Appendix to the Public Lectures
GA 85
10 October 1906, Berlin
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
83. Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
83. Ernst Theodor Amadeus Hoffmann
[ 1 ] In der Gottsched-Gesellschaft, die im Bürgersaal des Rathauses tagte, sprach Rudolf Steiner über «Ernst Theodor Amadeus Hoffmann» in einem fein durchdachten, von Begeisterungswärme erfüllten, doch für populäres Verständnis nicht gerade sehr geeignetem Vortrag. – Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, das war kurz skizziert der Gedankengang seiner Ausführungen, der poesievolle Romantiker, ist von den zeitlich kurz auf ihn folgenden Literaturhistorikern als wirrer Geist, voll Begabung, doch ohne Selbstzucht gewaltig unterschätzt worden. Erst Griesebach lässt ihm in seinen Schriften Würdigung und Gerechtigkeit widerfahren, weist als Erster die vorhandene systematische Einheit in seiner genialen Vielseitigkeit nach und entwirrte die leitenden Fäden in den Anschauungen, die von Hoffmann zu Wagner führen. Hoffmann war keineswegs nur ein haltloser Träumer, der von wechselnden Neigungen bald hier, bald dorthin gerissen wurde, dem wirklichen Leben und politische Strömungen unverstanden und fremd waren, sondern er wies sie nur in ihrer nüchternen Erscheinungsart willensbewusst von sich, während sie dennoch die Grundnoten zu allen seinen Schöpfungen geben. Auf das, was er jeweilig schuf, seien es eigene poetische Produktionen, musikalische Kompositionen, literarische Abhandlungen oder Funktionen seines juristischen Berufes, konzentrierte er sich mit voller Willensstärke. Eine kommende Generation von Deutschen, die der ästhetisierenden Maske entbehren kann, und die den Geist auch im Materialistischen zu finden weiß, werde Ernst Theodor Amadeus Hoffmann erst voll zu würdigen wissen, wie ihn Frankreich und England, dem ihn kein Geringerer als Carlyle zugänglich gemacht hat, heute schon schätzen. – Die dem Vortrag angeschlossene Vorlesung einiger Hoffmann’schen Dichtungen, von Liddy Pütz-Malten schlecht und recht erledigt, konnte keine besondere Wärme erzwingen, da gerade Hoffmanns krauser Phantasie nur im Zusammenhang genussreich zu folgen ist.
[ 1 ] In der Gottsched-Gesellschaft, die im Bürgersaal des Rathauses tagte, sprach Rudolf Steiner über «Ernst Theodor Amadeus Hoffmann» in einem fein durchdachten, von Begeisterungswärme erfüllten, doch für populäres Verständnis nicht gerade sehr geeignetem Vortrag. – Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, das war kurz skizziert der Gedankengang seiner Ausführungen, der poesievolle Romantiker, ist von den zeitlich kurz auf ihn folgenden Literaturhistorikern als wirrer Geist, voll Begabung, doch ohne Selbstzucht gewaltig unterschätzt worden. Erst Griesebach lässt ihm in seinen Schriften Würdigung und Gerechtigkeit widerfahren, weist als Erster die vorhandene systematische Einheit in seiner genialen Vielseitigkeit nach und entwirrte die leitenden Fäden in den Anschauungen, die von Hoffmann zu Wagner führen. Hoffmann war keineswegs nur ein haltloser Träumer, der von wechselnden Neigungen bald hier, bald dorthin gerissen wurde, dem wirklichen Leben und politische Strömungen unverstanden und fremd waren, sondern er wies sie nur in ihrer nüchternen Erscheinungsart willensbewusst von sich, während sie dennoch die Grundnoten zu allen seinen Schöpfungen geben. Auf das, was er jeweilig schuf, seien es eigene poetische Produktionen, musikalische Kompositionen, literarische Abhandlungen oder Funktionen seines juristischen Berufes, konzentrierte er sich mit voller Willensstärke. Eine kommende Generation von Deutschen, die der ästhetisierenden Maske entbehren kann, und die den Geist auch im Materialistischen zu finden weiß, werde Ernst Theodor Amadeus Hoffmann erst voll zu würdigen wissen, wie ihn Frankreich und England, dem ihn kein Geringerer als Carlyle zugänglich gemacht hat, heute schon schätzen. – Die dem Vortrag angeschlossene Vorlesung einiger Hoffmann’schen Dichtungen, von Liddy Pütz-Malten schlecht und recht erledigt, konnte keine besondere Wärme erzwingen, da gerade Hoffmanns krauser Phantasie nur im Zusammenhang genussreich zu folgen ist.
