Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b
16 October 1905, Berlin
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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
16. Selbsterkenntnis Und Gotteserkenntnis
16. Self-Knowledge and Knowledge of God
[ 1 ] Am Freitag um sieben Uhr ist eine Versammlung des Besant-Zweiges. Auf der Tagesordnung steht: «Vorbesprechung der am Sonntag stattfindenden Generalversammlung». Am Sonntag um zehn Uhr ist die Generalversammlung: Berichterstattung über die Geschäftsführung und so weiter. Falls die Generalversammlung es zulässt, wird um vier Uhr nachmittags eine mehr sachliche Besprechung über Theosophie stattfinden. In der Versammlung am nächsten Montag werde ich sprechen über «Okkultismus, Esoterik und Theosophie. Ich bitte, darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Thema mit den augenblicklichen Strömungen zusammenhängen wird. Ich bitte, so viel wie möglich, auch auswärtige Mitglieder einzuladen.
[ 1 ] There will be a meeting of the Besant Branch on Friday at 7:00 p.m. The agenda includes: “Preliminary discussion of the General Assembly to be held on Sunday.” The General Assembly will take place on Sunday at 10:00 a.m.: reports on the management of the organization, and so on. If time permits at the General Assembly, a more substantive discussion on Theosophy will take place at 4:00 p.m. At next Monday’s meeting, I will speak on “Occultism, Esotericism, and Theosophy.” Please note that this topic will relate to current trends. I ask that you invite as many members from outside the local chapter as possible.
[ 2 ] Heute möchte ich zunächst einiges über «Selbsterkenntnis und «Gotteserkenntnis zu Ihnen sprechen. Das sind zwei Begriffe, die im Sinne des okkulten Weltstrebens sehr leicht misszuverstehen sind und die erfahrungsgemäß auch sehr leicht und häufig missverstanden werden. Immer wieder und wieder lesen Sie in theosophischen Büchern und hören Sie in diesen oder jenen populären theosophischen Vorträgen oder auch in anderen Vorträgen, die verwandten Richtungen angehören, dass der Mensch das göttliche Selbst in seiner Seele trägt, es in sich trägt, und dass er, um zur Gotteserkenntnis zu kommen, dieses Selbst nur sprechen zu lassen brauche, dann wird er damit auch die höchste Gotteserkenntnis in sich selbst finden. Die «Erkenntnis des göttlichen Selbst ist fast zu einem geflügelten Wort geworden. So wahr es ist, dass als ein heiliger Leitspruch vor jeder theosophischen Versammlung der alte Satz «Erkenne dich selbst» stehen sollte, so wahr ist es auch, dass dieses «Erkenne dich selbst» die größten Schwierigkeiten bereitet. Mit dem Verstehen dieses Satzes wollen wir uns heute ein wenig beschäftigen: «Erkenne dich selbst — und der andere Spruch Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, der Anfang zur Besserung. «Selbsterkenntnis klingt ja viel trivialer, ist aber doch ebenso wahr. Diese beiden Sprüche müssen sich gegenseitig durchaus ergänzen. Ich habe Menschen kennengelernt, die kamen mir entgegen mit dem Ausspruch: «Ich bin das Atma, in mir lebt das göttliche Selbst, in mir lebt der Gottesmensch» — und dergleichen ähnliches mehr. Derjenige, der eindringen will in die okkulten Lebensauffassungen, der muss sich vor allen Dingen die triviale Auffassung solcher Aussprüche gründlich abgewöhnen. Und heute wollen wir einmal vom Standpunkte des Okkultisten über diese Aussprüche einiges erörtern. Der Okkultist spricht nicht so, und niemals werden seine Worte geradezu die sein: «Selbsterkenntnis ist Gotteserkenntnis». - Aber um das im richtigen Lichte zu sehen, müssen wir uns fragen: Was können wir eigentlich in uns selbst finden? Wie viel können wir von uns selbst lernen? Ich will Ihnen an die Spitze dieses Vortrages einen Ausspruch solcher Individualitäten stellen, welche über uns alle weit hinausgeschritten sind und von denen wir alle viel lernen müssen. Sie sagen uns über die Selbsterkenntnis: «Viel lernen wir» - also die höheren Individualitäten - «von der Natur um uns herum, viel lernen wir durch das menschliche Leben um uns her. Unendlich Wertvolles lernen wir von unseren älteren Brüdern; gar nichts lernen wir von uns selbst.»
[ 2 ] Today I would like to begin by speaking to you about “self-knowledge” and “knowledge of God.” These are two concepts that are very easily misunderstood in the context of occult pursuits and which, as experience shows, are indeed very easily and frequently misunderstood. Time and again, you read in theosophical books and hear in various popular theosophical lectures—or even in other lectures belonging to related movements—that human beings carry the Divine Self within their souls, that they bear it within themselves, and that, in order to attain knowledge of God, they need only allow this Self to speak; then they will thereby also find the highest knowledge of God within themselves. “Knowledge of the divine Self” has almost become a catchphrase. Just as it is true that the ancient saying “Know thyself” should stand as a sacred motto before every Theosophical gathering, so it is also true that this “Know thyself” presents the greatest difficulties. Today let us reflect a little on the meaning of this phrase: “Know thyself”—and the other saying, “Self-knowledge is the first step, the beginning of improvement.” “Self-knowledge” sounds much more trivial, yet it is just as true. These two sayings must certainly complement one another. I have met people who approached me with the statement: “I am the Atma; the divine Self lives within me; the God-man lives within me”—and similar expressions. Anyone who wishes to delve into occult views of life must, above all, thoroughly rid themselves of the trivial interpretation of such sayings. And today we want to discuss these sayings from the occultist’s point of view. The occultist does not speak this way, and his words will never be, “Self-knowledge is knowledge of God.” - But to see this in the right light, we must ask ourselves: What can we actually find within ourselves? How much can we learn about ourselves? I would like to begin this lecture with a saying from those individualities who have advanced far beyond all of us and from whom we all have much to learn. They tell us about self-knowledge: “We learn much”—that is, the higher individuals—“from the nature around us; we learn much through the human life around us. We learn things of infinite value from our elder brothers; we learn nothing at all from ourselves.”
[ 3 ] Halten wir uns diesen Ausspruch wohl vor Augen. Es ist ein Spruch derjenigen, die uns weit vorangeschritten sind in der Entwicklung. Wer sich klar macht, was der Mensch eigentlich ist, der wird diesen Ausspruch allmählich verstehen lernen. Was ist der Mensch? Da müssen wir auf manches zurückblicken, was in diesen Stunden hier von uns besprochen worden ist. Wir wissen ja, dass der Mensch nicht etwas ist, das aus dem Nichts heraus geboren ist. Wir wissen, dass er die Wiederverkörperung seiner früheren Persönlichkeit ist. Wenn wir den Menschen von heute betrachten, so müssen wir uns fragen: In welchen Persönlichkeiten war dieser Mensch früher verkörpert? Und da kommen wir zu einer Reihe von Lebensläufen der vor uns stehenden Individualität. Und wenn wir auch bis zur ersten Inkarnation eines solchen Menschen gelangt sind, so sind wir noch immer nicht an einen Anfang gekommen. Wir gelangen nur in ältere Regionen. Der Mensch war noch nichts, was dem ähnlich sieht, was er heute ist. Aber er war schon etwas. Und weiter hinaus finden wir den Menschen drinnen liegend in den Tatsachen und Wesen der Dinge der Vergangenheit. Da finden wir die Ursachen zu dem gegenwärtigen menschlichen Dasein. Und wenn wir uns fragen: Was sind wir? —, so haben wir zu sagen: Wir sind die Wirkung der früheren Lebensläufe, der Tage früherer Zeiten. Wenn wir uns heute so recht anschauen, sind wir im Grunde genommen nichts anderes als dasjenige, was sich zusammensetzt aus den Ursachen unserer früheren Taten und der Taten der in uns wirkenden Mächte der Welt. Wir sind eine Folge der Vergangenheit, und alles, was wir in uns finden können, das ist in der Vergangenheit einmal geschehen. Was in uns Persönlichkeit ist, das war Tat - Karma, persönliches, individuelles oder Weltenkarma - in der Vergangenheit. Wir sind ein Ausdruck dieses Karma. Und könnten wir so richtig in uns hineinblicken mit wirklicher Selbsterkenntnis, dann finden wir, wenn wir die Schulung durchmachen, die uns die okkulten Schulen gewähren, die eigenen früheren Lebensläufe, die Menschen, die mit uns früher verbunden waren, dann finden wir uns verstrickt mit der Menschenwelt, die um uns herum ist.
[ 3 ] Let us keep this saying firmly in mind. It is a saying from those who are far ahead of us in our development. Anyone who comes to understand what a human being actually is will gradually learn to understand this saying. What is a human being? To answer this, we must look back on some of what we have discussed here in recent sessions. We know, after all, that a human being is not something born out of nothing. We know that he is the reincarnation of his former personality. When we consider the human being of today, we must ask ourselves: In which personalities was this person previously incarnated? And this brings us to a series of life histories of the individual standing before us. And even if we have traced a person back to their very first incarnation, we have still not reached a beginning. We are merely entering older realms. The human being was not yet anything resembling what he is today. But he was already something. And going further back, we find the human being embedded within the facts and essences of past events. There we find the causes of present-day human existence. And when we ask ourselves, “What are we?”—we must say: We are the effect of past life courses, of the days of earlier times. When we truly look at ourselves today, we are, in essence, nothing other than that which is composed of the causes of our past deeds and the deeds of the world’s forces at work within us. We are a consequence of the past, and everything we can find within ourselves has already happened once in the past. What constitutes our personality was an action—karma, whether personal, individual, or world karma—in the past. We are an expression of this karma. And if we could truly look within ourselves with genuine self-knowledge—if, as we undergo the training provided by the occult schools, we were to discover our own past lives and the people with whom we were once connected—then we would find ourselves entangled with the human world that surrounds us.
[ 4 ] Wenn wir das zu Rate ziehen, was ich in früheren Stunden hier gesprochen habe, dann wissen wir auch, wohin wir zu sehen haben, wenn wir die Sache in anderer Form sehen wollen. Bevor wir physisch wurden, waren wir Astralleib. Der ist die Summe von Leidenschaften und Begierden, wie sie sich damals vorbereitet haben und wie sie dann im physischen Leibe herausgekommen sind. Was in unserem physischen Körper heute wirkt, ist der Astralleib der Vergangenheit. Der hatte die Triebe und Leidenschaften in sich. Und was wir außerhalb von uns in den Tieren sehen, das sind die Leidenschaften, die sich von uns abgespalten haben. Sehen Sie hinaus auf den Löwen, so können Sie sagen: Diese Löwennatur habe ich einst in mir gehabt; ich habe sie hinausgeworfen, damit ich mich höher entwickeln kann. Was als Trieb in mir ist, habe ich abgestreift und geläutert. Zu einer Harmonie verschmolzen habe ich sie in mir, während sie sich draußen im Tierreich ausgebreitet haben. Meine astrale Vergangenheit sehe ich ausgebreitet in den verschiedenen Tiergruppen der Welt.
[ 4 ] If we refer to what I have spoken about here in earlier lectures, then we also know where to look if we want to view the matter from a different perspective. Before we became physical beings, we were astral bodies. That body is the sum of the passions and desires as they took shape back then and as they subsequently manifested in the physical body. What is at work in our physical body today is the astral body of the past. It contained those instincts and passions. And what we see outside of ourselves in animals are the passions that have split off from us. When you look out at the lion, you can say: I once had this lion-like nature within me; I cast it out so that I could develop to a higher level. I have shed and purified what was an instinct within me. I have fused them into harmony within myself, while they have spread out in the animal kingdom. I see my astral past spread out across the various animal groups of the world.
[ 5 ] Und ehe ich in dem Astralkörper war, war ich in dem Mentalkörper. Auch damals habe ich Wesen abgestreift, um mich höher zu entwickeln. Und in der Pflanzenwelt, die ich um mich sehe, sehe ich die ganze Vergangenheit im Mentalkörper. Die köstlichen Früchte der Pflanzen drücken sie aus.
[ 5 ] And before I was in the astral body, I was in the mental body. Even back then, I shed forms in order to evolve to a higher level. And in the plant world I see around me, I see the entire past in the mental body. The plants express it through their delicious fruits.
[ 6 ] Und wenn ich in die allertiefste Natur hineinschaue, in das, was in mir selbst Verstand und Bewusstsein geworden ist, dann muss ich diesen denkenden Verstand in seinen verschiedenen Bildern und Formen in der ganzen mineralischen Natur wahrnehmen. Auch dies ist ein Teil meiner eigenen Vergangenheit.
[ 6 ] And when I look into the very depths of nature, into that which has become intellect and consciousness within myself, then I must perceive this thinking intellect in its various images and forms throughout the entire mineral kingdom. This, too, is a part of my own past.
[ 7 ] Sehen Sie, wir begreifen die mineralische Welt, weil wir sie einst selbst waren. Wir begreifen den Bergkristall, weil wir ihn aus uns abgesondert haben. Was unser Verstand denkt, das hat einst die ganze mineralische Welt geschaffen. So ist unsere eigene Wesenheit um uns ausgebreitet, und indem wir in dieser Welt Umblick halten, erblicken wir nur unser eigenes Selbst, unser vergangenes Selbst. Und indem wir die Menschen um uns herum sehen, Menschen, die vielleicht auf einer niedrigeren Entwicklungsstufe stehen, indem wir das alles um uns herum sehen, sehen wir die Bilder unserer eigenen früheren Verkörperungen und bilden unsere eigene spätere Verkörperung. So wie mancher Mensch um uns herum heute ist, so waren wir einst selbst. [So wie die Hottentotten waren wir; im Göttlichen werden wir einst sein.]
[ 7 ] You see, we understand the mineral world because we ourselves were once part of it. We understand rock crystal because we have separated it from ourselves. What our mind thinks is what once created the entire mineral world. Thus, our own being is spread out around us, and as we look around in this world, we see only our own self, our past self. And as we look at the people around us—people who may be at a lower stage of development—and as we look at everything around us, we see the images of our own past incarnations and form our own future incarnation. Just as some people around us are today, so were we once. [Just as the Hottentots were, so were we; in the Divine, so shall we be one day.]
[ 8 ] So kommen wir zu einem Bild der Vergangenheit und zu einem Bild der Zukunft. Naturerkenntnis ist Selbsterkenntnis, Spiegel der Vergangenheit und der Zukunft. Das bedenkend spricht aus dem tiefsten des Innern heraus im Grunde genommen das einzig klärende Wort über die Selbsterkenntnis die Vedanta-Weisheit, die wunderbarste Weisheit, die jemals die Welt hervorgebracht hat: ‹Tat twam asi› — ‹Das bist du›. Es gibt kein Ding in der Außenwelt, das nicht zu unserem Sein, zu unserem Selbst gehörte. Sehen Sie den Stein an, auf den Sie treten - das ist etwas, was einst mit Ihrem eigenen Selbst verbunden war. Sehen Sie die Pflanzen und die Tiere an - alles das sind Stücke unseres eigenen Selbst. Sie waren einst hineingewoben in unser Selbst. Wir gehören mit Vergangenheit und Zukunft zu einem einzigen Wesen zusammen. Deshalb sagen wir zu dem, was draußen im Raume sich ausbreitet: ‹Das bist du›.
[ 8 ] This brings us to a vision of the past and a vision of the future. Knowledge of nature is self-knowledge, a mirror of the past and the future. Reflecting on this, the only truly illuminating word on self-knowledge—spoken from the very depths of the innermost self—is the wisdom of Vedanta, the most wondrous wisdom the world has ever produced: “Tat twam asi”—“That you are.” There is nothing in the external world that does not belong to our being, to our Self. Look at the stone you are stepping on—it is something that was once connected to your own Self. Look at the plants and the animals—all of these are fragments of our own Self. They were once woven into our Self. We belong, together with the past and the future, to a single Being. That is why we say to what spreads out in space: “That is you.”
[ 9 ] Nicht das ist Selbsterkenntnis, wenn Sie hineinschauen in Ihr Inneres, sondern gerade, wenn Sie hinausschauen in die Welt mit dem Bewusstsein, dass in jedem Weltenwesen ein Stück Ihres eigenen Wesens ist: Nicht in dir ist die Welt, sondern draußen auf dem großen Tableau des Universums. Nicht aus dir, sondern zunächst aus dem großen Tableau des Universums spricht der schöpferische Gott. Selbsterkenntnis erlangst du, indem du Welterkenntnis erlangst, indem du hörst auf jegliches Wesen der Natur, indem du die Sinne und geistigen Organe öffnest für das, was aus der Außenwelt zu dir spricht. Nicht verschließen sollst du dich gegen die Außenwelt, sondern öffnen das Selbst nach außen, indem du das Selbst zunächst entäußerst und dir bewusst wirst, dass in der Außenwelt draußen dein wahres Selbst ist, das geschaffen hat in den urältesten Zeiten das, was noch als wahrnehmbar in dir ruht. Fühle dich eins mit dem, was im Raume draußen lebt und webt, und fühle dies in dem Ausspruch: «Das bist dw. [Der Stein draußen ist die Ursache, dass gewisse Dinge in dir sind. Fühle, indem du Minerale anschaust: ‹Das bist du›.]
[ 9 ] Self-knowledge does not come from looking inward, but rather from looking out into the world with the awareness that a part of your own being exists in every being in the world: The world is not within you, but out there on the great canvas of the universe. It is not from within you, but first and foremost from the great canvas of the universe, that the creative God speaks. You attain self-knowledge by attaining knowledge of the world, by listening to every being in nature, by opening your senses and spiritual faculties to what speaks to you from the outside world. You must not shut yourself off from the outside world, but rather open your self outward by first emptying your self and becoming aware that in the outside world lies your true self, which in the most ancient times created that which still rests within you as something perceptible. Feel at one with what lives and weaves in the space outside, and feel this in the saying: “That is you.” [The stone outside is the cause of certain things being within you. Feel this as you look at minerals: “That is you.”]
[ 10 ] Der Mensch gehört nicht allein der Vergangenheit an, sondern auch der Zukunft. Er muss in die Zukunft hineinwirken; er muss lernen, was er einst sein wird. Dieses Selbst, das wir in uns tragen, wird einst etwas ganz anderes sein als das, was es heute ist. Aber was es in der Zukunft sein wird, das können wir nicht in unserem Selbst finden. Das liegt nicht in unserem Selbst. Unser Selbst ist Karma — Wirkung der Vergangenheit. Was das Selbst hieraus macht, das werden wir erst in der Zukunft sein. Das können wir aber nicht lernen von uns selbst, sondern nur von denjenigen, welche eine Stufe weiter geschritten sind als wir, von unseren älteren Brüdern, die in einer Reinkarnation stehen, die vorgeschrittener ist als die unsrige. Deshalb sagt der höher entwickelte Mensch: Das, was ich war und was ich sein werde, das muss ich lernen. Viel kann ich lernen von der mich umgebenden Natur, sehr viel von den mich umgebenden Menschen, unendlich Wertvolles kann ich lernen von meinen älteren Brüdern, gar nichts von mir selbst - und er meint damit das im Augenblick gegenwärtige Selbst.
[ 10 ] Human beings do not belong solely to the past, but also to the future. They must influence the future; they must learn what they will one day become. This self that we carry within us will one day be something entirely different from what it is today. But we cannot find within ourselves what it will be in the future. That does not lie within ourselves. Our self is karma—the effect of the past. What the self makes of this is what we will become in the future. But we cannot learn this from ourselves; we can learn it only from those who have advanced a step further than we have—from our elder brothers who are in a stage of reincarnation that is more advanced than our own. That is why the more highly developed person says: “What I was and what I will be—I must learn that.” I can learn much from the nature that surrounds me, a great deal from the people around me, and infinitely valuable lessons from my elder brothers—but nothing at all from myself—and by that he means the self that is present at this very moment.
[ 11 ] Es muss vielleicht mehr begriffen werden, dass ein tieferes Selbst ausgebreitet draußen in der Natur ist, insofern es seine Ursache in der Vergangenheit hat. Und es muss ferner begriffen werden, dass in dem, was unsere älteren Brüder, die weisen Brüder der Menschheit erlebten, uns heute eine Vorzeichnung für unsere eigene Zukunft ist. So müssen wir verstehen, dass wir Selbsterkenntnis nicht entgegenhalten können dem, was unsere älteren weisen Brüder lehren, sondern dass wir unser eigenes Selbst in diesen älteren Brüdern zu sehen haben, dass wir unsere Zukunft selbst in diesen älteren Brüdern zu sehen haben. Das, was sie heute sind, werden wir einst sein, [und wollen wir lernen, was wir in der Zukunft sein werden,] dann müssen wir uns sagen lassen, was sie bereits durchgemacht haben. Wie könnten die Tiere, Pflanzen und niedrigstehenden Menschen eine Aufklärung geben über ihr Selbst? Dasjenige, was wir heute sind, werden diese in einer späteren Zeit sein. Aber wir können unser eigenes Selbst uns nur aufklären lassen von denjenigen, die angelangt sind an den Stufen, zu denen wir noch kommen müssen.
[ 11 ] Perhaps we need to understand more fully that a deeper self is spread out there in nature, insofar as it has its origin in the past. And we must further understand that what our elder brothers—the wise brothers of humanity—experienced serves as a foreshadowing of our own future today. Thus, we must understand that we cannot set our self-knowledge against what our elder, wise brothers teach, but rather that we must see our own self in these elder brothers, that we must see our own future in these elder brothers. What they are today, we will one day be; [and if we wish to learn what we will be in the future,] then we must allow ourselves to be told what they have already gone through. How could animals, plants, and the lowest forms of humanity provide insight into their own selves? What we are today, they will be at a later time. But we can only gain insight into our own selves from those who have reached the stages we have yet to attain.
[ 12 ] So können wir nur in Demut sitzen zu den Füßen der großen Lehrer des Menschengeschlechts. Die Weisen Indiens sprechen: Der Schüler hat andächtig zu sitzen zu den Füßen des großen Guru. - Das schließt nicht Selbsterkenntnis aus, sondern das schließt Selbsterkenntnis ein, die wahre Selbsterkenntnis. Denken Sie sich: Ich sitze zu den Füßen des erhabenen Guru -, da darf ich nicht sagen: Ich will nicht von dir lernen, sondern von mir selbst. - Das wäre eine Verkennung des wahren, höheren Selbst. Das höhere Selbst spricht aus allen. Aus seinen Worten spricht auch mein Selbst.
[ 12 ] Thus, we can only sit humbly at the feet of the great teachers of the human race. The sages of India say: The disciple must sit devoutly at the feet of the great guru. — This does not exclude self-knowledge; rather, it includes self-knowledge—true self-knowledge. Consider this: I sit at the feet of the exalted Guru—there I must not say, “I do not want to learn from you, but from myself.”—That would be a misunderstanding of the true, higher Self. The higher Self speaks through everyone. My own Self also speaks through its words.
[ 13 ] Das, was ich lernen kann von meinem Selbst, das tönt mir aus den Lippen meines Guru. Theorie, graue Theorie ist es, wenn man meint, das eigene Selbst solle man sprechen lassen. Und wahre esoterische Praxis ist es, wenn man die älteren Brüder der Menschheit hört. Das, was wir sind, was unser Selbst uns zu sagen hat, spricht am besten ein solches Buch aus wie «Licht auf den Weg» oder ähnliches. In den ewigen Sätzen, die Sie in diesem Buch finden oder im Neuen Testament, namentlich im Johannes-Evangelium oder in den ehrwürdigen Schriften der großen Meister, da tönt Ihr Selbst zu Ihnen. Und wenn Sie lautlos und still werden in dem, was Sie selbst jetzt sind als Wirkung der Vergangenheit zu den Füßen des Guru - er braucht nur entwickelter zu sein als Sie selbst —, dann tönt Ihnen Ihr eigenes Selbst belehrend in die Ohren, in Ihre Seelen.
[ 13 ] What I can learn from my own self comes to me through the words of my guru. It is mere theory—gray theory—to think that one should let one’s own self speak. True esoteric practice, however, is listening to the elder brothers of humanity. What we are—what our true self has to say to us—is best expressed in a book such as *Light on the Path* or something similar. In the timeless sentences you find in this book, or in the New Testament—namely, in the Gospel of John—or in the venerable writings of the great masters, your true self speaks to you. And when you become silent and still in what you yourself are now—as a result of the past—at the feet of the guru—who need only be more advanced than you yourself—then your own Self speaks instructively into your ears, into your souls.
[ 14 ] Und indem an Sie ein Satz herantritt, wie er hier steht: «Erwarte das Blühen der Blume in der Stille nach Sturmgebraus, nicht früher», dann ist das ein Ausspruch eines Meisters, der die Stufe längst durchgemacht hat, auf der ich stehe und der mich belehren kann über mein Selbst. Deshalb sagt der Okkultist: Vor allem habe ich mich zu vertiefen in dasjenige, was die weisen Führer der Menschheit hervorgebracht haben. Und da steigt er in Demut und Gelassenheit stufenweise empor. Zuerst hören wir auf dasjenige, was uns die Großen der Menschheit zu sagen haben, die auf allen Gebieten aufgetreten sind und die weiser waren als wir. Wir blicken auf zu den großen Künstlern, zu den großen weisen Führern, sofern sie uns in der äußeren, exoterischen Geschichte entgegentreten.
[ 14 ] And when a sentence such as this one comes to you: “Wait for the flower to bloom in the stillness after the storm has raged—not before,” this is the saying of a master who has long since passed through the stage at which I now stand and who can instruct me about my true self. That is why the occultist says: Above all, I must immerse myself in what the wise guides of humanity have produced. And thus he ascends step by step in humility and serenity. First, we listen to what the great figures of humanity have to say—those who have emerged in all fields and who were wiser than we are. We look up to the great artists, to the great wise leaders, insofar as they appear to us in external, exoteric history.
[ 15 ] Wenn wir ein Bild von Raffael auf uns wirken lassen, wenn wir des Platons große Werke über die Unsterblichkeit der Seele oder seinen «Phaidon» in uns eindringen lassen, wenn wir auf uns wirken lassen die Schriften, die uns zum Beispiel unser deutscher Johann Gottlieb Fichte oder ähnliche große Männer hinterlassen haben, dann spricht unser Selbst mit uns, dann redet unser Selbst mit uns, und dann ranken wir uns auf der ersten Stufe hinauf zu einem höheren Element unseres Selbst. Dann, wenn wir das, was auf dieser Stufe steht in uns, aufgenommen haben, wenigstens teilweise, dann können wir an die Tiefen derjenigen, die sich nicht nennen, weil auf ihren Namen nichts ankommt, etwa in eine solche Schrift wie «Licht auf den Weg», die nur durch das Werkzeug Mabel Collins niedergeschrieben wurde, die aber von einem großen, weisen Führer herrührt, dann ranken wir uns hinauf zu höheren Stufen.
[ 15 ] When we allow a painting by Raphael to take effect upon us, when we let Plato’s great works on the immortality of the soul or his “Phaedo” penetrate our being, when we allow the writings left to us by, for example, our German philosopher Johann Gottlieb Fichte or other great men like him to take effect upon us, then our self speaks to us, then our self converses with us, and then we climb the first step toward a higher element of our self. Then, once we have taken in—at least in part—what lies within us at this level, we can delve into the depths of those who do not name themselves, because their names are of no consequence—for example, into a text such as *Light on the Path*, which was written down only through the medium of Mabel Collins but originates from a great, wise guide—and then we climb upward to higher levels.
[ 16 ] So spricht auch unser Selbst zu uns durch das Evangelium, durch die Bhagavad Gita, durch die uralten Schriften der Menschheit. Das alles ist unser Selbst, was da spricht, und wir finden es am besten, wenn wir es nicht in uns, sondern außer uns suchen, wie es in dem Vedantaspruch heißt: ‹Tat twam asi› — ‹Das bist du›.
[ 16 ] In the same way, our true self speaks to us through the Gospel, through the Bhagavad Gita, and through the ancient scriptures of humanity. All of this is our Self speaking, and we find it best when we seek it not within ourselves but outside of ourselves, as the Vedanta saying goes: “Tat twam asi”—“That you are.”
[ 17 ] Und dann, wenn wir nichts mehr verspüren davon, dass wir uns selbst etwas zu sagen haben, wenn wir bloß noch ein Gefäß sein wollen, wenn wir alles hingegeben haben, was mit unserem engeren Selbst, das eine Wirkung ist, zusammenhängt, dann, erst dann spricht höhere Individualität zu uns. Dazu gehört aber noch so manches, vor allen Dingen eine tüchtige Berücksichtigung des Spruches, dass die Selbsterkenntnis, die Erkenntnis unseres sogenannten Innern, der Anfang zum Willen zur Vervollkommnung auch der Erkenntnis ist, dass wir durch unser Selbst gar nichts lernen. In Wahrheit gibt sich der Mensch durch dieses Selbst den schwersten Täuschungen hin. Dieses Selbst - sehen Sie es sich einmal an. Sind Sie selbst es bei Ihren täglichen Verrichtungen? Sind Sie es selbst, wenn Sie zum Essen gehen? Sind Sie es selbst, wenn Sie Ihren Geschäften nachgehen? Eine klare Selbsterkenntnis wird Ihnen sagen, dass Sie es nicht selbst sind, sondern, dass es Naturtriebe sind. Was Ihr physischer Leib, was die Natur aus Ihnen macht, das treibt Sie, das nur stößt und drückt in Ihnen. Es ist die größte Illusion, wenn jemand sagt: Ich esse, ich gehe spazieren, ich besorge dieses oder jenes Geschäft - denn er ist nicht der Treibende, sondern der Getriebene. Für den, der sich hineinversenkt in diese Selbsterkenntnis, ist sie nicht die Quelle für die Wahrheit, die er in seinem Selbst etwa finden könnte, sondern er bemerkt, dass er gerade in seinem Selbst die Außenwelt findet, das, was ihn von außen stößt und treibt. Selbst wenn Sie noch so sehr mit Ihrer gegenwärtigen Individualität zusammenhängen, was sind Sie? Sie sind das Ergebnis Ihrer karmischen Entwicklung von früher. Das, was wir heute denken und fühlen, das denken und fühlen wir so, weil wir in früheren Lebensläufen zu diesem oder jenem getrieben worden sind. Die früheren Leben wirken durch unser Leben hindurch.
[ 17 ] And then, when we no longer feel that we have anything to say to ourselves, when we wish only to be a vessel, when we have surrendered everything connected with our narrower self—which is an effect—then, and only then, does higher individuality speak to us. But this involves many other things as well, above all a thorough consideration of the saying that self-knowledge—the knowledge of our so-called inner self—is the beginning of the will to perfection, as well as the realization that we learn nothing at all through our self. In truth, through this self, human beings succumb to the most severe delusions. This self—take a good look at it. Are you truly yourself in your daily activities? Are you truly yourself when you go to eat? Are you truly yourself when you go about your business? Clear self-knowledge will tell you that it is not you yourself, but rather natural instincts. What your physical body does—what nature makes of you—is what drives you; it merely pushes and presses within you. It is the greatest illusion when someone says, “I eat, I go for a walk, I take care of this or that business”—for he is not the one driving, but the one being driven. For those who immerse themselves in this self-knowledge, it is not the source of the truth they might otherwise find within themselves; rather, they realize that it is precisely within themselves that they find the external world—that which pushes and drives them from without. Even if you are deeply connected to your present individuality, what are you? You are the result of your karmic development from the past. What we think and feel today, we think and feel in this way because we were driven toward this or that in previous lifetimes. Past lives continue to influence our present life.
[ 18 ] Wenn Sie sich in der Selbsterkenntnis fragen: Warum tue ich dieses oder jenes, da kommen Sie nicht auf Ihr Selbst, sondern auf die früheren Ursachen in Ihren Lebensläufen. Und wenn Sie noch weitergehen, selbst prüfen, was Sie in dem gegenwärtigen Leben sich angeeignet haben, finden Sie dasselbe. Nehmen Sie nur die Sprache. Ist die Sprache Ihr Selbst? Sie sprechen, Sie meinen zu sprechen. Kann der Mensch sprechen aus seinem Selbst heraus? Wenn das so wäre, es müsste jeder Mensch neue Worte bilden können, jeder Mensch müsste die Sprache aus seinem Selbst heraus gebären. Aber die Sprache spricht, die Sprache des Stammes, des Volkes. Das ganze Volk spricht durch die Sprache. Das ganze Volk steht hinter uns und spricht zu uns, durch uns.
[ 18 ] When, in the process of self-knowledge, you ask yourself, “Why do I do this or that?” you do not arrive at your true self, but rather at the earlier causes in your past lives. And if you go even further, examining for yourself what you have acquired in this present life, you will find the same thing. Take language, for example. Is language your Self? You speak; you think you are speaking. Can a person speak from within their own Self? If that were the case, every person would have to be able to form new words; every person would have to give birth to language from within their own Self. But it is language that speaks—the language of the tribe, of the people. The entire people speak through language. The entire people stand behind us and speak to us, through us.
[ 19 ] Wir können immer weiter nach Selbsterkenntnis trachten und werden finden, dass das Selbst immer weiter aus uns herausgeht. Und wenn wir verstehen «Tat twam as», und dieses Selbst ausgebreitet und ausgegossen sehen über die Außenwelt, dann leben wir in Selbsterkenntnis. Das muss man sich nur ganz klar machen und man muss es einmal gefühlt haben, was es heißt, so ausgehöhlt durch die Selbsterkenntnis vor sich selbst zu stehen. Ausgehöhlt steht der Selbsterkennende vor sich selber. Öde und finster muss es erst werden in uns, wenn wir das Ende der Selbsterkenntnis erreicht haben wollen. Da, wo wir früher Wärme empfanden, da fühlen wir später durch die Selbsterkenntnis, dass diese Wärme nicht unserem Herzen entströmt, sondern dass sie erst hineingegossen ist durch die Außenwelt und dass unser Selbst nur der Zusammenfluss der Kräfte der Außenwelt ist. An die Stelle eines jeden arroganten Gefühls des Selbst treten dann die vollkommenste Bescheidenheit und die Erkenntnis, dass wir nichts sind gegenüber der Umwelt. Dürre und Öde und Ausgehöhltheit ist das Ergebnis jener Selbsterkenntnis, die nur in sich selbst suchen will. Wenn wir da angelangt sind und einsehen, dass unser Selbst ganz in der Außenwelt liegt, dann sind wir reif, einfließen zu lassen die Lehren unserer älteren Brüder, dann sprechen sie zu uns, die Siegelbewahrer unseres höheren Selbstes, wenn wir nichts mehr sein wollen von diesem höheren Selbst. Unser niederes Selbst ist draußen ausgebreitet in den verschiedenen Etappen, und unser höheres Selbst ist draußen ausgebreitet in denen, die weiter gekommen sind als wir.
[ 19 ] We can continue to strive for self-knowledge, and we will find that the self keeps moving further and further away from us. And when we understand “Tat twam as,” and see this self spread out and poured out over the external world, then we live in self-knowledge. One must simply make this very clear to oneself and must have felt at least once what it means to stand before oneself, hollowed out by self-knowledge. The self-knowing person stands before himself, hollowed out. It must first become desolate and dark within us if we wish to reach the end of self-knowledge. Where we once felt warmth, we later come to realize through self-knowledge that this warmth does not flow from our heart, but has instead been poured into it by the outside world, and that our self is merely the confluence of the forces of the outside world. Every arrogant sense of self is then replaced by the utmost humility and the realization that we are nothing in comparison to our surroundings. Barrenness, desolation, and hollowness are the result of that self-knowledge which seeks only within itself. When we have reached that point and realize that our self lies entirely in the external world, then we are ready to allow the teachings of our elder brothers to flow into us; then they speak to us—the keepers of the seals of our higher self—when we no longer wish to be anything of this higher self. Our lower self is spread out there in the various stages, and our higher self is spread out there in those who have progressed further than we have.
[ 20 ] Selbsterkenntnis ist Welterkenntnis, und der Anfang der Selbsterkenntnis ist der, dass unser Selbst von außen in uns einströmen muss. Keiner kann den Weg gehen und den Spruch fühlen: «Suche den Weg der inneren Versenkung», ohne getrieben zu sein zu dem anderen Spruch: «Suche den Weg, indem kühn du heraustrittst aus dir selbst.» Das ist erst wahre Selbsterkenntnis, dass nicht mehr in uns selbst gesucht wird, sondern in der Außenwelt. Und dann enthüllt sich uns etwas von der Zukunft, von dem, was noch nicht ist. Es gibt nämlich solche, die heute schon vermöge ihrer weiteren Entwicklung hineinsehen können in dasjenige, was unser eigenes Selbst erst in der Zukunft sehen wird.
[ 20 ] Self-knowledge is knowledge of the world, and the beginning of self-knowledge is that our self must flow into us from the outside. No one can walk the path and feel the saying, “Seek the path of inner contemplation,” without being drawn to the other saying: “ Seek the path by boldly stepping out of yourself.” True self-knowledge consists in no longer seeking within ourselves, but in the outside world. And then something of the future—of what is not yet—is revealed to us. For there are those who, by virtue of their further development, can already glimpse today what our own self will see only in the future.
[ 21 ] Wir sind hindurchgegangen durch die astrale, durch die mentale Welt, und wir werden uns wieder hinaufringen zu einer astralen und mentalen Welt durch diese unsere physische Welt hindurch. Aber dazu müssen wir uns erst die Kraft entwickeln, um uns zu diesen höheren Welten hinaufzurücken, wo wir mit Tod abgehen; sie können gesehen werden von unseren älteren Brüdern. [Die Welten, die jenseits des Todes liegen, sie können gesehen werden von unseren älteren Brüdern.] Derjenige, der in Demut die Stufe der älteren Brüderschaft erreicht hat, der sieht innerhalb des Lebens schon jene Reiche, welche der Mensch betritt, wenn er durch das Tor des Todes geschritten ist.
[ 21 ] We have passed through the astral and mental worlds, and we will once again strive upward toward the astral and mental worlds through this physical world of ours. But to do so, we must first develop the strength to ascend to these higher worlds, where we depart with death; they can be seen by our elder brothers. [The worlds that lie beyond death can be seen by our elder brothers.] He who has humbly attained the level of the elder brotherhood already sees, within this life, those realms which man enters when he has passed through the gate of death.
[ 22 ] Und wie lernt der Mensch, in diese Welt hineinzuschauen? Nicht durch Selbstbebrütung, sondern durch Hinhorchen auf dasjenige, was uns unsere älteren Brüder sagen; durch das Begreifen des Satzes, dass Selbsterkenntnis Hinhorchen ist auf die Unterweisung der älteren Brüder. In den Worten unserer älteren Brüder liegen die Kräfte, die uns nicht nur unterrichten, nicht nur belehren, sondern in unserem eigenen Astralleib, in unserem eigenen Mentalleib Organe, Geistesaugen und Geistesohren erwecken. Indem der Guru zu mir spricht, fließen Ströme in mich ein, die in mir Geistesaugen und Geistesohren erwecken, wodurch ich selbst hineinsehen lerne in die Welten, in die er hineinsehen kann. Erst, wenn ich nicht mehr brauchen will, was in mir ist und nur Wirkung der Vergangenheit ist, wenn ich mich ausgehöhlt habe und in das leere Gefäß den Inhalt der höheren Brüder einfließen lasse, dann bekomme ich den Inhalt, der mich hineinblicken lässt in die Zukunft des Menschenlebens.
[ 22 ] And how does a person learn to look into this world? Not through self-contemplation, but by listening to what our elder brothers tell us; by understanding the principle that self-knowledge is listening to the instruction of the elder brothers. In the words of our elder brothers lie the powers that not only teach us, not only instruct us, but also awaken organs, spiritual eyes, and spiritual ears within our own astral body and our own mental body. As the Guru speaks to me, streams flow into me that awaken spiritual eyes and spiritual ears within me, through which I myself learn to look into the worlds that he can see. Only when I no longer want what is within me—which is merely the effect of the past—only when I have emptied myself and allow the content of the higher brothers to flow into this empty vessel, only then do I receive the content that enables me to look into the future of human life.
[ 23 ] So ist für den wahren Okkultisten in der Praxis die Selbsterkenntnis das bescheidene Anhören derjenigen, die das schon gelernt haben, was er noch zu lernen hat. Und am meisten lernt man unter diesem Gesichtspunkte. Deshalb verehrt der Okkultist den Schüler und den Meister, und er sucht den Schüler und den Meister nicht in sich selbst, sondern in dem anderen größeren Selbst, das draußen in der Welt ist. Selbsterkenntnis heißt für den Okkultisten Hingabe zu einem Schüler und zu dem Meister; und das größere Selbst bei ihm suchend auch hier den Spruch bewahrheitend: «Das bist dw.
[ 23 ] Thus, for the true occultist, self-knowledge in practice means humbly listening to those who have already learned what he still has to learn. And it is from this perspective that one learns the most. That is why the occultist reveres the disciple and the master, and seeks them not within himself but in the other, greater Self that exists out in the world. For the occultist, self-knowledge means devotion to a disciple and to the master; and in seeking the greater Self in them, he also fulfills the saying: “That is you.”
[ 24 ] Und unbescheiden im höchsten Sinne des Wortes wäre es, zu sagen, dass man in sich das finden könnte, was unsere älteren Brüder lehren. Deshalb wird man so bescheiden, wenn man ein wenig vorschreitet in der Erkenntnis. Deshalb gewöhnt man sich ab, von einem bestimmten Punkte an jemals seine eigene Meinung zu sagen. Denn was ist diese? Nichts als eine Wirkung des Karma. Aber wenn man dasteht und seine eigene Meinung unterdrückt, alles, wozu man selbst glaubt aufgerufen zu haben, zunächst schweigen lässt und auf das hört, was uns von der Außenwelt entgegentönt von denen, die es weiter gebracht haben als wir selbst, dann verdienen wir, wirklich gehört zu werden. Und dann weiß auch der einfache Mensch, der in diesem Sinne lebt, Schönes und Großes zu sagen. Wenn ein Mensch nur seine Meinung vertritt, wird er Ihnen sehr wenig zu sagen haben. Wenn ein Mensch zu Ihnen kommt, aber nur seine Meinung vertreten will, der wird Ihnen sehr wenig sagen. Wenn er aber aus seiner Individualität heraustönen lässt die urewigen Wahrheiten derjenigen, die weiser sind als er selbst und derer er sich bewusst ist, dann wird er Ihnen - wenn auch scheinbar einfältig - unendlich vieles zu sagen haben.
[ 24 ] And it would be immodest in the truest sense of the word to say that one could find within oneself what our elder brothers teach. That is why one becomes so modest as one advances a little in knowledge. That is why, from a certain point on, one stops expressing one’s own opinion. For what is this opinion? Nothing but an effect of karma. But when one stands there and suppresses one’s own opinion, initially silences everything one believes oneself to have been called upon to express, and listens to what echoes back to us from the outside world—from those who have gone further than we ourselves have—then we deserve to truly be heard. And then even the simple person who lives in this spirit knows how to say beautiful and great things. If a person merely asserts his own opinion, he will have very little to say to you. If a person comes to you but only wants to assert his own opinion, he will say very little to you. But if, from the depths of his individuality, he gives voice to the age-old truths of those who are wiser than himself—and of whom he is aware—then he will have an infinite amount to say to you, even if it seems simple-minded.
[ 25 ] Die höchste Wahrheit tönt aus der tiefsten Bescheidenheit und Demut. Diejenigen, die die höchsten Wahrheiten gesagt haben, sie haben anders gesprochen als diejenigen, welche so häufig zu uns sprechen, die sagen: Ich meine dieses, ich glaube jenes, das ist mein Standpunkt, das ist meine Meinung. - So sprechen diejenigen nicht, die etwas weitergekommen sind; sie berufen sich auf diejenigen, die hinter ihnen stehen. Sie wissen, dass wertlos ihre eigene Meinung ist.
[ 25 ] The highest truth resounds from the deepest modesty and humility. Those who have spoken the highest truths have spoken differently from those who so often speak to us, saying: “I mean this,” “I believe that,” “that is my position,” “that is my opinion.” - Those who have progressed a little further do not speak that way; they refer to those who stand behind them. They know that their own opinion is worthless.
[ 26 ] Diejenigen, die die theosophische Bewegung gegründer haben, die, welche sie in der richtigen Weise vertreten, haben sich immer auf die Individualität berufen, die hinter ihnen steht, auf ein wahres höheres Selbst, das hinter ihnen spricht, [eine Individualität,] die Meister ist, und deshalb unser höheres Selbst ist. Die Worte der außer uns lebenden Meisterpersönlichkeiten, die teilen das eigentliche verständnisvolle Wirken der theosophischen Gesellschaft mit. Ganz und gar ergeben sie [die Gründer der theosophischen Gesellschaft] sich in ihren Willen und machen sich zu ihren Instrumenten. Das ist ihre Gesinnung. Am liebsten haben sie es, wenn sie vor andere hintreten können und sagen können: Gar nichts ist in mir, nichts soll heraustönen aus mir, ich will mich zu einem leeren Gefäß machen, aus dem der Meister spricht. Aber der soll nicht mein eigenes Selbst sein, sondern dieses höhere Selbst sollen die weisen Führer und Brüder der Menschheit sein, die neben uns leben, und deren Worte wir hören und im richtigen Sinne verstehen wollen.
[ 26 ] Those who founded the Theosophical Movement—those who represent it in the proper way—have always referred to the Individuality that stands behind them, to a true Higher Self that speaks through them, [an Individuality] that is a Master, and is therefore our Higher Self. The words of the Master personalities living outside of us convey the true, insightful workings of the Theosophical Society. They [the founders of the Theosophical Society] surrender themselves completely to the Masters’ will and make themselves the Masters’ instruments. That is their attitude. They prefer it when they can step before others and say: There is nothing in me; nothing should come forth from me; I want to make myself an empty vessel through which the Master speaks. But this Master should not be my own self; rather, this Higher Self should be the wise guides and brothers of humanity who live among us, whose words we wish to hear and understand in their true sense.
[ 27 ] Viel können wir lernen von der Natur um uns herum, sehr viel von den Menschen und dem Leben um uns herum, und das Wertvollste können wir lernen von den älteren Brüdern. Gar nichts aber sollen wir lernen aus uns selbst heraus, denn wir sind nur ein Durchgangspunkt. Wir vermögen nichts in der Welt, wenn wir diesen Durchgangspunkt in unserer Gegenwart zu dem Wirksamen machen wollen. Denken Sie sich, was Sie wären, wenn Sie nur Ihre Gegenwart wirksam machen wollten. Diese ist doch nur die Wirkung von Karma. Weisen Sie alles ab, was über Ihnen steht, so geschieht nichts durch Sie, als was schon geschehen ist. Sie wären eine unfruchtbare Frucht am Menschenbaume. Denn es ist ja alles schon geschehen, was durch Sie geschehen könnte, wenn Sie bei Ihrem eigenen Selbst bleiben. Erst wenn Sie Ihr Selbst befruchten mit dem höheren Selbst, mit dem in der Welt vorhandenen höheren Selbst, dann können Sie etwas Neues in diese Welt hineinbringen. Dann wirkt aus Ihnen etwas heraus, was nicht bloß Vergangenheit und deren Wirkung ist. Einzig und allein der Zusammenhang mit dem, was an Höherem geleistet worden ist in der Welt als wir selbst sind, einzig und allein dieser Zusammenhang und dieses volle bescheidene Bewusstsein gibt uns die Kraft, etwas Produktives in der Welt zu bewirken. Und dieser Entschluss, aus der Öde des eigenen Selbst die Verbindung zu suchen mit dem, was höher steht in der Welt als wir, dieser Entschluss ist die erste Stufe zur Schülerschaft. Wer eine andere Selbsterkenntnis sucht als die angedeutete, der kann nie im okkulten Sinne Schüler oder Chela werden. Einzig das gibt uns die Kraft, etwas zu lernen in der Welt. Ohne dieses Bewusstsein sind wir kraft- und machtlos - nichts.
[ 27 ] We can learn a great deal from the nature around us, a great deal from the people and the life around us, and the most valuable lessons we can learn from our elder brothers. But we should learn nothing at all from within ourselves, for we are merely a point of passage. We can accomplish nothing in the world if we wish to make this point of passage effective in our present moment. Imagine what you would be if you sought only to make your present moment effective. Yet this is merely the effect of karma. If you reject everything that stands above you, nothing will happen through you except what has already happened. You would be a barren fruit on the tree of humanity. For everything that could happen through you has already happened if you remain within your own self. Only when you fertilize your self with the higher self—with the higher self that exists in the world—can you bring something new into this world. Then something works out from within you that is not merely the past and its effect. Solely and exclusively the connection with what has been accomplished in the world that is higher than ourselves—solely and exclusively this connection and this full, humble awareness—gives us the strength to bring about something productive in the world. And this resolve—to seek, from the barrenness of one’s own self, a connection with that which stands higher in the world than we do—this resolve is the first step toward discipleship. Anyone who seeks a different kind of self-knowledge than the one described here can never become a student or chela in the occult sense. Only this gives us the strength to learn anything in the world. Without this awareness, we are powerless and helpless—nothing.
[ 28 ] Alle okkulten Schulen haben dieses Bewusstsein als eine volle Wirklichkeit zusammengefasst in zwei Sätze, die, wenn der Mensch sie sich nicht nur theoretisch vorhält, sondern in jedem Momente seines Lebens nach ihnen lebt, ihm eine unendliche Fülle von Seelenkraft geben, wie sie der Mensch nur haben kann. Aller Okkultismus und alles menschliche Streben überhaupt sind in diesen zwei Sätzen eingeschlossen, die wir gleich berühren wollen. Aber diese Sätze müssen so gelebt werden, dass wir bei jedem Schritt von ihnen ganz und gar durchpulst und durchflossen werden, dass wir nichts tun ohne das Bewusstsein dieser zwei Sätze. Diese zwei Sätze passen im Grunde genommen zusammen, denn das, was um uns ist, ist in uns zusammengeflossen und hat uns zu dem gegenwärtigen Standpunkt gebracht. Da stehen wir und schen uns alles an, was um uns herum ist. Das ist unsere eigene ausgebreitete Vergangenheit.
[ 28 ] All occult schools have summarized this awareness as a complete reality in two sentences which, if a person not only holds them in mind theoretically but lives by them in every moment of his life, will give him an infinite abundance of soul power, the greatest a human being can possess. All occultism and all human striving in general are encompassed in these two sentences, which we will address shortly. But these sentences must be lived in such a way that at every step we are completely permeated and filled by them, so that we do nothing without the awareness of these two sentences. These two principles are fundamentally intertwined, for what surrounds us has converged within us and brought us to our present vantage point. There we stand, taking in everything around us. This is our own unfolding past.
[ 29 ] Mehr können Sie nicht in ihrem Selbst finden. Sie finden in ihrem eigenen Astralleib die draußen ausgebreiteten Empfindungen. Alles, was empfinden kann, ist ein Spiegelbild dessen, was in Ihrem eigenen Astralkörper lebt. [Alles, was lebt, ist ein Spiegel unseres Ätherkörpers.] Was als Stein und Mineral um uns herum ist, das ist ein Spiegelbild dessen, was in dem eigenen physischen Körper lebt.
[ 29 ] You cannot find anything more within yourself. You find within your own astral body the sensations that are manifesting on the outside. Everything that can feel is a reflection of what lives within your own astral body. [Everything that lives is a mirror of our etheric body.] What surrounds us in the form of stones and minerals is a reflection of what lives within our own physical body.
[ 30 ] Ihr Ich ist zunächst ganz leer; denn Sie sagen zu ihm nichts anderes als Ich. Wollen Sie mehr in diesem Ich haben, so müssen Sie in die Zukunft schauen, müssen Sie auf das hinschauen, was nicht Vergangenheit ist für Sie selber. Dann müssen Sie sich bewusst sein, dass in der Brücke zwischen diesen beiden etwas ausgesprochen ist, was wichtig ist, nämlich, dass in der Brücke zwischen diesen beiden Sie selbst ausgesprochen sind, dass Sie nur eine Brücke sind zwischen dem, was Sie selbst entwickelt haben und dem, was sich noch entwickeln wird. Was wir sehen können, das waren wir schon; was wir sehen lernen, wenn wir auf die Unterweisungen der älteren Brüder schauen, das werden wir schauen, das arbeitet der Zukunft entgegen.
[ 30 ] Your “I” is, at first, completely empty; for you say nothing else to it but “I.” If you want to have more in this “I,” you must look to the future; you must look toward what is not the past for you yourself. Then you must be aware that something important is expressed in the bridge between these two: namely, that in the bridge between them, you yourself are expressed—that you are merely a bridge between what you yourself have developed and what is yet to be developed. What we can see, we have already been; what we learn to see when we look to the teachings of our elder brothers, that is what we will see—that is what works toward the future.
[ 31 ] So blickt der, welcher das verstanden hat, hinaus in die Welt und sagt: Das ist gewesen und ist um meinetwillen da, dass ich entstehen konnte. Was ich wahrnehmen kann, gehört alles dazu. Nehmen Sie irgendetwas aus dieser Umwelt heraus, Sie wären nicht derselbe, der Sie heute sind. Und alles hat sein müssen, damit Sie sind. Wie Sie ein Haus Stein auf Stein aufbauen, so ist es auch da. Damit die oberen Stockwerke aufgebaut werden können, muss das unterste da sein. Nehmen Sie einen einzigen Stein heraus, so sieht das Haus nicht mehr so aus, wie es aussehen soll. Ebenso ist es beim Menschen. Nehmen Sie einen Baustein heraus, so sieht er nicht mehr so aus, wie er jetzt aussieht. Das begreift man nicht gleich. Aber wie der Yogaschüler sagt, durch einige Yogaübungen lernt man dies begreifen. Blicken wir in die Welt, so sehen wir, was um uns in der Welt da ist. Blicken wir in uns selbst, so finden wir das, was werden soll, wir finden die Knospen für die Früchte der Zukunft.
[ 31 ] Thus, the one who has understood this looks out into the world and says: This has been and exists for my sake, so that I might come into being. Everything I can perceive is part of it. Take anything away from this environment, and you would not be the same person you are today. And everything had to be there for you to exist. Just as you build a house stone by stone, so it is here. For the upper floors to be built, the lowest one must be there. Take out a single stone, and the house no longer looks the way it’s supposed to. It’s the same with human beings. Take out a single building block, and they no longer look the way they do now. You don’t grasp this right away. But as the yoga student says, through certain yoga exercises one learns to understand this. When we look out into the world, we see what is around us in the world. When we look within ourselves, we find what is to come; we find the buds for the fruits of the future.
[ 32 ] Und dann sind wir uns auch klar, dass wir nicht um unserer selbst willen da sind, sondern um dessentwillen, dass wir [so] werden, wie unsere älteren Brüder sind, dass wir ihnen nachstreben als unseren Idealen. Nicht ausgeklügelten Ideen, sondern dem Beispiel [unserer älteren Brüder] sollen wir nachstreben. In der Wirklichkeit sollen wir leben, nicht in Abstraktionen. Das ist der zweite Satz.
[ 32 ] And then we also realize that we are not here for our own sake, but so that we may become like our older brothers, that we may strive to emulate them as our ideals. We should strive not for elaborate ideas, but for the example set by our older brothers. We are to live in reality, not in abstractions. That is the second sentence.
[ 33 ] So entwickelt sich das Göttliche, indem wir den Anschluss finden an das, was für uns Gegenwart ist und für uns Veranlagung ist zu einer Zukunft. Wir sind da, um des Göttlichen willen, nicht um unserer selbst willen. So denkt derjenige, der diese zwei okkulten Sätze versteht, gar nicht an sich selbst. Er denkt an das, was da ist um seinetwillen und an das, was werden soll, um dessentwillen er da ist. Aus diesen zwei Anschauungen fließt die Kraft zu wirken, nicht für uns selbst, sondern alles für das Göttliche, das sich aus uns heraus entwickelt. Das sind die zwei Grundsäulen alles Okkultismus. Wollen Sie zu den höheren Quellen hinauf, dann müssen Sie unter den Auspizien dieser zwei Sätze leben, dann müssen diese zwei Sätze alles durchseelen und durchpulsen, sie müssen Ihnen ganz intim und vertraut werden. Die zwei Sätze, in denen sich der Sinn unserer heutigen Besprechung zusammendrängen soll, sind die Sätze, die mit goldenen Lettern vor jeder Geheimschule stehen, mit Lettern, die nur zu den Seelen sprechen, sie aber wie ausgelöscht sind, wenn jemand sie mit Eigennutz oder Selbstsucht ansehen will. Wer in völliger Selbstlosigkeit die Pforte der Geheimschule betritt, sieht diese zwei Säulen aller Wirklichkeitserkenntnis, die da lauten:
[ 33 ] This is how the Divine unfolds: by connecting with what is present for us and what serves as our predisposition toward the future. We are here for the sake of the Divine, not for our own sake. Thus, the one who understands these two occult principles does not think of himself at all. He thinks of what is here for his sake and of what is to come, for the sake of which he is here. From these two perspectives flows the power to act—not for our own sake, but entirely for the Divine, which develops from within us. These are the two cornerstones of all occultism. If you wish to ascend to the higher sources, then you must live under the auspices of these two principles; these two principles must permeate and pulse through everything—they must become completely intimate and familiar to you. The two principles into which the meaning of our discussion today is to be condensed are the principles inscribed in golden letters at the entrance to every esoteric school—letters that speak only to the soul, yet seem to vanish when someone attempts to view them with self-interest or selfishness. Whoever enters the gate of the secret school in complete selflessness sees these two pillars of all knowledge of reality, which read:
«Alles um uns herum für uns. Und wir selbst für den Gott.»
“Everything around us is for us. And we ourselves are for God.”
[ 34 ] Das sind zwei Sätze, die dem Okkultisten die Kraft geben, wenn er sie ganz begriffen hat. Wir müssen wirklich lernen wollen, was um uns ist.
[ 34 ] These are two sentences that give the occultist strength once he has fully understood them. We must truly want to learn about what surrounds us.
[ 35 ] Und wenn uns jemand nach unserem höheren Selbst fragt, so müssen wir über uns hinaus deuten, nicht in eine unbestimmte, abstrakte Leerheit, sondern in eine konkrete Wirklichkeit. [Nichts haben wir in uns selbst, alles um uns herum ist da für uns, und wir sind für das Göttliche da.
[ 35 ] And when someone asks us about our higher self, we must look beyond ourselves—not into some vague, abstract void, but into a concrete reality. [We have nothing within ourselves; everything around us is there for us, and we are there for the Divine.
[ 36 ] Die beiden Grundsätze allen Okkultismus, sie standen mit goldenen geheimen Lettern, die ihren Glanz verloren, wenn ein profanes Auge sie erschaute, über den Pforten aller okkulten Schulen.] [Der Profane kann sie nicht nur nicht lesen, er kann sie auch, wenn er sie lesen würde, nicht verstehen. Das sind Sätze die dem Okkultisten Kraft geben, wenn er sie ganz begreift.]
[ 36 ] The two principles of all occultism were inscribed in secret golden letters—letters that lost their luster when a profane eye beheld them—above the gates of all occult schools.] [Not only can the profane not read them, but even if they could, they would not understand them. These are phrases that give the occultist strength when he fully comprehends them.]
[ 37 ] In diesem Sinne sollte heute gesprochen werden. Denn wenn solche Dinge verstanden werden, dann versteht man auch, dass die theosophische Bewegung nicht ohne okkulte Grundlage, nicht ohne das Wissen der Meister und nicht ohne das Wissen der höheren Welten möglich ist. Diese höheren Welten sind unsere Zukunft. Was wir heute tun, arbeiten wir in unseren Astralleib hinein, und dieser wird die spätere Welt aufbauen. Es gibt auch Seelen, die mehr hineingearbeitet haben, als wir selber sind, und diese stellen uns die Bilder unseres eigentlichen höheren Selbst auf.
[ 37 ] This is the spirit in which we should speak today. For when such things are understood, one also understands that the Theosophical Movement is not possible without an occult foundation, without the knowledge of the Masters, and without the knowledge of the higher worlds. These higher worlds are our future. What we do today, we incorporate into our astral body, and this body will build the world of the future. There are also souls who have incorporated more into their astral bodies than we ourselves have, and they present us with images of our true higher self.
[ 38 ] Wenn wir unter dem Einfluss solcher Erkenntnis leben, dann können wir allen Schwierigkeiten, die von außen kommen, in der theosophischen Bewegung begegnen. Diese Schwierigkeiten kommen in der Regel von Menschen, nicht von unseren älteren Brüdern. Und man kommt immer mehr und mehr zu der Erkenntnis, dass die Fehler solcher großen Bewegungen, wie es die theosophische Bewegung ist, nicht aus ihr heraus kommen, sondern in sie hineingetragen werden. Was ist eine solche Bewegung, wie die Theosophie es ist? Sie kann dadurch entstehen, dass eine Reihe von Menschen zusammengerufen wird, und dass durch ihre Seelen das Leben und die Weisheit der Meister fließen sollen. Nun sind sie beisammen, es strömt dieses Leben durch sie. Aber sie kamen ja von außen herein, sie sind zusammengekommen von allen Seiten, und sie bringen ihre Fehler mit, legen sie nicht gleich ab, und so müssen ihre Fehler innerhalb der Bewegung erscheinen. Aber dies sind nicht die Fehler, die aus der Bewegung selbst kommen. Die Menschen bringen die Fehler in die Bewegung hinein. Wenn Unarten in der Bewegung sind, so sind es nicht die, welche in der theosophischen Bewegung liegen, sondern solche, die auch draußen in der Welt sind. Wir müssen uns klar sein darüber: Schwere Krisen können noch kommen. Wir müssen auch die Fehler der in die theosophische Bewegung hineintretenden Menschen tragen. So sollten wir alles ansehen, was geschieht in unserer Bewegung. Manches ist zu tadeln in dem, was wir alle tun. Aber wir sind von draußen hereingekommen und haben noch die Fehler der äußeren Welt. Und seien wir uns klar darüber, dass wir durch die theosophische Bewegung diese Fehler ablegen müssen. Und wenn es die wertvollsten Mitglieder wären, so streben auch diese danach, ihre Fehler abzulegen. Es ist ein Fehler, auf die Fehler hinzuweisen. Suchen wir die Fehler in uns, und wenn Größe und Erhabenheit da ist, außer uns. Dann haben wir uns in die theosophische Bewegung richtig hineingestellt. Kritisieren wir uns und nicht die Bewegung, dann können wir weiterkommen. Das könnte uns eine Leitlinie sein für manches, was in der letzten Zeit geschehen ist, auch für das Leben in der Bewegung selbst, was der Meister in den Sätzen sagt: «Viel lernen wir in der Natur, sehr viel mehr von den Menschen und unendlich Wertvolles von den älteren Brüdern. - Nichts von uns selbst.» Höchstens das eine: Wie wir uns selbst an dem Beispiele der älteren Brüder zu verbessern haben.
[ 38 ] When we live under the influence of such insight, we can face all the difficulties that come from outside the Theosophical Movement. These difficulties usually come from people, not from our elder brothers. And one comes more and more to the realization that the faults of such great movements as the Theosophical Movement do not arise from within it, but are brought into it from outside. What is a movement such as Theosophy? It can come into being when a group of people is called together, and the life and wisdom of the Masters are to flow through their souls. Now they are together, and this life flows through them. But they came from outside; they have gathered from all directions, and they bring their faults with them—they do not cast them aside immediately—and so their faults must manifest within the movement. But these are not the faults that arise from the movement itself. People bring the faults into the movement. If there are faults in the movement, they are not those inherent in the Theosophical Movement, but rather those that also exist out in the world. We must be clear about this: serious crises may still lie ahead. We must also bear the faults of the people entering the Theosophical Movement. This is how we should view everything that happens in our movement. There is much to criticize in what we all do. But we have come from the outside and still carry the faults of the outer world. And let us be clear that through the Theosophical Movement we must cast off these faults. And even if they were the most valuable members, they, too, strive to cast off their faults. It is a mistake to point out the faults of others. Let us seek the faults within ourselves, and when there is greatness and sublimity, let us seek it outside ourselves. Then we will have placed ourselves correctly within the Theosophical Movement. If we criticize ourselves rather than the Movement, then we can make progress. This could serve as a guiding principle for many things that have happened recently, including life within the Movement itself, as the Master says in these words: “We learn much from nature, much more from people, and things of infinite value from our elder brothers. —Nothing from ourselves.” At most, this one thing: how we must improve ourselves by following the example of the elder brothers.
