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Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b

9 October 1905, Berlin

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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis II, 1st ed.

15. Geisteswissenschaft als Gesundungsquell

15. The Humanities as a Source of Healing

[ 1 ] Ich habe mir das letzte Mal erlaubt, einige Worte über die Aufgabe oder die Bedeutung eines theosophischen Zweiges zu sprechen. Das, was ich damals sagte, ist wirklich etwas, was man vielleicht demjenigen, der in der theosophischen Bewegung steht, oder der sich beteiligen will an dem, was man heute Theosophie nennt, nicht tief genug vor Augen führen kann. Nichts ist häufiger heute, als das Opponieren, als das Kämpfen gegen die bloße Theorie, gegen die bloße Lehre und andererseits wieder das Verlangen nach Leben, nach Empfindung und Gefühl, nach dem, was nicht Theorie und nicht Lehre ist; denn keine Zeit ist so in Theorien, Lehren und Dogmen befangen gewesen - ohne dass man das eigentlich so recht weiß - wie die gegenwärtige.

[ 1 ] Last time, I took the liberty of saying a few words about the purpose or significance of a theosophical branch. What I said then is truly something that one cannot emphasize strongly enough to those who are part of the theosophical movement or who wish to participate in what is today called Theosophy. Nothing is more common today than opposition—the struggle against mere theory, against mere doctrine—and, on the other hand, the longing for life, for sensation and feeling, for that which is neither theory nor doctrine; for no era has been so entangled in theories, doctrines, and dogmas—without people really being aware of it—as the present one.

[ 2 ] Das scheint eine starke Behauptung zu sein, und dennoch möchte ich sie aufrechterhalten, selbst gegenüber denjenigen, die einwenden: Ist das nicht das finstere Mittelalter, die dunkle Dogmenzeit und ist unsere Zeit nicht darüber hinaus? Sie finden in dieser Woche eine bekannte Zeitschrift aufliegen, in der auf der ersten Seite gesprochen wird über ein Buch, das über das Christentum handelt und das herrührt von dem Philosophen Eduard von Hartmann. Es ist uns heute nicht naheliegend genug, uns mit den Ideen dieser Schrift zu befassen. Aber ein bekannter Kämpfer für die gegenwärtige Erneuerung christlicher Ideen hat in der «Zukunft» Ideen geäußert in Anknüpfung an diese Schrift, die doch zu denken geben, weil sie sehr verbreitet sind in unserer Gegenwart. Da sagt Jentsch nämlich, Hartmann hätte in dieser Schrift etwa gesagt, was zwar oft schon gesagt worden ist, was aber der logische Kopf Eduard von Hartmanns so klar wie nur irgend möglich noch einmal gesagt hat, sodass jetzt jeder weiß, dass man es niemals wieder zu tun haben könne mit irgendwelcher theoretischen oder systematischen, lehrhaften Begründung der religiösen Anschauungen oder Wahrheiten. Die Zeit, in welcher man philosophisch oder theologisch die Religion begründet hat, wäre vorüber. Wir wissen heute ganz genau - und damit spricht er etwas aus, was in vielen Herzen nachklingen wird -, dass sich alle Denksysteme in Widersprüche verwickeln und dass uns eigentlich nur das Leben, das hinaufblickt in eine jenseitige Welt, zu einer göttlichen Weltordnung, einzig und allein interessieren könne.

[ 2 ] That seems to be a strong claim, and yet I would like to stand by it, even in the face of those who object: Isn’t that the Dark Ages, the era of dogmatism, and haven’t we moved beyond that? This week you will find a well-known magazine on display, the front page of which discusses a book about Christianity written by the philosopher Eduard von Hartmann. It is not sufficiently obvious to us today to engage with the ideas in this work. But a well-known advocate for the current renewal of Christian ideas has expressed thoughts in *Zukunft* in connection with this work—thoughts that certainly give pause for thought, because they are so widespread in our present day. Jentsch states, in fact, that in this work Hartmann essentially said something that, while it had often been said before, was restated by the logical mind of Eduard von Hartmann as clearly as possible, so that everyone now knows that we can never again have anything to do with any theoretical, systematic, or doctrinal justification of religious views or truths. The era in which religion was philosophically or theologically justified is over. We know today with absolute certainty—and in saying this, he expresses something that will resonate in many hearts—that all systems of thought become entangled in contradictions and that, in truth, only life—which looks upward toward a world beyond, toward a divine world order—can be of any interest to us at all.

[ 3 ] Der gute Mann merkt nicht, dass, obgleich er alle andere Dogmatik abweist, für ihn zwei oder drei, wenn auch bloß abstrakt bleibende Dogmen einen gewissen Wert haben. Er will alle Dogmatik abstreifen, und er ist gerade ein Dogmatiker ausgesprochener Art. Zwar will man nicht Dogmatiker sein, und doch ist man es, ohne dass man weiß, wie stark man Dogmatiker ist. Das hat auch dazu geführt, dass alle ähnlichen Bewegungen - seien es der «Giordano-BrunoBund» oder die «Gesellschaft für ethische Kultur» - mehr oder weniger auf einem streng lehrhaften Standpunkte stehen, dass es ihnen also mehr darauf ankommt, Lehren zu verbreiten. Ob es nun Lehren sind über das rechte sittliche Handeln oder über den Monismus oder über eine Reform unseres Religionsunterrichtes in den Schulen, der ersetzt werden soll durch einen Moralunterricht, der nur auf eine bestimmte Moraldogmatik hinausläuft - denn etwas muss man doch lehren -, das bleibt sich gleich. Also ersetzt man die alten Dogmen durch neue, durch Dogmen des Freisinns. Überall kommt es auf die Lehre an, überall auf den Inhalt des Wortes.

[ 3 ] The good man does not realize that, although he rejects all other forms of dogmatism, two or three dogmas—even if they remain merely abstract—hold a certain value for him. He wants to cast off all dogmatism, and yet he is precisely a dogmatist of the most pronounced kind. Admittedly, one does not want to be a dogmatist, and yet one is one without realizing just how much of a dogmatist one is. This has also led to all similar movements—be it the “Giordano Bruno League” or the “Society for Ethical Culture”—adopting, to a greater or lesser extent, a strictly doctrinal stance; in other words, they are more concerned with spreading doctrines. Whether these teachings concern proper moral conduct, monism, or a reform of our religious instruction in schools—which is to be replaced by moral instruction that ultimately boils down to a specific moral dogma (for something must be taught after all)—the result remains the same. Thus, the old dogmas are replaced by new ones—by the dogmas of liberalism. Everywhere, it comes down to the doctrine; everywhere, to the content of the word.

[ 4 ] Das ist bei der theosophischen Bewegung durchaus nicht nötig. Das wollte ich besonders betonen, was wir auch immer lehren, was auch immer der eine oder der andere in seinen Büchern schreibt oder lehrt, mögen es hohe Wahrheiten sein, und mag es viele Menschen geben, die sich angesprochen fühlen von solchen Wahrheiten, da sie ein widerspruchsloses Weltsystem darstellen und so weiter - darauf kommt es in der theosophischen Bewegung nicht an. Es kommt nicht darauf an, was wir lehren, was wir behaupten, was wir sagen, sondern darauf, wie wir in der theosophischen Bewegung zusammenleben, was für eine Gesinnung wir entwickeln. Diese Gesinnung, die wir entwickeln sollen und die wir entwickeln wollen, ist die, dass in unserer Seele das Bewusstsein lebt nach geistiger Wirksamkeit, dass Bewusstsein, dass Gedanken, Empfindungen, Gefühle ebenso wirkliche Kräfte in der Welt sind wie Magnetismus, Elektrizität, wie Licht oder Dampfkraft. Nicht der ist im wahren Sinne Theosoph, welcher zugibt, dass etwas Wahres ist an den Dingen, die innerhalb unserer Literatur verbreitet sind, sondern der, welcher sich mit seinen Mitmenschen zusammenfindet mit dem immer und immer wieder in seiner Seele aufsteigenden Bewusstsein, dass, wenn er etwas denkt, empfindet oder will, was sich vielleicht gar nicht einmal in eine äußere Handlung umsetzt, dass das dann eine Wirksamkeit habe.

[ 4 ] This is by no means necessary in the Theosophical Movement. I wanted to emphasize this in particular: no matter what we teach, no matter what one person or another writes or teaches in their books—even if these are lofty truths, and even if there are many people who feel drawn to such truths because they present a coherent worldview and so on—that is not what matters in the Theosophical Movement. What matters is not what we teach, what we claim, or what we say, but rather how we live together within the Theosophical Movement and what kind of attitude we cultivate. This mindset, which we are to develop and which we wish to develop, is that within our soul there lives a consciousness of spiritual agency—the awareness that thoughts, sensations, and feelings are just as real forces in the world as magnetism, electricity, light, or steam power. A true Theosophist, in the true sense of the word, is not one who merely admits that there is some truth in the ideas disseminated in our literature, but one who unites with his fellow human beings through the awareness that arises again and again within his soul: that when he thinks, feels, or wills something—even if it may not even translate into an outward action—it still has an effect.

[ 5 ] Und wenn dann irgendeiner von uns irgendwo spricht zu einer solchen Gemeinde, die dieses Bewusstsein ihm entgegenbringt, dann sind seine Worte ganz etwas anderes als die Worte eines beliebigen anderen Vortragenden oder eines beliebigen anderen Redners. Denn dann werden Sie hier sitzen in dem Bewusstsein, dass nicht nur Ihr physischer Leib, der sich hier befindet, etwas Wirkliches ist, sondern dass Ihre Empfindungen und Gefühle und Ihre Gedanken, die durch Ihren Geist gehen, etwas so Anwesendes sind wie Ihr physischer Leib. Und wenn Sie mit diesem Bewusstsein die Türschwelle überschreiten und die Worte aufnehmen, die hier gesprochen werden, dann finden diese Worte den Weg, den sie finden sollen in die Welt. Die Worte des Theosophen werden nicht darum gesprochen, dass der eine oder andere ihnen zustimmt oder nicht zustimmt. Nicht ob sie wahr oder nicht wahr sind, kommt in erster Linie in Betracht, sondern die Tatsache, dass sie Kräfte sind. Der Einzelne mag noch so schöne und hervorragende Gedanken in seinen Worten zum Ausdruck bringen, darauf kommt es weniger an, es kommt hauptsächlich darauf an, durch welche Kanäle diese Gedanken ziehen. Eine theosophische Loge oder ein theosophischer Zweig ist der Ausgangspunkt von zahlreichen Kanälen, durch welche diese Gedanken, die ausgesprochen werden, ihren Abfluss finden in die ganze Welt hinaus.

[ 5 ] And when any one of us speaks somewhere to a congregation that meets him with this awareness, then his words are quite different from those of any other lecturer or speaker. For then you will be sitting here with the awareness that not only is your physical body, which is here, something real, but that your sensations, feelings, and thoughts passing through your mind are just as present as your physical body. And when, with this awareness, you cross the threshold and take in the words spoken here, those words will find the path they are meant to take into the world. The words of the theosophist are not spoken so that one person or another may agree or disagree with them. It is not primarily a matter of whether they are true or not, but rather the fact that they are forces. No matter how beautiful and outstanding the thoughts an individual may express in his words, that is of lesser importance; what matters most is through which channels these thoughts flow. A Theosophical Lodge or a Theosophical Branch is the starting point of numerous channels through which these spoken thoughts find their way out into the whole world.

[ 6 ] Aber nur dann werden diese Worte so gehört werden, wenn bei den Zuhörern das Bewusstsein einer geistigen Welt vorhanden ist. Dann verstärken sich die Kräfte des Redners durch das Bewusstsein eines jeden Anwesenden, dann sind die geistigen Kräfte wie in einer elektrischen Batterie, und sie dringen hinaus in die Welt wie Wellen und sind dort wirksam, wo sich Gelegenheit bietet. Auf diese Gesinnung, auf dieses Bewusstsein, auf dieses Leben in der Lehre kommt alles an, nicht auf den Inhalt. Unsere Lehren sind herausgeholt aus der Betrachtung von großen geistigen Zusammenhängen des Daseins und aus der Betrachtung des Wesens des Menschen. Nicht dass wir sie wissen, sondern dass sie wirken, ist das Ziel. Und diese Wirkung ist eine wichtige aus dem Grunde, weil diese Gedanken dieselben sind durch die seit Jahrmillionen, überhaupt seitdem es eine Zeit gibt, alles in der Welt geschehen ist. Und so wahr, wie durch diese Gedanken die Welt so geworden ist wie sie jetzt ist, so wahr wird durch dieselben Gedanken die Welt in der Zukunft so, wie sie werden soll und werden muss.

[ 6 ] But these words will be heard in this way only if the listeners are aware of a spiritual world. Then the speaker’s powers are amplified by the consciousness of everyone present; the spiritual forces are like those in an electric battery, and they radiate out into the world like waves, taking effect wherever the opportunity arises. Everything depends on this attitude, this consciousness, and this way of living the teaching—not on the content. Our teachings are drawn from the contemplation of the great spiritual interconnections of existence and from the contemplation of the nature of the human being. The goal is not that we know them, but that they take effect. And this effect is important for the reason that these thoughts are the very same ones through which, for millions of years—indeed, ever since time began—everything in the world has come to pass. And just as surely as these thoughts have made the world what it is today, so surely will these same thoughts make the world in the future what it is meant to be and must become.

[ 7 ] Aber es gibt einen Faktor, der mitwirken muss, damit in der Zukunft das Richtige geschieht, und dieser Faktor heißt «Mensch», dieser Faktor heißt «erkennender und bewusster Mensch». Wir können sagen: Es hat eine Zeit gegeben, in welcher die großen Gedanken der Weltordnung durch das in die Wirklichkeit umgesetzt worden sind, was wir die Götter nennen. Damals war der Mensch noch ganz unbewusst. Damals konnte der Mensch noch nicht an dem Weltenbau mitwirken. Sehen Sie, der Mensch ist jetzt im Anfange der Entwicklung seines Bewusstseins. Er wird Zeiten entgegengehen, in denen dieses Bewusstsein immer weitere und weitere Kreise zieht. Dadurch wird er immer mehr berufen sein, an dem mitzuarbeiten, was einstmals die Götter getan haben. Deshalb nennen wir unsere Theosophie ‹Göttliche Weisheit›, weil wir die Weisheit daher haben, und weil wir unseren Anteil haben müssen, wenn wir in der Zukunft unseren Bau darnach einrichten wollen.

[ 7 ] But there is one factor that must come into play for the right things to happen in the future, and that factor is called “human beings”; that factor is called “human beings who are aware and conscious.” We can say: There was a time when the great ideas of the world order were brought into reality by what we call the gods. Back then, human beings were still completely unconscious. Back then, human beings could not yet participate in the building of the world. You see, human beings are now at the beginning of the development of their consciousness. They will move toward times in which this consciousness will reach ever wider and wider spheres. As a result, he will be increasingly called upon to participate in what the gods once did. That is why we call our theosophy “Divine Wisdom”—because we derive our wisdom from there, and because we must play our part if we wish to shape our future world accordingly.

[ 8 ] In der Zukunft wird der Mensch in einem weiteren Sinne berufen sein, bewusster mitzuwirken als heute. Wie die heutige Gesellschaft sich selbst eine sittliche Welt-Ordnung schafft, so wird auch eine Zeit kommen, in der in viel höherem Maße als heute die geistigen Kräfte durch die Seele des Menschen ziehen, und die starre Gesellschaftsordnung einen viel tieferen, intensiveren Sinn haben wird. Und wie der Mensch heute nur an der Oberfläche die Naturgesetze verwendet, um das zu tun, was in der Industrie lebt und webt, so wird eine Zeit kommen, in der der Mensch die geistigen Weltgesetze gebrauchen wird, um unsere Einrichtungen zu machen. Der Mensch wird durch die Handhabung der großen Weltgesetze über Gesundheit und Krankheit Herr werden. Im Menschen lebt ein Göttliches. Dieses göttliche Wesen ist am Anfange der Entwicklung, und dieses göttliche Wesen herauszuholen und zu einem schaffenden zu machen, das ist das Ziel der Theosophie oder ‹Gottesweisheit›. Nicht um Neugierige zu befriedigen, die gern etwas von Gott wissen wollen, gibt es eine Theosophie, sondern um dem Menschen die Kraft zu geben, seine Aufgabe als ein sich vergöttlichendes Wesen zu erfüllen. Zwar nicht in einer kurzen Stunde, aber immer mehr und mehr wird uns das klar werden können.

[ 8 ] In the future, human beings will be called upon, in a broader sense, to participate more consciously than they do today. Just as today’s society creates for itself a moral world order, so too will a time come when spiritual forces will flow through the human soul to a much greater degree than today, and the rigid social order will have a much deeper, more intense meaning. And just as humanity today uses the laws of nature only superficially to bring about what is alive and active in industry, so a time will come when humanity will use the spiritual laws of the world to shape our institutions. By applying the great universal laws, humanity will gain mastery over health and illness. A divine essence dwells within every human being. This divine essence is at the very beginning of its development, and the goal of Theosophy—or “Divine Wisdom”—is to bring this divine essence to the fore and transform it into a creative force. Theosophy exists not to satisfy the curiosity of those who simply wish to know something about God, but to give humanity the strength to fulfill its task as a being in the process of becoming divine. Although this will not happen in a single moment, it will become increasingly clear to us.

[ 9 ] Was ich jetzt in einem Satz zusammenfassen möchte, dürfte manchem ganz eigentümlich erscheinen, ist aber doch eine Wahrheit, die der Okkultist so kennt, wie zum Beispiel ein Naturforscher irgendeine andere Wahrheit, irgendeine äußere Wahrheit. Es gibt eine solche Wahrheit. Ich habe schon im siebenundzwanzigsten Heft der «Lucifer-Gnosis» darauf aufmerksam gemacht. Sie hängt zusammen mit der Gesundheit in der Welt. Es ist eine Wahrheit allerdings im geistigen Sinn und nicht so offenbar ist der Zusammenhang. Letzten Endes ist es durchaus wahr, dass ein gesunder äußerer physischer Leib die Folge eines inneren Lebens des Geistes in der Wahrheit ist. Um mich deutlicher, aber etwas entfernt liegender auszudrücken: Eine theosophische Loge, ein theosophischer Zweig ist auch ein Quell von Gesundheit. Indem Sie hier in der Gesinnung zusammensitzen, von der ich gesprochen habe, und in Ihr Bewusstsein jene Wahrheiten aufnehmen, die nichts anderes sein sollen als ein Nachklang der großen Weltgedanken, die die Harmonien der Welt geschaffen haben, zittern und vibrieren durch Ihre Seele die wahren Gedanken der Welt. Und so wahr es ist, dass alles Physische eine Wirkung des Geistes ist, so wahr ist es, dass sich der Zustand des Physischen richten wird nach den Schwingungen, nach den Wellen, die jetzt durch Ihre Seele zittern. Wenn die Gedanken gesund sind, die die Wellenschwingungen Ihrer Seele anregen, dann werden diese auch die physischen Schwingungen anregen, und diese müssen dann gesund sein. Durch das Ausströmen der Wellen nach allen Richtungen der Welt bewirken wir eine Quelle der Gesundheit. Ein Quell der Gesundheit geht aus von den theosophischen Logen. Nicht morgen oder übermorgen können Sie diese Gesundung in Ihrem Leben schon bemerken. Aber in der Zukunft können Sie finden, dass die Gesundheit die Folge von dem jetzigen Triebe nach Wahrheit ist. Für die Nachkommen bauen wir gesunde Körper, indem wir unsere Seelen die Wahrheit pflegen lassen im geistigen Leben. Da stellen wir uns hinein in den ganzen Zeitenlauf, da stellen wir uns hinein in den Weltenlauf, wenn wir den richtigen Glauben haben.

[ 9 ] What I would now like to summarize in a single sentence may seem quite peculiar to some, but it is nonetheless a truth that the occultist knows just as, for example, a natural scientist knows any other truth—any external truth. Such a truth exists. I have already drawn attention to this in the twenty-seventh issue of *Lucifer-Gnosis*. It is connected to health in the world. It is, however, a truth in the spiritual sense, and the connection is not so obvious. Ultimately, it is absolutely true that a healthy outer physical body is the result of an inner life of the spirit lived in truth. To put it more clearly, though from a somewhat more distant perspective: A Theosophical Lodge, a Theosophical branch, is also a source of health. As you sit together here in the spirit I have spoken of, and take into your consciousness those truths that are meant to be nothing other than an echo of the great world-thoughts that created the harmonies of the world, the true thoughts of the world tremble and vibrate through your soul. And just as it is true that everything physical is an effect of the spirit, so it is true that the condition of the physical will be determined by the vibrations, by the waves that now tremble through your soul. If the thoughts that stimulate the vibrations of your soul are healthy, then these will also stimulate the physical vibrations, and these must then be healthy. By radiating these waves in all directions throughout the world, we create a source of health. A source of health emanates from the Theosophical Lodges. You may not notice this restoration of health in your life tomorrow or the day after. But in the future, you may find that health is the result of your present striving for truth. For future generations, we build healthy bodies by allowing our souls to cultivate the truth in spiritual life. In this way, we place ourselves within the flow of time; we place ourselves within the course of the world when we have the right faith.

[ 10 ] Viele sagen ja: Was hat uns der Materialismus geschadet? Der hat uns viele gewaltige Einrichtungen gebracht und auf allen Naturforscher- und Ärzteversammlungen so viel Wissen und Kenntnisse des Lebens. Da können Sie über das Leben so vieles hören. Sie können hören, wie großartig die hygienischen Fortschritte sind und so weiter, wie viel geringer die Sterblichkeit ist heute als vor einem Jahrhundert. Das alles hat uns das Studium der Naturgesetze gebracht, ein Studium, das arbeitet mit der reinen Materie. Aber Sie müssen auch tiefer sehen. Sie müssen sehen, dass nicht immer das Äußere mit dem Inneren stimmt, und dass das Äußere ein sehr trügerisches Kennzeichen für das Innere ist.

[ 10 ] Many people say: What harm has materialism done us? It has brought us many magnificent institutions and, at all the gatherings of natural scientists and physicians, so much knowledge and insight into life. There you can hear so much about life. You can hear how magnificent the advances in hygiene are, and so on—how much lower the mortality rate is today than a century ago. All of this has been brought to us by the study of the laws of nature, a study that deals with pure matter. But you must also look deeper. You must see that the exterior does not always correspond to the interior, and that the exterior is a very deceptive indicator of the interior.

[ 11 ] Ja, wir wollen es nicht ableugnen, dass in unserer Zeit des Materialismus Großes und Großartiges geschaffen worden ist. Aber wer hat es geschaffen? Hier kommen wir auf einen Punkt, der uns den Unterschied lehrt zwischen dem, was der Mensch bloß denkt, was bloß im menschlichen Verstande lebt, und dem, was tief im Grunde seiner Seele liegt. Diese zwei Dinge müssen Sie streng unterscheiden. Sie gehen durch die Welt und machen Ihre täglichen Verrichtungen nach dem, was Sie heute denken. Aber was Sie heute denken, beruht auf einem Grunde, der nicht von heute ist. Was Sie heute denken, beruht auf einem tieferen Seelengrunde, der das Ergebnis der Vergangenheit ist. Schon rein äußerlich betrachtet sind selbst die materialistischen Denker des neunzehnten Jahrhunderts aus dem Denken der Vergangenheit hervorgewachsen. Sie sehen: Erzeugt in den Schulen, die noch nicht dem Materialismus verfallen waren. Die großen Lehrer des Materialismus wie Büchner, Vogt, Moleschott, wo haben sie gelernt und wodurch ist es gekommen, dass ihre Bücher etwas so Verführerisches haben? Dadurch, dass ihre Schule in der Zeit war, wo diese noch nicht so vom Materialismus erfasst war. In Wahrheit tragen wir als Seelengrund das in uns, was wir in früheren Leben waren. Aus einer tiefen Weisheit heraus sagt uns die indische Philosophie: Das, was du heute denkst, wirst du morgen sein. Das gilt für den Menschen und für alle Tatsachen und Wesen der Welt. Heute ruht unser Denken auf der Oberfläche. Heute sind wir das, was wir in der Vorzeit gedacht haben.

[ 11 ] Yes, we do not deny that great and magnificent things have been created in our age of materialism. But who created them? Here we come to a point that teaches us the difference between what a person merely thinks—what lives only in the human mind—and what lies deep within the core of his soul. You must make a strict distinction between these two things. You go through the world and carry out your daily tasks according to what you think today. But what you think today is based on a foundation that did not originate today. What you think today is rooted in a deeper wellspring of the soul, which is the result of the past. Even viewed purely from an external perspective, the materialist thinkers of the nineteenth century themselves grew out of the thinking of the past. You see: they were educated in schools that had not yet succumbed to materialism. The great teachers of materialism—such as Büchner, Vogt, and Moleschott—where did they learn, and how is it that their books have something so seductive about them? It is because their schooling took place at a time when society had not yet been so thoroughly gripped by materialism. In truth, we carry within us, as the foundation of our soul, what we were in previous lives. Drawing on deep wisdom, Indian philosophy tells us: What you think today, you will be tomorrow. This applies to human beings and to all facts and beings in the world. Today, our thinking rests on the surface. Today, we are what we thought in times past.

[ 12 ] Sie glauben, dass wir das Alte überwunden haben. Von dem grauen finsteren Mittelalter sprechen die Leute. Aber gerade die ersten Zeiten des Mittelalters ruhen als unser tiefstes Sein in unserer Seele. Damals lebten wir in einer früheren Inkarnation. Was wir heute denken, werden wir erst in einer künftigen Inkarnation sein. Es darf uns nicht wundern, dass wir materialistisch denken, aber dennoch Früchte geerntet haben, die das Resultat früherer Epochen sind. Was wir heute haben, ist nur das Ergebnis von einem Zeitalter, auf das wir geneigt sind, mit Spott und Hohn herabzublicken. Aus dieser tiefen Erkenntnis heraus kam der Impuls, der im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts zur theosophischen Bewegung führte.

[ 12 ] They believe that we have overcome the past. People speak of the gray, dark Middle Ages. But it is precisely the early days of the Middle Ages that lie deep within our souls as our very essence. Back then, we lived in a previous incarnation. What we think today will only become who we are in a future incarnation. We should not be surprised that we think materialistically, yet have reaped fruits that are the result of earlier epochs. What we have today is merely the result of an age that we are inclined to look down upon with scorn and derision. It was from this deep insight that the impulse arose which led to the Theosophical Movement in the last third of the nineteenth century.

[ 13 ] Die Lebensfrucht früherer Zeiten und früherer Denkweise haben wir heute vor uns. Aber diejenigen, welche Wache halten über die Zeichen der Zeit, die wissen, dass von unseren Gedanken, von dem, was wir heute in der Seele haben, abhängt das Leben in der Zukunft. Diese Zukunft wird eine immer raschere und raschere Lebensentfaltung sein. Sie müssen sich klar darüber sein, dass das Leben nicht in allen Zeiten gleich rasch verläuft. Alle, die hier sitzen, haben viele theosophische Vorträge gehört, und ich darf deshalb oft ein Wort sagen, welches aus tieferer Weisheit herausgeholt ist. Wir wissen, dass es außer dem physischen Plan den Astralplan gibt, und der, welcher das höhere Leben kennt, weiß auch von dieser höheren Welt den Gang der Entwicklung vorauszusagen, den Gang des Fortschritts zu verfolgen.

[ 13 ] We see before us today the fruits of earlier times and earlier ways of thinking. But those who keep watch over the signs of the times know that life in the future depends on our thoughts, on what we hold in our souls today. This future will be an ever-accelerating unfolding of life. You must be clear that life does not proceed at the same pace in all eras. All of you sitting here have heard many theosophical lectures, and I may therefore often speak a word drawn from deeper wisdom. We know that, besides the physical plane, there is the astral plane, and those who know the higher life can also predict the course of development in this higher world and trace the path of progress.

[ 14 ] Wenn man da die Zeit von Karl dem Großen bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts und die Zeit vom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bis zum Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts vergleicht, also ein Jahrtausend gegen ein Jahrhundert, so bemerkt man die überraschende Tatsache, dass in beiden Zeiträumen ungefähr dasselbe geschehen ist. Nur zehnmal schneller ging der Fortschritt der Menschheitswelle und immer schneller und schneller wird sie in der kommenden Zeit gehen. Daher müssen wir uns darauf gefasst machen, dass die Dinge, die unsere Gedanken nach sich ziehen, in einer gar nicht zu fernen Zukunft äußere Wirklichkeit sein werden. Dies zeigt Ihnen, aus welchem Impuls heraus die theosophische Bewegung geflossen ist.

[ 14 ] If one compares the period from Charlemagne to the end of the eighteenth century with the period from the beginning of the nineteenth century to the beginning of the twentieth century—that is, a millennium versus a century—one notices the surprising fact that roughly the same thing happened in both time periods. The wave of human progress moved ten times faster, and it will move faster and faster in the time to come. Therefore, we must prepare ourselves for the fact that the things our thoughts conjure up will become external reality in the not-too-distant future. This shows you the impulse from which the Theosophical Movement sprang.

[ 15 ] Die Gesundung soll die nachfolgende Generation unseren Gedanken verdanken, wie wir das, was wir haben an Fortschritten, den vorhergehenden Generationen verdanken. Sie mögen denjenigen, der in diesem Sinne die theosophische Bewegung ansieht, eine ‹prophetische Natur› nennen. Aber Propheten waren zu allen Zeiten diejenigen - und sie mussten es sein —, welche den Gang der Ereignisse wirklich leiten wollten. Denn, um zu bestimmen, was in der Zukunft geschehen soll, im großen Maßstabe, muss man vorher wissen, was gesetzmäßig für diese Zukunft ist. Die großen Individualitäten, welche wissen, was der Zukunft frommt, haben uns deshalb die Möglichkeit gegeben, wiederum das, was so lange vergessen war, nämlich die großen Weltgesetze, kennenzulernen und sie uns nachfühlen zu lassen zur geistigen und physischen Gesundung unseres Geschlechtes und unserer Rasse. Nehmen Sie dies ganz und gar wörtlich, dass wahre Gedanken eine gesundende physische Wirkung haben, und dass diejenigen Gedanken, welche in der theosophischen Loge erweckt werden durch unsere Seelenschwingungen ärztlich-medizinische Kräfte sind, die durch die Menschheit pulsieren. Fühlen Sie in Ihrer ganzen Seele diese Wahrheit, diese Lebenswahrheit und fühlen Sie die Wichtigkeit in der theosophischen Bewegung, dann kommen Sie auf ein anderes Kapitel und werden befähigt, es zu begreifen.

[ 15 ] The next generation will owe its recovery to our ideas, just as we owe the progress we have made to previous generations. Those who view the Theosophical Movement in this light may call it “prophetic in nature.” But prophets have always been—and had to be—those who truly sought to guide the course of events. For in order to determine what is to happen in the future, on a grand scale, one must first know what is lawful for that future. The great individuals who know what is beneficial for the future have therefore given us the opportunity to rediscover what had long been forgotten—namely, the great laws of the universe—and to enable us to internalize them for the spiritual and physical healing of our people and our race. Take this quite literally: true thoughts have a healing physical effect, and the thoughts awakened in the Theosophical Lodge through the vibrations of our souls are healing powers that pulse through humanity. Feel this truth—this truth of life—with your whole soul, and feel the importance of the Theosophical Movement; then you will move on to another chapter and be enabled to comprehend it.

[ 16 ] Viele gibt es unter uns, welche sagen: Ja, die theosophische Bewegung verbreitet eine schöne hohe Ethik, sie verbreitet schöne Lehren, die in sich selbst zusammenstimmen. Aber man sollte dabei bleiben und nicht den Blick hinaufrichten und die Menschen verwirren in mystischen, geheimnisvollen, abstrakten und mentalen Welten. Wie viele gibt es in der Theosophischen Gesellschaft, die sagen: Lasst uns zufrieden mit dem astralen und mentalen Gebiet, wir wollen das Einheitsbewusstsein entwickeln. Eine gewisse Scheu ist zu bemerken gegenüber dem, was wir als die Lehre vom Astralen und Mentalen kennen. Aber einmal muss es ausgesprochen werden: Derjenige, der diese Lehre von diesen höheren Welten ausschließen wollte von der theosophischen Bewegung, der handelte gegen die Intentionen, welche die großen Individualitäten, die wir die Meister nennen, uns gegeben haben. Wir können ebenso gut die theosophische Bewegung fallen lassen, wenn wir die Lehre von den höheren Welten aus ihr verbannen. Gewiss, man kann heute von einer Ethik, von einer ethischen Lehre sprechen. In der Schule will man schon diese ethische Lehre einführen. Ethische Gesellschaften sind gegründet worden, welche den Versuch machen, ohne Rücksicht zu nehmen auf diese oder jene Weltanschauung, auf dieses oder jenes Religionsbekenntnis, allgemeine menschliche Pflichten aufzustellen und einzuführen. Pflichten aber kann man nur aufstellen über das, was man kennt. Sehen Sie sich aber einmal diese Pflichtenlehren an. Sie sind ein getreues Spiegelbild, ein vollkommener Abdruck des materiellen Zeitalters, in dem wir leben. Was Sie an neuen Pflichten bei den neuen Aufklärern finden, ist nichts anderes als die Konsequenz einer materialistischen Weltanschauung, die Konsequenz dessen, was die Augen sehen, Ohren hören und Hände tasten können. Das ist gewiss Idealismus, und man kann edler Idealist auf diesem Gebiete sein - zweifellos. Aber dies ist die letzte Konsequenz, der letzte Ausfluss einer materialistischen Zeit.

[ 16 ] There are many among us who say: Yes, the Theosophical Movement promotes a beautiful, lofty ethic; it promotes beautiful teachings that are internally consistent. But one should stick to that and not look beyond it, confusing people with mystical, mysterious, abstract, and mental worlds. How many are there in the Theosophical Society who say: Let us be content with the astral and mental realms; let us develop the consciousness of oneness. A certain reluctance can be observed toward what we know as the doctrine of the astral and mental realms. But it must be stated once and for all: Anyone who sought to exclude this teaching about the higher worlds from the Theosophical Movement acted contrary to the intentions that the great individualities—whom we call the Masters—have given us. We might as well abandon the Theosophical Movement altogether if we banish the teaching about the higher worlds from it. Certainly, one can speak today of an ethics, of an ethical doctrine. Schools are already seeking to introduce this ethical doctrine. Ethical societies have been founded that attempt to establish and introduce general human duties without regard to this or that worldview, or this or that religious creed. But duties can only be established based on what one knows. Take a look, however, at these teachings on duty. They are a faithful reflection, a perfect imprint of the material age in which we live. What you find in the new duties proposed by the new Enlighteners is nothing other than the consequence of a materialistic worldview—the consequence of what the eyes can see, the ears can hear, and the hands can touch. This is certainly idealism, and one can be a noble idealist in this realm—without a doubt. But this is the ultimate consequence, the final outcome of a materialistic age.

[ 17 ] Und weil selbst diejenigen, welche glauben, Idealisten zu sein, und die hinaufstreben mit ihren Gedanken und Gefühlen nach einer höheren Welt und eine dunkle Ahnung sich wenigstens bewahren wollen von einer höheren Welt, weil diese, wenn sie anfangen zu denken, zu fühlen und zu handeln und nicht bloß reden wollen, sogleich wieder in die materialistischen Denkgewohnheiten verfallen. Weil nun auch viele solche in der theosophischen Bewegung sind, deshalb verbreitet sich auch in ihr der Gedanke: Wir sollten uns beschränken auf eine solche materialistische Ethik, auf ein Einheitsbewusstsein, das man nicht fassen kann und nicht fassen will, weil die Menschen Furcht haben, in bestimmter Weise die höheren Welten anzufassen.

[ 17 ] And because even those who believe themselves to be idealists—who strive with their thoughts and feelings toward a higher world and wish to preserve at least a vague inkling of such a world—fall back immediately into materialistic patterns of thought as soon as they begin to think, feel, and act, rather than merely talk. Since there are many such people in the Theosophical Movement as well, the idea is spreading within it that we should limit ourselves to a materialistic ethic, to a sense of unity that cannot be grasped and that people do not want to grasp, because they are afraid of engaging with the higher worlds in a certain way.

[ 18 ] Auch die Theosophen, die sagen, dass man nicht sprechen sollte vom astralen und mentalen Plan, weisen darauf hin, dass man mit dem bloßen Verstande eine gewisse Summe von theosophischen Wahrheiten verbreiten könne. Sie wollen auch dasjenige, was das tiefere Wesen und die Grundlage alles Wirklichen ist, nur hindeuten als auf ein Göttliches, das den Wirklichkeiten zugrunde liegt. Aber es selbst anschauen, es erfassen, sich ihm gegenüberstellen, so wie es ist, davor schrecken sie zurück. Das wäre gerade so, wie wenn jemand sagen wollte: Ja, eine elektrische Kraft gibt es, wir wollen es zugeben; aber sie anwenden, sie studieren, um elektrische Maschinen zu konstruieren und so weiter, darauf wollen wir uns nicht einlassen. Das ist gefährlich, wir könnten uns verwirren, das gibt der Welt ein anderes Bild. Ein solcher stellt sich aber doch der elektrischen Kraft nicht richtig gegenüber. Richtig stellt sich ihr vielmehr derjenige gegenüber, welcher sagt, ich will die elektrische Kraft nach jeder Richtung kennenlernen, damit ich sie in den äußeren Einrichtungen der Menschen zum Dasein und zur Anwendung bringen kann. Dem ersten Anhänger der elektrischen Kraft würde der Theosoph gleichen, der sagt: Kümmern wir uns nicht um astrale und mentale Welten, sondern nur um das Einheitsbewusstsein. Er würde die geistige Kraft nicht auf die unmittelbare Gegenwart anwenden.

[ 18 ] Even the Theosophists, who say that one should not speak of the astral and mental planes, point out that a certain body of theosophical truths can be disseminated through the intellect alone. They also wish to refer to that which is the deeper essence and foundation of all reality merely as a Divine principle underlying all realities. But to behold it themselves, to grasp it, to confront it as it is—they shrink from that. That would be just as if someone were to say: Yes, there is such a thing as electrical force; let’s admit that; but to apply it, to study it in order to construct electrical machines and so on—we don’t want to get involved in that. That’s dangerous; we might get confused; it presents a different picture to the world. But such a person does not truly confront the electrical force. Rather, the one who truly confronts it is the one who says, “I want to get to know the electrical force in every respect so that I can bring it into existence and apply it in the external devices of humankind.” The first type of adherent to electric power would be akin to the theosophist who says, “Let us not concern ourselves with the astral and mental worlds, but only with the consciousness of unity.” He would not apply spiritual power to the immediate present.

[ 19 ] Wollen wir aber von dem Göttlichen nicht nur träumen, nicht nur Ahnungen haben, nicht bloß reden und höchstens dunkel fühlen, sondern es in die Wirklichkeit umsetzen, dann müssen wir es im Einzelnen in seinen Gestalten kennenlernen, wie es sich offenbart in den höheren Welten, und dann können wir eindringen in die höheren Welten. So wahr es ist, dass wir unsere physische Welt dadurch erobern, dass wir die einzelnen Gestalten der elektrischen Kraft kennenlernen, so lernen wir unser Leben als handgreifliche Wirklichkeit kennen, wenn wir diese Kraft uns zu eigen machen. Durch den Menschen soll diese Kraft, die heute nur von universellen Wesen in der Welt verwirklicht wird, in der Zukunft bewusst verwirklicht und beherrscht werden.

[ 19 ] But if we do not want merely to dream of the Divine, or merely to have intuitions about it, or merely to talk about it and, at most, feel it vaguely, but rather to translate it into reality, then we must come to know it in detail in its various forms, as it reveals itself in the higher worlds; and then we can penetrate into the higher worlds. Just as it is true that we master our physical world by coming to know the individual forms of electrical force, so too do we come to know our life as a tangible reality when we make this force our own. Through human beings, this force—which today is realized in the world only by universal beings—is to be consciously realized and mastered in the future.

[ 20 ] Nicht um unsere Neugierde zu befriedigen, sehen wir da hinein in die geistige Welt, nicht umsonst suchen wir die Augen des Geistes und der Seele zu öffnen gegenüber den Wesen, die nicht im physischen Körper leben, sondern wie aus unseren Leidenschaften und Instinkten und inneren Seelenkräften wirken. Nicht umsonst erheben wir uns zu den Wesen, deren Körper kein physischer ist, deren Körper aus demselben Stoff gewoben ist, aus dem unsere Gedanken gewoben sind, zu den Wesen, die wir die Wesen der mentalen Welt nennen. Wir erheben uns zu diesen, um zu lernen, was der Welt, in der wir leben, eingewoben werden muss. Das ist eine Grundwahrheit, dass der Geist immer vorhanden ist. Wenn Sie eine Blume sehen, so sehen Sie nicht nur den physischen Gegenstand - die heutige Wissenschaft will ja nichts davon wissen: Diese Blume ist Geist, und deren sinnliche Gestalt ist nur der Ausdruck des Geistes. Öfters habe ich schon gesagt: Wenn Sie eine Wasserfläche haben, und Sie lassen das Wasser mehr und mehr abkühlen, so bildet sich Eis. Einer kommt nun und sagt: Eis ist wirkliches Wasser, nur in anderer Form. Dann kommt ein anderer und sagt: Das ist doch kein Wasser, es ist doch fest und nicht flüssig. Jeder weiß, dass Eis zusammengezogenes, durch Kälte geformtes, anders gestaltetes Wasser ist. Mit der Blume verhält es sich ganz ähnlich. In dieser Blume haben Sie nur anders gestalteten Geist. Wie Sie nun Eis in Wasser verwandeln können, so können Sie auch die Blume in deren geistige Wesenheit auflösen. Unsere physische Welt ist nichts anderes als zu fester Form gewordene astrale und mentale Wesenheit. Alle, die hier sitzen, sind auch mentale Wesenheiten und bringen sich in ihrem physischen Körper verdichtet zum Ausdruck. Will man gedeihlich wirken, so muss man die Kräfte kennen. Wollen Sie Eis erzeugen, so müssen Sie Kälte und Wasser haben. Wollen Sie die physische Welt in der richtigen Weise gestalten, so müssen Sie den Geist kennen.

[ 20 ] It is not to satisfy our curiosity that we look into the spiritual world; it is not in vain that we seek to open the eyes of the spirit and the soul to those beings who do not live in physical bodies but who act, as it were, through our passions, instincts, and inner spiritual forces. It is not for nothing that we rise to the beings whose bodies are not physical—whose bodies are woven from the same substance as our thoughts—to the beings we call the beings of the mental world. We rise to them in order to learn what must be woven into the world in which we live. It is a fundamental truth that the spirit is always present. When you see a flower, you do not see merely the physical object—modern science, of course, wants nothing to do with this: this flower is spirit, and its sensory form is merely the expression of the spirit. I have often said: If you have a body of water and you allow the water to cool more and more, ice forms. Someone then comes along and says: Ice is real water, just in a different form. Then another person comes along and says: “But that’s not water at all; it’s solid, not liquid.” Everyone knows that ice is water that has contracted, been shaped by cold, and taken on a different form. The situation with the flower is quite similar. In this flower, you have nothing but spirit in a different form. Just as you can transform ice back into water, so too can you dissolve the flower into its spiritual essence. Our physical world is nothing other than astral and mental essence that has taken on a solid form. All of you sitting here are also mental entities, expressing yourselves in condensed form through your physical bodies. If you wish to act effectively, you must understand these forces. If you want to create ice, you must have cold and water. If you want to shape the physical world in the right way, you must understand the spirit.

[ 21 ] Sie müssen die Kräfte des Geistes erforschen, nicht um unsere Neugierde zu befriedigen gegenüber den höheren Welten, um allerlei Interessantes zu erfahren, sondern weil wir daraus unsere Kenntnis für unsere Lebenspraxis ziehen. Was heute noch astral ist, wird in der Zukunft physisch sein; und was heute noch mental ist, wird in der Zukunft astral und in noch fernerer Zukunft physisch sein. Indem wir heute in einer theosophischen Loge vom Astralen sprechen und diese astralen Wahrheiten durch unsere Seele ziehen lassen und in diesen Seelen Schwingungen erzeugen, werden diese Seelen künftig in Menschen inkarniert werden, welche für das Astrale disponiert sind. Werden wir dann wieder auf der Erde inkarniert werden, so werden diese Wahrheiten aus uns herausfließen. Physisch gestaltet wird dann durch uns dasjenige werden, was sich als Teile, als Kinder der astralen Welt in unsere Seele senkte. Wir sind da, um von den höheren Welten herunterzuholen die Gesetze unseres Wirkens und Lebens. Es kann daher auch nicht die Frage sein, ob es dem einen oder anderen gefällt, in die höheren Welten aufzusteigen, sondern lediglich, ob wir hinaufsteigen sollen und müssen. Dass wir hinaufsteigen sollen, dass wieder ein Zeitalter kommen soll, welches die Welt spiritualisiert, welches spirituelle Anschauungen in der Menschheit verbreitet, dies war die Erkenntnis der großen Wesenheiten, welche die theosophische Bewegung angeregt haben.

[ 21 ] We must explore the powers of the spirit, not to satisfy our curiosity about the higher worlds or to learn all sorts of interesting things, but because we derive from them the knowledge we need for our daily lives. What is still astral today will be physical in the future; and what is still mental today will be astral in the future and physical in the even more distant future. By speaking of the astral realm today in a Theosophical Lodge and allowing these astral truths to permeate our souls and generate vibrations within them, these souls will in the future incarnate as human beings who are predisposed to the astral realm. When we are then incarnated on Earth again, these truths will flow forth from us. What has descended into our souls as parts, as children of the astral world, will then take physical form through us. We are here to bring down from the higher worlds the laws governing our actions and our lives. Therefore, the question cannot be whether one person or another finds it pleasing to ascend to the higher worlds, but merely whether we should and must ascend. That we are to ascend, that another age is to come which will spiritualize the world and spread spiritual views among humanity—this was the insight of the great beings who inspired the Theosophical Movement.

[ 22 ] Dem Zeitalter, das hinter uns liegt, der Epoche, in welcher der Mensch materiell wurde, ging ein anderes voraus. Das berief sich auf große, hohe geistige Wesenheiten, die die Lehrer und Führer der Menschheit waren. Damals, als in den alten Zeiten große heilige Führer der Menschheit diese Menschheit leiteten, da waren wenigstens alle diese Führer tief durchdrungen von den Wahrheiten, die heute die theosophische Bewegung in der Menschheit verbreitet, auch von der Wahrheit einer wieder und wieder sich verkörpernden Menschenseele. Wenn Sie sich das Verhältnis der großen Lehrer des Altertums zu der Menge denken, werden Sie einen Begriff bekommen von der Lehrart in den alten Zeiten. Denken Sie sich zurück in jene Zeiten und in die großen vorgeschrittenen Individualitäten, welche hineinschauten in den mysteriösen, geheimnisvollen Weltenbau, der für die Augen der anderen verschlossen war - wie sich Johannes in der Apokalypse ausdrückt. Sie sprachen zu den Menschen, die sie noch nicht mit dem Verstande erfassen konnten, die aber vorbereitet werden mussten, um sie in späteren Inkarnationen mit dem Verstande erfassen zu können - in einer bildlichen Form. Und das führte zu der Form von Sprache, die damals gesprochen wurde, zu der Sprache der Sage, des Mythus, des Märchens.

[ 22 ] The age that lies behind us—the epoch in which humanity became material—was preceded by another. That age drew upon great, exalted spiritual beings who served as the teachers and guides of humanity. Back then, in ancient times, when great holy leaders guided humanity, all these leaders were at least deeply imbued with the truths that the Theosophical Movement is now spreading among humanity—including the truth of the human soul incarnating again and again. If you consider the relationship between the great teachers of antiquity and the masses, you will gain an understanding of the nature of teaching in ancient times. Think back to those times and to the great, advanced individuals who looked into the mysterious, enigmatic structure of the universe, which was hidden from the eyes of others—as John expresses it in the Book of Revelation. They spoke to people who could not yet grasp these things with their intellect, but who had to be prepared so that they might comprehend them intellectually in later incarnations—in a figurative form. And this gave rise to the form of language spoken at that time: the language of legend, myth, and fairy tale.

[ 23 ] Hier sitzen Sie heute. Aber alle Ihre Seelen waren einstmals in jenen grauen Vorzeiten verkörpert, alle Ihre Seelen horchten hin auf einen der großen Lehrer der grauen Vorzeit, wie er die Märchen erzählte. Diese Märchen waren nicht solcher Art, die aus leichter oberflächlicher Phantasie erdacht wurden wie die heutigen, sondern in diesen Märchen lebte und webte die große Wahrheit des Seins. Und wenn die Wahrheit auch nicht begrifflich in ihnen ausgesprochen war, mit den Gestalten und Personen des Märchens senkte sich nicht das Begriffliche, sondern die Empfindung in Ihre Seelen. Die Märchen, welche Sie in Grimms Märchensammlung lesen, enthalten größtenteils solche Weisheitslehren. Als sie eingesenkt wurden in die Menschenseelen, da haben Sie sie so gelernt, dass Sie heute imstande sind, die Wahrheiten begrifflich aufzunehmen, die damals ins Märchen gefasst waren. Es ist die größte Unwahrheit, wenn man sagt, die Märchen enthalten keine Wahrheiten. Sie enthalten die urältesten Wahrheiten des Menschengeschlechtes. Die Seele, die das Märchen in sich einfließen lässt, empfängt den Empfindungskeim für die Wahrheit, der sich später entfaltet. In unserer Jugend müssen wir, weil alles in der Welt sich wiederholen muss, was in den Vorzeiten da gewesen ist, jene Seelen und Gemütszustände, die wir in früheren Zeiten durchgemacht haben, als wir die urewigen Worte der Heiligen der Menschheit hörten, nochmals kurz durchleben. Und wenn heute eine Mutter ihrem Kinde ein Märchen erzählt aus dem Schatze der alten Zeit, dann fließt Wahrheit in die Seele des Kindes. So wird das Kind wiederholt vorbereitet für sein späteres Alter, wo es dann diese Wahrheiten mit dem Verstande aufzunehmen in der Lage ist.

[ 23 ] Here you sit today. But all your souls were once incarnated in those ancient times; all your souls listened intently to one of the great teachers of antiquity as he told the fairy tales. These fairy tales were not of the kind conceived from a light, superficial imagination like those of today; rather, the great truth of being lived and wove itself through these fairy tales. And even if the truth was not expressed conceptually within them, it was not the conceptual that sank into your souls along with the figures and characters of the fairy tale, but rather the feeling. The fairy tales you read in the Grimm collection largely contain such teachings of wisdom. As they were absorbed into human souls, you learned them in such a way that today you are able to grasp conceptually the truths that were once encapsulated in the fairy tales. It is the greatest falsehood to say that fairy tales contain no truths. They contain the most ancient truths of the human race. The soul that allows the fairy tale to flow into itself receives the seed of feeling for the truth, which later unfolds. In our youth, because everything in the world must repeat what existed in ancient times, we must briefly relive those souls and states of mind that we experienced in earlier times, when we heard the age-old words of humanity’s saints. And when a mother today tells her child a fairy tale from the treasure trove of ancient times, truth flows into the child’s soul. In this way, the child is repeatedly prepared for later life, when it will be able to grasp these truths with the intellect.

[ 24 ] Wenn wir die Sache so betrachten, verstehen wir den Zeitenlauf. Wir hören von der Zeit, die wir geschildert haben, wo die großen Mysterien der Menschheit gegeben wurden bis herab in unsere Zeit. Unsere Zeit sollte groß werden durch das, was der Mensch selbst hervorbringen kann. Allmählich musste es sich herausentwickeln aus dem, was in den Märchen eingewickelt war, wie ein Kind sich zur Größe und Selbstständigkeit herausentwickelt.

[ 24 ] When we look at things this way, we understand the course of history. We hear about the period we have described—from the time when the great mysteries of humanity were revealed all the way down to our own time. Our era was to become great through what human beings themselves are capable of bringing forth. Gradually, it had to develop out of what was wrapped up in fairy tales, just as a child develops into adulthood and independence.

[ 25 ] Es war gut, dass sich die Menschheit eine Zeitlang auf sich selbst, auf ihre eigene Seele berief. Das ist ein Mittelzustand. Und wozu hat er geführt? Er hat dazu geführt, was sich ausdrückt in dem Spruch: Über das Jenseitige können wir nichts wissen. Was sich erst eröffnet jenseits des Todes, darüber wissen wir nichts. Es ist das eine große Unbescheidenheit, so zu sprechen. Nicht diejenigen können über eine Sache sprechen, die nichts davon wissen, sondern diejenigen, welche etwas davon wissen. Diejenigen, die die theosophische Bewegung in ihrem tiefsten Kern richtig verstanden haben, die haben auch durch dieses Gefühl das Richtige zu ergreifen versucht. Mit Notwendigkeit hat es das Pochen auf sich selbst bewirkt, dass der Mensch zu dem Nichtwissen kam. Zunächst sieht des Menschen Verstand nur, was diesseits des Todes liegt. Also kann er, wenn er auf sich selbst sieht, nichts wissen von dem, was jenseits des Todes liegt. Aber sie werden sich wieder gewöhnen hinzuhören auf die Lehrer, welche in diesem Leben schon die Pforte des Todes überschritten haben, und aus eigener Erfahrung von diesem Leben zu erzählen wissen.

[ 25 ] It was good that humanity turned its attention for a time to itself, to its own soul. That is an intermediate state. And what did it lead to? It led to what is expressed in the saying: We can know nothing about the afterlife. We know nothing about what first reveals itself beyond death. It is a great act of presumption to speak in this way. It is not those who know nothing about a matter who can speak of it, but those who do know something about it. Those who have truly understood the theosophical movement at its very core have also sought to grasp the truth through this very feeling. Inevitably, this self-centeredness has led humanity to a state of ignorance. At first, the human mind perceives only what lies on this side of death. Therefore, when looking inward, it can know nothing of what lies beyond death. But you will once again grow accustomed to listening to the teachers who have already crossed the threshold of death in this life and who can speak of this life from their own experience.

[ 26 ] Was sich da abspielt, das begründet wieder eine neue Bescheidenheit. Nicht Unbescheidenheit ist es, wenn diejenigen, welche für die Theosophische Gesellschaft das Wort führen, immer und immer wieder betonen: Wir sprechen nicht unsere Weisheit aus, nein, wir sprechen nicht unsere Weisheit aus, wir sprechen das aus, was uns die großen Führer und Weisen der Menschheit auch heute noch lehren. Wir sprechen nicht deshalb von Meistern, weil wir uns anmaßen, die höheren Wahrheiten aus uns selbst, aus unserem eigenen Quell zu schöpfen. Wir sitzen zu den Füßen der Meister, weil wir wissen, dass, solange wir auf uns selbst pochen, solange wir uns nicht zu Schülern der Meister machen, wir bei dem «Ich weiß nicht» stehen bleiben müssen. Aus dieser Bescheidenheit heraus führen wir nicht unsere eigenen Gedanken aus. Ich spreche durch das, was wir anregen wollen in der Welt, ich spreche die Weisheit der großen, über uns stehenden, unsere Entwicklungsstufe lang hinter sich habenden großen weisen Führer. Und wir versuchen es auf alle Weise, die Stimme dieser Meister zu hören. Deshalb sind solche Lehren, wie sie in «Licht auf den Weg» stehen, als die goldenen Lehren von der theosophischen Bewegung verbreitet worden. Jener Satz

[ 26 ] What is happening there gives rise to a new sense of humility. It is not immodesty when those who speak on behalf of the Theosophical Society emphasize time and again: We do not speak from our own wisdom—no, we do not speak from our own wisdom—we speak of what the great leaders and sages of humanity continue to teach us even today. We do not speak of Masters because we presume to draw the higher truths from within ourselves, from our own source. We sit at the feet of the Masters because we know that as long as we rely on ourselves, as long as we do not make ourselves disciples of the Masters, we must remain at the stage of “I do not know.” Out of this humility, we do not express our own thoughts. I speak through what we wish to inspire in the world; I speak the wisdom of the great, wise guides who stand above us, having long since left our stage of development behind. And we try in every way to hear the voice of these Masters. That is why teachings such as those found in *Light on the Path* have been disseminated as the golden teachings of the Theosophical Movement. That sentence

Ehe vor den Meistern kann die Stimme sprechen, muss das Verwunden sie verlernen.

Before the masters, the voice can speak; only through wounding must it unlearn this.

[ 27 ] wird uns zum Leitsatz. Wir versuchen das Verwunden zu verlernen. Wir versuchen, jedem unserer Gedanken die Spitze abzubrechen die verwundet, weil wir wissen, dass Worte, die andere verletzen, das Wort des Meisters zurückwerfen. Spitze Gedanken, die verletzen, werfen die Meisterworte zurück. Wenn aber unser Herz sich erschließt wie eine Glockenblume, wenn unsere Worte weich und mild sind und nicht verwunden, dann geht rein und glockenhell die Stimme der Meister, das Wort der Meister durch uns.

[ 27 ] becomes our guiding principle. We try to unlearn how to wound. We try to blunt the sharp edge of each of our thoughts that wounds, because we know that words that hurt others reflect back on the Master’s word. Sharp thoughts that hurt reflect back on the Master’s words. But when our heart opens like a bellflower, when our words are soft and gentle and do not wound, then the voice of the Master, the Master’s word, flows through us, pure and clear as a bell.

[ 28 ] Die Stimme des Meisters hören Sie, wenn Sie widerstandslos durch die Worte, die nicht verwunden, hindurchgehen können. Dann vernehmen Sie die Worte des Meisters. Durch solche Gedanken fließen die Gedanken der Meister. Und wenn der Mensch sich so verhält, dann klingt durch ihn, durch das, was er denkt und sagt, die Stimme der Meister. Die «Meister des Zusammenklangs der Gedanken und Empfindungen» werden ihm hörbar. In diesem Sinne sprechen diejenigen, welche zu dem Meister ein wahres Verhältnis haben. Nur in diesem Sinne dürfen sie und können sie sprechen. Sonst ist ihr Wort nicht Wahrheit, sondern Betrug und Lüge. Alles, was in einem anderen Sinn als Kunde des Meisters gebracht wird, ist nicht wahr. Wahr aber ist es, dass durch die theosophische Bewegung die Gedanken und Impulse höherer Wesen fließen, wenn wir nicht unsere Gedanken verbreiten wollen, sondern uns zum Werkzeug derer machen, die heute wieder in der Welt das spirituelle Leben anfachen wollen.

[ 28 ] You will hear the Master’s voice when you can pass through the words—which do not wound—without resistance. Then you will hear the Master’s words. The Masters’ thoughts flow through such thoughts. And when a person behaves in this way, the voice of the Masters resounds through him, through what he thinks and says. The “Masters of the Harmony of Thoughts and Feelings” become audible to him. It is in this sense that those who have a true relationship with the Master speak. Only in this sense may they and can they speak. Otherwise, their words are not truth, but deception and lies. Anything presented in a sense other than as a message from the Master is not true. It is true, however, that the thoughts and impulses of higher beings flow through the Theosophical Movement when we do not seek to spread our own thoughts but make ourselves instruments of those who wish to rekindle spiritual life in the world today.

Aus der Fragenbeantwortung

From the Q&A section

Kann man das Vernehmen der inneren Stimme auch in der Natur draußen pflegen?

Is it possible to practice listening to your inner voice while out in nature?

[ 29 ] Die Schule der Einsamkeit in der Natur ist sehr wichtig. Die meisten Menschen können keine wahre Empfindung verbinden mit dem, was «Schweigen im Walde genannt wurde. Und doch liegt etwas sehr Bedeutsames dahinter. Denken Sie sich einen ganz lauten Schall immer schwächer und schwächer werden, und dann denken Sie sich ihn ganz verstummen. Sonst denken Sie nichts. Dann hören Sie nichts um sich herum. Denken Sie sich dasselbe beim Licht. Sie sehen Licht. Das Licht stumpft sich immer mehr ab; dann sehen Sie Dunkelheit. Und doch, die Dunkelheit ist nicht Nichts. Die Dunkelheit ist eine so positive Empfindung wie das Weiß. Aber sehen Sie, das NichtsHören und das Nichts-Sehen ist hervorgerufen aus dem allmählichen schwächer Werden des Lichtes und des Tones. Die ganze Dunkelheit und Lautlosigkeit ist nach und nach eingetreten. Fragen Sie sich jetzt einmal, könnte dieses schwächer und schwächer Werden des Tones nicht noch weiter fortgesetzt werden? Unter diese Nuance hinunter bis dahin, wo es noch leiser ist, als wenn man nichts hört. Im gemeinen Leben gibt das jeder zu. Einer, der immer und immer sein Geld ausgibt, der hat nichts; aber er kann doch noch weniger haben. Er kann Schulden machen. Dann hat er noch weniger als nichts. Wenn der Ton tiefer und tiefer geht, dann kommt man dazu, dass man auf der anderen Seite der Natur den Ton wieder hört. Da müssen Sie aber erst die Stimme leben lernen. Dies kann im Anfang als Stimmung empfunden werden. Wenn Sie solche Übungen machten, würden Sie schon finden, dass auf der anderen Seite der Mentalwelt für Geistesohren der neue Tag geboren wird. Wer dieses kann, der ist auf einem guten Wege. Es ist viel damit erreicht. In unseren Städten ist es aber fast unmöglich. Leicht ist es in der Natur draußen, da, wo der Frühling wirklich grünt, da, wo die Bäume, die Blätter und der Wald jeden Tag anders aussehen. Nicht umsonst sind die okkulten Stätten, in denen die Kultur gepflegt wurde, in die Natur hinausgelegt.

[ 29 ] The lesson of solitude in nature is very important. Most people cannot associate any true feeling with what has been called “silence in the forest.” And yet there is something very significant behind it. Imagine a very loud sound growing fainter and fainter, and then imagine it falling completely silent. Think of nothing else. Then you hear nothing around you. Imagine the same thing with light. You see light. The light grows dimmer and dimmer; then you see darkness. And yet, darkness is not nothingness. Darkness is just as positive a sensation as whiteness. But you see, the state of hearing nothing and seeing nothing arises from the gradual fading of light and sound. The complete darkness and silence have set in little by little. Now ask yourself: Couldn’t this gradual fading of sound continue even further? Down below this nuance, to a point where it is even quieter than when you hear nothing at all. In everyday life, everyone admits this. Someone who spends their money over and over again has nothing; but they can still have even less. They can go into debt. Then they have even less than nothing. As the tone goes deeper and deeper, you eventually reach a point where you hear the tone again on the other side of nature. But first you must learn to live the voice. In the beginning, this can be perceived as a mood. If you were to do such exercises, you would already discover that on the other side of the mental world, a new day is dawning for spiritual ears. Whoever can do this is on the right path. Much has been achieved thereby. In our cities, however, it is almost impossible. It is easy out in nature, where spring is truly green, where the trees, the leaves, and the forest look different every day. It is no coincidence that the occult sites where this culture was cultivated are situated out in nature.

Sind Pflanzenfarben hörbar? Bei Stifter habe ich einen Satz gelesen: Ich hörte die blaue Farbe der Blume.

Can plant colors be heard? I read a sentence by Stifter that went: “I heard the blue color of the flower.”

[ 30 ] Einer nicht sehr weitgehenden Sensitivität erscheinen auch die Töne in Farben und nicht nur die Farben in Tönen. Das geht noch weiter, dass, wenn ein anderer ‹I› ausspricht, gewisse Personen eine bestimmte Farbe in ihrem Bewusstsein haben. Der Anfang der neunten Symphonie ist schon in Farben umkomponiert. Der Physiologe Nussbaumer hat sich mit diesem Studium befasst, auch französische Physiologen.

[ 30 ] To a limited degree of sensitivity, sounds also appear as colors, and not just colors as sounds. This goes even further: when another person utters “I,” certain individuals perceive a specific color in their consciousness. The opening of the Ninth Symphony has already been reworked in terms of color. The physiologist Nussbaumer has studied this phenomenon, as have French physiologists.

Haben auch die Städte gewisse Farben?

Do cities have certain colors, too?

[ 31 ] Ja, Berlin ist grau, Wien rot. Die gotische Kirche ist astral ein Musikstück, mental ein Tongebilde.

[ 31 ] Yes, Berlin is gray, Vienna is red. The Gothic church is, on an astral level, a piece of music; on a mental level, a tonal structure.