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The Rudolf Steiner Archive

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The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93

23 May 1904, Berlin

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1. Pfingsten, das Fest der Befreiung des Menschengeistes

1. Pentecost, the Feast of the Liberation of the Human Spirit

[ 1 ] Es war vorauszusehen, daß heute nur eine kleine Gemeinde sich versammeln würde. Ich habe dennoch beschlossen, diesen Abend abzuhalten, um denen, welche sich heute einfinden, einiges zu sagen in Anknüpfung an das Pfingstfest.

[ 1 ] It was to be expected that only a small congregation would gather today. Nevertheless, I have decided to hold this evening’s service in order to say a few words to those who are here today in connection with the Feast of Pentecost.

[ 2 ] Bevor ich darauf eingehe, möchte ich Ihnen eines der Ergebnisse meiner letzten Londoner Reise mitteilen, das darin besteht, daß uns höchstwahrscheinlich im Herbst Frau Besant hier besuchen wird. Wir werden also Gelegenheit haben, die zu den bedeutendsten spirituellen Kräften der Gegenwart gehörende Persönlichkeit wieder zu hören. Die zwei nächsten öffentlichen Vorträge werden wir im Architektenhaus haben: heute über acht Tagen über Spiritismus und den folgenden über Somnambulismus und Hypnotismus. Dann werden die Montagsveranstaltungen wieder regelmäßig hier stattfinden. An den Donnerstagen der nächsten Zeit werde ich sprechen über TheosoPhische Kosmologie, über Vorstellungen, die die Theosophie zu geben hat über die Bildung des Weltgebäudes. Diejenigen, welche sich für diese Fragen interessieren, werden mannigfaltiges zu hören bekommen, was sie vielleicht noch nicht aus der gebräuchlichen theosophischen Literatur kennen. Die Vorträge über die Elemente der Theosophie möchte ich in einem späteren Zeitpunkte halten.

[ 2 ] Before I go into that, I would like to share with you one of the results of my last trip to London, namely that Mrs. Besant will most likely be visiting us here this fall. We will therefore have the opportunity to hear once again from a figure who ranks among the most significant spiritual forces of our time. The next two public lectures will be held at the Architektenhaus: one in eight days on Spiritism, and the following one on somnambulism and hypnotism. After that, the Monday meetings will resume regularly here. On Thursdays in the near future, I will speak on Theosophical Cosmology—specifically, on the concepts Theosophy offers regarding the formation of the universe. Those interested in these topics will hear a great deal that they may not yet be familiar with from standard Theosophical literature. I would like to give the lectures on the elements of Theosophy at a later date.

[ 3 ] Was ich nun heute sagen werde, entstammt einer alten okkulten Tradition. Der Stoff kann natürlich heute nicht erschöpft werden. Manches wird sogar unglaubhaft erscheinen. Ich bitte daher, die heutige Stunde als eine Episode zu betrachten, in der nichts bewiesen, sondern einfach Dinge erzählt werden sollen.

[ 3 ] What I am about to say today stems from an ancient occult tradition. Of course, it is impossible to cover this subject exhaustively today. Some things may even seem unbelievable. I therefore ask that you view today’s session as a story in which nothing is meant to be proven, but simply told.

[ 4 ] Die Menschen feiern heutzutage ihre Feste, ohne so recht eine Ahnung davon zu haben, was solche Feste bedeuten. In den Zeitungen, die für einen großen Teil unserer gegenwärtigen Zeitgenossen die eigentliche Quelle der Bildung und Aufklärung bedeuten, kann man die mannigfaltigsten Artikel über solche Feste lesen, ohne daß bei den Schreibern irgendein Bewußtsein vorhanden ist, was solch ein Fest zu bedeuten hat. Aber für Theosophen ist es notwendig, wieder auf die innere Bedeutung hinzuweisen. Und so möchte ich heute hinweisen auf die Anfangskeime eines solchen uralten Festes, auf den Ursprung des Pfingstfestes.

[ 4 ] People these days celebrate their festivals without really having any idea what such festivals mean. In the newspapers—which for a large portion of our contemporaries are the primary source of education and enlightenment—one can read a wide variety of articles about such festivals, without the writers having any real understanding of what such a festival signifies. But for Theosophists, it is necessary to draw attention once again to the inner meaning. And so today I would like to point out the earliest seeds of such an ancient festival—the origin of the Feast of Pentecost.

[ 5 ] Das Pfingstfest ist eines der bedeutendsten und am schwersten verständlichen Feste. Im christlichen Bewußtsein erinnert es an die Ausgießung des Heiligen Geistes. Dieses Ereignis wird uns beschrieben als eine Wundergeschichte: über die Jünger und die Apostel Christi habe sich der Heilige Geist ergossen, so daß sie anfingen, in allen möglichen Zungen zu sprechen. Das heißt, daß sie zu jedem Herzen den Zugang fanden und je nach dem Verständnis der Menschen sprechen konnten. Das ist eine Bedeutung des Pfingstfestes. Wenn wir es aber gründlicher verstehen wollen, müssen wir viel tiefer gehen. Das Pfingstfest — als symbolisches Fest — hängt mit den tiefsten Mysterien, mit den heiligsten geistigen Gütern der Menschheit zusammen. Deshalb ist es so schwer, darüber zu sprechen. Wenigstens auf einiges möchte ich indessen heute doch hindeuten.

[ 5 ] The Feast of Pentecost is one of the most significant and most difficult to understand feasts. In the Christian consciousness, it commemorates the outpouring of the Holy Spirit. This event is described to us as a miraculous story: the Holy Spirit is said to have poured out upon Christ’s disciples and apostles, so that they began to speak in every possible tongue. This means that they found a way to reach every heart and could speak according to each person’s understanding. This is one meaning of the Feast of Pentecost. But if we want to understand it more thoroughly, we must go much deeper. The Feast of Pentecost—as a symbolic feast—is connected to the deepest mysteries, to the holiest spiritual treasures of humanity. That is why it is so difficult to speak about it. Nevertheless, I would like to point out at least a few things today.

[ 6 ] Wofür eigentlich das Pfingstfest Symbol ist, was dem Pfingstfest zugrunde liegt, was es im tieferen Sinne bedeutet, das ist nur aufgeschrieben in einem Manuskript, das sich im Vatikan, in der Vatikanischen Bibliothek befindet und in der sorgfältigsten Weise behütet wird. In diesem Manuskript ist allerdings nicht von dem Pfingstfest, wohl aber von dem gesprochen, wofür das Pfingstfest nur das äußere Symbol ist. Dieses Manuskript hat wohl kaum jemand gesehen, der nicht in die tiefsten Geheimnisse der katholischen Kirche eingeweiht war oder es im Astrallichte zu lesen vermochte. Eine Kopie davon besitzt eine Persönlichkeit, welche von der Welt sehr verkannt worden ist, die aber heute für den Geschichtsbetrachter anfängt interessant zu werden. Ich könnte auch ebenso sagen «hat besessen» statt «besitzt», aber es entstände eine Unklarheit dadurch. Deshalb sage ich: eine Kopie besitzt der Graf von Saint—Germain, von dem wohl die einzigen Mitteilungen stammen, die es in der Welt davon gibt.

[ 6 ] What the Feast of Pentecost actually symbolizes, what underlies it, and what it means in a deeper sense—all of this is recorded only in a manuscript located in the Vatican, in the Vatican Library, and guarded with the utmost care. This manuscript, however, does not speak of Pentecost itself, but rather of that for which Pentecost is merely the outward symbol. Hardly anyone has seen this manuscript who was not initiated into the deepest secrets of the Catholic Church or who was able to read it in the astral light. A copy of it is in the possession of a figure who has been greatly misunderstood by the world, but who is now beginning to become interesting to the historian. I could just as easily say “possessed” instead of “possesses,” but that would create ambiguity. Therefore, I say: a copy is in the possession of the Count of Saint-Germain, from whom likely the only information in the world about it originates.

[ 7 ] Ich möchte im Sinne der Theosophie nur andeutungsweise einiges darüber sagen. Wir werden da zu etwas geführt, was tief zusammenhängt mit der Evolution, mit der Entwickelung der Menschheit in der fünften Wurzelrasse. Der Mensch hat ja diejenige Form, die er heute an sich trägt, in der dritten Wurzelrasse, der alten lemurischen Zeit bekommen, sie weitergebildet durch die vierte Wurzelrasse, die Zeit der alten Atlantis, und ist dann mit dem Resultat in die fünfte Wurzelrasse eingetreten. Wer meine Atlantis—Vorträge gehört hat, wird sich erinnern, daß bei den Griechen noch eine lebhafte Erinnerung an jene Zeit vorhanden war.

[ 7 ] I would like to say just a few words about this from a theosophical perspective. We are led here to something that is deeply connected with evolution, with the development of humanity in the fifth root race. Human beings acquired the form they possess today during the third root race—the ancient Lemurian era—further developed it during the fourth root race—the time of ancient Atlantis—and then entered the fifth root race with the result of that development. Anyone who has heard my lectures on Atlantis will recall that the Greeks still had a vivid memory of that time.

[ 8 ] Zur Orientierung müssen wir einen kurzen Einblick gewinnen in zwei Strömungen innerhalb unserer fünften Wurzelrasse, die als verborgene Kräfte in den Gemütern lebendig sind und vielfach miteinander streiten: die eine Strömung findet sich am reinsten und klarsten ausgeprägt in dem, was wir die ägyptische, indische und südeuropäische Weltanschauung nennen. Alles spätere Judentum und auch das Christentum enthält etwas davon. Das hat sich aber andererseits in unserem Europa wiederum vermischt mit der anderen Strömung, die in derjenigen Weltanschauung lebt, die wir im alten Persien finden und die wir — wenn wir nicht auf das hören, was uns die Anthropologen und Etymologen sagen, sondern wenn wir auf die Sache tiefer eingehen — wiederfinden können von Persien westwärts sich hinziehend bis zu den Regionen der Germanen.

[ 8 ] To gain some perspective, we must take a brief look at two currents within our fifth root race that are alive as hidden forces in people’s minds and often clash with one another: one current is found in its purest and clearest form in what we call the Egyptian, Indian, and Southern European worldviews. All later Judaism, as well as Christianity, contains elements of this. On the other hand, however, this has in turn mingled in our Europe with the other current, which lives in the worldview we find in ancient Persia and which—if we do not listen to what anthropologists and etymologists tell us, but instead delve deeper into the matter—we can trace stretching westward from Persia all the way to the regions of the Germanic peoples.

[ 9 ] Von diesen zwei Strömungen möchte ich behaupten, daß sie auf zwei wichtige, zwei große spirituelle Intuitionen hindeuten, die ihnen zugrunde liegen. Die eine ist am reinsten aufgegangen den uralten Rishis. Ihnen ging auf die Intuition höhergearteter Wesen: der sogenannten Devas. Wer eine okkulte Schulung durchgemacht hat, wer forschen kann auf diesem Gebiete, der weiß, was Devas sind. Diese rein spirituellen Wesenheiten, die im Astral— und Mentalraum leben, haben eine zweifache Natur, während die Menschen eine dreifache Natur haben. Denn der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Die Devanatur aber besteht — soweit wir sie verfolgen können — nur aus Seele und Geist. Sie mag noch andere Glieder haben, aber wir können sie selbst mit okkulter Schulung nicht verfolgen. Ein Deva hat in seinem Inneren unmittelbar den Geist. Der Deva ist ein seelenbegabter Geist. Was Sie beim Menschen nicht sehen können, nämlich die Begierden, Triebe, Leidenschaften und Wünsche, die in ihm leben, die aber für den, der seine spirituellen Sinne erschlossen hat, wahrnehmbar sind als Lichterscheinungen, diese Seelenkräfte, dieser Seelenleib des Menschen, der für den Menschen sein Inneres ist und getragen wird von unserem physischen Leib, das ist der unterste Leib der Devas. Wir können ihn als ihren Körper ansehen. Die indische Intuition ging vorzugsweise auf die Verehrung dieser Devas. Der Inder sieht diese Devas überall. Er sieht sie als die schaffenden Kräfte, wenn er hinter die Kulissen unserer Welterscheinungen blickt. Diese Intuition liegt dem südlichen Weltanschauungsgürtel zugrunde. In der Weltanschauung Ägyptens kommt sie groß und gewaltig zum Ausdruck.

[ 9 ] I would like to argue that these two currents point to two important, two great spiritual intuitions that underlie them. One of these was most purely realized by the ancient Rishis. They gained insight into beings of a higher nature: the so-called Devas. Anyone who has undergone occult training, anyone capable of researching this field, knows what Devas are. These purely spiritual beings, who live in the astral and mental realms, have a dual nature, whereas human beings have a triune nature. For the human being consists of body, soul, and spirit. The nature of a Deva, however—as far as we can discern—consists only of soul and spirit. It may have other components, but even with occult training we cannot perceive them. A Deva possesses the spirit directly within itself. The Deva is a spirit endowed with a soul. What you cannot see in human beings—namely, the desires, instincts, passions, and wishes that dwell within them, but which are perceptible to those who have opened their spiritual senses as luminous manifestations—these soul forces, this soul-body of the human being, which constitutes the human being’s inner self and is supported by our physical body, constitute the lowest body of the devas. We can regard it as their body. Indian intuition focused primarily on the worship of these Devas. The Indian sees these Devas everywhere. He sees them as the creative forces when he looks behind the scenes of our worldly phenomena. This intuition underlies the southern worldview. In the Egyptian worldview, it finds great and powerful expression.

[ 10 ] Die andere Intuition liegt der alten persischen Mystik zugrunde und führte zur Verehrung von Wesenheiten, die auch nur zweifacher Natur sind: den Asuras. Diese haben auch das, was wir Seele nennen; aber in großartiger, titanenhafter Weise haben sie ausgebildet den physischen Leib, der ein Seelenorgan einschließt. Die indische Weltanschauung, die an der Devaverehrung festhält, sieht diese Asuras als etwas Untergeordnetes an, während diejenigen, die sich zum nördlichen Weltanschauungsgürtel bekannten, mehr an den Asuras hingen, an der physischen Natur. Daher hatte sich auch hier besonders der Drang ausgebildet, die Welt der Sinneserscheinungen in materieller Weise zu beherrschen, die Welt der Wirklichkeit durch die bis ins Höchste gehende Vervollkommnung der Technik, durch physische Künste und dergleichen zu beherrschen. Heute gibt es keine Menschen mehr, die an der Asuraverehrung festhalten; aber viele unter uns gibt es noch, die etwas von dieser Natur in sich haben. Von daher rührt der Zug nach der materiellen Seite des Lebens und das ist der Grundzug des nördlichen Weltanschauungsgürtels. Wer sich zu rein materialistischen Grundsätzen bekennt, kann sicher sein, daß er in seiner Natur etwas hat, was von diesen Asuras herrührt.

[ 10 ] The other intuition underlies ancient Persian mysticism and led to the worship of beings that are also of a dual nature: the Asuras. They, too, possess what we call a soul; but in a magnificent, titanic way, they have developed the physical body, which encompasses an organ of the soul. The Indian worldview, which adheres to the worship of the Devas, regards these Asuras as something subordinate, whereas those who adhered to the northern worldview were more attached to the Asuras, to physical nature. Consequently, here too a particular urge had developed to master the world of sensory phenomena in a material way—to master the world of reality through the perfection of technology to the highest degree, through the physical arts, and the like. Today there are no longer any people who adhere to the worship of the Asuras; but there are still many among us who possess something of this nature within themselves. This is the source of the inclination toward the material side of life, and it is the defining characteristic of the northern worldview belt. Anyone who adheres to purely materialistic principles can be certain that there is something in their nature that stems from these Asuras.

[ 11 ] Innerhalb der Bekenner der Asuras entwickelte sich dann ein eigentümliches Grundgefühl. Es sproßte zuerst im persischen Geistesleben auf. Die Perser bekamen eine Art Furcht vor der Devanatur. Furcht, Scheu und Grauen bekamen sie vor dem, was rein geistig—seelisch ist. Das bewirkte, daß wir heute den großen Gegensatz erblicken zwischen der persischen und der indischen Anschauung. In der persischen Weltanschauung wurde oft gerade das angebetet, was die indische Richtung als schlecht, als etwas Untergeordnetes betrachtete, und geradezu gemieden, was der Inder als verehrungswürdig betrachtet. Innerhalb des persischen Weltgefühles entstand also diese eigentümliche Grundempfindung gegenüber einer Wesenheit, die eigentlich Devanatur hat, die aber innerhalb dieser Weltanschauung gemieden, gefürchtet wird. Kurz, es ist das Bild des Satans, das in dieser Weltanschauung auftritt. Luzifer, der Geistig—Seelische, wird ein mit Schauder erfüllendes Wesen. Darin haben wir den Ursprung zu suchen von dem, was als Teufelsglaube existiert. Diese Grundempfindung ist auch in die moderne Weltanschauung übergegangen; namentlich im Mittelalter wurde der Teufel eine gefürchtete und gemiedene Figur. Luzifer wurde also förmlich gemieden.

[ 11 ] A peculiar underlying sentiment then developed among the followers of the Asuras. It first took root in Persian spiritual life. The Persians developed a kind of fear of the Deva nature. They came to feel fear, aversion, and horror toward that which is purely spiritual—psychic. This has led to the great contrast we see today between the Persian and Indian worldviews. In the Persian worldview, what the Indian tradition regarded as evil or inferior was often worshiped, while what the Indians considered worthy of veneration was actively shunned. Thus, within the Persian worldview, this peculiar fundamental attitude arose toward a being who actually possesses a devic nature but who, within this worldview, is shunned and feared. In short, it is the image of Satan that appears in this worldview. Lucifer, the spiritual-soul being, becomes a being that inspires dread. Herein lies the origin of what exists as belief in the devil. This fundamental sentiment has also carried over into the modern worldview; particularly in the Middle Ages, the devil became a feared and shunned figure. Lucifer was thus formally shunned.

[ 12 ] Wir erhalten darüber Aufschluß in dem angegebenen Manuskript. Wenn wir im Sinne desselben den Gang der Weltentwickelung verfolgen, dann finden wir, daß in der Mitte der dritten, der lemurischen Rasse, die Menschen sich mit physischem Stoff bekleidet haben. Es ist eine falsche Vorstellung, wenn die Theosophen glauben, daß die Reinkarnation keinen Anfang und kein Ende habe. Die Reinkarnation hat in der lemurischen Zeit angefangen und wird im Beginne der sechsten Rasse auch wiederum aufhören. Es ist nur eine gewisse Zeitspanne in der irdischen Entwickelung, innerhalb welcher der Mensch sich wiederverkörpert. Vorausgegangen war ein überaus geistiger Zustand, der keine Wiederverkörperung nötig machte, und folgen wird wiederum ein geistiger Zustand, der auch keine Wiederverkörperung bedingt.

[ 12 ] We find clarification on this in the manuscript cited. If we trace the course of world evolution in accordance with it, we find that in the middle of the third, the Lemurian race, human beings clothed themselves in physical matter. It is a misconception for Theosophists to believe that reincarnation has no beginning and no end. Reincarnation began in the Lemurian era and will cease again at the beginning of the sixth race. It is merely a specific period in Earth’s evolution during which human beings reincarnate. This was preceded by an exceedingly spiritual state that did not require reincarnation, and it will be followed by another spiritual state that likewise does not necessitate reincarnation.

[ 13 ] Die ursprüngliche Verkörperung in der dritten Rasse bestand darin, daß gleichsam der jungfräuliche Menschengeist, Atma—Buddhi—Manas, seine erste physische Verkörperung suchte. Es konnte damals die physische Entwickelung unserer Erde mit den tierartigen Wesenheiten noch nicht so weit vorgeschritten sein, die ganze tierisch—menschliche Wesenheit konnte damals noch nicht so weit sein, daß sie den Menschengeist hätte aufnehmen können. Aber ein Teil, eine gewisse Gruppe tierartiger Wesenheiten war schon so weit entwickelt, daß sich der Same des Menschengeistes in diese tierischen Leiber senken konnte, damit sie dem Menschenleibe die Form geben konnten.

[ 13 ] The original incarnation in the third race consisted in the virgin human spirit—Atma—Buddhi—Manas—seeking its first physical embodiment, as it were. At that time, the physical development of our Earth, together with the animal-like beings, had not yet progressed far enough; the entire animal-human being could not yet have been ready to receive the human spirit. But a part—a certain group of animal-like beings—was already sufficiently developed for the seed of the human spirit to descend into these animal bodies, so that they could give form to the human body.

[ 14 ] Ein Teil der Individualitäten, welche dazumal sich inkarnierten, bildeten den kleinen Stamm derjenigen, die sich später als sogenannte Adepten über die ganze Welt verbreiteten. Das waren die ursprünglichen Adepten, nicht diejenigen, die wir heute Initiierte nennen. Die, welche wir heute Initiierte nennen, machten damals noch keine Inkarnation durch. Es verkörperten sich damals aber nicht alle, die menschlich—tierische Körper hätten finden können, sondern nur ein Teil. Ein anderer Teil widersetzte sich dem Gang der Inkarnation aus bestimmten Gründen. Sie warteten damit bis in die vierte Rasse hinein. Die Bibel deutet jenen Zeitpunkt in verborgener und tiefsinniger Weise an: Die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön waren und sie verbanden sich mit ihnen.

[ 14 ] Some of the individualities that incarnated at that time formed the small group of those who later spread throughout the world as so-called adepts. These were the original adepts, not those we today call initiates. Those we today call initiates had not yet undergone incarnation at that time. However, not all who could have found human-animal bodies incarnated at that time; only a portion did. Another group resisted the process of incarnation for specific reasons. They waited until the fourth race to do so. The Bible alludes to that time in a veiled and profound way: “The sons of God saw that the daughters of men were beautiful, and they took wives from among them.”

[ 15 ] Das heißt, es begann in jenem späteren Zeitpunkte eine Inkarnation von denjenigen, welche gewartet hatten. Wir nennen diese Gruppe «Söhne der Weisheit», und es scheint fast, als liege eine gewisse Vermessenheit und ein Stolz in ihnen. Von der kleinen Ausnahme der ‚Adepten wollen wir jetzt absehen. Hätte sich dieser andere Teil damals auch inkarniert, so wäre der Mensch niemals zu dem klaren Bewußtsein gekommen, in dem er heute lebt. Der Mensch wäre in dumpfem Trancebewußtsein steckengeblieben. Er würde das Bewußtsein angenommen haben, das Sie heute bei Hypnotisierten, Soemnambulen und so weiter finden können. Kurz, die Menschen hätten in einer Art Traumbewußtsein bleiben müssen. Aber eines hätte ihnen dann gefehlt, was außerordentlich wichtig, wenn nicht das Wichtigste war: das Freiheitsgefühl, die selbsteigene Entscheidung des Menschen über Gut und Böse aus seinem eigenen Bewußtsein, aus seinem Ich heraus.

[ 15 ] In other words, at that later point in time, an incarnation began for those who had been waiting. We call this group the “Sons of Wisdom,” and it almost seems as if there is a certain arrogance and pride in them. We will set aside, for now, the small exception of the ‘adepts,’ let us now set that aside. Had this other group also incarnated at that time, humanity would never have attained the clear consciousness in which it lives today. Humanity would have remained stuck in a dull, trance-like state of consciousness. It would have adopted the kind of consciousness you find today in hypnotized people, somnambulists, and so on. In short, people would have had to remain in a kind of dream-like state of consciousness. But they would then have lacked one thing that was extraordinarily important, if not the most important thing of all: the sense of freedom, the human being’s own decision regarding good and evil, arising from his own consciousness, from his “I.”

[ 16 ] Die Genesis bezeichnet diese spätere Inkarnation — in derjenigen Gestalt, die sie eben schon erhalten hat unter den Einflüssen, die von jener Empfindung herkommen, die ich charakterisiert habe dadurch, daß ich gesagt habe, daß vor dem Deva eine gewisse Scheu besteht —, die Genesis bezeichnet diese spätere Inkarnierung als den «Fall» des Menschen, den Sündenfall. Der Deva wartete und sank erst herunter, als die physische Menschheit schon eine Stufe weiter entwickelt war, um dann erst Besitz zu ergreifen von dem physischen Leib, damit er dann ein reiferes Bewußtsein entwickeln könne, als das früher der Fall gewesen wäre.

[ 16 ] Genesis describes this later incarnation—in the form it has already assumed under the influences stemming from that feeling I characterized by saying that there is a certain timidity toward the Deva—Genesis describes this later incarnation as the “Fall” of humanity, the Fall of Man. The Deva waited and descended only when physical humanity had already advanced one stage further, so that it might then take possession of the physical body and thereby develop a more mature consciousness than would have been the case earlier.

[ 17 ] So sehen Sie, daß der Mensch sich seine Freiheit dadurch erkauft hat, daß sich seine Natur verschlechterte, weil er mit der Inkarnierung wartete, bis seine Natur heruntergestiegen ist in die dichteren physiologischen Zustände. In der griechischen Mythologie hat sich ein tiefes Bewußtsein von diesem Tatbestand erhalten. Wäre der Mensch schon früher zur Inkarnation gekommen — das sagt der Mythos der Griechen —, dann wäre das eingetreten, was Zeus wollte, als sich die Menschen noch im «Paradiese» befanden: Er wollte sie glücklich machen, aber als unbewußte Wesen. Das klare Bewußtsein hätte dann einzig bei den Göttern gelegen und der Mensch wäre ohne das Gefühl der Freiheit geblieben. Die Auflehnung des Luzifergeistes, des Devageistes in der Menschheit, der heruntersteigen wollte, um sich aus der Freiheit heraus selbst emporzuentwickeln, ist symbolisiert in der Sage von Prometheus. Er aber muß für sein Bestreben büßen dadurch, daß fortwährend ein Adler — als Symbol der Begierde — an seiner Leber nagt und ihm dadurch die furchtbarsten Schmerzen verursacht.

[ 17 ] Thus you can see that human beings have paid for their freedom by allowing their nature to deteriorate, because they waited to incarnate until their nature had descended into denser physiological states. A deep awareness of this fact has been preserved in Greek mythology. Had humanity incarnated earlier—as the Greek myth suggests—then what Zeus intended when humanity was still in “Paradise” would have come to pass: He wanted to make them happy, but as unconscious beings. Clear consciousness would then have resided solely with the gods, and humanity would have remained without a sense of freedom. The rebellion of the Luciferic spirit—the deva spirit within humanity—which sought to descend in order to evolve upward of its own accord through freedom, is symbolized in the legend of Prometheus. He, however, must atone for his endeavor by having an eagle—as a symbol of desire—constantly gnawing at his liver, thereby causing him the most terrible pain.

[ 18 ] Der Mensch ist also tiefer heruntergestiegen und muß nun das, was er durch magische Künste und Kräfte erreicht haben würde, mit dem erreichen, was ihm selbsttätig aus dem klaren Bewußtsein der Freiheit erfließt. Aber weil er tiefer heruntergestiegen ist, muß er auch Schmerzen und Qualen erdulden. Auch dies deutet die Bibel an mit den Worten: In Schmerzen sollst du Kinder gebären, im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen —, und so weiter. Das heißt nichts anderes als: der Mensch muß sich selbst mit Hilfe der Kultur wieder hochbringen.

[ 18 ] Humanity has thus descended further and must now achieve—through the clear consciousness of freedom—what it would otherwise have attained through magical arts and powers. But because it has descended further, it must also endure pain and suffering. The Bible also alludes to this with the words: “In pain you shall bring forth children; in the sweat of your face you shall eat your bread”—and so on. This means nothing other than that human beings must lift themselves up again with the help of culture.

[ 19 ] Den Repräsentanten der in Freiheit durch Kämpfe zur Kultur strebenden Menschheit hat die griechische Mythologie in Prometheus symbolisiert. In ihm hat sie dargestellt den leidenden Menschen und zugleich den Befreier. Derjenige, der des Prometheus Befreiung herbeiführt, ist Herakles, von dem uns erzählt wird, daß er sich in die eleusinischen Mysterien einweihen ließ. Wer hinabstieg in die Unterwelt, war ein Initiierter, denn das Hinabsteigen in die Unterwelt ist der technische Ausdruck für die Initiation. Diese Fahrt nach der Unterwelt wird uns von Herakles, Odysseus und von allen denjenigen gesagt, bei denen wir es mit Eingeweihten zu tun haben, die nun die Menschen innerhalb der gegenwärtigen Entwickelung zu dem Quell ursprünglicher Weisheit, zum spirituellen Leben führen wollen.

[ 19 ] Greek mythology symbolized, in the figure of Prometheus, the representatives of humanity striving for culture through struggles for freedom. In him, it portrayed both the suffering human being and the liberator. The one who brings about Prometheus’s liberation is Heracles, of whom we are told that he was initiated into the Eleusinian Mysteries. Anyone who descended into the underworld was an initiate, for the descent into the underworld is the technical term for initiation. This journey to the underworld is described to us by Heracles, Odysseus, and all those whom we recognize as initiates—those who now seek to lead humanity, within the context of its present development, to the source of primordial wisdom and to spiritual life.

[ 20 ] Wäre die Menschheit auf dem Standpunkte der dritten Rasse stehengeblieben, dann wären wir heute Traummenschen. Durch seine Devanatur hat der Mensch seine niedere Natur befruchtet. Aus seinem Selbstbewußtsein, seinem Freiheitsbewußtsein heraus muß er nun jenen Bewußtseinsfunken, den er sich damals in berechtigtem Übermut herunterholte, wieder entwickeln, also jene spirituelle Erkenntnis, die er in dem früheren unfreien Zustande nicht angestrebt hat. In der menschlichen Natur selbst liegt jene satanische Auflehnung, die als luziferisches Streben aber die Gewähr für unsere Freiheit überhaupt ist. Und aus dieser Freiheit entwickeln wir wieder spirituelles Leben. Dieses spirituelle Leben soll innerhalb der Menschheit der fünften Rasse wieder angefacht werden. Wieder soll von Initiierten dieses Bewußtsein ausgehen. Nicht ein traumhaftes, sondern ein klares Bewußtsein soll es sein. Die Herkulesse des Geistes, die Initiierten sind es, die die Menschheit vorwärtsbringen und ihr die verborgene Devanatur, die Erkenntnis des Geistigen enthüllen. Das ist auch das Streben aller großen Religionsstifter gewesen, der Menschheit wieder die Erkenntnis des Geistigen zu bringen, das sie im physiologischen Leben verloren hat. Die Atlantier hatten eine hohe physische Kultur, und unsere fünfte Rasse hat noch immer viel von dem materiellen Leben in sich. Diese materialistische Kultur unserer Zeit zeigt uns, wie sehr der Mensch sich verstrickt hat in die rein physisch—physiologische Natur, wie Prometheus in seine Ketten. Aber ebenso sicher ist es, daß der Geier, das Symbol der Begierde, der an unserer Leber nagt, beseitigt werden wird durch den spirituellen Menschen. Dahin wollen die Initiierten die selbstbewußte Menschheit führen durch solche Bewegungen, von denen die theosophische Bewegung eine ist, damit der Mensch in voller Freiheit wieder emporsteigen kann.

[ 20 ] If humanity had remained at the stage of the third race, we would be dream-people today. Through his devic nature, man has fertilized his lower nature. Out of his self-awareness and his sense of freedom, he must now redevelop that spark of consciousness which he brought down at that time in justified exuberance—that is, the spiritual insight he did not strive for in his earlier, unfree state. Within human nature itself lies that satanic rebellion which, as a Luciferic striving, is nevertheless the very guarantee of our freedom. And out of this freedom we develop spiritual life once more. This spiritual life is to be rekindled within the humanity of the fifth race. Once again, this consciousness is to emanate from the Initiates. It is to be not a dreamlike consciousness, but a clear one. The Herculeses of the spirit—the Initiates—are the ones who advance humanity and reveal to it the hidden Deva-nature, the knowledge of the spiritual. This has also been the aspiration of all great founders of religions: to restore to humanity the knowledge of the spiritual that it has lost in its physiological life. The Atlanteans had a highly developed physical culture, and our fifth race still retains much of that materialistic life within itself. The materialistic culture of our time shows us how deeply humanity has become entangled in purely physical-physiological nature, just as Prometheus was bound in his chains. But it is equally certain that the vulture—the symbol of desire that gnaws at our liver—will be banished by the spiritual human being. This is where the Initiates seek to lead self-aware humanity through movements such as the Theosophical Society, so that humanity may rise again in complete freedom.

[ 21 ] Den Zeitpunkt, den wir als den Augenblick des Einströmens spirituellen Lebens in die selbstbewußte Menschheit zu erfassen haben, finden wir im Evangelium, im Neuen Testament, genau angedeutet. Im tiefsten Evangelium, das von der heutigen Theologie verkannt wird, im Johannes—Evangelium, da wo erzählt wird, daß Jesus das Laubhüttenfest besucht, wird dieser Zeitpunkt angedeutet. Der Stifter des Christentums spricht da davon, spirituelles Leben über die Menschheit auszugießen. Es ist das eine merkwürdige Stelle. Das Laubhüttenfest bestand ja darin, daß man zu einer Quelle ging, aus der Wasser floß. Dort entwickelte sich dann ein Fest, das darauf hindeutete, daß der Mensch sich wieder einmal besinnen solle auf das Spirituelle, auf die Devanatur und das geistige Streben. Das Wasser, das da geschöpft wurde, war eine Erinnerung an das Seelisch—Geistige. Nach wiederholten Absagen geht Jesus doch zu dem Fest. Und am letzten Tage des Festes geschieht folgendes (Joh.7,37): Am letzten Tage des Festes, der am herrlichsten war — so heißt es —, trat Jesus auf und sprach: «Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!» — Diejenigen, welche tranken, feierten ein Erinnerungsfest an das spirituelle Leben. Jesus aber verbindet noch etwas anderes damit und das deutet Johannes mit den Worten an: «Wer an mich glaubet, wie die Schrift saget, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geiste, welchen empfangen sollten die, die an ihn glaubten, denn der Heilige Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verkläret.»

[ 21 ] The point in time that we must recognize as the moment when spiritual life began to flow into self-conscious humanity is clearly indicated in the Gospel, in the New Testament. In the most profound Gospel—one that is misunderstood by contemporary theology—the Gospel of John, where it is recounted that Jesus attended the Feast of Tabernacles, this moment is alluded to. The founder of Christianity speaks there of pouring out spiritual life upon humanity. It is a remarkable passage. The Feast of Tabernacles, after all, consisted of going to a spring from which water flowed. There, a festival developed that signified that human beings should once again reflect on the spiritual, on the deva-nature, and on spiritual striving. The water that was drawn there was a reminder of the soul-spiritual realm. After repeatedly declining to go, Jesus does attend the festival after all. And on the last day of the festival, the following occurs (John 7:37): On the last day of the festival, which was the most glorious—so it is said—Jesus stood up and said, “If anyone is thirsty, let him come to me and drink!”—Those who drank were celebrating a festival commemorating spiritual life. But Jesus associates something else with this as well, and John alludes to it with the words: “Whoever believes in me, as the Scripture has said, rivers of living water will flow from within them.” He said this about the Spirit, whom those who believed in him were to receive; for the Holy Spirit had not yet come, because Jesus had not yet been glorified.

[ 22 ] Hier ist nun hingedeutet auf das Pfingstmysterium, hingedeutet darauf, daß die Menschheit zu warten hat auf diesen Heiligen Geist des spirituellen Lebens. Wenn der Zeitpunkt erreicht sein wird, daß der Mensch in sich selbst den Funken des spirituellen Lebens entzünden kann, wenn die physiologische Natur des Menschen aus sich selbst den Aufstieg versuchen kann, dann wird der Heilige Geist über die Menschen kommen, die Zeit des spirituellen Erwachens.

[ 22 ] Here, then, is an allusion to the mystery of Pentecost, an allusion to the fact that humanity must wait for this Holy Spirit of spiritual life. When the time comes that human beings can kindle the spark of spiritual life within themselves, when the physiological nature of human beings can attempt the ascent of its own accord, then the Holy Spirit will come upon humanity—the time of spiritual awakening.

[ 23 ] Der Mensch ist heruntergestiegen, bis in den physischen Leib hinein, so daß er im Gegensatz zur Devanatur aus drei Prinzipien besteht: aus Geist, Seele und Leib. Der Deva steht höher als der Mensch, aber er hat nicht die physische Natur zu überwinden wie der Mensch. Diese physische Natur muß wieder verklärt werden, so daß sie das spirituelle Leben aufnehmen kann. Des Menschen physiologisches Bewußtsein, der physische Leib, wie er heute lebt, soll selbst den Funken des spirituellen Lebens in Freiheit in sich entzünden.

[ 23 ] Human beings have descended all the way into the physical body, so that—in contrast to the devic nature—they consist of three principles: spirit, soul, and body. The deva stands higher than human beings, but does not have to overcome physical nature as human beings do. This physical nature must be transfigured so that it can receive spiritual life. Human beings’ physiological consciousness—the physical body as it exists today—must itself kindle the spark of spiritual life within itself in freedom.

[ 24 ] Das Christus—Opfer ist ein Beispiel dafür, daß der Mensch aus dem physischen Leben heraus das höhere Bewußtsein entfalten kann. Im physischen Leibe lebt sein niederes Ich; aber angefacht soll es werden, damit das höhere Ich sich entwickle. Dann erst können die Ströme lebendigen Wassers auch aus diesem physischen Leibe fließen. Dann kann der Geist erscheinen, dann kann der Geist sich ausgießen. Wie abgestorben muß so der Mensch als Ich für dieses physiologische Leben werden.

[ 24 ] The sacrifice of Christ is an example of how human beings can develop a higher consciousness from within physical life. The lower self lives in the physical body; but it must be stirred into action so that the higher self may develop. Only then can the streams of living water flow from this physical body as well. Only then can the Spirit appear; only then can the Spirit pour itself out. Man, as the “I,” must become as dead as this to this physiological life.

[ 25 ] Hierin liegt das eigentliche Christliche und auch das tiefere Mysterium des Pfingstfestes. Der Mensch lebt zunächst in seinem niederen Organismus, in dem von den Wünschen durchdrungenen Bewußtsein. Er soll darin leben, denn nur dieses Bewußtsein konnte ihm die zielsichere Freiheit geben. Aber er darf nicht darinnenbleiben, sondern soll sein Ich heraufheben zu der Devanatur. Er soll in sich selbst den Deva zeitigen, den Deva gebären, der dann ein Heils—Geist sein wird, ein Heiliger Geist. Dazu muß er jedoch den irdischen Leib bewußt hinopfern, dazu muß er empfinden das «Stirb und Werde», damit er nicht bleibe «ein trüber Gast» auf dieser «dunklen Erde».

[ 25 ] Herein lies the true essence of Christianity and also the deeper mystery of the Feast of Pentecost. Human beings live, at first, within their lower organism, in a consciousness permeated by desires. They are meant to live there, for only this consciousness could give them freedom that is sure of its goal. But they must not remain there; rather, they must raise their “I” up to the Deva-nature. He is to bring forth the Deva within himself, to give birth to the Deva, who will then be a Spirit of Salvation, a Holy Spirit. To do this, however, he must consciously sacrifice his earthly body; to do this, he must experience the “Die and Become,” so that he does not remain “a gloomy guest” on this “dark earth.”

[ 26 ] So stellt uns das Ostermysterium im Zusammenhang mit dem Pfingstmysterium erst eine Ganzheit dar: wie das menschliche Ich in dem großen Repräsentanten sich entäußert des niederen lebendigen Ichs, wie es dahinstirbt, um die physische Natur völlig zu verklären und sie wieder zurückzugeben den göttlichen Mächten. Die Himmelfahrt ist das Symbol dafür. Wenn der Mensch diesen physischen Leib verklärt hat, zum Geistigen zurückgebracht hat, dann ist er reif, daß sich das spirituelle Leben in ihn ergießt, daß er erleben wird das, was nach der Erklärung des größten Repräsentanten der Menschheit die «Ausgießung des Heiligen Geistes» genannt wird. Daher heißt es auch: «Drei sind, die da zeugen auf der Erde: das Blut, das Wasser und der Geist.» — Das Pfingstfest ist die Ausgießung des Geistes in die Menschheit.

[ 26 ] Thus, the mystery of Easter, in connection with the mystery of Pentecost, presents us with a complete whole: how the human “I” in the great representative divests itself of the lower, living “I,” how it dies away in order to completely transfigure physical nature and return it to the divine powers. The Ascension is the symbol of this. When a person has transfigured this physical body and returned it to the spiritual realm, then he is ready for spiritual life to pour into him, so that he may experience what, according to the explanation of humanity’s greatest representative, is called the “outpouring of the Holy Spirit.” That is why it is also said: “There are three that bear witness on earth: the blood, the water, and the Spirit.” — The Feast of Pentecost is the outpouring of the Spirit upon humanity.

[ 27 ] Das größte Ziel der Entwickelung ist symbolisch im Pfingstfeste ausgedrückt, nämlich daß der Mensch aus dem intellektuellen Leben wieder zu einem spirituellen Leben vordringen soll. Wie Prometheus durch den Herakles von seinen Leiden befreit wurde, so wird es der Mensch werden durch die Kraft des Geistes. Dadurch, daß der Mensch heruntergestiegen ist in die Materie, ist er zum Selbstbewußtsein gekommen. Dadurch, daß er wieder hinaufsteigt, wird er zum selbstbewußten Deva werden. Von denen, die die Asuras verehrten und die Devas als etwas Satanisches erkannten, die nicht im tiefsten Inneren vordringen wollen, ist dieser Herunterstieg als etwas Teuflisches dargestellt worden.

[ 27 ] The ultimate goal of evolution is symbolically expressed in the Feast of Pentecost, namely, that human beings should progress from intellectual life back to a spiritual life. Just as Prometheus was freed from his sufferings by Heracles, so will human beings be freed through the power of the spirit. By descending into matter, humanity has attained self-consciousness. By ascending once more, humanity will become a self-conscious Deva. Those who worshiped the Asuras and regarded the Devas as something satanic—those who do not wish to penetrate to the innermost depths—have portrayed this descent as something diabolical.

[ 28 ] Auch das ist in der griechischen Mythologie angedeutet. Der Repräsentant der unfreien Bewußtseinszustände ist Epimetheus — der Nachdenkliche —, der nicht aus voller Freiheit zur Erlösung kommen will, also der Gegner des Prometheus. Er bekommt von Zeus die Pandorabüchse, deren Inhalt — Leiden und Plagen — auf die Menschheit beim Öffnen herabfällt. Nur als letzte Gabe bleibt darin die Hoffnung, daß er in einem künftigen Zustande auch zu diesem höheren, klaren Bewußtsein vordringen werde. Es bleibt ihm die Hoffnung auf Befreiung. Prometheus rät ab, das zweifelhafte Geschenk des Gottes Zeus anzunehmen. Epimetheus gehorcht seinem Bruder nicht, sondern er nimmt das Geschenk an. Das Epimetheus—Geschenk ist weniger wichtig als das seines Bruders Prometheus.

[ 28 ] This, too, is hinted at in Greek mythology. The representative of the unfree states of consciousness is Epimetheus—the Pensive One—who does not wish to attain salvation of his own free will, and is thus the adversary of Prometheus. Zeus gives him the Pandora’s box, whose contents—suffering and plagues—rain down upon humanity when it is opened. The only thing left inside as a final gift is the hope that, in a future state, he too will attain this higher, clear consciousness. He is left with the hope of liberation. Prometheus advises against accepting the dubious gift from the god Zeus. Epimetheus does not obey his brother; instead, he accepts the gift. The gift given to Epimetheus is less important than that given to his brother Prometheus.

[ 29 ] So sehen wir, daß die Menschen in zwei Strömungen dahinleben. Die einen sind diejenigen, die an dem Freiheitsgefühl festhalten und — trotzdem es gefährlich ist, das Spirituelle zu entwickeln — es doch in Freiheit suchen. Die anderen sind diejenigen, die durch dumpfes Dahinleben und blinden Glauben ihre Befriedigung finden und in dem luziferischen Streben der Menschheit etwas Gefährliches wittern. Diejenigen, welche die äußeren Formen der Kirche begründet haben, haben das tiefste luziferische Streben entstellt. Die uralten Lehren darüber sind in geheimen Manuskripten enthalten, die in verborgenen Räumen kaum jemand gesehen hat. Einigen wenigen, die sie im Astrallichte zu sehen vermögen, und sonst noch einigen Eingeweihten sind sie zugänglich. Es ist allerdings ein gefährlicher Weg, aber es ist der einzige, der zu dem erhabenen Ziele der Freiheit führt.

[ 29 ] Thus we see that people live their lives along two distinct paths. One group consists of those who hold fast to the sense of freedom and—despite the danger involved in developing the spiritual—seek it nonetheless in freedom. The others are those who find satisfaction in a dull, unthinking existence and blind faith, and who sense something dangerous in humanity’s Luciferic striving. Those who established the outward forms of the church have distorted the deepest Luciferic striving. The ancient teachings on this subject are contained in secret manuscripts that hardly anyone has ever seen in hidden chambers. They are accessible only to a select few who are able to see them in astral light, and to a few other initiates. It is indeed a dangerous path, but it is the only one that leads to the sublime goal of freedom.

[ 30 ] Der Geist des Menschen soll ein befreiter sein und kein dumpfer. Das will auch das Christentum. Heil, heilen hängt zusammen mit heilig. Ein Geist, der heilig ist, der heilt, der befreit von Leiden und Plagen. Gesund und frei ist der Mensch, wenn er entrissen ist der Knechtung durch das Physiologische, wenn er befreit ist von dem Physiologischen. Denn der befreite Geist ist allein der gesunde, an dessen Körper kein Adler mehr nagt.

[ 30 ] The human spirit should be a liberated one, not a dull one. This is also what Christianity seeks. Salvation and healing are connected to holiness. A spirit that is holy heals and liberates from suffering and afflictions. A person is healthy and free when he is snatched away from enslavement to the physiological, when he is liberated from the physiological. For only the liberated spirit is healthy—the one whose body is no longer gnawed at by an eagle.

[ 31 ] So ist das Pfingstfest aufzufassen als ein Symbol der Befreiung des Menschengeistes, als das große Symbol des menschlichen Ringens nach Freiheit, nach einem Bewußtsein in Freiheit.

[ 31 ] Thus, the Feast of Pentecost should be understood as a symbol of the liberation of the human spirit, as the great symbol of humanity’s struggle for freedom, for a consciousness in freedom.

[ 32 ] Wenn das Osterfest ein Auferstehungsfest in der Natur ist, so ist das Pfingstfest ein Symbol für das Bewußtwerden des Menschengeistes, das Fest derjenigen, die wissen und erkennen, und — davon durchdrungen — die Freiheit suchen.

[ 32 ] If Easter is a celebration of resurrection in nature, then Pentecost is a symbol of the awakening of the human spirit, the festival of those who know and understand, and—imbued with this awareness—seek freedom.

[ 33 ] Diejenigen spirituellen Bewegungen in der modernen Zeit, welche zur Wahrnehmung der geistigen Welt bei klarem Tagesbewußtsein — nicht in Trance, nicht im Hypnotismus — hinführen, die sind es, welche zur Erkenntnis eines solchen bedeutsamen Symbols führen. Das klare Bewußtsein, daß nur der Geist befreit, das ist es, was uns vereint in der Theosophischen Gesellschaft. Nicht das Wort allein, sondern der Geist gibt ihr ihre Bedeutung. Der Geist, der ausgeht von den großen Meistern, der durchfließt durch einige wenige, die sagen können: Ich weiß, daß sie da sind, die großen Adepten, welche die Begründer der spirituellen Bewegung sind, nicht der Gesellschaft, ergießt sich in unsere Gegenwartskultur und gibt ihr die Impulse für die Zukunft.

[ 33 ] Those spiritual movements in modern times that lead to the perception of the spiritual world while maintaining clear waking consciousness—not in a trance, not under hypnosis—are the ones that lead to the recognition of such a significant symbol. The clear awareness that only the Spirit liberates—that is what unites us in the Theosophical Society. It is not the word alone, but the Spirit that gives it its meaning. The Spirit that emanates from the great Masters, that flows through the few who can say, “I know that they are there”—the great Adepts who are the founders of the spiritual movement, not of the Society—pours into our present-day culture and provides it with the impetus for the future.

[ 34 ] Lassen Sie einen Funken des Verständnisses für diesen Heiligen Geist wieder einfließen in das unverstandene Pfingstfest, dann wird es belebt werden und wieder Sinn bekommen. In einer sinnvollen Welt sollen wir leben. Wer gedankenlos Feste feiert, feiert sie als Anhänger des Epimetheus. Der Mensch muß sehen, was uns verbindet mit dem, was um uns ist, und auch mit dem, was unsichtbar in der Natur ist. Wir sollen wissen, wo wir stehen. Denn wir Menschen sind nicht zu einem traumhaften, halben, dumpfen Dahinleben, sondern wir sind zur freien, vollbewußten Entfaltung unserer ganzen Wesenheit bestimmt.

[ 34 ] Let a spark of understanding for this Holy Spirit flow once more into the misunderstood Feast of Pentecost, and it will be revitalized and regain its meaning. We are meant to live in a meaningful world. Those who celebrate festivals thoughtlessly do so as followers of Epimetheus. Human beings must see what connects us to our surroundings and also to what is invisible in nature. We should know where we stand. For we humans are not destined for a dreamlike, half-hearted, dull existence, but rather for the free, fully conscious unfolding of our entire being.