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Self-Knowledge and God-Knowledge I
GA 90a

17 November 1903, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge I, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I, 1st ed.

5. Über Sinnets «Esoterischer Buddhismus»

5. On Sinnet’s Esoteric Buddhism

[ 1 ] Zwei Einwände gibt es, die häufig gemacht werden. Sie sind jetzt gerade am leichtesten zu fassen. Das Sinnett’sche Buch war das erste populäre [theosophische] Buch. Dieses Buch hat viele Mitglieder, die jetzt einen Namen haben, erst für die Gesellschaft erworben. Das Buch ist entstanden unter dem Einfluss eines Meisters. Der Meister wollte dem Abendlande diese Lehren zugängig machen. Teilweise ist es auch aus Fragen entstanden, die Sinnett selbst an den Meister gerichtet hat. Der Verkehr ist vermittelt worden durch Frau von Blavatsky.

[ 1 ] There are two objections that are frequently raised. They are easiest to address right now. Sinnett’s book was the first popular [theosophical] book. This book brought many members—who are now well-known—into the Society for the first time. The book was written under the influence of a Master. The Master wanted to make these teachings accessible to the West. In part, it also arose from questions that Sinnett himself posed to the Master. The communication was facilitated by Madame Blavatsky.

[ 2 ] Das Buch hat eine große Reihe von Leuten, die jetzt führende Persönlichkeiten sind, für die Sache erst gewonnen. Das Buch «Isis unveiled» war ein viel zu schweres Buch. Die «Geheimlehre» ist erst viel später erschienen.

[ 2 ] The book was what first won over a large number of people—who are now leading figures—to the cause. The book Isis Unveiled was far too difficult a read. The Secret Doctrine was not published until much later.

[ 3 ] Dieses Sinnett’sche Buch enthält alle Fragen — wenigstens angedeutet —, auch diejenigen, von welchen ich neulich gesprochen habe, aber nicht in der Ausführung, die ich gegeben habe, sondern aus zwei Formen: Erstens aus der Weisheit selbst, dem Geheimgut der Meister unserer Loge seit Urzeiten; und zweitens aus dem anderen Teil, der äußeren Gestalt. Diese Gestalt ist angepasst den Betrachtungsweisen und der Vorstellungsart des Abendlandes. Aus diesen beiden Bedürfnissen ist das Buch hervorgegangen. Das Buch hat bis zu einem gewissen Grade schiefe Vorstellungen. Das beruht darauf, dass sie im Beginne nicht in ihrer ganzen Tiefe verstanden werden konnten. Die Arbeit im Einzelnen hängt immer ab von der Persönlichkeit des betreffenden Bearbeiters. Das, was Inspiration ist, ist der Weisheitskern, ein Vergleich aus höheren Regionen. Die Weisheit wird nicht in der Form erhalten, in der sie in unseren Büchern steht. Sie wird empfangen in der Arupa-Form. In die Form hat es der betreffende Bearbeiter zu bringen, sodass sich diese von dem ursprünglich Empfangenen immer noch unterscheidet.

[ 3 ] This book by Sinnett contains all the questions—at least in outline—including those I spoke of recently, but not in the manner I presented them, rather in two forms: first, from wisdom itself, the secret treasure of the masters of our Lodge since time immemorial; and second, from the other aspect, the outer form. This form is adapted to the Western way of thinking and mode of imagination. The book arose from these two needs. To a certain extent, the book contains distorted ideas. This is because, in the beginning, they could not be understood in their full depth. The specific work always depends on the personality of the particular editor. What constitutes inspiration is the core of wisdom, a revelation from higher realms. Wisdom is not received in the form in which it appears in our books. It is received in the arupa form. It is up to the particular editor to give it form, so that this form still differs from what was originally received.

[ 4 ] Wir sind heute vielleicht imstande, noch deutlicher die Sachen zu sagen, als sie in der «Geheimlehre» stehen. Dieselben esoterischen Lehren leben nämlich auch in der Geheimlehre der Rosenkreuzer. Einige wenige haben sich mit dem Sinnett’schen Buch befasst. Eduard von Hartmann hat dazumal über das Sinnett’sche Buch eine Abhandlung geschrieben. Diese Abhandlung gipfelt darin, dass man es zu tun habe mit Gebilden der Phantasie, und in einem Satze, welcher warnt davor. Er kommt aber mit einer gewissen Unbefangenheit, die sonst im Abendlande nicht anzutreffen ist, dem Buch entgegen. Eduard von Hartmann hat sich bekannt gemacht mit der Siebenteilung. Er hat begriffen, dass das Höhere der Menschennatur aus Atma, Budhi, Manas besteht, und dass es unsterblich wird, wenn es zu einem Höheren hingezogen wird. Dadurch wird es eben auch unsterblich. Eduard von Hartmann sagt sich ganz richtig, dass erst im Verlaufe der dritten Runde eine Befruchtung eintritt von der Individualität, sodass also nicht gesprochen werden kann von einem Fortleben von dem, was von der dritten Runde an und in derselben sich entwickelt. Er kann nicht einsehen, was das im Menschen ist, das sich wiederverkörpert, wenn Sie den sechsten Teil noch nicht entwickelt haben. Sie sind also nicht unsterblich. Er kann also nicht einsehen, wie von einer Unsterblichkeit der Wesen aus der ersten, zweiten und dritten Runde gesprochen werden kann. Dann kommt die fünfte, sechste und siebte Runde; ist von Anfang an, das heißt von der ersten Epoche unserer ersten irdischen Entwicklungsreihe an, lunarisch. Dann kommt die irdische Epoche und nach unserer irdischen Epoche haben wir noch drei folgende. In jeder Runde haben wir sieben Rassen. Wenn auch der sechste Grundteil in unserer Menschheit noch nicht zur Entwicklung gekommen ist - von Anfang an war das, was unsterblich im Menschen liegt, schon vorhanden und zwar in einer viel vollkommeneren, in einer glänzenderen Weise war es vorhanden. Es war da. Was heute gleichsam untergetaucht ist, das war in einer früheren Epoche auch schon vorhanden aber leibbefreit, noch nicht in den Leib eingezogen. Wir alle, die wir jetzt leben, dürfen, können Gedanken des göttlichen Urgeistes genannt werden. Unten entwickelt sich die physische Grundlage, die ätherische und die kamische Grundlage. Das ist die erste Kette der Entwicklung.

[ 4 ] Today we may be able to express these things even more clearly than they are stated in The Secret Doctrine. For these same esoteric teachings are also found in the secret doctrine of the Rosicrucians. Only a few have studied Sinnett’s book. Eduard von Hartmann wrote a treatise on Sinnett’s book at the time. This treatise concludes that the book deals with figments of the imagination and includes a sentence warning against it. However, he approaches the book with a certain open-mindedness not commonly found in the West. Eduard von Hartmann became familiar with the sevenfold division. He understood that the higher aspect of human nature consists of Atma, Budhi, and Manas, and that it becomes immortal when drawn toward a higher realm. It is precisely through this that it becomes immortal. Eduard von Hartmann quite correctly observes that it is only in the course of the third round that a fertilization of the individuality takes place, so that one cannot speak of a survival of that which develops from the third round onward and within it. He cannot grasp what it is in human beings that reincarnates if they have not yet developed the sixth part. They are therefore not immortal. He therefore cannot understand how one can speak of the immortality of beings from the first, second, and third rounds. Then come the fifth, sixth, and seventh rounds; from the very beginning—that is, from the first epoch of our first earthly series of development—they are lunar in nature. Then comes the earthly epoch, and after our earthly epoch we have three more to follow. In each round we have seven races. Even though the sixth fundamental part has not yet come to development within our humanity—from the very beginning, that which is immortal in human beings was already present, and indeed it was present in a far more perfect, in a more resplendent way. It was there. What has, so to speak, gone into hiding today was already present in an earlier epoch, but was free from the body, not yet incorporated into it. All of us who are now living may be called thoughts of the divine Primordial Spirit. Below, the physical, etheric, and kamic foundations develop. This is the first chain of development.

[ 5 ] Und nun stellen Sie sich vor, dass im Beginne der Entwicklung alle individuellen Seelen als Geister, als Spirits, vorhanden waren. Denken Sie sich diese ursprüngliche Kugel, die jetzt zerstoben ist, von grober Materie. Diese Kugel war in einer Atmosphäre rein geistiger Art, in welcher die einzelnen Seelen lebten. Sie waren noch jungfräulich und unberührt von jeder Stofflichkeit. Diese einzelnen Seelen lebten damals noch im innigen Einklang mit Atma. Sie waren noch eins mit Atma. Das erste Stadium der Seelenentwicklung ist noch «Sein bei Atma». Die Materie-Bildung geht weiter, aber die Geistentwicklung steigt herunter. Die Budhi kommt dem Körperlichen entgegen. Die Mondepoche entwickelt Manas in der schwebenden Atmosphäre, sodass jetzt schon Atma, Budhi, Manas entsteht, und vorbereitet wurden: Körper, Lebenskraft, Kama. In der dritten Runde vereinigen sie sich, die beiden, in Kama und Manas können sie sich verschlingen.

[ 5 ] And now imagine that, at the beginning of evolution, all individual souls existed as spirits. Picture this primordial sphere—which has now disintegrated—composed of coarse matter. This sphere existed in an atmosphere of a purely spiritual nature, in which the individual souls lived. They were still pristine and untouched by any materiality. At that time, these individual souls still lived in intimate harmony with Atma. They were still one with Atma. The first stage of soul development is still “being with Atma.” The formation of matter continues, but spiritual development descends. Budhi moves toward the physical. The Lunar Epoch develops Manas in the ethereal atmosphere, so that Atma, Budhi, and Manas are already emerging, and the body, life force, and Kama are being prepared. In the third round, the two unite; in Kama and Manas, they can become entangled.

[ 6 ] In unserer Runden- und Rassenentwicklung sind zwei Strömungen, zwei Ströme zusammengeflossen. Einer, der herabgestiegen, und einer, der emporgestiegen war. Stellen Sie sich vor, auf einer Wiese eine Menge versammelt; sie wird geleitet von einem Führer. Jeder Einzelne baut sich ein Zelt und macht Fenster hinein. Die Gruppenseele denkt die Einzelnen. Die Einzelwesen waren zu der Gruppenseele in einem Verhältnis, wie meine linke und meine rechte Hand zu dem menschlichen Organismus. Von Anfang an waren die Wesenheiten da. Zuerst ist das Zelt noch zusammen und bequem. Dann wandelt es sich um zur Körperlichkeit. Denken Sie sich wieder die Lampe, die sich in vielen Kugeln spiegelt. Die Spiegelbilder werden dann selbst leuchtend. Jede einzelne Kugel wird selbst leuchtend und ein selbstsüchtiges Wesen.

[ 6 ] In our evolution through cycles and races, two currents, two streams, have converged: one that descended, and one that ascended. Imagine a crowd gathered in a meadow; it is led by a guide. Each individual builds a tent and cuts windows into it. The group soul conceives of the individuals. The individual beings were related to the group soul in the same way that my left and right hands are related to the human organism. The beings were there from the very beginning. At first, the tent is still intact and comfortable. Then it transforms into physicality. Imagine again the lamp reflected in many spheres. The reflections then begin to glow on their own. Each individual sphere becomes luminous in its own right and a self-centered being.

[ 7 ] Und nun etwas von dem Zweck des Weltprozesses: Da haben wir die zwei Begriffe von der ‹Absich› und von dem ‹Erreichen› zu vergleichen. Die Absicht ist das nach außen Wollende, und das Ende ist das, worin die Absicht sich verwirklicht hat. Am besten macht man sich das klar an einem konkreten Fall. Nehmen wir ein Mondmanvantara oder eine Erdepoche und darin das Pralaya. Im Mondmanvantara hat sich entwickelt: Kama. Wodurch waren diese Menschen zustande gekommen? Sie wurden von außen her zusammengefügt durch Kama. Kama hat mit Liebe in ihnen gearbeitet, um sie zustande zu bringen. Sie gehen mit einem bestimmten Ziele aus dem Manvantara heraus. Was hineingezogen wurde, ist universelles Kama; was herausfließt ist jetzt Liebe. Es ist eine Umkehrung des Stromes. Brahma hat im Anfang die Tendenz, alles Kama auszuströmen. Das kommt dann zurück in einer anderen Form. Es geht durch Sonderwesen hindurch. Ausgeströmte Weisheit und ausgeströmte Liebe kommen zu Brahma wieder zurück. Der Weltenzweck ist das. Der Hunger ist gleich der Nahrung, weil vor der Sättigung derselbe Zustand vorhanden ist wie nachher.

[ 7 ] And now a word about the purpose of the world process: Here we must compare the two concepts of “intention” and “achievement.” Intention is what is directed outward, and the end is that in which the intention has been realized. This is best understood through a concrete example. Let us take a lunar manvantara or an Earth epoch, and within it, the pralaya. In the lunar manvantara, Kama developed. How did these human beings come into being? They were brought together from the outside by Kama. Kama worked within them through love to bring them into being. They emerge from the manvantara with a specific goal. What was drawn in is universal Kama; what now flows out is love. It is a reversal of the current. In the beginning, Brahma has the tendency to let all Kama flow out. This then returns in a different form. It passes through special beings. Wisdom and love that have flowed out return to Brahma. That is the purpose of the world. Hunger is the same as nourishment, because the state before satiety is the same as the state afterward.

[ 8 ] Weil Gott den Menschen die Schöpferkraft gibt, geben sie sie ihm wieder zurück. Was als Opfer gegeben wurde, das wird wieder als Opfer gegeben.

[ 8 ] Because God gives human beings the power of creation, they give it back to Him. What was given as an offering is given back as an offering.

[ 9 ] Im Ganzen kann die Welt nur als Tat der Liebe, als Freiheit und als Opferung aufgefasst werden. Man darf den Weltprozess nicht von sich aus kritisieren. Die Gabe des Denkens ist nur den Menschen der fünften Runde eigen, während der fünften Runde wird er noch eine ganz andere Entwicklung haben, und in der sechsten wird er

[ 9 ] Overall, the world can only be understood as an act of love, as freedom, and as sacrifice. One must not criticize the course of world history on one’s own initiative. The gift of thought is unique to the people of the fifth round; during the fifth round, they will undergo a completely different development, and in the sixth, they will

[ 10 ] [Abbruch der Mitschrift].

[ 10 ] [End of transcript].