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Appendix to the Public Lectures
GA 85

8 March 1910, Stuttgart

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

11. Askese und Krankheit

11. Asceticism and Illness

[ 1 ] Es ist schon wiederholt darauf hingewiesen worden, wie der Mensch zu dem, was die geisteswissenschaftliche Erkenntnis gibt, kommt durch eine besondere Methode der Entwicklung seiner verborgenen Seelenfähigkeiten und Seelenkräfte. Und es ist insbesondere betont worden, dass der Mensch durch eine solche Entwicklung der Seelenkräfte im geistigen Sinne das wird, was man nennen kann einen Erweckten, einen Eingeweihten, einen Geistesforscher, sodass wir sagen können: Es ist eine Art anderer Bewusstseinszustand, eine Art anderer Seelenverfassung, aus welcher heraus die geistigen Erkenntnisse, die durch die Geisteswissenschaft mitgeteilt werden, gewonnen werden.

[ 1 ] It has been pointed out repeatedly how a person arrives at the insights provided by spiritual science through a special method of developing their hidden soul faculties and soul powers. And it has been emphasized in particular that through such a development of the soul’s powers, a person becomes, in the spiritual sense, what might be called an awakened being, an initiate, or a spiritual researcher, so that we can say: It is a different kind of state of consciousness, a different kind of soul disposition, from which the spiritual insights communicated through spiritual science are gained.

[ 2 ] Es liegt nun gewissermaßen in der Natur der geistigen Entwicklung der letzten Jahrhunderte, diejenigen Methoden, welche der Mensch anzuwenden hat auf sein Seelenleben, um ein Geistesforscher zu werden, und die ja auch schon skizzenhaft charakterisiert worden sind − diese Methoden näher zusammenzubringen mit dem, was sehr häufig Askese genannt wird. Und es liegt gegenüber dem Bewusstsein des modernen Menschen wiederum gar nicht so fern, den Begriff der Askese zusammenzubringen mit allerlei weltfremden Machinationen in Bezug auf das eigene Seelenleben und den eigenen Leib des Menschen überhaupt.

[ 2 ] It is, in a sense, inherent in the nature of spiritual development over the past few centuries to bring those methods—which a person must apply to their inner life in order to become a spiritual researcher, and which have already been outlined in broad terms—closer together with what is very often called asceticism. And for the modern human consciousness, it is not at all far-fetched to associate the concept of asceticism with all sorts of unworldly schemes concerning one’s own inner life and one’s own body in general.

[ 3 ] Es ist nun immer von gewissem Nutzen für eine Verständigung einer solchen Richtung, wie die Geisteswissenschaft es ist, mit dem Zeitbewusstsein, wenn gewisse Irrtümer und Missverständnisse richtiggestellt werden, welche eigentlich recht nahe liegen. Nahe liegen Missverständnisse und Irrtümer, die der moderne Mensch haben kann gegenüber der Geisteswissenschaft, wenn er diese zusammenbringt mit dem, was Askese genannt wird, und wenn versucht wird, aus allerlei Dingen, die man so hört, die Geisteswissenschaft mit dem, was man Askese nennt, zusammenzubringen. Und das Missverständnis muss nahe liegen, weil durch die ganze geistige Entwicklung der letzten Jahrhunderte und des Mittelalters überhaupt der Begriff der Askese im Wesentlichen verschoben worden ist gegenüber dem, was in ältern Zeiten, vor allen Dingen in den Zeiten der griechischen Entwicklung, mit dem Worte, das heute als Askese bezeichnet wird, gemeint worden ist.

[ 3 ] It is always of some benefit for an understanding of a discipline such as spiritual science to clarify certain errors and misunderstandings that are actually quite common. Misunderstandings and errors are all too easy for modern people to fall into regarding spiritual science when they equate it with what is called asceticism, and when they attempt, based on all sorts of things they hear, to equate spiritual science with what is called asceticism. And this misunderstanding must be obvious because, throughout the entire spiritual development of the last few centuries and of the Middle Ages in general, the concept of asceticism has essentially shifted from what was meant in earlier times—especially during the Greek period—by the word that is today referred to as “asceticism.”

[ 4 ] Wenn man das Wort «Askese» in dem Sinne nimmt, wie es genommen worden ist in der griechischen GeistesEntwicklung, dann dürfen wir sagen, dass jene Übungen, welche der Geistesforscher durchzumachen hat, um in die geistige Welt einzudringen, jene Methoden, die er zu diesem Ziele anzuwenden hat, in einer gewissen berechtigten Art mit dem Ausdruck Askese bezeichnet werden; dass dann aber dieser Ausdruck sich ganz wesentlich unterscheidet von dem, was man aus der Entwicklung des Mittelalters heraus heute so bezeichnet. Es ist notwendig, um uns zu verständigen über den Begriff, der von gewisser Seite her jenen Übungen und Methoden beigelegt wird, denen sich der Geistesforscher oder der Mensch, der zum geistigen Schauen kommen will, zu unterwerfen hat, diese Übungen von einem gewissen Gesichtspunkte aus ins Auge zu fassen.

[ 4 ] If we take the word “asceticism” in the sense in which it was used in the development of Greek thought, then we may say that those exercises which the spiritual researcher must undergo in order to penetrate the spiritual world—those methods he must apply to this end—may, in a certain justified sense, be described by the term “asceticism”; but that this term differs quite fundamentally from what is understood by it today, based on developments in the Middle Ages. In order to understand the concept attributed by certain quarters to those exercises and methods to which the spiritual researcher—or the person who wishes to attain spiritual vision—must submit, it is necessary to consider these exercises from a certain perspective.

[ 5 ] Was will der Geistesforscher? Er will auf einem höheren geistigen Gebiete das erreichen, was auf einem niedrigeren Gebiete zum Beispiel durch das Aufschließen eines krankhafterweise untätigen Sinnes erreicht werden kann. Was erreicht wird bei einem Blindgeborenen durch eine erfolgreiche Augenoperation, das Hereinfluten einer neuen Welt, die aber immer vorhanden ist, das wird für den Geistesforscher erreicht dadurch, dass er die skizzierte Methode anwendet und dadurch erschlossen erhält etwas, was schlummernd, untätig auch vorhanden ist, nämlich das geistige Auge und das geistige Ohr; wodurch auf ihn hereinflutet eine Welt von geistigen Tatsachen und Tönen, die immer da sind, für die wir uns aber die geeigneten Organe aneignen müssen. Wenn der Geistesforscher das anstrebt, so erreicht er es dadurch, dass er durch drei Stufen seines Seelenlebens hinauftritt.

[ 5 ] What does the spiritual researcher seek? He seeks to achieve on a higher spiritual plane what can be achieved on a lower plane—for example, by awakening a sense that has been pathologically dormant. What is achieved in a person born blind through successful eye surgery—the influx of a new world that has always been present—is achieved for the spiritual researcher by applying the method outlined here, thereby unlocking something that is also present, though dormant and inactive: namely, the spiritual eye and the spiritual ear; through which a world of spiritual facts and sounds—which are always there, but for which we must acquire the appropriate organs—floods into him. If the spiritual researcher strives for this, he achieves it by ascending through three stages of his soul life.

[ 6 ] Jene Erkenntnis, welche die Erkenntnis unseres heutigen Alltags ist, durch die wir die sinnlichen Dinge um uns herum wahrnehmen, uns Begriffe von denjenigen Dingen machen, die von außen her die Anregung geben, jene Erkenntnis, die die alltägliche genannt werden darf, die ist für die Geisteswissenschaft nur eine Stufe der Erkenntnis, und zwar die unterste. Dann kann der Geistesforscher aber hinaufdringen durch entsprechende Übungen zu einer höheren Stufe der Erkenntnis. Er kann zunächst hinaufdringen zu jener Stufe, die man nennt die imaginative Erkenntnis. Sie ist nicht aus dem Grunde so genannt, weil wir uns Einbildungen und Imaginationen hingeben mit dieser Erkenntnis, sondern weil wir dadurch, dass die innern Sinne, die geistigen Augen und die geistigen Ohren geweckt werden, in der Tat Bilder vor unserer Seele haben, die nicht bloße Bilder sind, sondern Abbilder, zwar nicht äußerer physischer Wirklichkeiten, wohl aber geistiger Wirklichkeiten sind, die uns umgeben.

[ 6 ] That form of knowledge which constitutes our everyday awareness—through which we perceive the sensory objects around us and form concepts of those things that provide external stimuli—that form of knowledge, which may be called “everyday knowledge,” is, for spiritual science, only one stage of knowledge, and indeed the lowest one. However, through appropriate exercises, the spiritual researcher can then ascend to a higher level of knowledge. He can first ascend to the level known as imaginative knowledge. It is not called this because we indulge in fantasies and imaginings with this kind of knowledge, but because, as the inner senses—the spiritual eyes and ears—are awakened, we do indeed have images before our soul that are not mere images, but representations—not of external physical realities, but of the spiritual realities that surround us.

[ 7 ] Wenn wir uns ein wenig eine Vorstellung machen wollen, wie solches vor sich geht, müssen wir etwas, was besonders im zweiten Teil meiner Geheimwissenschaft besprochen ist, uns vor die Seele rücken. Dort ist gesagt, wie so etwas entsteht wie diese imaginative Erkenntnis, was für Empfindungsimpulse wir uns vor unsere Seele rücken müssen, damit sie aufgerufen werden, diese schlummernden Kräfte, um aus ihnen diese höheren Erkenntnisformen geboren werden zu lassen. Dazu sind die dort erwähnten Seelenvorstellungen nicht da, um irgendeine äußere Wahrheit abzubilden, sondern dazu sind diese Gedanken da, dass sie wirksame Kräfte der Seele sein sollen, die uns aufrütteln, um uns zu höheren Stufen aufsteigen zu lassen.

[ 7 ] If we want to get a little sense of how this process works, we must bring to mind something that is discussed in particular in the second part of my Secret Science. There it is explained how something like this imaginative insight arises—what kinds of sensory impulses we must bring to the forefront of our soul so that these dormant powers may be awakened, allowing these higher forms of insight to be born from them. The soul images mentioned there are not intended to represent any external truth; rather, these thoughts are meant to be active forces of the soul that stir us, enabling us to ascend to higher levels.

[ 8 ] Diese höhere Erkenntnis ist es, die dadurch entsteht, dass zum Beispiel der geistige Schüler von dem geistigen Lehrer angeleitet wird, sich die Entwicklung der Welt in folgender Weise vorzustellen und sie empfindungsgemäß sich vor die Seele zu rücken. Da wird der Schüler im Geiste angeregt zu sagen: Ich sehe da eine Pflanze, sie wurzelt im Boden und wächst nach oben, sie entwickelt Blätter und Blüten. Sehe ich diese Pflanze an, so zeigt sie eine innere Gesetzmäßigkeit, sie folgt in ihrer Entwicklung einer innern Notwendigkeit. Ich sehe nun von der Pflanze herauf zum Menschen und sage mir: Dieser Mensch ist von einem gewissen Gesichtspunkte aus vollkommener als die Pflanze. Sie ist ja nicht imstande, sich ein Spiegelbild von der äußern Welt zu verschaffen. Der Mensch aber ist imstande, in seinen Vorstellungen, Empfindungen und Wahrnehmungen Spiegelbilder der äußern Wirklichkeit sich vor die Seele zu stellen.

[ 8 ] This higher insight arises, for example, when the spiritual student is guided by the spiritual teacher to envision the development of the world in the following way and to bring it vividly before the soul. The student is then inspired in spirit to say: I see a plant there; it is rooted in the ground and grows upward; it develops leaves and flowers. When I look at this plant, it reveals an inner lawfulness; in its development, it follows an inner necessity. I now look up from the plant to the human being and say to myself: From a certain point of view, this human being is more perfect than the plant. After all, the plant is not capable of forming a mirror image of the external world. The human being, however, is capable of bringing mirror images of external reality before the soul through his or her ideas, feelings, and perceptions.

[ 9 ] Damit der Mensch diese Stufe erreichen konnte, war notwendig, dass er mit in Kauf nahm die Tatsache, dass er jetzt aus seinem Innern heraus nicht einer ihn unbedingt zwingenden Notwendigkeit folgen muss wie die Pflanze, die dieser Notwendigkeit willenlos folgt, sondern dass er unterworfen ist seinen eigenen Trieben, Begierden und Leidenschaften. Es ist der Mittelpunkt seines Strebens in ihn selbst gelegt. Dadurch ist er eine Stufe heraufgestiegen, aber zu gleicher Zeit ist er, wenn wir ihn empfindungsgemäß mit der Pflanze vergleichen, eine Stufe hinabgestiegen. Die Pflanze folgt keusch, ohne Begierde, ohne Lust und ohne Wunsch den ihr eingeprägten Gesetzen, der Mensch dagegen entwickelt Leidenschaften, Begierden und kann irren. Dadurch ist er gewissermaßen hinuntergestiegen.

[ 9 ] For humans to reach this stage, it was necessary for them to accept the fact that they are no longer compelled from within to follow an absolute necessity—as the plant does, which follows this necessity without will of its own—but that they are subject to their own drives, desires, and passions. The focus of his striving is placed within himself. Through this, he has ascended one level, but at the same time—if we compare him intuitively to a plant—he has descended one level. The plant follows the laws imprinted upon it chastely, without desire, without lust, and without wish; human beings, on the other hand, develop passions and desires and are capable of error. In this sense, they have, so to speak, descended.

[ 10 ] Und jetzt kann der Schüler vor seine Seele stellen das reale Ideal, dass er sein eigenes Innere mache zu etwas, was von selbst frei aus innerem Willen heraus folgt einer geistigen Gesetzmäßigkeit wie die Pflanze. Dazu muss der Mensch sich reinigen, läutern, muss das Selbstsüchtige seiner Begierden abstreifen. Wenn wir diese beiden Wesen, Pflanze und Mensch, so vergleichen, so kann uns werden dasjenige, was in der Pflanze pulsiert, was die Pflanze von oben nach unten durchdringt, und das, was den Menschen durchdringt von unten nach oben, zu einem Sinnbild des keuschen Pflanzenwesens und des von Leidenschaften durchdrungenen Menschenwesens. Wir können im roten Blute sehen den Ausdruck der von Leidenschaften und Begierde durchdrungenen Menschenseele, und wir können im reinen grünen Saft der Pflanze den Ausdruck der Pflanze erkennen, die irrtumfrei ihren ewigen keuschen Gesetzen folgt. Und wenn wir das Blut als den Ausdruck der Tatsache nehmen, die wir soeben vor unsere Seele gestellt haben, dann können wir sagen: Wenn der Mensch so weit gekommen sein wird, dass er sein Blut so gereinigt und geläutert hat, dass in ihm fließen wird der keusche Pflanzensaft, dann hat der Mensch sich zum Herrn seiner Natur gemacht, dann ist er der Herr und König über seine Leidenschaft. Er beherrscht sie, und es kann uns dann werden jene Umwandlung des Blutes in den roten Rosensaft, der das Symbolum des reinen, keuschen Menschen ist.

[ 10 ] And now the student can set before his soul the real ideal: that he make his own inner being something that, of its own accord and out of inner will, follows a spiritual law just as the plant does. To do this, a person must purify and refine himself; he must shed the selfishness of his desires. When we compare these two beings—plant and human—in this way, what pulsates within the plant, what permeates the plant from top to bottom, and what permeates the human being from bottom to top, can become a symbol of the chaste plant being and the human being permeated by passions. We can see in the red blood the expression of the human soul permeated by passions and desires, and we can recognize in the pure green sap of the plant the expression of the plant, which follows its eternal, chaste laws without error. And if we take the blood as the expression of the fact we have just set before our soul, then we can say: When a human being has progressed to the point where he has purified and refined his blood to such an extent that the chaste sap of the plant flows within him, then that human being has made himself the master of his nature; then he is the lord and king over his passions. He masters them, and we may then experience that transformation of blood into the red rose juice, which is the symbol of the pure, chaste human being.

[ 11 ] Wenn wir diesen Vergleich anstellen, dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, dass wir eine äußere Wahrheit ausdrücken. Solche Vorstellungen sind nicht geeignet, äußere Wirklichkeiten zu bilden. Wenn wir uns aber ganz illusionsfrei diesen Vorstellungen hingeben, sodass sie nur auf unsere Seele als Symbolum, als Bild wirken – dann brauchen sie auch nicht mit der Naturwissenschaft übereinzustimmen; sie haben nur die Aufgabe, als kräftige Empfindungsimpulse auf die Seele zu wirken –, dann werden wir die Entdeckung machen, dass sie verborgene Kräfte und Fähigkeiten wecken, die sich zuletzt als Geistes-Augen und Geistes-Ohren entpuppen. Dieser Vorgang wird also symbolisch, sinnbildlich dargestellt unter dem Rosenkreuz. Die niedere Natur können wir uns vorstellen als etwas absterbendes, wie das tote Holz eines Kreuzes, und das, was als höhere Natur in uns aufsprießt, können wir uns vorstellen als rote Rosen, und wir können die Empfindungen bei diesem Symbolum in aller Seelenwärme durchempfinden.

[ 11 ] When we make this comparison, we must not succumb to the illusion that we are expressing an external truth. Such ideas are not suited to representing external realities. But if we surrender to these ideas entirely free of illusion, so that they act only upon our soul as symbols, as images—then they need not correspond with the natural sciences; their sole purpose is to act upon the soul as powerful impulses of feeling—then we will discover that they awaken hidden powers and abilities that ultimately reveal themselves as spiritual eyes and spiritual ears. This process is thus symbolically represented by the Rose Cross. We can imagine the lower nature as something withering away, like the dead wood of a cross, and what sprouts within us as the higher nature, we can imagine as red roses, and we can feel the emotions evoked by this symbol with all the warmth of our soul.

[ 12 ] Diese Seelenwärme durchfühlen, die den ganzen Sinn der Entwicklung vom Niedern zum Höhern ausdrückt, das können wir, wenn das dürre Holz mit den roten Rosen vor uns steht. Wir sagen: Der rote Rosensaft ist das Symbolum des über seine Leidenschaften Herr gewordenen Menschen. Bei Goethe finden wir auch einen Hinweis hierauf in dem Satze:

[ 12 ] We can feel this warmth of the soul—which expresses the very essence of the development from the lower to the higher—when the withered tree with the red roses stands before us. We say: The red rose juice is the symbol of the human being who has mastered his passions. In Goethe, we also find a reference to this in the sentence:

Wer das nicht hat,
Dieses: Stirb und Werde,
Der bleibet stets ein trüber Gast
Auf der dunkeln Erde.

Whoever lacks this,
This: Die and Be Reborn,
Will always remain a gloomy guest
On this dark earth.

[ 13 ] Aber nicht abtöten sollen wir unsere Triebe und Wünsche, sondern Herr unserer niedern Natur sollen wir werden, sodass eine höhere Natur sich in uns entfalten kann.

[ 13 ] But we should not suppress our instincts and desires; rather, we should become masters of our lower nature so that a higher nature can unfold within us.

[ 14 ] Damit soll ein Beispiel charakterisiert sein, wie der Geistesforscher seine Seele in innern Übungen vorbereitet, indem er symbolische Vorstellungen, bezüglich deren er sich aber keinen Illusionen hingibt, auf seine Seele wirken lässt. Dadurch wird er emporgehoben werden, wird er den Augenaufschluss erleben, wird hineinschauen in die geistige Welt. Es fühlten hervorragende Geister den Sinn des Bildes, das eben vor Ihnen entwickelt worden ist. So sagt zum Beispiel Schiller:

[ 14 ] This is intended to illustrate how the spiritual researcher prepares his soul through inner exercises by allowing symbolic images—regarding which, however, he harbors no illusions—to take effect upon his soul. Through this, he will be uplifted, he will experience an opening of the eyes, and he will gaze into the spiritual world. Outstanding minds have sensed the meaning of the image that has just been presented to you. Schiller, for example, says:

Suchst du das Höchste? Die Pflanze kann es dich lehren
Die willenlos das Gute tut.

Are you searching for the highest truth? This plant can teach it to you
That does good without any will of its own.

[ 15 ] Er stellt uns hier die Pflanze als Vorbild hin. Angelus Silesius sagt: «Die Rose fragt nicht warum, sie blüht.» Und weil sie blüht, ohne zu fragen, warum, deshalb stellt er sie als das Vorbild des Herr über seine Natur gewordenen Menschen hin.

[ 15 ] Here, he presents the plant as a model. Angelus Silesius says: “The rose does not ask why; it simply blooms.” And because it blooms without asking why, he presents it as the model of a human being who has become master of his own nature.

[ 16 ] Durch solche Bilder können wir zum geistigen Schauen, zur Imagination vordringen. Haben wir dann noch die weitere Ausdauer, dann kommen wir zu noch höheren Stufen der geistigen Wahrnehmung: zur Inspiration und Intuition.

[ 16 ] Through such images, we can advance to spiritual vision, to imagination. If we then have the perseverance to continue, we will reach even higher levels of spiritual perception: inspiration and intuition.

[ 17 ] Das, was der Geistesforscher durch diese hohen Stufen der Erkenntnis in der geistigen Welt findet, kann nicht durch bloße Verstandeskombinationen gefunden werden. Wenn es aber in Worte gefasst ist, kann ein jeder es verstehen, der sich seinem Wahrheitssinn hingibt. Daher darf das, was der Welt mitgeteilt wird, nicht abgefertigt werden mit dem Ausspruch: Was geht das die Menschen an, die nicht selbst hineinschauen können in die geistige Welt? – Die Geistesforscher können es in Worte prägen, dann ist es allgemein verständlich für das gesunde Wahrheitsgefühl. So kann der Schüler diese Wahrheiten in sich aufnehmen, und indem er sie mit seinem logischen Denken verarbeitet, werden sie das Mittel, das die höheren Seelenkräfte, die in ihm schlummern, aus seiner Seele heraus weckt. Dadurch sucht der Schüler, der Geistesforscher sich über das Maß des gewöhnlichen Menschendaseins hinauszuentwickeln. Solches Sich-Hinausentwickeln über ein Maß, das man augenblicklich erreicht hat, eine solche Steigerung der menschlichen Existenzgrundlagen, das war es, was man in den gesunden Zeiten und Gebieten des geistigen Lebens immerzu mit dem Worte «Askese» bezeichnet hat.

[ 17 ] What the spiritual researcher discovers in the spiritual world through these higher levels of knowledge cannot be discovered through mere intellectual reasoning. But once it is put into words, anyone who surrenders to their sense of truth can understand it. Therefore, what is communicated to the world must not be dismissed with the remark: “What does this have to do with people who cannot themselves look into the spiritual world?”—Spiritual researchers can put it into words, and then it becomes universally understandable to a sound sense of truth. In this way, the student can take these truths into himself, and as he processes them with his logical thinking, they become the means by which the higher soul forces slumbering within him are awakened from his soul. Through this, the student—the spiritual researcher—seeks to develop beyond the limits of ordinary human existence. Such a development beyond the level one has currently attained—such an elevation of the foundations of human existence—is what has always been referred to as “asceticism” in the healthy eras and spheres of spiritual life.

[ 18 ] Askese soll wirklich in ursprünglicher Bedeutung nichts anderes andeuten als eine Methode, durch die sich die Menschen zu höheren Fähigkeiten entwickeln, als sie vorher besaßen. Daher wurde in der Griechenwelt das Wort «Askesis» angewendet zum Beispiel auf den Athleten, der seine physischen Kräfte über ein ihm zuteil gewordenes Maß hinausentwickelte. Der Mensch, welcher einen andern, der seine äußern Kräfte entwickelt, um Athlet zu werden, einen Asketen nennt, würde von seinen Mitmenschen mit dem heutigen Bewusstsein ein Narr genannt werden. Dennoch würde dieser Mensch, der den andern einen Asketen nennt, hiermit dem griechischen Sprachgebrauch vollständig entsprechen, denn Askese ist das, was dazu führt, den Menschen über ein gewisses Maß der Existenz hinauszuführen.

[ 18 ] In its original meaning, asceticism really implies nothing more than a method through which people develop abilities greater than those they previously possessed. For this reason, in ancient Greece, the word “askesis” was applied, for example, to the athlete who developed his physical strength beyond the measure naturally granted to him. A person who calls another—who is developing his physical strength to become an athlete—an “ascetic” would be considered a fool by his fellow human beings with today’s understanding. Nevertheless, this person, who calls the other an ascetic, would be fully in line with Greek usage, for asceticism is that which leads a person beyond a certain level of existence.

[ 19 ] Und nun wollen wir die Frage aufwerfen: Unter welchen Bedingungen ist es dem Menschen möglich, ohne Gefährdung des Lebens über ein ihm zugeteiltes Maß geistiger Erkenntnisse hinaufzusteigen? Wenn wir dadurch, dass wir diese Frage näher erörtern, eindringen wollen in das Wesen der wahren Askese, dann müssen wir uns den Begriff der Askese noch genauer vor Augen stellen. Da muss zunächst der Natur der Sache nach verknüpft sein mit dem Begriff der Askese die Tatsache, dass der Mensch Kräfte und Fähigkeiten entwickelt, und dass er, während er sie entwickelt, gewissermaßen verzichtet auf ihre unmittelbare Anwendung.

[ 19 ] And now let us raise the question: Under what conditions is it possible for a person to rise above the measure of spiritual knowledge allotted to him without endangering his life? If, by discussing this question in greater detail, we wish to penetrate the essence of true asceticism, then we must examine the concept of asceticism even more closely. First of all, by its very nature, the concept of asceticism must be linked to the fact that a person develops powers and abilities, and that, while developing them, he, in a sense, refrains from their immediate application.

[ 20 ] Gewöhnlich entwickelt sich der Mensch so, dass er in der gewöhnlichen Lebensbetätigung seine Kräfte entwickelt. Das ist insbesondere beim erwachsenen Menschen der Fall. Näher kommen wir schon dem Begriff der Askese, wenn wir auf das Lernen des Kindes hinblicken. Wenn das Kind lernt, so verzichtet man gewöhnlich beim Lernen darauf, dass die Betätigung auch unmittelbare Lebensfähigkeit, Lebensarbeit ist. Man entwickelt Fähigkeiten wie zum Beispiel das Schreiben. Während beim erwachsenen Menschen diese Fähigkeit hinausrinnt in Lebensarbeit, wird beim Kinde darauf gesehen, dass ohne unmittelbares Einfließen dessen, was aus der Fähigkeit hervorgeht, diese Fähigkeit weiterentwickelt werde, sodass ihre Steigerung mit Verzicht auf den unmittelbaren Erfolg der Betätigung etwas ist, was dem Begriff der Askese schon näher führt; und die Askese in dem Sinne, wie sie jetzt auch durch die Methode des Geistesforschers charakterisiert worden ist, sie ist im eminentesten Sinne die Entwicklung von Fähigkeiten und Kräften der Menschenseele, bei denen man zunächst verzichtet auf unmittelbaren Erfolg der Arbeit. Man zieht sich zurück in sich selber, um solche Seelenfähigkeiten zu entwickeln, solche Kräfte aus der Seele herauszuholen. Und man sagt sich: Ich will eine Weile an mir arbeiten so, dass meine Arbeit in Bezug auf das, was ich will, nicht auf die Außenwelt gerichtet ist, sondern dass sie gerichtet ist auf mich selber. Ich erlange dadurch eine Steigerung meines Wesens. – Und das ist, was im eminentesten Sinne zum Begriff der Askese gehört. Sie richtet sich auf eine Steigerung der Fähigkeiten, sodass während der Entwicklung verzichtet wird auf Betätigung der Fähigkeiten und abgewartet wird, bis die Stufe erreicht ist, um dann das zu erlangen, wozu diese Fähigkeiten führen können.

[ 20 ] Usually, a person develops in such a way that they cultivate their abilities through ordinary daily activities. This is particularly true of adults. We come closer to the concept of asceticism when we consider a child’s learning. When a child learns, the activity is not typically viewed as a direct expression of life or as life’s work. Skills such as writing are developed. While in adults this skill flows directly into their life’s work, in children the focus is on further developing the skill without the immediate application of what results from it, so that its improvement—achieved by foregoing the immediate success of the activity—is something that brings us closer to the concept of asceticism; and asceticism, in the sense in which it has now also been characterized by the method of the spiritual researcher, is, in the most eminent sense, the development of the human soul’s abilities and powers, in which one initially renounces the immediate success of the work. One withdraws into oneself in order to develop such soul capacities, to draw such powers out of the soul. And one says to oneself: I want to work on myself for a while in such a way that my work, in relation to what I want, is not directed toward the external world, but is directed toward myself. Through this, I achieve an enhancement of my being. – And that is what, in the most eminent sense, belongs to the concept of asceticism. It is directed toward an enhancement of one’s faculties, so that during this development one refrains from exercising those faculties and waits until the appropriate stage is reached, in order to then attain what these faculties can lead to.

[ 21 ] Derjenige, der sich im wahren, im gesunden Sinne einer solchen Askese hingibt, sagt sich: Ich werde diese Übung ausführen; ich weiß ganz gut, dass ich lange, lange Zeit hindurch solche Übungen anwenden muss, dass ich lange Zeit hindurch [eine] innere Tätigkeit üben muss, die ohne Frucht bleiben wird; aber ich weiß auch, dass später eine Zeit eintreten wird − mag es in der Zeit zwischen Geburt und Tod oder sonst wann sein −, ich weiß, dass der Zeitpunkt eintreten wird, wo ich eingreifen werde in das Getriebe der Welt, wo ich die erworbenen Fähigkeiten auch verwerten kann. Es ist wahr, dass wir arbeiten an unsern Fähigkeiten ohne unmittelbare Anwendung dieser Fähigkeiten auf das, wozu sie angewendet werden sollen.

[ 21 ] The one who devotes himself to such asceticism in the true, healthy sense says to himself: I will perform this exercise; I know full well that I must practice such exercises for a long, long time, that for a long time I must engage in an inner activity that will bear no fruit; but I also know that a time will come later—whether in the period between birth and death or at some other time—I know that the moment will come when I will intervene in the workings of the world, when I will be able to put the skills I have acquired to use. It is true that we work on our abilities without immediately applying them to the very purpose for which they are intended.

[ 22 ] So sonderbar es klingen wird: Das beste Beispiel einer Askese im gesunden Sinne kann man doch finden für unser modernes Leben in einem Manöver. Da werden Fähigkeiten entwickelt bei den betreffenden Heeresabteilungen, die bezwecken eine Steigerung von Können und Kraft. Aber während sie im Manöver ausgeübt werden, bedeutet es eigentlich nur, dass an der Ausbildung der Fähigkeiten gearbeitet wird, und es muss verzichtet werden auf das, was im Ernstfall ist, das, wozu letzten Endes diese Fähigkeiten bestimmt sind. Auf das, wie man sonst über diese militärischen Übungen denken mag, kommt es ja hier nicht an. Wollen wir uns aber den Begriff der Askese an einem modernen Beispiel vor Augen führen, so ist das beste Beispiel die Tätigkeit, die wir im Manöver erblicken. Es ist zwar grotesk, aber zur Definition der Askese gut geeignet.

[ 22 ] As strange as it may sound, the best example of asceticism in the healthy sense can be found in a military exercise. During such exercises, the relevant army units develop skills aimed at increasing their proficiency and strength. But while these skills are practiced during maneuvers, it actually means only that work is being done to develop them, and one must forgo what happens in a real emergency—that is, the very purpose for which these skills are ultimately intended. It doesn’t matter here what one might otherwise think about these military exercises. But if we want to illustrate the concept of asceticism with a modern example, the best example is the activity we observe in a military exercise. It is grotesque, to be sure, but well suited for defining asceticism.

[ 23 ] Also, wer Askese ausübt, will Fähigkeiten und Kräfte in seiner Seele ausbilden, ohne deren unmittelbare Betätigung zu verlangen, sodass als Ideal vor seiner Seele steht: die Betätigung dieser Fähigkeiten und Kräfte in der Zukunft zu erreichen. Das ist das Ziel dessen, der sich hinaufarbeitet zu den höhern Erkenntnissen der geistigen Untergründe des Daseins.

[ 23 ] Thus, those who practice asceticism seek to develop abilities and powers within their souls without demanding their immediate exercise, so that the ideal before their souls is to achieve the exercise of these abilities and powers in the future. This is the goal of those who strive to attain the higher insights into the spiritual foundations of existence.

[ 24 ] Wie aber stellt sich ein solches Arbeiten an sich selber zu den übrigen Lebensbetätigungen und Verhältnissen des Menschen? So, wie diese Methode heute angewendet wird, müssen wir vor allen Dingen scharf ins Auge fassen, dass niemand, der auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft steht und die Mittel und Wege angibt, um die Seelenfähigkeiten zu steigern, dies tut, ohne dass er zugleich verlangt, dass jene Mitteilungen aus der geistigen Welt, welche sich auf bereits Erforschtes beziehen, erst angeeignet werden durch ein rein vernunftgemäßes Begreifen der Dinge. So wird es heute gemacht, wenn demjenigen Anleitungen gegeben werden, der selbst eindringen will in die geistige Welt. Es wird ihm gesagt: Übungen kannst du in deiner Seele machen, aber du darfst es nicht tun, ohne den guten Willen zu haben zu lernen, das, was du tust, zu begreifen mit dem gewöhnlichen Menschenverstand, mit der Vernunft, die der Mensch im Alltagsleben hat.

[ 24 ] But how does such work on oneself relate to a person’s other life activities and circumstances? As this method is applied today, we must above all clearly recognize that no one who works in the field of spiritual science and outlines the means and methods for developing the soul’s faculties does so without simultaneously requiring that those messages from the spiritual world—which relate to what has already been explored—be first assimilated through a purely rational understanding of things. This is how it is done today when guidance is given to those who wish to penetrate the spiritual world themselves. They are told: You can perform exercises within your soul, but you must not do so without the willingness to learn to understand what you are doing through ordinary human understanding—through the reason that people possess in everyday life.

[ 25 ] Für ein konkretes Beispiel würde der geistesforschende Lehrer dem geistesforschenden Schüler sagen: Du wirst, wenn du deine geistigen Fähigkeiten ausbildest, durch eigene Erfahrung wissen, dass du schon in wiederholten Erdenleben da warst. Als eigenes Erlebnis wirst du diese Erfahrung machen. Aber bevor du dazu kommen sollst, jene Übungen vorzunehmen, die dir das als unmittelbares Erleben geben können, sollst du dies mit dem gewöhnlichen Verstande begreifen. – Der Lehrer würde sagen: Wir wollen einmal annehmen, wie die Geistesforscher es behaupten, es gebe solche wiederholten Erdenleben. Und nun versuchen wir uns, wenn wir annehmen, dass es solche wiederholten Erdenleben gibt, dass der Mensch mit dem, was er in früheren Erdenleben sich angeeignet hat, durch die Geburt in ein neues Leben eintritt, um die Früchte des früheren Erdenlebens zu genießen, versuchen wir jetzt, das Schicksal des Menschen zu studieren und fragen wir uns jetzt: Können wir das Schicksal leichter und besser begreifen, wenn wir die Annahme von wiederholten Erdenleben voraussetzen? Eine solche Frage und ihre Beantwortung ist eine Tat der gewöhnlichen Vernunft.

[ 25 ] To give a concrete example, a teacher of spiritual research would say to a student of spiritual research: “As you develop your spiritual abilities, you will come to know through your own experience that you have already been here in repeated earthly lives. You will have this experience as your own.” But before you get to the point of performing the exercises that can give you this as a direct experience, you must first grasp this with your ordinary intellect. – The teacher would say: Let’s assume for a moment, as spiritual researchers claim, that such repeated earthly lives exist. And now, if we assume that such repeated earthly lives exist—that a person, through birth, enters a new life with what they have acquired in previous earthly lives in order to enjoy the fruits of those past lives—let us now try to study human destiny and ask ourselves: Can we understand destiny more easily and more fully if we assume the existence of repeated earthly lives? Such a question and its answer are a matter for ordinary reason.

[ 26 ] Wenn Sie alle Umstände richtig in Betracht ziehen, werden Sie sagen: Ja, selber kann ich noch nicht hineinschauen in diese geistigen Tatsachen; aber wenn ich dem Geistesforscher zunächst vertraue − nicht ihm blinden Glauben entgegenbringe, sondern mir sage: Ich will einmal etwas, was ich sonst auch tue im Leben, hier anwenden: Ich will einfach vergleichen. Zum Beispiel, wenn jemand irgendein fremdes Gebilde findet, sagen wir, er hätte zum Beispiel noch nicht eine Muschelschale gesehen, er findet jetzt eine, so würde er sich nach den Kräften der Welt, nach den physischen und chemischen Gesetzen nicht erklären können, dass die Materie sich in dieser Weise bilden kann, er könnte sich nicht erklären können, dass die Materie sich gerade so gebildet hat. Aber er könnte sagen: Nun, ich will einmal probieren, dass ich mir denken kann, dass diese Form herrühre von etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, was aber bewirkt hat, dass sie so geworden ist, wie sie jetzt aussieht. – Wenn er nun darauf kommt, dass ein Tier diese Schale hergestellt hat, dann wird er sagen: Jetzt begreife ich, dass etwas, was jetzt nicht mehr darinnen ist, so sein kann, dass es diese Form hergestellt hat. Wenn ich das Schicksal des Menschen betrachte zwischen Geburt und Tod, werde ich mich fragen: Kann ich dieses Schicksal begreifen, wenn ich annehme, dass der Mensch aus dem Nichts heraustritt? Kann man sich das Schicksal des Menschen erklären, wenn man annimmt, dass der Mensch nur die Eigenschaften seiner Vorfahren aufnimmt? Nein, man kann dies nicht, aber man kann das Leben sofort erklären, wenn man sagt, das Menschenschicksal weist zurück auf frühere Leben. Der Mensch hat sich früher erworben, was jetzt bei ihm herauskommt. Er hat früher Taten begangen, die sich in seinem jetzigen Leben so abdrücken, wie das Tier sich abdrückt in der Muschelschale.

[ 26 ] If you take all the circumstances properly into account, you will say: Yes, I cannot yet see into these spiritual realities myself; but if I trust the spiritual researcher for the time being—not by placing blind faith in him, but by telling myself: I want to apply here something I do in other areas of life as well: I’ll simply make a comparison. For example, if someone finds some unfamiliar object—let’s say, for instance, that he’s never seen a seashell before and now finds one—he wouldn’t be able to explain, based on the forces of the world or on physical and chemical laws, how matter could form in this way; he wouldn’t be able to explain why matter took on precisely this form. But he could say: Well, let me try to imagine that this shape originates from something that is no longer present within it, but which caused it to become what it now looks like. — If he then concludes that an animal produced this shell, he will say: Now I understand that something which is no longer present within it can be such that it produced this shape. When I consider the destiny of human beings between birth and death, I will ask myself: Can I understand this destiny if I assume that human beings emerge from nothing? Can one explain the destiny of human beings if one assumes that they merely inherit the characteristics of their ancestors? No, one cannot, but one can explain life immediately by saying that human destiny points back to past lives. Human beings have previously earned what now manifests in them. They have committed deeds in the past that leave their mark on their present life, just as an animal leaves its mark on a seashell.

[ 27 ] So kann jemand anhand seiner eigenen Vernunft begreifen die Mitteilungen der Geistesforschung. Und das wird vom Schüler zunächst erlangt. Warum ist dem so? Das hat in der heutigen Menschennatur seinen tiefen Grund. Für denjenigen, der seine Begriffe erweitern will, gibt es heute das, was man den Umfang der Geisteswissenschaft nennt. Die Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft überliefern den Menschen Tatsachen einer höheren Welt. Nun gibt es Menschen, die sich so verhalten zu den Mitteilungen dieser Geisteswissenschaft, dass sie sie zunächst abweisen, und sagen: Das ist Unsinn, barockes Zeug, Phantasie einiger Phantasten, das hat nichts zu tun mit dem, was wir im Leben finden. – Solche Stimmungen kann es geben und gibt es im weitesten Umkreise. Die Zahl derjenigen ist größer, die die Geistesforscher für Narren ansehen, als die Zahl der andern.

[ 27 ] In this way, a person can understand the teachings of spiritual science through their own reason. And this is what the student achieves first. Why is this so? There is a deep reason for this in human nature today. For those who wish to broaden their understanding, there is today what is called the scope of spiritual science. The findings of this spiritual science convey to people facts about a higher world. Now there are people who react to the findings of this spiritual science by initially rejecting them and saying: “That’s nonsense, fanciful stuff, the fantasies of a few dreamers—it has nothing to do with what we find in life.” – Such attitudes can exist and do exist on a very wide scale. The number of those whom spiritual researchers regard as fools is greater than the number of the others.

[ 28 ] Woher kommt eine solche Stimmung, die die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweist? Sie hat einen guten Grund, und derjenige, der tiefer hineinblickt, wird nicht sagen: Das sind alles dumme Kerle, die diese Mitteilungen zurückweisen. Er wird vielmehr sagen: Die Menschen haben ihren guten Grund, dass sie die Mitteilungen der Geistesforscher zurückweisen. – Glauben wir es nur, dass wir gar nicht recht tun, wenn wir diejenigen ohne Weiteres verurteilen, die unsere Gegner sind, die behaupten, die Geistesforschung habe nichts zu tun mit dem realen Leben, sie sei krankhaftes Zeug. Wir müssen uns vielmehr klar sein, dass diese Leute gar nicht anders können.

[ 28 ] Where does this attitude come from—one that rejects the findings of spiritual researchers? There is a good reason for it, and anyone who looks more deeply into the matter will not say, “These are all foolish people who reject these findings.” Rather, they will say: People have their good reason for rejecting the findings of spiritual researchers. – Let us simply believe that we are not doing the right thing when we condemn without further ado those who are our opponents, who claim that spiritual research has nothing to do with real life and is nothing but pathological nonsense. We must instead realize that these people simply cannot help themselves.

[ 29 ] Warum können sie nicht anders? Weil in ihnen das wirkt, was wir nennen können einen gewissen Selbsterhaltungstrieb der Seele – die Menschen, die also, wie erwähnt, zu den Mitteilungen der Geistesforscher sagen, sie könnten einfach das, was sie in ihrer Seele erleben, nicht vertragen, könnten nicht verdauen, was aus der Geisteswelt herauskommt, und sie müssen sich selber dadurch schützen vor den Mitteilungen aus dieser Geisteswelt, dass sie sie zurückweisen. Es ist ihr gesunder Instinkt des Selbstschutzes. Wozu würde es führen bei jemandem, der nicht den Willen hat, die Vernunft im weitesten Sinne anzuwenden auf diese Mitteilungen, wenn er diese Mitteilungen der Geistesforscher auf Treu und Glauben annehmen wollte? Er würde aufzunehmen haben eine ganze Menge sogenannter Weisheit, es würde chaotisches Zeug in seiner Seele sein, er würde ertrinken in den Mitteilungen, die er nicht verarbeiten kann.

[ 29 ] Why can’t they do otherwise? Because what is at work within them is what we might call a certain instinct for self-preservation of the soul—that is, people who, as mentioned, respond to the messages from spiritual researchers by saying they simply cannot tolerate what they experience in their souls, cannot process what comes from the spiritual world, and must therefore protect themselves from these messages by rejecting them. It is their healthy instinct for self-protection. What would be the result for someone who lacks the will to apply reason—in the broadest sense—to these messages, if they were to accept the spiritual researchers’ messages at face value? They would have to take in a great deal of so-called wisdom; it would be chaotic stuff in their soul; they would drown in messages they cannot process.

[ 30 ] Es gibt ein geistiges Ertrinken, wenn wir Erkenntnisse auf Autorität hin annehmen, ohne dass wir imstande sind, sie mit unserer gesunden Vernunft zu verarbeiten. Das, was wir entgegenbringen dem Geistesforscher als Abweisung, ist etwas, was auf einen gesunden Selbsterhaltungstrieb hinweist gegenüber dem Ertrinken in unverstandenen Erkenntnissen. Sodass wir uns sagen müssen: Wir erblicken hier etwas von gesunder Seite, allerdings nur von partiell gesunder Seite unserer Zeitgenossen. Es muss natürlich, wenn dieser Instinkt sich so scharf äußert, zu gleicher Zeit für einen solchen Zeitgenossen die Unmöglichkeit vorliegen, seine Seele zum Begreifen dieser Tatsachen zu bringen. Er arbeitet nur nach einer Seite hin, und er versteift sich, auf einer gewissen Stufe stehen zu bleiben, und daher weist er das, was ihn sonst ertrinken lassen könnte; die Ergebnisse der Geistesforschung, ab.

[ 30 ] We experience a kind of intellectual drowning when we accept insights on the basis of authority without being able to process them using our sound reason. What we present to the spiritual researcher as rejection is something that points to a healthy instinct for self-preservation against drowning in insights we do not understand. So we must say to ourselves: We see here something from the healthy side—though only from the partially healthy side—of our contemporaries. Of course, when this instinct manifests itself so sharply, it must at the same time be impossible for such a contemporary to bring his soul to a comprehension of these facts. He works only in one direction, and he stubbornly refuses to move beyond a certain level; therefore, he rejects what might otherwise overwhelm him—the findings of spiritual research.

[ 31 ] Eine andere Gefahr besteht noch in der Geisteswissenschaft. Dieser verfallen jene, welche einen zu starken Drang haben nach allerlei Erkenntnissen, einen Durst, und die nicht zu gleicher Zeit den Willen haben, durch gesunde Vernunft diese Erkenntnisse zu durchdringen. Wie ein Selbsterhaltungstrieb, so ist auch ein Selbstvernichtungstrieb in der menschlichen Seele. Er äußert sich dann, wenn der Mensch durstig alles aufnehmen will, was er nur hören kann über die geistige Welt, wenn er auf blinde Autorität hin alles, was man ihm gibt, verschluckt. In dieser Stimmung zu huldigen, zeigt sich ein Selbstvernichtungstrieb, und diesen Selbstvernichtungstrieb haben jene, die immer sagen: Der Meister hat dies gesagt, dem können wir glauben. – Solche Menschen setzen sich der Gefahr aus, dass sie aufnehmen Dinge, die sie nicht verarbeitet haben, die sie nicht vereinigen können mit ihrem eigenen seelischen Mittelpunkt. Es ist der schlechteste Grundsatz, auf dem Gebiete der Geisteswissenschaft zu sagen: Der Meister hat so gesagt. – Das Richtige ist dieses: Wir verhalten uns weder anerkennend noch ablehnend gegen seine Mitteilungen. Nun ja, wenn er uns etwas sagt, nehmen wir einmal an, es sei richtig. Jetzt aber wenden wir unsere Vernunft an, suchen wir es im Leben zu beweisen, durch Belege zu stützen, verarbeiten wir es also Stück für Stück.

[ 31 ] Another danger lies in the spiritual sciences. Those who fall prey to this danger are those who have an overly strong urge for all kinds of knowledge—a thirst—but who do not at the same time have the will to scrutinize this knowledge through sound reason. Just as there is an instinct for self-preservation, so too is there an instinct for self-destruction in the human soul. It manifests itself when a person thirstily seeks to absorb everything they can hear about the spiritual world, when they blindly swallow everything they are given on the basis of authority. To indulge in this mindset reveals an instinct for self-destruction, and this instinct for self-destruction is found in those who always say: “The Master said this; we can believe it.” — Such people expose themselves to the danger of absorbing things they have not processed, things they cannot integrate with their own spiritual center. It is the worst possible principle in the field of spiritual science to say, “The Master said so.” — The correct approach is this: We neither accept nor reject his teachings outright. Well, when he tells us something, let’s assume for the moment that it is correct. But now let’s apply our reason, let’s seek to prove it in life, to support it with evidence—in other words, let’s process it step by step.

[ 32 ] Was als Extrem, als Gegensatz einerseits im Selbsterhaltungstrieb auftritt, der den Menschen zur Stumpfheit bringen kann, wenn er radikal wirkt, und was anderseits als Selbstvernichtungstrieb wirkt und sich äußert bei denen, die schwören auf das Wort «Der Meister hat’s gesagt», das ist etwas, was in dem gesunden Menschen, der eine geistige Entwicklung durchmachen will, wirken muss, sich gegenseitig harmonisierend, Einklang schaffend. Was als Extrem uns im Leben entgegentritt als der Selbsterhaltungs- und der Selbstvernichtungstrieb, das muss der wahre Askete in seiner Seele wirksam haben als innere Harmonie. Er muss in seiner Seele Gleichklang haben zwischen diesen beiden Dingen: Nicht unbedingt anzunehmen und nicht unbedingt abzulehnen. Beide Dinge müssen in einem gesunden Asketen wirken. Dann kann von wirklicher Askese gesprochen werden. So muss sich derjenige, welcher überhaupt der geistigen Welt entgegentreten will, zu diesen beiden Dingen, dem Selbsterhaltungsund dem Selbstvernichtungstrieb verhalten.

[ 32 ] What appears, on the one hand, as an extreme—as a contrast—in the instinct for self-preservation, which can lead people to dullness when it acts radically, and what, on the other hand, acts as an instinct for self-destruction and manifests itself in those who swear by the words “The Master said it”—this is something that must be at work within the healthy person who seeks spiritual development, harmonizing one another and creating harmony. What confronts us in life as extremes—the instincts of self-preservation and self-destruction—must be present in the true ascetic’s soul as inner harmony. He must have harmony within his soul between these two things: neither necessarily accepting nor necessarily rejecting them. Both must be at work in a healthy ascetic. Only then can one speak of true asceticism. Thus, anyone who wishes to engage with the spiritual world at all must relate to these two things—the instincts of self-preservation and self-destruction.

[ 33 ] Noch etwas anderes ist nötig, wenn man im wahren Sinne üben will, Askese anwenden will. Askese ist ja gleich «üben». Durch die Askese sollen Fähigkeiten, Kräfte in der Seele wachgerufen werden. Wenn dieses Wachrufen von Fähigkeiten und Kräften in der Seele so getrieben wird, dass der Mensch es nicht unterstützt durch das Hingehen zu den Mitteilungen der Geistesforschung, dann werden die Übungen dem Menschen zum Unheil ausschlagen. Deshalb verlangt der Lehrer, der wahre Geistesforscher, so eindringlich, dass man sich mit diesen Mitteilungen beschäftige. Wenn man eine gesunde Summe von Vorstellungen über die geistige Welt hat, die man sich durch Studium angeeignet hat, dann erst ist man in der Lage, die geistigen Fähigkeiten, die in der Seele erwachen wollen, durch die Übungen in [ein] richtiges Verhältnis zu der Gesamtbetätigung zu bringen.

[ 33 ] Something else is necessary if one wishes to practice in the true sense, to engage in asceticism. Asceticism is, after all, synonymous with “practice.” Through asceticism, abilities and powers within the soul are to be awakened. If this awakening of abilities and powers in the soul is pursued in such a way that the individual does not support it by engaging with the findings of spiritual research, then the exercises will turn to the person’s detriment. That is why the teacher—the true spiritual researcher—insists so strongly that one engage with these findings. Only when one has a sound body of knowledge about the spiritual world—acquired through study—is one able to bring the spiritual abilities that seek to awaken in the soul into the proper relationship with one’s overall activity through the exercises.

[ 34 ] Wir wollen einmal annehmen, da ist einer, der sagt: Ach, die Mitteilungen der Geistesforscher, die interessieren mich nicht weiter. Ich will vor allen Dingen selber sehen. Und wenn die Forscher verlangen, dass man erst lernen solle, so ist das Eigensinn, sie wollen nur ihre Weisheit an den Markt bringen. Mir ist es aber darum zu tun, meine eigene Kraft auszubilden, um so selbst hineinzusehen, in die Geisteswelt. – Wer so spricht und handelt, der wird die Erfahrung machen können, dass er, wenn er alles abweist, was ihm gegeben werden kann, was seine Vernunft schult, bevor er seine innern Fähigkeiten entfaltet, dass wohl solche Fähigkeiten in seiner Seele aufwachen, dass er aber dann mit diesen neuen Fähigkeiten nichts anzufangen weiß. Derjenige aber, der da die großen Gesetze weiß, wie sie einmal von den Geistesforschern erforscht worden sind, der weiß in dem Augenblick, wo neue Fähigkeiten auftreten in seiner Seele, diese Fähigkeiten zu deuten und anzuwenden, er weiß etwas mit ihnen zu machen, es ergibt sich ihm dann ein schöner Zusammenklang zwischen dem Gelernten und dem in ihm Hervorkommenden.

[ 34 ] Let’s suppose there is someone who says: “Oh, the reports from spiritual researchers don’t interest me much. Above all, I want to see for myself. And if the researchers insist that one must first learn, that’s just stubbornness—they just want to peddle their wisdom.” But my aim is to develop my own power so that I can look into the spiritual world for myself. — Anyone who speaks and acts in this way will find that if they reject everything that can be given to them—everything that trains their reason—before they develop their inner abilities, such abilities may indeed awaken in their soul, but they will then not know what to do with these new abilities. But the one who knows the great laws—as they were once investigated by spiritual researchers—will, the moment new abilities arise in his soul, know how to interpret and apply these abilities; he will know what to do with them, and a beautiful harmony will then emerge between what he has learned and what arises within him.

[ 35 ] Hat der Mensch aber nicht gelernt, dann kann er es erleben, dass in seiner Seele allerlei sogenannte Hellseherfähigkeiten aufsteigen, allerlei Möglichkeiten, aber er weiß nicht, wofür er sie anwenden kann. Dadurch kann diese Anlage zum Unfug ausarten, zu törichtem Zeug, zur Vorspiegelung aller möglichen scheinbaren Tatsachen der geistigen Welt, während er nichts anderes vor sich hat als das Zerrbild seiner eigenen geistigen Fähigkeiten und Kräfte, die er nicht anzuwenden vermag. Er ist in derselben Lage wie einer, der physische Sinne hat und nicht wüsste, was mit ihnen anfangen.

[ 35 ] But if a person has not learned this, he may find that all sorts of so-called clairvoyant abilities arise within his soul—all sorts of possibilities—yet he does not know how to apply them. As a result, this predisposition can degenerate into nonsense, into foolishness, into the illusion of all sorts of apparent facts from the spiritual world, while all they actually have before them is a distorted image of their own spiritual abilities and powers, which they are unable to apply. They are in the same situation as someone who has physical senses but does not know what to do with them.

[ 36 ] Wenn wir in falscher Mystik zum Ertrinken kommen können, wenn wir blind auf Autorität hin das Gesagte annehmen, so können wir durch falsche innere Entwicklung allerlei Kräfte und Fähigkeiten aus unserer Seele hervorholen, ohne uns vorzubereiten auf das Verständnis dessen, was da hervorkommt. Dies würde zu einem innern Verbrennen in unsern eigenen Fähigkeiten führen. Wie der Selbsterhaltungstrieb sich verlieren kann in dem blinden Glauben, den wir andern entgegenbringen, so können wir durch das, was wir an eigenen Kräften und Fähigkeiten entwickeln, ohne dass wir es anzuwenden wissen, eine Art Verbrennungsprozess durchmachen. Die Kräfte verzehren uns selber, wenn wir sie besitzen, ohne dass wir sie auf irgendetwas anwenden können.

[ 36 ] Just as we can drown in false mysticism—if we blindly accept what is said out of deference to authority—so, through false inner development, we can draw all manner of powers and abilities from our soul without preparing ourselves to understand what emerges. This would lead to an inner burning up of our own abilities. Just as the instinct for self-preservation can be lost in the blind faith we place in others, so too can we undergo a kind of burning process through the forces and abilities we develop without knowing how to apply them. These forces consume us when we possess them but cannot apply them to anything.

[ 37 ] Es gibt einen Prozess des Ertrinkens, wenn ich prüfungslos alles auf Autorität hinnehme, und es gibt einen Prozess des Verbrennens, des Sichaufzehrens in den eigenen Fähigkeiten, wenn wir ablehnen sozusagen die Erkenntnisse, die wir uns aneignen sollen, um dann im rechten Moment unsere innern Fähigkeiten anzuwenden. Beide Extreme müssen wir vermeiden. Wir sollen einen Gleichklang zwischen den Lehren und den innern Fähigkeiten erreichen; wenn wir diesen Gleichklang nicht herstellen wollen, dann werden wir uns bald überzeugen müssen, dass die Lebensbedingungen verletzt werden. Der ganze Mensch wird dadurch zu Unheil kommen.

[ 37 ] There is a process of drowning when I unquestioningly accept everything on authority, and there is a process of burning out, of exhausting oneself through one’s own abilities, when we reject, so to speak, the insights we are meant to acquire so that we may then apply our inner abilities at the right moment. We must avoid both extremes. We should strive to achieve harmony between the teachings and our inner abilities; if we do not seek to establish this harmony, we will soon have to face the fact that the conditions of life are being violated. The whole person will thereby come to ruin.

[ 38 ] Wie kann dies der Fall sein? Weil die Lebensbedingungen sich erfahrungsgemäß ändern, wenn man das gewöhnliche Maß von Intelligenz verletzt. Wenn man dies Maß in Bezug auf die äußern Erkenntnisse verletzt, wenn man Tatsachen-Mitteilungen annimmt, ohne sie durch die Vernunft zu prüfen, dann vernimmt man sie nur mit dem äußerlichen Verstand, sie dringen nicht auf den Grund der Seele. Geistige Erkenntnis ist nur dann gesund, wenn sie nicht bloße Theorie bleibt, sondern wenn unser ganzes Seelenleben mit ihr erfüllt und durchlebt wird, wenn sie, mit andern Worten, unser geistiges Eigentum wird. Dann erst sind Erkenntnisse wahrhaft erworben.

[ 38 ] How can this be the case? Because, as experience shows, living conditions change when one violates the ordinary measure of intelligence. If one violates this standard with regard to external knowledge—if one accepts factual statements without examining them through reason—then one perceives them only with the external intellect; they do not penetrate to the depths of the soul. Spiritual knowledge is sound only when it does not remain mere theory, but rather when our entire inner life is filled with it and lived through it—in other words, when it becomes our spiritual possession. Only then is knowledge truly acquired.

[ 39 ] Diejenigen Erkenntnisse, welche wir auf den Glauben an eine äußere Autorität annehmen, tragen den Stempel der Lüge an sich, wenn sie gleich wahr sind. Sie sind subjektive Lügen, denn es behauptet der Mensch, der sie weiterträgt, etwas, wovon er nicht überzeugt sein kann. Er hat sie aufgenommen, wie man sonst eine Lüge aufnimmt, und dies ist in der Tat etwas Verheerendes. Der Autoritätsglaube führt die Seele dazu, die Seele unwahrhaftig zu machen. Das ist die schlimme Folge einer falschen Hinneigung zu unverdauten geistigen Wahrheiten. Und dadurch wird das, was sonst ungefährlich ist, zu einer Gefahr für die Seele.

[ 39 ] The insights we accept based on faith in an external authority bear the mark of falsehood, even if they are true. They are subjective lies, for the person who passes them on asserts something of which he cannot be convinced. He has accepted them just as one would otherwise accept a lie, and this is indeed a devastating thing. Belief in authority leads the soul to become untruthful. This is the dire consequence of a misguided inclination toward undigested spiritual truths. And through this, what would otherwise be harmless becomes a danger to the soul.

[ 40 ] Die gewöhnlichen Ereignisse des Tages werden die Wahrheiten des äußeren Lebens schon zurechtweisen. Aber was nicht durch äußere Tatsachen belegt werden kann, in dem muss innere Wahrhaftigkeit herrschen. Wenn dies nicht der Fall ist, so entsteht diese innere Unwahrhaftigkeit, die uns immer mehr zur Lügenhaftigkeit treibt. Sobald die Menschen hier über ein gewisses Maß hinauskommen, wenn sie nicht prüfen wollen, verfallen sie leicht in unbewusste oder bewusste Lügenhaftigkeit. Wie leicht geschieht es, dass auch eine Unwahrheit aufgenommen wird, wenn die Menschen zu bequem sind, die Mitteilungen auch mit der Vernunft zu durchdringen. Leichter als an seiner Seele zu arbeiten, um die geistigen Erkenntnisse aufzunehmen, ist es ja allerdings, diese auf irgendeine äußere Autorität hin anzunehmen. Daher ist es so bequem, zu glauben. In der Geisteswissenschaft ist dieses «Glauben» aber von großer Gefahr, denn dadurch, dass die Menschen leichtgläubig sind, ist es so schwierig auf diesem Gebiet für unsere Zeitgenossen, den Scharlatan und den wirklichen Geistesforscher auseinanderzuhalten. Sie berühren sich so leicht, sie werden so leicht miteinander verwechselt, weil die Menschen zu leichtgläubig sind, weil sie nicht die Geduld haben, zu prüfen.

[ 40 ] The ordinary events of the day will already reveal the truths of external life. But where external facts cannot provide proof, inner truthfulness must prevail. If this is not the case, an inner insincerity arises that drives us ever more toward deceitfulness. As soon as people go beyond a certain point here—if they are unwilling to examine things—they easily fall into unconscious or conscious deceitfulness. How easily does a falsehood become accepted when people are too complacent to scrutinize what they are told with reason? It is, of course, easier to accept spiritual insights on the basis of some external authority than to work on one’s own soul to absorb them. That is why it is so convenient to believe. In spiritual science, however, this “belief” poses a great danger, for because people are so gullible, it is so difficult for our contemporaries in this field to distinguish between the charlatan and the genuine spiritual researcher. They overlap so easily; they are so easily confused with one another—because people are too gullible, because they lack the patience to examine things critically.

[ 41 ] Der wirkliche Geheimforscher wird frei und offen sagen, was er erkannt hat. Aber er wird es auch hingeben, auf dass die Menschen es im Leben hinnehmen, es an den Tatsachen des Lebens prüfen. Er wird unbesorgt sein, denn es wird sich bestätigen. Wer aber nicht prüfen will, was ihm so an die Hand gegeben wird, der unterscheidet den Scharlatan nicht von dem wahren Geistesforscher. Wir dürfen unsere Zeitgenossen nicht ganz freisprechen von Schuld, wenn sie auf alle Scharlatanerien hereinfallen, die auf allen Gebieten des Geisteslebens grassieren. Unwahrhaftig zu werden, entspringt aus blindem Autoritätsglauben.

[ 41 ] The true esoteric researcher will freely and openly state what he has come to understand. But he will also present it so that people may accept it in their lives and test it against the facts of life. He will be unconcerned, for it will be confirmed. But those who are unwilling to examine what is presented to them cannot distinguish the charlatan from the true spiritual researcher. We cannot entirely absolve our contemporaries of blame when they fall for all the charlatanism that is rampant in every area of spiritual life. Becoming untruthful stems from a blind faith in authority.

[ 42 ] Und was ist nun das Entsprechende, wenn wir dem Prozesse des Sichverzehrens in den eigenen Fähigkeiten verfallen? Die Folge hiervon kann nur erfahrungsgemäß festgestellt werden. Die Erfahrung spricht aber nur zu laut. Die Menschen, die es ablehnen, die Geisteswissenschaft richtig zu studieren, parallel mit der Entwicklung der höheren Fähigkeiten, die Menschen werden dadurch, dass sie nichts anzufangen wissen mit den Fähigkeiten, die sie hervorsprießen ließen in ihrer Seele, aufgebläht; es bläht sich die Seele auf in den eigenen Fähigkeiten. Die Folge davon ist ein unerhörter Hochmut, der jene Seelen überfällt, welche nicht die Demut des geistigen Studierens haben. Hochmut und verheerender Stolz ist das, was auftritt in denjenigen, die sich durch falsche Asketik zur Entfaltung geistiger Fähigkeiten verleiten lassen. Da sehen wir noch auf dem Gebiet des Seelenlebens, wie verheerend es wirken kann, wenn man nicht das Gleichmaß der Verrichtungen und der Erkenntnisse auf geistigem Gebiete walten lässt, und wie verheerend wirken kann, was als Übungen gemacht wird von demjenigen, der nicht richtig vorwärtsschreitet.

[ 42 ] And what, then, is the consequence when we succumb to the process of consuming ourselves within our own abilities? Experience alone can reveal the outcome of this. But experience speaks all too loudly. Those who refuse to study spiritual science properly, in parallel with the development of their higher faculties—such people, because they do not know what to do with the faculties they have allowed to spring forth in their souls, become inflated; their souls swell up with their own abilities. The result is an unheard-of arrogance that overtakes those souls who lack the humility required for spiritual study. Arrogance and devastating pride are what arise in those who allow themselves to be led astray by false asceticism in the development of spiritual abilities. Here, in the realm of the soul’s life, we see how devastating it can be when one fails to maintain a balance between spiritual activities and insights, and how devastating the effects of so-called “exercises” can be when performed by someone who is not progressing correctly.

[ 43 ] Wenn wir das wahre, richtige Wesen der Askese verstehen, dann werden wir nicht in diese Fehler verfallen. Einen Menschen, der echte Askese übt, dürfen wir nicht weltfremd nennen, die Übungen dürfen und werden ihn nicht schwach machen. Er wird sich auch nicht abwenden von den äußern Tatsachen, er will sich gerade stark und kräftig machen durch diese Übungen, er stellt sich gerade mit erhöhten Fähigkeiten in das Leben hinein. So ist es nicht ein Weltfremd- und Weltfernwerden, was mit wahrer Askese angestrebt wird, sondern ein Hinausführen des menschlichen Innern über das Maß der bisherigen menschlichen Innenkräfte, zunächst im gewöhnlichen Leben. Dann werden wir in unserm Innern etwas Fremdes unserm Äußern gegenüber fühlen, durch das wir die Seele stark machen, sodass wir nicht mehr in demselben Maße die Herrschaft des Äußern empfinden werden wie vorher, als wir noch nicht losgerissen hatten die Seele von den Kräften des Leibes.

[ 43 ] If we understand the true, proper nature of asceticism, then we will not fall into these errors. We must not call a person who practices genuine asceticism unworldly; these practices cannot and will not make him weak. Nor will they turn away from external realities; rather, they seek to make themselves strong and vigorous through these practices, entering life with heightened abilities. Thus, true asceticism does not aim at becoming unworldly or detached from the world, but rather at elevating the human inner life beyond the limits of one’s previous inner capacities, beginning in ordinary life. Then we will feel within ourselves something foreign to our outer being, through which we strengthen the soul, so that we will no longer feel the dominion of the external to the same extent as before, when we had not yet torn the soul away from the forces of the body.

[ 44 ] Solche Übungen sind allerdings ein Losreißen des Innern vom äußern Menschen. Wir schreiten darüber hinaus, aber dadurch werden wir nicht schwächer diesem Leibe gegenüber. Wir werden dem Leibe fremder, wenn wir die Seele stark machen. Aber dadurch lernen wir diesen Leib als ein richtiges Werkzeug kennen. Wir werden ihm fremd, aber das, was uns fremd ist, können wir besser als Werkzeug benutzen, als was wir als uns selber ansahen. Es ist gerade so, wie wenn Sie mit dem Hammer, mit dem Sie einen Nagel einschlagen sollen, zusammengewachsen sein würden, innig mit ihm verwoben sein würden. Da würden Sie bald zetern, wenn Sie den Hammer, der immer wehtut, zum Einschlagen eines Nagels verwenden müssten. Dadurch aber, dass Sie nicht mit ihm zusammenkleben, ist er ein starkes Werkzeug für Sie. Und dadurch, dass wir uns von unserm äußern Menschen absondern, können wir ihn zu einem starken und brauchbaren Werkzeug machen.

[ 44 ] Such exercises, however, involve detaching the inner self from the outer self. We go beyond this, but in doing so we do not become weaker in relation to this body. We become more estranged from the body as we strengthen the soul. But through this, we come to know this body as a proper tool. We become estranged from it, but what is foreign to us we can use more effectively as a tool than what we regarded as part of ourselves. It is just as if you had become one with the hammer you are supposed to use to drive in a nail, intimately intertwined with it. You would soon complain if you had to use the hammer—which always hurts—to drive in a nail. But precisely because you are not fused to it, it is a powerful tool for you. And by separating ourselves from our outer self, we can make it a powerful and useful tool.

[ 45 ] Das ist es, was jede wahre Askese von den Menschen, die sich ihr hingeben, verlangen muss. Aber das ist auch etwas, was sie wesentlich unterscheidet von dem verschrobenen Begriff, zu dem sich herausgebildet hat die falsche Askese. Jede wahre Askese führt dazu, das Innere zu stärken, zu kräftigen, und ein Mensch mit solchem stark gemachten Innern kann mit Ruhe auf das blicken, was die andern Menschen über ihn sagen. Die Menschen sagen: Er hat kein Vergnügen mehr an dem, was wahrhaftig den Menschen interessieren kann. – Ein solcher, der im rechten Sinne zum Geistesforscher geworden ist, kann es ruhig vertragen, wenn die Menschen kommen und sich erbarmen über ihn und sagen: Was hat er nun vom Leben? Alles, was im Leben Interesse bietet, ist ihm fremd geworden. – Solche Reden weiß er ruhig zu ertragen. Es mögen diese zu ihm herankommen und sagen: Du gehst nicht mehr zu den gewöhnlichen Vergnügen des Tages, das Leben muss für dich ja furchtbar langweilig sein; oh du armer Kerl! Und wie kurzweilig ist das, was wir treiben, und wie langweilig das, was ihr treibt.

[ 45 ] This is what every true asceticism must demand of those who devote themselves to it. But this is also what fundamentally distinguishes it from the eccentric concept into which false asceticism has evolved. All true asceticism leads to strengthening and fortifying the inner self, and a person with such a strengthened inner self can view with calm what other people say about him. People say: He no longer takes pleasure in what can truly interest people. — Someone who has become a spiritual seeker in the true sense can calmly endure it when people come and pity him, saying: What does he get out of life now? Everything that offers interest in life has become alien to him. – He knows how to bear such talk calmly. Let them come up to him and say: “You no longer partake in the ordinary pleasures of the day; life must be terribly boring for you; oh, you poor fellow! And how entertaining what we do is, and how boring what you do is.”

[ 46 ] Sie, die so sprechen, haben gar keine Ahnung davon, welch unbändige Askese der üben müsste, der die geistige Welt kennengelernt hat und der das treiben müsste, was sie treiben, was sie «kurzweilig» nennen. Unbändige Askese müsste der üben, wenn er teilnehmen würde an dem, was von ihnen die gewöhnlichen Genüsse des Lebens genannt wird. Und weil er nicht an den üblichen Genüssen des Lebens teilnehmen will, deshalb vermeidet er diese Genüsse. Er will nicht diese Askese ausüben. So sehen wir daran, wenn wir nur diese Trivialitäten des Lebens heranziehen, dass es sich um Verschärfung, um Erhöhung der Lebensbejahung handelt bei dem, was man im wahren Sinne Askese nennt.

[ 46 ] Those who speak this way have absolutely no idea of the unbridled asceticism that one who has come to know the spiritual world would have to practice in order to engage in what they do—what they call “entertaining.” One would have to practice unbridled asceticism if one were to participate in what they call the ordinary pleasures of life. And because he does not wish to partake in the ordinary pleasures of life, he avoids these pleasures. He does not wish to practice this asceticism. Thus, if we consider only these trivialities of life, we see that what is called asceticism in the true sense involves an intensification, an elevation of the affirmation of life.

[ 47 ] Wir sehen aber auch, dass der Mensch durch diese Askese unabhängiger wird, dass er das Geistige aus dem Leiblichen heraushebt in bewusster Weise. Nun hat eine falsche Askese sich die Sache bequemer gemacht. In der Tat gehören starke Anstrengungen des innern Menschen dazu, die Ziele der wahren Asketik zu erreichen. Leichter ist es, den äußern Menschen abzutöten, den Körper mit allerlei Qualen zu durchwalken, mit allerlei Schmerzen und Leiden zu schwächen, sodass der Leib von sich aus die Seele herauspresst. Das hat die falsche Asketik zum Ziel, die durch Abtöten des Leibes das erreichen zu können meint, was man das Freiwerden des Geistes nennt. Wahre Askese zieht die Seele heraus, aber sie erlangt es dadurch, dass die Seele stark gemacht wird. Aber wer falsche Askese übt, veranlasst durch Qualen, denen er sich unterwirft, seinen Leib dazu, dass die Seele herausgepresst wird. Diese falsche Askese hat man lange Zeit dadurch geübt, dass man durch Fasten und Kasteiungen den Körper geschwächt hat. Man hat dies auch in den Gegenden des Abendlandes getan, und diese falsche Askese hat den Begriff der Askese überhaupt in Misskredit gebracht als etwas, was den Menschen zur Weltfremdheit führt.

[ 47 ] But we also see that through this asceticism, a person becomes more independent, consciously separating the spiritual from the physical. Now, false asceticism has made things easier for itself. In fact, achieving the goals of true asceticism requires great effort on the part of the inner self. It is easier to mortify the outer self, to torment the body with all manner of torments, to weaken it with all manner of pains and sufferings, so that the body, of its own accord, squeezes the soul out. This is the goal of false asceticism, which believes it can achieve what is called the liberation of the spirit by mortifying the body. True asceticism draws out the soul, but it achieves this by strengthening the soul. But those who practice false asceticism, through the torments to which they subject themselves, cause their bodies to force the soul out. This false asceticism has long been practiced by weakening the body through fasting and self-mortification. This has also been done in Western regions, and this false asceticism has brought the very concept of asceticism into disrepute as something that leads people to detachment from the world.

[ 48 ] Aber nur dadurch, dass die Askese unsere Seelenfähigkeiten erhöht, den innern Menschen kräftigt, dadurch nur dringen wir zu neuen Erkenntnissen und Erkenntnismöglichkeiten empor. Wenn wir nur den Leib abtöten, und die Seele herauspressen, so bleibt die Seele doch das, was sie war, denn wir verschließen uns in uns selber.

[ 48 ] But it is only through asceticism—which enhances our spiritual faculties and strengthens the inner self—that we rise to new insights and new possibilities of knowledge. If we merely mortify the body and squeeze the soul out of it, the soul remains what it was, for we shut ourselves off within ourselves.

[ 49 ] Derjenige, der auf die Askese des Mittelalters hinblickt − nichts soll gesagt werden gegen das Heroische, das in diesen Mönchen steckt, nichts gegen die Selbstverleugnung und den Heldensinn mancher hervorragender Persönlichkeiten des Mittelalters −, wenn wir aber das, was sie hervorgebracht haben, unbefangen auf uns wirken lassen, so sind es nur die gleichen Empfindungen der Seele, die schon da waren, und die diese Menschen des Mittelalters durch Abtötung des Leibes herausgepresst haben und zu gewisser Selbstständigkeit gebracht haben. Da sehen wir die durch Quälen des Leibes geübte falsche Askese. An diese falsche Askese denken die modernen Menschen, und deshalb wird sehr häufig von denen, die an die Theosophie herankommen, wirkliche Askese verwechselt mit dem, was auf dem Wege dieser falschen Askese erreicht werden kann.

[ 49 ] Anyone who looks back on the asceticism of the Middle Ages—and let nothing be said against the heroism inherent in these monks, nor against the self-denial and heroic spirit of certain outstanding figures of the Middle Ages—but if we allow what they produced to take effect on us with an open mind, we find that it is merely the same feelings of the soul that were already present, which these people of the Middle Ages squeezed out by mortifying the body and brought to a certain degree of independence. There we see the false asceticism practiced through the torment of the body. Modern people think of this false asceticism, and that is why those who come into contact with Theosophy very often confuse true asceticism with what can be achieved through this false asceticism.

[ 50 ] Da kommen sie und sagen: Was dürfen wir essen und trinken? – Sie glauben, dass sie durch eine bestimmte Diät, durch das, was sie essen oder nicht essen, zu gewissen Fähigkeiten hinaufsteigen können. Wahre Geistesforschung zeigt, dass dem Schüler zwar Hilfe erwachsen kann, wenn er bestimmte Diät anwendet; aber durch diese Diät allein will sie nicht ihr Ziel erreichen, sondern nur dazu helfen. Bequemer wäre es allerdings, wenn man nur dieses oder jenes nicht zu essen oder nicht zu trinken brauchte, und dann in die höchsten geistigen Regionen hinaufsteigen könnte. Man darf aber auch nicht glauben, dass das, was in solchen Nebenwirkungen auftritt, etwas Unwichtiges ist. Derjenige, der sich zu wahrer Askese aufschwingt, der in der Tat das tut, was im eminentesten Sinne als gesunde Entwicklung in die geistige Welt hinein hingestellt worden ist, wird doch sagen, dass er aus seinem Leibe etwas herausschält, was früher drinnen war. Er überlässt den Leib sich selber, er entfernt ihn von innern Kräften der Seele. Dadurch kann der Leib den Fährlichkeiten des äußern Lebens leichter verfallen, als wenn die robuste Seele einfach darin arbeitet, so wie sie von Geburt an gewirkt hat unter normalen Verhältnissen. Es wird unser Leib, wenn wir ihm diese Seelenkräfte entziehen, wenn wir diese Seelenkräfte zu höherer Entwicklung verwenden, er wird, weil er sich selber überlassen ist, leichter den äußern Fährlichkeiten anheimfallen. Daher ist für den, der sich im rechten, gesunden Sinn entwickeln will, notwendig, dass er dessen eingedenk sein wird und dass er seinem verlassenen Leib umso mehr einen ruhigen Einklang verschafft mit den Kräften, aus denen unser Leib geboren ist.

[ 50 ] Then they come and ask: What are we allowed to eat and drink? — They believe that by following a specific diet—through what they eat or do not eat—they can attain certain abilities. True spiritual research shows that while a student may indeed receive help by following a specific diet, but this diet alone will not enable them to reach their goal; it is merely a means to that end. It would certainly be more convenient, however, if one need only refrain from eating or drinking this or that and could then ascend to the highest spiritual realms. Nor, however, should one believe that the effects that arise from such practices are unimportant. The one who rises to true asceticism—who in fact does what has been presented, in the most eminent sense, as healthy development into the spiritual world—will nevertheless say that he is peeling away from his body something that was previously within it. He leaves the body to its own devices; he separates it from the inner forces of the soul. As a result, the body can fall prey to the dangers of external life more easily than when the robust soul is simply at work within it, just as it has been from birth under normal circumstances. When we withdraw these soul forces from our body—when we direct these soul forces toward higher development—the body, left to its own devices, will more easily succumb to external dangers. Therefore, for those who wish to develop in a proper, healthy way, it is necessary that they be mindful of this and that they ensure their neglected body is brought into a calm harmony with the forces from which our body is born.

[ 51 ] Wir wollen an ein konkretes Beispiel anknüpfen, um verständlicher zu werden: Sie alle kennen das, was man im gewöhnlichen Leben Ermüdung nach der Arbeit nennt. Diese Ermüdung ist etwas, was durchaus notwendig ist. Wir müssen sie haben, denn dadurch, dass wir in Ermüdung verfallen, kommen wir von vorneherein in einen andern Zustand unseres Seelenlebens. Die Ermüdung weckt das Bedürfnis nach Ruhe, und während wir der Ruhe pflegen, holen wir die neuen Kräfte, die wir zur Arbeit brauchen. Daher kann man sagen: Eine gesunde Ermüdung ist notwendig für den arbeitsamen Menschen, und der Mensch, der nicht müde werden könnte, der nicht Aufmerksamkeit verwenden würde auf seine Ermüdung, bei dem würden wir die Arbeit zu seinem Unheil ausschlagen sehen. Wenn ein Mensch gezwungen ist, über ein gewisses Maß hinaus zu arbeiten, sodass er die Grenze der Ermüdung überschreitet, wenn er länger arbeiten muss, als das Maß seiner Kräfte es erlaubt, dann arbeitet er in die Zeit hinein, wo er schon ermüdet ist, und das kann von größtem Unheil für ihn werden. Er kann mit Sicherheit sagen, dass er seine Gesundheit untergräbt. Wenn nun das äußere Leben uns zwingt − es sollte eben dazu kommen, dass das nicht mehr der Fall sein darf −, wenn das Leben uns zwingt, mit ermüdetem Körper zu arbeiten, so ist das verhängnisvoll. Verhängnisvoller aber ist es, wenn der Mensch dadurch, dass er durch wahre Askese seine Kräfte entwickelt hat, dass er dadurch in die Versuchung kommt, nicht zu achten auf die Ermüdung. Es könnte der Mensch durch die Entwicklung seiner Seelenkräfte so durchgeistigt werden, dass er buchstäblich vergessen könnte, dass auch das äußere Leben an seinen Leib Anforderungen stellt, und er könnte in irgendeinem Augenblick seine Ermüdungsgrenzen überschreiten. Dann aber, wenn, nachdem er von seinem Leibe befreit ist, diesen sich selbst überlässt, wenn er nicht auf ihn achtet, ihm keinen Einklang verschafft, also wenn er in beliebiger Weise in seine Ermüdung hineinarbeiten würde, dann würde er seinem Leibe viel mehr schaden wie derjenige, der ihn nur durch äußere Anlässe schädigt.

[ 51 ] Let’s use a concrete example to make this clearer: You’re all familiar with what we commonly call fatigue after work. This fatigue is something that is absolutely necessary. We must experience it, for as we succumb to fatigue, we enter, from the very beginning, into a different state of our inner life. Fatigue awakens the need for rest, and while we rest, we regain the new strength we need for work. Therefore, one can say: Healthy fatigue is necessary for the hardworking person, and in the case of a person who could not become tired—who would not pay attention to their fatigue—we would see work turning to their undoing. If a person is forced to work beyond a certain limit, so that he crosses the threshold of fatigue—if he must work longer than his strength allows—then he is working into a state where he is already fatigued, and this can be of the greatest harm to him. He can say with certainty that he is undermining his health. Now, if external circumstances compel us—and we must ensure that this is no longer the case—if life compels us to work with a fatigued body, that is disastrous. But it is even more disastrous when a person, having developed their strength through true asceticism, is thereby tempted to disregard fatigue. Through the development of his soul powers, a person could become so spiritualized that he might literally forget that external life also places demands on his body, and he might, at some point, exceed his limits of fatigue. But then, if—after being freed from his body—he neglects it, fails to pay attention to it, and does not bring it into harmony with himself; in other words, if he were to push himself into exhaustion in any arbitrary way, he would cause his body far greater harm than one who damages it solely through external circumstances.

[ 52 ] Daher hat derjenige, der sich wahrer Askese hingibt, dafür zu sorgen, dass er im richtigen Augenblick müde werde und auch dafür, dass er diese Ermüdung ausnützt. Der Mensch muss auch in diesem Falle den Rhythmus herstellen in Bezug auf seinen physischen Leib. Wenn er in wüster Weise darauflosarbeitet, und in jede Ermüdung hineinarbeitet, sodass er die Arbeit fortsetzt, weil er glaubt, stark geworden zu sein und nicht spürt die Ermüdung, dann wird er durch die Askese sein äußeres Dasein schädigen, sodass die Askese für ihn ein Quell werden kann der äußern Krankheit. Aber nur in dem Falle wird die Askese Nachteil bringen, wo der Mensch seine Aufmerksamkeit abzieht von der äußern Welt, nicht beachtet den Rhythmus, in den hineingestellt ist dasjenige von uns, das der äußern Welt angehört. Der Mensch wird aber gerade erst recht darauf angewiesen sein, dem Rhythmus zu huldigen.

[ 52 ] Therefore, one who devotes himself to true asceticism must ensure that he becomes tired at the right moment and also that he makes use of this fatigue. In this case, too, a person must establish a rhythm in relation to his physical body. If he works at it recklessly, pushing through every bout of fatigue so that he continues working because he believes he has become strong and no longer feels the fatigue, then he will harm his physical well-being through asceticism, so that asceticism can become a source of physical illness for him. But asceticism will bring harm only when a person withdraws their attention from the external world and disregards the rhythm into which that part of us which belongs to the external world is embedded. Yet it is precisely then that a person will be all the more dependent on honoring that rhythm.

[ 53 ] Wenn es im Allgemeinen heute überall Mode geworden ist, ein hastiges, unruhiges Dasein zu führen, zu hastig zu seiner Arbeit zu stürzen, wenn dieses Hasten und Drängen heute immer zunimmt, so ist es für denjenigen, der seine Kräfte in ruhiger Weise entfalten will, notwendig, dass er mit seinem äußern Betätigen nicht an dieser Hast und Unruhe teilnimmt. Es wird gut sein, dass derjenige, der seine Fähigkeiten im gesunden Sinne entwickeln will, sich auch in seinen äußern Handlungen einen Takt angewöhnt.

[ 53 ] If it has generally become fashionable everywhere today to lead a hurried, restless existence, to rush too hastily to one’s work, and if this haste and agitation are constantly increasing today, then it is necessary for those who wish to develop their abilities in a calm manner not to participate in this haste and restlessness through their outward actions. It would be wise for anyone who wishes to develop their abilities in a healthy way to cultivate a sense of rhythm even in their outward actions.

[ 54 ] Wie können wir heute unsere Zeitgenossen sehen laufen und hasten, wenn sie zum Beispiel die Straßenbahn benützen wollen, damit sie ihnen ja nicht abfährt. Da rennen und hasten sie, und wenn alles mit rechten Dingen zugeht, haben sie es gar nicht nötig. Wenn man nur beobachten wollte, würde man sehen, wie bei einem abfahrenden Zug die Menschen hasten, auch wenn sie gar nichts Besonderes versäumen, weil sie eben glauben, dass müsse so sein.

[ 54 ] How can we watch our contemporaries today running and hurrying—for example, when they want to catch the streetcar—so that it won’t leave without them? There they run and hurry, and if everything were as it should be, they wouldn’t need to at all. If one were simply to observe, one would see how people rush toward a departing train, even when they aren’t missing anything in particular, simply because they believe that’s how it’s supposed to be.

[ 55 ] Man könnte aber auch andere sehen: Da geht zum Beispiel einer ganz normal. Der denkt: «Nun, wenn ich diesen Zug nicht erreiche, so werde ich eben zu spät kommen, ich werde den nächsten nehmen.» Das ist einer, der sich mit Ruhe wappnet, der sich in Bezug auf das äußere Leben in völlige Ruhe hineinstellt. Alles Hasten, alle Unruhe können uns so in die äußere Welt hineinstellen, dass die Askese werden kann ein Quell der Krankheit. Daher darf niemals außer Acht gelassen werden von dem, der wahre Askese treiben will, sich anzueignen einen gewissen Takt, eine Sicherheit, nicht dasjenige mitzumachen, was ihm im äußern Leben aufgedrängt wird vom modernen Leben, sondern nur das mitzumachen, was sich für ihn selbst als das Geeignete herausstellt in Bezug auf die äußere Existenz. Der Asket soll nicht in Krankheit verfallen. Das Werkzeug, von dem er sich frei gemacht hat, soll nicht in unsinniger Weise sich selbst überlassen bleiben, denn dann muss es dem Ruin verfallen. Wenn jemand bei seinen Übungen krank wird, dann darf er das nicht außer Acht lassen. Die Übungen entwickeln Krankheit nicht durch sich, sondern dadurch, dass nicht die damit verknüpften Nebenbedingungen beachtet worden sind.

[ 55 ] But one could also see others: For example, there’s someone walking along quite normally. He thinks: “Well, if I don’t catch this train, then I’ll just be late; I’ll take the next one.” This is someone who arms himself with calm, who attunes himself to complete tranquility in relation to external life. All haste and restlessness can draw us so deeply into the external world that asceticism can become a source of illness. Therefore, anyone who wishes to practice true asceticism must never neglect to cultivate a certain rhythm and a sense of security—not to go along with what modern life imposes on them in the outer world, but only to participate in what proves to be appropriate for them personally with regard to their outer existence. The ascetic must not fall ill. The instrument from which he has freed himself must not be left to its own devices in a senseless manner, for then it is bound to fall into ruin. If someone becomes ill during his exercises, he must not ignore it. The exercises do not cause illness in and of themselves, but rather because the associated preconditions have not been observed.

[ 56 ] Wer in Betracht zieht, wie ein Verbrennen der geistigen Fähigkeiten eintreten kann durch Nichtbeachten der Anweisungen – durch blindes Entgegennehmen auf Autorität des Führers hin –, der kann auch ermessen, wie zehrend es für den Leib sein kann, wenn wir uns in gewisse ungesunde seelische und leibliche Verhältnisse der Umwelt hineinstellen und uns ihnen hingeben; der weiß auch, dass dadurch, dass der Mensch sich nicht mit der richtigen, innern Harmonie in die Außenwelt hineinstellen kann, er in die Krankhaftigkeit hineinkommen kann.

[ 56 ] Anyone who considers how one’s mental faculties can be burned out by disregarding instructions—by blindly accepting them on the authority of a leader—can also appreciate how debilitating it can be for the body when we place ourselves in certain unhealthy mental and physical circumstances in our environment and surrender to them; such a person also knows that because a person cannot enter the external world with the proper inner harmony, they can slip into a state of illness.

[ 57 ] So muss durchaus der Lebensrhythmus im höhern Sinne von dem erfüllt werden, der diese Entwicklung anstrebt, von dem, welcher sich von seiner Zeit erziehen lässt. Es ist richtig, dass der Mensch, der mit seiner Selbsterziehung beginnt, so zu arbeiten hat, dass er diese höhern Fähigkeiten hinaufentwickelt in gesunder Askese, dass dieser Mensch in seine eigene Verantwortung hineinnimmt, was sonst von außen besorgt wird.

[ 57 ] Thus, the rhythm of life in the higher sense must certainly be fulfilled by the one who strives for this development, by the one who allows himself to be educated by his time. It is true that a person who begins their self-education must work in such a way as to develop these higher abilities through healthy self-discipline, so that this person takes upon themselves—as their own responsibility—what would otherwise be provided from outside.

[ 58 ] In gewissem Sinne arbeitet das, was dem Menschen seine Zeit anweist, so, dass er nicht gar zu verderbliche Sprünge machen kann. Reißt man sich aber heraus aus der Gesetzmäßigkeit des gewöhnlichen Lebens, nimmt man seine Entwicklung selbst in die Hand, dann muss man auch die Sorge für seine Gesundheit selber in die Hand nehmen. Hat man nicht den Willen zur Aufmerksamkeit auf seinen Leib, dann wird Askese hundert Möglichkeiten haben, den Leib in die Krankheitsverhältnisse zu führen.

[ 58 ] In a certain sense, the forces that govern a person’s time operate in such a way that he cannot take steps that are too destructive. But if one breaks free from the regularity of ordinary life and takes one’s own development into one’s own hands, then one must also take responsibility for one’s own health. If one lacks the will to pay attention to one’s body, then asceticism will have a hundred ways of leading the body into a state of illness.

[ 59 ] Nur skizzenhaft konnte in dem Vortrage darauf hingewiesen werden, dass es ein hohes Ziel des Menschen ist, einzudringen durch wahre, gesunde Askese in eine geistige Welt, dass aber dieses Eindringen in die geistige Welt an strenge, ernste Gesetze gebunden ist, und dass der Mensch diese Gesetze nicht ungestraft übertreten darf. Wir dürfen uns ausdrücken: Jawohl, die geistige Welt ist nicht verschlossen; von dem, der sie verschlossen glaubt, können wir sagen, dass sein Herz tot, sein Auge zu ist, dass er nicht hinein will durch das Morgenrot zur geistigen Sonne.

[ 59 ] The lecture could only briefly touch upon the fact that one of humanity’s highest goals is to penetrate the spiritual world through true, healthy asceticism; that this penetration into the spiritual world, however, is bound by strict, serious laws; and that human beings must not transgress these laws with impunity. We may say: Indeed, the spiritual world is not closed off; of those who believe it to be closed off, we can say that their hearts are dead, their eyes are closed, and that they do not wish to enter through the dawn toward the spiritual sun.

[ 60 ] Dem aber, der wirklich hineinwill, dem müssen wir sagen, dass er Schritt für Schritt ernst und würdig zu arbeiten hat, um sich reif und fähig zu machen, das Licht der geistigen Sonne zu empfangen. Sonst wird sie für ihn ein Blendwerk sein, das sein geistiges Schauen eher zerstört, sein geistiges Auge eher blendet, als dass sie es entwickelt. Die geistige Welt verschließt sich nicht vor uns, sie zeigt uns, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln, ihre Geheimnisse, verlangt aber von uns, dass wir uns reif machen, diese Geheimnisse erst dann zu schauen, wenn wir durch Harmonie unser Leben heften auf den Rhythmus, der alles belebt und durchwebt, wenn wir ins Auge fassen, dass wir nicht stürmisch in die geistige Welt eindringen dürfen, sondern uns Schritt für Schritt reif machen müssen, dass wir erst die Bedingungen schaffen müssen, durch die wir uns umwandeln. Dann werden wir zu unserm Heile, nicht zu unserm Unheil, eintreten in die erhabene Geisteswelt.

[ 60 ] But to those who truly wish to enter, we must say that they must work earnestly and with dignity, step by step, to make themselves ready and capable of receiving the light of the spiritual sun. Otherwise, it will be a delusion for them, one that destroys their spiritual vision and blinds their spiritual eye rather than developing it. The spiritual world does not close itself off from us; as we develop toward it, it reveals its mysteries to us, but it demands that we prepare ourselves, to behold these mysteries only when, through harmony, we attune our lives to the rhythm that animates and permeates all things, when we realize that we must not storm into the spiritual world, but must prepare ourselves step by step, that we must first create the conditions through which we transform ourselves. Then, for our own good—not for our own harm—we will enter the sublime spiritual world.

[ 61 ] Das Hinentwickeln zur geistigen Welt ist in Wirklichkeit für uns nicht mit Krankheitsgefahren verknüpft. Wenn den Strebenden Krankheit befällt, dann ist nicht das geistige Leben schuld daran, sondern der Mensch, der nicht in richtiger Weise handelt, ist selber schuld daran. Und wenn ein solcher Mensch bemerkt, dass er Fehler begangen hat, braucht er nicht darob zu verzweifeln. Denn selbst unsere Fehler werden von höherer Weisheit doch wieder in richtige Bahnen gelenkt, sodass auch diese Befürchtung uns nicht entbindet von der Pflicht, alles zu tun, was uns reif machen wird, die geistige Sonne zu empfangen, wenn wir uns zu ihr hinentwickeln wollen.

[ 61 ] In reality, our journey toward the spiritual world is not associated with the risk of illness. If illness befalls the seeker, it is not the spiritual life that is to blame, but rather the person himself, who is acting in the wrong way. And when such a person realizes that they have made mistakes, they need not despair over it. For even our mistakes are ultimately steered back onto the right path by a higher wisdom, so that even this fear does not relieve us of the duty to do everything that will make us ready to receive the spiritual sun if we wish to evolve toward it.