Appendix to the Public Lectures
GA 85
31 March 1906, Cologne
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
5. Siegfried und die Götterdämmerung
5. Siegfried und die Götterdämmerung
[ 1 ] Die Sagen des Sagenkreises um Siegfried] wurden im achtzehnten Jahrhundert neu aufgefunden. Sie enthalten wichtige geistige Wahrheiten. Wagner fühlte es; er wollte der Kunst etwas von dem geben, was tief in der Menschennatur liegt, was zum Übermenschlichen führt. Die Wissenschaft, Kunst und Lücke in der Mitschrift] müssen einen Geist verkörpern.
[ 1 ] Die Sagen des Sagenkreises um Siegfried] wurden im achtzehnten Jahrhundert neu aufgefunden. Sie enthalten wichtige geistige Wahrheiten. Wagner fühlte es; er wollte der Kunst etwas von dem geben, was tief in der Menschennatur liegt, was zum Übermenschlichen führt. Die Wissenschaft, Kunst und Lücke in der Mitschrift] müssen einen Geist verkörpern.
[ 2 ] Siegfried wurde im Verborgenen erzogen von einer übermenschlichen Persönlichkeit. Ludwig Laistner] beleuchtete die Sage theosophisch und legte sie aus. Professor Volkelt] schrieb in Leipzig die «Traumphantasie». Der Glaube, es seien die Sagen aus der Volksseele entstanden, beruht auf einer irrtümlichen Vorstellung dieser Volksseele; wer sie versteht, wird dies niemals behaupten.
[ 2 ] Siegfried wurde im Verborgenen erzogen von einer übermenschlichen Persönlichkeit. Ludwig Laistner] beleuchtete die Sage theosophisch und legte sie aus. Professor Volkelt] schrieb in Leipzig die «Traumphantasie». Der Glaube, es seien die Sagen aus der Volksseele entstanden, beruht auf einer irrtümlichen Vorstellung dieser Volksseele; wer sie versteht, wird dies niemals behaupten.
[ 3 ] Eine Sage, die viel unter dem Volke verbreitet ist, ist die von der Mittagsfrau. Die Mittagsfrau kommt zu den Arbeitern auf dem Felde, die nicht während der Mittagspause nach Hause gegangen sind, und stellt ihnen während der Mittagspause allerhand Fragen. Wer diese Fragen nicht zu beantworten vermag, dem schlägt sie den Kopf ab oder fügt ihm auf andere Weise ein Leid zu. Ist er imstande, die Fragen bis zur Rückkehr der anderen Arbeiter zu beantworten, so muss die Mittagsfrau weichen. Auch der, welcher das Vaterunser von rückwärts nach vorne beten kann, ist ihrer Gewalt entzogen.
[ 3 ] Eine Sage, die viel unter dem Volke verbreitet ist, ist die von der Mittagsfrau. Die Mittagsfrau kommt zu den Arbeitern auf dem Felde, die nicht während der Mittagspause nach Hause gegangen sind, und stellt ihnen während der Mittagspause allerhand Fragen. Wer diese Fragen nicht zu beantworten vermag, dem schlägt sie den Kopf ab oder fügt ihm auf andere Weise ein Leid zu. Ist er imstande, die Fragen bis zur Rückkehr der anderen Arbeiter zu beantworten, so muss die Mittagsfrau weichen. Auch der, welcher das Vaterunser von rückwärts nach vorne beten kann, ist ihrer Gewalt entzogen.
[ 4 ] In Schuberts «Nachtzeit des Lebens» findet man die Volkssagen behandelt.
[ 4 ] In Schuberts «Nachtzeit des Lebens» findet man die Volkssagen behandelt.
[ 5 ] Unsere jetzige Traumfähigkeit ist ein rudimentäres Überbleibsel des traumhaften Hellsehens unserer Vorfahren; die Symbole sind Erlebnisse einer höheren Welt. Unsere Vorfahren konnten im Astrallicht sehen. Ihr Bewusstsein war dämmerhaft. Träume und Sagen sind Nachklänge aus einem astralischen Bewusstsein, sie sind Erlebnisse in höheren Welten. Früher hatten die Menschen im geistigen Bewusstsein Umgang mit den Göttern. Aus Geistigem, von den Göttern stammt der Mensch. Die niedere Natur wurde von ihrer höheren befruchtet. Die Welt der Riesen bedeutet die niedere Natur des Menschen, nämlich die physische Natur mit den Leidenschaften. Die Welt der Zwerge bedeutet die höhere Natur, nämlich das, was aufgepfropft wurde; der geistige Mensch mit den Sinnen. Der Mensch geht aus diesen beiden Naturen hervor. Die Zwerge sind hinuntergesunken, sie gehören zur Vergangenheit. Die Götter werden von den Riesen aufgefordert, von den Zwergen das Gold zu holen. Die Götter müssen zu den Zwergen gehen und mit dem Gold, das diese hüten, den Balg des getöteten Riesen ausstopfen. Die niedere Natur des Menschen (Riesen) ist auf Blutsverwandtschaft gegründet; sie bilden kleine Gemeinschaften, leben familienartig. Ihr Bewusstsein war ein dumpfes, kein Egoismus, kein Eigentum des Einzelnen.
[ 5 ] Unsere jetzige Traumfähigkeit ist ein rudimentäres Überbleibsel des traumhaften Hellsehens unserer Vorfahren; die Symbole sind Erlebnisse einer höheren Welt. Unsere Vorfahren konnten im Astrallicht sehen. Ihr Bewusstsein war dämmerhaft. Träume und Sagen sind Nachklänge aus einem astralischen Bewusstsein, sie sind Erlebnisse in höheren Welten. Früher hatten die Menschen im geistigen Bewusstsein Umgang mit den Göttern. Aus Geistigem, von den Göttern stammt der Mensch. Die niedere Natur wurde von ihrer höheren befruchtet. Die Welt der Riesen bedeutet die niedere Natur des Menschen, nämlich die physische Natur mit den Leidenschaften. Die Welt der Zwerge bedeutet die höhere Natur, nämlich das, was aufgepfropft wurde; der geistige Mensch mit den Sinnen. Der Mensch geht aus diesen beiden Naturen hervor. Die Zwerge sind hinuntergesunken, sie gehören zur Vergangenheit. Die Götter werden von den Riesen aufgefordert, von den Zwergen das Gold zu holen. Die Götter müssen zu den Zwergen gehen und mit dem Gold, das diese hüten, den Balg des getöteten Riesen ausstopfen. Die niedere Natur des Menschen (Riesen) ist auf Blutsverwandtschaft gegründet; sie bilden kleine Gemeinschaften, leben familienartig. Ihr Bewusstsein war ein dumpfes, kein Egoismus, kein Eigentum des Einzelnen.
[ 6 ] Die Zwerge bedeuten die Sinne, das Verstandesbewusstsein, die Urteilskraft; sie haben auf sinnliche Liebe verzichtet, das Gold ist die Macht, die die Urteilskraft gibt. Als das Verstandesbewusstsein kam, kamen Namen, Gesetze und Titel.
[ 6 ] Die Zwerge bedeuten die Sinne, das Verstandesbewusstsein, die Urteilskraft; sie haben auf sinnliche Liebe verzichtet, das Gold ist die Macht, die die Urteilskraft gibt. Als das Verstandesbewusstsein kam, kamen Namen, Gesetze und Titel.
[ 7 ] Wodan ist an Verträge gebunden. Sigmund (Siegfrieds Vater) vermählt sich der Sieglinde, seiner Schwester. Die Zwerge besitzen das Gold, sie sind das geistige Bewusstsein. Die Menschen erwerben den Besitz, sind egoistisch, besitzen das Gold. Die Seele, die sich hineinlebt zu den höheren geistigen Welten, ist etwas Weibliches. Die Außenwelt, die herabkommt, ist das Männliche. Der Eingeweihte lebt schon hier in der Welt, in der der Mensch nach dem Tode lebt. Die Walküre tritt nach dem Tode den Helden entgegen, sie ist seine eigene, ihn befreiende Seele; Siegfried verbindet sich mit Brunhilde (die geliebteste Walküre).
[ 7 ] Wodan ist an Verträge gebunden. Sigmund (Siegfrieds Vater) vermählt sich der Sieglinde, seiner Schwester. Die Zwerge besitzen das Gold, sie sind das geistige Bewusstsein. Die Menschen erwerben den Besitz, sind egoistisch, besitzen das Gold. Die Seele, die sich hineinlebt zu den höheren geistigen Welten, ist etwas Weibliches. Die Außenwelt, die herabkommt, ist das Männliche. Der Eingeweihte lebt schon hier in der Welt, in der der Mensch nach dem Tode lebt. Die Walküre tritt nach dem Tode den Helden entgegen, sie ist seine eigene, ihn befreiende Seele; Siegfried verbindet sich mit Brunhilde (die geliebteste Walküre).
[ 8 ] Die Walküre bedeutet die höhere Seele, mit der sich der Mensch nach dem Tode oder bei der Initiation verbindet. Siegfried tötet den Drachen, den Lindwurm, die niedere Natur. Durch Feuergluten muss Siegfried dringen, um Brunhilde zu finden. Der Mensch muss durch vieles hindurchgehen, bevor er zum Eingeweihten wird. Man wird zum Eingeweihten, indem man sich im Leben verbindet mit der Walküre, mit der Brunhilde. Der Eingeweihte erwirbt sich das höhere Bewusstsein. Der Eingeweihte trägt die Tarnkappe, er ist unsichtbar für die ihn umgebende Welt, diese erkennt ihn nicht. «Das Licht schien in den Finsternissen, aber die Finsternisse haben es nicht begriffen.» (Joh 1,5)
[ 8 ] Die Walküre bedeutet die höhere Seele, mit der sich der Mensch nach dem Tode oder bei der Initiation verbindet. Siegfried tötet den Drachen, den Lindwurm, die niedere Natur. Durch Feuergluten muss Siegfried dringen, um Brunhilde zu finden. Der Mensch muss durch vieles hindurchgehen, bevor er zum Eingeweihten wird. Man wird zum Eingeweihten, indem man sich im Leben verbindet mit der Walküre, mit der Brunhilde. Der Eingeweihte erwirbt sich das höhere Bewusstsein. Der Eingeweihte trägt die Tarnkappe, er ist unsichtbar für die ihn umgebende Welt, diese erkennt ihn nicht. «Das Licht schien in den Finsternissen, aber die Finsternisse haben es nicht begriffen.» (Joh 1,5)
[ 9 ] Siegfried (Sigurd) heiratet die Krimhilde, sie reicht und er nimmt den Vergessenheitstrunk und kann nicht mehr verbunden bleiben mit dem höheren Bewusstsein, und dieses, wenn’s vergessen wird, zerstört die menschliche Natur.
[ 9 ] Siegfried (Sigurd) heiratet die Krimhilde, sie reicht und er nimmt den Vergessenheitstrunk und kann nicht mehr verbunden bleiben mit dem höheren Bewusstsein, und dieses, wenn’s vergessen wird, zerstört die menschliche Natur.
[ 10 ] Die Götter haben das Volk verlassen – Götterdämmerung. Anstelle der Blutsliebe kommt die Christenliebe, ein Übergang zum höheren Standpunkt, die Menschen als Menschen zu lieben. Das Auftreten des Egoismus. Alles musste erst verdunkelt werden.
[ 10 ] Die Götter haben das Volk verlassen – Götterdämmerung. Anstelle der Blutsliebe kommt die Christenliebe, ein Übergang zum höheren Standpunkt, die Menschen als Menschen zu lieben. Das Auftreten des Egoismus. Alles musste erst verdunkelt werden.
[ 11 ] Die Liebe in vergeistigtem Sinne ist die Triebkraft des Lebens, die Liebe ist wie die Feuerwelt, nur das kann sich hindurchretten, was die wahre geistige Liebe verstehen und durchleben kann.
[ 11 ] Die Liebe in vergeistigtem Sinne ist die Triebkraft des Lebens, die Liebe ist wie die Feuerwelt, nur das kann sich hindurchretten, was die wahre geistige Liebe verstehen und durchleben kann.
[ 12 ] Hagen soll Siegfried töten, er wird von Brunhilde gesandt (wenn das höhere Bewusstsein in Vergessenheit gerät, so zerstört es). Siegfried ist verwundbar zwischen den Schultern, wo das Kreuz angeheftet ist. Dies ist die prophetische Hinweisung auf das Christentum, die Stelle, die später unverwundbar wird, dadurch, dass Jesus das Kreuz da trägt. Die Liebe muss über der Meinung stehen. Die alte Wahrheit flutet immer durch die Menschheit in neuen Formen.
[ 12 ] Hagen soll Siegfried töten, er wird von Brunhilde gesandt (wenn das höhere Bewusstsein in Vergessenheit gerät, so zerstört es). Siegfried ist verwundbar zwischen den Schultern, wo das Kreuz angeheftet ist. Dies ist die prophetische Hinweisung auf das Christentum, die Stelle, die später unverwundbar wird, dadurch, dass Jesus das Kreuz da trägt. Die Liebe muss über der Meinung stehen. Die alte Wahrheit flutet immer durch die Menschheit in neuen Formen.
