Appendix to the Public Lectures
GA 85
12 March 1905, Munich
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
66. Der Ursprung des Menschen
66. Der Ursprung des Menschen
[ 1 ] Der Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner aus Berlin hielt im Prinzensaale des Café Luitpold vor einem gewählten Auditorium wieder zwei theosophische Vorträge. Er versuchte diesmal die theosophischen Lehren über das Menschengeschlecht darzulegen. Im ersten Vortrag behandelte er das Thema «Der Ursprung des Menschen». Er betonte zunächst, dass die Theosophie auch diesbezüglich sich keineswegs in Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Forschung stellen wolle. Was die physische Entwicklung des Menschen anbelangt, so akzeptiere sie vollkommen die Resultate des Fortschrittes dieser Forschung. Sie billige aber die neueste Richtung, welche an einer Weiterentwicklung der darwinistischen Evolutionstheorie arbeite. Wir finden dementsprechend in der theosophischen Literatur die Annahme vertreten, dass neben dem physischen Entwicklungsgange auch ein psychischer, geistiger in Betracht zu ziehen sei, und das Bemühen, hierüber nähere Aufklärungen zu gewinnen. Schon in dem großen Blavatsky’schen Werke «The Secret Doctrine» (Geheimlehre) ist ein Versuch gemacht worden, zu diesem Zwecke die Ansichten indischer Philosophen und Mystiker über die Anthropogenesis, die allerdings noch vielfach mehr mit skeptischer Zurückhaltung zur Kenntnis genommen werden, eingehender zu beleuchten. Nach diesen Ansichten, deren Grundzüge der Vortragende darzulegen suchte, führt uns die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Wesens zurück ins universelle göttliche Sein. In dessen Schoße, im Schoße des Weltengeistes hat der Mensch seinen Ursprung als geistige Einzelwirklichkeit, zunächst gleichsam unbewusst (seines Einzelseins) schlummernd, dann allmählich dort im psychischen Entwicklungsprozess immer mehr bis zum vollen klaren Bewusstsein als Einzelwesen in der Außenwelt nach der Möglichkeit der Organisation eines geeigneten physischen Körpers in den dichtesten Aggregatszuständen der Materie fortschreitend. Redner glaubt, in dem Seelenzustande des Menschen im Schlafe ein Bild dieser psychischen Entwicklung erblicken zu können, der Traumschlaf entspreche dem unvollkommenen Bewusstsein, der traumlose tiefe Schlaf dem ursprünglichen, des individuellen Daseins unbewussten Sein. Die «Geheimlehre» will, wie Redner in seinen Erörterungen u. a. noch erwähnte, auch darüber Aufschluss geben können, dass der Evolutionsprozess des Menschengeschlechts sich schon vor längeren Zeiträumen aus untergegangenen Weltteilen, zunächst dem sogenannten lemurischen, dann dem atlantischen Kontinent vollzogen habe.
[ 1 ] Der Generalsekretär der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland Schriftsteller Dr. Rudolf Steiner aus Berlin hielt im Prinzensaale des Café Luitpold vor einem gewählten Auditorium wieder zwei theosophische Vorträge. Er versuchte diesmal die theosophischen Lehren über das Menschengeschlecht darzulegen. Im ersten Vortrag behandelte er das Thema «Der Ursprung des Menschen». Er betonte zunächst, dass die Theosophie auch diesbezüglich sich keineswegs in Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Forschung stellen wolle. Was die physische Entwicklung des Menschen anbelangt, so akzeptiere sie vollkommen die Resultate des Fortschrittes dieser Forschung. Sie billige aber die neueste Richtung, welche an einer Weiterentwicklung der darwinistischen Evolutionstheorie arbeite. Wir finden dementsprechend in der theosophischen Literatur die Annahme vertreten, dass neben dem physischen Entwicklungsgange auch ein psychischer, geistiger in Betracht zu ziehen sei, und das Bemühen, hierüber nähere Aufklärungen zu gewinnen. Schon in dem großen Blavatsky’schen Werke «The Secret Doctrine» (Geheimlehre) ist ein Versuch gemacht worden, zu diesem Zwecke die Ansichten indischer Philosophen und Mystiker über die Anthropogenesis, die allerdings noch vielfach mehr mit skeptischer Zurückhaltung zur Kenntnis genommen werden, eingehender zu beleuchten. Nach diesen Ansichten, deren Grundzüge der Vortragende darzulegen suchte, führt uns die Entwicklungsgeschichte des menschlichen Wesens zurück ins universelle göttliche Sein. In dessen Schoße, im Schoße des Weltengeistes hat der Mensch seinen Ursprung als geistige Einzelwirklichkeit, zunächst gleichsam unbewusst (seines Einzelseins) schlummernd, dann allmählich dort im psychischen Entwicklungsprozess immer mehr bis zum vollen klaren Bewusstsein als Einzelwesen in der Außenwelt nach der Möglichkeit der Organisation eines geeigneten physischen Körpers in den dichtesten Aggregatszuständen der Materie fortschreitend. Redner glaubt, in dem Seelenzustande des Menschen im Schlafe ein Bild dieser psychischen Entwicklung erblicken zu können, der Traumschlaf entspreche dem unvollkommenen Bewusstsein, der traumlose tiefe Schlaf dem ursprünglichen, des individuellen Daseins unbewussten Sein. Die «Geheimlehre» will, wie Redner in seinen Erörterungen u. a. noch erwähnte, auch darüber Aufschluss geben können, dass der Evolutionsprozess des Menschengeschlechts sich schon vor längeren Zeiträumen aus untergegangenen Weltteilen, zunächst dem sogenannten lemurischen, dann dem atlantischen Kontinent vollzogen habe.
