Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Appendix to the Public Lectures
GA 85

16 January 1910, Norrköping

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

10. Über das Geheimnis des Todes als Schlüssel zu dem Rätsel des Lebens

10. Über das Geheimnis des Todes als Schlüssel zu dem Rätsel des Lebens

[ 1 ] Die Bedeutung des Wortes «Tod» ist ohne Zweifel etwas, was der Menschenseele als ein großes Rätsel erscheint, und es sollte a priori vorausgesetzt werden, dass, wer dieses Rätsel des Todes verstehen kann, auch den wahren Sinn des Lebens verstehen kann. Denn wer hat nicht eine persönliche Empfindung davon, wie sowohl in unserer menschlichen Existenz als auch in allen anderen Existenzen um uns herum alles Lebendige beherrscht wird von demjenigen, was wir Tod nennen? Denn nicht nur verschließt der Tod unser menschliches Leben wie eine Pforte, sondern überall in der Natur finden wir den Tod weit verbreitet. So sehen wir, wie die Blumen, die in den Tagen des Frühlings so hoffnungsvoll hervorbrachen, bald verwelken und abfallen, wie sich jeden Herbst die Sommerblätter gelb färben und vom Wind zerstreut werden, wie sich überall der Tod über das Leben ausbreitet.

[ 1 ] Die Bedeutung des Wortes «Tod» ist ohne Zweifel etwas, was der Menschenseele als ein großes Rätsel erscheint, und es sollte a priori vorausgesetzt werden, dass, wer dieses Rätsel des Todes verstehen kann, auch den wahren Sinn des Lebens verstehen kann. Denn wer hat nicht eine persönliche Empfindung davon, wie sowohl in unserer menschlichen Existenz als auch in allen anderen Existenzen um uns herum alles Lebendige beherrscht wird von demjenigen, was wir Tod nennen? Denn nicht nur verschließt der Tod unser menschliches Leben wie eine Pforte, sondern überall in der Natur finden wir den Tod weit verbreitet. So sehen wir, wie die Blumen, die in den Tagen des Frühlings so hoffnungsvoll hervorbrachen, bald verwelken und abfallen, wie sich jeden Herbst die Sommerblätter gelb färben und vom Wind zerstreut werden, wie sich überall der Tod über das Leben ausbreitet.

[ 2 ] Wenn wir dann unseren Blick auf die Menschheit richten, finden wir, wie andere Wesen vor uns, Generation um Generation, wie wir, Freude und Leid, Hass und Liebe erfahren haben; und wenn wir auf all das zurückblicken, was diese Generationen erlebt haben, dann breitet sich auch das aus, was wir Tod nennen. Tausende von Generationen haben vor uns gelebt; und wir wissen, dass eine Zeit kommen wird, wo nicht das Geringste von den Meisterwerken, mit denen zum Beispiel ein Raffael, ein Tizian und andere Größen der Menschheit uns jetzt begeistern, übrig bleiben wird; aber andererseits ahnen wir auch, dass eine Zeit kommen wird, in der die Menschheit eine Entwicklung erreicht haben wird, die so hoch über der unseren steht wie unsere Entwicklung über derjenigen der verschwundenen Generationen.

[ 2 ] Wenn wir dann unseren Blick auf die Menschheit richten, finden wir, wie andere Wesen vor uns, Generation um Generation, wie wir, Freude und Leid, Hass und Liebe erfahren haben; und wenn wir auf all das zurückblicken, was diese Generationen erlebt haben, dann breitet sich auch das aus, was wir Tod nennen. Tausende von Generationen haben vor uns gelebt; und wir wissen, dass eine Zeit kommen wird, wo nicht das Geringste von den Meisterwerken, mit denen zum Beispiel ein Raffael, ein Tizian und andere Größen der Menschheit uns jetzt begeistern, übrig bleiben wird; aber andererseits ahnen wir auch, dass eine Zeit kommen wird, in der die Menschheit eine Entwicklung erreicht haben wird, die so hoch über der unseren steht wie unsere Entwicklung über derjenigen der verschwundenen Generationen.

[ 3 ] Aus dem Erdinneren finden wir Beweise dafür, dass auch die Erde verschiedene Entwicklungsperioden durchgemacht hat: Lebensformen sind ausgestorben und neue entstanden, allesamt Zeugnisse der Herrschaft des Todes über alles dasjenige, was einst, wenn man so sagen darf, auf tausend Arten mit Leben gefüllt war. Ja, ganze Planetensysteme, ganze Sonnensysteme wurden vom Tod hinweggefegt.

[ 3 ] Aus dem Erdinneren finden wir Beweise dafür, dass auch die Erde verschiedene Entwicklungsperioden durchgemacht hat: Lebensformen sind ausgestorben und neue entstanden, allesamt Zeugnisse der Herrschaft des Todes über alles dasjenige, was einst, wenn man so sagen darf, auf tausend Arten mit Leben gefüllt war. Ja, ganze Planetensysteme, ganze Sonnensysteme wurden vom Tod hinweggefegt.

[ 4 ] Nun stellt sich für uns die große Frage: Was bedeutet der Tod eigentlich, was verbirgt sich hinter seinem Rätsel? Und wenn wir diese Frage stellen, so scheint es uns, dass, wenn wir Klarheit über die Bedeutung des Todes für unser eigenes Leben erlangen könnten, wir auch in der Lage wären, die Bedeutung des Todes für den Rest der Welt zu verstehen.

[ 4 ] Nun stellt sich für uns die große Frage: Was bedeutet der Tod eigentlich, was verbirgt sich hinter seinem Rätsel? Und wenn wir diese Frage stellen, so scheint es uns, dass, wenn wir Klarheit über die Bedeutung des Todes für unser eigenes Leben erlangen könnten, wir auch in der Lage wären, die Bedeutung des Todes für den Rest der Welt zu verstehen.

[ 5 ] Dass diese Frage von der Seite der sogenannten äußeren Wissenschaft nicht beantwortet werden kann, ist leicht zu verstehen. Denn welche Instrumente sind es, mit denen sich der Mensch das Wissen erwirbt von dem, was um ihn herum in der Welt existiert? Zu diesem Zweck hat er seine Sinnesorgane, seine Augen, seine Ohren und so weiter sowie seinen Verstand, mit dem er die durch die Sinnesorgane empfangenen Eindrücke verarbeitet. Aber das Phänomen, das wir Tod nennen, macht diesen Instrumenten ein Ende; und das Verhängnisvolle daran ist, dass der Tod sowohl die Sinnesorgane als auch den an das Gehirn gebundenen Verstand zerstört. Gäbe es also keine anderen Mittel der Welterkenntnis als diese, so würde der Mensch nie das Geheimnis des Todes entdecken und folglich auch nie das Geheimnis des Lebens verstehen. Nun aber hat der Mensch die Möglichkeit, nicht nur die Außenwelt durch den Verstand zu erkennen, sondern auch in die geistige Welt hineinzublicken, die dem Physischen zugrunde liegt, indem er in sich entwickeln kann, wenn man so sagen darf, geistige Augen und geistige Ohren.

[ 5 ] Dass diese Frage von der Seite der sogenannten äußeren Wissenschaft nicht beantwortet werden kann, ist leicht zu verstehen. Denn welche Instrumente sind es, mit denen sich der Mensch das Wissen erwirbt von dem, was um ihn herum in der Welt existiert? Zu diesem Zweck hat er seine Sinnesorgane, seine Augen, seine Ohren und so weiter sowie seinen Verstand, mit dem er die durch die Sinnesorgane empfangenen Eindrücke verarbeitet. Aber das Phänomen, das wir Tod nennen, macht diesen Instrumenten ein Ende; und das Verhängnisvolle daran ist, dass der Tod sowohl die Sinnesorgane als auch den an das Gehirn gebundenen Verstand zerstört. Gäbe es also keine anderen Mittel der Welterkenntnis als diese, so würde der Mensch nie das Geheimnis des Todes entdecken und folglich auch nie das Geheimnis des Lebens verstehen. Nun aber hat der Mensch die Möglichkeit, nicht nur die Außenwelt durch den Verstand zu erkennen, sondern auch in die geistige Welt hineinzublicken, die dem Physischen zugrunde liegt, indem er in sich entwickeln kann, wenn man so sagen darf, geistige Augen und geistige Ohren.

[ 6 ] Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, was damit gemeint ist, dann müssen Sie sich mit der geistige Bewegung vertraut machen, die seit etwa 30 Jahren durch die Zeit geht und die «Theosophie» oder die Wissenschaft von den geistigen Dingen genannt wird (Geisteswissenschaft). Diese Wissenschaft befasst sich nicht nur mit der physischen Existenz, sondern erreicht auch eine ganz andere Existenz, die die Grundlage des Physischen ist. Dagegen kann man sich den Einwand vorstellen: Ja, aber davon kann der Mensch nichts wissen. – Aber darauf antworten wir: Niemand kann darüber sprechen, was er nicht wissen kann; man kann nur sagen, was man wissen kann.

[ 6 ] Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, was damit gemeint ist, dann müssen Sie sich mit der geistige Bewegung vertraut machen, die seit etwa 30 Jahren durch die Zeit geht und die «Theosophie» oder die Wissenschaft von den geistigen Dingen genannt wird (Geisteswissenschaft). Diese Wissenschaft befasst sich nicht nur mit der physischen Existenz, sondern erreicht auch eine ganz andere Existenz, die die Grundlage des Physischen ist. Dagegen kann man sich den Einwand vorstellen: Ja, aber davon kann der Mensch nichts wissen. – Aber darauf antworten wir: Niemand kann darüber sprechen, was er nicht wissen kann; man kann nur sagen, was man wissen kann.

[ 7 ] Nehmen wir an, in diesem Saal mit all seinen Farben, Formen und Lichtwechseln würde ein Blindgeborener vorgestellt. Für diesen Blinden gäbe es dieses Licht, diese Farben und Formen nicht; alles wäre dunkel für ihn, trotzdem ist das Licht da. Nehmen wir weiter an, dass man versuchte, ihm diese Lichtphänomene zu beschreiben. Ach –, würde er antworten, alles, wovon Sie sprechen, sind bloße Tagträume und Fantasien. So etwas gibt es nicht. – Nehmen wir weiter an, dass wir das Glück hätten, seine Augen erfolgreich zu operieren. Sofort würden für ihn Farben, Formen und Licht existieren; und er würde plötzlich das erleben, was ihn immer umgab, was er aber vorher nicht wahrnehmen konnte. Aber die Tatsache, dass er das Licht nicht wahrnehmen konnte, gab ihm kein Recht, die Existenz des Lichts zu leugnen. Erst nachdem er durch die Operation sehend geworden wäre, hätte er das Recht, ein Urteil über die Frage zu äußern, ob es Licht und Farben gibt.

[ 7 ] Nehmen wir an, in diesem Saal mit all seinen Farben, Formen und Lichtwechseln würde ein Blindgeborener vorgestellt. Für diesen Blinden gäbe es dieses Licht, diese Farben und Formen nicht; alles wäre dunkel für ihn, trotzdem ist das Licht da. Nehmen wir weiter an, dass man versuchte, ihm diese Lichtphänomene zu beschreiben. Ach –, würde er antworten, alles, wovon Sie sprechen, sind bloße Tagträume und Fantasien. So etwas gibt es nicht. – Nehmen wir weiter an, dass wir das Glück hätten, seine Augen erfolgreich zu operieren. Sofort würden für ihn Farben, Formen und Licht existieren; und er würde plötzlich das erleben, was ihn immer umgab, was er aber vorher nicht wahrnehmen konnte. Aber die Tatsache, dass er das Licht nicht wahrnehmen konnte, gab ihm kein Recht, die Existenz des Lichts zu leugnen. Erst nachdem er durch die Operation sehend geworden wäre, hätte er das Recht, ein Urteil über die Frage zu äußern, ob es Licht und Farben gibt.

[ 8 ] Genauso wie unsere ganze Licht- und Farbenwelt für diesen Blinden nicht existierte, so kann man sich logischerweise vorstellen, dass unzählige Welten im selben Raum wie unsere Welt existieren könnten, ohne dass wir etwas davon wüssten, eben weil uns wie den blinden Menschen die für die Wahrnehmung dieser Welten notwendigen Organe fehlen. Dann stellt sich die Frage: Ist es möglich, Organe in uns zu erwecken, die fähig sind, die geistige Welt wahrzunehmen? Was diese Frage betrifft, das kann nur durch Erfahrung beantwortet werden. Wir fragen daher weiter: Gibt es Menschen, oder hat es jemals Menschen gegeben, die wirklich geistige Phänomene wahrnehmen konnten? – Solche Menschen hat es gegeben und solche Menschen gibt es und diese können auf einer höheren Stufe, der sogenannten Einweihungsoder Initiationssstufe, Erfahrungen mit geistigen Welten machen. So wie wir uns ein Mikroskop machen, um die Zellen zu sehen, aus denen zum Beispiel eine Blume besteht, so können wir unsere Seele zu einem Instrument machen, durch das wir neue Welten um uns herum sehen können, geistige Welten.

[ 8 ] Genauso wie unsere ganze Licht- und Farbenwelt für diesen Blinden nicht existierte, so kann man sich logischerweise vorstellen, dass unzählige Welten im selben Raum wie unsere Welt existieren könnten, ohne dass wir etwas davon wüssten, eben weil uns wie den blinden Menschen die für die Wahrnehmung dieser Welten notwendigen Organe fehlen. Dann stellt sich die Frage: Ist es möglich, Organe in uns zu erwecken, die fähig sind, die geistige Welt wahrzunehmen? Was diese Frage betrifft, das kann nur durch Erfahrung beantwortet werden. Wir fragen daher weiter: Gibt es Menschen, oder hat es jemals Menschen gegeben, die wirklich geistige Phänomene wahrnehmen konnten? – Solche Menschen hat es gegeben und solche Menschen gibt es und diese können auf einer höheren Stufe, der sogenannten Einweihungsoder Initiationssstufe, Erfahrungen mit geistigen Welten machen. So wie wir uns ein Mikroskop machen, um die Zellen zu sehen, aus denen zum Beispiel eine Blume besteht, so können wir unsere Seele zu einem Instrument machen, durch das wir neue Welten um uns herum sehen können, geistige Welten.

[ 9 ] Durch die Theosophie oder die Wissenschaft von den geistigen Dingen gewinnen wir Kenntnis von dem, was der Geistesforscher auf diese Weise erlebt und erfährt. Hier kann man einwenden: Was geht es gewöhnliche Menschen an, was in anderen Welten existiert, wenn nur wenige hoch entwickelte Menschen in diese Welten hineinschauen können, während alle anderen dies nicht können? – Darauf erwidern wir: So wenig, wie jeder Mensch wissenschaftliche Forschung etwa in einem chemischen Laboratorium ohne Weiteres betreiben kann, so wenig kann jemand ohne Vorbereitung die Tatsachen der geistigen Welt feststellen, aber er kann die Wahrheit und Vernünftigkeit dessen einsehen, was mitgeteilt wird. Über die geistige Welt können wir alle Bescheid wissen, denn die Seele des Menschen ist auf Wahrheit und nicht auf Lügen aufgebaut.

[ 9 ] Durch die Theosophie oder die Wissenschaft von den geistigen Dingen gewinnen wir Kenntnis von dem, was der Geistesforscher auf diese Weise erlebt und erfährt. Hier kann man einwenden: Was geht es gewöhnliche Menschen an, was in anderen Welten existiert, wenn nur wenige hoch entwickelte Menschen in diese Welten hineinschauen können, während alle anderen dies nicht können? – Darauf erwidern wir: So wenig, wie jeder Mensch wissenschaftliche Forschung etwa in einem chemischen Laboratorium ohne Weiteres betreiben kann, so wenig kann jemand ohne Vorbereitung die Tatsachen der geistigen Welt feststellen, aber er kann die Wahrheit und Vernünftigkeit dessen einsehen, was mitgeteilt wird. Über die geistige Welt können wir alle Bescheid wissen, denn die Seele des Menschen ist auf Wahrheit und nicht auf Lügen aufgebaut.

[ 10 ] Was hat uns die Theosophie nun konkret über den Tod zu sagen? Für die theosophische Forschung ist der Mensch nicht das einfache Wesen, das das äußere physische Auge sehen kann, das die Hand anfassen und das die Vernunftwissenschaft begreifen kann. Neben dem äußeren, sichtbaren Körper unterscheidet die Theosophie auch unsichtbare Leiber beim Menschen. Der Mensch hat also nach der Theosophie erstens einen physischen Leib, womit im Menschen dasjenige gemeint ist, was wir mit unseren gewöhnlichen äußeren Sinnen wahrnehmen und mit unserem gewöhnlichen Verstand verstehen können. Diesen Leib hat der Mensch mit allen ihn umgebenden Wesenheiten der Außenwelt gemeinsam, sowohl mit dem Mineralreich als auch mit dem Pflanzen- und Tierreich. Doch der physische Leib des Menschen, wie auch derjenige der Pflanzen und Tiere, unterscheidet sich wesentlich von den Körpern, die ihn in der mineralischen Welt umgeben. Denn obwohl die gleichen physikalischen Kräfte, die im Mineralreich wirken, auch im physischen Leib der sogenannten Lebewesen zu finden sind, unterliegt dieser doch nicht in gleicher Weise der zersetzenden Wirkung der physikalischen und chemischen Naturgesetze wie das Mineralische.

[ 10 ] Was hat uns die Theosophie nun konkret über den Tod zu sagen? Für die theosophische Forschung ist der Mensch nicht das einfache Wesen, das das äußere physische Auge sehen kann, das die Hand anfassen und das die Vernunftwissenschaft begreifen kann. Neben dem äußeren, sichtbaren Körper unterscheidet die Theosophie auch unsichtbare Leiber beim Menschen. Der Mensch hat also nach der Theosophie erstens einen physischen Leib, womit im Menschen dasjenige gemeint ist, was wir mit unseren gewöhnlichen äußeren Sinnen wahrnehmen und mit unserem gewöhnlichen Verstand verstehen können. Diesen Leib hat der Mensch mit allen ihn umgebenden Wesenheiten der Außenwelt gemeinsam, sowohl mit dem Mineralreich als auch mit dem Pflanzen- und Tierreich. Doch der physische Leib des Menschen, wie auch derjenige der Pflanzen und Tiere, unterscheidet sich wesentlich von den Körpern, die ihn in der mineralischen Welt umgeben. Denn obwohl die gleichen physikalischen Kräfte, die im Mineralreich wirken, auch im physischen Leib der sogenannten Lebewesen zu finden sind, unterliegt dieser doch nicht in gleicher Weise der zersetzenden Wirkung der physikalischen und chemischen Naturgesetze wie das Mineralische.

[ 11 ] Davon können wir uns sehr leicht überzeugen. Während der ganzen Zeit zwischen Geburt und Tod zeigt der physische Leib niemals sein eigenes Wesen. Erst wenn er durch den Eintritt des Todes zum Leichnam geworden ist, fällt er seinen eigenen Gesetzen anheim. Zu Lebzeiten trägt er einen treuen Krieger in sich, der ihn davor bewahrt, den physikalischen und chemischen Gesetzen zum Opfer zu fallen, denen er im Tod unterworfen ist. Diesen Kämpfer, der den physischen Leib durchdringt und trägt, nennen wir den Äther- oder Lebensleib. Diesen hat der Mensch sowohl mit der Pflanzenwelt als auch mit der Tierwelt gemeinsam, er fehlt aber der mineralischen Welt.

[ 11 ] Davon können wir uns sehr leicht überzeugen. Während der ganzen Zeit zwischen Geburt und Tod zeigt der physische Leib niemals sein eigenes Wesen. Erst wenn er durch den Eintritt des Todes zum Leichnam geworden ist, fällt er seinen eigenen Gesetzen anheim. Zu Lebzeiten trägt er einen treuen Krieger in sich, der ihn davor bewahrt, den physikalischen und chemischen Gesetzen zum Opfer zu fallen, denen er im Tod unterworfen ist. Diesen Kämpfer, der den physischen Leib durchdringt und trägt, nennen wir den Äther- oder Lebensleib. Diesen hat der Mensch sowohl mit der Pflanzenwelt als auch mit der Tierwelt gemeinsam, er fehlt aber der mineralischen Welt.

[ 12 ] Das bestreitet die Naturwissenschaft unserer Zeit; wer aber die Verhältnisse im Grunde kennt, der weiß wohl, dass das, was die Theosophie darüber lehrt, der wirklichen Naturwissenschaft nicht widerspricht.

[ 12 ] Das bestreitet die Naturwissenschaft unserer Zeit; wer aber die Verhältnisse im Grunde kennt, der weiß wohl, dass das, was die Theosophie darüber lehrt, der wirklichen Naturwissenschaft nicht widerspricht.

[ 13 ] Was den Ätherleib betrifft, so kann der Mensch, auch wenn er keine geistigen Organe in sich entwickelt hat, mit seinem logischen Verstand dennoch dessen Existenz erfassen. Für diejenigen Menschen wiederum, die ihr geistiges Organ entwickelt haben, ist er eine Wirklichkeit, die ebenso real ist wie das, was wir mit unseren physischen Augen erblicken. Wie man auf der Straße an einer Menge Dinge vorbeigeht, ohne darauf zu achten, so kann der geistige Hellseher durch bloße Willenskraft den physischen Leib des Menschen außer Acht lassen und stattdessen nur den Ätherleib, den Architekten und Bauherren des physischen Leibes betrachten.

[ 13 ] Was den Ätherleib betrifft, so kann der Mensch, auch wenn er keine geistigen Organe in sich entwickelt hat, mit seinem logischen Verstand dennoch dessen Existenz erfassen. Für diejenigen Menschen wiederum, die ihr geistiges Organ entwickelt haben, ist er eine Wirklichkeit, die ebenso real ist wie das, was wir mit unseren physischen Augen erblicken. Wie man auf der Straße an einer Menge Dinge vorbeigeht, ohne darauf zu achten, so kann der geistige Hellseher durch bloße Willenskraft den physischen Leib des Menschen außer Acht lassen und stattdessen nur den Ätherleib, den Architekten und Bauherren des physischen Leibes betrachten.

[ 14 ] Der Mensch besitzt jedoch noch einen dritten Körper, der ihm noch viel näher steht als selbst der physische Körper. Denn was wissen die Menschen überhaupt über ihren physischen Leib, was wissen sie über seinen Blutkreislauf, sein Nervensystem und so weiter? Aber eine Sache gibt es, die für jeden Menschen eine Realität ist, und das ist seine Freude und sein Schmerz, seine Gefühle und seine Ideen, die seine Seele vom Morgen, wenn er aufwacht, bis zum Abend, wenn er einschläft, erfüllen. Dieser sein dritter Leib, der Astralleib, ist auch für den geistig hellsehenden Menschen eine Wirklichkeit. Er ist der Träger unserer Freude und unseres Schmerzes, unserer Triebe, Wünsche und Leidenschaften, dieses ganzen Meeres von Gefühlen und Ideen, die den ganzen Tag in uns auf- und abwogen. Diesen Körper, der in den Pflanzen kein Gegenstück hat, hat der Mensch mit der Tierwelt gemeinsam.

[ 14 ] Der Mensch besitzt jedoch noch einen dritten Körper, der ihm noch viel näher steht als selbst der physische Körper. Denn was wissen die Menschen überhaupt über ihren physischen Leib, was wissen sie über seinen Blutkreislauf, sein Nervensystem und so weiter? Aber eine Sache gibt es, die für jeden Menschen eine Realität ist, und das ist seine Freude und sein Schmerz, seine Gefühle und seine Ideen, die seine Seele vom Morgen, wenn er aufwacht, bis zum Abend, wenn er einschläft, erfüllen. Dieser sein dritter Leib, der Astralleib, ist auch für den geistig hellsehenden Menschen eine Wirklichkeit. Er ist der Träger unserer Freude und unseres Schmerzes, unserer Triebe, Wünsche und Leidenschaften, dieses ganzen Meeres von Gefühlen und Ideen, die den ganzen Tag in uns auf- und abwogen. Diesen Körper, der in den Pflanzen kein Gegenstück hat, hat der Mensch mit der Tierwelt gemeinsam.

[ 15 ] Neben diesen drei Körpern hat der Mensch noch einen vierten Körper, den Träger des menschlichen Ich, wodurch er – [der Mensch] – zum Kern der Schöpfung geworden ist und sich von allen anderen Geschöpfen unterscheidet. Innerhalb aller europäischen Sprachen gibt es ein kleines Wort, das sich von allen anderen Wörtern der Sprache unterscheidet. Jedes Objekt kann von anderen mit seinem Namen bezeichnet werden. Zu jedem Tisch kann man «der Tisch» sagen, zu jedem Stuhl kann man «der Stuhl» sagen und so weiter. Aber das Wörtchen, mit dem der Mensch sich selbst bezeichnet, nämlich das Wort Ich, kann kein anderer von ihm sagen, jeder Mensch kann mit diesem Wort nur sich selbst bezeichnen, aber als Bezeichnung für sich selbst gelangt es nie aus fremden Lippen an sein Ohr. Mit dem Wort Ich bezeichnet der Mensch das Innerste seines Wesens, und für jeden Außenstehenden ist dieses Wort daher für einen anderen unaussprechlich. Daher wurde dieses Wort von allen Religionen und allen philosophischen Schulen als Name des Göttlichen in der Seele übernommen. «Jehova » bedeutet in der althebräischen Sprache «der unaussprechliche Name». Es war der Name für das Göttliche im Menschen.

[ 15 ] Neben diesen drei Körpern hat der Mensch noch einen vierten Körper, den Träger des menschlichen Ich, wodurch er – [der Mensch] – zum Kern der Schöpfung geworden ist und sich von allen anderen Geschöpfen unterscheidet. Innerhalb aller europäischen Sprachen gibt es ein kleines Wort, das sich von allen anderen Wörtern der Sprache unterscheidet. Jedes Objekt kann von anderen mit seinem Namen bezeichnet werden. Zu jedem Tisch kann man «der Tisch» sagen, zu jedem Stuhl kann man «der Stuhl» sagen und so weiter. Aber das Wörtchen, mit dem der Mensch sich selbst bezeichnet, nämlich das Wort Ich, kann kein anderer von ihm sagen, jeder Mensch kann mit diesem Wort nur sich selbst bezeichnen, aber als Bezeichnung für sich selbst gelangt es nie aus fremden Lippen an sein Ohr. Mit dem Wort Ich bezeichnet der Mensch das Innerste seines Wesens, und für jeden Außenstehenden ist dieses Wort daher für einen anderen unaussprechlich. Daher wurde dieses Wort von allen Religionen und allen philosophischen Schulen als Name des Göttlichen in der Seele übernommen. «Jehova » bedeutet in der althebräischen Sprache «der unaussprechliche Name». Es war der Name für das Göttliche im Menschen.

[ 16 ] Niemand soll sich darüber ärgern und sagen, dass die Theosophie den Menschen zu Gott macht, weil sie vom Göttlichen im Menschen spricht. Eine solche Schlussfolgerung wäre genauso falsch, wie wenn man sagen würde, der Tropfen sei der Ozean, weil sich ein Teil des Ozeans im Tropfen befindet. Wir sagen nicht, dass der Mensch Gott ist, sondern dass er durch das Ich eins mit der Gottheit ist.

[ 16 ] Niemand soll sich darüber ärgern und sagen, dass die Theosophie den Menschen zu Gott macht, weil sie vom Göttlichen im Menschen spricht. Eine solche Schlussfolgerung wäre genauso falsch, wie wenn man sagen würde, der Tropfen sei der Ozean, weil sich ein Teil des Ozeans im Tropfen befindet. Wir sagen nicht, dass der Mensch Gott ist, sondern dass er durch das Ich eins mit der Gottheit ist.

[ 17 ] Der Mensch besitzt somit vier Leiber oder Teile: den physischen Körper, den Ätherleib, den Astralleib und das Ich; und nur wenn wir wissen, wie diese vier Körper zueinander in Beziehung stehen, können wir das menschliche Leben verstehen. Es gibt vier Wörter, in denen die größten und wichtigsten Rätsel des Lebens enthalten sind, obwohl uns aufgrund der alltäglichen Fähigkeit, in unserer Aufmerksamkeit nachzulassen, eigentlich nur zwei dieser Wörter rätselhaft erscheinen. Diese vier Wörter sind: Schlafen und Wachen, Tod und Leben. Was bedeutet dieser regelmäßig über 24 Stunden stattfindende Wechsel von Schlaf und Wachheit? Wenn wir abends erschöpft von der Arbeit des Tages zur Ruhe gehen und einschlafen, wissen wir alle, wie all die Freude und der Schmerz, alle Triebe, Ideen und Gefühle, die in der Zeit zwischen Aufwachen und Einschlafen in uns aufsteigen und wieder verschwinden, wie alles dies gleichsam in eine unbestimmte Dunkelheit versinkt und in die Nacht des Unbewussten eingehüllt wird. Was dabei geschieht, kann nur der Hellseher beobachten. Er sieht, dass, wenn der Mensch abends einschläft, nur der physische Körper und der Ätherleib im Ruhelager verbleiben, während sich der Astralleib und das Selbst von ihnen trennen und in die geistige Welt eintreten, wo sie tatsächlich vom Einschlafen bis zum Erwachen bleiben.

[ 17 ] Der Mensch besitzt somit vier Leiber oder Teile: den physischen Körper, den Ätherleib, den Astralleib und das Ich; und nur wenn wir wissen, wie diese vier Körper zueinander in Beziehung stehen, können wir das menschliche Leben verstehen. Es gibt vier Wörter, in denen die größten und wichtigsten Rätsel des Lebens enthalten sind, obwohl uns aufgrund der alltäglichen Fähigkeit, in unserer Aufmerksamkeit nachzulassen, eigentlich nur zwei dieser Wörter rätselhaft erscheinen. Diese vier Wörter sind: Schlafen und Wachen, Tod und Leben. Was bedeutet dieser regelmäßig über 24 Stunden stattfindende Wechsel von Schlaf und Wachheit? Wenn wir abends erschöpft von der Arbeit des Tages zur Ruhe gehen und einschlafen, wissen wir alle, wie all die Freude und der Schmerz, alle Triebe, Ideen und Gefühle, die in der Zeit zwischen Aufwachen und Einschlafen in uns aufsteigen und wieder verschwinden, wie alles dies gleichsam in eine unbestimmte Dunkelheit versinkt und in die Nacht des Unbewussten eingehüllt wird. Was dabei geschieht, kann nur der Hellseher beobachten. Er sieht, dass, wenn der Mensch abends einschläft, nur der physische Körper und der Ätherleib im Ruhelager verbleiben, während sich der Astralleib und das Selbst von ihnen trennen und in die geistige Welt eintreten, wo sie tatsächlich vom Einschlafen bis zum Erwachen bleiben.

[ 18 ] In seinem gegenwärtigen Normalzustand ist sich der Mensch jedoch der geistigen Welt nicht bewusst – und warum? Nun, weil er in diesem Zustand keine Organe dafür hat. Er verfügt in seinem physischen Leib über Sinnesorgane wie Augen, Ohren und so weiter, sein Astralleib verfügt jedoch in seinem gegenwärtigen Zustand über keine solchen Organe und kann daher auch keine bestimmten Empfindungen der geistigen Welt haben. Der okkulte Forscher hingegen, der sich während der Meditation und Konzentration tiefen und wirksamen Vorstellungen widmete, verfügt in seinem früher unbestimmten und strukturlosen Astralleib über ausgebildete geistige Sinnesorgane, durch die er Beobachtungen in der geistigen Welt anstellen kann.

[ 18 ] In seinem gegenwärtigen Normalzustand ist sich der Mensch jedoch der geistigen Welt nicht bewusst – und warum? Nun, weil er in diesem Zustand keine Organe dafür hat. Er verfügt in seinem physischen Leib über Sinnesorgane wie Augen, Ohren und so weiter, sein Astralleib verfügt jedoch in seinem gegenwärtigen Zustand über keine solchen Organe und kann daher auch keine bestimmten Empfindungen der geistigen Welt haben. Der okkulte Forscher hingegen, der sich während der Meditation und Konzentration tiefen und wirksamen Vorstellungen widmete, verfügt in seinem früher unbestimmten und strukturlosen Astralleib über ausgebildete geistige Sinnesorgane, durch die er Beobachtungen in der geistigen Welt anstellen kann.

[ 19 ] Warum treten dann der Astralleib und das Ich in der Nacht aus dem physischen Leib heraus? Bevor wir diese Frage beantworten, müssen wir uns daran erinnern, dass es tatsächlich der Astralleib ist, der durch seine Kraft diese ganze Welt von Gefühlen, Ideen und Empfindungen heraufbeschwört, die unser Bewusstsein von morgens bis abends erfüllen. Diese unsere astralen Empfindungen, die wir umgangssprachlich unser Gefühlsleben nennen, werden vom Ätherleib reflektiert, der die Eindrücke dann an unser physisches Gehirn weiterleitet. Im Laufe des Tages verbraucht der Astralleib seine Kräfte und würde sie sehr bald erschöpft haben, wenn er nur in dieser physischen Welt geblieben wäre. Unser Leben vom Morgen bis zum Abend ist also das Ergebnis der Arbeit des Astralleibes in der geistigen Welt vom Abend bis zum Morgen. Wir müssen daher immer wieder in unsere eigentliche Heimat, die geistige Welt, gehen, um neue Kräfte für unsere Arbeit auf der physischen Ebene zu sammeln; denn das Physische hat seinen Ursprung im Geistigen und nicht umgekehrt.

[ 19 ] Warum treten dann der Astralleib und das Ich in der Nacht aus dem physischen Leib heraus? Bevor wir diese Frage beantworten, müssen wir uns daran erinnern, dass es tatsächlich der Astralleib ist, der durch seine Kraft diese ganze Welt von Gefühlen, Ideen und Empfindungen heraufbeschwört, die unser Bewusstsein von morgens bis abends erfüllen. Diese unsere astralen Empfindungen, die wir umgangssprachlich unser Gefühlsleben nennen, werden vom Ätherleib reflektiert, der die Eindrücke dann an unser physisches Gehirn weiterleitet. Im Laufe des Tages verbraucht der Astralleib seine Kräfte und würde sie sehr bald erschöpft haben, wenn er nur in dieser physischen Welt geblieben wäre. Unser Leben vom Morgen bis zum Abend ist also das Ergebnis der Arbeit des Astralleibes in der geistigen Welt vom Abend bis zum Morgen. Wir müssen daher immer wieder in unsere eigentliche Heimat, die geistige Welt, gehen, um neue Kräfte für unsere Arbeit auf der physischen Ebene zu sammeln; denn das Physische hat seinen Ursprung im Geistigen und nicht umgekehrt.

[ 20 ] Lassen Sie uns dies anhand eines Beispiels aus der Geschichte der Naturwissenschaften verdeutlichen. Im siebzehnten Jahrhundert wurde allgemein behauptet, dass niedere Tiere aus dem Schlamm in Seen, Flüssen und so weiter entstanden seien. Dann äußerte sich Francesco Redi dahingehend, dass Leben nur aus dem Leben entstehen kann; die übliche Theorie, dass zum Beispiel Regenwürmer aus Schlamm entstehen, beruhe also nur auf unzureichenden Beobachtungen. Francesco Redi entging jedoch nur knapp dem Schicksal von Giordano Bruno, doch was damals als unglaubliche Ketzerei galt, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Es gibt niemanden mehr, der die These vertreten will, dass Leben aus unbelebter Materie entstehen kann. Ebenso hat die Geistesforschung für eine höhere Stufe den Satz aufgestellt, dass das Geistig-Seelische nur aus dem GeistigSeelischen entstehen kann. Dieser Satz wird das gleiche Schicksal erleiden wie derjenige Francesco Redis. Zwar werden heutzutage die Ketzer, die sich der damaligen Meinung widersetzen, nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sondern mit der Waffe der Ironie verfolgt und lächerlich gemacht. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis auch dieser Satz der Geisteswissenschaft zum Gemeingut der Menschheit gehören wird. Denn so, wie sich das physische Leben eines Kindes im Laufe der Jahre entwickelt und sich die Gesichtszüge und die Körperkonstitution immer deutlicher an den Familientyp anpassen und gestalten, so lebt sich auch der Mensch immer mehr und mehr in die besonderen Seeleneigenschaften hinein, die sich in ihm als Veranlagungen aus einem früheren Leben wiederfinden. Und so wenig, wie der lebende Kern des Regenwurms ein Produkt seiner äußeren Umgebung ist, so wenig haben die Seeleneigenschaften des Menschen ihre Grundlage in seiner physischen Abstammung. Denn die Eigenschaften, die der Mensch während seines Erdendaseins erwirbt, gehen ihm mit dem Tod nicht verloren, sondern er nimmt sie mit in die geistige Welt wie Samen, die im folgenden Erdenleben aufgehen werden. Das Geistig-Seelische existiert bei uns als Veranlagung schon seit Jahrhunderten, denn unser eigentliches Leben zieht sich wie eine Kette durch die Jahrhunderte, und der okkulte Forscher kann den geistigen Lebenskern dieses Menschen von Leben zu Leben verfolgen.

[ 20 ] Lassen Sie uns dies anhand eines Beispiels aus der Geschichte der Naturwissenschaften verdeutlichen. Im siebzehnten Jahrhundert wurde allgemein behauptet, dass niedere Tiere aus dem Schlamm in Seen, Flüssen und so weiter entstanden seien. Dann äußerte sich Francesco Redi dahingehend, dass Leben nur aus dem Leben entstehen kann; die übliche Theorie, dass zum Beispiel Regenwürmer aus Schlamm entstehen, beruhe also nur auf unzureichenden Beobachtungen. Francesco Redi entging jedoch nur knapp dem Schicksal von Giordano Bruno, doch was damals als unglaubliche Ketzerei galt, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Es gibt niemanden mehr, der die These vertreten will, dass Leben aus unbelebter Materie entstehen kann. Ebenso hat die Geistesforschung für eine höhere Stufe den Satz aufgestellt, dass das Geistig-Seelische nur aus dem GeistigSeelischen entstehen kann. Dieser Satz wird das gleiche Schicksal erleiden wie derjenige Francesco Redis. Zwar werden heutzutage die Ketzer, die sich der damaligen Meinung widersetzen, nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sondern mit der Waffe der Ironie verfolgt und lächerlich gemacht. Es wird jedoch nicht mehr lange dauern, bis auch dieser Satz der Geisteswissenschaft zum Gemeingut der Menschheit gehören wird. Denn so, wie sich das physische Leben eines Kindes im Laufe der Jahre entwickelt und sich die Gesichtszüge und die Körperkonstitution immer deutlicher an den Familientyp anpassen und gestalten, so lebt sich auch der Mensch immer mehr und mehr in die besonderen Seeleneigenschaften hinein, die sich in ihm als Veranlagungen aus einem früheren Leben wiederfinden. Und so wenig, wie der lebende Kern des Regenwurms ein Produkt seiner äußeren Umgebung ist, so wenig haben die Seeleneigenschaften des Menschen ihre Grundlage in seiner physischen Abstammung. Denn die Eigenschaften, die der Mensch während seines Erdendaseins erwirbt, gehen ihm mit dem Tod nicht verloren, sondern er nimmt sie mit in die geistige Welt wie Samen, die im folgenden Erdenleben aufgehen werden. Das Geistig-Seelische existiert bei uns als Veranlagung schon seit Jahrhunderten, denn unser eigentliches Leben zieht sich wie eine Kette durch die Jahrhunderte, und der okkulte Forscher kann den geistigen Lebenskern dieses Menschen von Leben zu Leben verfolgen.

[ 21 ] Wir werden diesen menschlichen Entwicklungsprozess besser verstehen, wenn wir den letzten Teil des menschlichen Lebens betrachten, die Existenz nach dem Tod. Wenn der Mensch stirbt, vollzieht sich eine große Veränderung. Der Ätherleib, der Astralleib und das Ich treten dann aus dem physischen Leib heraus, der als Leichnam zurückbleibt, nachdem ihn sein treuer Streiter, der Ätherleib, verlassen hat. In diesem Moment hat der Mensch das Gefühl, als würde sich sein ganzes Wesen in den Raum ausdehnen. Dann kommt der große Moment, wenn sich sein ganzes Leben wie ein riesiges Panorama vor seinem inneren Blick entfaltet, mit allem, was er während ihres letzten Erdendaseins erlebt hat. Denn der Ätherleib, der Träger des Gedächtnisses des Menschen, der bisher durch den physischen Leib gebunden und dadurch in seiner freien Funktion gehemmt war, ist durch den Tod aus der Verbindung mit dem Physischen gelöst worden und hat seine charakteristische Beweglichkeit und Geschwindigkeit wiedererlangt. Es ist dieser Umstand, der es ihm ermöglicht, dieses riesige Erinnerungstableau im Moment des Todes aufzurollen. Dieser Moment kann ein paar Stunden oder ein paar Tage dauern, je nachdem, wie lange die Person während ihres irdischen Lebens wach bleiben konnte.

[ 21 ] Wir werden diesen menschlichen Entwicklungsprozess besser verstehen, wenn wir den letzten Teil des menschlichen Lebens betrachten, die Existenz nach dem Tod. Wenn der Mensch stirbt, vollzieht sich eine große Veränderung. Der Ätherleib, der Astralleib und das Ich treten dann aus dem physischen Leib heraus, der als Leichnam zurückbleibt, nachdem ihn sein treuer Streiter, der Ätherleib, verlassen hat. In diesem Moment hat der Mensch das Gefühl, als würde sich sein ganzes Wesen in den Raum ausdehnen. Dann kommt der große Moment, wenn sich sein ganzes Leben wie ein riesiges Panorama vor seinem inneren Blick entfaltet, mit allem, was er während ihres letzten Erdendaseins erlebt hat. Denn der Ätherleib, der Träger des Gedächtnisses des Menschen, der bisher durch den physischen Leib gebunden und dadurch in seiner freien Funktion gehemmt war, ist durch den Tod aus der Verbindung mit dem Physischen gelöst worden und hat seine charakteristische Beweglichkeit und Geschwindigkeit wiedererlangt. Es ist dieser Umstand, der es ihm ermöglicht, dieses riesige Erinnerungstableau im Moment des Todes aufzurollen. Dieser Moment kann ein paar Stunden oder ein paar Tage dauern, je nachdem, wie lange die Person während ihres irdischen Lebens wach bleiben konnte.

[ 22 ] Was so im Augenblick des Todes geschieht, ist in der Tat etwas, das wir aus dem gewöhnlichen Leben bereits kennen. Wir alle wissen, wie Menschen, die dem Ertrinken nahe waren oder sich sonst in großer Gefahr befanden, in diesem Moment ihr ganzes Leben Revue passieren sahen. Dies liegt daran, dass der Ätherleib für einen sehr kurzen Moment aus dem physischen Leib heraustrat und, befreit von dessen hemmendem Einfluss, dieses Erinnerungsbild erzeugen konnte. Diese Menschen hatten somit die Möglichkeit, das Leben im Moment des Todes aus eigener Erfahrung zu erleben.

[ 22 ] Was so im Augenblick des Todes geschieht, ist in der Tat etwas, das wir aus dem gewöhnlichen Leben bereits kennen. Wir alle wissen, wie Menschen, die dem Ertrinken nahe waren oder sich sonst in großer Gefahr befanden, in diesem Moment ihr ganzes Leben Revue passieren sahen. Dies liegt daran, dass der Ätherleib für einen sehr kurzen Moment aus dem physischen Leib heraustrat und, befreit von dessen hemmendem Einfluss, dieses Erinnerungsbild erzeugen konnte. Diese Menschen hatten somit die Möglichkeit, das Leben im Moment des Todes aus eigener Erfahrung zu erleben.

[ 23 ] Wenn diese erste Phase vorbei ist, kommt eine weitere Phase, in der der Mensch auf die Früchte seines irdischen Lebens zurückblicken und sozusagen eine Essenz oder einen Auszug all seiner Erinnerungen und Erfahrungen aus diesem Leben extrahieren und behalten muss. Danach durchläuft er einen weiteren Todesprozess, indem der Ätherleib wie ein Leichnam abgetrennt wird. Der dritte Moment, der dann eintritt, ist von längerer Dauer; meist reicht etwa ein Drittel der Länge des bisherigen Erdenlebens. Für eine Person, die sechzig Jahre alt war, zum Beispiel würde dieser Zeitraum also etwa zwanzig Jahre dauern. In dieser Zeit muss sich der Mensch von allen Wünschen und Leiden befreien, die ihn noch an die physische Existenz fesseln. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie befinden sich in einer Gegend, in der es kein Wasser gibt. Sie verspüren Durst, haben aber keine Möglichkeit, ihn zu stillen. Ebenso verhält es sich nach dem Tod mit einem Menschen, der sich während seines irdischen Lebens zum Beispiel sehr den sinnlichen Genüssen widmete. Alle Leiden und Wünsche haben bekanntlich ihren Sitz im Astralleib und werden daher nicht durch den physischen Tod vernichtet. Der physische Leib hingegen kennt keine Wünsche, er kennt nur physikalische und chemische Gesetze, aber damit der Astralleib seine Wünsche befriedigen kann, muss er den Organen des physischen Körpers dienen. Wenn nun dieser Leib durch den Tod abgefallen ist, fehlen dem Astralleib alle Mittel zur Befriedigung der Wünsche und er erleidet daher die schwersten Qualen. Dieser Zustand der Reinigung und Läuterung, der in der theosophischen Sprache Kamaloka genannt wird, hält an, bis der Mensch von allem befreit ist, was ihn an die Verlockungen des physischen Lebens bindet. Daraufhin lässt er auch den Astralleib als Leichnam zurück, und wie er zuvor bei der Trennung von diesem einen Auszug aus dem Ätherleib mitgenommen hat, so nimmt er nun auch auf die nächste Stufe einen Auszug aus dem Astralleben mit.

[ 23 ] Wenn diese erste Phase vorbei ist, kommt eine weitere Phase, in der der Mensch auf die Früchte seines irdischen Lebens zurückblicken und sozusagen eine Essenz oder einen Auszug all seiner Erinnerungen und Erfahrungen aus diesem Leben extrahieren und behalten muss. Danach durchläuft er einen weiteren Todesprozess, indem der Ätherleib wie ein Leichnam abgetrennt wird. Der dritte Moment, der dann eintritt, ist von längerer Dauer; meist reicht etwa ein Drittel der Länge des bisherigen Erdenlebens. Für eine Person, die sechzig Jahre alt war, zum Beispiel würde dieser Zeitraum also etwa zwanzig Jahre dauern. In dieser Zeit muss sich der Mensch von allen Wünschen und Leiden befreien, die ihn noch an die physische Existenz fesseln. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie befinden sich in einer Gegend, in der es kein Wasser gibt. Sie verspüren Durst, haben aber keine Möglichkeit, ihn zu stillen. Ebenso verhält es sich nach dem Tod mit einem Menschen, der sich während seines irdischen Lebens zum Beispiel sehr den sinnlichen Genüssen widmete. Alle Leiden und Wünsche haben bekanntlich ihren Sitz im Astralleib und werden daher nicht durch den physischen Tod vernichtet. Der physische Leib hingegen kennt keine Wünsche, er kennt nur physikalische und chemische Gesetze, aber damit der Astralleib seine Wünsche befriedigen kann, muss er den Organen des physischen Körpers dienen. Wenn nun dieser Leib durch den Tod abgefallen ist, fehlen dem Astralleib alle Mittel zur Befriedigung der Wünsche und er erleidet daher die schwersten Qualen. Dieser Zustand der Reinigung und Läuterung, der in der theosophischen Sprache Kamaloka genannt wird, hält an, bis der Mensch von allem befreit ist, was ihn an die Verlockungen des physischen Lebens bindet. Daraufhin lässt er auch den Astralleib als Leichnam zurück, und wie er zuvor bei der Trennung von diesem einen Auszug aus dem Ätherleib mitgenommen hat, so nimmt er nun auch auf die nächste Stufe einen Auszug aus dem Astralleben mit.

[ 24 ] Der jetzt beginnende Zeitraum, der letzte der aufsteigenden Reihe, dauert mehrere Jahrhunderte. Dabei werden die Früchte des letzten Erdenlebens in den geistigen Lebenskern des Menschen integriert und reifen, um, verwandelt zu Anlagen und Begabungen, in seiner nächsten Inkarnation zutage zu treten. Denn so, wie die Seele während des Erdenlebens von den Kräften getragen wird, die ihr aus der geistigen Welt zufließen, so erschafft sie nun aus den gesammelten Ergebnissen ihrer früheren Leben das Urbild der Persönlichkeit, die sie während ihrer nächsten Inkarnation werden wird.

[ 24 ] Der jetzt beginnende Zeitraum, der letzte der aufsteigenden Reihe, dauert mehrere Jahrhunderte. Dabei werden die Früchte des letzten Erdenlebens in den geistigen Lebenskern des Menschen integriert und reifen, um, verwandelt zu Anlagen und Begabungen, in seiner nächsten Inkarnation zutage zu treten. Denn so, wie die Seele während des Erdenlebens von den Kräften getragen wird, die ihr aus der geistigen Welt zufließen, so erschafft sie nun aus den gesammelten Ergebnissen ihrer früheren Leben das Urbild der Persönlichkeit, die sie während ihrer nächsten Inkarnation werden wird.

[ 25 ] Das Leben des geistig entwickelten Menschen im Devachan, wie die Theosophen diese höhere geistige Existenz nennen, ist von einem unbeschreiblichen Glück erfüllt, das nur in geringem Maße mit dem Glück vergleichbar ist, das der Künstler beim Schaffen seines Werkes empfindet.

[ 25 ] Das Leben des geistig entwickelten Menschen im Devachan, wie die Theosophen diese höhere geistige Existenz nennen, ist von einem unbeschreiblichen Glück erfüllt, das nur in geringem Maße mit dem Glück vergleichbar ist, das der Künstler beim Schaffen seines Werkes empfindet.

[ 26 ] Doch schließlich naht die Zeit, in der der Mensch den inneren Drang verspürt, in einem neuen Erdenleben neue Erfahrungen zu sammeln. Auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommen ist, steigt die Seele nun wieder zur Erde hinab: Aus der Astralwelt nimmt sie ihre Astralhülle, aus der Ätherwelt ihren Ätherleib, und wird dann zu einem bestimmten Menschenpaar, einem bestimmten Volk gebracht, zu dem sie sich hingezogen fühlt, weil sie durch sie am besten die physischen Eigenschaften erben kann, die für die Verwirklichung des im Devachan geschaffenen ursprünglichen Bildes in ihr neues Leben erforderlich sind.

[ 26 ] Doch schließlich naht die Zeit, in der der Mensch den inneren Drang verspürt, in einem neuen Erdenleben neue Erfahrungen zu sammeln. Auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommen ist, steigt die Seele nun wieder zur Erde hinab: Aus der Astralwelt nimmt sie ihre Astralhülle, aus der Ätherwelt ihren Ätherleib, und wird dann zu einem bestimmten Menschenpaar, einem bestimmten Volk gebracht, zu dem sie sich hingezogen fühlt, weil sie durch sie am besten die physischen Eigenschaften erben kann, die für die Verwirklichung des im Devachan geschaffenen ursprünglichen Bildes in ihr neues Leben erforderlich sind.

[ 27 ] Ein anschauliches Beispiel dafür, wie ererbte körperliche Eigenschaften die Entstehung rein geistiger Vermögen ermöglichen, liefert uns die Musikerfamilie Bach. Im Laufe von 150 Jahren gab es innerhalb der besagten Familie nicht weniger als 20 mehr oder weniger bedeutende Musiker – und warum? Ja, weil bestimmte rein physikalische Eigenschaften, unter anderem eine ganz besondere Struktur des Ohres, notwendige Voraussetzungen für einen Musiker sind. Denn es ist wahr, dass niemand Musiker wird, ohne die dazu notwendigen geistigen Kräfte aus einem früheren Leben mitzubringen. Doch um diese Kräfte zum Ausdruck bringen zu können, bedarf es ererbter körperlicher Eigenschaften, die mit Ersteren im Einklang stehen. Und diese Anlagen sind der Mittelpunkt, um den herum wir die physischen Organe aufbauen, die wir brauchen, um die Früchte unserer vergangenen Leben zu verarbeiten.

[ 27 ] Ein anschauliches Beispiel dafür, wie ererbte körperliche Eigenschaften die Entstehung rein geistiger Vermögen ermöglichen, liefert uns die Musikerfamilie Bach. Im Laufe von 150 Jahren gab es innerhalb der besagten Familie nicht weniger als 20 mehr oder weniger bedeutende Musiker – und warum? Ja, weil bestimmte rein physikalische Eigenschaften, unter anderem eine ganz besondere Struktur des Ohres, notwendige Voraussetzungen für einen Musiker sind. Denn es ist wahr, dass niemand Musiker wird, ohne die dazu notwendigen geistigen Kräfte aus einem früheren Leben mitzubringen. Doch um diese Kräfte zum Ausdruck bringen zu können, bedarf es ererbter körperlicher Eigenschaften, die mit Ersteren im Einklang stehen. Und diese Anlagen sind der Mittelpunkt, um den herum wir die physischen Organe aufbauen, die wir brauchen, um die Früchte unserer vergangenen Leben zu verarbeiten.

[ 28 ] Jahrhunderte sind nun vergangen, seit wir das letzte Mal in einem physischen Leib inkarniert waren. Nun begegnet uns eine neue Welt, eine neue Welt, die wir uns aneignen müssen; wir machen neue Erfahrungen, neue Beobachtungen, und unser geistiges Ich wächst immer mehr. Aber während unseres Lebens auf der Erde können wir unsere physischen Organe nicht neu erschaffen; folglich wird unser physischer Leib mit der Zeit zu einem unzureichenden Instrument für unseren Geist, und es wird für uns nach und nach zu einer zwingenden Notwendigkeit, diese ganze Kette von Tod, Geistexistenz und Wiedergeburt, wie gerade beschrieben, im und für den Aufbau von neuen physischen Organen für unsere nun weiterentwickelten geistigen Eigenschaften noch einmal zu durchlaufen. Darin liegt der Grund, warum der Mensch unbedingt den Tod will. Aus materialistischer Sicht wird jedoch behauptet, dass mit zunehmendem Alter die seelischen Kräfte eines Menschen im gleichen Maße nachlassen wie die körperlichen Kräfte. Aber das ist nicht der Fall. Wenn der Mensch älter wird, wird er nur in Bezug auf die rein körperlichen Eigenschaften schwach und machtlos. Und dieser Rückgang der körperlichen Kräfte ist notwendig, damit höhere, geistige Vermögen entstehen können. Der Verfall der physischen Kräfte ist keineswegs ein Verfallssymptom, sondern nur ein Beweis dafür, dass der Mensch beginnt, die Hüllen abzustreifen, die der freien Entfaltung seiner im letzten Erdenleben erworbenen geistigen Kräfte im Wege stehen. Wenn wir diese Hüllen nicht ablegen könnten, könnten in uns niemals neue geistige Vermögen entstehen. So wie der Baum alle seine Kräfte für die Frucht sammelt und, wenn die Frucht reif ist, seine Blätter abwirft, so fallen auch unsere Körperhüllen ab, wenn sie nicht mehr als Ausdruck unseres inneren, geistigen Lebens dienen können, und in der kommenden geistigen Existenz haben wir ja keine Verwendung für die rein physikalischen Eigenschaften.

[ 28 ] Jahrhunderte sind nun vergangen, seit wir das letzte Mal in einem physischen Leib inkarniert waren. Nun begegnet uns eine neue Welt, eine neue Welt, die wir uns aneignen müssen; wir machen neue Erfahrungen, neue Beobachtungen, und unser geistiges Ich wächst immer mehr. Aber während unseres Lebens auf der Erde können wir unsere physischen Organe nicht neu erschaffen; folglich wird unser physischer Leib mit der Zeit zu einem unzureichenden Instrument für unseren Geist, und es wird für uns nach und nach zu einer zwingenden Notwendigkeit, diese ganze Kette von Tod, Geistexistenz und Wiedergeburt, wie gerade beschrieben, im und für den Aufbau von neuen physischen Organen für unsere nun weiterentwickelten geistigen Eigenschaften noch einmal zu durchlaufen. Darin liegt der Grund, warum der Mensch unbedingt den Tod will. Aus materialistischer Sicht wird jedoch behauptet, dass mit zunehmendem Alter die seelischen Kräfte eines Menschen im gleichen Maße nachlassen wie die körperlichen Kräfte. Aber das ist nicht der Fall. Wenn der Mensch älter wird, wird er nur in Bezug auf die rein körperlichen Eigenschaften schwach und machtlos. Und dieser Rückgang der körperlichen Kräfte ist notwendig, damit höhere, geistige Vermögen entstehen können. Der Verfall der physischen Kräfte ist keineswegs ein Verfallssymptom, sondern nur ein Beweis dafür, dass der Mensch beginnt, die Hüllen abzustreifen, die der freien Entfaltung seiner im letzten Erdenleben erworbenen geistigen Kräfte im Wege stehen. Wenn wir diese Hüllen nicht ablegen könnten, könnten in uns niemals neue geistige Vermögen entstehen. So wie der Baum alle seine Kräfte für die Frucht sammelt und, wenn die Frucht reif ist, seine Blätter abwirft, so fallen auch unsere Körperhüllen ab, wenn sie nicht mehr als Ausdruck unseres inneren, geistigen Lebens dienen können, und in der kommenden geistigen Existenz haben wir ja keine Verwendung für die rein physikalischen Eigenschaften.

[ 29 ] Während also in der zweiten Hälfte des Erdenlebens die körperlichen Geschicke verkümmern und schwinden und der Mensch äußerlich immer schwächer wird, wächst in ihm das Unsterbliche, das in einer späteren Inkarnation in einer neuen Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Mit der Führung der Theosophie können wir so beginnen, das Wesen des Todes zu verstehen und [wir können] erkennen, dass der Tod lediglich ein Mittel zur höheren Entwicklung des Menschen ist; und wenn es den Tod nicht gäbe, wären wir dieser schönen Hoffnung auf eine immerwährende Entwicklung beraubt. Auf diese Weise wird eine Existenzform zerstört, sodass eine neue und reichere entstehen kann. Der Tod ist nichts Lebensfeindliches, sondern ein lebensnotwendiges und unverzichtbares Gut.

[ 29 ] Während also in der zweiten Hälfte des Erdenlebens die körperlichen Geschicke verkümmern und schwinden und der Mensch äußerlich immer schwächer wird, wächst in ihm das Unsterbliche, das in einer späteren Inkarnation in einer neuen Persönlichkeit zum Vorschein kommt. Mit der Führung der Theosophie können wir so beginnen, das Wesen des Todes zu verstehen und [wir können] erkennen, dass der Tod lediglich ein Mittel zur höheren Entwicklung des Menschen ist; und wenn es den Tod nicht gäbe, wären wir dieser schönen Hoffnung auf eine immerwährende Entwicklung beraubt. Auf diese Weise wird eine Existenzform zerstört, sodass eine neue und reichere entstehen kann. Der Tod ist nichts Lebensfeindliches, sondern ein lebensnotwendiges und unverzichtbares Gut.

[ 30 ] Aber nicht immer war es den Menschen möglich, den Tod auf diese Weise zu sehen. Als der große Buddha 600 Jahre vor Christus seinen Palast verließ und zum ersten Mal Krankheit und Tod begegnete, sagte er: «Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Leben ist Leiden.» Es vergehen einige Jahrhunderte, und Christus wirkt auf der Erde, wird gekreuzigt und stirbt. Was sehen wir jetzt, wenn wir zu seinem Kreuz aufblicken? Wir sehen das Kreuz als Symbol des Lebens und als Zeugnis dafür, dass ein Leben im Geiste den Tod überwindet; und während zuvor selbst ein so großer Mann wie Buddha nur das Leiden im Tod sehen konnte, sehen wir darin ein Bild des sich ständig entwickelnden Lebens; und über alle physische Existenz hinaus sehen wir im Geiste das, was sich im Menschen von Leben zu Leben entwickelt. Und ebenso, wie wir im vorherigen Erdenleben den Grundstein für unsere physische Existenz gelegt haben, so legen wir in unserem jetzigen Leben auf der Erde den Grundstein für unseren zukünftigen Weg nach oben.

[ 30 ] Aber nicht immer war es den Menschen möglich, den Tod auf diese Weise zu sehen. Als der große Buddha 600 Jahre vor Christus seinen Palast verließ und zum ersten Mal Krankheit und Tod begegnete, sagte er: «Krankheit ist Leiden, Tod ist Leiden, Leben ist Leiden.» Es vergehen einige Jahrhunderte, und Christus wirkt auf der Erde, wird gekreuzigt und stirbt. Was sehen wir jetzt, wenn wir zu seinem Kreuz aufblicken? Wir sehen das Kreuz als Symbol des Lebens und als Zeugnis dafür, dass ein Leben im Geiste den Tod überwindet; und während zuvor selbst ein so großer Mann wie Buddha nur das Leiden im Tod sehen konnte, sehen wir darin ein Bild des sich ständig entwickelnden Lebens; und über alle physische Existenz hinaus sehen wir im Geiste das, was sich im Menschen von Leben zu Leben entwickelt. Und ebenso, wie wir im vorherigen Erdenleben den Grundstein für unsere physische Existenz gelegt haben, so legen wir in unserem jetzigen Leben auf der Erde den Grundstein für unseren zukünftigen Weg nach oben.

[ 31 ] Die schönen Worte des Dichters sind daher wahr, wenn er sagt:

[ 31 ] Die schönen Worte des Dichters sind daher wahr, wenn er sagt:

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.

Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So musst du sein, dir kannst du nicht entfliehen.
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt.