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Appendix to the Public Lectures
GA 85

26 November 1904, Heidelberg

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

62. Darwinismus und Theosophie

62. Darwinism and Theosophy

[ 1 ] Der Besuch des am Samstagabend von Herrn Dr. Steiner gehaltenen Vortrags über Darwinismus und Theosophie war im Verhältnis zu den vielen sonstigen Veranstaltungen an diesem Abend gut. Der Redner behandelte das Thema in populärer Weise, aber bemühte sich mit sichtlichem Erfolg, allen Ansprüchen und Erwartungen der Zuhörerschaft gerecht zu werden, was sich besonders bei der nachfolgenden lebhaften Diskussion erwies. Der Inhalt des Vortrags könnte in kurzem etwa in folgende Worte zusammengefasst werden: Darwinismus, in einem Sinn die Lehre von der Entwicklung der Formen, des Höheren aus Niederem, des [Vollkommenen] aus dem Unvollkommenen, mit dem niedersten Typus des organischen Lebens als Ausgangspunkt und dem Menschen als Gipfelpunkt – ist heutzutage so ziemlich zur Grundanschauung der denkenden Welt geworden. Ein großer Umschwung war es, den Darwin auch in den Anschauungen der Gelehrtenwelt hervorrief, und würdige Vertreter und Bearbeiter dieser neuen Theorie haben sie nachher geltend gemacht. Aber auch im religiösen und praktischen Leben hat sich diese Umwandlung gezeigt, ja es hat sich in einer Hinsicht sogar eine Art neuer Religion, wenn man es so nennen darf, herausgebildet; es ist der moderne Materialismus und Monismus. Wir wissen aber nicht, ob, und es ist auch niemand berechtigt zu behaupten, dass diese Gestalt des Naturerkennens die letzte und bleibende sein wird. Der Umschwung in den Anschauungen und im Werdegang der Forschung ist Gesetz. Einst erzwangen die großen Entdeckungen eines Kopernikus einen ungeheuren Umschwung in der religiösen Ansicht der damaligen Geister, ja sie drohte die Religion, wie man dieses Wort eigentlich versteht, sogar zu unterdrücken. Jedoch ebenso wie sich damals Geister fanden, die sich berufen fühlten, unter Berücksichtigung jener Errungenschaften das Verbleiben und Verharren in einem bestimmten [Stadium] der Erkenntnis und der Forschung zu verhindern und der Menschheit die Mystik zu erhalten, so sind wir auch jetzt in einem Stadium angelangt, wo es nötig ist, den Ausweg aus der Sackgasse zu finden, in die sich der moderne Materialismus verrannt hat, und so einem höheren und idealeren Denken wieder Raum zu schaffen. Die Anschauungen wechseln und wissenschaftliche Errungenschaften sind ebenso der Umgestaltung unterworfen, wie sie es früher waren, und wir wissen nicht, was man in 100 Jahren glauben wird. Aber schon in näherer Zukunft ist ein Umschwung mit Bestimmtheit vorauszusehen, und gerade der Darwinismus birgt den Keim dazu. Man ist tief eingedrungen in den Entwicklungsgang der Formen. Man hat die Formenwelt zurückverfolgt, ein Glied der unendlichen Kette um das andere bis zu jenen weit zurückliegenden Zeitperioden, wo die Anhaltspunkte immer verschleierter und nebelhafter werden, zu jenen Zeiten, von denen keine Versteinerungen und sonstiges Zeugnis Kunde gibt; und man ist schließlich an eine Grenze gekommen, wo das praktische Forschen versagt und Theorien an dessen Stelle treten müssen. Diese Art des Forschens, auch abgesehen von letzterem Punkt, betrachtete der Referent als unzulänglich. – Nur die Form sei es gewesen, die das Auge der Forschung in Betracht zog, nicht das Leben. In der ganzen Natur, in der Welt der Formen, sehen wir Geburt und Tod, Entstehen und Vergehen. Die Pflanze entspringt der Erde, entwickelt Blätter, Stängel, Blüten, um schließlich wieder in Staub sich aufzulösen. Dies ist das Los aller Dinge, doch etwas wird gerettet, der Keim zu einem neuen Exemplar derselben Gattung, es wird etwas aus dem Alten herübergetragen, zur Entfaltung einer neuen Form. Dieses Etwas, das unwahrnehmbare Vorbild, das der Same birgt, der als «Arche» gilt, nannte der Redner das Leben. Nur auf die Formen, auf die «Erscheinungen», auf das, was entsteht und wieder vergeht, betonte der Redner, haben sich die Forschungen der Wissenschaft bisher beschränkt. Jetzt muss sich aber die Perspektive erweitern und in Zukunft wird es das Leben, das durch die Form hindurchgehende, das pulsierende Leben selbst sein, das zum Objekt des Forschens werden muss. Vertreter dieser neuen Aussichten sind bereits in Gelehrtenkreisen zahlreich zu finden und die theosophische Bewegung sucht vom religionswissenschaftlichen Standpunkt aus hiezu die Brücke zu schlagen. Die nun folgende Diskussion zeigte deutlich, dass Redner auf seinem Gebiet durchaus sicher und bewandert ist.

[ 1 ] Attendance at the lecture on Darwinism and Theosophy given by Dr. Steiner on Saturday evening was good, considering the many other events taking place that evening. The speaker addressed the topic in a way that was accessible to the general public, but made a visible effort—with evident success—to meet all the audience’s expectations and demands, as was particularly evident in the lively discussion that followed. The content of the lecture could be briefly summarized as follows: Darwinism—in a sense, the doctrine of the evolution of forms, of the higher emerging from the lower, of the [perfect] emerging from the imperfect, with the lowest form of organic life as its starting point and humanity as its pinnacle—has today become more or less the fundamental worldview of the thinking world. Darwin brought about a major upheaval in the views of the scholarly world as well, and worthy representatives and proponents of this new theory have subsequently advanced it. But this transformation has also manifested itself in religious and practical life; indeed, in one respect, a kind of new religion—if one may call it that—has even emerged: modern materialism and monism. We do not know, however, whether—and no one is entitled to claim—that this form of understanding nature will be the final and enduring one. The upheaval in perspectives and in the course of research is a law. Once, the great discoveries of Copernicus forced a tremendous upheaval in the religious views of the thinkers of that time; indeed, they even threatened to suppress religion, as the word is properly understood. However, just as there were thinkers back then who felt called upon to ensure, while taking those achievements into account, that a certain [stage] of knowledge and research and to preserve mysticism for humanity, so we have now reached a stage where it is necessary to find a way out of the impasse into which modern materialism has driven itself, and thus to make room once again for a higher and more ideal way of thinking. Views change, and scientific achievements are just as subject to transformation as they were in the past, and we do not know what people will believe in 100 years. But even in the near future, a turnaround can certainly be foreseen, and Darwinism itself holds the seed of this change. We have delved deeply into the course of the evolution of forms. The world of forms has been traced back, one link of the infinite chain after another, to those distant periods when the evidence becomes increasingly veiled and nebulous—to those times of which no fossils or other evidence bear witness—and we have finally reached a limit where practical research fails and theories must take its place. The speaker regarded this type of research as inadequate, even setting aside this last point. – It was form alone that the eye of research took into account, not life. Throughout nature, in the world of forms, we see birth and death, coming into being and passing away. The plant springs from the earth, develops leaves, stems, and flowers, only to eventually dissolve back into dust. This is the fate of all things, yet something is preserved—the seed of a new specimen of the same species; something is carried over from the old to give rise to a new form. This “something”—the imperceptible archetype contained within the seed, which serves as an “ark”—the speaker called “life.” The speaker emphasized that scientific research has so far been limited to forms, to “appearances,” to that which comes into being and passes away again. Now, however, the perspective must broaden, and in the future it will be life itself—the life that permeates form, the pulsating life—that must become the object of research. There are already numerous proponents of these new perspectives in scholarly circles, and the Theosophical Movement seeks to bridge the gap from the standpoint of the study of religion. The discussion that followed clearly demonstrated that the speaker is thoroughly confident and well-versed in his field.