Appendix to the Public Lectures
GA 85
29 January 1910, Heidelberg
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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
92. Erkenntnis und Unsterblichkeit
92. Erkenntnis und Unsterblichkeit
[ 1 ] «Der Seele Grenzen wirst du niemals ausfindig machen, und wenn du auch alle Straßen abschrittest; so weit ist ihr Wesen!» – Diese prophetischen Worte hat im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung kein Geringerer ausgesprochen als der Philosoph Heraklit, bekannt als «Heraklit der Dunkle». Und doch ist es namentlich der unablässigen Arbeit der Theosophie (Geisteswissenschaft) gelungen, in die Tiefen der Seele hineinzuleuchten und auf die Frage: «Ist der Mensch ein müßiger Zuschauer der Welt?» die entschiedene Antwort zu geben: Nein, denn Erkenntnis (Wissen als solches) hat für das ganze Leben sehr wohl einen positiven Wert, trotzdem die theosophische Weltanschauung sich zunächst nicht mit nützlichen und praktischen Dingen beschäftigt, sondern direkt auf den Geist ausgeht. Und auch der Begriff der «Unsterblichkeit» (der Idee der «Erkenntnis» heute nebengestellt) schließt, wenngleich von vielen abgeleugnet, eine Zuversicht und Hoffnung, eine Kraft und Stärke in sich, die für unser sterbliches Leben von größtem Wert sind. – Betrachten wir die Drei-Gliederung näher, in die die Theosophie das komplette Seelenleben zerlegt (nämlich: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewusstseinsseele) und berücksichtigen wir ferner den Aufbau der menschlichen Wesenheit, wie ihn die Theosophie lehrt (nämlich: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralischen Leib und das eigene «Ich», nebst den drei Umwandlungsprodukten: «Geist an sich», «Lebensgeist» und «Geistesmensch») unter Vertiefung in die daraus resultierenden Begleitumstände (Affekte des Menschen, sein Entwicklungsgang, «Andacht», Inkarnationslehre usw.), so kommen wir zu dem Schluss, dass die Quelle, die Leben für Leben verbindet, in der Erkenntnis liegt, und dadurch eben sichern wir uns die Unsterblichkeit. «Erkenntnis ist der Schöpfer der Unsterblichkeit!» Und somit können wir schon heute der bangen Frage Heraklits: «Was ist der Mensch? – Vom Schatten nur ein Traum!» die zuversichtlichen Worte anfügen: «Doch leuchtet nur ein lichter Strahl, Gott gesandt, in die Seele, so wird licht das Leben und hell ein jeglicher Tag!» – Das ungefähr war der Hauptinhalt des nahezu zweistündigen Vortrags, den Herr Dr. Rudolf Steiner, Berlin, am Samstagabend in der Theosophischen Gesellschaft (Zweig Heidelberg) vor einem außerordentlich zahlreichen Publikum im Lesesaal der Stadthalle gehalten hat. Nach dem vom Auditorium mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag fand Fragenbeantwortung statt, gegen […] Uhr fand der Vortragsabend seinen Abschluss.
[ 1 ] «Der Seele Grenzen wirst du niemals ausfindig machen, und wenn du auch alle Straßen abschrittest; so weit ist ihr Wesen!» – Diese prophetischen Worte hat im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung kein Geringerer ausgesprochen als der Philosoph Heraklit, bekannt als «Heraklit der Dunkle». Und doch ist es namentlich der unablässigen Arbeit der Theosophie (Geisteswissenschaft) gelungen, in die Tiefen der Seele hineinzuleuchten und auf die Frage: «Ist der Mensch ein müßiger Zuschauer der Welt?» die entschiedene Antwort zu geben: Nein, denn Erkenntnis (Wissen als solches) hat für das ganze Leben sehr wohl einen positiven Wert, trotzdem die theosophische Weltanschauung sich zunächst nicht mit nützlichen und praktischen Dingen beschäftigt, sondern direkt auf den Geist ausgeht. Und auch der Begriff der «Unsterblichkeit» (der Idee der «Erkenntnis» heute nebengestellt) schließt, wenngleich von vielen abgeleugnet, eine Zuversicht und Hoffnung, eine Kraft und Stärke in sich, die für unser sterbliches Leben von größtem Wert sind. – Betrachten wir die Drei-Gliederung näher, in die die Theosophie das komplette Seelenleben zerlegt (nämlich: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewusstseinsseele) und berücksichtigen wir ferner den Aufbau der menschlichen Wesenheit, wie ihn die Theosophie lehrt (nämlich: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralischen Leib und das eigene «Ich», nebst den drei Umwandlungsprodukten: «Geist an sich», «Lebensgeist» und «Geistesmensch») unter Vertiefung in die daraus resultierenden Begleitumstände (Affekte des Menschen, sein Entwicklungsgang, «Andacht», Inkarnationslehre usw.), so kommen wir zu dem Schluss, dass die Quelle, die Leben für Leben verbindet, in der Erkenntnis liegt, und dadurch eben sichern wir uns die Unsterblichkeit. «Erkenntnis ist der Schöpfer der Unsterblichkeit!» Und somit können wir schon heute der bangen Frage Heraklits: «Was ist der Mensch? – Vom Schatten nur ein Traum!» die zuversichtlichen Worte anfügen: «Doch leuchtet nur ein lichter Strahl, Gott gesandt, in die Seele, so wird licht das Leben und hell ein jeglicher Tag!» – Das ungefähr war der Hauptinhalt des nahezu zweistündigen Vortrags, den Herr Dr. Rudolf Steiner, Berlin, am Samstagabend in der Theosophischen Gesellschaft (Zweig Heidelberg) vor einem außerordentlich zahlreichen Publikum im Lesesaal der Stadthalle gehalten hat. Nach dem vom Auditorium mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag fand Fragenbeantwortung statt, gegen […] Uhr fand der Vortragsabend seinen Abschluss.
