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Appendix to the Public Lectures
GA 85

19 April 1909, Düsseldorf

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

9. Der Eintritt des Christus in den Okzident

9. Der Eintritt des Christus in den Okzident

[ 1 ] Welche Veränderung geschah im menschlichen Bewusstsein durch das Ereignis von Palästina? 600 Jahre vor diesem [Ereignis lebte] die Persönlichkeit des großen Buddha. Buddha trat mit seiner Lehre auf, und wenige Jahrhunderte später ist sie ausgebreitet in vielen Gebieten.

[ 1 ] Welche Veränderung geschah im menschlichen Bewusstsein durch das Ereignis von Palästina? 600 Jahre vor diesem [Ereignis lebte] die Persönlichkeit des großen Buddha. Buddha trat mit seiner Lehre auf, und wenige Jahrhunderte später ist sie ausgebreitet in vielen Gebieten.

[ 2 ] 600 Jahre danach: Mit ungeheurer Geschwindigkeit hat sich das Ereignis von Palästina verbreitet.

[ 2 ] 600 Jahre danach: Mit ungeheurer Geschwindigkeit hat sich das Ereignis von Palästina verbreitet.

[ 3 ] [Ihre Gegensätzlichkeit kann man in die Worte fassen:]

[ 3 ] [Ihre Gegensätzlichkeit kann man in die Worte fassen:]

[ 4 ] Buddha: Tod ist Leiden.

[ 4 ] Buddha: Tod ist Leiden.

[ 5 ] Christus: Tod ist überwunden.

[ 5 ] Christus: Tod ist überwunden.

[ 6 ] Im Leben überwinden wir den Tod durch Verbindung mit dem Christus, durch das Leben im Geiste.

[ 6 ] Im Leben überwinden wir den Tod durch Verbindung mit dem Christus, durch das Leben im Geiste.

[ 7 ] Die Tat des Paulus [ist] von großer Wichtigkeit für die Verbreitung des Christentums; die Tatsache, dass er schaute, was er vorher geleugnet hatte. Daraus ging für ihn die Überzeugung auf, dass Christus lebt, dass er gefunden werden kann in der geistigen Welt; [dies war der] Impuls zum Wirken für Paulus.

[ 7 ] Die Tat des Paulus [ist] von großer Wichtigkeit für die Verbreitung des Christentums; die Tatsache, dass er schaute, was er vorher geleugnet hatte. Daraus ging für ihn die Überzeugung auf, dass Christus lebt, dass er gefunden werden kann in der geistigen Welt; [dies war der] Impuls zum Wirken für Paulus.

[ 8 ] [Ähnlich war es bei] St. Cyprien: Er sagt: Durch die Taufe kann man ein ganz neuer Mensch werden, er hätte es niemals vorher geglaubt.

[ 8 ] [Ähnlich war es bei] St. Cyprien: Er sagt: Durch die Taufe kann man ein ganz neuer Mensch werden, er hätte es niemals vorher geglaubt.

[ 9 ] [Und bei] Konstantin [finden wir]: Durch ein übersinnliches Ereignis [geschieht die Bekehrung]: Das Schauen des Kreuzes in der Seele bringt ihn zur Überzeugung.

[ 9 ] [Und bei] Konstantin [finden wir]: Durch ein übersinnliches Ereignis [geschieht die Bekehrung]: Das Schauen des Kreuzes in der Seele bringt ihn zur Überzeugung.

[ 10 ] [Gibt es äußere geschichtliche Zeugnisse des Christentums?] Im ersten Jahrhundert weiß man in Rom nur [von einem] Aufruhr, [dessen] Anstifter Chrestos – wohl ein Sklave – war, der vermutlich dort war. Tacitus erwähnt ihn kaum. [Celsus] – ein Zeitgenosse des Marc Aurel –, weiß nichts vom Christentum zu erzählen. [Vermutlich Lücke in der Mitschrift.]

[ 10 ] [Gibt es äußere geschichtliche Zeugnisse des Christentums?] Im ersten Jahrhundert weiß man in Rom nur [von einem] Aufruhr, [dessen] Anstifter Chrestos – wohl ein Sklave – war, der vermutlich dort war. Tacitus erwähnt ihn kaum. [Celsus] – ein Zeitgenosse des Marc Aurel –, weiß nichts vom Christentum zu erzählen. [Vermutlich Lücke in der Mitschrift.]

[ 11 ] [Der Satz] «Die Naturordnung schließe doch aus das Ereignis von Palästina» erinnert wirklich an Haeckels «Welträtsel» – bis Josephus Pandera, [dem römischen] Hauptmann, [der] Sage [nach …].

[ 11 ] [Der Satz] «Die Naturordnung schließe doch aus das Ereignis von Palästina» erinnert wirklich an Haeckels «Welträtsel» – bis Josephus Pandera, [dem römischen] Hauptmann, [der] Sage [nach …].

[ 12 ] Die Völker Germaniens [hingegen] hatten sich bewahrt in weiten Kreisen gewisse Gaben, [wie] die Erzählungen der alten Hellsichtigkeit [zeigen]. Die alten Götter waren Erinnerungen an seelische Erlebnisse. [Die Völker Germaniens waren] näher der Natur als die südlichen Völker. [Sie haben einen] Zug von Wehmut, durch [ihr] Bewusstsein von [der] Götterdämmerung. Sie waren ihnen etwas Persönliches. Selbstständigkeitsdrang lebte in diesen Völkern, und dadurch lebte sich das Christentum ganz anders ein in diesen Stämmen. Christus muss ihnen etwas Persönliches werden.

[ 12 ] Die Völker Germaniens [hingegen] hatten sich bewahrt in weiten Kreisen gewisse Gaben, [wie] die Erzählungen der alten Hellsichtigkeit [zeigen]. Die alten Götter waren Erinnerungen an seelische Erlebnisse. [Die Völker Germaniens waren] näher der Natur als die südlichen Völker. [Sie haben einen] Zug von Wehmut, durch [ihr] Bewusstsein von [der] Götterdämmerung. Sie waren ihnen etwas Persönliches. Selbstständigkeitsdrang lebte in diesen Völkern, und dadurch lebte sich das Christentum ganz anders ein in diesen Stämmen. Christus muss ihnen etwas Persönliches werden.

[ 13 ] Ulfila: Gotenbibel.

[ 13 ] Ulfila: Gotenbibel.

[ 14 ] Schweiz: Columban oder sein Schüler Gallus haben ihr Christentum auf ganz besondere Art erhalten. Sie stammten her aus der Sancta Insula – Irland. St. Patrick hatte das Christentum dort so verbreitet, dass der Inhalt der dortigen Christus-Impulse etwas Ursprüngliches hatte.

[ 14 ] Schweiz: Columban oder sein Schüler Gallus haben ihr Christentum auf ganz besondere Art erhalten. Sie stammten her aus der Sancta Insula – Irland. St. Patrick hatte das Christentum dort so verbreitet, dass der Inhalt der dortigen Christus-Impulse etwas Ursprüngliches hatte.

[ 15 ] Im Süden dagegen [herrschte] Streit zwischen der Philosophie und der Tatsache des Christus-Ereignisses, dadurch [war das] Verständnis erschwert.

[ 15 ] Im Süden dagegen [herrschte] Streit zwischen der Philosophie und der Tatsache des Christus-Ereignisses, dadurch [war das] Verständnis erschwert.

[ 16 ] Daher [lebte] etwas Ursprüngliches, Apostolisches in Irlands Klöstern: Gewöhnlich [waren es] zwölf, unter der Führung eines Dreizehnten. So wirkt Gallus durch seine Persönlichkeit. Die höchsten spirituellen Weistümer werden angeknüpft an alltägliches Leben. Er erzählt den Bauern die Weltentstehung bis zu Christus, in wenigen Stunden. Sie sehen ihn aber auch sich läutern, [sich] zurückziehen in den Wald, dort an sich arbeiten.

[ 16 ] Daher [lebte] etwas Ursprüngliches, Apostolisches in Irlands Klöstern: Gewöhnlich [waren es] zwölf, unter der Führung eines Dreizehnten. So wirkt Gallus durch seine Persönlichkeit. Die höchsten spirituellen Weistümer werden angeknüpft an alltägliches Leben. Er erzählt den Bauern die Weltentstehung bis zu Christus, in wenigen Stunden. Sie sehen ihn aber auch sich läutern, [sich] zurückziehen in den Wald, dort an sich arbeiten.

[ 17 ] So wirkt das Christentum durch seine Verbreiter so, dass der Christus immer lebendiger in ihnen wird – nicht ich, sondern Christus in mir. (Gal 2,20) Das Christentum ist eine Lebenskraft in diesen Gegenden, keine dogmatische Lehre. Dadurch [ist es] möglich, dass in der Zeit Ludwigs des Frommen entsteht das Gedicht des Heliand. Christus erscheint einem da in den Seelen als unabhängig von Palästinas Persönlichkeit.

[ 17 ] So wirkt das Christentum durch seine Verbreiter so, dass der Christus immer lebendiger in ihnen wird – nicht ich, sondern Christus in mir. (Gal 2,20) Das Christentum ist eine Lebenskraft in diesen Gegenden, keine dogmatische Lehre. Dadurch [ist es] möglich, dass in der Zeit Ludwigs des Frommen entsteht das Gedicht des Heliand. Christus erscheint einem da in den Seelen als unabhängig von Palästinas Persönlichkeit.

[ 18 ] Im Anfang war das Aufnehmen des Christentums verknüpft mit einer Art inneren Erlebens. Das Christentum hat hier besonders zünden können, weil die germanischen Stämme etwas Ursprüngliches, Hellseherisches sich bewahrt hatten. Das Christentum wurde der Kitt, der die selbstständigsten Menschen zusammenführte.

[ 18 ] Im Anfang war das Aufnehmen des Christentums verknüpft mit einer Art inneren Erlebens. Das Christentum hat hier besonders zünden können, weil die germanischen Stämme etwas Ursprüngliches, Hellseherisches sich bewahrt hatten. Das Christentum wurde der Kitt, der die selbstständigsten Menschen zusammenführte.

[ 19 ] Abgerissenes Band von den alten Kulturen [zum Christentum]: Das Christentum muss mit den Kirchenvätern wieder zusammengebunden [werden mit dem] Wissen: Aristoteles. Es dauert zwar lange. Bei den Mystikern des Mittelalters kann das Gefühl nicht eins mit der Reinheit des Denkens werden.

[ 19 ] Abgerissenes Band von den alten Kulturen [zum Christentum]: Das Christentum muss mit den Kirchenvätern wieder zusammengebunden [werden mit dem] Wissen: Aristoteles. Es dauert zwar lange. Bei den Mystikern des Mittelalters kann das Gefühl nicht eins mit der Reinheit des Denkens werden.

[ 20 ] Nikolaus [von] Flüe: Der Christus ist da in seinen Erlebnissen. Inneres Schauen, aber [es ist] nicht durchdrungen von der Klarheit des Gedankens.

[ 20 ] Nikolaus [von] Flüe: Der Christus ist da in seinen Erlebnissen. Inneres Schauen, aber [es ist] nicht durchdrungen von der Klarheit des Gedankens.

[ 21 ] Im ersten Adam sah Paulus den, der den Menschen zum sinnlichen Erleben heruntergeführt [hat]; [hingegen] sah er in Christus den zweiten Adam, [der] den Menschen heraufführt wieder ins Geistige. [Eine] schöne Entwicklungsidee, die dem Paulus da entsprungen [ist]. Augustinus hat zu kämpfen, den Paulus zu verstehen.

[ 21 ] Im ersten Adam sah Paulus den, der den Menschen zum sinnlichen Erleben heruntergeführt [hat]; [hingegen] sah er in Christus den zweiten Adam, [der] den Menschen heraufführt wieder ins Geistige. [Eine] schöne Entwicklungsidee, die dem Paulus da entsprungen [ist]. Augustinus hat zu kämpfen, den Paulus zu verstehen.

[ 22 ] Unsere Zeit: [Sie muss eine] Brücke schlagen zwischen dem Erleben und dem Bewusstsein, das durch das Sinnliche zum Geistigen geführt wird – Mysterien der europäischen Eingeweihten. Der Außenwelt [sind sie] nur bekannt unter Legendennamen: Tempelritter, Gral, Rosenkreuz – [dies ist die] andere Art der Fortpflanzung des Christentums.

[ 22 ] Unsere Zeit: [Sie muss eine] Brücke schlagen zwischen dem Erleben und dem Bewusstsein, das durch das Sinnliche zum Geistigen geführt wird – Mysterien der europäischen Eingeweihten. Der Außenwelt [sind sie] nur bekannt unter Legendennamen: Tempelritter, Gral, Rosenkreuz – [dies ist die] andere Art der Fortpflanzung des Christentums.