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Self-Knowledge and God-Knowledge I
GA 90a

3 October 1904, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge I, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I, 1st ed.

59. Apokalypse I: Der Pfad der Erkenntnis Einführung in die Apokalypsen

59. Apocalypse I: The Path of Knowledge—An Introduction to the Apocalypses

[ 1 ] Diese Montage sollen sich zu recht intimen Zusammenkünften unserer theosophischen Gemeinde gestalten. Die Anwesenden sollen so viel wie möglich selbst zu Worte kommen. Ich glaube, dass dies am besten ist, um eine wirkliche Aussprache, ein Fragen und Antworten aus dem Kreise zu ermöglichen.

[ 1 ] These gatherings are intended to be truly intimate meetings of our Theosophical community. Those present should speak as much as possible. I believe this is the best way to facilitate a genuine discussion and a question-and-answer session among the group.

[ 2 ] Über Apokalypsen möchte ich sprechen, weil dieses Thema geeignet ist, in die ganze Strömung, die wir die theosophische nennen, immer mehr und mehr hineinzuführen. Wir werden uns, wenn wir über Apokalypsen sprechen, über alle möglichen tiefergehenden, theosophischen Fragen zu unterhalten haben. Heute soll dazu nur eine kurze Einleitung gegeben werden. Wir werden dann auch Gelegenheit haben, uns über die verschiedensten Themen zu unterhalten.

[ 2 ] I would like to speak about apocalypses because this topic is well-suited to guiding us deeper and deeper into the entire movement we call theosophy. When we speak about apocalypses, we will have to discuss all sorts of deeper, theosophical questions. Today, I will offer only a brief introduction to this topic. We will then also have the opportunity to discuss a wide variety of subjects.

[ 3 ] Von allen Apokalypsen ist die bekannteste die geheime Offenbarung des Johannes, die sich am Ende des Neuen Testamentes findet. Für diese Apokalypse sind ja Auslegungen in großer Anzahl vorhanden. Wer sich etwas in diese Auslegungen vertieft, wird finden, dass sie oft sehr tief ins Theologische hinein gehen; manche sind aber auch sehr flach. Ich selbst werde versuchen, Sie aus der mystischen Anschauung heraus in die Apokalypse des Johannes einzuführen und dann auch in andere Apokalypsen.

[ 3 ] Of all the apocalypses, the best known is the Apocalypse of John, which appears at the end of the New Testament. There are, of course, a great many interpretations of this apocalypse. Anyone who delves into these interpretations will find that they often delve very deeply into theology; some, however, are also very superficial. I myself will attempt to introduce you to the Apocalypse of John—and then to other apocalypses as well—from a mystical perspective.

[ 4 ] Man könnte vielleicht fragen, warum ich dieses Thema berühre. Die Zuhörer mögen sich aber klar sein darüber, dass wir tief in der Theosophie darin stecken werden, wir werden tiefe theosophische Fragen berühren, und wir würden kaum Worte finden, wenn in Anknüpfung an dieses Thema die Grundfragen und Grundziele noch besonders erörtert werden sollten.

[ 4 ] One might perhaps ask why I am bringing up this topic. However, the audience should be aware that we will be delving deeply into theosophy; we will address profound theosophical questions, and we would hardly find the words if, in connection with this topic, the fundamental questions and goals were to be discussed in detail.

[ 5 ] Wenn man über ein so hohes Thema spricht wie die Apokalypse, so muss vorausgesetzt sein, dass die hauptsächlichen Grundbegriffe des theosophischen Wissens und der theosophischen Ziele vorhanden sind, und dass Sie überzeugt davon sind, dass die Theosophie eine Berechtigung hat in der Welt und dass sie nicht bloß eine allgemein menschliche, sondern auch eine gute wissenschaftliche Grundlage hat. Man kann nicht über Apokalypsen sprechen, wenn man noch zweifelt, ob die Theosophie Aberglaube ist oder wirkliches Wissen ist. Über diese Grundfrage muss man klar sein. Die Fragen, welche dazugehören, der Theosophie den Boden zu bereiten, werden alle berührt werden. Ich werde nicht nur die Grundbegriffe der Theosophie geben, sondern es sollen auch die damit zusammenhängenden Fragen besprochen werden. Indem ich also über Apokalypsen spreche, möchte ich voraussetzen, dass im Allgemeinen die Grundlage der theosophischen Weltanschauung gegeben ist.

[ 5 ] When discussing a subject as lofty as the Apocalypse, it must be assumed that you are familiar with the fundamental concepts of theosophical knowledge and theosophical goals, and that you are convinced that theosophy has a rightful place in the world and that it is based not only on universal human values but also on sound scientific principles. One cannot speak of apocalypses if one still doubts whether Theosophy is superstition or true knowledge. One must be clear on this fundamental question. All the issues involved in laying the groundwork for Theosophy will be addressed. I will not only present the basic concepts of Theosophy, but the related questions will also be discussed. Thus, in speaking about apocalypses, I would like to assume that, in general, the foundation of the Theosophical worldview is already established.

[ 6 ] Was heißt es, über Apokalypsen zu sprechen? Zunächst möchte ich nur bemerken, dass eine Apokalypse eine ganz bestimmte Art und Weise der Weltanschauung ist. Man sieht in der Form einer Apokalypse die Welt. Derjenige, der selbst eine Apokalypse aussprechen kann, hat einen gewissen Standpunkt der Weltanschauung erreicht. Man kann eine Apokalypse anderer lesen, und man wird ungeheuer tiefe Wahrheiten dadurch erfahren. Man kann aber nicht, ohne eine bestimmte Stufe der Erkenntnis erreicht zu haben, aussprechen, was in einer Apokalypse enthalten ist. Es hat bei allen Völkern und zu allen Zeiten Apokalypsen gegeben. Auch wir in der Theosophie haben Apokalypsen.

[ 6 ] What does it mean to speak of apocalypses? First of all, I would simply like to note that an apocalypse is a very specific way of viewing the world. One sees the world in the form of an apocalypse. Anyone who is capable of articulating an apocalypse has reached a certain level of worldview. One can read the apocalypses of others and thereby gain insight into tremendously profound truths. However, one cannot articulate what is contained in an apocalypse without having reached a certain level of understanding. There have been apocalypses among all peoples and throughout all ages. We, too, in Theosophy, have apocalypses.

[ 7 ] Wer kann nun in Apokalypsen sprechen? Ich will diese Frage beantworten, und das wird uns tiefer in das Wesen der Apokalypsen hineinführen als eine Definition. Der Pfad der Erkenntnis wird uns vorgeschrieben; es wird uns gesagt, wie wir zur Erkenntnis und dadurch zu einer wirklichen geistigen Wirksamkeit kommen. Sie haben vielleicht die Stufen verfolgt, die man durchzumachen hat, um den Pfad zu betreten und zu gehen. Sie wissen, dass man ganz bestimmte Eigenschaften auszubilden hat, um diejenige Freiheit des Blickes zu erlangen, die von uns wegschafft das bloß sinnlich Erkannte und uns einen Blick tun lässt in die geistige Welt. Dazu ist notwendig, dass der Mensch unterscheiden lernt zwischen dem «Ewigen» und dem ‹Zeitlichen›, dass er den Blick richtet nicht auf das Zeitliche, nicht auf das Vorübergehende, sondern auf das Ewige, auf das Bleibende, dass er dann seine ganze Empfindung gegenüber der Umwelt zu einer anderen werden lässt, nämlich dass ihm gewisse Dinge, die dem alltäglichen Menschen ungeheuer wichtig sind, unwichtig werden und dafür andere Dinge an Wichtigkeit gewinnen. Dasjenige, was der Alltagsmensch wichtig findet, wie die Befriedigung der Begierden und alles, wozu unser Eigennutz uns vorschreibt, das muss unwichtig werden. Wichtig muss werden, was uns als ewiges Ziel der Menschheit vorschwebt. Wir müssen einen Sinn haben für das Ideale, für das, was sich nicht bestimmen lässt nach allen möglichen Vorteilen, sondern von der Einsicht, dass es sich um den Menschen handelt, um des Menschen Willen. Wenn wir den Sinn haben für das Ideale, so müssen wir auch den Sinn ausbilden, dass wir es lieben lernen. Das Ideale ist ungeheuer wertvoll. Wie viele können aufrichtig in ihr Herz schauen und sich sagen, dass sie das Ideale wirklich aufrichtig lieben, wie man ein Kind oder einen geliebten Menschen liebt? Dazu ist das Ideale den Menschen viel zu wenig greifbar. Aber das Ungreifbare, das, was nur im Geist vorhanden ist, das müssen wir lieben lernen.

[ 7 ] Who, then, can speak in the Apocalypses? I will answer this question, and this will lead us deeper into the essence of the Apocalypses than any definition could. The path to knowledge is laid out for us; we are told how to attain knowledge and, through it, true spiritual effectiveness. You may have followed the steps one must take to enter and walk this path. You know that one must develop very specific qualities in order to attain that freedom of vision which removes from us what is merely perceived by the senses and allows us to glimpse the spiritual world. For this, it is necessary that a person learn to distinguish between the “eternal” and the “temporal” , that they direct their gaze not toward the temporal, not toward the transitory, but toward the eternal, toward what endures, and that they then transform their entire perception of the world around them—so that certain things which are immensely important to the everyday person become unimportant, while other things gain in importance. What the ordinary person considers important—such as the gratification of desires and everything dictated by our self-interest—must become unimportant. What must become important is what we envision as humanity’s eternal goal. We must have a sense for the ideal—for that which cannot be defined in terms of all manner of advantages, but rather by the realization that it is about humanity, for humanity’s sake. If we have a sense for the ideal, then we must also cultivate the ability to learn to love it. The ideal is immensely valuable. How many can look sincerely into their hearts and tell themselves that they truly and sincerely love the ideal, just as one loves a child or a beloved person? For this, the ideal is far too intangible for people. But the intangible—that which exists only in the spirit—is what we must learn to love.

[ 8 ] Dann ist eine weitere Eigenschaft, die wir auszubilden haben, die «Kontrolle der Gedanken». Wir dürfen nicht die Gedanken hin und her fluten lassen, sondern müssen uns in deren Beherrschung üben, sodass wir imstande sind, einen Gedanken so lange festzuhalten, als es notwendig ist, um durch ihn ganz bestimmte Kenntnisse zu erlangen und in einer bestimmten Weise durch ihn klar zu werden. Der Mensch muss sich darüber klar werden, dass die Gedanken in der Regel ihn beherrschen. Die Gedanken kontrollieren heißt: die Gedanken beherrschen. Wir dürfen uns nicht von diesem oder jenem Antrieb hinreißen lassen zu dieser oder jener Handlung. Wir müssen eine sichere Richtung erhalten. Wir müssen uns lediglich durch den Mittelpunkt in unserem eigenen Innern kontrollieren.

[ 8 ] Another quality we must cultivate is “control of the mind.” We must not let our thoughts flow back and forth unchecked, but must practice controlling them so that we are able to hold onto a thought for as long as necessary to gain specific insights through it and to gain clarity in a specific way through it. People must realize that, as a rule, their thoughts control them. Controlling thoughts means mastering them. We must not allow ourselves to be carried away by this or that impulse into this or that action. We must maintain a steady course. We must control ourselves solely through the center within ourselves.

[ 9 ] Das dritte ist, dass wir uns eine gewisse gleichmäßige Stimmung gegenüber den Ereignissen des täglichen Lebens aneignen, die den Menschen gewöhnlich einerseits himmelhoch jauchzend und andererseits zum Tode betrübt machen. Wir müssen einen gewissen ‹Gleichmut› haben sowohl den Ereignissen gegenüber, die uns in den Himmel heben, als auch gegenüber denjenigen, die uns in äußerste Betrübnis tauchen. Nur wenn wir in der Mittelstimmung durch die Ereignisse hindurchgehen, finden wir den Weg, um die Dinge erkenntnismäßig zu beurteilen.

[ 9 ] The third is that we cultivate a certain equanimity toward the events of daily life, which usually cause people to be either overjoyed or deeply saddened. We must maintain a certain “equanimity” both toward the events that lift us to the heavens and toward those that plunge us into the deepest sorrow. Only when we navigate through these events with a balanced mindset can we find the path to judging things with discernment.

[ 10 ] Sodann müssen wir das entwickeln, was wir ‹Duldsamkeit› nennen. Das ist ein Wort, das sich leicht ausspricht, aber viel mehr bedeutet, als man gewöhnlich denkt. Wie oft verurteilen wir im Leben, ohne zu fragen, warum dieser oder jener Mensch zu dieser oder jener Handlung gekommen ist. Wir müssen immer fragen: Wie und warum? Wir dürfen uns nicht zur Kritik hinreißen lassen. Verstehen, alles verstehen im weitesten Umfange müssen wir. Wenn wir diese Stimmung ausbilden, dann kommen wir in die Gemütslage, die in uns das Erkenntnisleben anfacht. Glauben Sie nicht, dass das Gemüt ohne Einfluss ist auf das Erkenntnisleben. Der Mensch von heute überschätzt den einseitigen Verstand und unterschätzt die Eigenschaften, die tiefer in der Seele liegen. Er glaubt überhaupt nicht, dass das Dinge sind, die zu einem Erkennen führen. Man kann ein großer Gelehrter sein, man kann ein großes Wissen haben und braucht trotzdem nicht die freie Beurteilung zu haben. Ein Weiser würde es ziemlich leicht haben, sich über ein Kind in seiner Einfalt erhaben zu fühlen. Es wäre aber ganz falsch, wenn er dieser Stimmung nachgeben würde. Der Weise weist den Gedanken ab, weiser zu sein als ein Kind. Wer darauf pocht, dass er verständiger, klüger ist als andere, der kann nie weise werden. Wer das Urteil eines anderen gleichmütig hinnimmt, der kann ein Weiser werden, der kann verstehen lernen dadurch, dass er sich ausschaltet und aus dem anderen heraus urteilt. Der Umstand aber, dass er das Einfältige versteht - und sei es das Einfältigste —, das ist erhebend, ist nützlich für das wirkliche Vorwärtskommen und bedingt durch die ungeheure Duldsamkeit.

[ 10 ] Next, we must cultivate what we call “tolerance.” It is a word that is easy to say, but it means much more than people usually realize. How often in life do we pass judgment without asking why this or that person came to act in this or that way? We must always ask: How and why? We must not let ourselves be carried away by criticism. We must understand—understand everything to the fullest extent possible. When we cultivate this attitude, we enter a state of mind that kindles the life of insight within us. Do not believe that the mind has no influence on the life of knowledge. People today overestimate the one-sided intellect and underestimate the qualities that lie deeper in the soul. They do not believe at all that these are things that lead to knowledge. One can be a great scholar, one can possess great knowledge, and yet still lack the capacity for free judgment. A wise person would find it quite easy to feel superior to a child in its simplicity. But it would be entirely wrong to give in to that feeling. The wise person rejects the thought of being wiser than a child. Anyone who insists that they are more sensible or clever than others can never become wise. Whoever accepts another’s judgment with equanimity can become a wise person; he can learn to understand by setting himself aside and judging from the other’s perspective. The fact, however, that he understands the simple-minded—even if it is the simplest of things—is uplifting, is useful for true progress, and is made possible by immense tolerance.

[ 11 ] Eine weitere Eigenschaft ist dann zu entwickeln, die man in der Theosophie «Glauben» nennt. Wer glaubt, mit seiner Erkenntnis abgeschlossen zu haben, der kommt nicht weiter. Der Weise muss sich immer in die Stimmung versetzen, dass er eigentlich ungeheuer wenig weiß und dass ihn jeder Augenblick etwas ganz Neues lehren kann, dass ihm jede Äußerung des Lebens eine Offenbarung sein kann. Derjenige, der wirklich den Pfad der Erkenntnis geht, treibt das so weit, dass er sich sagt: Ich kann in der nächsten Minute etwas erfahren, das alles, was ich bisher geglaubt und angenommen habe, über den Haufen wirft. Im gewöhnlichen Leben wird man das nicht bis zum Extrem treiben, aber in dem Augenblick, wo man erkenntnissuchend sich irgendetwas nähert, da muss man es wirklich so weit bringen, dass man den Glauben an sein bisheriges Wissen aufgibt. Der Weise wird nie sagen: Das kann nicht sein -, sondern er wird sagen: Alles ist möglich. - Durch das, was ich schon weiß, darf ich also nie ein Urteil über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit von irgendetwas aufkommen lassen. Der Glaube an die Möglichkeit, fortzuschreiten zu immer neuen Offenbarungen, das ist eine Eigenschaft, die der Pfadsucher entwickeln muss.

[ 11 ] Another quality must then be developed, which in Theosophy is called “faith.” Anyone who believes they have reached the end of their understanding will not progress any further. The wise person must always put themselves in the frame of mind that they actually know very little and that every moment can teach them something entirely new, that every manifestation of life can be a revelation to them. Those who truly walk the path of knowledge take this so far that they say to themselves: In the next minute, I may learn something that overturns everything I have believed and assumed up to now. In everyday life, one will not take this to the extreme, but the moment one approaches anything in search of knowledge, one must truly go so far as to abandon faith in one’s previous knowledge. The wise person will never say, “That cannot be”—but will say, “Everything is possible.” - Therefore, I must never allow what I already know to influence my judgment regarding the possibility or impossibility of anything. The belief in the possibility of progressing toward ever-new revelations is a quality that the seeker must develop.

[ 12 ] Sodann kommt eine Eigenschaft von selbst, eine Eigenschaft, die man als ‹Objektivität› oder als ‹Gleichgewicht› bezeichnet. Dies hilft uns hinweg über die Klippen des Lebens, die uns dazu verurteilen, überall eine scheinbare Wahrheit auszusprechen. Dieses Gleichgewicht ist nicht nur eine Summe von allem Übrigen. Wer weise werden will, muss im Gleichgewicht bleiben; er darf sich nicht aus der Bahn treiben lassen.

[ 12 ] Then there is a quality that arises of its own accord—a quality referred to as “objectivity” or “balance.” This helps us navigate the pitfalls of life, which condemn us to utter an apparent truth wherever we go. This balance is not merely the sum of everything else. Anyone who wishes to become wise must remain in balance; they must not allow themselves to be thrown off course.

[ 13 ] Hat man diese Eigenschaften in sich entwickelt, dann kommt die höchste, die auf der Vorstufe der Entwicklung erlangt werden kann, nämlich die, dass der Mensch die ‹Sehnsucht› hat, wirklich frei zu sein». Nur wenige Menschen haben die Sehnsucht, frei zu sein; alle wollen mehr oder weniger sich leiten lassen. Aber nicht derjenige, der sich leiten lässt, kann zur Erkenntnis kommen. Überlegen Sie, ob Sie geleitet sind durch sich selbst oder durch irgendeinen Anlass. Das Ideal, das uns vorschweben muss, ist das, dass wir nicht auf äußeren Anlass hin, sondern nur auf inneren Anlass hin etwas unternehmen. Dann haben wir den Willen, frei zu sein, frei zu sein von äußeren Verhältnissen. Frei werden kann man aber nur allmählich und nicht dadurch, dass man sich vornimmt, frei zu werden, sondern dadurch, dass man in seine Seele möglichst viel von dem gießt, was aus der Freiheit entsprungen ist. Wenn Sie sich nur mit den Dingen des alltäglichen Lebens beschäftigen, dann werden Sie niemals frei werden können. Sie sind geboren zu einem bestimmten Zeitpunkt des neunzehnten Jahrhunderts. Sie haben die Ereignisse erlebt, die im neunzehnten Jahrhundert abgelaufen sind; von alledem sind Sie beeinflusst. Und wenn Sie sich fragen, was Sie denken und fühlen, so werden Sie finden, dass das davon abhängt, dass Sie in eben diesem Jahrhundert geboren sind. Stellen Sie sich vor, Sie wären in Petersburg oder in Budapest geboren; da würden Sie ganz andere Gefühle und Gedanken haben. Gerade dadurch ist der Mensch unfrei. Er ist bestimmt durch dasjenige, was er an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit erlebt. Versuchen Sie einmal, sich die Gedanken vorzuhalten, die in einer Viertelstunde durch Ihren Kopf gehen, und wie viel davon übrigbleibt, wenn sie von Ort und von Zeit abstrahieren. Was frei macht, das sind inspirierte Schriften, die uns für Momente frei machen können von dem Alltagsleben. Wenn Sie «Licht auf den Weg» von Mabel Collins lesen, das scheinbar so einfach ist - Sie könnten geboren sein, an welchem Ort und zu welcher Zeit auch immer, selbst vor Jahrtausenden, die Sätze, die darin stehen, würden immer für Sie gelten. Nehmen Sie dagegen irgendein anderes Buch - es ist beeinflusst von gegenwärtigen Dingen und steht nicht über dem Horizont der Gegenwart. Dadurch, dass wir uns in inspirierte Bücher vertiefen, uns Dingen hingeben, die über Ort und Zeit erhaben sind, dadurch machen wir uns allmählich frei.

[ 13 ] Once one has developed these qualities within oneself, the highest state attainable at this preliminary stage of development emerges—namely, that a person has the “longing” to be truly free.” Only a few people have the longing to be free; more or less everyone wants to be guided. But it is not the one who allows himself to be guided who can attain knowledge. Consider whether you are guided by yourself or by some external circumstance. The ideal we must strive for is that we undertake actions not in response to external circumstances, but solely in response to internal impulses. Then we have the will to be free—free from external circumstances. But one can become free only gradually, and not by resolving to become free, but by pouring into one’s soul as much as possible of what has sprung from freedom. If you concern yourself only with the things of everyday life, you will never be able to become free. You were born at a specific time in the nineteenth century. You have experienced the events that took place in the nineteenth century; you are influenced by all of that. And if you ask yourself what you think and feel, you will find that it depends on the fact that you were born in that very century. Imagine if you had been born in St. Petersburg or Budapest; you would have entirely different feelings and thoughts. It is precisely this that makes a person unfree. They are determined by what they experience in a specific place and at a specific time. Try, for once, to keep track of the thoughts that pass through your mind in a quarter of an hour, and see how much of that remains when you abstract them from place and time. What sets us free are inspired writings that can liberate us, if only for a moment, from everyday life. If you read Light on the Path by Mabel Collins, which seems so simple—no matter where or when you were born, even millennia ago—the sentences within it would always apply to you. Take any other book, by contrast—it is influenced by contemporary matters and does not transcend the horizon of the present. By immersing ourselves in inspired books, by devoting ourselves to things that transcend place and time, we gradually set ourselves free.

[ 14 ] Die theosophische Bewegung will die Menschen frei machen, indem sie mit allwaltender Duldsamkeit von dem spricht, was für alle Menschen zu allen Zeiten gelten kann.

[ 14 ] The Theosophical Movement seeks to liberate humanity by speaking, with all-encompassing tolerance, of what can apply to all people at all times.

[ 15 ] Das ist das, was der Pfadsucher entwickelt. Wenn er diese Eigenschaften bis zu einem gewissen Grade entwickelt hat, dann wird er reif für das, was man die Schülerschaft nennt.

[ 15 ] This is what the seeker of the Path develops. Once he has developed these qualities to a certain degree, he becomes ready for what is called discipleship.

[ 16 ] Dann kommt der Augenblick, wo er ein großes Erlebnis, von ungeheuer weittragender Bedeutung hat: Nämlich, er vernimmt von diesem Zeitpunkt an Eindrücke von der geistigen Welt, von einer ganz anderen Welt, von einer Welt, die hinter unserer Welt liegt, von der unsere Welt nur die Wirkung ist. Er tritt ein in die Welt des Geistigen. Von der anderen Seite blickt er dann die Welt an. Da hört für ihn das auf, was wir Raum und Zeit nennen. Es ist für ihn gleichgültig, dass er in dieser bestimmten Inkarnation lebt. Er könnte auch in einer anderen Inkarnation leben. Er könnte vor Jahrtausenden gelebt haben - wenn er auf das sieht, was er jetzt sieht, dann würde er es in derselben Weise sehen, ja, er könnte in der Zukunft leben, und er würde doch alles in derselben Weise erleben.

[ 16 ] Then comes the moment when he has a profound experience of immense significance: namely, from that moment on, he perceives impressions from the spiritual world—from a completely different world, a world that lies beyond our own, of which our world is merely the effect. He enters the spiritual world. He then views the world from the other side. For him, what we call space and time cease to exist. It makes no difference to him that he is living in this particular incarnation. He could just as well be living in another incarnation. He could have lived millennia ago—if he were to look at what he now sees, he would see it in exactly the same way; indeed, he could be living in the future, and yet he would experience everything in exactly the same way.

[ 17 ] Das ist die erste Stufe der Schülerschaft. Einen solchen Menschen bezeichnet man als einen Heimatlosen; er ist herausgehoben aus der Heimav. Dafür spricht er auch Dinge aus, die sich nicht mehr auf diesen oder jenen Ort, auf dieses oder jenes Volk, auf diese oder jene Rasse beziehen, sondern er spricht Dinge aus, die sich auf alle Rassen, auf alle Zeiten und alle Völker beziehen.

[ 17 ] This is the first stage of discipleship. Such a person is called a “homeless one”; he is set apart from the “Homav.” Consequently, he speaks of things that no longer refer to this or that place, this or that people, or this or that race, but rather to all races, all times, and all peoples.

[ 18 ] Die erste Stufe befähigt ihn, nur das Nächste zu sehen. Auf dieser Stufe überblickt er nur das, was einer sogenannten «Wurzelrasse angehört. Der Schüler sicht also das, was sich auf unsere gegenwärtige Wurzelrasse bezieht, zurück bis zu dem Zeitpunkt, wo die Atlantier verschwunden sind.

[ 18 ] The first stage enables him to see only what lies immediately ahead. At this stage, he can perceive only what belongs to what is called a “root race.” The student thus sees what pertains to our present root race, going back to the time when the Atlanteans disappeared.

[ 19 ] Dann beginnt die zweite Stufe der Schülerschaft, die nicht durch Theorie, nicht durch Begriffe und Ideen, sondern durch eine wirkliche Anschauung erlangt wird, dann beginnt er zu wissen, dass Reinkarnation und Karma Wahrheiten sind. Die theosophische Weltanschauung verbreitet nämlich die Anschauung, dass der Mensch nicht nur einmal in der Welt lebt, sondern viele Male, dass er sich immer wieder verkörpert und dass seine Handlungen in Beziehung miteinander stehen. Die einzelnen Leben hängen nach Ursache und Wirkung zusammen. Das kann man einsehen, wenn man das Leben verfolgt. Man wird auch theoretisch zu dieser Anschauung durchdringen können. Viele Anhänger der Theosophie stehen noch auf der Stufe, dass sie Reinkarnation und Karma nur als begriffliche und verstandesmäßige Erkenntnis für wahr halten. Die zweite Stufe der Schülerschaft hat aber das Wissen von der Wahrheit von Reinkarnation und Karma. Der Schüler vermutet die Wahrheit von Reinkarnation und Karma nicht -, er weiß sie.

[ 19 ] Then begins the second stage of discipleship, which is attained not through theory, not through concepts and ideas, but through genuine insight; then he begins to know that reincarnation and karma are truths. The theosophical worldview, in fact, teaches that human beings do not live in this world just once, but many times; that they incarnate again and again; and that their actions are interconnected. Individual lives are linked by cause and effect. One can see this by observing life. It is also possible to arrive at this understanding theoretically. Many followers of Theosophy are still at the stage where they regard reincarnation and karma as true only as conceptual and intellectual insights. The second stage of discipleship, however, involves the knowledge of the truth of reincarnation and karma. The disciple does not merely surmise the truth of reincarnation and karma—he knows it.

[ 20 ] Nun kommt die dritte Stufe der Schülerschaft. Die Wiederverkörperung ist nicht eine ewige Sache. Vor der Mitte der lemurischen Zeit gab es noch nicht das, was wir Reinkarnation nennen, und nach der Mitte der sechsten Wurzelrasse wird diese Art der Reinkarnation wieder aufhören. Eine andere Art des Lebens und der Wiederverkörperung wird dann da sein. Bis zur Mitte der sechsten Wurzelrasse wird der Mensch reinkarniert. Die Wiederverkörperung wird dann abhängen von dem Willen des Menschen; heute ist sie unabhängig davon. Wir können sagen, ein erster und ein letzter Augenblick ist da, vor der Reinkarnation ein erster und nach der Reinkarnation ein letzter Augenblick. Vorher war der Mensch ein sich nicht Inkarnierender, und nachher wird er sein ein nicht mehr sich Reinkarnierender. Hinauszublicken über das Gebiet, wo es Reinkarnation gibt, das ist die Eigenschaft der dritten Stufe der Schülerschaft. «Schwan» nennt man diesen Schüler, diesen Chela auf der dritten Stufe. Wenn er zum Ersten und zum Letzten blickt, also zu dem, was höher ist als alle Reinkarnation, dann ist er fähig, Apokalypsen zu schreiben, in Apokalypsen zu sprechen. Was in irgendeiner Apokalypse steht, geht zunächst von solchen Initiierten aus, die nicht bloß die Reinkarnationszeit überblicken, sondern vom Ersten bis zum Letzten blicken. Zu zeigen, wie der Mensch in diese Reinkarnation hineingekommen ist und wie er wieder hinauskommt, das ist die Aufgabe jeder Apokalypse. Sie hat eine ferne Vergangenheit und eine ferne Zukunft zu schildern, und dadurch hat sie auch die Gegenwart eingeschlossen. In der Apokalypse des Johannes finden Sie die sieben Unterrassen unserer fünften Wurzelrasse geschildert, denn das, was von den sieben Gemeinden gesagt wird, bezieht sich auf die sieben Unterrassen der fünften Wurzelrasse. Die Ermahnungen, die der Apokalyptiker Johannes an die Gemeinden richtet, sind die Ermahnungen, die der Chela Johannes den einzelnen Unterrassen zuruft. Jede Unterrasse steht mit einer ganz bestimmten Himmelskonstellation in Zusammenhang. Daher wird gesprochen von sieben Sternen, die die sieben Engel darstellen: Die leiten die Genien der sieben Unterrassen. Dann wird man zum Ersten und zum Letzten geführt. Der Erste ist der Mensch, der vor der Reinkarnation dasteht, und der Letzte ist der, welcher nach der Überwindung der Reinkarnation noch dasteht.

[ 20 ] Now comes the third stage of discipleship. Reincarnation is not an eternal process. Before the middle of the Lemurian period, what we call reincarnation did not yet exist, and after the middle of the sixth root race, this form of reincarnation will cease again. A different form of life and reincarnation will then exist. Until the middle of the sixth root race, human beings will reincarnate. Reincarnation will then depend on the will of the individual; today it is independent of it. We can say that there is a first and a last moment—a first moment before reincarnation and a last moment after reincarnation. Before that, human beings did not incarnate, and afterward, they will no longer reincarnate. To look beyond the realm where reincarnation exists—that is the characteristic of the third stage of discipleship. This disciple, this chela on the third stage, is called a “swan.” When he gazes toward the First and the Last—that is, toward that which is higher than all reincarnation—then he is capable of writing apocalypses and speaking in apocalypses. What is written in any apocalypse originates first and foremost from such initiates who not only survey the period of reincarnation but gaze from the First to the Last. To show how humanity entered this cycle of reincarnation and how it will emerge from it—that is the task of every apocalypse. It must depict a distant past and a distant future, and in doing so, it also encompasses the present. In the Apocalypse of John, you will find the seven sub-races of our fifth root race described, for what is said about the seven churches refers to the seven sub-races of the fifth root race. The admonitions that John the Apocalyptic addresses to the churches are the admonitions that John the Chela calls out to the individual sub-races. Each subrace is associated with a very specific celestial constellation. Hence, there is mention of seven stars representing the seven angels: they guide the genii of the seven subraces. Then one is led to the First and the Last. The First is the human being who stands before reincarnation, and the Last is the one who still stands after overcoming reincarnation.

[ 21 ] Johannes war in einer sogenannten Einweihungshülle. Er sagt ja auch, er war im Geiste. Und das, was da enthüllt wird, ist nichts anderes als die Inspiration eines im dritten Grade der Schülerschaft befindlichen Chelas, es ist eine Apokalypse des Schwans. Der Schwan ist derjenige, der die Verbindung herstellt zwischen den Höchstinspirierten und den Menschen. Das ist in den wichtigsten Sagen ausgedrückt.

[ 21 ] John was in what is known as an “initiation veil.” He also says that he was in the Spirit. And what is revealed there is nothing other than the inspiration of a chela in the third degree of discipleship; it is an apocalypse of the swan. The Swan is the one who establishes the connection between the Most Highly Inspired and humanity. This is expressed in the most important legends.

[ 22 ] Heimatlos also wird der Schüler auf der ersten Stufe. Wer zum Schwan geworden ist, kann zu den höheren Offenbarungen gelangen. Es sind diejenigen, die in unsere Welt hineinkommen, die man aber nicht nach ihrem Namen fragen darf, weil sie aus einer jenseitigen Welt stammen. In einer großen, gewaltigen Allegorie, die gleichzeitig eine tief mystische Bedeutung hat, wird das zum Ausdruck gebracht. Es ist eine schr tiefe Wahrheit, die in der Lohengrin-Sage zum Ausdruck kommt; durch Lohengrin, der mit dem Schwan kommt, der also ein Schüler - ein Chela - dritten Grades war. Bei ihm finden sich große Wahrheiten. Wer die Sage von Lohengrin versteht, versteht erst die Weltgeschichte vom elften, zwölften, dreizehnten Jahrhundert.

[ 22 ] Thus, the student becomes homeless at the first stage. Those who have become swans can attain the higher revelations. These are the ones who enter our world, but whose names must not be asked, for they come from a world beyond. This is expressed in a grand, powerful allegory that also carries a deeply mystical meaning. It is a profound truth expressed in the legend of Lohengrin; through Lohengrin, who arrives with the swan, and who was thus a disciple—a chela—of the third degree. Great truths are found in him. Only those who understand the legend of Lohengrin can truly understand the world history of the eleventh, twelfth, and thirteenth centuries.

[ 23 ] Nun habe ich Ihnen auseinandergelegt, woher das stammt, wer apokalyptisch sprechen kann, wer ein Bild entwerfen kann von der Welt, unabhängig von Raum und Zeit. Wir werden noch von der fernen Vergangenheit, von der Gegenwart, aber auch von der Zukunft sprechen. Das wird sich finden, wenn wir über die, durch die Theosophie sich enthüllende Apokalypse sprechen werden. Da werden wir dasjenige sehen, was der Mensch sich als großes Ziel vorsetzen kann, weil es wirklich ein großes Ziel ist.

[ 23 ] Now I have explained to you where this comes from, who is capable of speaking apocalyptically, who can conceive of a picture of the world independent of space and time. We will still speak of the distant past, of the present, but also of the future. This will become clear when we discuss the Apocalypse as revealed through theosophy. There we will see what human beings can set as their great goal, because it truly is a great goal.

[ 24 ] Aus der Fragenbeantwortung

[ 24 ] From the Q&A

[ 25 ] Der Materialist sagt, wir verfolgen die Tierheit bis zu der Stufe, wo sie Mensch geworden ist, und nun folgen wir auf einer gewissen höheren Stufe, dem Triebe, der im Menschen vorhanden ist.

[ 25 ] The materialist says that we trace animality back to the stage where it became human, and now we are examining, at a certain higher level, the instinct that exists within human beings.

[ 26 ] Das aber baut sich nicht auf Erkenntnis auf, das baut sich auf dem materialistischen Dogma auf. Man folgt nicht den Gesetzen der Natur, wenn man diese Gesetze der Natur dogmatisch auf einem ganz bestimmten Punkt abgrenzt und sagt: bis hierher und nicht weiter. Den Gesetzen kann man nur folgen, wenn man sie erkennt. Man muss die Erkenntnis der Gesetze verbinden mit dem Befolgen derselben.

[ 26 ] But this is not based on knowledge; it is based on materialist dogma. One does not follow the laws of nature when one dogmatically limits these laws to a very specific point and says: “This far and no further.” One can only follow the laws if one understands them. One must combine the understanding of the laws with following them.

[ 27 ] Ein Beispiel dafür: Der religiöse Mensch wird nicht bloß darauf bauen, dass er sagt: Ich lüge nicht, weil das mir Nachteil bringt oder mich verächtlich macht in den Augen der Mitmenschen. Er ist vielmehr der Überzeugung, dass die Lüge eine weitergehende Bedeutung hat, dass sie etwas ist, was gegen den göttlichen Weltengang verstößt und was seine Strafe, seine Wirkungen nach sich zieht. Wenn Sie die Wahrheit unterstützen, so unterstützen Sie die Förderung einer bestimmten Entwicklung. Schildern Sie die Ereignisse anders, als sie sind, so machen Sie dasselbe, wie wenn Sie einen Pflanzenkeim unterdrücken würden: Sie halten eine ganz bestimmte Entwicklungsrichtung zurück. Das erscheint nicht so schlimm, solange Sie kein Bewusstsein davon haben, dass man auch etwas im geistigen Wachstum zurückhalten kann. Der Okkultist aber sagt daher: Die Lüge ist ein Mord. Was sich als Lebewesen entwickelt hätte, das wird durch die Lüge getötet.

[ 27 ] An example of this: A religious person will not merely rely on saying, “I do not lie because it would be to my disadvantage or make me appear contemptible in the eyes of my fellow human beings.” Rather, they are convinced that lying has a deeper significance—that it is something that violates the divine order of the universe and that it entails its own punishment and consequences. When you uphold the truth, you are supporting the advancement of a certain development. If you portray events differently than they are, you are doing the same thing as if you were suppressing a plant seed: you are holding back a very specific direction of development. This does not seem so bad as long as you are not aware that one can also hold back spiritual growth. The occultist, however, therefore says: A lie is murder. What would have developed as a living being is killed by the lie.

[ 28 ] Die Teilung der Geschlechter steht im Zusammenhang mit Geburt und Tod.

[ 28 ] The division of the sexes is linked to birth and death.

[ 29 ] Die zweite Stufe der Schülerschaft löst den Zweifel und macht den Aberglauben unmöglich.

[ 29 ] The second stage of discipleship dispels doubt and makes superstition impossible.

[ 30 ] Die Untersuchung der Reinkarnation eines anderen Menschen muss völlig unpersönlich sein. Wird der Forscher gefragt, dann kann er sich darauf einlassen.

[ 30 ] The investigation of another person's reincarnation must be completely impersonal. If the researcher is asked, then he or she may agree to it.

[ 31 ] Auf die Frage, welcher Schüler würde in der Akasha-Chronik lesen können, möchte ich antworten: In der Akasha-Chronik lesen kann schon derjenige, der reif ist zur Schülerschaft. Es gibt zweierlei Lesen in der Akasha-Chronik: Das eigentliche Lesen wird schon möglich, wenn man überhaupt Schüler wird. Man muss aber erst buchstabieren gelernt haben. Die Akasha-Chronik wirft Spiegelbilder in die Astralebene. Sie befindet sich ja an der Grenze zwischen Rupa- und Arupa-Ebene. Man kann aber zum Beispiel den Kriegszug des Cäsars im Astralraum als Spiegelbild der Aufzeichnungen in der AkashaChronik finden.

[ 31 ] In response to the question of which student would be able to read the Akashic Records, I would like to say: Anyone who is ready to become a student can read the Akashic Records. There are two kinds of reading in the Akashic Records: The actual reading becomes possible as soon as one becomes a student. However, one must first have learned to spell. The Akashic Records cast mirror images into the astral plane. After all, they are located at the boundary between the rupa and arupa planes. One can, for example, find Caesar’s military campaign in the astral space as a mirror image of the records in the Akashic Records.