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The Rudolf Steiner Archive

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The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93

11 November 1904, Berlin

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6. Der Manichäismus

6. Manichaeism

[ 1 ] Wir haben ja wunschgemäß etwas über Freimaurerei zu sprechen. Diese kann man aber nicht verstehen, bevor nicht die ursprünglichen Geistesströmungen betrachtet werden, die mit der Freimaurerei in der Weise in Zusammenhang stehen, daß die Freimaurerei sozusagen aus ihnen hervorgegangen ist. Eine noch wichtigere Geistesströmung als die der Rosenkreuzer war die des Manichäismus. Wir müssen also eigentlich zuerst über diese viel wichtigere Bewegung sprechen und können dann später einmal auch auf die Freimaurerei ein Licht werfen.

[ 1 ] As requested, we will now discuss Freemasonry. However, it is impossible to understand Freemasonry without first considering the original spiritual currents that are connected with it in such a way that Freemasonry emerged from them, so to speak. An even more important spiritual current than that of the Rosicrucians was that of Manichaeism. We must therefore first discuss this much more important movement and then later shed some light on Freemasonry.

[ 2 ] Was ich dazu zu sagen habe, hängt zusammen mit verschiedenen Dingen, die in das gegenwärtige und zukünftige Geistesleben hineinspielen. Und um Ihnen zu zeigen, daß man, wenn man in diesen Gebieten tätig ist, immerfort auf etwas Bezug nehmen muß, wenn auch versteckt, so möchte ich nur einleitend darauf hinweisen, daß ich bei wiederholter Gelegenheit das Faust-Problem als ein besonders wichtiges für das neue Geistesleben bezeichnet habe. Und darum ist auch im ersten Heft des «Luzifer» die moderne Geistesbewegung mit dem Faust-Problem in Zusammenhang gebracht. So wie ich es in meinem «Luzifer»-Aufsatz gebracht habe, ist nicht ohne eine gewisse Begründung auf das Faust-Problem angespielt.

[ 2 ] What I have to say about this is connected with various things that play a role in the present and future spiritual life. And to show you that when one is active in these areas, one must constantly refer to something, even if it is hidden, I would like to point out at the outset that I have repeatedly described the Faust problem as particularly important for the new spiritual life. And that is why the modern spiritual movement is also linked to the Faust problem in the first issue of “Luzifer.” As I pointed out in my essay in “Luzifer,” the allusion to the Faust problem is not without a certain justification.

[ 3 ] Um die Dinge, um die es sich dabei handelt, in Zusammenhang zu bringen, müssen wir also zunächst ausgehen von einer Geistesrichtung, die uns geschichtlich zuerst entgegentritt etwa im 3. Jahrhundert. Es ist dies jene Geistesrichtung, die ihren großen Bekämpfer im heiligen Augustinus gefunden hat, trotzdem er, bevor er zur katholischen Kirche übergetreten ist, Anhänger dieser Richtung war. Wir müssen sprechen über den Manichäismus, der durch eine Persönlichkeit begründet wurde, die sich selbst als Mani bezeichnete und etwa im 3. Jahrhundert nach Christi Geburt lebte. Ausgegangen ist die Bewegung von einer Gegend, die damals beherrscht wurde von den Königen Vorderasiens; sie ist also von den Gegenden des westlichen Kleinasien ausgegangen. Dieser Mani begründete eine Geistesströmung, die ja zuerst eine kleine Sekte umfaßte, die aber zu einer mächtigen Geistesströmung wurde. Die mittelalterlichen Albigenser, Waldenser und Katharer sind die Fortsetzung dieser Geistesströmung, zu der auch der ja noch für sich zu besprechende Templerorden und ebenso - durch eine merkwürdige Verkettung der Verhältnisse — das Freimaurertum gehören. Hier hinein gehört das Freimaurertum eigentlich, obgleich es sich mit anderen Strömungen, zum Beispiel dem Rosenkreuzertum verbunden hat.

[ 3 ] In order to put the things in question into context, we must first start from a spiritual direction that first appeared in history in the 3rd century. This is the spiritual direction that found its great opponent in St. Augustine, even though he was a follower of this direction before he converted to Catholicism. We must speak of Manichaeism, which was founded by a personality who called himself Mani and lived around the 3rd century AD. The movement originated in a region that was then ruled by the kings of the Near East; it thus originated in the regions of western Asia Minor. This Mani founded a spiritual movement that initially comprised a small sect but grew into a powerful spiritual current. The medieval Albigensians, Waldensians, and Cathars are the continuation of this spiritual movement, which also includes the Templar Order, which will be discussed separately, and, through a strange chain of circumstances, Freemasonry. Freemasonry actually belongs here, although it has become associated with other currents, such as Rosicrucianism.

[ 4 ] Die äußere Geschichte, die uns von Mani erzählt wird, ist höchst einfach.1Siehe unter Hinweise.

[ 4 ] The external history that is told to us about Mani is extremely simple.1See under Notes.

[ 5 ] Es wird gesagt, daß in den Gegenden Vorderasiens ein Kaufmann lebte, der außerordentlich gelehrt war. Er verfaßte vier bedeutsame Schriften: erstens die Mysteria, zweitens die Epistola, drittens das Evangelium, viertens den Thesaurus. Ferner wird erzählt, daß er bei seinem Tod diese Schriften hinterlassen habe seiner Witwe, die eine Perserin war. Diese Witwe wiederum hinterließ sie einem Sklaven, den sie losgekauft und freigelassen habe. Der sei der besagte Mani gewesen, der dann aus diesen Schriften seine Weisheit gezogen habe, aber außerdem in die Mysterien des Mithrasdienstes eingeweiht gewesen war. Er hat dann diese Bewegung des Manichäismus ins Leben gerufen. Man nennt den Mani auch den «Sohn der Witwe» und seine Anhänger die «Söhne der Witwe». Er selbst aber, Mani, bezeichnete sich als «Paraklet», als den von Christus der Menschheit versprochenen Heiligen Geist. Nun ist das so aufzufassen, daß er sich bezeichnete als eine Inkarnation jenes Heiligen Geistes; nicht etwa meinte er, daß er der alleinige Heilige Geist sei. Er stellte sich vor, daß dieser Heilige Geist in Wiederverkörperungen erscheint und bezeichnete sich als eine solche Wiederverkörperung des Geistes.

[ 5 ] It is said that in the regions of the Near East there lived a merchant who was extraordinarily learned. He wrote four important works: first, the Mysteria; second, the Epistola; third, the Gospel; and fourth, the Thesaurus. It is also said that upon his death he left these writings to his widow, who was a Persian woman. This widow, in turn, left them to a slave whom she had bought and freed. This slave was the aforementioned Mani, who drew his wisdom from these writings, but was also initiated into the mysteries of the Mithraic cult. He then founded the Manichaean movement. Mani is also called the “son of the widow” and his followers are called the “sons of the widow.” Mani himself, however, referred to himself as the “Paraklet,” the Holy Spirit promised by Christ to humanity. Now, this is to be understood in the sense that he described himself as an incarnation of that Holy Spirit; he did not mean that he was the only Holy Spirit. He imagined that this Holy Spirit appeared in reincarnations and described himself as one such reincarnation of the Spirit.

[ 6 ] Die Lehre, die er verkündigte, wurde von Augustinus, als dieser zur katholischen Kirche übergetreten war, in der lebhaftesten Weise bekämpft. Augustinus stellte seine katholische Anschauung der manichäischen Lehre gegenüber, die er durch eine Persönlichkeit vertreten läßt, die er Faustus nennt. Faustus ist im Sinne des Augustinus der Kämpfer gegen das Christentum. Hier liegt der Ursprung des goetheschen Faust mit seiner Anschauung des Bösen. Der Name «Faust» geht zurück bis auf diese alte augustinische Lehre.

[ 6 ] The doctrine he preached was vigorously opposed by Augustine after he had converted to Catholicism. Augustine contrasted his Catholic view with the Manichean doctrine, which he represented through a character he called Faustus. Faustus is, in Augustine's view, the fighter against Christianity. Here lies the origin of Goethe's Faust with his view of evil. The name “Faust” goes back to this ancient Augustinian doctrine.

[ 7 ] Man erfährt von der manichäischen Lehre gewöhnlich, daß sie sich vom abendländischen Christentum unterscheide durch ihre andere Auffassung des Bösen. Während das katholische Christentum der Ansicht sei, daß-das Böse beruhe auf einem Abfall vom göttlichen Ursprung, auf einem Abfall ursprünglich guter Geister von Gott, so lehre der Manichäismus, daß das Böse ebenso ewig sei wie das Gute; daß es keine Auferstehung des Leibes gebe und daß das Böse als solches kein Ende nähme. Es habe also keinen Anfang, sondern sei gleichen Ursprungs mit dem Guten, und habe auch kein Ende.

[ 7 ] One usually learns that Manichaean doctrine differs from Western Christianity in its different view of evil. While Catholic Christianity believes that evil is based on a departure from the divine origin, on a departure of originally good spirits from God, Manichaeism teaches that evil is as eternal as good, that there is no resurrection of the body, and that evil as such has no end. It therefore has no beginning, but is of the same origin as good, and also has no end.

[ 8 ] Wenn Sie in dieser Weise den Manichäismus kennenlernen, so erscheint er allerdings wie etwas radikal Unchristliches und wie etwas ganz Unverständliches.

[ 8 ] When you learn about Manichaeism in this way, it certainly appears to be something radically unchristian and completely incomprehensible.

[ 9 ] Nun wollen wir der Sache auf den Grund gehen nach den Traditionen, die von dem Mani selbst herrühren sollen und prüfen, um was es sich da eigentlich handelt. Einen äußeren Anhaltspunkt zu dieser Prüfung gibt uns die Legende des Manichäismus, eine ebensolche Legende, wie ich Ihnen neulich als Tempellegende erzählt habe. Alle solche Geistesströmungen, die mit Einweihungen zusammenhängen, drücken sich exoterisch aus in Legenden. Nur ist die Legende des Manichäismus eine große kosmische Legende, eine Legende von übersinnlicher Art.

[ 9 ] Now let us get to the bottom of the matter according to the traditions that are said to originate from Mani himself and examine what this is actually about. The legend of Manichaeism, a legend similar to the one I recently told you as a temple legend, gives us an external point of reference for this examination. All such spiritual currents that are connected with initiations express themselves exoterically in legends. Only the legend of Manichaeism is a great cosmic legend, a legend of a supersensible nature.

[ 10 ] Da wird erzählt, daß einstmals die Geister der Finsternis anstürmen wollten gegen das Lichtreich. Sie kamen in der Tat bis an die Grenze des Lichtreiches und wollten das Lichtreich erobern. Sie vermochten aber nichts gegen das Lichtreich. Nun sollten sie - und hier liegt ein besonders tiefer Zug, den ich zu beachten bitte -, nun sollten sie bestraft werden von dem Lichtreich. Aber in dem Lichtreich gab es nichts irgendwie Böses, sondern nur Gutes. Also hätten die Dämonen der Finsternis nur mit etwas Gutem bestraft werden können. Was geschah also? Es geschah folgendes. Die Geister des Lichtreiches nahmen einen Teil ihres eigenen Reiches und mischten diesen in das materielle Reich der Finsternis hinein. Dadurch, daß nun ein Teil des Lichtreiches vermischt wurde mit dem Reich der Finsternis, dadurch sei in diesem Reich der Finsternis gleichsam ein Sauerteig, ein Gärungsstoff entstanden, der das Reich der Finsternis in einen chaotischen Wirbeltanz versetzte, wodurch es ein neues Element bekommen hat, nämlich den Tod. So daß es sich fortwährend selbst aufzehrt und so den Keim zu seiner eigenen Vernichtung in sich trägt. Weiter wird erzählt, daß dadurch, daß dies geschehen ist, gerade das Menschengeschlecht entstanden sei. Der Urmensch sei eben gerade das, was vom Lichtreich her gesendet worden sei, um sich mit dem Reich der Finsternis zu vermischen und das, was im Reich der Finsternis nicht sein soll, zu überwinden durch den Tod; es in sich selbst zu überwinden.

[ 10 ] It is said that once upon a time the spirits of darkness wanted to attack the kingdom of light. They actually reached the border of the kingdom of light and wanted to conquer it. But they were powerless against the kingdom of light. Now they were to be punished by the kingdom of light – and here is a particularly profound point that I would like you to note. But in the realm of light there was nothing evil, only good. So the demons of darkness could only be punished with something good. What happened then? The following happened. The spirits of the realm of light took a part of their own realm and mixed it into the material realm of darkness. As a result of part of the realm of light being mixed with the realm of darkness, a leaven, a fermenting agent, arose in the realm of darkness, which threw the realm of darkness into a chaotic whirlwind, giving it a new element, namely death. So that it continually consumes itself and thus carries within itself the seed of its own destruction. It is further said that it was precisely because this happened that the human race came into being. The first human being was precisely that which was sent from the realm of light to mix with the realm of darkness and to overcome through death that which should not be in the realm of darkness; to overcome it within itself.

[ 11 ] Der tiefe Gedanke, der darin liegt, ist der, daß von seiten des Lichtreiches das Reich der Finsternis überwunden werden soll nicht durch Strafe, sondern durch Milde; nicht durch Widerstreben dem Bösen, sondern durch Vermischung mit dem Bösen, um das Böse als solches zu erlösen. Dadurch, daß ein Teil des Lichtes hineingeht in das Böse, wird das Böse selbst überwunden.

[ 11 ] The profound thought behind this is that the realm of darkness is to be overcome by the realm of light, not through punishment, but through mercy; not through resistance to evil, but through mixing with evil in order to redeem evil as such. By allowing a part of the light to enter into evil, evil itself is overcome.

[ 12 ] Dem liegt die Auffassung vom Bösen zugrunde, die ich oftmals als die theosophische auseinandergesetzt habe. Was ist das Böse? Es ist nichts anderes als ein unzeitgemäßes Gutes. Um ein Beispiel anzuführen, das von mir schon öfters angeführt wurde: Nehmen wir an, daß wir es mit einem ausgezeichneten Klavierspieler und einem ausgezeichneten Klaviertechniker zu tun haben, die beide vollkommen sind in ihrer Art. Zuerst muß der Techniker das Instrument bauen und es dann abgeben an den Spieler. Wenn dieser ein guter Spieler ist, wird er es in entsprechender Weise benützen und so sind beide gleichsam das Gute. Wenn aber nun der Techniker anstelle des Spielers in den Konzertsaal gehen und da herumhämmern wollte, dann wäre er am unrechten Ort. Das Gute würde so zum Bösen. So sehen wir, daß das Böse nichts anderes ist als das Gute am unrechten Ort.

[ 12 ] This is based on the concept of evil that I have often discussed as theosophical. What is evil? It is nothing other than good that is out of time. To give an example that I have often used: Let us suppose that we have an excellent piano player and an excellent piano technician, both of whom are perfect in their own way. First, the technician must build the instrument and then hand it over to the player. If the player is good, he will use it appropriately, and thus both are, as it were, good. But if the technician were to go to the concert hall instead of the player and start hammering away, he would be in the wrong place. The good would thus become evil. We see, then, that evil is nothing other than good in the wrong place.

[ 13 ] Wenn das, was in irgendeiner Zeit außerordentlich gut ist, sich weiter erhalten, starr werden wollte und nun das schon Fortgeschrittene beeinträchtigen würde in seinem Gange, so wird es jetzt zweifellos ein Böses, weil es dem Guten widerstreben würde. Nehmen wir an, die leitenden Kräfte der Mondenepoche, der lunarischen Epoche, wenn sie dort vollkommen waren in ihrer Art und ihre Tätigkeit hätten abschließen müssen, würden sich noch länger in die Entwickelung mischen. Dann müßten sie in der irdischen Entwickelung das Böse darstellen. So ist das Böse nichts anderes als das Göttliche, denn in der anderen Zeit war das, was zur Unzeit das Böse ist, der Ausdruck des Vollkommenen, des Göttlichen.

[ 13 ] If something that is extraordinarily good at a certain time wants to continue to exist, become rigid, and now impede the progress of what is already advanced, it will undoubtedly become evil because it would be contrary to the good. Let us assume that the guiding forces of the lunar epoch, if they had been perfect in their nature and had had to complete their activity, would have continued to interfere in development for even longer. Then they would have to represent evil in earthly development. Thus, evil is nothing other than the divine, for in the other time, what is evil at the wrong time was the expression of the perfect, the divine.

[ 14 ] In diesem tiefen Sinne haben wir die manichäische Anschauung aufzufassen, daß das Gute und Böse im Grunde genommen von derselben Art, im Grunde genommen gleich in ihrem Anfang und gleich in ihrem Ende sind. Wenn Sie diese Anschauung so auffassen, werden Sie verstehen, was eigentlich der Mani anregen wollte. Auf der andeten Seite müssen wir aber zunächst erklären, warum sich Mani selbst den «Sohn der Witwe» nannte und warum sich seine Anhänger «Söhne der Witwe» nannten.

[ 14 ] In this profound sense, we must understand the Manichean view that good and evil are basically of the same kind, basically the same in their beginning and the same in their end. If you understand this view, you will understand what Mani actually wanted to inspire. On the other hand, however, we must first explain why Mani called himself the “son of the widow” and why his followers called themselves “sons of the widow.”

[ 15 ] Wenn wir zurückgehen in die ältesten Zeiten, die vor unserer jetzigen Wurzelrasse liegen, da war die Art und Weise, wie Menschen erkannten, Wissen erwarben, eine andere. Sie werden aus meiner Schilderung der atlantischen Zeit, und jetzt, wo das nächste «Luzifer»Heft erscheint, auch aus der Schilderung der lemurischen Zeit ersehen, daß damals alles Wissen - zum Teil bis in unsere Zeit hinein — beeinflußt ist von demjenigen, was über der Menschheit steht. Ich habe öfters schon erwähnt, daß erst der Manu, der erscheinen wird in der nächsten Wurzelrasse, ein wirklicher Menschenbruder sein wird, während die früheren Manus übermenschlich, eine Art göttliche Wesen waren. Erst jetzt reift die Menschheit heran, um einen eigenen Menschenbruder als Manu zu haben, der von der Mitte der lemurischen Zeit an alle Stadien mit durchgemacht hat. Was geschieht also eigentlich während der Entwickelung der fünften Wurzelrasse? Es geschieht das, daß diese Offenbarung, die Offenbarung von oben, die Leitung der Seele von oben sich allmählich zurückzieht und die Menschheit den eigenen Wegen überläßt, so daß sie ihr eigener Leiter wird.

[ 15 ] If we go back to the most ancient times, which lie before our present root race, the way in which people recognized and acquired knowledge was different. From my description of the Atlantean era, and now, with the publication of the next “Lucifer” magazine, also from the description of the Lemurian era, you will see that at that time all knowledge—in part even into our time—was influenced by that which stands above humanity. I have often mentioned that only the Manu who will appear in the next root race will be a true brother to humanity, whereas the earlier Manus were superhuman, a kind of divine being. Only now is humanity maturing to the point where it can have its own brother as Manu, who has gone through all the stages since the middle of the Lemurian epoch. So what actually happens during the development of the fifth root race? What happens is that this revelation, the revelation from above, the guidance of the soul from above, gradually withdraws and leaves humanity to its own devices, so that it becomes its own guide.

[ 16 ] Die Seele wurde nun in aller Esoterik (Mystik) die «Mutter» genannt; der Unterweiser der «Vater». Vater und Mutter, Osiris und Isis, das sind die zwei in der Seele vorhandenen Mächte: der Unterweiser, derjenige, der das unmittelbar einfließende Göttliche darstellt, Osiris, ist der Vater; die Seele selbst, Isis, konzipiert, empfängt das Göttlich-Geistige, sie ist die Mutter. Während der fünften Wurzelrasse zieht sich nun der Vater zurück. Die Seele ist verwitwet, soll verwitwet sein. Die Menschheit ist auf sich selbst angewiesen. Sie muß in der eigenen Seele das Licht der Wahrheit suchen, um sich selbst zu lenken. Alles Seelische wurde von jeher mit weiblichen Sinnbildern zum Ausdruck gebracht. Deshalb wird dieses Seelische — welches heute im Keim vorhanden ist und später vollständig entwikkelt sein wird -, dieses sich selbst lenkende Seelische, das den göttlichen Befruchter nicht mehr vor sich hat, das wird von dem Mari als «Witwe» bezeichnet. Und deshalb bezeichnete er sich selbst als den «Sohn der Witwe».

[ 16 ] In all esotericism (mysticism), the soul was called the “mother”; the instructor was called the “father.” Father and mother, Osiris and Isis, these are the two powers present in the soul: the teacher, the one who represents the directly inflowing divine, Osiris, is the father; the soul itself, Isis, conceives, receives the divine-spiritual, she is the mother. During the fifth root race, the father withdraws. The soul is widowed, should be widowed. Humanity is dependent on itself. It must seek the light of truth in its own soul in order to guide itself. Everything spiritual has always been expressed with female symbols. Therefore, this spiritual element — which is present today in embryo and will later be fully developed — this self-guiding spiritual element, which no longer has the divine fertiliser before it, is referred to by Mari as the “widow”. And that is why he referred to himself as the “son of the widow”.

[ 17 ] Mani ist es, der diejenige Stufe der menschlichen Seelenentwickelung vorbereitet, die das eigene seelische Geisteslicht sucht. Alles, was von ihm herrührt, war ein Berufen auf das eigene Geisteslicht der Seele und das war zugleich ein entschiedenes Aufbäumen gegen alles, was nicht aus der Seele, aus der eigenen Beobachtung der Seele kommen wollte. Schöne Worte rühren von dem Mani her und sind das Leitmotiv seiner Anhänger zu allen Zeiten gewesen. Wir hören: Ihr müßt abstreifen alles dasjenige, was äußere Offenbarung ist, die ihr auf sinnlichem Wege erhaltet! Ihr müßt abstreifen alles, was äußere Autorität euch überliefert; dann müßt ihr reif werden, die eigene Seele anzuschauen!

[ 17 ] It is Mani who prepares the stage for the development of the human soul that seeks its own spiritual light. Everything that came from him was a call to the soul's own spiritual light, and at the same time it was a decisive rebellion against everything that did not come from the soul, from the soul's own observation. Beautiful words come from Mani and have been the leitmotif of his followers throughout the ages. We hear: You must cast off everything that is external revelation, which you receive through the senses! You must cast off everything that external authority has handed down to you; then you must become mature enough to look at your own soul!

[ 18 ] Augustinus dagegen vertritt das Prinzip - in einem Gespräch, in dem er sich zum Gegner jenes Manichäers Faustus macht -: Ich würde die Lehre Christi nicht annehmen, wenn sie nicht auf die Autorität der Kirche begründet wäre. - Der Manichäer Faustus sagt aber: Ihr sollt auf Autorität hin keine Lehre annehmen; wir wollen eine Lehre nur annehmen in Freiheit. - Das ist das Aufbäumen des auf sich selbst bauenden Geisteslichtes, das dann auch in der Faust-Sage in so schöner Weise zum Ausdruck gebracht wurde.

[ 18 ] Augustine, on the other hand, represents the principle – in a conversation in which he opposes the Manichean Faustus –: I would not accept the teaching of Christ if it were not based on the authority of the Church. – But the Manichean Faustus says: You should not accept any teaching on the basis of authority; we only want to accept a teaching in freedom. This is the rebellion of the self-reliant spirit, which was then expressed so beautifully in the Faust legend.

[ 19 ] Wir haben diesen Gegensatz auch in späteren Sagen im Mittelalter einander gegenübergestellt. Auf der einen Seite die Faust-, auf der anderen Seite die Luther-Sage. Luther ist der Fortsetzer des autoritativen Prinzips, Faust dagegen ist der, der sich aufbäumt, der sich auf das innere Geisteslicht stützt. Wir haben die Luther-Sage: er wirft dem Teufel das Tintenfaß an den Kopf. Was sich ihm als Böses vorstellt, wird beiseitegestellt. Und auf der anderen Seite haben wir das Bündnis des Faust mit dem Bösen. Es wird von dem Lichtreich der Funke nach dem Reich der Finsternis gesandt, um eindringend in die Finsternis, die Finsternis durch sich selbst zu erlösen, durch Milde das Böse zu überwinden. Wenn Sie es in der Weise fassen, so werden Sie auch sehen, daß dieser Manichäismus sehr wohl zurechtkommt mit der Auffassung, die wir ausgesprochen haben, von dem Bösen.

[ 19 ] We also see this contrast in later legends of the Middle Ages. On the one hand, there is the Faust legend, and on the other, the Luther legend. Luther is the continuer of the authoritarian principle, while Faust is the one who rebels, who relies on the inner light of the spirit. We have the Luther legend: he throws the inkwell at the devil's head. What appears to him as evil is set aside. And on the other side, we have Faust's alliance with evil. The spark is sent from the realm of light to the realm of darkness in order to penetrate the darkness, to redeem the darkness through itself, to overcome evil through gentleness. If you understand it in this way, you will also see that this Manichaeism is very much in line with the view of evil that we have expressed.

[ 20 ] Wie müssen wir uns das Zusammenwirken des Guten und des Bösen vorstellen? Wir müssen es uns aus dem Zusammenklingen von Leben und Form erklären. Wodurch wird das Leben zur Form? Dadurch, daß es einen Widerstand findet; daß es sich nicht auf einmal — in einer Gestalt - zum Ausdruck bringt. Beachten Sie einmal, wie das Leben in einer Pflanze, sagen wir der Lilie, von Form zu Form eilt. Das Leben der Lilie hat eine Lilienform aufgebaut, ausgestaltet.

[ 20 ] How should we imagine the interaction of good and evil? We must explain it to ourselves from the harmony of life and form. How does life become form? By encountering resistance; by not expressing itself all at once—in a single form. Consider how life in a plant, say a lily, rushes from form to form. The life of the lily has built up and developed a lily form.

[ 21 ] Wenn diese Form ausgestaltet ist, überwindet das Leben die Form, geht in den Keim über, um später als dasselbe Leben in einer neuen Form wiedergeboren zu werden. Und so schreitet das Leben von Form zu Form. Das Leben selbst ist gestaltlos und würde sich nicht in sich selbst wahrnehmbar ausleben können. Das Leben der Lilie zum Beispiel ist in der ersten Lilie, schreitet weiter zur zweiten, dritten, vierten, fünften. Überall ist dasselbe Leben, das in einer begrenzten Form erscheint, webend ausgebreitet. Daß es in begrenzter Form erscheint, das ist eine Hemmung dieses allgemein flutenden Lebens. Es würde keine Form geben, wenn das Leben nicht gehemmt, wenn es nicht aufgehalten würde in seiner nach allen Seiten hin strömenden Kraft. Gerade von dem, was zurückgeblieben ist, was ihm auf höherer Stufe stehend wie eine Fessel erscheint, gerade aus dem erwächst im großen Kosmos die Form.

[ 21 ] When this form is complete, life overcomes the form, passes into the seed, and is later reborn as the same life in a new form. And so life progresses from form to form. Life itself is formless and would not be able to live out its existence in a way that is perceptible in itself. The life of the lily, for example, is in the first lily, progresses to the second, third, fourth, fifth. Everywhere is the same life, appearing in a limited form, spreading out like a web. The fact that it appears in a limited form is an inhibition of this universally flowing life. There would be no form if life were not inhibited, if it were not held back in its power flowing in all directions. It is precisely from what has been left behind, what appears to be a fetter at a higher level, that form arises in the great cosmos.

[ 22 ] Immer wird das, was das Leben ist, umfaßt als Form von dem, was als Leben in einer früheren Zeit vorhanden war. Beispiel: die katholische Kirche. Das Leben, das in der katholischen Kirche lebt von Augustinus bis ins 15. Jahrhundert, ist christliches Leben. Das Leben darinnen ist Christentum. Immer wieder kommt dieses pulsierende Leben heraus (Mystiker). Die Form, woher ist die Form? Die ist nichts anderes als das Leben des alten römischen Reiches. Das, was in diesem alten römischen Reich noch Leben war, ist erstarrt zur Form. Was da zuerst Republik, dann Kaiserreich war, was da gelebt hat in seinen äußeren Erscheinungen als römischer Staat, das hat sein zur Form erstarrtes Leben abgegeben an das spätere Christentum bis hin zur Hauptstadt, so wie eben früher Rom die Hauptstadt des römischen Weltreiches war. Sogar die römischen Provinzialbeamten sind durch die Presbyter und Bischöfe fortgesetzt worden. Was früher Leben war, wird später Form für eine höhere Stufe des Lebens.

[ 22 ] What life is is always encompassed as form by what existed as life in an earlier time. Example: the Catholic Church. The life that lived in the Catholic Church from Augustine to the 15th century is Christian life. The life within it is Christianity. Again and again this pulsating life emerges (mystics). The form, where does the form come from? It is nothing other than the life of the old Roman Empire. What was still life in this old Roman Empire has solidified into form. What was first a republic, then an empire, what lived there in its outward appearances as the Roman state, that has passed on its life, frozen into form, to later Christianity, right up to the capital, just as Rome was once the capital of the Roman Empire. Even the Roman provincial officials have been continued by the presbyters and bishops. What was once life later becomes the form for a higher stage of life.

[ 23 ] Ist es nicht mit dem Menschen geradeso? Was ist das Menschenleben? Die manasische Befruchtung ist heute des Menschen inneres Leben, das in der Mitte der lemurischen Zeit gepflanzt wurde. Die Form ist das, was samenartig herübergekommen ist aus der lunarischen Epoche. Damals, in der Mondenzeit, war kamische Entwickelung das Leben des Menschen; jetzt ist sie die Hülle, die Form. Immer ist das Leben einer vorhergehenden Epoche die Form einer späteren Epoche. In dem Zusammenklingen von Form und Leben ist zugleich das andere Problem gegeben: das des Guten und Bösen; dadurch, daß das Gute einer früheren Zeit vereint ist mit dem Guten einer neuen Zeit. Und das ist im Grunde genommen nichts anderes als eben das Zusammenklingen des Fortschreitens mit seiner eigenen Hemmung. Das ist zugleich die Möglichkeit des materiellen Erscheinens, die Möglichkeit, zum offenbaren Dasein zu kommen. Das ist unser Menschendasein innerhalb der mineralisch-festen Erde: Innenleben und das zurückgebliebene Leben der früheren Zeit zur hemmenden Form verhärtet. Das ist auch die Lehre des Manichäismus über das Böse.

[ 23 ] Is it not the same with human beings? What is human life? The manasic fertilization is today the inner life of human beings, which was planted in the middle of the Lemurian epoch. The form is what has come over like a seed from the lunar epoch. At that time, in the lunar epoch, kamic development was the life of human beings; now it is the shell, the form. The life of a previous epoch is always the form of a later epoch. The harmony between form and life also presents another problem: that of good and evil, in that the good of an earlier time is united with the good of a new time. And this is basically nothing other than the harmony between progress and its own hindrance. This is at the same time the possibility of material appearance, the possibility of coming into manifest existence. This is our human existence within the mineral-solid earth: inner life and the life left behind from earlier times, hardened into an inhibiting form. This is also the teaching of Manichaeism about evil.

[ 24 ] Wenn wir uns von diesem Gesichtspunkt aus weiter fragen: Was will nun der Mani und was bedeutet sein Ausspruch, der Paraklet, der Geist zu sein, der Sohn der Witwe? Nichts anderes bedeutet das, als daß er vorbereiten will diejenige Zeit, in welcher in der sechsten Wurzelrasse die Menschheit durch sich selbst, durch das eigene Seelenlicht geführt werden wird und überwinden wird die äußeren Formen, sie umwandeln wird zu Geist.

[ 24 ] If we continue to ask ourselves from this point of view: What does Mani want, and what does his statement mean, that he is the Paraclete, the Spirit, the son of the widow? It means nothing other than that he wants to prepare the time in which, in the sixth root race, humanity will be guided by itself, by its own soul light, and will overcome the outer forms, transforming them into spirit.

[ 25 ] Eine über das Rosenkreuzertum hinübergreifende Strömung des Geistes will Mani schaffen, eine Strömung, die weitergeht als die Strömung der Rosenkreuzer. Diese Strömung des Mani strebt hinüber bis zur sechsten Wurzelrasse, die seit der Begründung des Christentums vorbereitet wird. Gerade in der sechsten Wurzelrasse wird das Christentum erst in seiner vollen Gestalt zum Ausdruck kommen. Dann erst wird es wirklich da sein. Das innere christliche Leben als solches überwindet jegliche Form, es pflanzt sich durch das äußere Christentum fort und lebt in allen Formen der verschiedenen Bekenntnisse. Wer christliches Leben sucht, wird es immer finden. Es schafft Formen und zerbricht Formen in den verschiedenen Religionssystemen. Nicht darauf kommt es an, die Gleichheit überall zu suchen in den äußeren Ausdrucksformen, sondern den inneren Lebensstrom zu empfinden, der überall unter der Oberfläche da ist. Was aber noch geschaffen werden muß, das ist eine Form für das Leben der sechsten Wurzelrasse. Die muß früher geschaffen werden, denn sie muß da sein, damit sich das christliche Leben hineingießen kann. Diese Form muß vorbereitet werden durch Menschen, die eine solche Organisation, eine solche Form schaffen werden, damit das wahre christliche Leben der sechsten Wurzelrasse darin Platz greifen kann. Und diese äußere Gesellschaftsform muß entspringen aus der Mani-Intention, aus dem Häuflein, das der Mani vorbereitet. Das muß die äußere Organisationsform sein, die Gemeinde, in der zuerst der christliche Funke wird so recht Platz greifen können.

[ 25 ] Mani wants to create a current of spirit that transcends Rosicrucianism, a current that goes further than the current of the Rosicrucians. This current of Mani strives toward the sixth root race, which has been prepared since the founding of Christianity. It is precisely in the sixth root race that Christianity will find expression in its full form. Only then will it truly be there. The inner Christian life as such overcomes all forms, propagates itself through outer Christianity, and lives in all forms of the various confessions. Those who seek Christian life will always find it. It creates forms and breaks forms in the various religious systems. It is not important to seek equality everywhere in the outer forms of expression, but to feel the inner stream of life that is everywhere beneath the surface. But what still needs to be created is a form for the life of the sixth root race. This must be created earlier, because it must be there so that Christian life can pour into it. This form must be prepared by people who will create such an organization, such a form, so that the true Christian life of the sixth root race can take root in it. And this outer social form must spring from the Mani intention, from the small group that Mani is preparing. This must be the outer organizational form, the community in which the Christian spark will first be able to take root.

[ 26 ] Daraus werden Sie entnehmen können, daß dieser Manichäismus zunächst bestrebt sein wird, vor allen Dingen das äußere Leben rein zu gestalten; denn es soll Menschen herbeiführen, die ein geeignetes Gefäß in der Zukunft abgeben werden. Daher wurde auf unbedingte teine Gesinnung und auf Reinheit ein so großes Gewicht gelegt. Die Katharer waren eine Sekte, die wie meteorartig auftrat im 12. Jahrhundert. Sie nannten sich so, weil Katharer die «Reinen» heißt. Es waren Menschen, die hinsichtlich ihrer Lebensweise und ihres moralischen Verhaltens rein sein sollten. Sie mußten die Katharsis innerlich und äußerlich suchen, um eine reine Gemeinde zu bilden, die ein reines Gefäß sein soll. Das ist es, was der Manichäismus anstrebt. Weniger handelt es sich um die Pflege des innerlichen Lebens — das Leben wird auch in anderer Weise fortfließen -, sondern mehr um die Pflege der äußeren Lebensform.

[ 26 ] From this you will be able to see that this Manichaeism will initially strive above all to purify external life, for it is intended to bring forth people who will provide suitable vessels in the future. That is why such great importance was attached to unconditional purity of mind and purity itself. The Cathars were a sect that appeared like a meteor in the 12th century. They called themselves Cathars because Cathars means “the pure ones.” They were people who were supposed to be pure in their way of life and moral behavior. They had to seek catharsis internally and externally in order to form a pure community that would be a pure vessel. This is what Manichaeism strives for. It is less about cultivating the inner life—life will continue in other ways—and more about cultivating the outer form of life.

[ 27 ] Nun werfen wir einen Blick auf das, was sein wird in der sechsten Wurzelrasse. Da werden das Gute und das Böse einen weitaus anderen Gegensatz noch bilden als heute. Was in der fünften Runde für die ganze Menschheit eintreten wird, daß die äußere Physiognomie, die sich jeder schafft, ein unmittelbarer Ausdruck dessen sein wird, was Karma bis dahin aus dem Menschen geschaffen hat, das wird, wie ein Vorklang zu diesem Zustand, in der sechsten Wurzelrasse innerhalb des Geistigen eintreten. Bei denjenigen, bei denen das Karma einen Überschuß an Bösem ergibt, wird innerhalb des Geistigen das Böse ganz besonders hervortreten. Auf der einen Seite werden dann Menschen da sein von einer gewaltigen inneren Güte, von Genialität an Liebe und Güte; aber auf der anderen Seite wird auch das Gegenteil da sein. Das Böse wird als Gesinnung ohne Deckmantel bei einer großen Anzahl von Menschen vorhanden sein, nicht mehr bemäntelt, nicht mehr verborgen. Die Bösen werden sich des Bösen rühmen als etwas besonders Wertvollem. Es dämmert schon bei manchen genialen Menschen etwas auf von einer gewissen Wollust an diesem Bösen, diesem Dämonischen der sechsten Wurzelrasse. Nietzsches «blonde Bestie» ist zum Beispiel so ein Vorspuk davon.

[ 27 ] Now let us take a look at what will be in the sixth root race. There, good and evil will form a far more distinct contrast than they do today. What will come about for the whole of humanity in the fifth round, namely that the outer physiognomy that each person creates for themselves will be a direct expression of what karma has created in them up to that point, will enter into the spiritual realm in the sixth root race as a precursor to this state. In those whose karma results in an excess of evil, evil will emerge particularly strongly within the spiritual realm. On the one hand, there will be people of tremendous inner goodness, of genius in love and kindness; but on the other hand, the opposite will also be present. Evil will be present as an unmasked attitude in a large number of people, no longer veiled, no longer hidden. The evil will boast of evil as something particularly valuable. In some brilliant people, there is already a glimmer of a certain lust for this evil, this demonic aspect of the sixth root race. Nietzsche's “blond beast” is, for example, a precursor of this.

[ 28 ] Dieses rein Böse muß herausgeworfen werden aus dem Strom der Weltentwickelung wie eine Schlacke. Es wird herausgestoßen werden in die achte Sphäre. Wir stehen heute unmittelbar vor einer Zeit, wo eine bewußte Auseinandersetzung mit dem Bösen durch die Guten stattfinden wird.

[ 28 ] This pure evil must be cast out of the stream of world development like dross. It will be cast out into the eighth sphere. We are now standing on the threshold of a time when the good will consciously confront evil.

[ 29 ] Die sechste Wurzelrasse wird die Aufgabe haben, das Böse durch Milde so weit als möglich wieder einzubeziehen in den fortlaufenden Strom der Entwickelung. Es wird dann eine Geistesströmung entstanden sein, welche dem Bösen nicht widerstrebt, trotzdem es in seiner dämonischsten Gestalt in der Welt auftreten wird. Verfestigt wird sich haben in denen, die die Nachfolger der Söhne der Witwe sein werden, das Bewußtsein, daß das Böse wieder einbezogen werden muß in die Entwickelung, daß es aber nicht durch Kampf, sondern nur durch Milde zu überwinden ist. Dieses kräftig vorzubereiten, das ist die Aufgabe der manichäischen Geistesströmung. Sie wird nicht absterben, diese Geistesströmung, sie wird in mannigfaltigen Formen auftreten. Sie tritt in Gestalten auf, die sich manche denken können, die aber heute nicht ausgesprochen zu werden brauchen. Würde sie sich lediglich auf die Pflege der inneren Gesinnung beziehen, so würde diese Strömung nicht das erreichen, was sie soll. Sie muß sich ausdrücken in der Begründung von Gemeinden, die vor allen Dingen den Frieden, die Liebe, das Nichtwiderstreben dem Bösen [durch Kampf] als das Maßgebende ansehen und zu verbreiten suchen. Denn sie müssen ein Gefäß, eine Form schaffen für das Leben, das sich auch ohne sie fortpflanzt.

[ 29 ] The sixth root race will have the task of reintegrating evil as far as possible into the ongoing stream of development through gentleness. A spiritual current will then have arisen which does not resist evil, even though it will appear in its most demonic form in the world. Those who are the successors of the sons of the widow will have a firm conviction that evil must be reintegrated into evolution, but that it can only be overcome through gentleness, not through struggle. It is the task of the Manichean spiritual current to prepare this vigorously. This spiritual current will not die out; it will appear in many forms. It will appear in forms that some can imagine, but which need not be expressed today. If it were to relate solely to the cultivation of inner attitudes, this current would not achieve what it is intended to achieve. It must express itself in the establishment of communities that above all regard peace, love, and non-resistance to evil [through struggle] as the decisive factors and seek to spread them. For they must create a vessel, a form for life that will continue even without them.

[ 30 ] Nun werden Sie begreifen, warum Augustinus, der bedeutendste Geist der katholischen Kirche, der in seinem «Gottesstaat» geradezu die Form der Kirche ausbildete, die Form für die Gegenwart geschaffen hat, warum er notwendigerweise der heftigste Gegner der Form sein mußte, die die Zukunft vorbereitet. Da stehen sich zwei Pole gegenüber: Faustus und Augustinus. Augustinus, der auf die Kirche baut, auf die gegenwärtige Form; Faustus, der aus dem Menschen heraus den Sinn für die Form der Zukunft vorbereiten will.

[ 30 ] Now you will understand why Augustine, the most important mind of the Catholic Church, who in his “City of God” virtually shaped the form of the Church, created the form for the present, why he necessarily had to be the fiercest opponent of the form that prepares the future. Two poles stand opposite each other: Faustus and Augustine. Augustine, who builds on the Church, on the present form; Faustus, who wants to prepare the sense of the form of the future from within human beings.

[ 31 ] Das ist der Gegensatz, der sich entwickelt im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus. Er bleibt vorhanden und findet seinen Ausdruck in dem Kampf der katholischen Kirche gegen die Tempelritter, Rosenkreuzer, Albigenser, Katharer und so weiter. Sie alle werden ausgerottet vom äußeren physischen Plan, aber ihr Innenleben wirkt weiter. Später kommt der Gegensatz in abgeschwächter, aber immer noch heftiger Form wieder zum Ausdruck in zwei Strömungen, herausgeboren aus einer abendländischen Kultur selbst, als Jesuitismus (Augustinismus) und Freimaurerei (Manichäismus). Die auf der einen Seite den Kampf führen, sind sich dessen alle bewußt, die Katholiken und Jesuiten der höheren Grade; die aber auf der anderen Seite, die im Geiste des Mani den Kampf führen, bei denen sind sich die wenigsten dessen bewußt, nur die Spitze der Bewegung ist sich dessen bewußt.

[ 31 ] This is the contrast that developed in the 3rd and 4th centuries AD. It remains present and finds expression in the struggle of the Catholic Church against the Knights Templar, the Rosicrucians, the Albigensians, the Cathars, and so on. They are all exterminated on the outer physical plane, but their inner life continues to have an effect. Later, the opposition reappears in a weakened but still intense form in two currents born out of Western culture itself, as Jesuitism (Augustinianism) and Freemasonry (Manichaeism). Those who fight on one side are all aware of this, the Catholics and Jesuits of the higher degrees; but those on the other side, who fight in the spirit of Mani, are only very few who are aware of this, only the leaders of the movement are aware of it.

[ 32 ] So stehen sich in den späteren Jahrhunderten gegenüber Jesuitismus (Augustinismus) und Freimaurerei (Manichäismus). Das sind die Kinder der alten Geistesströmungen. Daher haben Sie sowohl im Jesuitismus wie im Freimaurertum eine Fortsetzung derselben Zeremonien bei den Einweihungen wie in den alten Strömungen. Die Einweihung der Kirche im Jesuitismus hat die vier Grade: coadjutores temporales, scholares, coadjutores spirituales, professi. Die Grade der Einweihung in der eigentlichen okkulten Freimaurerei sind ähnlich. Sie laufen einander parallel, verfolgen aber ganz verschiedene Richtungen.2Siehe unter Hinweise.

[ 32 ] Thus, in later centuries, Jesuitism (Augustinianism) and Freemasonry (Manichaeism) stand opposed to each other. These are the children of the old spiritual currents. Therefore, both Jesuitism and Freemasonry continue the same ceremonies of initiation as in the old currents. The initiation into the Church in Jesuitism has four degrees: coadjutores temporales, scholares, coadjutores spirituales, professi. The degrees of initiation into actual occult Freemasonry are similar. They run parallel to each other but follow completely different directions.2See under Notes.