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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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Nachträge zur Abteilung öffentliche Vorträge
GA 85

24 May 1911, Graz

96. Wie erlangt man Erkenntnis aus höheren Welten?

[ 1 ] Vorgestern setzte Dr. Steiner seine für Anhänger und Gegner gleich lehrreichen und anziehenden Ausführungen fort, indem er diesmal die für so viele hochwichtige Frage «Wie erlangt man Erkenntnis aus höheren Welten?» in den Mittelpunkt seiner wissensreichen Betrachtungen rückte. Es würde zu viel Raum einnehmen, wenn wir uns hier auch nur auf eine flüchtige Wiedergabe des vielseitigen Inhaltes seines Vortrages einlassen würden, zumal er ja alles, was er in den Kreis seiner Erläuterungen zog, viel ausführlicher, als es vorgestern der Fall sein konnte, und auch viel gründlicher in seiner Zeitschrift und in eigenen Büchern auseinandergesetzt hat. Die Anleitungen, die er nur ganz kurz geben konnte, waren trotzdem auch denen verständlich, die vorher keine Zeile von ihm gelesen hatten: gewiss bezeichnend für die eindringliche und klare Art seiner Vorträge. Indem er immer das, was seine Geisteswissenschaft ist, dem gegenüberstellte, was sie nicht ist bzw. nicht sein soll, erzielte er das größtmögliche Verständnis. Dabei streifte er auch den Spiritismus, der mit seiner Geisteswissenschaft kaum einen Punkt gemeinsam hat. Die Zuhörer, die reichlich vertreten waren, folgten mit sichtlicher Spannung der Entwicklung seiner Anschauungen und kargten am Schlusse des Vortrages keineswegs mit dankbarer Anerkennung. – Nach einer kurzen Pause schritt der Redner zur Beantwortung der ihm vorgelegten, oft recht eigenartigen Fragen und beschäftigte sich zunächst mit unserem Berichte über seinen ersten Vortrag, worin ein genauer Kenner seiner Schriften für einen weiteren Leserkreis Dr. Steiners geistigen Entwicklungsgang und Aufstieg in flüchtigen Umrissen zeichnen wollte, was bei den mehr als dürftigen Nachrichten über Dr. Steiners äußere Lebensumstände ein sehr schwieriges Unterfangen war. Dabei fand Dr. Steiner Gelegenheit, festzustellen, dass er nicht am Kalkburger Gymnasium studierte und nur dem Giordano Bruno-Bunde, nicht mehr aber dem Monistenbunde angehört, der sich aus jenem entwickelt hat. Die Beantwortung der Fragen aus dem Kreise der Anwesenden war wegen der vorgeschrittenen Zeit naturgemäß nur kurz, aber auch in dieser Fassung ergebnisreich. – Alles in allem genommen hat man in Dr. Steiner einen Mann kennengelernt, der auf vielen Gebieten des äußeren Lebens ein außerordentliches Wissen gesammelt hat, das er mühelos zu verwerten versteht, zugleich aber auch einen jener heute noch so seltenen Menschen, der auf dem Boden der Seelenforschung neue Wege zu beschreiten gewagt hat, die in bisher unbekannte Fernen führen.