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The Rudolf Steiner Archive

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The Occult Truths of Old Myths and Legends
GA 92

21 October 1904, Berlin

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9. Die Siegfried-Sage

9. The Legend of Siegfried

[ 1 ] Suchen wir uns eine lebendige Anschauung zu bilden über das Entstehen der nordischen Sagenwelt, so ist besonders wichtig der Zeitraum, der vor dem ersten christlichen Jahrhundert liegt und danach. Damals waren die nördlichen Gegenden Europas in einem Zustande der Erwartung. Das Ereignis, dessen Wirkung sich über Europa ausbreiten sollte, der Niederstieg des göttlichen Vatergeistes bis in einen physischen Menschen hinein, war den Initiierten der nordischen Völker bekannt; das wurde auch in den Mysterien erzählt.

[ 1 ] If we wish to form a vivid picture of the origins of the Norse mythological world, the period preceding the first Christian century and the period following it are particularly important. At that time, the northern regions of Europe were in a state of anticipation. The event whose impact was to spread throughout Europe—the descent of the divine Father Spirit into a physical human being—was known to the initiates of the Nordic peoples; this was also recounted in the mysteries.

[ 2 ] In den alten Druiden-Mysterien im Norden wurden ähnliche Initiationen vollzogen wie bei andern aufsteigenden Völkern der damaligen Zeit. Ein Unterschied ist aber hervorzuheben zwischen dem, was sich im Norden vorbereitete und dem, was in andern Gegenden geschah. Um uns eine begriffliche Anschauung davon zu bilden, müssen wir einen Blick zurückwerfen auf die Entstehung der menschlichen Rassen auf den allmählich zu menschlichen Wohnstätten sich herausgestaltenden Gebieten der Erde. Von einer physisch bewohnbaren Erde können wir erst sprechen seit der lemurischen Wurzelrasse. Aber eine Äthererde ging dieser lemurischen Zeit voran, an welche die Sagen über das Paradies anknüpfen, ebenso die Sagen der verschiedenen Völker des südlichen und nördlichen Erdkreises. Sie sind dasjenige, was den Weisheitschatz der Mysterien bildet. Die Schulung in den Mysterien bestand darin, daß sie, dem Auffassungsgrade der Menschen gemäß, ihnen stufenweise dasjenige enthüllten, was die menschlichen Seelen imstande waren aufzunehmen und zu verarbeiten. Man kann also vom gemeinsamen Ursprung der Mysterien sprechen, der in der imaginativen und inspirierten Erkenntnis ihrer sie leitenden Lehrer liegt und von der dadurch gegebenen Einheit der Lehren, aber auch von deren Verschiedenheit, die durch die Zeitenläufe und die geographische und menschliche Umgebung gegeben ist. Sie waren geschützt durch die strengste Schweigepflicht, da durch Unreife Böses statt Gutes entstehen mußte, und auf dem Verrat der Mysterien an unreife Menschen stand Todesstrafe.

[ 2 ] In the ancient Druidic mysteries of the North, initiations similar to those practiced by other rising peoples of that time were performed. However, one difference must be emphasized between what was taking shape in the North and what was happening in other regions. To form a conceptual understanding of this, we must look back at the emergence of the human races in the regions of the Earth that were gradually developing into human habitats. We can only speak of a physically habitable Earth beginning with the Lemurian root race. But this Lemurian era was preceded by an “etheric Earth,” to which the legends of Paradise refer, as do the legends of the various peoples of the southern and northern hemispheres. These legends constitute the treasure trove of wisdom of the Mysteries. The training in the Mysteries consisted in gradually revealing to people, in accordance with their level of understanding, what human souls were capable of absorbing and processing. One can thus speak of the common origin of the Mysteries, which lies in the imaginative and inspired knowledge of their guiding teachers, and of the resulting unity of the teachings, but also of their diversity, which is determined by the passage of time and the geographical and human environment. They were protected by the strictest obligation of secrecy, since immaturity would inevitably lead to evil rather than good, and the betrayal of the mysteries to immature people was punishable by death.

[ 3 ] Doch lassen wir jetzt einige Streiflichter auf dasjenige fallen, was als gemeinsame Richtlinien zugrundelag den alten atlantischen Mysterien, die sich aus den Orakelstätten heraus zu Einweihungsschulen gestalteten. Auf neuplatonische Quellen und auf Plotin sich stützend, hat die theosophische Literatur ihre chronologischen Untersuchungen an die Annahme geknüpft, daß mit Sokrates der geschichtliche Augenblick gegeben war, in dem die früher von göttlichen Wesenheiten inspirierte und den Menschen als Werkzeug benutzende Weisheit sich in den Menschen, den Anthropos, hinuntersenkte und allmählich sein Gut, seine Aufgabe, seine Pflicht wurde. Sokrates mußte noch den Tod dafür erleiden, daß er Wahrheiten aus den Mysterien seinen Schülern vermittelte. Er nahm den über ihn verhängten Tod willig und bewußt auf sich. Aber die Metamorphosierung dieses Gedankens des bewußt erlebten Todes, der erst zum wahren Leben führt, sollte erst in den nordischen Völkern zur Reife gelangen, die langsam und allmählich dafür vorbereitet wurden durch dasjenige, was in ihren eigenen Mysterien lebte, und die durch eine lange Wartezeit hindurch zu einer größeren Reife ihres Seelenorganismus geführt wurden. Buddha wurde aus seiner Religionsgemeinschaft ausgestoßen, weil er hinausging, von Ort zu Ort wanderte und den Menschen die Lehre brachte von der Befreiung durch den Tod. Das war eine Mysterienwahrheit, die noch nicht gelehrt werden durfte. Sie durfte nur in einer fernab liegenden Zeit zur Geltung kommen und konnte jetzt nur in einzelnen Feuerseelen, diese ferne Zeit vorbereitend, leben. Ihre Erfüllung sollte sie erst finden durch das Christentum. Doch bis zu dieser Zeit ihrer Erfüllung mußten gewisse Völkerschaften durch ihre Mysterien eine Erziehung erhalten, die sie als Volkssubstanz für die fernab liegenden Aufgaben der Menschheitszivilisation prädestinierten.

[ 3 ] But let us now shed some light on what served as the common guiding principles underlying the ancient Atlantean mysteries, which evolved from the oracles into schools of initiation. Drawing on Neoplatonic sources and Plotinus, theosophical literature has based its chronological investigations on the assumption that with Socrates came the historical moment when wisdom—which had previously been inspired by divine beings and used human beings as instruments—descended into humanity, the Anthropos, and gradually became its asset, its task, and its duty. Socrates even had to suffer death for imparting truths from the Mysteries to his students. He willingly and consciously accepted the death sentence imposed upon him. But the transformation of this idea of consciously experienced death—which alone leads to true life—was to reach maturity only among the Nordic peoples, who were slowly and gradually prepared for it through what lived within their own mysteries, and who, through a long period of waiting, were led to a greater maturity of their soul organism. Buddha was expelled from his religious community because he went out, wandered from place to place, and brought people the teaching of liberation through death. This was a mystery truth that was not yet permitted to be taught. It was to come into its own only in a distant future and could now live only in individual fiery souls, preparing for that distant time. It was not until Christianity that this truth would find its fulfillment. But until that time of fulfillment, certain peoples had to receive, through their mysteries, an education that predestined them, as a national substance, for the distant tasks of human civilization.

[ 4 ] Vor uns gab es vier Wurzelrassen; wir stehen in der fünften Wurzelrasse, der nachatlantischen. Die Bezeichnungen, die man den ersten Unterrassen - Kulturepochen - dieser nachatlantischen Zeit gab, kann man in der deutschen Sprache annähernd mit den Worten übersetzen: die Unterrassen des Geistes, der Flamme und der Sterne. Der ersten Unterrasse, der Rasse des Geistes, wurde zuerst der Gehalt der fünften Wurzelrasse in geistiger Form durch den Manu gegeben; sie umfaßt das indische Volk. Die zweite Unterrasse ist die Rasse der Flamme, welcher Zarathustra ein Religionsbekenntnis gegeben hat. Die dritte Unterrasse war die Rasse der Sterne, die der Chaldäer, Babylonier, Assyrer, aus der später die israelitische Tradition hervorgegangen ist. Die griechisch-lateinischen Völker, die im Griechentum und Römertum ihre hauptsächlichen ersten Repräsentanten hatten, wurden die vierte Unterrasse. Es ist diejenige, in welcher das Christentum zuerst Wurzel gefaßt hat in Kleinasien, Griechenland und Rom. Sie war bestimmt, am stärksten vom Christentum beeinflußt zu werden, aber erfassen konnte sie seine über menschliches Begriffsvermögen hinausgehende Bedeutung noch nicht. Dazu war eine lange Vorbereitung notwendig. Diese war schon gegeben durch die in den nordischen Mysterien herausgestaltete Sagenwelt, die in Liedern und Epen weiterlebte, durch Rhapsoden von Land zu Land getragen wurde und zur religiösen Innigkeit sich steigerte.

[ 4 ] There were four root races before us; we are now in the fifth root race, the post-Atlantean one. The names given to the first sub-races—cultural epochs—of this post-Atlantean era can be roughly translated into English as: the sub-races of the Spirit, the Flame, and the Stars. The first sub-race, the Race of the Spirit, was the first to receive the essence of the fifth root race in spiritual form through the Manu; it comprises the Indian people. The second subrace is the Race of the Flame, to which Zarathustra gave a religious creed. The third subrace was the Race of the Stars, that of the Chaldeans, Babylonians, and Assyrians, from which the Israelite tradition later emerged. The Greco-Latin peoples, whose primary early representatives were the Greeks and Romans, became the fourth subrace. It is the subrace in which Christianity first took root in Asia Minor, Greece, and Rome. It was destined to be most strongly influenced by Christianity, but it was not yet able to grasp its significance, which transcends human comprehension. This required a long period of preparation. This preparation had already been laid by the world of legends developed in the Nordic mysteries, which lived on in songs and epics, was carried from country to country by rhapsodes, and grew into religious devotion.

[ 5 ] Unsere fünfte Unterrasse hat das am Beginn unserer Zeitrechnung begründete Christentum überliefert erhalten. Einige Jahrhunderte aber, bevor das Christentum in die nördlichen Gegenden gebracht worden ist, und auch in älteren Zeiten, bestanden die alten Druiden-Einweihungen. Diese hielten ungefähr so lange stand, bis man ganz genau wußte, daß jetzt die Abenddämmerung dieser vorbereitenden keltischen Kultur eingetreten war. Sie müssen sich vorstellen, daß alle die Einflüsse, die über andere Völker gezogen waren, nicht in diese nördlichen Gegenden gekommen sind. Alle die Strömungen, welche zu der Rasse der Flamme und der Rasse der Sterne gehörten, waren nicht bis zu den nordischen Gegenden vorgedrungen. Im Norden war noch etwas übriggeblieben von den Überresten der atlantischen Kultur, die durch Initiierte herübergetragen worden war. Wotan war der Initiierte der nordischen Völkerschaften, der die Elemente der atlantischen Kultur in diese Gegenden herübergebracht hatte.

[ 5 ] Our fifth subrace has preserved the Christian faith, which was established at the beginning of our era. However, several centuries before Christianity was brought to the northern regions—and even in earlier times—the ancient Druidic initiations still existed. These persisted roughly until it became clear that the twilight of this preparatory Celtic culture had now begun. You must imagine that all the influences that had swept over other peoples did not reach these northern regions. All the currents belonging to the Race of the Flame and the Race of the Stars had not penetrated as far as the Nordic regions. In the north, something remained of the remnants of the Atlantean culture, which had been carried over by initiates. Wotan was the initiate of the Nordic peoples who had brought the elements of Atlantean culture to these regions.

[ 6 ] In diesen nordischen Gegenden war überall die Druiden-Einweihung in Geltung. Ich habe bereits erzählt, daß einer der Begründer, man kann sagen der hauptsächlichste Begründer dieser Einweihungsstätten, Sig oder Sigge hieß. Und hier in diesen nordischen Gegenden geschah etwas ähnliches, wie es später in Palästina zur Begründung des Christentums geschah: Sig gab seinen Leib ab und stellte ihn zur Verfügung einer höheren Individualität. Daher ist der verwandelte Sig später Odin genannt worden; dieser war der höchste Initiierte der nordischen Mysterien; Odin war der Träger der geistigen Kultur in dieser Zeit. Sig war also im Norden der Chela, der dem höheren, geistigeren Odin seinen Leib zur Verfügung gestellt hat. Er lebte selbst später als initiierter Meister weiter. Sig ist ein ganz besonderer Fall. Er konnte nicht eine Bewegung einleiten, wie es etwa der Meister Jesus tat, nachdem das Christentum begründet war. Sig muß ja diese nordische Kultur, die sich hier geltend gemacht hatte, zum Untergang führen. Er ist berufen, die nordischen Völker so lange zu führen, bis vom Süden her durch die vierte Unterrasse der fünften Wurzelrasse das Christentum zu ihnen kam. Der alte Chela Sig ist derjenige, der die nordischen Völker in den tragischen Untergang hineinführen mußte. Daher heißt er auch Sigurd, das heißt derjenige, der in die Vergangenheit führt. Urd ist die Norne der Vergangenheit. Fried bedeutet dasselbe, das, was zum Frieden führt, das heißt zum Tode, zum Untergang. Dies ist noch erhalten in dem Wort Friedhof: dasjenige, was zum Tode geführt worden ist. Derselbe Chela, der dem großen Initiierten den Weg gebahnt hat, soll die nordische Kultur zum Untergang führen. Ihr geistiger Inhalt geht unter und wird durch das herankommende Christentum ersetzt. Das, was ich jetzt gesagt habe, ist ein prophetischer Inhalt, der in den späteren Mysterien der nordischen Völker vielfach so beschrieben wurde: Wir müssen ein Stamm sein, der zum Frieden geführt wird - das ist der Klang, der aus den verschiedenen Mysterien in diesen nordischen Völkern herausspricht. Der ganze zukünftige Vorgang, der in den Schriften seit uralten Zeiten aufgezeichnet war, wurde als Vorhersagung in den nordischen Mysterien verkündigt, und aus diesen Vorhersagungen ist das entstanden, was später zum Inhalt des Nibelungenliedes und der Siegfried-Sage wurde. Im zweiten Teil des Nibelungenliedes ist der Abschluß des Karmas der Nibelungen gegeben.

[ 6 ] In these Nordic regions, the druidic initiation was widely practiced. I have already mentioned that one of the founders—indeed, arguably the principal founder—of these initiation sites was named Sig or Sigge. And here in these Nordic regions, something similar occurred to what later took place in Palestine at the founding of Christianity: Sig surrendered his body and placed it at the disposal of a higher individuality. Therefore, the transformed Sig was later called Odin; he was the highest initiate of the Nordic mysteries; Odin was the bearer of spiritual culture in that era. Sig was thus, in the North, the chela who placed his body at the disposal of the higher, more spiritual Odin. He himself lived on later as an initiated master. Sig is a very special case. He could not initiate a movement, as the Master Jesus did, for example, after Christianity had been established. Sig was, after all, destined to lead this Nordic culture, which had established itself here, to its downfall. He was called upon to lead the Nordic peoples until Christianity reached them from the south through the fourth subrace of the fifth root race. The ancient chela Sig is the one who had to lead the Nordic peoples into their tragic downfall. That is why he is also called Sigurd, meaning “the one who leads into the past.” Urd is the Norn of the past. “Fried” means the same thing: that which leads to peace—that is, to death, to ruin. This is still preserved in the word “cemetery”: that which has been led to death. The same Chela who paved the way for the great Initiate is to lead Nordic culture to ruin. Its spiritual content perishes and is replaced by the approaching Christianity. What I have just said is a prophetic message that was described in many ways in the later mysteries of the Nordic peoples: We must be a people led to peace—that is the message that resounds from the various mysteries among these Nordic peoples. The entire future process, which had been recorded in the writings since time immemorial, was proclaimed as a prophecy in the Nordic mysteries, and from these prophecies arose what later became the content of the *Nibelungenlied* and the *Siegfried* saga. The second part of the *Nibelungenlied* presents the conclusion of the Nibelungs’ karma.

[ 7 ] Eine Eigentümlichkeit muß ich erwähnen, die immer in einem solchen Fall in der Entwicklung der Menschheit eintritt: Bevor eine neue Phase Platz greift, muß die frühere Entwicklungsphase kurz wiederholt werden. Gerade hier im Norden stellt sich diese Wiederholung früherer Phasen deutlich dar. Es wird uns dargestellt, wie dasjenige, was hier im Norden durchgemacht worden ist seit der lemurischen und atlantischen Zeit, überwunden werden muß, bevor diese nordischen Völker reif werden, sich zur christianisierten fünften Unterrasse heraufzubilden. Derjenige, in dem die ganze Summe der Geschichte der nordischen Kultur lebt, das ist der Initiierte Siegfried. Lassen wir einmal kurz die hauptsächlichsten Punkte der Siegfried-Sage an uns vorüberziehen.

[ 7 ] I must mention a peculiarity that always occurs in such cases in the course of human development: Before a new phase takes hold, the previous phase of development must be briefly repeated. Here in the North, in particular, this repetition of earlier phases is clearly evident. We are shown how what has been experienced here in the North since the Lemurian and Atlantean eras must be overcome before these Nordic peoples become mature enough to evolve into the Christianized fifth subrace. The one in whom the entire sum of the history of Nordic culture lives is the initiate Siegfried. Let us briefly review the main points of the Siegfried legend.

[ 8 ] Zunächst wird uns das Leben der drei Helden Gunther, Hagen und Giselher am Hofe in Worms dargestellt. Wir hören weiter, wie der Held Siegfried für Gunther wirbt um Brünhilde. Wir hören, daß in Siegfried am Hofe in Worms eine außerordentliche Persönlichkeit erkannt wird. Das ist er auch, denn er ist unverwundbar, er hat den Besitzer des Nibelungenhortes getötet, er hat im Kampfe mit dem Drachen seinen Körper ganz hörnern gemacht, und er hat sich die Tarnkappe erobert. Er besitzt also zweierlei Eigenschaften, die die Initiierten der vorchristlichen Zeit immer zeigen: Sie sind unverwundbar, und sie sind unerkennbar. Sie sind unverwundbar durch ihre Einweihung. Im Evangelium heißt es: Drei sind es, die da zeugen: Blut, Wasser und Geist. - Blut und Wasser müssen besiegt werden. Was unverwundbar machte in den Zeiten, die dem Christentum vorhergingen, waren Blut und Wasser. Diese unverwundbaren Initiierten sind aber immer an einer Stelle verwundbar. Achilles stellt uns einen Initiierten der vorhergehenden Zeit dar. Er ist in den Styx getaucht worden und war an der Ferse verwundbar. Siegfried ist in das Blut des Drachen getaucht worden und ist zwischen den Schulterblättern verwundbar. Seinen eigentlichen Menschen kann der Eingeweihte dadurch unkenntlich machen, daß er die Tarnkappe besitzt; sie macht den Besitzer dieser höheren okkulten Fähigkeiten für die Außenwelt unbemerkbar. Diese okkulten Fähigkeiten haben die Besitzer des Nibelungenhortes gehabt. Sie stammten von der atlantischen Rasse ab, und insbesondere die Eingeweihten der atlantischen Wurzelrasse besaßen diese Fähigkeiten; sie waren aber auch bei den Eingeweihten der fünften Wurzelrasse und daher auch bei Siegfried vorhanden. Als Siegfried den Drachen erschlug, gelangte er in den Besitz des Nibelungenhortes. Was ist nun der Nibelungenhort? Darin ist ausgedrückt, daß die nordischen Völkerschaften sozusagen den Grund und Boden abgaben, aus dem die fünfte Unterrasse entstehen konnte. Man nennt die fünfte Unterrasse auch die Rasse der großen Erfindungen und Entdeckungen, die den ganzen physischen Plan erobert und im Besitz der äußeren Welt groß wird. Sie soll einerseits besitzen und andererseits dieses Besitztum zu Weisheit ausbilden. Im Nibelungenhort haben wir nichts anderes zu sehen als eine sprachliche Umbildung des alten Wortes Nifelheim, Nebelheim. Es ist also dasjenige, was man im Norden kannte als die physische Erde, die Erde im Augenblicke des Physischwerdens. Ein fester Besitz, das ist es, was diese vorbereitende Rasse um sich ausbreitet und dem Christentum entgegengestellt hat. Das Gold des Nibelungenhortes ist der irdische Besitz, der Repräsentant des irdischen Besitzes. Das ist etwas, was der Initiierte besitzt und was er auch besitzen darf, weil er in entsprechender Weise darüber wachen kann.

[ 8 ] First, we are introduced to the lives of the three heroes—Gunther, Hagen, and Giselher—at the court in Worms. We then hear how the hero Siegfried woos Brünhilde on Gunther’s behalf. We learn that Siegfried is recognized as an extraordinary figure at the court in Worms. And indeed he is, for he is invulnerable; he has slain the owner of the Nibelung hoard; he has made his body entirely horned in his battle with the dragon; and he has acquired the cloak of invisibility. He thus possesses two qualities that the initiates of pre-Christian times always display: they are invulnerable, and they are unrecognizable. They are invulnerable through their initiation. The Gospel states: “There are three that bear witness: blood, water, and the Spirit.” - Blood and water must be overcome. In the times preceding Christianity, it was blood and water that rendered one invulnerable. Yet these invulnerable initiates are always vulnerable in one place. Achilles represents an initiate from that earlier era. He was dipped in the Styx and was vulnerable at the heel. Siegfried was dipped in the dragon’s blood and is vulnerable between the shoulder blades. The initiate can render his true self unrecognizable by possessing the cloak of invisibility; it makes the possessor of these higher occult abilities imperceptible to the outside world. The possessors of the Nibelung hoard possessed these occult abilities. They were descended from the Atlantean race, and the initiates of the Atlantean root race in particular possessed these abilities; however, they were also present among the initiates of the fifth root race and thus also in Siegfried. When Siegfried slew the dragon, he came into possession of the Nibelung hoard. What, then, is the Nibelung hoard? It signifies that the Nordic peoples, so to speak, surrendered the very ground from which the fifth sub-race could arise. The fifth sub-race is also called the race of great inventions and discoveries, which conquers the entire physical plane and grows in power through its dominion over the outer world. It is meant, on the one hand, to possess, and on the other, to transform this possession into wisdom. In the Nibelung Treasure, we see nothing other than a linguistic transformation of the ancient word Nifelheim, “Land of Mist.” It is, therefore, what was known in the North as the physical earth—the earth at the moment of becoming physical. A firm possession—that is what this preparatory race spread around itself and set in opposition to Christianity. The gold of the Nibelungen Hoard is earthly possession, the embodiment of earthly possession. This is something the initiate possesses and is permitted to possess, because he is capable of guarding it appropriately.

[ 9 ] Nun wissen Sie alle, wie die Siegfried-Sage weitergeht in dieser alten Gestalt. Es ist nicht die älteste Form der Sage, aber diejenige, die für uns in Betracht kommt. Bekanntlich wirbt dann Gunther um Brünhilde von Isenland. Siegfried besiegt Brünhilde zweimal. Gunther wirbt um sie, aber Siegfried kämpft unsichtbar, mit der Tarnkappe gewappnet, an der Seite Gunthers, und Brünhilde glaubt, daß ihr Freier Gunther sie besiegt hätte. Siegfried ist glücklich, daß sie Gunthers Gemahlin wird. Nun verrät Siegfrieds Gemahlin Kriemhilde in einem schwachen Augenblick der Brünhilde, daß in Wirklichkeit nicht Gunther, sondern Siegfried unsichtbar sie besiegt habe. Darüber entrüstet sich Brünhilde und faßt den Plan, Siegfried zu töten. Nun muß ihr aber erst noch verraten werden, wie er getötet werden kann. Sie gewinnt Hagen von Tronje, der am Hofe lebt, dafür.

[ 9 ] Now you all know how the Siegfried legend continues in this ancient version. It is not the oldest form of the legend, but it is the one that is relevant to us. As is well known, Gunther then woos Brünhilde of Isenland. Siegfried defeats Brünhilde twice. Gunther woos her, but Siegfried fights invisibly—armed with the cloak of invisibility—at Gunther’s side, and Brünhilde believes that her suitor, Gunther, has defeated her. Siegfried is happy that she becomes Gunther’s wife. Now, in a moment of weakness, Siegfried’s wife Kriemhilde reveals to Brünhilde that it was not Gunther, but Siegfried—invisible—who had actually defeated her. Brünnhilde is outraged by this and hatches a plan to kill Siegfried. But first, she must be told how he can be killed. She enlists Hagen von Tronje, who lives at court, for this purpose.

[ 10 ] Hagen ist eine Gestalt, die man aus den alten Druiden-Mysterien kennt. Hagen ist ein wichtiger Name von alten Druiden-Eingeweihten. Er ist ein Eingeweihter, der die zurückliegenden höchsten Strömungen des geistigen Lebens vertritt, die dadurch zum Ausdruck kommen, daß das Vorhergehende immer dem Nachfolgenden entgegensteht und mit ihm in Kampf kommt. Siegfried gehört der folgenden Strömung an, die unmittelbar dem Christentum vorangeht. Hagen gehört der vorhergehenden Druidenströmung an. Hagen wird also herbeigeholt, um Siegfried zu verderben. Dazu muß Kriemhilde verraten, daß Siegfried an einer Stelle verwundbar ist. Hier enthüllt sich, was diese Stelle zu bedeuten hat. Kriemhilde verrät, daß Siegfried zwischen den Schultern verwundbar ist, und zwar gerade an der Stelle, wo das Kreuz getragen werden muß. Er hat noch nicht das Kreuz. Das Christentum fehlt noch diesen vorzeitlichen Völkern. An dieser Stelle, wo das Kreuz ruhen soll, um durch die Welt getragen zu werden, da ist Siegfried verwundbar — so sagt die Siegfried-Sage -, weil das Christentum noch fehlt. Siegfried, der die Sig-Initiierten zum Frieden, zur Ruhe bringt, ist verwundbar an der Stelle, wo das Christentum später unverwundbar macht. Er wird überwunden von den Mächten, die von den früheren Kulturen übriggeblieben sind. Hagen, der Vertreter vorhergehender Strömungen, tötet ihn. Das ist ein Bild für die Ablösung der vorhergehenden nordischen Kultur durch die fünfte Unterrasse. Der Sinn dieser Ablösung wird in der Siegfried-Sage dargestellt.

[ 10 ] Hagen is a figure known from the ancient Druidic mysteries. Hagen is an important name among the ancient Druidic initiates. He is an initiate who represents the past, highest currents of spiritual life, which are expressed in the fact that what came before always stands in opposition to what follows and enters into conflict with it. Siegfried belongs to the subsequent current, which immediately precedes Christianity. Hagen belongs to the preceding Druidic current. Hagen is therefore brought in to corrupt Siegfried. To this end, Kriemhilde must reveal that Siegfried is vulnerable in one spot. Here the significance of this spot is revealed. Kriemhilde reveals that Siegfried is vulnerable between his shoulders—precisely at the spot where the cross must be borne. He does not yet have the cross. Christianity is still absent among these prehistoric peoples. At this spot, where the cross is to rest so that it may be carried through the world, Siegfried is vulnerable—so says the Siegfried saga—because Christianity is still missing. Siegfried, who brings peace and tranquility to the Sig-initiates, is vulnerable at the very spot where Christianity will later render him invulnerable. He is overcome by the forces that remain from earlier cultures. Hagen, the representative of preceding currents, kills him. This is a symbol of the replacement of the preceding Nordic culture by the fifth subrace. The meaning of this replacement is depicted in the Siegfried legend.

[ 11 ] Wogegen kämpfen denn eigentlich diese nordischen Rassen? Indem sie Wegbereiter sind für das Christentum, kämpfen sie gegen all das Alte, das geblieben ist von der atlantischen Zeit. Gegen das müssen sie sich fortwährend wehren. Die Seele der nordischen Völker muß sich wehren gegen dasjenige, was noch heranstürmt von früher, von den Überbleibseln der atlantischen Kultur. Es ist eine frühere Kulturschicht, die hier in die fünfte Kulturepoche hineinragt. Diejenigen aber, die stehengeblieben sind in der atlantischen Kultur, sind ein Hemmschuh der Weiterentwicklung, sie müssen bekämpft werden.

[ 11 ] What, exactly, are these Nordic races fighting against? As pioneers of Christianity, they are fighting against all that remains of the Atlantean era. They must continually defend themselves against it. The soul of the Nordic peoples must defend itself against what still surges forward from the past—the remnants of Atlantean culture. It is an earlier cultural layer that extends into the fifth cultural epoch. But those who have remained stuck in Atlantean culture are a stumbling block to further development; they must be opposed.

[ 12 ] Die später erfolgenden Kämpfe sind in einer älteren Fassung der Gudrun-Sage dargestellt. Da tritt uns die Seele der nordischen Völker als Gudrun entgegen. Sie kämpft gegen den großen Initiierten der Atlantier, Attila oder Atli oder Etzel, der aus den Überbleibseln einer atlantischen Rasse, der turanischen, von Asien herüberkommt. Auch der historische Attila und sein Volk wurden von den europäischen Völkern als «Geißel Gottes» bezeichnet. Attila war ein Initiierter, der mit ganz bedeutenden okkulten Kräften an der Spitze seiner Völkerschaft kämpfte. Daher wird die Hunnenschlacht ganz richtig so dargestellt, daß das Heer in der Luft kämpft. Für jeden, der die Dinge weiß und versteht, ist es klar, um was es sich da handelt. Attila wich vor nichts zurück, was ihm in Europa entgegentrat; nur vor dem Papst, dem Vertreter des Christentums, trat er freiwillig zurück, denn er war sich voll bewußt, daß er gegen den Vertreter des Christentums nichts vermochte. Die nordischen Völkerrassen wußten, daß sie sich zu wehren hatten gegen die östlichen Einflüsse, aber dem Christentum vermochten diese nichts anzuhaben.

[ 12 ] The battles that follow are described in an older version of the Gudrun saga. There, the soul of the Nordic peoples confronts us as Gudrun. She fights against the great Initiate of the Atlanteans, Attila, Atli, or Etzel, who comes from Asia from among the remnants of an Atlantean race, the Turanian. The historical Attila and his people were also referred to by the European peoples as the “Scourge of God.” Attila was an initiate who fought at the head of his people with very significant occult powers. That is why the Battle of the Huns is quite correctly depicted as the army fighting in the air. For anyone who knows and understands these things, it is clear what this is all about. Attila did not shrink from anything that stood in his way in Europe; only before the Pope, the representative of Christianity, did he voluntarily step back, for he was fully aware that he was powerless against the representative of Christianity. The Nordic peoples knew that they had to defend themselves against Eastern influences, but these influences could do Christianity no harm.

[ 13 ] Nun wird uns in der späteren Nibelungen-Sage weiter erzählt, daß Kriemhild den Plan faßte, Rache zu nehmen an denjenigen, die Siegfried getötet hatten. Sie nimmt Rache in der Weise, daß sie sich gerade mit den atlantischen Elementen verbindet. Sie leistet der Werbung Attilas Folge; sie wird die Gattin des Hunnenkönigs Attila. Zuvor lebte sie nach dem Tode Siegfrieds eine Zeitlang am burgundischen Hofe. Sie war in den Besitz des Nibelungenhortes gekommen und hat ihn verwendet als große Wohltäterin. Aber ihre Feinde, die aus früheren Epochen stammten und die in Hagen repräsentiert sind, versenkten den Nibelungenhort in den Rhein. Kriemhild hält an ihrem Plan fest, mit Hilfe Attilas die alten nordischen Feinde zu vernichten. Durch Kriemhilds Racheplan werden die Nibelungen hinuntergelockt nach dem Hofe Attilas, und da tritt ihnen am Wege gerade diejenige Geistesmacht entgegen, von der sie abgelöst werden sollen. An der Donau tritt ihnen in Rüdiger von Bechlaren und seiner Gemahlin Gotelinde das Christentum entgegen. Das ist die Morgenröte des Christentums, dasjenige, was an die Stelle der nordeuropäischen Völkerkulturen treten soll. Die Nibelungen gehen dem Untergang entgegen; sie werden am Hunnenhofe ermordet. Kriemhild nimmt zwar Rache, muß aber selbst untergehen. Und wodurch geht sie unter? Sie, die ja die umgewandelte Gudrun ist, die Volksseele der nordischen Kultur, verbindet sich mit Atli-Attila-Etzel, dem Atlantier, und rächt sich an dem Vertreter ihrer eigenen Kultur, der den Initiierten getötet hatte. Sie selbst geht zugrunde.

[ 13 ] The later *Nibelungen* saga goes on to tell us that Kriemhild resolved to take revenge on those who had killed Siegfried. She exacts her revenge by aligning herself with the Atlantean elements. She accepts Attila’s proposal of marriage; she becomes the wife of Attila, King of the Huns. Prior to this, after Siegfried’s death, she lived for a time at the Burgundian court. She had come into possession of the Nibelung hoard and used it as a great benefactor. But her enemies, who originated from earlier eras and are represented by Hagen, sank the Nibelung hoard into the Rhine. Kriemhild sticks to her plan to destroy the old Nordic enemies with Attila’s help. Through Kriemhild’s plan for revenge, the Nibelungs are lured down to Attila’s court, and there, on their way, they encounter precisely the spiritual power from which they are to be liberated. On the Danube, they encounter Christianity in the form of Rüdiger von Bechlaren and his wife Gotelinde. This is the dawn of Christianity, the very force destined to replace the folk cultures of Northern Europe. The Nibelungs are heading toward their downfall; they are murdered at the Hun court. Kriemhild does indeed take her revenge, but she herself must perish. And how does she meet her end? She—who is, in fact, the transformed Gudrun, the folk soul of Nordic culture—unites with Atli-Attila-Etzel, the Atlantean, and takes revenge on the representative of her own culture, the one who had killed the Initiate. She herself meets her end.

[ 14 ] Wenn Sie die Sage nur ästhetisch betrachten, so werden Sie sich natürlich fragen: Wie kommt es, daß nun am Schlusse noch am Hunnenhofe Dietrich von Bern, Hildebrand und alle die anderen Helden eingeführt werden, die einer Schicht angehören, die bereits zum Christentum übergegangen ist? Das sind ja bereits christliche Helden. - Das Christentum bringt der alten Volksseele den Tod, es überwindet die alte Volksseele. Das ist nicht etwas, was nachträglich der Sage angehängt worden ist, sondern etwas, was lange vor dem Auftreten des Christentums innerhalb der Mysterien als Prophezeiung gelebt hat. Diese Vorgänge waren Gegenstand der Mysterieneinweihung. Zu der Mysterieneinweihung gehörte nicht nur die Einweihung in die Wahrheiten der Gegenwart, sondern auch in die der Vergangenheit und der Zukunft. Immer gehörte dazu die Apokalyptik. Die Siegfried-Sage ist lange Zeit die Apokalypse des nordischen Volkes gewesen. Diese Sage ist nicht Dichtung, die irgendwie im Volk entstanden ist aus einzelnen Stücken, wie man sich das in der Philologie vorstellt. Das Volk dichtet nicht. Das kann nur jemand sagen, der keine Ahnung davon hat, wie es in der Seele eines Volkes zugeht. Die Sagen sind nichts anderes als Wiedergaben dessen, was in den Krypten der Mysterien sich vollzogen hat. Was man in der Sage hat, ist nichts anderes als die Wiedergabe von Mysterienvorgängen. Einen solchen Vorgang, für den man im Süden das Wort «Mysterium» hatte, nannte man im Norden eine «Maere», woraus das Wort «Märchen» für die kleineren Vorgänge dann entstanden ist. «Uns ist in alten maeren wunders vil geseit». «Wunders» ist nichts anderes als ein «Zeichen», ein Zeichen für Dinge, die als Vorgänge auf höheren Planen anzusehen sind.

[ 14 ] If you view the legend purely from an aesthetic perspective, you will naturally ask yourself: How is it that, at the very end, Dietrich von Bern, Hildebrand, and all the other heroes—who belong to a social class that has already converted to Christianity—are introduced at the Huns’ court? After all, they are already Christian heroes. - Christianity brings death to the ancient folk soul; it overcomes the ancient folk soul. This is not something that was added to the saga later on, but something that lived on as a prophecy within the mysteries long before the advent of Christianity. These processes were the subject of the mystery initiation. Mystery initiation involved not only initiation into the truths of the present, but also into those of the past and the future. Apocalyptic elements were always part of it. The Siegfried legend has long been the apocalypse of the Nordic people. This legend is not a work of fiction that somehow arose among the people from individual fragments, as is often imagined in philology. The people do not compose poetry. Only someone who has no idea what goes on in the soul of a people could say such a thing. The sagas are nothing other than renditions of what took place in the crypts of the mysteries. What we find in the saga is nothing other than the rendering of mystery rituals. Such a ritual—for which the South used the word “Mysterium”—was called a “Maere” in the North, from which the word “fairy tale” (Märchen) for smaller rituals then arose. “Much has been told to us in ancient maeren.” “Wonders” are nothing other than “signs”—signs of things that are to be regarded as events on higher planes.

[ 15 ] Die nordische Sagenwelt ist deshalb so interessant, weil sie etwas darstellt, was Sie in der ganzen südlichen Sagenwelt nicht finden können. Was die südlichen Völkerschaften in ihrer Sagenwelt darstellen, bedeutet immer einen Aufstieg; sie haben immer etwas aufgenommen, etwas bekommen, was zu einer höheren Stufe hinaufführt. Die indischen, persischen, babylonischen, chaldäischen Völker und die, welche sie abgelöst haben, haben zwar auch tragische Gestalten; ich erinnere nur an die Chronos-Sage. Aber hier im Norden ist das Tragische am meisten ausgebildet, weil diese Völker lange warten mußten. Es war eine lang dauernde, vorbereitende Kultur mit einer hohen Initiation, die - und das ist das Wichtige - eine Kultur war, die so weit hinunterging, daß der Initiierte der Mensch war. Der Initiierte der Inder ist der Bodhisattva, dann sind es die Rishis, später bei den Griechen sind die Initiierten die Sonnensöhne wie Herakles und Achilles. Dann erst, nachdem die Stufenleiter der Initiierten so weit heruntergegangen war, kam der initiierte Mensch hier im Norden, dem nur das eine fehlte, nämlich das, was der Christus ist, der Gott-gewordene Mensch. Der Mensch im Norden tritt uns in wartender Haltung entgegen; er ist verwundbar an der Stelle, wo das Christentum einsetzen muß.

[ 15 ] Norse mythology is so interesting because it depicts something you cannot find in the entire body of southern mythology. What the southern peoples depict in their mythology always signifies an ascent; they have always absorbed or received something that leads to a higher level. The Indian, Persian, Babylonian, and Chaldean peoples—and those who succeeded them—certainly also have tragic figures; I need only recall the myth of Cronus. But here in the North, the tragic element is most fully developed, because these peoples had to wait a long time. It was a long-lasting, preparatory culture with a high level of initiation—and this is the important point—a culture that reached so far down that the initiate was the human being. The initiate of the Indians is the Bodhisattva; then there are the Rishis; later, among the Greeks, the initiates are the Sons of the Sun, such as Heracles and Achilles. Only then, after the ladder of the initiated had descended so far, did the initiated human being appear here in the North, lacking only one thing: namely, what Christ is—the God-become-human. The human being in the North approaches us in a posture of waiting; he is vulnerable at the very point where Christianity must take hold.

[ 16 ] So haben wir also vier «Schichten» zu beachten:

[ 16 ] So we have four “layers” to consider:

[ 17 ] Erstens: Wotan. Er geht parallel dem, was im Süden in der ersten Unterrasse der fünften Wurzelrasse sich entwickelt.

[ 17 ] First: Wotan. He develops in parallel with what unfolds in the south within the first sub-race of the fifth root race.

[ 18 ] Zweitens: Odin. Er geht parallel mit der zweiten Unterrasse der fünften Wurzelrasse.

[ 18 ] Second: Odin. He corresponds to the second subrace of the fifth root race.

[ 19 ] Als drittes: Baldur, der Sonnenheros. Er geht parallel mit dem, was sich im Süden als babylonisch-chaldäisch-assyrische Epoche entwickelt. Was jedoch dort aufsteigende Kultur ist, ist im Norden Wartekultur.

[ 19 ] Third: Baldur, the sun hero. He corresponds to what developed in the south as the Babylonian-Chaldean-Assyrian era. However, what is a rising culture there is a culture of waiting in the north.

[ 20 ] Initiierte der Wartekultur, in der überall das Tragische sich ausdrückt. Weil es mit den alten Kräften zu Ende geht, sehen wir den tragischen Tod Baldurs und den tragischen Tod Siegfrieds.

[ 20 ] He initiated a culture of waiting, in which the tragic is expressed everywhere. Because the era of the old powers is coming to an end, we witness the tragic deaths of Baldur and Siegfried.