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Anthroposophical Spiritual Science
and the Big Questions of Contemporary Civilization
GA 80c

3 November 1922, The Hague

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The Big Questions of Contemporary Civilization, tr. SOL
  1. Die großen Zivilisationsfragen der Gegenwart

8. Die Erkenntnis des geistigen Wesens der Welt

8. Understanding the Spiritual Nature of the World

[ 1 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Am letzten Dienstag erlaubte ich mir, hier auseinanderzusetzen, wie es möglich ist, dass der Mensch über sein eigenes geistiges Wesen, über das ewig Dauernde, das über Geburt und Tod hinausliegt, eine Erkenntnis gewinnen könne. Heute möchte ich denselben Gegenstand von einer anderen Seite aus beleuchten und darlegen, wie es in der Tat möglich ist, Erkenntnisse über das geistige Wesen der Welt zu gewinnen.

[ 1 ] Ladies and gentlemen! Last Tuesday, I took the liberty of discussing here how it is possible for human beings to gain insight into their own spiritual nature—into that which is eternal and transcends birth and death. Today, I would like to examine the same subject from a different angle and explain how it is, in fact, possible to gain insight into the spiritual nature of the world.

[ 2 ] Diese Erkenntnisse sind auf dem Wege, auf dem heute anerkannt wissenschaftlich gesucht wird, nicht zu erlangen. Denn diese wissenschaftliche Untersuchungsmethode, die es in den letzten Jahrhunderten zu so großen Triumphen gebracht hat, zu Triumphen, die voll anerkannt werden von demjenigen Gesichtspunkt, der hier geltend gemacht wird, diese naturwissenschaftliche Weltanschauung baut ihre Erkenntnisse ja auf auf Beobachtung und Experimentieren, das heißt auf dasjenige zunächst, was der Mensch über die Welt durch seine Sinne erfahren kann. Allerdings, man versucht ja — und muss das tun — dasjenige, was die Sinne über die Welt offenbaren, gedanklich zu durchdringen. Man kommt dadurch zu Naturgesetzen, das heißt, in einem gewissen Sinne zu geistigen Inhalten, denn die Naturgesetze, die man in Gedanken feststellt, sind ja durchaus ein geistiger Inhalt. Allein die Gedanken, die man auf diese Weise über Beobachtung und Experiment hinaus gewinnt, haben keinen selbstständigen Inhalt, sondern sie liefern nur Bilder desjenigen, was die Sinne, entweder die unbewaffneten oder die bewaffneten Sinne, aus der Außenwelt erfahren. Das heißt, das Seelisch-Geistige im Menschen verbreitet sich über dasjenige, was auf dem Wege der Sinneswahrnehmung — oder auch der methodisch ausgebildeten Sinneswahrnehmung — für den Menschen zu erleben, zu erfahren ist.

[ 2 ] These insights cannot be attained through the methods of scientific inquiry that are recognized today. For this scientific method of inquiry, which has achieved such great triumphs in recent centuries—triumphs that are fully recognized from the perspective asserted here—this scientific worldview bases its insights on observation and experimentation, that is, initially on what human beings can experience about the world through their senses. Admittedly, one does attempt—and must do so—to penetrate intellectually what the senses reveal about the world. Through this, one arrives at laws of nature; that is, in a certain sense, at spiritual content, for the laws of nature that one establishes in thought are indeed thoroughly spiritual content. Yet the thoughts one gains in this way, beyond observation and experimentation, have no independent content; rather, they merely provide images of what the senses—whether the unarmed or the armed senses—perceive from the external world. This means that the soul-spiritual aspect of the human being extends beyond what can be experienced or perceived by a person through sensory perception—or even through methodically trained sensory perception.

[ 3 ] Alles dasjenige, was in dieser Weise von dem Menschen erfahren wird, ist Wirkung der Außenwelt auf seine Leibesorganisation, auf seinen körperlichen Organismus. Und dasjenige, was der Mensch in seiner Seele miterlebt, ist dabei nichts anderes als eben das Miterleben der sinnlich-physischen Welt.

[ 3 ] Everything that a person experiences in this way is the effect of the external world on his physical constitution, on his bodily organism. And what a person experiences in his soul is nothing other than the very experience of the sensory-physical world.

[ 4 ] Der Mensch kann nicht stehen bleiben bei diesem bloßen Miterleben der sinnlich-physischen Welt, denn innerhalb dieser physisch-sinnlichen Welt hat vor allen Dingen keinen Platz dasjenige, was als ein unauslöschlicher Impuls in der menschlichen Seele lebt, hat vor allen Dingen keinen Platz das religiös-moralische innerliche Erleben. Und die neuere naturwissenschaftliche Weltanschauung gelangt ja gerade dadurch zu ihrer Vollkommenheit, dass sie die Dinge und Vorgänge der Welt so betrachtet, dass sie nichts vom Menschen als Moralisches oder Religiöses in die Weltbetrachtung, in die Weltgesetzlichkeit hineinmischt So steht der Mensch vor einer Welt, der er Realität, Dasein zuschreibt, die aber gerade das Wertvollste nicht enthält, wie ich schon neulich sagte, durch das sich der Mensch eigentlich seine Würde, seinen wahren Wert in dieser Welt zuschreibt: das moralische, das religiöse Wesen. Deshalb hat man zu allen Zeiten versucht, über die bloße Sinneserfahrung, über das bloße Erleben im Physischen hinaufzudringen zu einer Erkenntnis des geistigen Wesens der Welt.

[ 4 ] Human beings cannot remain content with merely experiencing the sensory-physical world, for within this physical-sensory world there is, above all, no place for that which lives as an indelible impulse in the human soul; above all, there is no place for the inner religious and moral experience. And the modern scientific worldview attains its perfection precisely by viewing the things and processes of the world in such a way that it does not introduce anything moral or religious from human beings into its view of the world or into the laws of nature. Thus, human beings stand before a world to which they ascribe reality, existence, but which lacks precisely that which is most valuable—as I said recently—through which human beings actually attribute their dignity and their true value in this world to themselves: the moral and religious essence. That is why, throughout the ages, people have sought to rise above mere sensory experience and mere physical experience to attain an understanding of the spiritual essence of the world.

[ 5 ] Nur gerade diejenigen Jahrhunderte, in denen wir noch leben und die groß geworden sind in Bezug auf ihre Zivilisation durch das strenge naturwissenschaftliche Denken, die haben entweder ganz abgeleugnet die Möglichkeit einer übersinnlichen, einer geistigen Erkenntnis, oder sie haben wenigstens herbe Zweifel über die Möglichkeit einer solchen Erkenntnis ausgesprochen. Heute stehen wir allerdings an dem Punkt, ich habe auch das schon angedeutet das letzte Mal, wo der Mensch gerade wegen der Sicherheit, die ihm Naturerkenntnis gibt, auf der anderen Seite eine ebensolche Sicherheit suchen muss in Bezug auf die Erkenntnis des geistigen Lebens, jenes Lebens, das außer dem Natürlich-Physischen auch das moralische Geschehen und die religiöse Verbindung des Menschen mit dem Übersinnlichen enthalten kann.

[ 5 ] It is precisely those centuries in which we still live—centuries that have achieved great civilizational progress through rigorous scientific thinking—that have either completely denied the possibility of supernatural or spiritual knowledge, or have at least expressed serious doubts about the possibility of such knowledge. Today, however—as I already hinted at last time—we have reached a point where human beings, precisely because of the certainty that knowledge of nature provides them, must seek an equal degree of certainty regarding the knowledge of spiritual life—that life which, in addition to the natural and physical, can also encompass moral events and humanity’s religious connection to the supersensible.

[ 6 ] Wenn wir aber denjenigen Weg in die übersinnlichen Welten hinein zur Erkenntnis des geistigen Wesens der Welt uns heute Abend veranschaulichen wollen, meine sehr verehrten Anwesenden, wird es auch wieder gut sein, einen ähnlichen Weg zu gehen, wie ich ihn das letzte Mal am Dienstag eingeschlagen habe behufs Auseinandersetzung der Erkenntnis des geistigen Wesens des Menschen. Ich habe darauf hingewiesen, wie in älteren Zeiten der Menschheitsentwicklung ein solcher Weg in die geistige Erkenntnis des Menschen hinein gesucht worden ist, um daran dann anschaulich zu machen, wie jener ältere Weg ein mehr materieller war, und wie wir heute von unserer naturwissenschaftlichen Grundlage aus einen mehr geistigen Weg zur Erkenntnis suchen müssen. Deshalb werde ich auch heute zunächst hinweisen darauf, wie in älteren Zeiten der Menschheitszivilisation derjenige gesucht hat, der aus der Betrachtung der physisch-sinnlichen Welt hinaufsteigen wollte zu einer Erkenntnis des geistigen Wesens der Welt. Ich möchte auch darüber nicht missverstanden werden. Ich werde jenen älteren Weg nicht anempfehlen. Er kann heute nicht mehr gegangen werden. Aber um denjenigen zu erläutern, der heute gegangen werden soll, können wir anknüpfen an den mehr äußerlich anschaulichen, älteren Weg.

[ 6 ] But if we wish to illustrate that path into the supersensible worlds toward an understanding of the spiritual nature of the world this evening, my esteemed audience, it will again be appropriate to follow a path similar to the one I took last Tuesday in order to explore the understanding of the spiritual nature of the human being. I pointed out how, in earlier periods of human development, such a path toward spiritual knowledge of the human being was sought, in order to then illustrate how that earlier path was a more material one, and how today, based on our scientific foundation, we must seek a more spiritual path to knowledge. That is why I will begin today by pointing out how, in earlier periods of human civilization, those who sought to ascend from the observation of the physical-sensory world to an understanding of the spiritual nature of the world went about it. I do not wish to be misunderstood on this point. I am not recommending that older path. It can no longer be followed today. But in order to explain the path that should be followed today, we can build upon the older path, which is more outwardly vivid.

[ 7 ] Dieser ältere Weg, der uns wiederum in orientalische Geistesbetrachtung, in menschliche Urzeiten zurückführt, dieser Weg setzte voraus, dass derjenige, der ihn ging, sich wandte an einen, der ihn bereits gegangen war, an einen Lehrer, an einen Lehrer der geistigen Erkenntnis. Einen solchen Guru, einen Lehrer der geistigen Erkenntnis, musste man sich in alten orientalischen Zeiten suchen, wenn man zum geistigen Wesen der Welt erkennend hinaufsteigen wollte. Sie können allerdings fragen — meine sehr verehrten Anwesenden —, woher die ersten Lehrer des Geistigen für die Menschheit nach der Anschauung jener älteren Zeiten denn gekommen sind.

[ 7 ] This ancient path, which in turn leads us back to Eastern spiritual contemplation and to the dawn of human history, required that those who walked it turn to someone who had already walked it—to a teacher, a teacher of spiritual insight. In ancient Eastern times, one had to seek out such a guru—a teacher of spiritual knowledge—if one wished to ascend, through understanding, to the spiritual essence of the world. You may well ask, however—my esteemed audience—where the first teachers of the spiritual came from for humanity, according to the view of those earlier times.

[ 8 ] Zunächst stellen wir uns vor Augen die Ansicht, welche in jenen älteren Zeiten über die urältesten Lehrer der Menschheit vorhanden war. Diese Menschen glaubten, dass die allerersten Lehrer ihre Anschauung erhalten haben direkt von göttlichen Lehrern, mit denen sie in einem übersinnlichen Verkehr gestanden haben im Urbeginn der Erdenzeit. Ich kann nur auf diesen Glauben älterer Zeiten hier hinweisen, denn die Auseinandersetzung der Frage würde heute vom Thema weit abführen. Ich habe nur aufmerksam darauf zu machen, dass diese Frage ja in dieselben Gebiete hineinführt wie zum Beispiel diese über den Ursprung der menschlichen Sprache oder den Ursprung des menschlichen Denkens. Ältere Zeiten haben eben selbst für die Erteilung der Lehre des Übersinnlichen an die Menschen schon zu einem Übersinnlichen ihre Zuflucht genommen, wie sie den Ursprung der Sprache darinnen gesucht haben, dass gewissermaßen göttliche Einflüsse selbst sich auf die Menschen und die Menschheit geltend gemacht haben, und der Mensch so gewissermaßen aus dem Übersinnlichen heraus direkt die Sprache [übernommen] hat. So auch dachte man sich, dass die ersten Lehrer, die ersten Gurus ihre Erkenntnisse durch einen übersinnlichen Verkehr mit ersten großen Lehrern der Menschheit erhalten haben. Aber die Späteren wussten, dass sie nur zu einer wirklichen Anschauung des Geistigen, zu einer Erkenntnis des Geistigen in der Welt kommen könnten, wenn sie sich an einen solchen Lehrer wandten.

[ 8 ] First, let us consider the view that prevailed in those ancient times regarding the very earliest teachers of humanity. These people believed that the very first teachers received their teachings directly from divine teachers with whom they had been in supernatural communication at the very beginning of Earth’s history. I can only refer here to this belief of earlier times, for a discussion of the question would lead us far astray from the topic at hand. I merely wish to point out that this question leads into the same realms as, for example, those concerning the origin of human language or the origin of human thought. In earlier times, people even resorted to the supersensible realm itself when imparting the teachings of the supersensible to humanity, just as they sought the origin of language in the idea that, so to speak, divine influences themselves made their presence felt upon individuals and humanity as a whole, and that human beings thus, so to speak, [acquired] language directly from the supersensible realm. Similarly, it was believed that the first teachers, the first gurus, received their insights through a supernatural communion with the first great teachers of humanity. But those who came later knew that they could only attain a true perception of the spiritual, a knowledge of the spiritual in the world, if they turned to such a teacher.

[ 9 ] Was tat nun ein solcher Lehrer? Die Voraussetzung, dass er überhaupt mit seinem Schüler etwas anfangen konnte, war, dass durch die ganze Zivilisation jene ältere Lehre der Menschheit von den Schülern mit einem schier unbedingten Vertrauen in sie gesucht wurde, mit einem Vertrauen, von dem sich die heutige Menschheit, die in dieser Beziehung anders fühlt und denkt, eigentlich keine Vorstellung zunächst mehr machen kann. Der Glanz, welcher solche Persönlichkeiten umgab, rührte ja davon her, dass man der Meinung war, dass sie in ihren Pflegestätten, die zu gleicher Zeit religiöse Stätten waren, künstlerische Stätten waren und wissenschaftliche Stätten waren — denn Religion, Kunst und Wissenschaft waren in jenen Zeiten eine Einheit —, dass sie in jenen Stätten, in den Mysterienstätten, wie man sie heute nennt, einen unmittelbaren Verkehr mit dem Übersinnlichen pflegen. Man sah zu ihnen hinauf so, dass man nicht etwa bloß voraussetzte, man könne von ihnen irgendetwas Theoretisches erfahren, man könne von ihnen etwas erfahren, was sie selbst erkundet haben durch irgendein natürliches Experiment und dergleichen, sondern man setzte voraus, dass das Wort, das sie sprachen, die Zeichen, die sie gaben, dass dasjenige, was sie vor den Schülern verrichteten, unmittelbar die äußere Offenbarungsweise des hinter diesen Lehrern stehenden Göttlichen sei.

[ 9 ] What, then, did such a teacher do? The prerequisite for him to be able to make any headway with his students at all was that, throughout civilization, students sought out that ancient teaching of humanity with an almost unconditional trust in it—a trust that today’s humanity, which feels and thinks differently in this regard, can actually no longer even begin to imagine. The radiance that surrounded such personalities stemmed from the belief that, in their places of instruction—which were at the same time religious, artistic, and scientific sites—for religion, art, and science were one and the same in those days—that in those places, in the mystery temples, as they are called today, they maintained a direct connection with the supersensible. People looked up to them in such a way that they did not merely assume they could learn something theoretical from them, or that one could learn from them something they themselves had discovered through some natural experiment or the like, but rather one assumed that the words they spoke, the signs they gave, and what they performed before their students were the direct outward manifestation of the Divine standing behind these teachers.

[ 10 ] Dadurch kam man diesen Lehrern nicht einseitig mit dem Verstande, nicht einseitig mit der Kopfbildung, dadurch kam man diesen Lehrern mit dem ganzen Menschen entgegen. Man fühlte sich erleuchtet in seinem Intellekt, nicht nur verstandesmäßig theoretisch; man fühlte aber alles dasjenige, was man so intellektuell als Erleuchtung bekam, warm durchdrungen von einem gefühlsmäßigen Element, und man fühlte es durchdrungen von der Kraft eines Wollens, das ausging von den Tiefen der Weltendinge selbst und das sich in den Willen der Menschen ergoss. Man gab seinen ganzen Menschen hin, indem man sich an die Führer solcher Mysterienstätten wandte.

[ 10 ] In this way, one did not approach these teachers one-sidedly with the intellect, not one-sidedly with intellectual training; rather, one approached them with one’s whole being. One felt enlightened in one’s intellect, not merely in a theoretical, rational sense; but one felt that everything one received intellectually as enlightenment was warmly permeated by an emotional element, and one felt it permeated by the power of a will that sprang from the depths of the world itself and poured into the will of human beings. One surrendered one’s whole being by turning to the leaders of such mystery sites.

[ 11 ] Und der Unterricht war auch nicht etwa in dem Sinne theoretisch gehalten, wie wir heute einen Unterricht verstehen, sondern er war verknüpft mit empfindungsgemäßer Vertiefung in alle Einzelheiten, er war verknüpft damit, dass der Schüler an dem Lehrer sah, wie dieser Lehrer sich bewusst war, dass er gewissermaßen mit jedem Worte, mit jeder Handbewegung, mit alledem, was er nun an geistdurchdrungenen Experimenten vor dem Schüler entwickelte, wie er mit alledem dem göttlichen Geistwillen selbst ins irdische Leben Einkehr gab.

[ 11 ] And the lessons were not taught in a theoretical sense, as we understand lessons today, but were linked to an intuitive immersion in every detail, it was linked to the fact that the student could see in the teacher how that teacher was aware that, in a sense, with every word, with every hand gesture, with everything he was now developing before the student in the form of spirit-imbued experiments—how, with all of this, he was bringing the divine Spirit-Will itself into earthly life.

[ 12 ] Was wurde dadurch erreicht? Dadurch wurde erreicht, dass das geistig-seelische Wesen des Schülers tatsächlich sich vom physischen und auch von dem feineren, von dem ätherischen Organismus, der in dem physischen Organismus ein flüchtiges Dasein führt, trennen konnte. Und der Schüler wurde eines gewahr. Bevor er eine solche Unterweisung erhielt, konnte er sich sagen: Vielleicht hört mein gesamtes Seelenleben auf, wenn ich abends einschlafe, vielleicht bin ich dann nur ein physischer Leib, der andere Verrichtungen vollführt als im wachen Zustande, und vielleicht, wenn sich dieser physische Organismus eine Zeit lang im Schlafe hingegeben hat den rein organischen Tätigkeiten, dann kann er wiederum aus sich selber heraus, wie die Kerze, wenn sie angezündet wird, die Flamme entwickeln kann, dann kann er wiederum aus sich heraus das bewusste geistig-seelische Leben entwickeln.

[ 12 ] What was achieved by this? What was achieved was that the student’s spiritual-soul being was actually able to separate itself from the physical organism and also from the finer, etheric organism, which leads a fleeting existence within the physical organism. And the student became aware of something. Before receiving such instruction, he might have thought to himself: Perhaps my entire soul life comes to an end when I fall asleep at night, perhaps I am then merely a physical body performing different functions than in the waking state, and perhaps, once this physical organism has devoted itself for a time to purely organic activities during sleep, it can once again, of its own accord—just as a candle can produce a flame when lit—develop conscious spiritual-soul life from within itself.

[ 13 ] Der Schüler konnte sich vor seiner Unterweisung sagen: Vielleicht ist das ein bloßer Schein, der da aufleuchtet aus den physischen Funktionen der Körperlichkeit, was sich vom Aufwachen bis zum Einschlafen als geistig-seelisches Leben für mich selber abspielt. Durch die Unterweisung beim Guru kam er dazu, dieses sich nicht mehr sagen zu können, sondern er wurde gewahr, dass er in der Tat des Abends, wenn er einschlief, mit seinem geistig-seelischen Wesen als mit einer leib-, mit einer körperfreien Realität herausging, heraustrat aus seinem physischen Organismus und auch aus dem feineren Organismus, dem ätherischen Organismus, dass er ebenso, wie er mit seinem physischen Organismus unter physischen Dingen und physischen Vorgängen beim Tagwachen ist, dass er vom Einschlafen bis zum Aufwachen in einem rein seelisch-geistigen Organismus lebt, der außerhalb des physischen Leibes ist, aber der des Morgens beim Aufwachen wiederum in diesen physischen Organismus untertaucht. Nur sagte er sich durch jene Unterweisung, die er als Schüler bekam: Ja, aber wenn ich im gewöhnlichen Leben einschlafe, dann ist dasjenige, was da als geistig-seelische Wesenheit nun neben dem physischen Organismus, der in der physisch-sinnlichen Welt zurückbleibt, sich nun in der geistig-seelischen Welt findet und betätigt, der ist so schwach innerlich, dass er zu keinem Bewusstsein kommen kann über dasjenige, was er in der geistig-seelischen Welt erlebt. Aber durch die Kraft, die ausging vom Guru, wurde dasjenige, was in der Nacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen in bewusstlosem Zustande außer dem Leibe war, in eine andere Art von Dasein außer dem Leibe versetzt. Und in diesem anderen Dasein, das zunächst nur unter dem Einflusse des Gurus stattfinden konnte und zu dem dann der Schüler selber mächtig wurde, in diesem andersartigen Dasein, das nun kein Schlaf war, das nur dadurch dem Schlafe ähnlich war, dass das Geistig-Seelische außerhalb dem Leibe war, das aber dadurch entgegengesetzt dem Schlafe war, [geschah es], dass jetzt innerhalb dieses Geistig-Seelischen eine solche Kraft erwachte auf geistig-seelische Art, wie man sie sonst nur durch sein Blut, durch seine Nerven beim Wachen im physischen Leibe hat. Dadurch, dass eine solche Kraft erwachte, dadurch belebte sich ohne den physischen Leib und seine Hilfe das Geistig-Seelische in einem dem Schlaf entgegengesetzten und doch wiederum so ähnlichen Zustande, weil der Mensch außerhalb seines Leibes war. Es belebte sich dieses Geistig-Seelische innerlich. Und so, wie der physische Organismus dem Menschen beim Wachen die Sinneseindrücke gibt, so gaben jetzt dem Schüler des Gurus dieser innerlich erwachte, dieser innerlich erkraftete geistig-seelische Organismus, der gab ihm die Eindrücke einer geistig-seelischen Außenwelt.

[ 13 ] Before receiving his instruction, the student might have told himself: Perhaps what unfolds for me as a spiritual-soul life—from the moment I wake up until I fall asleep—is merely an illusion arising from the physical functions of the body. Through the instruction from the Guru, he came to a point where he could no longer say this to himself; rather, he became aware that in fact, in the evening when he fell asleep, he stepped out of his physical organism—and also out of the finer organism—with his spiritual-soul being as a bodily and non-bodily reality, the etheric organism—that just as he is present with his physical organism among physical things and physical processes while awake during the day, so too, from the moment he falls asleep until he wakes up, he lives in a purely spiritual-soul organism that exists outside the physical body, but which, upon waking in the morning, submerges once again into this physical organism. But through the instruction he received as a student, he told himself: Yes, but when I fall asleep in ordinary life, that which—as a spiritual-soul entity—now finds itself in the spiritual-soul world alongside the physical organism that remains in the physical-sensory world, and is active there, is so weak inwardly that it cannot become conscious of what it experiences in the spiritual-soul world. But through the power emanating from the guru, that which was outside the body in an unconscious state from the moment of falling asleep until waking up was transferred into a different kind of out-of-body existence. And in this other state of existence—which at first could take place only under the influence of the Guru and which the student later came to master on his own—in this different kind of existence, which was now no longer sleep, which was similar to sleep only in that the spiritual-soul aspect was outside the body, but which was, in this respect, the opposite of sleep, [it happened] that within this spiritual-soul aspect a force now awoke in a spiritual-soul manner, such as one otherwise experiences only through one’s blood and nerves while awake in the physical body. Because such a force awoke, the spiritual-soul aspect came to life—without the physical body and its aid—in a state that was the opposite of sleep and yet, at the same time, so similar to it, because the person was outside his body. This spiritual-soul aspect came to life from within. And just as the physical organism provides a person with sensory impressions while awake, so now this inwardly awakened, this inwardly empowered spiritual-soul organism provided the guru’s disciple with impressions of a spiritual-soul outer world.

[ 14 ] Man kann daher sagen: Der Guru brachte es dazu, dass nicht nur auf jene natürliche Art, wie das bei jedem Einschlafen geschieht, das Geistig-Seelische außerhalb des physischen Leibes des Menschen beim Schüler ging, sondern der Guru brachte es durch seine lehrenden, aber vor allen Dingen durch jene aus dem Vertrauen, aus dem Tatvertrauen heraus getragenen Einflüsse dahin, dass in vollwachem Zustande das Geistig-Seelische aus dem Leibe austreten konnte, dadurch innerlich erkraftet war, mit Wachen durchsetzt war und wachend dasjenige erlebte, dass diese ganze Außenwelt, die wir sonst nur durch unsere Sinne wahrnehmen — und die uns nur eine sinnliche Physiognomie zeigt und eine Gesetzmäßigkeit, welche die Einzelheiten der sinnlichen Physiognomie zusammenfasst —, dass diese ganze Umwelt nun als eine geistige ihm erschien. Wie gesagt, die Voraussetzung dazu war nicht nur eine theoretische, nicht nur ein Schülerverhältnis zum Guru, sondern ein moralisches Verhältnis, wie ich es geschildert habe. Der Guru war geradezu eine moralisch geheiligte Persönlichkeit. Und der Schüler eines solchen Gurus hatte nicht nur ein religiöses Verhältnis zu den geheimnisvoll-übersinnlichen Mächten der Welt, sondern er hatte vor allen Dingen in seinem Guru den Vermittler zu den göttlich-geistigen Wesenheiten, er hatte zu dem Guru selber ein religiöses Verhältnis. Dadurch gelangte der ältere Mensch — nicht in einer theoretischen Weise, sondern durch eine Entwicklung seines ganzen Menschen — dazu, hineinzuschauen in das geistige Wesen der Welt.

[ 14 ] One can therefore say: The Guru brought about a situation in which the student’s spiritual-soul aspect did not merely leave the physical body in the natural way that occurs whenever one falls asleep, but rather, through his teachings—and above all through those influences born of trust, of trust in action—the Guru brought it to the point where, in a fully waking state, the spiritual-soul aspect could leave the body, thereby becoming inwardly strengthened, permeated with wakefulness, and experiencing while awake that this entire external world—which we otherwise perceive only through our senses, and which reveals to us only a sensory appearance and a law that summarizes the details of that sensory appearance—now appeared to him as a spiritual reality. As I said, the prerequisite for this was not merely a theoretical relationship, not merely a disciple-guru relationship, but a moral relationship, as I have described it. The guru was, in fact, a morally sanctified personality. And the disciple of such a guru not only had a religious relationship to the mysterious, supersensory powers of the world, but above all saw in his guru the mediator to the divine-spiritual beings; he had a religious relationship to the guru himself. Through this, the older person—not in a theoretical way, but through the development of his or her entire being—came to glimpse the spiritual essence of the world.

[ 15 ] Sie sehen aber, meine sehr verehrten Anwesenden, welches die Voraussetzung ist dazu, hineinzuschauen in das geistige Wesen der Welt. Es ist diese Voraussetzung da, dass wir mit unserer geistig-seelischen Organisation aus unserem physischen Organismus heraustreten können und uns wissentlich außerhalb unseres Leibes im Dasein entfalten können.

[ 15 ] But you see, ladies and gentlemen, what the prerequisite is for gaining insight into the spiritual essence of the world. This prerequisite is that we can step out of our physical organism with our spiritual-soul organization and consciously unfold our existence outside of our body.

[ 16 ] Die Art und Weise, wie das der ältere Schüler in Zeiten orientalischer Zivilisation tat, brachte ihn allerdings in ein Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Lehrer, zu seinem Guru, das heute den Menschen ein unerträgliches wäre. Aber alles dasjenige eigentlich, meine sehr verehrten Anwesenden, was heute traditionell vorhanden ist an religiösen Vorstellungen, sogar was vorhanden ist an moralischen Impulsen, das ist ja nicht entsprungen aus demjenigen, was die Naturwissenschaft der letzten Jahrhunderte die Menschen gelehrt hat, sondern das ist traditionell erhalten aus solchen älteren Zeiten, in denen man auf die geschilderte Art ein Verhältnis zur geistigen Wesenheit der Welt gewinnen wollte.

[ 16 ] The way in which the older student did this in the era of Eastern civilization, however, placed him in a relationship of dependence on his teacher, his guru—a relationship that would be unbearable for people today. But all of that—in fact, my esteemed audience—which exists today in the form of traditional religious concepts, and even the moral impulses that exist, did not arise from what the natural sciences of the past centuries have taught people; rather, it has been preserved through tradition from those earlier times when people sought to establish a relationship with the spiritual essence of the world in the manner described.

[ 17 ] Dann kamen andere Zeiten in der Menschheitsentwicklung. Diese anderen Zeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass jene Möglichkeit, dass ein Mensch auf den anderen so wirkt, wie der alte Guru auf seine Schüler gewirkt hat, dass jene Möglichkeit aufhörte. Hätte diese Möglichkeit weiter bestanden, in die Menschheitszivilisation wäre niemals hineingekommen dasjenige, wodurch wir heute gerade des Menschen Würde und Wert gegeben finden innerhalb des irdischen Daseins, in die Menschheit wäre niemals hineingekommen das volle IchBewusstsein und das Bewusstsein von der menschlichen Freiheit.

[ 17 ] Then came a different era in human development. This era is characterized by the fact that the possibility for one person to influence another in the same way that the ancient guru influenced his disciples—that possibility ceased to exist. Had this possibility continued to exist, that which today gives human dignity and value within earthly existence would never have entered human civilization; full self-awareness and the awareness of human freedom would never have entered humanity.

[ 18 ] Dieses Ich-Bewusstsein war in jener älteren Zeit, in der derjenige, der auf jene Art ein Gelehrter werden wollte — wenn wir das heutige Wort gebrauchen dürfen —, dieses Ich-Bewusstsein war in jener älteren Zeit nicht vorhanden. Der Mensch fühlte sich gegenüber der äußeren Natur in einer unbestimmten Abhängigkeit. Gegenüber demjenigen, was ihm von der äußeren Natur kam, empfand er keine Freiheit. Aber in dem Aufschwung zu einer geistigen Welt empfand er erst recht keine Freiheit. Er war in erster Linie abhängig in Bezug auf die Methode seiner Entwicklung von dem Guru. Und indem er sich durch den Guru hat in intensivster Weise anregen lassen zum leibfreien Erleben seines Geistig-Seelischen, fühlte er sich dann erst recht abhängig von jenen geistigen Welten, in die er erkennend eingetreten war. Er fühlte sich sozusagen hier auf diese Weise als ein Werkzeug der göttlich-geistigen Mächte. Er fühlte sich abhängig in jedem einzelnen Willensimpuls, in jedem einzelnen Gedanken, in jeder einzelnen Gefühlsnuance, von den göttlich-geistigen Strömen, die aus den erkannten Geistwelten in seinen eigenen Organismus hereinpulsten.

[ 18 ] This sense of self did not exist in those earlier times, when anyone who wished to become a scholar in that sense—if we may use today’s term—this sense of self did not exist in those earlier times. Human beings felt an indefinite dependence on the external natural world. They felt no freedom in relation to what came to them from the external natural world. But in the ascent toward a spiritual world, they felt even less freedom. They were, first and foremost, dependent on the guru with regard to the method of their development. And as they allowed themselves to be inspired in the most intense way by the guru to experience their spiritual and soul life independently of the body, they felt all the more dependent on those spiritual worlds into which they had entered through knowledge. He felt, so to speak, as an instrument of the divine-spiritual powers in this way. He felt dependent—in every single impulse of will, in every single thought, in every single nuance of feeling—on the divine-spiritual currents that pulsed into his own organism from the spiritual worlds he had come to know.

[ 19 ] Gerade dadurch hat die Menschheit das Ich-Bewusstsein und das Freiheitsbewusstsein erringen können, dass jene alten Verhältnisse aufhörten, dass der Mensch wirklich den höchsten Wert eine Zeit lang darauf gelegt hat, nur auf dasjenige zu bauen, was ihm an Erkenntnissen wird durch Vermittlung seines Leibes, seines Körpers. Dasjenige aber, was uns durch Vermittlung des Leibes, des Körpers wird, das gibt uns nur für die Erkenntnisse Gedankenbilder, Gedankenbilder, die zunächst für die äußere Welt bloß abbilden dasjenige, was sich in der Natur uns offenbart.

[ 19 ] It is precisely because those old conditions came to an end—because human beings, for a time, truly placed the highest value on relying solely on the knowledge gained through the mediation of their body—that humanity was able to attain self-awareness and a sense of freedom. But what comes to us through the body provides us, for the purposes of knowledge, only with mental images—mental images that, at first, merely reflect in the external world what is revealed to us in nature.

[ 20 ] Nun habe ich bereits im Beginn der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts in meiner «Philosophie der Freiheit» gezeigt, wie derjenige Mensch, der nun ganz durchdrungen ist von der naturwissenschaftlichen Gesinnung der Gegenwart, wie der Mensch sich zur moralischen Welt verhalten kann. Man kommt nämlich allmählich wirklich darauf, dass diese Naturwissenschaft noch mehr, als sie das bereits getan hat, alles Denken nur darauf verwenden kann, die äußeren Erscheinungen nur gedanklich zu durchdringen, zu ordnen, und so zu Gesetzen zu kommen, die ja in Gedanken gefasst werden. Man kommt dazu, sich zu sagen: Diese Naturanschauung kann durch sich selbst nicht ein Übersinnliches gewinnen; alles dasjenige, was sie gewinnen kann als inneres Seelenerlebnis, ist Bild einer sinnlichen Außenwelt und muss es bleiben.

[ 20 ] Now, as early as the beginning of the 1890s, in my *Philosophy of Freedom*, I demonstrated how a person who is now thoroughly imbued with the scientific mindset of the present day might relate to the moral world. One gradually comes to realize that this natural science, even more than it has already done, can devote all its thinking solely to mentally penetrating and organizing external phenomena, and thus arriving at laws that are, after all, grasped in thought. One comes to say to oneself: This view of nature cannot, by itself, attain anything supernatural; everything it can attain as an inner experience of the soul is an image of the sensory external world and must remain so.

[ 21 ] Also gerade dann, wenn wir das Denken zu jener Vollkommenheit bringen, zu der es das naturwissenschaftliche Zeitalter gebracht hat, gerade wenn wir mit unserer naturwissenschaftlichen Gesinnung nicht dilettantisch, nicht laienhaft, sondern aus inneren Zusammenhängen in den strengen, exakten Methoden der neueren Forschung drinnenstehen, dann kommen wir allmählich zu einem inneren Erleben des Denkens, das dennoch nun frei ist von allem Physisch-Leiblichen.

[ 21 ] Precisely when we bring thinking to the level of perfection to which the age of natural science has raised it—precisely when, with our scientific mindset, we engage not as amateurs, nor in an amateurish way, but are deeply immersed in the strict, exact methods of modern research through an understanding of inner connections—it is precisely then that we gradually arrive at an inner experience of thinking that is nevertheless now free from all that is physical and corporeal.

[ 22 ] Das ist im Allgemeinen für die neuere Menschheit etwas schwierig zu begreifen. Allein gerade derjenige, der sich recht vertieft hat in die moderne Naturwissenschaft, der findet zuletzt in dem Gedankenleben etwas, was nicht durch seinen Leib vermittelt wird. Und dieses Gedankenleben habe ich das reine Gedankenleben und seine Betätigung das reine Denken genannt in meiner «Philosophie der Freiheit», wie sie im Beginne der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts geschrieben wurde, und habe zu zeigen versucht, wie nun gerade dann, wenn der Mensch in einem Denken, das rein geworden ist von allen inneren Instinkten, von aller inneren Willkür, von aller inneren Phantasie, wenn er durch naturwissenschaftliche Schulung im reinen Denken eine Natur erfasst, die amoralisch ist, die nichts mehr Moralisches in sich schließt, eine Natur erfasst, zu der er kein Verhältnis, kein religiöses Verhältnis gewinnen kann, wenn er sich recht stark macht in Bezug auf dieses Denken über die Natur, dann dringt tief aus seinem Inneren gerade in dieses naturwissenschaftlich gewordene reine Denken dasjenige ein, was nun die individuellen, die persönlichen Moral-Impulse des einzelnen Menschen sind. Wir brauchen nämlich nur in die Natur unbefangen hineinzuschauen, dann aber nicht bei diesem Hineinschauen stehen bleiben, sondern nun zurückschauen auf unsere eigene Persönlichkeit, dann werden wir finden, dass, je echter wir naturwissenschaftlich denken und dieses naturwissenschaftliche Denken erleben, desto gewaltiger dringt dasjenige, was ich dazumal die moralische Intuition genannt habe, in unser reines Denken hinein. Und wir stehen dann vor der Welt, indem wir uns sagen: Gewiss, die Natur ist für uns entgöttert worden, ist amoralisch geworden; aber wir Menschen als Denker über die Natur, wir fühlen — wie wir sonst das Blut in unseren physischen Kopf hineinvernehmen, damit wir ein physisches Werkzeug des Denkens haben —, so fühlen wir gerade unser reinstes naturwissenschaftliches Denken zuletzt durchpulst aus unserem eigenen Inneren von den moralischen Intuitionen.

[ 22 ] This is generally somewhat difficult for modern humanity to grasp. Yet it is precisely those who have truly immersed themselves in modern natural science who ultimately find in their life of thought something that is not mediated through their body. And I have called this life of thought “pure life of thought” and its activity “pure thinking” in my *Philosophy of Freedom*, as it was written in the early 1890s, and I attempted to show how, precisely when a person, through scientific training, engages in pure thinking—free from all inner instincts, all inner arbitrariness, and all inner fantasy—and grasps a nature that is amoral, that no longer contains anything moral within itself, a nature to which he can have no relationship, nor a religious relationship—and when he becomes deeply immersed in this scientific, pure thinking about nature—then what penetrates deeply from within him into this very scientific, pure thinking are precisely the individual, personal moral impulses of the single human being. For we need only look into nature with an open mind—but not stop at this act of looking, rather look back at our own personality—and we will find that the more genuinely we think scientifically and experience this scientific thinking, the more powerfully that which I once called moral intuition penetrates our pure thinking. And we then stand before the world, saying to ourselves: Certainly, nature has been de-divinized for us, has become amoral; but we humans, as thinkers about nature, we feel—just as we otherwise sense the blood flowing into our physical head so that we have a physical instrument for thinking—we feel our purest scientific thinking ultimately pulsing from within us with moral intuitions.

[ 23 ] Wer das einmal gefühlt hat, wer das einmal erlebt hat, meine sehr verehrten Anwesenden, der weiß durch dieses Erlebnis, dass es ein Geistiges gibt, ein rein Geistiges, ein leibfreies Geistiges gibt. Und in diesem leibfreien Geistigen, gerade in der Kraft jenes Denkens, das uns das Galilei’sche, das kopernikanische, das Goethe’sche, das darwinistische Zeitalter heraufgebracht hat, gerade durch jenes Denken, durch das wir die Natur auf ganz natürliche Weise begreifen, gewinnen wir eine innerliche Kraft, die uns modernen Menschen es möglich macht, nicht in der alten Weise einen Guru aufzusuchen und dennoch einzudringen in das geistige Wesen der Welt, der wir angehören. Denn dasjenige, was in einer äußerlichen Weise als das tiefste Vertrauen, das ich geschildert habe, von dem Chela — von dem Schüler — zu dem Guru ausging, das wird uns ersetzt als moderne Menschen durch das, was wir gerade erleben, wenn wir erst den Blick in ganz exakter Weise, mit mathematischer Exaktheit, wie ich das letzte Mal erwähnt habe, über die Natur schweifen lassen und dann in uns selbst zurückschauen und uns ernsthaftig, mit echter Verinnerlichung fragen: Was hast du da eigentlich getan? Was ist in dir?

[ 23 ] Anyone who has ever felt this, anyone who has ever experienced this, my esteemed audience, knows through this experience that there is a spiritual realm—a purely spiritual realm, a spirit realm free from the body. And in this spirit realm free from the body—precisely in the power of that thinking which brought about the Galilean, the Copernican, the Goethean, and the Darwinian eras—precisely through that thinking by which we comprehend nature in a wholly natural way—we gain an inner strength that makes it possible for us modern people not to seek out a guru in the old way and yet to penetrate the spiritual essence of the world to which we belong. For what, in an external sense, was the deepest trust—which I have described—that flowed from the chela — the disciple — to the guru, is replaced for us as modern human beings by what we experience precisely when we first let our gaze wander over nature in a completely precise manner, with mathematical precision, as I mentioned last time, and then look back within ourselves and ask ourselves earnestly, with genuine inner reflection: What have you actually done there? What is within you?

[ 24 ] Dasjenige, was da in einem selber gewaltet hat, während man, ausschließend jede Willkür, jede Subjektivität, über die Natur nachgedacht hat, dasjenige, was da in dem eigenen Seelischen gewoben hat, während man ganz aufgegangen ist in der Naturbeobachtung, in der objektiven Beobachtung, von der man jedes Subjektive ausgeschlossen hat, das gibt nun von innen heraus jenes große Vertrauen, das der alte Schüler zu seinem Guru hatte. Man erlangt, ich möchte sagen einfach als Mensch dastehend in der Welt gerade aus der naturwissenschaftlichen Gesinnung heraus jenes große Vertrauen, jenes große Vertrauen, das einem sagt: Hast du ein Denken entwickelt, ohne dass irgendetwas aus deiner Phantasie, aus deiner Willkür darinnen spielt, das du gläubig annimmst, um dein Denken zu begreifen, hast du ein solches Denken entwickelt, dann kannst du dieses Denken auch sicher entfalten. Und man entfaltet es weiter auf diese Art, wie ich es letzten Dienstag beschrieben habe, durch Meditation; das heißt, dasjenige Denken, das der moderne Mensch gelten lässt gegenüber der naturwissenschaftlichen Weltbetrachtung, das durchdringt man, indem man sich zu seiner Kraft aufgeschwungen hat, mit demjenigen, was Sie geschildert finden in meinen Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», «Geheimwissenschaft» und anderen. Sie finden geschildert zum Beispiel das Denken als Meditation innerhalb des Denkens. Ich habe es das letzte Mal schon angedeutet prinzipiell, worinnen das besteht. Während man sonst mit seinen Gedanken an den Dingen und Vorgängen dahinhuscht, gewissermaßen passiv hinhuscht, und die Gedanken so laufen lässt, wie es die äußeren Eindrücke wollen, höchstens sich dann besinnt, was die äußeren Eindrücke einem gegeben haben, hält man sozusagen im Meditieren dieses Denken an. Man sieht ab, man könnte auch sagen, man abstrahiert von allen äußeren Eindrücken. Man hat an den äußeren Eindrücken denken gelernt. Man hat gelernt, die Kraft zu entwickeln, die im Denken liegt. Man hält jetzt keine äußeren Sinneseindrücke fest, sondern nur die innere Kraft des Gedankens, gießt in diese innere Kraft des Gedankens Vorstellungen, die leicht überschaulich sind, hinein, ruht auf diesen Vorstellungen. Aber ich habe schon das letzte Mal gesagt, eines ist dazu notwendig. Notwendig ist, dass die Meditation verläuft in Liebe zu den Vorstellungen, die man auf diese Weise innerlich im Bewusstsein gegenwärtig sein lässt. Zu dieser Liebe muss man es allerdings bringen, denn die geisteswissenschaftliche Methode ist eine solche, die auch heute noch den ganzen Menschen in Anspruch nehmen kann und die vor allen Dingen durchdrungen sein muss von demjenigen, was man zur äußerlichen Naturwissenschaft nicht braucht, oder höchstens zu ihrem Betriebe braucht, aber nicht braucht, um etwas in ihr selbst zu finden, um ihre Methoden zu handhaben.

[ 24 ] That which has been at work within oneself while, excluding all arbitrariness, any subjectivity, that which has been weaving within one’s own soul while one was completely absorbed in the observation of nature—in objective observation from which one has excluded everything subjective—that is what now gives rise from within to that great trust that the ancient disciple had in his guru. One attains—I would say simply by standing in the world as a human being, precisely out of a scientific mindset—that great trust, that great trust that tells one: If you have developed a way of thinking in which nothing from your imagination or your own arbitrary will plays a role—nothing that you accept on faith in order to understand your thinking—if you have developed such thinking, then you can also confidently unfold this thinking. And one unfolds it further in the way I described last Tuesday, through meditation; that is to say, one penetrates the very thinking that modern people accept in relation to the scientific worldview by raising oneself to its power, using what you will find described in my books *How Does One Attain Knowledge of Higher Worlds?*, *Esoteric Science*, and others. You will find, for example, thinking described as meditation within thinking. I already hinted at the principle of what this consists of last time. Whereas one usually lets one’s thoughts flit about among things and events—flitting about passively, so to speak—and allows thoughts to run as external impressions dictate, at most then reflecting on what those external impressions have given one, in meditation one halts this thinking, so to speak. One refrains from—or, one might also say, abstracts from—all external impressions. One has learned to think in terms of external impressions. One has learned to develop the power that lies within thinking. One now holds onto no external sensory impressions, but only the inner power of thought; one pours into this inner power of thought ideas that are easily comprehensible, and rests upon these ideas. But as I said last time, one thing is necessary for this. It is necessary that meditation be carried out with love for the ideas that one allows to be present in this way within one’s consciousness. One must, however, attain this love, for the spiritual-scientific method is one that even today can engage the whole human being and that, above all, must be imbued with that which is not needed for external natural science—or at most needed for its practice—but is not needed to find anything within it itself or to apply its methods.

[ 25 ] Dasjenige aber, was die geisteswissenschaftliche Methode in dieser Richtung braucht, ist, dass sie ausgeht von den sonst in der Seele schlummernden Kräften, von der Liebe. Meditieren heißt: ruhen und immer wieder ruhen in Gedanken in der Liebe, lieben das rein gedankliche Leben. Man muss nicht unterschätzen, dass das nach den Voraussetzungen unserer gegenwärtigen Menschenbildung und Menschenschulung etwas eigentlich recht Schwieriges ist. Denn wenn die Menschen in Gedanken etwas festhalten sollen, dann werden sie schon ungeduldig. Dann reden sie davon: Ach, die Gedanken sind nüchtern, gehen wir lieber dahin, wo unsere Sinne recht viel Eindrücke bekommen. Darnach ist ja unsere heutige Zivilisation in ihren Auswüchsen eingerichtet, möglichst alles auf den Sinn hin zu orientieren. Die Menschen finden kalt und nüchtern und abstrakt und leer dasjenige, was im bloßen Gedanken erfahren werden kann.

[ 25 ] What the spiritual-scientific method needs in this regard, however, is to take as its starting point the forces that otherwise lie dormant in the soul—namely, love. To meditate means to rest, and to rest again and again in thought within love; to love the purely intellectual life. We must not underestimate that, given the conditions of our current education and training of human beings, this is actually quite difficult. For when people are asked to hold onto something in their thoughts, they quickly become impatient. Then they say: “Oh, thoughts are dry; let’s rather go where our senses can take in plenty of impressions.” After all, our modern civilization, in its excesses, is structured to orient everything as much as possible toward the senses. People find what can be experienced in mere thought to be cold, sober, abstract, and empty.

[ 26 ] Meditieren heißt, solche innere Wärme für diese scheinbar abstrakten Gedanken im Meditieren gewinnen, wie man sonst in der Welt gewinnt, wenn man ein liebendes Herz einer anderen Persönlichkeit oder irgendeinem Vorgange der Welt oder einem Ding der Welt zuwendet. Jene Wärme, die sonst nur im Alltagsleben bei gewissen Gelegenheiten entwickelt wird, die muss durchglühen und durchbranden dasjenige, was in der Meditation gestaltet werden soll durch die Menschenseele. Dann wird dieses Denken nun, ohne dass man einen Guru in der alten Weise zu Hilfe ruft, innerlich erkraftet, erstarkt, und man kommt allmählich dazu, zu wissen: Durch diese meditative Erkraftung des Denkens kommst du mit deinem Geistig-Seelischen aus deinem physischen Leibe heraus.

[ 26 ] To meditate means to gain, through meditation, the kind of inner warmth for these seemingly abstract thoughts that one otherwise gains in the world when one turns a loving heart toward another person, toward some event in the world, or toward an object in the world. That warmth, which is otherwise developed only on certain occasions in everyday life, must burn through and penetrate whatever is to be shaped by the human soul in meditation. Then, without calling upon a guru for help in the old way, this thinking is inwardly strengthened and invigorated, and one gradually comes to realize: Through this meditative strengthening of thought, you emerge from your physical body with your spiritual-soul aspect.

[ 27 ] Ich sage, in der alten Weise sucht man nicht einen Guru heute auf. Man kann aber allerdings bei demjenigen, der schon erfahren ist in geisteswissenschaftlichen Dingen, Anweisung bekommen, wie man die Meditation einzurichten hat, wie man sich im Denken zu konzentrieren hat. Aber jeder, der heute ein Lehrer der Geisteswissenschaft ist, wird seinen Schüler, wenn er nicht ein Scharlatan ist, sondern ein wirklicher Lehrer, er wird seinen Schüler nicht in Abhängigkeit von sich bringen, sondern er wird Rechnung tragen den Forderungen der gegenwärtigen Zivilisation und seine Lehren gerade so einrichten, dass von einem bestimmten Punkte an der Schüler auf seine eigene persönliche Grundlage sich gestellt fühlt und von seinem eigenen frei gewordenen Denken, das sich erkraftet, das Erlebnis hat, außerhalb der physischen Leibesorganisation mit seinem Bewusstsein als Realität zu leben.

[ 27 ] I say that people no longer seek out a guru in the old way. However, one can certainly receive guidance from someone who is already experienced in spiritual science on how to practice meditation and how to focus one’s thoughts. But any teacher of spiritual science today—if he is not a charlatan but a genuine teacher— will not make his student dependent on him, but will take into account the demands of contemporary civilization and structure his teachings in such a way that, from a certain point onward, the student feels able to stand on his own personal foundation and, through his own liberated thinking—which is gaining strength—has the experience of living with his consciousness as reality outside the physical body.

[ 28 ] Das ist in der Tat das Erste, was man erleben muss, um in das geistige Wesen der Welt geistig einzudringen, in sich selber so erkraftet als geistig-seelisches Wesen zu werden, dass man dasjenige, was man sonst nur im Einschlafen tut — aus seinem Leibe herausgehen —, dass man das bewusst in solchen Zuständen, die man willkürlich herbeiführt, tut.

[ 28 ] This is, in fact, the first thing one must experience in order to penetrate spiritually into the spiritual essence of the world—to strengthen oneself internally as a spiritual-soul being to such an extent that one can consciously do what one otherwise does only when falling asleep—namely, to step out of one’s body—in states that one brings about at will.

[ 29 ] Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, erlebt man zunächst ein allgemeines Weltgefühl, möchte ich sagen. Man weiß nicht mehr zunächst, als dass es ein Dasein des eigenen Geistig-Seelischen außerhalb des physischen Leibes gibt. Aber indem man das Meditieren immer weiter und weiter treibt, gelangt man ja dazu, in das Denken selber, in die Gedankenwelt, in die Gedankentätigkeit eine solche innere Lebendigkeit hineinzubringen, wie sie sonst nur vorhanden ist in dem sinnlichen Wahrnehmen. Das sinnliche Wahrnehmen liefert uns satte Farben, vollinhaltliche Töne. Das Denken liefert uns zunächst nur Abstraktes. In dem Meditieren erlangt man die Möglichkeit, gerade so im Denken [wie] im äußeren Anschauen zu weilen, wie man sonst in der äußeren Sinneswahrnehmung weilt. Damit aber wird das Denken seiner Abstraktheit vollständig entledigt, und es verläuft das Denken nun in einer Bildhaftigkeit.

[ 29 ] Then, my esteemed audience, one first experiences a general sense of the world, I would say. At first, one knows nothing more than that one’s own spiritual-soul life exists outside the physical body. But as one continues to deepen one’s meditation further and further, one comes to infuse thinking itself—the world of thoughts, the activity of thought—with a kind of inner vitality that is otherwise found only in sensory perception. Sensory perception provides us with rich colors and full-bodied tones. Thinking, at first, provides us only with the abstract. Through meditation, one gains the ability to dwell in thought just as one dwells in external observation, just as one otherwise dwells in external sensory perception. With this, however, thinking is completely freed from its abstract nature, and thought now unfolds in a pictorial manner.

[ 30 ] Wenn man will, kann man diese Bildhaftigkeit, die man jetzt erlebt, vergleichen mit dem Träumen. Nur dass man beim Träumen immer weiß: Man lehnt sich an an seine Körperlichkeit. Man erlebt innere körperliche Zustände im Träumen, oder man erlebt Reminiszenzen, Erinnerungen aus dem irdischen Dasein. Jetzt aber hat man Bilder vor sich durch die Errungenschaft des Meditierens, die äußerlich angeschaut wie webende Träume sind, von denen man aber weiß: Man hat sie nicht wie die gewöhnlichen Träume anzuschauen, sondern wie die gewöhnlichen Sinneswahrnehmungen. Wie man durch eine Sinneswahrnehmung weiß, dahinter ist ein Ding, so weiß man jetzt, wo man sich in voll wachem Zustande — nicht im Traumbewusstsein, sondern im voll wachen Zustande die Möglichkeit geschaffen hat, in einer Denktätigkeit, die zu gleicher Zeit bildformende Tätigkeit ist —, in einem solchen Zustande sich befindet, jetzt weiß man: Wie sonst hinter dem, was deine Augen wahrnehmen, was deine Ohren hören, äußerlich sinnlich-physische Dinge sind, so sind jetzt hinter deinen Bildern, die du auf diese Weise erlebst, geistige Realitäten. Man steht noch nicht in der geistigen Welt drinnen, aber man weiß, hinter diesen Bildern ist eine geistige Welt. Man weiß nur, man ist selbst außerhalb seines Leibes, und man ist real, man ist ein Wesen, man hat ein Sein. Und man weiß, man ist ausgefüllt mit einer Bilderwelt.

[ 30 ] If one wishes, one can compare this vivid imagery that one is now experiencing to dreaming. Except that when dreaming, one always knows: one is anchored in one’s physicality. In dreams, one experiences inner physical states, or one experiences reminiscences—memories from one’s earthly existence. Now, however, through the achievement of meditation, one has images before one that, viewed from the outside, resemble shifting dreams; yet one knows that one must not regard them as ordinary dreams, but rather as ordinary sensory perceptions. Just as one knows through a sensory perception that there is a thing behind it, so one now knows—when one is in a fully waking state—not in dream consciousness, but in a fully waking state in which one has created the possibility, through an act of thinking that is at the same time an image-forming activity—in such a state, one now knows: Just as there are external, sensory-physical things behind what your eyes perceive and what your ears hear, so too are there spiritual realities behind the images you experience in this way. One is not yet inside the spiritual world, but one knows that behind these images lies a spiritual world. One knows only that one is outside one’s own body, and that one is real, one is a being, one has an existence. And one knows that one is filled with a world of images.

[ 31 ] Ich habe schon das letzte Mal gesagt: Diese Bilderwelt gibt einem zunächst in einem großen Tableau den eigenen Lebenslauf seit der Geburt, seit man im Erdendasein ist, aber nicht in Form von bloßen Erinnerungen, sondern in Form desjenigen, was an ihnen geschaffen hat, was in den ersten Kindheitsjahren das noch unausgebildete Gehirn plastisch gemacht hat, was im ganzen Organismus geschaffen hat, was von Tag zu Tag die Nahrungsmittel, die man von außen isst, umwandelt in die Substanz des Leibes. Alles dasjenige, was in uns wirkt, alles dasjenige aber auch, was aus dem Leibe aufsteigt als Seelisches, alles dasjenige steht in einem großen Tableau zunächst durch diese Bilderwelt vor uns.

[ 31 ] As I said last time: This world of images first presents, in a grand tableau, one’s own life story from birth, from the moment one entered earthly existence, but not in the form of mere memories, but in the form of what has shaped them—what, in the early years of childhood, made the still-undeveloped brain malleable; what has shaped the entire organism; what, day by day, transforms the food one eats from the outside into the substance of the body. Everything that works within us, but also everything that rises from the body as a spiritual element—all of this stands before us in a grand tableau, initially through this world of images.

[ 32 ] Das ist das Erste, was man wahrnimmt durch diese Bilderwelt. Man würde nicht weiterkommen, wenn man das Üben nicht fortsetzen würde. Und es wird so fortgesetzt, dass man sich die Kraft erwirbt, wie man sich zunächst in Liebe in seine Seele hereinversetzt hat Gedanken, die zu Bildern geworden sind, von denen man weiß, sie wurzeln in einer geistigen Welt, so muss man sich jetzt die Fähigkeit erwerben, diese Bilder wieder zu unterdrücken, um das Bewusstsein völlig leer zu machen. Dadurch erstarkt allmählich das ganze menschliche Bewusstsein. Diejenigen, die immer ihre recht kritischen Einwände gegen die hier vertretene anthroposophische Geisteswissenschaft machen, die sagen: Vielleicht ist das alles, was der sagt, nur auf Autosuggestion beruhend, ist im Grunde genommen nur dasjenige, was phantastisch aufsteigende Träume sind. Derjenige, der so spricht, weiß eben nicht, dass es sich handelt bei denjenigen Methoden, die hier geschildert sind — und die bestehen in echtem besonnenem Meditieren —, dass es sich dabei handelt nicht um ein Herabstimmen, Herabdämpfen des Bewusstseins, sondern dass es sich dabei um ein viel Klarer-Werden, Heller-Werden des Bewusstseins handelt. Wenn ich einzelne Erlebnisse schildern soll dieses erhellten Bewusstseins, neben dem das andere Bewusstsein durchaus vorhanden bleibt, so könnte ich etwa Folgendes sagen: Für denjenigen Menschen, der ausgebildete Augen hat, wie die meisten Menschen eben, für den wird das Licht wahrnehmbar, wenn morgens die Sonne aufgeht. Er sieht die sinnlich-physischen Dinge um sich herum durch die Sonnenstrahlen, welche auf sie geworfen werden und welche zu ihm zurückkommen. Er sieht die Dinge durch das Licht, das außen ist und in das er selbst hineingestellt ist.

[ 32 ] That is the first thing one perceives through this world of images. One would not make any progress if one did not continue practicing. And the practice continues in such a way that one acquires the strength—just as one initially brought thoughts into one’s soul through love, thoughts that have become images, which one knows are rooted in a spiritual world—to now acquire the ability to suppress these images again in order to make one’s consciousness completely empty. Through this, the entire human consciousness gradually grows stronger. Those who constantly raise their rather critical objections to the anthroposophical spiritual science advocated here—those who say, “Perhaps everything he says is based solely on autosuggestion, and is, in essence, nothing more than fantastical, surging dreams”— Those who speak this way simply do not realize that the methods described here—which consist of genuine, thoughtful meditation—do not involve dampening or subduing consciousness, but rather involve a process of making consciousness much clearer and brighter. If I were to describe individual experiences of this enlightened consciousness—alongside which the other consciousness remains fully present—I might say something like this: For a person with trained eyes—as most people have—the light becomes perceptible when the sun rises in the morning. They see the sensory-physical things around them through the sun’s rays, which are cast upon them and which reflect back to them. They see things through the light that is outside and into which they themselves are placed.

[ 33 ] Indem wir in dieser Weise, wie ich’s geschildert habe, eine Bilderwelt durch ganz exakte Methoden in uns ausbilden, Methoden — Sie finden sie in den genannten Büchern geschildert —, die so exakt sind wie nur irgendeine mathematisch exakte Untersuchung, indem wir solche Bilder in uns entwickeln, kommen wir dazu, nicht bloß angewiesen zu sein nun auf ein äußeres Licht zum Beispiel, sondern wir erleben innerlich, indem wir uns selber erleben, indem wir uns hineingestellt fühlen mit unserem Geistig-Seelischen außerhalb unseres Leibes in eine Geistwelt, fühlen wir mit unserem Sein verbunden ein Licht. Wir leben und weben im Lichte, und das Licht ist nicht nur etwas, was äußerlich die Dinge uns sichtbar macht, wie das in der Sinneswelt der Fall ist, sondern wir selber werden zum Lichte, zum Ausstrahlen des Lichtes. Dadurch machen wir uns selber die geistigen Wesenheiten sichtbar. Zuerst erleben wir sie in Bildern; aber die Bilder sind innerlich durchleuchtet. Daher darf nicht im nebulosen Sinne [gesprochen werden] — ich habe das schon am Dienstag angedeutet —, sondern in einem exakten Sinne, aus dem heraus man ebenso sprechen kann, wie man exakt über Mathematik spricht, von dem, was sich der Geistesforscher aneignet: exakte Clairvoyance, exaktes Hellsehen.

[ 33 ] By developing within ourselves, in the way I have described, a world of images through very precise methods—methods that you will find described in the books mentioned —that are as precise as any mathematically exact investigation—by developing such images within ourselves, we come to a point where we are no longer merely dependent on an external light, for example; rather, we experience it inwardly—by experiencing ourselves, by feeling ourselves placed, with our spiritual and soul aspects outside our body, into a spiritual world—and we feel a light connected to our very being. We live and move within the light, and the light is not merely something that makes things visible to us externally, as is the case in the sensory world; rather, we ourselves become light, the radiance of light. Through this, we make the spiritual beings visible to ourselves. At first we experience them in images; but these images are illuminated from within. Therefore, one must not speak in a nebulous sense—as I already hinted at on Tuesday—but in a precise sense, from which one can speak just as precisely as one speaks of mathematics, about what the spiritual researcher acquires: precise clairvoyance, precise clear-sightedness.

[ 34 ] Derjenige, der das zusammenbringt mit irgendetwas Mediumhaften, mit irgendetwas, das man im gewöhnlichen Leben auch oftmals Hellsehen nennt, und was alle möglichen scharlatanhaften Okkultismen treibt, der weiß eben nicht, dass derjenige, der zum Beispiel in eine Autosuggestion kommt, während er ganz drinnensteckt in der Autosuggestion, ein herabgestimmtes Bewusstsein hat. Das Bewusstsein, das hier gemeint ist als ein hellseherisches, ist nicht herabgestimmt gegenüber dem gewöhnlichen Bewusstsein. Das gewöhnliche Bewusstsein bleibt voll aufrechterhalten und das andere kommt dazu, sodass man nicht etwa weniger bewusst, weniger besonnen ist als im gewöhnlichen Leben, sondern eben besonnener ist. Man soll fragen erst, ob derjenige, von dem hier als Geistesforscher gesprochen worden ist, über naturwissenschaftliche Dinge nicht ebenso reden kann wie diejenigen, die ablehnen dieses exakte Hellsehen! Er kann das. Da er das kann, was die anderen können, und nur dazukommt dasjenige, was eben die exakte Clairvoyance gibt, so kann man aus Willkür zwar diese exakte Clairvoyance ablehnen, man kann aber nicht sagen, dass es irgendetwas ist, was einem die gewöhnliche Besonnenheit nähme, oder was einen hinausführe aus dem, was einen zum Beispiel als Naturforscher fest in die Welt hineinstelle. Weder von der Lebenspraxis noch von der besonnenen Forschung wird man abgeführt dadurch, dass man zum Behufe der Erkenntnis des Geistes der Welt in diese exakte Clairvoyance eintritt.

[ 34 ] Anyone who equates this with any form of mediumship, with anything that is often called “clairvoyance” in everyday life, and who engages in all sorts of charlatan-like occult practices, simply does not realize that someone who, for example, enters a state of autosuggestion—while fully immersed in that state—has a lowered level of consciousness. The state of consciousness referred to here as “clairvoyant” is not diminished compared to ordinary consciousness. Ordinary consciousness remains fully intact, and the other state is added to it, so that one is not, for example, less conscious or less level-headed than in ordinary life, but is in fact even more level-headed. One should first ask whether the person referred to here as a spiritual researcher is not just as capable of discussing scientific matters as those who reject this precise clairvoyance! He is capable of doing so. Since they can do what others can do, and the only thing added is precisely what exact clairvoyance provides, one may, of course, arbitrarily reject this exact clairvoyance; but one cannot say that it is anything that would rob one of ordinary level-headedness, or that would lead one away from what, for example, firmly anchors one in the world as a natural scientist. One is not led away from either the practice of life or from level-headed research by entering into this precise clairvoyance for the sake of understanding the spirit of the world.

[ 35 ] Bringt man es auch noch dahin, die Bilder nicht nur kommen zu lassen durch die entsprechende Meditation, sondern sie jederzeit hinwegzuschaffen, sodass man leeres Bewusstsein hat, dann dringt herein, so wie sonst der Atem in unsere Lunge hereindringt, eine geistige Welt; ich sage, wie der Atem in unsere Lunge hereindringt. Ich könnte, wenn ich den Vergleich weniger genau sagen würde, auch sagen, wie sonst die Farbe in unser Auge, die Töne in unser Ohr eindringen; allein dann wäre der Vergleich etwas weniger genau. Es ist so, dass, wenn wir sinnlich wahrnehmen in der äußeren physischen Welt, diese Wahrnehmungen eben viel weniger lebendig an uns herantreten als dasjenige, was wir nun im leeren Bewusstsein erleben. Wir erleben das so stark, dieses Hereindringen des Geistes der Welt, wie wir sonst eben das Atmen unbewusst erleben. Aber wie das Atmen eben lebendig in uns ist, nicht bloß mit jener Schattenhaftigkeit, mit der wir die Farben, die Töne haben, so ist dasjenige, was wir nun geistig erleben, wenn wir uns so weit, bis zur exakten Clairvoyance, aufgeschwungen haben, wie ich es beschrieben habe, so ist das unmittelbares Erlebnis.

[ 35 ] If one goes so far as not only to allow the images to arise through appropriate meditation, but also to dispel them at any time so that one has an empty state of consciousness, then a spiritual world enters, just as breath otherwise enters our lungs; I say, just as breath enters our lungs. If I were to make the comparison less precisely, I could also say just as color enters our eyes and sounds enter our ears; but then the comparison would be somewhat less precise. The fact is that when we perceive the outer physical world through our senses, these perceptions come to us much less vividly than what we now experience in empty consciousness. We experience this penetration of the spirit of the world just as intensely as we otherwise unconsciously experience breathing. But just as breathing is vivid within us—not merely with that shadowy quality with which we perceive colors and sounds—so too is what we now experience spiritually, once we have elevated ourselves to the point of exact clairvoyance, as I have described; that is the immediate experience.

[ 36 ] Aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, dieses unmittelbare Erlebnis würde uns auf halbem Wege stehen lassen. Wir würden Bilder haben. Wir würden, wenn wir die Bilder verschwinden lassen können in der geschilderten Weise, wissen: Draußen ist ein Weben und Leben im Geiste. Aber wir wüssten nur ganz im Allgemeinen von diesem Weben und Leben im Geiste. Denn das Merkwürdige ist: Wir nehmen dasjenige, was jetzt als Weben und Leben im Geiste auftritt, wir nehmen es nicht wahr so, wie wir sinnliche Dinge wahrnehmen, dass wir uns sagen: Wir stehen da und die Dinge sind draußen, sondern wir fühlen uns in der ganzen Welt jetzt drinnen. Wir haben gewissermaßen unser eigenes Dasein über die ganze Welt ausergossen. Wir fühlen uns eins mit der Welt. Wir sind außerhalb unseres Leibes gezogen, haben unser Leben, ich möchte sagen außerhalb unseres Leibes als geistig-seelisches Wesen zum Erwachen gebracht und fühlen uns außerhalb unseres Leibes eins mit der ganzen Welt, die wir früher von außen angeschaut haben, die wir jetzt innerlich erleben, wie wir sonst das Blut, die Tätigkeit unserer Organe innerhalb unserer Haut erleben. Unser Bewusstsein ist aus einem Persönlichkeitsbewusstsein ein kosmisches Bewusstsein geworden.

[ 36 ] But—my esteemed audience—this immediate experience would leave us only halfway there. We would have images. If we could make the images disappear in the manner described, we would know: Out there is a weaving and a life in the spirit. But we would know of this weaving and life in the spirit only in a very general sense. For the remarkable thing is this: We take what now appears as weaving and life in the spirit; we do not perceive it in the same way we perceive sensory things—where we say to ourselves, “We stand here and things are out there”—but rather we now feel ourselves to be inside the whole world. We have, so to speak, poured our own existence out over the entire world. We feel at one with the world. We have stepped outside our bodies; we have awakened our lives—I would say, outside our bodies—as spiritual-soul beings, and we feel, outside our bodies, at one with the entire world, which we used to view from the outside but now experience inwardly, just as we otherwise experience the blood and the activity of our organs within our skin. Our consciousness has transformed from a personal consciousness into a cosmic consciousness.

[ 37 ] Man erlebt nicht den Geist der Welt — meine sehr verehrten Anwesenden — anders, als dass man zunächst ihn als ein innerliches Erfühlen erlebt. Und sehen Sie, wenn man dasteht in der gewöhnlichen physischen Welt mit demjenigen, was man als gewöhnliches Bewusstsein hat, dann kommen einem die Erkenntnisrätsel. Diese Erkenntnisrätsel, sie gehen gewöhnlich dahin, dass man das Innere der Dinge kennenlernen möchte. Man wird sich bewusst: Du schaust die äußere Oberfläche der Dinge an, du möchtest das Innere kennenlernen. Wir wissen, wie die Naturwissenschaft sich dieses Innerliche als Atomwirkung konstruiert, wie andere Leute das anders tun. Aber man möchte in das Innerliche hineindringen. Oder aber man konstruiert Theorien, dass das eben unmöglich ist dem menschlichen Erkenntnisvermögen. Jedenfalls aber fühlt man sich außerhalb der Dinge, und man fühlt sich mit dem, was man im Erkennen hat, so, dass man heranmöchte an die Dinge. Dann erst, sagt man sich, dann kann man ein Bild von dem Dasein der Dinge gewinnen, wenn man herankommt an die Dinge. Ist man im Geiste der Welt drinnen außerhalb seines Leibes, wie ich beschrieben habe, ist Erkenntnis überhaupt etwas ganz anderes.

[ 37 ] One does not experience the spirit of the world—my esteemed audience—in any other way than by first experiencing it as an inner feeling. And you see, when one stands in the ordinary physical world with what one has as ordinary consciousness, then the mysteries of knowledge arise. These mysteries of knowledge usually lead to a desire to know the inner nature of things. One becomes aware: You look at the outer surface of things; you want to know their inner nature. We know how the natural sciences construct this inner reality as atomic processes, and how other people approach it differently. But one wants to penetrate into that inner reality. Or one constructs theories that this is simply impossible for human cognitive faculties. In any case, however, one feels oneself to be outside of things, and one feels, with what one possesses in terms of knowledge, such that one wishes to draw near to things. Only then, one tells oneself, can one gain a picture of the existence of things—when one draws near to them. If one is inside the spirit of the world outside one’s body, as I have described, then knowledge is something entirely different.

[ 38 ] Zunächst hat man nur Bilder. Bilder sind da. Und derjenige wäre ein Narr, der sich vorstellt, dass die erste Form, die er erhält, etwas anderes wäre als Bilder — Bilder allerdings einer geistigen Welt, aber Bilder. Hat man diese Bilder fortgeschafft, ist das leere Bewusstsein eingetreten, dann fühlt man sich in einer geistigen Welt. Aber ebenso wenig, wie man in der gewöhnlichen Welt die Lunge, den Magen, das Herz sieht, ebenso wenig sieht man dasjenige, was man jetzt als den Geist der Welt wie sein eigenes Inneres im kosmischen Bewusstsein erlebt. Man sieht es noch nicht. Man weiß, man hat es in sich, es ist in einem, aber man sieht es noch nicht. Und während man sonst an die Dinge im physischen Erkennen herankommen will, tritt jetzt das Gegenteil ein, und man will die Dinge losbekommen, man will sich von ihnen trennen und man will sie wieder zu Bildern machen. Man hat gelernt das Entstehen-Lassen von Bildern, die rein innerliches Gedankenweben, aber mit der Bildlebendigkeit, haben. In [ein] solches Bildertableau will man das hereinbringen, was man innerlich erlebt. Man will das, was man zunächst im [kosmischen Bewusstsein] hat, als Bildertableau in sich erfassen. Man will die Dinge hinausstellen. Während man im physischen Erkennen sie hereinführte im Erkennen, will man jetzt dasjenige, was man in sich trägt, hinausschaffen, sodass man den Kosmos um sich hat in Imaginationen, in Bildern.

[ 38 ] At first, one has only images. Images are there. And one would be a fool to imagine that the first form one perceives is anything other than images—images of a spiritual world, to be sure, but images nonetheless. Once these images have been set aside and empty consciousness has set in, one feels oneself to be in a spiritual world. But just as one does not see the lungs, the stomach, or the heart in the ordinary world, so too does one not see what one now experiences as the spirit of the world—just as one’s own inner self—in cosmic consciousness. One does not yet see it. One knows one has it within oneself; it is within one, but one does not yet see it. And whereas one usually seeks to approach things through physical perception, the opposite now occurs: one wants to detach oneself from things, to separate from them, and to transform them back into images. One has learned to allow images to arise—images that are purely inner weavings of thought, yet possess the vitality of imagery. One wishes to incorporate what one experiences inwardly into such a tableau of images. One seeks to grasp within oneself, as a tableau of images, what one initially possesses in [cosmic consciousness]. One seeks to project things outward. Whereas in physical cognition one brought them inward into the process of cognition, one now seeks to project outward what one carries within, so that one has the cosmos around oneself in imaginations, in images.

[ 39 ] Beim physischen Erkennen hat man zuerst das innere Denken, dann tritt man an den Gegenstand heran. Man nimmt das Objekt auf. Beim übersinnlichen Erkennen des Geistes der Welt hat man zunächst das Objekt in sich und man sucht das Bild draußen. Man sucht die Welt sich vergegenwärtigen zu können als das Tableau desjenigen, was man eigentlich in sich trägt.

[ 39 ] In physical perception, one first has inner thought, then one approaches the object. One takes in the object. In the supersensible perception of the spirit of the world, one first has the object within oneself and then seeks the image outside. One seeks to be able to visualize the world as a tableau of that which one actually carries within oneself.

[ 40 ] Diese Stufe der Erkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden, erlangt man nicht, ohne dass man fortschreitet zu Willensübungen, wie ich sie auch am letzten Dienstag beschrieben habe, zum Beispiel zu jener Willensübung, wo man dasjenige, was man erst immer nach vorwärts denkt, nach rückwärts denkt, zum Beispiel die Erlebnisse eines Tages vom Abend gegen den Morgen rückwärts denkt, sodass man durch das im Willen lebende Denken losreißt das Denken von der äußeren Realität. Oder auch, dass man strenge Willenszucht übt, sodass man zu seinen alten Gewohnheiten neue hinzufügt oder auch aus alten Gewohnheiten sich herausreißt und sich Gewohnheiten — nicht im üblen Sinne ist das gemeint — einbildet, sodass man wirklich im Laufe seines Lebens, was sonst nur das Leben aus einem macht, einen anderen Menschen aus sich macht, dass man sozusagen seine Selbsterziehung mit aller inneren Energie in die Hand nimmt.

[ 40 ] This level of insight, my esteemed audience, cannot be attained without progressing to exercises of the will, such as those I described last Tuesday, for example, the exercise in which one reverses the order of one’s thoughts—thinking backward about what one usually thinks of in forward order—such as recalling the events of a day in reverse, from evening toward morning, so that through thinking rooted in the will, one detaches one’s thinking from external reality. Or, one can practice strict self-discipline, adding new habits to one’s old ones or breaking free from old habits and forming new ones — and this is not meant in a negative sense — so that, over the course of one’s life, one truly transforms oneself into a different person from what life would otherwise make of one, taking one’s self-education, so to speak, into one’s own hands with all one’s inner energy.

[ 41 ] Wiederum finden Sie Übungen darüber mitgeteilt in den genannten Büchern, ich will jetzt nur darauf hindeuten, dass, wie man innerhalb der Meditation das Denken schult, sodass man außerhalb des [Leibes] leben kann mit seinem Geistig-Seelischen, so kann man den Willen schulen. Und durch diese Schulung des Willens kommt man dahin, jetzt gegenüber seinem Mitmenschen eines zu erleben noch, dass ein Aufstieg in die geistigen Welten — sodass sie einem auch bildhaft, objektiv werden — [möglich] ist. In einem bestimmten Stadium dieser Willensbildung tritt nämlich das ein, meine sehr verehrten Anwesenden, dass man sein eigenes Dasein ganz getaucht in tiefsten Schmerz, Leid, Entbehrung, Kümmernis, Sorge erblickt. Ich gebrauche diese Worte, um den Zustand, den der Geist-Erkenner einmal durchmachen muss, weil er ein moderner Mensch ist und sich nicht anlehnen kann an einen Guru wie in der alten Zeit; ich gebrauchte dieses Wort gerade, um annähernd dasjenige darzustellen, das durchzumachen ist: Kummer, Sorge, Schmerz, Leid. Das bedeutet erst die völlige Trennung von dem physischen Leibe. Der Mensch ist nur dadurch während des physischen Lebens in einer Art Wohlbefinden, dass er in seinen physischen Leib [in] seinem Geistig-Seelischen untergetaucht ist, wenn er wachend lebt. Und er wird dadurch bewahrt davor, allnächtlich im Schlafe Schmerz zu empfinden und den Schlaf durchseelt von Leid ertragen zu müssen, dass eben im Schlafe sein Bewusstsein erlischt. Jetzt aber treten wir aus unserem Bewusstsein im höheren Erkennen in bewusster Weise; und indem wir nicht nur den Gedanken, sondern auch den Willen außerhalb des Leibes herbeiführen, erwacht im Geistig-Seelischen tiefster Schmerz. Man fühlt, der Leib fehlt einem im innerlichen Erleben. Nicht nur, dass jenes Wohlbefinden aufhört, das ja nur von dem Durchdrungensein in der Seele durch den Leib herrührt, sondern es hört auch auf das Hinneigen, das egoistische Hinneigen zum Leibe; denn durch die Übungen, die man macht, wird man immer selbstloser und selbstloser. Die Liebe muss ja schon im Meditieren entwickelt werden. Dadurch wird der Egoismus ausgetilgt, sonst kommt man überhaupt nicht zu diesem Erleben in Bildern außerhalb des Leibes. Dadurch aber taucht man ein in ein schmerzhaftes Erleben.

[ 41 ] Once again, you will find exercises on this subject described in the books mentioned; I will merely point out here that just as one trains one’s thinking during meditation so that one can live outside the [body] with one’s spiritual-soul aspects, so too can one train one’s will. And through this training of the will, one comes to experience something else in relation to one’s fellow human beings: that an ascent into the spiritual worlds—so that they also become vivid and objective to one—is [possible]. At a certain stage of this development of the will, my esteemed listeners, one comes to view one’s own existence as completely immersed in the deepest pain, suffering, deprivation, grief, and worry. I use these words to describe the state that the spiritual seeker must eventually go through, because he is a modern human being and cannot rely on a guru as in ancient times; I used this word precisely to approximate what must be endured: grief, worry, pain, suffering. This signifies, first and foremost, the complete separation from the physical body. It is only through being immersed in one’s spiritual-soul life within one’s physical body that a person experiences a kind of well-being during physical life, when living in a waking state. And this is what protects them from feeling pain every night during sleep and from having to endure sleep permeated by suffering—precisely because their consciousness fades during sleep. Now, however, we step out of our consciousness in a conscious manner through higher knowledge; and as we bring not only our thoughts but also our will outside the body, the deepest pain awakens in the spiritual-soul realm. One feels that the body is missing from one’s inner experience. Not only does that sense of well-being cease—which, after all, arises solely from the body’s permeation of the soul—but the inclination, the egoistic inclination toward the body, also ceases; for through the exercises one performs, one becomes ever more selfless. Love must, of course, already be developed during meditation. This eradicates egoism; otherwise, one cannot attain this experience of images outside the body at all. As a result, however, one is immersed in a painful experience.

[ 42 ] Es ist ja schon im gewöhnlichen Leben so — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass derjenige, der ein wenig nicht zu nüchternen gleichgültigen Erkenntnissen gekommen ist, sondern zu solchen Erkenntnissen, die innerlich mit dem Menschen zusammenhängen, dass der sagen wird, wenn er ehrlich sein will: Für mein Glück im Leben, für mein günstiges Schicksal bin ich dankbar, Erkenntnisse aber hat mir eigentlich nur dasjenige gebracht, was ich gelitten habe. Und so muss ein unsäglicher Schmerz sich zunächst ausbreiten auf dem Boden des außer dem Leibe vorhandenen Bewusstseins, wenn nun in das leer gewordene Bewusstsein hereintaucht die äußere Welt und der Mensch die Kraft gewinnen soll, in vollendeten Bildern objektiv vor sich hinzusetzen dasjenige, was Geist der Welt ist.

[ 42 ] It is, after all, true even in everyday life—my esteemed audience—that anyone who has arrived not merely at sober, indifferent insights, but at insights that are intrinsically connected to the human being, will say, if they are to be honest: “I am grateful for my happiness in life, for my favorable fate, but the only thing that has truly brought me insight is what I have suffered.” And so an unspeakable pain must first spread across the ground of consciousness existing outside the body, when the external world now plunges into the consciousness that has become empty, and the human being is to gain the strength to set before himself, in perfected images, that which is the spirit of the world.

[ 43 ] Dann aber — meine sehr verehrten Anwesenden —, dann steht man vor diesem Geiste der Welt, betrachtet ihn in Bildern, und es stellt sich jetzt für dieses außen erwachte Bewusstsein etwas ein, was ich vergleichen möchte mit der gewöhnlichen Erinnerung, nur dass es gewaltiger, grandioser und eben von ganz anderer Art ist. Im gewöhnlichen Leben erinnern wir uns durch Gedanken an die Erlebnisse, die wir durchgemacht haben. Wir haben vor zehn Jahren dieses oder jenes Erlebnis durchgemacht. Heute erleben wir dieses Erlebnis im Gedächtnis oder aus dem Gedächtnis. Es ist auf innerlich seelische Art in uns. Indem wir uns zu dem außer-leiblichen Bewusstsein aufgeschwungen haben und so die Welt anschauen, wie ich es geschildert habe, so ist in diesem Anschauen etwas vorhanden, was ich nun auch eine Art Erinnerung nennen möchte, nämlich die Erinnerung an dasjenige, was wir in der physischen Welt selber sind. Wir sind allerdings besonnen; wir können uns ganz gut wie der besonnenste Mensch in der physischen Welt benehmen; aber zu gleicher Zeit wird uns innerhalb dieser Bilderwelt unser eigener Leib zum Bilde, und die Dinge der Außenwelt, Mineralien, Pflanzen, Tiere, physische Menschengestalten, sie werden uns zum Bilde; innerhalb der Bilderwelt erscheint wie in einer kosmischen Erinnerung diejenige Welt wieder, in der wir waren, als wir nur sinnlich bewusst waren. Und dadurch orientieren wir uns, meine sehr verehrten Anwesenden, dass das so ist.

[ 43 ] But then—my dear friends here present—one stands before this spirit of the world, contemplates it in images, and something now arises for this consciousness that has awakened to the external world, which I would like to compare to ordinary memory, except that it is more powerful, more magnificent, and indeed of an entirely different kind. In ordinary life, we recall through thoughts the experiences we have gone through. Ten years ago, we went through this or that experience. Today, we relive that experience in our memory or from our memory. It is within us in an inner, spiritual way. By having risen to this out-of-body consciousness and thus viewing the world as I have described, there is something present in this viewing that I would now also like to call a kind of memory—namely, the memory of what we ourselves are in the physical world. We are, of course, level-headed; we can behave quite well, just like the most level-headed person in the physical world; but at the same time, within this world of images, our own body becomes an image to us, and the things of the external world—minerals, plants, animals, physical human forms—become images to us; within the world of images, the world in which we existed when we were only sensually conscious reappears, as if in a cosmic memory. And through this, my dear friends, we come to realize that this is indeed the case.

[ 44 ] Wir haben hier in der physischen Welt die Sonne erlebt. Wir erleben in der geistigen Welt, in die wir uns auf die geschilderte Art hineingefunden haben, wiederum etwas, geistige Wesenheiten, Wesenheiten, die jetzt inneres Leben haben, aber ein solches Leben, das nicht wie der Mensch eine äußere physische Körperlichkeit hat, wir erleben geistig-seelisch göttlich-geistige Wesenheiten, die nicht in der physischen Welt verkörpert sind. Und wir erleben sie so, dass wir das neue Erlebnis auf ein altes Erlebnis beziehen wie in unserem Gedächtnisse wir irgendetwas auf ein Erlebnis vor acht bis zehn Jahren beziehen, so beziehen wir das, was wir da drüben erleben in der geistigen Welt, in die wir eingetreten sind, auf das physische Sonnenerlebnis hier. Wie eine Erinnerung steht unter den Bildern, die wir da erleben, auch das physische Sonnenerlebnis da. Und wir wissen dadurch: Die Sonne ist das äußere Abbild von geistig-göttlichen Wesenheiten, wie unser eigener Körper das Abbild unserer eigenen Seele ist. Wir schauen nunmehr dasjenige, was an Kräften, aber an Kräften, die selber geistige Wesen sind, hinter der Sonne steht. Das erscheint dem heutigen Menschen grotesk, phantastisch. Es ist nicht phantastischer als die Ergebnisse der Elektrizitätslehre oder des Magnetismus.

[ 44 ] Here in the physical world, we have experienced the sun. In the spiritual world, into which we have entered in the manner described, we experience something else: spiritual beings—beings that now possess an inner life, but a life that, unlike that of human beings, does not have an outer physical form. We experience spiritual-soul-divine-spiritual beings that are not embodied in the physical world. And we experience them in such a way that we relate this new experience to an old one—just as in our memory we relate something to an experience from eight to ten years ago—so we relate what we experience over there in the spiritual world, into which we have entered, to the physical experience of the sun here. Just as a memory stands among the images we experience there, so too does the physical experience of the sun stand there. And through this we know: The sun is the outer image of spiritual-divine beings, just as our own body is the image of our own soul. We now behold the forces—forces that are themselves spiritual beings—that lie behind the sun. To people today, this seems grotesque, fantastical. Yet it is no more fantastical than the findings of the science of electricity or magnetism.

[ 45 ] Man muss nur sich genau unterrichten über die Art und Weise, wie der Geistesforscher zu diesen Dingen kommt, und man wird das nicht mehr phantastisch finden, sondern so exakt und realistisch finden, wie nur eine mathematisch-naturwissenschaftliche Untersuchung zu naturwissenschaftlichen Ergebnissen führt. Aber man erlebt eben auch tatsächlich Vorgänge innerhalb dieses Erinnerns an die physische Welt und des Anschauens der entsprechenden geistig-seelischen, der göttlich-geistigen Wesenheiten. Bleiben wir zum Beispiel stehen bei dem, was sich uns da enthüllt an geistig-seelischen Wesenheiten, ich möchte sagen hinter der Sonne, was sich uns enthüllt als das Geistig-Seelische der Sonne, als Sonnengeist.

[ 45 ] One need only inform oneself thoroughly about the way in which the spiritual researcher arrives at these insights, and one will no longer find them fanciful, but rather as precise and realistic as a mathematical or scientific investigation that leads to scientific results. But one also actually experiences processes within this recollection of the physical world and the contemplation of the corresponding spiritual-soul entities and divine-spiritual entities. Let us pause, for example, at what is revealed to us there in terms of spiritual-soul entities—I would say, behind the sun—what is revealed to us as the spiritual-soul aspect of the sun, as the Sun Spirit.

[ 46 ] Nun — meine sehr verehrten Anwesenden —, indem wir so weit vorgedrungen sind mit unserem Erkennen des Geistes der Welt, gelangen wir auch dazu — ich habe schon eine andere Seite dieser Erkenntnis am letzten Dienstag geschildert —, uns nicht nur an unser Dasein zu erinnern, wie wir es durchlebt haben seit unserer Geburt oder einige Zeit hinterher, sondern wir lernen zurückschauen in unser vorirdisches Dasein, wie wir als Geistig-Seelisches, das ja jetzt frei geworden ist in seinem Erleben vom Leibe, wie wir als Geistig-Seelisches in einer geistig-seelischen Welt waren. So, wie wir hier der äußeren physischen Sonne gegenüberstehen, so waren wir in einem vorirdischen Dasein in einer rein geistigen Umgebung, aber im Zusammenhange jetzt mit dem, was dem physischen Sonnenlichte geistig entspricht. Wie uns hier auf Erden die physische Sonne bestrahlt, so standen wir in unserem vorirdischen Dasein in einem Verhältnis zu den göttlichen Sonnenwesen, die uns nicht mit physischem Lichte bestrahlten, die aber ihre eigene Tätigkeit mit unserer damaligen Tätigkeit verbanden, sodass wir im Geistig-Seelischen uns eingehüllt fanden in geistige Sonnenwirkung, wie wir uns hier im physischen Dasein bestrahlt fühlen von physischer Sonnenwirkung. Und in einem gewissen Momente unseres Keimeslebens — das lernen wir erkennen — stiegen wir herunter aus dem vorirdischen, rein geistig-seelischen Dasein, verbanden uns mit demjenigen, was uns durch Vater und Mutter zukommt als physischer Menschenleib. Wir vereinigten dasjenige, was wir erlebt haben unter dem Einflusse der Tätigkeit der Sonnenwesen, mit dem physischen Leibe. Wir tauchen unter in diesen physischen Leib, durchseelen, durchgeistigen ihn. Dasjenige, was in uns Sonnentätigkeit war, das wird zu dem uns durchseelenden ätherischen Leibe, der als ein feiner Leib in uns ist, und das regt an unsere Fähigkeit, nun das physische Sonnenlicht zu entzünden und durch es die Farben zu schauen.

[ 46 ] Now—my esteemed audience—having advanced this far in our understanding of the spirit of the world, we also come to the point—I already described another aspect of this insight last Tuesday — not only to recall our existence as we have lived it since our birth or for some time thereafter, but we also learn to look back upon our pre-earthly existence—how we, as spiritual-soul beings, now freed from the body in our experience, existed as spiritual-soul beings in a spiritual-soul world. Just as we face the outer physical sun here, so in a pre-earthly existence we were in a purely spiritual environment, but now in connection with that which spiritually corresponds to the physical sunlight. Just as the physical sun shines upon us here on Earth, so in our pre-earthly existence we stood in a relationship to the divine solar beings, who did not shine physical light upon us, but who linked their own activity to our activity at that time, so that in our spiritual-soul life we found ourselves enveloped in a spiritual solar influence, just as we feel ourselves bathed here in physical existence by the physical influence of the sun. And at a certain moment in our embryonic life—as we come to recognize—we descended from our pre-earthly, purely spiritual-soul existence and united ourselves with that which comes to us through our father and mother as a physical human body. We united what we had experienced under the influence of the activity of the solar beings with the physical body. We immerse ourselves in this physical body, animating it with our soul and spirit. That which was solar activity within us becomes the etheric body that animates us, which exists within us as a subtle body, and this stimulates our ability to now kindle the physical sunlight and, through it, perceive colors.

[ 47 ] Kurz, wir lernen, indem wir den Geist der Welt kennenlernen, lernen wir uns selber real bestehend innerhalb dieses Geistigen der Welt kennen, schauen hinaus über unsere Geburt oder unsere Empfängnis in unser Ewiges, das heißt geistiges Dasein, das sich als GeistigEwiges uns enthüllt, weil wir jetzt wissen: Indem wir in dem geistigen Gegenbilde des physischen Sonnenlichtes waren, nahmen wir erst dasjenige auf, was unseren physischen Leib durchkraftet und mit Tätigkeit durchdringt im physischen Leben. So, wie wir das physische Sonnenlicht hier aufnehmen, so nahmen wir dort das geistige Sonnenlicht in unsere Tätigkeit hinein und bereiteten unser Erdenleben selber vor. Unser Erdenleben ist unser Geschöpf, nicht dass dasjenige, was geistig-seelisch in uns lebte, bloß das Geschöpf unseres Erdendaseins wäre. So lernt man allmählich sich wirklich erkennend hineinleben in den Geist der Welt.

[ 47 ] In short, as we come to know the spirit of the world, we come to know ourselves as truly existing within this spiritual reality of the world; we look beyond our birth or our conception into our eternal—that is, spiritual—existence, which reveals itself to us as the Eternal Spiritual, because we now know: While we were in the spiritual counterpart of physical sunlight, we first absorbed that which energizes our physical body and permeates it with activity in physical life. Just as we absorb physical sunlight here, so there we incorporated spiritual sunlight into our activity and prepared our earthly life ourselves. Our earthly life is our creation—not that what lived within us spiritually and soulfully was merely the creation of our earthly existence. In this way, one gradually learns to live into the spirit of the world through true self-knowledge.

[ 48 ] Oder nehmen wir ein anderes Beispiel, meine sehr verehrten Anwesenden. Man lernt erkennen — ebenso wie hinter der physischen Sonne das Geistige — auf die geschilderte Weise hinter dem physischen Mond die Mondenwesen. Sie enthüllen sich einem gerade als dasjenige, zu dem man sich hingerungen hat durch die Entwicklung des Willens. Sodass man dasjenige, was man innerlich erlebt, erlebt durch die Kraft der Sonne, dass man das in Bildern vor sich stellen kann. Die geistigen Wesenheiten, die Wesenheiten der geistigen Welt, welche im physischen Monde und seiner Tätigkeit, seiner Wirksamkeit im Raume ihr Abbild haben, die befähigen uns auch vor unserer Geburt oder Empfängnis dazu, nicht nur zu erleben dasjenige, was geistige Umwelt ist, sondern bewusst zu erleben, wie wir hier in der exakten Clairvoyance wissen, dadurch, dass wir gewissermaßen nicht nur das physische Sonnenlicht durch unser Auge empfangen, sondern dasjenige, was geistig in der Kraft des Sonnenlichtes wirkt, einsaugen, dass wir dadurch unbestimmt erleben im Geiste der Welt; dass wir aber dasjenige, was wir erleben, wie unser kosmisches Innere, abbilden können, das verdanken wir da den Kräften, die die geistigen Mondenkräfte sind. Und die geistigen Mondenkräfte sind es auch, die uns immer wiederum in das physische Erdendasein hereinbringen.

[ 48 ] Or let us take another example, ladies and gentlemen. Just as one learns to recognize the spiritual behind the physical sun, so too does one learn to recognize the lunar beings behind the physical moon in the manner described. They reveal themselves to us precisely as that toward which we have striven through the development of the will. Thus, what we experience inwardly is experienced through the power of the sun, enabling us to visualize it in images. The spiritual beings, the beings of the spiritual world, whose image is reflected in the physical moon and its activity, its influence in space—these beings enable us, even before our birth or conception, not only to experience what the spiritual environment is, but to consciously experience, as we know here through exact clairvoyance, by the fact that, in a sense, we not only receive physical sunlight through our eyes but also absorb that which acts spiritually within the power of sunlight—thereby experiencing the spirit of the world in an indefinite way; but the fact that we can represent what we experience—such as our cosmic inner being—we owe to the forces that are the spiritual forces of the Moon. And it is also the spiritual forces of the Moon that bring us back again and again into physical life on Earth.

[ 49 ] So ist es — meine sehr verehrten Anwesenden —, dass der Mensch erlebt die geistigen Gegenbilder desjenigen, was in der Sonne, im Monde, was auch in den Sternen erstrahlt äußerlich-physisch. Überall kommt man durch exakte Clairvoyance und durch jene Willensbildung, die ich bezeichnen möchte als ideelle Magie — um sie zu unterscheiden von alldem Scharlatanhaften, mit dem man sie so gerne heute verwechselt und das sich heute so groß macht in der Welt —, durch dieses, was ich also nennen möchte Gedankenausbildung auf der einen Seite bis zur exakten Clairvoyance, was ich auf der anderen Seite nennen möchte Ausbildung des Willens bis zur idealsten Magie, durch das gelangt man zum Erkennen des Geistes der Welt, zunächst nicht religiös, sondern durchaus wissenschaftlich.

[ 49 ] Thus it is—my esteemed audience—that human beings experience the spiritual counterparts of what shines outwardly and physically in the sun, the moon, and the stars. Everywhere, through precise clairvoyance and through that development of the will which I would like to call “ideal magic”—to distinguish it from all the charlatanism with which it is so readily confused today and which has become so prevalent in the world— through what I would therefore like to call “training of thought” on the one hand, leading to exact clairvoyance, and on the other hand, “training of the will” leading to the most ideal form of magic—through these one arrives at the recognition of the spirit of the world, initially not in a religious sense, but in a thoroughly scientific one.

[ 50 ] Man gelangt auf diese Weise dazu, in demjenigen, in dem man sich eigentlich unbewusst jede Nacht vom Einschlafen bis zum Aufwachen befindet, in dem zu erkennen den Keim desjenigen, was durch die Pforte des Todes hinaustritt, wenn eben der Mensch durch diese Pforte des Todes tritt. Und indem unser physischer Leib eingegliedert ist in die amoralische Natur, lernt man erkennen dasjenige, was man ist, wenn man außerhalb des Leibes im Schlaf ist, als — ich kann jetzt nicht sagen, Verkörperung, aber ich muss sagen: Verseligung —, als die Verseligung, die Vergeistigung desjenigen, was wir als moralische Wesenheit in der Welt wert sind, und desjenigen, was in uns lebt als religiöse Empfindung vom Göttlich-Geistigen, das die Welt durchdringt. Im physischen Leib ist unser Geistig-Seelisches in das Naturhafte eingeschlossen wie in eine Finsternis; wird uns durchsichtig dasjenige, was wir erleben, indem wir als Geistig-Seelisches außerhalb unseres Leibes sind vom Einschlafen bis zum Aufwachen, da ist alles dasjenige drinnen, was wir moralisch betätigt haben, da ist unser moralischer Wert drinnen, der geht durch die Pforte des Todes. Und indem man so den Geist der Welt kennenlernt, wie ich es geschildert habe, lernt man auch erkennen, dass alles dasjenige, was wir physisch anschauen — die Physik sagt es ja sogar heute schon —, einstmals im Wärmetod verschwinden wird, dass alles Äußerlich-Materielle vergänglich ist. Dasjenige aber, was sich der Mensch erwirbt als einen Geistkeim, der unbewusst ist im Schlaf, der bewusst wird in der exakten Clairvoyance, das ist dasjenige, was überdauert alles das, was wir an Mineralien, Pflanzen, Tieren, Sternen, Wolken und so weiter um uns herum sehen, das ist dasjenige, wodurch der Keim gelegt wird zu einer Zukunftswelt.

[ 50 ] In this way, one comes to recognize, within that state in which one actually finds oneself unconsciously every night from the moment of falling asleep until waking, the seed of that which passes through the gate of death when a human being actually passes through that gate of death. And because our physical body is integrated into amoral nature, one learns to recognize what one is when one is outside the body during sleep—not as an “incarnation,” though I cannot say that now—but I must say: spiritualization—as the spiritualization, the spiritual transformation of that which we, as moral beings, are worthy of in the world, and of that which lives within us as a religious sense of the divine-spiritual that permeates the world. In the physical body, our spiritual-soul aspect is enclosed within the natural realm as if in darkness; when what we experience becomes transparent to us—as we exist as spiritual-soul beings outside our bodies from the moment we fall asleep until we wake up—everything we have done morally is contained within it; our moral value is contained within it, and it passes through the gate of death. And by coming to know the spirit of the world in the way I have described, one also learns to recognize that everything we perceive physically—as physics itself already tells us today—will one day vanish into heat death, that everything outwardly material is transitory. But that which a person acquires as a spiritual seed—which lies unconscious during sleep and becomes conscious in true clairvoyance—is what outlasts everything we see around us in the form of minerals, plants, animals, stars, clouds, and so on; it is that which lays the seed for a future world.

[ 51 ] Wir lernen die Realität, die real werdende Kraft des Moralischen kennen. Wir lernen erkennen, ebenso wie der Botaniker in dem Keim der heutigen Pflanze die Pflanze des nächsten Jahres, so lernen wir erkennen dadurch, dass wir unser Geistig-Seelisches in seiner Verbindung mit unserer moralischen Qualität kennenlernen, das in der jetzigen Welt liegende Keimhafte für die zukünftigen Welten. Das heißt, wir bereiten durch unser moralisches und religiöses Leben Zukunftswelten vor, wenn die jetzigen verschwunden sein werden. Dadurch lagert sich auf unsere Seele ein Verantwortlichkeitsgefühl denkbar größter Art, denn wir wissen: Was wir moralisch ausbilden, was wir moralisch betätigen, das scheint heute noch bloß einem abstrakten Menschenurteil zu unterliegen; in Wirklichkeit ist es der Keim von Zukunftswelten.

[ 51 ] We come to know reality—the moral force that becomes real. Just as the botanist recognizes in the seed of today’s plant the plant of the coming year, so too do we come to recognize—by getting to know our spiritual and soul life in its connection with our moral qualities—the seed-like potential within the present world that lies within the future worlds. This means that through our moral and religious lives, we are preparing future worlds for when the present ones have passed away. Through this, a sense of responsibility of the greatest possible kind settles upon our soul, for we know: what we cultivate morally, what we do morally, seems today to be subject merely to an abstract human judgment; in reality, it is the seed of future worlds.

[ 52 ] Und indem wir erkennen lernen unsere eigene Unsterblichkeit — das heißt die Fähigkeit desjenigen, was außerhalb des Leibes vom Einschlafen bis zum Aufwachen da ist, was durchgeht durch die Pforte des Todes, um so, wie es im vorirdischen Dasein real gelebt hat, im nachirdischen Dasein real zu leben in einer geistigen Welt, in einer geistigen Umgebung —, so, wie wir unsere eigene Unsterblichkeit erkennen, so lernen wir die Ewigkeit der Welt kennen, wissen, dass die gegenwärtige Welt die verfestete, verdichtete geistige Welt der Vorzeit ist, und wissen, dass in der verfesteten Welt, die wir heute als Natur anschauen, indem diese Natur aus sich den physischen Menschen hervorgehen lässt, innerhalb des physischen Menschen sich bildet der geist-seelische Menschenkeim, der neue Welten schaffen wird.

[ 52 ] And as we come to recognize our own immortality—that is, the capacity of that which exists outside the body from the moment we fall asleep until we wake up, which passes through the gate of death in order to live in reality in the afterlife, just as it did in premortal existence, in a spiritual world, in a spiritual environment—so, as we recognize our own immortality, so do we come to know the eternity of the world; we know that the present world is the solidified, condensed spiritual world of antiquity, and we know that within the solidified world we regard today as nature—as this nature brings forth the physical human being from within itself—the spiritual-soul seed of the human being is formed within the physical human being, a seed that will create new worlds.

[ 53 ] Durch das alles, meine sehr verehrten Anwesenden, gelangt dann der moderne Mensch dazu, bloß mit jener Anleitung, auf die ich schon hingedeutet habe, nicht unter der Abhängigkeit eines Gurus, wie das in alten Zeiten der Fall war, Erkenntnisse des geistigen Wesens der Welt wirklich zu gewinnen. Der Ausgangspunkt ist nur der, wie ich angedeutet habe, und wie ich es schon gegeben habe in meiner «Philosophie der Freiheit» vor dreißig Jahren, der Ausgangspunkt ist der, dass man zunächst die wahre Natur des Moralischen im Menschen erkennt, wie sich dieses Moralische als das Individuellste in der Menschennatur, gewissermaßen als der geistig-seelisch wache Mensch selber in das reine Denken hineinergießt.

[ 53 ] Through all of this, my esteemed audience, modern human beings are then able—guided solely by the principles I have already alluded to, and not under the dependence on a guru, as was the case in ancient times—to truly gain insight into the spiritual essence of the world. The starting point is simply this, as I have indicated, and as I already set forth in my *Philosophy of Freedom* thirty years ago: the starting point is that one must first recognize the true nature of the moral in human beings—how this moral aspect, as the most individual element in human nature, pours itself into pure thought, so to speak, as the spiritually and soulfully awake human being itself.

[ 54 ] Bildet man dann diejenige Methode aus, die ich in der «Philosophie der Freiheit» als die moralische geschildert habe, bildet man sie aus für das Erkennen des Universums, so wird diese exakte Clairvoyance idealistische Magie, wird zum Eindringen in die Erkenntnis des Geistes der Welt, und damit auch der Ewigkeit des menschlichen Wesenskernes. Dass damit auch in Verbindung ist das Bewusstsein der wiederholten Erdenleben, das will ich nur nebenbei erwähnen. Es tritt auf in derjenigen Zeit, in der die Möglichkeit auftritt, ins vorirdische Dasein hineinzuschauen. Wenn wir da hineinschauen, wie wir da drinnen weben und leben, so wie wir hier unter den Naturerscheinungen als physische Menschen schaffen, wie wir da als geistig-seelische Menschen weben und leben, da finden wir auch, wie wir dieses Leben herübergebracht haben aus früheren Erdenleben, wie wir es durch den Tod in künftige Erdenleben hineintragen werden. So ist dasjenige, was erreicht werden kann durch exakte Clairvoyance, durch idealistische Magie.

[ 54 ] If one then develops the method that I described in *The Philosophy of Freedom* as the moral method—if one develops it for the purpose of knowing the universe—then this exact clairvoyance becomes idealistic magic; it becomes a penetration into the knowledge of the spirit of the world, and thus also of the eternity of the human essence. I would just like to mention in passing that the awareness of repeated earthly lives is also connected to this. It arises at the time when the possibility arises to look into pre-earthly existence. When we look into that realm—how we weave and live there, just as we create here as physical human beings amidst natural phenomena, and how we weave and live there as spiritual-soul beings—we also discover how we have carried this life over from previous earthly lives, and how we will carry it through death into future earthly lives. This is what can be achieved through exact clairvoyance, through idealistic magic.

[ 55 ] Das ist, meine sehr verehrten Anwesenden, zunächst ein rein Wissenschaftliches, die geistige Fortsetzung desjenigen, was sich der moderne Mensch angeeignet hat gerade durch die Kraft des naturwissenschaftlichen Denkens. Aber es schwingt sich auf zu einem religiösen Empfinden. Und dieses religiöse Empfinden, ich möchte es Ihnen noch in ein paar Schlussworten gerade in Anlehnung an das gewaltige Mysterium, das sich auf Erden abgespielt hat zu Golgatha, ich möchte es Ihnen in Anlehnung an die Durchdringung des irdischen Menschenlebens mit dem Christus-Impuls noch schildern.

[ 55 ] This, my esteemed audience, is first and foremost a purely scientific matter—the intellectual continuation of what modern humanity has acquired precisely through the power of scientific thinking. But it soars upward to a religious feeling. And this religious feeling—I would like to describe it to you in a few concluding remarks, specifically in reference to the immense mystery that unfolded on Earth at Golgotha; I would like to describe it to you in reference to the permeation of earthly human life by the Christ impulse.

[ 56 ] Wenn wir, ausgerüstet mit jenen Erkenntnissen von dem geistigen Wesen der Welt, von denen ich eben gesprochen habe, herangehen an die Betrachtung des Mysteriums von Golgatha, so wird uns klar, dass, wenn wir in die Zeiten schauen vor dem Mysterium von Golgatha, da waren im Grunde genommen alle Erkenntnisse über die übersinnlichen Welten so errungen, wie ich es heute im Anfang der Auseinandersetzungen geschildert habe. Sie waren errungen durch das lebendige Verhältnis des Chelas zum Guru. Im Grunde genommen sind unsere jetzigen Religionsbekenntnisse nur traditionelle Nachzügler desjenigen, was in solcher Weise die alten Schüler von ihrem Guru gelernt haben.

[ 56 ] When we approach the contemplation of the Mystery of Golgotha, equipped with those insights into the spiritual nature of the world that I have just spoken of, it becomes clear to us that, when we look back to the times before the Mystery of Golgotha, all knowledge of the supersensible worlds had, in essence, been attained in the manner I described at the beginning of today’s discussion. It was attained through the living relationship between the chela and the guru. In essence, our present religious creeds are merely traditional offshoots of what the ancient disciples learned from their gurus in this way.

[ 57 ] Wie hat man dazumal in die geistige Welt hineingeschaut? Die Menschen haben auch dazumal die Natur um sich gesehen, aber nicht eine eigentliche Naturwissenschaft gebildet; wenn sie Erkenntnisse haben suchen wollen, so gingen sie eben zum Guru. Der Guru, der wies für sie zurück in die Zeiten des Erden-Urbeginns, wo die ältesten Gurus gelernt hatten von göttlich-geistigen Wesenheiten dasjenige, was dann die späteren Gurus im Grunde genommen sich angeeignet haben, um es ihren Schülern zu überbringen. Da wurde nun zurückgewiesen auf Urzeiten, auf Urzeiten, in denen noch nicht eine solche Trennung des irdischen Lebens und des geistigen Lebens war wie später. Der Mensch fühlte gewissermaßen so etwas, wie wenn er, indem er nur in der Natur lebte, abgefallen wäre von dem ursprünglichen Geistigen der Welt, und die Natur selber fühlte er allmählich als einen Abfall von dem geistigen Wesen der Welt. Man sah das Moralische so an, dass man sagte: Wir Menschen sind eben in einer natürlichen Entwicklung das geworden, was wir heute sind. Die Natur selber, die in uns lebt, ist abgefallen von dem Göttlich-Geistigen. Wir müssen uns durch die heiligen Gurus zurückführen lassen zu demjenigen, was die Natur früher war, wo sie nicht nur natürliche Wirkungen zeigte, wo sie durchdrungen war von moralischen Impulsen. Schauen wir in die ältesten Zeiten zurück, dann finden wir dort überall nicht eine bloße moralische Natur, dann finden wir dort überall einen Geist in der Natur. Zu dem hat sich der religiöse Sinn hingewendet, zu dem kann er sich nicht im Glauben, sondern in voller Erkenntnis hinwenden.

[ 57 ] How did people in those days gain insight into the spiritual world? Even back then, people observed the nature around them, but they had not yet developed a true natural science; whenever they sought knowledge, they simply went to the guru. The guru would lead them back in thought to the times of the Earth’s very beginning, when the earliest gurus had learned from divine-spiritual beings what later gurus essentially took upon themselves to pass on to their disciples. They looked back to primeval times—times in which there was not yet such a separation between earthly life and spiritual life as there was later. Human beings felt, in a sense, as if, by living solely in nature, they had fallen away from the world’s original spirituality, and they gradually came to perceive nature itself as a departure from the world’s spiritual essence. Morality was viewed in such a way that people said: We humans have simply become what we are today through a natural process of development. Nature itself, which lives within us, has fallen away from the divine-spiritual. We must allow the holy gurus to lead us back to what nature once was—when it did not merely exhibit natural effects, but was permeated by moral impulses. If we look back to the most ancient times, we do not find merely a moral nature everywhere there; rather, we find a spirit in nature everywhere there. It is to this that the religious sense has turned, and it is to this that it can turn—not in faith, but in full knowledge.

[ 58 ] Aber durch jene ältere Erkenntnis, die ein traumhaft entwickeltes Hellsehen war, wie ich es hier geschildert habe, durch jene ältere traumhafte Hellseherkunst sah der Mensch auch auf sein vorirdisches Dasein hin. Und gerade deshalb, weil der Mensch in jenen älteren Zeiten, die weiter dem Mysterium von Golgatha vorangingen — diejenigen Zeiten, die unmittelbar vorangingen, hatten das schon nicht mehr, es waren schon die älteren Erkenntnisse abgedämmert —, aber in jenen älteren Zeiten hatten die Menschen etwas in sich, das sie so in sich erlebten, wie sonst nur der Mensch die Natur erlebt; so erlebte der Mensch etwas in sich aufsteigen, wovon er sich sagte: Das habe ich von meinem vorirdischen Dasein. Weil die Menschen so etwas hatten, konnten sie dieses tiefe Vertrauen zum Guru haben. Und dann sagte ihnen der Guru auch: Ja, aber ihr seid versetzt in die physischirdische Welt; ihr geht durch den Tod wiederum in die geistige Welt ein. Ihr lebt hier auf Erden in einer Welt, die abgefallen ist von dem Geistigen; da drüben wird euch begegnen vor allen Dingen dasjenige Wesen, dessen physisches Abbild die Sonne ist. Das wird euch führen, sodass ihr die Kraft zum Lichte gewinnen könnt, sonst werdet ihr drüben geistig tot.

[ 58 ] But through that earlier form of knowledge—which was a dreamlike form of clairvoyance, as I have described here—through that earlier, dreamlike art of clairvoyance, human beings were also able to look back upon their pre-earthly existence. And precisely because, in those earlier times that preceded the Mystery of Golgotha—the times immediately preceding it no longer possessed this; those earlier insights had already faded—but in those earlier times, people had something within them that they experienced just as a person otherwise experiences nature; so people felt something rising within them, of which they said to themselves: “This I have from my pre-earthly existence.” Because people possessed such a thing, they were able to have this deep trust in the Guru. And then the Guru also told them: “Yes, but you have been placed in the physical-earthly world; through death you will enter the spiritual world once more.” You live here on Earth in a world that has fallen away from the spiritual; over there, you will encounter, above all else, that Being whose physical image is the sun. It will guide you so that you may gain the strength to reach the light; otherwise, you will be spiritually dead over there.

[ 59 ] Und es war noch etwas geblieben von dieser Urweisheit in der Zeit, als das Mysterium von Golgatha sich auf Erden abspielte. Und aus dieser Urweisheit heraus sah man zuerst in den ersten Jahrhunderten den Christus-Impuls und das Mysterium von Golgatha an. Und man sagte: Dasjenige Wesen, das früher nur oben war in der geistigen Welt, das den Menschen herunter entlassen hat in die physische Welt, das seine Führung wieder übernimmt nach dem Tode, dieses geistige Wesen ist heruntergestiegen und hat in dem Menschen Jesus von Nazareth Leib angenommen. Dasjenige, zu dem man hinaufsah in den Zeiten der alten Mysterien-Weisheit als dem hohen Sonnenwesen, dem geistig-göttlichen Gegenbilde der physischen Sonne, dem Führer des Menschen durch alle Tode und alle Leben, von diesem Wesen, das dann das Christus-Wesen genannt wurde, sagten jene, die noch alte Eingeweihte, Initiierte aus den alten Mysterien zur Zeit des Mysteriums von Golgatha geblieben waren, sagten sie, es sei heruntergestiegen. Und weil der Mensch so weit irdisch geworden ist, dass er fortan nicht mehr in Zusammenhang stehen kann mit demjenigen, was im Erdenbeginn noch als Göttlich-Geistiges lebte, ist dieses göttlich-geistige Wesen auf die Erde selber heruntergestiegen, hat Leib angenommen, ist mit der Erde verbunden geblieben. Und die Menschen können nach dem Paulusworte: «Nicht ich, sondern der in mir» — das Ich-Bewusstsein, das Freiheits-Bewusstsein, das sie durch den bloßen physischen Leib ausbilden können, sie können dieses Freiheits-Bewusstsein, dieses Ich-Bewusstsein durchdringen mit ihrem religiösen Verhältnis zu dem Christus, der im Leibe des Jesus von Nazareth durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Dadurch können sie hier durch die Kraft, die sie durch ihre Zusammengehörigkeit mit dem Christus, durch das innerliche fromme Erleben des Christus aufnehmen, dadurch können sie erreichen diejenige Führerschaft auch nach dem Tode, die sie früher auf die geschilderte Weise erreicht haben.

[ 59 ] And something of this primordial wisdom still remained at the time when the Mystery of Golgotha unfolded on Earth. And it was from this primordial wisdom that people first viewed the Christ impulse and the Mystery of Golgotha in the early centuries. And they said: That being who was once only above in the spiritual world, who sent humanity down into the physical world, who takes back its guidance after death—this spiritual being has descended and taken on a body in the person of Jesus of Nazareth. That being to whom people looked up in the times of the ancient mystery wisdom as the high solar being, the spiritual-divine counterpart of the physical sun, the guide of humanity through all deaths and all lives—of this being, who was then called the Christ Being, those who were still old initiates from the ancient mysteries at the time of the Mystery of Golgotha said that it had descended. And because humanity has become so earthly that it can no longer maintain a connection with that which, at the dawn of the Earth, still lived as the Divine-Spiritual, this Divine-Spiritual Being descended to the Earth itself, took on a body, and remained connected to the Earth. And human beings, in accordance with Paul’s words: “Not I, but the One within me”—the sense of self, the sense of freedom that they can develop through the mere physical body—they can permeate this sense of freedom, this sense of self, with their religious relationship to the Christ who passed through the Mystery of Golgotha in the body of Jesus of Nazareth. Through this—through the power they draw from their union with Christ and from their inner, devout experience of Christ—they can attain, even after death, the same leadership they previously attained in the manner described.

[ 60 ] So wies man in den ersten Zeiten des Christentums hin auf den Christus-Führer, der aus geistigen Welten herabgestiegen ist in die physische Welt. Dieses Bewusstsein hörte allmählich auf, wie die alte InitiationsWeisheit, die Yoga-Weisheit überhaupt aufhörte, und wir Menschen stehen heute da so, dass wir uns heute, wie ich gezeigt habe, von der naturwissenschaftlichen Gesinnung aus den Einblick in die geistige Welt erobern müssen. Wir stehen da mit unserem moralischen Bewusstsein. Wir stehen da mit dem Bedürfnis nach einer göttlichen Welt. Wir können aber auch wissen, so, wie die Alten gesagt haben: Diese Welt ist abgefallen von dem Göttlich-Geistigen, sie ist sündhaft geworden im Menschen, sie ist amoralisch geworden als Natur — so nehmen wir heute die Welt hin, wissen aber, dass dem individuellen Menschen auf individualistische Weise in sein Denken hineindringt mit dem Freiheits-Bewusstsein die moralische Intuition. Wir arbeiten uns hinauf in die Geistwelt zur Erkenntnis der geistigen Welt, und wir wissen, so wie die Alten wussten, sie sind von den Göttern entlassen worden auf die Erde; wir wissen, dass wir durch die freie Kraft des Menschen, die wir herausentwickeln aus dem Irdischen, den Anschluss wiederfinden werden an die göttlich-geistigen Welten.

[ 60 ] Thus, in the early days of Christianity, attention was drawn to the Christ-Guide, who descended from the spiritual worlds into the physical world. This awareness gradually ceased, just as the ancient wisdom of initiation—and indeed, the wisdom of yoga in general—ceased, and we humans find ourselves today in a situation where, as I have shown, we must gain insight into the spiritual world through a scientific mindset. We stand here with our moral consciousness. We stand here with a need for a divine world. But we can also know, just as the ancients said: This world has fallen away from the divine-spiritual; it has become sinful in human beings; it has become amoral as nature—this is how we accept the world today, yet we know that moral intuition penetrates the individual’s thinking in an individualistic way, together with the consciousness of freedom. We work our way up into the spiritual world toward knowledge of the spiritual realm, and we know, just as the ancients knew, that they were sent down to Earth by the gods; we know that through the free power of the human being—which we develop from the earthly—we will regain our connection to the divine-spiritual worlds.

[ 61 ] Die Alten haben in die Vergangenheit gesehen und diese Erde als ein Abfallen von dem Göttlich-Geistigen der Vergangenheit angesehen. Wir sehen auf die Erde und hoffen für die Zukunft, dass wir aus menschlicher Freiheit heraus die Götter wiederfinden, von denen wir ja wissen, dass sie als Gegenbilder hinter Sonne und Mond, wie ich es geschildert habe, leben. So gibt uns heutigen Menschen, indem wir hinblicken auf das Mysterium von Golgatha und sagen mit den Paulus-Worten: «Nicht ich, sondern es gibt uns dieser Christus-Impuls die Kraft, nun wirklich zu arbeiten.» Denn die entgötterte Erde ist wieder göttlich geworden dadurch, dass der Christus in ihr lebt, indem er durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist. Und wir können wissen, wenn wir durch den Aufblick in die übersinnlichen Welten der Christuswesenheit wieder gewiss werden, dass diese Christuswesenheit unser Helfer sein wird in diejenige Zukunft hinein, in die wir durch unseren Geistkeim Realitäten bildend arbeiten müssen. So führt die Geist-Erkenntnis, die hier gemeint ist, wiederum hin von der bloßen Naturerkenntnis zum moralischen Bewusstsein, führt hin zum religiösen Bewusstsein.

[ 61 ] The ancients looked to the past and viewed this Earth as a fall from the divine-spiritual realm of the past. We look upon the Earth and hope for the future that, out of human freedom, we may rediscover the gods, whom we know to live as counter-images behind the sun and moon, as I have described. Thus, for us today, as we gaze upon the Mystery of Golgotha and say in the words of Paul, “Not I, but this Christ impulse gives us the strength to truly work now.” For the de-divinized Earth has become divine once more through the fact that Christ lives within it, having passed through the Mystery of Golgotha. And we can know—when, by looking up into the supersensible worlds of the Christ Being, we become certain once more—that this Christ Being will be our helper into that future in which we must work to shape realities through our spiritual seed. Thus, the spiritual knowledge referred to here leads us once again from mere knowledge of nature to moral consciousness, and on to religious consciousness.

[ 62 ] Meine sehr verehrten Anwesenden, wie sich diese Dinge dann in der äußeren Zivilisation ausleben können, welche Bedeutung sie für das heutige praktische Leben gewinnen können, das soll ja noch Gegenstand eines dritten Vortrages sein, den ich morgen hier halten darf unter dem Titel: «Die moralische und religiöse Erziehung vom Gesichtspunkte der Anthroposophie». Hier wollte ich nur zeigen, dass in der Tat dasjenige, das einstmals gesagt worden ist auf ganz andere Art von der uralten Menschenweisheit über die übersinnliche Welt, von den modernen Menschen wiederum gesagt werden kann, dass dieser moderne Mensch, indem er allen Forderungen der heutigen Zivilisation genügt, nicht ein Schwächling wird, indem er sich in Abhängigkeit bringt von einem Guru, sondern gerade auf die starken Kräfte der eigenen Individualität baut, gerade wiederum hineinkommen kann in jene Gebiete, wo Erkenntnisse des geistigen Wesens der Welt zu gewinnen sind. Der Mensch muss nur den Mut haben, dasjenige wieder an sich herankommen zu lassen, was von dem heutigen Geistesforscher kommt. Denn wie die Menschen heute die astrologischen, die biologischen, die physikalischen Erkenntnisse an sich herankommen lassen müssen, so fordert unsere Zeit, dass auch diese geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse unserer Kultur und unserem Zivilisationsleben einverleibt werden. Denn dasjenige, wodurch sie errungen sind, ist die starke Kraft des Denkens, die den Menschen nicht nur passiv die Welt anschauen lässt, sondern auch Tugenden gibt, die Selbstzucht, Selbsterziehung des Willens bis zur Überwindung alles Egoismus, bis zum Aufgehen in Liebe zur ganzen Welt, ohne welche ja, wie ich geschildert habe, eine universelle Welterkenntnis im Geiste nicht zu erringen ist.

[ 62 ] Ladies and gentlemen, how these ideas can be put into practice in our material civilization, and what significance they can have for practical life today—that will be the subject of a third lecture, which I will have the privilege of delivering here tomorrow under the title: “Moral and Religious Education from the Perspective of Anthroposophy.” Here I simply wanted to show that what was once said in a completely different way by ancient human wisdom about the supersensible world can indeed be said again by modern people—that this modern person, by meeting all the demands of today’s civilization, does not become weak by placing himself in dependence on a guru, but rather builds upon the strong forces of his own individuality, and can once again enter those realms where insights into the spiritual nature of the world can be gained. People need only have the courage to allow what comes from today’s spiritual researchers to reach them. For just as people today must allow astrological, biological, and physical insights to reach them, so our time demands that these insights from spiritual science also be incorporated into our culture and the life of our civilization. For what has brought about these insights is the powerful force of thought, which not only enables human beings to observe the world passively but also bestows virtues—self-discipline and the self-education of the will—leading to the overcoming of all egoism and to a merging in love with the whole world; without which, as I have described, a universal spiritual understanding of the world cannot be attained.

[ 63 ] Dasjenige, was wir heute erblicken als so viel Niedergangs-Erscheinungen — ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, was die Menschen heute ohne Überschau sein lässt in der physischen Welt —, es kann nur vom Geist, von der Seele aus geheilt werden. Dasjenige — meine sehr verehrten Anwesenden —, was uns heute fehlt, und was unsere Kultur, unsere Zivilisation in eine Sackgasse gebracht hat, das ist die Kraft des Gedankens bis zur Lebendigkeit, das ist die Kraft des Willens bis dahin, wo sie durchdringt die Finsternis des äußeren Sinnendaseins. Durchschauen wir dieses Dasein durch den lebendig gewordenen Gedanken so, dass wir überall, wo wir hintreten, uns als Genossen der geistigen Welt fühlen — und das können wir durch die moderne anthroposophische Geisteswissenschaft —, dann nehmen wir jene starke Kraft des Denkens, dann nehmen wir jene helle Kraft des Willens in unser menschliches Bewusstsein auf, durch die doch allein nur, wie jeder Unbefangene wohl wissen kann, dasjenige gestaltet werden kann, was die Menschheit braucht. Unsere Niedergangskräfte in der Zivilisation zeigen das ganz deutlich, was die Menschheit braucht, um zu Aufgangskräften aus der Gegenwart heraus in die nächste Zukunft zu kommen. Denn das scheint doch jedem einleuchten zu müssen, dass durch bloße äußerliche Institutionen diese Aufgangskräfte in unsere Zivilisation nicht hineinzubringen sind.

[ 63 ] What we see today as so many signs of decline—I have already pointed out what leaves people today without a sense of perspective in the physical world—can only be healed by the spirit, by the soul. What—my dear friends here today—we lack today, and what has led our culture and our civilization into a dead end, is the power of thought brought to life, the power of will that penetrates the darkness of outer sensory existence. If we perceive this existence through thought that has come alive in such a way that, wherever we go, we feel ourselves to be companions of the spiritual world—and we can do this through modern anthroposophical spiritual science— then we take up that powerful force of thought, then we take up that luminous force of will into our human consciousness, through which alone—as any open-minded person can well know—that which humanity needs can be shaped. The forces of decline in our civilization clearly reveal what humanity needs in order to transform these forces of decline into forces of ascent, moving from the present into the near future. For it must surely be obvious to everyone that these forces of ascent cannot be brought into our civilization through mere external institutions.

[ 64 ] Derjenige, der das erkennt, der müsste eigentlich in sich die Neigung entwickeln, hinzuschauen da, wo man versucht, dasjenige, was durch Äußeres nicht anzufachen ist, innerlich vom Geiste und von der Seele aus anzufachen. Wird es aber angefacht, dann werden wir Kraft, Mut und Vertrauen gewinnen, um im rechten Sinne aus dieser unserer Gegenwart mit ihren schweren Prüfungen in eine Zukunft hinüberzukommen, die zwar auch leidvoll sein wird, die nicht bloß glücklich sein wird für die Menschheit, in der aber die Menschen Glück und Leid in dem Sinne werden ertragen können, dass das Menschengeschlecht in würdiger Weise seine Fortschritte durchmacht in der Gesamt-Entwicklung dieses Menschengeschlechtes und dieser unserer Erde in künftige Zeiten hinein.

[ 64 ] Anyone who recognizes this should actually develop within themselves the inclination to look toward those places where people are trying to kindle—from within, through the spirit and the soul—that which cannot be kindled by external means. But once it is kindled, we will gain strength, courage, and confidence, to move, in the true sense, from our present time—with its severe trials—into a future that will indeed also be full of suffering, that will not be merely happy for humanity, but in which people will be able to endure happiness and suffering in such a way that the human race makes its progress with dignity within the overall development of the human race and of our Earth into the times to come.