Appendix to the Public Lectures
GA 85
8 March 1910, Stuttgart
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
11. Askese und Krankheit
11. Askese und Krankheit
[ 1 ] Es ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, wie der Mensch zu dem, was die geisteswissenschaftliche Erkenntnis gibt, kommt durch eine besondere Methode der Entwicklung seiner verborgenen Seelenfähigkeiten und Seelenkräfte. Und es ist insbesondere betont worden, dass der Mensch durch eine solche Entwicklung der Seelenkräfte im geistigen Sinne das wird, was man nennen kann einen Erweckten, einen Eingeweihten, einen Geistesforscher, sodass wir sagen können: Es ist eine Art anderer Bewusstseinszustand, eine Art anderer Seelenverfassung, aus welcher heraus die geistigen Erkenntnisse, die durch die Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, gewonnen werden.
[ 1 ] Es ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, wie der Mensch zu dem, was die geisteswissenschaftliche Erkenntnis gibt, kommt durch eine besondere Methode der Entwicklung seiner verborgenen Seelenfähigkeiten und Seelenkräfte. Und es ist insbesondere betont worden, dass der Mensch durch eine solche Entwicklung der Seelenkräfte im geistigen Sinne das wird, was man nennen kann einen Erweckten, einen Eingeweihten, einen Geistesforscher, sodass wir sagen können: Es ist eine Art anderer Bewusstseinszustand, eine Art anderer Seelenverfassung, aus welcher heraus die geistigen Erkenntnisse, die durch die Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, gewonnen werden.
[ 2 ] Es liegt nun gewissermaßen in der Natur der geistigen Entwicklung der letzten Jahrhunderte, diejenigen Methoden, welche der Mensch anzuwenden hat auf sein Seelenleben, um ein Geistesforscher zu werden, und die ja auch schon skizzenhaft charakterisiert worden sind − diese Methoden näher zusammenzubringen mit dem, was sehr häufig Askese genannt wird. Und es liegt gegenüber dem Bewusstsein des modernen Menschen wiederum gar nicht so fern, den Begriff der Askese zusammenzubringen mit allerlei weltfremden Machinationen in Bezug auf das eigene Seelenleben und den eigenen Leib des Menschen überhaupt.
[ 2 ] Es liegt nun gewissermaßen in der Natur der geistigen Entwicklung der letzten Jahrhunderte, diejenigen Methoden, welche der Mensch anzuwenden hat auf sein Seelenleben, um ein Geistesforscher zu werden, und die ja auch schon skizzenhaft charakterisiert worden sind − diese Methoden näher zusammenzubringen mit dem, was sehr häufig Askese genannt wird. Und es liegt gegenüber dem Bewusstsein des modernen Menschen wiederum gar nicht so fern, den Begriff der Askese zusammenzubringen mit allerlei weltfremden Machinationen in Bezug auf das eigene Seelenleben und den eigenen Leib des Menschen überhaupt.
[ 3 ] Es ist nun immer von gewissem Nutzen für eine Verständigung einer solchen Richtung, wie die Geisteswissenschaft es ist, mit dem Zeitbewusstsein, wenn gewisse Irrtümer und Missverständnisse richtiggestellt werden, welche eigentlich recht nahe liegen. Nahe liegen Missverständnisse und Irrtümer, die der moderne Mensch haben kann gegenüber der Geisteswissenschaft, wenn er diese zusammenbringt mit dem, was Askese genannt wird, und wenn versucht wird, aus allerlei Dingen, die man so hört, die Geisteswissenschaft mit dem, was man Askese nennt, zusammenzubringen. Und das Missverständnis muss nahe liegen, weil durch die ganze geistige Entwicklung der letzten Jahrhunderte und des Mittelalters überhaupt der Begriff der Askese im Wesentlichen verschoben worden ist gegenüber dem, was in ältern Zeiten, vor allen Dingen in den Zeiten der griechischen Entwicklung, mit dem Worte, das heute als Askese bezeichnet wird, gemeint worden ist.
[ 3 ] Es ist nun immer von gewissem Nutzen für eine Verständigung einer solchen Richtung, wie die Geisteswissenschaft es ist, mit dem Zeitbewusstsein, wenn gewisse Irrtümer und Missverständnisse richtiggestellt werden, welche eigentlich recht nahe liegen. Nahe liegen Missverständnisse und Irrtümer, die der moderne Mensch haben kann gegenüber der Geisteswissenschaft, wenn er diese zusammenbringt mit dem, was Askese genannt wird, und wenn versucht wird, aus allerlei Dingen, die man so hört, die Geisteswissenschaft mit dem, was man Askese nennt, zusammenzubringen. Und das Missverständnis muss nahe liegen, weil durch die ganze geistige Entwicklung der letzten Jahrhunderte und des Mittelalters überhaupt der Begriff der Askese im Wesentlichen verschoben worden ist gegenüber dem, was in ältern Zeiten, vor allen Dingen in den Zeiten der griechischen Entwicklung, mit dem Worte, das heute als Askese bezeichnet wird, gemeint worden ist.
[ 4 ] Wenn man das Wort «Askese» in dem Sinne nimmt, wie es genommen worden ist in der griechischen GeistesEntwicklung, dann dürfen wir sagen, dass jene Übungen, welche der Geistesforscher durchzumachen hat, um in die geistige Welt einzudringen, jene Methoden, die er zu diesem Ziele anzuwenden hat, in einer gewissen berechtigten Art mit dem Ausdruck Askese bezeichnet werden; dass dann aber dieser Ausdruck sich ganz wesentlich unterscheidet von dem, was man aus der Entwicklung des Mittelalters heraus heute so bezeichnet. Es ist notwendig, um uns zu verständigen über den Begriff, der von gewisser Seite her jenen Übungen und Methoden beigelegt wird, denen sich der Geistesforscher oder der Mensch, der zum geistigen Schauen kommen will, zu unterwerfen hat, diese Übungen von einem gewissen Gesichtspunkte aus ins Auge zu fassen.
[ 4 ] Wenn man das Wort «Askese» in dem Sinne nimmt, wie es genommen worden ist in der griechischen GeistesEntwicklung, dann dürfen wir sagen, dass jene Übungen, welche der Geistesforscher durchzumachen hat, um in die geistige Welt einzudringen, jene Methoden, die er zu diesem Ziele anzuwenden hat, in einer gewissen berechtigten Art mit dem Ausdruck Askese bezeichnet werden; dass dann aber dieser Ausdruck sich ganz wesentlich unterscheidet von dem, was man aus der Entwicklung des Mittelalters heraus heute so bezeichnet. Es ist notwendig, um uns zu verständigen über den Begriff, der von gewisser Seite her jenen Übungen und Methoden beigelegt wird, denen sich der Geistesforscher oder der Mensch, der zum geistigen Schauen kommen will, zu unterwerfen hat, diese Übungen von einem gewissen Gesichtspunkte aus ins Auge zu fassen.
[ 5 ] Was will der Geistesforscher? Er will auf einem höheren geistigen Gebiete das erreichen, was auf einem niedrigeren Gebiete zum Beispiel durch das Aufschließen eines krankhafterweise untätigen Sinnes erreicht werden kann. Was erreicht wird bei einem Blindgeborenen durch eine erfolgreiche Augenoperation, das Hereinfluten einer neuen Welt, die aber immer vorhanden ist, das wird für den Geistesforscher erreicht dadurch, dass er die skizzierte Methode anwendet und dadurch erschlossen erhält etwas, was schlummernd, untätig auch vorhanden ist, nämlich das geistige Auge und das geistige Ohr; wodurch auf ihn hereinflutet eine Welt von geistigen Tatsachen und Tönen, die immer da sind, für die wir uns aber die geeigneten Organe aneignen müssen. Wenn der Geistesforscher das anstrebt, so erreicht er es dadurch, dass er durch drei Stufen seines Seelenlebens hinauftritt.
[ 5 ] Was will der Geistesforscher? Er will auf einem höheren geistigen Gebiete das erreichen, was auf einem niedrigeren Gebiete zum Beispiel durch das Aufschließen eines krankhafterweise untätigen Sinnes erreicht werden kann. Was erreicht wird bei einem Blindgeborenen durch eine erfolgreiche Augenoperation, das Hereinfluten einer neuen Welt, die aber immer vorhanden ist, das wird für den Geistesforscher erreicht dadurch, dass er die skizzierte Methode anwendet und dadurch erschlossen erhält etwas, was schlummernd, untätig auch vorhanden ist, nämlich das geistige Auge und das geistige Ohr; wodurch auf ihn hereinflutet eine Welt von geistigen Tatsachen und Tönen, die immer da sind, für die wir uns aber die geeigneten Organe aneignen müssen. Wenn der Geistesforscher das anstrebt, so erreicht er es dadurch, dass er durch drei Stufen seines Seelenlebens hinauftritt.
[ 6 ] Jene Erkenntnis, welche die Erkenntnis unseres heutigen Alltags ist, durch die wir die sinnlichen Dinge um uns herum wahrnehmen, uns Begriffe von denjenigen Dingen machen, die von außen her die Anregung geben, jene Erkenntnis, die die alltägliche genannt werden darf, die ist für die Geisteswissenschaft nur eine Stufe der Erkenntnis, und zwar die unterste. Dann kann der Geistesforscher aber hinaufdringen durch entsprechende Übungen zu einer höheren Stufe der Erkenntnis. Er kann zunächst hinaufdringen zu jener Stufe, die man nennt die imaginative Erkenntnis. Sie ist nicht aus dem Grunde so genannt, weil wir uns Einbildungen und Imaginationen hingeben mit dieser Erkenntnis, sondern weil wir dadurch, dass die innern Sinne, die geistigen Augen und die geistigen Ohren geweckt werden, in der Tat Bilder vor unserer Seele haben, die nicht bloße Bilder sind, sondern Abbilder, zwar nicht äußerer physischer Wirklichkeiten, wohl aber geistiger Wirklichkeiten sind, die uns umgeben.
[ 6 ] Jene Erkenntnis, welche die Erkenntnis unseres heutigen Alltags ist, durch die wir die sinnlichen Dinge um uns herum wahrnehmen, uns Begriffe von denjenigen Dingen machen, die von außen her die Anregung geben, jene Erkenntnis, die die alltägliche genannt werden darf, die ist für die Geisteswissenschaft nur eine Stufe der Erkenntnis, und zwar die unterste. Dann kann der Geistesforscher aber hinaufdringen durch entsprechende Übungen zu einer höheren Stufe der Erkenntnis. Er kann zunächst hinaufdringen zu jener Stufe, die man nennt die imaginative Erkenntnis. Sie ist nicht aus dem Grunde so genannt, weil wir uns Einbildungen und Imaginationen hingeben mit dieser Erkenntnis, sondern weil wir dadurch, dass die innern Sinne, die geistigen Augen und die geistigen Ohren geweckt werden, in der Tat Bilder vor unserer Seele haben, die nicht bloße Bilder sind, sondern Abbilder, zwar nicht äußerer physischer Wirklichkeiten, wohl aber geistiger Wirklichkeiten sind, die uns umgeben.
[ 7 ] Wenn wir uns ein wenig eine Vorstellung machen wollen, wie solches vor sich geht, müssen wir etwas, was besonders im zweiten Teil meiner Geheimwissenschaft besprochen ist, uns vor die Seele rücken. Dort ist gesagt, wie so etwas entsteht wie diese imaginative Erkenntnis, was für Empfindungsimpulse wir uns vor unsere Seele rücken müssen, damit sie aufgerufen werden, diese schlummernden Kräfte, um aus ihnen diese höheren Erkenntnisformen geboren werden zu lassen. Dazu sind die dort erwähnten Seelenvorstellungen nicht da, um irgendeine äußere Wahrheit abzubilden, sondern dazu sind diese Gedanken da, dass sie wirksame Kräfte der Seele sein sollen, die uns aufrütteln, um uns zu höheren Stufen aufsteigen zu lassen.
[ 7 ] Wenn wir uns ein wenig eine Vorstellung machen wollen, wie solches vor sich geht, müssen wir etwas, was besonders im zweiten Teil meiner Geheimwissenschaft besprochen ist, uns vor die Seele rücken. Dort ist gesagt, wie so etwas entsteht wie diese imaginative Erkenntnis, was für Empfindungsimpulse wir uns vor unsere Seele rücken müssen, damit sie aufgerufen werden, diese schlummernden Kräfte, um aus ihnen diese höheren Erkenntnisformen geboren werden zu lassen. Dazu sind die dort erwähnten Seelenvorstellungen nicht da, um irgendeine äußere Wahrheit abzubilden, sondern dazu sind diese Gedanken da, dass sie wirksame Kräfte der Seele sein sollen, die uns aufrütteln, um uns zu höheren Stufen aufsteigen zu lassen.
[ 8 ] Diese höhere Erkenntnis ist es, die dadurch entsteht, dass zum Beispiel der geistige Schüler von dem geistigen Lehrer angeleitet wird, sich die Entwicklung der Welt in folgender Weise vorzustellen und sie empfindungsgemäß sich vor die Seele zu rücken. Da wird der Schüler im Geiste angeregt zu sagen: Ich sehe da eine Pflanze, sie wurzelt im Boden und wächst nach oben, sie entwickelt Blätter und Blüten. Sehe ich diese Pflanze an, so zeigt sie eine innere Gesetzmäßigkeit, sie folgt in ihrer Entwicklung einer innern Notwendigkeit. Ich sehe nun von der Pflanze herauf zum Menschen und sage mir: Dieser Mensch ist von einem gewissen Gesichtspunkte aus vollkommener als die Pflanze. Sie ist ja nicht imstande, sich ein Spiegelbild von der äußern Welt zu verschaffen. Der Mensch aber ist imstande, in seinen Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen Spiegelbilder der äußern Wirklichkeit sich vor die Seele zu stellen.
[ 8 ] Diese höhere Erkenntnis ist es, die dadurch entsteht, dass zum Beispiel der geistige Schüler von dem geistigen Lehrer angeleitet wird, sich die Entwicklung der Welt in folgender Weise vorzustellen und sie empfindungsgemäß sich vor die Seele zu rücken. Da wird der Schüler im Geiste angeregt zu sagen: Ich sehe da eine Pflanze, sie wurzelt im Boden und wächst nach oben, sie entwickelt Blätter und Blüten. Sehe ich diese Pflanze an, so zeigt sie eine innere Gesetzmäßigkeit, sie folgt in ihrer Entwicklung einer innern Notwendigkeit. Ich sehe nun von der Pflanze herauf zum Menschen und sage mir: Dieser Mensch ist von einem gewissen Gesichtspunkte aus vollkommener als die Pflanze. Sie ist ja nicht imstande, sich ein Spiegelbild von der äußern Welt zu verschaffen. Der Mensch aber ist imstande, in seinen Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen Spiegelbilder der äußern Wirklichkeit sich vor die Seele zu stellen.
[ 9 ] Damit der Mensch diese Stufe erreichen konnte, war notwendig, dass er mit in Kauf nahm die Tatsache, dass er jetzt aus seinem Innern heraus nicht einer ihn unbedingt zwingenden Notwendigkeit folgen muss wie die Pflanze, die dieser Notwendigkeit willenlos folgt, sondern dass er unterworfen ist seinen eigenen Trieben, Begierden und Leidenschaften. Es ist der Mittelpunkt seines Strebens in ihn selbst gelegt. Dadurch ist er eine Stufe heraufgestiegen, aber zu gleicher Zeit ist er, wenn wir ihn empfindungsgemäß mit der Pflanze vergleichen, eine Stufe hinabgestiegen. Die Pflanze folgt keusch, ohne Begierde, ohne Lust und ohne Wunsch den ihr eingeprägten Gesetzen, der Mensch dagegen entwickelt Leidenschaften, Begierden und kann irren. Dadurch ist er gewissermaßen hinuntergestiegen.
[ 9 ] Damit der Mensch diese Stufe erreichen konnte, war notwendig, dass er mit in Kauf nahm die Tatsache, dass er jetzt aus seinem Innern heraus nicht einer ihn unbedingt zwingenden Notwendigkeit folgen muss wie die Pflanze, die dieser Notwendigkeit willenlos folgt, sondern dass er unterworfen ist seinen eigenen Trieben, Begierden und Leidenschaften. Es ist der Mittelpunkt seines Strebens in ihn selbst gelegt. Dadurch ist er eine Stufe heraufgestiegen, aber zu gleicher Zeit ist er, wenn wir ihn empfindungsgemäß mit der Pflanze vergleichen, eine Stufe hinabgestiegen. Die Pflanze folgt keusch, ohne Begierde, ohne Lust und ohne Wunsch den ihr eingeprägten Gesetzen, der Mensch dagegen entwickelt Leidenschaften, Begierden und kann irren. Dadurch ist er gewissermaßen hinuntergestiegen.
[ 10 ] Und jetzt kann der Schüler vor seine Seele stellen das reale Ideal, dass er sein eigenes Innere mache zu etwas, was von selbst frei aus innerem Willen heraus folgt einer geistigen Gesetzmäßigkeit wie die Pflanze. Dazu muss der Mensch sich reinigen, läutern, muss das Selbstsüchtige seiner Begierden abstreifen. Wenn wir diese beiden Wesen, Pflanze und Mensch, so vergleichen, so kann uns werden dasjenige, was in der Pflanze pulsiert, was die Pflanze von oben nach unten durchdringt, und das, was den Menschen durchdringt von unten nach oben, zu einem Sinnbild des keuschen Pflanzenwesens und des von Leidenschaften durchdrungenen Menschenwesens. Wir können im roten Blute sehen den Ausdruck der von Leidenschaften und Begierde durchdrungenen Menschenseele, und wir können im reinen grünen Saft der Pflanze den Ausdruck der Pflanze erkennen, die irrtumfrei ihren ewigen keuschen Gesetzen folgt. Und wenn wir das Blut als den Ausdruck der Tatsache nehmen, die wir soeben vor unsere Seele gestellt haben, dann können wir sagen: Wenn der Mensch so weit gekommen sein wird, dass er sein Blut so gereinigt und geläutert hat, dass in ihm fließen wird der keusche Pflanzensaft, dann hat der Mensch sich zum Herrn seiner Natur gemacht, dann ist er der Herr und König über seine Leidenschaft. Er beherrscht sie, und es kann uns dann werden jene Umwandlung des Blutes in den roten Rosensaft, der das Symbolum des reinen, keuschen Menschen ist.
[ 10 ] Und jetzt kann der Schüler vor seine Seele stellen das reale Ideal, dass er sein eigenes Innere mache zu etwas, was von selbst frei aus innerem Willen heraus folgt einer geistigen Gesetzmäßigkeit wie die Pflanze. Dazu muss der Mensch sich reinigen, läutern, muss das Selbstsüchtige seiner Begierden abstreifen. Wenn wir diese beiden Wesen, Pflanze und Mensch, so vergleichen, so kann uns werden dasjenige, was in der Pflanze pulsiert, was die Pflanze von oben nach unten durchdringt, und das, was den Menschen durchdringt von unten nach oben, zu einem Sinnbild des keuschen Pflanzenwesens und des von Leidenschaften durchdrungenen Menschenwesens. Wir können im roten Blute sehen den Ausdruck der von Leidenschaften und Begierde durchdrungenen Menschenseele, und wir können im reinen grünen Saft der Pflanze den Ausdruck der Pflanze erkennen, die irrtumfrei ihren ewigen keuschen Gesetzen folgt. Und wenn wir das Blut als den Ausdruck der Tatsache nehmen, die wir soeben vor unsere Seele gestellt haben, dann können wir sagen: Wenn der Mensch so weit gekommen sein wird, dass er sein Blut so gereinigt und geläutert hat, dass in ihm fließen wird der keusche Pflanzensaft, dann hat der Mensch sich zum Herrn seiner Natur gemacht, dann ist er der Herr und König über seine Leidenschaft. Er beherrscht sie, und es kann uns dann werden jene Umwandlung des Blutes in den roten Rosensaft, der das Symbolum des reinen, keuschen Menschen ist.
[ 11 ] Wenn wir diesen Vergleich anstellen, dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass wir eine äußere Wahrheit ausdrücken. Solche Vorstellungen sind nicht geeignet, äußere Wirklichkeiten zu bilden. Wenn wir uns aber ganz illusionsfrei diesen Vorstellungen hingeben, sodass sie nur auf unsere Seele als Symbolum, als Bild wirken – dann brauchen sie auch nicht mit der Naturwissenschaft übereinzustimmen; sie haben nur die Aufgabe, als kräftige Empfindungsimpulse auf die Seele zu wirken –, dann werden wir die Entdeckung machen, dass sie verborgene Kräfte und Fähigkeiten wecken, die sich zuletzt als Geistes-Augen und Geistes-Ohren entpuppen. Dieser Vorgang wird also symbolisch, sinnbildlich dargestellt unter dem Rosenkreuz. Die niedere Natur können wir uns vorstellen als etwas absterbendes, wie das tote Holz eines Kreuzes, und das, was als höhere Natur in uns aufsprießt, können wir uns vorstellen als rote Rosen, und wir können die Empfindungen bei diesem Symbolum in aller Seelenwärme durchempfinden.
[ 11 ] Wenn wir diesen Vergleich anstellen, dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass wir eine äußere Wahrheit ausdrücken. Solche Vorstellungen sind nicht geeignet, äußere Wirklichkeiten zu bilden. Wenn wir uns aber ganz illusionsfrei diesen Vorstellungen hingeben, sodass sie nur auf unsere Seele als Symbolum, als Bild wirken – dann brauchen sie auch nicht mit der Naturwissenschaft übereinzustimmen; sie haben nur die Aufgabe, als kräftige Empfindungsimpulse auf die Seele zu wirken –, dann werden wir die Entdeckung machen, dass sie verborgene Kräfte und Fähigkeiten wecken, die sich zuletzt als Geistes-Augen und Geistes-Ohren entpuppen. Dieser Vorgang wird also symbolisch, sinnbildlich dargestellt unter dem Rosenkreuz. Die niedere Natur können wir uns vorstellen als etwas absterbendes, wie das tote Holz eines Kreuzes, und das, was als höhere Natur in uns aufsprießt, können wir uns vorstellen als rote Rosen, und wir können die Empfindungen bei diesem Symbolum in aller Seelenwärme durchempfinden.
[ 12 ] Diese Seelenwärme durchfühlen, die den ganzen Sinn der Entwicklung vom Niedern zum Höhern ausdrückt, das können wir, wenn das dürre Holz mit den roten Rosen vor uns steht. Wir sagen: Der rote Rosensaft ist das Symbolum des über seine Leidenschaften Herr gewordenen Menschen. Bei Goethe finden wir auch einen Hinweis hierauf in dem Satze:
[ 12 ] Diese Seelenwärme durchfühlen, die den ganzen Sinn der Entwicklung vom Niedern zum Höhern ausdrückt, das können wir, wenn das dürre Holz mit den roten Rosen vor uns steht. Wir sagen: Der rote Rosensaft ist das Symbolum des über seine Leidenschaften Herr gewordenen Menschen. Bei Goethe finden wir auch einen Hinweis hierauf in dem Satze:
Wer das nicht hat,
Dieses: Stirb und Werde,
Der bleibet stets ein trüber Gast
Auf der dunkeln Erde.
Wer das nicht hat,
Dieses: Stirb und Werde,
Der bleibet stets ein trüber Gast
Auf der dunkeln Erde.
[ 13 ] Aber nicht abtöten sollen wir unsere Triebe und Wünsche, sondern Herr unserer niedern Natur sollen wir werden, sodass eine höhere Natur sich in uns entfalten kann.
[ 13 ] Aber nicht abtöten sollen wir unsere Triebe und Wünsche, sondern Herr unserer niedern Natur sollen wir werden, sodass eine höhere Natur sich in uns entfalten kann.
[ 14 ] Damit soll ein Beispiel charakterisiert sein, wie der Geistesforscher seine Seele in innern Übungen vorbereitet, indem er symbolische Vorstellungen, bezüglich deren er sich aber keinen Illusionen hingibt, auf seine Seele wirken lässt. Dadurch wird er emporgehoben werden, wird er den Augenaufschluss erleben, wird hineinschauen in die geistige Welt. Es fühlten hervorragende Geister den Sinn des Bildes, das eben vor Ihnen entwickelt worden ist. So sagt zum Beispiel Schiller:
[ 14 ] Damit soll ein Beispiel charakterisiert sein, wie der Geistesforscher seine Seele in innern Übungen vorbereitet, indem er symbolische Vorstellungen, bezüglich deren er sich aber keinen Illusionen hingibt, auf seine Seele wirken lässt. Dadurch wird er emporgehoben werden, wird er den Augenaufschluss erleben, wird hineinschauen in die geistige Welt. Es fühlten hervorragende Geister den Sinn des Bildes, das eben vor Ihnen entwickelt worden ist. So sagt zum Beispiel Schiller:
Suchst du das Höchste? Die Pflanze kann es dich lehren
Die willenlos das Gute tut.
Suchst du das Höchste? Die Pflanze kann es dich lehren
Die willenlos das Gute tut.
[ 15 ] Er stellt uns hier die Pflanze als Vorbild hin. Angelus Silesius sagt: «Die Rose fragt nicht warum, sie blüht.» Und weil sie blüht, ohne zu fragen, warum, deshalb stellt er sie als das Vorbild des Herr über seine Natur gewordenen Menschen hin.
[ 15 ] Er stellt uns hier die Pflanze als Vorbild hin. Angelus Silesius sagt: «Die Rose fragt nicht warum, sie blüht.» Und weil sie blüht, ohne zu fragen, warum, deshalb stellt er sie als das Vorbild des Herr über seine Natur gewordenen Menschen hin.
[ 16 ] Durch solche Bilder können wir zum geistigen Schauen, zur Imagination vordringen. Haben wir dann noch die weitere Ausdauer, dann kommen wir zu noch höheren Stufen der geistigen Wahrnehmung: zur Inspiration und Intuition.
[ 16 ] Durch solche Bilder können wir zum geistigen Schauen, zur Imagination vordringen. Haben wir dann noch die weitere Ausdauer, dann kommen wir zu noch höheren Stufen der geistigen Wahrnehmung: zur Inspiration und Intuition.
[ 17 ] Das, was der Geistesforscher durch diese hohen Stufen der Erkenntnis in der geistigen Welt findet, kann nicht durch bloße Verstandeskombinationen gefunden werden. Wenn es aber in Worte gefasst ist, kann ein jeder es verstehen, der sich seinem Wahrheitssinn hingibt. Daher darf das, was der Welt mitgeteilt wird, nicht abgefertigt werden mit dem Ausspruch: Was geht das die Menschen an, die nicht selbst hineinschauen können in die geistige Welt? – Die Geistesforscher können es in Worte prägen, dann ist es allgemein verständlich für das gesunde Wahrheitsgefühl. So kann der Schüler diese Wahrheiten in sich aufnehmen, und indem er sie mit seinem logischen Denken verarbeitet, werden sie das Mittel, das die höheren Seelenkräfte, die in ihm schlummern, aus seiner Seele heraus weckt. Dadurch sucht der Schüler, der Geistesforscher sich über das Maß des gewöhnlichen Menschendaseins hinauszuentwickeln. Solches Sich-Hinausentwickeln über ein Maß, das man augenblicklich erreicht hat, eine solche Steigerung der menschlichen Existenzgrundlagen, das war es, was man in den gesunden Zeiten und Gebieten des geistigen Lebens immerzu mit dem Worte «Askese» bezeichnet hat.
[ 17 ] Das, was der Geistesforscher durch diese hohen Stufen der Erkenntnis in der geistigen Welt findet, kann nicht durch bloße Verstandeskombinationen gefunden werden. Wenn es aber in Worte gefasst ist, kann ein jeder es verstehen, der sich seinem Wahrheitssinn hingibt. Daher darf das, was der Welt mitgeteilt wird, nicht abgefertigt werden mit dem Ausspruch: Was geht das die Menschen an, die nicht selbst hineinschauen können in die geistige Welt? – Die Geistesforscher können es in Worte prägen, dann ist es allgemein verständlich für das gesunde Wahrheitsgefühl. So kann der Schüler diese Wahrheiten in sich aufnehmen, und indem er sie mit seinem logischen Denken verarbeitet, werden sie das Mittel, das die höheren Seelenkräfte, die in ihm schlummern, aus seiner Seele heraus weckt. Dadurch sucht der Schüler, der Geistesforscher sich über das Maß des gewöhnlichen Menschendaseins hinauszuentwickeln. Solches Sich-Hinausentwickeln über ein Maß, das man augenblicklich erreicht hat, eine solche Steigerung der menschlichen Existenzgrundlagen, das war es, was man in den gesunden Zeiten und Gebieten des geistigen Lebens immerzu mit dem Worte «Askese» bezeichnet hat.
[ 18 ] Askese soll wirklich in ursprünglicher Bedeutung nichts anderes andeuten als eine Methode, durch die sich die Menschen zu höheren Fähigkeiten entwickeln, als sie vorher besaßen. Daher wurde in der Griechenwelt das Wort «Askesis» angewendet zum Beispiel auf den Athleten, der seine physischen Kräfte über ein ihm zuteil gewordenes Maß hinausentwickelte. Der Mensch, welcher einen andern, der seine äußern Kräfte entwickelt, um Athlet zu werden, einen Asketen nennt, würde von seinen Mitmenschen mit dem heutigen Bewusstsein ein Narr genannt werden. Dennoch würde dieser Mensch, der den andern einen Asketen nennt, hiermit dem griechischen Sprachgebrauch vollständig entsprechen, denn Askese ist das, was dazu führt, den Menschen über ein gewisses Maß der Existenz hinauszuführen.
[ 18 ] Askese soll wirklich in ursprünglicher Bedeutung nichts anderes andeuten als eine Methode, durch die sich die Menschen zu höheren Fähigkeiten entwickeln, als sie vorher besaßen. Daher wurde in der Griechenwelt das Wort «Askesis» angewendet zum Beispiel auf den Athleten, der seine physischen Kräfte über ein ihm zuteil gewordenes Maß hinausentwickelte. Der Mensch, welcher einen andern, der seine äußern Kräfte entwickelt, um Athlet zu werden, einen Asketen nennt, würde von seinen Mitmenschen mit dem heutigen Bewusstsein ein Narr genannt werden. Dennoch würde dieser Mensch, der den andern einen Asketen nennt, hiermit dem griechischen Sprachgebrauch vollständig entsprechen, denn Askese ist das, was dazu führt, den Menschen über ein gewisses Maß der Existenz hinauszuführen.
[ 19 ] Und nun wollen wir die Frage aufwerfen: Unter welchen Bedingungen ist es dem Menschen möglich, ohne Gefährdung des Lebens über ein ihm zugeteiltes Maß geistiger Erkenntnisse hinaufzusteigen? Wenn wir dadurch, dass wir diese Frage näher erörtern, eindringen wollen in das Wesen der wahren Askese, dann müssen wir uns den Begriff der Askese noch genauer vor Augen stellen. Da muss zunächst der Natur der Sache nach verknüpft sein mit dem Begriff der Askese die Tatsache, dass der Mensch Kräfte und Fähigkeiten entwickelt, und dass er, während er sie entwickelt, gewissermaßen verzichtet auf ihre unmittelbare Anwendung.
[ 19 ] Und nun wollen wir die Frage aufwerfen: Unter welchen Bedingungen ist es dem Menschen möglich, ohne Gefährdung des Lebens über ein ihm zugeteiltes Maß geistiger Erkenntnisse hinaufzusteigen? Wenn wir dadurch, dass wir diese Frage näher erörtern, eindringen wollen in das Wesen der wahren Askese, dann müssen wir uns den Begriff der Askese noch genauer vor Augen stellen. Da muss zunächst der Natur der Sache nach verknüpft sein mit dem Begriff der Askese die Tatsache, dass der Mensch Kräfte und Fähigkeiten entwickelt, und dass er, während er sie entwickelt, gewissermaßen verzichtet auf ihre unmittelbare Anwendung.
[ 20 ] Gewöhnlich entwickelt sich der Mensch so, dass er in der gewöhnlichen Lebensbetätigung seine Kräfte entwickelt. Das ist insbesondere beim erwachsenen Menschen der Fall. Näher kommen wir schon dem Begriff der Askese, wenn wir auf das Lernen des Kindes hinblicken. Wenn das Kind lernt, so verzichtet man gewöhnlich beim Lernen darauf, dass die Betätigung auch unmittelbare Lebensfähigkeit, Lebensarbeit ist. Man entwickelt Fähigkeiten wie zum Beispiel das Schreiben. Während beim erwachsenen Menschen diese Fähigkeit hinausrinnt in Lebensarbeit, wird beim Kinde darauf gesehen, dass ohne unmittelbares Einfließen dessen, was aus der Fähigkeit hervorgeht, diese Fähigkeit weiterentwickelt werde, sodass ihre Steigerung mit Verzicht auf den unmittelbaren Erfolg der Betätigung etwas ist, was dem Begriff der Askese schon näher führt; und die Askese in dem Sinne, wie sie jetzt auch durch die Methode des Geistesforschers charakterisiert worden ist, sie ist im eminentesten Sinne die Entwicklung von Fähigkeiten und Kräften der Menschenseele, bei denen man zunächst verzichtet auf unmittelbaren Erfolg der Arbeit. Man zieht sich zurück in sich selber, um solche Seelenfähigkeiten zu entwickeln, solche Kräfte aus der Seele herauszuholen. Und man sagt sich: Ich will eine Weile an mir arbeiten so, dass meine Arbeit in Bezug auf das, was ich will, nicht auf die Außenwelt gerichtet ist, sondern dass sie gerichtet ist auf mich selber. Ich erlange dadurch eine Steigerung meines Wesens. – Und das ist, was im eminentesten Sinne zum Begriff der Askese gehört. Sie richtet sich auf eine Steigerung der Fähigkeiten, sodass während der Entwicklung verzichtet wird auf Betätigung der Fähigkeiten und abgewartet wird, bis die Stufe erreicht ist, um dann das zu erlangen, wozu diese Fähigkeiten führen können.
[ 20 ] Gewöhnlich entwickelt sich der Mensch so, dass er in der gewöhnlichen Lebensbetätigung seine Kräfte entwickelt. Das ist insbesondere beim erwachsenen Menschen der Fall. Näher kommen wir schon dem Begriff der Askese, wenn wir auf das Lernen des Kindes hinblicken. Wenn das Kind lernt, so verzichtet man gewöhnlich beim Lernen darauf, dass die Betätigung auch unmittelbare Lebensfähigkeit, Lebensarbeit ist. Man entwickelt Fähigkeiten wie zum Beispiel das Schreiben. Während beim erwachsenen Menschen diese Fähigkeit hinausrinnt in Lebensarbeit, wird beim Kinde darauf gesehen, dass ohne unmittelbares Einfließen dessen, was aus der Fähigkeit hervorgeht, diese Fähigkeit weiterentwickelt werde, sodass ihre Steigerung mit Verzicht auf den unmittelbaren Erfolg der Betätigung etwas ist, was dem Begriff der Askese schon näher führt; und die Askese in dem Sinne, wie sie jetzt auch durch die Methode des Geistesforschers charakterisiert worden ist, sie ist im eminentesten Sinne die Entwicklung von Fähigkeiten und Kräften der Menschenseele, bei denen man zunächst verzichtet auf unmittelbaren Erfolg der Arbeit. Man zieht sich zurück in sich selber, um solche Seelenfähigkeiten zu entwickeln, solche Kräfte aus der Seele herauszuholen. Und man sagt sich: Ich will eine Weile an mir arbeiten so, dass meine Arbeit in Bezug auf das, was ich will, nicht auf die Außenwelt gerichtet ist, sondern dass sie gerichtet ist auf mich selber. Ich erlange dadurch eine Steigerung meines Wesens. – Und das ist, was im eminentesten Sinne zum Begriff der Askese gehört. Sie richtet sich auf eine Steigerung der Fähigkeiten, sodass während der Entwicklung verzichtet wird auf Betätigung der Fähigkeiten und abgewartet wird, bis die Stufe erreicht ist, um dann das zu erlangen, wozu diese Fähigkeiten führen können.
[ 21 ] Derjenige, der sich im wahren, im gesunden Sinne einer solchen Askese hingibt, sagt sich: Ich werde diese Übung ausführen; ich weiß ganz gut, dass ich lange, lange Zeit hindurch solche Übungen anwenden muss, dass ich lange Zeit hindurch [eine] innere Tätigkeit üben muss, die ohne Frucht bleiben wird; aber ich weiß auch, dass später eine Zeit eintreten wird − mag es in der Zeit zwischen Geburt und Tod oder sonst wann sein −, ich weiß, dass der Zeitpunkt eintreten wird, wo ich eingreifen werde in das Getriebe der Welt, wo ich die erworbenen Fähigkeiten auch verwerten kann. Es ist wahr, dass wir arbeiten an unsern Fähigkeiten ohne unmittelbare Anwendung dieser Fähigkeiten auf das, wozu sie angewendet werden sollen.
[ 21 ] Derjenige, der sich im wahren, im gesunden Sinne einer solchen Askese hingibt, sagt sich: Ich werde diese Übung ausführen; ich weiß ganz gut, dass ich lange, lange Zeit hindurch solche Übungen anwenden muss, dass ich lange Zeit hindurch [eine] innere Tätigkeit üben muss, die ohne Frucht bleiben wird; aber ich weiß auch, dass später eine Zeit eintreten wird − mag es in der Zeit zwischen Geburt und Tod oder sonst wann sein −, ich weiß, dass der Zeitpunkt eintreten wird, wo ich eingreifen werde in das Getriebe der Welt, wo ich die erworbenen Fähigkeiten auch verwerten kann. Es ist wahr, dass wir arbeiten an unsern Fähigkeiten ohne unmittelbare Anwendung dieser Fähigkeiten auf das, wozu sie angewendet werden sollen.
[ 22 ] So sonderbar es klingen wird: Das beste Beispiel einer Askese im gesunden Sinne kann man doch finden für unser modernes Leben in einem Manöver. Da werden Fähigkeiten entwickelt bei den betreffenden Heeresabteilungen, die bezwecken eine Steigerung von Können und Kraft. Aber während sie im Manöver ausgeübt werden, bedeutet es eigentlich nur, dass an der Ausbildung der Fähigkeiten gearbeitet wird, und es muss verzichtet werden auf das, was im Ernstfall ist, das, wozu letzten Endes diese Fähigkeiten bestimmt sind. Auf das, wie man sonst über diese militärischen Übungen denken mag, kommt es ja hier nicht an. Wollen wir uns aber den Begriff der Askese an einem modernen Beispiel vor Augen führen, so ist das beste Beispiel die Tätigkeit, die wir im Manöver erblicken. Es ist zwar grotesk, aber zur Definition der Askese gut geeignet.
[ 22 ] So sonderbar es klingen wird: Das beste Beispiel einer Askese im gesunden Sinne kann man doch finden für unser modernes Leben in einem Manöver. Da werden Fähigkeiten entwickelt bei den betreffenden Heeresabteilungen, die bezwecken eine Steigerung von Können und Kraft. Aber während sie im Manöver ausgeübt werden, bedeutet es eigentlich nur, dass an der Ausbildung der Fähigkeiten gearbeitet wird, und es muss verzichtet werden auf das, was im Ernstfall ist, das, wozu letzten Endes diese Fähigkeiten bestimmt sind. Auf das, wie man sonst über diese militärischen Übungen denken mag, kommt es ja hier nicht an. Wollen wir uns aber den Begriff der Askese an einem modernen Beispiel vor Augen führen, so ist das beste Beispiel die Tätigkeit, die wir im Manöver erblicken. Es ist zwar grotesk, aber zur Definition der Askese gut geeignet.
[ 23 ] Also, wer Askese ausübt, will Fähigkeiten und Kräfte in seiner Seele ausbilden, ohne deren unmittelbare Betätigung zu verlangen, sodass als Ideal vor seiner Seele steht: die Betätigung dieser Fähigkeiten und Kräfte in der Zukunft zu erreichen. Das ist das Ziel dessen, der sich hinaufarbeitet zu den höhern Erkenntnissen der geistigen Untergründe des Daseins.
[ 23 ] Also, wer Askese ausübt, will Fähigkeiten und Kräfte in seiner Seele ausbilden, ohne deren unmittelbare Betätigung zu verlangen, sodass als Ideal vor seiner Seele steht: die Betätigung dieser Fähigkeiten und Kräfte in der Zukunft zu erreichen. Das ist das Ziel dessen, der sich hinaufarbeitet zu den höhern Erkenntnissen der geistigen Untergründe des Daseins.
[ 24 ] Wie aber stellt sich ein solches Arbeiten an sich selber zu den übrigen Lebensbetätigungen und Verhältnissen des Menschen? So, wie diese Methode heute angewendet wird, müssen wir vor allen Dingen scharf ins Auge fassen, dass niemand, der auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft steht und die Mittel und Wege angibt, um die Seelenfähigkeiten zu steigern, dies tut, ohne dass er zugleich verlangt, dass jene Mitteilungen aus der geistigen Welt, welche sich auf bereits Erforschtes beziehen, erst angeeignet werden durch ein rein vernunftgemäßes Begreifen der Dinge. So wird es heute gemacht, wenn demjenigen Anleitungen gegeben werden, der selbst eindringen will in die geistige Welt. Es wird ihm gesagt: Übungen kannst du in deiner Seele machen, aber du darfst es nicht tun, ohne den guten Willen zu haben zu lernen, das, was du tust, zu begreifen mit dem gewöhnlichen Menschenverstand, mit der Vernunft, die der Mensch im Alltagsleben hat.
[ 24 ] Wie aber stellt sich ein solches Arbeiten an sich selber zu den übrigen Lebensbetätigungen und Verhältnissen des Menschen? So, wie diese Methode heute angewendet wird, müssen wir vor allen Dingen scharf ins Auge fassen, dass niemand, der auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft steht und die Mittel und Wege angibt, um die Seelenfähigkeiten zu steigern, dies tut, ohne dass er zugleich verlangt, dass jene Mitteilungen aus der geistigen Welt, welche sich auf bereits Erforschtes beziehen, erst angeeignet werden durch ein rein vernunftgemäßes Begreifen der Dinge. So wird es heute gemacht, wenn demjenigen Anleitungen gegeben werden, der selbst eindringen will in die geistige Welt. Es wird ihm gesagt: Übungen kannst du in deiner Seele machen, aber du darfst es nicht tun, ohne den guten Willen zu haben zu lernen, das, was du tust, zu begreifen mit dem gewöhnlichen Menschenverstand, mit der Vernunft, die der Mensch im Alltagsleben hat.
[ 25 ] Für ein konkretes Beispiel würde der geistesforschende Lehrer dem geistesforschenden Schüler sagen: Du wirst, wenn du deine geistigen Fähigkeiten ausbildest, durch eigene Erfahrung wissen, dass du schon in wiederholten Erdenleben da warst. Als eigenes Erlebnis wirst du diese Erfahrung machen. Aber bevor du dazu kommen sollst, jene Übungen vorzunehmen, die dir das als unmittelbares Erleben geben können, sollst du dies mit dem gewöhnlichen Verstande begreifen. – Der Lehrer würde sagen: Wir wollen einmal annehmen, wie die Geistesforscher es behaupten, es gebe solche wiederholten Erdenleben. Und nun versuchen wir uns, wenn wir annehmen, dass es solche wiederholten Erdenleben gibt, dass der Mensch mit dem, was er in früheren Erdenleben sich angeeignet hat, durch die Geburt in ein neues Leben eintritt, um die Früchte des früheren Erdenlebens zu genießen, versuchen wir jetzt, das Schicksal des Menschen zu studieren und fragen wir uns jetzt: Können wir das Schicksal leichter und besser begreifen, wenn wir die Annahme von wiederholten Erdenleben voraussetzen? Eine solche Frage und ihre Beantwortung ist eine Tat der gewöhnlichen Vernunft.
[ 25 ] Für ein konkretes Beispiel würde der geistesforschende Lehrer dem geistesforschenden Schüler sagen: Du wirst, wenn du deine geistigen Fähigkeiten ausbildest, durch eigene Erfahrung wissen, dass du schon in wiederholten Erdenleben da warst. Als eigenes Erlebnis wirst du diese Erfahrung machen. Aber bevor du dazu kommen sollst, jene Übungen vorzunehmen, die dir das als unmittelbares Erleben geben können, sollst du dies mit dem gewöhnlichen Verstande begreifen. – Der Lehrer würde sagen: Wir wollen einmal annehmen, wie die Geistesforscher es behaupten, es gebe solche wiederholten Erdenleben. Und nun versuchen wir uns, wenn wir annehmen, dass es solche wiederholten Erdenleben gibt, dass der Mensch mit dem, was er in früheren Erdenleben sich angeeignet hat, durch die Geburt in ein neues Leben eintritt, um die Früchte des früheren Erdenlebens zu genießen, versuchen wir jetzt, das Schicksal des Menschen zu studieren und fragen wir uns jetzt: Können wir das Schicksal leichter und besser begreifen, wenn wir die Annahme von wiederholten Erdenleben voraussetzen? Eine solche Frage und ihre Beantwortung ist eine Tat der gewöhnlichen Vernunft.
[ 26 ] Wenn Sie alle Umstände richtig in Betracht ziehen, werden Sie sagen: Ja, selber kann ich noch nicht hineinschauen in diese geistigen Tatsachen; aber wenn ich dem Geistesforscher zunächst vertraue − nicht ihm blinden Glauben entgegenbringe, sondern mir sage: Ich will einmal etwas, was ich sonst auch tue im Leben, hier anwenden: Ich will einfach vergleichen. Zum Beispiel, wenn jemand irgendein fremdes Gebilde findet, sagen wir, er hätte zum Beispiel noch nicht eine Muschelschale gesehen, er findet jetzt eine, so würde er sich nach den Kräften der Welt, nach den physischen und chemischen Gesetzen nicht erklären können, dass die Materie sich in dieser Weise bilden kann, er könnte sich nicht erklären können, dass die Materie sich gerade so gebildet hat. Aber er könnte sagen: Nun, ich will einmal probieren, dass ich mir denken kann, dass diese Form herrühre von etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, was aber bewirkt hat, dass sie so geworden ist, wie sie jetzt aussieht. – Wenn er nun darauf kommt, dass ein Tier diese Schale hergestellt hat, dann wird er sagen: Jetzt begreife ich, dass etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, so sein kann, dass es diese Form hergestellt hat. Wenn ich das Schicksal des Menschen betrachte zwischen Geburt und Tod, werde ich mich fragen: Kann ich dieses Schicksal begreifen, wenn ich annehme, dass der Mensch aus dem Nichts heraustritt? Kann man sich das Schicksal des Menschen erklären, wenn man annimmt, dass der Mensch nur die Eigenschaften seiner Vorfahren aufnimmt? Nein, man kann dies nicht, aber man kann das Leben sofort erklären, wenn man sagt, das Menschenschicksal weist zurück auf frühere Leben. Der Mensch hat sich früher erworben, was jetzt bei ihm herauskommt. Er hat früher Taten begangen, die sich in seinem jetzigen Leben so abdrücken, wie das Tier sich abdrückt in der Muschelschale.
[ 26 ] Wenn Sie alle Umstände richtig in Betracht ziehen, werden Sie sagen: Ja, selber kann ich noch nicht hineinschauen in diese geistigen Tatsachen; aber wenn ich dem Geistesforscher zunächst vertraue − nicht ihm blinden Glauben entgegenbringe, sondern mir sage: Ich will einmal etwas, was ich sonst auch tue im Leben, hier anwenden: Ich will einfach vergleichen. Zum Beispiel, wenn jemand irgendein fremdes Gebilde findet, sagen wir, er hätte zum Beispiel noch nicht eine Muschelschale gesehen, er findet jetzt eine, so würde er sich nach den Kräften der Welt, nach den physischen und chemischen Gesetzen nicht erklären können, dass die Materie sich in dieser Weise bilden kann, er könnte sich nicht erklären können, dass die Materie sich gerade so gebildet hat. Aber er könnte sagen: Nun, ich will einmal probieren, dass ich mir denken kann, dass diese Form herrühre von etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, was aber bewirkt hat, dass sie so geworden ist, wie sie jetzt aussieht. – Wenn er nun darauf kommt, dass ein Tier diese Schale hergestellt hat, dann wird er sagen: Jetzt begreife ich, dass etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, so sein kann, dass es diese Form hergestellt hat. Wenn ich das Schicksal des Menschen betrachte zwischen Geburt und Tod, werde ich mich fragen: Kann ich dieses Schicksal begreifen, wenn ich annehme, dass der Mensch aus dem Nichts heraustritt? Kann man sich das Schicksal des Menschen erklären, wenn man annimmt, dass der Mensch nur die Eigenschaften seiner Vorfahren aufnimmt? Nein, man kann dies nicht, aber man kann das Leben sofort erklären, wenn man sagt, das Menschenschicksal weist zurück auf frühere Leben. Der Mensch hat sich früher erworben, was jetzt bei ihm herauskommt. Er hat früher Taten begangen, die sich in seinem jetzigen Leben so abdrücken, wie das Tier sich abdrückt in der Muschelschale.
[ 27 ] So kann jemand anhand seiner eigenen Vernunft begreifen die Mitteilungen der Geistesforschung. Und das wird vom Schüler zunächst erlangt. Warum ist dem so? Das hat in der heutigen Menschennatur seinen tiefen Grund. Für denjenigen, der seine Begriffe erweitern will, gibt es heute das, was man den Umfang der Geisteswissenschaft nennt. Die Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft überliefern den Menschen Tatsachen einer höheren Welt. Nun gibt es Menschen, die sich so verhalten zu den Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft, dass sie sie zunächst abweisen, und sagen: Das ist Unsinn, barockes Zeug, Phantasie einiger Phantasten, das hat nichts zu tun mit dem, was wir im Leben finden. – Solche Stimmungen kann es geben und gibt es im weitesten Umkreise. Die Zahl derjenigen ist größer, die die Geistesforscher für Narren ansehen, als die Zahl der andern.
[ 27 ] So kann jemand anhand seiner eigenen Vernunft begreifen die Mitteilungen der Geistesforschung. Und das wird vom Schüler zunächst erlangt. Warum ist dem so? Das hat in der heutigen Menschennatur seinen tiefen Grund. Für denjenigen, der seine Begriffe erweitern will, gibt es heute das, was man den Umfang der Geisteswissenschaft nennt. Die Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft überliefern den Menschen Tatsachen einer höheren Welt. Nun gibt es Menschen, die sich so verhalten zu den Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft, dass sie sie zunächst abweisen, und sagen: Das ist Unsinn, barockes Zeug, Phantasie einiger Phantasten, das hat nichts zu tun mit dem, was wir im Leben finden. – Solche Stimmungen kann es geben und gibt es im weitesten Umkreise. Die Zahl derjenigen ist größer, die die Geistesforscher für Narren ansehen, als die Zahl der andern.
[ 28 ] Woher kommt eine solche Stimmung, die die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweist? Sie hat einen guten Grund, und derjenige, der tiefer hineinblickt, wird nicht sagen: Das sind alles dumme Kerle, die diese Mitteilungen zurückweisen. Er wird vielmehr sagen: Die Menschen haben ihren guten Grund, dass sie die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweisen. – Glauben wir es nur, dass wir gar nicht recht tun, wenn wir diejenigen ohne Weiteres verurteilen, die unsere Gegner sind, die behaupten, die Geistesforschung habe nichts zu tun mit dem realen Leben, sie sei krankhaftes Zeug. Wir müssen uns vielmehr klar sein, dass diese Leute gar nicht anders können.
[ 28 ] Woher kommt eine solche Stimmung, die die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweist? Sie hat einen guten Grund, und derjenige, der tiefer hineinblickt, wird nicht sagen: Das sind alles dumme Kerle, die diese Mitteilungen zurückweisen. Er wird vielmehr sagen: Die Menschen haben ihren guten Grund, dass sie die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweisen. – Glauben wir es nur, dass wir gar nicht recht tun, wenn wir diejenigen ohne Weiteres verurteilen, die unsere Gegner sind, die behaupten, die Geistesforschung habe nichts zu tun mit dem realen Leben, sie sei krankhaftes Zeug. Wir müssen uns vielmehr klar sein, dass diese Leute gar nicht anders können.
[ 29 ] Warum können sie nicht anders? Weil in ihnen das wirkt, was wir nennen können einen gewissen Selbsterhaltungstrieb der Seele – die Menschen, die also, wie erwähnt, zu den Mitteilungen der Geistesforscher sagen, sie könnten einfach das, was sie in ihrer Seele erleben, nicht vertragen, könnten nicht verdauen, was aus der Geisteswelt herauskommt, und sie müssen sich selber dadurch schützen vor den Mitteilungen aus dieser Geisteswelt, dass sie sie zurückweisen. Es ist ihr gesunder Instinkt des Selbstschutzes. Wozu würde es führen bei jemandem, der nicht den Willen hat, die Vernunft im weitesten Sinne anzuwenden auf diese Mitteilungen, wenn er diese Mitteilungen der Geistesforscher auf Treu und Glauben annehmen wollte? Er würde aufzunehmen haben eine ganze Menge sogenannter Weisheit, es würde chaotisches Zeug in seiner Seele sein, er würde ertrinken in den Mitteilungen, die er nicht verarbeiten kann.
[ 29 ] Warum können sie nicht anders? Weil in ihnen das wirkt, was wir nennen können einen gewissen Selbsterhaltungstrieb der Seele – die Menschen, die also, wie erwähnt, zu den Mitteilungen der Geistesforscher sagen, sie könnten einfach das, was sie in ihrer Seele erleben, nicht vertragen, könnten nicht verdauen, was aus der Geisteswelt herauskommt, und sie müssen sich selber dadurch schützen vor den Mitteilungen aus dieser Geisteswelt, dass sie sie zurückweisen. Es ist ihr gesunder Instinkt des Selbstschutzes. Wozu würde es führen bei jemandem, der nicht den Willen hat, die Vernunft im weitesten Sinne anzuwenden auf diese Mitteilungen, wenn er diese Mitteilungen der Geistesforscher auf Treu und Glauben annehmen wollte? Er würde aufzunehmen haben eine ganze Menge sogenannter Weisheit, es würde chaotisches Zeug in seiner Seele sein, er würde ertrinken in den Mitteilungen, die er nicht verarbeiten kann.
[ 30 ] Es gibt ein geistiges Ertrinken, wenn wir Erkenntnisse auf Autorität hin annehmen, ohne dass wir imstande sind, sie mit unserer gesunden Vernunft zu verarbeiten. Das, was wir entgegenbringen dem Geistesforscher als Abweisung, ist etwas, was auf einen gesunden Selbsterhaltungstrieb hinweist gegenüber dem Ertrinken in unverstandenen Erkenntnissen. Sodass wir uns sagen müssen: Wir erblicken hier etwas von gesunder Seite, allerdings nur von partiell gesunder Seite unserer Zeitgenossen. Es muss natürlich, wenn dieser Instinkt sich so scharf äußert, zu gleicher Zeit für einen solchen Zeitgenossen die Unmöglichkeit vorliegen, seine Seele zum Begreifen dieser Tatsachen zu bringen. Er arbeitet nur nach einer Seite hin, und er versteift sich, auf einer gewissen Stufe stehen zu bleiben, und daher weist er das, was ihn sonst ertrinken lassen könnte; die Ergebnisse der Geistesforschung, ab.
[ 30 ] Es gibt ein geistiges Ertrinken, wenn wir Erkenntnisse auf Autorität hin annehmen, ohne dass wir imstande sind, sie mit unserer gesunden Vernunft zu verarbeiten. Das, was wir entgegenbringen dem Geistesforscher als Abweisung, ist etwas, was auf einen gesunden Selbsterhaltungstrieb hinweist gegenüber dem Ertrinken in unverstandenen Erkenntnissen. Sodass wir uns sagen müssen: Wir erblicken hier etwas von gesunder Seite, allerdings nur von partiell gesunder Seite unserer Zeitgenossen. Es muss natürlich, wenn dieser Instinkt sich so scharf äußert, zu gleicher Zeit für einen solchen Zeitgenossen die Unmöglichkeit vorliegen, seine Seele zum Begreifen dieser Tatsachen zu bringen. Er arbeitet nur nach einer Seite hin, und er versteift sich, auf einer gewissen Stufe stehen zu bleiben, und daher weist er das, was ihn sonst ertrinken lassen könnte; die Ergebnisse der Geistesforschung, ab.
[ 31 ] Eine andere Gefahr besteht noch in der Geisteswissenschaft. Dieser verfallen jene, welche einen zu starken Drang haben nach allerlei Erkenntnissen, einen Durst, und die nicht zu gleicher Zeit den Willen haben, durch gesunde Vernunft diese Erkenntnisse zu durchdringen. Wie ein Selbsterhaltungstrieb, so ist auch ein Selbstvernichtungstrieb in der menschlichen Seele. Er äußert sich dann, wenn der Mensch durstig alles aufnehmen will, was er nur hören kann über die geistige Welt, wenn er auf blinde Autorität hin alles, was man ihm gibt, verschluckt. In dieser Stimmung zu huldigen, zeigt sich ein Selbstvernichtungstrieb, und diesen Selbstvernichtungstrieb haben jene, die immer sagen: Der Meister hat dies gesagt, dem können wir glauben. – Solche Menschen setzen sich der Gefahr aus, dass sie aufnehmen Dinge, die sie nicht verarbeitet haben, die sie nicht vereinigen können mit ihrem eigenen seelischen Mittelpunkt. Es ist der schlechteste Grundsatz, auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft zu sagen: Der Meister hat so gesagt. – Das Richtige ist dieses: Wir verhalten uns weder anerkennend noch ablehnend gegen seine Mitteilungen. Nun ja, wenn er uns etwas sagt, nehmen wir einmal an, es sei richtig. Jetzt aber wenden wir unsere Vernunft an, suchen wir es im Leben zu beweisen, durch Belege zu stützen, verarbeiten wir es also Stück für Stück.
[ 31 ] Eine andere Gefahr besteht noch in der Geisteswissenschaft. Dieser verfallen jene, welche einen zu starken Drang haben nach allerlei Erkenntnissen, einen Durst, und die nicht zu gleicher Zeit den Willen haben, durch gesunde Vernunft diese Erkenntnisse zu durchdringen. Wie ein Selbsterhaltungstrieb, so ist auch ein Selbstvernichtungstrieb in der menschlichen Seele. Er äußert sich dann, wenn der Mensch durstig alles aufnehmen will, was er nur hören kann über die geistige Welt, wenn er auf blinde Autorität hin alles, was man ihm gibt, verschluckt. In dieser Stimmung zu huldigen, zeigt sich ein Selbstvernichtungstrieb, und diesen Selbstvernichtungstrieb haben jene, die immer sagen: Der Meister hat dies gesagt, dem können wir glauben. – Solche Menschen setzen sich der Gefahr aus, dass sie aufnehmen Dinge, die sie nicht verarbeitet haben, die sie nicht vereinigen können mit ihrem eigenen seelischen Mittelpunkt. Es ist der schlechteste Grundsatz, auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft zu sagen: Der Meister hat so gesagt. – Das Richtige ist dieses: Wir verhalten uns weder anerkennend noch ablehnend gegen seine Mitteilungen. Nun ja, wenn er uns etwas sagt, nehmen wir einmal an, es sei richtig. Jetzt aber wenden wir unsere Vernunft an, suchen wir es im Leben zu beweisen, durch Belege zu stützen, verarbeiten wir es also Stück für Stück.
[ 32 ] Was als Extrem, als Gegensatz einerseits im Selbsterhaltungstrieb auftritt, der den Menschen zur Stumpfheit bringen kann, wenn er radikal wirkt, und was anderseits als Selbstvernichtungstrieb wirkt und sich äußert bei denen, die schwören auf das Wort «Der Meister hat’s gesagt», das ist etwas, was in dem gesunden Menschen, der eine geistige Entwicklung durchmachen will, wirken muss, sich gegenseitig harmonisierend, Einklang schaffend. Was als Extrem uns im Leben entgegentritt als der Selbsterhaltungs- und der Selbstvernichtungstrieb, das muss der wahre Askete in seiner Seele wirksam haben als innere Harmonie. Er muss in seiner Seele Gleichklang haben zwischen diesen beiden Dingen: Nicht unbedingt anzunehmen und nicht unbedingt abzulehnen. Beide Dinge müssen in einem gesunden Asketen wirken. Dann kann von wirklicher Askese gesprochen werden. So muss sich derjenige, welcher überhaupt der geistigen Welt entgegentreten will, zu diesen beiden Dingen, dem Selbsterhaltungsund dem Selbstvernichtungstrieb verhalten.
[ 32 ] Was als Extrem, als Gegensatz einerseits im Selbsterhaltungstrieb auftritt, der den Menschen zur Stumpfheit bringen kann, wenn er radikal wirkt, und was anderseits als Selbstvernichtungstrieb wirkt und sich äußert bei denen, die schwören auf das Wort «Der Meister hat’s gesagt», das ist etwas, was in dem gesunden Menschen, der eine geistige Entwicklung durchmachen will, wirken muss, sich gegenseitig harmonisierend, Einklang schaffend. Was als Extrem uns im Leben entgegentritt als der Selbsterhaltungs- und der Selbstvernichtungstrieb, das muss der wahre Askete in seiner Seele wirksam haben als innere Harmonie. Er muss in seiner Seele Gleichklang haben zwischen diesen beiden Dingen: Nicht unbedingt anzunehmen und nicht unbedingt abzulehnen. Beide Dinge müssen in einem gesunden Asketen wirken. Dann kann von wirklicher Askese gesprochen werden. So muss sich derjenige, welcher überhaupt der geistigen Welt entgegentreten will, zu diesen beiden Dingen, dem Selbsterhaltungsund dem Selbstvernichtungstrieb verhalten.
[ 33 ] Noch etwas anderes ist nötig, wenn man im wahren Sinne üben will, Askese anwenden will. Askese ist ja gleich «üben». Durch die Askese sollen Fähigkeiten, Kräfte in der Seele wachgerufen werden. Wenn dieses Wachrufen von Fähigkeiten und Kräften in der Seele so getrieben wird, dass der Mensch es nicht unterstützt durch das Hingehen zu den Mitteilungen der Geistesforschung, dann werden die Übungen dem Menschen zum Unheil ausschlagen. Deshalb verlangt der Lehrer, der wahre Geistesforscher, so eindringlich, dass man sich mit diesen Mitteilungen beschäftige. Wenn man eine gesunde Summe von Vorstellungen über die geistige Welt hat, die man sich durch Studium angeeignet hat, dann erst ist man in der Lage, die geistigen Fähigkeiten, die in der Seele erwachen wollen, durch die Übungen in [ein] richtiges Verhältnis zu der Gesamtbetätigung zu bringen.
[ 33 ] Noch etwas anderes ist nötig, wenn man im wahren Sinne üben will, Askese anwenden will. Askese ist ja gleich «üben». Durch die Askese sollen Fähigkeiten, Kräfte in der Seele wachgerufen werden. Wenn dieses Wachrufen von Fähigkeiten und Kräften in der Seele so getrieben wird, dass der Mensch es nicht unterstützt durch das Hingehen zu den Mitteilungen der Geistesforschung, dann werden die Übungen dem Menschen zum Unheil ausschlagen. Deshalb verlangt der Lehrer, der wahre Geistesforscher, so eindringlich, dass man sich mit diesen Mitteilungen beschäftige. Wenn man eine gesunde Summe von Vorstellungen über die geistige Welt hat, die man sich durch Studium angeeignet hat, dann erst ist man in der Lage, die geistigen Fähigkeiten, die in der Seele erwachen wollen, durch die Übungen in [ein] richtiges Verhältnis zu der Gesamtbetätigung zu bringen.
[ 34 ] Wir wollen einmal annehmen, da ist einer, der sagt: Ach, die Mitteilungen der Geistesforscher, die interessieren mich nicht weiter. Ich will vor allen Dingen selber sehen. Und wenn die Forscher verlangen, dass man erst lernen solle, so ist das Eigensinn, sie wollen nur ihre Weisheit an den Markt bringen. Mir ist es aber darum zu tun, meine eigene Kraft auszubilden, um so selbst hineinzusehen, in die Geisteswelt. – Wer so spricht und handelt, der wird die Erfahrung machen können, dass er, wenn er alles abweist, was ihm gegeben werden kann, was seine Vernunft schult, bevor er seine innern Fähigkeiten entfaltet, dass wohl solche Fähigkeiten in seiner Seele aufwachen, dass er aber dann mit diesen neuen Fähigkeiten nichts anzufangen weiß. Derjenige aber, der da die großen Gesetze weiß, wie sie einmal von den Geistesforschern erforscht worden sind, der weiß in dem Augenblick, wo neue Fähigkeiten auftreten in seiner Seele, diese Fähigkeiten zu deuten und anzuwenden, er weiß etwas mit ihnen zu machen, es ergibt sich ihm dann ein schöner Zusammenklang zwischen dem Gelernten und dem in ihm Hervorkommenden.
[ 34 ] Wir wollen einmal annehmen, da ist einer, der sagt: Ach, die Mitteilungen der Geistesforscher, die interessieren mich nicht weiter. Ich will vor allen Dingen selber sehen. Und wenn die Forscher verlangen, dass man erst lernen solle, so ist das Eigensinn, sie wollen nur ihre Weisheit an den Markt bringen. Mir ist es aber darum zu tun, meine eigene Kraft auszubilden, um so selbst hineinzusehen, in die Geisteswelt. – Wer so spricht und handelt, der wird die Erfahrung machen können, dass er, wenn er alles abweist, was ihm gegeben werden kann, was seine Vernunft schult, bevor er seine innern Fähigkeiten entfaltet, dass wohl solche Fähigkeiten in seiner Seele aufwachen, dass er aber dann mit diesen neuen Fähigkeiten nichts anzufangen weiß. Derjenige aber, der da die großen Gesetze weiß, wie sie einmal von den Geistesforschern erforscht worden sind, der weiß in dem Augenblick, wo neue Fähigkeiten auftreten in seiner Seele, diese Fähigkeiten zu deuten und anzuwenden, er weiß etwas mit ihnen zu machen, es ergibt sich ihm dann ein schöner Zusammenklang zwischen dem Gelernten und dem in ihm Hervorkommenden.
[ 35 ] Hat der Mensch aber nicht gelernt, dann kann er es erleben, dass in seiner Seele allerlei sogenannte Hellseherfähigkeiten aufsteigen, allerlei Möglichkeiten, aber er weiß nicht, wofür er sie anwenden kann. Dadurch kann diese Anlage zum Unfug ausarten, zu törichtem Zeug, zur Vorspiegelung aller möglichen scheinbaren Tatsachen der geistigen Welt, während er nichts anderes vor sich hat als das Zerrbild seiner eigenen geistigen Fähigkeiten und Kräfte, die er nicht anzuwenden vermag. Er ist in derselben Lage wie einer, der physische Sinne hat und nicht wüsste, was mit ihnen anfangen.
[ 35 ] Hat der Mensch aber nicht gelernt, dann kann er es erleben, dass in seiner Seele allerlei sogenannte Hellseherfähigkeiten aufsteigen, allerlei Möglichkeiten, aber er weiß nicht, wofür er sie anwenden kann. Dadurch kann diese Anlage zum Unfug ausarten, zu törichtem Zeug, zur Vorspiegelung aller möglichen scheinbaren Tatsachen der geistigen Welt, während er nichts anderes vor sich hat als das Zerrbild seiner eigenen geistigen Fähigkeiten und Kräfte, die er nicht anzuwenden vermag. Er ist in derselben Lage wie einer, der physische Sinne hat und nicht wüsste, was mit ihnen anfangen.
[ 36 ] Wenn wir in falscher Mystik zum Ertrinken kommen können, wenn wir blind auf Autorität hin das Gesagte annehmen, so können wir durch falsche innere Entwicklung allerlei Kräfte und Fähigkeiten aus unserer Seele hervorholen, ohne uns vorzubereiten auf das Verständnis dessen, was da hervorkommt. Dies würde zu einem innern Verbrennen in unsern eigenen Fähigkeiten führen. Wie der Selbsterhaltungstrieb sich verlieren kann in dem blinden Glauben, den wir andern entgegenbringen, so können wir durch das, was wir an eigenen Kräften und Fähigkeiten entwickeln, ohne dass wir es anzuwenden wissen, eine Art Verbrennungsprozess durchmachen. Die Kräfte verzehren uns selber, wenn wir sie besitzen, ohne dass wir sie auf irgendetwas anwenden können.
[ 36 ] Wenn wir in falscher Mystik zum Ertrinken kommen können, wenn wir blind auf Autorität hin das Gesagte annehmen, so können wir durch falsche innere Entwicklung allerlei Kräfte und Fähigkeiten aus unserer Seele hervorholen, ohne uns vorzubereiten auf das Verständnis dessen, was da hervorkommt. Dies würde zu einem innern Verbrennen in unsern eigenen Fähigkeiten führen. Wie der Selbsterhaltungstrieb sich verlieren kann in dem blinden Glauben, den wir andern entgegenbringen, so können wir durch das, was wir an eigenen Kräften und Fähigkeiten entwickeln, ohne dass wir es anzuwenden wissen, eine Art Verbrennungsprozess durchmachen. Die Kräfte verzehren uns selber, wenn wir sie besitzen, ohne dass wir sie auf irgendetwas anwenden können.
[ 37 ] Es gibt einen Prozess des Ertrinkens, wenn ich prüfungslos alles auf Autorität hinnehme, und es gibt einen Prozess des Verbrennens, des Sichaufzehrens in den eigenen Fähigkeiten, wenn wir ablehnen sozusagen die Erkenntnisse, die wir uns aneignen sollen, um dann im rechten Moment unsere innern Fähigkeiten anzuwenden. Beide Extreme müssen wir vermeiden. Wir sollen einen Gleichklang zwischen den Lehren und den innern Fähigkeiten erreichen; wenn wir diesen Gleichklang nicht herstellen wollen, dann werden wir uns bald überzeugen müssen, dass die Lebensbedingungen verletzt werden. Der ganze Mensch wird dadurch zu Unheil kommen.
[ 37 ] Es gibt einen Prozess des Ertrinkens, wenn ich prüfungslos alles auf Autorität hinnehme, und es gibt einen Prozess des Verbrennens, des Sichaufzehrens in den eigenen Fähigkeiten, wenn wir ablehnen sozusagen die Erkenntnisse, die wir uns aneignen sollen, um dann im rechten Moment unsere innern Fähigkeiten anzuwenden. Beide Extreme müssen wir vermeiden. Wir sollen einen Gleichklang zwischen den Lehren und den innern Fähigkeiten erreichen; wenn wir diesen Gleichklang nicht herstellen wollen, dann werden wir uns bald überzeugen müssen, dass die Lebensbedingungen verletzt werden. Der ganze Mensch wird dadurch zu Unheil kommen.
[ 38 ] Wie kann dies der Fall sein? Weil die Lebensbedingungen sich erfahrungsgemäß ändern, wenn man das gewöhnliche Maß von Intelligenz verletzt. Wenn man dies Maß in Bezug auf die äußern Erkenntnisse verletzt, wenn man Tatsachen-Mitteilungen annimmt, ohne sie durch die Vernunft zu prüfen, dann vernimmt man sie nur mit dem äußerlichen Verstand, sie dringen nicht auf den Grund der Seele. Geistige Erkenntnis ist nur dann gesund, wenn sie nicht bloße Theorie bleibt, sondern wenn unser ganzes Seelenleben mit ihr erfüllt und durchlebt wird, wenn sie, mit andern Worten, unser geistiges Eigentum wird. Dann erst sind Erkenntnisse wahrhaft erworben.
[ 38 ] Wie kann dies der Fall sein? Weil die Lebensbedingungen sich erfahrungsgemäß ändern, wenn man das gewöhnliche Maß von Intelligenz verletzt. Wenn man dies Maß in Bezug auf die äußern Erkenntnisse verletzt, wenn man Tatsachen-Mitteilungen annimmt, ohne sie durch die Vernunft zu prüfen, dann vernimmt man sie nur mit dem äußerlichen Verstand, sie dringen nicht auf den Grund der Seele. Geistige Erkenntnis ist nur dann gesund, wenn sie nicht bloße Theorie bleibt, sondern wenn unser ganzes Seelenleben mit ihr erfüllt und durchlebt wird, wenn sie, mit andern Worten, unser geistiges Eigentum wird. Dann erst sind Erkenntnisse wahrhaft erworben.
[ 39 ] Diejenigen Erkenntnisse, welche wir auf den Glauben an eine äußere Autorität annehmen, tragen den Stempel der Lüge an sich, wenn sie gleich wahr sind. Sie sind subjektive Lügen, denn es behauptet der Mensch, der sie weiterträgt, etwas, wovon er nicht überzeugt sein kann. Er hat sie aufgenommen, wie man sonst eine Lüge aufnimmt, und dies ist in der Tat etwas Verheerendes. Der Autoritätsglaube führt die Seele dazu, die Seele unwahrhaftig zu machen. Das ist die schlimme Folge einer falschen Hinneigung zu unverdauten geistigen Wahrheiten. Und dadurch wird das, was sonst ungefährlich ist, zu einer Gefahr für die Seele.
[ 39 ] Diejenigen Erkenntnisse, welche wir auf den Glauben an eine äußere Autorität annehmen, tragen den Stempel der Lüge an sich, wenn sie gleich wahr sind. Sie sind subjektive Lügen, denn es behauptet der Mensch, der sie weiterträgt, etwas, wovon er nicht überzeugt sein kann. Er hat sie aufgenommen, wie man sonst eine Lüge aufnimmt, und dies ist in der Tat etwas Verheerendes. Der Autoritätsglaube führt die Seele dazu, die Seele unwahrhaftig zu machen. Das ist die schlimme Folge einer falschen Hinneigung zu unverdauten geistigen Wahrheiten. Und dadurch wird das, was sonst ungefährlich ist, zu einer Gefahr für die Seele.
[ 40 ] Die gewöhnlichen Ereignisse des Tages werden die Wahrheiten des äußeren Lebens schon zurechtweisen. Aber was nicht durch äußere Tatsachen belegt werden kann, in dem muss innere Wahrhaftigkeit herrschen. Wenn dies nicht der Fall ist, so entsteht diese innere Unwahrhaftigkeit, die uns immer mehr zur Lügenhaftigkeit treibt. Sobald die Menschen hier über ein gewisses Maß hinauskommen, wenn sie nicht prüfen wollen, verfallen sie leicht in unbewusste oder bewusste Lügenhaftigkeit. Wie leicht geschieht es, dass auch eine Unwahrheit aufgenommen wird, wenn die Menschen zu bequem sind, die Mitteilungen auch mit der Vernunft zu durchdringen. Leichter als an seiner Seele zu arbeiten, um die geistigen Erkenntnisse aufzunehmen, ist es ja allerdings, diese auf irgendeine äußere Autorität hin anzunehmen. Daher ist es so bequem, zu glauben. In der Geisteswissenschaft ist dieses «Glauben» aber von großer Gefahr, denn dadurch, dass die Menschen leichtgläubig sind, ist es so schwierig auf diesem Gebiet für unsere Zeitgenossen, den Scharlatan und den wirklichen Geistesforscher auseinanderzuhalten. Sie berühren sich so leicht, sie werden so leicht miteinander verwechselt, weil die Menschen zu leichtgläubig sind, weil sie nicht die Geduld haben, zu prüfen.
[ 40 ] Die gewöhnlichen Ereignisse des Tages werden die Wahrheiten des äußeren Lebens schon zurechtweisen. Aber was nicht durch äußere Tatsachen belegt werden kann, in dem muss innere Wahrhaftigkeit herrschen. Wenn dies nicht der Fall ist, so entsteht diese innere Unwahrhaftigkeit, die uns immer mehr zur Lügenhaftigkeit treibt. Sobald die Menschen hier über ein gewisses Maß hinauskommen, wenn sie nicht prüfen wollen, verfallen sie leicht in unbewusste oder bewusste Lügenhaftigkeit. Wie leicht geschieht es, dass auch eine Unwahrheit aufgenommen wird, wenn die Menschen zu bequem sind, die Mitteilungen auch mit der Vernunft zu durchdringen. Leichter als an seiner Seele zu arbeiten, um die geistigen Erkenntnisse aufzunehmen, ist es ja allerdings, diese auf irgendeine äußere Autorität hin anzunehmen. Daher ist es so bequem, zu glauben. In der Geisteswissenschaft ist dieses «Glauben» aber von großer Gefahr, denn dadurch, dass die Menschen leichtgläubig sind, ist es so schwierig auf diesem Gebiet für unsere Zeitgenossen, den Scharlatan und den wirklichen Geistesforscher auseinanderzuhalten. Sie berühren sich so leicht, sie werden so leicht miteinander verwechselt, weil die Menschen zu leichtgläubig sind, weil sie nicht die Geduld haben, zu prüfen.
[ 41 ] Der wirkliche Geheimforscher wird frei und offen sagen, was er erkannt hat. Aber er wird es auch hingeben, auf dass die Menschen es im Leben hinnehmen, es an den Tatsachen des Lebens prüfen. Er wird unbesorgt sein, denn es wird sich bestätigen. Wer aber nicht prüfen will, was ihm so an die Hand gegeben wird, der unterscheidet den Scharlatan nicht von dem wahren Geistesforscher. Wir dürfen unsere Zeitgenossen nicht ganz freisprechen von Schuld, wenn sie auf alle Scharlatanerien hereinfallen, die auf allen Gebieten des Geisteslebens grassieren. Unwahrhaftig zu werden, entspringt aus blindem Autoritätsglauben.
[ 41 ] Der wirkliche Geheimforscher wird frei und offen sagen, was er erkannt hat. Aber er wird es auch hingeben, auf dass die Menschen es im Leben hinnehmen, es an den Tatsachen des Lebens prüfen. Er wird unbesorgt sein, denn es wird sich bestätigen. Wer aber nicht prüfen will, was ihm so an die Hand gegeben wird, der unterscheidet den Scharlatan nicht von dem wahren Geistesforscher. Wir dürfen unsere Zeitgenossen nicht ganz freisprechen von Schuld, wenn sie auf alle Scharlatanerien hereinfallen, die auf allen Gebieten des Geisteslebens grassieren. Unwahrhaftig zu werden, entspringt aus blindem Autoritätsglauben.
[ 42 ] Und was ist nun das Entsprechende, wenn wir dem Prozesse des Sichverzehrens in den eigenen Fähigkeiten verfallen? Die Folge hiervon kann nur erfahrungsgemäß festgestellt werden. Die Erfahrung spricht aber nur zu laut. Die Menschen, die es ablehnen, die Geisteswissenschaft richtig zu studieren, parallel mit der Entwicklung der höheren Fähigkeiten, die Menschen werden dadurch, dass sie nichts anzufangen wissen mit den Fähigkeiten, die sie hervorsprießen ließen in ihrer Seele, aufgebläht; es bläht sich die Seele auf in den eigenen Fähigkeiten. Die Folge davon ist ein unerhörter Hochmut, der jene Seelen überfällt, welche nicht die Demut des geistigen Studierens haben. Hochmut und verheerender Stolz ist das, was auftritt in denjenigen, die sich durch falsche Asketik zur Entfaltung geistiger Fähigkeiten verleiten lassen. Da sehen wir noch auf dem Gebiet des Seelenlebens, wie verheerend es wirken kann, wenn man nicht das Gleichmaß der Verrichtungen und der Erkenntnisse auf geistigem Gebiete walten lässt, und wie verheerend wirken kann, was als Übungen gemacht wird von demjenigen, der nicht richtig vorwärtsschreitet.
[ 42 ] Und was ist nun das Entsprechende, wenn wir dem Prozesse des Sichverzehrens in den eigenen Fähigkeiten verfallen? Die Folge hiervon kann nur erfahrungsgemäß festgestellt werden. Die Erfahrung spricht aber nur zu laut. Die Menschen, die es ablehnen, die Geisteswissenschaft richtig zu studieren, parallel mit der Entwicklung der höheren Fähigkeiten, die Menschen werden dadurch, dass sie nichts anzufangen wissen mit den Fähigkeiten, die sie hervorsprießen ließen in ihrer Seele, aufgebläht; es bläht sich die Seele auf in den eigenen Fähigkeiten. Die Folge davon ist ein unerhörter Hochmut, der jene Seelen überfällt, welche nicht die Demut des geistigen Studierens haben. Hochmut und verheerender Stolz ist das, was auftritt in denjenigen, die sich durch falsche Asketik zur Entfaltung geistiger Fähigkeiten verleiten lassen. Da sehen wir noch auf dem Gebiet des Seelenlebens, wie verheerend es wirken kann, wenn man nicht das Gleichmaß der Verrichtungen und der Erkenntnisse auf geistigem Gebiete walten lässt, und wie verheerend wirken kann, was als Übungen gemacht wird von demjenigen, der nicht richtig vorwärtsschreitet.
[ 43 ] Wenn wir das wahre, richtige Wesen der Askese verstehen, dann werden wir nicht in diese Fehler verfallen. Einen Menschen, der echte Askese übt, dürfen wir nicht weltfremd nennen, die Übungen dürfen und werden ihn nicht schwach machen. Er wird sich auch nicht abwenden von den äußern Tatsachen, er will sich gerade stark und kräftig machen durch diese Übungen, er stellt sich gerade mit erhöhten Fähigkeiten in das Leben hinein. So ist es nicht ein Weltfremd- und Weltfernwerden, was mit wahrer Askese angestrebt wird, sondern ein Hinausführen des menschlichen Innern über das Maß der bisherigen menschlichen Innenkräfte, zunächst im gewöhnlichen Leben. Dann werden wir in unserm Innern etwas Fremdes unserm Äußern gegenüber fühlen, durch das wir die Seele stark machen, sodass wir nicht mehr in demselben Maße die Herrschaft des Äußern empfinden werden wie vorher, als wir noch nicht losgerissen hatten die Seele von den Kräften des Leibes.
[ 43 ] Wenn wir das wahre, richtige Wesen der Askese verstehen, dann werden wir nicht in diese Fehler verfallen. Einen Menschen, der echte Askese übt, dürfen wir nicht weltfremd nennen, die Übungen dürfen und werden ihn nicht schwach machen. Er wird sich auch nicht abwenden von den äußern Tatsachen, er will sich gerade stark und kräftig machen durch diese Übungen, er stellt sich gerade mit erhöhten Fähigkeiten in das Leben hinein. So ist es nicht ein Weltfremd- und Weltfernwerden, was mit wahrer Askese angestrebt wird, sondern ein Hinausführen des menschlichen Innern über das Maß der bisherigen menschlichen Innenkräfte, zunächst im gewöhnlichen Leben. Dann werden wir in unserm Innern etwas Fremdes unserm Äußern gegenüber fühlen, durch das wir die Seele stark machen, sodass wir nicht mehr in demselben Maße die Herrschaft des Äußern empfinden werden wie vorher, als wir noch nicht losgerissen hatten die Seele von den Kräften des Leibes.
[ 44 ] Solche Übungen sind allerdings ein Losreißen des Innern vom äußern Menschen. Wir schreiten darüber hinaus, aber dadurch werden wir nicht schwächer diesem Leibe gegenüber. Wir werden dem Leibe fremder, wenn wir die Seele stark machen. Aber dadurch lernen wir diesen Leib als ein richtiges Werkzeug kennen. Wir werden ihm fremd, aber das, was uns fremd ist, können wir besser als Werkzeug benutzen, als was wir als uns selber ansahen. Es ist gerade so, wie wenn Sie mit dem Hammer, mit dem Sie einen Nagel einschlagen sollen, zusammengewachsen sein würden, innig mit ihm verwoben sein würden. Da würden Sie bald zetern, wenn Sie den Hammer, der immer wehtut, zum Einschlagen eines Nagels verwenden müssten. Dadurch aber, dass Sie nicht mit ihm zusammenkleben, ist er ein starkes Werkzeug für Sie. Und dadurch, dass wir uns von unserm äußern Menschen absondern, können wir ihn zu einem starken und brauchbaren Werkzeug machen.
[ 44 ] Solche Übungen sind allerdings ein Losreißen des Innern vom äußern Menschen. Wir schreiten darüber hinaus, aber dadurch werden wir nicht schwächer diesem Leibe gegenüber. Wir werden dem Leibe fremder, wenn wir die Seele stark machen. Aber dadurch lernen wir diesen Leib als ein richtiges Werkzeug kennen. Wir werden ihm fremd, aber das, was uns fremd ist, können wir besser als Werkzeug benutzen, als was wir als uns selber ansahen. Es ist gerade so, wie wenn Sie mit dem Hammer, mit dem Sie einen Nagel einschlagen sollen, zusammengewachsen sein würden, innig mit ihm verwoben sein würden. Da würden Sie bald zetern, wenn Sie den Hammer, der immer wehtut, zum Einschlagen eines Nagels verwenden müssten. Dadurch aber, dass Sie nicht mit ihm zusammenkleben, ist er ein starkes Werkzeug für Sie. Und dadurch, dass wir uns von unserm äußern Menschen absondern, können wir ihn zu einem starken und brauchbaren Werkzeug machen.
[ 45 ] Das ist es, was jede wahre Askese von den Menschen, die sich ihr hingeben, verlangen muss. Aber das ist auch etwas, was sie wesentlich unterscheidet von dem verschrobenen Begriff, zu dem sich herausgebildet hat die falsche Askese. Jede wahre Askese führt dazu, das Innere zu stärken, zu kräftigen, und ein Mensch mit solchem stark gemachten Innern kann mit Ruhe auf das blicken, was die andern Menschen über ihn sagen. Die Menschen sagen: Er hat kein Vergnügen mehr an dem, was wahrhaftig den Menschen interessieren kann. – Ein solcher, der im rechten Sinne zum Geistesforscher geworden ist, kann es ruhig vertragen, wenn die Menschen kommen und sich erbarmen über ihn und sagen: Was hat er nun vom Leben? Alles, was im Leben Interesse bietet, ist ihm fremd geworden. – Solche Reden weiß er ruhig zu ertragen. Es mögen diese zu ihm herankommen und sagen: Du gehst nicht mehr zu den gewöhnlichen Vergnügen des Tages, das Leben muss für dich ja furchtbar langweilig sein; oh du armer Kerl! Und wie kurzweilig ist das, was wir treiben, und wie langweilig das, was ihr treibt.
[ 45 ] Das ist es, was jede wahre Askese von den Menschen, die sich ihr hingeben, verlangen muss. Aber das ist auch etwas, was sie wesentlich unterscheidet von dem verschrobenen Begriff, zu dem sich herausgebildet hat die falsche Askese. Jede wahre Askese führt dazu, das Innere zu stärken, zu kräftigen, und ein Mensch mit solchem stark gemachten Innern kann mit Ruhe auf das blicken, was die andern Menschen über ihn sagen. Die Menschen sagen: Er hat kein Vergnügen mehr an dem, was wahrhaftig den Menschen interessieren kann. – Ein solcher, der im rechten Sinne zum Geistesforscher geworden ist, kann es ruhig vertragen, wenn die Menschen kommen und sich erbarmen über ihn und sagen: Was hat er nun vom Leben? Alles, was im Leben Interesse bietet, ist ihm fremd geworden. – Solche Reden weiß er ruhig zu ertragen. Es mögen diese zu ihm herankommen und sagen: Du gehst nicht mehr zu den gewöhnlichen Vergnügen des Tages, das Leben muss für dich ja furchtbar langweilig sein; oh du armer Kerl! Und wie kurzweilig ist das, was wir treiben, und wie langweilig das, was ihr treibt.
[ 46 ] Sie, die so sprechen, haben gar keine Ahnung davon, welch unbändige Askese der üben müsste, der die geistige Welt kennengelernt hat und der das treiben müsste, was sie treiben, was sie «kurzweilig» nennen. Unbändige Askese müsste der üben, wenn er teilnehmen würde an dem, was von ihnen die gewöhnlichen Genüsse des Lebens genannt wird. Und weil er nicht an den üblichen Genüssen des Lebens teilnehmen will, deshalb vermeidet er diese Genüsse. Er will nicht diese Askese ausüben. So sehen wir daran, wenn wir nur diese Trivialitäten des Lebens heranziehen, dass es sich um Verschärfung, um Erhöhung der Lebensbejahung handelt bei dem, was man im wahren Sinne Askese nennt.
[ 46 ] Sie, die so sprechen, haben gar keine Ahnung davon, welch unbändige Askese der üben müsste, der die geistige Welt kennengelernt hat und der das treiben müsste, was sie treiben, was sie «kurzweilig» nennen. Unbändige Askese müsste der üben, wenn er teilnehmen würde an dem, was von ihnen die gewöhnlichen Genüsse des Lebens genannt wird. Und weil er nicht an den üblichen Genüssen des Lebens teilnehmen will, deshalb vermeidet er diese Genüsse. Er will nicht diese Askese ausüben. So sehen wir daran, wenn wir nur diese Trivialitäten des Lebens heranziehen, dass es sich um Verschärfung, um Erhöhung der Lebensbejahung handelt bei dem, was man im wahren Sinne Askese nennt.
[ 47 ] Wir sehen aber auch, dass der Mensch durch diese Askese unabhängiger wird, dass er das Geistige aus dem Leiblichen heraushebt in bewusster Weise. Nun hat eine falsche Askese sich die Sache bequemer gemacht. In der Tat gehören starke Anstrengungen des innern Menschen dazu, die Ziele der wahren Asketik zu erreichen. Leichter ist es, den äußern Menschen abzutöten, den Körper mit allerlei Qualen zu durchwalken, mit allerlei Schmerzen und Leiden zu schwächen, sodass der Leib von sich aus die Seele herauspresst. Das hat die falsche Asketik zum Ziel, die durch Abtöten des Leibes das erreichen zu können meint, was man das Freiwerden des Geistes nennt. Wahre Askese zieht die Seele heraus, aber sie erlangt es dadurch, dass die Seele stark gemacht wird. Aber wer falsche Askese übt, veranlasst durch Qualen, denen er sich unterwirft, seinen Leib dazu, dass die Seele herausgepresst wird. Diese falsche Askese hat man lange Zeit dadurch geübt, dass man durch Fasten und Kasteiungen den Körper geschwächt hat. Man hat dies auch in den Gegenden des Abendlandes getan, und diese falsche Askese hat den Begriff der Askese überhaupt in Misskredit gebracht als etwas, was den Menschen zur Weltfremdheit führt.
[ 47 ] Wir sehen aber auch, dass der Mensch durch diese Askese unabhängiger wird, dass er das Geistige aus dem Leiblichen heraushebt in bewusster Weise. Nun hat eine falsche Askese sich die Sache bequemer gemacht. In der Tat gehören starke Anstrengungen des innern Menschen dazu, die Ziele der wahren Asketik zu erreichen. Leichter ist es, den äußern Menschen abzutöten, den Körper mit allerlei Qualen zu durchwalken, mit allerlei Schmerzen und Leiden zu schwächen, sodass der Leib von sich aus die Seele herauspresst. Das hat die falsche Asketik zum Ziel, die durch Abtöten des Leibes das erreichen zu können meint, was man das Freiwerden des Geistes nennt. Wahre Askese zieht die Seele heraus, aber sie erlangt es dadurch, dass die Seele stark gemacht wird. Aber wer falsche Askese übt, veranlasst durch Qualen, denen er sich unterwirft, seinen Leib dazu, dass die Seele herausgepresst wird. Diese falsche Askese hat man lange Zeit dadurch geübt, dass man durch Fasten und Kasteiungen den Körper geschwächt hat. Man hat dies auch in den Gegenden des Abendlandes getan, und diese falsche Askese hat den Begriff der Askese überhaupt in Misskredit gebracht als etwas, was den Menschen zur Weltfremdheit führt.
[ 48 ] Aber nur dadurch, dass die Askese unsere Seelenfähigkeiten erhöht, den innern Menschen kräftigt, dadurch nur dringen wir zu neuen Erkenntnissen und Erkenntnismöglichkeiten empor. Wenn wir nur den Leib abtöten, und die Seele herauspressen, so bleibt die Seele doch das, was sie war, denn wir verschließen uns in uns selber.
[ 48 ] Aber nur dadurch, dass die Askese unsere Seelenfähigkeiten erhöht, den innern Menschen kräftigt, dadurch nur dringen wir zu neuen Erkenntnissen und Erkenntnismöglichkeiten empor. Wenn wir nur den Leib abtöten, und die Seele herauspressen, so bleibt die Seele doch das, was sie war, denn wir verschließen uns in uns selber.
[ 49 ] Derjenige, der auf die Askese des Mittelalters hinblickt − nichts soll gesagt werden gegen das Heroische, das in diesen Mönchen steckt, nichts gegen die Selbstverleugnung und den Heldensinn mancher hervorragender Persönlichkeiten des Mittelalters −, wenn wir aber das, was sie hervorgebracht haben, unbefangen auf uns wirken lassen, so sind es nur die gleichen Empfindungen der Seele, die schon da waren, und die diese Menschen des Mittelalters durch Abtötung des Leibes herausgepresst haben und zu gewisser Selbstständigkeit gebracht haben. Da sehen wir die durch Quälen des Leibes geübte falsche Askese. An diese falsche Askese denken die modernen Menschen, und deshalb wird sehr häufig von denen, die an die Theosophie herankommen, wirkliche Askese verwechselt mit dem, was auf dem Wege dieser falschen Askese erreicht werden kann.
[ 49 ] Derjenige, der auf die Askese des Mittelalters hinblickt − nichts soll gesagt werden gegen das Heroische, das in diesen Mönchen steckt, nichts gegen die Selbstverleugnung und den Heldensinn mancher hervorragender Persönlichkeiten des Mittelalters −, wenn wir aber das, was sie hervorgebracht haben, unbefangen auf uns wirken lassen, so sind es nur die gleichen Empfindungen der Seele, die schon da waren, und die diese Menschen des Mittelalters durch Abtötung des Leibes herausgepresst haben und zu gewisser Selbstständigkeit gebracht haben. Da sehen wir die durch Quälen des Leibes geübte falsche Askese. An diese falsche Askese denken die modernen Menschen, und deshalb wird sehr häufig von denen, die an die Theosophie herankommen, wirkliche Askese verwechselt mit dem, was auf dem Wege dieser falschen Askese erreicht werden kann.
[ 50 ] Da kommen sie und sagen: Was dürfen wir essen und trinken? – Sie glauben, dass sie durch eine bestimmte Diät, durch das, was sie essen oder nicht essen, zu gewissen Fähigkeiten hinaufsteigen können. Wahre Geistesforschung zeigt, dass dem Schüler zwar Hilfe erwachsen kann, wenn er bestimmte Diät anwendet; aber durch diese Diät allein will sie nicht ihr Ziel erreichen, sondern nur dazu helfen. Bequemer wäre es allerdings, wenn man nur dieses oder jenes nicht zu essen oder nicht zu trinken brauchte, und dann in die höchsten geistigen Regionen hinaufsteigen könnte. Man darf aber auch nicht glauben, dass das, was in solchen Nebenwirkungen auftritt, etwas Unwichtiges ist. Derjenige, der sich zu wahrer Askese aufschwingt, der in der Tat das tut, was im eminentesten Sinne als gesunde Entwicklung in die geistige Welt hinein hingestellt worden ist, wird doch sagen, dass er aus seinem Leibe etwas herausschält, was früher drinnen war. Er überlässt den Leib sich selber, er entfernt ihn von innern Kräften der Seele. Dadurch kann der Leib den Fährlichkeiten des äußern Lebens leichter verfallen, als wenn die robuste Seele einfach darin arbeitet, so wie sie von Geburt an gewirkt hat unter normalen Verhältnissen. Es wird unser Leib, wenn wir ihm diese Seelenkräfte entziehen, wenn wir diese Seelenkräfte zu höherer Entwicklung verwenden, er wird, weil er sich selber überlassen ist, leichter den äußern Fährlichkeiten anheimfallen. Daher ist für den, der sich im rechten, gesunden Sinn entwickeln will, notwendig, dass er dessen eingedenk sein wird und dass er seinem verlassenen Leib umso mehr einen ruhigen Einklang verschafft mit den Kräften, aus denen unser Leib geboren ist.
[ 50 ] Da kommen sie und sagen: Was dürfen wir essen und trinken? – Sie glauben, dass sie durch eine bestimmte Diät, durch das, was sie essen oder nicht essen, zu gewissen Fähigkeiten hinaufsteigen können. Wahre Geistesforschung zeigt, dass dem Schüler zwar Hilfe erwachsen kann, wenn er bestimmte Diät anwendet; aber durch diese Diät allein will sie nicht ihr Ziel erreichen, sondern nur dazu helfen. Bequemer wäre es allerdings, wenn man nur dieses oder jenes nicht zu essen oder nicht zu trinken brauchte, und dann in die höchsten geistigen Regionen hinaufsteigen könnte. Man darf aber auch nicht glauben, dass das, was in solchen Nebenwirkungen auftritt, etwas Unwichtiges ist. Derjenige, der sich zu wahrer Askese aufschwingt, der in der Tat das tut, was im eminentesten Sinne als gesunde Entwicklung in die geistige Welt hinein hingestellt worden ist, wird doch sagen, dass er aus seinem Leibe etwas herausschält, was früher drinnen war. Er überlässt den Leib sich selber, er entfernt ihn von innern Kräften der Seele. Dadurch kann der Leib den Fährlichkeiten des äußern Lebens leichter verfallen, als wenn die robuste Seele einfach darin arbeitet, so wie sie von Geburt an gewirkt hat unter normalen Verhältnissen. Es wird unser Leib, wenn wir ihm diese Seelenkräfte entziehen, wenn wir diese Seelenkräfte zu höherer Entwicklung verwenden, er wird, weil er sich selber überlassen ist, leichter den äußern Fährlichkeiten anheimfallen. Daher ist für den, der sich im rechten, gesunden Sinn entwickeln will, notwendig, dass er dessen eingedenk sein wird und dass er seinem verlassenen Leib umso mehr einen ruhigen Einklang verschafft mit den Kräften, aus denen unser Leib geboren ist.
[ 51 ] Wir wollen an ein konkretes Beispiel anknüpfen, um verständlicher zu werden: Sie alle kennen das, was man im gewöhnlichen Leben Ermüdung nach der Arbeit nennt. Diese Ermüdung ist etwas, was durchaus notwendig ist. Wir müssen sie haben, denn dadurch, dass wir in Ermüdung verfallen, kommen wir von vorneherein in einen andern Zustand unseres Seelenlebens. Die Ermüdung weckt das Bedürfnis nach Ruhe, und während wir der Ruhe pflegen, holen wir die neuen Kräfte, die wir zur Arbeit brauchen. Daher kann man sagen: Eine gesunde Ermüdung ist notwendig für den arbeitsamen Menschen, und der Mensch, der nicht müde werden könnte, der nicht Aufmerksamkeit verwenden würde auf seine Ermüdung, bei dem würden wir die Arbeit zu seinem Unheil ausschlagen sehen. Wenn ein Mensch gezwungen ist, über ein gewisses Maß hinaus zu arbeiten, sodass er die Grenze der Ermüdung überschreitet, wenn er länger arbeiten muss, als das Maß seiner Kräfte es erlaubt, dann arbeitet er in die Zeit hinein, wo er schon ermüdet ist, und das kann von größtem Unheil für ihn werden. Er kann mit Sicherheit sagen, dass er seine Gesundheit untergräbt. Wenn nun das äußere Leben uns zwingt − es sollte eben dazu kommen, dass das nicht mehr der Fall sein darf −, wenn das Leben uns zwingt, mit ermüdetem Körper zu arbeiten, so ist das verhängnisvoll. Verhängnisvoller aber ist es, wenn der Mensch dadurch, dass er durch wahre Askese seine Kräfte entwickelt hat, dass er dadurch in die Versuchung kommt, nicht zu achten auf die Ermüdung. Es könnte der Mensch durch die Entwicklung seiner Seelenkräfte so durchgeistigt werden, dass er buchstäblich vergessen könnte, dass auch das äußere Leben an seinen Leib Anforderungen stellt, und er könnte in irgendeinem Augenblick seine Ermüdungsgrenzen überschreiten. Dann aber, wenn, nachdem er von seinem Leibe befreit ist, diesen sich selbst überlässt, wenn er nicht auf ihn achtet, ihm keinen Einklang verschafft, also wenn er in beliebiger Weise in seine Ermüdung hineinarbeiten würde, dann würde er seinem Leibe viel mehr schaden wie derjenige, der ihn nur durch äußere Anlässe schädigt.
[ 51 ] Wir wollen an ein konkretes Beispiel anknüpfen, um verständlicher zu werden: Sie alle kennen das, was man im gewöhnlichen Leben Ermüdung nach der Arbeit nennt. Diese Ermüdung ist etwas, was durchaus notwendig ist. Wir müssen sie haben, denn dadurch, dass wir in Ermüdung verfallen, kommen wir von vorneherein in einen andern Zustand unseres Seelenlebens. Die Ermüdung weckt das Bedürfnis nach Ruhe, und während wir der Ruhe pflegen, holen wir die neuen Kräfte, die wir zur Arbeit brauchen. Daher kann man sagen: Eine gesunde Ermüdung ist notwendig für den arbeitsamen Menschen, und der Mensch, der nicht müde werden könnte, der nicht Aufmerksamkeit verwenden würde auf seine Ermüdung, bei dem würden wir die Arbeit zu seinem Unheil ausschlagen sehen. Wenn ein Mensch gezwungen ist, über ein gewisses Maß hinaus zu arbeiten, sodass er die Grenze der Ermüdung überschreitet, wenn er länger arbeiten muss, als das Maß seiner Kräfte es erlaubt, dann arbeitet er in die Zeit hinein, wo er schon ermüdet ist, und das kann von größtem Unheil für ihn werden. Er kann mit Sicherheit sagen, dass er seine Gesundheit untergräbt. Wenn nun das äußere Leben uns zwingt − es sollte eben dazu kommen, dass das nicht mehr der Fall sein darf −, wenn das Leben uns zwingt, mit ermüdetem Körper zu arbeiten, so ist das verhängnisvoll. Verhängnisvoller aber ist es, wenn der Mensch dadurch, dass er durch wahre Askese seine Kräfte entwickelt hat, dass er dadurch in die Versuchung kommt, nicht zu achten auf die Ermüdung. Es könnte der Mensch durch die Entwicklung seiner Seelenkräfte so durchgeistigt werden, dass er buchstäblich vergessen könnte, dass auch das äußere Leben an seinen Leib Anforderungen stellt, und er könnte in irgendeinem Augenblick seine Ermüdungsgrenzen überschreiten. Dann aber, wenn, nachdem er von seinem Leibe befreit ist, diesen sich selbst überlässt, wenn er nicht auf ihn achtet, ihm keinen Einklang verschafft, also wenn er in beliebiger Weise in seine Ermüdung hineinarbeiten würde, dann würde er seinem Leibe viel mehr schaden wie derjenige, der ihn nur durch äußere Anlässe schädigt.
[ 52 ] Daher hat derjenige, der sich wahrer Askese hingibt, dafür zu sorgen, dass er im richtigen Augenblick müde werde und auch dafür, dass er diese Ermüdung ausnützt. Der Mensch muss auch in diesem Falle den Rhythmus herstellen in Bezug auf seinen physischen Leib. Wenn er in wüster Weise darauflosarbeitet, und in jede Ermüdung hineinarbeitet, sodass er die Arbeit fortsetzt, weil er glaubt, stark geworden zu sein und nicht spürt die Ermüdung, dann wird er durch die Askese sein äußeres Dasein schädigen, sodass die Askese für ihn ein Quell werden kann der äußern Krankheit. Aber nur in dem Falle wird die Askese Nachteil bringen, wo der Mensch seine Aufmerksamkeit abzieht von der äußern Welt, nicht beachtet den Rhythmus, in den hineingestellt ist dasjenige von uns, das der äußern Welt angehört. Der Mensch wird aber gerade erst recht darauf angewiesen sein, dem Rhythmus zu huldigen.
[ 52 ] Daher hat derjenige, der sich wahrer Askese hingibt, dafür zu sorgen, dass er im richtigen Augenblick müde werde und auch dafür, dass er diese Ermüdung ausnützt. Der Mensch muss auch in diesem Falle den Rhythmus herstellen in Bezug auf seinen physischen Leib. Wenn er in wüster Weise darauflosarbeitet, und in jede Ermüdung hineinarbeitet, sodass er die Arbeit fortsetzt, weil er glaubt, stark geworden zu sein und nicht spürt die Ermüdung, dann wird er durch die Askese sein äußeres Dasein schädigen, sodass die Askese für ihn ein Quell werden kann der äußern Krankheit. Aber nur in dem Falle wird die Askese Nachteil bringen, wo der Mensch seine Aufmerksamkeit abzieht von der äußern Welt, nicht beachtet den Rhythmus, in den hineingestellt ist dasjenige von uns, das der äußern Welt angehört. Der Mensch wird aber gerade erst recht darauf angewiesen sein, dem Rhythmus zu huldigen.
[ 53 ] Wenn es im Allgemeinen heute überall Mode geworden ist, ein hastiges, unruhiges Dasein zu führen, zu hastig zu seiner Arbeit zu stürzen, wenn dieses Hasten und Drängen heute immer zunimmt, so ist es für denjenigen, der seine Kräfte in ruhiger Weise entfalten will, notwendig, dass er mit seinem äußern Betätigen nicht an dieser Hast und Unruhe teilnimmt. Es wird gut sein, dass derjenige, der seine Fähigkeiten im gesunden Sinne entwickeln will, sich auch in seinen äußern Handlungen einen Takt angewöhnt.
[ 53 ] Wenn es im Allgemeinen heute überall Mode geworden ist, ein hastiges, unruhiges Dasein zu führen, zu hastig zu seiner Arbeit zu stürzen, wenn dieses Hasten und Drängen heute immer zunimmt, so ist es für denjenigen, der seine Kräfte in ruhiger Weise entfalten will, notwendig, dass er mit seinem äußern Betätigen nicht an dieser Hast und Unruhe teilnimmt. Es wird gut sein, dass derjenige, der seine Fähigkeiten im gesunden Sinne entwickeln will, sich auch in seinen äußern Handlungen einen Takt angewöhnt.
[ 54 ] Wie können wir heute unsere Zeitgenossen sehen laufen und hasten, wenn sie zum Beispiel die Straßenbahn benützen wollen, damit sie ihnen ja nicht abfährt. Da rennen und hasten sie, und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, haben sie es gar nicht nötig. Wenn man nur beobachten wollte, würde man sehen, wie bei einem abfahrenden Zug die Menschen hasten, auch wenn sie gar nichts Besonderes versäumen, weil sie eben glauben, dass müsse so sein.
[ 54 ] Wie können wir heute unsere Zeitgenossen sehen laufen und hasten, wenn sie zum Beispiel die Straßenbahn benützen wollen, damit sie ihnen ja nicht abfährt. Da rennen und hasten sie, und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, haben sie es gar nicht nötig. Wenn man nur beobachten wollte, würde man sehen, wie bei einem abfahrenden Zug die Menschen hasten, auch wenn sie gar nichts Besonderes versäumen, weil sie eben glauben, dass müsse so sein.
[ 55 ] Man könnte aber auch andere sehen: Da geht zum Beispiel einer ganz normal. Der denkt: «Nun, wenn ich diesen Zug nicht erreiche, so werde ich eben zu spät kommen, ich werde den nächsten nehmen.» Das ist einer, der sich mit Ruhe wappnet, der sich in Bezug auf das äußere Leben in völlige Ruhe hineinstellt. Alles Hasten, alle Unruhe können uns so in die äußere Welt hineinstellen, dass die Askese werden kann ein Quell der Krankheit. Daher darf niemals außer Acht gelassen werden von dem, der wahre Askese treiben will, sich anzueignen einen gewissen Takt, eine Sicherheit, nicht dasjenige mitzumachen, was ihm im äußern Leben aufgedrängt wird vom modernen Leben, sondern nur das mitzumachen, was sich für ihn selbst als das Geeignete herausstellt in Bezug auf die äußere Existenz. Der Asket soll nicht in Krankheit verfallen. Das Werkzeug, von dem er sich frei gemacht hat, soll nicht in unsinniger Weise sich selbst überlassen bleiben, denn dann muss es dem Ruin verfallen. Wenn jemand bei seinen Übungen krank wird, dann darf er das nicht außer Acht lassen. Die Übungen entwickeln Krankheit nicht durch sich, sondern dadurch, dass nicht die damit verknüpften Nebenbedingungen beachtet worden sind.
[ 55 ] Man könnte aber auch andere sehen: Da geht zum Beispiel einer ganz normal. Der denkt: «Nun, wenn ich diesen Zug nicht erreiche, so werde ich eben zu spät kommen, ich werde den nächsten nehmen.» Das ist einer, der sich mit Ruhe wappnet, der sich in Bezug auf das äußere Leben in völlige Ruhe hineinstellt. Alles Hasten, alle Unruhe können uns so in die äußere Welt hineinstellen, dass die Askese werden kann ein Quell der Krankheit. Daher darf niemals außer Acht gelassen werden von dem, der wahre Askese treiben will, sich anzueignen einen gewissen Takt, eine Sicherheit, nicht dasjenige mitzumachen, was ihm im äußern Leben aufgedrängt wird vom modernen Leben, sondern nur das mitzumachen, was sich für ihn selbst als das Geeignete herausstellt in Bezug auf die äußere Existenz. Der Asket soll nicht in Krankheit verfallen. Das Werkzeug, von dem er sich frei gemacht hat, soll nicht in unsinniger Weise sich selbst überlassen bleiben, denn dann muss es dem Ruin verfallen. Wenn jemand bei seinen Übungen krank wird, dann darf er das nicht außer Acht lassen. Die Übungen entwickeln Krankheit nicht durch sich, sondern dadurch, dass nicht die damit verknüpften Nebenbedingungen beachtet worden sind.
[ 56 ] Wer in Betracht zieht, wie ein Verbrennen der geistigen Fähigkeiten eintreten kann durch Nichtbeachten der Anweisungen – durch blindes Entgegennehmen auf Autorität des Führers hin –, der kann auch ermessen, wie zehrend es für den Leib sein kann, wenn wir uns in gewisse ungesunde seelische und leibliche Verhältnisse der Umwelt hineinstellen und uns ihnen hingeben; der weiß auch, dass dadurch, dass der Mensch sich nicht mit der richtigen, innern Harmonie in die Außenwelt hineinstellen kann, er in die Krankhaftigkeit hineinkommen kann.
[ 56 ] Wer in Betracht zieht, wie ein Verbrennen der geistigen Fähigkeiten eintreten kann durch Nichtbeachten der Anweisungen – durch blindes Entgegennehmen auf Autorität des Führers hin –, der kann auch ermessen, wie zehrend es für den Leib sein kann, wenn wir uns in gewisse ungesunde seelische und leibliche Verhältnisse der Umwelt hineinstellen und uns ihnen hingeben; der weiß auch, dass dadurch, dass der Mensch sich nicht mit der richtigen, innern Harmonie in die Außenwelt hineinstellen kann, er in die Krankhaftigkeit hineinkommen kann.
[ 57 ] So muss durchaus der Lebensrhythmus im höhern Sinne von dem erfüllt werden, der diese Entwicklung anstrebt, von dem, welcher sich von seiner Zeit erziehen lässt. Es ist richtig, dass der Mensch, der mit seiner Selbsterziehung beginnt, so zu arbeiten hat, dass er diese höhern Fähigkeiten hinaufentwickelt in gesunder Askese, dass dieser Mensch in seine eigene Verantwortung hineinnimmt, was sonst von außen besorgt wird.
[ 57 ] So muss durchaus der Lebensrhythmus im höhern Sinne von dem erfüllt werden, der diese Entwicklung anstrebt, von dem, welcher sich von seiner Zeit erziehen lässt. Es ist richtig, dass der Mensch, der mit seiner Selbsterziehung beginnt, so zu arbeiten hat, dass er diese höhern Fähigkeiten hinaufentwickelt in gesunder Askese, dass dieser Mensch in seine eigene Verantwortung hineinnimmt, was sonst von außen besorgt wird.
[ 58 ] In gewissem Sinne arbeitet das, was dem Menschen seine Zeit anweist, so, dass er nicht gar zu verderbliche Sprünge machen kann. Reißt man sich aber heraus aus der Gesetzmäßigkeit des gewöhnlichen Lebens, nimmt man seine Entwicklung selbst in die Hand, dann muss man auch die Sorge für seine Gesundheit selber in die Hand nehmen. Hat man nicht den Willen zur Aufmerksamkeit auf seinen Leib, dann wird Askese hundert Möglichkeiten haben, den Leib in die Krankheitsverhältnisse zu führen.
[ 58 ] In gewissem Sinne arbeitet das, was dem Menschen seine Zeit anweist, so, dass er nicht gar zu verderbliche Sprünge machen kann. Reißt man sich aber heraus aus der Gesetzmäßigkeit des gewöhnlichen Lebens, nimmt man seine Entwicklung selbst in die Hand, dann muss man auch die Sorge für seine Gesundheit selber in die Hand nehmen. Hat man nicht den Willen zur Aufmerksamkeit auf seinen Leib, dann wird Askese hundert Möglichkeiten haben, den Leib in die Krankheitsverhältnisse zu führen.
[ 59 ] Nur skizzenhaft konnte in dem Vortrage darauf hingewiesen werden, dass es ein hohes Ziel des Menschen ist, einzudringen durch wahre, gesunde Askese in eine geistige Welt, dass aber dieses Eindringen in die geistige Welt an strenge, ernste Gesetze gebunden ist, und dass der Mensch diese Gesetze nicht ungestraft übertreten darf. Wir dürfen uns ausdrücken: Jawohl, die geistige Welt ist nicht verschlossen; von dem, der sie verschlossen glaubt, können wir sagen, dass sein Herz tot, sein Auge zu ist, dass er nicht hinein will durch das Morgenrot zur geistigen Sonne.
[ 59 ] Nur skizzenhaft konnte in dem Vortrage darauf hingewiesen werden, dass es ein hohes Ziel des Menschen ist, einzudringen durch wahre, gesunde Askese in eine geistige Welt, dass aber dieses Eindringen in die geistige Welt an strenge, ernste Gesetze gebunden ist, und dass der Mensch diese Gesetze nicht ungestraft übertreten darf. Wir dürfen uns ausdrücken: Jawohl, die geistige Welt ist nicht verschlossen; von dem, der sie verschlossen glaubt, können wir sagen, dass sein Herz tot, sein Auge zu ist, dass er nicht hinein will durch das Morgenrot zur geistigen Sonne.
[ 60 ] Dem aber, der wirklich hineinwill, dem müssen wir sagen, dass er Schritt für Schritt ernst und würdig zu arbeiten hat, um sich reif und fähig zu machen, das Licht der geistigen Sonne zu empfangen. Sonst wird sie für ihn ein Blendwerk sein, das sein geistiges Schauen eher zerstört, sein geistiges Auge eher blendet, als dass sie es entwickelt. Die geistige Welt verschließt sich nicht vor uns, sie zeigt uns, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln, ihre Geheimnisse, verlangt aber von uns, dass wir uns reif machen, diese Geheimnisse erst dann zu schauen, wenn wir durch Harmonie unser Leben heften auf den Rhythmus, der alles belebt und durchwebt, wenn wir ins Auge fassen, dass wir nicht stürmisch in die geistige Welt eindringen dürfen, sondern uns Schritt für Schritt reif machen müssen, dass wir erst die Bedingungen schaffen müssen, durch die wir uns umwandeln. Dann werden wir zu unserm Heile, nicht zu unserm Unheil, eintreten in die erhabene Geisteswelt.
[ 60 ] Dem aber, der wirklich hineinwill, dem müssen wir sagen, dass er Schritt für Schritt ernst und würdig zu arbeiten hat, um sich reif und fähig zu machen, das Licht der geistigen Sonne zu empfangen. Sonst wird sie für ihn ein Blendwerk sein, das sein geistiges Schauen eher zerstört, sein geistiges Auge eher blendet, als dass sie es entwickelt. Die geistige Welt verschließt sich nicht vor uns, sie zeigt uns, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln, ihre Geheimnisse, verlangt aber von uns, dass wir uns reif machen, diese Geheimnisse erst dann zu schauen, wenn wir durch Harmonie unser Leben heften auf den Rhythmus, der alles belebt und durchwebt, wenn wir ins Auge fassen, dass wir nicht stürmisch in die geistige Welt eindringen dürfen, sondern uns Schritt für Schritt reif machen müssen, dass wir erst die Bedingungen schaffen müssen, durch die wir uns umwandeln. Dann werden wir zu unserm Heile, nicht zu unserm Unheil, eintreten in die erhabene Geisteswelt.
[ 61 ] Das Hinentwickeln zur geistigen Welt ist in Wirklichkeit für uns nicht mit Krankheitsgefahren verknüpft. Wenn den Strebenden Krankheit befällt, dann ist nicht das geistige Leben schuld daran, sondern der Mensch, der nicht in richtiger Weise handelt, ist selber schuld daran. Und wenn ein solcher Mensch bemerkt, dass er Fehler begangen hat, braucht er nicht darob zu verzweifeln. Denn selbst unsere Fehler werden von höherer Weisheit doch wieder in richtige Bahnen gelenkt, sodass auch diese Befürchtung uns nicht entbindet von der Pflicht, alles zu tun, was uns reif machen wird, die geistige Sonne zu empfangen, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln wollen.
[ 61 ] Das Hinentwickeln zur geistigen Welt ist in Wirklichkeit für uns nicht mit Krankheitsgefahren verknüpft. Wenn den Strebenden Krankheit befällt, dann ist nicht das geistige Leben schuld daran, sondern der Mensch, der nicht in richtiger Weise handelt, ist selber schuld daran. Und wenn ein solcher Mensch bemerkt, dass er Fehler begangen hat, braucht er nicht darob zu verzweifeln. Denn selbst unsere Fehler werden von höherer Weisheit doch wieder in richtige Bahnen gelenkt, sodass auch diese Befürchtung uns nicht entbindet von der Pflicht, alles zu tun, was uns reif machen wird, die geistige Sonne zu empfangen, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln wollen.
