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The Rudolf Steiner Archive

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The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93

11 November 1904, Berlin

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6. Der Manichäismus

6. Manichaeism

[ 1 ] Wir haben ja wunschgemäß etwas über Freimaurerei zu sprechen. Diese kann man aber nicht verstehen, bevor nicht die ursprünglichen Geistesströmungen betrachtet werden, die mit der Freimaurerei in der Weise in Zusammenhang stehen, daß die Freimaurerei sozusagen aus ihnen hervorgegangen ist. Eine noch wichtigere Geistesströmung als die der Rosenkreuzer war die des Manichäismus. Wir müssen also eigentlich zuerst über diese viel wichtigere Bewegung sprechen und können dann später einmal auch auf die Freimaurerei ein Licht werfen.

[ 1 ] As requested, we are to discuss Freemasonry. However, one cannot understand it without first considering the original spiritual movements that are connected to Freemasonry in such a way that Freemasonry, so to speak, emerged from them. An even more important intellectual movement than that of the Rosicrucians was Manichaeism. So we must actually discuss this much more significant movement first, and then we can shed light on Freemasonry at a later time.

[ 2 ] Was ich dazu zu sagen habe, hängt zusammen mit verschiedenen Dingen, die in das gegenwärtige und zukünftige Geistesleben hineinspielen. Und um Ihnen zu zeigen, daß man, wenn man in diesen Gebieten tätig ist, immerfort auf etwas Bezug nehmen muß, wenn auch versteckt, so möchte ich nur einleitend darauf hinweisen, daß ich bei wiederholter Gelegenheit das Faust-Problem als ein besonders wichtiges für das neue Geistesleben bezeichnet habe. Und darum ist auch im ersten Heft des «Luzifer» die moderne Geistesbewegung mit dem Faust-Problem in Zusammenhang gebracht. So wie ich es in meinem «Luzifer»-Aufsatz gebracht habe, ist nicht ohne eine gewisse Begründung auf das Faust-Problem angespielt.

[ 2 ] What I have to say on this subject is connected to various factors that play a role in present and future spiritual life. And to show you that, when one is active in these areas, one must constantly refer to something—even if it is hidden—I would like to point out by way of introduction that I have repeatedly described the Faust problem as particularly important for the new spiritual life. And that is why, in the first issue of Luzifer, the modern spiritual movement is also linked to the Faust problem. As I presented it in my Luzifer essay, the allusion to the Faust problem is not without a certain basis.

[ 3 ] Um die Dinge, um die es sich dabei handelt, in Zusammenhang zu bringen, müssen wir also zunächst ausgehen von einer Geistesrichtung, die uns geschichtlich zuerst entgegentritt etwa im 3. Jahrhundert. Es ist dies jene Geistesrichtung, die ihren großen Bekämpfer im heiligen Augustinus gefunden hat, trotzdem er, bevor er zur katholischen Kirche übergetreten ist, Anhänger dieser Richtung war. Wir müssen sprechen über den Manichäismus, der durch eine Persönlichkeit begründet wurde, die sich selbst als Mani bezeichnete und etwa im 3. Jahrhundert nach Christi Geburt lebte. Ausgegangen ist die Bewegung von einer Gegend, die damals beherrscht wurde von den Königen Vorderasiens; sie ist also von den Gegenden des westlichen Kleinasien ausgegangen. Dieser Mani begründete eine Geistesströmung, die ja zuerst eine kleine Sekte umfaßte, die aber zu einer mächtigen Geistesströmung wurde. Die mittelalterlichen Albigenser, Waldenser und Katharer sind die Fortsetzung dieser Geistesströmung, zu der auch der ja noch für sich zu besprechende Templerorden und ebenso - durch eine merkwürdige Verkettung der Verhältnisse — das Freimaurertum gehören. Hier hinein gehört das Freimaurertum eigentlich, obgleich es sich mit anderen Strömungen, zum Beispiel dem Rosenkreuzertum verbunden hat.

[ 3 ] To put the issues at hand into context, we must therefore begin by examining a school of thought that first appeared in history around the 3rd century. This is the intellectual movement that found its greatest opponent in St. Augustine, even though he himself had been a follower of this movement before converting to the Catholic Church. We must speak of Manichaeism, which was founded by a figure who called himself Mani and lived around the 3rd century A.D. The movement originated in a region that was then ruled by the kings of the Near East; it thus originated in the regions of western Asia Minor. This Mani founded a spiritual movement that initially comprised a small sect but grew into a powerful spiritual movement. The medieval Albigensians, Waldensians, and Cathars are the continuation of this intellectual movement, to which also belong the Order of the Templars—which will be discussed separately—and, through a curious chain of circumstances, Freemasonry. Freemasonry actually belongs to this tradition, even though it has become associated with other movements, such as Rosicrucianism.

[ 4 ] Die äußere Geschichte, die uns von Mani erzählt wird, ist höchst einfach.1Siehe unter Hinweise.

[ 4 ] The external history that is told to us about Mani is extremely simple.1See the notes.

[ 5 ] Es wird gesagt, daß in den Gegenden Vorderasiens ein Kaufmann lebte, der außerordentlich gelehrt war. Er verfaßte vier bedeutsame Schriften: erstens die Mysteria, zweitens die Epistola, drittens das Evangelium, viertens den Thesaurus. Ferner wird erzählt, daß er bei seinem Tod diese Schriften hinterlassen habe seiner Witwe, die eine Perserin war. Diese Witwe wiederum hinterließ sie einem Sklaven, den sie losgekauft und freigelassen habe. Der sei der besagte Mani gewesen, der dann aus diesen Schriften seine Weisheit gezogen habe, aber außerdem in die Mysterien des Mithrasdienstes eingeweiht gewesen war. Er hat dann diese Bewegung des Manichäismus ins Leben gerufen. Man nennt den Mani auch den «Sohn der Witwe» und seine Anhänger die «Söhne der Witwe». Er selbst aber, Mani, bezeichnete sich als «Paraklet», als den von Christus der Menschheit versprochenen Heiligen Geist. Nun ist das so aufzufassen, daß er sich bezeichnete als eine Inkarnation jenes Heiligen Geistes; nicht etwa meinte er, daß er der alleinige Heilige Geist sei. Er stellte sich vor, daß dieser Heilige Geist in Wiederverkörperungen erscheint und bezeichnete sich als eine solche Wiederverkörperung des Geistes.

[ 5 ] It is said that in the regions of the Near East there lived a merchant who was extraordinarily learned. He authored four significant works: first, the Mysteria; second, the Epistola; third, the Gospel; and fourth, the Thesaurus. It is further recounted that upon his death he left these writings to his widow, who was a Persian. This widow, in turn, left them to a slave whom she had ransomed and set free. This slave is said to have been the aforementioned Mani, who then drew his wisdom from these writings but had also been initiated into the mysteries of the cult of Mithras. He then founded the Manichaean movement. Mani is also called the “Son of the Widow,” and his followers the “Sons of the Widow.” Mani himself, however, referred to himself as the “Paraclete,” the Holy Spirit promised to humanity by Christ. This should be understood to mean that he identified himself as an incarnation of that Holy Spirit; he did not mean to say that he was the Holy Spirit alone. He believed that this Holy Spirit appears in reincarnations and identified himself as one such reincarnation of the Spirit.

[ 6 ] Die Lehre, die er verkündigte, wurde von Augustinus, als dieser zur katholischen Kirche übergetreten war, in der lebhaftesten Weise bekämpft. Augustinus stellte seine katholische Anschauung der manichäischen Lehre gegenüber, die er durch eine Persönlichkeit vertreten läßt, die er Faustus nennt. Faustus ist im Sinne des Augustinus der Kämpfer gegen das Christentum. Hier liegt der Ursprung des goetheschen Faust mit seiner Anschauung des Bösen. Der Name «Faust» geht zurück bis auf diese alte augustinische Lehre.

[ 6 ] The doctrine he preached was vehemently opposed by Augustine after the latter had converted to the Catholic Church. Augustine contrasted his Catholic view with the Manichaean doctrine, which he has represented by a character he calls Faustus. In Augustine’s view, Faustus is the fighter against Christianity. Herein lies the origin of Goethe’s Faust with his conception of evil. The name “Faust” traces back to this ancient Augustinian doctrine.

[ 7 ] Man erfährt von der manichäischen Lehre gewöhnlich, daß sie sich vom abendländischen Christentum unterscheide durch ihre andere Auffassung des Bösen. Während das katholische Christentum der Ansicht sei, daß-das Böse beruhe auf einem Abfall vom göttlichen Ursprung, auf einem Abfall ursprünglich guter Geister von Gott, so lehre der Manichäismus, daß das Böse ebenso ewig sei wie das Gute; daß es keine Auferstehung des Leibes gebe und daß das Böse als solches kein Ende nähme. Es habe also keinen Anfang, sondern sei gleichen Ursprungs mit dem Guten, und habe auch kein Ende.

[ 7 ] It is commonly understood that Manichaean doctrine differs from Western Christianity in its distinct conception of evil. While Catholic Christianity holds that evil stems from a fall from the divine origin—a fall of spirits that were originally good away from God—Manichaeism teaches that evil is just as eternal as good; that there is no resurrection of the body; and that evil, as such, has no end. It therefore has no beginning, but is of the same origin as good, and has no end either.

[ 8 ] Wenn Sie in dieser Weise den Manichäismus kennenlernen, so erscheint er allerdings wie etwas radikal Unchristliches und wie etwas ganz Unverständliches.

[ 8 ] When you learn about Manichaeism in this way, it certainly appears to be something radically un-Christian and completely incomprehensible.

[ 9 ] Nun wollen wir der Sache auf den Grund gehen nach den Traditionen, die von dem Mani selbst herrühren sollen und prüfen, um was es sich da eigentlich handelt. Einen äußeren Anhaltspunkt zu dieser Prüfung gibt uns die Legende des Manichäismus, eine ebensolche Legende, wie ich Ihnen neulich als Tempellegende erzählt habe. Alle solche Geistesströmungen, die mit Einweihungen zusammenhängen, drücken sich exoterisch aus in Legenden. Nur ist die Legende des Manichäismus eine große kosmische Legende, eine Legende von übersinnlicher Art.

[ 9 ] Now let us get to the bottom of this matter according to the traditions said to originate from Mani himself, and examine what this is actually all about. The legend of Manichaeism provides us with an external point of reference for this examination—a legend just like the one I recently told you about as a temple legend. All such spiritual currents associated with initiations express themselves exoterically through legends. However, the legend of Manichaeism is a great cosmic legend, a legend of a supersensory nature.

[ 10 ] Da wird erzählt, daß einstmals die Geister der Finsternis anstürmen wollten gegen das Lichtreich. Sie kamen in der Tat bis an die Grenze des Lichtreiches und wollten das Lichtreich erobern. Sie vermochten aber nichts gegen das Lichtreich. Nun sollten sie - und hier liegt ein besonders tiefer Zug, den ich zu beachten bitte -, nun sollten sie bestraft werden von dem Lichtreich. Aber in dem Lichtreich gab es nichts irgendwie Böses, sondern nur Gutes. Also hätten die Dämonen der Finsternis nur mit etwas Gutem bestraft werden können. Was geschah also? Es geschah folgendes. Die Geister des Lichtreiches nahmen einen Teil ihres eigenen Reiches und mischten diesen in das materielle Reich der Finsternis hinein. Dadurch, daß nun ein Teil des Lichtreiches vermischt wurde mit dem Reich der Finsternis, dadurch sei in diesem Reich der Finsternis gleichsam ein Sauerteig, ein Gärungsstoff entstanden, der das Reich der Finsternis in einen chaotischen Wirbeltanz versetzte, wodurch es ein neues Element bekommen hat, nämlich den Tod. So daß es sich fortwährend selbst aufzehrt und so den Keim zu seiner eigenen Vernichtung in sich trägt. Weiter wird erzählt, daß dadurch, daß dies geschehen ist, gerade das Menschengeschlecht entstanden sei. Der Urmensch sei eben gerade das, was vom Lichtreich her gesendet worden sei, um sich mit dem Reich der Finsternis zu vermischen und das, was im Reich der Finsternis nicht sein soll, zu überwinden durch den Tod; es in sich selbst zu überwinden.

[ 10 ] It is told that once upon a time the spirits of darkness sought to storm the Realm of Light. They did indeed reach the border of the Realm of Light and sought to conquer it. But they were powerless against the Realm of Light. Now they were to be—and here lies a particularly profound point that I ask you to note—now they were to be punished by the Realm of Light. But in the Realm of Light there was nothing evil whatsoever, only good. So the demons of darkness could only have been punished with something good. What happened, then? The following happened. The spirits of the Realm of Light took a part of their own realm and mingled it into the material realm of darkness. Because a part of the Realm of Light was now blended with the Realm of Darkness, a leaven—an agent of fermentation—arose, as it were, within the Realm of Darkness, setting it into a chaotic whirl, thereby imparting a new element to it: namely, death. Thus, it continually consumes itself and carries within it the seed of its own destruction. It is further recounted that it was precisely because this happened that the human race came into being. Primitive man is said to be precisely that which was sent from the realm of light to mingle with the realm of darkness and to overcome—through death—that which ought not to be in the realm of darkness; to overcome it within himself.

[ 11 ] Der tiefe Gedanke, der darin liegt, ist der, daß von seiten des Lichtreiches das Reich der Finsternis überwunden werden soll nicht durch Strafe, sondern durch Milde; nicht durch Widerstreben dem Bösen, sondern durch Vermischung mit dem Bösen, um das Böse als solches zu erlösen. Dadurch, daß ein Teil des Lichtes hineingeht in das Böse, wird das Böse selbst überwunden.

[ 11 ] The profound idea underlying this is that, on the part of the realm of light, the realm of darkness is to be overcome not through punishment, but through mercy; not by resisting evil, but by intermingling with evil in order to redeem evil as such. By allowing a part of the light to enter into evil, evil itself is overcome.

[ 12 ] Dem liegt die Auffassung vom Bösen zugrunde, die ich oftmals als die theosophische auseinandergesetzt habe. Was ist das Böse? Es ist nichts anderes als ein unzeitgemäßes Gutes. Um ein Beispiel anzuführen, das von mir schon öfters angeführt wurde: Nehmen wir an, daß wir es mit einem ausgezeichneten Klavierspieler und einem ausgezeichneten Klaviertechniker zu tun haben, die beide vollkommen sind in ihrer Art. Zuerst muß der Techniker das Instrument bauen und es dann abgeben an den Spieler. Wenn dieser ein guter Spieler ist, wird er es in entsprechender Weise benützen und so sind beide gleichsam das Gute. Wenn aber nun der Techniker anstelle des Spielers in den Konzertsaal gehen und da herumhämmern wollte, dann wäre er am unrechten Ort. Das Gute würde so zum Bösen. So sehen wir, daß das Böse nichts anderes ist als das Gute am unrechten Ort.

[ 12 ] This is based on the concept of evil, which I have often discussed from a theosophical perspective. What is evil? It is nothing other than a good that is out of step with the times. To give an example that I have cited many times before: Let us suppose we are dealing with an excellent pianist and an excellent piano technician, both of whom are perfect in their own way. First, the technician must build the instrument and then hand it over to the pianist. If the pianist is a good player, he will use it appropriately, and thus both are, as it were, the good. But if the technician were to go into the concert hall in place of the pianist and start hammering away, he would be in the wrong place. The good would thus become evil. Thus we see that evil is nothing other than good in the wrong place.

[ 13 ] Wenn das, was in irgendeiner Zeit außerordentlich gut ist, sich weiter erhalten, starr werden wollte und nun das schon Fortgeschrittene beeinträchtigen würde in seinem Gange, so wird es jetzt zweifellos ein Böses, weil es dem Guten widerstreben würde. Nehmen wir an, die leitenden Kräfte der Mondenepoche, der lunarischen Epoche, wenn sie dort vollkommen waren in ihrer Art und ihre Tätigkeit hätten abschließen müssen, würden sich noch länger in die Entwickelung mischen. Dann müßten sie in der irdischen Entwickelung das Böse darstellen. So ist das Böse nichts anderes als das Göttliche, denn in der anderen Zeit war das, was zur Unzeit das Böse ist, der Ausdruck des Vollkommenen, des Göttlichen.

[ 13 ] If that which is exceptionally good at any given time were to persist, become rigid, and thereby hinder the progress of what is already well advanced, it would undoubtedly become an evil, because it would stand in opposition to the good. Let us suppose that the guiding forces of the Lunar Epoch—if, having reached perfection in their nature there, they were to have concluded their activity—were to continue to interfere in the course of evolution. Then they would have to represent evil in earthly evolution. Thus, evil is nothing other than the divine, for in that other time, what is now, at the wrong time, evil was the expression of the perfect, of the divine.

[ 14 ] In diesem tiefen Sinne haben wir die manichäische Anschauung aufzufassen, daß das Gute und Böse im Grunde genommen von derselben Art, im Grunde genommen gleich in ihrem Anfang und gleich in ihrem Ende sind. Wenn Sie diese Anschauung so auffassen, werden Sie verstehen, was eigentlich der Mani anregen wollte. Auf der andeten Seite müssen wir aber zunächst erklären, warum sich Mani selbst den «Sohn der Witwe» nannte und warum sich seine Anhänger «Söhne der Witwe» nannten.

[ 14 ] It is in this profound sense that we must understand the Manichaean view that good and evil are, at their core, of the same nature—fundamentally the same in their beginning and the same in their end. If you understand this view in this way, you will grasp what Mani actually sought to convey. On the other hand, however, we must first explain why Mani called himself the “Son of the Widow” and why his followers called themselves “Sons of the Widow.”

[ 15 ] Wenn wir zurückgehen in die ältesten Zeiten, die vor unserer jetzigen Wurzelrasse liegen, da war die Art und Weise, wie Menschen erkannten, Wissen erwarben, eine andere. Sie werden aus meiner Schilderung der atlantischen Zeit, und jetzt, wo das nächste «Luzifer»Heft erscheint, auch aus der Schilderung der lemurischen Zeit ersehen, daß damals alles Wissen - zum Teil bis in unsere Zeit hinein — beeinflußt ist von demjenigen, was über der Menschheit steht. Ich habe öfters schon erwähnt, daß erst der Manu, der erscheinen wird in der nächsten Wurzelrasse, ein wirklicher Menschenbruder sein wird, während die früheren Manus übermenschlich, eine Art göttliche Wesen waren. Erst jetzt reift die Menschheit heran, um einen eigenen Menschenbruder als Manu zu haben, der von der Mitte der lemurischen Zeit an alle Stadien mit durchgemacht hat. Was geschieht also eigentlich während der Entwickelung der fünften Wurzelrasse? Es geschieht das, daß diese Offenbarung, die Offenbarung von oben, die Leitung der Seele von oben sich allmählich zurückzieht und die Menschheit den eigenen Wegen überläßt, so daß sie ihr eigener Leiter wird.

[ 15 ] If we go back to the most ancient times, those preceding our present root race, the way in which people perceived and acquired knowledge was different. You will see from my description of the Atlantean era—and now, with the upcoming issue of Luzifer, also from the description of the Lemurian era—that all knowledge at that time—some of it extending into our own era—was influenced by that which stands above humanity. I have mentioned on several occasions that only the Manu who will appear in the next root race will be a true brother of humanity, whereas the earlier Manus were superhuman, a kind of divine being. Only now is humanity maturing to the point of having its own human brother as Manu, one who has passed through all the stages since the middle of the Lemurian epoch. So what actually happens during the evolution of the fifth root race? What happens is that this revelation—the revelation from above, the guidance of the soul from above—gradually withdraws, leaving humanity to its own devices, so that it becomes its own guide.

[ 16 ] Die Seele wurde nun in aller Esoterik (Mystik) die «Mutter» genannt; der Unterweiser der «Vater». Vater und Mutter, Osiris und Isis, das sind die zwei in der Seele vorhandenen Mächte: der Unterweiser, derjenige, der das unmittelbar einfließende Göttliche darstellt, Osiris, ist der Vater; die Seele selbst, Isis, konzipiert, empfängt das Göttlich-Geistige, sie ist die Mutter. Während der fünften Wurzelrasse zieht sich nun der Vater zurück. Die Seele ist verwitwet, soll verwitwet sein. Die Menschheit ist auf sich selbst angewiesen. Sie muß in der eigenen Seele das Licht der Wahrheit suchen, um sich selbst zu lenken. Alles Seelische wurde von jeher mit weiblichen Sinnbildern zum Ausdruck gebracht. Deshalb wird dieses Seelische — welches heute im Keim vorhanden ist und später vollständig entwikkelt sein wird -, dieses sich selbst lenkende Seelische, das den göttlichen Befruchter nicht mehr vor sich hat, das wird von dem Mari als «Witwe» bezeichnet. Und deshalb bezeichnete er sich selbst als den «Sohn der Witwe».

[ 16 ] In all esotericism (mysticism), the soul was now called the “Mother”; the Guide, the “Father.” Father and Mother, Osiris and Isis—these are the two powers present in the soul: the Instructor, the one who represents the directly inflowing Divine, Osiris, is the Father; the soul itself, Isis, conceives and receives the Divine-Spiritual; she is the Mother. During the fifth root race, the Father now withdraws. The soul is widowed; it is meant to be widowed. Humanity is left to its own devices. It must seek the light of truth within its own soul in order to guide itself. Everything pertaining to the soul has always been expressed through feminine symbols. That is why this soul aspect—which exists today in embryonic form and will later be fully developed—this self-governing soul aspect, which no longer has the divine fertilizer before it, is referred to by Mari as the “widow.” And that is why he referred to himself as the “Son of the Widow.”

[ 17 ] Mani ist es, der diejenige Stufe der menschlichen Seelenentwickelung vorbereitet, die das eigene seelische Geisteslicht sucht. Alles, was von ihm herrührt, war ein Berufen auf das eigene Geisteslicht der Seele und das war zugleich ein entschiedenes Aufbäumen gegen alles, was nicht aus der Seele, aus der eigenen Beobachtung der Seele kommen wollte. Schöne Worte rühren von dem Mani her und sind das Leitmotiv seiner Anhänger zu allen Zeiten gewesen. Wir hören: Ihr müßt abstreifen alles dasjenige, was äußere Offenbarung ist, die ihr auf sinnlichem Wege erhaltet! Ihr müßt abstreifen alles, was äußere Autorität euch überliefert; dann müßt ihr reif werden, die eigene Seele anzuschauen!

[ 17 ] It is Mani who prepares that stage of human soul development in which the soul seeks its own spiritual light. Everything that came from him was a call to the soul’s own spiritual light, and at the same time, it was a resolute rebellion against everything that did not originate from the soul or from the soul’s own observation. Beautiful words spring from Mani and have been the guiding principle of his followers throughout the ages. We hear: “You must cast off all that is external revelation, which you receive through the senses! You must cast off all that external authority has handed down to you; then you must become ripe to gaze upon your own soul!”

[ 18 ] Augustinus dagegen vertritt das Prinzip - in einem Gespräch, in dem er sich zum Gegner jenes Manichäers Faustus macht -: Ich würde die Lehre Christi nicht annehmen, wenn sie nicht auf die Autorität der Kirche begründet wäre. - Der Manichäer Faustus sagt aber: Ihr sollt auf Autorität hin keine Lehre annehmen; wir wollen eine Lehre nur annehmen in Freiheit. - Das ist das Aufbäumen des auf sich selbst bauenden Geisteslichtes, das dann auch in der Faust-Sage in so schöner Weise zum Ausdruck gebracht wurde.

[ 18 ] Augustine, on the other hand, defends the principle—in a dialogue in which he takes on the Manichaean Faustus as his opponent—that: I would not accept the teaching of Christ if it were not based on the authority of the Church. - The Manichaean Faustus, however, says: “You should not accept any doctrine on the basis of authority; we should accept a doctrine only of our own free will.” - This is the rebellion of the light of the spirit that relies on itself, which was then so beautifully expressed in the legend of Faust.

[ 19 ] Wir haben diesen Gegensatz auch in späteren Sagen im Mittelalter einander gegenübergestellt. Auf der einen Seite die Faust-, auf der anderen Seite die Luther-Sage. Luther ist der Fortsetzer des autoritativen Prinzips, Faust dagegen ist der, der sich aufbäumt, der sich auf das innere Geisteslicht stützt. Wir haben die Luther-Sage: er wirft dem Teufel das Tintenfaß an den Kopf. Was sich ihm als Böses vorstellt, wird beiseitegestellt. Und auf der anderen Seite haben wir das Bündnis des Faust mit dem Bösen. Es wird von dem Lichtreich der Funke nach dem Reich der Finsternis gesandt, um eindringend in die Finsternis, die Finsternis durch sich selbst zu erlösen, durch Milde das Böse zu überwinden. Wenn Sie es in der Weise fassen, so werden Sie auch sehen, daß dieser Manichäismus sehr wohl zurechtkommt mit der Auffassung, die wir ausgesprochen haben, von dem Bösen.

[ 19 ] We have also contrasted this opposition in later legends from the Middle Ages. On the one hand, the Faust legend; on the other, the Luther legend. Luther is the upholder of the authoritarian principle, while Faust, on the other hand, is the one who rebels, relying on the inner light of the spirit. We have the legend of Luther: he hurls the inkwell at the Devil’s head. Whatever appears to him as evil is cast aside. And on the other hand, we have Faust’s pact with evil. A spark is sent from the realm of light into the realm of darkness to penetrate the darkness, to redeem the darkness through itself, and to overcome evil through gentleness. If you understand it this way, you will also see that this Manichaeism is quite compatible with the conception of evil that we have expressed.

[ 20 ] Wie müssen wir uns das Zusammenwirken des Guten und des Bösen vorstellen? Wir müssen es uns aus dem Zusammenklingen von Leben und Form erklären. Wodurch wird das Leben zur Form? Dadurch, daß es einen Widerstand findet; daß es sich nicht auf einmal — in einer Gestalt - zum Ausdruck bringt. Beachten Sie einmal, wie das Leben in einer Pflanze, sagen wir der Lilie, von Form zu Form eilt. Das Leben der Lilie hat eine Lilienform aufgebaut, ausgestaltet.

[ 20 ] How should we conceive of the interplay between good and evil? We must explain it through the interplay of life and form. How does life become form? By encountering resistance; by not expressing itself all at once—in a single form. Just observe how life in a plant—let’s say a lily—rushes from one form to another. The life of the lily has built up and shaped a lily-like form.

[ 21 ] Wenn diese Form ausgestaltet ist, überwindet das Leben die Form, geht in den Keim über, um später als dasselbe Leben in einer neuen Form wiedergeboren zu werden. Und so schreitet das Leben von Form zu Form. Das Leben selbst ist gestaltlos und würde sich nicht in sich selbst wahrnehmbar ausleben können. Das Leben der Lilie zum Beispiel ist in der ersten Lilie, schreitet weiter zur zweiten, dritten, vierten, fünften. Überall ist dasselbe Leben, das in einer begrenzten Form erscheint, webend ausgebreitet. Daß es in begrenzter Form erscheint, das ist eine Hemmung dieses allgemein flutenden Lebens. Es würde keine Form geben, wenn das Leben nicht gehemmt, wenn es nicht aufgehalten würde in seiner nach allen Seiten hin strömenden Kraft. Gerade von dem, was zurückgeblieben ist, was ihm auf höherer Stufe stehend wie eine Fessel erscheint, gerade aus dem erwächst im großen Kosmos die Form.

[ 21 ] When this form is fully developed, life transcends the form, transforms into a seed, only to be reborn later as the same life in a new form. And so life proceeds from form to form. Life itself is formless and would not be able to manifest itself perceptibly within itself. The life of the lily, for example, is present in the first lily and continues on to the second, third, fourth, and fifth. Everywhere, the same life—which appears in a limited form—is woven and spread out. The fact that it appears in a limited form is a restriction on this universally flowing life. There would be no form if life were not restrained, if it were not held back in its power that flows in all directions. It is precisely from what remains behind—what, standing at a higher level, appears to it as a shackle—that form arises in the great cosmos.

[ 22 ] Immer wird das, was das Leben ist, umfaßt als Form von dem, was als Leben in einer früheren Zeit vorhanden war. Beispiel: die katholische Kirche. Das Leben, das in der katholischen Kirche lebt von Augustinus bis ins 15. Jahrhundert, ist christliches Leben. Das Leben darinnen ist Christentum. Immer wieder kommt dieses pulsierende Leben heraus (Mystiker). Die Form, woher ist die Form? Die ist nichts anderes als das Leben des alten römischen Reiches. Das, was in diesem alten römischen Reich noch Leben war, ist erstarrt zur Form. Was da zuerst Republik, dann Kaiserreich war, was da gelebt hat in seinen äußeren Erscheinungen als römischer Staat, das hat sein zur Form erstarrtes Leben abgegeben an das spätere Christentum bis hin zur Hauptstadt, so wie eben früher Rom die Hauptstadt des römischen Weltreiches war. Sogar die römischen Provinzialbeamten sind durch die Presbyter und Bischöfe fortgesetzt worden. Was früher Leben war, wird später Form für eine höhere Stufe des Lebens.

[ 22 ] What life is is always encompassed as a form by what existed as life in an earlier time. Example: the Catholic Church. The life that existed within the Catholic Church from Augustine through the 15th century is Christian life. The life within it is Christianity. Time and again, this pulsating life emerges (mystics). The form—where does the form come from? It is nothing other than the life of the ancient Roman Empire. What was still life in that ancient Roman Empire has solidified into form. What was first a republic, then an empire—what lived there in its outward manifestations as the Roman state—has passed on its life, now solidified into form, to later Christianity, right down to the capital, just as Rome had once been the capital of the Roman Empire. Even the Roman provincial officials have been continued by the presbyters and bishops. What was once life later becomes form for a higher stage of life.

[ 23 ] Ist es nicht mit dem Menschen geradeso? Was ist das Menschenleben? Die manasische Befruchtung ist heute des Menschen inneres Leben, das in der Mitte der lemurischen Zeit gepflanzt wurde. Die Form ist das, was samenartig herübergekommen ist aus der lunarischen Epoche. Damals, in der Mondenzeit, war kamische Entwickelung das Leben des Menschen; jetzt ist sie die Hülle, die Form. Immer ist das Leben einer vorhergehenden Epoche die Form einer späteren Epoche. In dem Zusammenklingen von Form und Leben ist zugleich das andere Problem gegeben: das des Guten und Bösen; dadurch, daß das Gute einer früheren Zeit vereint ist mit dem Guten einer neuen Zeit. Und das ist im Grunde genommen nichts anderes als eben das Zusammenklingen des Fortschreitens mit seiner eigenen Hemmung. Das ist zugleich die Möglichkeit des materiellen Erscheinens, die Möglichkeit, zum offenbaren Dasein zu kommen. Das ist unser Menschendasein innerhalb der mineralisch-festen Erde: Innenleben und das zurückgebliebene Leben der früheren Zeit zur hemmenden Form verhärtet. Das ist auch die Lehre des Manichäismus über das Böse.

[ 23 ] Isn’t it exactly the same with human beings? What is human life? The manasic impregnation is today the inner life of human beings, which was planted in the middle of the Lemurian epoch. Form is what has come over like a seed from the Lunar epoch. Back then, in the Lunar epoch, kamic development was human life; now it is the shell, the form. The life of a preceding epoch is always the form of a later epoch. In the interplay of form and life, another problem arises: that of good and evil; this arises because the good of an earlier time is united with the good of a new time. And this is, in essence, nothing other than the interplay of progress with its own hindrance. This is at the same time the possibility of material manifestation, the possibility of coming into open existence. This is our human existence within the mineral-solid earth: inner life and the residual life of an earlier time, hardened into a restraining form. This is also the teaching of Manichaeism concerning evil.

[ 24 ] Wenn wir uns von diesem Gesichtspunkt aus weiter fragen: Was will nun der Mani und was bedeutet sein Ausspruch, der Paraklet, der Geist zu sein, der Sohn der Witwe? Nichts anderes bedeutet das, als daß er vorbereiten will diejenige Zeit, in welcher in der sechsten Wurzelrasse die Menschheit durch sich selbst, durch das eigene Seelenlicht geführt werden wird und überwinden wird die äußeren Formen, sie umwandeln wird zu Geist.

[ 24 ] If we continue to ask ourselves from this perspective: What does Mani want, and what does his statement mean—that he is the Paraclete, the Spirit, the Son of the Widow? This means nothing other than that he wishes to prepare for the time when, in the sixth root race, humanity will be guided by itself—through its own soul light—and will overcome external forms, transforming them into spirit.

[ 25 ] Eine über das Rosenkreuzertum hinübergreifende Strömung des Geistes will Mani schaffen, eine Strömung, die weitergeht als die Strömung der Rosenkreuzer. Diese Strömung des Mani strebt hinüber bis zur sechsten Wurzelrasse, die seit der Begründung des Christentums vorbereitet wird. Gerade in der sechsten Wurzelrasse wird das Christentum erst in seiner vollen Gestalt zum Ausdruck kommen. Dann erst wird es wirklich da sein. Das innere christliche Leben als solches überwindet jegliche Form, es pflanzt sich durch das äußere Christentum fort und lebt in allen Formen der verschiedenen Bekenntnisse. Wer christliches Leben sucht, wird es immer finden. Es schafft Formen und zerbricht Formen in den verschiedenen Religionssystemen. Nicht darauf kommt es an, die Gleichheit überall zu suchen in den äußeren Ausdrucksformen, sondern den inneren Lebensstrom zu empfinden, der überall unter der Oberfläche da ist. Was aber noch geschaffen werden muß, das ist eine Form für das Leben der sechsten Wurzelrasse. Die muß früher geschaffen werden, denn sie muß da sein, damit sich das christliche Leben hineingießen kann. Diese Form muß vorbereitet werden durch Menschen, die eine solche Organisation, eine solche Form schaffen werden, damit das wahre christliche Leben der sechsten Wurzelrasse darin Platz greifen kann. Und diese äußere Gesellschaftsform muß entspringen aus der Mani-Intention, aus dem Häuflein, das der Mani vorbereitet. Das muß die äußere Organisationsform sein, die Gemeinde, in der zuerst der christliche Funke wird so recht Platz greifen können.

[ 25 ] Mani seeks to create a spiritual current that transcends Rosicrucianism—a current that extends beyond that of the Rosicrucians. This current of Mani’s reaches all the way to the sixth root race, which has been in preparation since the founding of Christianity. It is precisely in the sixth root race that Christianity will first find expression in its full form. Only then will it truly be present. The inner Christian life as such transcends all forms; it perpetuates itself through outward Christianity and lives on in all the forms of the various denominations. Whoever seeks the Christian life will always find it. It creates forms and breaks down forms within the various religious systems. What matters is not seeking uniformity everywhere in the external forms of expression, but sensing the inner stream of life that is present everywhere beneath the surface. What still needs to be created, however, is a form for the life of the sixth root race. This must be created beforehand, for it must be in place so that Christian life can flow into it. This form must be prepared by people who will create such an organization, such a form, so that the true Christian life of the sixth root race can take root within it. And this outer social form must spring from the Mani Intention, from the small group that Mani is preparing. This must be the outer organizational form—the community—in which the Christian spark will first be able to truly take root.

[ 26 ] Daraus werden Sie entnehmen können, daß dieser Manichäismus zunächst bestrebt sein wird, vor allen Dingen das äußere Leben rein zu gestalten; denn es soll Menschen herbeiführen, die ein geeignetes Gefäß in der Zukunft abgeben werden. Daher wurde auf unbedingte teine Gesinnung und auf Reinheit ein so großes Gewicht gelegt. Die Katharer waren eine Sekte, die wie meteorartig auftrat im 12. Jahrhundert. Sie nannten sich so, weil Katharer die «Reinen» heißt. Es waren Menschen, die hinsichtlich ihrer Lebensweise und ihres moralischen Verhaltens rein sein sollten. Sie mußten die Katharsis innerlich und äußerlich suchen, um eine reine Gemeinde zu bilden, die ein reines Gefäß sein soll. Das ist es, was der Manichäismus anstrebt. Weniger handelt es sich um die Pflege des innerlichen Lebens — das Leben wird auch in anderer Weise fortfließen -, sondern mehr um die Pflege der äußeren Lebensform.

[ 26 ] From this you will be able to see that Manichaeism will initially strive, above all, to purify external life; for it is intended to produce people who will serve as suitable vessels in the future. That is why such great emphasis was placed on an unconditional attitude of purity and on purity itself. The Cathars were a sect that appeared like a meteor in the 12th century. They called themselves Cathars because the word means “the Pure.” They were people who were meant to be pure in their way of life and moral conduct. They had to seek catharsis both inwardly and outwardly in order to form a pure community that would serve as a pure vessel. This is what Manichaeism strives for. It is less about cultivating the inner life—life will continue to flow in other ways as well—and more about cultivating the outward form of life.

[ 27 ] Nun werfen wir einen Blick auf das, was sein wird in der sechsten Wurzelrasse. Da werden das Gute und das Böse einen weitaus anderen Gegensatz noch bilden als heute. Was in der fünften Runde für die ganze Menschheit eintreten wird, daß die äußere Physiognomie, die sich jeder schafft, ein unmittelbarer Ausdruck dessen sein wird, was Karma bis dahin aus dem Menschen geschaffen hat, das wird, wie ein Vorklang zu diesem Zustand, in der sechsten Wurzelrasse innerhalb des Geistigen eintreten. Bei denjenigen, bei denen das Karma einen Überschuß an Bösem ergibt, wird innerhalb des Geistigen das Böse ganz besonders hervortreten. Auf der einen Seite werden dann Menschen da sein von einer gewaltigen inneren Güte, von Genialität an Liebe und Güte; aber auf der anderen Seite wird auch das Gegenteil da sein. Das Böse wird als Gesinnung ohne Deckmantel bei einer großen Anzahl von Menschen vorhanden sein, nicht mehr bemäntelt, nicht mehr verborgen. Die Bösen werden sich des Bösen rühmen als etwas besonders Wertvollem. Es dämmert schon bei manchen genialen Menschen etwas auf von einer gewissen Wollust an diesem Bösen, diesem Dämonischen der sechsten Wurzelrasse. Nietzsches «blonde Bestie» ist zum Beispiel so ein Vorspuk davon.

[ 27 ] Now let us take a look at what will happen in the sixth root race. There, good and evil will form a far greater contrast than they do today. What will come to pass for all humanity in the fifth round—that the outer physiognomy each person creates for themselves will be a direct expression of what karma has fashioned in the human being up to that point—will occur, as a foreshadowing of this state, within the spiritual realm during the sixth root race. In those whose karma results in an excess of evil, evil will stand out particularly clearly within the spiritual realm. On the one hand, there will then be people of tremendous inner goodness, of genius in love and goodness; but on the other hand, the opposite will also be present. Evil will be present as an unmasked disposition in a large number of people—no longer veiled, no longer hidden. The wicked will boast of evil as something particularly valuable. Even among some brilliant individuals, a certain delight in this evil—this demonic aspect of the sixth root race—is already beginning to dawn. Nietzsche’s “blonde beast,” for example, is a foreshadowing of this.

[ 28 ] Dieses rein Böse muß herausgeworfen werden aus dem Strom der Weltentwickelung wie eine Schlacke. Es wird herausgestoßen werden in die achte Sphäre. Wir stehen heute unmittelbar vor einer Zeit, wo eine bewußte Auseinandersetzung mit dem Bösen durch die Guten stattfinden wird.

[ 28 ] This pure evil must be cast out of the current of world evolution like dross. It will be cast out into the eighth sphere. We are now on the very threshold of a time when the good will engage in a conscious struggle against evil.

[ 29 ] Die sechste Wurzelrasse wird die Aufgabe haben, das Böse durch Milde so weit als möglich wieder einzubeziehen in den fortlaufenden Strom der Entwickelung. Es wird dann eine Geistesströmung entstanden sein, welche dem Bösen nicht widerstrebt, trotzdem es in seiner dämonischsten Gestalt in der Welt auftreten wird. Verfestigt wird sich haben in denen, die die Nachfolger der Söhne der Witwe sein werden, das Bewußtsein, daß das Böse wieder einbezogen werden muß in die Entwickelung, daß es aber nicht durch Kampf, sondern nur durch Milde zu überwinden ist. Dieses kräftig vorzubereiten, das ist die Aufgabe der manichäischen Geistesströmung. Sie wird nicht absterben, diese Geistesströmung, sie wird in mannigfaltigen Formen auftreten. Sie tritt in Gestalten auf, die sich manche denken können, die aber heute nicht ausgesprochen zu werden brauchen. Würde sie sich lediglich auf die Pflege der inneren Gesinnung beziehen, so würde diese Strömung nicht das erreichen, was sie soll. Sie muß sich ausdrücken in der Begründung von Gemeinden, die vor allen Dingen den Frieden, die Liebe, das Nichtwiderstreben dem Bösen [durch Kampf] als das Maßgebende ansehen und zu verbreiten suchen. Denn sie müssen ein Gefäß, eine Form schaffen für das Leben, das sich auch ohne sie fortpflanzt.

[ 29 ] The sixth root race will have the task of reintegrating evil, through gentleness, as far as possible into the ongoing stream of evolution. A spiritual current will then have arisen that does not resist evil, even though it will appear in the world in its most demonic form. Among those who will be the successors of the Sons of the Widow, the awareness will have taken root that evil must once again be reintegrated into evolution, but that it is to be overcome not through struggle, but only through gentleness. To prepare for this vigorously—that is the task of the Manichaean spiritual current. This spiritual current will not die out; it will manifest in manifold forms. It takes on forms that some can imagine, but which need not be explicitly described today. If it were to relate solely to the cultivation of inner disposition, this current would not achieve what it is meant to. It must express itself in the establishment of communities that, above all else, regard peace, love, and non-resistance to evil [through struggle] as the guiding principles and seek to spread them. For they must create a vessel, a form, for life that continues to propagate even without them.

[ 30 ] Nun werden Sie begreifen, warum Augustinus, der bedeutendste Geist der katholischen Kirche, der in seinem «Gottesstaat» geradezu die Form der Kirche ausbildete, die Form für die Gegenwart geschaffen hat, warum er notwendigerweise der heftigste Gegner der Form sein mußte, die die Zukunft vorbereitet. Da stehen sich zwei Pole gegenüber: Faustus und Augustinus. Augustinus, der auf die Kirche baut, auf die gegenwärtige Form; Faustus, der aus dem Menschen heraus den Sinn für die Form der Zukunft vorbereiten will.

[ 30 ] Now you will understand why Augustine, the most significant thinker of the Catholic Church—who, in his City of God, virtually shaped the form of the Church and created the form for the present—why he necessarily had to be the fiercest opponent of the form that prepares the future. Here, two poles stand in opposition: Faustus and Augustine. Augustine, who builds upon the Church, upon the present form; Faustus, who seeks to prepare, from within the human being, an understanding of the form of the future.

[ 31 ] Das ist der Gegensatz, der sich entwickelt im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus. Er bleibt vorhanden und findet seinen Ausdruck in dem Kampf der katholischen Kirche gegen die Tempelritter, Rosenkreuzer, Albigenser, Katharer und so weiter. Sie alle werden ausgerottet vom äußeren physischen Plan, aber ihr Innenleben wirkt weiter. Später kommt der Gegensatz in abgeschwächter, aber immer noch heftiger Form wieder zum Ausdruck in zwei Strömungen, herausgeboren aus einer abendländischen Kultur selbst, als Jesuitismus (Augustinismus) und Freimaurerei (Manichäismus). Die auf der einen Seite den Kampf führen, sind sich dessen alle bewußt, die Katholiken und Jesuiten der höheren Grade; die aber auf der anderen Seite, die im Geiste des Mani den Kampf führen, bei denen sind sich die wenigsten dessen bewußt, nur die Spitze der Bewegung ist sich dessen bewußt.

[ 31 ] This is the conflict that developed in the 3rd and 4th centuries AD. It persists and finds expression in the Catholic Church’s struggle against the Knights Templar, the Rosicrucians, the Albigensians, the Cathars, and so on. They are all eradicated on the outer, physical plane, but their inner life continues to exert its influence. Later, this opposition reemerged in a less intense but still fierce form in two movements born of Western culture itself: Jesuitism (Augustinianism) and Freemasonry (Manichaeism). Those waging the battle on one side—the Catholics and Jesuits of the higher ranks—are all aware of this; but on the other side, those waging the battle in the spirit of Mani, very few are aware of it—only the leadership of the movement is aware of it.

[ 32 ] So stehen sich in den späteren Jahrhunderten gegenüber Jesuitismus (Augustinismus) und Freimaurerei (Manichäismus). Das sind die Kinder der alten Geistesströmungen. Daher haben Sie sowohl im Jesuitismus wie im Freimaurertum eine Fortsetzung derselben Zeremonien bei den Einweihungen wie in den alten Strömungen. Die Einweihung der Kirche im Jesuitismus hat die vier Grade: coadjutores temporales, scholares, coadjutores spirituales, professi. Die Grade der Einweihung in der eigentlichen okkulten Freimaurerei sind ähnlich. Sie laufen einander parallel, verfolgen aber ganz verschiedene Richtungen.2Siehe unter Hinweise.

[ 32 ] Thus, in later centuries, Jesuitism (Augustinianism) and Freemasonry (Manichaeism) stood in opposition to one another. These are the offspring of the ancient spiritual movements. Consequently, both Jesuitism and Freemasonry continue the same initiation ceremonies found in the ancient movements. The initiation rite of the Church in Jesuitism has four degrees: coadjutores temporales, scholares, coadjutores spirituales, and professi. The degrees of initiation in occult Freemasonry proper are similar. They run parallel to one another but follow entirely different paths.2See under Notes.