Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b
19 January 1905, Düsseldorf
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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
31. Über den Gottesbegriff
31. On the Concept of God
[ 1 ] Der Inder steht vor einem ganz andern Fall als der Europäer, wenn er über den Gottesbegriff gefragt wird. Er bezeichnet das Höchste als «Brahman» oder er spricht gar nicht darüber. Bei uns ist durch Jahrhunderte hindurch weniger das mystische Erleben gepflegt worden, sondern mehr das abstrakte Denken.
[ 1 ] When asked about the concept of God, the Indian faces a situation quite different from that of the European. He refers to the Supreme Being as “Brahman” or does not speak of it at all. In our culture, over the centuries, it is not so much mystical experience that has been cultivated, but rather abstract thought.
[ 2 ] Die heutige Menschheit ist so wenig gewohnt, an die Zwischenstufen zwischen den Menschen und dem höchsten Gott zu denken, dass der moderne Mensch sich diese Zwischenstufen nicht leicht vorstellen kann. Die Mystiker erkannten Mittelwesen zwischen dem Menschen und der höchsten Gottheit: Seraphim, Cherubim, Throne, Weisheiten, Mächte, Gewalten, Urkräfte, Erzengel und Engel. Man hat sich früher bemüht, solche Wesen zu erkennen. Zuerst wollte man die Wesen kennenlernen, die über dem Menschen stehen.
[ 2 ] People today are so unaccustomed to thinking about the intermediate stages between human beings and the Supreme God that modern people cannot easily imagine these intermediate stages. The mystics recognized intermediary beings between human beings and the supreme deity: seraphim, cherubim, thrones, wisdoms, powers, authorities, primordial forces, archangels, and angels. In the past, people strove to recognize such beings. First, they sought to get to know the beings that stand above human beings.
[ 3 ] Schon auf der Erde treten wir in Beziehung zu Wesen, die nicht auf dem physischen Plan leben, sondern auf dem Astral- oder Mentalplan. Der Mensch lebt auf diesen drei Planen; es gibt aber Wesen, die nicht auf den physischen Plan heruntersteigen, und es gibt andere, die nicht einmal bis zu dem Astralplan heruntersteigen, sondern nur auf dem Mentalplan verweilen, so zum Beispiel die Devas, die Götter der Inder. Der Mystiker, der von diesen Wesen einen Begriff bekommt, wird sich keinen Begriff vom höchsten alleinigen Gott machen wollen, wenn er nicht stufenweise aufsteigt. Der Europäer von heute kennt diese Stufenfolge nicht mehr.
[ 3 ] Even here on Earth, we come into contact with beings who do not live on the physical plane, but on the astral or mental plane. Human beings live on these three planes; however, there are beings who do not descend to the physical plane, and there are others who do not even descend to the astral plane, but remain only on the mental plane—for example, the devas, the gods of the Indians. The mystic who gains an understanding of these beings will not wish to form a concept of the supreme, sole God unless he ascends step by step. Today’s European is no longer familiar with this sequence of stages.
[ 4 ] Was ist das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen? Wie kommt es, dass die Gottheit den Menschen geschaffen hat und dass die Welt sich erst nach und nach entwickelt hat? Solche Fragen beschäftigen das europäische Denken. Diese Fragen sind äußerst schwer zu beantworten. Um sich über sie etwas aufklären zu können, dazu gehört wenigstens etwas von dem, was man Yoga nennt: die innere Entwicklung. In alten Mysterien musste man zu diesem Zweck durch die Katharsis hindurchgehen. Es wurde dem Schüler gesagt: Du kannst dich erst dann über die Unsterblichkeit der Seele unterrichten, wenn du kein Verlangen nach Unsterblichkeit mehr hast. — Dies wurde in den alten Mysterien gelehrt.
[ 4 ] What is the relationship between God and humankind? How is it that the Deity created humankind and that the world developed only gradually? Such questions occupy European thought. These questions are extremely difficult to answer. To gain some insight into them, one must engage in at least some of what is called yoga: inner development. In the ancient mysteries, one had to undergo catharsis for this purpose. The student was told: “You can only learn about the immortality of the soul once you no longer have any desire for immortality.” — This was taught in the ancient mysteries.
[ 5 ] Der Mensch muss diesen Fragen so gegenüberstehen wie den Fragen der Mathematik gegenüber. Dabei spricht die Leidenschaft, das Gefühl nicht mit; darum unterscheidet der Mensch da ganz objektiv. Wir müssen allen Fragen gegenüber, auch den höchsten, uns eine Leidenschaftslosigkeit angewöhnen. Wenn die Begierde in diesen Fragen nicht mitsprechen würde, dann würde Übereinstimmung herrschen, auch in solchen Fragen wie über den Gottesbegriff. Der Pythagoreer verlangte von seinem Schüler zuerst die Katharsis. Das war auch bei der Gnosis so. Die Gnostiker nannten ihre Lehre über diese Fragen ‹Mathesis›. Die gnostische Lehre über diese Fragen hieß deshalb Mathesis, weil sie leidenschaftslos war wie die Mathematik.
[ 5 ] One must approach these questions in the same way one approaches questions of mathematics. In doing so, passion and emotion do not come into play; that is why one can judge them entirely objectively. We must accustom ourselves to a lack of passion in the face of all questions, even the most profound ones. If desire did not play a role in these questions, then there would be consensus, even on matters such as the concept of God. The Pythagoreans first demanded catharsis from their students. This was also the case with Gnosticism. The Gnostics called their teaching on these matters “Mathesis.” The Gnostic teaching on these matters was called Mathesis because it was dispassionate, like mathematics.
[ 6 ] Immer mehr muss die Leidenschaft schwinden, immer ruhiger muss die Seele werden, um diese Fragen in der rechten Weise zu behandeln. Dann fragt der Mensch vor allem danach: Wie steht das Göttliche zu der Welt selbst?
[ 6 ] One’s passion must gradually fade, and one’s soul must grow ever calmer in order to address these questions in the proper way. Then one asks above all: What is the divine’s relationship to the world itself?
[ 7 ] Wenn wir zurückgehen in der Zeit, von unserem Standpunkt aus, wollen wir sehen, ob wir göttlichen Wesen begegnen. Vor uns entstanden drei Reiche: Mineral-, Pflanzen- und Tierreich. Der Mensch hat alle Eigenschaften dieser drei Reiche in sich. Er hat die Gesetze des Mineralreiches in sich; er ist ein physisch-chemisches Laboratorium; das ist seine mineralische Natur. Er besitzt Leben und die Kraft, sich fortzupflanzen. Ferner besitzt er eine tierische Natur, denn er hat Empfindung. Er kann zum Beispiel einen Stoß von außen in seinem Innern empfinden. Wie ist der Mensch dazu gekommen, die vier Reiche in sich einzuschließen? Er hat sich auf Kosten der anderen Reiche zu seinem jetzigen Standpunkt entwickelt.
[ 7 ] If we go back in time, from our perspective, let us see if we encounter divine beings. Three kingdoms emerged before us: the mineral, plant, and animal kingdoms. Human beings possess all the characteristics of these three kingdoms within themselves. They embody the laws of the mineral kingdom; they are a physical-chemical laboratory; that is his mineral nature. He possesses life and the power to reproduce. Furthermore, he possesses an animal nature, for he has sensation. For example, he can feel an external impact within himself. How did humankind come to encompass the four kingdoms within itself? It has developed to its present state at the expense of the other kingdoms.
[ 8 ] Bevor der Mensch Mensch wurde, hatte er die drei anderen Reiche in sich. Da waren alle Mineralien, alle Pflanzen, alle Tiere noch vollkommener, als sie heute sind. Wir können uns das an einem Beispiel klar machen: Eine Flüssigkeit, die aus vier verschiedenen Flüssigkeiten zusammengesetzt ist, hat dadurch bestimmte Eigenschaften; wir ziehen nun eine Flüssigkeit als Essenz heraus. So ist der Mensch als Essenz aus den anderen Reichen herausgezogen worden. Sein Höhersteigen ist erkauft mit einem Tiefersinken der anderen Reiche.
[ 8 ] Before human beings became human, they contained the three other kingdoms within themselves. All minerals, all plants, and all animals were even more perfect then than they are today. We can illustrate this with an example: A liquid composed of four different liquids possesses certain properties as a result; we then extract one liquid as an essence. In the same way, humankind has been extracted as an essence from the other kingdoms. Its ascent has come at the cost of a decline in the other kingdoms.
[ 9 ] Gehen wir noch weiter zurück, so ist da das Tierische noch nicht heraus, aber das Mineralreich und das Pflanzenreich sind noch vollkommener als später. Das Tierreich war noch nicht als Essenz herausgezogen; es hat sich erst auf Kosten des Mineralreiches und des Pflanzenreiches entwickelt. So geht es weiter zurück bis zu dem Zeitpunkt, wo das Mineralreich noch das Pflanzen-, Tier- und Menschenreich in sich hatte als Mineralreich. Man muss dies auch gefühlsmäßig erkennen, dann versteht man erst das Mitleid mit allen Wesen. Der Theosoph sagt sich: Dieses Tier habe ich auf meinem eigenen Wege zurückgelassen, damit ich mich entwickeln konnte; auf Kosten der anderen Wesen habe ich mich entwickelt, daher muss das Mitgefühl durch solche Erkenntnisse entstehen.
[ 9 ] If we go back even further, the animal realm has not yet emerged, but the mineral and plant realms are even more perfect than they were later. The animal realm had not yet been extracted as an essence; it only developed at the expense of the mineral and plant realms. And so it goes back further, to the point when the mineral kingdom still contained within itself the plant, animal, and human kingdoms as part of the mineral kingdom. One must also recognize this on an emotional level; only then can one understand compassion for all beings. The theosophist says to himself: I left this animal behind on my own path so that I could develop; I developed at the expense of other beings, and therefore compassion must arise from such insights.
[ 10 ] So geht es auch im Menschenreich. Wenn sich das Heilige entwickeln soll, so müssen so und so viele hinuntergestoßen werden in die Dekadenz. Für jeden Heiligen sind mehrere Verbrecher in der Welt. Wenn es nur einen Mittelzustand gäbe, so gäbe es keine Entwicklung. Die Entwicklung ist ein Herausholen des Feineren aus dem früheren Zustand.
[ 10 ] The same is true in the human realm. If the sacred is to develop, then a certain number of people must be pushed down into decadence. For every saint, there are several criminals in the world. If there were only a middle state, there would be no development. Development is the process of bringing out the finer aspects from the previous state.
[ 11 ] Unsere jetzige Entwicklung besteht darin, dass der Mensch die Welt mit seinem Verstande bearbeitet. Alles, was er tut, dient dazu, das Mineralreich zu bearbeiten, sei es nun durch Maschinenbau oder dadurch, dass einer eine Grube gräbt und so weiter. Immer neue Kräfte werden entdeckt, wodurch das Mineralreich bearbeitet wird. Der Künstler arbeitet den Geist in das Mineralreich hinein. Er fügt zu neuen Gebilden zusammen, was im Mineralreich lebt. Leben können wir durch den Geist noch keinem Wesen einverleiben, aber der Mensch arbeitet im Mineralreich formend durch seinen Geist. Er hat das Mineralreich früher abgestoßen, damit er später Stoff zum Verarbeiten hätte. Nun durchdringt er das ganze Mineralreich mit seinem Geiste; er wird es dadurch erlösen. Dadurch macht er wieder gut, was er damals verbrochen hat. Allmählich wird das ganze Mineralreich im Geiste aufgelöst sein, verarbeitet sein. Es wird eine Absorption des Mineralreiches durch den Geist herbeigeführt.
[ 11 ] Our current stage of development consists in human beings shaping the world through their intellect. Everything they do serves to shape the mineral kingdom, whether through mechanical engineering or by digging a mine, and so on. New forces are constantly being discovered through which the mineral kingdom is transformed. The artist infuses the spirit into the mineral kingdom. He combines what lives in the mineral kingdom into new forms. We cannot yet imbue any being with life through the spirit, but human beings work in the mineral kingdom, shaping it through their spirit. They once rejected the mineral kingdom so that they would later have material to work with. Now he permeates the entire mineral kingdom with his spirit; in this way, he will redeem it. Through this, he makes amends for what he had done wrong in the past. Gradually, the entire mineral kingdom will be dissolved in the spirit, transformed. An absorption of the mineral kingdom by the spirit will be brought about.
[ 12 ] So wird im ersten Zyklus ein Reich abgestoßen, das im vierten Zyklus wieder verarbeitet wird: das Mineralreich. Im zweiten Zyklus wird das Pflanzenreich abgestoßen, welches im fünften Zyklus verarbeitet wird. Das Tierreich wurde im dritten Zyklus abgestoßen und wird im sechsten Zyklus wieder aufgenommen werden. Im siebenten Zyklus wird der Mensch das Menschenreich erlösen. Auf diese Weise geschieht auch die Entwicklung im Kleinen.
[ 12 ] Thus, in the first cycle, a kingdom is shed that is reprocessed in the fourth cycle: the mineral kingdom. In the second cycle, the plant kingdom is shed, and it is processed in the fifth cycle. The animal kingdom was shed in the third cycle and will be taken up again in the sixth cycle. In the seventh cycle, humanity will redeem the human kingdom. Development on a smaller scale also takes place in this way.
[ 13 ] Wenn ein Heiliger sich entwickelt, werden andere Menschen hinuntergestoßen. Dadurch aber, dass er vorauseilt, kann er nachher den anderen helfen, das Versäumte nachzuholen, kann sie erlösen. Dadurch gibt es Leben, gibt es Entwicklung.
[ 13 ] When a saint progresses, other people are left behind. But by moving ahead, he can later help the others make up for what they have missed and redeem them. This is how life and progress come about.
[ 14 ] Dieses Bewusstsein muss den Menschen mit jenem allumströmenden Mitgefühl mit der Welt erfüllen. Er soll niemals sich einen höheren Entwicklungsgrad aneignen wollen, ohne damit andern helfen zu wollen. Wir müssen die untergeordneten Wesen erlösen. Wir sind verpflichtet zu leben, um diese Wesen zu erlösen, denn wir haben unsere ganze Entwicklung auf Kosten der übrigen Welt gemacht. Alles ist herausgequollen, abgestoßen von einem anderen, damit das andere sich höher entwickeln könne.
[ 14 ] This awareness must fill people with that all-pervading compassion for the world. They should never seek to attain a higher level of development without also seeking to help others. We must redeem the lesser beings. We are obligated to live in order to redeem these beings, for we have achieved our entire evolution at the expense of the rest of the world. Everything has been pushed out, cast aside by another, so that the other might evolve to a higher level.
[ 15 ] Wenn wir zurückkehren in der Entwicklung, ehe die verschiedenen Reiche abgestoßen wurden, dann finden wir geistige Wesenheiten. Auch das Mineralreich, wie es anfangs war, ehe Pflanzen-, Tier- und Menschenreich sich herausentwickelten, ist vorher von etwas anderem abgestoßen worden. Da kommt man zu einem Gegensatz zwischen der physischen Welt und der geistigen Welt, die dadurch, dass sie sich höher entwickelte, das Mineralreich abgestoßen hat. Die geistigen Wesenheiten haben Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich hinuntergestoßen, damit sie sich höher entwickeln konnten. Dann wurden sie unsere Führer und schöpferischen Geister. Das ist der arupische Gegensatz zwischen der physischen und der geistigen Welt oder zwischen der irdischen und der göttlichen Welt.
[ 15 ] If we go back in the course of evolution to the time before the various kingdoms were cast off, we find spiritual beings. Even the mineral kingdom, as it was in the beginning, before the plant, animal, and human kingdoms evolved, had previously been cast out by something else. This leads to a contrast between the physical world and the spiritual world, which, through its higher development, cast out the mineral kingdom. The spiritual beings pushed down the mineral, plant, animal, and human kingdoms so that they could develop to a higher level. Then they became our guides and creative spirits. This is the Arupic contrast between the physical and the spiritual world, or between the earthly and the divine world.
[ 16 ] Wenn wir [noch weiter] zurückgehen, kommen wir zu einem Gott, der ganz vollkommen war. Wir fragen uns hier in Europa: Warum hat diese Gottheit die Welt erschaffen, etwas von sich abgesondert? Wenn wir den Entschluss fassen würden, jeden einzelnen Gedanken ebenso vollkommen zu machen, wie wir selbst sind, so würde das bedeuten, dass wir einen ersten freien Entschluss fassen, nämlich: unsere Vollkommenheit auf jeden unserer Gedanken zu übertragen. Ähnlich war der Anfang des Wirkens der Gottheit. Die Gottheit fasste den Entschluss, ein jedes Glied in [seinem] eigenen Inhalte vollkommen zu machen, wie sie selbst ist. Das kann sie nur dadurch, dass sie einem Teil der Glieder die Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Diese können nur vollkommen werden dadurch, dass sie sich selbst allmählich so vollkommen machen, wie die Gottheit selbst ist. Das aber bedingt notwendig, dass einige sich auf Kosten der anderen Glieder entwickeln. Wenn ein einziges Glied der Gottheit sich so vollkommen machte, wie die Gottheit selbst ist, dann würde dieses Glied die ganze Gottheit ausfüllen. Sollte dies plötzlich in einem Augenblicke geschehen, so könnte es das nur auf Kosten der Vernichtung aller anderen Glieder erlangen. Nur die langsame Entwicklung macht es möglich, dass das einzelne Glied sich allmählich vollkommen heraushebt.
[ 16 ] If we go [even further] back, we arrive at a God who was completely perfect. Here in Europe, we ask ourselves: Why did this Deity create the world, setting something apart from itself? If we were to decide to make every single thought just as perfect as we ourselves are, that would mean we are making a first free decision, namely: to transfer our perfection to each of our thoughts. The beginning of the Deity’s work was similar. The deity resolved to make every member perfect in [its] own essence, just as the deity itself is. It can do this only by granting some of the members the potential for development. These members can become perfect only by gradually making themselves as perfect as the deity itself is. But this necessarily requires that some develop at the expense of the other members. If a single member of the Deity were to become as perfect as the Deity itself, then that member would fill the entire Deity. Should this happen suddenly, in an instant, it could only achieve this at the expense of the destruction of all other members. Only slow development makes it possible for the individual member to gradually rise to perfection.
[ 17 ] Das kann man auch im Seelenleben beobachten. Wenn wir einen Gedanken fassen, treten alle anderen Gedanken in den Schoß des Unbewussten zurück. Eine wirkliche Entwicklung ist nur möglich in der Zeit. Wenn ein einzelnes Glied [aus dem Schoß] der Gottheit heraustrat, so musste dafür ein anderes zurücktreten und unvollkommener werden, als es früher war im Schoße der Gottheit selbst. Damit entstand der Unterschied zwischen dem Guten und dem Bösen. Es ist nicht möglich, dass ein Gutes entsteht, ohne dass sein Widerpart, das Böse, auch entsteht. Das Gute hat sich auf Kosten des Bösen entwickelt. Ein Teil aus der Gottheit sollte sich zur Vollkommenheit entwickeln, daher musste ein anderer Teil zurückgestoßen werden. Das Vorgeschrittene muss das Zurückgebliebene fortwährend zum Nachholen anspornen. Ursprünglich fand das Hervortreten einzelner statt und demgemäß das Zurückstoßen anderer, die dann nachholen mussten. Über der Menschheit standen höhere geistige Wesenheiten, die sich auf Kosten anderer entwickelt hatten. Diese Wesenheiten, die höher stehen, holen die Wesenheiten, die tiefer stehen, nach. So ist das Böse in der Welt entstanden, dasjenige, was gerade uns die Möglichkeit gibt, höhere Vollkommenheit zu erlangen. Indem wir das Böse in das Gute verwandeln, schaffen wir Entwicklung.
[ 17 ] This can also be observed in the life of the soul. When we form a thought, all other thoughts recede into the bosom of the unconscious. True development is possible only over time. When a single member stepped out [from the bosom] of the Divinity, another had to step back and become more imperfect than it had been previously within the bosom of the Divinity itself. This gave rise to the difference between good and evil. It is not possible for good to arise without its counterpart, evil, also arising. Good has developed at the expense of evil. One part of the Divinity was to develop toward perfection; therefore, another part had to be pushed back. The more advanced must continually spur the less advanced to catch up. Originally, individual entities emerged, and accordingly, others were pushed back, who then had to catch up. Higher spiritual beings stood above humanity; they had developed at the expense of others. These beings, who stand higher, draw up the beings who stand lower. This is how evil came into the world—that very thing which gives us the opportunity to attain higher perfection. By transforming evil into good, we bring about development.
[ 18 ] Es gibt sonst keine Möglichkeit, jedes einzelne Glied der Gottheit der Gottheit selbst ähnlich zu machen. Uns darf es nicht einfallen, mit irgendeiner Kraft, die wir jetzt haben, die Gottheit umfassen zu wollen. Unser menschlicher Verstand ist nicht das Höchste in uns; er ist ausgeschieden worden, damit andere, höhere Fähigkeiten sich entwickeln können. Er ist ausgeschieden von oben herunter und soll von anderen Fähigkeiten nachgeholt werden. Immer wieder wird er aufsteigen.
[ 18 ] There is no other way to make every single aspect of the Divinity resemble the Divinity itself. We must not even think of trying to comprehend the Divinity with any power we currently possess. Our human intellect is not the highest faculty within us; it has been set aside so that other, higher faculties may develop. It has been set aside from above and is to be replaced by other faculties. It will rise again and again.
[ 19 ] Wir leben in der Gottheit und entwickeln uns zur Gottheit hin. Die Wesen werden immer wieder nachgeholt und zu höheren Stufen hinaufgeführt. Wir wollen nicht mit dem Verstand die Gottheit umspannen. Unsere Meinung von der Gottheit muss in eine immer schönere Meinung übergehen. Die Wahrheit kann nicht als begrenztes Vorstellungsgebilde gefasst werden. Die Wahrheit ist lebend. Ich lebe in der Gottheit, aber ich kann die Gottheit nur soweit begreifen, soweit meine Erfahrungen reichen. Ich kann die Gottheit nur erkennen, soweit ich sie wahrnehmen kann, nicht über das Wahrgenommene hinaus.
[ 19 ] We live in the Divinity and are evolving toward it. Beings are continually drawn back and led up to higher levels. We do not seek to comprehend the Divinity with our intellect. Our conception of the Divine must evolve into an ever more beautiful conception. Truth cannot be grasped as a limited construct of the imagination. Truth is alive. I live in the Divine, but I can comprehend the Divine only to the extent that my experiences reach. I can recognize the Divine only to the extent that I can perceive it, not beyond what I perceive.
[ 20 ] Die Entwicklung soll stattfinden, weil Gott in seiner unendlichen Liebe alle seine einzelnen Glieder so vollkommen hat machen wollen, wie er selbst ist. Es war ein freier Entschluss, keine Notwendigkeit. Es war ein Opfer. Dadurch haben wir eine Entwicklung der einzelnen Glieder der Gottheit zur Gottähnlichkeit. Durch ihr Werk kommt das, was als Möglichkeit der Vollkommenheit in ihr liegt, zum Vorschein.
[ 20 ] This development is to take place because God, in His infinite love, has willed to make all His individual members as perfect as He Himself is. It was a free decision, not a necessity. It was a sacrifice. Through this, we see the individual Persons of the Godhead developing toward godlikeness. Through their work, what lies within them as the potential for perfection is brought to light.
