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Self-Knowledge and God-Knowledge I
GA 90a

2 May 1904, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge I, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I, 1st ed.

23. Zum Weissen Lotustag

23. On White Lotus Day

[ 1 ] In wenigen Tagen wird es dreizehn Jahre sein, dass die Begründerin der theosophischen Gesellschaft das irdische Dasein verlassen hat. Sie wirkte zunächst in geheimen Gesellschaften, denn nicht durch das freie Wort, sondern in geheimen Zirkeln wurde die theosophische Weisheit vorgetragen, hinter streng verschlossenen Türen.

[ 1 ] In a few days, it will be thirteen years since the founder of the Theosophical Society left this earthly life. She was initially active in secret societies, for theosophical wisdom was not imparted through open discourse but rather in secret circles, behind tightly closed doors.

[ 2 ] Das ist indessen mehr bildlich als wörtlich zu nehmen. Die Rosenkreuzer haben den Weisheitsschatz bewahrt, der jetzt in populärer Form in der Theosophie fließt. Die Taktik und Diplomatik sind durch Helena Petrowna Blavatsky geändert worden. [Mehr als in früherer Zeit sind die Menschen heute zur Selbsteinkehr und zur Selbsterkenntnis genötigt, um des eigenen Herzens geheime Tiefen kennenzulernen. Deshalb ist bei den Leitern der Menschheit der Entschluss reif geworden, die Wahrheit hineinzutragen in die Menschlichkeit und zu allen Menschen von dem zu sprechen, was sonst in den Mysterien verborgen war.] Aber nicht nur die Ergebnisse drangen aus den geheimen Brüderschaften heraus, sondern auch das Wort selbst. Was wir heute verkündigen, ist mehr ein Buchstabieren. Es soll aber hinführen zum Lesen der tiefsten Wahrheiten der Menschen.

[ 2 ] This, however, should be taken more figuratively than literally. The Rosicrucians have preserved the treasure of wisdom that now flows into theosophy in a popular form. The tactics and diplomacy have been altered by Helena Petrovna Blavatsky. [More than in earlier times, people today are compelled to turn inward and seek self-knowledge in order to discover the secret depths of their own hearts. Therefore, the leaders of humanity have reached the decision to bring the truth to humanity and to speak to all people about what was otherwise hidden in the mysteries.] But it was not only the results that emerged from the secret brotherhoods, but also the Word itself. What we proclaim today is more of a spelling out. But it is meant to lead to the reading of humanity’s deepest truths.

[ 3 ] Bedeutende Persönlichkeiten haben in irgendeiner Beziehung zu diesen geheimen Gesellschaften gestanden. Goethe knüpft im Märchen bewusst an das Geheimwissen aller Zeiten an. Es gibt ein Gedicht, das er zur Verherrlichung der rosenkreuzerischen Gesinnung geschrieben hat, ein Gedicht in welchem das ausgesprochen worden ist, was heute den Lebensnerv der theosophischen Bewegung ausmacht. Das Gedicht heißt «Die Geheimnisse».

[ 3 ] Prominent figures have had some connection to these secret societies. In his fairy tales, Goethe deliberately draws on the esoteric knowledge of all ages. There is a poem he wrote to glorify the Rosicrucian ethos, a poem in which he articulated what today constitutes the lifeblood of the Theosophical Movement. The poem is titled “The Mysteries.”

[ 4 ] Dort sucht der demütige Pilger Bruder Markus nach einem Ruheplatz der menschlichen Seele, nach dem Montserrat - geistig -, der ein Höhepunkt menschlich geistiger Entwicklung war. Er kommt bei diesem Suchen in ein merkwürdiges Kloster. Zwölf Einsiedler sind darin. Der dreizehnte ist der Träger der größten Weisheit, ein Führer der Menschheit. Durch je einen der zwölf Einsiedler wird symbolisiert eine der Kräfte der Völker. Markus, der Dreizehnte, soll vereinigen, was die Menschheit auf verschiedenen Wegen gesucht hat. In den zwölf Brüdern sind die menschlichen Meinungen symbolisiert. Der Dreizehnte ist derjenige, welcher sie vereinigt. Wenn wir heute die im Gedichte gekennzeichnete Gesinnung betätigen, so sind wir auf dem ideellen Montserrat.

[ 4 ] There, the humble pilgrim Brother Markus seeks a place of rest for the human soul—a spiritual Montserrat, which was a pinnacle of human spiritual development. In his search, he comes upon a strange monastery. Twelve hermits dwell there. The thirteenth is the bearer of the greatest wisdom, a guide for humanity. Each of the twelve hermits symbolizes one of the forces of the peoples. Markus, the Thirteenth, is meant to unite what humanity has sought through various paths. The twelve brothers symbolize human opinions. The Thirteenth is the one who unites them. If we put into practice today the spirit described in the poem, we are on the ideal Montserrat.

[ 5 ] Am Eingange des Klosters findet sich das Symbolum, das Kreuz mit Rosen umschlungen, [Platon sagt:] das Weltenkreuz der Materie, an dem die Weltenseele gekreuzigt sei. Mehr wie sonst lastet auf uns die Notwendigkeit der Selbsterkenntnis. Wir müssen dieses Rätsel lösen, des Menschen Vergangenheit, des Menschen Gegenwart und des Menschen Zukunft. Diese Selbstschau ist zu üben, um dann darüber in der Sprache öffentlich zu sprechen, welche auf der ersten Stufe des Geheimlernens gegeben worden ist.

[ 5 ] At the entrance to the monastery stands the Symbolum, the cross entwined with roses, [Plato says:] the cosmic cross of matter, upon which the world soul is crucified. More than ever before, the necessity of self-knowledge weighs upon us. We must solve this riddle—the past, present, and future of humanity. We must practice this self-reflection so that we may then speak publicly about it in the language that was given to us at the first stage of secret learning.

[ 6 ] Einige Worte über einen Einleitungsvortrag in den Geheimschulen finden Sie in einem der Monologe in Goethes «Faust», den Goethe erst nachher geschrieben hat. Was er da sagt, ist das Bekenntnis, dass der Mensch innerhalb des Universums leben muss und seine Grundregeln daraus zu holen hat. Es geht um die Szene «Wald und Höhle» aus «Faust I», da heißt es:

[ 6 ] A few words about an introductory lecture in the secret schools can be found in one of the monologues in Goethe’s Faust, which Goethe wrote only later. What he says there is a declaration that human beings must live within the universe and derive their fundamental rules from it. This refers to the “Forest and Cave” scene from Faust I, where it says:

Erhabner Geist, du gabst mir alles, warum ich bat
Du hast mir nicht umsonst dein Angesicht im Feuer zugewendet
Gabst mir die herrliche Natur zum Königreich.
Kraft sie zu fühlen, zu genießen. Nicht
Kalt staunenden Besuch erlaubst du nur,
Vergönnest mir in ihre tiefe Brust,
Wie in den Busen eines Freundes zu schauen
Du fährst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.
Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert
Dann führst du mich zur sicheren Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst und meiner eigenen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.
Und steigt vor meinem Blick der reine Mond
Besänftigend herüber, schweben mir von Felsenwänden
Aus dem feuchten Busch
Der Vorwelt silberne Gestalten auf
Und lindern der Betrachtung strenge Lust
O, dass dem Menschen nichts Vollkommenes wird,
Empfind ich nun. Du gabst zu dieser Wonne,
Die mich den Göttern nah und näher bringt
Mir den Gefährten, den ich schon nicht mehr
Entbehren kann, wenn er gleich kalt und frech,
Mich vor mir selbst erniedrigt und zu Nichts,
Mit einem Worthauch, deine Gaben wandelt.
Er facht in meiner Brust ein wildes feuer
Nach jenem schönen Bild geschätig an.
So tauml ich von Begierde zu Genuss
Und im Genuss verschmacht ich nach Begierde.
—[Faust I, Vers 3217-3250]

Sublime Spirit, you gave me everything I asked for
You did not turn your face toward me in the fire in vain
You gave me the magnificent natural world as my kingdom.
The power to feel it, to enjoy it. Not
Do you allow only a cold, marveling visitor,
But grant me access to its deep bosom,
As if to gaze into the bosom of a friend
You lead the procession of the living
Past me and teach me to know my brothers
In the quiet thicket, in air and water.
And when the storm roars and creaks in the forest
The giant spruce, toppling, strikes neighboring branches
And, crushing neighboring trunks, sweeps downward
And the hill thunders with a dull, hollow sound at its fall
Then you lead me to the safe cave, show me
Then to myself and my own heart
Secret, profound wonders open up.
And as the pure moon rises before my eyes
Soothingly across the sky, silver figures from the prehistoric world
Rise up to me from rocky cliffs
And from the damp thicket
And soothe the stern delight of contemplation
Oh, that nothing becomes perfect for man,
I now feel. You gave me, for this delight,
Which brings me closer and closer to the gods
The companion whom I can no longer
Do without, even if he is cold and insolent,
Humiliates me before myself and reduces me to nothing,
Transforming your gifts with a mere whisper.
He stokes a wild fire in my breast
Inspired by that beautiful image.
So I stagger from desire to pleasure
And in pleasure I languish for desire.
—[Faust I, Lines 3217–3250]

[ 7 ] [Wir sehen zuerst seine tief innerliche Naturempfindung, den großen Blick, den der Weltengeist ihm gestattete, und Goethe fährt dann aber mit der Zeile fort:]

[ 7 ] [First we see his profound, inner sense of nature, the expansive vision that the spirit of the world granted him, and Goethe then continues with the line:]

zeigst mich dann mir selbst und meiner eigenen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

you then reveal me to myself and to my own heart
Secret, profound wonders unfold.

[ 8 ] [In den Mysterienschulen riefen im Frühling die Lehrer ihre Schüler zusammen, damit sie von den Tatsachen der Natur lernten.] Eröffnung der inneren Tiefen. Im Frühling, wenn die Natur erwacht, ist alles voller Wunder. Diese Wunder der Natur sollen nicht nur angestaunt, sondern auch entziffert werden. Die Mystik führt uns in die Natur auf allen Stufen, und wir können lernen, wie wir selbst als Menschen uns zu verhalten haben. In der Natur ist geschrieben, was theosophische Mystik ist. Verstehen wir die Wunder der Natur, dann verstehen wir auch die eigenen Wunder [dann begreifen wir, was in uns lebendig ist, den geheimen Sinn des Lebens. Keusch und stumm liegen die beiden untersten Reiche der Natur, das Steinreich und das Pflanzenreich, vor uns.]

[ 8 ] [In the mystery schools, the teachers would gather their students in the spring so that they might learn from the phenomena of nature.] Opening of the inner depths. In the spring, when nature awakens, everything is full of wonders. These wonders of nature are not only to be marveled at, but also deciphered. Mysticism leads us into nature at every level, and we can learn how we ourselves, as human beings, should conduct ourselves. What theosophical mysticism is lies written in nature. If we understand the wonders of nature, then we also understand our own wonders [then we comprehend what is alive within us, the secret meaning of life. The two lowest kingdoms of nature—the mineral kingdom and the plant kingdom—lie before us, chaste and silent.]

[ 9 ] Das Steinreich steht vor uns wie ein Erinnerungszeichen an unsere frühere Vergangenheit. [Das Steinreich erinnert uns an eine Ferne, wo wir im dumpfen Trancezustand uns einst des hell leuchtenden Kristalls erfreuten; der Himmel selbst steht vor uns als Erinnerungssprache, die wir selber durchgemacht haben. Die Sternenwelt und das Steinreich erinnern uns an die Schöpferkraft, der wir entsprossen sind.]

[ 9 ] The Stone Realm stands before us as a symbol of our distant past. [The Realm of Stone reminds us of a distant time when, in a dull trance-like state, we once delighted in the brightly shining crystal; the heavens themselves stand before us as a language of memory that we ourselves have experienced. The world of the stars and the Realm of Stone remind us of the creative power from which we sprang.]

[ 10 ] Und an eine andere Stufe erinnert uns das Pflanzenreich. Zurückgelassen haben wir nicht allein die Kristalle, sondern auch alles, was als scheinbar Lebloses vor uns steht. Majestätisch ist die scheinbar leblose Natur mit den Millionen von Sternen. An eine Allmacht majestätischer Schöpferkraft, der wir entsprossen sind, erinnert uns dieses Reich. Es ist nicht bloß unsere Erde, auf der wir eine kurze Spanne unseres Daseins zubringen, nein, es sind alle übrigen Welten, die der Okkultist kennt.

[ 10 ] And the plant kingdom reminds us of yet another level. We have left behind not only crystals, but also everything that stands before us as seemingly lifeless. Majestic is this seemingly lifeless nature with its millions of stars. This realm reminds us of the omnipotence of a majestic creative force from which we sprang. It is not merely our Earth, on which we spend a brief span of our existence; no, it is all the other worlds known to the occultist.

[ 11 ] [Majestätisch ist die ganze, scheinbar leblose Natur der Mineralien. Darauf baut sich auf das Reich des Wachstums, des Lebens.] Dann kommt das Pflanzenreich [ebenfalls als eine Erinnerungsstufe unseres eigenen Daseins anzuschauen]. Es ist etwas von ruhiger Seligkeit in jeder Pflanze vorhanden, eine selige Heiterkeit, welche sprießt und sprosst und durch die wir selbst hindurchgegangen sind [als wir uns aus dem majestätischen Reich der Mineralien herausgefunden hatten]. Diese zwei Regionen gehören den Welten an, die nur ein Geheimwisser erreichen kann.

[ 11 ] [The entire, seemingly lifeless realm of minerals is majestic. The realm of growth and life is built upon it.] Then comes the plant kingdom [which should also be viewed as a stage of remembrance of our own existence]. There is something of quiet bliss in every plant, a blissful serenity that sprouts and grows—and through which we ourselves have passed [when we emerged from the majestic realm of minerals]. These two realms belong to the worlds that only one who possesses secret knowledge can reach.

[ 12 ] [Majestätische] Felsengebilde und Pflanzengebilde in seliger Heiterkeit finden sich überall. Eines gehört aber lediglich unserer Erde [, ein Reich findet der Seher nur auf unserer Erde, das Reich der höheren Tiere, da, wo Empfindung auftritt, wo das Lebendige in sich selbst beschlossen wird und Selbstgefühl entwickelt.] Das Tierreich können Sie nicht auf anderen Welten finden, wie es sich auf unserer Erde findet. Da, wo wir aus der seligen Heiterkeit heraus Lust und Schmerz, Freude und Leid entwickeln, entstehen die Gestalten, die wir kennen und für welche unsere Erde allein ein Schauplatz ist.

[ 12 ] [Majestic] rock formations and plant formations, bathed in blissful serenity, can be found everywhere. One, however, belongs solely to our Earth [; the seer finds only one realm on our Earth—the realm of the higher animals—where sensation arises, where life is contained within itself, and where self-awareness develops.] You cannot find the animal kingdom on other worlds as it exists on our Earth. Where, out of this blissful serenity, we develop pleasure and pain, joy and sorrow, there arise the forms we know—forms for which our Earth alone serves as a stage.

[ 13 ] Es ist oft gesagt worden, dass auf dem Antlitz der Tiere sich etwas ausdrückt, was man nur als Mitleid bezeichnen könnte. Die Tierheit sitzt wirklich im Leid. Die Tierheit ist entstanden, damit der Mensch sich losringen kann zu höheren Stufen. Er musste die Tierheit hinter sich lassen. Er musste aussondern das, was als lebendige Tierheit um uns herum lebt. [Daraus folgt für uns das Erbarmen gegen die Tiere, das die Ethik zum Führer hat.] Des Menschen Höhenzug musste erkauft werden mit der Ablösung der Tierheit. Dieser verfielen die, welche nicht die Fähigkeit hatten, sich vom Schmerz durch hohe Gedanken frei zu machen. Dann ging der Mensch den Qualen-Weg des Ich, um hinüberzugehen in eine andere, höhere Welt. Alles Lehren und Lernen soll nur dazu da sein, um uns zu dem zu führen, was jenseits des Lebens liegt[, denn des Menschen Wesen ist geistiger Natur]. Alles, was die Theosophie lehrt und nicht gelebt werden könnte, wäre vergebliche Mühe.

[ 13 ] It has often been said that the faces of animals express something that can only be described as compassion. Animality truly lies in suffering. Animality came into being so that human beings could struggle their way to higher levels. They had to leave animality behind. He had to separate himself from that which lives around us as living animality. [From this follows our compassion toward animals, guided by ethics.] Humanity’s ascent to higher realms had to be paid for by the shedding of animality. Those who lacked the ability to free themselves from pain through lofty thoughts succumbed to it. Then humanity walked the path of suffering of the “I” in order to pass over into another, higher world. All teaching and learning should serve only to lead us to what lies beyond life [for the human being’s essence is of a spiritual nature]. Anything that Theosophy teaches that cannot be lived out would be a futile effort.

[ 14 ] [Wir können von der Natur lernen, wie sie uns in ihren drei Reichen drei Tugenden vorhält.] Es gibt drei Fundamentaltugenden des Menschen:

[ 14 ] [We can learn from nature, which presents us with three virtues in its three kingdoms.] There are three fundamental human virtues:

- Majestät - im ersten Reiche
- Selige Heiterkeit - im zweiten Reiche
- Leid und Freude [Erbarmen] — im dritten Reiche.

- Majesty - in the first realm
- Blissful serenity - in the second realm
- Suffering and joy [Compassion] — in the third realm.

[ 15 ] Was sollen wir lernen von Lust und Leid? [Lust und Leid in Geduld ertragen lernen, das lehrt uns] Die Lehre von den Wiederverkörperungen. Das Tier kann sich nicht über den Zustand von Leid und Lust erheben. Des Menschen Wesenskern ist aber geistiger Natur. Und der Geist sucht einen Aufenthalt in dem, was Lust und Leid, Freude und Schmerz ist.

[ 15 ] What should we learn from pleasure and suffering? [To learn to endure pleasure and suffering with patience—that is what the doctrine of reincarnation teaches us.] Animals cannot rise above the state of pleasure and pain. The core of human nature, however, is spiritual. And the spirit seeks a dwelling place in that which is pleasure and pain, joy and sorrow.

[ 16 ] Warte in Geduld - das ist es, was uns aus der großen Lehre der Reinkarnation folgt.

[ 16 ] Be patient—that is what we learn from the great teaching of reincarnation.

[ 17 ] Was lernen wir von dem Pflanzenreich in seiner seligen Heiterkeit? Wir lernen das, was uns fließen kann aus dem großen Gesetze, das uns ebenfalls die theosophische Weltbewegung in populärer Form gegeben hat, aus dem Gesetze von Karma, dem Gesetze der ewigen Verursachung aller geistigen Dinge.

[ 17 ] What can we learn from the plant kingdom in its blissful serenity? We learn what can flow to us from the great law that the Theosophical Society has also presented to us in a popular form—the law of karma, the law of eternal causation of all spiritual things.

[ 18 ] Es scheint das Wesen der Pflanzen zu sein, schmerzlos und ruhig in seliger Heiterkeit wieder hervorzubringen ihresgleichen. Sie sind ganz hingegeben dem Hervorbringen von ihresgleichen. Im Sprießen, Wachsen und Knospen besteht das opferwillige Leben der ganzen Pflanze, wenn wir der Welt gegenübertreten, nicht richten, nicht urteilen, sondern das, was sie tut, von uns aus zu verstehen suchen, wenn wir nicht richten, sondern zu begreifen suchen, dann tauchen wir in die Mitwesen ein und holen die Mittel, sie zu verstehen aus ihnen heraus. Das ist das, was das zweite Reich uns lehrt. Das Karmagesetz lehrt uns als den zweiten sittlichen Grundsatz die Liebe. Das Pflanzenreich erinnert uns an eine Vorstufe der Liebe.

[ 18 ] It seems to be the very nature of plants to produce their own kind painlessly and calmly, in blissful serenity. They are wholly devoted to producing their own kind. In sprouting, growing, and budding lies the self-sacrificing life of the entire plant; when we face the world—not judging, not passing judgment, but seeking to understand from our own perspective what it does—when we do not judge but seek to comprehend, then we immerse ourselves in our fellow beings and draw from them the means to understand them. This is what the second kingdom teaches us. The law of karma teaches us love as the second moral principle. The plant kingdom reminds us of a preliminary stage of love.

[ 19 ] [Alsdann können wir auch das keusche, majestätische Reich der Steine begreifen. Durch unsere Selbsterkenntnis lernen wir das Selbst in jedem anderen Menschen schätzen, das uns ebenso groß gegenübersteht wie das Steinreich; und haben wir dieses begriffen, wie wir jedem Menschen gegenübertreten sollen mit Ehrfurcht, so haben wir drei Fundamentaltugenden, die uns die drei Naturreiche lehren: Ehrfurcht vor jedem Ich, das Reich der Mineralien; Liebe zu jedem Wesen, das Pflanzenreich und Geduldhaben, das Tierreich.]

[ 19 ] [Then we can also comprehend the chaste, majestic realm of stones. Through self-knowledge, we learn to value the self in every other person, which stands before us just as grandly as the mineral kingdom; and once we have understood this—how we should treat every person with reverence—we possess the three fundamental virtues taught to us by the three kingdoms of nature: reverence for every self, the mineral kingdom; love for every being, the plant kingdom; and patience, the animal kingdom.]

[ 20 ] Unseres Herzens geheimste tiefste Wunder sind es, die uns die Theosophie gibt. Selbsterkenntnis sollen wir üben. Dann geht uns auf der tiefe Sinn eines okkulten Goethewortes, das scheinbar einfach ist: Erkenne dich und lebe mit der Welt in Frieden.

[ 20 ] Theosophy reveals to us the most secret and profound wonders of our hearts. We are to practice self-knowledge. Then we will come to understand the deep meaning of an occult saying by Goethe that seems simple: Know thyself and live in peace with the world.

[ 21 ] Was in jedem Menschen zu sich Ich sagt, sagt in jedem anderen Menschen auch zu sich Ich. Diese Selbsterkenntnis führt zu wahrer, höchster Menschenachtung. Wir dürfen nicht eingreifen in das Leben der anderen Menschen, ebenso wenig wie wir in das Leben des Steinreiches hineindringen dürfen oder können. Das menschliche Selbst muss uns ein Heiligtum sein. Ehrfurcht vor jedem menschlichen Ich - das ist der dritte ethische Grundsatz, den die theosophische Bewegung wieder zu Ehren bringen will.

[ 21 ] What says “I” within every human being also says “I” within every other human being. This self-awareness leads to true, supreme respect for humanity. We must not interfere in the lives of others, just as we cannot and must not intrude upon the realm of the mineral kingdom. The human self must be a sanctuary to us. Reverence for every human “I”—that is the third ethical principle that the Theosophical Movement seeks to restore to its rightful place.

[ 22 ] Geduld, Liebe und Ehrfurcht sind die drei Tugenden im Reiche des Menschen. Durch Ehrfurcht nähern wir uns dem stummen Steinreich. Daraus fließt dann das, was in den Geheimschulen als Grundsatz vorhanden gewesen ist. Mache dir das stumme keusche Reich der leblosen Natur zu deinem Ideale, sodass du ehrfürchtig vor jedem anderen Ich stehst und es dein geistiges Schamgefühl verletzen würde, hineinzugreifen mit grober Hand in dasjenige, was ein menschliches Ich ist. Wenn das bei dir eintritt, dann hast du verstanden dieses höchste Ideal. Das ist es, was als die Siebenheit von Natur und Mensch verkündigt worden ist. Drei Tugenden im Reiche der Natur, drei Tugenden im Reiche des Menschen. Und dazwischen das Ich. Das Ich steht in der Mitte und entwickelt sich in derselben aber rückläufigen Stufenfolge, wie die Natur sie uns bietet. Wir schreiten also durch Geduld über Liebe zur Ehrfurcht fort.

[ 22 ] Patience, love, and reverence are the three virtues in the realm of humanity. Through reverence, we draw near to the silent realm of stone. From this flows what has existed as a fundamental principle in the secret schools. Make the silent, chaste realm of inanimate nature your ideal, so that you stand in awe before every other “I,” and it would violate your spiritual sense of modesty to reach in with a coarse hand into that which is a human “I.” When this occurs within you, then you have understood this highest ideal. This is what has been proclaimed as the sevenfold nature of nature and humanity. Three virtues in the realm of nature, three virtues in the realm of humanity. And in between, the “I.” The “I” stands in the center and develops in the same, yet reverse, sequence of stages that nature presents to us. Thus, through patience, we progress from love to reverence.