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Appendix to the Public Lectures
GA 85

26 April 1907, Berlin

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

6. Bibel und Weisheit

6. Bibel und Weisheit

[ 1 ] Wir haben gestern versucht, uns den Sinn vor die Seele hinzurücken, durch den dasjenige, was wir Theosophie nennen, sich annähern will den religiösen Urkunden. Wir wollen heute versuchen, wenigstens in einigen Beispielen tiefer in diejenige religiöse Urkunde, die der gegenwärtigen Kulturmenschheit doch wohl noch am nächsten liegt, in die Bibel hineinzukommen. Man kommt am leichtesten vom Standpunkte dessen, was man Geisteswissenschaft nennt, in die Bibel hinein, wenn man zunächst versucht, von dem Neuen Testament, von den Evangelien auszugehen. Nachdem wir gestern auseinandergesetzt haben, wie wir die sogenannte Kritik, den kritischen Geist auffassen sollen, wie wir uns zu der Niederschrift der verschiedenen einzelnen Teile des Neuen Testamentes und zu der Schriftensammlung des Alten Testaments vom Standpunkte der Geisteswissenschaft stellen können, so wollen wir heute mehr das Positive ins Auge fassen, voraussetzen, was gestern gesagt worden ist und ohne jede Befangenheit hineinleuchten in den geisteswissenschaftlichen Standpunkt gegenüber dieser Sache.

[ 1 ] Wir haben gestern versucht, uns den Sinn vor die Seele hinzurücken, durch den dasjenige, was wir Theosophie nennen, sich annähern will den religiösen Urkunden. Wir wollen heute versuchen, wenigstens in einigen Beispielen tiefer in diejenige religiöse Urkunde, die der gegenwärtigen Kulturmenschheit doch wohl noch am nächsten liegt, in die Bibel hineinzukommen. Man kommt am leichtesten vom Standpunkte dessen, was man Geisteswissenschaft nennt, in die Bibel hinein, wenn man zunächst versucht, von dem Neuen Testament, von den Evangelien auszugehen. Nachdem wir gestern auseinandergesetzt haben, wie wir die sogenannte Kritik, den kritischen Geist auffassen sollen, wie wir uns zu der Niederschrift der verschiedenen einzelnen Teile des Neuen Testamentes und zu der Schriftensammlung des Alten Testaments vom Standpunkte der Geisteswissenschaft stellen können, so wollen wir heute mehr das Positive ins Auge fassen, voraussetzen, was gestern gesagt worden ist und ohne jede Befangenheit hineinleuchten in den geisteswissenschaftlichen Standpunkt gegenüber dieser Sache.

[ 2 ] Sie wissen, dass dem Menschen, wenn er aus dem Bedürfnisse des christlich-gläubigen Herzens heraus sich an die vier Evangelien macht, zunächst eigentümliche Widersprüche begegnen können, welche sich aus den vier Evangelien, die man nennt nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas, nach Johannes, ergeben. Derjenige, der heute sich zu diesen Büchern gläubig, wenn auch noch so gläubig, verhält, hat doch keine richtige Vorstellung davon, in welchem Verhältnisse in alten, viel religiöseren Zeiten der Gläubige der Bibel gegenüberstand, was das Wort «Bibel», respektive was der Ausdruck «das Wort Gottes» eigentlich für die alten Gläubigen bedeutete. Wir brauchen uns nur zu erinnern an das Wort «Inspiration», zu erinnern, dass durch Jahrhunderte hindurch die gläubigen Gemüter festgehalten haben daran, dass jene, welche die religiösen Urkunden niedergeschrieben haben, inspiriert waren, dass sie unter dem unmittelbaren Einflusse des göttlichen Geistes selbst geschrieben haben, und so wahr sie den Glauben hatten, dass von diesem göttlichen Geiste nur die Wahrheit ausgehen konnte, so wahr erschien ihnen jedes Wort, das in der Bibel stand, als heilig. Die Bibel war ihnen der Ausdruck für die gewaltigen Welträtsel, die sich vor die Seele des Menschen hindrängten. Wie hätte ein Mensch, der sich vorstellte, dass die alten Gottesmänner Persönlichkeiten waren, die unmittelbar unter der Inspiration des göttlichen Geistes standen, glauben können, dass sie etwas geschrieben haben, ja, etwas hätten schreiben können, an das man Kritik anlegen muss? Es hätte nicht in den Herzen dieser Gläubigen ein unmittelbares Hängen an jeglichem Wort sein dürfen.

[ 2 ] Sie wissen, dass dem Menschen, wenn er aus dem Bedürfnisse des christlich-gläubigen Herzens heraus sich an die vier Evangelien macht, zunächst eigentümliche Widersprüche begegnen können, welche sich aus den vier Evangelien, die man nennt nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas, nach Johannes, ergeben. Derjenige, der heute sich zu diesen Büchern gläubig, wenn auch noch so gläubig, verhält, hat doch keine richtige Vorstellung davon, in welchem Verhältnisse in alten, viel religiöseren Zeiten der Gläubige der Bibel gegenüberstand, was das Wort «Bibel», respektive was der Ausdruck «das Wort Gottes» eigentlich für die alten Gläubigen bedeutete. Wir brauchen uns nur zu erinnern an das Wort «Inspiration», zu erinnern, dass durch Jahrhunderte hindurch die gläubigen Gemüter festgehalten haben daran, dass jene, welche die religiösen Urkunden niedergeschrieben haben, inspiriert waren, dass sie unter dem unmittelbaren Einflusse des göttlichen Geistes selbst geschrieben haben, und so wahr sie den Glauben hatten, dass von diesem göttlichen Geiste nur die Wahrheit ausgehen konnte, so wahr erschien ihnen jedes Wort, das in der Bibel stand, als heilig. Die Bibel war ihnen der Ausdruck für die gewaltigen Welträtsel, die sich vor die Seele des Menschen hindrängten. Wie hätte ein Mensch, der sich vorstellte, dass die alten Gottesmänner Persönlichkeiten waren, die unmittelbar unter der Inspiration des göttlichen Geistes standen, glauben können, dass sie etwas geschrieben haben, ja, etwas hätten schreiben können, an das man Kritik anlegen muss? Es hätte nicht in den Herzen dieser Gläubigen ein unmittelbares Hängen an jeglichem Wort sein dürfen.

[ 3 ] Für den heutigen Menschen ist es schwer, sich in diese Gemütsstimmung hineinzuversetzen. Er liest das erste und er liest das dritte Evangelium. Es werden ihm zwei Abstammungstafeln des Jesus von Nazareth vorgeführt, die eine in dem Evangelium nach Matthäus, die andere in dem Evangelium nach Lukas. Er verfolgt die Namen und findet, dass dieselben nicht übereinstimmen, dass schon beim dritten Glied von Joseph aufwärts ein anderer Name auftritt, dass, wo bei Matthäus Salomon steht, bei Lukas Nathan sich findet und so weiter, dass eine ganze Reihe von Namen in den Tafeln verschieden sind, und er frägt sich: Wie ist es möglich, dass dasjenige, was durch Jahrhunderte hindurch den Menschen als ein Quell der Wahrheit gedient hat, solche Widersprüche aufweisen kann? – Im Grunde genommen sehen wir in einer einzigen solchen Erwägung den Keimpunkt zu all den Zweifeln, die, hinsichtlich der einheitlichen Konstitution] der Schrift und zuletzt bezüglich ihrer Inspiration, den Menschen, den Kritikern gekommen sind. Aus solchen Erwägungen heraus, die in komplizierter Weise bis ins feinste Detail durchgeführt worden sind, haben sie die Bücher des Neuen Testamentes zerlegt, haben gefunden, was mehr oder weniger echt ist, haben gefunden, dass das erste Evangelium von dem vierten abweicht, woraus sich notwendig ergeben musste, dass man es im vierten Evangelium mit etwas ganz anderem als mit einer historischen Urkunde zu tun hat. Wie könnte man auch unbefangenen Geistes diese Widersprüche hinwegdekretieren? Es ist nur zu natürlich, dass der moderne Mensch, wenn er so etwas sieht, die Kritik anlegen muss.

[ 3 ] Für den heutigen Menschen ist es schwer, sich in diese Gemütsstimmung hineinzuversetzen. Er liest das erste und er liest das dritte Evangelium. Es werden ihm zwei Abstammungstafeln des Jesus von Nazareth vorgeführt, die eine in dem Evangelium nach Matthäus, die andere in dem Evangelium nach Lukas. Er verfolgt die Namen und findet, dass dieselben nicht übereinstimmen, dass schon beim dritten Glied von Joseph aufwärts ein anderer Name auftritt, dass, wo bei Matthäus Salomon steht, bei Lukas Nathan sich findet und so weiter, dass eine ganze Reihe von Namen in den Tafeln verschieden sind, und er frägt sich: Wie ist es möglich, dass dasjenige, was durch Jahrhunderte hindurch den Menschen als ein Quell der Wahrheit gedient hat, solche Widersprüche aufweisen kann? – Im Grunde genommen sehen wir in einer einzigen solchen Erwägung den Keimpunkt zu all den Zweifeln, die, hinsichtlich der einheitlichen Konstitution] der Schrift und zuletzt bezüglich ihrer Inspiration, den Menschen, den Kritikern gekommen sind. Aus solchen Erwägungen heraus, die in komplizierter Weise bis ins feinste Detail durchgeführt worden sind, haben sie die Bücher des Neuen Testamentes zerlegt, haben gefunden, was mehr oder weniger echt ist, haben gefunden, dass das erste Evangelium von dem vierten abweicht, woraus sich notwendig ergeben musste, dass man es im vierten Evangelium mit etwas ganz anderem als mit einer historischen Urkunde zu tun hat. Wie könnte man auch unbefangenen Geistes diese Widersprüche hinwegdekretieren? Es ist nur zu natürlich, dass der moderne Mensch, wenn er so etwas sieht, die Kritik anlegen muss.

[ 4 ] Nun fragen wir uns aber: Wie ist es möglich, dass durch Jahrhunderte, Jahrtausende hindurch wahrlich auch nicht gerade dumme Köpfe diese Bücher in der Hand gehabt haben und nicht auch zu einer Kritik, zu einem Sehen dieser Widersprüche gekommen sind? In Bezug auf die äußeren Gläubigen könnte man sich vielleicht darauf berufen und sagen: Die Bibel ist bis in die neueste Zeit nur in den Händen einiger weniger gewesen; die Gläubigen haben sie vor der Erfindung der Buchdruckerkunst fast gar nicht in die Hand bekommen. – Man wird sagen, dass die große Menge derselben nicht irrewerden braucht an dem, was von den leitenden Persönlichkeiten nicht hat vorgestellt werden können. Aber sollen wir uns vorstellen, dass die, welche die Bibel in die Hand bekommen haben, nicht gesehen hätten, was die heutige Kritik sagt?

[ 4 ] Nun fragen wir uns aber: Wie ist es möglich, dass durch Jahrhunderte, Jahrtausende hindurch wahrlich auch nicht gerade dumme Köpfe diese Bücher in der Hand gehabt haben und nicht auch zu einer Kritik, zu einem Sehen dieser Widersprüche gekommen sind? In Bezug auf die äußeren Gläubigen könnte man sich vielleicht darauf berufen und sagen: Die Bibel ist bis in die neueste Zeit nur in den Händen einiger weniger gewesen; die Gläubigen haben sie vor der Erfindung der Buchdruckerkunst fast gar nicht in die Hand bekommen. – Man wird sagen, dass die große Menge derselben nicht irrewerden braucht an dem, was von den leitenden Persönlichkeiten nicht hat vorgestellt werden können. Aber sollen wir uns vorstellen, dass die, welche die Bibel in die Hand bekommen haben, nicht gesehen hätten, was die heutige Kritik sagt?

[ 5 ] Es wird von einzelnen Historikern eingewendet: Langsam, durch die Gewalt der Kirche, hat sich das Ansehen dieser Bücher erst befestigt, nach und nach erst hat sich das herausgebildet, was man das Ehrfurchtsgebietende dieser biblischen Geschichte nennt. Vor einer richtigen geschichtlichen Betrachtung kann der Inhalt der Bibel auch gar nicht bestehen. Wenn wir zurückgehen in die ersten geschichtlichen Jahrhunderte und die Tatsachen prüfen, dann kommen wir zu dem Urteil, dass bei dem Konzil zu Nicäa festgestellt worden ist, welches die richtigen Evangelien sind, und dass durch Machtspruch dekretiert worden ist: Das sind die heiligen Schriften.

[ 5 ] Es wird von einzelnen Historikern eingewendet: Langsam, durch die Gewalt der Kirche, hat sich das Ansehen dieser Bücher erst befestigt, nach und nach erst hat sich das herausgebildet, was man das Ehrfurchtsgebietende dieser biblischen Geschichte nennt. Vor einer richtigen geschichtlichen Betrachtung kann der Inhalt der Bibel auch gar nicht bestehen. Wenn wir zurückgehen in die ersten geschichtlichen Jahrhunderte und die Tatsachen prüfen, dann kommen wir zu dem Urteil, dass bei dem Konzil zu Nicäa festgestellt worden ist, welches die richtigen Evangelien sind, und dass durch Machtspruch dekretiert worden ist: Das sind die heiligen Schriften.

[ 6 ] Vor einer unbefangenen geschichtlichen Betrachtung kann das nicht bestehen. Wir werden zu Persönlichkeiten geführt, die in den alten Zeiten des Christentums gelebt haben. Wir finden dann in ihren Mitteilungen, wie zum Beispiel im Jahre 160 n. Chr. eine sogenannte Evangelienharmonie gemacht wird, das heißt eine Zusammenstellung der verschiedenen Evangelien, sodass sie ein einheitliches Bild geben sollen. Später ist dies noch öfters gemacht worden, und wir können finden, wenn wir die Evangelien vom zweiten Jahrhundert sorgfältig prüfen, dass auch dasjenige so hineingearbeitet worden ist, was wir jetzt als Inhalt des Neuen Testamentes kennen. Wir können noch weiter zurückgehen, bis] zu den ersten Kirchenvätern, und wenn wir gerade diese kritisch prüfen, so zeigt sich uns, wie sie mit ungeheurer Ehrfurcht von der Bibel sprechen, mit einer Ehrfurcht, die die Annahme zulässt, dass sie geglaubt haben, die Bibel sei von höherer Geistigkeit inspiriert. Wir können bis zu Origines zurückgehen und bemerken dann, wie er in derselben Art und mit derselben Ehrfurcht von den biblischen Büchern spricht. Und wenn wir einzelne Worte nehmen], die sogar nur derjenige mitteilt, von dem nicht mit Unrecht gesagt wird, dass er noch ein Hörer des Apostels Johannes gewesen sei, Matthäus, dann finden wir, dass aus seiner Seele etwas herausspricht, was wir in demselben Sinne zusammenfügen können mit dem, was später die Stimmung der Gläubigen, auch der gelehrtesten Gläubigen, gegenüber dem Evangelium war.

[ 6 ] Vor einer unbefangenen geschichtlichen Betrachtung kann das nicht bestehen. Wir werden zu Persönlichkeiten geführt, die in den alten Zeiten des Christentums gelebt haben. Wir finden dann in ihren Mitteilungen, wie zum Beispiel im Jahre 160 n. Chr. eine sogenannte Evangelienharmonie gemacht wird, das heißt eine Zusammenstellung der verschiedenen Evangelien, sodass sie ein einheitliches Bild geben sollen. Später ist dies noch öfters gemacht worden, und wir können finden, wenn wir die Evangelien vom zweiten Jahrhundert sorgfältig prüfen, dass auch dasjenige so hineingearbeitet worden ist, was wir jetzt als Inhalt des Neuen Testamentes kennen. Wir können noch weiter zurückgehen, bis] zu den ersten Kirchenvätern, und wenn wir gerade diese kritisch prüfen, so zeigt sich uns, wie sie mit ungeheurer Ehrfurcht von der Bibel sprechen, mit einer Ehrfurcht, die die Annahme zulässt, dass sie geglaubt haben, die Bibel sei von höherer Geistigkeit inspiriert. Wir können bis zu Origines zurückgehen und bemerken dann, wie er in derselben Art und mit derselben Ehrfurcht von den biblischen Büchern spricht. Und wenn wir einzelne Worte nehmen], die sogar nur derjenige mitteilt, von dem nicht mit Unrecht gesagt wird, dass er noch ein Hörer des Apostels Johannes gewesen sei, Matthäus, dann finden wir, dass aus seiner Seele etwas herausspricht, was wir in demselben Sinne zusammenfügen können mit dem, was später die Stimmung der Gläubigen, auch der gelehrtesten Gläubigen, gegenüber dem Evangelium war.

[ 7 ] Freilich muss sich der Mensch, der so etwas betrachtet, etwas frei machen können, ja], sogar gründlich frei machen können von gewissen Vorurteilen. So wie spätere Zeiten sich zu dem, was man Christentum nennt, gestellt haben, so haben sich diejenigen, die in den ersten Jahrhunderten als Gelehrte gelebt haben, nicht dazu gestellt; und wenn heute jemand von irgendeinem orthodoxen Standpunkte aus zu einem anderen kommt, der die Bibel nicht gerade so auffasst, wie er sie auffasst, und zu ihm sagt, er sei ein Ungläubiger, er dürfe sich nicht Christ nennen, er verstoße gegen das rechte Wort der Bibel, so dürfen wir wohl an solche alten Gläubigen erinnern, an denen zu zweifeln auch die nicht wagen, welche sich die Bibel in willkürlicher Weise zurechtlegen. An ein Wort des Kirchenvaters Augustinus will ich mich anlehnen. Das Wort heißt: Dasjenige, was man heute christliche Religion nennt, ist uralt. Es ist die uralte wahre Religion, und das, was die uralte, wahre Religion ist, das nennt man jetzt die christliche Religion.

[ 7 ] Freilich muss sich der Mensch, der so etwas betrachtet, etwas frei machen können, ja], sogar gründlich frei machen können von gewissen Vorurteilen. So wie spätere Zeiten sich zu dem, was man Christentum nennt, gestellt haben, so haben sich diejenigen, die in den ersten Jahrhunderten als Gelehrte gelebt haben, nicht dazu gestellt; und wenn heute jemand von irgendeinem orthodoxen Standpunkte aus zu einem anderen kommt, der die Bibel nicht gerade so auffasst, wie er sie auffasst, und zu ihm sagt, er sei ein Ungläubiger, er dürfe sich nicht Christ nennen, er verstoße gegen das rechte Wort der Bibel, so dürfen wir wohl an solche alten Gläubigen erinnern, an denen zu zweifeln auch die nicht wagen, welche sich die Bibel in willkürlicher Weise zurechtlegen. An ein Wort des Kirchenvaters Augustinus will ich mich anlehnen. Das Wort heißt: Dasjenige, was man heute christliche Religion nennt, ist uralt. Es ist die uralte wahre Religion, und das, was die uralte, wahre Religion ist, das nennt man jetzt die christliche Religion.

[ 8 ] Man denke an ein solches Wort und stelle dann dasjenige daneben, was insbesondere ein theosophischer Erklärer der Bibel sehr häufig erfahren kann. Ist es nicht oftmals geradezu tragisch, wie gegnerische Stimmungen hervorgerufen werden, wie der Theosoph bei Bekannten, Freunden und Verwandten herben Widerspruch findet, indem sie ihm] sagen: Da kommst du wieder mit deinen theosophischen Phrasen, wo bleibt denn da die Bibel? Einem solchen Ausspruche liegt eine tiefe Unkenntnis der wirklichen Bibel zugrunde, und außerdem liegt darin eine große Prätention, der Anspruch, mit seiner Auffassung der Bibel unfehlbar zu sein. Wenn sich nur solche Gläubige ganz klar werden wollten darüber, was es heißt, der theosophischen Auffassung der Bibel so gegenüberzutreten. Es heißt nichts anderes als: Was ich in der Bibel finde, ist das unbedingt Richtige.

[ 8 ] Man denke an ein solches Wort und stelle dann dasjenige daneben, was insbesondere ein theosophischer Erklärer der Bibel sehr häufig erfahren kann. Ist es nicht oftmals geradezu tragisch, wie gegnerische Stimmungen hervorgerufen werden, wie der Theosoph bei Bekannten, Freunden und Verwandten herben Widerspruch findet, indem sie ihm] sagen: Da kommst du wieder mit deinen theosophischen Phrasen, wo bleibt denn da die Bibel? Einem solchen Ausspruche liegt eine tiefe Unkenntnis der wirklichen Bibel zugrunde, und außerdem liegt darin eine große Prätention, der Anspruch, mit seiner Auffassung der Bibel unfehlbar zu sein. Wenn sich nur solche Gläubige ganz klar werden wollten darüber, was es heißt, der theosophischen Auffassung der Bibel so gegenüberzutreten. Es heißt nichts anderes als: Was ich in der Bibel finde, ist das unbedingt Richtige.

[ 9 ] Es ist darum nicht so, dass der theosophische Standpunkt sich etwa weniger positiv zur Bibel verhält, sondern so, dass er gerade wiederum die wirkliche Bedeutung, den wirklichen Sachverhalt aus dieser Bibel herausentwickeln will. Richtiges Verstehen ist es, um was es sich gegenüber den religiösen Urkunden für die theosophische Weltanschauung handelt. Daher darf derjenige, welcher aus Bequemlichkeit bei irgendeiner anderen Positivität steht, die gerade zufällig die ist, an die er sich gewöhnt hat, der theosophischen Anschauung eigentlich nicht gegenübertreten. Denn vielfach lebt in der Seele derjenigen, die mit dem Munde einer wirklichen Erklärung der Bibel entgegenkommen, etwas Gegnerisches, sodass sie sagen: Ihr verleugnet die Bibel, ihr macht euch und eure Familie unglücklich. – Vielfach steckt auch nichts anderes dahinter als der Gedanke: Ich will nicht lernen; ich weiß, was ich weiß.

[ 9 ] Es ist darum nicht so, dass der theosophische Standpunkt sich etwa weniger positiv zur Bibel verhält, sondern so, dass er gerade wiederum die wirkliche Bedeutung, den wirklichen Sachverhalt aus dieser Bibel herausentwickeln will. Richtiges Verstehen ist es, um was es sich gegenüber den religiösen Urkunden für die theosophische Weltanschauung handelt. Daher darf derjenige, welcher aus Bequemlichkeit bei irgendeiner anderen Positivität steht, die gerade zufällig die ist, an die er sich gewöhnt hat, der theosophischen Anschauung eigentlich nicht gegenübertreten. Denn vielfach lebt in der Seele derjenigen, die mit dem Munde einer wirklichen Erklärung der Bibel entgegenkommen, etwas Gegnerisches, sodass sie sagen: Ihr verleugnet die Bibel, ihr macht euch und eure Familie unglücklich. – Vielfach steckt auch nichts anderes dahinter als der Gedanke: Ich will nicht lernen; ich weiß, was ich weiß.

[ 10 ] Lesen wir einem solchen Ausspruch gegenüber die Bergpredigt und verstehen wir sie richtig, dann werden wir uns nicht mehr, auch wenn wir uns Christen nennen, auf einen solchen Standpunkt stellen dürfen. Nur der erste Satz der Bergpredigt sei hier zitiert. Es ist, wie die, welche häufiger hierher kommen, wissen, öfter schon geschehen. Richtig Deutsch wiedergegeben heißt er: «Selig sind die, welche da sind Bettler im Geiste, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3) Man kann das nicht schöner ausdrücken, was man theosophische Gesinnung nennt, als es mit diesen Worten die Bergpredigt tut.

[ 10 ] Lesen wir einem solchen Ausspruch gegenüber die Bergpredigt und verstehen wir sie richtig, dann werden wir uns nicht mehr, auch wenn wir uns Christen nennen, auf einen solchen Standpunkt stellen dürfen. Nur der erste Satz der Bergpredigt sei hier zitiert. Es ist, wie die, welche häufiger hierher kommen, wissen, öfter schon geschehen. Richtig Deutsch wiedergegeben heißt er: «Selig sind die, welche da sind Bettler im Geiste, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3) Man kann das nicht schöner ausdrücken, was man theosophische Gesinnung nennt, als es mit diesen Worten die Bergpredigt tut.

[ 11 ] Was heißt theosophische Gesinnung? Es heißt nichts anderes als dasjenige, was in uns liegt, den tiefsten Kern unsrer eigenen Wesenheit, die in uns lebendige geistige Natur zur Entfaltung zu] bringen. Ebenso wie dasjenige, was unseren Körper bildet, den Stoffen der umliegenden Welt entnommen ist, so ist dasjenige, was in uns vorhanden ist, dem Geiste, der um uns lebt und zu allen Zeiten gelebt hat, entnommen. Und so wahr es ist, dass unser Körper nur ein Tropfen ist in dem Meere der materiellen Wirklichkeit, so wahr ist es, dass unsre Seele, unser Geist nur ein Tropfen ist in dem Meere des allumfassenden Weltengeistes. Aber so, wie der Tropfen, der aus dem Meere genommen wird, seiner Substanz nach dasselbe ist wie das Wasser des ganzen Meeres, so ist dasjenige, was in des Menschen tiefster Seele lebt, substanziell gleich mit dem Wesen des Göttlichen. Weil der Gott im Menschen lebt, kann der Mensch Gott erkennen; weil der Mensch geistig ist, kann der Mensch, wenn er nur will, eindringen in die geistige Welt um ihn herum.

[ 11 ] Was heißt theosophische Gesinnung? Es heißt nichts anderes als dasjenige, was in uns liegt, den tiefsten Kern unsrer eigenen Wesenheit, die in uns lebendige geistige Natur zur Entfaltung zu] bringen. Ebenso wie dasjenige, was unseren Körper bildet, den Stoffen der umliegenden Welt entnommen ist, so ist dasjenige, was in uns vorhanden ist, dem Geiste, der um uns lebt und zu allen Zeiten gelebt hat, entnommen. Und so wahr es ist, dass unser Körper nur ein Tropfen ist in dem Meere der materiellen Wirklichkeit, so wahr ist es, dass unsre Seele, unser Geist nur ein Tropfen ist in dem Meere des allumfassenden Weltengeistes. Aber so, wie der Tropfen, der aus dem Meere genommen wird, seiner Substanz nach dasselbe ist wie das Wasser des ganzen Meeres, so ist dasjenige, was in des Menschen tiefster Seele lebt, substanziell gleich mit dem Wesen des Göttlichen. Weil der Gott im Menschen lebt, kann der Mensch Gott erkennen; weil der Mensch geistig ist, kann der Mensch, wenn er nur will, eindringen in die geistige Welt um ihn herum.

[ 12 ] Ein Zweites gehört aber dazu, wenn der Mensch wirklich eindringen will in diese geistigen Welten, und dieses Zweite, das dazu gehört, ist mit dem einfachen Wort gegeben: Niemals stehen bleiben! Man darf eine Entwicklung nicht bloß glauben, sondern man muss die Entwicklung leben. Was heißt «eine Entwicklung leben» anderes, als das Bewusstsein in sich tragen, dass der Mensch sich aus einem unvollkommenen Zustande zu seinem jetzigen entwickelt hat, und dass er sich in die Zukunft hinein jederzeit weiterentwickeln kann. Nicht denken wir zunächst daran, dass des Menschen äußere Gestalt sich umändert in dieser Entwicklung, sondern daran, dass die Menschenseele von Stufe zu Stufe hinaufklimmen kann; dass es ein Aufwärtsschreiten dieser Seele gibt, dass es möglich ist, von Tag zu Tag vollkommener zu werden. Heute lernen wir etwas, unsere Seelenkräfte sind imstande, dies oder jenes einzusehen, unser Wille ist imstande, dies oder jenes zu tun. Bleiben wir stehen bei dem, was wir heute einsehen, bei dem, was unser Wille heute zu tun imstande ist, dann entwickeln wir uns nicht. Tragen wir aber das Bewusstsein in uns, dass außer den Kräften, die sich in uns schon entwickelt haben, auch noch andere Kräfte in uns schlummern – so schlummern, wie der Pflanzenkeim, der sich zur Pflanze entwickelt hat, andere Pflanzenkeime in sich schlummernd trägt –, dann werden wir jeden Tag mehr erkennen, dass wir herausholen können] aus unserer Seele die geistigen Augen und Ohren, eine höhere Entfaltung des Willens, und sehen, dass es mit jedem Tag besser werden kann. Dies dürfen wir nicht im trivialen Sinne verstehen, sondern so, dass diese Entwicklung in geistig-seelischer Richtung eine universelle Bedeutung hat.

[ 12 ] Ein Zweites gehört aber dazu, wenn der Mensch wirklich eindringen will in diese geistigen Welten, und dieses Zweite, das dazu gehört, ist mit dem einfachen Wort gegeben: Niemals stehen bleiben! Man darf eine Entwicklung nicht bloß glauben, sondern man muss die Entwicklung leben. Was heißt «eine Entwicklung leben» anderes, als das Bewusstsein in sich tragen, dass der Mensch sich aus einem unvollkommenen Zustande zu seinem jetzigen entwickelt hat, und dass er sich in die Zukunft hinein jederzeit weiterentwickeln kann. Nicht denken wir zunächst daran, dass des Menschen äußere Gestalt sich umändert in dieser Entwicklung, sondern daran, dass die Menschenseele von Stufe zu Stufe hinaufklimmen kann; dass es ein Aufwärtsschreiten dieser Seele gibt, dass es möglich ist, von Tag zu Tag vollkommener zu werden. Heute lernen wir etwas, unsere Seelenkräfte sind imstande, dies oder jenes einzusehen, unser Wille ist imstande, dies oder jenes zu tun. Bleiben wir stehen bei dem, was wir heute einsehen, bei dem, was unser Wille heute zu tun imstande ist, dann entwickeln wir uns nicht. Tragen wir aber das Bewusstsein in uns, dass außer den Kräften, die sich in uns schon entwickelt haben, auch noch andere Kräfte in uns schlummern – so schlummern, wie der Pflanzenkeim, der sich zur Pflanze entwickelt hat, andere Pflanzenkeime in sich schlummernd trägt –, dann werden wir jeden Tag mehr erkennen, dass wir herausholen können] aus unserer Seele die geistigen Augen und Ohren, eine höhere Entfaltung des Willens, und sehen, dass es mit jedem Tag besser werden kann. Dies dürfen wir nicht im trivialen Sinne verstehen, sondern so, dass diese Entwicklung in geistig-seelischer Richtung eine universelle Bedeutung hat.

[ 13 ] Wenn wir in der materiellen Welt tierische Gestalten sich körperlich zu einer edlen Menschenform entwickeln sehen, so berechtigt das nicht zu der Annahme, dass der Mensch sich aus den Tieren herausentwickelt habe. Sogar die Naturwissenschaft hat festgestellt, dass in Bezug auf die physische Gestalt des Menschen eine größere Ähnlichkeit zwischen den niedrigst entwickelten Menschen und den höchstentwickelten Affen, als zwischen dem niederen Affen und den höchsten Affenarten bestehe. Von diesem Verhältnis leitet die Naturwissenschaft die Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen ab. Diesen Satz hat im Jahre 1859 wie eine große Ketzerei der große Naturforscher Huxley ausgesprochen. Ein großer Teil dessen, was Sie in Haeckels Schriften lesen, ist unter dem unmittelbaren Gemütseindruck dieses Satzes geschrieben. Derjenige, der an die geistige Entwicklung glaubt, sagt sich: Wohlan, zugegeben, dass der Mensch in Bezug auf seine äußere Form, seine Körperlichkeit dem höchsten Affen nähersteht als dieser den niedrigsten seiner eigenen Gattung, aber ebenso wahr ist es auch, dass derjenige, der eine bestimmte Stufe der Geistigkeit erreicht hat, dem auf niederen Stufen der Menschheit Stehenden ferner steht als der niedrigste Mensch dem höchstentwickelten Tiere gegenüber.

[ 13 ] Wenn wir in der materiellen Welt tierische Gestalten sich körperlich zu einer edlen Menschenform entwickeln sehen, so berechtigt das nicht zu der Annahme, dass der Mensch sich aus den Tieren herausentwickelt habe. Sogar die Naturwissenschaft hat festgestellt, dass in Bezug auf die physische Gestalt des Menschen eine größere Ähnlichkeit zwischen den niedrigst entwickelten Menschen und den höchstentwickelten Affen, als zwischen dem niederen Affen und den höchsten Affenarten bestehe. Von diesem Verhältnis leitet die Naturwissenschaft die Verwandtschaft des Menschen mit dem Affen ab. Diesen Satz hat im Jahre 1859 wie eine große Ketzerei der große Naturforscher Huxley ausgesprochen. Ein großer Teil dessen, was Sie in Haeckels Schriften lesen, ist unter dem unmittelbaren Gemütseindruck dieses Satzes geschrieben. Derjenige, der an die geistige Entwicklung glaubt, sagt sich: Wohlan, zugegeben, dass der Mensch in Bezug auf seine äußere Form, seine Körperlichkeit dem höchsten Affen nähersteht als dieser den niedrigsten seiner eigenen Gattung, aber ebenso wahr ist es auch, dass derjenige, der eine bestimmte Stufe der Geistigkeit erreicht hat, dem auf niederen Stufen der Menschheit Stehenden ferner steht als der niedrigste Mensch dem höchstentwickelten Tiere gegenüber.

[ 14 ] Verfolgen wir den Faden der Entwicklung] in die höheren Gebiete, so sehen wir ihn sich fortsetzen in geistige Gebiete hinein, und in dem Geiste sehen wir die Theosophie als etwas so Wirkliches, wie es für die sinnlichen Augen die materielle Entwicklung ist. Und so wahr es ist, dass diejenigen, die Theosophie kennen – und Theosophie hat es zu allen Zeiten gegeben; schon Paulus sagt es –; auch, dass das alte indische Atma Vidya dasselbe ist, dass es] aber zu den verschiedenen Zeiten mit den verschiedensten Namen benannt wurde. Die heutige Naturforschung, welche sagt, was ich anzudeuten versucht habe, anerkennt eine Entwicklung von den niederen tierischen Formen bis zum Menschen.

[ 14 ] Verfolgen wir den Faden der Entwicklung] in die höheren Gebiete, so sehen wir ihn sich fortsetzen in geistige Gebiete hinein, und in dem Geiste sehen wir die Theosophie als etwas so Wirkliches, wie es für die sinnlichen Augen die materielle Entwicklung ist. Und so wahr es ist, dass diejenigen, die Theosophie kennen – und Theosophie hat es zu allen Zeiten gegeben; schon Paulus sagt es –; auch, dass das alte indische Atma Vidya dasselbe ist, dass es] aber zu den verschiedenen Zeiten mit den verschiedensten Namen benannt wurde. Die heutige Naturforschung, welche sagt, was ich anzudeuten versucht habe, anerkennt eine Entwicklung von den niederen tierischen Formen bis zum Menschen.

[ 15 ] Dagegen sagte die Theosophie zu allen Zeiten: Wir erkennen auch eine solche Entwicklung an, wir stehen durchaus auf dem Boden solcher Entwicklung, wir erkennen an, dass es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen der vollkommenen Gestalt des Menschen und einem niederen Tiere, das im Meeresschlamme lebt und kaum dem mit dem Mikroskop bewaffneten Auge sichtbar ist. Durch wie viele Zwischenstufen muss der Mensch oft hindurchschreiten, wenn er vom Unvollkommenen zum Vollkommenen vorrückt!

[ 15 ] Dagegen sagte die Theosophie zu allen Zeiten: Wir erkennen auch eine solche Entwicklung an, wir stehen durchaus auf dem Boden solcher Entwicklung, wir erkennen an, dass es einen gewaltigen Unterschied gibt zwischen der vollkommenen Gestalt des Menschen und einem niederen Tiere, das im Meeresschlamme lebt und kaum dem mit dem Mikroskop bewaffneten Auge sichtbar ist. Durch wie viele Zwischenstufen muss der Mensch oft hindurchschreiten, wenn er vom Unvollkommenen zum Vollkommenen vorrückt!

[ 16 ] Als ebenso wirklich und real sieht der Theosoph die Entwicklung der Seele und des Geistes an. Er sieht ebenso große Unterschiede zwischen den Individualitäten, die in der Theosophie Eingeweihte geworden sind], solchen Individualitäten, die in einem höheren Grade die in der Seele eines jeden Menschen liegenden Eigenschaften zu göttlichem Schauen gebracht haben], und denjenigen Menschen, die kaum die ersten Keime der Seelentätigkeit entwickelt haben. Der Unterschied in der Entwicklung vom Unvollkommensten der niedrigsten Seelenstufe bis zu dem vollkommen Eingeweihten ist größer als der zwischen dem kleinsten Lebewesen und dem vollkommensten Körper des Menschen. Wer weiß, dass es Eingeweihte gibt, die tief hineinschauen können in die Entwicklung der Dinge, der weiß, dass es etwas gibt wie Entwicklung.

[ 16 ] Als ebenso wirklich und real sieht der Theosoph die Entwicklung der Seele und des Geistes an. Er sieht ebenso große Unterschiede zwischen den Individualitäten, die in der Theosophie Eingeweihte geworden sind], solchen Individualitäten, die in einem höheren Grade die in der Seele eines jeden Menschen liegenden Eigenschaften zu göttlichem Schauen gebracht haben], und denjenigen Menschen, die kaum die ersten Keime der Seelentätigkeit entwickelt haben. Der Unterschied in der Entwicklung vom Unvollkommensten der niedrigsten Seelenstufe bis zu dem vollkommen Eingeweihten ist größer als der zwischen dem kleinsten Lebewesen und dem vollkommensten Körper des Menschen. Wer weiß, dass es Eingeweihte gibt, die tief hineinschauen können in die Entwicklung der Dinge, der weiß, dass es etwas gibt wie Entwicklung.

[ 17 ] Wer das weiß, der weiß auch, dass die Stimmung keine andere sein kann, als dass er sich sagt: Ich sehe hinauf zu den göttlichen Idealen, zu denen ich den Keim in der Seele trage; ich weiß, dass in der Zukunft sich etwas herausentwickelt haben wird, was heute noch in mir schlummert, nur schwach veranlagt ist. Ich weiß aber auch, dass ich alle Kräfte anwenden muss, um zu diesen Höhen hinaufzukommen. Als ein Bettler im Geiste kommt sich dann der vor, welcher so die geistige Welt ansieht. Und der ist «beseligt», das heißt selig fühlt er sich dann. Und wir haben im theosophischen Sinne ein so wunderbares Wort in der Bergpredigt, das da heißt: «Selig sind die, welche da betteln um Geist, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3) – Keiner, der den Sprachgebrauch der alten Zeiten kennt, wird wähnen, dass diejenigen, welche vom Himmel sprechen, einen Himmel im unbekannten Jenseits meinten. Die, welche wissen, werden wissen, dass der Himmel in alten Zeiten über den Sternen gesucht worden ist. «Über den Sternen standen die Himmel, sind auch des Mondes Hauch», und so weiter. Stellen Sie sich vor, dass überall da, wo man ist, auch der Himmel ist. Wo wir jetzt sind, da ist der Himmel, da ist die geistige Welt. Ebenso wie der Blinde, wenn er operiert wird, den Raum, den er vorher nur tasten konnte, mit Farben erfüllt sieht, so sieht der, dessen geistiger Sinn geöffnet ist, eine neue Welt um sich. Er sieht, was immer um ihn herum ist, in neuer Gestalt, in der Gestalt, in der er sehen muss, wenn er sich zu höherer Menschlichkeit hinaufentwickeln will. Er braucht nicht zu glauben, dass anderswo, an einem anderen Orte oder zu anderer Zeit der Himmel sei. Ihm gilt das Wort des Christus Jesus: «Das Himmelreich ist mitten unter euch.» (Lk 17,21)

[ 17 ] Wer das weiß, der weiß auch, dass die Stimmung keine andere sein kann, als dass er sich sagt: Ich sehe hinauf zu den göttlichen Idealen, zu denen ich den Keim in der Seele trage; ich weiß, dass in der Zukunft sich etwas herausentwickelt haben wird, was heute noch in mir schlummert, nur schwach veranlagt ist. Ich weiß aber auch, dass ich alle Kräfte anwenden muss, um zu diesen Höhen hinaufzukommen. Als ein Bettler im Geiste kommt sich dann der vor, welcher so die geistige Welt ansieht. Und der ist «beseligt», das heißt selig fühlt er sich dann. Und wir haben im theosophischen Sinne ein so wunderbares Wort in der Bergpredigt, das da heißt: «Selig sind die, welche da betteln um Geist, denn sie werden in sich selbst finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3) – Keiner, der den Sprachgebrauch der alten Zeiten kennt, wird wähnen, dass diejenigen, welche vom Himmel sprechen, einen Himmel im unbekannten Jenseits meinten. Die, welche wissen, werden wissen, dass der Himmel in alten Zeiten über den Sternen gesucht worden ist. «Über den Sternen standen die Himmel, sind auch des Mondes Hauch», und so weiter. Stellen Sie sich vor, dass überall da, wo man ist, auch der Himmel ist. Wo wir jetzt sind, da ist der Himmel, da ist die geistige Welt. Ebenso wie der Blinde, wenn er operiert wird, den Raum, den er vorher nur tasten konnte, mit Farben erfüllt sieht, so sieht der, dessen geistiger Sinn geöffnet ist, eine neue Welt um sich. Er sieht, was immer um ihn herum ist, in neuer Gestalt, in der Gestalt, in der er sehen muss, wenn er sich zu höherer Menschlichkeit hinaufentwickeln will. Er braucht nicht zu glauben, dass anderswo, an einem anderen Orte oder zu anderer Zeit der Himmel sei. Ihm gilt das Wort des Christus Jesus: «Das Himmelreich ist mitten unter euch.» (Lk 17,21)

[ 18 ] Das Himmelreich ist da, wo wir sind, es durchdringt alle körperlichen Dinge. Wie das Wasser das Eis durchdringt, so schwimmt gleichsam im Meere des göttlichen Geistes dasjenige, was sich aus diesem Geiste verdichtet hat als körperlich-materielle Welt. Alles Körperliche ist verdichtetes, verwandeltes Geistiges. Hinter allem Körperlichen steht das Geistige. Hier werden wir schon zu demjenigen geführt, was in Bezug auf geisteswissenschaftliche oder theosophische Auffassung das Verhältnis des Menschen zur Entwicklung ist. Ebenso wie draußen in der tierischen Welt Vollkommenes und Unvollkommenes lebt, so leben in Bezug auf das Geistige die verschiedensten Individualitäten: die einen fortgeschritten, die andren zurückgeblieben, die einen hineinsehend in Gebiete, wohin die moderne Wissenschaft noch leuchtet, die andren hineinsehend in die tiefsten Untergründe der menschlichen Erkenntnis, vom «Wilden» bis zu dem zur Göttlichkeit entwickelten Menschen, der befähigt ist, draußen in der Welt das Geistige um sich zu schauen.

[ 18 ] Das Himmelreich ist da, wo wir sind, es durchdringt alle körperlichen Dinge. Wie das Wasser das Eis durchdringt, so schwimmt gleichsam im Meere des göttlichen Geistes dasjenige, was sich aus diesem Geiste verdichtet hat als körperlich-materielle Welt. Alles Körperliche ist verdichtetes, verwandeltes Geistiges. Hinter allem Körperlichen steht das Geistige. Hier werden wir schon zu demjenigen geführt, was in Bezug auf geisteswissenschaftliche oder theosophische Auffassung das Verhältnis des Menschen zur Entwicklung ist. Ebenso wie draußen in der tierischen Welt Vollkommenes und Unvollkommenes lebt, so leben in Bezug auf das Geistige die verschiedensten Individualitäten: die einen fortgeschritten, die andren zurückgeblieben, die einen hineinsehend in Gebiete, wohin die moderne Wissenschaft noch leuchtet, die andren hineinsehend in die tiefsten Untergründe der menschlichen Erkenntnis, vom «Wilden» bis zu dem zur Göttlichkeit entwickelten Menschen, der befähigt ist, draußen in der Welt das Geistige um sich zu schauen.

[ 19 ] Alle diese Zwischenstufen glaubten nicht nur, sondern wussten diejenigen, welche Theosophen waren. Und wenn sie von Eingeweihten sprachen, so sprachen sie von solchen, die mehr wissen als die sie umgebende Menschheit. Immer haben sie von solchen Eingeweihten gesprochen, und nun wollen wir uns klarmachen, in welchem Sinne sie von den in die geistigen Welten Eingeweihten gesprochen haben.

[ 19 ] Alle diese Zwischenstufen glaubten nicht nur, sondern wussten diejenigen, welche Theosophen waren. Und wenn sie von Eingeweihten sprachen, so sprachen sie von solchen, die mehr wissen als die sie umgebende Menschheit. Immer haben sie von solchen Eingeweihten gesprochen, und nun wollen wir uns klarmachen, in welchem Sinne sie von den in die geistigen Welten Eingeweihten gesprochen haben.

[ 20 ] Wie schon oft hier auseinandergesetzt worden ist, finden wir, wenn wir in uralte Zeiten zurückgehen, dass auch das Alltagsbewusstsein anders war als heute], dass ein mehr hellseherisches Bewusstsein vorhanden war. Hellseherisch wird es nicht genannt, weil es etwa klarer wäre als das Tagesbewusstsein, sondern weil es gleichsam durch die Gegenstände hindurch bis in die Seele hinein sieht, aber es ist ein dumpfes, dämmerhaftes Bewusstsein, dessen Überreste sich im nächtlichen Traumbewusstsein des Menschen erhalten haben. Aus ihm hat sich das heutige] taghelle Bewusstsein der Menschheit entwickelt. Wenn wir zurückblicken in jene alten Zeiten, wo die große Masse der Menschen in diesem hellseherischen Bewusstsein lebte, so finden wir, dass es auch da schon Eingeweihte gab. Wodurch unterscheiden sich nun jene alten Eingeweihten von denjenigen, die noch in einem mehr dämmerhaften Bewusstsein um sie herum waren? Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie schon etwas wussten von dem Bewusstsein, das die Menschheit bekommen sollte und heute hat, dadurch, dass sie imstande waren, von der Zukunft etwas vorauszunehmen, in der Art in die Welt hineinzuschauen, wie die ganze Menschheit in späterer Zeit es erlangt hat. Es war diejenige Art, welche mit den Augen und Ohren des Leibes, mit denjenigen Organen, mit denen der Mensch sinnlich untersucht und verstandesmäßig begreift, wahrnahm. Wie das heute bei den Menschen im Allgemeinen wohl der Fall ist, so war es auch schon bei einzelnen eingeweihten Menschen der Vorzeit. Die waren eben deshalb Eingeweihte. Der Eingeweihte nimmt etwas von der Zukunft voraus. Ebenso trägt der Eingeweihte unsrer Tage etwas von dem erhöhten Hellsehen, von dem erhöhten Schauen, das die Menschheit in Zukunft haben wird, in sich. Er weiß etwas zu sagen von dem, was die jetzige Menschheit in Zukunft haben wird.

[ 20 ] Wie schon oft hier auseinandergesetzt worden ist, finden wir, wenn wir in uralte Zeiten zurückgehen, dass auch das Alltagsbewusstsein anders war als heute], dass ein mehr hellseherisches Bewusstsein vorhanden war. Hellseherisch wird es nicht genannt, weil es etwa klarer wäre als das Tagesbewusstsein, sondern weil es gleichsam durch die Gegenstände hindurch bis in die Seele hinein sieht, aber es ist ein dumpfes, dämmerhaftes Bewusstsein, dessen Überreste sich im nächtlichen Traumbewusstsein des Menschen erhalten haben. Aus ihm hat sich das heutige] taghelle Bewusstsein der Menschheit entwickelt. Wenn wir zurückblicken in jene alten Zeiten, wo die große Masse der Menschen in diesem hellseherischen Bewusstsein lebte, so finden wir, dass es auch da schon Eingeweihte gab. Wodurch unterscheiden sich nun jene alten Eingeweihten von denjenigen, die noch in einem mehr dämmerhaften Bewusstsein um sie herum waren? Sie unterscheiden sich dadurch, dass sie schon etwas wussten von dem Bewusstsein, das die Menschheit bekommen sollte und heute hat, dadurch, dass sie imstande waren, von der Zukunft etwas vorauszunehmen, in der Art in die Welt hineinzuschauen, wie die ganze Menschheit in späterer Zeit es erlangt hat. Es war diejenige Art, welche mit den Augen und Ohren des Leibes, mit denjenigen Organen, mit denen der Mensch sinnlich untersucht und verstandesmäßig begreift, wahrnahm. Wie das heute bei den Menschen im Allgemeinen wohl der Fall ist, so war es auch schon bei einzelnen eingeweihten Menschen der Vorzeit. Die waren eben deshalb Eingeweihte. Der Eingeweihte nimmt etwas von der Zukunft voraus. Ebenso trägt der Eingeweihte unsrer Tage etwas von dem erhöhten Hellsehen, von dem erhöhten Schauen, das die Menschheit in Zukunft haben wird, in sich. Er weiß etwas zu sagen von dem, was die jetzige Menschheit in Zukunft haben wird.

[ 21 ] So blickten die Alten, die etwas von diesen Dingen verstanden haben], auch hinauf zu den Eingeweihten. Sie sagten sich: Wie er die Dinge ansieht, so werden in Zukunft die Menschen die Dinge auch ansehen. Sehen wir uns ihn an, er ist das lebendige Ideal, er ist derjenige, der uns durch seine Gestalt erkennbar macht, was wir sein werden. – In diesem Sinne war er ihnen ein Prophet, und wenn er noch höher stand, ein Messias; und so sagten sie sich: Der Verlauf der Geschichte wird so sein, dass er hinführen wird die große Zahl der Menschen zu dem, was er erreicht hat. Einen «Erstgeborenen» nannten sie einen solchen. Derjenige aber, welcher in solcher Weise eingeweiht werden sollte, hatte durch verschiedene Stufen hindurchzugehen. Es gibt durch die verschiedenen Stufen bis zu den höchsten Einweihungsstufen hinauf die mannigfaltigsten Erkenntnis- und Willensgrade. Durch viele Stufen kann man durchschreiten. Wie die Pflanze bei ihrer Entwicklung die verschiedenen Stufen durchmacht, von der Wurzel zu Blatt, Blüte und Frucht, so schreitet der Mensch hinauf von Einsicht zu Einsicht, bis er vom Schüler zum Eingeweihten selber wird. Dieser Fortschritt geschieht durch Schulung, und diese Schulung kann man sich aneignen. Derjenige, welcher leugnet, dass es eine solche Schulung gibt, wodurch er zu einer höheren Art des Anschauens, zu der Eröffnung von Augen des Geistes und Ohren des Geistes gelangen kann, der weiß es eben nicht, der hat noch keine Kunde erhalten von solcher Schulung. Das ist die Aufgabe der Theosophie: der Menschheit zu sagen, dass es eine solche Schulung der Aufwärtsentwicklung gibt. In meiner Zeitschrift «Lucifer – Gnosis» können Sie lesen, dass jetzt in viel tieferer Weise von dem Prinzip der Einweihung und der geistigen Kultur gesprochen wird. Die mannigfaltigsten Gründe sprechen dafür. Einen Grund möchte ich aber anführen.

[ 21 ] So blickten die Alten, die etwas von diesen Dingen verstanden haben], auch hinauf zu den Eingeweihten. Sie sagten sich: Wie er die Dinge ansieht, so werden in Zukunft die Menschen die Dinge auch ansehen. Sehen wir uns ihn an, er ist das lebendige Ideal, er ist derjenige, der uns durch seine Gestalt erkennbar macht, was wir sein werden. – In diesem Sinne war er ihnen ein Prophet, und wenn er noch höher stand, ein Messias; und so sagten sie sich: Der Verlauf der Geschichte wird so sein, dass er hinführen wird die große Zahl der Menschen zu dem, was er erreicht hat. Einen «Erstgeborenen» nannten sie einen solchen. Derjenige aber, welcher in solcher Weise eingeweiht werden sollte, hatte durch verschiedene Stufen hindurchzugehen. Es gibt durch die verschiedenen Stufen bis zu den höchsten Einweihungsstufen hinauf die mannigfaltigsten Erkenntnis- und Willensgrade. Durch viele Stufen kann man durchschreiten. Wie die Pflanze bei ihrer Entwicklung die verschiedenen Stufen durchmacht, von der Wurzel zu Blatt, Blüte und Frucht, so schreitet der Mensch hinauf von Einsicht zu Einsicht, bis er vom Schüler zum Eingeweihten selber wird. Dieser Fortschritt geschieht durch Schulung, und diese Schulung kann man sich aneignen. Derjenige, welcher leugnet, dass es eine solche Schulung gibt, wodurch er zu einer höheren Art des Anschauens, zu der Eröffnung von Augen des Geistes und Ohren des Geistes gelangen kann, der weiß es eben nicht, der hat noch keine Kunde erhalten von solcher Schulung. Das ist die Aufgabe der Theosophie: der Menschheit zu sagen, dass es eine solche Schulung der Aufwärtsentwicklung gibt. In meiner Zeitschrift «Lucifer – Gnosis» können Sie lesen, dass jetzt in viel tieferer Weise von dem Prinzip der Einweihung und der geistigen Kultur gesprochen wird. Die mannigfaltigsten Gründe sprechen dafür. Einen Grund möchte ich aber anführen.

[ 22 ] Gerade das ist das Tragische, das so Bedrückende, die Seele Zermarternde für den modernen Menschen, dass er an die alten Urkunden nicht mehr glauben kann, dass ihm dieselben nicht mehr die Verkörperungen des Wortes Gottes sein können, weil die Entwicklung von Verstand und Vernunft zu weit vorgerückt ist, sodass er die alte Botschaft nicht mehr brauchen kann. Er braucht aber eine neue Botschaft, und diese will ihm bringen die Theosophie oder die Geisteswissenschaft. Wir haben gleichsam im Bilde in die Zukunft hineingesehen, und heute noch sieht die Entwicklung der Menschheit in der Zukunft derjenige, welcher sich zum Eingeweihten entwickelt. Er muss sich aber nach bestimmten Methoden entwickeln, und diese Methoden sind wirklich ganz bestimmte. Ebenso wie die Methoden, durch die man astronomische Wahrheiten erfährt, ganz bestimmte sind, so sind die Methoden, durch die man in die höhere Geistigkeit hinaufrückt, auch ganz bestimmte. Niemand darf sich sagen, dass er auf eigene Faust in die höheren Gebiete hinaufsteigen soll. Das ist so, wie wenn man auf eigene Faust Mathematik studieren und nichts auf Autorität hin annehmen wollte. Man braucht aber einen Leiter und Führer, der einem die Wege zeigt. Keine andre Autorität gibt es mehr auf diesem Gebiete. Daher ist es nur Rederei, wenn das Prinzip des gläubigen Hinneigens und Bekennens auf die Theosophie angewendet wird. Es ist ein Missverständnis, wenn in der Theosophie von Autorität und Gläubigkeit gesprochen wird.

[ 22 ] Gerade das ist das Tragische, das so Bedrückende, die Seele Zermarternde für den modernen Menschen, dass er an die alten Urkunden nicht mehr glauben kann, dass ihm dieselben nicht mehr die Verkörperungen des Wortes Gottes sein können, weil die Entwicklung von Verstand und Vernunft zu weit vorgerückt ist, sodass er die alte Botschaft nicht mehr brauchen kann. Er braucht aber eine neue Botschaft, und diese will ihm bringen die Theosophie oder die Geisteswissenschaft. Wir haben gleichsam im Bilde in die Zukunft hineingesehen, und heute noch sieht die Entwicklung der Menschheit in der Zukunft derjenige, welcher sich zum Eingeweihten entwickelt. Er muss sich aber nach bestimmten Methoden entwickeln, und diese Methoden sind wirklich ganz bestimmte. Ebenso wie die Methoden, durch die man astronomische Wahrheiten erfährt, ganz bestimmte sind, so sind die Methoden, durch die man in die höhere Geistigkeit hinaufrückt, auch ganz bestimmte. Niemand darf sich sagen, dass er auf eigene Faust in die höheren Gebiete hinaufsteigen soll. Das ist so, wie wenn man auf eigene Faust Mathematik studieren und nichts auf Autorität hin annehmen wollte. Man braucht aber einen Leiter und Führer, der einem die Wege zeigt. Keine andre Autorität gibt es mehr auf diesem Gebiete. Daher ist es nur Rederei, wenn das Prinzip des gläubigen Hinneigens und Bekennens auf die Theosophie angewendet wird. Es ist ein Missverständnis, wenn in der Theosophie von Autorität und Gläubigkeit gesprochen wird.

[ 23 ] Nun gab es in den verschiedenen Jahrtausenden immer Bücher – eigentlich nicht Bücher, sondern mehr eine mündliche Tradition, wenn wir in die alten Zeiten zurückgehen, und diese mündlichen Traditionen umfassten die Regeln, wie man eingeweiht wird. Wollen wir uns einen Begriff machen von dem, wie solch eine] Tradition war, wie solche Vorschriften waren, die zeigten, was der Mensch zu tun hat, wenn er anfängt, sich zu vergeistigen, bis zu den höchsten Einweihungsstufen, so brauchen wir nur daran zu denken, dass bei denen, die als Führer und Leiter wirkten, nichts niedergeschrieben werden durfte. Diese Regeln dürfen auch heute noch nicht niedergeschrieben, sondern nur mündlich übertragen werden denjenigen, die dazu würdig sind. Es gab einen Einweihungskanon. Er enthielt die Regeln der Geburt des Geistesmenschen aus dem sinnlichen Menschen; er zeigte die Regeln, die der Mensch erfüllen muss, um zu den hohen Zielen zu kommen. Wer sich dem geistigen Streben widmete, der musste von einer Stufe der Übungs- und Lebensweise zur andern, höheren geführt werden. Bist du auf der höheren Stufe, dann kommt der Eingeweihte und zeigt dir die höheren Geheimnisse.

[ 23 ] Nun gab es in den verschiedenen Jahrtausenden immer Bücher – eigentlich nicht Bücher, sondern mehr eine mündliche Tradition, wenn wir in die alten Zeiten zurückgehen, und diese mündlichen Traditionen umfassten die Regeln, wie man eingeweiht wird. Wollen wir uns einen Begriff machen von dem, wie solch eine] Tradition war, wie solche Vorschriften waren, die zeigten, was der Mensch zu tun hat, wenn er anfängt, sich zu vergeistigen, bis zu den höchsten Einweihungsstufen, so brauchen wir nur daran zu denken, dass bei denen, die als Führer und Leiter wirkten, nichts niedergeschrieben werden durfte. Diese Regeln dürfen auch heute noch nicht niedergeschrieben, sondern nur mündlich übertragen werden denjenigen, die dazu würdig sind. Es gab einen Einweihungskanon. Er enthielt die Regeln der Geburt des Geistesmenschen aus dem sinnlichen Menschen; er zeigte die Regeln, die der Mensch erfüllen muss, um zu den hohen Zielen zu kommen. Wer sich dem geistigen Streben widmete, der musste von einer Stufe der Übungs- und Lebensweise zur andern, höheren geführt werden. Bist du auf der höheren Stufe, dann kommt der Eingeweihte und zeigt dir die höheren Geheimnisse.

[ 24 ] Nur noch ein Wort über die Art und Weise, wie ein solcher Einweihungskodex gehandhabt worden ist. Heute ist es nicht mehr so üblich wie in alten Zeiten. Die Einweihungsprozesse schreiten auch vorwärts. Der Schüler wurde in alten Zeiten in eine Art Ekstase gebracht. Das Wort hatte damals eine andere Bedeutung als heute, es bedeutete nicht Außer-sich-Sein, sondern ein Bewusstwerden in höheren Bewusstseinszuständen, und dahin hatte ihn der geistige Führer geführt. Es war vorgeschrieben, wie lange man in solchem Bewusstseinszustande gehalten werden musste; es waren dreieinhalb Tage. Heute ist es nicht mehr so, dass das Bewusstsein herabgedämpft wird. Damals aber war der Betreffende in Ekstase und Entrückung, da wusste er nicht, was um ihn herum in] der Sinnenwelt vorging, da war der Einzuweihende auf dem Gebiete der sinnlichen Welt wie einer, der schläft. Er wurde also hingeführt zu einem Bewusstseinszustand, in dem die äußere Sinnenwelt schwand]. Aber was er erlebte, unterschied sich beträchtlich von dem, was der heutige Mensch erlebt, wenn beim Einschlafen die äußeren sinnlichen Gegenstände um ihn herum verschwinden. Die äußeren sinnlichen Dinge verschwanden, aber der Mensch lebte in einer Welt des Geistes; licht wurde es um ihn herum. Das, was man Astrallicht nennt, ging ihm auf: das Licht, das ein] andres Licht ist als das physische, das uns erscheint wie ein Meer von geistiger Substanz, in dem geistige Wesenheiten eingebettet sind und aus dem sie sich herausentwickeln. Und wenn er noch höher stieg, hörte er durchklingen aus dieser Welt, was in den alten pythagoräischen Schulen die Sphärenharmonie genannt wird. Dasjenige, was der Verstand als Weltgesetz in Begriffen erkennt, das nimmt der, welcher auf solcher Stufe sich befindet, wie eine Art Klang, wie geistige Musik wahr. Die geistigen Kräfte äußern sich in Harmonie und Rhythmus. Es ist aber dabei nicht an die äußere Musik zu denken. Die geistige Welt, die Welt der Himmel klingt und tönt für das astrale Licht. In diese Welt wurde der Einzuweihende eingeführt. Da lernte er die Stufen der menschlichen Göttlichkeit kennen, die die Menschheit erst in fernen Zeiten erklimmen wird. Das alles wurde für ihn Wahrheit, das durchlebte er in dreieinhalb Tagen.

[ 24 ] Nur noch ein Wort über die Art und Weise, wie ein solcher Einweihungskodex gehandhabt worden ist. Heute ist es nicht mehr so üblich wie in alten Zeiten. Die Einweihungsprozesse schreiten auch vorwärts. Der Schüler wurde in alten Zeiten in eine Art Ekstase gebracht. Das Wort hatte damals eine andere Bedeutung als heute, es bedeutete nicht Außer-sich-Sein, sondern ein Bewusstwerden in höheren Bewusstseinszuständen, und dahin hatte ihn der geistige Führer geführt. Es war vorgeschrieben, wie lange man in solchem Bewusstseinszustande gehalten werden musste; es waren dreieinhalb Tage. Heute ist es nicht mehr so, dass das Bewusstsein herabgedämpft wird. Damals aber war der Betreffende in Ekstase und Entrückung, da wusste er nicht, was um ihn herum in] der Sinnenwelt vorging, da war der Einzuweihende auf dem Gebiete der sinnlichen Welt wie einer, der schläft. Er wurde also hingeführt zu einem Bewusstseinszustand, in dem die äußere Sinnenwelt schwand]. Aber was er erlebte, unterschied sich beträchtlich von dem, was der heutige Mensch erlebt, wenn beim Einschlafen die äußeren sinnlichen Gegenstände um ihn herum verschwinden. Die äußeren sinnlichen Dinge verschwanden, aber der Mensch lebte in einer Welt des Geistes; licht wurde es um ihn herum. Das, was man Astrallicht nennt, ging ihm auf: das Licht, das ein] andres Licht ist als das physische, das uns erscheint wie ein Meer von geistiger Substanz, in dem geistige Wesenheiten eingebettet sind und aus dem sie sich herausentwickeln. Und wenn er noch höher stieg, hörte er durchklingen aus dieser Welt, was in den alten pythagoräischen Schulen die Sphärenharmonie genannt wird. Dasjenige, was der Verstand als Weltgesetz in Begriffen erkennt, das nimmt der, welcher auf solcher Stufe sich befindet, wie eine Art Klang, wie geistige Musik wahr. Die geistigen Kräfte äußern sich in Harmonie und Rhythmus. Es ist aber dabei nicht an die äußere Musik zu denken. Die geistige Welt, die Welt der Himmel klingt und tönt für das astrale Licht. In diese Welt wurde der Einzuweihende eingeführt. Da lernte er die Stufen der menschlichen Göttlichkeit kennen, die die Menschheit erst in fernen Zeiten erklimmen wird. Das alles wurde für ihn Wahrheit, das durchlebte er in dreieinhalb Tagen.

[ 25 ] Was dem Menschen heute grotesk erscheint, unzählige Menschen haben in der Welt gelebt und leben noch, die wissen, dass das ebenso] eine Welt der Wirklichkeit ist, wie die, welche das äußere Ohr und das äußere Auge wahrnehmen kann. Wenn dann der Betreffende nach dreieinhalb Tagen wieder in die Sinnenwelt zurückgeführt war, wenn er bereichert mit dem Wissen vom geistigen Leben wieder einging in diese Welt, wenn er vorbereitet war dafür, ein Zeuge zu sein der geistigen Welt, dann war es immer nur ein einziges geistiges Wort, das alle Eingeweihten beim Wiederbetreten der sinnlichen Welt sagten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht! – Dies war die Empfindung, in die die Seele sich aushauchte nach der Einweihung, beim Wiederbetreten der gewöhnlichen sinnlichen Welt. Dies alles lebte entweder in den Köpfen derjenigen, die die Einweihung zu leiten hatten, oder es wurde, als das Schreiben nach und nach mehr Sitte wurde, auch manches aufgeschrieben.

[ 25 ] Was dem Menschen heute grotesk erscheint, unzählige Menschen haben in der Welt gelebt und leben noch, die wissen, dass das ebenso] eine Welt der Wirklichkeit ist, wie die, welche das äußere Ohr und das äußere Auge wahrnehmen kann. Wenn dann der Betreffende nach dreieinhalb Tagen wieder in die Sinnenwelt zurückgeführt war, wenn er bereichert mit dem Wissen vom geistigen Leben wieder einging in diese Welt, wenn er vorbereitet war dafür, ein Zeuge zu sein der geistigen Welt, dann war es immer nur ein einziges geistiges Wort, das alle Eingeweihten beim Wiederbetreten der sinnlichen Welt sagten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht! – Dies war die Empfindung, in die die Seele sich aushauchte nach der Einweihung, beim Wiederbetreten der gewöhnlichen sinnlichen Welt. Dies alles lebte entweder in den Köpfen derjenigen, die die Einweihung zu leiten hatten, oder es wurde, als das Schreiben nach und nach mehr Sitte wurde, auch manches aufgeschrieben.

[ 26 ] Es gab aber eine typische Beschreibung des Lebens eines Eingeweihten. Man sagte ungefähr: Derjenige, welcher eingeweiht, aufgenommen werden soll in die Kultstätten der Einweihung, hat sein Leben so und so einzurichten, und er hat die Erfahrung zu machen, die schließlich mit den Worten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht, ihren Abschluss fand.

[ 26 ] Es gab aber eine typische Beschreibung des Lebens eines Eingeweihten. Man sagte ungefähr: Derjenige, welcher eingeweiht, aufgenommen werden soll in die Kultstätten der Einweihung, hat sein Leben so und so einzurichten, und er hat die Erfahrung zu machen, die schließlich mit den Worten: O du mein Gott, wie herrlich hast du mich gemacht, ihren Abschluss fand.

[ 27 ] Wenn Sie sich vor die Seele hinstellen können das Leben, wie es ein Eingeweihter durchmachen muss, so wie Sie sich das Leben eines solchen Menschen] vorstellen können, der in einem chemischen Laboratorium experimentieren will, dann würden Sie etwas bekommen, das einem typischen Bilde gleicht von dem Menschen, der sich höher entwickelt. Dann würden Sie ein typisches Bild dessen bekommen, der auferweckt werden soll. Solche Einweihungsbücher hat es gegeben, oder sie haben wenigstens in den Köpfen derjenigen gelebt, die die Einweihung geleitet haben. Wenn wir verstehen, dass es solche Bücher gegeben hat, dann werden wir uns nicht mehr wundern, wenn wir die verschiedensten Eingeweihten der verschiedensten Völker in ähnlicher Weise beschrieben finden. Darin liegt ein großes Geheimnis, darin ruht ein wunderbares Mysterium. Zu ihren Eingeweihten haben die Völker immer aufgesehen, soweit sie von ihnen gewusst haben. Was sie von ihnen erzählt haben, war nicht das, was der heutige Biograf mit seiner Schnüffelei von den großen Männern erzählt. Was sie erzählten, war der geistige Lebensgang, den der Eingeweihte erlebte. So werden wir verstehen, warum – wenn wir den Lebensgang von Hermes, Buddha, Zarathustra, Moses und Christus verfolgen – wir bei diesen Gestalten zu einem ähnlichen Lebensbilde kommen. Und warum? Weil sie dieses Leben leben mussten, wenn sie zum Eingeweihten werden wollten. Einfach das Lebensbild des Eingeweihten steht vor uns in dem Leben des Hermes, Zarathustra und so weiter.

[ 27 ] Wenn Sie sich vor die Seele hinstellen können das Leben, wie es ein Eingeweihter durchmachen muss, so wie Sie sich das Leben eines solchen Menschen] vorstellen können, der in einem chemischen Laboratorium experimentieren will, dann würden Sie etwas bekommen, das einem typischen Bilde gleicht von dem Menschen, der sich höher entwickelt. Dann würden Sie ein typisches Bild dessen bekommen, der auferweckt werden soll. Solche Einweihungsbücher hat es gegeben, oder sie haben wenigstens in den Köpfen derjenigen gelebt, die die Einweihung geleitet haben. Wenn wir verstehen, dass es solche Bücher gegeben hat, dann werden wir uns nicht mehr wundern, wenn wir die verschiedensten Eingeweihten der verschiedensten Völker in ähnlicher Weise beschrieben finden. Darin liegt ein großes Geheimnis, darin ruht ein wunderbares Mysterium. Zu ihren Eingeweihten haben die Völker immer aufgesehen, soweit sie von ihnen gewusst haben. Was sie von ihnen erzählt haben, war nicht das, was der heutige Biograf mit seiner Schnüffelei von den großen Männern erzählt. Was sie erzählten, war der geistige Lebensgang, den der Eingeweihte erlebte. So werden wir verstehen, warum – wenn wir den Lebensgang von Hermes, Buddha, Zarathustra, Moses und Christus verfolgen – wir bei diesen Gestalten zu einem ähnlichen Lebensbilde kommen. Und warum? Weil sie dieses Leben leben mussten, wenn sie zum Eingeweihten werden wollten. Einfach das Lebensbild des Eingeweihten steht vor uns in dem Leben des Hermes, Zarathustra und so weiter.

[ 28 ] In dem, was die äußere Struktur der Lebensbeschreibung ist, können wir überall das Bild des Eingeweihten sehen, und von hier aus können wir uns die Frage beantworten: Wer waren diejenigen, welche die Evangelien geschrieben haben? Sie finden auf diese Frage eine theosophische Antwort in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Was ich hier nur mit kurzen Worten andeuten kann, finden Sie dort ausführlich dargelegt, und damit auch hingewiesen auf die geistige Glaubwürdigkeit der Evangelien. Es ist dargelegt, dass das, was in den Evangelien steht, alten Einweihungsbüchern entnommen ist. Natürlich unterschieden sich die Bücher, welche Eingeweihte über diese Dinge schrieben, durch Nebensächliches. In der Hauptsache aber kam der Inhalt immer auf dasselbe hinaus.

[ 28 ] In dem, was die äußere Struktur der Lebensbeschreibung ist, können wir überall das Bild des Eingeweihten sehen, und von hier aus können wir uns die Frage beantworten: Wer waren diejenigen, welche die Evangelien geschrieben haben? Sie finden auf diese Frage eine theosophische Antwort in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Was ich hier nur mit kurzen Worten andeuten kann, finden Sie dort ausführlich dargelegt, und damit auch hingewiesen auf die geistige Glaubwürdigkeit der Evangelien. Es ist dargelegt, dass das, was in den Evangelien steht, alten Einweihungsbüchern entnommen ist. Natürlich unterschieden sich die Bücher, welche Eingeweihte über diese Dinge schrieben, durch Nebensächliches. In der Hauptsache aber kam der Inhalt immer auf dasselbe hinaus.

[ 29 ] Nun müssen wir uns klarmachen, dass die, welche die Evangelien geschrieben haben, nichts anderes hatten als solche alten Einweihungsbücher. Wenn wir dann das wirklich Darinstehende ansehen, dann können wir in den verschiedenen Evangelien verschiedene Formen der Initiation, der Einweihung erblicken. Und warum unterscheiden sie sich? Weil ihre Schreiber die Einweihung von verschiedenen Orten her kannten. Verstehen werden wir dies, wenn wir das Verhältnis der alten Männer, die die Evangelien verfasst haben, zum Christus Jesus ansehen. Wir erlangen die beste Vorstellung, wenn wir uns an die schönen Worte erinnern, mit denen die Apokalypse beginnt. Der, welcher die Schrift des Johannes diktierte, wird genannt: der Erste und der Letzte, das Alpha und das] Omega (Offb 1,8; 21,6; 22,13). Nichts anderes ist damit gemeint als dasjenige, was – trotzdem die Zeiten und Formen der Welt sich wandelten von Menschengeschlecht zu Menschengeschlecht, von Menschenrasse zu Menschenrasse, von Planet zu Planet – als eine einheitliche, geistige Wesenheit immer vorhanden bleibt. Wenn wir dies immer vorhanden bleibende Wesen als das Göttliche bezeichnen und sehen, dass wir einen Funken davon in uns haben, so fühlen wir uns mit diesem Alpha und Omega verwandt, ja wir fühlen dieses als das letzte Ideal, zu dem sich das sich Entwickelnde immer mehr hinaufhebt. So wurde es uns vorgeführt, dieses Ewige in allen Zeiten, dieses Dauernde in allem Wechsel.

[ 29 ] Nun müssen wir uns klarmachen, dass die, welche die Evangelien geschrieben haben, nichts anderes hatten als solche alten Einweihungsbücher. Wenn wir dann das wirklich Darinstehende ansehen, dann können wir in den verschiedenen Evangelien verschiedene Formen der Initiation, der Einweihung erblicken. Und warum unterscheiden sie sich? Weil ihre Schreiber die Einweihung von verschiedenen Orten her kannten. Verstehen werden wir dies, wenn wir das Verhältnis der alten Männer, die die Evangelien verfasst haben, zum Christus Jesus ansehen. Wir erlangen die beste Vorstellung, wenn wir uns an die schönen Worte erinnern, mit denen die Apokalypse beginnt. Der, welcher die Schrift des Johannes diktierte, wird genannt: der Erste und der Letzte, das Alpha und das] Omega (Offb 1,8; 21,6; 22,13). Nichts anderes ist damit gemeint als dasjenige, was – trotzdem die Zeiten und Formen der Welt sich wandelten von Menschengeschlecht zu Menschengeschlecht, von Menschenrasse zu Menschenrasse, von Planet zu Planet – als eine einheitliche, geistige Wesenheit immer vorhanden bleibt. Wenn wir dies immer vorhanden bleibende Wesen als das Göttliche bezeichnen und sehen, dass wir einen Funken davon in uns haben, so fühlen wir uns mit diesem Alpha und Omega verwandt, ja wir fühlen dieses als das letzte Ideal, zu dem sich das sich Entwickelnde immer mehr hinaufhebt. So wurde es uns vorgeführt, dieses Ewige in allen Zeiten, dieses Dauernde in allem Wechsel.

[ 30 ] Nun müssen wir uns an den Sprachgebrauch erinnern, der ganz aus unserem Bewusstsein verschwunden ist. Ich möchte Ihnen das, worum es sich handelt, mit ein paar Worten vorführen. Heute ist der Name, den wir den Menschen geben, mehr oder weniger gleichgültig. Wir fühlen keinen rechten Zusammenhang zwischen dem Menschen und seinem Namen. Je weiter zurück man geht, desto bedeutungsvoller und wesentlicher wird der Name, man legte] Wert auf gewisse Gesetze, durch die der Mensch einen Namen bekommt. Ich brauche nur zu erinnern, dass es nicht sehr lange her ist, wo noch die Gepflogenheit bestand, dass man in den Kalender geschaut und dem neugeborenen Kinde den Namen gegeben hat, der am Tage seiner Geburt im Kalender stand. Man nahm an, dass das Kind] sich hingedrängt fühlte zur Geburt an dem Tage, der diesen Namen trug. Derjenige, welcher die Einweihung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe, hat einen neuen Namen erhalten, den Einweihungsnamen, und dieser bezeichnete seine innere Wesenheit, bezeichnete das, was er bedeutet in der Welt, das, als was ihn der Führer erkannte. Dieser Name war mit seinem Wesen verknüpft und drückte das aus, was nur die innere Wesenheit angeht.

[ 30 ] Nun müssen wir uns an den Sprachgebrauch erinnern, der ganz aus unserem Bewusstsein verschwunden ist. Ich möchte Ihnen das, worum es sich handelt, mit ein paar Worten vorführen. Heute ist der Name, den wir den Menschen geben, mehr oder weniger gleichgültig. Wir fühlen keinen rechten Zusammenhang zwischen dem Menschen und seinem Namen. Je weiter zurück man geht, desto bedeutungsvoller und wesentlicher wird der Name, man legte] Wert auf gewisse Gesetze, durch die der Mensch einen Namen bekommt. Ich brauche nur zu erinnern, dass es nicht sehr lange her ist, wo noch die Gepflogenheit bestand, dass man in den Kalender geschaut und dem neugeborenen Kinde den Namen gegeben hat, der am Tage seiner Geburt im Kalender stand. Man nahm an, dass das Kind] sich hingedrängt fühlte zur Geburt an dem Tage, der diesen Namen trug. Derjenige, welcher die Einweihung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe, hat einen neuen Namen erhalten, den Einweihungsnamen, und dieser bezeichnete seine innere Wesenheit, bezeichnete das, was er bedeutet in der Welt, das, als was ihn der Führer erkannte. Dieser Name war mit seinem Wesen verknüpft und drückte das aus, was nur die innere Wesenheit angeht.

[ 31 ] Nun erinnern Sie sich, dass in der Bibel, im Neuen Testamente, die mannigfaltigsten Aussprüche Jesu angeführt werden. Derjenige dringt nur tiefer ein in diese Schriften, der von dem Gesichtspunkte des Eingeweihten an dieselben herangeht und der] von der Namengebung auch etwas versteht. Man bezeichnete zum Beispiel jemanden, wenn man ihn geistig bezeichnen und ausdrücken wollte, dass er noch auf niederer Stufe steht, mit einem Ausdrucke, der hergenommen war von den Eigenschaften des Astralleibes; wenn er höher stand, mit Ausdrücken, die hergenommen waren von Eigenschaften des Ätherleibes. Wollte man ausdrücken das Typische, dann drückte man dies aus mit Ausdrücken, die von Eigenschaften des physischen Leibes hergenommen sind. So hatten die alten Namen eine Beziehung zu dem Menschen und drückten so recht eigentlich sein Wesen aus. Erinnern wir uns jetzt, wie oft in einem Kapitel Worte des Jesus vorkommen, wo er sich als etwas Bestimmtes bezeichnet – namentlich im Johannes-Evangelium können Sie solches finden. Wir können sie vielfach zurückführen auf ein Wort, auf das Wörtchen «Ich». Denken Sie einmal an das], was ich schon öfter in diesen Vorträgen ausgeführt habe.

[ 31 ] Nun erinnern Sie sich, dass in der Bibel, im Neuen Testamente, die mannigfaltigsten Aussprüche Jesu angeführt werden. Derjenige dringt nur tiefer ein in diese Schriften, der von dem Gesichtspunkte des Eingeweihten an dieselben herangeht und der] von der Namengebung auch etwas versteht. Man bezeichnete zum Beispiel jemanden, wenn man ihn geistig bezeichnen und ausdrücken wollte, dass er noch auf niederer Stufe steht, mit einem Ausdrucke, der hergenommen war von den Eigenschaften des Astralleibes; wenn er höher stand, mit Ausdrücken, die hergenommen waren von Eigenschaften des Ätherleibes. Wollte man ausdrücken das Typische, dann drückte man dies aus mit Ausdrücken, die von Eigenschaften des physischen Leibes hergenommen sind. So hatten die alten Namen eine Beziehung zu dem Menschen und drückten so recht eigentlich sein Wesen aus. Erinnern wir uns jetzt, wie oft in einem Kapitel Worte des Jesus vorkommen, wo er sich als etwas Bestimmtes bezeichnet – namentlich im Johannes-Evangelium können Sie solches finden. Wir können sie vielfach zurückführen auf ein Wort, auf das Wörtchen «Ich». Denken Sie einmal an das], was ich schon öfter in diesen Vorträgen ausgeführt habe.

[ 32 ] Man unterscheidet vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Dieses Ich wird immer größer und größer, dieses Ich ist so, dass es sich zur Einweihung hinaufentwickelt, dieses Ich ist unvollkommen beim wenig entwickelten Menschen, gewaltig und vollkommen beim Eingeweihten. Wenn nun Christus oftmals im Johannes-Evangelium hindeutet darauf, dass er identisch sei mit «Ich bin», wenn er sich bezeichnet als denjenigen, der da ist, der eins ist mit der tiefsten Wesenheit des Menschen in dem Satze «Ich und der Vater sind eins» (Joh 10,30), wenn Sie das nehmen, so werden Sie es nun verstehen können von dieser Namensgebung aus, weil er das Ewige in sich schließt, nicht weil er ein gewöhnlicher Mensch war und er mit diesem Ich den gewöhnlichen Menschen bezeichnete, sondern weil er etwas war, das über den gewöhnlichen Menschen hinausging, weil er Christus, das Alpha und Omega war. So sahen die, welche in jener Zeit lebten, in ihm ein göttliches Wesen, das den physischen Leib trug, ein Wesen, für das ebenso gleichgültig ist der physische Leib und ebenso wichtig das Geistige, wie höchst bedeutsam für den physischen Menschen der physische Leib und unwichtig das Geistige ist. Das Hervorstechende im Menschen wurde sein Name, und wenn wir dieses noch weiter ausdenken, dann verstehen wir noch etwas anderes. Sie werden von da den Weg finden in manches Mysterium der Bibel. Wir verstehen, was es zu bedeuten hat, als Moses dem Jehova gegenüberstand und er – Jehova] – ihn zum Gesandten machen will für das Volk, und Moses erwiderte: Was soll ich ihnen sagen, wer mich gesandt hat? – Und da hören wir die bedeutungsvollen Worte: Sage, ich, der ich bin, hat dich gesandt. (2 Mos 3,14) – Auf welche Wesenheit deutet hier selbst Jehova hin? Das ist im Wesentlichen, was im tiefsten Inneren in jeder Menschenwesenheit liegt. Gelangen wir an das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, so sehen wir, dass das Ich ein Name ist, den wir uns selbst geben müssen. Das Göttliche muss selbst sprechen, das Göttliche, das an einem Punkte zu sprechen beginnt, das als kleiner, unbedeutender Keim im Menschen lebt und zu unendlicher Größe entwickelt werden kann. Das ist es, was gemeint ist, das ist es, was dem Moses den Auftrag gab und sagte: Sage ihnen, «Ich-bin-Ich» hat dich gesandt. (2 Mos 3,14) – Das, was wie ein göttlicher Keim in jeder menschlichen Seele liegt, das, was im physischen, Äther- und Astralleib eingehüllt ist wie ein Punkt, zu dem wir sagen «Ich-bin», das, was noch unbedeutend über sie emporwächst und was noch unbedeutend in uns emporlebt, werden wir nicht als das Geringe in unserer Wesenheit bezeichnen, sondern als das Wichtigste. Das Wesentliche ist es, das im Menschen lebt und das den Moses schicken will, indem es sagt: «Ich bin der Ich bin.»

[ 32 ] Man unterscheidet vier Glieder der menschlichen Wesenheit: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Dieses Ich wird immer größer und größer, dieses Ich ist so, dass es sich zur Einweihung hinaufentwickelt, dieses Ich ist unvollkommen beim wenig entwickelten Menschen, gewaltig und vollkommen beim Eingeweihten. Wenn nun Christus oftmals im Johannes-Evangelium hindeutet darauf, dass er identisch sei mit «Ich bin», wenn er sich bezeichnet als denjenigen, der da ist, der eins ist mit der tiefsten Wesenheit des Menschen in dem Satze «Ich und der Vater sind eins» (Joh 10,30), wenn Sie das nehmen, so werden Sie es nun verstehen können von dieser Namensgebung aus, weil er das Ewige in sich schließt, nicht weil er ein gewöhnlicher Mensch war und er mit diesem Ich den gewöhnlichen Menschen bezeichnete, sondern weil er etwas war, das über den gewöhnlichen Menschen hinausging, weil er Christus, das Alpha und Omega war. So sahen die, welche in jener Zeit lebten, in ihm ein göttliches Wesen, das den physischen Leib trug, ein Wesen, für das ebenso gleichgültig ist der physische Leib und ebenso wichtig das Geistige, wie höchst bedeutsam für den physischen Menschen der physische Leib und unwichtig das Geistige ist. Das Hervorstechende im Menschen wurde sein Name, und wenn wir dieses noch weiter ausdenken, dann verstehen wir noch etwas anderes. Sie werden von da den Weg finden in manches Mysterium der Bibel. Wir verstehen, was es zu bedeuten hat, als Moses dem Jehova gegenüberstand und er – Jehova] – ihn zum Gesandten machen will für das Volk, und Moses erwiderte: Was soll ich ihnen sagen, wer mich gesandt hat? – Und da hören wir die bedeutungsvollen Worte: Sage, ich, der ich bin, hat dich gesandt. (2 Mos 3,14) – Auf welche Wesenheit deutet hier selbst Jehova hin? Das ist im Wesentlichen, was im tiefsten Inneren in jeder Menschenwesenheit liegt. Gelangen wir an das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, so sehen wir, dass das Ich ein Name ist, den wir uns selbst geben müssen. Das Göttliche muss selbst sprechen, das Göttliche, das an einem Punkte zu sprechen beginnt, das als kleiner, unbedeutender Keim im Menschen lebt und zu unendlicher Größe entwickelt werden kann. Das ist es, was gemeint ist, das ist es, was dem Moses den Auftrag gab und sagte: Sage ihnen, «Ich-bin-Ich» hat dich gesandt. (2 Mos 3,14) – Das, was wie ein göttlicher Keim in jeder menschlichen Seele liegt, das, was im physischen, Äther- und Astralleib eingehüllt ist wie ein Punkt, zu dem wir sagen «Ich-bin», das, was noch unbedeutend über sie emporwächst und was noch unbedeutend in uns emporlebt, werden wir nicht als das Geringe in unserer Wesenheit bezeichnen, sondern als das Wichtigste. Das Wesentliche ist es, das im Menschen lebt und das den Moses schicken will, indem es sagt: «Ich bin der Ich bin.»

[ 33 ] So sehen Sie, welcher tiefe Sinn in solcher Namensgebung steckt, und wenn hingedeutet wurde auf dieses «Ich bin», dann wurde zu gleicher Zeit auch immer hingedeutet auf denjenigen Punkt in der Menschheitsentwicklung, den ich auch schon in diesen Vorträgen erwähnt habe und der auch in der Bibel angedeutet wird, nämlich den Punkt, wo der physische Mensch beseelt wird. Öfter habe ich schon auseinandergesetzt, wie das, was heute der physische Mensch ist, sich von niederen Stufen heraufentwickelt hat, wie er sich dadurch, dass er mit einer Seele, die von der Gottheit herunterstieg, begabt wurde, sich weiterentwickeln konnte. Was aus dem Schoße der Gottheit herunterstieg, hat sich hineingesenkt in den physischen Leib und hat den physischen Leib weiterentwickelt. Dieser Moment ist auch in der Bibel angedeutet. Sie lehrt ihn mit ein paar Worten. Vor jenem Momente, der sich in Wirklichkeit über lange Zeiträume erstreckt hat, hatte jener menschliche Körper nicht das, was man brauchte, um das Ich zur Entfaltung zu bringen, nicht das, was man als physischer Mensch auch heute notwendig gebraucht. In jener Zeit atmeten die Menschenvorfahren noch nicht durch Lungen, in jener Zeit entwickelte der Mensch aus einem schwimmblasenartigen Organ heraus seine Lunge. Er lernte da erst die Lungenluftatmung, und von diesem Vorgange ab gab es erst die Beseelung des menschlichen Körpers. Denken Sie sich diesen Vorgang zusammengedrängt] in einen Satz, so haben Sie das biblische Wort: Und Gott blies dem Menschen den Odem ein, und er ward eine lebendige Seele. (1 Mos 2,7) – Dadurch, dass der Mensch als physisches Wesen atmen lernte, war er befähigt, die Seele aufzunehmen.

[ 33 ] So sehen Sie, welcher tiefe Sinn in solcher Namensgebung steckt, und wenn hingedeutet wurde auf dieses «Ich bin», dann wurde zu gleicher Zeit auch immer hingedeutet auf denjenigen Punkt in der Menschheitsentwicklung, den ich auch schon in diesen Vorträgen erwähnt habe und der auch in der Bibel angedeutet wird, nämlich den Punkt, wo der physische Mensch beseelt wird. Öfter habe ich schon auseinandergesetzt, wie das, was heute der physische Mensch ist, sich von niederen Stufen heraufentwickelt hat, wie er sich dadurch, dass er mit einer Seele, die von der Gottheit herunterstieg, begabt wurde, sich weiterentwickeln konnte. Was aus dem Schoße der Gottheit herunterstieg, hat sich hineingesenkt in den physischen Leib und hat den physischen Leib weiterentwickelt. Dieser Moment ist auch in der Bibel angedeutet. Sie lehrt ihn mit ein paar Worten. Vor jenem Momente, der sich in Wirklichkeit über lange Zeiträume erstreckt hat, hatte jener menschliche Körper nicht das, was man brauchte, um das Ich zur Entfaltung zu bringen, nicht das, was man als physischer Mensch auch heute notwendig gebraucht. In jener Zeit atmeten die Menschenvorfahren noch nicht durch Lungen, in jener Zeit entwickelte der Mensch aus einem schwimmblasenartigen Organ heraus seine Lunge. Er lernte da erst die Lungenluftatmung, und von diesem Vorgange ab gab es erst die Beseelung des menschlichen Körpers. Denken Sie sich diesen Vorgang zusammengedrängt] in einen Satz, so haben Sie das biblische Wort: Und Gott blies dem Menschen den Odem ein, und er ward eine lebendige Seele. (1 Mos 2,7) – Dadurch, dass der Mensch als physisches Wesen atmen lernte, war er befähigt, die Seele aufzunehmen.

[ 34 ] Gehen wir auf die Bedeutung des Jehova-Namens zurück, dann finden wir, dass «Jehova» so viel heißt wie «Wehen», so viel bedeutet wie, dass die Luft dahinweht. Es ist im Worte «Jahve» nichts anderes ausgedrückt als der wehende Atem, mit dem der Ichgeist in den Menschen einzieht. So wird in diesem Namen dargestellt, wie der wehende Atem seine Wesenheit in dem Satze ausdrückt: «Ich bin der Ich bin», wie er] einen Teil dieser Wesenheit hineingießt in den Menschen. Es wird uns ein wahrer Weltvorgang da vorgeführt. So wird uns zur wahren Tatsache jenes Ewige, das in der Menschennatur lebt. Ob wir den Menschen von heute oder den Menschen vor Tausenden von Jahren nehmen, das Ichwesen war da vor allen Zeiten. Denken Sie sich das Ichwesen in seiner höchsten Offenbarung, wo alles Äußere unwesentlich ist, denken Sie sich, dass ein Mensch das Innerste so groß und gewaltig erkennt, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die alten Christus-Anhänger von dem Christus machten. Was da in den ältesten Zeiten nur als Funke lebte, in höchster Glorie lebte es in Jesus von Nazareth. Er war, weil er der höchste Göttliche war, der höchste Eingeweihte, daher das Wort: «Ehe Abraham war, bin Ich.» (Joh 8,58) Er ist in körperlicher Gestalt dasjenige, was da ist, ehe Abraham war, was da ist, ehe Abraham, Isaak und Jakob waren, er ist das, was als das größte Menschheitsideal vor dem steht, der sich entwickeln will, vor dem, der die Worte der Bergpredigt befolgt: «Selig sind diejenigen, die da sind Bettler im Geist, denn sie werden in sich finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3)

[ 34 ] Gehen wir auf die Bedeutung des Jehova-Namens zurück, dann finden wir, dass «Jehova» so viel heißt wie «Wehen», so viel bedeutet wie, dass die Luft dahinweht. Es ist im Worte «Jahve» nichts anderes ausgedrückt als der wehende Atem, mit dem der Ichgeist in den Menschen einzieht. So wird in diesem Namen dargestellt, wie der wehende Atem seine Wesenheit in dem Satze ausdrückt: «Ich bin der Ich bin», wie er] einen Teil dieser Wesenheit hineingießt in den Menschen. Es wird uns ein wahrer Weltvorgang da vorgeführt. So wird uns zur wahren Tatsache jenes Ewige, das in der Menschennatur lebt. Ob wir den Menschen von heute oder den Menschen vor Tausenden von Jahren nehmen, das Ichwesen war da vor allen Zeiten. Denken Sie sich das Ichwesen in seiner höchsten Offenbarung, wo alles Äußere unwesentlich ist, denken Sie sich, dass ein Mensch das Innerste so groß und gewaltig erkennt, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die alten Christus-Anhänger von dem Christus machten. Was da in den ältesten Zeiten nur als Funke lebte, in höchster Glorie lebte es in Jesus von Nazareth. Er war, weil er der höchste Göttliche war, der höchste Eingeweihte, daher das Wort: «Ehe Abraham war, bin Ich.» (Joh 8,58) Er ist in körperlicher Gestalt dasjenige, was da ist, ehe Abraham war, was da ist, ehe Abraham, Isaak und Jakob waren, er ist das, was als das größte Menschheitsideal vor dem steht, der sich entwickeln will, vor dem, der die Worte der Bergpredigt befolgt: «Selig sind diejenigen, die da sind Bettler im Geist, denn sie werden in sich finden die Reiche der Himmel.» (Mt 5,3)

[ 35 ] Nehmen wir dieses Wort so, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die Christus-Anhänger damals machten. Was konnten sie von diesem höchsten inkarnierten Gott für eine Lebensbeschreibung geben? Wo war eine Lebensbeschreibung, die seiner würdig war? Das war die Lebensbeschreibung, die man im Einweihungskanon gab, demjenigen Kanon, der die Regeln enthielt, nach denen der Einzuweihende initiiert werden sollte. Wie man sieht, war es so: Willst du eingeweiht werden, dann hast du von Lebensstufe zu Lebensstufe das und das durchzumachen bis zur letzten Stufe, die angedeutet ist mit den Worten: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht!

[ 35 ] Nehmen wir dieses Wort so, dann haben Sie die Vorstellung, die sich die Christus-Anhänger damals machten. Was konnten sie von diesem höchsten inkarnierten Gott für eine Lebensbeschreibung geben? Wo war eine Lebensbeschreibung, die seiner würdig war? Das war die Lebensbeschreibung, die man im Einweihungskanon gab, demjenigen Kanon, der die Regeln enthielt, nach denen der Einzuweihende initiiert werden sollte. Wie man sieht, war es so: Willst du eingeweiht werden, dann hast du von Lebensstufe zu Lebensstufe das und das durchzumachen bis zur letzten Stufe, die angedeutet ist mit den Worten: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verherrlicht!

[ 36 ] Und wie dasjenige, was auf geringerer Stufe der Menschen gelebt, wie ein Ereignis dargestellt war äußerlich in der physischen Welt auf Golgatha, da haben sich die Eingeweihten gesagt: Wollen wir sein Leben beschreiben, dann können wir nur das Bild nehmen, das der Einzuweihende durchzumachen hat. Wie der Einzuweihende von Stufe zu Stufe gehen muss, so ist der Gott im Menschen von Stufe zu Stufe gegangen, und so ist die Passionsgeschichte weiter nichts als der auf das Leben und Sterben Jesu Christi angewendete Mysterienkanon. Natürlich haben sie ihn genommen, woher sie ihn bekommen konnten. Daher finden wir ihn in den verschiedenen Formen, in denen er bei den verschiedenen Völkern vorhanden war. Darauf kommt es nicht an, es kommt darauf an, was als Bewusstsein lebte bei denen, die das Mysterium von Golgatha betrachtet haben. Niemand darf kommen und sagen: Die Theosophie leugnet den historischen Christus und zeigt nur sein typisches Leben. Nein, nicht darauf kommt es an, dass das historische Ereignis abgeleugnet wird. Es soll nicht nur der schlichte Mann von Nazareth in die Mitte gestellt werden, sondern der Gottmensch «Christus».

[ 36 ] Und wie dasjenige, was auf geringerer Stufe der Menschen gelebt, wie ein Ereignis dargestellt war äußerlich in der physischen Welt auf Golgatha, da haben sich die Eingeweihten gesagt: Wollen wir sein Leben beschreiben, dann können wir nur das Bild nehmen, das der Einzuweihende durchzumachen hat. Wie der Einzuweihende von Stufe zu Stufe gehen muss, so ist der Gott im Menschen von Stufe zu Stufe gegangen, und so ist die Passionsgeschichte weiter nichts als der auf das Leben und Sterben Jesu Christi angewendete Mysterienkanon. Natürlich haben sie ihn genommen, woher sie ihn bekommen konnten. Daher finden wir ihn in den verschiedenen Formen, in denen er bei den verschiedenen Völkern vorhanden war. Darauf kommt es nicht an, es kommt darauf an, was als Bewusstsein lebte bei denen, die das Mysterium von Golgatha betrachtet haben. Niemand darf kommen und sagen: Die Theosophie leugnet den historischen Christus und zeigt nur sein typisches Leben. Nein, nicht darauf kommt es an, dass das historische Ereignis abgeleugnet wird. Es soll nicht nur der schlichte Mann von Nazareth in die Mitte gestellt werden, sondern der Gottmensch «Christus».

[ 37 ] Gerade dadurch bekommt man einen Begriff davon, wie diejenigen noch fühlten, die in jener Zeit lebten. Der heilige Augustinus sagte zum Beispiel, dass als Prinzip der Einweihung die wahre Religion immer da war, die dann später die christliche genannt wurde, als der Stifter des Christentums auf der Erde wandelte. Stellen wir uns auf den Standpunkt, den ich den des Einweihungsprinzipes nannte; was muss ich sagen? Stelle ich mir die alten Mysterien vor, dann wird mir der Weg gezeigt bis zur Entwicklung des «Ich bin». Sehe ich auf den Entwicklungsgang des Christus Jesus, so stellt er mir in wunderbarer Weise dar das, was früher ein Einzuweihender hat erleben können. Da sehen Sie, was als wahre Religion immer verkündet worden ist in alten Zeiten. Und nun verstehen wir auch Augustin, wenn er sagt: Die wahre Religion hat immer existiert, und man nenne sie jetzt die christliche Religion. – Mit dem Worte «Selig sind, die da glauben, auch wenn sie nicht schauen» (Joh 20,29) ist gemeint, dass man das auch auf dem physischen Plan dargelegt bekommen hat, was früher nur der Eingeweihte auf dem astralen Plan hat erleben können.

[ 37 ] Gerade dadurch bekommt man einen Begriff davon, wie diejenigen noch fühlten, die in jener Zeit lebten. Der heilige Augustinus sagte zum Beispiel, dass als Prinzip der Einweihung die wahre Religion immer da war, die dann später die christliche genannt wurde, als der Stifter des Christentums auf der Erde wandelte. Stellen wir uns auf den Standpunkt, den ich den des Einweihungsprinzipes nannte; was muss ich sagen? Stelle ich mir die alten Mysterien vor, dann wird mir der Weg gezeigt bis zur Entwicklung des «Ich bin». Sehe ich auf den Entwicklungsgang des Christus Jesus, so stellt er mir in wunderbarer Weise dar das, was früher ein Einzuweihender hat erleben können. Da sehen Sie, was als wahre Religion immer verkündet worden ist in alten Zeiten. Und nun verstehen wir auch Augustin, wenn er sagt: Die wahre Religion hat immer existiert, und man nenne sie jetzt die christliche Religion. – Mit dem Worte «Selig sind, die da glauben, auch wenn sie nicht schauen» (Joh 20,29) ist gemeint, dass man das auch auf dem physischen Plan dargelegt bekommen hat, was früher nur der Eingeweihte auf dem astralen Plan hat erleben können.

[ 38 ] So kommen wir dazu, dass man Respekt, Ehrfurcht haben muss vor den Büchern der alten Zeiten. Was war es, was da zugrunde lag? Es war das, was im Kanon stand. Des Menschen Weg zur Göttlichkeit ist es, die von Gott selber stammt. So wahr wie in dem einzelnen Atemzug ein kleiner Teil des wehenden Gottes gesehen werden kann, so wahr ist es, dass in dem Einfluss des Göttlichen ein Teil des Gottes gesehen werden kann. Weil das so in den Büchern dargestellt ist, deshalb diese Ehrfurcht; weil man fühlte, dass dies in den äußeren Büchern einen äußeren Ausdruck empfangen hat.

[ 38 ] So kommen wir dazu, dass man Respekt, Ehrfurcht haben muss vor den Büchern der alten Zeiten. Was war es, was da zugrunde lag? Es war das, was im Kanon stand. Des Menschen Weg zur Göttlichkeit ist es, die von Gott selber stammt. So wahr wie in dem einzelnen Atemzug ein kleiner Teil des wehenden Gottes gesehen werden kann, so wahr ist es, dass in dem Einfluss des Göttlichen ein Teil des Gottes gesehen werden kann. Weil das so in den Büchern dargestellt ist, deshalb diese Ehrfurcht; weil man fühlte, dass dies in den äußeren Büchern einen äußeren Ausdruck empfangen hat.

[ 39 ] Wenn Sie die Sache so ansehen, dann haben Sie vielleicht für den Verstand weniger, aber zunächst eine von dem Intellekt durchdrungene Empfindung. Sie haben darin etwas, was in die Stimmung alter Zeiten gegenüber religiösen Urkunden hineinführt, und wenn wir wissen, wie solche religiösen Urkunden herausgeboren sind aus dem Einweihungsprinzip, dann werden wir auch verstehen, dass sie uns in der äußeren Spiegelung nicht gleich klar erscheinen können, sondern dass wir tiefer und tiefer uns hineinleben müssen, um diese religiösen Urkunden zu verstehen.

[ 39 ] Wenn Sie die Sache so ansehen, dann haben Sie vielleicht für den Verstand weniger, aber zunächst eine von dem Intellekt durchdrungene Empfindung. Sie haben darin etwas, was in die Stimmung alter Zeiten gegenüber religiösen Urkunden hineinführt, und wenn wir wissen, wie solche religiösen Urkunden herausgeboren sind aus dem Einweihungsprinzip, dann werden wir auch verstehen, dass sie uns in der äußeren Spiegelung nicht gleich klar erscheinen können, sondern dass wir tiefer und tiefer uns hineinleben müssen, um diese religiösen Urkunden zu verstehen.

[ 40 ] Diejenigen, die sie zerklaubten, kritisierten, haben keine Ahnung davon, dass man erst lernen muss die Worte zu lesen, die darin vorkommen. Versteht denn jemand das Psalmenwort, welches ich früher angeführt habe: «Durch die Worte des Herrn sind befestigt die Himmel und durch seinen Hauch die Meere.» (Ps 33,6) Versteht es jemand, der nicht weiß, dass Jahve selbst die Sache auch ist, und kann jemand wiederum die Zusammenstellung des Wortes Jahve mit Elohim verstehen, wenn er nicht weiß, dass über Jahve höhere geistige Wesenheiten stehen, zu denen wie zu einem Gattungswesen Jahve gehört? Für denjenigen, der etwas von diesen Dingen weiß, ist es klar, dass das Wort Elohim ein Gattungsname ist und in derselben Weise gebraucht wird, wie man sagen kann von jemand, sagen wir, Hans Müller ist ein Deutscher, aber nicht umgekehrt, der Deutsche ist ein Hans Müller. Ebenso kann man also sagen: Jahve der Elohim, aber nicht der Elohim ist ein Jahve. Wenn also von Elohim gesprochen wird, so sind es die Wesen, welche in dem leben, was als Sphärenharmonie bezeichnet wird, die in einem geistigen Lichte leben.

[ 40 ] Diejenigen, die sie zerklaubten, kritisierten, haben keine Ahnung davon, dass man erst lernen muss die Worte zu lesen, die darin vorkommen. Versteht denn jemand das Psalmenwort, welches ich früher angeführt habe: «Durch die Worte des Herrn sind befestigt die Himmel und durch seinen Hauch die Meere.» (Ps 33,6) Versteht es jemand, der nicht weiß, dass Jahve selbst die Sache auch ist, und kann jemand wiederum die Zusammenstellung des Wortes Jahve mit Elohim verstehen, wenn er nicht weiß, dass über Jahve höhere geistige Wesenheiten stehen, zu denen wie zu einem Gattungswesen Jahve gehört? Für denjenigen, der etwas von diesen Dingen weiß, ist es klar, dass das Wort Elohim ein Gattungsname ist und in derselben Weise gebraucht wird, wie man sagen kann von jemand, sagen wir, Hans Müller ist ein Deutscher, aber nicht umgekehrt, der Deutsche ist ein Hans Müller. Ebenso kann man also sagen: Jahve der Elohim, aber nicht der Elohim ist ein Jahve. Wenn also von Elohim gesprochen wird, so sind es die Wesen, welche in dem leben, was als Sphärenharmonie bezeichnet wird, die in einem geistigen Lichte leben.

[ 41 ] Das liegt zugrunde als Tatsache, wenn wir davon sprechen, dass Gott den Menschen den Odem einblies und er eine lebendige Seele ward. Wenn wir dann so in diese Dinge eindringen, dann ist es nicht, wie manche Gelehrte glauben, etwas, was wir hineinträumen, es ist vielmehr so, dass die theosophische Weltanschauung unabhängig von der Weltkunde uns die Entstehung der Welt lehrt, dass sie dasjenige lehrt, was die Eingeweihten als eigenes Erlebnis anzugeben vermochten, dass sie uns zeigt, wie es wiederkehrt in den religiösen Urkunden, obgleich vielfach missverstanden. Für den, der es so ansieht, kommt es nicht darauf an, ob man diese Urkunden kritisch zusammensetzt, sondern darauf, welches die ihnen zugrunde liegende einheitliche Weisheit ist. Wenn vier Leute ein Buch über Mathematik schreiben, so ist die minderwichtige Arbeit diese, die vier Stücke wieder zu zerlegen und zu sagen: Das hat der, das jener geschrieben. Wichtiger ist es, den einheitlichen Geist, der darinnen lebt, herauszufinden.

[ 41 ] Das liegt zugrunde als Tatsache, wenn wir davon sprechen, dass Gott den Menschen den Odem einblies und er eine lebendige Seele ward. Wenn wir dann so in diese Dinge eindringen, dann ist es nicht, wie manche Gelehrte glauben, etwas, was wir hineinträumen, es ist vielmehr so, dass die theosophische Weltanschauung unabhängig von der Weltkunde uns die Entstehung der Welt lehrt, dass sie dasjenige lehrt, was die Eingeweihten als eigenes Erlebnis anzugeben vermochten, dass sie uns zeigt, wie es wiederkehrt in den religiösen Urkunden, obgleich vielfach missverstanden. Für den, der es so ansieht, kommt es nicht darauf an, ob man diese Urkunden kritisch zusammensetzt, sondern darauf, welches die ihnen zugrunde liegende einheitliche Weisheit ist. Wenn vier Leute ein Buch über Mathematik schreiben, so ist die minderwichtige Arbeit diese, die vier Stücke wieder zu zerlegen und zu sagen: Das hat der, das jener geschrieben. Wichtiger ist es, den einheitlichen Geist, der darinnen lebt, herauszufinden.

[ 42 ] Wenn man das bei religiösen Urkunden wirklich tut, dann dringt man tiefer und tiefer ein, und dann werden einem auch die ersten Kapitel der Genesis in einer ungeheuren, leuchtenden Form entgegentreten. Was da bildlich in großen und gewaltigen Worten ausgedrückt ist: «Im Anfang schuf der höchste Geist Himmel und Erde» (1 Mos 1,1) – bis zum Ende des ersten Kapitels –, ist eine Wiedergabe dessen, wenn auch in der Art und Weise, wie man damals sprechen musste, was die Geisteswissenschaft abgesehen von den Urkunden aus sich selbst heraus feststellen kann. Hier ist auch von der Entwicklung der Erde und des Menschen gesprochen worden; und ebenso, wie man das große Ereignis der Umwandlung der Schwimmblase in die Lunge in der Bibel angedeutet findet, so ist auch mit den anderen Worten der ersten Kapitel der Bibel Weisheit enthalten, die wir unabhängig verfolgen können.

[ 42 ] Wenn man das bei religiösen Urkunden wirklich tut, dann dringt man tiefer und tiefer ein, und dann werden einem auch die ersten Kapitel der Genesis in einer ungeheuren, leuchtenden Form entgegentreten. Was da bildlich in großen und gewaltigen Worten ausgedrückt ist: «Im Anfang schuf der höchste Geist Himmel und Erde» (1 Mos 1,1) – bis zum Ende des ersten Kapitels –, ist eine Wiedergabe dessen, wenn auch in der Art und Weise, wie man damals sprechen musste, was die Geisteswissenschaft abgesehen von den Urkunden aus sich selbst heraus feststellen kann. Hier ist auch von der Entwicklung der Erde und des Menschen gesprochen worden; und ebenso, wie man das große Ereignis der Umwandlung der Schwimmblase in die Lunge in der Bibel angedeutet findet, so ist auch mit den anderen Worten der ersten Kapitel der Bibel Weisheit enthalten, die wir unabhängig verfolgen können.

[ 43 ] Wir blicken vom theosophischen Gesichtspunkte aus auf eine Zukunft hinaus, wo die Menschen aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung heraus, unabhängig von jeder religiösen Urkunde, wiederum wissen werden, was als Geistiges der Welt zugrunde liegt, wo sie wissen werden, um was es sich bei der Weltentwicklung handelt, wo ihnen die Zustände der Weltentwicklung wieder klar werden, die öfter hier dargelegt worden sind. Und wenn dann jemand die Bedeutung der Bibel kennengelernt hat, findet er die Wertschätzung der großen, alten Weisheit, die man auch unabhängig von der Bibel finden kann, in der Bibel ausgedrückt.

[ 43 ] Wir blicken vom theosophischen Gesichtspunkte aus auf eine Zukunft hinaus, wo die Menschen aus der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung heraus, unabhängig von jeder religiösen Urkunde, wiederum wissen werden, was als Geistiges der Welt zugrunde liegt, wo sie wissen werden, um was es sich bei der Weltentwicklung handelt, wo ihnen die Zustände der Weltentwicklung wieder klar werden, die öfter hier dargelegt worden sind. Und wenn dann jemand die Bedeutung der Bibel kennengelernt hat, findet er die Wertschätzung der großen, alten Weisheit, die man auch unabhängig von der Bibel finden kann, in der Bibel ausgedrückt.

[ 44 ] Wenn Lessing von der Bibel sagt: Und Gott gab dem Menschen ein erstes Elementarbuch – das war das Alte Testament –, und Gott gab dem Menschen ein zweites Elementarbuch – und das war das Neue Testament, und meint, dass der Mensch in Zukunft unabhängig von den Elementarbüchern in die geistigen Welten eindringen wird und dass, wenn dieses dritte Weltenalter kommen wird, wir dann mit noch größerer Ehrfurcht blicken werden auf diejenige Entwicklung, die unsere Vorfahren aufgrund der Elementarbücher durchgemacht haben. Und diese Elementarbücher werden uns wieder heilig werden, weil sie uns als Ausdruck der höchsten geistigen Weisheit erscheinen werden.

[ 44 ] Wenn Lessing von der Bibel sagt: Und Gott gab dem Menschen ein erstes Elementarbuch – das war das Alte Testament –, und Gott gab dem Menschen ein zweites Elementarbuch – und das war das Neue Testament, und meint, dass der Mensch in Zukunft unabhängig von den Elementarbüchern in die geistigen Welten eindringen wird und dass, wenn dieses dritte Weltenalter kommen wird, wir dann mit noch größerer Ehrfurcht blicken werden auf diejenige Entwicklung, die unsere Vorfahren aufgrund der Elementarbücher durchgemacht haben. Und diese Elementarbücher werden uns wieder heilig werden, weil sie uns als Ausdruck der höchsten geistigen Weisheit erscheinen werden.

[ 45 ] Wir werden nun auch begreifen, wie wir in der Zukunft in das Christentum hineinleuchten müssen. Der, welcher nur auf dem Buchstaben steht, versteht auch den Buchstaben des Buches nicht. Ein Wort Christi: «Ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt.» (Mt 28,20) Wer Christus suchen will, der kann ihn nicht auf Golgatha finden. Wer dadurch, dass er seine geistigen Fähigkeiten entwickelt, sodass es ihm zur Wahrheit wird, was der christliche Mystiker Meister Eckhart, der überzeugt war, dass er ein echter Christ war, sagt: «Glauben Sie, dass Christus nur äußerlich sich anbeten lässt wie eine Kuh?» Es kommt darauf an, den Christus zu sehen mit den höchsten Organen, die der Mensch haben kann. Wer das Christus-empfängliche Auge hat, der findet den Christus, der findet in sich selbst bewahrheitet das Wort: «Ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt.» Das Christentum kann man jeden Tag in der Wirklichkeit lernen. Man kann die Wahrheit des Christentums erleben, die Wahrheit des wirklichen, historischen Christus.

[ 45 ] Wir werden nun auch begreifen, wie wir in der Zukunft in das Christentum hineinleuchten müssen. Der, welcher nur auf dem Buchstaben steht, versteht auch den Buchstaben des Buches nicht. Ein Wort Christi: «Ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt.» (Mt 28,20) Wer Christus suchen will, der kann ihn nicht auf Golgatha finden. Wer dadurch, dass er seine geistigen Fähigkeiten entwickelt, sodass es ihm zur Wahrheit wird, was der christliche Mystiker Meister Eckhart, der überzeugt war, dass er ein echter Christ war, sagt: «Glauben Sie, dass Christus nur äußerlich sich anbeten lässt wie eine Kuh?» Es kommt darauf an, den Christus zu sehen mit den höchsten Organen, die der Mensch haben kann. Wer das Christus-empfängliche Auge hat, der findet den Christus, der findet in sich selbst bewahrheitet das Wort: «Ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt.» Das Christentum kann man jeden Tag in der Wirklichkeit lernen. Man kann die Wahrheit des Christentums erleben, die Wahrheit des wirklichen, historischen Christus.

[ 46 ] Es könnte nun kommen, dass man sagte, und das haben viele in den Kinderjahren der Theosophie gesagt: Auf den äußeren Christus kommt es nicht an, den inneren Christus muss man erleben. Das ist ebenso, wie wenn man sagen wollte, die Sonne lebt in meinem Auge, wozu brauche ich die äußere Sonne]? Der, welcher das Christusauge hat, der wird auch den Christus von Golgatha erkennen und finden können. Der, welcher das Christusauge empfing, findet auch den äußeren, historischen Christus, und er findet ihn dann auch in den Evangelien, und im Christentum selbst liegt dieser Keim zu seiner Weiterentwicklung. Es ist immer wieder und wird es bleiben, das bedeutsamste, das größte Mittelpunktwort des Christentums, das nur zu leicht missverstanden werden kann: «Wer da nicht verlässt Weib und Kind, Mutter und Brüder, der kann nicht mein Jünger sein.» (Lk 14,26; Mt 19,29) Damit ist nicht gemeint, dass man in die Wüste zu gehen und dadurch Christus nachzufolgen habe. Etwas viel Höheres ist damit ausgedrückt. Wenn Sie zurückgehen: In der Zeitenwende finden wir Blutsliebe, in den kleinen Blutsbruderschaften. Es lebte durch das Blut das höchste Bewusstsein hindurch. Das hört auf in dem Zeitpunkt, wo die Nahehe in die Fernehe übergeht. Mit der Blutsbruderschaft war die Zusammengehörigkeit, die Liebe, in den alten Zeiten gegeben, man liebte den, mit dem man blutsbrüderlich verwandt war.

[ 46 ] Es könnte nun kommen, dass man sagte, und das haben viele in den Kinderjahren der Theosophie gesagt: Auf den äußeren Christus kommt es nicht an, den inneren Christus muss man erleben. Das ist ebenso, wie wenn man sagen wollte, die Sonne lebt in meinem Auge, wozu brauche ich die äußere Sonne]? Der, welcher das Christusauge hat, der wird auch den Christus von Golgatha erkennen und finden können. Der, welcher das Christusauge empfing, findet auch den äußeren, historischen Christus, und er findet ihn dann auch in den Evangelien, und im Christentum selbst liegt dieser Keim zu seiner Weiterentwicklung. Es ist immer wieder und wird es bleiben, das bedeutsamste, das größte Mittelpunktwort des Christentums, das nur zu leicht missverstanden werden kann: «Wer da nicht verlässt Weib und Kind, Mutter und Brüder, der kann nicht mein Jünger sein.» (Lk 14,26; Mt 19,29) Damit ist nicht gemeint, dass man in die Wüste zu gehen und dadurch Christus nachzufolgen habe. Etwas viel Höheres ist damit ausgedrückt. Wenn Sie zurückgehen: In der Zeitenwende finden wir Blutsliebe, in den kleinen Blutsbruderschaften. Es lebte durch das Blut das höchste Bewusstsein hindurch. Das hört auf in dem Zeitpunkt, wo die Nahehe in die Fernehe übergeht. Mit der Blutsbruderschaft war die Zusammengehörigkeit, die Liebe, in den alten Zeiten gegeben, man liebte den, mit dem man blutsbrüderlich verwandt war.

[ 47 ] Deshalb schneidet das Christentum so tief in die Entwicklung der Menschheit hinein, weil es hinweist in die Vergangenheit, wo die Liebe an das Blut gebunden war, und in die Zukunft weist es, wo die Liebe die ganze große Menschheit umfassen wird, wo der Mensch den Menschen lieben wird, abgesehen davon, ob er Blutsbruder ist oder nicht, ob er nah oder fern verwandt ist, wo diese Liebe die allumfassendste Menschenliebe sein wird. Das Christentum ist das Instrument, um aus den engen Blutsbanden herauszukommen, die Menschen zu erlösen von der bloßen Blutsverwandtschaft, von dem, was im Blute liegt, und hinzuführen zu dem, was nicht im Blute liegt, was nicht Mutter, Bruder, Vater, Schwester, Kind ist, sondern ausdrückt im Menschen, was als Liebe aus dem Geiste strömt und nicht aus dem Blute. Das herbeizuführen, ist das Christentum das Instrument.

[ 47 ] Deshalb schneidet das Christentum so tief in die Entwicklung der Menschheit hinein, weil es hinweist in die Vergangenheit, wo die Liebe an das Blut gebunden war, und in die Zukunft weist es, wo die Liebe die ganze große Menschheit umfassen wird, wo der Mensch den Menschen lieben wird, abgesehen davon, ob er Blutsbruder ist oder nicht, ob er nah oder fern verwandt ist, wo diese Liebe die allumfassendste Menschenliebe sein wird. Das Christentum ist das Instrument, um aus den engen Blutsbanden herauszukommen, die Menschen zu erlösen von der bloßen Blutsverwandtschaft, von dem, was im Blute liegt, und hinzuführen zu dem, was nicht im Blute liegt, was nicht Mutter, Bruder, Vater, Schwester, Kind ist, sondern ausdrückt im Menschen, was als Liebe aus dem Geiste strömt und nicht aus dem Blute. Das herbeizuführen, ist das Christentum das Instrument.

[ 48 ] Wenn wir das so auffassen, dann wird dieses Wort in seinem rechten Glanze erscheinen, und sehen wir es so in diesem rechten Glanze, dann ist es ein Wort, das nicht auf die äußere, sondern auf die innere Wahrheit des Christentums hindeutet. Sagt uns der, welcher uns zu Christen gemacht hat, dass der nur sein Jünger sein könne, der Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Weib und Kind verlässt, so sagt uns das auch, dass man ihn finden kann, wenn man das bloß Materielle überwindet, nicht in Askese, sondern als Mensch in das Geistige eindringt, in dem man] zu gleicher Zeit fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen bleibt. Dringt man so in das Christentum ein, dann kann man gerade im Sinne des Christentums in Wahrheit den Weg zu der Geistigkeit offen finden. So baut der rechte Christ, lebendig darauf, dass er verlassen darf alles, auch das, womit er zeitlich zusammenhängt, und er wird doch den Christus finden.

[ 48 ] Wenn wir das so auffassen, dann wird dieses Wort in seinem rechten Glanze erscheinen, und sehen wir es so in diesem rechten Glanze, dann ist es ein Wort, das nicht auf die äußere, sondern auf die innere Wahrheit des Christentums hindeutet. Sagt uns der, welcher uns zu Christen gemacht hat, dass der nur sein Jünger sein könne, der Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Weib und Kind verlässt, so sagt uns das auch, dass man ihn finden kann, wenn man das bloß Materielle überwindet, nicht in Askese, sondern als Mensch in das Geistige eindringt, in dem man] zu gleicher Zeit fest auf dem Boden der Wirklichkeit stehen bleibt. Dringt man so in das Christentum ein, dann kann man gerade im Sinne des Christentums in Wahrheit den Weg zu der Geistigkeit offen finden. So baut der rechte Christ, lebendig darauf, dass er verlassen darf alles, auch das, womit er zeitlich zusammenhängt, und er wird doch den Christus finden.

[ 49 ] Das ist die Wahrheit der Bibel, das ist ihre wirkliche Weisheit, dass alles, was verschwinden und vergessen werden konnte, aus dem Menschengeist wieder erstehen würde. Und so muss es sein, wenn es wahr ist. Wer nicht verlassen kann das bloß Äußerliche der Urkunde, der kann nicht mein Jünger sein. Dies Wort liegt implizite im anderen Wort darin. So fühlt sich die theosophische Weltanschauung als Vollstreckerin des Christentums, sodass sie die Weisheitsentwicklung der Zukunft herbeiführen kann. Sie sehen, dass sie von dem Weisheitskern einen so hohen Begriff hat, dass, selbst wenn das Testament verloren gehen könnte, die Wahrheit bliebe, dass selbst der Geist bliebe, wenn auch der Buchstabe zugrunde ginge. Das heißt Wahrheit des Christentums, Wahrheit der Liebe. Offen wurde hier das Wort ausgesprochen: Alles das, was die Theosophie lehrt, ist nicht ersonnene, abstrakte Weisheit, es ist Lebensweisheit, und erst wenn sie ganz Leben geworden ist, wenn wir sie mit unserem Wesen ausdrücken, diese Weisheit, dann ist die Aufgabe der Theosophie erfüllt.

[ 49 ] Das ist die Wahrheit der Bibel, das ist ihre wirkliche Weisheit, dass alles, was verschwinden und vergessen werden konnte, aus dem Menschengeist wieder erstehen würde. Und so muss es sein, wenn es wahr ist. Wer nicht verlassen kann das bloß Äußerliche der Urkunde, der kann nicht mein Jünger sein. Dies Wort liegt implizite im anderen Wort darin. So fühlt sich die theosophische Weltanschauung als Vollstreckerin des Christentums, sodass sie die Weisheitsentwicklung der Zukunft herbeiführen kann. Sie sehen, dass sie von dem Weisheitskern einen so hohen Begriff hat, dass, selbst wenn das Testament verloren gehen könnte, die Wahrheit bliebe, dass selbst der Geist bliebe, wenn auch der Buchstabe zugrunde ginge. Das heißt Wahrheit des Christentums, Wahrheit der Liebe. Offen wurde hier das Wort ausgesprochen: Alles das, was die Theosophie lehrt, ist nicht ersonnene, abstrakte Weisheit, es ist Lebensweisheit, und erst wenn sie ganz Leben geworden ist, wenn wir sie mit unserem Wesen ausdrücken, diese Weisheit, dann ist die Aufgabe der Theosophie erfüllt.

[ 50 ] Ein Wort, in dem uns vorgeführt wird, dass der Apostel ein Buch, das von einem Engel gebracht wird, verschlingen muss, ein Buch, dass er nicht aufschreiben soll, sondern verschlingen muss, also ein Buch, das man nicht nur liest, sondern lebt, und auch dieses Buch will die theosophische Weltanschauung geben, und die Theosophie fühlt sich als die Entgegennehmerin dieses Buches; dieses Buch, das in unseren Adern fließt, in unsere ganze Seele hineinströmt, sodass wir es darleben, dass wir nicht nur vom Geiste wissen, sondern den Geist leben: Das ist Theosophie. Den Geist leben in seinen Einzelheiten, nicht in allen möglichen Phantasien, sondern sich einlassen auf das, was die Theosophie bringt, das ist es, worauf es ankommt.

[ 50 ] Ein Wort, in dem uns vorgeführt wird, dass der Apostel ein Buch, das von einem Engel gebracht wird, verschlingen muss, ein Buch, dass er nicht aufschreiben soll, sondern verschlingen muss, also ein Buch, das man nicht nur liest, sondern lebt, und auch dieses Buch will die theosophische Weltanschauung geben, und die Theosophie fühlt sich als die Entgegennehmerin dieses Buches; dieses Buch, das in unseren Adern fließt, in unsere ganze Seele hineinströmt, sodass wir es darleben, dass wir nicht nur vom Geiste wissen, sondern den Geist leben: Das ist Theosophie. Den Geist leben in seinen Einzelheiten, nicht in allen möglichen Phantasien, sondern sich einlassen auf das, was die Theosophie bringt, das ist es, worauf es ankommt.

[ 51 ] Das ist es, worauf es in diesen Vorträgen auf die verschiedensten Weisen immer wieder und wieder als auf den durchgehenden Strom hinauskommen sollte. War etwas im Verlauf dieses Winters in diesem Zyklus, den wir heute abschließen wollen, um ihn zu geeigneter Zeit wieder zu beginnen, war etwas, aus dem Sie spüren konnten, dass die Theosophie etwas ist, das über alle Begriffe bis zum Leben hindurchging, dann ist das bis zu einem gewissen Grade erfüllt, was diese Vorträge angestrebt haben. Können Sie dieses Bewusstsein mit sich nach Hause nehmen, dass so etwas möglich ist, können Sie diesen Übergang zur Weisheit, zur Liebe, zum Leben, wie es uns in der Welt entgegengetreten ist, verspüren, dann ist der Zweck und das Ziel dieser Vorträge erreicht.

[ 51 ] Das ist es, worauf es in diesen Vorträgen auf die verschiedensten Weisen immer wieder und wieder als auf den durchgehenden Strom hinauskommen sollte. War etwas im Verlauf dieses Winters in diesem Zyklus, den wir heute abschließen wollen, um ihn zu geeigneter Zeit wieder zu beginnen, war etwas, aus dem Sie spüren konnten, dass die Theosophie etwas ist, das über alle Begriffe bis zum Leben hindurchging, dann ist das bis zu einem gewissen Grade erfüllt, was diese Vorträge angestrebt haben. Können Sie dieses Bewusstsein mit sich nach Hause nehmen, dass so etwas möglich ist, können Sie diesen Übergang zur Weisheit, zur Liebe, zum Leben, wie es uns in der Welt entgegengetreten ist, verspüren, dann ist der Zweck und das Ziel dieser Vorträge erreicht.