lebenskraft aus der Wissenschaft wegzuschaffen. Sie war in einer gewissen Weise das Letzte, was aus alten mystischen Ungeheuerlichkeiten geblieben war.

[ 5 ] Science itself demands, of the unbiased mind, an understanding of the supersensible. For let us just consider for a moment—my esteemed audience—what knowledge was like in earlier centuries or even further back in time. People back then could not observe what manifests itself in the external sensory world according to its own laws. One need only recall how difficult it was during the nineteenth century to eliminate from science what was called the “life force”—a mystical monster that had been constructed purely through inner speculation, through inner thought—this life force, which was not the result of observation, not the result of experimentation, but something purely imagined. In a certain sense, it was the last remnant of the old mystical monstrosities.

[ 6 ] Vor dem eigentlichen naturwissenschaftlichen Zeitalter war es so, dass die Menschen geglaubt haben, ebenso viel, als ihnen die äußere Sinnesbeobachtung gab, durch selbstherrliches Denken in diese Sinnesbeobachtung hineinlegen zu müssen. Man beachtet ja gewöhnlich nicht — und es ist auch für die gewöhnliche Wissenschaft nicht notwendig —, man beachtet gewöhnlich nicht, wie — sagen wir — ein naturwissenschaftliches Buch noch im zwölften, dreizehnten Jahrhundert ausgesehen hat. Es ist ebenso viel von dem drinnen, was eine Art wissenschaftliche Phantasie in die Dinge hineingelegt hat vom Menschen aus, von dem, was dem Menschen eingegeben wurde von seinen Emotionen, von seinen Gefühlen und so weiter und so weiter, wie von der äußeren Beobachtung.

[ 6 ] Before the true age of natural science, people believed that they had to project, through self-willed thinking, just as much into their sensory observations as those observations themselves provided. One does not usually pay attention to this—and it is not necessary for ordinary science either— one usually does not consider what—let’s say—a scientific book looked like as late as the twelfth or thirteenth century. It contains just as much of what a kind of scientific imagination, originating in human beings, has projected onto things—what was inspired in people by their emotions, their feelings, and so on and so forth—as it does from external observation.

[ 7 ] Dasjenige, was die Beobachtung und das Experiment wissenschaftlich den Menschen geben können, das besorgen ja die empirischen Sinneswissenschaften im Zusammenhange mit der Mathematik. Dasjenige aber, was diese Wissenschaft für die Erziehung der gebildeten Menschheit in der neueren Zeit geworden ist, darauf muss vor allen Dingen so etwas sein Augenmerk richten wie die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft. Denn nicht nur, dass wir die äußere Natur und den Menschen selbst, insofern er eine äußere Natur ist, durch die Beobachtung, durch das Experiment erforscht haben; nicht nur, dass wir dadurch eine Summe von Resultaten bekommen haben, die uns heute entgegentreten in der praktischen Anwendung, in der technischen praktischen Anwendung der neueren Naturwissenschaft, die uns entgegentreten in der auf sinnliche Naturwissenschaft gebauten Medizin und so weiter und so weiter; nicht nur, dass die Menschheit das aus dieser naturwissenschaftlichen Entwicklung hat; die Menschheit hat vor allen Dingen eine gewaltige Erziehung durchgemacht durch jenes entsagungsvolle Arbeiten, indem der Mensch sich verbietet, irgendetwas in seinem Inneren Erdachtes und Erträumtes in die Naturobjekte und Naturprozesse hineinzulegen, der Mensch es dahin brachte, entsagungsvoll sein Denken nur dazu zu verwenden, die Beobachtung reinlich zu gestalten, das Experiment reinlich zu gestalten, sodass Beobachtung und Experiment ihr Wesen selber aussprechen und das Denken im Grunde genommen für diese äußere Wissenschaft nur der Diener ist desjenigen, was so hergestellt werden soll in der äußeren Wissenschaft, dass es seine Gesetzmäßigkeit ausspricht.

[ 7 ] What observation and experimentation can scientifically provide to humanity is, after all, supplied by the empirical sensory sciences in conjunction with mathematics. But what this science has come to mean for the education of cultured humanity in modern times—that is precisely what a discipline such as the anthroposophical spiritual science referred to here must focus its attention upon above all else. For not only have we investigated external nature and human beings themselves—insofar as they are part of external nature—through observation and experimentation; not only have we thereby obtained a body of results that confront us today in practical application—in the technical, practical application of modern natural science, in medicine based on sensory natural science, and so on and so forth; not only has humanity gained this from this development of natural science; above all, humanity has undergone a tremendous educational process through that self-sacrificing work, in which human beings refrain from projecting anything conceived or dreamed up within themselves onto natural objects and processes, humanity has managed, through self-denial, to use its thinking solely to conduct observation and experimentation with the utmost precision, so that observation and experimentation reveal their very essence, and thinking, in essence, serves only as a tool for this external science—a means to produce results that express its own laws.

[ 8 ] Dazu war gegenüber dem, was früher aus der Menschenseele in die Weltanschauung eingelaufen ist, eine bedeutungsvolle Entsagung nötig, und es geht schon nebenher neben der wissenschaftlichen Entwicklung mit ihren Ergebnissen eine moralische Entwicklung, die die Menschheit in der eben angedeuteten Entsagung durchgemacht hat, die es dahin gebracht hat, dass der Mensch eben verzichtet, irgendetwas Geistiges in den Naturobjekten und Naturprozessen zu sehen, seinen eigenen Geist nur dazu anwendet, damit die Natur sich rein in ihrer Wesenheit gesetzmäßig ausspricht. Das hat man in früheren Jahrhunderten, vor etwa dem fünfzehnten Jahrhundert nicht gekannt, in dieser Weise das Denken nur zum Diener der Methode gewissermaßen zu machen, damit die Natur sich selber aussprechen kann. Dasjenige, was da an innerer menschlicher Entwicklung errungen worden ist, was man innerlich in der Seele durchmachen kann an der wissenschaftlichen Methode, das möchte sich vor allen Dingen anthroposophische Geisteswissenschaft aneignen.

[ 8 ] This required a significant renunciation compared to what had previously flowed from the human soul into the worldview, and alongside scientific development and its findings, there has been a moral development that humanity has undergone through the renunciation just mentioned—a process that has led people to refrain from seeing anything spiritual in natural objects and processes, applying their own spirit solely to allow nature to express itself purely in its essence according to natural laws. In earlier centuries, before about the fifteenth century, this was unknown—the practice of making thought, as it were, merely a servant of the method, so that nature can express itself. That which has been achieved in terms of inner human development, that which one can undergo inwardly in the soul through the scientific method—this is what anthroposophical spiritual science wishes to appropriate above all else.

[ 9 ] Mit anderen Worten, meine sehr verehrten Anwesenden, anthroposophische Geisteswissenschaft will nicht irgendein Terrain erobern, das die anderen Wissenschaften haben, anthroposophische Geisteswissenschaft möchte aus derselben Gesinnung heraus, aus der sonst heute geforscht wird, in die Welt des Geistigen eindringen. Wir brauchen ja nur zu bedenken, wodurch unsere naturwissenschaftlichen Fortschritte bewirkt worden sind; sie sind eben dadurch bewirkt worden, dass sich der Mensch ganz und gar ausgeschaltet hat, dass er, indem er die Natur sprechen lässt, in seine Erkenntnisse nichts von sich hineintut. Dadurch aber stellt sich zuletzt doch dasjenige heraus — man glaubt es gewöhnlich nicht, aber es stellt sich heraus —, dass, weil der Mensch in die Natur nichts einfließen lässt von seinem Willen, von seiner formenden Phantasie, weil er das Denken nur zum Diener macht seines Forschens, es stellt sich das heraus, dass er alles dasjenige in der Welt kennenlernen kann, was er nicht selbst ist.

[ 9 ] In other words, ladies and gentlemen, anthroposophical spiritual science does not seek to encroach on any territory belonging to the other sciences; rather, it aims to penetrate the spiritual world from the same mindset that characterizes research today. We need only consider what has brought about our advances in the natural sciences; they have been brought about precisely by the fact that human beings have completely set themselves aside, that—by letting nature speak for itself—they do not inject anything of themselves into their findings. But this ultimately reveals—though people usually do not believe it, it does indeed reveal itself—that because human beings allow nothing of their will or their formative imagination to flow into nature, because they make thinking merely a servant of their research, it turns out that they can come to know everything in the world that they themselves are not.

[ 10 ] Indem der Mensch alles dasjenige, was in ihm liegt, von der berechtigten objektiven Forschungsmethode ausschließt, lernt er alles erkennen, nur nicht sich selbst. Er ist zuletzt von alledem ausgeschlossen, was gerade die Größe, die Triumphe der modernen Erkenntnis ausmacht. Das Denken ist ja sozusagen nur zu einer Sprache über die Naturprozesse geworden. Und wir wenden eigentlich zu unserer vollen Befriedigung in der heutigen äußeren Wissenschaft von innerlichem Erleben nur das Mathematische an. Mit diesem Mathematischen steht man aber in einer eigentümlichen Weise zur Natur, wenn man es nicht einfach naiv anwendet, sondern wenn man bewusst sich frägt: Was tust du eigentlich, wenn du die Mathematik auf die Natur anwendest? Wenn man das Mathematische äußerlich zeichnet, so ist das ja nur ein Zeichnen. In Wahrheit entsteht das Mathematische ganz und gar aus der Menschenwesenheit selber. Wir bauen uns etwas rein Geistiges in der Mathematik auf, und wir finden eigentlich nur aus dem Grunde, dass die Mathematik in der Natur diese große Berechtigung hat, weil wir sehen, wie wir sie anwenden können, weil sie sozusagen überall auf dasjenige, was wir beobachten können, und was wir er experimentieren können, anwendbar ist.

[ 10 ] By excluding everything that lies within himself from the legitimate, objective method of research, man learns to recognize everything except himself. Ultimately, he is excluded from everything that constitutes the very greatness and triumphs of modern knowledge. Thinking has, so to speak, become merely a language for describing natural processes. And in today’s external science of inner experience, we actually apply only mathematics—to our complete satisfaction. But with this mathematical approach, one stands in a peculiar relationship to nature—not when one applies it naively, but when one consciously asks: What are you actually doing when you apply mathematics to nature? If one represents the mathematical externally, that is, after all, merely a form of representation. In truth, the mathematical arises entirely from human existence itself. We construct something purely spiritual in mathematics, and we actually find that mathematics has this great validity in nature only because we see how we can apply it—because it is, so to speak, applicable everywhere to what we can observe and what we can experiment with.

[ 11 ] Und wir fühlen uns sicher im Mathematischen, weil wir dieses Mathematische ganz aus uns selber herausholen. Bei einem mathematischen Problem kommt es nicht darauf an, ob Hunderte von Menschen Ja sagen dazu. Wenn ich ganz allein die Sache durchschaue, bin ich sicher. Ich lebe mit meiner Erkenntnis; ich bin ganz mit meiner Seele im Umfange meiner Erkenntnis darinnen. Und indem ich die Natur mathematisch ergreife, indem ich dasjenige, was ich in mir selber ausbilde, mit den Naturvorgängen verbinde im rechnenden Experimentieren und Beobachten, weiß ich, dass ich exakt wissenschaftlich verfahre. Ich vereinige dasjenige, was in mir liegt, aber was objektiv in mir liegt, worauf ich ebenso wenig durch meine Subjektivität Einfluss habe wie auf die Naturvorgänge selbst, ich vereinige das aus mir gewonnene Mathematische mit den Naturvorgängen.

[ 11 ] And we feel secure in mathematics because we draw this mathematical understanding entirely from within ourselves. When it comes to a mathematical problem, it doesn’t matter whether hundreds of people agree with it. If I understand the matter all by myself, I am certain. I live with my insight; my whole soul is immersed within the scope of my understanding. And by grasping nature mathematically—by connecting what I develop within myself to natural processes through mathematical experimentation and observation—I know that I am proceeding in an exact, scientific manner. I unite what lies within me—but what lies within me objectively, over which I have just as little influence through my subjectivity as I do over natural processes themselves—I unite the mathematics derived from within myself with natural processes.

[ 12 ] Das, meine sehr verehrten Anwesenden, ist im Grunde genommen das Vorbild für dasjenige, was hier als übersinnliche Erkenntnis gemeint ist, nur dass man nicht mit der äußeren Natur exakt verfährt, sondern mit sich selbst zunächst exakt verfährt. Man geht aus von etwas, was ich nennen möchte: intellektuelle Bescheidenheit. Man sagt sich: Du warst einmal ein kleines Kind mit träumerischen seelischen Fähigkeiten. Du hast dich entwickelt zu demjenigen, was du jetzt geworden bist. Die Fähigkeiten, durch die du dich in der Welt orientieren kannst, sind nach und nach in dir entstanden. Nun sagt man sich: Geradeso, wie man durch Leben und Erziehung aus den Fähigkeiten des kleinen Kindes heraus zu denjenigen sich entwickelt hat, die man heute besitzt — kann man denn so nicht weiter gehen? Könnten denn in der Seele nicht auch bei dem erwachsenen Menschen Fähigkeiten noch schlummern, geradeso, wie sie im Kinde schlummern? Und könnte man nicht seine Selbsterziehung in die Hand nehmen, sodass man über die Fähigkeiten, auf die wir so stolz sind im gewöhnlichen Leben, ebenso hinauskomme wie über diejenigen, die man als Kind gehabt hat?

[ 12 ] That, my esteemed audience, is essentially the model for what is meant here by supersensible knowledge, except that one does not proceed with exact precision when dealing with external nature, but rather begins by proceeding with exact precision within oneself. One starts from something I would like to call intellectual humility. One says to oneself: You were once a small child with dreamy, soulful faculties. You have developed into the person you have now become. The faculties that enable you to find your way in the world have gradually emerged within you. Now one asks oneself: Just as, through life and upbringing, one has developed from the faculties of a small child into those one possesses today—can one not go further in this way? Couldn’t there still be abilities slumbering in the soul of an adult, just as they do in a child? And couldn’t one take one’s self-education into one’s own hands, so that one might transcend not only the abilities we are so proud of in everyday life, but also those one possessed as a child?

[ 13 ] Aber nun sagt man sich, wissenschaftliche Erziehung der neueren Zeit fordert, dass man nicht im unbestimmten Nebulosen, Mystischen herumhantiere, indem man da menschliche Fähigkeiten aus der Seele herausholt. Man hat sich angewöhnt, in der mathematisch-exakten Behandlung der äußeren Naturvorgänge eben exakt zu verfahren, so zu verfahren, dass man nicht träumerischmystisch spekuliert, auch nicht, wie man sagt, träumerisch-mystisch sich bloß versenkt, sondern dass man verfährt so, dass man, wie es eben bei einem mathematischen Problem der Fall ist, jeden einzelnen Schritt mit voller Besonnenheit, mit vollem Bewusstsein verfolgt. So kann man seine eigene Seele entwickeln, indem man in ihr schlummernde Fähigkeiten heraufholt. Aber die Methode, das zu tun, macht man zu einer exakten. Man macht aus sich nur insofern ein anderes Seelenwesen, als man jeden Schritt, den man zu der Entwicklung dieser Fähigkeiten tut, so exakt übersinnlich besonnen macht, wie man es an der Mathematik gelernt hat.

[ 13 ] But now people say that modern scientific education demands that we not dabbble in vague, nebulous, mystical concepts by drawing human abilities from the soul. We have become accustomed to proceeding with precision in the mathematically exact treatment of external natural phenomena, to proceed in such a way that one does not engage in dreamy, mystical speculation, nor, as they say, merely lose oneself in a dreamy, mystical state, but rather proceeds in such a way that, just as is the case with a mathematical problem, one follows every single step with complete deliberation and full awareness. In this way, one can develop one’s own soul by bringing forth the abilities that lie dormant within it. But the method for doing this must be made precise. One transforms oneself into a different spiritual being only to the extent that one performs every step toward the development of these abilities with the same precise, supersensory composure as one has learned from mathematics.

[ 14 ] Merken Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, man nimmt sich zum Muster dasjenige, was man mit der Außenwelt macht, wodurch man aus der Außenwelt Wissenschaft treibt, Wissenschafter wird, und man bildet nach in der exakten Weise, die man da gelernt hat, die Entwicklung seiner eigenen Seele. Während also die heutige Wissenschaft, die Wissenschaft der Gegenwart, in der Behandlung der Außenwelt exakt verfährt, es bei denjenigen Fähigkeiten bewenden lässt, die man durch das gewöhnliche Leben und durch die gewöhnliche Erziehung bekommt und dann in der Außenwelt exakt verfährt, verfährt man mit der eigenen Entwicklung exakt, das heißt, es muss an Seelenfähigkeiten nur dasjenige entwickelt werden, was sich unmittelbar überschauen lässt. Man entwickelt sich exakt.

[ 14 ] Note, my esteemed audience, that we take as our model what we do with the external world—through which we pursue science and become scientists—and we shape the development of our own souls in the precise manner we have learned there. Thus, while modern science—the science of the present—proceeds with precision in its treatment of the external world, relying solely on the abilities acquired through ordinary life and education and then applying precision to the external world, one proceeds with precision in one’s own development; that is to say, one must develop only those soul abilities that can be directly grasped. One develops oneself with precision.

[ 15 ] Dadurch aber kommt man dazu, das zu treiben, was ich zum Beispiel in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?» oder in meiner «Geheimwissenschaft» oder in anderen Büchern charakterisiert habe als das der neuzeitlichen Bildung angemessene Meditieren, Konzentrieren im Denken. Das umfasst, was notwendig ist, um sich in der angedeuteten Weise innerlich exakt zu entwickeln, das umfasst viele Einzelheiten. Und derjenige, der glaubt, dass die hier gemeinte anthroposophische Geisteswissenschaft ein leichthin gefasstes inneres Erfahrungs- oder Phantasie-Produkt ist, der irrt sich gar sehr. Dasjenige, was durch sie angestrebt wird, ist wahrlich nicht leichter zu erreichen als dasjenige, was in irgendeiner anderen Wissenschaft angestrebt wird; nur hängt es mit der tiefsten Sehnsucht und den tiefsten Bedürfnissen der Menschenseele inniger zusammen, geht sozusagen nicht bloß den an, der Botanik, der Astronomie und so weiter zu treiben hat, sondern geht jeden Menschen als Menschen an.

[ 15 ] This, however, leads one to engage in what I have characterized—for example, in my book *How Does One Attain Knowledge of Higher Worlds?*, or in my *Secret Science*, or in other books—as the kind of meditation and concentration of thought appropriate to modern education. This encompasses what is necessary to develop oneself inwardly in the precise manner indicated; it encompasses many details. And anyone who believes that the anthroposophical spiritual science referred to here is a lightly conceived product of inner experience or imagination is very much mistaken. What is sought through it is truly no easier to achieve than what is sought in any other science; it is simply more intimately connected with the deepest longings and needs of the human soul—it concerns, so to speak, not only those who are engaged in botany, astronomy, and so on, but every human being as a human being.

[ 16 ] Das Genauere können Sie in den genannten Büchern finden. Ich will hier nur das Prinzipielle andeuten. Dasjenige, um was es sich handelt, ist, dass man jene innere Struktur des Denkens, die man sich angewöhnt hat im modernen exakten Denken, dass man diese Struktur des Denkens beibehält, aber von allen Sinneseindrücken abstrahiert, sozusagen einen Zustand herstellt, wie er sonst nur im Schlafe hergestellt ist, wo die Außenwelt durch unsere Sinne auf uns keinen Eindruck macht. Aber man versucht, dasjenige, was man an dienendem Denken sich angeeignet hat, in eine solche Tätigkeit und Erkraftung zu bringen, dass man, wenn man auch keine äußeren Eindrücke hat, in Vorstellungen, die man selbst in den Mittelpunkt seines Bewusstseins rückt, ruhen kann.

[ 16 ] You can find more details in the books mentioned. I want only to hint at the principle here. What is at stake is this: one retains the inner structure of thought that one has become accustomed to in modern, precise thinking, but abstracts from all sensory impressions—creating, so to speak, a state that is otherwise only achieved in sleep, when the external world makes no impression on us through our senses. But one attempts to channel what one has acquired through practical thinking into such activity and exertion that, even in the absence of external impressions, one can rest in the mental images that one places at the center of one’s consciousness.

[ 17 ] Dabei kommt es nicht darauf an, inwiefern diese Vorstellungen zunächst der äußeren Wirklichkeit entsprechen, sondern es kommt darauf an, dass wir mit diesen Vorstellungen seelisch etwas Ähnliches machen, wie wir zum Beispiel äußerlich-physisch mit unserem Arm machen, wenn wir mit ihm arbeiten, oder wenn wir ihn üben. Wir verstärken seine Muskeln. Nur um das Üben der Seelenkräfte handelt es sich bei dem Meditieren, Konzentrieren. Dadurch aber, dass man, ohne sich an eine äußere Sinneswahrnehmung passiv anzulehnen, rein aktiv innerlich in Gedanken sich immer mehr und mehr erkraftet mit Seelenfähigkeiten, in Gedanken, die man frei festhält, stärkt, und indem man das Innere systematisiert, dabei aber in dieser seiner eigenen inneren Entwicklung und Betätigung mit voller Besonnenheit verfährt, wie es sonst nur der Mathematiker tut, kommt man zuletzt dazu — bei dem einen dauert es je nach seinen Anlagen Monate, bei dem anderen jahrelang, aber jeder kann im Grunde genommen nach der heutigen Entwicklungsstufe der Menschheit dazukommen —, man kommt dazu, dasjenige zu entwickeln, was mit einem gewissen Rechte genannt werden kann exaktes Hellsehen, exakte Clairvoyance. So sehr das Wort Clairvoyance, Hellsehen, heute verpönt ist, ich gebrauche es rücksichtslos, aus dem Grunde, weil es eine gewisse Berechtigung hat. Es hat seine Berechtigung aus dem folgenden Grunde: Besinnen wir uns darauf, wodurch wir, warum wir, wenn wir in der äußeren Sinneswelt stehen als sehende Menschen, die Dinge um uns herum wahrnehmen. Wir nehmen sie wahr, wenn die Sonne oder eine andere Lichtquelle ihre Strahlen zu den Dingen hinschickt und diese Dinge uns sichtbar werden eben unter dem Einfluss einer äußeren Lichtquelle. Wir stehen dadurch als Mensch innerhalb des Licht-Raumes, der da ist durch eine äußere Lichtquelle.

[ 17 ] What matters here is not the extent to which these mental images initially correspond to external reality, but rather that we do something similar with these mental images in our inner life as we do, for example, with our arm in the external, physical world when we work with it or exercise it. We strengthen its muscles. Meditation and concentration are nothing other than the exercise of the soul’s powers. But by actively strengthening oneself more and more inwardly through thought—without passively relying on external sensory perception—by freely holding onto and strengthening thoughts, and by systematizing one’s inner life, while proceeding with complete composure in this inner development and activity—as only a mathematician otherwise does—one eventually arrives at the point—for some it takes months depending on their aptitudes, for others years, but in principle everyone can reach this stage given humanity’s current level of development— one comes to develop what can, with a certain justification, be called exact clairvoyance. As much as the word “clairvoyance” is frowned upon today, I use it without hesitation, for the reason that it has a certain justification. It is justified for the following reason: Let us reflect on how and why, when we stand in the outer sensory world as seeing human beings, we perceive the things around us. We perceive them when the sun or another light source sends its rays toward those things, and these things become visible to us precisely under the influence of an external light source. Through this, we as human beings stand within the space of light that exists through an external light source.

[ 18 ] Indem wir solche Übungen, die im Meditieren und Konzentrieren bestehen, so wie ich es angedeutet habe im Prinzipiellen, immer mehr und mehr fortsetzen, gelangen wir zuletzt dazu, innerlich in der Seele etwas zu erleben, was zwar nicht gleich dem äußeren Lichte ist, was uns aber zu einer eigenen seelischen Lichtquelle macht. Wir erleben wirklich etwas, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich nennen möchte einen inneren Sonnenaufgang, einen Sonnenaufgang, der entstanden ist dadurch, dass durch das Meditieren Kräfte, Fähigkeiten in uns bloßgelegt worden sind, die vorher geschlummert haben, und wir werden jetzt imstande, mit dem Seelenlicht, das wir da angefacht haben, wirklich unsere Umwelt so zu erleuchten, wie uns vorher die Sonne im physischen Raume die Dinge erleuchtet hat. Das Aufgehen eines inneren Lichtes berechtigt, von Clairvoyance, von Hellsehen zu sprechen. Und weil wir uns nicht gestatten, dieses Hellsehen auf eine andere Art herbeizuführen als durch Übungen, die so überschaubar sind, wie nur die exaktesten mathematischen und naturwissenschaftlichen Probleme, deshalb darf dieses Hellsehen, diese Clairvoyance exakt genannt werden.

[ 18 ] By continuing more and more with such exercises—which consist of meditation and concentration, as I have outlined in principle—we eventually come to experience something within our soul that, while not the same as external light, makes us a source of light in our own right. We truly experience something, my esteemed audience, that I would like to call an inner sunrise—a sunrise that has come about because meditation has revealed within us powers and abilities that had previously lain dormant, and we are now able, with the soul light we have kindled there, to truly illuminate our surroundings just as the sun previously illuminated things for us in physical space. The dawning of an inner light justifies speaking of clairvoyance. And because we do not allow ourselves to bring about this clairvoyance in any way other than through exercises as clear-cut as the most precise mathematical and scientific problems, this clairvoyance may rightly be called “precise.”

[ 19 ] Dadurch aber, meine sehr verehrten Anwesenden, gelangen wir auch dazu, innerlich immer mehr und mehr selbst etwas zu entwickeln, was sonst nur unter dem Einfluss der äußeren Wahrnehmung dargestellt wird. Versuchen Sie einmal, ehrlich sich zu gestehen, welch ein gewaltiger Unterschied zwischen der Lebendigkeit, in der wir sind mit unserer ganzen Seele, mit unserem ganzen Menschen, während wir Farben wahrnehmen, während wir Töne hören, während wir uns den Wärme-Eindrücken aussetzen; versuchen Sie sich recht klarzumachen, wie wir da ganz leben als Menschenwesen in unserem Seelischen, während wir so Farben, Töne, Wärmedifferenzen wahrnehmen, und wie grau, wie abstrakt, wie leblos unsere gewöhnlichen Gedanken sind, durch die wir uns die äußere Sinneswelt innerlich vergegenwärtigen, wie blass diese Gedanken sind.

[ 19 ] But through this, my esteemed audience, we also come to develop within ourselves, more and more, something that is otherwise only represented under the influence of external perception. Try, for once, to honestly admit to yourselves what an enormous difference there is between the aliveness in which we are fully present—with our whole soul, with our whole being—while we perceive colors, while we hear sounds, while we expose ourselves to sensations of warmth; try to make it quite clear to yourselves how we live fully as human beings in our soul life while perceiving colors, sounds, and differences in warmth, and how gray, how abstract, how lifeless our ordinary thoughts are—through which we bring the external sensory world to mind—and how pale these thoughts are.

[ 20 ] Diese blassen Gedanken, diese unlebendigen Abstraktionen, die werden durch die Übungen, die ich geschildert habe, innerlich mit solcher Lebendigkeit erfüllt, dass dasjenige, wovor ja die meisten Menschen davonlaufen, weil es ihnen keine Seelenwärme gibt, die abstrakten Gedanken, dass das innerlich so voll lebendig wird, so bildhaft konkret wird wie sonst nur die Eindrücke der äußeren Sinneswelt.

[ 20 ] These pale thoughts, these lifeless abstractions—through the exercises I have described, they are filled from within with such vitality that what most people flee from because it offers them no warmth of the soul—these abstract thoughts—become so fully alive within, so vividly concrete, as is otherwise the case only with impressions from the external sensory world.

[ 21 ] Das ist sozusagen eine erste Stufe, die wir zu erklimmen haben in der exakten Clairvoyance, dass wir, indem wir bloß denken, aber ein erkraftetes, ein innerlich belebtes Denken haben, ein energisiertes Denken haben, dass wir dadurch, ohne dass wir äußere Eindrücke empfangen, dass wir äußeren Eindrücken gegenüber so sind, wie sonst im Schlafe, dass wir dadurch ein innerlich reges Leben entwickeln in einer Tätigkeit, die sonst eben nur eine denkende ist, die jetzt ganz durchleuchtet und durchenergisiert wird mit wirklichen Bildern, aber mit Bildern, die nicht von außen angeregt werden, die aus der menschlichen Wesenheit selber zunächst heraufkommen.

[ 21 ] This is, so to speak, the first step we must take toward exact clairvoyance: that by merely thinking—but with a thinking that is empowered, inwardly animated, and energized—we can, through this, without receiving external impressions—being to external impressions as we normally are during sleep—we thereby develop an inwardly active life within an activity that is otherwise merely a thinking process, but which is now completely illuminated and energized by real images—images that are not stimulated from the outside, but arise initially from the human being itself.

[ 22 ] Nun müssen wir aber jene Besonnenheit fortsetzen, um derentwillen ich die Aneignung einer solchen Stufe der Erkenntnis «exakte Clairvoyance» nennen durfte, wir müssen diese Besonnenheit so weit fortsetzen, dass wir uns fühlen ganz subjektiv in diesem innerlichen Leuchten und Bilder-Erzeugen. In dem Augenblicke, wo wir nicht wissen, dieses ganze Bildertableau, diese ganze Bilderwelt, die wir als eine innerlich selbst leuchtende erzeugen, ist nur unser eigenes Wesen, sei eine Welt für sich, in dem Augenblicke sind wir nicht Geistesforscher, in dem Augenblicke, wo wir diese Bilderwelt schon für eine reale halten, sind wir Visionäre, sind wir vielleicht krankhafte Persönlichkeiten.

[ 22 ] Now, however, we must continue to exercise that composure—for the sake of which I was able to call the attainment of such a level of knowledge “exact clairvoyance”—we must continue to exercise this composure to the point where we feel, entirely subjectively, immersed in this inner radiance and the creation of images. At the moment when we do not realize that this entire tableau of images, this entire world of images—which we create as something that shines from within—is merely our own being, a world unto itself; at that moment, we are not spiritual researchers; at the moment when we already regard this world of images as real, we are visionaries—or perhaps we are individuals with pathological conditions.

[ 23 ] Eine gesunde Fortsetzung der Sinneserkenntnis in die übersinnliche Welt setzt voraus, dass wir auch die Besonnenheit bis zu dem Punkte bringen, den ich jetzt eben geschildert habe, und wissen, dasjenige, was wir uns da errungen haben, ist zwar innerlich lebendiger, gesättigter, konkreter als die wunderbaren Gebilde — ich nenne sie so, weil man tatsächlich ja auch für Mathematik begeistert sein darf —, als die mathematischen Gebilde sind. Sie sind unser Produkt, wie die mathematischen Gebilde. Aber dennoch, dass man da hineinversetzt ist mit seiner ganzen Seele, dass man da erlebt, indem man daneben immer seinen vollen besonnenen Menschen stehen hat, der mit beiden Beinen in der realen Sinneswelt [voll drinnen steht], das muss da sein, sonst hat man es nicht mit einer exakten Clairvoyance, sondern mit einem unwirklichen phantastischen Wesen zu tun.

[ 23 ] A healthy extension of sensory perception into the supersensory world requires that we also bring our level-headedness to the point I have just described, and to know that what we have attained there is, inwardly, more alive, richer, and more concrete than those marvelous constructs—I call them that because one is indeed allowed to be enthusiastic about mathematics—than mathematical constructs are. They are our product, just like mathematical constructs. But nevertheless, the fact that one is immersed in it with one’s whole soul, that one experiences it while always having one’s fully level-headed self standing beside one—someone who stands with both feet firmly planted in the real sensory world—that must be present; otherwise, one is not dealing with exact clairvoyance, but with an unreal, fantastical entity.

[ 24 ] Indem man sich in diese Bilderwelt hineinfindet, kann man sie vergleichen mit der mathematischen Gestaltung. Aber sie unterscheidet sich doch. Im Mathematischen wissen wir, wir können es nicht auf unsere Seele selbst anwenden; wir bringen es aus der Seele hervor, müssen es aber auf die äußere Natur anwenden. Die gibt uns dafür den Inhalt. Das Dreieck als solches ist keine Realität. Aber wenn ich die Gesetzmäßigkeit des Dreiecks an einem äußeren sinnlichen Inhalt finde, so durchdringe ich die Realität in einer gewissen Weise. Dasjenige aber, was man in der geschilderten Weise als innerliche Bilderwelt erlebt, als Ergebnis des Meditierens, in dem spürt man dennoch eine innerliche Realität. Man muss sich klar sein darüber als besonnener Mensch: Es ist nur subjektiv, aber es ist eine innere Realität, es ist nicht bloß ein Mathematisches, es ist eine innere Realität. Und geht man diese innere Realität durch, tastet man sie gewissermaßen seelisch ab, wendet man immer mehr und mehr innere Energie darauf, so recht innerlich zu erleben, was da in den Bildern enthalten ist, dann nehmen diese Bilder allerdings für jeden Menschen eine ganz bestimmte Gestalt an. Wir leben dann nicht in Erinnerungsbildern, aber wir leben in einem Tableau, das uns die Gestaltungskräfte unserer eigenen menschlichen Wesenheit darstellt seit unserer Geburt während unseres physischen Erdenlebens.

[ 24 ] As one enters into this world of images, one can compare it to mathematical structure. Yet it is different. In mathematics, we know we cannot apply it to our own soul; we derive it from the soul, but must apply it to external nature. Nature provides us with the content for this. The triangle as such is not a reality. But when I find the laws governing the triangle in an external, sensory content, I penetrate reality in a certain way. What one experiences, however, in the manner described—as an inner world of images resulting from meditation—in that one nevertheless senses an inner reality. As a level-headed person, one must be clear about this: it is only subjective, but it is an inner reality; it is not merely a mathematical concept—it is an inner reality. And if one explores this inner reality, if one, so to speak, feels one’s way through it with one’s soul, if one devotes more and more inner energy to truly experiencing what is contained in these images, then these images do indeed take on a very specific form for each individual. We then do not live in images of memory, but we live in a tableau that depicts the formative forces of our own human being from our birth throughout our physical life on Earth.

[ 25 ] Erinnern wir uns einmal, was mit diesem physischen Erdenleben beim Menschen vor sich geht. Es ist ja so wunderbar, zu beobachten, wie der Mensch als kleines Kind aus dem Innern heraus immer mehr und mehr seelische Kraft in seine Physiognomie, in seinen Blick, in seine Sprachorgane gießt. Ein Kind zu beobachten, wie es von innen heraus seine Leiblichkeit belebt, das gehört zu den wunderbarsten Beobachtungen, die man machen kann. Denn man kann solche Beobachtungen machen nicht bloß mit der einseitigen theoretischen Kraft des Menschen, sondern mit dem ganzen Menschen.

[ 25 ] Let us recall what happens in a human being’s physical life on Earth. It is truly wonderful to observe how, as a small child, a person pours more and more soul power from within into their facial features, their gaze, and their speech organs. Watching a child enliven its physical form from within is one of the most wonderful observations one can make. For such observations cannot be made merely with the one-sided theoretical power of the human being, but with the whole human being.

[ 26 ] Aber könnte man in derselben Weise auch noch beobachten, wie das Kind unbewusst weise nach seinem eigenen Inneren wirkend arbeitet, dann würde sich das Wunder, das man erlebt, verhundertfachen ist zu wenig gesagt. Man bedenke nur einmal, wie wenig plastisch ausgebildet das kindliche Gehirn ist in frühen Jahren, wie in den ersten sieben Lebensjahren eine unbewusste Weisheit im kindlichen Wesen arbeitet, um dieses Gehirn plastisch zu machen. Und derjenige, der da studieren kann in der Geisteswissenschaft, die ich heute nur prinzipiell andeuten kann, der lebt sich ein in dieses innere weisheitsvolle plastische Arbeiten des Kindes in den ganzen Organismus hinein. Und dasjenige, was das Kind zunächst, indem es nach außen fast nur herumzappelt, als eine Kraft nach dem Innern schickt und seine inneren Organe ausplastiziert, das verbindet sich später mit Handlungen, die nach außen vollbracht werden, wodurch man die Dinge angreift, in der Welt sich orientiert; das verbindet sich mit der Sinneskraft. Und aus alledem, was da im Innern wirkt, was man von außen empfängt, was man erlebt mit der Seele, aus alledem gestaltet sich das, was den Menschen seelisch durchdringt. Die Erinnerungen, die Gedächtnisvorstellungen, die wir von unseren Erlebnissen haben, sind ja nur schwache Abglanze dessen, was wir wirklich durchleben, auch durchleben im Unbewussten, was da schafft in uns, was zuletzt zurückgeht auf die Wachstumskräfte, auf die Verdauungskräfte, auf die Ernährungskräfte.

[ 26 ] But if one could also observe, in the same way, how the child unconsciously works with wisdom, drawing upon its own inner being, then the wonder one experiences would increase a hundredfold—and even that is an understatement. Just consider how little the child’s brain is developed in its early years, and how, during the first seven years of life, an unconscious wisdom works within the child’s being to make this brain malleable. And whoever is able to study spiritual science—which I can only hint at in principle today—will immerse themselves in this inner, wisdom-filled, formative work of the child, extending throughout the entire organism. And what the child initially sends inward as a force—while outwardly doing little more than fidget—thereby shaping its inner organs, later connects with actions performed outwardly, through which one engages with things and finds one’s bearings in the world; this connects with the power of the senses. And from all that is at work within, from what is received from the outside, from what is experienced with the soul—from all of this takes shape what permeates the human being spiritually. The memories, the mental images we have of our experiences, are, after all, only faint reflections of what we truly live through—including what we live through in the unconscious—of what is at work within us, which ultimately traces back to the forces of growth, the forces of digestion, and the forces of nutrition.

[ 27 ] Nicht ein bloßes Tableau der Erinnerung hat man zuletzt vor sich, indem man zu einem solchen innerlichen exakten Hellsehen aufsteigt, sondern man hat sein eigenes menschliches Weben und Gestalten, sowohl das innerliche im Organismus, wie dasjenige, was die äußere Welt an uns tut, vor sich. Man hat sich als einen zweiten Menschen vor sich, und man sagt sich von diesem Augenblicke an: Du hast, indem du äußerlich im Raume bist, deinen physischen Raumesleib, deine physische RaumesOrganisation. Da hängt alles miteinander zusammen. Du hast aber eine Zeitorganisation, einen Zeitleib in dir, der nicht räumlich orientiert ist, der im Werden ist, der am Gestalten ist, in dem zusammenwächst das Gestalten, das du in dein Inneres hineinsendest, mit dem Gestalten, das du äußerlich unter dem Eindrucke der anderen Welt und der Menschen vollbringst, was auf dich wieder zurückwirkt.

[ 27 ] When one rises to such precise inner clairvoyance, one does not merely have a tableau of memory before one, but rather one has before one one’s own human weaving and shaping—both the inner processes within the organism and that which the outer world does to us. One sees oneself as a second human being, and from that moment on one says to oneself: Since you exist externally in space, you have your physical spatial body, your physical spatial organization. Everything is interconnected. But you also have a temporal organization, a temporal body within you, which is not spatially oriented, which is in the process of becoming, which is in the process of shaping—in which the shaping that you send into your inner self merges with the shaping that you accomplish externally under the influence of the other world and of people, which in turn has an effect on you.

[ 28 ] Sehen Sie, das Gewahrwerden dieses Zeitleibes — desjenigen, was man nicht malen kann ebenso wenig wie man den Blitz malen kann, man kann ihn einen Moment festhalten, aber man weiß, dass das ein zeitlicher Vorgang ist —, das Gewahrwerden dieses Gestaltenden, das erst hinter der Erinnerung liegt, die Erinnerung, der Erinnerungsstrom ist wie an der Oberfläche dessen, was man jetzt schaut, beleuchtet von seiner inneren Sonne, das kann man nennen in geisteswissenschaftlicher Forschung den menschlichen Ätherleib.

[ 28 ] You see, becoming aware of this body of time—that which cannot be painted any more than one can paint a flash of lightning, one can capture it for a moment, but one knows that this is a temporal process—the awareness of this formative force, which lies beyond memory; memory, the stream of memory, is like the surface of what one now beholds, illuminated by its inner sun—this is what can be called the human etheric body in spiritual scientific research.

[ 29 ] Glauben Sie nicht, dass eine besonnene Geistesforschung von dem menschlichen Ätherleib wie von einer Art Nebelorganisation spricht, die diesen physischen Leib nur so durchdringt. Man kann ihn, allerdings durch eine gewisse Clairvoyance, durch eine Art Nebel sehen. Darum handelt es sich nicht. Das sagen die Gegner. Diejenigen, die wirklich eindringen in die Geisteswissenschaft, die wissen, dass das Erste, was man in übersinnlicher Erkenntnis ansichtig wird, ein zeitlich Verlaufendes, ein Geschehen ist, aber ein reales Geschehen. Man lernt sich jetzt kennen als ein zweites Wesen in sich selber, das eine zeitliche Organisation darstellt. Bis in die kleinsten Einzelheiten liegt wie in einem umfassenden Tableau das Dauernde in unserem Seelenleben vor uns. Die physischen Stoffe, die wir aufnehmen, innerlich verarbeiten, wir wechseln sie in sieben oder acht Jahren. Der physische Leib ist eigentlich etwas, was einem stetigen Wechsel, einer stetigen Metamorphose unterworfen ist. Dasjenige, auf das ich jetzt hindeute, das man nur im inneren Schauen ergreifen kann, das ist ein Dauerndes zunächst während des Erdenlebens.

[ 29 ] Do not believe that sound spiritual research speaks of the human etheric body as some kind of misty formation that merely permeates the physical body. It is true that one can see through it—albeit through a certain kind of clairvoyance—as if through a mist. But that is not what it is about. That is what the opponents say. Those who truly delve into spiritual science know that the first thing one perceives through supersensible knowledge is a temporal process, an event—but a real event. One now comes to know oneself as a second being within oneself, one that constitutes a temporal organization. Down to the smallest details, the enduring aspects of our soul life lie before us like a comprehensive tableau. The physical substances that we take in and process internally are renewed every seven or eight years. The physical body is, in fact, something that is subject to constant change, to a constant metamorphosis. What I am now pointing to—which can only be grasped through inner contemplation—is something enduring, at least during our earthly life.

[ 30 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, die Wissenschaft der Gegenwart, die ihres Namens würdig ist, verfährt im äußeren Forschen exakt. Die übersinnliche Erkenntnis, die hier gemeint ist, verfährt im Herbeiführen der Kräfte, die der Mensch braucht, um eine übersinnliche Welt zu schauen, exakt. Die Entwicklung des Menschen wird exakt gemacht, damit man gewissermaßen höhere seelische Sinnesorgane bekommt, die exakt hergestellt sind, und die dann die übersinnliche Welt schauen können. Damit hat man zunächst nicht nur eine theoretische Überzeugung, sondern eine wirkliche Anschauung seines Geistmenschen während des physischen Erdenlebens gewonnen. Man würde noch nichts wissen über das dem Menschen so tief naheliegende Problem — sagen wir — der Seelenunsterblichkeit. Dazu ist ein weiterer Schritt notwendig, ein weiterer Schritt, der noch mehr inneren seelischen Energieaufwand fordert.

[ 30 ] Ladies and gentlemen, contemporary science worthy of the name proceeds with precision in its external research. The supersensible knowledge referred to here proceeds with precision in bringing about the powers that human beings need to perceive a supersensible world. Human development is carried out with precision so that one may, as it were, acquire higher spiritual sense organs that are precisely formed and that can then perceive the supersensible world. In this way, one has gained not merely a theoretical conviction, but a genuine insight into one’s spiritual being during one’s physical earthly life. One would still know nothing about the problem so deeply close to the human being—let us say—the immortality of the soul. For this, a further step is necessary, a further step that demands even more inner spiritual energy.

[ 31 ] Sehen Sie, wenn man im Meditieren in das Seelenleben herein Vorstellungen bringt, auf denen man ruht, sodass man zuletzt zu dieser inneren Lebendigkeit kommt, die, ich möchte sagen eine innere Sonne gebiert, die dann solche Bilder beleuchtet, von denen man sich sagen muss nach der Wahrnehmung, sie sind real, so findet man wirklich nur ein Subjektives, nämlich das eigene Erleben. Das ist dasjenige, was man als Reales zunächst in den Bildern spürt. Man hat noch nichts Objektives, man hat das eigene Erleben, aber als Realität. Dadurch geht es über das Mathematische hinaus. Das Mathematische gibt die Form der Umwelt. Es enthält in sich selber keine Realität. Dasjenige, was man auf dieser ersten Stufe der exakten Clairvoyance erringt, das lässt uns eine innere Realität verspüren. Und ich sagte, wenn man die Bilder innerlich lebendig abtastet, dann gestalten sie sich allmählich zu dem Tableau nicht nur unseres inneren Lebenslaufes, sondern der gestaltenden, der Wachstumskräfte, sogar derjenigen Kräfte, die wir entwickeln, um die Ernährung zu bewirken, die innerliche Ernährung zu bewirken. Wir lernen uns als einen zweiten Menschen kennen.

[ 31 ] You see, when one introduces images into one’s inner life during meditation—images on which one rests—so that one ultimately arrives at this inner vitality which, I would say, gives birth to an inner sun that then illuminates such images that, upon perceiving them, one must say to oneself, “They are real”—then one truly finds only something subjective, namely one’s own experience. This is what one initially senses as real in the images. One has nothing objective yet; one has one’s own experience, but as reality. In this way, it goes beyond the mathematical. The mathematical provides the form of the environment. It contains no reality within itself. What one attains at this first stage of exact clairvoyance allows us to sense an inner reality. And I said that when one internally explores the images in a living way, they gradually take shape into a tableau not only of our inner life course, but also of the formative forces, the forces of growth, and even those forces we develop to bring about nourishment—inner nourishment. We come to know ourselves as a second human being.

[ 32 ] Das ist es, was wir als eine Realität zunächst in den subjektiven Imaginationen wahrnehmen, die subjektiv sein dürfen, weil sie uns ja zunächst das Subjektive geben, unseren eigenen Lebenslauf in Kräften, aber in einer Realität. Hat man sich aber einem solch starken Denken hingegeben, dass man fähig geworden ist, gewissermaßen hinter die Erinnerungen hinzuschauen, dann ist es viel schwieriger, dasjenige, was man so im konkreten lebendigen Denken erreicht hat, aus dem Bewusstsein wiederum fortzuschaffen.

[ 32 ] This is what we initially perceive as a reality in our subjective imaginations, which are allowed to be subjective because they initially provide us with the subjective—our own life course expressed in forces, but within a reality. But once one has devoted oneself to such intense thinking that one has become capable, so to speak, of looking beyond memories, it is much more difficult to remove from consciousness what one has thus attained in concrete, living thought.

[ 33 ] Manchem Menschen wird es schon schwer, Vorstellungen, insbesondere, wenn solche auch noch durch Emotionen, durch Gefühlseindrücke in seiner Seele lebendig sind, es wird ihm schwer, gewöhnliche Vorstellungen fortzuschaffen. Solche Vorstellungen, zu denen man eine besondere Kraft angewendet hat, um sie in der Seele erleben zu können, solche Vorstellungen sind schwerer fortzuschaffen. Aber auch das muss man lernen, wie man gewissermaßen gelernt hat, in eine Region hineinzuschauen, die sonst ganz unbewusst bleibt, die nur oben an ihrer Oberfläche in den Erinnerungsvorstellungen dem Menschen also Bilder hervorbringt, wie man hinter den Erinnerungen schauen gelernt hat in das reale Gestalten des menschlichen Zeitleibes hinein, so muss man jetzt lernen, eine innere Kraft entwickeln, die mehr ist als das Vergessen. Dann muss man, wenn ich so sagen darf, von den starken Kräften, die in einem erwachsen durch das Meditieren, von denen muss man wiederum absehen können, diese tilgen können, fortschaffen können dasjenige, was man gerade zuerst mit aller starken Kraft in seine Seele herein sich erarbeitet hat. Man muss lernen, das Bewusstsein leer zu machen, ganz leer zu machen, sodass man nur wacht.

[ 33 ] For some people, it is already difficult to dispel ordinary thoughts—especially when these thoughts are still alive in their soul through emotions and emotional impressions; it is difficult for them to dispel ordinary thoughts. Such images—to which one has applied a special effort in order to experience them in the soul—are more difficult to dispel. But this, too, must be learned—just as one has, so to speak, learned to look into a region that otherwise remains entirely unconscious, a region that produces images for a person only on its surface in the form of memories; just as one has learned to look beyond memories into the real structure of the human temporal body—so one must now learn to develop an inner power that is more than mere forgetting. Then, if I may put it this way, one must be able to set aside—to erase, to remove—from the powerful forces that have grown within one through meditation, precisely that which one has just first worked into one’s soul with all one’s might. One must learn to empty one’s consciousness, to empty it completely, so that one is simply awake.

[ 34 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, mit diesem ist nicht eigentlich wenig gesagt; denn es ist viel gesagt. Sie brauchen sich bloß zu erinnern, was die meisten Menschen, die in dieser Beziehung ungeschult sind, tun, wenn sie ihr Bewusstsein ganz leer machen — sie schlafen ein; das Bewusstsein hört auf. Vorher, zu der Bildervorstellung, die ich eben beschrieben habe, muss man zunächst alle äußeren Sinneseindrücke tilgen. Man macht aber das Denken so stark, wie ich es beschrieben habe. Jetzt muss man dieses starke Denken wiederum austilgen. Das Bewusstsein bleibt leer; aber es bleibt allerdings nur für Augenblicke leer. Bleibt man wach, entwickelt man einen Seelenzustand, der nur Wachheit darstellt, dann kommt in dieses wache und leere Bewusstsein die äußere objektive Geisteswelt, die übersinnliche Welt herein; so, wie in die Lunge die äußere Atmungsluft hereinkommt, so kommt die geistige Welt in das leere Bewusstsein herein, das allerdings auf die Art, wie ich es geschildert habe, erst leer gemacht worden ist. Und in diesem Momente ist allerdings das Erste, was wir wahrnehmen, dasjenige, was als Geistig-Seelisches der äußeren Natur zugrunde liegt.

[ 34 ] Ladies and gentlemen, this is not, strictly speaking, saying very little; for it is saying a great deal. You need only recall what most people, who are untrained in this regard, do when they completely empty their consciousness—they fall asleep; their consciousness ceases. Before engaging in the visualization I have just described, one must first eliminate all external sensory impressions. However, one strengthens one’s thinking as I have described. Now one must, in turn, eliminate this strong thinking. Consciousness remains empty; but it remains empty only for a few moments. If one remains awake and develops a state of soul that consists solely of wakefulness, then the external, objective spiritual world—the supersensible world—enters this awake and empty consciousness; just as the external air we breathe enters the lungs, so the spiritual world enters the empty consciousness, which, however, has first been emptied in the manner I have described. And at this moment, the first thing we perceive is indeed that which, as the spiritual-soul aspect, underlies external nature.

[ 35 ] Wir lernen erkennen, dass so, wie hinter unserer Erinnerung unser Zeitleib liegt, der das Schaffende in uns ist im irdischen Dasein, wir lernen erkennen, wie hinter der Natur, die uns in den Sinnesvorstellungen erscheint, überall Geistwesen verborgen sind. So, wie wir durch unsere Augen, durch unsere Ohren, durch unsere anderen Sinnesorgane eintreten in eine Sinneswelt, so treten wir durch das also vorbereitete Seelenwesen, wo wir gewissermaßen ganz Seelenauge werden für unsere geistige Umgebung, wir treten in eine geistige Welt, in eine Welt von geistigen Wesenheiten und geistigen Vorgängen ein. Wir lernen wirklich einen geistigen Kosmos kennen. Und wir merken dann sehr bald, dass dasjenige, was wir früher als besonnene Menschen in der sinnlichen Wahrnehmung gehabt haben, in einen Zusammenhang gebracht werden kann mit dem, was wir nun als geistige Welt kennen. Der gewöhnliche Visionär steigt gewissermaßen aus seinem gewöhnlichen Bewusstsein heraus in ein anderes hinein, lernt da allerlei Traumhaftes kennen, weiß aber keinen Zusammenhang.

[ 35 ] We come to realize that just as our “time-body”—which is the creative force within us in our earthly existence—lies behind our memory, so too we come to realize how spiritual beings are hidden everywhere behind nature, which appears to us in our sensory perceptions. Just as we enter a sensory world through our eyes, our ears, and our other sense organs, so too do we enter—through the soul being thus prepared, where we become, as it were, entirely a soul’s eye for our spiritual surroundings—a spiritual world, a world of spiritual beings and spiritual processes. We truly come to know a spiritual cosmos. And we soon realize that what we previously experienced as level-headed people through sensory perception can be connected to what we now know as the spiritual world. The ordinary visionary, so to speak, steps out of his ordinary consciousness and into another, where he encounters all manner of dreamlike phenomena, yet is unaware of any connection.

[ 36 ] Derjenige, der in der Weise zur exakten Clairvoyance kommt, wie ich es beschrieben habe, der behält ja neben dem Bewusstsein, das er sich nun als ein neues erringt, sein altes bei. Er kann immerfort dasjenige, was er in der geistigen Welt sieht, kontrollieren durch dasjenige, was er hier in der physischen Welt gegeben hat.

[ 36 ] Anyone who attains exact clairvoyance in the way I have described retains their old consciousness alongside the new one they have now attained. They can always verify what they see in the spiritual world by comparing it with what they have experienced here in the physical world.

[ 37 ] Das ist der Unterschied zwischen dem Geistesforscher und dem Visionär. Der Visionär, wenn er in seinen Visionen lebt, hat ganz vergessen seinen gewöhnlichen Menschen, denn er wäre kein Visionär, wenn er nebenbei die äußere Sinneswelt so sehen würde, wie sie der normale Mensch sieht. Derjenige aber, der ein exakter Geistesforscher ist, der sieht die geistige Welt, und in jedem Augenblicke kann er sich zurückversetzen in voller Besonnenheit, denn ich wiederhole es wieder und wiederum: Alles, was ich hier beschreibe als menschliche Entwicklung, geht mit mathematischer Besonnenheit vor sich, ebenso dieses Hinein-sich-Versetzen in die geistige Welt in einem anderen Bewusstsein und das sich Zurückversetzen in die gewöhnliche Besonnenheit. Sodass Sie in der Lage sind, meine sehr verehrten Anwesenden, sich zu sagen: Mit meinem äußeren Auge sehe ich die Sonne. Dasjenige, was ich im sinnlichen Sonnenbilde mit meinem äußeren Auge sehe, das hängt zusammen mit demjenigen, was ich nun geistig schaue als gewisse Wesenheiten der übersinnlichen Welt, das hängt zusammen mit den Sonnenwesen in der geistigen Welt. Die physische Sonne ist das physische Abbild von geistigen Sonnenwesen, wie mein physischer Leib das physische Abbild meines seelischgeistigen Wesens ist.

[ 37 ] That is the difference between the spiritual researcher and the visionary. The visionary, when living within his visions, has completely forgotten his ordinary self, for he would not be a visionary if he were simultaneously perceiving the external sensory world as a normal person does. But the one who is a rigorous spiritual researcher sees the spiritual world, and at any moment he can return to his ordinary state with complete composure, for I repeat it again and again: Everything I describe here as human development proceeds with mathematical composure, just as does this immersion into the spiritual world in a different state of consciousness and the return to ordinary composure. So that you, my esteemed audience, are able to say to yourselves: With my physical eye, I see the sun. What I see with my outer eye in the sensory image of the sun is connected to what I now perceive spiritually as certain beings of the supersensible world; this is connected to the solar beings in the spiritual world. The physical sun is the physical image of spiritual solar beings, just as my physical body is the physical image of my soul-spiritual being.

[ 38 ] Und so lernt man schauen auf eine geistige Welt hinter der physisch-sinnlichen. Dann aber muss man weiterschreiten, indem man die Kraft — aus dem Bewusstsein fortzuschaffen dasjenige, was drinnen ist, das Bewusstsein leer zu machen, bloß zu warten —, indem man das so weit treibt, dass man das ganze Tableau, das man zuerst entdeckt hat, aus dem Zeitleib fortschafft, das Schaffende in einem während des Erdenlebens, dass man das auch noch wegschafft, dass man von sich ganz absieht. Also nachdem man zunächst so weit gekommen ist, dass man gesehen hat, wie erstens die Wachstumskräfte in einem seit der Kindheit den Leib geformt haben, wie die äußeren Erlebnisse auf ihn gewirkt haben, nachdem man das erst hergestellt hat, was, ich möchte sagen unter der Oberfläche der Erinnerung lebt, schafft man es weg in einer radikalen Abstraktion, wenn ich mich so ausdrücken darf, sodass unser Bewusstsein jetzt nicht nur so leer wird, wie ich es beschrieben habe, sondern noch gründlicher leer wird, indem man das eigene Erdenleben, auch den übersinnlichen Teil des eigenen Erdenlebens, wegschafft. Dann tritt — ebenso wie in dem Falle, den ich eben jetzt beschrieben habe, etwa Wesen, die hinter dem physischen Sonnenbilde sind, einem aus der geistigen Welt entgegentreten —, so tritt einem jetzt, wenn man das Erdenleben fortgeschafft hat, als inneres Erlebnis, das aber zu gleicher Zeit in einer Art kosmischem Bewusstsein lebt, man fühlt sich eins mit dem Kosmos, mit dem Bewusstsein der Welt, es tritt vor einem hin das vorirdische Dasein. Man lernt sich als geistig-seelisches Wesen kennen, wie man war, bevor man heruntergestiegen ist auf die physische Erde, sich vereinigt hat als geistig-seelisches Wesen mit demjenigen, was da stammt von Vater und Mutter, was in der Vererbungsströmung zutage tritt und was unseren physischen Leib bildet, mit dem wir uns vereinigen. Man sieht tatsächlich hin auf dieses vorirdische Dasein. In der äußeren Wissenschaft haben wir die Anschauung gegeben: Dasjenige, was wir seelisch als Erkenntnis entwickeln, das kommt nachher, die Bilder, die wir innerlich entwickeln von dem äußerlich anschaulichen Dasein, sie kommen hinterher.

[ 38 ] And so one learns to look toward a spiritual world beyond the physical-sensory one. But then one must go further by using the power—to remove from consciousness whatever is within it, to empty consciousness, simply to wait—by taking this so far that one removes the entire tableau one first discovered from the body of time, the creative force within oneself during earthly life, that one removes that as well, that one completely turns away from oneself. So, after one has first come this far—having seen, first of all, how the forces of growth within one have shaped the body since childhood, and how external experiences have affected it—after one has first established what, I would say, lies beneath the surface of memory—one eliminates it through a radical abstraction, if I may put it that way, so that our consciousness now becomes not only as empty as I have described, but even more thoroughly empty, by eliminating one’s own earthly life, including the supersensible part of one’s own earthly life. Then—just as in the case I have just described, where beings behind the physical image of the sun approach one from the spiritual world—so now, once one has removed one’s earthly life, one experiences an inner experience that at the same time lives within a kind of cosmic consciousness, one feels at one with the cosmos, with the consciousness of the world; one’s pre-earthly existence appears before one. One comes to know oneself as a spiritual-soul being, as one was before descending to the physical Earth, having united as a spiritual-soul being with that which originates from father and mother, which comes to light in the stream of heredity and which forms our physical body, with which we unite. One actually looks back upon this pre-earthly existence. In external science, we have presented the view that what we develop as soul-knowledge comes later; the images we develop inwardly of the externally perceptible existence follow afterward.

[ 39 ] Wenn wir in die geistig-übersinnliche Welt hineinschauen wollen, so müssen wir die Erziehung, die wir uns haben angedeihen lassen im Entwickeln wissenschaftlicher Begriffe, die müssen wir in der Entwicklung der inneren Seelenkräfte fortsetzen. Dann bringen wir es so weit, dass wir diese Entwicklung der inneren Seelenkräfte zu einem Seelenauge machen. Und auf der Stufe, die ich eben geschildert habe, sehen wir hinein, schauen wir unser vorirdisches Dasein. Wenn ich so sagen darf: Bei der äußeren Wissenschaft der Gegenwart sind die Dinge zuerst da; nachher kommt die Theorie. Dasjenige, was wir im Theorienbilden heranziehen, das bringen wir zur inneren Lebendigkeit. Dadurch kommt nach der Theorie die Anschauung. Und wir wissen, dass sie eine Realität ist.

[ 39 ] If we wish to look into the spiritual-supernatural world, we must take the education we have received in developing scientific concepts and continue it in the development of our inner soul forces. Then we will reach the point where we can transform this development of our inner soul forces into a soul’s eye. And at the stage I have just described, we look inward and behold our pre-earthly existence. If I may put it this way: In contemporary external science, things exist first; theory comes afterward. What we draw upon in forming theories, we bring to inner vitality. Through this, intuition follows theory. And we know that it is a reality.

[ 40 ] Sehen Sie, es wird einem immer wieder eingewendet: Ja, wie kannst du wissen, dass dasjenige, was du jetzt mit dem leeren Bewusstsein erfassest, nicht auch dein Subjektives ist, etwa nur eine Autosuggestion oder dergleichen? Ja, meine sehr verehrten Anwesenden, bloße Phantasie, bloße Vorstellung von Wirklichkeit unterscheiden, das gibt ja nur das Leben. Es ist äußerlich nicht zu definieren, lebensvoll, welches der Unterschied ist zwischen einem vorgestellten heißen Eisen und einem wirklichen heißen Eisen. Je genauer wir das wirkliche heiße Eisen vorstellen, desto besser ist es ja, je geringer wir den Unterschied machen. Aber der Unterschied ergibt sich, wenn wir das Eisen berühren. Das wirkliche heiße Eisen brennt uns, die Vorstellung nicht. Wir müssen die Wirklichkeit nur im Leben erfassen, und wir müssen sie im Leben erfassen.

[ 40 ] You see, people keep objecting: “Yes, but how can you know that what you are now perceiving with your empty consciousness isn’t also a product of your own mind—perhaps just autosuggestion or something of the sort?” Yes, my esteemed audience, distinguishing between mere fantasy and a mere conception of reality—only life itself can provide that. Externally, it cannot be defined; it is a matter of lived experience to discern the difference between an imagined hot iron and a real hot iron. The more precisely we imagine the real hot iron, the better—the smaller the distinction we make. But the difference becomes apparent when we touch the iron. The real hot iron burns us; the imagined one does not. We must grasp reality only in life, and we must grasp it in life.

[ 41 ] Wenn also zum Beispiel jemand kommt, wie es oftmals geschieht, und sagt: Es gibt doch auch dies, dass jemand, wenn er sich lebhaft eine Limonade vorgestellt hat, da hat er den Limonadengeschmack im Munde, also wenn man sich wirklich wie eine Realität vorstellt ein Bild. Solche Einwände werden häufig gemacht. Man kann nur sagen, man versuche nur einmal, wie es ist, wenn man nach Hinwegschaffung des Erdenlebens in das vorirdische Dasein hineinschaut und die Realität der Seele empfindet vielleicht durch Jahrhunderte, bevor sie zum Erdendasein heruntergestiegen ist; und man wird nicht mehr sagen: Durch die Vorstellung wird man den Limonadengeschmack haben; sondern man wird dann sagen: Ja, den Geschmack wirst du haben durch die Vorstellung, aber glaubst du auch, dass du wirklich den Durst löschen kannst? Das kannst du nicht. Wenn du alle Verhältnisse der Wirklichkeit durchschaust, richtig hineinkommst in einen richtigen Zusammenhang, dann weißt du, was in einem entsprechenden Falle Realität ist und was bloße Autosuggestion ist. Also die Realität der übersinnlichen Welt, sie muss eben erlebt werden. Aber sie kann erlebt werden, wenn zuerst die Fähigkeiten dazu in der geschilderten Weise vorhanden sind.

[ 41 ] So, for example, someone might come along—as often happens—and say: “But there’s also this: if someone vividly imagines a lemonade, they can taste it in their mouth—that is, if one truly imagines an image as if it were real.” Such objections are frequently raised. One can only say: just try for a moment to imagine what it’s like to look into pre-earthly existence after earthly life has ended and to sense the reality of the soul—perhaps through centuries—before it descended into earthly existence; and you will no longer say, “Through imagination, you will have the taste of lemonade”; rather, you will then say: “Yes, you’ll have the taste through imagination, but do you also believe that you can truly quench your thirst? You cannot. When you see through all the circumstances of reality and truly enter into the proper context, then you’ll know what is reality in a given case and what is mere autosuggestion.” So the reality of the supersensible world—it simply must be experienced. But it can be experienced if the necessary abilities are first present in the manner described.

[ 42 ] Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, damit haben wir aber schon, ich möchte sagen die eine Seite der Ewigkeit der Menschenseele uns vorgeführt, über die Geburt oder über die Empfängnis hinaus. Denjenigen Teil der menschlichen Ewigkeit, für den wir in den neueren Sprachen nicht einmal ein Wort haben, wir reden von Unsterblichkeit, das heißt von der Dauer der Menschenseele über den Tod hinaus, aber wir reden nicht von Ungeborenheit. Wir müssen auch davon reden, denn die Ewigkeit begreift man erst, wenn man ebenso die Ungeborenheit versteht, wie man die Unsterblichkeit versteht. Aber auch die Unsterblichkeit kann zur Anschauung gebracht werden. Sie kann dadurch zur Anschauung gebracht werden, dass wir jetzt nicht nur meditativ ausbilden gewissermaßen das Denken bis zur inneren Energie und Konkretheit, wie ich es geschildert habe, sondern indem wir auch den Willen beginnen auszubilden.

[ 42 ] Well, ladies and gentlemen, with this we have already—I would say—presented one aspect of the eternity of the human soul, extending beyond birth or conception. That part of human eternity for which we do not even have a word in modern languages—we speak of immortality, that is, of the human soul’s endurance beyond death, but we do not speak of pre-existence. We must speak of this as well, for one can only grasp eternity if one understands pre-existence just as one understands immortality. But immortality, too, can be brought into clear perception. It can be brought into clear perception not only by meditatively developing our thinking—as it were—to the point of inner energy and concreteness, as I have described, but also by beginning to develop the will.

[ 43 ] Nun will ich nur wiederum prinzipiell — das Genauere ist in den angedeuteten Büchern zu finden — andeuten, wie man den Willen ausbildet. Denken Sie zum Beispiel daran, dass man den Willen erfasst, der im Denken selbst liegt, denn das Denken ist ja immer, wenn es nicht ganz passiv ein bloßes Hinbrüten ist, wie es der eigene Leib ausbrütet eben, wenn es innerliche Aktivität ist, so ist das Denken immer vom Willen durchzogen. Aber wir halten uns mit diesem Willen an die äußeren Naturvorgänge. Wir denken das Frühere zuerst, das Spätere dann; und wenn wir dialektisch, logisch denken, so ist es auch meistens nur dazu da, dass wir darauf kommen, was früher war und was später ist in der menschlichen Natur. Derjenige, der den Willen innerlich kultivieren will, der muss das Denken gewissermaßen losreißen von seinem Haften an der äußeren Naturfolge. Man kann das. Ich will ein Beispiel sagen.

[ 43 ] Now I would like to briefly outline—in principle; more detailed information can be found in the books mentioned—how one develops the will. Consider, for example, that we grasp the will inherent in thought itself; for thought—when it is not merely a passive brooding, as the body itself does—but rather an inner activity, is always permeated by the will. But with this will, we focus on external natural processes. We think of what came first, then what came later; and when we think dialectically and logically, it is usually only to determine what came first and what came later in human nature. Anyone who wishes to cultivate the will inwardly must, in a sense, tear thinking away from its attachment to the external sequence of nature. It is possible to do this. Let me give an example.

[ 44 ] Wenn wir am Abend unseren täglichen Lebenslauf rückwärts vorstellen, wenn wir uns dasjenige vorstellen, was am Abend war, dann um fünf Uhr war, um drei Uhr war und so weiter, dass man rückwärts also vorstellt. So reißen wir das Denken los vom Naturlauf, in dem es vorwärts, wie der Naturlauf selber, verläuft. Oder wir stellen eine Melodie rückwärts vor, oder ein Drama, möglichst in allen Einzelheiten. Wir erinnern uns, wie wir eine Treppe hinaufgestiegen sind, stellen uns zunächst oben vor, stellen uns dann auf der vorletzten Stufe vor und so weiter, also umgekehrt. Wenn wir so lernen, dem Lauf der Natur entgegengesetzten Denkprozess zu üben, dann erkraftet sich unser Wille,

[ 44 ] When we imagine our daily life in reverse in the evening—when we picture what happened in the evening, what happened at five o’clock, at three o’clock, and so on—we are, in effect, imagining things in reverse. In this way, we detach our thinking from the course of nature, in which it proceeds forward, just as nature itself does. Or we imagine a melody in reverse, or a drama, in as much detail as possible. We recall how we climbed a flight of stairs, first imagining ourselves at the top, then on the second-to-last step, and so on—in reverse, that is. When we learn in this way to practice a thought process that runs counter to the course of nature, then our will gains strength,

[ 45 ] Dazu können solche Übungen kommen, wo wir in ganz bewusster Art unsere Gewohnheiten ändern. Seien wir ehrlich — meine sehr verehrten Anwesenden —, das Leben ändert gewöhnlich uns so, dass wir uns sagen, wenn wir etwa 50 Jahre alt geworden sind: Wir waren anders mit 25 Jahren. Aber das Leben hat uns in die Hand genommen, das Leben hat uns geändert.

[ 45 ] This can be supplemented by exercises in which we consciously change our habits. Let’s be honest—my dear friends here today—life usually changes us in such a way that, when we reach the age of 50, for example, we say to ourselves: “We were different when we were 25.” But life has taken us in hand; life has changed us.

[ 46 ] Aber man kann auch durch Aufwendung von innerer Willensenergie sozusagen seine eigene Entwicklung in Bezug auf den Willen in die Hand nehmen. Man kann sich sagen: Du musst innerhalb drei Jahren oder innerhalb sieben Jahren dir eine ganz bestimmte, radikal andere Gewohnheit beigelegt haben, als du sie hast, und man kann dann in der mannigfaltigsten Weise an dem Willen arbeiten. Was erreicht man dadurch? Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, dasjenige, was man dadurch erreicht, das ist allerdings nur dann eine Realität, wenn es durchgeht durch ein herbes Schmerzgefühl. Ohne das Durchgehen durch einen herben, tiefen Schmerz, ist dennoch nicht eigentlich zu einer wirklichen höheren Erkenntnis zu kommen. Das ist zunächst die Erfahrung, die man macht: ein furchtbarer Schmerz, wie wenn man sich ganz und gar selber fremd geworden wäre, wie wenn man den Leib nur in Schmerz getaucht hätte.

[ 46 ] But one can also, so to speak, take control of one’s own development in terms of will by exerting inner willpower. One can say to oneself: Within three years or within seven years, you must have acquired a very specific habit that is radically different from the one you currently have, and one can then work on the will in the most diverse ways. What does one achieve through this? Well—my esteemed audience—what one achieves through this is, in fact, only a reality if it is accompanied by a bitter sense of pain. Without passing through a bitter, deep pain, however, one cannot truly attain a higher level of insight. That is the experience one has at first: a terrible pain, as if one had become completely alien to oneself, as if one had plunged one’s body into nothing but pain.

[ 47 ] Aus diesem Schmerz taucht dann noch ein anderes Gebiet höherer Erkenntnis auf. Das kann ich in der folgenden Weise charakterisieren: Wenn man in den Schmerz sich hineingelebt hat, sodass man ihn überwunden hat, dann ist aus dieser Willenskultur etwas hervorgegangen, was ich nennen kann eine seelische Durchsichtigkeit unseres eigenen Leibes, überhaupt unseres ganzen Menschen. Ich kann mich dadurch erklären, dass ich das Auge zum Vergleich heranziehe. Wodurch ist das Auge jenes Sinnesorgan, das wir so leicht gebrauchen können? Dadurch, dass es selbstlos ist, dass es seine eigene Materialität nicht geltend macht, dadurch ist es durchsichtig. Das andere wirkt in ihm, was von außen kommt. Das Auge verleugnet sich. In dem Augenblicke, wo wir den Star bekommen, macht das Auge im Auge die eigene Materialität geltend. Da wird das Auge selbstsüchtig. Da können wir es aber auch nicht mehr zum Sehen gebrauchen.

[ 47 ] From this pain, yet another realm of higher insight emerges. I can characterize this as follows: Once one has immersed oneself in the pain to the point of overcoming it, something has emerged from this cultivation of the will that I can call a spiritual transparency of our own body—indeed, of our entire being. I can explain this by drawing on the eye as a comparison. Why is the eye the sensory organ that we can use so easily? It is because it is selfless, because it does not assert its own materiality; that is why it is transparent. What comes from outside acts within it. The eye denies itself. The moment we develop cataracts, the eye asserts its own materiality within itself. That is when the eye becomes self-centered. And then we can no longer use it for seeing.

[ 48 ] Ebenso wenig können wir zum Sehen für die höhere Welt unseren Organismus gebrauchen so, wie er ganz richtig ist für die physische Welt. Glauben Sie nicht, dass ich Askese predige, das fällt mir im Traume nicht ein. Der Mensch soll mit beiden Füßen in der Wirklichkeit stehen. Aber er soll auch Momente eintreten lassen, wo er eben sich zum Erkenner der übersinnlichen Welten macht. In solchen Momenten kann, nachdem der Mensch solche Übungen macht, wie ich sie geschildert habe, kann sich der Mensch seinen ganzen Leib wie zum einzigen durchsichtigen, aber seelisch-durchsichtigen Sinnesorgan machen. Man erlebt sonst sich als Mensch in seinem Leibesorgan. Jetzt fühlt man als Ergebnis solcher Willensübungen, wie die Leibesorgane nicht mehr erlebt werden, wie man wirklich nach und nach außerhalb seines Leibes mit seinem Erleben steht. Der Leib wird seelisch durchsichtig. Und dieses Sich-Trennen vom Leibe, diese Möglichkeit, dass man außerhalb des Leibes ist und dennoch nicht schläft, sondern ein Bewusstsein so außerhalb des Leibes hat, dass man dann seinen eigenen Leib von außen anschauen kann, dass er ein Objekt ist, nicht ein Subjekt, dies kann man sich nur erringen, wenn man sich erst eben die Fähigkeit erwirbt, sich seines Leibes zu entäußern.

[ 48 ] Nor can we use our physical body to perceive the higher world in the same way that it is perfectly suited for the physical world. Do not think that I am preaching asceticism; that would never even occur to me. A person should stand with both feet firmly planted in reality. But they should also allow moments to arise in which they become a perceiver of the supersensible worlds. In such moments—after a person has practiced the exercises I have described—they can transform their entire body into a single, transparent sensory organ, transparent in a soulful sense. Normally, one experiences oneself as a human being within one’s physical body. Now, as a result of such exercises of the will, one feels how the physical body is no longer experienced, how one truly stands, little by little, outside one’s body with one’s experience. The body becomes spiritually transparent. And this detachment from the body—this ability to be outside the body without being asleep, but rather to have a consciousness so outside the body that one can then view one’s own body from the outside, seeing it as an object rather than a subject—this can only be attained once one has first acquired the ability to detach oneself from one’s body.

[ 49 ] Das aber ist nur durch den geschilderten Schmerz zu erreichen. Durch diesen Schmerz muss man durchgehen, dann führt einen die Willenskultur dazu, dass man nicht nur, wie ich geschildert habe, exakte Clairvoyance hat, sondern dass man erlebt, wie man in der geistigen Welt auch etwas tun kann. Das merkt man an dem Folgenden: Wenn der Mensch im gewöhnlichen Tageslauf einschläft, geht sein Bewusstsein ins Unbewusste über. Man kann nicht sagen, aus äußerer Erkenntnis, dass nicht einfach der physische Organismus des Menschen andere Funktionen angenommen hat, die einfach so, wie man eine Flamme auslöscht, das Bewusstsein auslöschen, denn das Bewusstsein entsteht wiederum durch eine andere Metamorphose der Funktionen, wenn man aufwacht. Das kann man aus der gewöhnlichen Forschung nicht sagen. Derjenige, der aber zu derjenigen Stufe des übersinnlichen Schauens, die ich eben geschildert habe, gekommen ist, der weiß, dass das eigentlich Geistig-Seelische beim Einschlafen heraustritt aus dem physischen Leib, nur nicht die Kraft hat, in der Welt des Geistes, in der es jetzt war, im gewöhnlichen Leben das eine und das andere wahrzunehmen. Jetzt, seit man eine Willenskultur und zunächst die Gedankenbildkultur durchgemacht hat, jetzt lernt man auch hineinschauen in die reale Wesenheit, die man außerhalb seines Leibes in jeder Nacht während des Schlafes ist. Und jetzt lernt man erkennen, was die Seele tut an dieser Wesenheit. Jetzt lernt man erkennen, dass man innerlich unbewusst im gewöhnlichen Leben ein Schlafender ist. Und dasjenige, was schläft, das schaut man an mit der erlangten übersinnlichen Erkenntnis als das im Schlafe außerhalb des physischen Leibes Existierende,

[ 49 ] But this can only be achieved through the pain I have described. One must go through this pain; then the cultivation of the will leads one not only to possess exact clairvoyance, as I have described, but also to experience how one can actually do something in the spiritual world. This becomes evident from the following: When a person falls asleep during the ordinary course of the day, their consciousness passes into the unconscious. One cannot say, based on external observation, that the human physical organism has simply assumed other functions that extinguish consciousness just as one extinguishes a flame; for consciousness arises again through a different metamorphosis of functions when one wakes up. This cannot be determined through ordinary research. But those who have reached the level of supersensory perception that I have just described know that the spiritual-soul aspect actually leaves the physical body upon falling asleep; it simply lacks the power to perceive one thing or another in the world of the spirit—the world in which it was present—as it does in ordinary life. Now, having undergone a training of the will and, initially, a training in mental imagery, one learns to look into the real being that one is outside one’s body every night during sleep. And now one learns to recognize what the soul does with this being. Now one learns to recognize that, inwardly and unconsciously, one is a sleeper in ordinary life. And that which sleeps—one regards it, with the supersensible insight one has attained, as that which exists outside the physical body during sleep,

[ 50 ] Und man lernt jetzt erkennen: Wenn du durch die Pforte des Todes gehst, dann, dann bleibt dieses, was du unbewusst geschaffen hast. Es ist dein eigentliches Menschliches, deine moralischen Taten. Dasjenige, was du dir in der Seele im Verkehre mit der Umwelt und den Menschen als moralische Qualität angeeignet hast, das wird real in diesem Wesen, das sich in jedem Schlafzustande von dir trennt. Das aber ist auch etwas, was unabhängig ist von deinem Leibe; weil man außerhalb des Leibes erfahren gelernt hat, lernt man auch erkennen im Bilde den Tod.

[ 50 ] And now you come to realize: When you pass through the gate of death, then—then what you have created unconsciously remains. It is your true humanity, your moral deeds. That which you have acquired in your soul as a moral quality through your interaction with the environment and other people becomes real in this being that separates from you in every state of sleep. But this is also something that is independent of your body; because you have learned to experience it outside the body, you also learn to recognize death in its image.

[ 51 ] Man lernt sich erkennen in dem, was man sonst jede Nacht ist, und was ohne den Leib existieren kann. Und indem man jetzt im übersinnlichen Erkenntnisbilde vor sich hat in wirklicher Wahrnehmung, was man ohne den Leib ist, lernt man den Tod erkennen, lernt man die Überwindung des Todes durch die Menschenseele erkennen, lernt man die andere Seite der Menschenwesenheit, lernt man die Unsterblichkeit in ihrer wirklichen Anschauung kennen. Indem man den Leib in der geschilderten Weise seelisch durchsichtig gemacht hat, lernt man ohne den Leib sein, lernt man, in der Geisteswelt durch das, was man ohne den Leib geworden ist, [drinnenzustehen], und man weiß, wie man den physischen Leib abgelegt hat, drinnenzustehen nach dem Tode in einer geistigen Welt. Man hat kennengelernt das innere Schaffen der Seele, das rein geistig ist und das künftige Welten vorbereitet wie die künftigen eigenen Erdenleben. Man hat zu der exakten Clairvoyance eine idealistische Magie hinzugefügt, das innerliche Schaffen. Man lernt bewusst, was sonst nur unbewusst ausgeübt wird.

[ 51 ] One comes to recognize oneself in that which one otherwise is every night, and which can exist without the body. And by now having before oneself, in the supersensible image of knowledge and in actual perception, what one is without the body, one learns to recognize death, one learns to recognize the overcoming of death through the human soul, one learns about the other side of human existence, and one comes to know immortality in its true form. By making the body spiritually transparent in the manner described, one learns to exist without the body; one learns to “stand within” the spiritual world through what one has become without the body; and one knows how, having shed the physical body, to stand within a spiritual world after death. One has come to know the inner workings of the soul, which are purely spiritual and which prepare future worlds as well as one’s own future earthly lives. One has added an idealistic magic—the inner workings—to precise clairvoyance. One consciously learns what is otherwise practiced only unconsciously.

[ 52 ] Wer in unserer heutigen Zeit — wie so viele oftmals — von einer äußerlichen Magie spricht, ist eben Scharlatan. Derjenige, der mit innerem religiösem Gefühl gegenüber der Wissenschaft der Gegenwart von Magie spricht, der spricht von exakter Clairvoyance, von idealistischer Magie, indem man kennenlernt dasjenige, was innerhalb des physischen Erdenlebens geschaffen wird und was dann über den Tod hinaus in weitere Daseinsstufen hinein sich lebt, um spätere Erdenleben vorzubereiten.

[ 52 ] Anyone who, in our time—as so many often do—speaks of external magic is simply a charlatan. Those who, with an inner religious feeling toward contemporary science, speak of magic are speaking of exact clairvoyance, of idealistic magic, in which one comes to know that which is created within physical earthly life and which then continues beyond death into further stages of existence to prepare for future earthly lives.

[ 53 ] Dasjenige, meine sehr verehrten Anwesenden, was ich mit diesen Auseinandersetzungen habe darstellen wollen, das ist das Verhältnis der übersinnlichen Erkenntnis, wie sie in Anthroposophie gemeint ist, zu der Wissenschaft der Gegenwart. Darstellen habe ich wollen, wie diese anthroposophische Geisteswissenschaft sich bewusst ist in jedem Augenblicke, dass sie ihre Berechtigung nachzuweisen hat gegenüber der Wissenschaft der Gegenwart.

[ 53 ] What I have sought to illustrate with these discussions, ladies and gentlemen, is the relationship between supersensible knowledge—as understood in anthroposophy—and contemporary science. I have sought to show how this anthroposophical spiritual science is conscious at every moment that it must prove its legitimacy in relation to contemporary science.

[ 54 ] Und gedenken wir, wie diese Wissenschaft der Gegenwart in Bezug auf die äußeren Erkenntnisse es dahin gebracht hat, vollkommen gerade dasjenige zu erkennen, was den Menschen nicht einschließt, dadurch, dass der Mensch den im Beginne meiner heutigen Auseinandersetzungen gekennzeichneten Verzicht, die Entsagung, geleistet hat, objektiv zu sein und das Denken zunächst nur als Diener zu verwenden. Aber das, was man im dienenden Denken sich angeeignet hat, das gibt einem die Gesinnung, dieses Denken innerlich so lebendig zu machen, dass es das erfüllt. Zur exakten Clairvoyance gibt einem die Entsagung diejenigen Kräfte, die das Seelische im Willen hat, zu einer wirklichen Tätigkeit aufzurufen, zu einer Tätigkeit allerdings, die im Geiste wirkt, die nichts zu tun hat zunächst im physisch-sinnlichen Dasein des Menschen, aber die über den Tod hinausgeht. Sodass wir das Ewige der Menschenseele dadurch kennenlernen, sowohl die Ungeborenheit wie die Unsterblichkeit kennenlernen, durch eine Erkenntnis, die sich ausnimmt wirklich wie eine echte Fortsetzung desjenigen, was der Mensch sich als Sinneserkenntnis aneignet.

[ 54 ] And let us consider how contemporary science, with regard to external knowledge, has come to recognize precisely that which does not encompass human beings—by virtue of humanity’s having made the renunciation, the self-denial, described at the beginning of my discussions today: the renunciation of objectivity and the use of thought initially only as a servant. But what one has acquired through this serving thinking gives one the disposition to make this thinking so alive within oneself that it fulfills one. For precise clairvoyance, this renunciation gives one the powers that the soul possesses in the will to summon it to genuine activity—an activity, however, that works in the spirit, which initially has nothing to do with human physical-sensory existence, but which extends beyond death. Thus we come to know the eternal nature of the human soul—both its pre-existence and its immortality—through a form of knowledge that truly appears to be a genuine continuation of what human beings acquire as sensory perception.

[ 55 ] Aber eben, gerade indem wir durch die heute ausgebildete exakte Sinneserkenntnis dasjenige kennenlernen, was außerhalb des Menschen ist, stehen wir als hellsehender Mensch einer Welt gegenüber, von der wir uns fragen müssen: Wie ist unsere Moralität drinnen tätig? Ist unsere Moralität nur ein Dunst, der aufsteigt in der rein natürlichen Weltenordnung, die etwa nach einer modifizierten Kant-Laplace’schen Weltentstehung übergeht zu dem komplizierteren, vollkommeneren Wesen, um dann im Wärmetod zu versinken, wodurch mit dem allgemeinen kosmischen Friedhof auch gegeben wäre das Ende desjenigen, was in uns als moralische Impulse entsteht?

[ 55 ] But precisely because we come to know what lies outside of human beings through the exact sensory cognition developed today, we, as clairvoyant human beings, are confronted with a world that compels us to ask: How does our morality operate within it? Is our morality merely a wisp of mist rising within the purely natural order of the world—an order that, following a modified Kant-Laplacean theory of the origin of the world, transitions to a more complex, more perfect being, only to then sink into heat death, whereby the general cosmic graveyard would also mark the end of that which arises within us as moral impulses?

[ 56 ] Die hier gemeinte anthroposophische übersinnliche Erkenntnis schildert die Moralität als eine schaffende, stellt die moralischen Impulse als gleichwertig moralische neben die rein naturalistischen hin. Dadurch weiß sich der Mensch durch diese übersinnliche Erkenntnis mit seinen moralischen Impulsen, mit seiner menschlichen Sittlichkeit in einer realen Welt. Er weiß, dass diejenige reale Welt, die wir heute mit Augen sehen, das Ergebnis vorhergehender Geisteswelten ist, und dass dasjenige, was heute als moralische Impulse der Mensch hineinschafft in sein eigenes Geistig-Seelisches — das sich in jedem Schlafe von ihm trennt, das dann durch die Pforte des Todes geht —, [dass] das nun der Keim ist zukünftiger realer Welten. Der Mensch fühlt sich hineingestellt in eine moralische Weltenordnung. Und er hat durch eine solche Geisteserkenntnis, wie ich sie beschrieben habe, auch wiederum die Möglichkeit, religiös zu empfinden. Denn der moralischen Natur mit ihrer bloßen naturalistischen Gesetzmäßigkeit gegenüber kann der Mensch nicht religiös fühlen. Die übersinnliche Erkenntnis wird gerade notwendig gemacht durch die Vollkommenheit unserer Sinneserkenntnis.

[ 56 ] The anthroposophical supersensible knowledge referred to here describes morality as a creative force and places moral impulses on an equal footing with purely naturalistic ones. Through this supersensible knowledge, human beings come to realize that they exist in a real world with their moral impulses and their human morality. They know that the real world we see with our eyes today is the result of preceding spiritual worlds, and that what human beings today create as moral impulses within their own spiritual-soul life—which separates from them during every sleep and then passes through the gate of death—is the seed of future real worlds. Human beings feel placed within a moral world order. And through such spiritual insight as I have described, they also regain the ability to feel religiously. For human beings cannot feel religious in the face of moral nature with its mere naturalistic laws. Supersensory knowledge is made necessary precisely by the perfection of our sensory knowledge.

[ 57 ] Wenn die Alten mit dem, was ihnen ihre Sinne gegeben haben, zugleich ein Geistiges aufnahmen, so wie wir Farben und Töne, so nehmen wir treulich nur dasjenige, was uns die Sinne geben, durch unsere Beobachtung, durch unsere Experimente auf, stehen aber da gegenüber dieser in ihrer Art vollkommenen Wissenschaft als Mensch und fragen uns: Wie stehen wir nun als empfindender, als totaler Mensch in dieser Welt darinnen? Darauf gibt uns die übersinnliche Erkenntnis die Antwort. Und indem sie wahre exakte Erkenntnis ist, führt sie den Menschen dann auch hinauf in das moralische Empfinden, in das religiöse Empfinden, vereinigt Wissenschaft, Sittlichkeit und Religion.

[ 57 ] While the ancients, through what their senses provided them, also perceived the spiritual—just as we perceive colors and sounds—we, on the other hand, faithfully perceive only what our senses provide us through our observations and experiments; yet, as human beings, we stand before this science—which is perfect in its own way—and ask ourselves: How do we, as sentient, whole human beings in this world, fit into it? Super-sensory knowledge provides us with the answer. And because it is true, exact knowledge, it then also leads human beings upward into moral feeling and religious feeling, uniting science, morality, and religion.

[ 58 ] Damit, meine sehr verehrten Anwesenden, ergibt sich gerade aus der notwendigen Anerkennung, aus der ungeheuchelten ehrlichen Anerkennung der heutigen Wissenschaft auf der anderen Seite die Anerkennung einer wirklichen übersinnlichen Erkenntnis. Und dasjenige, was wir in übersinnlicher Erkenntnis erringen, wir erringen es, meine sehr verehrten Anwesenden, für den Menschen. Der Mensch ist entsagungsvoll geworden in Bezug auf die äußere Wissenschaft, will objektiv sein, schließt seine Subjektivität aus. Die wird ihm wiedergegeben ebenso objektiv wie uns die äußere Natur in der Experimentierwissenschaft gegeben wird, in der wahren exakten übersinnlichen Erkenntnis. Damit aber wird unser Gemüt innerlich durchwärmt von dieser übersinnlichen Erkenntnis, wird unser Wille stark gemacht. Wir werden mit Wärme, mit Kraft durchdrungen für das Leben, indem wir Sicherheit haben müssen — wenn unser Schicksal nicht ein trauriges sein soll — für das Leben, indem wir kraftvoll arbeiten müssen, wenn wir rechte Mitglieder der menschlichen sozialen Ordnung sein wollen.

[ 58 ] Thus, my esteemed audience, it is precisely from the necessary recognition—from the sincere, unfeigned recognition of modern science—that the recognition of true supersensible knowledge arises. And what we attain through supersensible knowledge, we attain it, my esteemed audience, for the sake of humanity. Humanity has become self-denying with regard to external science; it seeks to be objective and excludes its subjectivity. This subjectivity is restored to it just as objectively as external nature is presented to us in experimental science—through true, exact supersensible knowledge. But through this, our soul is warmed from within by this supersensible knowledge, and our will is strengthened. We are imbued with warmth and strength for life, for we must have certainty—if our destiny is not to be a sad one—for life, and we must work vigorously if we wish to be true members of the human social order.

[ 59 ] Das ist die Bedeutung der wirklichen übersinnlichen Erkenntnis, dass sie nicht bloß eine theoretische Anschauung bleibt, dass sie unser Gemüt durchzieht, sodass wir uns vereinigt wissen durch sie mit der Welt und mit den anderen Menschen in jener Lebenswärme und Lebensliebe auch, die wir brauchen zum Leben, dass wir uns durchkraftet fühlen mit jener Energie, die uns hineinstellt in die Arbeit des Tages und in die Arbeiten, die mehr dauernde innerhalb unseres menschlichen Erdenlebens sind. Wirklich übersinnliche Erkenntnis durchträufelt unsere Menschheit mit Kräften der übersinnlichen Welt. Geradeso wie die Welt eine Schöpfung des Geistigen ist, so machen wir dadurch unsere eigenen Taten zum Geschöpf des Geistigen, indem wir das Geistige zuerst in unsere Menschheit hereinnehmen.

[ 59 ] This is the significance of true supersensible knowledge: that it does not remain merely a theoretical concept, but that it permeates our minds, so that through it we know ourselves to be united with the world and with other human beings in that warmth and love of life that we need to live, and that we feel empowered by that energy which sets us to the work of the day and to the more enduring tasks within our human life on earth. Truly supersensible knowledge imbues our humanity with forces from the supersensible world. Just as the world is a creation of the spiritual, so do we thereby make our own deeds creations of the spiritual by first taking the spiritual into our humanity.

[ 60 ] In keiner Weise tut die übersinnliche Erkenntnis, die hier gemeint ist, der wirklichen äußeren, der wahren äußeren Wissenschaft der Gegenwart Abbruch. Sie gesteht dieser Wissenschaft zu: Ja, du hast die rechten Wege gefunden, um das Außermenschliche zu erkennen. Du erkennst deine Grenzen. Man spricht ja oftmals von den Grenzen dieser Wissenschaft. Aber diese Grenzen sind eben nur diejenigen, die der Beobachtung in dem Experiment der Sinne gezogen sind. Das Denken, das wir gerade an dieser Beobachtung, an diesem Experiment in uns heranbilden, das Denken kann weiter ausgebildet werden. Dann gelangen wir dazu, unseren inneren Menschen, wie er im physischen Leben mit Blut durchzogen ist, zu durchdringen mit seelischen Kräften und Geisteskräften. Dann werden wir im wahren Sinne des Menschen durch übersinnliche Erkenntnis aus dem Geist heraus erst rechter Mensch.

[ 60 ] In no way does the supersensible knowledge referred to here detract from the real, external, true science of the present day. It acknowledges this science: Yes, you have found the right paths to recognize what lies beyond the human. You recognize your limits. People often speak of the limits of this science. But these limits are simply those imposed by observation in the experiment of the senses. The thinking that we are developing within ourselves precisely through this observation, through this experiment, can be further developed. Then we will be able to permeate our inner human being—just as it is permeated by blood in physical life—with soul forces and spiritual forces. Then, in the true sense of the word, we will become truly human through supersensible knowledge arising from the spirit.

[ 61 ] Solche Erkenntnis kann erforscht werden, ist man nur unbefangen genug dazu. Man braucht nicht selbst ein Geistesforscher zu werden — was ja jeder auch, die genannten Bücher zeigen das, bis zu einem gewissen Grade werden kann —, aber man braucht es nicht zu werden. So wie man nicht Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu erfühlen, so braucht man nicht Geistesforscher zu sein, sondern sich nur seinem unbefangenen, nicht durch irgendwelche Vorurteile, auch nicht durch Wissenschaft beirrten, unbefangenen Verstande hinzugeben, man wird dasjenige, was der Geistesforscher zu sagen hat, für das Leben fruchtbar machen können, wie auch derjenige, der kein Maler ist, ein Bild empfindend verstehen kann. Maler muss man sein, wenn man ein Bild malen will, Geistesforscher muss man sein, wenn man die Wahrheiten der übersinnlichen Welt darstellen will. Dagegen kann man das Bild empfindend verstehen, auch wenn man kein Maler ist. Verstehen kann man, was der Geistesforscher sagt, wenn man sich nur seinem von Vorurteilen unbeirrten gesunden Menschenverstand hingibt; man wird alles zusammenstimmend und mit dem ganzen Menschenleben übereinstimmend finden. Und die übersinnliche Erkenntnis kann aufgenommen werden, wie man Astrologie oder Biologie oder sonst etwas aufnimmt, auch wenn man nicht selbst Astrologe oder Biologe und so weiter ist. Die übersinnliche Erkenntnis wird zu der Erkenntnis des Übersinnlichen und äußeren Menschlichen nicht nur Erkenntnis des Übersinnlichen bringen, sondern auch seelische Wärme, geistige Kraft des Menschlichen.

[ 61 ] Such insight can be explored, provided one is open-minded enough to do so. One does not need to become a spiritual researcher oneself—which, as the books mentioned show, anyone can do to a certain extent—but one does not need to become one. Just as one need not be a painter to appreciate the beauty of a painting, so one need not be a spiritual researcher, but need only surrender to one’s open-minded intellect—unclouded by any prejudices, nor misled by science— one will be able to make what the spiritual researcher has to say fruitful for life, just as someone who is not a painter can intuitively understand a painting. One must be a painter if one wants to paint a picture; one must be a spiritual researcher if one wants to portray the truths of the supersensible world. On the other hand, one can intuitively understand the painting even if one is not a painter. One can understand what the spiritual researcher says if one simply surrenders to one’s sound common sense, unclouded by prejudice; one will find everything to be harmonious and in accord with the whole of human life. And supersensible knowledge can be received just as one receives astrology or biology or anything else, even if one is not oneself an astrologer or biologist, and so on. Supersensible knowledge will bring not only an understanding of the supersensible and the outer human realm, but also spiritual warmth and the spiritual power of the human being.

[ 62 ] Der Mensch wird sich zu dem von ihm so vollkommen Erkannten — die Vollkommenheit liegt allerdings nur in einem Ideal vor allem —, der Mensch wird nach der relativen Selbstständigkeit, mit der er das Außermenschliche erkannt hat, hinzufügen können zu dem Außermenschlichen die Anschauung des Menschen. Und bei aller Erkenntnis, bei allen Wesentlichen, es mag noch so sehr darauf ankommen, dass wir uns verstehend, erkennend umsehen in der Welt, zuletzt, wenn wir arbeiten, wenn wir wirken sollen, und darauf kommt es an, müssen wir doch rechte Menschen sein und rechte Menschen hineinstellen in eine Welt, die eine gewisse Vollkommenheit erlangt hat durch die Wissenschaft der Gegenwart. Rechte Menschen hineinzustellen, damit sie arbeiten durch diese Wissenschaft der Gegenwart, versucht die übersinnliche Erkenntnis, die dieses Namens würdig ist, indem sie aus dem Geistigen heraus den Menschen zum rechten Menschen durch das Leben selbst erzieht.

[ 62 ] Humanity will be able to add—to that which it has come to know so perfectly (though perfection exists, of course, primarily only as an ideal)—the perspective of humanity itself to the non-human realm, following the relative autonomy with which it has come to know the non-human. And despite all knowledge, despite all that is essential—no matter how crucial it may be that we look around the world with understanding and insight—ultimately, when we are to work and act—and this is what matters—we must still be true human beings and place true human beings within a world that has attained a certain perfection through contemporary science. To place true human beings within this world so that they may work through this contemporary science—this is what supersensible knowledge, worthy of the name, strives to achieve by educating human beings from the spiritual realm to become true human beings through life itself.