Appendix to the Public Lectures
GA 85
3 June 1912, Oslo
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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
13. Tod und Unsterblichkeit
13. Death and Immortality
[ 1 ] Der Gegenstand der heutigen Betrachtung ist ein solcher, von dem man zweifellos sagen kann, dass er im allertiefsten Sinne das Menschenherz bewegt und dass er Fragen in sich enthält, deren Beantwortung so ziemlich alle Menschen wie ein tiefstes Lebensbedürfnis empfinden.
[ 1 ] The subject of today's discussion is one that, without a doubt, touches the human heart in the deepest sense and raises questions whose answers just about everyone feels is a fundamental need in life.
[ 2 ] Nun könnten ja gewiss viele Gründe angeführt werden, welche in der einen oder anderen Seele ein Bedürfnis hervorrufen, die Fragen zu beantworten, die sich knüpfen an die Gedanken von Tod und Unsterblichkeit. Man wird gewiss unter den entsprechenden Seelenbedürfnissen solche finden, die man einer wissenschaftlichen Betrachtung gegenüber für nicht haltbar findet. Zwei Grundempfindungen der menschlichen Seele aber sind es, [durch] die – abgesehen von aller Todesfurcht, abgesehen von aller aus diesen oder jenen egoistischen Gefühlen heraus entspringenden Sehnsucht nach Unsterblichkeit, abgesehen von aller Anstrengung –, [durch] die im Menschenherzen [das Bedürfnis] hervorgerufen wird, eine Antwort zu finden auf die bange Frage nach dem Tod und der Unsterblichkeit. Die beiden Bedürfnisse können wir etwa so charakterisieren.
[ 2 ] Certainly, many reasons could be cited that give rise, in one soul or another, to a need to answer the questions associated with the ideas of death and immortality. Among these psychological needs, one will certainly find some that do not stand up to scientific scrutiny. However, there are two fundamental feelings of the human soul [through] which—setting aside all fear of death, all longing for immortality arising from this or that selfish sentiment, and all effort— [through] which [the need] is aroused in the human heart to find an answer to the anxious question of death and immortality. We can characterize these two needs roughly as follows.
[ 3 ] Wir finden im Leben, dass der eine Mensch in das Leben hineingesetzt ist, sagen wir in solche Verhältnisse, dass kaum recht eine sorgende Hand, eine sorgende Seele an seiner Wiege stehen kann, um ihn zu warten und zu bereiten für das Leben, sodass er seine Fähigkeiten entwickeln und ein nützliches Glied in der menschlichen Gesellschaft werden kann. Man kann sagen, oftmals sieht man einem solchen Menschen vorausgezeichnet ein herbes, bittres Lebenslos. Bei [einem] anderen Menschen bemerkt man, wie die Bedingungen von seiner Geburt ab ihm vorzeichnen ein Lebenslos, das man ein glückliches nennt, [man sieht], wie sorgende Hände und sorgende Seelen dafür tätig sind, dass er seine Kräfte entwickeln kann, dass er nützlich werden kann für sich und seine Mitmenschen. Kurz, es türmt sich da auf die bedeutungsvolle Frage nach dem so unbegreiflich scheinenden menschlichen Schicksal.
[ 3 ] We find in life that some people are placed in circumstances—let us say, such circumstances—that hardly allow for a caring hand or a caring soul to stand at their cradle to nurture them and prepare them for life, so that they may develop their abilities and become a useful member of human society. One might say that, often, such a person is destined for a harsh, bitter life. In the case of another person, one observes how the circumstances from the moment of birth predestine a life that one would call happy; one sees how caring hands and caring souls work to ensure that he can develop his strengths and become useful to himself and his fellow human beings. In short, this raises the profound question of human destiny, which seems so incomprehensible.
[ 4 ] Wer gewohnt ist, im Sinne wissenschaftlicher Weltanschauungen nach den Ursachen der Erscheinungen zu fragen, [nach den Ursachen] der Tatsachen, die uns umgeben, der wird nicht nur fragen nach den Ursachen, den Gründen der Erscheinungen gegenüber den äußeren sinnlichen Rätseln, sondern auch forschen nach den Gründen des rätselvollen Schicksalsloses des einzelnen Menschen. Das ist das eine, das, abgesehen von aller Todesfurcht und aller Sehnsucht nach Unsterblichkeit uns die Frage, die den Gegenstand der heutigen Betrachtung bildet, aufwirft.
[ 4 ] Anyone accustomed to inquiring into the causes of phenomena in accordance with scientific worldviews—[into the causes] of the facts that surround us—will not only ask about the causes and reasons behind phenomena in the face of external, sensory mysteries, but will also seek the reasons behind the enigmatic, fateful fate of the individual human being. That is the one thing that, apart from all fear of death and all longing for immortality, raises the question that is the subject of today’s reflection.
[ 5 ] Das andere aber ist das, was wir bei Betrachtung unseres Lebensganges finden, wie wir immer erfahren werden in einer ganz eigentümlichen Art. Wir unternehmen dieses oder jenes im Leben. Wir vollziehen dieses oder jenes, nachdem wir die Taten, die Handlungen getan haben. Da sprießt uns auf in unserer Seele der Gedanke, wie wir sie hätten besser machen können. Jeder Mensch weiß eigentlich, wie er reifer wird an seinen Fehlern, an seinen Irrtümern, und wie wenig es im Verlaufe unseres Lebens möglich ist, jene Reife anzuwenden, die wir uns erworben haben in unseren Handlungen, in unseren Taten, in unserem ganzen Leben, weil in derselben Weise die Handlungen, die wir schon getan haben und die uns reif gemacht haben, nicht wiederkehren. So werden wir reifer und reifer im Leben und fragen: Was soll diese Reife, die naturgemäß am stärksten auftritt, am innerlichsten, am gesättigtsten auftritt gegen das Ende des Lebens, wenn es etwa verschwinden sollte ins wesenlose Nichts, wenn wir durch die Pforte des Todes schreiten? Das ist die andere Sehnsucht: zu wissen, wohin die Kräfte, die wir uns im Leben erworben haben, kommen.
[ 5 ] The other, however, is what we find when we reflect on the course of our lives—something we will always experience in a very peculiar way. We undertake this or that in life. We carry out this or that after we have performed the deeds, the actions. Then the thought springs up in our soul of how we could have done them better. Every person actually knows how they grow in maturity through their mistakes and errors, and how little it is possible, in the course of our lives, to apply the maturity we have acquired through our actions, our deeds, and our entire lives—because the very actions we have already performed, which have made us mature, do not recur. Thus we become more and more mature in life and ask: What is the purpose of this maturity, which naturally manifests most strongly, most deeply, and most fully toward the end of life, if it were to vanish into a void devoid of substance as we pass through the gate of death? That is the other longing: to know where the strengths we have acquired in life go.
[ 6 ] Der Physiker lässt nicht gelten, dass irgendwelche Kraft, die er da oder dort bemerkt hat, ins wesenlose Nichts verschwindet. Er redet aber von Verwandlung, von der Erhaltung der Kraft. Er macht darauf aufmerksam, dass, schon wenn wir mit einem Finger über eine Tischplatte streichen, der Druck als Kraft nicht verloren geht, sondern als Wärme wieder erscheint. So macht er darauf aufmerksam, dass nicht ein Verschwinden, sondern eine Verwandlung von Kräften da ist.
[ 6 ] The physicist does not accept that any force he has observed here or there disappears into nothingness. Instead, he speaks of transformation and the conservation of force. He points out that even when we run a finger across a tabletop, the pressure—as a form of force—is not lost but reappears as heat. In this way, he emphasizes that what occurs is not a disappearance but a transformation of forces.
[ 7 ] Das, was erwähnt worden ist als zweite wichtige Lebenstatsache, türmt sich vielleicht nicht immer so auf vor unsere Seele, dass unser Verstand, unser Intellekt in ganz bestimmter Weise die entsprechende Frage nach dem Tode und der Unsterblichkeit aufwirft. Aber die Fragen, die so von unserem Verstande aufgeworfen werden, sind auch gar nicht immer die wichtigsten. Diejenigen Fragen sind die wichtigsten, welche in den Tiefen, in den verborgenen Seiten unseres Seelenlebens vor sich gehen und sich als Gefühle und Empfindungen an die Oberfläche drängen, die unserm ganzen lebendigen Habitus die Haltung, die Stimmung geben. Wie wir glücklich oder unglücklich sein können, wie wir mutig durch das Leben gehen können oder unter Depressionen leiden können, kurz, wie wir unser Leben führen, das ist zumeist der Ausdruck dessen, dass der Verstand sich nicht die Fragen aufwirft, dass aber die Seele die Notwendigkeit empfindet, Klarheit und Deutlichkeit zu haben über die Antwort, welche diese Frage erheischt.
[ 7 ] What has been mentioned as the second important fact of life may not always loom so large before our soul that our mind, our intellect, raises the corresponding question about death and immortality in a very specific way. But the questions raised in this way by our mind are not always the most important ones. The most important questions are those that take place in the depths, in the hidden recesses of our inner life, and push their way to the surface as feelings and sensations that give our entire way of being its attitude and mood. Whether we are happy or unhappy, whether we can go through life courageously or suffer from depression—in short, how we lead our lives—is mostly an expression of the fact that the mind does not ask these questions, but that the soul feels the need for clarity and certainty regarding the answer that this question demands.
[ 8 ] Wenn man nun so, wie dies am heutigen Abend geschehen soll, versucht, diese Frage zu beantworten, nämlich im Sinne der sogenannten Geisteswissenschaft, oder wie man gewohnt worden ist in einigen Kreisen zu sagen, im Sinne der Theosophie, so begegnet man starken Widerständen im Kreise des heutigen Geisteslebens, und gar mancher, der in diesem Sinne zuerst die entsprechenden Betrachtungen über diese Frage vernimmt, wird das Gefühl haben, als stünde er nicht einer ernsten Lebens- und wissenschaftlichen Betrachtung gegenüber, sondern einer Phantasterei und Träumerei, einer ganz unwissenschaftlichen Sache.
[ 8 ] If one now attempts to answer this question, as we are to do this evening, namely in the spirit of what is called spiritual science—or, as it has become customary to say in certain circles, in the spirit of theosophy— one encounters strong resistance within contemporary intellectual life, and many who first hear such reflections on this question will feel as if they are not facing a serious examination of life and science, but rather a flight of fancy and daydreaming—something entirely unscientific.
[ 9 ] Unter denjenigen, die voll verstehen können – das sage ich gleich im Voraus –, wenn man aus dem Bewusstsein des Geisteslebens der Gegenwart heraus alles dasjenige, was am heutigen Tage zu sagen sein wird, mit der herbsten Gegnerschaft belegt, wenn man es träumerisch und phantastisch findet, muss ich durchaus selber sein, denn der Geisteswissenschaftler, der solche Betrachtungen anstellt, ist sich klar darüber, wie viel scheinbare und durchaus beachtenswerte Gründe zu finden sind im Geistesleben der Gegenwart, um Gegnerschaft, Ablehnung, Ironie vielleicht, sogar Hohn und Spott gegen dasjenige geltend zu machen, was da zu sagen ist.
[ 9 ] Among those who can fully understand—and I say this right from the start—that, from the perspective of today’s spiritual life, everything that is to be said today will be met with the harshest opposition, and that people will find it dreamy and fanciful, I must certainly be one of them, for the spiritual scientist who engages in such reflections is well aware of how many apparent and thoroughly valid reasons can be found in contemporary spiritual life to assert opposition, rejection, perhaps irony, even scorn and ridicule against what is to be said here.
[ 10 ] Der Grund, dass das so ist in unserer Gegenwart, liegt in gewisser Beziehung darin, dass, wenn man im Sinne der Geisteswissenschaft oder Theosophie über die Fragen des Lebens und vor allen Dingen über die Fragen nach «Tod und Unsterblichkeit» spricht, man in einer ähnlichen Lage ist wie die Bekenner der neueren Naturwissenschaft in derjenigen Zeit, in welcher sich diese neue Naturwissenschaft zuerst geltend gemacht hat. Das war im Beginne unseres neuzeitlichen Geisteslebens vor etwa dreihundert bis vierhundert Jahren. In Bezug auf die Geisteswissenschaft machen wir heute dasselbe Stadium durch, das durchgemacht worden ist, als Giordano Bruno, Kepler und Galilei eine ganz neue naturwissenschaftliche Betrachtung in das Leben einzuführen hatten. Worinnen hat nun das Wesentliche gelegen, das dazumal für die Naturwissenschaft geltend gemacht worden ist? Dasselbe, was vom Standpunkte der heutigen Geistesbildung eingewendet wird gegenüber der Theosophie oder Geisteswissenschaft, wurde durchaus auch eingewendet gegen die neuen Erkenntnisse und Ideale der Naturwissenschaft.
[ 10 ] The reason this is the case in our present time lies, in a certain sense, in the fact that when one speaks, in the spirit of spiritual science or theosophy, about the questions of life—and above all about the questions of “death and immortality”—one finds oneself in a situation similar to that of the proponents of modern natural science at the time when this new natural science first established itself. That was at the dawn of our modern spiritual life, some three to four hundred years ago. With regard to spiritual science, we are today going through the same stage that was experienced when Giordano Bruno, Kepler, and Galileo had to introduce a completely new scientific perspective into life. What, then, was the essential point that was asserted on behalf of natural science at that time? The very same objections that are raised today from the standpoint of modern intellectual culture against theosophy or spiritual science were also raised against the new insights and ideals of natural science.
[ 11 ] Man wird heute sagen: Alles, was du uns heute da erzählst, widerspricht den Angaben der sorgfältigen Wissenschaft, welche sich auf die Erfahrung, die genaue Erforschung der äußeren Tatsachen stützt. Nun ja, so sprachen auch diejenigen, welche im Beginne der neueren Zeit gegen die neue Naturwissenschaft sprachen. Nach äußeren Tatsachen hatte man seine Urteile gebildet dazumal, als die Leute der Anschauung waren, dass die Erde stille stehe im Weltenraume, dass der ganze Sternenhimmel sich herumbewege, dass der Raum abgegrenzt sei oben, wie sie dazumal sagten, durch die achte Sphäre, die man sich vorstellte als das blaue Himmelsgewölbe, das dann in das geistige Leben hineinführte. Das bot der äußere Sinnenschein, das bot die äußere Anschauung. Giordano Bruno und diejenigen, welche sich zu ihm bekannten, rechneten dasjenige, was in Stolz und Größe die äußere Naturwissenschaft heute ausmacht und das sie betrachtet als äußeren Sinnenschein, zum inneren Erfassen, indem sie sagten, dass sie lediglich mit innerem Erfassen der Dinge eine Weltanschauung hinstellten, die widerspräche allem, was der äußere Sinnenschein darzubieten hatte.
[ 11 ] People today will say: Everything you are telling us here contradicts the findings of rigorous science, which is based on experience and the precise investigation of external facts. Well, that is exactly what those who spoke out against the new natural sciences at the dawn of the modern era also said. Judgments were formed based on external facts back then, when people believed that the Earth stood still in the cosmos, that the entire starry sky revolved around it, and that space was bounded above, as they said at the time, by the eighth sphere, which was imagined as the blue vault of heaven that then led into spiritual life. That is what external sensory appearances offered; that is what external observation offered. Giordano Bruno and those who followed him regarded that which today constitutes the pride and grandeur of external natural science—and which it considers to be external sensory appearance—as inner comprehension, asserting that they were establishing a worldview based solely on the inner comprehension of things, a worldview that contradicted everything that external sensory appearance had to offer.
[ 12 ] Dass die Sonne im Mittelpunkte des Weltenraumes für das irdische Planetensystem steht, dass die Erde sich um die Sonne bewege mit den andern Planeten, dass da, wo der Blick sich hinausrichtet in den Weltenraum, eine Grenze gegeben wäre, nur durch die Begrenztheit des menschliches Blickes so erscheint, während der Raum in die Unendlichkeit geht; dieses Fundament der naturwissenschaftlichen Anschauung wurde aus der Energie des Geisteslebens, aus der Nichtberücksichtigung des Sinnenscheins gegeben. Vorstellen muss man sich, was das in jener Zeit bedeutete, dass man sich denkt Giordano Bruno hinausblickend in Weltenweiten, sagend, dass da keine Grenzen seien, wo Sinneserfahrung diese Grenzen zu sehen glaubt, dass das Vorhandensein von Grenzen nur von der Begrenztheit der sinnlichen Anschauung abhängt, wenn der Mensch eine Hohlkugel als achte Sphäre wahrzunehmen meint. Über die Unendlichkeit des Raumes erweiterte, wie eine Ahnung oder besser gesagt, wie ein wissenschaftliches Ideal, Giordano Bruno das ganze menschliche Denken. Was dazumal eingeleitet worden ist, brachte hervor in seinem Fortgange die großen Errungenschaften der äußeren Naturwissenschaft, welche die Geisteswissenschaft gerade so anerkennt und hochstellt und verteidigt – wenn wir auch heute nicht Gelegenheit und nicht Zeit dazu haben –, wie nur irgendein Naturforscher es zu tun vermag.
[ 12 ] That the Sun stands at the center of the universe for the Earth’s planetary system, that the Earth moves around the Sun along with the other planets, that where the gaze extends out into the universe, a boundary appears to exist only because of the limitations of human vision, while space extends into infinity; this foundation of the scientific worldview arose from the energy of spiritual life, from disregarding the appearance of the senses. One must imagine what this meant in those days: to picture Giordano Bruno gazing out into the vastness of the cosmos, declaring that there are no boundaries where sensory experience believes it sees them, that the existence of boundaries depends solely on the limitations of sensory perception—as when a person believes they perceive a hollow sphere as the eighth sphere. Through the infinity of space—as a premonition, or rather, as a scientific ideal—Giordano Bruno expanded the entire scope of human thought. What was initiated back then gave rise, as it progressed, to the great achievements of the natural sciences, which the humanities recognize, hold in high esteem, and defend—even if we lack the opportunity and time to do so today—just as no natural scientist could ever do.
[ 13 ] In ähnlicher Weise ist der Geistesforscher genötigt, hinzuweisen auf zwei Rätsel des menschlichen Lebens, die nur durch die Beschränktheit des menschlichen Anschauungsvermögens Grenzen sind, die wir hinwegräumen müssen, wie Giordano Bruno es getan hat, um den Weltenraum freizubekommen. Diese Grenzen sind die Geburt, die Empfängnis des Menschen und der Tod; und wie dazumal bei der Naturwissenschaft durch innere Energie des Geistes erweitert werden musste der Blick in die Unendlichkeit des Raumes dadurch, dass hinweggeräumt werden mussten die Grenzen, die sich die menschliche Anschauung selber zieht, so müssen hinweggeräumt werden gleichsam die Grenzen des seelischen Firmamentes, die da heißen Geburt und Tod, durch die neue Geisteswissenschaft oder Theosophie, die aus der inneren Energie des Geisteslebens heraus – gerade so wie die damalige Naturwissenschaft – zu erweitern hat die Erkenntnisse der menschlichen Seele über die Geburt und rückwärts über die Pforte des Todes hinaus in den unbeschränkten Raum, oder mit andern Worten: in die Unendlichkeit der Zeit.
[ 13 ] Similarly, the researcher of the spiritual realm is compelled to point out two mysteries of human life that are limits only because of the narrowness of human perception—limits that we must remove, just as Giordano Bruno did, in order to open up the universe. These boundaries are birth, the conception of the human being, and death; and just as, in the case of natural science, the view into the infinity of space had to be expanded through the inner energy of the spirit—by removing the boundaries that human perception itself imposes—so too must the boundaries of the spiritual firmament, namely birth and death, be removed, through the new spiritual science or theosophy, which—drawing upon the inner energy of spiritual life, just as natural science did in its time—must expand the human soul’s understanding of birth and, looking backward, beyond the gate of death into boundless space, or, in other words, into the infinity of time.
[ 14 ] Da in Bezug auf die Anschauungen der Seele im heutigen Geistesleben eben dieselben Vorurteile herrschen, die geherrscht haben zur Zeit des Aufblühens der neueren Naturwissenschaft auf dem Gebiete der äußeren Sinneswahrnehmung, so ergibt sich auch selbstverständlich, wie [es] sich damals ergeben hat als Ketzergericht, in der Gegenwart dasjenige, was sich in Ironie, Hohn, Ablehnung und Gegnerschaft in Reden von Phantastik und Träumerei kleiden muss. Nun frägt es sich aber: Auf welche Weise werden die Mittel des inneren Geisteslebens gewonnen, um hinauszuschauen über die von den Menschen selbst gezogenen Grenzen der Geburt und Empfängnis und des Todes? Gerade so wie die äußere Naturwissenschaft und ganz in ihrem Sinne und mit ihren Methoden geht die Geisteswissenschaft auf diesem Gebiete vor. Auch sie stützt sich in gewisser Weise auf die Ergebnisse einer geordneten, methodischen Beobachtung und auf das geistige Experiment, auf den geistigen Versuch, wenn auch dieser geistige Versuch anders aussieht, als man ihn sich in der Gegenwart noch gern vorstellt. Denn wir werden sehen: Ähnlich ist dieser geistige Versuch den Versuchen nicht, die man zum Zwecke äußerer Naturerkenntnisse in den Laboratorien, Kliniken oder sonstigen wissenschaftlichen Anstalten macht.
[ 14 ] Since the same prejudices prevail in today’s intellectual life regarding the soul’s perceptions as those that prevailed during the heyday of modern natural science in the realm of external sensory perception, it naturally follows—just as it did then in the form of the Inquisition—that what must now be clothed in irony, scorn, rejection, and opposition—all cloaked in talk of fantasy and daydreaming. But the question now arises: In what way are the means of inner spiritual life acquired to look beyond the boundaries of birth, conception, and death that human beings themselves have drawn? Just as external natural science does—and entirely in its spirit and using its methods—spiritual science proceeds in this field. It, too, relies in a certain sense on the results of orderly, methodical observation and on the spiritual experiment, even if this spiritual experiment looks different from how people still tend to imagine it today. For we shall see: this spiritual experiment is not similar to the experiments conducted for the purpose of gaining external knowledge of nature in laboratories, clinics, or other scientific institutions.
[ 15 ] Wie aber bei so vielen Dingen, [so] ist es auch hier nötig, zunächst aufmerksam zu machen auf dasjenige, was hervorruft in unserer Seele jene Beschränkung, jene Einengung, durch welche man innerhalb der gewöhnlichen Erfahrung eingegrenzt denkt das Leben zwischen Geburt und Tod, und da müssen wir sagen: Wissen wir denn nicht, dass Zorn, Hass und eine jegliche Art von Leidenschaft, die der menschlichen Entwicklung wahre Feinde sind, eine richtige, ruhige, objektive Betrachtung der Ereignisse, die uns umgeben, zu gewinnen unmöglich machen? Wollen wir über irgendetwas ein sicheres, gutes Urteil haben, dann darf sich uns vor der Seele nicht ausbreiten das, was wir nennen können den Nebel der Leidenschaften, der Sympathien und Antipathien.
[ 15 ] But as with so many things, [so] here too it is necessary to first draw attention to that which gives rise in our soul to that limitation, that constriction, through which we tend to think of life between birth and death as confined within the bounds of ordinary experience; and here we must say: Do we not know that anger, hatred, and every kind of passion—which are the true enemies of human development—make it impossible to gain a proper, calm, and objective view of the events surrounding us? If we wish to form a sound and sound judgment about anything, then what we might call the fog of passions, sympathies, and antipathies must not spread before our soul.
[ 16 ] Wer aber wollte nicht zugeben, dass unserm Schicksal gegenüber, unserem Lebenslos gegenüber in jeder Stunde innerhalb unseres Seelenlebens gerade Sympathie und Antipathie wirksam sind? Sind wir jemals in der Lage, dasjenige wirklich zu beobachten, was uns eigentlich zusammenhält mit dem Schicksal, das im Beginne der heutigen Betrachtung charakterisiert worden ist, bei dem einen als gutes, glückliches Lebenslos, bei dem anderen als schmerzvolles auftritt? Nein, wir sind nie in einer solchen Seelenverfassung, dass wir unserm Schicksal ohne Leidenschaft, ohne Sympathie oder Antipathie gegenüberstehen. Dasjenige, was uns trifft im Leben, ist so, dass wir uns entweder durch dasselbe glücklich schätzen oder dass wir es ablehnen. Derjenige, der gewohnt ist, in einer einigermaßen sachgemäßen Weise das Leben zu betrachten, der wird sich klar darüber sein, dass nichts die Menschen trifft, das sie nicht begehrt haben mit dem Gefühle: Du willst das – oder abgelehnt haben mit dem Gefühle: Das ist dir zuwider. So können wir sagen: Schon die gewöhnliche Lebensbeobachtung lehrt uns, dass wir gar nicht so ohne Weiteres zu einer Aufklärung, zu einer wirklichen urteilsmäßigen Aufklärung kommen können über unser Schicksal, da wir es niemals leidenschaftslos ansehen.
[ 16 ] But who would not admit that, in the face of our fate, our lot in life, sympathy and antipathy are at work in every moment of our inner life? Are we ever truly able to observe what actually binds us to the fate described at the beginning of today’s reflection—which appears to some as a good, happy lot in life, and to others as a painful one? No, we are never in such a state of mind that we face our fate without passion, without sympathy or antipathy. What befalls us in life is such that we either consider ourselves fortunate because of it or reject it. Anyone accustomed to viewing life in a reasonably objective manner will be clear that nothing befalls people that they have not desired with the feeling: “You want this”—or rejected with the feeling: “This is repugnant to you.” Thus, we can say: Even ordinary observation of life teaches us that we cannot so easily arrive at an understanding—a true, discerning understanding—of our fate, since we never view it dispassionately.
[ 17 ] Es wird daher selbstverständlich sein, dass derjenige, der Aufschluss gewinnen will über den wahren Kern, über die Bedeutung des menschlichen Schicksals, an sich selber die Forderung stellt: In sich zu überwinden jegliche Sympathie mit irgendetwas, das wir innerhalb unseres Lebensloses glücklich nennen, jegliche Antipathie gegenüber den schmerzvollen Ereignissen. Wohl gemerkt, es ist nicht die Rede davon, dass das etwa notwendig sei für das gewöhnliche alltägliche Leben. Da ist es sogar ganz gut und richtig, wie wir unsere Sympathien und Antipathien der Außenwelt und unserem Schicksal gegenüberstellen. Aber zu dem Zwecke, kennenzulernen das Wesen des Schicksals, ist es nötig, ganz besondere Bedingungen herbeizuführen, wie man auch Naturkräfte nur kennenlernt, wenn man ganz besondere Bedingungen herbeiführt.
[ 17 ] It will therefore go without saying that anyone who wishes to gain insight into the true essence and meaning of human destiny must demand of themselves: to overcome within themselves any sympathy for anything we call “happiness” within the course of our lives, and any antipathy toward painful events. Mind you, this is not to say that such an attitude is necessary for ordinary, everyday life. In that context, it is actually quite good and right to direct our sympathies and antipathies toward the outside world and our fate. But in order to come to know the essence of fate, it is necessary to create very special conditions—just as one can only come to know the forces of nature by creating very special conditions.
[ 18 ] Nun ist es keineswegs leicht, dasjenige wirklich zu überwinden, was wir Sympathie und Antipathie mit unserem Schicksal nennen. Es gehört zu dem Allerschwierigsten des Lebens. In Bezug auf die äußerlichen, oberflächlichen Schicksalsschläge können wir ja in gewisser Beziehung leicht dazu kommen; aber gegenüber dem, was uns stündlich, [was uns] täglich, von Augenblick zu Augenblick trifft, dafür sorgt schon die Verbindung unseres Seelischen mit unserem Leiblichen, mit allem, was wir durch unser Seelisches nicht kontrollieren können, mit unserem Leiblichen, mit allem, was aus dem dumpfen Leben des Unbewussten in uns wirkt, mit allen Sympathien und Antipathien, dass wir nicht imstande sind, sie völlig zu überwinden.
[ 18 ] Now, it is by no means easy to truly overcome what we call sympathy and antipathy toward our fate. It is among the most difficult things in life. When it comes to external, superficial blows of fate, we can, in a certain sense, easily come to terms with them; but when it comes to what befalls us every hour, [what befalls us] every day, from moment to moment, the very connection of our soul to our body—to everything we cannot control through our soul, to our body, to everything that works within us from the dull life of the unconscious, to all sympathies and antipathies—ensures that we are unable to overcome them completely.
[ 19 ] Sympathie und Antipathie überwinden können wir nur dann, wenn der Mensch dazu gelangt, nicht nur den Entschluss zu fassen, ein gelassener Mensch zu werden, nicht nur in tiefer Selbstbetrachtung und Selbstsucht die Forderung stellt, gelassen zu sein, sondern wenn er immer wieder ganz entsprechende Übungen seines Seelenlebens vornimmt in regelmäßiger geistiger Schulung, wie Sie sie beschrieben finden können in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Nur wenn der Mensch immer wieder und wieder an sich arbeitet, solche gleichmäßige Seelenstimmung seines Lebens erzeugen zu können, in denen völlige Sympathieund Antipathielosigkeit mit dem Schicksal vorhanden sind, da kommt dann über den Menschen eine Erkenntnis, die sich hineinspielt in das Leben, die so an uns herantritt, dass wir sagen: Wir schreiten über die äußeren Erscheinungen des Lebens hinweg. Das Innere unseres geistig-seelischen Wesenskernes zu charakterisieren, dazu ist nötig die Erfahrung, die der Mensch durch die nötige geistige Schulung erhalten kann dadurch, dass er eine ganz bestimmte Anschauung bekommt über seinen Lebensverlauf.
[ 19 ] We can overcome sympathy and antipathy only when a person not only resolves to to become a serene person, and not merely demand—in deep self-reflection and self-centeredness—that one be serene, but when they repeatedly engage in appropriate exercises of their inner life through regular spiritual training, as you can find described in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?. Only when a person works on themselves again and again to cultivate such a balanced soul-state in their life—one in which there is complete freedom from sympathy and antipathy toward fate—does a realization come upon them that permeates their life, approaching us in such a way that we say: We transcend the outer appearances of life. To characterize the inner core of our spiritual and soul being, we need the experience that a person can gain through the necessary spiritual training by developing a very specific perspective on the course of their life.
[ 20 ] Solange man die charakterisierten Übungen nicht gemacht hat, blickt man in sein Leben zurück und erinnert sich, wenn auch vielleicht lückenhaft, an das, was man vor Wochen, Monaten, Jahren, ja vor Jahrzehnten erlebt hat. Dann aber kommt ein Moment in der Kindheit, hinter den die Erinnerung nicht weiter zurückgeht. Wir wissen, dass dasjenige, was vor diesem Momente liegt, von uns nur gewusst werden kann, wenn uns ältere Geschwister oder die Eltern im Verlaufe des Lebens davon Mitteilung gemacht haben. Aber das normale Bewusstsein geht nur bis zu einem bestimmten Punkte in der Kindheitsentwicklung zurück. Man muss sich aber sagen: Indem sich inneres Erlebnis an inneres Erlebnis in der Lebensrückschau anreiht, ist es selbstverständlich, dass jener Moment, wo unser Bewusstsein, unser Ichbewusstsein auftritt, nicht zugleich die Geburt unseres Ich ist, jenes geistig-seelischen Kernes, welcher unser Seelenleben nuanciert, der unserem Seelenleben den Charakter gibt. Gehen wir zurück, so lehrt eine unbefangene Betrachtung des Lebens, das nur so verfließen kann, wie es verfließt, dass alle Auffassungen, die wir haben, nur möglich sind, wenn wir voraussetzen, dass der geistigseelische Wesenskern des Kindes selber arbeitet an seinem äußeren Organismus.
[ 20 ] As long as one has not done the exercises described, one looks back on one’s life and recalls—albeit perhaps with gaps—what one experienced weeks, months, years, or even decades ago. But then there comes a moment in childhood beyond which one’s memory does not extend. We know that what lies before that moment can only be known to us if older siblings or parents have told us about it over the course of our lives. But normal consciousness only goes back to a certain point in childhood development. Yet we must realize: as inner experiences follow one another in our retrospective view of life, it goes without saying that the moment when our consciousness—our sense of self—emerges is not at the same time the birth of our “I,” that spiritual-psychic core which nuances our inner life and gives it its character. If we look back, an unbiased observation of life—which can only flow as it flows—teaches us that all the perceptions we have are possible only if we assume that the child’s spiritual-soul core itself is at work within its external organism.
[ 21 ] Und wie zeigt sich diese Arbeit an dem äußeren Organismus? Es weiß die äußere Naturwissenschaft, wie wenig plastisch gebildet in den ersten Lebenstagen, Lebenswochen und Lebensjahren der menschliche Organismus und namentlich das Gehirn ist. Wenn wir dieses Gehirn verfolgen in seinem Werden, wie es sich anpasst an die Lebenserscheinungen, so finden wir, dass wir es selber sind, die da arbeiten an der äußerlichen körperlichen Organisation, und wenn wir uns die geschilderte Sympathie und Antipathie durch die geistigen Übungen abgewöhnt haben, wenn wir zu einer gewissen Gelassenheit gekommen sind, dann begreifen wir, lernen [zu] begreifen, wie zusammenhängt mit dem verborgenen Ich unseres Wesens, mit unserem geistig-seelischen Wesenskern dasjenige, was da arbeitet sowohl an unserer körperlichen Organisation, bevor wir sie noch gebaut, wie auch mit unserem Schicksal, wie wir – mit anderen Worten – wollen. Wenn wir auf ein Wollen, auf eine Kraft unseres geistig-seelischen Wesenskerns zurückgehen, die nicht durch Sympathie und Antipathie in unser Bewusstsein fällt, dann merken wir, dass unser Ich, unser geistig-seelischer Wesenskern nicht nur mitkonfiguriert das Gehirn, das er selber aufbaut, sondern dass er selbst es ist, der sich in das Leben hineinstellt, der sich sein Schicksal hervorruft.
[ 21 ] And how does this work manifest itself in the external organism? External natural science knows how malleable the human organism—and especially the brain—is during the first days, weeks, and years of life. If we trace the development of this brain as it adapts to the manifestations of life, we find that it is we ourselves who are at work on the external physical organization; and when we have overcome the described sympathies and antipathies through spiritual exercises, when we have attained a certain serenity, then we comprehend and learn [to] understand how what is at work—both in our physical organization before we have even formed it and in our destiny—is connected to the hidden “I” of our being, to the spiritual-soul core of our being; in other words, how we will. When we go back to a will, to a force within the spiritual-soul core of our being that does not enter our consciousness through sympathy and antipathy, then we realize that our “I,” our spiritual-soul core, not only helps shape the brain that it itself builds, but that it is the very core itself that places itself within life, that brings about its own destiny.
[ 22 ] Man muss erst lernen, durch den geschilderten seelischen Vorgang den Willen zu verbinden mit dem Schicksal, dann wird der Wille so, dass er begreift: Du bist es selbst, der dich hineingestellt hat ins Leben. Wenn wir in solcher Weise schon das äußerliche Leben beobachten, dann kommen wir entgegen der geisteswissenschaftlichen Forschung, welche sagt, dass es nur einer ungenauen Beobachtung entspringt, wenn wir sagen, dass dasjenige, was im Menschenleben auftritt, was uns an Fähigkeiten, Talenten, moralischen Qualitäten aus einem Menschenleben herausquillt, dem Zufall zuzuschreiben sei. Wenn wir das Kind beobachten von Geburt an, wie es Tag für Tag geschickter wird, wenn wir beobachten, was da herausquillt, so finden wir, dass es auch nur einer ungenauen Beobachtung entspringt, wenn wir den Zusammenhang mit dem Schicksal beobachten, wenn wir sagen, das, was im Leben so auftritt, sei von den Eltern oder Voreltern vererbt. Deshalb muss die Geisteswissenschaft darauf hinweisen, dass es auf eine ungenaue Beobachtung zurückzuführen ist, wenn man glaubt, dass ein Menschenwesen allein durch die vererbten Eigenschaften der Eltern oder Großeltern bewirkt wird.
[ 22 ] One must first learn, through the psychological process described, to connect the will with destiny; then the will becomes capable of understanding: It is you yourself who have placed yourself into life. If we observe external life in this way, we arrive at a conclusion contrary to that of spiritual scientific research, which asserts that it stems solely from imprecise observation when we say that what occurs in human life—the abilities, talents, and moral qualities that well up from a human life—should be attributed to chance. If we observe the child from birth, as it becomes more skilled day by day, if we observe what emerges from within, we find that it, too, stems from inaccurate observation when we consider the connection to destiny—when we say that what occurs in life is inherited from parents or grandparents. Therefore, spiritual science must point out that it is due to imprecise observation when one believes that a human being is brought about solely by the inherited characteristics of parents or grandparents.
[ 23 ] Es ist das eine ebenso ungenaue Beobachtung, wie man sie vor der naturwissenschaftlichen Ära angewendet hat, wo man – es war noch im siebzehnten Jahrhundert – der Meinung war, dass auf Flussschlamm, aus toter, lebloser Materie, ohne dass Lebenskeime in diese Materie hineingelegt wären, nicht nur ganz niedere Tiere, sondern sogar Regenwürmer und Fische sich entwickelten. Es war Francesco Redi, der, weil er dies [bestritten und das Gegenteil] behauptet hatte, nur schwer dem Schicksal des Giordano Bruno entgangen war. Es ist also eine ungenaue Beobachtung, wenn man glaubt, dass aus der leblosen Materie das Leben herausquillt. Francesco Redi zeigte, dass die Wesen nur dann ihre Entstehung finden, wenn das Leben die Materie an sich zieht und sie den Gesetzen gemäß formt.
[ 23 ] This is just as inaccurate an observation as those made before the scientific era, when—as late as the seventeenth century—it was believed that not only very low-level animals but even earthworms and fish developed from river mud, which was dead, lifeless matter, without any seeds of life having been introduced into it. It was Francesco Redi who, because he had [disputed this and asserted the opposite], narrowly escaped the fate of Giordano Bruno. It is therefore an inaccurate observation to believe that life springs forth from lifeless matter. Francesco Redi demonstrated that living beings come into being only when life draws matter to itself and shapes it in accordance with the laws of nature.
[ 24 ] Das, was Naturwissenschaft damals getan hat, tut die Geisteswissenschaft in unseren Tagen, indem sie zeigt, dass es auf ungenauer Beobachtung beruht, wenn dasjenige, was als geistig-seelischer Wesenskern des Menschen, als Intellektualität, als moralische Eigenschaften, als Schicksalsfügung hervortritt, zurückgeführt wird auf Eigenschaften von Eltern oder Großeltern. Die Geisteswissenschaft zeigt vielmehr, dass dieser Geisteskern zurückführt auf einen anderen Geisteskern. Wie Francesco Redi gezeigt hat, dass Leben auf Leben zurückführt, so hat die Theosophie zu zeigen, dass das Geistig-Seelische auf Geistig-Seelisches zurückgeht, das heißt, dass das Geistig-Seelische früher mit Geistig-Seelischem verbunden war. Daher kann man nicht von einem Gattungskeime reden, sondern muss von einem persönlichen Lebenskerne sprechen, der nicht nur ein, sondern viele vorherige Leben bezeichnet, sodass die Geisteswissenschaft das gegenwärtige Leben zurückzuführen hat auf die anderen Erdenleben, in denen der Mensch aus dem geistigen Leben schon die Eigenschaften aufgenommen hat, seine Talente und Kräfte entwickelte, durch die er sein Schicksal sich selber formte.
[ 24 ] What the natural sciences did back then, the spiritual sciences are doing today by showing that it is based on imprecise observation when what emerges as the spiritual-psychic core of the human being—as intellectuality, as moral qualities, as the workings of fate—is traced back to the characteristics of parents or grandparents. Spiritual science shows, rather, that this spiritual core can be traced back to another spiritual core. Just as Francesco Redi demonstrated that life arises from life, so theosophy must show that the spiritual-psychic arises from the spiritual-psychic—that is, that the spiritual-psychic was previously connected to the spiritual-psychic. Therefore, one cannot speak of a “generic germ,” but must speak of a “personal life core” that refers not to just one but to many previous lives, so that spiritual science must trace the present life back to the other earthly lives in which the human being, through spiritual life, has already absorbed the qualities and developed the talents and powers through which he or she has shaped his or her own destiny.
[ 25 ] Hier kommen wir zu der Frage nach den wiederholten Erdenleben, das heißt zu der Tatsache – die durch die Geisteswissenschaft erforscht werden kann –, dass dasjenige, was als geistig-seelischer Kern in uns lebt, schon viele Male auf der Erde da war und noch viele Male auf die Erde wieder zurückkehren wird, und dass dieser geistigseelische Wesenskern die von Eltern und Großeltern vererbten Eigenschaften ebenso um sich herum zusammenfasst, mit sich vereinigt wie die Keime, die Francesco Redi geschildert hat, es tun. Wie die Naturwissenschaft der Gegenwart diese Anschauung mit sich vereinigt und sich danach gestaltet hat, so hat die Geisteswissenschaft eine Anschauung, die vollständig im Sinne der Naturwissenschaft ist, nur dass sie nicht arbeitet mit der Materie, sondern mit dem Inhalte, der dem Geistig-Seelischen entspricht.
[ 25 ] Here we come to the question of repeated earthly lives, that is, to the fact—which can be explored through spiritual science—that what lives within us as a spiritual-soul core has already been on Earth many times and will return to Earth many more times, and that this spiritual-soul core gathers around itself and unites with the qualities inherited from parents and grandparents in the same way that the germs described by Francesco Redi do. Just as modern natural science has incorporated this view and shaped itself accordingly, so too does spiritual science have a perspective that is entirely in line with natural science, except that it works not with matter but with the content corresponding to the spiritual-soul aspect.
[ 26 ] Wie wir schauen auf frühere Leben hin, so schauen wir auch auf zukünftige, indem wir erkennen, dass wir sie selber zusammenfügen, dass die Art und Weise, wie wir das Leben ausgestalten können, wiederum erscheint als unser Schicksal. Wie in derselben Weise unsere subjektiven Sympathien und Antipathien sich vorlagern vor unser Schicksal, so lagern sich vor alle Gefühle und Egoismen, alle Gefühle dessen, was in unserer Vergangenheit in unserer zeitlichen Persönlichkeit sich angeheftet hat. Sie lagern sich vor, wenn das, was geschildert worden ist, immer reifer und reifer wird. Wenn wir unseren eigenen Ich-Kern wirklich untersuchen wollen, so brauchen wir nur uns die vielen Iche vorzuhalten, die uns zeigen, wie dasjenige, was der eigene Geisteskern ist, das er im gewöhnlichen Bewusstsein hat, aufsprießt in einer gewissen Zeit und wieder vergeht mit dem Tode. Das stellt sich ihm dar, wenn er die Außenwelt beobachtet, und das gewöhnliche Leben ist fast nur zusammengesetzt aus solchen Beobachtungen der Außenwelt.
[ 26 ] Just as we look back on past lives, so too do we look toward future ones, recognizing that we ourselves shape them, and that the way in which we can shape our lives, in turn, appears as our destiny. Just as our subjective sympathies and antipathies precede our destiny, so too do all feelings and selfish impulses—all the feelings of what has become attached to our temporal personality in our past—precede it. They come to the fore as what has been described becomes ever more mature. If we truly wish to examine our own core self, we need only consider the many “I’s” that show us how that which is our own spiritual core—as it exists in ordinary consciousness—springs forth at a certain time and passes away again with death. This is what presents itself to him when he observes the external world, and ordinary life consists almost entirely of such observations of the external world.
[ 27 ] Nehmen wir an, um einen eklatanten Fall zu haben, wir beobachten einen wunderbaren Sonnenaufgang. Wir sind hingegeben mit allem, was wir sind, mit unserem Gefühl, mit unserem Ich, diesem wunderbaren Schauspiel und vermischen in unserem Bewusstsein dasjenige, was uns da entgegenkommt, mit dem, was wir selber sind und in uns haben. Ebenso ist es auch für das äußere Leben, nur müssen wir für die geistig-seelische Forschung den geistig-seelischen Wesenskern heraustrennen aus dem Leben. Wenn wir die moralischen Erlebnisse heraustrennen, mitempfinden Schmerzen und Leiden eines anderen, wir werden unser Mitleid am meisten entfalten, wenn wir uns nicht trennen von den äußeren Verhältnissen. Das also, was wir sind, fällt zusammen mit dem, was seelisches Erlebnis ist, und wenn wir uns nun nicht loslösen in neuer Erfahrung, so haben wir ein Hindernis, diesen geistig-seelischen Wesenskern zu erkennen.
[ 27 ] Let us suppose, to take a striking example, that we are observing a magnificent sunrise. We are wholly absorbed—with our whole being, with our feelings, with our sense of self—in this magnificent spectacle, and in our consciousness we blend what meets us there with what we ourselves are and possess within us. The same applies to external life; however, for spiritual and psychological research, we must isolate the spiritual and psychological essence from life. When we isolate moral experiences—empathizing with another’s pain and suffering—we will develop our compassion most fully if we do not separate ourselves from external circumstances. Thus, what we are coincides with what constitutes a soul experience, and if we do not detach ourselves in the face of new experiences, we encounter an obstacle to recognizing this spiritual-soul core.
[ 28 ] Es gibt einen Fall, der jedem bekannt ist, wo der Mensch sich trennt von den äußeren Erlebnissen. Aber dieser Fall kann für das gewöhnliche Bewusstsein nicht objektiv genau betrachtet werden. Das ist der Fall, die Tatsache, die der Mensch jeden Tag erlebt, indem er von seinem Wachzustande in seinen Schlafzustand übergeht. Es sollte eigentlich niemand – denn es ist geradezu selbstverständlich, dass es niemand tut – glauben, dass während des wachen Tagesbewusstseins auf- und abflutet alles dasjenige, was unsere Vorstellungen ergibt, unsere Triebe, Begierden und Leidenschaften, und auch das, was unsere Ideale ausmacht, kurz, alles, was unser Bewusstsein erfüllt, beim Einschlafen verschwindet und neu ersteht beim Aufwachen. Das wäre einfach ein logischer Fehler, der gemacht würde von dem, der das glaubt. Jeder Mensch muss vielmehr zugeben, dass dasjenige, was im Seelenleben vorgeht, vorhanden bleibt auch im Schlafe, vorhanden ist auch vom Einschlafen bis zum Aufwachen. Aber es ist so vorhanden, wie es eben vorhanden sein muss, wenn die Bedingungen des Schlafes eintreten. Welches sind nun diese Bedingungen?
[ 28 ] There is one instance that everyone is familiar with in which a person becomes detached from external experiences. But this instance cannot be objectively examined in detail by ordinary consciousness. This is the instance—the fact—that a person experiences every day when transitioning from a waking state to a sleeping state. No one should actually believe—for it goes without saying that no one does—that during waking daytime consciousness, everything that constitutes our ideas, our drives, desires, and passions, as well as what makes up our ideals—in short, everything that fills our consciousness—disappears as we fall asleep and reappears when we wake up. That would simply be a logical error committed by anyone who believes it. Rather, every person must admit that what takes place in the life of the soul remains present even during sleep; it is present from the moment we fall asleep until we wake up. But it is present in the way it must be present when the conditions of sleep set in. What, then, are these conditions?
[ 29 ] Es sind diejenigen Bedingungen, dass der Mensch verliert durch den Zustand des Schlafes, der nicht weiter geschildert werden soll, die Gewalt über seine Sinne, die Möglichkeit, aufzunehmen die Erlebnisse der Außenwelt durch seine Sinneswerkzeuge, die Möglichkeit, seine Muskeln zu dirigieren und so weiter. Der Zusammenhang mit dem eigenen Leibe und auch der mit der Außenwelt durch die Sinne geht verloren. Es breitet sich aus in dem Menschen vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Nacht der Bewusstlosigkeit. So gibt es für den Menschen jeden Tag einen Zustand, in dem sein geistig-seelischer Kern lebt unabhängig von der materiellen Außenwelt, unabhängig von dem eigenen Leibe. Aber der Mensch kann es nicht beobachten, weil sein Bewusstsein in dem Augenblicke erlischt, wo dieses innere Leben sich zurückzieht von dem Zusammenhang mit der Leiblichkeit. Selbstverständlich kann der Einwand, der leicht geschürzt ist, gemacht werden, dass es mit den Bewusstseinserscheinungen, mit dem, was als Leidenschaft, als Trieb und Begierde auf- und abflutet, seine ganz besondere Bewandtnis habe und dass uns das Wiederkehren dieses Seelenlebens am Morgen in irgendeiner Weise ein Beweis sein könne, dass es vorhanden war auch während des Schlafens, während der Leib eine Tätigkeit ausführt, die sich nicht bis zur vollständigen Bewusstlosigkeit steigert.
[ 29 ] These are the conditions under which a person, due to the state of sleep—which need not be described in further detail—loses control over his senses, the ability to perceive the experiences of the outside world through his sensory organs, the ability to control his muscles, and so on. The connection with one’s own body—and also with the external world through the senses—is lost. From the moment of falling asleep until waking, the night of unconsciousness spreads within the person. Thus, every day there is a state in which a person’s spiritual-soul core lives independently of the material external world and independently of one’s own body. But a person cannot observe this, because their consciousness fades the very moment this inner life withdraws from its connection with physicality. Of course, the objection—which is somewhat simplistic—can be raised that the phenomena of consciousness, that which ebbs and flows as passion, impulse, and desire, has its own very special significance, and that the return of this inner life in the morning could in some way serve as proof to us that it was present even during sleep, while the body performs an activity that does not escalate to the point of complete unconsciousness.
[ 30 ] Man braucht nur die Logik anzulegen, und man wird bald sehen, wie wenig der Einwand stichhaltig ist. Was wir am Morgen empfinden, wenn wir aufwachen, das ist etwas, mit dem wir in einer anderen Weise Bekanntschaft machen als mit irgendeiner anderen Beobachtung. Wenn wir einen Tisch beim Einschlafen beobachtet haben und ihn beobachten wieder beim Aufwachen, so sehen wir ihn und wissen, dass er während der Nacht gedauert hat. Es ist kein Unterschied zwischen dem Tisch am Abend und dem Wiedererkennen des Tisches in der eigenen Wesenheit. Beim Einschlafen und Aufwachen nun entzieht sich – [respektive] verbindet sich – dieser geistig-seelische Wesenskern dem Bewusstsein. Nur manchmal flutet er sozusagen in die sonstige Finsternis des Nachtbewusstseins herauf, und wir wissen alle, dass dieses Herauffluten die Traumwelt darstellt. Wir wollen nicht in sehr ausgedehntem Maß eintreten in die Charakteristik der Traumeswelt, denn sobald dieses Thema angeschlagen wird, erinnert sich jeder gleich – und das ist begreiflich, wenn man bedenkt, wie der Mensch mystisch schwärmerisch wird, wenn er über den Traum spricht, und welcher Aberglaube, welches unwissenschaftliche Gebaren [festgestellt] worden ist da, wo über den Traum gesprochen wurde –, aber wenn man, von allem Aberglauben, aller Träumerei selber abgesehen, den Traum beobachtet, für das menschliche Leben namentlich dann beobachtet, wenn er charakteristisch auftritt, dann ist er doch schon in gewisser Weise etwas, was uns die Beobachtung unseres geistig-seelischen Wesenskerns möglich macht, der nicht erlischt im Schlaf, der sich als dauernd [er]weist, dem wir gegenübertreten können.
[ 30 ] One need only apply logic, and one will soon see how little merit the objection has. What we experience in the morning when we wake up is something we become acquainted with in a different way than with any other observation. If we have observed a table as we fall asleep and observe it again upon waking, we see it and know that it has persisted throughout the night. There is no difference between the table in the evening and the recognition of the table within our own being. Now, upon falling asleep and waking up, this spiritual-soul core either withdraws from—or, respectively, unites with—consciousness. Only sometimes does it, so to speak, surge up into the otherwise dark realm of nocturnal consciousness, and we all know that this surging up constitutes the world of dreams. We do not wish to delve too extensively into the characteristics of the dream world, for as soon as this topic is broached, everyone immediately recalls—and this is understandable when one considers how mystically enthusiastic people become when they speak of dreams, and what superstitions and unscientific behavior have been observed wherever dreams have been discussed— but if one observes the dream—setting aside all superstition and all daydreaming—and observes it in relation to human life, especially when it manifests in a characteristic way, then it is, in a certain sense, something that enables us to observe the core of our spiritual and soul nature, which does not cease to exist in sleep, which proves to be enduring, and which we can confront.
[ 31 ] Es ist allerdings eine Bedingung zu erfüllen, wenn der Mensch ohne besonderes Experiment des Seelenlebens durch Beobachten der Momente des Einschlafens [und] Aufwachens dazu kommen will, etwas zu erfahren von der Welt, indem er sich [in sie] hineinbewegt während des Schlafs [unleserlich], die eine ganz andere ist als die Welt des Wachens. Die eine Welt ist die, der unser geistigseelischer Wesenskern angehört und besonderen Kräften unterliegt […] [unleserliche Stelle] und in der er eine lange Zeit durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Allerdings gehören ganz besondere Bedingungen dazu, das Einschlafen und Aufwachen in den träumerischen Zuständen zu beobachten, [so]dass es einen wissenschaftlich haltbaren Inhalt liefert. Da muss der Mensch, wie er sich auch die Wissenschaft zu einem Instrument machen muss, einen Zustand herbeiführen, der so charakterisiert werden muss: Es darf die Ermüdung nicht über ein gewisses Maß hinausgehen. Es muss die Ermüdung so sein, dass der Mensch schläfrig [genug] ist, [um] im Schlaf Ruhe zu finden, dass er aber noch erhaschen kann mit diesem von der Ermüdung übrig gebliebenen Rest des Bewusstseins das, was als ein reales Seelenwesen aus dem Leben herausschlüpft und nun bis zum Aufwachen in einer geistigen Welt bleibt.
[ 31 ] However, there is one condition that must be met if a person wishes, without conducting any special experiment into the life of the soul, to gain some insight into the world—by moving into it during sleep [illegible]—simply by observing the moments of falling asleep [and] waking up; this world is entirely different from the waking world. This world is the one to which the core of our spiritual-soul being belongs and which is subject to special forces […] [illegible passage] and in which it lives for a long time between death and rebirth. However, very specific conditions are required to observe falling asleep and waking up in dreamlike states in such a way that it yields scientifically valid results. Just as one must make science an instrument, one must induce a state that can be characterized as follows: Fatigue must not exceed a certain level. Fatigue must be such that the person is [sufficiently] drowsy [to] find rest in sleep, yet is still able, with that remnant of consciousness left over from fatigue, to catch a glimpse of what, as a real soul-being, slips out of life and now remains in a spiritual world until awakening.
[ 32 ] Das ist keine Phantasterei, sondern ein seelisches Experiment, das jederzeit angestellt werden kann, wenn der Mensch die Bedingungen dazu herstellt, nämlich einen solchen Grad von Ermüdung in sich leben [zu] lassen, wie charakterisiert; dann stellt sich dem, der durch das allmähliche Müdewerden der Sinne und der übrigen Glieder des Leibes [sich darauf vorbereitet], eine geistige Welt und eine Fülle von Erlebnissen [vor die Seele], [die] objektiv vor ihm auftritt; dann aber weiß er auch, dass er webt jetzt in einer Welt, die er mit dem Gefühl zu erfassen hat. Der, welcher diesen Zustand zu erfassen hat, weiß, dass er mit seiner Seele eintritt in ein Erleben, welches in einer Klarheit und Deutlichkeit des Vorstellens, die keine äußere Gestalt hat, verläuft und das namentlich sich erstreckt über alles dasjenige, was der Mensch an moralischen Vorzügen und Fehlern in seiner Seele hat. (Und) ein jeder, der diese Beobachtung macht in dem geschilderten Zustand, weiß, dass er da lebt herausgezogen aus dem Leibe in einem rein geistig-seelischen Erleben und dass er nicht durch eine Willkür, sondern durch das, was er da erfährt, das Gefühl hat: Ach, wenn dieser Augenblick nur bliebe! Denn dieser Augenblick ist nichts, was mit irgendeinem äußeren Leben zusammenhängt.
[ 32 ] This is not a figment of the imagination, but a mental experiment that can be conducted at any time, provided one creates the necessary conditions—namely, allowing oneself to experience the degree of fatigue described; then, for the one who [prepares himself] through the gradual weariness of the senses and the rest of the body’s limbs, a spiritual world and a wealth of experiences [present themselves to the soul], [which] appear objectively before him; but then he also knows that he is now moving within a world that he must grasp through feeling. The one who must grasp this state knows that he enters, with his soul, into an experience that unfolds with a clarity and distinctness of imagination that has no external form, and that specifically extends to all that a person possesses in his soul in terms of moral virtues and faults. (And) anyone who makes this observation in the state described knows that he is living there, drawn out of the body into a purely spiritual-soul experience, and that he has the feeling—not out of caprice, but because of what he is experiencing there—that “Oh, if only this moment would last!” For this moment is not something connected to any external life.
[ 33 ] Denn erfolgt etwas, was man mit einem [unleserlich] empfinden wird, so erfolgt das, was uns zeigt, dass wir mit unserem geistig-seelischen Wesenskern uns herausheben aus dem physischen Leibe und dass (dann) unsere Seele nur nicht Energie genug hat, um das wahrzunehmen, [um] während des Einschlafens und Aufwachens diesen Vorgang zu beobachten. [Das] erreicht der Mensch nur, wenn er sich durch geistige Schulung vorbereitet, sodass er eine innere Vorliebe, eine Hingabe an das geistige Erlebnis [unleserlich] bekommt. Wenn man sagen kann: Der Mensch hat nicht ein intellektuelles, sondern ein Herzensverhältnis zu geistig-seelischen Erlebnissen, dann kann der Moment des Aufwachens so sein, dass wir, wie es sonst beim Aufwachen ist, überwältigt werden von einem Bild der Außenwelt und wir keine Zeit haben beim Aufwachen, die geistige Welt zu beobachten. Beobachten wir aber die genannten Bedingungen, dann kann es sein, dass zwischen dem Schlaf und der Wiedererinnerung an das äußere Leben, dem Wieder-Erkennen seiner Wesenheit, dass eintritt der entgegengesetzte Zustand; dann tritt ein das Wahrnehmen der Begierde, das Wahrnehmen des Gefühls: Dein physisches Leben zieht dich an, du musst hinein.
[ 33 ] For when something occurs that one will perceive as [illegible], it is this that shows us that we are rising out of the physical body with the spiritual-soul core of our being, and that (then) our soul simply does not have enough energy to perceive this, [to] observe this process while falling asleep and waking up. A person can achieve [this] only by preparing themselves through spiritual training, so that they develop an inner inclination, a devotion to the spiritual experience [illegible]. If one can say that a person has not an intellectual but a heartfelt relationship to spiritual and soul experiences, then the moment of waking may be such that—as is usually the case upon waking—we are overwhelmed by an image of the external world and have no time upon waking to observe the spiritual world. But if we observe the conditions mentioned, it may be that between sleep and the recollection of external life—the recognition of one’s own being—the opposite state sets in; then there arises the perception of desire, the perception of the feeling: “Your physical life is drawing you in; you must enter it.”
[ 34 ] Das ist allerdings nur der Anfang einer Erkenntnis des geistig-seelischen Wesenskerns. Will man weiter beobachten, dann bedarf es des geistig-seelischen Experiments. Dasjenige, was als Instrument dienen kann, kann nichts anderes sein als die menschliche Seele selber. Durch nichts anderes dringen wir in die ([unleserlich]) Tiefen des Geistig-Seelischen als durch [die] menschliche Seele selber, und damit das ein Instrument wird für geistigseelisches Wahrnehmen, das hängt nicht davon ab, dass ([unleserlich]) Vorgänge [unleserliche Stelle] stattfinden, sondern es hängt beim seelischen Untersuchen davon ab, dass seelische Vorgänge, geistige Vorgänge in der Seele erlebt werden, um die Seele zu etwas anderem zu machen, als das physische, das gewöhnliche Bewusstsein ist. Diese geistigen Vorgänge können hier nur kurz charakterisiert werden. Aber die Sinne zeigen, wohin die geistigen Vorgänge führen. Eine Schilderung davon finden Sie in dem Buch «Wie erlangt man Erkenntnisse [der] höheren Welten?», wo dargelegt ist, wie der Mensch seine Seele zu einem Instrument der geistigen Beobachtung machen kann, das hauptsächlich gegeben ist in dem, was man nennt Konzentration, Meditation und auch Kontemplation des inneren Seelenlebens.
[ 34 ] This, however, is only the beginning of an understanding of the spiritual-soul core of our being. If we wish to observe further, we must engage in spiritual-soul experimentation. The only thing that can serve as an instrument for this is the human soul itself. We penetrate the ([illegible]) depths of the spiritual-soul realm through nothing other than [the] human soul itself, and for it to become an instrument for spiritual-soul perception does not depend on ([illegible]) processes [illegible passage] take place; rather, in the case of soul-based investigation, it depends on experiencing soul processes—spiritual processes—within the soul, in order to transform the soul into something other than what physical, ordinary consciousness is. These spiritual processes can only be briefly characterized here. But the senses point to where the spiritual processes lead. You will find a description of this in the book How Does One Gain Insight into the Higher Worlds?, which explains how a person can transform their soul into an instrument of spiritual observation—a process that is primarily achieved through what is called concentration, meditation, and also contemplation of the inner life of the soul.
[ 35 ] Ich bitte Sie, damit keine anderen Begriffe zu verbinden als die, welche jetzt gebraucht werden, denn es kann sonst geschehen, dass man die neue Geisteswissenschaft ganz missversteht. Wenn man nicht genau auf dieselbe eingeht und [darauf] sieht, wie sie [scheinbar] schlecht [abschreibt] aus augenscheinlicher Quelle, auch wo sie schildert die wiederholten Erdenleben, dann kann man dazu kommen, zu glauben, dass sie buddhistische oder sonstige religiöse Wahrheiten aufwärmen will. Das ist nicht der Fall. Ebenso wenig wie der, welcher heute Mathematik treibt, den Euklid oder einen anderen Mathematiker als Vertreter [der mathematischen Wahrheit] braucht, ebenso wenig braucht man heute irgendeinen Buddhismus oder eine sonstige altreligiöse Form. Nicht ein Aufwärmen von religiösen Bekenntnissen, die uns fern liegen, sondern ein unmittelbares Erleben dessen, was uns die Geisteswissenschaft zu geben hat, liegt hier vor. Daher darf man auch nicht mit Mystischem verwechseln das, was jetzt gesagt wird von wahrem Hellseherischem, das nicht verwechselt werden darf mit ganz einer anderen, wahn[haften] Form des Hellsehens. Das, was der Mensch zu [be]wirken hat in seiner Seele, ist, dass er etwas [unleserlich] lässt in seiner Seele, was auf der einen Seite ähnlich ist jenem Zustande des Schlafs und auf der anderen Seite radikal verschieden von demselben ist. Ähnlich dem Schlaf ist dasjenige, was als geisteswissenschaftliche Schulung, als Schulung zu wirklichem Hellsehertum aufzutreten hat, ebenso [unleserlich] [ist] es, wie der Mensch [im Schlafe] seine Sinne verschließt gegenüber der Außenwelt, nur dass er das, was er da unwillkürlich tut, in der geistigen Schulung willkürlich herbeiführt. Durch starken Willensentschluss muss herbeigeführt werden der Zustand, in dem wir durch keine Sinne mehr wahrnehmen, aber erhalten muss bleiben dabei der Zustand des Bewusstseins. Nicht verloren darf es werden, nicht versinken darf es, dieses Bewusstsein, in der Bewusstlosigkeit des Schlafes. Dann müssen wir, wenn es uns gelungen ist, durch solchen starken Willensentschluss (den man lernen kann, wie das genannte Buch zeigt) eintreten lassen ganz bestimmte Vorstellungen, die uns nicht von außen gegeben sind, sondern von uns selber hervorgerufen werden, (die wir uns selber machen). Am besten [geeignet] sind dazu solche Vorstellungen, welche gar nicht einer äußeren Tatsache entsprechen, mit anderen Worten, am besten [geeignet] sind dazu symbolische Vorstellungen, Sinnbilder.
[ 35 ] I ask you not to associate any other concepts with this than those that are currently being used, for otherwise the new spiritual science may be completely misunderstood. If one does not examine it closely and observe how it [seemingly] draws on an obvious source—even when it describes repeated earthly lives—one might come to believe that it is merely rehashing Buddhist or other religious truths. That is not the case. Just as someone who studies mathematics today does not need Euclid or any other mathematician as a representative [of mathematical truth], so too do we not need any form of Buddhism or any other ancient religious tradition today. What we have here is not a rehash of religious creeds that are foreign to us, but a direct experience of what spiritual science has to offer. Therefore, one must not confuse what is now being said about true clairvoyance—which must not be confused with an entirely different, delusional form of clairvoyance—with mysticism. What a person must bring about in their soul is to allow something [illegible] to take place within it—a state that, on the one hand, is similar to the state of sleep and, on the other hand, is radically different from it. Similar to sleep is that which, as spiritual scientific training—as training in true clairvoyance—must occur; likewise [illegible] [is] the way a person [in sleep] shuts off their senses from the outside world, except that what they do involuntarily there, they bring about voluntarily in spiritual training. Through a strong act of will, the state must be brought about in which we no longer perceive through any of the senses, yet the state of consciousness must be maintained. This consciousness must not be lost; it must not sink into the unconsciousness of sleep. Then, once we have succeeded through such a strong act of will (which can be learned, as the aforementioned book shows), we must allow very specific mental images to enter—images that are not given to us from the outside but are evoked by ourselves (which we create ourselves). The most suitable for this purpose are those images that do not correspond to any external reality at all; in other words, the most suitable are symbolic images, allegories.
[ 36 ] Es kann natürlich hier jemand einwenden: Wenn du in Sinnbildern lebst, dann drückst du keine äußeren Wahrheiten aus. Es soll das auch nicht sein, denn wir wollen kennenlernen den geistig-seelischen Wesenskern. So geht es [vor sich]: Wir bilden uns ein Symbol. Es genügt nicht, dass ein Symbol einige Male wiederholt wird, es muss hundert und aberhundert Male in treuer Meditation wiederholt werden, bevor eine Wirkung eintritt. Ein solches Seelenbild kann in folgender Weise entstehen. Wir stellen uns vor, wir haben zwei Gläser, das eine voll, das andere mit etwas Wasser gefüllt. Wir schütten das Wasser des einen in das Glas des anderen hinein. Wir müssen uns daraus die Vorstellung bilden, dass das volle Glas immer leerer wird durch das Ausschenken. Aber jetzt müssen wir uns noch eine andere Vorstellung bilden, die nicht im gewöhnlichen Sinne wahr, sondern sinnbildlich, symbolisch ist. Wir stellen uns [etwas] vor, das uns in einer durchsichtigen, deutlichen Vorstellung das Wesen eines Vorgangs abbildet, [welcher] in seinem eigenen Seelenleben niemals mit seinem Seelenwesen durchdrungen werden kann. Wir stellen uns vor das Wesen jener Liebe, die von Seele zu Seele wirkt. Die [Liebe] gibt; und wir stellen uns das Wesen der Liebe so vor, dass wir uns denken: Wir schütten in das volle Glas noch mehr und schütten mehr und mehr hinein. Es wird immer mehr, sodass es immer mehr überfüllt ist, es entspricht keiner Wirklichkeit, wohl aber dem Wesen der Liebe, denn der Mensch wird durch das, was er gibt in der Liebe, nicht ärmer, sondern immer voller und reicher. Wir haben etwas, was einen reichen, umfassenden Inhalt hat, durch eine im äußeren Sinne, [auf der Verstandesebene] unwahre Vorstellung, aber eine sinnbildliche Vorstellung, vor dasselbe [innere Auge] geführt, welche entspricht dem Vorgang oder einer Eigenschaft des Vorgangs, die wir im Auge haben. So haben wir [eine] sinnbildliche Vorstellung des Ausgießens von Wasser, so, wie das Glas immer voller und voller wird, eine Vorstellung, die nicht der sinnlichen Wahrnehmung entspricht, aber doch sehr richtig ist.
[ 36 ] Of course, someone might object here: If you live in symbols, then you are not expressing external truths. Nor is that the point, for we want to come to know the spiritual-soul essence. This is how it [works]: We form a symbol in our minds. It is not enough for a symbol to be repeated a few times; it must be repeated hundreds and hundreds of times in faithful meditation before an effect occurs. Such an image of the soul can arise in the following way. Let us imagine we have two glasses, one full, the other containing a little water. We pour the water from one glass into the other. From this, we must form the idea that the full glass becomes emptier and emptier as we pour it out. But now we must form yet another idea—one that is not true in the ordinary sense, but rather allegorical and symbolic. We imagine [something] that, in a transparent, clear mental image, depicts the essence of a process [which] can never be fully grasped by our own soul in our own inner life. We imagine the essence of that love which works from soul to soul. That [love] gives; and we imagine the essence of love in such a way that we think: We pour even more into the full glass and pour more and more into it. It becomes more and more, so that it is increasingly overflowing; this does not correspond to any reality, but it does correspond to the essence of love, for a person does not become poorer through what they give in love, but rather becomes ever fuller and richer. We have something with a rich, comprehensive content that is brought before the same [inner eye] through a conception that is untrue in an external sense [on the intellectual level], but is a symbolic conception—one that corresponds to the process or a characteristic of the process we have in mind. Thus, we have [a] symbolic representation of water being poured out, just as the glass becomes fuller and fuller—a representation that does not correspond to sensory perception but is nonetheless very accurate.
[ 37 ] Wer nicht solche geistig-seelischen Experimente macht, der kommt nicht zu einer geistig-seelischen Erkenntnis des Wesenskerns. Wer aber das Experiment mit solchen Vorstellungen macht und ins Auge fasst, innerlich sich [so] durchdringt mit ihr, sodass er alle Seelenkräfte auf sie konzentriert, der wird merken, dass etwas ganz anders wird. Nur [unleserlich] [Lücke].
[ 37 ] Those who do not engage in such spiritual and psychological experiments will not attain a spiritual and psychological understanding of the essence of being. But whoever engages in this experiment with such ideas—contemplating them and allowing them to permeate their inner being to the point of concentrating all their soul forces upon them—will notice that something changes entirely. Only [illegible] [gap].
[ 38 ] Wenn jemand einen glänzenden Punkt beobachtet, [wenn sich] einer nur auf den Glanzpunkt konzentriert, wird seine ganze Seelen[wesen]heit auf diesen Punkt zusammengezogen und er kommt in [einen] ganz bestimmten Zustand. Geisteswissenschaft schließt dieses aber aus. Da wird zu willkürlich die Seelenkraft zusammengezogen. Wenn wir aber durch [die] in uns gebildeten rein geistigen Vorstellungen [uns] in solchen Inhalten zusammenziehen, so finden wir, dass davon etwas ausstrahlt und reicher und reicher unsere ganze Seele erfüllt, und dass wir beginnen, jetzt zu bemerken – in einem ganz anderen Sinn als das durch Beobachten des Einschlafens und Aufwachens [der Fall war] –, hingeführt [zu] werden [zu dem], was es heißt, unabhängig von seiner Leiblichkeit zu existieren.
[ 38 ] When someone observes a shining point, [when] one focuses solely on that shining point, one’s entire soul-being is drawn together toward that point, and one enters [a] very specific state. Spiritual science, however, rules this out. There, the soul’s power is concentrated too arbitrarily. But when we concentrate ourselves on such contents through the purely spiritual ideas formed within us, we find that something radiates from them and fills our entire soul more and more richly, and that we now begin to notice—in a completely different sense than [was the case] when observing falling asleep and waking up [as was the case]—to be led [toward] what it means to exist independently of one’s physicality.
[ 39 ] Es soll nicht behauptet werden, dass nur derjenige dies begreifen kann, der dieses Experiment selber macht. Es verhält sich damit wie mit naturwissenschaftlichen Experimenten, nämlich so, dass [das] hinterher, mit den gewöhnlichen Verstandeskräften angesehen werden kann, [eben]so, wie [durch] die Naturwissenschaft die Erkenntnis angesehen [unleserlich] kann, was [Lücke]. Die Experimente der Geisteswissenschaft tun es nicht aus Begierde heraus, sondern um Aufschluss über [die] geistige Welt zu holen; wenn sie, [die Aufschlüsse], gewonnen werden [unleserlich], dann können sie geordnet werden in Begriffs- und Verstandes-Ebene.
[ 39 ] It is not intended to claim that only those who conduct this experiment themselves can understand it. The situation is the same as with scientific experiments, namely that [it] can be examined afterward using ordinary intellectual faculties, [just] as scientific knowledge can be examined [illegible] through natural science to understand what [gap]. The experiments of spiritual science are not conducted out of mere curiosity, but to gain insight into [the] spiritual world; when such insights are gained [illegible], they can be organized on the level of concepts and reason.
[ 40 ] Eine Eigentümlichkeit, die höchst charakteristisch ist, macht sich dann aber auch geltend, nämlich dass der Mensch einen bestimmten Sinn verbindet, [dass er] ganz genau weiß, was es heißt [unleserlich] in einem geistigseelisch[en Sein zu leben], unabhängig von der Leiblichkeit, er weiß das jetzt, es ist jetzt nicht Theorie, nicht Philosophie. Es ist nicht [nur] das, was uns entgegentritt, was uns so eigenartig entgegentritt, dass wir fühlen unser sonstiges Leben, wie wir es sonst haben, [sondern auch, was uns entgegentritt] wie ein Widerstand, dass wir fühlen, wir leben zwar in [der] geistigen Welt, aber sind unvermögend, das, was wir erleben, auszudrücken in den Vorstellungen und Begriffen, die wir sonst haben, weil wir diese Vorstellungen, die Begriffe, die wir sonst haben, durch das Instrument [unleserlich] des Gehirns ausdrücken. Jetzt [er]leben wir aber hellseherisch unser Gehirn und [unseren] Leib. Wir haben jetzt das geistige Leben. Wir müssen aber abwarten, indem wir treulich unsere Übungen fortsetzen und abwarten. Und wenn wir sie fortsetzen, gelangen wir dazu, geradezu zu fühlen, wie uns unser eigenes Gehirn Widerstand entgegensetzt. Wir werden unser Gehirn so fühlen, wie es fühlen würde das Kind in den Zeiten, wo sein Bewusstsein noch nicht erwacht ist, wo es das Gehirn noch plastisch formt. Aber das Kind hat noch nicht das Bewusstsein. Daher fühlt es nicht die Materie, die es hindert. Der hellseherisch Ausgebildete aber fühlt das. Und da fühlt er, wie [sich] hineinarbeitet neue plastische Gestaltung.
[ 40 ] A highly characteristic peculiarity then also comes to the fore, namely that a person associates a certain meaning with [the fact that he] knows exactly what it means [illegible] to live in a spiritual-soul [being], independent of physicality; he knows this now—it is no longer theory, no longer philosophy. It is not [only] what confronts us—what confronts us in such a peculiar way that we perceive our ordinary life, as we otherwise experience it—[but also what confronts us] like a resistance, so that we feel we do indeed live in [the] spiritual world, but are unable to express what we experience in the ideas and concepts we usually have, because we express those ideas and concepts through the instrument [illegible] of the brain. Now, however, we experience our brain and [our] body clairvoyantly. We now have spiritual life. But we must wait, faithfully continuing our exercises and waiting. And if we continue them, we will come to actually feel how our own brain opposes us. We will feel our brain just as a child would feel it in the stages when its consciousness has not yet awakened, when it is still shaping the brain malleably. But the child does not yet have consciousness. Therefore, it does not feel the matter that hinders it. The clairvoyantly trained person, however, feels this. And there he feels how new, malleable formation works its way in.
[ 41 ] Wenn Sie allerdings der Vor[kommnisse] mit äußerer Forschung [bei]kommen wollten – die würde[n] nichts finden. Sie sind zu [be]fangen. Aber sehr wohl [sind die Vorgänge] vorhanden für den, der mit Konzentration und Meditation geistig-seelisch arbeitet. Der fühlt so, dass er weiß, wie sich der Wesenskern hereinarbeitet ins Leibliche, weiß, wie nicht das Leibliche Ursache ist, sondern die geistig-seelische Arbeit. Dann tritt der Moment ein, wo das Gehirn so weit ist, dass er ausdrücken kann, was er erlebt hat. Und jetzt entsteht erst die äußere Darstellung der Geisteswissenschaft. Da tritt sie auf, dass sie in ähnlichen Ideen ausgesprochen wird wie im äußeren Leben. Wir arbeiten, wenn sie ausgesprochen werden, in Begriffen.
[ 41 ] However, if you were to approach these [events] with external research—it would find nothing. You are too [biased]. But [these processes] certainly exist for those who work on a spiritual and soul level through concentration and meditation. Such a person feels in such a way that they know how the core of the being works its way into the physical body; they know that it is not the physical body that is the cause, but rather the work of the spirit and soul. Then comes the moment when the brain is ready enough to express what has been experienced. And only now does the external expression of spiritual science emerge. It appears in such a way that it is articulated in ideas similar to those in external life. When these ideas are expressed, we work in concepts.
[ 42 ] Jetzt wissen wir, dass unsere gesamte Leiblichkeit aus der Geistigkeit aufgebaut [ist]. Man erkennt die Beziehung der Geistigkeit zur Leiblichkeit, man erkennt die Arbeit des Geistig-Seelischen im Leiblichen, man erkennt, dass dasjenige, was man sich erarbeitet, in dem ganzen übrigen Leib einen Widerstand hat. Da tritt jetzt sogar etwas ein, was wie schwerster Widerstand im Leben auftritt: Es tritt nämlich dasjenige ein, was sozusagen denen, die nicht mit den richtigen Gefühlen und Empfindungen an die Hellsichtigkeit herangehen, einen seligen, wohligen Zustand bereitet, was aber der wahre Geistesforscher abweisen muss so, wie es zunächst auftritt.
[ 42 ] We now know that our entire physicality is built up from the spiritual. We recognize the relationship between the spiritual and the physical; we recognize the work of the spiritual-soul aspect within the physical; we recognize that what we strive to achieve encounters resistance throughout the rest of the body. Now something even arises that manifests as the heaviest resistance in life: namely, that which, so to speak, provides a blissful, pleasant state for those who do not approach clairvoyance with the right feelings and sensations—but which the true spiritual researcher must reject as it first appears.
[ 43 ] Während wir als gewöhnliche Menschen die geistige Welt in Form von Empfindungen und Gedanken, mit denen wir uns [unleserlich], vor uns haben, tritt uns, wenn wir in das geistig-seelische Leben eingedrungen sind, diese Welt in Form von Visionen, Halluzinationen und in Form von allerlei Gesichten entgegen. Der gewöhnliche Hellseher, der nicht zur geistigen Forschung vordringen will, bleibt dabei stehen; derjenige aber, der Geistesforscher sein will, muss sich klar sein, dass in diesen niederen Tatsachen nichts anderes gegeben ist als Abbilder der äußeren Persönlichkeit, wie sie sonst in den zeitlichen Erscheinungen auftreten, und dass erst durchdrungen werden müssen diese Visionen und durchdrungen werden muss, innerlich hellseherisch, der geistig-seelische Wesenskern.
[ 43 ] While we, as ordinary people, experience the spiritual world in the form of sensations and thoughts with which we [illegible], once we have entered into spiritual and soul life, this world appears to us in the form of visions, hallucinations, and all manner of apparitions. The ordinary clairvoyant, who does not wish to advance into spiritual research, stops there; but the one who wishes to be a spiritual researcher must realize that these lower phenomena are nothing more than reflections of the outer personality, as it otherwise appears in temporal phenomena, and that these visions must first be penetrated, and the spiritual-soul core must be penetrated through inner clairvoyance.
[ 44 ] So kann man sagen, dass wahrhaftes Hellsehen gerade in dem gewöhnlichen Hellsehen einen Widerstand hat, dass das gewöhnliche Hellsehen erst überwunden werden muss und dass daher wirkliche Geisteswissenschaft nicht verwechselt werden sollte mit jedem möglichen Aberglauben und allen möglichen visionären Zuständen, die dadurch erreicht werden, dass dem Menschen durch irgendwelche Übungen seine eigenen Zustände objektiv werden. Vielmehr weiß der Hellseher, dass die Visionen nur allein geistig-seelisch sind, und er kommt erst später dazu, in den geistig-seelischen Wesenskern einzudringen.
[ 44 ] Thus, one can say that true clairvoyance encounters resistance precisely in ordinary clairvoyance; that ordinary clairvoyance must first be overcome; and that, therefore, genuine spiritual science should not be confused with every kind of superstition and all kinds of visionary states that are achieved when a person, through various exercises, becomes objectively aware of their own states. Rather, the clairvoyant knows that the visions are solely of a spiritual-psychic nature, and it is only later that he comes to penetrate the spiritual-psychic core of being.
[ 45 ] Damit habe ich Ihnen geschildert, was in einer so kurzen Zeit alles geschildert werden kann, einen Weg, durch den er – [der Mensch] – vordringen kann zu einem geistig-seelischen Wesenskern, durch den man begreifen kann, wie er in einem Leib [unleserlich]. Dann gibt es kein Entrinnen mehr, sich klar zu sein, dass nicht die äußeren materiellen Vorgänge, die außerhalb der geistigen Vorgänge sind, sondern dass vom ersten Augenblick an das Geistige aus der geistigen Welt heraus arbeitet, um diesen Leib in die äußere Welt hineinzustellen. Und dass dann, wenn dieses ganze Leben hindurch der geistigseelische Wesenskern gearbeitet hat, verbunden werden muss dasjenige, was uns entgegentritt, wenn wir zur Pforte des Todes hinkommen, mit dem Anfang des Lebens, wie wir es in der Naturwissenschaft auch machen. Wir verstehen das pflanzliche Leben, wenn wir dasjenige, was in der Frucht als Keim zum Vorschein kommt, wieder als den Anfang betrachten. So auch, wenn das geistige Leben immer reicher und reicher, immer reifer und reifer wird.
[ 45 ] With this, I have described to you everything that can be described in such a short time—a path through which he—[the human being]—can advance toward a spiritual-soul core, through which one can understand how he exists in a body [illegible]. Then there is no escaping the realization that it is not the external material processes—which are separate from the spiritual processes—but rather that, from the very first moment, the spiritual works from within the spiritual world to place this body into the external world. And that, once this spiritual-soul core has been at work throughout this entire life, what confronts us when we reach the threshold of death must be linked to the beginning of life—just as we do in the natural sciences. We understand plant life when we regard what emerges in the fruit as a seed as the beginning once again. So too, when spiritual life becomes ever richer and richer, ever more mature and mature.
[ 46 ] Wenn wir das überblicken, so wie es an sich ist, so finden wir es bereichert, mit Spannkräften ausgestattet, die nicht verschwinden, sondern sich verwandeln, wenn der Leib abfällt. Wie der Keim der Pflanze, wenn er in der Erde zu faulen beginnt, wie der Baum, wenn die äußeren Blätter welken und abfallen, im Frühling wieder sprosst und sprießt, so geht das, was als geistig-seelischer Wesenskern im Menschen lebt, nicht verloren, sondern es tritt ein in die Welt, die das hellseherische Bewusstsein kennt, die unsere Umgebung wird, wenn wir mit hellseherischem Bewusstsein in sie eintreten.
[ 46 ] When we view this as it truly is, we find it enriched, endowed with forces of tension that do not disappear but are transformed when the body falls away. Just as the seed of a plant begins to rot in the earth, just as the tree’s outer leaves wither and fall, sprouts and grows again in the spring—so too, that which lives within the human being as the spiritual-soul core is not lost, but enters the world known to clairvoyant consciousness, which becomes our surroundings when we enter it with clairvoyant consciousness.
[ 47 ] Daher kann das hellseherische Bewusstsein auch sprechen von der geistigen Welt, in der wir sind zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Und es spricht [davon], dass jenes Leben nicht erstirbt, sondern dass wir einen Widerstand haben in der Leiblichkeit im Leben; so lange wir mit [dem] physischen Leib verbunden sind, haben wir den Widerstand. Wir haben aber keinen Widerstand von Leiblichkeit, wenn wir vom physischen Leib getrennt sind. Daher blickt Geisteswissenschaft [darauf], wenn sie hinblickt bis zur Pforte des Todes, wenn die Spannkräfte so arbeiten, dass sie sich vorbereiten, um wieder aufbauen zu können einen neuen Leib, neues Schicksal, neues Leben.
[ 47 ] Therefore, clairvoyant consciousness can also speak of the spiritual world in which we find ourselves between death and a new birth. And it speaks [of the fact] that that life does not cease to exist, but rather that we encounter resistance in our physical existence; as long as we are connected to [the] physical body, we experience this resistance. However, we do not experience resistance from physicality when we are separated from the physical body. This is why spiritual science [focuses on this] when it looks toward the threshold of death, when the forces of tension are at work preparing to rebuild a new body, a new destiny, and a new life.
[ 48 ] Damit aber kommen wir zu geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, welche nicht nur theoretisch, nicht nur philosophisch [auf]gebaut haben, nicht nur aufklären über den Sinn und den Wert des Lebens, wir erhalten durch Geisteswissenschaft Wahrheiten, welche wie Lebenselixiere in uns wirken, so in uns wirken, dass sie uns Lebensmut, Lebenstatkräfte geben können. Denn wir sehen, dass wir uns bekannt machen mit dem, was uns Geisteswissenschaft gibt, dass wir eingeführt werden in Begriffen in die Geheimnisse des geistig-seelischen Wesenskerns, sehen, dass das, was durch den Tod geht, nichts zu tun hat mit Entstehen und Vergehen, sondern [dass durch dieses] selbst dieses Entstehen und Vergehen bewirkt wurde, dass man [dahin gelangt, in] die Unsterblichkeit zu kommen.
[ 48 ] But this brings us to the truths of spiritual science, which are not merely theoretical or philosophical in nature, nor do they merely shed light on the meaning and value of life; through spiritual science, we receive truths that work within us like elixirs of life—working in such a way that they can give us the courage to face life and the strength to live. For we see that as we familiarize ourselves with what spiritual science gives us—as we are introduced, through concepts, to the mysteries of the spiritual-soul core of our being—we see that what passes through death has nothing to do with coming into being and passing away, but rather [that through this] very process, coming into being and passing away were brought about, so that one [thereby] attain immortality.
[ 49 ] Nicht durch Spekulieren, sondern durch Erkennen des Wesenskerns, durch Seelenvorgänge gelangt man zur Erkenntnis des Lebens, des Todes und der Unsterblichkeit. Damit wird man aber auch seines eigenen Kerns bewusst, und wenn die Geisteswissenschaft eingedrungen sein wird in das menschliche Leben wie Naturwissenschaft, dann wird diese Geisteswissenschaft nicht nur Theorien für das Leben geben, wie Naturwissenschaft es getan hat, sondern durch Geisteswissenschaft wird umgestaltet, was über das geistige Erkennen und das Leben nach dem Tode erfasst werden [muss, um seiner ganzen Erfassung und seinem Glück nach umzubilden] unser Leben.
[ 49 ] It is not through speculation, but through recognizing the essence of being—through the workings of the soul—that one attains knowledge of life, death, and immortality. In doing so, one also becomes aware of one’s own essence, and when spiritual science has penetrated human life as natural science has, then this spiritual science will not only provide theories for life, as natural science has done, but through spiritual science, our life will be transformed in accordance with what must be grasped through spiritual knowledge and the life after death [in order to reshape our life toward its full understanding and happiness].
[ 50 ] Wenn es kommen wird, dass, wie Naturwissenschaft ihren Siegeszug angetreten, die Geisteswissenschaft, trotz Furcht und [unleserlich], auch in diesen antritt die Geisteswissenschaft, dann wird der Mensch einer Zeit entgegengehen, wo er aufmerksam gemacht wird von frühster Jugend an, wo er aufmerksam gemacht wird schon in [der] Jugend auf sein Ewiges in sich, als[o] dass er da, wo die Haut sich runzelt, die Haare sich bleichen, der Körper welk wird, dass in den Zeiten der Mensch fühlen lernt äußerlich dieses Leben, das er aus einem früheren Leben auferbaut hat; das muss von ihm abfallen, dagegen das wird immer stärker und stärker, was die Anwartschaft hat auf spätere Leben und in alle Ewigkeit übergeht. Und er wird dieses in eine Empfindung, [ein] Gefühl und [eine] Stimmung der Seele verwandeln.
[ 50 ] If it should come to pass that, just as the natural sciences have begun their triumphant advance, the humanities—despite fear and [illegible]—also embark on this path, then humanity will move toward a time when people are made aware from their earliest youth, when they are made aware even in [their] youth to the eternal within them—so that where the skin wrinkles, the hair turns gray, and the body withers, in those times a person learns to feel outwardly this life that they have built up from a previous life; that must fall away from them, whereas what holds the promise of later lives and passes into all eternity will grow ever stronger and stronger. And he will transform this into a sensation, a feeling, and a mood of the soul.
[ 51 ] Anders wird das Alter verfließen, das Bewusstsein, wenn die Haare sich bleichen, der Körper schwach wird, die Haut sich runzelt, dass das, was [den] Körper abwirft, [dass] das geistig immer mächtiger und stärker wird, je mehr es den äußeren Leib zum Welken bringt. Und fühlen wird der Mensch im Ableben, da er durch [die] Pforte des Todes schreiten wird, immer geistiger und geistiger fühlen wird er, nicht bloß Wissen seiner Unsterblichkeit haben. Das wird [eine] Errungenschaft sein, die hineinbegleitet wird durch Geisteswissenschaft. Im Wachen des Lebens empfinden wir und [fühlen] so [etwas] wie [ein] Lebenselixier, nicht wie [bloße] Theorie, [das] sich durch unser seelisches Leben [ergießt und uns be]geistern wird, wie eine Triebkraft, [die] uns [unsere Taten] ausführen [lassen] wird, sodass es uns mutig und arbeitsfreudig und stark ins Leben hineinstellen wird. Das wird [die] moralische Wirkung der Geisteswissenschaft sein, wenn [man] doch wissen wird, durch [Ergebnisse] des hellseherischen Forschens, die uns bekannt machen mit [dem] geistig-seelischen Wesenskern, mit dem man nicht bekannt werden kann, ohne dass man seinem Wesen entsagt. Dann wird der Mensch einsehen, dass er nicht bloß mit seinem Leben verbunden ist, mit [dem] äußeren Leben, sondern verbunden ist im Geiste mit dem Geistig-Seelischen. Und nicht wahrer wird der Einwand, dass der Mensch sich nicht erinnern kann an sein früheres Leben; der Einwand ist nichtig. Denn dann müssen wir uns [immer] erinnern, wo wir abends [einen Gegenstand, beispielsweise] einen Kelch, hingelegt [oder hingestellt] haben, des Abends auf den Tisch, wir wissen davon [nur], wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet haben. Wir wissen nicht davon, wenn wir nicht aufmerksam darauf [gewesen sind]. Wenn die Menschen auf den geistig-seelischen Wesenskern aufmerksam sein werden, hinlenken ihre Aufmerksamkeit darauf, dann wird der Zeitpunkt beginnen, wo die Menschen sich auch erinnern an ihr früheres Leben.
[ 51 ] Old age will unfold differently—the consciousness, as the hair turns gray, the body grows weak, and the skin wrinkles—such that what sheds the body becomes ever more powerful and stronger spiritually, the more it causes the outer body to wither. And as a person nears death, as he passes through the gate of death, he will feel more and more spiritual—not merely possessing the knowledge of his immortality. This will be an achievement guided by spiritual science. In the wakefulness of life, we perceive and feel something like an elixir of life, not like [mere] theory, [which] pours through our soul life and inspires us, like a driving force that will enable us to carry out our actions, so that it will set us forth into life with courage, a zest for work, and strength. This will be the moral effect of spiritual science, once we come to know, through the findings of clairvoyant research, the spiritual-soul core of our being—a core with which one cannot become acquainted without renouncing one’s own nature. Then human beings will realize that they are not merely connected to their own lives—to [the] outer life—but are connected in spirit to the spiritual-soul aspect. And the objection that human beings cannot remember their past lives becomes no more valid; the objection is null and void. For then we must [always] remember where we placed [or set down] an object—[for example] a chalice—on the table in the evening; we know this [only] if we have directed our attention to it. We are not aware of it if we have not been paying attention to it. When people become aware of the spiritual-soul core of their being and direct their attention toward it, then the time will come when people will also remember their past lives.
[ 52 ] Diese Erinnerung muss hervorgerufen werden, ich wage es ruhig auszusprechen, weil jeder, der diese Dinge kennt, selbstverständlich recht geben wird, wie heute schon jeder, der im vorigen Leben [unleserlich] war, die Aufmerksamkeit auf Geisteswissenschaft hinzulenken, die Erkenntnis der früheren Leben nicht als Theorie hat, sondern als eine innerlich erlebte Wahrheit, als Erinnerungswahrheit, als etwas, was er wirklich hat. Besinnung auf frühere Erdenleben ist schon heute möglich, und Bewusstsein, das wird im Geistigen begründet sein, wird eine Folge sein, dass wir erreichen das Eingehen in Geisteswissenschaft. Dann werden wir finden, dass wir uns sagen: Du wirst geboren im Geist, und was deine Seele auslebt und […] [unleserliche Stelle] Du kommst von Gott und gehst zum Geist. – Die Seele fühlt [sich] nicht nur im Raum, die Seele wird sich fühlen in der Unendlichkeit der Zeit. Und wie Naturwissenschaft den Raum unendlich gemacht hat zur Zeit des [Giordano] Bruno, so werden [unleserlich] diejenigen Wege, wenn das Jenseits des Zeitenlebens, die Endpunkte des Lebens, Geburt und Tod [durchdrungen sein werden]. Der Mensch wird sich Wissen angeeignet [haben] der unendlichen Raumeswelt, der unendlichen Zeitenwelt, fühlend als Lebenselixier, als das, was ihm gute Kräfte und Arbeitsfreudigkeit gibt, fühlen wird die Seele so, dass wir zusammenfassen können das, was wir gegeben haben heute, in eine Grundempfindung, zusammenfassen [in die Worte], [die ich] gegeben [habe] in meinem Mysteriendrama. Da habe ich gegeben, wie es möglich ist, diese Seele mit Wärme und Zuversicht zu erfüllen. Ich habe dies zusammengefasst in der [Geistes]wissenschaft, dasjenige, was Geisteswissenschaft unserer Arbeit zu sagen hat.
[ 52 ] This memory must be evoked—I dare say this openly, because anyone familiar with these matters will naturally agree, just as today everyone who was [illegible] in a previous life directs their attention to spiritual science, regarding the knowledge of past lives not as a theory but as an inwardly experienced truth, as a truth of memory, as something they truly possess. Reflection on past earthly lives is already possible today, and consciousness—which will be grounded in the spiritual—will be a consequence of our entering into spiritual science. Then we will find ourselves saying: You are born in the Spirit, and what your soul experiences and […] [illegible passage] You come from God and return to the Spirit. – The soul does not merely feel itself in space; the soul will feel itself in the infinity of time. And just as natural science made space infinite in the time of [Giordano] Bruno, so will [illegible] those paths be, when the beyond of temporal life—the endpoints of life, birth and death—[will be penetrated]. Humanity will have acquired knowledge of the infinite world of space, the infinite world of time, perceiving it as the elixir of life—as that which gives it positive strength and a zest for work; the soul will feel this in such a way that we can summarize what we have presented today into a fundamental sentiment, expressed [in the words], [which I] have expressed in my Mystery Drama. There I have shown, as far as possible, how to fill this soul with warmth and confidence. I have summarized this in spiritual science—that which spiritual science has to say about our work.
In deinem Denken,
In your thinking,
[ 53 ] – so kann die Seele zu sich selber sagen, wenn sie sich geistig-seelisch erinnert,
[ 53 ] —this is what the soul might say to itself when it recalls this in its mind and soul,
leben Weltgedanken,
In deinem Fühlen leben Weltenkräfte,
In deinem Willen wirken Willensmächte.
Erkenne dich in Weltgedanken,
Erfühle dich in Weltenkräften,
Erschaffe dich aus Willenswesen,
Bei Weltenfernen ende nicht
Durch Denkenstraumesspiel,
Beginne in den Geisteswelten,
Und ende in den eignen Seelentiefen.
Du findest eigene Ziele
Erkennend dich in dir.
World thoughts live within you,
World forces live within your feelings,
Forces of will work within your will.
Recognize yourself in world thoughts,
Feel yourself in world forces,
Create yourself from beings of will,
Do not end in the distance of the worlds
Through the dreamlike play of thought,
Begin in the worlds of the spirit,
And end in the depths of your own soul.
You will find your own goals
By recognizing yourself within yourself.
