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The Occult Truths of Old Myths and Legends
GA 92

8 July 1904, Berlin

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The Occult Truths of Old Myths and Legends, tr. SOL
  1. Die okkulten Wahrheiten alter Mythen und Sagen, 3rd ed.

3. Sakramentalismus Dädalus und Ikarus

3. Sacramentalism: Daedalus and Icarus

[ 1 ] Ist das Wissen von dem, was die Theosophie lehrt, überhaupt etwas, was für weitere Kreise von einer besonderen Wichtigkeit und Bedeutung ist, oder ist Theosophie etwas, was nur für einige, besonders sich dafür Interessierende bestimmt sein kann? Diese Frage führt auf ein Thema, das sehr selten besprochen wird, das aber einmal besprochen werden muß: das ist der sogenannte Sakramentalismus und die besondere Aufgabe unserer gegenwärtigen Wurzelrasse. Die Frage ist: Was ist Sakramentalismus, und wie verhält sich unsere rein menschliche Aufgabe dazu? - Man könnte fragen: Was hat es für eine Bedeutung für irgendeinen Handwerksmann, der den ganzen Tag in einer Tischlerwerkstätte arbeitet, wenn er weiß, daß Lohengrin einstmals als ein Abgesandter des heiligen Gral die wichtigsten Kulturbewegungen des Mittelalters inspiriert hat? Was hat überhaupt all das Reden von diesen hohen geistigen, idealen Zielen für eine Bedeutung für die breite Masse? - Die ganze Frage beantwortet sich dann, wenn man das Wesen des Sakramentalismus versteht.

[ 1 ] Is knowledge of what Theosophy teaches something that is of particular importance and significance to a wider audience, or is Theosophy something intended only for a select few who are especially interested in it? This question leads to a topic that is very rarely discussed, but one that must be addressed: namely, so-called sacramentalism and the special task of our present root race. The question is: What is sacramentalism, and how does our purely human task relate to it?—One might ask: What significance does it have for any craftsman who works all day in a carpenter’s shop to know that Lohengrin, once an emissary of the Holy Grail, inspired the most important cultural movements of the Middle Ages? What significance does all this talk of lofty spiritual and ideal goals have for the general public anyway? — The entire question is answered once one understands the essence of sacramentalism.

[ 2 ] Ich möchte heute, anknüpfend an die Anschauungen der Griechen, über die Entstehung unserer gegenwärtigen, nachatlantischen Wurzelrasse im Verhältnis zu der vorhergehenden, der atlantischen Wurzelrasse, sprechen und daran einiges andere anknüpfen über die Bedeutung des Sakramentalismus. Sie alle kennen die Sage von Dädalus und Ikarus und auch die Sage von Theseus. Ich möchte kurz den ungeheuer tiefen Sinn berühren, der in der DädalusIkarus-Sage steckt. Man erzählt, daß einst ein Mensch gelebt hat mit Namen Dädalus, der imstande war, Kunstwerke zu schaffen, die lebten, Statuen, die sehen und hören konnten, Maschinen, die sich selbst bewegten. Das alles verstand Dädalus. Er war angesehen im ganzen Lande, aber er war auch außerordentlich ehrgeizig. Er hatte einen Schwestersohn, Talos, den er unterrichtete und der ihn bald übertraf in gewisser Beziehung. Es wird uns geschildert, daß Talos imstande war, Töpferscheiben zu benützen, und daß er auch gewisse Künste beherrschte, die dem Dädalus fremd waren. Talos studierte zum Beispiel die Kinnbacken einer Schlange und hatte die Idee, aus den Zähnen der Schlange eine Säge zu formen. So wurde er der Erfinder der Säge. Wenn wir das einander gegenüberstellen, was uns als Charakter bei Dädalus und was uns als Charakter bei Talos entgegentritt, so werden wir sehen, daß es sich bei Dädalus um Dinge handelt, die unserer fünften Wurzelrasse schon fremd geworden sind. Dagegen erfindet Talos solche Dinge, die zu den technischen Fertigkeiten der fünften Wurzelrasse gehören. Wenn wir einen Vergleich ziehen zu der vierten Wurzelrasse, den Atlantiern, so sehen wir, wie die Atlantier imstande waren, die VrilKraft anzuwenden, so wie wir den Dampf zum Antrieb von Lokomotiven, Maschinen und so weiter benutzen. Diese Kunst ist in der nachatlantischen Zeit verlorengegangen. Dagegen hat unsere Zeit die moderne Fähigkeit, unorganische Objekte zu Maschinen zusammenzufügen. Diesen Übergang will uns die Sage zeigen. Dädalus bringt es dann dazu, daß er sich eine Art von Flügel machen kann, womit er sich über die Erde zu erheben vermag. Sein Sohn Ikarus will das auch machen, aber es gelingt ihm nicht, er geht dabei zugrunde. Diese Gegenüberstellung soll aus dem griechischen Geist heraus zeigen, daß die verschiedenen Epochen unserer Erdentwicklung verschiedene Aufgaben haben. Wollte eine Epoche der Erdentwicklung eine Aufgabe übernehmen, die nur für eine andere taugt, so würde sie dabei zugrundegehen. Alles an seinem Ort, alles zu seiner Zeit.

[ 2 ] Today, building on the views of the Greeks, I would like to speak about the origin of our present, post-Atlantean root race in relation to the preceding one, the Atlantean root race, and to expand on this with some additional remarks regarding the significance of sacramentalism. You are all familiar with the legend of Daedalus and Icarus, as well as the legend of Theseus. I would like to briefly touch upon the immensely profound meaning contained in the Daedalus-Icarus legend. It is said that there once lived a man named Daedalus who was capable of creating works of art that were alive—statues that could see and hear, machines that moved of their own accord. Daedalus understood all of this. He was respected throughout the land, but he was also extraordinarily ambitious. He had a nephew, Talos, whom he taught and who soon surpassed him in certain respects. We are told that Talos was able to use potter’s wheels and that he also mastered certain arts that were foreign to Daedalus. Talos, for example, studied the jaws of a snake and had the idea of fashioning a saw from the snake’s teeth. Thus he became the inventor of the saw. If we compare the characteristics we see in Daedalus with those we see in Talos, we will see that Daedalus’s achievements pertain to things that have already become foreign to our fifth root race. In contrast, Talos invents things that belong to the technical skills of the fifth root race. If we draw a comparison with the fourth root race, the Atlanteans, we see how the Atlanteans were able to apply the power of Vril, just as we use steam to power locomotives, machines, and so on. This art was lost in the post-Atlantean era. In contrast, our era possesses the modern ability to assemble inorganic objects into machines. The legend seeks to illustrate this transition. Daedalus eventually succeeds in crafting a kind of wing with which he is able to rise above the earth. His son Icarus wants to do the same, but he fails and perishes in the attempt. This contrast is meant to illustrate, from the Greek perspective, that the various epochs of Earth’s development have different tasks. If one epoch of Earth’s development were to undertake a task suited only to another, it would perish in the process. Everything in its place, everything in its time.

[ 3 ] Nun hat die griechische Sage mit der Dädalus-Sage noch etwas anderes verknüpft. Dädalus geht, nachdem er Talos getötet hat, nach Kreta zu Minos. Dort ist ein Ungeheuer, der Minotaurus. Der Minotaurus steht im Gegensatz zur Sphinx. Der Minotaurus hat einen Stierkopf mit menschlichem Körper, die Sphinx hat einen Menschenkopf mit tierischem Körper. Der Minotaurus soll gehemmt werden in seinen verheerenden Wirkungen. Dädalos soll ihn bannen; das kann er, indem er ihm ein Labyrinth baut. Der Minotaurus muß mit Menschen ernährt werden. Alle neun Jahre müssen ihm sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen geopfert werden. Mit der Minotaurus-Sage steht die Theseus-Sage in Verbindung. Theseus war der Sohn des Ägeus. Dieser hatte bestimmt, daß Theseus das Schwert und die Sandalen unter einem großen Felsstück hervorholen sollte, die der Vater dort verborgen hatte. Nachdem Theseus in Athen verschiedenes vollbracht hatte, geht er nach Kreta, um den Minotaurus zu überwinden und die Stadt Athen von der Lieferung der sieben Jünglinge und der sieben Jungfrauen zu befreien. In Kreta wurde von Seiten der Griechen immer etwas ganz besonderes gesucht. In Kreta soll auch Lykurg gelernt und seine Verfassung für eine Art kommunistisches Gemeinwesen erhalten und nach Sparta gebracht haben, denn in Kreta soll es eine Verfassung gegeben haben, die in allen alten Priesterstaaten heimisch war; es waren Überreste des alten atlantischen PriesterKommunismus, der auf jeden persönlichen Besitz verzichtet. Mit jeder ursprünglichen Religionsgründung hängt eine Art Kommunismus zusammen. Nach Kreta sieht sogar noch Plato als dem Sitz einer mustergültigen Verfassung. Diese Priesterverfassung ist ein Überbleibsel der alten atlantischen Gestaltung. Dädalus konnte das, was in Kreta schädlich war, bannen, weil er mit dem atlantischen Leben bekannt war. In dem Minotaurus haben wir den Repräsentanten der schwarzen Magie in Kreta zu sehen. Das soll jetzt aufhören. Jetzt wollen die Athener nicht mehr die sieben Jünglinge und die sieben Jungfrauen nach Kreta schicken. Das Schiff des Theseus fuhr hinaus mit schwarzen Segeln. Er wollte nach Überwindung des Minotaurus ein weißes Segel hissen statt des früheren schwarzen. Die schwarze Magie sollte weiß werden. Mit Hilfe des Fadens der Ariadne gelingt Theseus das Unternehmen, und er kehrt nach Athen zurück, [aber er vergaß, die weißen Segel zu setzen]. Die Griechen waren aber noch nicht so weit, daß sie des weißen Pfades vollkommen würdig waren. Liebe soll regieren im Ariadnefaden. Es wird aber in jener Zeit schon auf das Christentum so hingedeutet, daß das Liebesprinzip - Ariadne - durch Bacchus geraubt wird, der noch nicht dieses Prinzip ausgebildet hat, welches durch das Christentum verbreitet werden soll. Theseus galt wie Herkules als ein Held, als ein Sonnenläufer, als ein im sechsten Grade Initiierter.

[ 3 ] Now, Greek mythology has linked the Daedalus legend to something else as well. After killing Talos, Daedalus goes to Crete to see Minos. There is a monster there: the Minotaur. The Minotaur stands in contrast to the Sphinx. The Minotaur has the head of a bull and the body of a man, while the Sphinx has the head of a man and the body of an animal. The Minotaur must be restrained to prevent his devastating rampages. Daedalus is tasked with subduing him; he does this by building a labyrinth for him. The Minotaur must be fed human flesh. Every nine years, seven youths and seven maidens must be sacrificed to him. The legend of Theseus is connected to the legend of the Minotaur. Theseus was the son of Aegeus. Aegeus had decreed that Theseus should retrieve the sword and sandals from beneath a large boulder, where his father had hidden them. After Theseus had accomplished various feats in Athens, he went to Crete to slay the Minotaur and free the city of Athens from the obligation to deliver the seven youths and seven maidens. The Greeks had always sought something very special in Crete. It is also said that Lycurgus studied in Crete, received his constitution for a kind of communist commune there, and brought it to Sparta; for there is said to have been a constitution in Crete that was common to all ancient priestly states—these were remnants of the ancient Atlantean priestly communism, which renounced all personal property. A form of communism is associated with every original religious foundation. Even Plato regarded Crete as the seat of an exemplary constitution. This priestly constitution is a remnant of the ancient Atlantean order. Daedalus was able to banish what was harmful in Crete because he was familiar with Atlantean life. In the Minotaur, we must see the embodiment of black magic in Crete. This must now come to an end. Now the Athenians no longer wish to send the seven youths and the seven maidens to Crete. Theseus’s ship set sail with black sails. After defeating the Minotaur, he intended to hoist a white sail in place of the former black one. Black magic was to become white. With the help of Ariadne’s thread, Theseus succeeds in his undertaking and returns to Athens, [but he forgot to hoist the white sails]. The Greeks, however, were not yet ready to be fully worthy of the white path. Love is to reign in the thread of Ariadne. Yet even in that era, there were already indications pointing toward Christianity, such that the principle of love—Ariadne—is usurped by Bacchus, who has not yet developed this principle, which is to be spread through Christianity. Like Hercules, Theseus was regarded as a hero, a sun-walker, and one initiated to the sixth degree.

[ 4 ] Ein solcher Sagenkomplex wurde in Griechenland Volksgut. Das Volk als solches kannte diese Sagen. Warum suchten die Priester in die Sagen die Weltengeheimnisse hineinzulegen? Jeder Priester hätte es als etwas Unheiliges, ja als eine unmögliche Profanation empfunden, irgend etwas in die Dichtung einfließen zu lassen, was nicht einen tiefen Sinn hatte. Dabei war der Priester sich klar darüber, daß der tiefe Sinn dem Volke nicht ohne weiteres aufgehen konnte. Dem Volke erzählte man die Fabel, das Märchen, den Mythos; in ihnen lag der tiefe Sinn. Das ist das Grundkennzeichen der ganzen Dichtung der Alten. Je weiter wir zurückgehen, desto tiefer wird der Sinn. Eine Dichtung, die nicht einen tiefen Sinn hätte, gibt es in jenen Zeiten nicht. Erst spätere Zeiten kamen ab von dieser Priesteranschauung und brachten Werke hervor, die nichts mehr von diesen spirituellen Geheimnissen hatten. Selbst auf dem Markte sollten nur Dinge vorgetragen werden, die herausgeflossen sind aus dem spirituellen Leben. Wenn wir uns das vor Augen halten, so können wir sagen, eine andere Führung als die der Priester gab es damals noch nicht. Erst später wird der Priesterkönig durch den weltlichen König abgelöst. Damit folgt der Übergang der alten priesterlichen Königsstaaten in weltliche Königsstaaten — Archont heißt Verwalterkönig.

[ 4 ] Such a complex of legends became part of the folk heritage in Greece. The people as a whole were familiar with these legends. Why did the priests seek to imbue the legends with the mysteries of the universe? Every priest would have regarded it as something unholy—indeed, as an unthinkable desecration—to allow anything to enter the poetry that did not possess a profound meaning. At the same time, the priest was well aware that the profound meaning could not be readily grasped by the people. The people were told fables, fairy tales, and myths; within them lay the profound meaning. This is the fundamental characteristic of all ancient literature. The further back we go, the deeper the meaning becomes. There is no literature from those times that does not possess a deep meaning. It was only in later times that people departed from this priestly perspective and produced works that no longer contained any of these spiritual mysteries. Even in the marketplace, only things that flowed from spiritual life were to be presented. If we keep this in mind, we can say that there was no leadership other than that of the priests at that time. It was only later that the priest-king was replaced by the secular king. This marked the transition from the ancient priestly kingdoms to secular kingdoms—the term “archon” means “administrator-king.”

[ 5 ] Ein Beispiel für diese Anschauung ist die Sage von der Gründung des römischen Staates. Man dachte im Altertum über Geschichte nicht so, daß man äußere Ereignisse erzählte. Erst seit Herodot wird Geschichte als Chronik erzählt. Vorher gab es das nicht. Alles wurde in symbolischer Darstellung gegeben. Was Augen sehen und Ohren hören, sollte damals noch etwas Höheres bedeuten, es sollte der Ausdruck des Spirituellen sein. Wenn der Priester klarzumachen versuchte, woher das Volk der Römer seinen Ursprung hat, dann erzählte er das folgende: Immer, wenn etwas derartiges sich verwirklicht, treten die sieben heiligen Prinzipien in der Welt in Wirkung. Alles geschieht in der Aufeinanderfolge der sieben Prinzipien. Zuerst steigt aus dem Himmel der göttliche Gründer. Dann entnimmt der Priester das, was lebendig ist an der Sache; das lebt dann als Kama. Dann wird in dem Kama das Manas, der Verstand, geboren. Der Leib, der selbst ein Heiliges ist, lebt im Himmel. Unheilig ist er nur, wenn er mißbraucht wird. Das sind die vier unteren Prinzipien. Dann müssen die drei oberen hineinkommen. Etwas, was vollkommener, vollständiger ist, muß hineinsteigen.

[ 5 ] An example of this view is the legend of the founding of the Roman state. In ancient times, history was not conceived of as a narrative of external events. It was not until Herodotus that history began to be told as a chronicle. Before that, this did not exist. Everything was presented in symbolic form. What the eyes see and the ears hear was meant to signify something higher back then; it was meant to be an expression of the spiritual. When the priest sought to explain the origins of the Roman people, he would recount the following: Whenever something of this nature comes to pass, the seven sacred principles come into play in the world. Everything happens in the sequence of the seven principles. First, the divine founder descends from heaven. Then the priest extracts what is alive in the matter; this then lives as Kama. Then, within the Kama, Manas—the intellect—is born. The body, which is itself sacred, lives in heaven. It is unholy only when it is misused. These are the four lower principles. Then the three higher ones must enter. Something that is more perfect, more complete, must ascend.

[ 6 ] So ging es auch bei der Gründung der Stadt Rom. Zuerst kam Romulus; er kam aus himmlischen Sphären, er war der Gründer. Rom war eine Gründungsstadt des alten Troja. König Numitor von Alba Longa war der Nachkomme des mit trojanischen Flüchtlingen in Latium gelandeten Aeneas. Wir brauchen nur die Worte zu verstehen: «alba longa» ist das weiße, lange Kleid der katholischen Priester. Amulius heißt: der Unbeweibte, der Priester. Eine Priesterstadt als Tochterstadt von Troja war also Rom. Numitor ist der Willensmensch. Der wird zunächst verbannt in den Wald, wird aber der Stammvater der Gründer der Stadt Rom. Romulus ist der Gründer der römischen Kultur, der erste König. Er wird auch versetzt unter die Götter unter dem Namen Quirinus. Der zweite König ist Numa Pompilius. Der dritte König ist Tullus Hostilius; er ist der Repräsentant von Kama; da herrscht der Krieg; es entwikkelt sich dasjenige, was man in der Theosophie als Kama-Rupa zu bezeichnen hat. Der vierte König ist Ancus Martius; er ist der Repräsentant von Kama-Manas. Technische Dinge werden da gemacht. Als das vierte Prinzip reif war, wurde die etruskische Kultur herbeigerufen. Tarquinius Priscus, der fünfte König, bringt Manas hinein. Die großen Bauten und Wasserleitungen legte er an. Das, was man Manas nennt, das ist vertreten in Tarquinius Priscus. Das sechste Prinzip ist Budhi. Es bewirkt die Segnungen des menschlichen Zusammenlebens durch Liebe und Gerechtigkeit. Servius Tullius ist der sechste König der Römer. Er war derjenige, der Ordnung schaffte, der Gesetze gab, die denen der Etrusker entsprachen. Der siebente König ist Tarquinius Superbus, der Erhabene, der aber heruntergestürzt ist.

[ 6 ] This was also the case with the founding of the city of Rome. First came Romulus; he came from the heavenly spheres, and he was the founder. Rome was a city founded by the ancient Trojans. King Numitor of Alba Longa was a descendant of Aeneas, who had landed in Latium with Trojan refugees. We need only understand the words: “alba longa” refers to the white, long robe of Catholic priests. Amulius means “the unmarried one,” the priest. Rome was thus a city of priests, a daughter city of Troy. Numitor is the man of will. He is initially banished to the forest but becomes the progenitor of the founders of the city of Rome. Romulus is the founder of Roman culture, the first king. He is also elevated to the ranks of the gods under the name Quirinus. The second king is Numa Pompilius. The third king is Tullus Hostilius; he is the representative of Kama; war reigns there; what is known in Theosophy as Kama-Rupa develops. The fourth king is Ancus Martius; he is the representative of Kama-Manas. Technical endeavors take place during this period. When the fourth principle had matured, Etruscan culture was brought into being. Tarquinius Priscus, the fifth king, introduces Manas. He constructed the great buildings and aqueducts. What is called Manas is represented in Tarquinius Priscus. The sixth principle is Budhi. It brings about the blessings of human coexistence through love and justice. Servius Tullius is the sixth king of the Romans. He was the one who established order and enacted laws that corresponded to those of the Etruscans. The seventh king is Tarquinius Superbus, the Sublime One, who, however, fell from grace.

[ 7 ] So sah der Priester die Entstehung der Stadt Rom an. Das war nicht etwa eine Interpretation, sondern es war eine Wirklichkeit. Die Städte waren so geleitet, daß die sieben Prinzipien die Richtlinien des Herrschens waren. Wenn etwas auf der Erde gedeihen soll, dann muß es in der Ordnung der sieben Prinzipien geschaffen werden. Niemals hätte ein Priester etwas getan, was erst sein Nachfolger hätte tun sollen. Das war alles aufgezeichnet in den Büchern der Tempel, die man die Sibyllinischen Bücher nannte. Das war gleichsam der Plan der Geschichte. Die Priester hatten sich zu richten nach den Sibyllinischen Büchern.

[ 7 ] This is how the priest viewed the founding of the city of Rome. It was not merely an interpretation, but a reality. The cities were governed in such a way that the seven principles served as the guidelines for rule. If something is to flourish on Earth, it must be created in accordance with the order of the seven principles. A priest would never have done anything that was meant to be done by his successor. All of this was recorded in the temple books, which were called the Sibylline Books. This was, as it were, the blueprint of history. The priests had to follow the Sibylline Books.

[ 8 ] Hier haben wir es zu tun mit einer Verwirklichung spiritueller Kräfte, die lebten in dieser Priesterkultur. Wir sehen, daß die Welt gelenkt und geleitet wurde durch Spiritualität. Erst später verlor man das Verständnis für die spirituelle Regentschaft. Es wird uns erzählt von dem etruskischen Hauptgott Tages, der aus der Erde heraufgestiegen sei beim Umackern des Feldes mit dem Pfluge. Technische Bauten und Kunstgewerbe waren das Merkmal der etruskischen Kultur. Jeder Stein der etruskischen Baukunst zeigt, daß da etwas Besonderes ist. Es wurde erstrebt, mit dem wenigsten Material die größten Lasten tragen zu können. Es ist das Prinzip, das der etruskischen Baukunst, den Gewölbe- und Bogen-Bauten zugrundeliegt. Heruntergestiegen ist diese spirituell geleitete Kultur auf den physischen Plan. Persönliche Tüchtigkeit gewinnt nun den Vorrang. Jegliches Bewußtsein hört auf, daß ein Zusammenhang besteht zwischen der niedersten Verrichtung und dem Spirituellen. Für den Okkultisten ist es klar, ob ein Mensch, der an einer bestimmten Stelle steht, etwas gehört hat von den göttlichen Intentionen und Absichten und ob er etwas aufgenommen hat von dem, was ausgeflossen ist aus dem Spirituellen, denn ein solcher Mensch tut auch das Alltäglichste in einer ganz anderen Weise als ein anderer, bei dem das nicht der Fall ist. Die Weihe, die sich von den höheren Sphären auf das irdische Leben ergießt, gießt sich nicht so aus bei denen, die nur an dem physischen Plane haften. Es ist das Wesen des Sakramentalismus, daß der Mensch das Alltägliche mit spiritueller Weihe erfüllt. Die alten Sagen hatten den Sinn, die Seelen der Menschen in die richtigen Schwingungen zu versetzen, so daß sie mit spiritueller Kraft erfüllt waren. Die einfachste Handlung eines naiven Gemütes kann dadurch geheiligt werden. Das ist etwas, was wirksam ist und immer wieder wirksam sein wird. Wer das weiß, der weiß auch, daß bei unserer Kultur eine Umkehr notwendig ist. Man mag sich noch so sehr bemühen, diesen physischen Plan in Harmonie, in Ordnung zu bringen, es wird fehlschlagen, solange man nur auf dem physischen Plane arbeitet; wird auf der einen Seite Harmonie geschaffen, so wird auf der anderen Seite Disharmonie entstehen. Lassen Sie aber das Spirituelle wirken, so werden Sie sehen, daß das Alltägliche in einer ganz anderen Weise angefaßt wird. Das ist Sakramentalismus.

[ 8 ] Here we are dealing with the manifestation of spiritual forces that were alive in this priestly culture. We see that the world was guided and directed by spirituality. It was only later that understanding of this spiritual rule was lost. We are told of the Etruscan chief god Tages, who is said to have risen from the earth while a field was being plowed. Engineering structures and the arts and crafts were the hallmarks of Etruscan culture. Every stone in Etruscan architecture reveals that there is something special about it. The aim was to bear the greatest loads using the least amount of material. This is the principle underlying Etruscan architecture, particularly its vaulted and arched structures. This spiritually guided culture has descended onto the physical plane. Personal competence now takes precedence. Any awareness of a connection between the most menial tasks and the spiritual ceases to exist. To the occultist, it is clear whether a person standing in a particular place has heard anything of the divine intentions and purposes and whether they have absorbed anything of what has flowed forth from the spiritual realm, for such a person performs even the most mundane tasks in a completely different way than someone for whom this is not the case. The consecration that flows from the higher spheres into earthly life does not pour forth in the same way for those who are attached only to the physical plane. It is the essence of sacramentalism that a person fills everyday life with spiritual consecration. The ancient legends were intended to attune people’s souls to the right vibrations, so that they might be filled with spiritual power. Even the simplest action of a naive mind can be sanctified in this way. This is something that is effective and will always remain so. Whoever knows this also knows that a change of course is necessary in our culture. No matter how hard one tries to bring harmony and order to this physical plane, it will fail as long as one works solely on the physical plane; if harmony is created on one side, disharmony will arise on the other. But if you allow the spiritual to take effect, you will see that everyday life is approached in an entirely different way. That is sacramentalism.

[ 9 ] Dieser Gedanke liegt auch dem christlichen Sakramentalismus zugrunde: die Heilung vom spirituellen Plane aus. Ein Sakrament ist eine physische Handlung, die so verrichtet wird, daß in ihr sich symbolisch ein geistiger Vorgang ausdrückt. Es ist eine Symbolik, die ihre Rechtfertigung auf höheren Planen hat. Nichts ist im Sakrament willkürlich. Alles ist bis ins Kleinste hinein ein Abbild eines höheren okkulten Vorganges. Derjenige, der ein Sakrament verstehen will, bei dem das Zeremoniell ein Abbild ist eines geistigen Vorganges, der muß sich bekanntmachen mit dem, was da zugrundeliegt. Es ist ein okkulter Vorgang, der den äußeren Augen entzogen ist. Bei jedem Sakramentalismus vollzieht sich nicht nur etwas Verstandesmäßiges, sondern es vollzieht sich etwas, was eine reale, okkulte Bedeutung hat. Nehmen wir zum Beispiel die okkulte Bedeutung des Feuers. Feuer hat es in den frühesten Entwicklungsepochen nicht gegeben. Es konnte erst entstehen, als die Erde so weit verdichtet war, daß sich aus der irdischen Materie heraus dieses Feuer schlagen ließ. Daher wird uns die Erfindung des Feuers als ein Vorgang unserer fünften Wurzelrasse geschildert.

[ 9 ] This idea also underlies Christian sacramentalism: healing from the spiritual plane. A sacrament is a physical act performed in such a way that it symbolically expresses a spiritual process. It is a symbolism that finds its justification on higher planes. Nothing in a sacrament is arbitrary. Everything, down to the smallest detail, is a reflection of a higher occult process. Anyone who wishes to understand a sacrament—in which the ceremony is a reflection of a spiritual process—must familiarize themselves with what underlies it. It is an occult process that is hidden from the physical eye. In every form of sacramentalism, not only does something intellectual take place, but something with a real, occult significance also occurs. Let us take, for example, the occult significance of fire. Fire did not exist in the earliest epochs of development. It could only arise once the Earth had become sufficiently condensed that this fire could be kindled from earthly matter. Therefore, the invention of fire is described to us as a process of our fifth root race.

[ 10 ] Prometheus hat das Feuer vom Himmel zur Erde gebracht. Das Hervorbringen des Feuers hat unserer Kultur ihren Charakter gegeben. Machen Sie sich klar, wie es wäre, wenn wir kein Feuer hätten. In den ersten Zeitepochen hatte man noch kein Feuer gehabt. Unsere Entwicklung verdankt dem Feuer alles Verstandesmäßige, alles Technische. Das Feuer ist dasjenige, was herunterführt auf den physischen Plan. Die materielle Kultur verdanken wir dem Feuer. Die Priester mußten daher etwas Besonderes im Feuer sehen. Daher haben in der zweiten nachatlantischen Kulturepoche die persischen Magier im Feuer vor allem dasjenige gesehen, was im Sakrament wirken muß. Was hat der persische Priester auf seinem Altar zeremoniell verwirklicht? Der Okkultismus weiß, daß es sieben Zoroaster gegeben hat. Der Zoroaster der Geschichte ist der siebente. Der persische Magier hatte eine besondere Art, das Feuer hervorzubringen. Dieser Vorgang war das Abbild der großen kosmischen Entstehung des Feuers. Da stand der persische Magier mit seinem Thyrsus und machte seine Zeremonien, die jeder Okkultist wohl kennt, aber auch nur der Okkultist. Dieser Vorgang war ein Abbild der großen kosmischen Entstehung des Feuers. Als man nicht mehr verstand in den Priesterschulen, mit dem Thyrsus das Feuer zu erzeugen, wurde wenigstens ein Naturfeuer gesucht. Zunächst haben sie da das Feuer durch den Blitz geschaffen, und dann haben sie es durch das sogenannte ewige Feuer fortgepflanzt, das immer nur aneinander entzündet werden durfte. Das Feuer, das durch die Natur gewonnen wird, soll wirksamer sein als das künstlich erzeugte. Als im Jahre 1826 in England und im Jahre 1828 in Hannover eine Tierseuche aufgetreten war, haben die Menschen Holz genommen und damit Feuer gerieben, weil sie glaubten, daß die damit gekochten Kräuter wirksamer seien.

[ 10 ] Prometheus brought fire from heaven to earth. The creation of fire has shaped the character of our culture. Imagine what it would be like if we had no fire. In the earliest epochs, people had not yet discovered fire. Our development owes everything intellectual and technical to fire. Fire is what brings us down to the physical plane. We owe our material culture to fire. The priests therefore had to see something special in fire. That is why, in the second post-Atlantean cultural epoch, the Persian magicians saw in fire, above all, that which must be at work in the sacrament. What did the Persian priest ceremonially bring about on his altar? Occultism knows that there were seven Zoroasters. The Zoroaster of history is the seventh. The Persian magician had a special way of producing fire. This process was a reflection of the great cosmic origin of fire. There stood the Persian magician with his thyrsus, performing his ceremonies—ceremonies well known to every occultist, but known only to the occultist. This process was a reflection of the great cosmic origin of fire. When the priestly schools no longer knew how to produce fire with the thyrsus, they at least sought a natural fire. At first, they created fire through lightning, and then they perpetuated it through the so-called eternal fire, which was only ever allowed to be kindled from another flame. Fire obtained from nature is said to be more effective than artificially produced fire. When an animal epidemic broke out in England in 1826 and in Hanover in 1828, people took wood and struck it to create fire, because they believed that the herbs boiled with it would be more effective.

[ 11 ] Der Mensch muß wiederum spirituelles Leben schaffen bis in jeden Handgriff und jeden Schritt hinein; und das wieder einzuführen, ist die Aufgabe und das Bestreben der spirituellen Bewegung. Der Sakramentalismus der früheren Zeit muß wiederkommen. Man muß wissen, daß es ein anderes ist, aus dem Geiste heraus zu handeln, als aus dem Materiellen heraus zu handeln. Spirituelles Leben wieder ausströmen zu lassen, das ist unser Ziel.

[ 11 ] Human beings must once again infuse every gesture and every step with spiritual life; and reintroducing this is the task and the aspiration of the spiritual movement. The sacramentalism of earlier times must return. One must realize that acting from the spirit is different from acting from the material. To let spiritual life flow forth once more—that is our goal.