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Appendix to the Public Lectures
GA 85

12 April 1905, Munich

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
  1. Appendix to the Public Lectures, tr. SOL

71. Über das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt. Der Apostel Paulus und die grossen Eingeweihten

71. Über das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt. Der Apostel Paulus und die grossen Eingeweihten

[ 1 ] Der Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Dr. Rudolf Steiner aus Berlin hielt am 12. und 13. April wieder zwei Vorträge im Prinzensaale des Café Luitpold, die von dem gewählten Auditorium beifällig aufgenommen wurden. Zunächst sprach er «Über das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt». Er verbreitete sich über die theosophischen Lehren von dem Leben im «Jenseits», das heißt der allmählichen Befreiung der Seele von dem Verlangen nach der Sinnenwelt, ihr Fortschreiten von der niedrigen Begierdenwelt durch die Gefühlswelt zur Geisteswelt und ihr «Ausreifen» in den höheren Welten des Innenlebens. Je unabhängiger sich der Mensch während seines Lebens in der Sinnenwelt von dieser zu machen sucht, je mehr er sein inneres Leben entwickelt, desto leichter wird ihm nach Ansicht der Mystiker der Aufstieg in die höhere Welt des Geistes werden. Im zweiten Vortrage behandelte der Redner das Thema «Der Apostel Paulus und die großen Eingeweihten». Er suchte darzulegen, wie sich auch bei Paulus die Lehren der großen Mystiker wiederfinden. Aus den griechischen Mysterien habe Paulus die Idee des Chrestos und Logos gekannt, der substanziellen Wesenheit der Welt und schöpferischen Kraft, die dem Eingeweihten in dem «Stirb und Werde» der Mysterien, in dem mystischen Tod und der Auferstehung zum Bewusstsein gebracht werden sollte. Das Erlebnis von Damaskus habe ihm dann den Glauben nahegelegt, dass dieser Logos indem geistig auferstandenen Jesus von Nazareth, allen offenbar, in Erscheinung getreten sei und dass dessen Kraft auf alle überströme, die sich mit Jesus durch den Glauben verbunden fühlten. Das Erscheinen des Logos in Jesus und das Bekenntnis zu Christo bilde demnach das Wesen des Christentums. In seiner mystischen Entwicklung habe Paulus den Unterschied zwischen der Beobachtung des Gesetzes aus Pflicht und dem ethischen Leben aus höherer Neigung gefühlt, die eintritt, wenn im Menschen Christus auflebt, der Logos, der Abglanz des göttlichen Gesetzes, wenn der Mensch in einen höheren Zustand versetzt wird, in dem er sich selbst gebieten darf. – Dr. Steiner wies wiederholt in seinen Vorträgen, auch anlässlich des Schiller-Jubiläums, auf die theosophischen Ideen in unseren deutschen Klassikern hin, deren Lektüre er angelegentlich empfahl.

[ 1 ] Der Generalsekretär der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft Dr. Rudolf Steiner aus Berlin hielt am 12. und 13. April wieder zwei Vorträge im Prinzensaale des Café Luitpold, die von dem gewählten Auditorium beifällig aufgenommen wurden. Zunächst sprach er «Über das Leben zwischen Tod und Wiedergeburt». Er verbreitete sich über die theosophischen Lehren von dem Leben im «Jenseits», das heißt der allmählichen Befreiung der Seele von dem Verlangen nach der Sinnenwelt, ihr Fortschreiten von der niedrigen Begierdenwelt durch die Gefühlswelt zur Geisteswelt und ihr «Ausreifen» in den höheren Welten des Innenlebens. Je unabhängiger sich der Mensch während seines Lebens in der Sinnenwelt von dieser zu machen sucht, je mehr er sein inneres Leben entwickelt, desto leichter wird ihm nach Ansicht der Mystiker der Aufstieg in die höhere Welt des Geistes werden. Im zweiten Vortrage behandelte der Redner das Thema «Der Apostel Paulus und die großen Eingeweihten». Er suchte darzulegen, wie sich auch bei Paulus die Lehren der großen Mystiker wiederfinden. Aus den griechischen Mysterien habe Paulus die Idee des Chrestos und Logos gekannt, der substanziellen Wesenheit der Welt und schöpferischen Kraft, die dem Eingeweihten in dem «Stirb und Werde» der Mysterien, in dem mystischen Tod und der Auferstehung zum Bewusstsein gebracht werden sollte. Das Erlebnis von Damaskus habe ihm dann den Glauben nahegelegt, dass dieser Logos indem geistig auferstandenen Jesus von Nazareth, allen offenbar, in Erscheinung getreten sei und dass dessen Kraft auf alle überströme, die sich mit Jesus durch den Glauben verbunden fühlten. Das Erscheinen des Logos in Jesus und das Bekenntnis zu Christo bilde demnach das Wesen des Christentums. In seiner mystischen Entwicklung habe Paulus den Unterschied zwischen der Beobachtung des Gesetzes aus Pflicht und dem ethischen Leben aus höherer Neigung gefühlt, die eintritt, wenn im Menschen Christus auflebt, der Logos, der Abglanz des göttlichen Gesetzes, wenn der Mensch in einen höheren Zustand versetzt wird, in dem er sich selbst gebieten darf. – Dr. Steiner wies wiederholt in seinen Vorträgen, auch anlässlich des Schiller-Jubiläums, auf die theosophischen Ideen in unseren deutschen Klassikern hin, deren Lektüre er angelegentlich empfahl.