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Self-Knowledge and God-Knowledge II
GA 90b

4 December 1905, Düsseldorf

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Self-Knowledge and God-Knowledge II, tr. SOL
  1. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis II, 1st ed.

34. Yoga

34. Yoga

[ 1 ] Alle die Erkenntnisse, welche in der theosophischen Literatur den Menschen gebracht werden, stammen natürlich aus einer Quelle. Auf die Frage «Wie kommt man dazu?», muss geantwortet werden: Yoga ist der Weg zu höheren Erkenntnissen, auch zu der Anteilnahme an den höheren Welten überhaupt. «Yoga» heißt: Verbindung mit dem göttlichen Urgrunde des Daseins, mit den geistigen Quellen der Welt. Derjenige, welcher Yoga treibt, wird ein Yogi genannt, das ist ein Mensch, der in sich die Fähigkeiten und Kräfte zu entwickeln sucht, um in die geistigen Welten einzudringen.

[ 1 ] All the insights presented to humanity in Theosophical literature naturally stem from a single source. To the question, “How does one attain this?” the answer must be: Yoga is the path to higher knowledge, and indeed to participation in the higher worlds in general. “Yoga” means: connection with the divine source of existence, with the spiritual sources of the world. One who practices yoga is called a yogi—a person who seeks to develop within themselves the abilities and powers to penetrate the spiritual worlds.

[ 2 ] Zwischen dem, der den Begriff des Yoga erfasst hat, und dem, der heute Kenntnisse zu erwerben sucht, besteht ein großer Unterschied. Letzterer sucht möglichst viel von der Außenwelt in seinen eigenen Geist hineinzubringen. Der Yogi dagegen sucht alle die Quellen der Erkenntnis auf, die aus dem geistigen Leben selbst stammen. Er geht von der ihm gewissen Tatsache aus, dass es eine Entwicklung gibt, dass des Menschen Entwicklung, wie sie jetzt ist, eine Stufe ist, und dass in ihm Kräfte und Fähigkeiten schlummern, die noch herauskommen müssen, und dass, wenn wir sie herausholen, wir wirklich in höhere Welten eintreten können. Wer Yogi werden will, der muss sich aneignen den unbedingten Glauben an die Höherentwicklung des Menschen, nicht einen blinden Glauben, sondern den tätigen Glauben, dass man aufwärts kommen kann, dass man Kräfte entwickeln kann, die vorher noch nicht zum Ausdruck kommen. Aber dies kann nicht von heute auf morgen geschehen. Yoga ist ein Weg, der vielfach in Entsagung besteht, der gesucht werden muss mit Geduld und Ausdauer. Die Menschen in unserem heutigen Kulturleben können sehr schwer dazu kommen, Yoga zu erreichen. Deshalb war die theosophische Bewegung notwendig. Subba Rao hat gesagt, als man ihn fragte, in wie viel Zeit man eine Einweihung erlangen könne: Es kann siebzig Inkarnationen dauern, manchmal auch nur sieben, bei manchen dauert es siebzig Jahre, bei manchen sieben Jahre, und es kann Menschen geben, die in sieben Tagen dazu kommen, andere sogar in sieben Stunden.

[ 2 ] There is a great difference between the one who has grasped the concept of yoga and the one who seeks to acquire knowledge today. The latter seeks to bring as much of the external world as possible into his own mind. The yogi, on the other hand, seeks out all sources of knowledge that originate from spiritual life itself. He proceeds from the fact he knows to be true: that there is a process of development; that human development, as it is now, is but one stage; that powers and abilities lie dormant within him that have yet to emerge; and that, if we bring them forth, we can truly enter higher worlds. Anyone who wishes to become a yogi must cultivate an unconditional belief in the higher evolution of humankind—not a blind faith, but an active conviction that one can rise to higher levels, that one can develop powers that have not yet been expressed. But this cannot happen overnight. Yoga is a path that often involves renunciation, one that must be pursued with patience and perseverance. People in our modern cultural life find it very difficult to attain yoga. That is why the Theosophical Movement was necessary. When asked how long it would take to attain initiation, Subba Rao said: “It may take seventy incarnations, sometimes as few as seven; for some it takes seventy years, for others seven years, and there may be people who attain it in seven days, others even in seven hours.”

[ 3 ] Es hängt natürlich davon ab, auf welcher Stufe der Reife ein Mensch steht. Der Mensch kann vielleicht weiter sein, als er selbst weiß. Innerlich kann ein Mensch heute schon befähigt sein, seine Willens- und Geisteskräfte in der geistigen Welt zu betätigen. Es kann sein, dass jemand in einer früheren Inkarnation viel weiter war, als er heute gekommen ist. Vielleicht konnte in dieser Inkarnation durch die Bedingungen des physischen Leibes nicht herauskommen, was schon in ihm war; nun müssen die früher erlangten Kräfte durch die Kräfte des jetzigen Lebens herausgeholt werden. Es könnte zum Beispiel jemand ein weiser Priester gewesen sein mit magischen Fähigkeiten. Dies müsste nun in der späteren Inkarnation durch die Kräfte der betreffenden Inkarnation herausgeholt werden. Vielleicht ist die Gehirnentwicklung in der späteren Inkarnation nicht so weit, um das zu ermöglichen. Es können auch andere Kräfte sein, die fehlen, vielleicht die Liebe und Güte; dann kann man die früheren Kräfte nicht wieder herausholen. Darum dauert es bei dem einen Menschen kürzer, bei dem anderen länger, bis er die Einweihung erreicht. Es handelt sich darum, durch eine möglichst intime Herstellung des inneren Lebens zu erforschen, was schon in uns ist.

[ 3 ] Of course, it depends on a person’s level of maturity. A person may be further along than he or she realizes. Internally, a person may already be capable today of exercising his or her powers of will and spirit in the spiritual world. It may be that someone was much further along in a previous incarnation than they are today. Perhaps, in that incarnation, the conditions of the physical body prevented what was already within them from coming to the fore; now, the powers acquired earlier must be brought to the surface through the forces of the present life. For example, someone might have been a wise priest with magical abilities. This would now have to be brought forth in a later incarnation through the powers of that particular incarnation. Perhaps the development of the brain in the later incarnation is not advanced enough to make this possible. There may also be other powers that are lacking—perhaps love and kindness—in which case one cannot reclaim the earlier powers. That is why it takes some people less time and others more time to reach initiation. The goal is to explore, through the most intimate cultivation of inner life possible, what is already within us.

[ 4 ] Man muss den Begriff von Yoga immer mehr entfernen von allem Äußeren, Tumultuarischen, und sich denken, dass Yoga geschehen wird in der Abgeschlossenheit des innersten Lebens. Vor allem ist zu berücksichtigen, dass niemals solche höheren geistigen Eigenschaften entwickelt werden sollten, ohne dass gleichzeitig der Charakter gestärkt wird. Man denke sich eine gelbe und eine blaue Flüssigkeit gemischt, dann entstände eine grüne Flüssigkeit. So wie die gelbe und die blaue Flüssigkeit, wenn sie gemischt werden, eine grüne ergeben, so sind die geistigen und physischen Kräfte des Menschen vereint. Wenn man die geistige Natur herausholt, dann bleibt die physische Natur sozusagen als Bodensatz zurück. Viel hängt davon ab, dass die beiden Naturen [richtig] gemischt sind. Dadurch ist der Mensch ein bestimmter Mensch, dass die höhere Natur mit der niederen Natur verbunden ist. Bei der Yogaschulung wird die höhere Natur herausgezogen, und alle diejenigen Eigenschaften, die im Menschen schlecht sind, die treten dann hervor, wenn nicht absolute Charakterentwicklung nebenher geht. Man muss darauf gefasst sein, wenn man Yoga anstrebt, dass einem die merkwürdigsten Dinge im Leben entgegentreten. Das sind die Versuchungen des Heiligen Antonius. Wenn man ernsthaft anfängt mit Yogaübungen, dann muss man darauf gefasst sein, dass aus der niederen Natur allerlei herauskommt. Manche vorher wahrhaftige Menschen fangen an zu lügen, zu schwindeln, ihrem Charakter nach unzuverlässig zu werden. Das geschieht, wenn nicht im strengsten Sinne bei der Yogaschulung verlangt wird, dass die Schüler beständig ihren Charakter festigen. Auch die Gelegenheiten zu verkehren treten dann wie herbeigezaubert auf. Darum wird in allen echten Yogaschulen zuerst auf die Entwicklung der Moralität gesehen. Annie Besant sagt immer wieder den Abendländern: Eine geistige Schulung ohne moralische Hebung des Charakters könne nur auf Abwege führen.

[ 4 ] One must increasingly strip the concept of yoga of all external and tumultuous elements, and realize that yoga takes place in the seclusion of one’s innermost life. Above all, it is important to bear in mind that such higher spiritual qualities should never be developed without simultaneously strengthening one’s character. Imagine mixing a yellow liquid with a blue one; the result would be a green liquid. Just as the yellow and blue liquids, when mixed, produce a green one, so too are the spiritual and physical forces of the human being united. If one extracts the spiritual nature, the physical nature remains, so to speak, as a residue. Much depends on these two natures being [properly] blended. It is precisely because the higher nature is connected to the lower nature that a person is who they are. In yoga training, the higher nature is drawn out, and all the negative qualities within a person then come to the fore if absolute character development does not occur simultaneously. If you aspire to practice yoga, you must be prepared for the strangest things to occur in your life. These are the temptations of Saint Anthony. When you seriously begin yoga exercises, you must be prepared for all sorts of things to emerge from the lower nature. Some people who were previously truthful begin to lie, to deceive, and to become unreliable in character. This happens when yoga training does not strictly require students to constantly strengthen their character. Opportunities for misconduct then appear as if by magic. That is why all genuine yoga schools focus first and foremost on the development of morality. Annie Besant repeatedly tells Westerners: Spiritual training without moral elevation of character can only lead astray.

[ 5 ] Yoga besteht darin, dass der Mensch gewisse Dinge, die er sonst unbewusst tut, ins Bewusstsein heraufhebt. Unbewusst vollzieht der Mensch gewöhnlich den Atmungsprozess; der wird vom Yogaschüler aus dem Unterbewussten ins Bewusstsein heraufgehoben. Jene Yogaschulung, die von vornherein auf den Atmungsprozess das größte Gewicht legt, die Hatha-Yogaschulung, führt nur bis zu einem gewissen Punkte der Entwicklung; da bricht sie ab. Weiter als bis zur Erkenntnis des Astralen geht sie nicht. Von Anfang an soll man den Hatha-Yoga-Weg nicht beschreiten, sondern den RajaYoga-Weg. Der betrachtet einen solchen Prozess wie den Atmungsprozess als einen Teil eines großen Ganzen. Dazu gehört noch viel mehr, dass wir die Dinge, die wir vorher unbewusst ausführen, ins Bewusstsein hineinbringen. Ein großer Teil unserer Gedankenprozesse wird von uns nicht beachtet. Wir müssen lernen, mit Aufmerksamkeit den inneren Prozess des Denkens zu verfolgen. Das können wir, indem wir in uns vollständige Ruhe gegenüber der Außenwelt herbeiführen. Dann müssen wir selbst Gedanken in diese Ruhe hineinbringen und die Aufmerksamkeit auf den bestimmten

[ 5 ] Yoga consists of bringing certain things—which a person would otherwise do unconsciously—into conscious awareness. People usually carry out the breathing process unconsciously; the yoga student brings this process up from the subconscious into consciousness. That form of yoga training which places the greatest emphasis on the breathing process from the outset—Hatha Yoga—leads only up to a certain point in development; there it comes to a halt. It does not go beyond the recognition of the astral realm. From the very beginning, one should not follow the path of Hatha Yoga, but rather the path of Raja Yoga. Raja Yoga regards a process such as breathing as part of a greater whole. This involves much more than simply bringing into conscious awareness the things we previously performed unconsciously. We pay no attention to a large part of our thought processes. We must learn to follow the inner process of thinking with attention. We can do this by bringing about complete stillness within ourselves in relation to the outside world. Then we must bring thoughts into this stillness ourselves and direct our attention to the specific

[ 6 ] Gedanken lenken. Am besten ist es, wenn wir solchen Gedanken uns hingeben, die eine Kraft enthalten. Dies bewusste Sich-hineinVersenken in einen Gedanken, das nennt man Meditieren. Auf das Intim-mit-einem-Gedanken-Leben, darauf kommt es an. Man kann meditieren mit einem bestimmten wertvollen Gedankeninhalt. Man muss ganz darauf ruhen in aller Stille. Man könnte es auch machen mit einem alltäglichen Gedanken, zum Beispiel mit dem Gedanken «Tisch» und sich klar machen, was das ist. Die meisten machen sich gar nicht klar, was ein Tisch ist, nämlich dass auf mehrere Beine eine Gewichtsmasse sich verteilt. Man kann suchen, sich kontemplativ den Begriff des Tisches klar zu machen.

[ 6 ] Directing thoughts. It is best to immerse ourselves in thoughts that contain power. This conscious immersion in a thought is what is called meditation. What matters is living in intimate communion with a thought. You can meditate on a specific, meaningful thought. One must rest completely in it, in utter stillness. One could also do this with an everyday thought—for example, the thought “table”—and clarify for oneself what it is. Most people do not even realize what a table is—namely, that a mass of weight is distributed across several legs. One can seek to clarify the concept of a table through contemplation.

[ 7 ] Man sehe sich gewisse Bilder großer Maler an [...]. Bei manchen ist man befriedigt, wenn man schwebende Figuren sieht, bei anderen dagegen ist man gar nicht befriedigt. Bei einigen Bildern fühlt man, dass der Maler förmlich in den Figuren lebte, bei anderen, dass er die Figuren nur von außen gesehen hat.

[ 7 ] Consider certain paintings by great artists [...]. With some, one is satisfied to see figures that seem to float; with others, however, one is not satisfied at all. In some paintings, one senses that the artist literally lived within the figures; in others, that he saw the figures only from the outside.

[ 8 ] Der europäische Kulturmensch wird sehr schwer es zustande bringen, sich lange in einen solchen Begriff zu versenken. Aber der wirkliche Yogi muss sich immer mehr in den Begriff versenken. Während wir so im Innern leben, dann entwickeln sich in unserer Seele Kräfte, die vorher nicht da waren. Wenn wir auf einem Begriff mit der Seele ruhen, dann kommen diese Kräfte heraus. Man muss die Zügel in der Hand haben und sein Seelenleben so betrachten, dass man immer die Zügel in der Hand hat. Dazu ist ein gutes Vorbereitungsmittel dieses stille In-sich Ruhen in Gedanken. Die Gedanken des Lebens rufen die innere Seele auf zu den verschiedensten Affekten. Man muss lernen, nicht geführt zu werden von den Seelenkräften, sondern sie zu führen. Man muss lernen, dass man Gelegenheit hat, sein Inneres immer mehr zu stärken, sodass man einen Zornausbruch zurückhalten kann, dass man Hass zurückhalten kann. Alle Affekte und Leidenschaften müssen wir in unsere Hand bekommen, sodass nichts mit uns durchgeht. Vollständige Beherrschung und Zügelung unseres Inneren müssen wir erreichen. Das wird erreicht durch die stille Hingabe an den Gedanken.

[ 8 ] It is very difficult for the cultured European to immerse himself in such a concept for any length of time. But the true yogi must immerse himself more and more in the concept. As we live in this way within ourselves, powers develop in our soul that were not there before. When we rest with our soul on a concept, these powers emerge. One must hold the reins and observe one’s inner life in such a way that one always holds the reins. A good means of preparation for this is this quiet resting within oneself in thought. The thoughts of life stir the inner soul to a wide variety of emotions. One must learn not to be led by the forces of the soul, but to lead them. One must learn that one has the opportunity to strengthen one’s inner self more and more, so that one can restrain an outburst of anger and hold back hatred. We must bring all emotions and passions under our control so that nothing gets the better of us. We must achieve complete mastery and restraint of our inner self. This is achieved through quiet devotion to thought.

[ 9 ] Zum Meditieren ist notwendig: Erstens das Festsetzen eines Gedankens in sich, zweitens sich mit dem Gedanken identifizieren, drittens dann eine Zeit lang darinnen bleiben. Man muss in einen Gedanken, zum Beispiel in den Begriff des Tisches hineinkriechen, den Willen damit identifizieren. Dann tritt Samadhi ein, das ist das Versenken in den Gegenstand.

[ 9 ] To meditate, one must: first, fix a thought within oneself; second, identify with that thought; and third, remain within it for a time. One must immerse oneself in a thought—for example, in the concept of a table—and identify one’s will with it. Then samadhi sets in; this is absorption in the object.

[ 10 ] Zusammenhängend mit einer solchen Gedankenschulung ist die Regelung des Atmungsprozesses. Wenn dieser allein in Angriff genommen wird, von Anfang an, so ist das Hatha-Yoga. Wenn es einen Teil der anderen Schulung bildet, so ist es Raja-Yoga. Der Yogi muss gewisse Zeiten des Atmens beobachten, dann kommt er in ein rhythmisches Leben. Darauf beruhen die sieben Grade der persischen Einweihung: Raben, Okkulte, Streiter, Löwen, Perser, Sonnenläufer, Väter. Sonnenläufer wurden diejenigen genannt, die so weit gekommen waren, ihr Leben zu einem ganz rhythmischen zu machen. Dadurch ordnet sich der Mensch ein in den ganzen Naturrhythmus. Die Sonne kommt nach jedem Jahr wieder an denselben Punkt zurück. Alles geschieht bei ihr rhythmisch. Auf Rhythmen beruht alles im Leben. Will der Mensch etwas erlangen, so muss er in sein Leben Rhythmus hineinbringen. Die Pflanzen und die Tiere hängen in ganz bestimmter Weise mit den Jahreszeiten zusammen. Beim Menschen ist zunächst alles der Willkür des Astralleibes unterworfen, und die macht sein Leben unrhythmisch. Das bringt Unordnung in sein Leben. Er muss es nun wieder rhythmisch machen.

[ 10 ] Regulating the breathing process is integral to this kind of mental training. When this is undertaken on its own, from the very beginning, it is Hatha Yoga. When it forms part of other training, it is Raja Yoga. The yogi must observe certain breathing patterns; then he enters into a rhythmic way of life. The seven degrees of Persian initiation are based on this: Ravens, Occultists, Warriors, Lions, Persians, Sun-Walkers, and Fathers. Those who had progressed far enough to make their lives entirely rhythmic were called Sun-Walkers. Through this, the human being aligns himself with the entire rhythm of nature. The sun returns to the same point every year. Everything about it happens rhythmically. Everything in life is based on rhythms. If a person wants to achieve something, they must bring rhythm into their life. Plants and animals are connected to the seasons in very specific ways. In human beings, however, everything is initially subject to the whims of the astral body, and this makes their life unrhythmic. This brings disorder into their life. They must now restore rhythm to it.

[ 11 ] Wenn ich nun jeden Tag zu einer bestimmten Stunde, zum Beispiel um sieben Uhr morgens, meditiere, so bringe ich Rhythmus in mein Leben. Aber wenn ich statt um sieben Uhr zwischendurch, um zehn Uhr oder zu einer anderen Zeit, meditiere, dann ist der Rhythmus gestört. Auch wenn der Mensch sich vornimmt, jeden Tag um sieben Uhr morgens ein Gebet zu sprechen, ferner um zwölf Uhr mittags und vor dem Schlafengehen, dann sind das drei feste Punkte, die Rhythmus in unser Leben bringen. Ein Teil des Rhythmisierens des Lebens ist auch das Rhythmisieren des Atmungsprozesses. Es hängt das zusammen mit ganz tiefen Dingen, die zwischen dem Menschen und dem Weltenall bestehen. Pflanze und Mensch gehören in einer gewissen Weise zusammen. Der Mensch atmet Sauerstoff ein und Kohlensäure aus, die Pflanze macht es umgekehrt. Es besteht in der ganzen Evolution ein Zusammenhang zwischen der Pflanzen- und der Menschennatur. Die Pflanze wächst rhythmisch nach Naturgesetzen. Sie ist noch ganz durch und durch keusch, weil sie noch nicht das astrale Leben in sich hat. Sie steht auf der einen Seite höher als der Mensch, auf der anderen Seite steht sie tiefer. Als ein Ideal steht sie vor dem Menschen. Der Mensch muss ihr ähnlich werden durch eine Rhythmisierung des Atmungsprozesses. Wenn man einatmet und den Atem länger anhält, so entwickelt man in sich Kohlensäure, man nähert sich dadurch der Pflanzennatur.

[ 11 ] If I meditate every day at a specific time—for example, at seven in the morning—I bring rhythm into my life. But if, instead of at seven, I meditate at ten or at some other time, the rhythm is disrupted. Even if a person resolves to say a prayer every day at seven in the morning, as well as at noon and before going to bed, these are three fixed points that bring rhythm into our lives. Part of bringing rhythm to life also involves bringing rhythm to the breathing process. This is connected to very profound things that exist between human beings and the universe. Plants and human beings belong together in a certain way. Human beings inhale oxygen and exhale carbon dioxide; plants do the opposite. Throughout evolution, there is a connection between plant nature and human nature. The plant grows rhythmically according to the laws of nature. It is still entirely chaste, because it does not yet possess astral life within itself. On the one hand, they stand higher than humans; on the other hand, they stand lower. As an ideal, they stand before humanity. Humans must become like them by introducing rhythm into the breathing process. When one inhales and holds one’s breath longer, carbon dioxide builds up within; in this way, one draws closer to the nature of plants.

[ 12 ] Wenn der Yogi allmählich in bewusster Weise sich hineinlebt in das, was er vorher unbewusst getan hat, dann gehen um ihn ringsherum neue Welten auf. Er erlebt dann neue Welten. Wenn wir schlafen, würden wir die herrlichste Musik nicht hören. So ist der Mensch zunächst ein Schlafender gegenüber den geistigen Welten. Und so wie das Aufwachen gegenüber den Melodien, so gibt es ein Aufwachen in der geistigen Welt durch den Atmungsprozess. Legt man sich bewusst in den Atmungsprozess hinein, dann beginnt die imaginative Erkenntnis. Das gewöhnliche Sehen ist materielle Erkenntnis. Die imaginative Erkenntnis besteht darin, dass wir imstande sind, Bilder zu erwecken, die keine bloßen Visionen sind, sondern die im Urgrund des Daseins begründet sind. Auch wenn man die gewöhnliche Welt anschaut, so hat man im Grunde genommen nur Bilder. Alles in der Außenwelt ist ein Bild. Die Bilder der Außenwelt entsprechen der materiellen Erkenntnis. Die Bilder, die durch den Yogaprozess eintreten, die werden im Inneren angeregt, in der richtigen Weise angeregt.

[ 12 ] When the yogi gradually and consciously immerses himself in what he previously did unconsciously, new worlds open up all around him. He then experiences new worlds. When we sleep, we would not hear even the most beautiful music. Thus, human beings are initially like sleepers in relation to the spiritual worlds. And just as we awaken to melodies, so too is there an awakening in the spiritual world through the process of breathing. If one consciously immerses oneself in the process of breathing, then imaginative perception begins. Ordinary seeing is material perception. Imaginative perception consists in our ability to evoke images that are not mere visions, but are rooted in the very foundation of existence. Even when one looks at the ordinary world, one essentially has only images. Everything in the external world is an image. The images of the external world correspond to material perception. The images that arise through the process of yoga are stimulated within, stimulated in the proper way.

[ 13 ] Es kommt bei dieser ganzen Welt, die dann in uns aufgeht, darauf an, dass sie innerlich wahr ist. Das ist die Schwierigkeit bei der Yogaschulung. Solange der Mensch persönliche Wünsche hat, kann er in dieser Welt nicht leicht die Wahrheit von der Unwahrheit unterscheiden. Deshalb diese Notwendigkeit, selbstlos zu werden. In den pythagoreischen Schulen hat man den Leuten klar gemacht: Über das Leben nach dem Tode könnt ihr erst dann etwas erfahren, wenn es euch ganz gleichgültig geworden ist, ob ihr nach dem Tode noch lebt oder nicht. - Alle persönliche Aspiration ist in Bezug auf diese eine Frage ausgeschaltet. Wenn der persönliche Wunsch ausgeschaltet ist, da, wo es auf die Imagination ankommt, dann drückt sich in der Imagination die Wahrheit aus.

[ 13 ] What matters in this entire world, which then merges within us, is that it is true on an inner level. That is the difficulty in yoga training. As long as a person has personal desires, it is not easy for them to distinguish truth from falsehood in this world. That is why it is necessary to become selfless. In the Pythagorean schools, it was made clear to people: You can only learn anything about life after death once you have become completely indifferent to whether you will still be alive after death or not. — All personal aspiration is eliminated with regard to this one question. When personal desire is eliminated—where imagination comes into play—then the truth expresses itself through the imagination.

[ 14 ] Die dritte Stufe ist die Stufe des rationellen Willens. Da erfährt man auch, wie das Wahre gemacht wird, den Willen, durch den etwas gewollt wird. Die vierte Stufe ist die Stufe der Intuition. Es handelt sich bei der Yogaschulung um das Zügeln alles dessen, was in uns ist: Wunsch, Trieb, Begierde und Leidenschaft. Solange wir das nicht beherrschen, macht es uns die Wahrheit illusionär. Absolute innere Ruhe, Geduld, Ausdauer, Standhaftigkeit kommen bei der Yogaschulung vor allen Dingen in Betracht.

[ 14 ] The third stage is the stage of rational will. Here one also learns how truth is created—the will through which something is willed. The fourth stage is the stage of intuition. Yoga training involves reining in everything within us: desire, instinct, craving, and passion. As long as we do not master these, they make the truth seem illusory. Absolute inner calm, patience, perseverance, and steadfastness are of primary importance in yoga training.

[ 15 ] Gewisse Charaktereigenschaften sind dabei unerlässlich. Nie dürfen wir die Harmonie mit unserer Umgebung verlieren, sonst ist es aus mit unserem Fortschritt. Wenn der klügste Mensch einschliefe und dann auf dem Mars aufwachte, könnte er mit seinen Fähigkeiten auf dem Mars nichts anfangen. Man würde ihn dort für irrsinnig halten. Alles Irresein ist Mangel an Harmonie mit der Umgebung; dann kann man nicht weiterkommen, wenn das eintritt. Nicht ein trunkener Mensch soll man werden, wie Platon sagt, sondern ein nüchterner Mensch, und seine alltäglichen Pflichten in keiner Weise versäumen. Das ist unbedingt notwendig bei der Yogaschulung.

[ 15 ] Certain character traits are indispensable in this regard. We must never lose harmony with our surroundings; otherwise, our progress will come to an end. If the wisest person were to fall asleep and then wake up on Mars, he would be unable to make use of his abilities there. People there would consider him insane. All madness is a lack of harmony with one’s surroundings; once that happens, one cannot make any further progress. As Plato says, one should not become a drunken person, but rather a sober one, and one must not neglect one’s daily duties in any way. This is absolutely essential in yoga training.

[ 16 ] Dann ist noch wichtig, Bescheidenheit zu entwickeln. Nur unter dem Einfluss höchster Bescheidenheit kann man in richtiger Weise von den Erfahrungen in den höheren Welten sprechen. Ein ganz immens hoher Grad von Bescheidenheit muss neben der Yogaschulung einhergehen. Der orientalische Schüler kann sich leicht erringen das Gefühl der Achtung, der Schätzung des Lehrers. Darauf kommt es in diesem Falle sehr viel an. Das tiefinnerste Vertrauen zum Lehrer ist bei der Yogaschulung notwendig, weil man einen festen Punkt haben muss. Der Yogaschüler verlässt ja in gewisser Weise die ganze übrige Welt. Sein Verhältnis zur Welt ändert sich. Alle Dinge bekommen dann eine neue Bedeutung.

[ 16 ] It is also important to cultivate humility. Only under the influence of the utmost humility can one speak correctly about experiences in the higher worlds. An immensely high degree of humility must go hand in hand with yoga training. The Eastern student can easily earn the teacher’s respect and esteem. This is of great importance in this case. Deep, innermost trust in the teacher is necessary in yoga training because one must have a firm anchor. After all, the yoga student, in a sense, leaves the rest of the world behind. His relationship to the world changes. All things then take on a new meaning.

[ 17 ] Er wird fremd seiner Umgebung gegenüber. Er muss sich alle Dinge umwandeln. Eine gewisse geistige Alchemie geht mit ihm vor. Er muss nun alles aus dem inneren Pflichtgefühl tun. Er behandelt alles von einem neuen Gesichtspunkte aus. Die Art und Weise, wie er zu den Dingen steht, ändert sich ganz und gar. In einer gewissen Weise wird der Mensch seiner Umgebung entfremdet. Wenn er nicht die volle Charakterstärke entwickelt, kann er dann leicht den Zusammenhang mit der Umgebung verlieren.

[ 17 ] He becomes estranged from his surroundings. He must transform everything. A certain kind of spiritual alchemy takes place within him. He must now do everything out of an inner sense of duty. He approaches everything from a new perspective. The way he relates to things changes completely. In a certain sense, a person becomes estranged from his surroundings. If he does not develop full strength of character, he can easily lose touch with his surroundings.

[ 18 ] Der feste Punkt für den Yogaschüler war immer der Lehrer, der ihm ein Haltepunkt war, den er seinen Guru nennt, den er wie die Verkörperung der Gottheit im Menschen ansieht. In Wirklichkeit ist es so, dass in höheren Menschennaturen wirklich göttliche Wesen da sind. Es erscheint dem orientalischen Menschen dies selbstverständlich, dass in dem Guru eine höhere Wesenheit lebt. Im Abendlande ist das nicht der Fall. Wenn jemand eine Yogaschulung im Abendlande sucht, dann findet er auch im Abendlande die Möglichkeit, zum Ziele zu kommen.

[ 18 ] The anchor for the yoga student has always been the teacher, who serves as a point of stability for him; he calls him his guru and regards him as the embodiment of the deity in human form. In reality, there are truly divine beings present within the natures of higher human beings. To Easterners, it seems self-evident that a higher being dwells within the guru. This is not the case in the West. If someone seeks yoga training in the West, they will also find the opportunity to achieve their goal there.

[ 19 ] Das größte Übel der Yogaschulung wäre Ungeduld. Aber die überwindet man, wenn man Reinkarnation und Karma als Wirklichkeiten erkennt. Das muss als Gefühl in uns leben, dass man das jetzige Leben zwischen Geburt und Tod tatsächlich als eines unter vielen ansieht.

[ 19 ] The greatest obstacle in yoga training would be impatience. But one can overcome it by recognizing reincarnation and karma as realities. We must carry within us the conviction that this present life, between birth and death, is in fact just one among many.

[ 20 ] In einer Mitschrift von Anna Rebmann ist noch die folgende Tabelle angehängt:

[ 20 ] The following table is appended to a transcript by Anna Rebmann:

Materiales Erkennen Gegenstand
(Sensation)
Bild Begriff Ich 1. Stufe
Imaginatives Erkennen Illumination Bild Begriff Ich 2. Stufe
Willensartiges Erkennen Inspiration Begriff Ich 3. Stufe
Intuition Ich 4. Stufe
Schwan
Perception of Materials Object
(Sensation)
Image Concept I 1st Level
Imaginative Cognition Illumination Image Concept I 2nd Level
Volitional Recognition Inspiration Concept I 3rd Level
Intuition I 4th Level
Swan