Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b
28 December 1905, Berlin
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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
22. Erkenntnis der Höheren Welten III
22. Insights into the Higher Worlds III
[ 1 ] Ich darf wohl das, was wir das letzte Mal begonnen haben, in Kürze nochmals skizzieren, um dann weiter darauf aufzubauen. Sie erinnern sich, dass ich versucht habe, die verschiedenen Grade des höheren Schauens Ihnen klarzulegen, und zwar in diejenigen Tätigkeiten auseinanderzulegen, die uns in die höheren Reiche hinaufführen, in die Reiche der höheren Wesenheiten, die wir betrachten müssen, wenn wir die ganze menschliche Entwicklungsgeschichte durch die verschiedenen Planeten hindurch wirklich durchgehen wollen. Ich bitte Sie, dabei zu berücksichtigen, dass man bei einer solchen Betrachtung notwendigerweise recht skizzenhaft bleiben muss, dass man manches besprechen muss, was wirklich recht schwer in die gewöhnlichen alltäglichen Begriffe zu bringen ist, denn man hat es ja dabei zu tun mit Dingen, für die eigentlich die gewöhnliche Sprache nicht geschaffen ist. Die gewöhnliche Sprache ist dazu da, um das, was sinnlich wirklich ist, das, was uns umgibt, zu bezeichnen. Daher ist sie recht unzureichend für alle die Dinge, für die wir heute eine Vorstellung erwecken wollen.
[ 1 ] I would like to briefly outline once again what we began last time, so that we can then build on it. You will recall that I attempted to explain to you the various degrees of higher perception, breaking them down into those activities that lead us up into the higher realms—the realms of the higher beings—which we must consider if we truly wish to trace the entire history of human development through the various planets. I ask you to bear in mind that in such a consideration one must necessarily remain quite sketchy; one must discuss many things that are truly quite difficult to express in ordinary, everyday terms, for we are dealing here with things for which ordinary language was not actually created. Ordinary language is meant to describe what is sensually real—that which surrounds us. Therefore, it is quite inadequate for all the things we wish to bring to mind today.
[ 2 ] In den Schulen, in denen seit Jahrhunderten - oder genauer: seit dem vierzehnten Jahrhundert - in Europa in derselben Art solche Vorstellungen entwickelt worden sind, wie wir sie jetzt elementar öffentlich besprechen dürfen, in diesen Schulen wurde durchaus nicht — namentlich, wenn es sich um die höheren Partien handelt — in den Worten der gewöhnlichen Sprache gesprochen, sondern in einer sogenannten symbolischen Sprache. Man eignete sich erst eine bestimmte Sprache an. Man eignete sich erst eine bestimmte Art, sich auszudrücken, an, die dann die Möglichkeit bot, in jener eigentümlichen Weise zu charakterisieren, die notwendig ist, wenn man in solche übersinnlichen Gebiete eindringen will.
[ 2 ] In the schools where, for centuries—or more precisely, since the fourteenth century—such ideas have been developed in Europe in the same way that we are now freely permitted to discuss them publicly, in these schools—especially at the higher levels—one did not speak in the language of everyday speech, but rather in what is known as a symbolic language. First, one had to master a specific language. First, one had to master a specific way of expressing oneself, which then made it possible to characterize things in that distinctive manner that is necessary if one wishes to venture into such supersensory realms.
[ 3 ] Nun lassen Sie mich kurz wiederholen, was ich das letzte Mal andeutete. Ich sagte Ihnen, dass zunächst unsere gewöhnliche, alltägliche Betrachtungsweise - und das ist auch diejenige, welche unsere Wissenschaft hat - die sogenannte materielle Erkenntnis ist. Diese hat ihren Gegenstand außerhalb unserer selbst. Sie hat ihren Gegenstand in der Sinnenwelt, und sie baut dann zunächst die Erkenntnis auf mit Hilfe des Bildes, geht dann vom Bild zum Begriff und vom Begriff zum Ich. Wir haben es also zu tun in unserer materiellen Erkenntnis mit: Gegenstand, Bild, Begriff und Ich. Diese vier Dinge sind dabei zu berücksichtigen.
[ 3 ] Now let me briefly repeat what I hinted at last time. I told you that, first of all, our ordinary, everyday way of looking at things—and this is also the approach taken by our science—is what is known as material knowledge. This has its object outside of ourselves. Its object lies in the sensory world, and it initially builds knowledge with the help of the image, then moves from the image to the concept, and from the concept to the “I.” In our material cognition, we are thus dealing with: object, image, concept, and “I.” These four elements must be taken into account.
[ 4 ] Wenn wir nun zu der ersten Stufe der höheren Erkenntnis aufrücken müssen, so muss der Gegenstand wegbleiben, der äußere sinnliche Gegenstand muss wegfallen. Von dem also, was wir innerhalb unserer gewöhnlichen Erkenntnis haben, bleiben uns dann nur noch Bild, Begriff, Ich. Dafür nun, dass nicht mehr äußere Gegenstände uns anregen, dass nicht mehr äußere Gegenstände auf unsere Sinnlichkeit wirken, dass die Sensation nicht mehr da ist, dafür tritt die Illumination ein, die für unsere gewöhnlichen Bilder Bilder vom Innern heraus bildet, sodass sie nicht Visionen sind, nicht Illusionen, sondern zu dem werden, was die Mystiker aller Zeiten Imaginationen genannt haben. Wenn man sich einen richtigen Begriff von dem machen will, was man hier Imagination nennt, dann muss man schon absehen können, richtig absehen können von allem, was noch eine Anlehnung an einen äußeren Gegenstand fordert. Ich glaube, das letzte Mal erwähnt zu haben, dass dies Schülern, welche man heranbilden will zu dieser Erkenntnisart, oftmals große Enttäuschung bringt. Der Mensch erwartet, dass, wenn sich ihm eine höhere Erkenntnis bieten soll, die sich so ausnimmt, wie das beim gewöhnlichen Leben der Fall ist, dass sie von außen an ihn herantritt. Das war auch bei dem Spiritismus der Fehler. Ich will nichts gegen den Spiritismus sagen. Der Fehler lag nur in der Methode. Der Irrtum ist der, dass der Spiritist die Dinge vor sich hat wie einen irdischen Gegenstand, der seine Sinnlichkeit anregt. Deshalb ist es auch im Grunde genommen keine gute Vorschule für ein höheres Erkennenwollen, wenn man gerade durch den Spiritismus geht, obgleich ich sehr gut weiß, dass viele unserer besten Theosophen durch den Spiritismus durchgegangen sind. Aber in den Zeiten, bevor durch die Theosophische Gesellschaft diese höheren Erkenntnisse in ihren elementaren Stufen populär gemacht worden sind, hatte man keine Schulen. Man hat da durchaus nicht aufgebaut auf der spiritistischen Methode. Man ist direkt darauf losgegangen, den Menschen so umzubilden, dass er imstande ist, ohne äußere Veranlassung sich wirklich zu erheben in die übersinnliche Welt. Der Spiritist versucht, die übersinnliche Welt zu seinem gewöhnlichen Anschauungsvermögen herunterzuholen. Er sagt sich: Ich kann so erkennen, dass die äußeren Gegenstände mich anregen; wenn nun die höhere Welt eine Wirklichkeit haben soll, so muss mir das Wesen einer höheren Welt ebenso erscheinen wie die gewöhnlichen Wesen. Sie müssen sich hineinbequemen in mein Anschauungsvermögen. Der Okkultist aber sagt: Nein, die Gegenstände und Wesenheiten einer höheren Welt gehen nicht hier herunter, nicht dahin, wo man mit den Augen sieht und mit den Händen greift, sondern man muss zu ihnen hinaufsteigen, man muss die Organe, die notwendig sind, um in der höheren Welt zu sehen, in sich entwickeln. Daher ist für die heutige Menschheit eine viel bessere Schulung als irgendwelche äußere Veranstaltung, um zu dem höheren Schauen zu kommen, der Durchgang - so sonderbar es auch demjenigen erscheinen mag, der etwas anderes erwartet -, der Durchgang durch die Künste. Das, was der Mensch, wenn er nicht direkt durch die Schule des Hellsehens durchgeht, ausnützen sollte, um wieder zu einem vertieften Schauen zu kommen, zu einer Imagination zu kommen, das ist die Vertiefung in dasjenige, was ihm die Kunst geben kann, und zwar die Kunst auf allen Gebieten. Da müssen wir uns klar sein darüber, welche Rolle die Kunst seit langer Zeit in dem Entwicklungsgang unserer Menschheit spielt. Durch solche Dinge wird uns auch manches klar, was sonst außerordentlich schwer auseinanderzusetzen ist.
[ 4 ] If we are now to advance to the first stage of higher knowledge, then the object must be set aside; the external sensory object must be eliminated. Thus, of what we possess within our ordinary knowledge, only image, concept, and “I” remain. In place of external objects no longer stimulating us, of external objects no longer acting upon our sensibility, and of sensation no longer being present—in place of all this comes illumination, which forms images from within for our ordinary images, so that they are not visions, not illusions, but become what mystics of all ages have called “imaginations.” If one wishes to form a correct concept of what is here called “imaginations,” then one must already be able to disregard—truly disregard—everything that still requires a reference to an external object. I believe I mentioned last time that this often causes great disappointment for students whom one seeks to train in this mode of cognition. People expect that if a higher form of knowledge is to be offered to them—one that appears as it does in ordinary life—it will approach them from the outside. That was also the mistake in spiritualism. I do not wish to speak against spiritualism. The mistake lay solely in the method. The error is that the spiritualist perceives things as if they were earthly objects that stimulate the senses. That is why, fundamentally, spiritualism is not a good preparatory school for a desire for higher knowledge, even though I know very well that many of our best Theosophists have passed through spiritualism. But in the days before the Theosophical Society popularized these higher insights at their elementary levels, there were no schools. They did not build upon the spiritualist method at all. They set out directly to transform people in such a way that they would be capable of truly ascending into the supersensible world without external prompting. The spiritualist attempts to bring the supersensible world down to the level of his ordinary perception. He tells himself: I can recognize that external objects stimulate me; if the higher world is to be a reality, then the beings of a higher world must appear to me just as ordinary beings do. They must fit into my sphere of perception. The occultist, however, says: “No, the objects and beings of a higher world do not descend here—not to the realm where one sees with the eyes and grasps with the hands—but one must ascend to them; one must develop within oneself the faculties necessary to see in the higher world.” Therefore, for humanity today, a far better training—than any external activity—to attain higher vision is the path—however strange it may seem to those who expect something else—the path through the arts. What a person—if not passing directly through the school of clairvoyance—should make use of in order to return to a deeper form of seeing, to attain imagination, is immersion in what art can offer, and indeed art in all its forms. Here we must be clear about the role art has long played in the course of human development. Through such things, many things become clear to us that would otherwise be extremely difficult to understand.
[ 5 ] Folgen Sie dem Rat zu dem Zwecke, um das, was ich zu sagen habe, anschaulich zu bekommen. Folgen Sie mir einmal in das, was man die griechischen Mysterien nennt, die griechischen Mysterien, in der Zeit, bevor Homer seine Gedichte geschrieben hat. Jene Zeiten, in denen dieser griechische Geist und Seher lange Urdramen vorgetragen hat, die die besten Geister gesucht haben. Aber weil sie nicht befähigt waren, hellseherisch zurückzublicken, keine positive Wissenschaft darin gefunden haben, so zeigt sich das, was sie geleistet haben, mehr wie eine Ahnung als ein wirkliches Erkennen. Gehen Sie aber zurück in diese früheren Zeiten, in die zum Beispiel Nietzsche hineinschauen wollte, als er begrifflich das Dionysische im Gegensatz zum Apollinischen fasste, gehen wir zurück in diese Zeiten, so sehen wir, wie Lehrer die Schüler hinführten in verborgene Kulturstätten und sie vorbereiteten, um da das Urdrama zu sehen. Was haben Sie da gesehen? Das Geheimnis des Weltendaseins und der Weltentwicklung haben sie gesehen. Das, was wir uns bemühen, durch viele Worte klarzustellen, das wurde in astraler Anschauung, in wirklicher Schau von diesen Schülern durchlebt: die herabsteigende Gottheit, die sich ins Materielle hineinsenkte, die sich in das Materielle hineingesenkt hat vor Urzeiten. Und dann die Umwandlung dieser ursprünglichen Gestaltung der Materie zu den Formen, die heute uns umgeben — zu den Mineralien, Pflanzen und Tieren. Das wurde da gezeigt, wie einstmals die unsichtbare, übersinnliche Gottheit im All schaffend war, und wie sie sich da jene Früchte gebildet, verdichtet hat, von denen unsere Schöpfung ausgegangen ist, wie gleichsam wie aus Wolkengebilden das Physische aus dem Geistigen hervorkam und wie aus den anfänglichen Gestaltungen sich allmählich die komplizierten und zuletzt der mikrokosmische Mensch sich herausbildete. Dieser ganze Gang des Weltenwerdens wurde vor den Schüler hingestellt. Man nannte das «die große Welttragödie. Zuerst die große lebendige Gottheit, die sich hineinsenkte in die Materie, die darin begraben wird, um im Menschen wieder aufzuleben, die lebendig begraben werdende und wieder auflebende Gottheit. Und nun wurde vor dem Schüler klar gemacht: In dir selbst vollzieht sich dieser Vorgang, in dir hat er sich vollzogen und vollzieht sich noch fortwährend. Du warst schon dabei in jenen Gestaltungen, die sich da vollzogen haben vor Urzeiten. In jenen Gestaltungen warst du im Anfange des Werdens, und die wandelten sich und wandelten sich bis zu deiner heutigen Gestalt. Heute hast du zu fühlen, wie das, was als Seele, was als Geist in dir lebt, wieder aufgeht, wie das, was sich hineinversenkt hat in die Materie, die Gottheit, sich wieder erhebt wie aus einem Grabe, aus dem die Gottheit aufersteht, und dass, wenn du dann «Ich» aussprichst, die Gottheit sich in dir ausspricht. Das alles wurde in vollständiger Anschaulichkeit dargelegt. Und damit vereinigten sich die Dinge, die der heutigen Menschheit längst abhanden gekommen sind. Es war dies möglich dadurch, dass man diese Schüler in einen ganz anderen Bewusstseinszustand versetzte, als in dem, in welchem der Mensch im Alltagsleben ist, sodass er umgeben war von den lebendigen Bildern des ganzen Weltenwerdens. Es handelt sich also darum, dass die Schüler sozusagen in sich hineinscheinen fühlten das Bewusstsein, das ihnen die Gegenstände des Alltags sichtbar machte. Die äußeren Gegenstände vergingen um sie herum, aber das, was man versuchte, ihnen zu zeigen, trat in viel lebendigeren Farben in ihnen auf, als sich jemals die Gegenstände der Natur sich würden darbieten können. Das Feuer der Gottheit stand vor ihrer Seele. Und das Feuer, das sich metamorphosierte, sodass aus ihm alles andere hervorging, das war da so ähnlich, wie dem Träumer in oberflächlicher Weise der Traum vorkommt.
[ 5 ] Follow this advice so that you may fully grasp what I have to say. Let me take you on a journey into what are known as the Greek Mysteries—the Greek Mysteries—from the time before Homer wrote his poems. Those were the times when this Greek spirit and seer recited ancient dramas that the greatest minds sought out. But because they were unable to look back clairvoyantly and found no positive science in them, what they achieved appears more like a hunch than true knowledge. But if you go back to those earlier times—the ones Nietzsche, for example, sought to glimpse when he conceptually distinguished the Dionysian from the Apollonian—if we go back to those times, we see how teachers led their students to hidden cultural sites and prepared them to witness the primordial drama there. What did they see there? They saw the mystery of the world’s existence and the world’s evolution. What we strive to clarify with many words was experienced by these students through astral vision, through true insight: the descending Deity who sank into the material world, who sank into the material world in primeval times. And then the transformation of this original form of matter into the forms that surround us today—into minerals, plants, and animals. It was shown there how, long ago, the invisible, supersensible Deity was creating in the cosmos, and how it formed and condensed those fruits from which our creation arose, how, as it were, the physical emerged from the spiritual out of cloud-like formations, and how, from the initial forms, the more complex ones gradually developed, culminating in the microcosmic human being. This entire process of the world’s becoming was presented to the students. This was called “the great world tragedy.” First, the great living deity that sank into matter, was buried within it, only to come to life again in the human being—the deity that is buried alive and comes to life again. And now it was made clear to the student: This process takes place within you; it has taken place within you and continues to do so. You were already present in those forms that came into being in time immemorial. In those forms, you were at the beginning of becoming, and they transformed and transformed until they reached your present form. Today you must feel how that which lives within you as soul, as spirit, rises again; how that which has sunk into matter—the divinity—rises again as from a grave from which the divinity is resurrected; and that when you then utter “I,” the divinity expresses itself within you. All of this was presented with complete clarity. And through this, things that have long since been lost to modern humanity were reunited. This was made possible by placing these students in a state of consciousness entirely different from that in which human beings find themselves in everyday life, so that they were surrounded by the living images of the entire process of world-becoming. The point, then, is that the students felt, so to speak, the consciousness that made the objects of everyday life visible to them shining within themselves. The external objects faded away around them, but what one sought to show them appeared within them in far more vivid colors than the objects of nature could ever present themselves. The fire of the deity stood before their souls. And the fire, which underwent a metamorphosis so that everything else emerged from it, was there in a way similar to how a dream appears to the dreamer on a superficial level.
[ 6 ] Wenn Sie sich diesen Traum übersetzen in etwas, was Regelmäßigkeit und Harmonie hat und im großen Maße als das, was uns in der Außenwelt umgibt, dann haben Sie eine schwache Vorstellung davon, was in der Seele eines solchen Schülers des Urdramas vorging. Da sagte man von einem solchen Schüler, dass er die Welt gesehen habe im Zwielicht. In diese Bilder tönte dann hinein das Weltenereignis, dieses ganze Weltenwerden. Ein Abdruck von solcher Imagination, von solchen Bildern um uns herum, ist die sichtbare Kunst. Sie verhält sich zu dieser Imagination, zu dieser Schau, wie sich das Schattenbild zu dem wirklichen Gegenstand verhält. Sie hat also eine solche Verwandtschaft zur hellscherischen Imagination, während unser materielles Sehen keine Verwandtschaft hat zur hellseherischen Imagination.
[ 6 ] If you interpret this dream as something that possesses regularity and harmony—and, to a large extent, as that which surrounds us in the external world—then you have a faint idea of what was going on in the soul of such a student of the primal drama. It was said of such a student that he had seen the world in twilight. Into these images then resounded the world event, this entire process of the world’s becoming. An imprint of such imagination, of such images around us, is the visual arts. It relates to this imagination, to this vision, just as a shadow relates to the actual object. It thus shares a kinship with clairvoyant imagination, whereas our material vision has no kinship with clairvoyant imagination.
[ 7 ] Die künstlerische Phantasie ist ein Schatten der Imagination. Damit ist nicht gesagt, [dass ich die künstlerische Phantasie als minderwertiger hinstellen wollte als das Hellsehen]. Damals, als die Menschen noch hellseherische Fähigkeiten erwecken konnten, sodass sie hellsehen konnten, hineinsehen konnten in die uralten Zeiten, da gab es noch keine Kunst. Was man da erlebte, war zugleich Religion und zugleich Kunst und zugleich Wissenschaft. Alles, was die Menschen in die höheren Welten führte, das war darin geboten. Später trennten sich diese drei. Diesen Zustand musste die Menschheit durchmachen. Und seit der Zeit ist die Kunst äußeres Schattenbild. Die äußere Kunst ist inneres imaginatives Schauen. Es gehört zum Entwicklungsgang, dass die Menschheit dieses ursprüngliche Schauen für eine Weile verloren hat. Was erweckt worden ist dadurch, das ist ein anderer Bewusstseinszustand. Und der stellt in einer späteren Gegenwart die Kunst in greifbarer, sichtbarer Form vor. Deshalb ist das künstlerische Schauen so vorteilhaft für das imaginative Schauen. Das ist die erste Stufe: die Illumination.
[ 7 ] Artistic imagination is a shadow of the imagination. This is not to say [that I intended to portray artistic imagination as inferior to clairvoyance]. Back then, when people could still awaken their clairvoyant abilities—so that they could see into the distant past—art did not yet exist. What was experienced then was at once religion, art, and science. Everything that led people into the higher worlds was contained therein. Later, these three separated. Humanity had to go through this phase. And since that time, art has been an outer shadow image. Outer art is inner imaginative vision. It is part of the course of development that humanity lost this original vision for a time. What has been awakened as a result is a different state of consciousness. And this presents art in a tangible, visible form in a later present. That is why artistic vision is so beneficial for imaginative vision. This is the first stage: illumination.
[ 8 ] Die zweite Stufe war diejenige, wo auch das Bild verschwindet, wo wir es nur mit Begriffen und Ich zu tun haben, und wo [anstelle des Bildes] die Inspiration eintritt. Inspiration ist dann für den Menschen da, wenn die sogenannte Kontinuität des Bewusstseins eintritt. Kontinuität des Bewusstseins heißt: Der Mensch hat nicht nur Bewusstsein während des Alltagslebens, sondern er setzt dieses Bewusstsein in den Schlaf hinein fort. Eine teilweise Aufhellung des Schlafes ist, wie Sie wissen, das Traumbewusstsein. Dieses Traumbewusstsein hat der gewöhnliche Mensch nur in einer chaotischen Weise. Bei dem, welcher sich zum Hellsehen, zur Illumination hinaufentwickelt, fangen die Traumbilder an, regelmäßig, gesetzmäßig zu werden. Er sieht im Traum Wahrheiten, die er, ohne dass er dieses Traumleben zur Regelmäßigkeit ausbildet, nicht sieht. Bei solchen, noch nicht entwickelten Menschen gibt es immer den traumlosen Schlaf als einen Bewusstseinszustand. Es gibt also hellseherische Individuen, welche es so weit bringen, dass sie einen Teil ihres Schlafes ausgefüllt haben von regelmäßigen, neue Welten enthüllenden Träumen. Damit beginnt diese Stufe des illuminativen Hellsehens, der Imagination. Dann sehen Sie auch, wie andere Menschen, in denen sie das nicht haben, in dem Traume leben.
[ 8 ] The second stage was the one in which the image also disappears, where we are dealing only with concepts and the “I,” and where [in place of the image] inspiration takes its place. Inspiration is present for a person when the so-called continuity of consciousness sets in. Continuity of consciousness means that a person is not only conscious during everyday life but continues this consciousness into sleep. As you know, a partial brightening of sleep is dream consciousness. The ordinary person experiences this dream consciousness only in a chaotic manner. For those who develop toward clairvoyance and illumination, the dream images begin to become regular and orderly. In their dreams, they see truths that they would not see unless they cultivate this dream life into a regular practice. For such undeveloped individuals, dreamless sleep always remains a state of consciousness. There are, therefore, clairvoyant individuals who have progressed to the point where they have filled a portion of their sleep with regular dreams that reveal new worlds. This marks the beginning of this stage of illuminative clairvoyance, the imagination. Then they also see how other people, who do not possess this ability, live within their dreams.
[ 9 ] Nun muss derjenige, der einen solchen Menschen anleitet, ihn dahin bringen, dass er, dieser Schüler, seine Traumanschauungen herüberbringen kann in die alltägliche Wirklichkeit; das heißt, dass er dasjenige, was er in dieser Traumvorstellung wahrnimmt, auch im Alltagsleben wahrnehmen kann. Verständigen wir uns darüber einmal ganz klar. Der gewöhnliche Träumer: Was sieht er? Er hat etwas erlebt am Tage. Das kommt ihm als Reminiszenz im Traume vor. Es ist ein Nachklang von den Tageserlebnissen. Oder aber, er nimmt seine Umgebung in irgendeiner Weise wahr. Er hört einen Eisenbahnzug, der vorübersaust. Er wacht auf und merkt, dass er die neben ihm tickende Uhr symbolisch als Eisenbahnzug wahrgenommen hat. Oder es können auch die Stimmungen, in denen ein Mensch ist, sich symbolisch im Traum ausdrücken. Zum Beispiel: Der Mensch wird fiebrig und träumt von einem kochenden Ofen. Ich erzähle Ihnen hier Tatsachen, die wirklich einmal passiert sind. Ich bitte zu berücksichtigen, dass ich nur wirklich einmal vorgekommene Ereignisse als Beispiele anführe. Nehmen wir nun an, der Mensch träumt von hässlichen Tieren. Das Chaotische hört dann unter der Leitung des Geheimlehrers auf, da nimmt dann der Schüler Dinge wahr, die nicht aus dem alltäglichen Leben stammen. Es enthüllen sich ihm dann Dinge, die er nicht aus unserer Welt kennt. Erst wenn der Schüler imstande ist, dieses ins Alltagsleben herüberzutragen, dann machen wir das, was er erfährt, zum Gegenstand der okkulten Weisheit.
[ 9 ] Now, the person guiding such an individual must help him—this student—to bring his dream visions into everyday reality; that is, to enable him to perceive in everyday life what he perceives in these dream visions. Let’s be very clear about this. The ordinary dreamer: What does he see? He has experienced something during the day. This appears to him as a reminiscence in his dream. It is an echo of his daytime experiences. Or else, he perceives his surroundings in some way. He hears a train rushing by. He wakes up and realizes that he has symbolically perceived the clock ticking next to him as a train. Or the moods a person is in can also express themselves symbolically in a dream. For example: A person runs a fever and dreams of a boiling stove. I am telling you facts here that actually happened once. Please keep in mind that I am citing only events that actually occurred as examples. Now let’s assume a person dreams of ugly animals. Under the guidance of the secret teacher, this chaos then ceases, and the student begins to perceive things that do not originate from everyday life. Things are then revealed to him that he does not know from our world. Only when the student is able to carry this over into everyday life do we make what he experiences the subject of occult wisdom.
[ 10 ] Wie wird nun das, was ich charakterisiert habe als chaotisch, regelmäßig gemacht? Es fängt elementar an. Sie träumen zum Beispiel unter der Anleitung des Lehrers. Die Übungen werden als Meditationen vollzogen, und die haben dann die Wirkung, dass Sie im Traume wirklich sehen einen leidenden Menschen. Der leidende Mensch ist vor Ihnen in einer gewissen Situation. Sie überzeugen sich sehr bald, dass sie nicht geträumt haben, auch dass es nicht wirklich ist, sondern sie überzeugen sich, dass sie bei einem Freunde waren, der leidend ist oder leidend gewesen ist. Sie haben da nichts Sinnliches gesehen, sondern Sie haben da die Seele erfahren, das wirkliche Seelenleben. Sie erfahren dann nicht nur ein solches einzelnes Seelenleben, sondern sie erfahren Seelenleben bald in Hülle und Fülle. Sie müssen sich hineinfinden in die Mannigfaltigkeit der Gesichte. Sie müssen lernen, sie ordnungsgemäß zu erfassen. Es ist dies eine lange, geduldige Arbeit, aber machen müssen wir sie. Dann träumen wir das herüber in das Alltagsleben.
[ 10 ] So how is what I have described as chaotic made into something orderly? It starts with the basics. For example, you dream under the guidance of the teacher. The exercises are performed as meditations, and they have the effect of making you actually see a suffering person in your dream. The suffering person is before you in a certain situation. You very soon become convinced that you were not dreaming, nor that it is real—but rather, you become convinced that you were with a friend who is suffering or has suffered. You did not see anything sensory there, but rather you experienced the soul, the true life of the soul. You will then experience not only a single soul life of this kind, but soon you will experience soul life in abundance. You must find your way into the diversity of these visions. You must learn to grasp them properly. This is a long, patient process, but we must undertake it. Then we will carry this over into our everyday life.
[ 11 ] Sie werden dann imstande sein, im Alltage dasselbe zu sehen bei vollkommen wachendem Bewusstsein. Sie sehen dann nicht, was sinnlich ist, sondern was seelisch ist. Sie müssen sich vorstellen, dass Sie umgeben sein werden von dem Seelischen. Wenn Sie als Hellseher dem Menschen gegenüberstehen, so werden sie zunächst nichts anderes sehen als irgendein anderer Mensch auch sieht. Wenn Sie aber die Aufmerksamkeit auf sein Seelisches wenden, so wird er Ihnen seelisch durchsichtig. Da muss aber der richtige Traumzustand vorangegangen sein. Dann kommt schon das andere, denn es sind ja ganz bestimmte Stufen.
[ 11 ] You will then be able to see the same thing in everyday life while maintaining full consciousness. You will then see not what is physical, but what is spiritual. You must imagine that you will be surrounded by the spiritual. When you, as a clairvoyant, stand face to face with a person, at first you will see nothing more than any other person sees. But when you turn your attention to their soul, they become spiritually transparent to you. This, however, must be preceded by the proper dream state. Then the rest will follow, for these are, after all, very specific stages.
[ 12 ] Die nächste Stufe ist die, wo das Bewusstsein nicht mehr schwindet, wenigstens nicht zu schwinden braucht, wo also der traumlose Schlaf bei Bewusstsein absolviert wird, wo Sie imstande sind, morgens früh so aufzuwachen, dass Sie wissen, Sie haben die ganze Nacht Erfahrungen gemacht, wirklich erlebt. Diese Erfahrung des traumlosen Schlafes ist nicht in solchen Sinnbildern. Sie lässt sich zunächst nicht vergleichen mit der Welt der Bilder, die im traumerfüllten Schlaf um uns herum sind. Das, was hier zuerst auftritt im traumlosen Schlaf, ist eine Welt des Tönens und Redens, eine Welt der Töne und Worte. Der traumlose Schlaf wird zunächst mit Worten ausgefüllt. Sehen Sie, in den ersten Stadien dieser hellseherischen Entwicklung erfahren Sie zunächst das ganz sporadisch und einzeln. Sie wissen einfach morgens, da ist mir irgendetwas gesagt worden. Sie erinnern sich an das, was Ihnen da zugerufen worden ist. Sie wissen ganz genau: So etwas würde Ihnen im gegenwärtigen Leben, im gewöhnlichen Leben nicht zugerufen werden können. Es ist vielleicht eine große Wahrheit, die Sie im gewöhnlichen Leben nicht erfahren könnten. Irgendetwas Geistiges war dieses Zurufen, dieses Hören. Das wird immer mehr und mehr ausgebreitet, bis endlich das ganze Leben des traumlosen Schlafes ein fortwährendes Unterreden ist mit anderen Wesenheiten.
[ 12 ] The next stage is one in which consciousness no longer fades—or at least does not need to fade—where dreamless sleep is experienced while conscious, where you are able to wake up early in the morning knowing that you have had experiences all night long, truly lived through them. This experience of dreamless sleep does not take the form of such symbols. At first, it cannot be compared to the world of images that surrounds us in dream-filled sleep. What first appears here in dreamless sleep is a world of sounds and speech, a world of tones and words. Dreamless sleep is initially filled with words. You see, in the early stages of this clairvoyant development, you initially experience this only sporadically and in isolated instances. You simply know in the morning that something was said to you. You remember what was called out to you. You know quite precisely: Something like this could not be called out to you in your present life, in your ordinary life. It is perhaps a great truth that you could not experience in ordinary life. This calling out, this hearing, was something spiritual. It becomes more and more widespread until, finally, the entire life of dreamless sleep is a continuous conversation with other beings.
[ 13 ] Eine Vorbedingung allerdings, um in dieser Welt sich nicht Illusionen hinzugeben, ist dies, dass man schon bis zu einem gewissen höheren Grade innerer Selbstlosigkeit es gebracht hat. Derjenige, der viel kritisiert, viel Abfälliges über die Welt und ihre Erscheinungen gerne sagt, der wird auf dieser Stufe der Entwicklung sehr oft vielleicht den furchtbarsten, trügerischen Vorstellungen ausgesetzt sein. Daher wird der Lehrer den Schülern vor allen Dingen immer wieder eines einschärfen. Er wird dem Schüler sagen: Versuche, immer und immer wieder bloß Fragen zu stellen und dir die Antworten aus diesem Zustand heraus geben zu lassen. Das ist etwas ganz anderes, als man eigentlich im gewöhnlichen Leben macht. Im Leben ist man rasch fertig mit einer Antwort. Versuchen Sie einmal, von diesem Gesichtspunkte aus, das Leben zu betrachten. Jeder Mensch sagt heute: «Ich meine das», oder: «Das ist meine Anschauung.» So sagen heute die Menschen. Der Okkultist aber, der auf diese Stufe sich erheben will, sollte nie so reden. Aber, wenn er sich vorbereitet hat, so sollte er anders innerlich zu reden imstande sein. Er soll an die Welt Fragen stellen und sich ganz enthalten lernen, selber eine Antwort darauf zu geben. Das ist eine Stimmung, die Goethe, der sie kannte, mit einfachen Worten schildert. Er sagt: Wir sind nicht dazu geschaffen das Problem zu beantworten, sondern das Problem aufzustellen, es recht klar aufzuwerfen, und das Weitere dann in Ehrfurcht abzuwarten. Diese Stimmung zu erzeugen ist ungeheuer wichtig für den Schüler auf dieser Entwicklungsstufe. Daher ist es sehr nützlich auf dieser Stufe, wenn er die Enthaltsamkeit, die Selbstlosigkeit besitzt, sich eine recht wichtige Sache vorzunehmen und sich jeglicher Meinung zu enthalten. Denn, was er sagen kann, ist in der Regel doch nur das, was seiner gewöhnlichen Gescheitheit entspricht. Auf diesem Standpunkt steht er schon. Er will aber über diesen hinauskommen, und daher soll er sich vollständig der Antwort enthalten und abwarten, um sich die Antwort geben zu lassen. In diesem Zustand des traumlosen Schlafes wird sie ihm zugeraunt. Von diesem Zustande aus entspringt dann eine immer tiefere und tiefere Welt, die eine Welt des Gesprächs ist.
[ 13 ] A prerequisite, however, for not succumbing to illusions in this world is that one has already attained a certain higher degree of inner selflessness. Those who criticize a lot, who like to speak disparagingly about the world and its phenomena, will very often—perhaps at this stage of development—be exposed to the most terrible, deceptive ideas. Therefore, the teacher will, above all else, repeatedly impress one thing upon the students. He will tell the student: Try, over and over again, to simply ask questions and let the answers come to you from this state. This is something quite different from what one actually does in ordinary life. In life, one is quick to come up with an answer. Try once to view life from this perspective. Everyone today says, “I mean this,” or “That is my view.” That is how people speak today. The occultist, however, who wishes to rise to this stage, should never speak that way. But once he has prepared himself, he should be able to speak differently inwardly. He should pose questions to the world and learn to completely refrain from giving an answer himself. This is a state of mind that Goethe, who knew it, describes in simple words. He says: We are not created to answer the problem, but to pose the problem, to raise it quite clearly, and then to await what follows with reverence. Creating this frame of mind is immensely important for the student at this stage of development. Therefore, it is very useful at this stage for the student to possess the self-restraint and selflessness to undertake a truly important task and to refrain from forming any opinion. For what he can say is, as a rule, only what corresponds to his ordinary cleverness. He is already at this point. But he wants to go beyond it, and therefore he should completely refrain from answering and wait to have the answer given to him. In this state of dreamless sleep, it is whispered to him. From this state springs a world that grows ever deeper and deeper—a world of conversation.
[ 14 ] Ich möchte gerne auf eine solche Stelle aufmerksam machen, auf jenen tiefen Ausspruch, den einer unserer auserlesenen Geister, Goethe, getan hat. Die, welche Goethes Märchen gelesen oder gehört haben, werden sich an eine Stelle erinnern, die da lautet:
[ 14 ] I would like to draw attention to one such passage—that profound statement made by one of our most distinguished minds, Goethe. Those who have read or heard Goethe’s fairy tales will recall a passage that reads:
«Was ist herrlicher als Gold?», fragte der König. «Das Licht», antwortete die Schlange.
«Was ist erquicklicher als Licht?», fragte jener. «Das Gespräch», antwortete die
“What is more magnificent than gold?” asked the king. “Light,” replied the snake.
“What is more refreshing than light?” he asked. “Conversation,” replied the
[ 15 ] In dieser Stelle weist Goethe darauf hin, dass er alles das wusste, was wir hier auseinandergesetzt haben. Dieses Gespräch, das über dem Lichte ist, das ist es, worauf er da hinweist. Dann bringt man also dieses, was man in dieser Weise im traumlosen Zustand erlebt hat, herüber in den Alltag. Manche werden versucht sein, zu glauben, dass der Hellseher überhaupt nicht mehr traumlos schläft, sondern fortwährend sieht. Das muss nicht sein. Es handelt sich nicht darum, wie große Teile von der Nacht ausgefüllt sind, die in dieser Weise verlaufen. Da können noch lange Perioden des traumlosen Zustandes dazwischen sein.
[ 15 ] In this passage, Goethe points out that he knew everything we have discussed here. This conversation, which takes place beyond the light—that is what he is referring to. So then one brings what one has experienced in this way in a dreamless state into everyday life. Some will be tempted to believe that the clairvoyant no longer sleeps without dreaming at all, but rather sees continuously. That need not be the case. It is not a matter of how much of the night is filled with such experiences. There can still be long periods of the dreamless state in between.
[ 16 ] Es ist wahr - ich glaube, es schon angedeutet zu haben: Wer in dieser Weise etwas im traumlosen Schlaf erleben kann, der hört alle Gegenstände um sich herum. Er hört das Glas Wasser, er hört ein jegliches Ding, das ihm etwas zuraunt. Das ist die dritte Stufe des Erkennens, die Inspiration.
[ 16 ] It is true—I believe I have already hinted at this: Anyone who can experience something in this way during dreamless sleep hears all the objects around them. They hear the glass of water; they hear every single thing that whispers to them. This is the third stage of cognition: inspiration.
[ 17 ] Auf diese Weise entstanden diejenigen Schriften, die man inspirierte nennt. Heute bekämpfen Theologen und Gelehrte die Methode der Inspiration bei den Schriften der Eingeweihten. Denken Sie sich, was zusammengeschrieben worden ist darüber, ob das Evangelium inspiriert ist oder nicht - und zwar von Lehrern, die keine Ahnung davon haben, dass es so etwas gibt wie Offenbarung. Inspirierte Schriften sind für solche, die man eines Tages möglichst schmerzlos verschwinden lässt. Aus dem Zustande des Hellsehens sind die größten Teile der drei synoptischen Evangelien und das JohannesEvangelium geschrieben. Sie sind inspiriert. Wir haben es da nicht mit einem Wunder zu tun, nicht mit einem Diktat eines Gottes, sondern mit diesem Zustand. Daher kann sie nur derjenige verstehen, welcher etwas davon weiß, wie in solchen Zuständen Wahrheiten kommen.
[ 17 ] This is how the writings known as “inspired” came into being. Today, theologians and scholars challenge the method of inspiration as applied to the writings of the initiated. Just imagine what has been written about whether the Gospel is inspired or not—and by teachers who have no idea that such a thing as revelation even exists. Inspired writings are for those whom one will one day make disappear as painlessly as possible. The largest portions of the three Synoptic Gospels and the Gospel of John were written from a state of clairvoyance. They are inspired. We are not dealing here with a miracle, nor with a dictation from God, but with this state of mind. Therefore, only those who know something about how truths emerge in such states can understand them.
[ 18 ] Die nächste Stufe ist die Intuition. Sie drückt sich Ihnen dadurch klar aus, dass Sie jetzt fühlen: Sie sind in den Dingen drinnen, nicht mehr außer den Dingen. Sie kriechen jetzt in jedes Ding hinein. Das ist der Zustand der Intuition. Der gewöhnliche Mensch hat nur bei seinem Ich den Zustand der Intuition. Wenn der Mensch so weit entwickelt ist, steckt er in jedem Ding darinnen.
[ 18 ] The next stage is intuition. It expresses itself clearly to you in that you now feel: you are inside things, no longer outside them. You now creep into every thing. That is the state of intuition. The ordinary person experiences the state of intuition only in relation to his or her ego. When a person has developed to this extent, he or she is immersed in every thing.
[ 19 ] Die Geister des Zwielichts nimmt der Mensch wahr auf der ersten Stufe, auf der Stufe der Imagination. Auf der Stufe der Inspiration nimmt der Mensch wahr die Geister des Feuers oder des Feuernebels. Auf der Stufe der Intuition nimmt er die Geister der Persönlichkeit wahr, die Geister, die überall als Grundlage der Welten-Iche verborgen liegen. Wenn er da angelangt ist, kann er wirklich untertauchen in die Tiefen.
[ 19 ] Human beings perceive the spirits of twilight on the first level, the level of imagination. On the level of inspiration, human beings perceive the spirits of fire or of the fiery mist. At the level of intuition, one perceives the spirits of personality—the spirits that lie hidden everywhere as the foundation of the world-I’s. Once one has reached this stage, one can truly plunge into the depths.
[ 20 ] Dann gibt es aber auch ein Heraufheben über diesen Zustand. Der besteht darinnen, dass der Mensch, dass er nicht mehr bloß wahrnimmt, sondern dass er mittut mit der Menschheit. Das ist sogar etwas, wo das Verständnis selbst bei denjenigen leicht aufhört, die noch mitgehen bis zur Stufe der Intuition. Die werden von da aus nicht mehr so leicht mitgehen. Es ist auch nur durch Vergleich näher zu kommen dem, was ich jetzt sage.
[ 20 ] But there is also a transcendence of this state. This consists in the fact that human beings no longer merely perceive, but actively participate with humanity. This is, in fact, a point where even those who have progressed as far as the level of intuition may find it difficult to follow. From that point on, they will no longer be able to follow so easily. It is only through comparison that one can come closer to what I am now saying.
[ 21 ] Es ist ein passiver Zustand auch bei der Intuition. Der Mensch taucht unter, er bleibt dabei aber in gewisser Beziehung passiv. Innerlich tätig fängt er erst an zu werden, wenn er innerlich höher steigt. Er macht nunmehr mit in der Welt. Den Zustand, den ich jetzt schildere, kann man nur erreichen, wenn man den Zustand der Intuition schon erreicht hat. Wenn nun jemand so weit ist, dass er sich in den Gegenstand ganz hineinversetzen kann, dass er bei jeglichem das Gefühl hat, das bist du selbst, dass er also bei einem Hund oder einer Tulpe das Gefühl hat, als wenn er hineingekrochen wäre, sodass er es nicht nur hört, sondern dass es in ihm selbst tönt, was es ist, dann kann er zu etwas anderem übergehen. Er kann sich erheben zunächst auf das Gebiet des Tierreiches. Wenn er das macht, dann hat er zunächst die Aufgabe, die Tierwelt um sich herum selbstlos zu betrachten, und zwar hat er sein Augenmerk auf die verschiedenen Tiergattungen zu lenken. Dann wird, während er bei der Intuition in einzelnen Tieren darinnen gewesen ist, für ihn jetzt eine Stufe eintreten, wo er aus dem einzelnen Tier wieder heraussteigt, aber in dem tierischen Wesen selbst darinnen bleibt. Sagen wir zum Beispiel, er hat einen Hund betrachtet. Durch die Intuition ist er fähig, sich ganz in ihn hineinzuversenken, alle Empfindungen mitzuerleben, und alles, was er an Lust und Schmerz hat, selbst mitzufühlen.
[ 21 ] Intuition, too, is a passive state. The person immerses themselves, yet remains passive in a certain sense. They only begin to become inwardly active when they rise to a higher inner level. They now participate in the world. The state I am now describing can only be attained if one has already reached the state of intuition. When someone has reached the point where they can fully immerse themselves in an object—where they have the feeling with everything that “this is you yourself,” so that with a dog or a tulip they feel as if they had crawled inside it, so that they not only hear it but feel its essence resonating within themselves—then they can move on to something else. They can first ascend to the realm of the animal kingdom. When they do this, their first task is to observe the animal world around them selflessly, focusing their attention on the various animal species. Then, having been inside individual animals through intuition, they will enter a stage where they step out of the individual animal but remain within the animal realm itself. Let’s say, for example, that he has been observing a dog. Through intuition, he is able to immerse himself completely in the dog, experience all its sensations, and empathize with all its pleasure and pain.
[ 22 ] Nun gibt es eine höhere Stufe. Da schreitet der Mensch hinaus über die Dinge, ohne dass er das alles verliert. Aber das Sonderdasein geht dabei verloren. Über das Einzelwesen erhebt er sich, in der Tierheit aber bleibt er darinnen. Er verliert das Interesse an dem Einzelwesen, es verschwinden die besonderen Eigentümlichkeiten dieses Einzelwesens. Indem er sich so allmählich heraushebt, aber das Wesentliche dieser Wesenheit vorhanden bleibt, treten in seinem Geiste Formen auf, die er bisher nicht gesehen hat. Er hat zuerst das Ich der einzelnen Wesenheit erfasst und nimmt dann wie einen Extrakt dieses Ich aus dem Wesen heraus. Es gestaltet sich und formt sich, und jetzt bekommt er das, was Platon «Ideen» genannt hat. Das sind die Ideen des Platon. Da haben Sie nicht einen einzelnen Hund mehr, sondern Sie haben eine geistige, lebendige Form vor sich. Damit haben Sie mehr als das einzelne Wesen. Da haben Sie das Musterbild für alle diese Wesen. Sie haben das, was man die Gattungsseele nennt, und zwar nicht als einen abstrakten Begriff, sondern als lebendige Wirklichkeit. Sie sind da umgeben von den Gattungsseelen der Tiere. Sie leben jetzt mit diesen, wie sie vorher mit den bloß sinnlichen Tieren gelebt haben. Der Raum ist nicht leer um sie herum. Aber die Wesen, die Sie da sehen, sehen nicht so aus wie die Wesen, die da um uns herumlaufen. Es sind ganz neue Wesen, und die passen nicht für das einzelne Wesen, für den einzelnen Hund, wohl aber für alle von derselben Gattung. Es ist etwas, was viel abstrakter und viel lebendiger ist als das Physische. Was Sie da dann sehen, das sind die Geister der Form. Sie gehören einer höheren geistigen Welt an. Ein solcher Formgeist war Jehova. Er war derjenige Formgeist, der die Gattungsseele der Menschheit ausmachte. Die Gattungsscele der Menschheit war der Gott Jehova. Auf dieser Stufe der geistigen Welt kann man ihn erreichen, kann man sich erheben zu dem, was in der jüdischen Mysterienlehre Jehova genannt wird, zu dem Geist der menschlichen Form.
[ 22 ] Now there is a higher level. Here, the human being transcends things without losing any of them. But in doing so, the distinct individuality is lost. He rises above the individual being, yet remains within the animal realm. He loses interest in the individual being; the particular characteristics of that individual being disappear. As he gradually elevates himself in this way—while the essence of that being remains intact—forms emerge in his mind that he has not seen before. He first grasps the “I” of the individual being and then extracts this “I” from the being as if it were an essence. It takes shape and forms itself, and now he receives what Plato called “Ideas.” These are Plato’s Ideas. Here you no longer have a single dog, but rather a spiritual, living form before you. With this, you have more than the individual being. There you have the archetype for all these beings. You have what is called the “species soul”—not as an abstract concept, but as a living reality. You are surrounded by the species souls of the animals. You now live with them, just as you previously lived with the merely sensory animals. The space around you is not empty. But the beings you see there do not look like the beings running around us here. They are entirely new beings, and they do not apply to the individual being—to the individual dog—but rather to all of the same species. It is something much more abstract and much more alive than the physical. What you see there are the spirits of form. They belong to a higher spiritual world. One such spirit of form was Jehovah. He was the spirit of form that constituted the generic soul of humanity. The generic soul of humanity was the God Jehovah. At this level of the spiritual world, one can reach him; one can rise to what is called Jehovah in the Jewish mystery teachings—to the spirit of the human form.
[ 23 ] Zu diesem Geist der menschlichen Form musste ein anderer hinzutreten, wenn sich ein Neues, ein Anderes entwickeln soll. Dieser Geist der menschlichen Form hatte den Menschen nur zu einem solchen gemacht, dass er war wie die Gattungsseele. Das individuelle Leben würde nicht herausgekommen sein. Das individuelle Leben ist dann herausgekommen, als der Mensch sich zur Erkenntnis des Guten und Bösen durchrang. Das ist groß und gewaltig im Sündenfall dargestellt. Weiter wollte Jehova nicht gehen als bis zur Form. Bis dahin hat er den Menschen geführt. Im Zusammenhang mit anderen Wesenheiten hat dann der Mensch seine Leitung über das JehovaPrinzip übernommen. So sehen Sie ihn versinken mit der Überhebung des Menschen über die Tierwelt in das, was man die Welt der Formen nennt.
[ 23 ] Another spirit had to join this spirit of the human form if something new and different was to develop. This spirit of the human form had made human beings such that they were like the soul of the species. Individual life would not have emerged. Individual life emerged when humankind struggled to attain the knowledge of good and evil. This is depicted on a grand and mighty scale in the Fall. Jehovah did not wish to go further than the form. He guided humankind up to that point. In connection with other beings, humankind then assumed leadership over the Jehovah principle. Thus you see humankind, with its arrogance in elevating itself above the animal world, sinking into what is called the world of forms.
[ 24 ] Wenn der Mensch so weit ist, dass er diese Wesenheit ahnen lernt, dann kann er sich zur nächsten Stufe erheben. Diese besteht darin, dass er jetzt erst wieder dasjenige in diesen Wesenheiten erkennen lernt, was er auf einer untergeordneten Stufe, bei den natürlichen Wesenheiten auch sehen und erkennen gelernt hat, wenn er über die Form hinausgeht, eben zum Leben. Das Erste, was Sie nämlich wahrnehmen - und warum ich das nennen muss —, das ist das, dass Sie zunächst diese Gattungsseele in der Form sehen. Sie müssen sich aber zu einem höheren Erkennen hinaufschwingen, wenn Sie diese Welt der Formen in Bewegung, in Tätigkeit sehen wollen. Das können Sie nicht, wenn Sie sich bloß in die Tierwelt versenken. Diese Gabe wird Ihnen erst zuteil, wenn Sie sich hingebungsvoll in die Pflanzenwelt versenken und Sie es mit dieser ebenso machen, wie ich es geschildert habe mit der Tierwelt. Wenn Sie sich in die Pflanzenwelt mit der Intuition hineinversenken, aber dabei die Wesenheit der Pflanze nicht verlieren, sodass die Wesenheit der Pflanze da bleibt und Sie es verstehen, sich zu verschmelzen mit der ganzen wesenhaften Natur der Pflanze, wenn es Ihnen gelingt, durch die Pflanzenwelt die leidende und sich freuende große Natur zu erleben.
[ 24 ] When a person has reached the point where he begins to sense this entity, he can then ascend to the next level. This stage consists in their learning once again to recognize in these beings what they had already learned to see and recognize at a lower level—in natural beings—when they go beyond form to life itself. The first thing you perceive—and this is why I must mention it—is that you initially see this group soul within the form. But you must rise to a higher level of understanding if you wish to see this world of forms in motion, in activity. You cannot do this if you merely immerse yourself in the animal world. This gift will be granted to you only when you immerse yourself devotedly in the plant world and do with it exactly as I have described with regard to the animal world. If you immerse yourself in the plant world through intuition, yet do not lose sight of the plant’s essence—so that the plant’s essence remains present and you understand how to merge with the plant’s entire essential nature—then you will succeed in experiencing, through the plant world, the great nature that both suffers and rejoices.
[ 25 ] Wenn man dem heutigen Menschen von diesen Dingen spricht — und zwar je mehr er wissenschaftlich ist, desto mehr —, lacht er einen aus. Aber es ist doch wahr, dass in der Pflanzenwelt Lust und Leid wahrzunehmen ist für denjenigen, der mit der Pflanzenwelt leben kann, nicht als bloßer Vergleich, nicht als Sinnbild, sondern so, dass er weiß, den Ausdruck des inneren Empfindens wahrzunehmen, wie der Mensch bei dem Austritt einer Träne aus dem Auge eine Empfindung wahrnimmt. Es gibt also eine wirkliche Stufe der Erkenntnis, wo der aus der Pflanze herausperlende Tau Ihnen ankündigt wirkliches Leben, ein solches Leben, wie es in der Träne ist, die aus dem Auge quillt. Wenn Sie fähig sind, in dem Saft, der aus dem Baume herausfließt, wenn Sie ihn anschneiden, eine Manifestation des Lebens in der Natur zu sehen, so wie Sie sich schneiden und wissen, dass es dann weh tut, dann sind Sie da, wo Sie aufsteigen können in die Welt der Aktivität, in die Welt der Bewegung. Dann können Sie wahrnehmen, dass die Wesen, welche Sie vorher nur in der Form gesehen haben, innerlich lebendig sind. Da fangen die Wesen an zu reden. Die Gattungsseelen sagen Ihnen etwas.
[ 25 ] When you speak to people today about these things—and the more scientifically minded they are, the more so—they laugh at you. But it is true, after all, that pleasure and suffering can be perceived in the plant world by those who can live with the plant world—not merely as a comparison, not as a symbol, but in such a way that they know how to perceive the expression of inner feeling, just as a person perceives a sensation when a tear flows from the eye. There is, therefore, a genuine level of insight where the dew beading from the plant reveals to you true life—a life such as that found in the tear that wells up from the eye. If you are able to see, in the sap that flows from the tree when you cut into it, a manifestation of life in nature—just as when you cut yourself and know that it hurts—then you have reached the point where you can ascend into the world of activity, into the world of movement. Then you can perceive that the beings you previously saw only in form are alive within. That is when the beings begin to speak. The generic souls tell you something.
[ 26 ] Die nächste Stufe ist diejenige, welche der Mensch erreicht, wenn er imstande ist, dasselbe, was ich für die Pflanze gesagt habe, gegenüber dem Mineralreich zu empfinden, gegenüber der leblosen Natur. Zwar hat Kant gesagt: Zwei Dinge erfüllen ihn mit dem Gefühl der Ehrfurcht, der gestirnte Himmel über ihm und das moralische Gesetz in ihm. Das bleibt aber doch nur abstrakt, solange uns der abstrakte Himmel mit Ehrfurcht erfüllt, sodass uns das noch genügt, dass der leblose Sternenhimmel zu uns spricht. Aber dass der tote Kristall nicht bloß tot und stumm ist, sondern dass er uns auch ausspricht die Geheimnisse der Natur, das zeigt uns schon die materialistische Anschauung. Man kann diese Geheimnisse erreichen durch die liebevolle Vertiefung in die Natur.
[ 26 ] The next stage is the one that a person reaches when he is able to feel the same thing I said about plants toward the mineral kingdom, toward inanimate nature. True, Kant said: Two things fill him with a sense of awe—the starry heavens above him and the moral law within him. But this remains merely abstract as long as the abstract heavens fill us with awe, so that it is still enough for us that the lifeless starry sky speaks to us. But the fact that the dead crystal is not merely dead and silent, but that it also reveals to us the mysteries of nature—this is already shown to us by the materialist view. One can attain these mysteries through loving immersion in nature.
[ 27 ] Wer das vorausgemacht hat, was ich beschrieben habe, wer mit der Pflanzenwelt gelitten und sich gefreut hat, dem wird es auch leicht werden, die dumpfe Sprache der leblosen Natur zu verstehen - obwohl es da auch eine Kluft gibt. Es ist verhältnismäßig leichter, die Sprache der Pflanzen zu verstehen als die Sprache der Steine. Selbst bis in diese höheren Stufen hinauf bleibt dem Menschen das eigen, dass er am besten das versteht, was ihm verwandt ist. Nun ist ihm verwandt menschliches Fühlen, menschlicher Schmerz und menschliche Lust. Wenn auch Lust und Schmerz, die uns in der Pflanzenwelt erscheinen, sehr verschieden sind von menschlicher Lust und
[ 27 ] Anyone who has experienced what I have described—who has suffered and rejoiced with the plant world—will also find it easy to understand the muted language of inanimate nature—although there is a gap there as well. It is relatively easier to understand the language of plants than the language of stones. Even at these higher levels, it remains true of human beings that they understand best what is akin to them. Now, what is akin to them is human feeling, human pain, and human pleasure. Even though the pleasure and pain that appear to us in the plant world are very different from human pleasure and
[ 28 ] menschlichem Schmerz, so haben sie doch etwas leise Verwandtes, das wir nicht bei der stummen Steinwelt erkennen. Aber das Neue, was wir in der stummen Steinwelt erkennen, ist gerade das, was uns so hoch erheben würde [über] das, was uns so schwach macht. Die stumme Steinwelt hat keine Begierden mehr. Da schweigt die Begierdenwelt, da hört sie auf, bevor wir von der Pflanzenwelt hinübertreten zur Steinwelt. Die Pflanzen- und die Tierwelt hört hier auf. Die Pflanzen haben noch etwas Analoges der Begierde, was bei den Tieren sich steigert und bei den Menschen stark hervortritt. Das ist es, was diese unkeusch macht, während der Stein keusch ist. Wer den Stein erfasst, lernt Wesen kennen, die keusch und begierdenlos sind. Ein begierdenloses, ein verlangenloses Leben lernt man im Steinreich kennen. Wenn wir im Steinreich etwas Ähnliches empfinden und etwas Ähnliches wahrnehmen können, wie ich es von der Pflanzenwelt geschildert habe, da lernen wir erkennen, was es heißt, ein Wesen zu sein, das durch seine Natur keusch ist. Die keusche, stumme Steinwelt, von der wir nicht mehr sagen, dass durch sie so etwas wie durch den Tautropfen, wie durch das heraustropfende Pech des Baumes Lust und Schmerz zum Ausdruck kommt, sondern sagen müssen, dass sie in diskreter, vollständig verhaltener Stummheit treu in sich selber bewahrt und nicht - wenn ich mich trivial ausdrücken darf - das, was sie innerlich erlebt, jedem auf die Nase bindet. Das ist das Ungeheure, das wir in dem Inneren der Steinwelt erkennen. Die Steinwelt ist vor so und so langer Zeit zur Vollendung gekommen. In Wahrheit ist die Steinwelt die größte. Was als Bergkristall uns heute entgegentritt, hat einst seine Zeit der Unkeuschheit durchgemacht wenn wir Jahrmilliarden zurückblicken. Am größten erscheint uns die Weisheit der Natur, wenn wir sie prüfen in der lautlosen Welt der Gestirne, der Steine und Kristalle.
[ 28 ] human suffering; yet they share a subtle kinship that we do not recognize in the silent world of stone. But the new thing we recognize in the silent world of stone is precisely what would elevate us so high [above] that which makes us so weak. The silent world of stone has no more desires. There, the world of desire falls silent; it ceases before we cross over from the plant world into the world of stone. The plant and animal worlds end here. Plants still possess something analogous to desire, which intensifies in animals and comes strongly to the fore in humans. This is what makes humans impure, whereas stone is pure. Whoever comprehends the stone comes to know beings that are pure and free of desire. In the mineral kingdom, one comes to know a life free of desire and longing. When we can feel and perceive something in the mineral kingdom similar to what I have described in the plant kingdom, then we learn to recognize what it means to be a being that is chaste by its very nature. The chaste, silent world of stone—of which we no longer say that pleasure and pain are expressed through it in the same way as through a dewdrop or the resin dripping from a tree—but must say that it faithfully preserves itself in discreet, completely restrained silence and does not—if I may put it trivially— —does not shove what it experiences internally in everyone’s face. This is the immense reality we recognize within the world of stone. The world of stone reached its perfection so and so long ago. In truth, the world of stone is the greatest. What appears to us today as rock crystal once went through its period of impurity, if we look back billions of years. The wisdom of nature appears greatest to us when we examine it in the silent world of the stars, stones, and crystals.
[ 29 ] Die Stufe der Form führt uns zum Geist der Form. Die zweite Stufe, die von der Pflanzenwelt ausgeht, führt uns zu den Geistern der Bewegung, der Aktivität, und dieselbe Anschauungsstufe führt uns zu den Geistern der Weisheit. Wir erreichen sie nicht früher, als bis wir die stumme, keusche, in sich geschlossene Wesenheit, lebensvolle Wesenheit des Steinreiches in uns selbst lebendig aufleben lassen.
[ 29 ] The stage of form leads us to the spirit of form. The second stage, which originates in the plant kingdom, leads us to the spirits of movement and activity, and this same stage of contemplation leads us to the spirits of wisdom. We cannot reach them until we have brought to life within ourselves the silent, chaste, self-contained, and life-filled essence of the mineral kingdom.
[ 30 ] Wenn Sie eine kleine Schilderung haben wollen von dem, was in den Menschen vorgeht, so sei noch das Folgende gesagt. Der Mensch muss zunächst das äußere Licht um sich herum verschwinden lassen, er muss zunächst gegenüberstehen der leblosen Natur und von alledem, was ihm die Sinne sagen, absehen. Dann ist zunächst eine Dunkelheit da. Wenn er sich nun hinaufhebt zu dem Anschauen, das ich geschildert habe, dann werden alle Wesen von innen heraus leuchtend. Ein inneres Licht durchleuchtet und durchstrahlt alle diese Wesenheiten und strahlt von ihnen aus. Und dies ist das Licht der Weisheit. Das sind solche Stufen der Anschauung, die uns hinaufführen zu dem, was ich beschrieben habe als die Geister der Weisheit.
[ 30 ] If you would like a brief description of what goes on within human beings, let the following be said. First, a person must allow the external light around them to fade away; they must first stand before lifeless nature and set aside everything their senses tell them. Then, at first, there is darkness. When they now rise to the level of perception I have described, all beings begin to glow from within. An inner light illuminates and permeates all these beings and radiates from them. And this is the light of wisdom. These are the stages of perception that lead us upward to what I have described as the spirits of wisdom.
[ 31 ] Nun gibt es, wie Sie wissen, ganz am Anfang der Saturn-Entwicklung die Geister des Willens. Wollen Sie diese erkennen lernen, so müssen Sie sich nicht im Allgemeinen zu Tier, Pflanze und Mineral wenden, sondern, um die Geister des Willens zu erfassen, müssen Sie noch etwas ganz Besonderes haben. Sie mögen das, was ich jetzt sage, auch für noch so phantastisch ansehen - ich hoffe aber, dass das nicht geschieht. Wenn Sie sich noch höher erheben wollen - nachdem Sie die anderen Stufen einigermaßen absolviert haben -, so müssen Sie an etwas herantreten - es scheint paradox — wie zum Beispiel einen Ameisenhaufen, in dem nicht bloß Tiere gattungsmäßig vereinigt sind, sondern auch in weisem Zusammenhang leben, und sich hineinvertiefen in das geistvolle Zusammenwirken dieser kleinen Geschöpfe. Das tut der verstandesmäßige Forscher nicht. Der Hellseher aber lebt mit den in sich gegliederten Männchen und Weibchen und Arbeitern, die in wunderbarer Weise zusammenwirken, sodass er damit innerlich identisch ist.
[ 31 ] Now, as you know, at the very beginning of Saturn’s evolution there are the spirits of will. If you wish to learn to recognize them, you need not turn in general to animals, plants, and minerals; rather, to grasp the spirits of will, you must possess something quite special. You may regard what I am about to say as utterly fantastical—but I hope that is not the case. If you wish to rise even higher—after you have more or less completed the other stages—you must approach something—it seems paradoxical—such as an anthill, in which animals are not merely united by species but also live in a wise interconnection, and immerse yourself in the spiritual interplay of these tiny creatures. The intellectual researcher does not do this. The clairvoyant, however, lives in harmony with the internally structured males, females, and workers, who interact in a wondrous way, so that he becomes inwardly one with them.
[ 32 ] Das ist die Methode, den Willen zu erkennen. Schopenhauer hat viel über den Willen geschrieben. Dieses Kapitel hätte er aber schreiben können, wenn er als Hellseher den Kopf in einen Ameisenhaufen gesteckt hätte. Da lernt man nämlich erkennen, was der Wille seiner Natur nach ist. Da lernt man erkennen, was es bedeutet, wenn Sie selbst das Wort ‹Ich will› aussprechen. Dieses Wort lebt tief in Ihrer eigenen Natur. Da wirkt vieles in Ihrer eigenen Natur zusammen. Sie nehmen aber nur das Resultat wahr. Der Naturforscher gibt Ihnen eine ganz andere Anschauung. Was ich Ihnen schildere, ist dem Leben entnommen. Wenn Sie dagegen an Stelle eines Ameisenhaufens einen Bienenstock wählen, so machen Sie etwas ganz Falsches. Das, was im Bienenstock lebt, ist etwas ganz anderes als das, was im Ameisenhaufen lebt.
[ 32 ] This is the method for recognizing the will. Schopenhauer wrote a great deal about the will. But he could have written this chapter if, as a clairvoyant, he had stuck his head into an anthill. For there one learns to recognize what the will is by its very nature. There you learn to recognize what it means when you yourself utter the words “I will.” These words live deep within your own nature. Many forces interact within your own nature there. But you perceive only the result. The naturalist offers you a completely different perspective. What I am describing to you is drawn from life itself. If, on the other hand, you choose a beehive instead of an anthill, you are making a grave mistake. What lives in the beehive is something entirely different from what lives in the anthill.
[ 33 ] Wir haben gesprochen von den Geistern des Willens, von Geistern der Weisheit, von Geistern der Form, von Geistern der Bewegung, von Geistern der Persönlichkeit, von Geistern des Feuers, von Geistern des Zwielichts, dann von Mensch, Tier und Pflanze und Mineral. Diese Wesenheiten sind nicht aus der Luft gegriffen, sind nicht erfunden, sind nicht Spekulationen, die Ihnen da vorgetragen werden in dem elementaren Okkultismus, der als Theosophie figuriert, sondern es sind Dinge, die in der Erfahrung erworben sind.
[ 33 ] We have spoken of the spirits of will, the spirits of wisdom, the spirits of form, the spirits of motion, the spirits of personality, the spirits of fire, the spirits of twilight, and then of humans, animals, plants, and minerals. These entities are not plucked out of thin air; they are not invented; they are not speculations presented to you in the elementary occultism that goes by the name of Theosophy—rather, they are things acquired through experience.
[ 34 ] Nur Andeutungen konnte ich machen, wie so etwas zustande kommt, was man als elementare Theosophie oder als elementaren Okkultismus bezeichnet. In dieser Weise erwirbt man die höheren Fähigkeiten, die einen Einblick in die höheren Welten gewähren.
[ 34 ] I could only offer hints as to how such a thing comes about—what is referred to as elementary theosophy or elementary occultism. In this way, one acquires the higher abilities that grant insight into the higher worlds.
[ 35 ] Das, sehen Sie, ist etwas von dem, was in der Zukunft wiederum aufleben muss. Es ist heute um uns herum wirklich vieles, was einem Sorge machen kann, und ich glaube, was einem für den wirklichen Menschheitsfortschritt Begeisterten wirkliche Sorge machen kann, ist auch das, dass viele nicht die Augen offen halten. Der Mensch soll ein Pionier sein des Augenoffenhaltens. Nicht darauf kommt es an, das einzelne sich Theosophen nennen, sondern darauf, dass wir in der großen Entwicklung der Menschheit die Mittel und Wege finden, um dem, was sonst wirklich zusammenbrechen müsste, einen neuen Untergrund zu geben.
[ 35 ] That, you see, is something that must be revived again in the future. There is truly much around us today that can be a cause for concern, and I believe that what can be a real cause for concern for those who are genuinely enthusiastic about human progress is also the fact that many do not keep their eyes open. Human beings should be pioneers in keeping their eyes open. What matters is not that individuals call themselves Theosophists, but that, in the great evolution of humanity, we find the ways and means to provide a new foundation for what would otherwise truly collapse.
[ 36 ] Lassen Sie mich die Betrachtungen des alten Jahres abschließen mit diesem Hinweis, den ich schon einmal gemacht habe. Viel Zerstörungswerk wird um uns herum geleistet, vieles, was den aufmerksamen Betrachter, auch wenn er nicht Hellseher ist, darauf hinweisen könnte, dass wir am Anfange eines großen Zerstörungswerkes sind in Bezug auf das äußere Materielle, das sich im verflossenen Jahrhundert entwickelt hat, denn nur bis zu einem gewissen Punkte geht die materielle Entwicklung.
[ 36 ] Let me conclude my reflections on the past year with this observation, which I have made before. Much destruction is taking place around us—much that could indicate to the attentive observer, even if he is not a clairvoyant, that we are at the beginning of a great process of destruction with regard to the external material world that developed over the past century, for material development only goes so far.
Ergänzung aus Aufzeichnungen unbekannter Autorschaft
Addendum from notes by an unknown author
[ 37 ] Aber dasjenige, was am meisten Sorge macht, dass so viele unserer Mitmenschen die Augen nicht offen halten für das, was der Menschheit nottut. Der Theosoph soll aber ein Pionier sein dieser Arbeit des Augenoffenhaltens. Nicht darauf kommt es an, dass Einzelne sich hinsetzen und entwickeln, sondern in der großen Entwicklung der Menschheit mitzuarbeiten, Mittel und Wege zu finden, dem, was sonst wirklich zusammenbrechen müsste, neuen Inhalt zu geben. Viele Zerstörungswerke werden heute um uns herum geleistet. Vieles, das den aufmerksamen Betrachter darauf hinweisen wird, dass wir am Anfang eines Zerstörungswerkes sind, der materiellen Kultur des neunzehnten Jahrhunderts; denn diese hat nicht in gleichem Maße auch eine geistige Entwicklung mit sich gezogen. Wir sind in der Lage, drahtlos zu telegrafieren; denken Sie sich nun diese Fähigkeit des Menschen nur um eine kleine Stufe weiter ausgebildet, sodass man hier in Berlin eine Droschke nimmt und mit einem Wellenerzeuger durch die Friedrichstraße fährt, um in Paris durch die entsprechenden Wellenerregungen den ganzen Louvre zu zerstören. Kein Mensch würde in einem solchen Falle imstande sein, den Attentäter nachzuweisen. Alle unsere juristischen Begriffe werden in einer Zeit, die man sich leicht ausmalen kann, vollständig machtlos sein; eine Zeit wird kommen, wo die rein materielle Kultur sich selbst im Großen und Ganzen ad absurdum führt, wo sie zerstörend, vernichtend wirkt.
[ 37 ] But what is most troubling is that so many of our fellow human beings do not keep their eyes open to what humanity needs. The Theosophist, however, should be a pioneer in this work of keeping people’s eyes open. What matters is not that individuals sit back and develop themselves, but rather that they participate in the great evolution of humanity, finding ways and means to give new meaning to what would otherwise truly collapse. Much work of destruction is being carried out around us today. Much of it will point out to the attentive observer that we are at the beginning of a process of destruction—that of the material culture of the nineteenth century—for this culture did not bring about a corresponding spiritual development. We are capable of wireless telegraphy; now imagine this human ability developed just one small step further, so that one could take a horse-drawn carriage here in Berlin and, using a wave generator, drive down Friedrichstraße to destroy the entire Louvre in Paris through the corresponding wave emissions. In such a case, no one would be able to identify the perpetrator. All of our legal concepts will be completely powerless in a time that is easy to imagine; a time will come when purely material culture will, on the whole, reduce itself to absurdity, when it will have a destructive, annihilating effect.
[ 38 ] Nur dadurch, dass die innere Seelenkultur nun nachrückt, sodass die Menschen nicht mehr auf das Äußerliche angewiesen sind, und obwohl das Böseste gemacht wird, doch nur das Richtige geschieht, nur dadurch kann geholfen werden. Der Weg der Entwicklung der heutigen Menschheit zeigt die ersten Anfänge jetzt schon. Nur der Weg innerlicher, spiritueller Entwicklung kann wieder herausführen, und die Theosophie ist ein notwendiger neuer Anfang einer Kulturrichtung, zu der sich sozusagen überschlagenden äußeren Kultur das notwendige innere Moralische zu finden, das nur hier herausführen kann, denn der Mensch hat die Seele, den Geist neben dem Materigeübt werden. Deshalb sind die erneuerten, geistigen Bewegungen der Gegenwart so notwendig, damit wiederum die Kräfte geübt und gepflegt werden, die sonst verkümmern müssten.
[ 38 ] Only by allowing inner spiritual culture to take hold—so that people are no longer dependent on external circumstances, and even when the worst is done, only what is right happens—only in this way can help be provided. The path of development for humanity today is already showing its first signs. Only the path of inner, spiritual development can lead the way out again, and theosophy is a necessary new beginning for a cultural movement that can provide the necessary inner morality to complement, so to speak, the rapidly changing external culture—a morality that alone can lead us out, for human beings must cultivate their soul and spirit alongside the material. That is why the renewed, spiritual movements of the present are so necessary—so that the forces which would otherwise wither away may once again be exercised and nurtured.
