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Appendix to the Public Lectures
GA 85

9 May 1905, Munich

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Appendix to the Public Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge

73. Die Menschheitserlösung im theosophischen Sinne

73. The Salvation of Humanity in the Theosophical Sense

[ 1 ] Der bekannte theosophische Redner Herr Dr. Rudolf Steiner aus Berlin hielt im Bayerischen Hof vor einem gewählten Kreise einen Vortrag über «Die Menschheitserlösung im theosophischen Sinne», in dem das vor Kurzem auch von Dr. Johannes Müller in einer Reihe von Vorträgen behandelte Erlösungsproblem weitere Beleuchtung fand. Nach längerer Einleitung deutete der Vortragende darauf hin, dass eigentlich jede Religion die Tendenz habe, das Erlösungsbedürfnis in Betracht zu ziehen. Aber während einzelne Religionen sich mit einem Paradies nach Art eines glücklichen irdisch-sinnlichen Daseins für die Erlösten begnügen, wiesen Buddhismus und Christentum den Menschen darauf hin, dass er in einem ihm nicht völlig angemessenen Dasein in der Sinnenwelt sich befinde und sich in einem höheren Dasein, zu dem sie den Weg zeigen, emporschwingen müsse. Hinsichtlich der Erlösungslehre des Buddhismus glaubt Redner, obschon, wie er betont, die Theosophische Gesellschaft keineswegs eine neobuddhistische ist, keineswegs für den Buddhismus allein Propaganda machen, sondern den Wahrheitskern aller Religionen erforschen will, einige Missverständnisse aufklären zu müssen. Der wahre Buddhist behauptet seiner Ansicht nach nicht, dass alles Leben Leiden und die Erlösung in dem Nirwana als der Vernichtung zu suchen sei. Er fasst vielmehr nur das passive Beeinflusstwerden durch die Dinge der Sinnenwelt, die Abhängigkeit von ihnen als Leiden auf, das er durch Aktivität, durch Überwindungstätigkeit zu heben sucht, die ihm eine immer freiere Entfaltung des Lebens ermögliche, die Dinge der Welt für ihn in dienstbare Wesenheiten, denen er selbst ihren Wert gibt, verwandle. Das Nirwana ist derart für ihn als Befreiungszustand höchste Bejahung des Lebens und der Tätigkeit nach Beseitigung aller Hemmungen. Diese Erlösungsauffassung finden wir auch im Christentum, dessen Erlösung die Welt und den Tod überwindet und das ewige Leben bietet. In weiterer Erörterung der Erlösungsfrage suchte Redner darzulegen, wie die Lebensbetätigung zuerst verbunden ist mit der Individuation, die nur auf Kosten der Umwelt erfolgen könne. Die Lebenstätigkeit, auf der aller Fortschritt beruht, sei stets verbunden mit Lust, aber auch notwendig mit deren Gegenpol, dem Schmerze, dem eigenen und dem anderer, mit Hemmnissen, die das Dasein oft als nichtig erscheinen lassen können. Wie wir uns nun als Lebensindividualität durch das Allleben, durch das Opfer anderer vervollkommnen, so müssen wir auch wieder aus uns selbst heraus den Gegenpol schaffen gegen die Selbstsucht, die Selbstlosigkeit, und uns für das Allleben opfern, im tätigen Wirken und in Selbstvervollkommnung unserer höheren Seelenkräfte, um wahre Erlösung und höchstes ungehemmtes Leben, die Höhenstufen der weitesten Lebensbetätigung zu erlangen. Nicht in egoistischer Einzelerlösung, sondern nur in der Opferung für die Gemeinschaft, durch Teilnahme am Erlösungswerke, wird der Mensch wahrhaft erlöst. – Auf den beifällig aufgenommenen Vortrag folgte eine längere Diskussion, in der Redner u. a. in letzter Zeit gegen die Theosophische Gesellschaft gemachte Angriffe zu widerlegen suchte.

[ 1 ] The well-known Theosophical speaker Dr. Rudolf Steiner of Berlin gave a lecture at the Bayerischer Hof before a select audience on “The Redemption of Humanity from a Theosophical Perspective,” in which the problem of redemption—which Dr. Johannes Müller had also recently addressed in a series of lectures—was further explored. After a lengthy introduction, the speaker pointed out that, in fact, every religion tends to take the need for salvation into account. But while some religions are content with a paradise in the form of a blissful, earthly, sensory existence for the saved, Buddhism and Christianity point out to human beings that they find themselves in an existence in the sensory world that is not entirely suited to them and that they must rise to a higher existence, to which these religions show the way. With regard to the Buddhist doctrine of salvation, Redner believes—although, as he emphasizes, the Theosophical Society is by no means a neo-Buddhist organization, nor does it seek to promote Buddhism alone, but rather to explore the core of truth in all religions—that he must clear up a few misunderstandings. In his view, the true Buddhist does not claim that all life is suffering and that salvation is to be found in Nirvana as annihilation. Rather, he regards only the passive influence of the things of the sensory world—and dependence on them—as suffering, which he seeks to overcome through active effort and the act of transcendence; this effort enables him to develop his life with ever-greater freedom, transforming the things of the world into helpful entities whose value he himself determines. For him, Nirvana—as a state of liberation—is thus the highest affirmation of life and activity following the removal of all inhibitions. We also find this conception of salvation in Christianity, whose salvation overcomes the world and death and offers eternal life. In further discussion of the question of salvation, Redner sought to explain how life activity is first and foremost connected to individuation, which can only take place at the expense of the environment. Life activity, upon which all progress is based, is always associated with pleasure, but also necessarily with its opposite—pain, both one’s own and that of others—and with obstacles that can often make existence seem futile. Just as we perfect ourselves as individual lives through the universal life and through the sacrifice of others, so too must we create from within ourselves the antithesis to selfishness—selflessness—and sacrifice ourselves for the Universal Life, through active service and the self-perfection of our higher soul powers, in order to attain true redemption and the highest, uninhibited life: the highest stages of the broadest life activity. It is not through selfish individual salvation, but only through sacrifice for the community—by participating in the work of salvation—that a person is truly saved. – The lecture, which was received with approval, was followed by a lengthy discussion in which the speaker sought, among other things, to refute recent attacks made against the Theosophical Society.