The Temple Legend and the Golden Legend
GA 93
2 January 1906, Berlin
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Die Tempellegende und die Goldene Legende, 4th ed.
20. Die königliche Kunst in einer neuen Form
20. Die königliche Kunst in einer neuen Form
[ 1 ] Heute möchte ich über einen Gegenstand zu Ihnen sprechen, der sehr vielen Mißverständnissen ausgesetzt ist und über den außerordentlich viele Irrtümer in der Welt verbreitet sind. Die meisten von Ihnen wissen, daß ich bei Gelegenheit unserer diesjährigen Generalversammlung über dasselbe Thema bereits gesprochen habe, und daß ich damals, einem alten okkulten Usus zufolge, vor Männern und Frauen getrennt vortrug. Aus bestimmten Gründen, die vielleicht aus dem Vortrage selbst noch klarer werden können, habe ich heute von diesem alten okkulten Usus Abstand genommen, und zwar deshalb, weil gerade die Gründe, die mich heute und auch damals bewogen haben, über diesen Gegenstand zu Ihnen zu sprechen, damit zusammenhängen, daß über kurz oder lang - hoffentlich über kurz — mit diesem alten Usus überhaupt gebrochen werden wird.
[ 1 ] Heute möchte ich über einen Gegenstand zu Ihnen sprechen, der sehr vielen Mißverständnissen ausgesetzt ist und über den außerordentlich viele Irrtümer in der Welt verbreitet sind. Die meisten von Ihnen wissen, daß ich bei Gelegenheit unserer diesjährigen Generalversammlung über dasselbe Thema bereits gesprochen habe, und daß ich damals, einem alten okkulten Usus zufolge, vor Männern und Frauen getrennt vortrug. Aus bestimmten Gründen, die vielleicht aus dem Vortrage selbst noch klarer werden können, habe ich heute von diesem alten okkulten Usus Abstand genommen, und zwar deshalb, weil gerade die Gründe, die mich heute und auch damals bewogen haben, über diesen Gegenstand zu Ihnen zu sprechen, damit zusammenhängen, daß über kurz oder lang - hoffentlich über kurz — mit diesem alten Usus überhaupt gebrochen werden wird.
[ 2 ] Ich sagte: viele Mißverständnisse sind über diesen Gegenstand verbreitet. Ich brauche aus meinem eigenen Leben nur auf eine Tatsache hinzuweisen, die Ihnen zeigen wird, daß es wirklich heute nicht gerade leicht ist, über geradezu abenteuerliche und abergläubische Vorstellungen hinauszukommen, die in bezug auf diese Sache existieren; und andererseits brauche ich nur darauf hinzuweisen, wie leicht es möglich ist, sich diesen außerordentlichen Dingen gegenüber ganz unglaublich zu blamieren.
[ 2 ] Ich sagte: viele Mißverständnisse sind über diesen Gegenstand verbreitet. Ich brauche aus meinem eigenen Leben nur auf eine Tatsache hinzuweisen, die Ihnen zeigen wird, daß es wirklich heute nicht gerade leicht ist, über geradezu abenteuerliche und abergläubische Vorstellungen hinauszukommen, die in bezug auf diese Sache existieren; und andererseits brauche ich nur darauf hinzuweisen, wie leicht es möglich ist, sich diesen außerordentlichen Dingen gegenüber ganz unglaublich zu blamieren.
[ 3 ] Die Tatsache aus meinem Leben möchte ich einfach erzählen. Sie werden sie vielleicht kaum für glaublich halten, und dennoch ist sie wahr. Es sind jetzt vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre her, da war ich in einer Gesellschaft von Universitätsprofessoren und einigen recht begabten Dichtern. Unter den Professoren befanden sich auch einige Theologen von der Theologischen Fakultät der Universität des betreffenden Ortes. Es waren Katholiken. In dieser Gesellschaft wurde nun allen Ernstes folgendes erzählt. Von einem dieser Theologen, der ein sehr gelehrter Herr war, ging das nicht unbegründete Gerücht, daß er abends nicht mehr ausgehe, weil er glaube, daß da die Freimaurer herumgehen. Der Betreffende vertrat ein ausgebreitetes Fach. Aber nicht er war der Erzähler, sondern ein anderer. Der erzählte nun, daß während seiner Anwesenheit in Rom eine Anzahl von Mönchen eines bestimmten Ordens — es waren elf, zwölf oder dreizehn — sich anheischig gemacht haben, folgendes Geschehen zu beeiden.
[ 3 ] Die Tatsache aus meinem Leben möchte ich einfach erzählen. Sie werden sie vielleicht kaum für glaublich halten, und dennoch ist sie wahr. Es sind jetzt vielleicht siebzehn oder achtzehn Jahre her, da war ich in einer Gesellschaft von Universitätsprofessoren und einigen recht begabten Dichtern. Unter den Professoren befanden sich auch einige Theologen von der Theologischen Fakultät der Universität des betreffenden Ortes. Es waren Katholiken. In dieser Gesellschaft wurde nun allen Ernstes folgendes erzählt. Von einem dieser Theologen, der ein sehr gelehrter Herr war, ging das nicht unbegründete Gerücht, daß er abends nicht mehr ausgehe, weil er glaube, daß da die Freimaurer herumgehen. Der Betreffende vertrat ein ausgebreitetes Fach. Aber nicht er war der Erzähler, sondern ein anderer. Der erzählte nun, daß während seiner Anwesenheit in Rom eine Anzahl von Mönchen eines bestimmten Ordens — es waren elf, zwölf oder dreizehn — sich anheischig gemacht haben, folgendes Geschehen zu beeiden.
[ 4 ] In Paris hätte einmal ein sehr bedeutender Bischof eine Predigt gehalten, in welcher er über die furchtbare Gefahr des Freimaurerordens in der Welt sprach. Daraufhin trat nach der Predigt ein Mann zu ihm in die Sakristei und sagte, er wäre Freimaurer und er möchte ihm Gelegenheit geben, sich eine Versammlung des Bundes einmal anzusehen. Der Bischof willigte ein und sagte sich: Ich will mir aber einige geweihte Reliquien mitnehmen, damit ich geschützt bin. - Nun wurde ein Ort verabredet. Der Betreffende führte den Bischof in die Loge, wo ihm ein verborgener Platz angewiesen wurde, von dem aus er jedoch alles beobachten konnte, was sich da abspielte. Er setzte sich in Positur, hielt vor sich hin seine geweihten Reliquien und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Was er nun sah, wurde in der folgenden Weise erzählt; ich betone, daß unter denen, die damals in der Gesellschaft waren, einige dabei waren, die die Sache als diskutabel ansahen.
[ 4 ] In Paris hätte einmal ein sehr bedeutender Bischof eine Predigt gehalten, in welcher er über die furchtbare Gefahr des Freimaurerordens in der Welt sprach. Daraufhin trat nach der Predigt ein Mann zu ihm in die Sakristei und sagte, er wäre Freimaurer und er möchte ihm Gelegenheit geben, sich eine Versammlung des Bundes einmal anzusehen. Der Bischof willigte ein und sagte sich: Ich will mir aber einige geweihte Reliquien mitnehmen, damit ich geschützt bin. - Nun wurde ein Ort verabredet. Der Betreffende führte den Bischof in die Loge, wo ihm ein verborgener Platz angewiesen wurde, von dem aus er jedoch alles beobachten konnte, was sich da abspielte. Er setzte sich in Positur, hielt vor sich hin seine geweihten Reliquien und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Was er nun sah, wurde in der folgenden Weise erzählt; ich betone, daß unter denen, die damals in der Gesellschaft waren, einige dabei waren, die die Sache als diskutabel ansahen.
[ 5 ] Die Loge wäre eröffnet worden - sie hätte in Wirklichkeit den Namen «Satansloge» getragen, während sie nach außen hin einen ganz anderen Namen hatte -, und es wäre eine merkwürdige Gestalt erschienen. Nach altem Usus — woher er den Usus wußte, hat er nicht erzählt — sei sie nicht gegangen; Geister gehen ja bekanntlich nicht, sondern sollen nach manchen Auffassungen gleiten. Diese merkwürdige Gestalt hätte die Sitzung eröffnet. Was dann vorgegangen wäre, wollte der Bischof absolut nicht erzählen, es wäre zu furchtbar gewesen. Er hätte aber die ganze Kraft der Reliquien angerufen, und da sei es wie Donnergepolter durch alle Reihen gegangen, der Ruf erscholl: Wir sind verraten! - und der, der die Sitzung gehalten hatte, verschwand. Kurz, es war ein glänzender Sieg der bischöflichen Kräfte über das, was da vermutlich getan werden sollte.
[ 5 ] Die Loge wäre eröffnet worden - sie hätte in Wirklichkeit den Namen «Satansloge» getragen, während sie nach außen hin einen ganz anderen Namen hatte -, und es wäre eine merkwürdige Gestalt erschienen. Nach altem Usus — woher er den Usus wußte, hat er nicht erzählt — sei sie nicht gegangen; Geister gehen ja bekanntlich nicht, sondern sollen nach manchen Auffassungen gleiten. Diese merkwürdige Gestalt hätte die Sitzung eröffnet. Was dann vorgegangen wäre, wollte der Bischof absolut nicht erzählen, es wäre zu furchtbar gewesen. Er hätte aber die ganze Kraft der Reliquien angerufen, und da sei es wie Donnergepolter durch alle Reihen gegangen, der Ruf erscholl: Wir sind verraten! - und der, der die Sitzung gehalten hatte, verschwand. Kurz, es war ein glänzender Sieg der bischöflichen Kräfte über das, was da vermutlich getan werden sollte.
[ 6 ] Das wurde also [in der Gesellschaft] als eine ganz ernsthafte Sache diskutiert. Daraus mögen Sie ersehen, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die vielleicht gelehrtere Herren waren als manche andere, die große Namen haben, und die dennoch auf dem Standpunkt stehen, daß derartige Vorgänge sich in der Freimaurerei ereignen können.
[ 6 ] Das wurde also [in der Gesellschaft] als eine ganz ernsthafte Sache diskutiert. Daraus mögen Sie ersehen, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die vielleicht gelehrtere Herren waren als manche andere, die große Namen haben, und die dennoch auf dem Standpunkt stehen, daß derartige Vorgänge sich in der Freimaurerei ereignen können.
[ 7 ] Die Sache ist nun so, daß in der Mitte der achtziger Jahre ein französisches Buch erschienen ist, das in ganz grausiger Weise die Geheimnisse der Freimaurerei darstellt, allerdings mehr grausig als geheimnisvoll. Namentlich wurde in demselben darauf hingewiesen, wie die Freimaurer Teufelsmessen halten. Dieses Buch wurde in Szene gesetzt von einem französischen Journalisten namens Leo Taxil. Er hat besonders viel Staub aufgewirbelt dadurch, daß er dann noch eine Miss Vaughan als Zeugin ins Feld führte. Die Folge davon war, daß die Kirche die Freimaurer mit ihren nächtlichen Umtrieben für so gefährlich hielt, daß sie es für nötig fand, einen Weltbund gegen die Freimaurer ins Leben zu rufen. In Trient wurde eine Art Konzil abgehalten. Es war kein wirkliches Konzil, es wurde aber das zweite Trienter Konzil genannt. Es war von zahlreichen Bischöfen und Hunderten von Priestern beschickt; ein Kardinal präsidierte. [Der Kongreß wurde ein großer Erfolg für Taxil.] Dann wurden aber doch Gegenschriften verfaßt und daraufhin erklärte Herr Taxil, daß der ganze Inhalt seiner Bücher sowie die darin angeführten Personen eine Erfindung von ihm seien.
[ 7 ] Die Sache ist nun so, daß in der Mitte der achtziger Jahre ein französisches Buch erschienen ist, das in ganz grausiger Weise die Geheimnisse der Freimaurerei darstellt, allerdings mehr grausig als geheimnisvoll. Namentlich wurde in demselben darauf hingewiesen, wie die Freimaurer Teufelsmessen halten. Dieses Buch wurde in Szene gesetzt von einem französischen Journalisten namens Leo Taxil. Er hat besonders viel Staub aufgewirbelt dadurch, daß er dann noch eine Miss Vaughan als Zeugin ins Feld führte. Die Folge davon war, daß die Kirche die Freimaurer mit ihren nächtlichen Umtrieben für so gefährlich hielt, daß sie es für nötig fand, einen Weltbund gegen die Freimaurer ins Leben zu rufen. In Trient wurde eine Art Konzil abgehalten. Es war kein wirkliches Konzil, es wurde aber das zweite Trienter Konzil genannt. Es war von zahlreichen Bischöfen und Hunderten von Priestern beschickt; ein Kardinal präsidierte. [Der Kongreß wurde ein großer Erfolg für Taxil.] Dann wurden aber doch Gegenschriften verfaßt und daraufhin erklärte Herr Taxil, daß der ganze Inhalt seiner Bücher sowie die darin angeführten Personen eine Erfindung von ihm seien.
[ 8 ] Sie sehen, es gibt genug Gelegenheiten, sich bei solchen Dingen eine große Blamage zuzuziehen. Dies war eine der schlimmsten Blamagen, die sich eine in der Welt weitverbreitete Körperschaft zugezogen hat. Daraus müssen Sie wenigstens den einen Schluß ziehen, daß man eigentlich recht wenig über die Freimaurerei weiß. Denn wüßte man sonderlich viel, könnte man sich leicht darüber untertichten, so wäre es selbstverständlich, daß solches Zeug nicht geredet und getan werden könnte.
[ 8 ] Sie sehen, es gibt genug Gelegenheiten, sich bei solchen Dingen eine große Blamage zuzuziehen. Dies war eine der schlimmsten Blamagen, die sich eine in der Welt weitverbreitete Körperschaft zugezogen hat. Daraus müssen Sie wenigstens den einen Schluß ziehen, daß man eigentlich recht wenig über die Freimaurerei weiß. Denn wüßte man sonderlich viel, könnte man sich leicht darüber untertichten, so wäre es selbstverständlich, daß solches Zeug nicht geredet und getan werden könnte.
[ 9 ] In weiteren Kreisen des Publikums herrscht ja heute diese oder jene Meinung über die Freimaurerei. Es ist heutzutage ja auch gar nicht so schwer, sich eine Meinung zu bilden, da doch eine ziemlich reiche Literatur besteht, die zum Teil von solchen geschrieben ist, die viele Dokumente erforscht haben, zum Teil aber auch Dinge enthält, von denen der Freimaurer sagen würde, daß sie von Verrätern in die Außenwelt gekommen seien. Wer sich mit dieser Literatur einigermaßen beschäftigt, wird sich von dem, um was es sich da handelt, einen gewissen Begriff machen. Indessen, einen richtigen Begriff davon zu bekommen ist ganz ausgeschlossen, und zwar deshalb, weil heute in noch erhöhterem Maße richtig ist, was Lessing, der selbst im Freimaurerbund war, gesagt hat. Als er nämlich aufgenommen worden war, fragte ihn der Meister vom Stuhl: Nun sehen Sie doch selbst, daß Sie in keine Dinge eingeweiht werden, die besonders staats- oder religionsfeindlich sind? — Und Lessing antwortete: Ja, ich muß gestehen, solche Dinge habe ich nicht erfahren. Ich wäre allerdings froh, wenn ich so etwas erfahren hätte, denn dann hätte ich doch wenigstens etwas erfahren.
[ 9 ] In weiteren Kreisen des Publikums herrscht ja heute diese oder jene Meinung über die Freimaurerei. Es ist heutzutage ja auch gar nicht so schwer, sich eine Meinung zu bilden, da doch eine ziemlich reiche Literatur besteht, die zum Teil von solchen geschrieben ist, die viele Dokumente erforscht haben, zum Teil aber auch Dinge enthält, von denen der Freimaurer sagen würde, daß sie von Verrätern in die Außenwelt gekommen seien. Wer sich mit dieser Literatur einigermaßen beschäftigt, wird sich von dem, um was es sich da handelt, einen gewissen Begriff machen. Indessen, einen richtigen Begriff davon zu bekommen ist ganz ausgeschlossen, und zwar deshalb, weil heute in noch erhöhterem Maße richtig ist, was Lessing, der selbst im Freimaurerbund war, gesagt hat. Als er nämlich aufgenommen worden war, fragte ihn der Meister vom Stuhl: Nun sehen Sie doch selbst, daß Sie in keine Dinge eingeweiht werden, die besonders staats- oder religionsfeindlich sind? — Und Lessing antwortete: Ja, ich muß gestehen, solche Dinge habe ich nicht erfahren. Ich wäre allerdings froh, wenn ich so etwas erfahren hätte, denn dann hätte ich doch wenigstens etwas erfahren.
[ 10 ] Das ist der Ausspruch eines Menschen, der mit richtigem Verstande die Sache ansehen konnte und der gestand, daß er durch das, was da getrieben worden ist, gar nichts erfahren hat. Sie können daraus aber wenigstens den Schluß ziehen, daß diejenigen, die außerhalb der Maurerei stehen, nichts wissen, daß aber auch diejenigen, welche innerhalb stehen, nichts Erhebliches wissen; sie kommen gewöhnlich zu dem Resultat, daß sie nichts besonderes profitiert haben. Und dennoch wäre es durchaus falsch, eine solche Schlußfolgerung zu ziehen.
[ 10 ] Das ist der Ausspruch eines Menschen, der mit richtigem Verstande die Sache ansehen konnte und der gestand, daß er durch das, was da getrieben worden ist, gar nichts erfahren hat. Sie können daraus aber wenigstens den Schluß ziehen, daß diejenigen, die außerhalb der Maurerei stehen, nichts wissen, daß aber auch diejenigen, welche innerhalb stehen, nichts Erhebliches wissen; sie kommen gewöhnlich zu dem Resultat, daß sie nichts besonderes profitiert haben. Und dennoch wäre es durchaus falsch, eine solche Schlußfolgerung zu ziehen.
[ 11 ] Nun gibt es noch eine andere Meinung, die indessen nicht viel mit dem eigentlich Freimaurerischen zu tun hat. Es gibt eine Schrift, 1875 erschienen, worin der Verfasser behauptet, daß der erste Freimaurer Adam gewesen wäre. Man kann allerdings bei dem Suchen nach dem Stifter einer Genossenschaft kaum weiter zurückgehen als bis auf den ersten Menschen.
[ 11 ] Nun gibt es noch eine andere Meinung, die indessen nicht viel mit dem eigentlich Freimaurerischen zu tun hat. Es gibt eine Schrift, 1875 erschienen, worin der Verfasser behauptet, daß der erste Freimaurer Adam gewesen wäre. Man kann allerdings bei dem Suchen nach dem Stifter einer Genossenschaft kaum weiter zurückgehen als bis auf den ersten Menschen.
[ 12 ] Andere behaupten, daß die Freimaurerei eine alte ägyptische Kunst sei, kurz, dasjenige, was man immer die «Königliche Kunst» genannt hat, und auch diese wird von einigen bis in die urältesten Zeiten zurückgeführt. Endlich sind viele Riten —- so nennt man die Art und Weise, wie sich die Freimaurer symbolisch betätigen — mit ägyptischen Namen belegt, so daß Sie schon in diesen Namen den Hinweis darauf haben, daß es sich um etwas handelt, was aus der alten ägyptischen Kultur herrührt. Jedenfalls ist die Meinung in und außerhalb der Maurerei verbreitet, daß sie etwas Uraltes ist.
[ 12 ] Andere behaupten, daß die Freimaurerei eine alte ägyptische Kunst sei, kurz, dasjenige, was man immer die «Königliche Kunst» genannt hat, und auch diese wird von einigen bis in die urältesten Zeiten zurückgeführt. Endlich sind viele Riten —- so nennt man die Art und Weise, wie sich die Freimaurer symbolisch betätigen — mit ägyptischen Namen belegt, so daß Sie schon in diesen Namen den Hinweis darauf haben, daß es sich um etwas handelt, was aus der alten ägyptischen Kultur herrührt. Jedenfalls ist die Meinung in und außerhalb der Maurerei verbreitet, daß sie etwas Uraltes ist.
[ 13 ] Nun ist die Maurerei etwas, was den Menschen schon zum Nachdenken veranlassen kann. Selbst an den Namen knüpfen sich zwei voneinander ganz verschiedene Auffassungen. Die eine behauptet — und das ist keine sehr große Partei innerhalb der Freimaurer -, daß alle Maurerei aus der Werkmaurerei, aus der Kunst, Gebäude zu erstellen, hervorgegangen sei; während die andere Partei das für eine kindlichnaive Auffassung erklärt und behauptet, daß die Freimaurerei in Wahrheit immer eine seelische Kunst gewesen sei und die von der Werkmaurerei hergenommenen Symbole -— wie zum Beispiel Schurzfell, Hammer, Kelle, Meißel, Zirkel, Lineal, Winkelmaß, Senkblei, Wasserwaage und so weiter - als Sinnbilder für die innere Arbeit am Menschen selbst zu betrachten seien. So daß unter dem Ausdruck «Maurerei» nichts anderes als das Bauen an dem inneren Menschen, die Arbeit an der eigenen Vervollkommnung zu verstehen sei. Wenn Sie heute mit einem Freimaurer sprechen, so können Sie erleben, daß man Ihnen sagt, es sei eine kindlich-naive Anschauung, zu glauben, daß die Freimaurerei jemals etwas zu tun gehabt hätte mit Werkmaurerei. Es habe sich vielmehr niemals um etwas anderes gehandelt als um das Bauen an dem Wundertempel, der der Schauplatz der menschlichen Seele ist, um die Arbeit an dieser Menschenseele selbst, die vervollkommnet werden soll, und um die Kunst, die man dazu anwenden muß. Dies alles sei dann, um es nicht vor profanen Augen bloßzustellen, in diesen Symbolen ausgedrückt worden.
[ 13 ] Nun ist die Maurerei etwas, was den Menschen schon zum Nachdenken veranlassen kann. Selbst an den Namen knüpfen sich zwei voneinander ganz verschiedene Auffassungen. Die eine behauptet — und das ist keine sehr große Partei innerhalb der Freimaurer -, daß alle Maurerei aus der Werkmaurerei, aus der Kunst, Gebäude zu erstellen, hervorgegangen sei; während die andere Partei das für eine kindlichnaive Auffassung erklärt und behauptet, daß die Freimaurerei in Wahrheit immer eine seelische Kunst gewesen sei und die von der Werkmaurerei hergenommenen Symbole -— wie zum Beispiel Schurzfell, Hammer, Kelle, Meißel, Zirkel, Lineal, Winkelmaß, Senkblei, Wasserwaage und so weiter - als Sinnbilder für die innere Arbeit am Menschen selbst zu betrachten seien. So daß unter dem Ausdruck «Maurerei» nichts anderes als das Bauen an dem inneren Menschen, die Arbeit an der eigenen Vervollkommnung zu verstehen sei. Wenn Sie heute mit einem Freimaurer sprechen, so können Sie erleben, daß man Ihnen sagt, es sei eine kindlich-naive Anschauung, zu glauben, daß die Freimaurerei jemals etwas zu tun gehabt hätte mit Werkmaurerei. Es habe sich vielmehr niemals um etwas anderes gehandelt als um das Bauen an dem Wundertempel, der der Schauplatz der menschlichen Seele ist, um die Arbeit an dieser Menschenseele selbst, die vervollkommnet werden soll, und um die Kunst, die man dazu anwenden muß. Dies alles sei dann, um es nicht vor profanen Augen bloßzustellen, in diesen Symbolen ausgedrückt worden.
[ 14 ] Von unserem heutigen Gesichtspunkte aus aufgefaßt, sind beide Anschauungen ganz und gar falsch. Und zwar aus dem Grunde, weil bezüglich der ersten Anschauung, der heutige Mensch - wenn er davon spricht, daß die Freimaurerei aus der Werkmaurerei hervorgegangen sei - sich das nicht mehr so bedeutsam denkt als es eigentlich gedacht werden muß; und weil die zweite Anschauung, daß die Symbole nur dazu da sind, um als Sinnbilder der Arbeit an der Seele zu dienen — auch wenn sie von der Majorität des Freimaurerbundes wie etwas unumstößlich Sicheres hingestellt wird -, im richtigen Sinne aufgefaßt, ein Unsinn ist. Viel richtiger ist es, daß die Freimaurerei mit der Werkmaurerei zusammenhängt, indessen nicht in der Art und Weise, wie man die Maurerei und Baukunst heute auffaßt, sondern in wesentlich tieferem Sinne.
[ 14 ] Von unserem heutigen Gesichtspunkte aus aufgefaßt, sind beide Anschauungen ganz und gar falsch. Und zwar aus dem Grunde, weil bezüglich der ersten Anschauung, der heutige Mensch - wenn er davon spricht, daß die Freimaurerei aus der Werkmaurerei hervorgegangen sei - sich das nicht mehr so bedeutsam denkt als es eigentlich gedacht werden muß; und weil die zweite Anschauung, daß die Symbole nur dazu da sind, um als Sinnbilder der Arbeit an der Seele zu dienen — auch wenn sie von der Majorität des Freimaurerbundes wie etwas unumstößlich Sicheres hingestellt wird -, im richtigen Sinne aufgefaßt, ein Unsinn ist. Viel richtiger ist es, daß die Freimaurerei mit der Werkmaurerei zusammenhängt, indessen nicht in der Art und Weise, wie man die Maurerei und Baukunst heute auffaßt, sondern in wesentlich tieferem Sinne.
[ 15 ] Es gibt innerhalb der Maurerei heute überall zwei Richtungen. Die eine ist vertreten durch die weitaus größere Anzahl derjenigen, die sich heute Maurer nennen. Und dieser weitaus größte Teil behauptet nun, daß alle Maurerei umfaßt werde durch das, was sie die sogenannte symbolische oder Johannesmaurerei nennen, die äußerlich zunächst dadurch charakterisiert wird, daß sie in die drei Grade zerfällt: den Lehrlings-, den Gesellen- und den Meistergrad; über das Innerliche werden wir gleich noch etwas zu sagen haben. Neben dieser Johannesmaurerei gibt es noch eine große Anzahl von Maurern, die behaupten, daß diese Johannesmaurerei nur ein Niedergangsprodukt der allgemeinen, großen maurerischen Idee sei. Ein Abfall von dieser großen maurerischen Idee sei es, wenn behauptet wird, es umfasse die Maurerei nur diese drei symbolischen oder Johannesgrade, während doch das Wesentliche, die große Bedeutung der Maurerei in den sogenannten Hochgraden liege, die am reinsten bewahrt seien in dem sogenannten schottischen oder angenommenen Ritus, in welchem in gewisser Beziehung konserviert werde das, was man den ägyptischen Ritus, den Misraim- oder Memphisritus nennt.
[ 15 ] Es gibt innerhalb der Maurerei heute überall zwei Richtungen. Die eine ist vertreten durch die weitaus größere Anzahl derjenigen, die sich heute Maurer nennen. Und dieser weitaus größte Teil behauptet nun, daß alle Maurerei umfaßt werde durch das, was sie die sogenannte symbolische oder Johannesmaurerei nennen, die äußerlich zunächst dadurch charakterisiert wird, daß sie in die drei Grade zerfällt: den Lehrlings-, den Gesellen- und den Meistergrad; über das Innerliche werden wir gleich noch etwas zu sagen haben. Neben dieser Johannesmaurerei gibt es noch eine große Anzahl von Maurern, die behaupten, daß diese Johannesmaurerei nur ein Niedergangsprodukt der allgemeinen, großen maurerischen Idee sei. Ein Abfall von dieser großen maurerischen Idee sei es, wenn behauptet wird, es umfasse die Maurerei nur diese drei symbolischen oder Johannesgrade, während doch das Wesentliche, die große Bedeutung der Maurerei in den sogenannten Hochgraden liege, die am reinsten bewahrt seien in dem sogenannten schottischen oder angenommenen Ritus, in welchem in gewisser Beziehung konserviert werde das, was man den ägyptischen Ritus, den Misraim- oder Memphisritus nennt.
[ 16 ] So haben wir zwei einander entgegenstehende Richtungen: die Johannesmaurerei und die Hochgradmaurerei. Die Johannesmaurer behaupten, daß die Hochgradmaurerei nichts weiter sei als ein Firlefanz, gegründet auf menschliche Eitelkeit, die sich darin gefällt, etwas Besonderes, geistig Aristokratisches für sich zu haben durch das Hinaufsteigen von Grad zu Grad, und damit groß zu tun, im Besitze des 18., 20. oder noch höheren Grades zu sein.
[ 16 ] So haben wir zwei einander entgegenstehende Richtungen: die Johannesmaurerei und die Hochgradmaurerei. Die Johannesmaurer behaupten, daß die Hochgradmaurerei nichts weiter sei als ein Firlefanz, gegründet auf menschliche Eitelkeit, die sich darin gefällt, etwas Besonderes, geistig Aristokratisches für sich zu haben durch das Hinaufsteigen von Grad zu Grad, und damit groß zu tun, im Besitze des 18., 20. oder noch höheren Grades zu sein.
[ 17 ] Sie haben jetzt schon ein ziemliches Bündel von Dingen kennengelernt, die geeignet sind, Mißverständnisse herbeizuführen.
[ 17 ] Sie haben jetzt schon ein ziemliches Bündel von Dingen kennengelernt, die geeignet sind, Mißverständnisse herbeizuführen.
[ 18 ] Die Hochgradmaurerei führt sich zurück auf die alten Mysterien, auf die Einrichtungen, wie sie von unserer Theosophie, soweit es möglich ist, beschrieben worden sind und beschrieben werden: auf Einrichtungen, wie sie in uralten Zeiten bestanden haben und auch heute noch bestehen, und die den Menschen das höhere übersinnliche Wissen bewahrten. Dieses dem Menschen zugängliche übersinnliche Wissen wurde jenen, die Zugang gewinnen konnten zu diesen Mystetienstätten, vermittelt, indem in ihnen gewisse übersinnliche Kräfte entwickelt wurden, die die Anschauung der übersinnlichen Welt ermöglichten. Innerhalb dieser Urmysterien - sie sind heute anders geworden und wir wollen darüber jetzt nicht sprechen - waren auch die Urkeime enthalten für alle spätere Geisteskultur. Denn, was in diesen Urmysterien vorgeführt worden ist, war nicht dasjenige, was heute die menschliche Kultur ausmacht.
[ 18 ] Die Hochgradmaurerei führt sich zurück auf die alten Mysterien, auf die Einrichtungen, wie sie von unserer Theosophie, soweit es möglich ist, beschrieben worden sind und beschrieben werden: auf Einrichtungen, wie sie in uralten Zeiten bestanden haben und auch heute noch bestehen, und die den Menschen das höhere übersinnliche Wissen bewahrten. Dieses dem Menschen zugängliche übersinnliche Wissen wurde jenen, die Zugang gewinnen konnten zu diesen Mystetienstätten, vermittelt, indem in ihnen gewisse übersinnliche Kräfte entwickelt wurden, die die Anschauung der übersinnlichen Welt ermöglichten. Innerhalb dieser Urmysterien - sie sind heute anders geworden und wir wollen darüber jetzt nicht sprechen - waren auch die Urkeime enthalten für alle spätere Geisteskultur. Denn, was in diesen Urmysterien vorgeführt worden ist, war nicht dasjenige, was heute die menschliche Kultur ausmacht.
[ 19 ] Wenn Sie die heutige Kultur erfassen wollen, und sich in sie vertiefen, so werden Sie finden, daß sie in drei Gebiete zerfällt: in das Gebiet der Weisheit, das Gebiet der Schönheit und das Gebiet der Stärke. In diesen drei Worten ist in der Tat der ganze Umfang der Geisteskultur enthalten. Man nennt sie daher auch die drei Säulen der menschlichen Kultur. Sie sind dasselbe wie die drei Könige in Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie: der goldene, der silberne und der eherne König. Damit hängt es zusammen, daß man die Freimaurerei die «Königliche Kunst» nennt. Heute sind diese Kulturgebiete voneinander getrennt. Die Weisheit ist im wesentlichen in dem enthalten, was wir Wissenschaft nennen; die Schönheit ist im wesentlichen in dem inkarniert, was wir die Kunst nennen; und was man, freimaurerisch gesprochen, die Stärke nennt, ist enthalten in dem gegliederten, organisierten sozialen Zusammenleben der Menschen in dem Staate. Das alles faßt der Maurer zusammen als das Verhältnis des Willens zu diesen drei Gliedern: Weisheit, Schönheit, Stärke.
[ 19 ] Wenn Sie die heutige Kultur erfassen wollen, und sich in sie vertiefen, so werden Sie finden, daß sie in drei Gebiete zerfällt: in das Gebiet der Weisheit, das Gebiet der Schönheit und das Gebiet der Stärke. In diesen drei Worten ist in der Tat der ganze Umfang der Geisteskultur enthalten. Man nennt sie daher auch die drei Säulen der menschlichen Kultur. Sie sind dasselbe wie die drei Könige in Goethes Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie: der goldene, der silberne und der eherne König. Damit hängt es zusammen, daß man die Freimaurerei die «Königliche Kunst» nennt. Heute sind diese Kulturgebiete voneinander getrennt. Die Weisheit ist im wesentlichen in dem enthalten, was wir Wissenschaft nennen; die Schönheit ist im wesentlichen in dem inkarniert, was wir die Kunst nennen; und was man, freimaurerisch gesprochen, die Stärke nennt, ist enthalten in dem gegliederten, organisierten sozialen Zusammenleben der Menschen in dem Staate. Das alles faßt der Maurer zusammen als das Verhältnis des Willens zu diesen drei Gliedern: Weisheit, Schönheit, Stärke.
[ 20 ] Was sie den Menschen geben sollten, floß in uralten Zeiten den Mysterienkandidaten aus der Anschauung der Mysteriengeheimnisse zu. Wir blicken da auf eine Zeit zurück, in der es Religion, Wissenschaft und Kunst noch nicht getrennt gegeben hat, sondern wo sie noch vereinigt waren. In der Tat, wer übersinnlich, astral anzuschauen vermag, hat die drei Glieder nicht getrennt vor sich: Weisheit, Schönheit und der Umkreis der Willensimpulse sind für ihn eine Einheit. Auf den höheren Gebieten des Schauens gibt es keine abstrakte Wissenschaft. Es gibt nur eine solche, die in Bildern, in dem lebt, was nur ein schattenhaftes Dasein in der Welt hat, und schattenhaft in der Imagination zum Ausdruck kommt. Nicht beschrieb man das, was in abstrakter Weise in Büchern, in dieser oder jener Schöpfungsurkunde zu lesen ist [über den Ursprung der Welt und des Menschen], sondern man führte es in lebendigen Bildern, farbenprächtig und tönend, an dem Auge des Schülers vorbei. Und was er da als Weisheit empfand, das war zu gleicher Zeit Kunst und Schönheit, war das, was in einem noch viel höheren Maße die Gefühle erregte, die wir haben, wenn wir vor erhabenen Kunstwerken stehen. Wahrheits- und Schönheitstrieb, Weisheits- und Kunsttrieb und auch das religiöse Moment haben sich gleichzeitig entwickelt. Das Künstlerauge schaute auf zu dem, was sich [in den Mysterien] abspielte, und der, welcher fromm sein wollte, fand in diesen höheren Vorgängen, die vor seinen Augen sich abspielten, den Gegenstand seiner religiösen Inbrunst. Religion, Kunst, Wissenschaft waren eins.
[ 20 ] Was sie den Menschen geben sollten, floß in uralten Zeiten den Mysterienkandidaten aus der Anschauung der Mysteriengeheimnisse zu. Wir blicken da auf eine Zeit zurück, in der es Religion, Wissenschaft und Kunst noch nicht getrennt gegeben hat, sondern wo sie noch vereinigt waren. In der Tat, wer übersinnlich, astral anzuschauen vermag, hat die drei Glieder nicht getrennt vor sich: Weisheit, Schönheit und der Umkreis der Willensimpulse sind für ihn eine Einheit. Auf den höheren Gebieten des Schauens gibt es keine abstrakte Wissenschaft. Es gibt nur eine solche, die in Bildern, in dem lebt, was nur ein schattenhaftes Dasein in der Welt hat, und schattenhaft in der Imagination zum Ausdruck kommt. Nicht beschrieb man das, was in abstrakter Weise in Büchern, in dieser oder jener Schöpfungsurkunde zu lesen ist [über den Ursprung der Welt und des Menschen], sondern man führte es in lebendigen Bildern, farbenprächtig und tönend, an dem Auge des Schülers vorbei. Und was er da als Weisheit empfand, das war zu gleicher Zeit Kunst und Schönheit, war das, was in einem noch viel höheren Maße die Gefühle erregte, die wir haben, wenn wir vor erhabenen Kunstwerken stehen. Wahrheits- und Schönheitstrieb, Weisheits- und Kunsttrieb und auch das religiöse Moment haben sich gleichzeitig entwickelt. Das Künstlerauge schaute auf zu dem, was sich [in den Mysterien] abspielte, und der, welcher fromm sein wollte, fand in diesen höheren Vorgängen, die vor seinen Augen sich abspielten, den Gegenstand seiner religiösen Inbrunst. Religion, Kunst, Wissenschaft waren eins.
[ 21 ] Dann kam die Zeit, in der sich diese Einheit in drei Kulturgebiete trennte, die Zeit, in der der Verstand seine eigenen Wege ging. In der Zeit, wo die Mysterien, die ich eben geschildert habe, ihre Bedeutung verloren, entstand die Wissenschaft. Sie wissen, daß die abendländische Philosophie und Wissenschaft, die eigentliche Wissenschaft mit Tales beginnt. Das ist die Zeit, als sie sich aus der einstigen Fülle des Mysterienlebens heraus entwickelte. Da begann auch das, was man im abendländischen Sinne als Kunst auffaßt: aus den Mysterien heraus entwickelte sich dann die griechische dramatische Kunst. Während man es in Indien bis zum ägyptischen Kultus zu tun hatte mit der leidenden und sterbenden Gottheit, hat man es bei den großen griechischen Tragödiendichtern - bei Äschylos, Sophokles und so weiter — mit einzelnen Personen zu tun, welche Abbilder sind der großen Gottheit, durch welche der Mysterienschüler in seinen Dramen die leidende, kämpfende, darbende Gottheit rekonstruiert und so den Gott den schauenden Menschen vorführt in seinen menschlichen Abbildern.
[ 21 ] Dann kam die Zeit, in der sich diese Einheit in drei Kulturgebiete trennte, die Zeit, in der der Verstand seine eigenen Wege ging. In der Zeit, wo die Mysterien, die ich eben geschildert habe, ihre Bedeutung verloren, entstand die Wissenschaft. Sie wissen, daß die abendländische Philosophie und Wissenschaft, die eigentliche Wissenschaft mit Tales beginnt. Das ist die Zeit, als sie sich aus der einstigen Fülle des Mysterienlebens heraus entwickelte. Da begann auch das, was man im abendländischen Sinne als Kunst auffaßt: aus den Mysterien heraus entwickelte sich dann die griechische dramatische Kunst. Während man es in Indien bis zum ägyptischen Kultus zu tun hatte mit der leidenden und sterbenden Gottheit, hat man es bei den großen griechischen Tragödiendichtern - bei Äschylos, Sophokles und so weiter — mit einzelnen Personen zu tun, welche Abbilder sind der großen Gottheit, durch welche der Mysterienschüler in seinen Dramen die leidende, kämpfende, darbende Gottheit rekonstruiert und so den Gott den schauenden Menschen vorführt in seinen menschlichen Abbildern.
[ 22 ] Wer verstehen will, was Aristoteles mit der Reinigung, der Katharsis meinte, der muß den Begriff aus dem Astralen, aus den Geheimnissen der Mysterien heraus erklären. Die Ausdrücke, die er [als Erklärung] für die Tragödie gebraucht, sind ein schattenhafter Abglanz dessen, was der Schüler in den Mysterien lernte. Erinnern Sie sich, wie Lessing nachforschte über die Seelenkräfte der Furcht und des Mitleids, die durch die Tragödie erregt werden sollen. Das hat seit Lessing den Gegenstand für manche große und gelehrte Diskussion abgegeben. In Wahrheit wurden diese Gefühle in [dem Mysterienschüler] erregt, wenn ihm der Gott in seinem Weltengange vorgeführt wurde. Da wurden die Leidenschaften, die in der Menschenseele vorhanden sind, geradezu aufgerüttelt, herausgeholt, wie man ein Fieber herausholt, und bis zu ihrem Höhepunkt gebracht. Dadurch trat die Reinigung ein, um dann zur Wiedergeburt schreiten zu können. Das alles trat in schattenhaften Abbildern in den alten griechischen Tragödien auf. Ebenso wie die Wissenschaft, so hat sich auch die Kunst aus diesen alten Mysterien heraus entwickelt.
[ 22 ] Wer verstehen will, was Aristoteles mit der Reinigung, der Katharsis meinte, der muß den Begriff aus dem Astralen, aus den Geheimnissen der Mysterien heraus erklären. Die Ausdrücke, die er [als Erklärung] für die Tragödie gebraucht, sind ein schattenhafter Abglanz dessen, was der Schüler in den Mysterien lernte. Erinnern Sie sich, wie Lessing nachforschte über die Seelenkräfte der Furcht und des Mitleids, die durch die Tragödie erregt werden sollen. Das hat seit Lessing den Gegenstand für manche große und gelehrte Diskussion abgegeben. In Wahrheit wurden diese Gefühle in [dem Mysterienschüler] erregt, wenn ihm der Gott in seinem Weltengange vorgeführt wurde. Da wurden die Leidenschaften, die in der Menschenseele vorhanden sind, geradezu aufgerüttelt, herausgeholt, wie man ein Fieber herausholt, und bis zu ihrem Höhepunkt gebracht. Dadurch trat die Reinigung ein, um dann zur Wiedergeburt schreiten zu können. Das alles trat in schattenhaften Abbildern in den alten griechischen Tragödien auf. Ebenso wie die Wissenschaft, so hat sich auch die Kunst aus diesen alten Mysterien heraus entwickelt.
[ 23 ] Auf diese alten Mysterien leiten die Hochgradmaurer ihren Ursprung zurück. In ihren Hochgraden haben sie nichts anderes als eine Nachbildung der Hochgrade der Mysterien, in welche die Mysterienschüler nach und nach eingeweiht worden sind. Nun können wir es auch begreifen, warum sich die Johannesmaurerei so sehr darauf versteift, daß es solche Hochgrade nicht mehr geben soll. Tatsächlich haben innerhalb der Freimaurerei in den letzten Jahrhunderten die Hochgrade mehr oder weniger ihre Bedeutung verloren. Was sich in den letzten Jahrhunderten in der Kultur abgespielt hat, ist zum groBen Teil ohne Impuls von dieser Seite gekommen. Aber es gab eine Zeit, in welcher gerade von dem, was die Freimaurerei sein soll, die großen Kulturimpulse ausgegangen sind. Um das zu verstehen, müssen wir ein klein wenig tiefer hineinschauen in ein Zeitalter, auf das ich hier schon öfter hingewiesen habe, heute aber in freimaurerischem Sinne hinweisen möchte: nämlich auf das 12. Jahrhundert unserer europäischen Kulturentwickelung.
[ 23 ] Auf diese alten Mysterien leiten die Hochgradmaurer ihren Ursprung zurück. In ihren Hochgraden haben sie nichts anderes als eine Nachbildung der Hochgrade der Mysterien, in welche die Mysterienschüler nach und nach eingeweiht worden sind. Nun können wir es auch begreifen, warum sich die Johannesmaurerei so sehr darauf versteift, daß es solche Hochgrade nicht mehr geben soll. Tatsächlich haben innerhalb der Freimaurerei in den letzten Jahrhunderten die Hochgrade mehr oder weniger ihre Bedeutung verloren. Was sich in den letzten Jahrhunderten in der Kultur abgespielt hat, ist zum groBen Teil ohne Impuls von dieser Seite gekommen. Aber es gab eine Zeit, in welcher gerade von dem, was die Freimaurerei sein soll, die großen Kulturimpulse ausgegangen sind. Um das zu verstehen, müssen wir ein klein wenig tiefer hineinschauen in ein Zeitalter, auf das ich hier schon öfter hingewiesen habe, heute aber in freimaurerischem Sinne hinweisen möchte: nämlich auf das 12. Jahrhundert unserer europäischen Kulturentwickelung.
[ 24 ] Damals spielte für die ganze moderne Kultur der Okkultismus, der unter den mannigfaltigsten Namen auftrat, eine viel größere Rolle, als man sich das heute überhaupt denken kann. Aber alle diese verschiedenen Namen tun heute nichts mehr zur Sache, und ich will Ihnen auch sagen, warum. An einem Beispiel aus der Freimaurerei selbst will ich Ihnen zeigen, warum diese Namen nichts Wesentliches zum Verständnis der Sache beitragen.
[ 24 ] Damals spielte für die ganze moderne Kultur der Okkultismus, der unter den mannigfaltigsten Namen auftrat, eine viel größere Rolle, als man sich das heute überhaupt denken kann. Aber alle diese verschiedenen Namen tun heute nichts mehr zur Sache, und ich will Ihnen auch sagen, warum. An einem Beispiel aus der Freimaurerei selbst will ich Ihnen zeigen, warum diese Namen nichts Wesentliches zum Verständnis der Sache beitragen.
[ 25 ] Das, was ich nun erzähle, kann jeder, der Lehrling in der Freimaurerei wird, schon erleben, und da diese Dinge wenigstens dem Namen nach bekannt sind, so kann ich das wohl auch sagen.
[ 25 ] Das, was ich nun erzähle, kann jeder, der Lehrling in der Freimaurerei wird, schon erleben, und da diese Dinge wenigstens dem Namen nach bekannt sind, so kann ich das wohl auch sagen.
[ 26 ] Ein üblicher Brauch ist das sogenannte «Decken». Wenn die Loge eröffnet wird, der Meister seinen Platz eingenommen hat und der Türaufseher an der Türe steht, dann ist die erste Frage des Meisters: Bruder Aufseher, ist die Loge gedeckt? — Der Maurer, die diesen Ausdruck: «Ist die Loge gedeckt?» — verstehen, sind wahrscheinlich sehr wenige. Da aber die Sache einfach ist, so kann ich Ihnen die Erklärung dieses Ausdrucks schon geben. Damals, in der Zeit, von der ich spreche, hieß Freimaurer sein soviel wie in heftigster Opposition zu stehen gegen alles, was die äußere, offizielle Macht hat. Daher war es notwendig, daß das Wirken des Freimaurerordens mit außerordentlich großer Vorsicht gepflegt wurde. Gerade aus diesem Grunde war es damals notwendig, daß die Freimaurerei unter verschiedenen Namen auftrat, die harmlos erschienen. Man nannte sich unter anderem auch Johannesbrüder und so weiter. Heute ist ein großer Teil dessen verwirklicht, was dazumal die Freimaurerei angestrebt hat. Heute ist sie selbst offiziell eine Macht in der Welt.
[ 26 ] Ein üblicher Brauch ist das sogenannte «Decken». Wenn die Loge eröffnet wird, der Meister seinen Platz eingenommen hat und der Türaufseher an der Türe steht, dann ist die erste Frage des Meisters: Bruder Aufseher, ist die Loge gedeckt? — Der Maurer, die diesen Ausdruck: «Ist die Loge gedeckt?» — verstehen, sind wahrscheinlich sehr wenige. Da aber die Sache einfach ist, so kann ich Ihnen die Erklärung dieses Ausdrucks schon geben. Damals, in der Zeit, von der ich spreche, hieß Freimaurer sein soviel wie in heftigster Opposition zu stehen gegen alles, was die äußere, offizielle Macht hat. Daher war es notwendig, daß das Wirken des Freimaurerordens mit außerordentlich großer Vorsicht gepflegt wurde. Gerade aus diesem Grunde war es damals notwendig, daß die Freimaurerei unter verschiedenen Namen auftrat, die harmlos erschienen. Man nannte sich unter anderem auch Johannesbrüder und so weiter. Heute ist ein großer Teil dessen verwirklicht, was dazumal die Freimaurerei angestrebt hat. Heute ist sie selbst offiziell eine Macht in der Welt.
[ 27 ] Wenn Sie mich fragen, worin eigentlich die Freimaurerei besteht, so muß ich Ihnen mit abstrakten Worten sagen: sie besteht darin, daß ihre Mitglieder einige Jahrhunderte die Ereignisse vorherdenken, die die Welt voranbringen sollen; daß sie die hohen Ideale der Menschheit in ganz bewußter Weise ausarbeiten, so daß diese Ideale nicht bloß abstrakte Ideen sind.
[ 27 ] Wenn Sie mich fragen, worin eigentlich die Freimaurerei besteht, so muß ich Ihnen mit abstrakten Worten sagen: sie besteht darin, daß ihre Mitglieder einige Jahrhunderte die Ereignisse vorherdenken, die die Welt voranbringen sollen; daß sie die hohen Ideale der Menschheit in ganz bewußter Weise ausarbeiten, so daß diese Ideale nicht bloß abstrakte Ideen sind.
[ 28 ] Wenn heute ein Maurer von Idealen redet und man ihn fragt, was er mit den höchsten Idealen meint, so sagt er: Die höchsten Ideale sind Weisheit, Schönheit und Stärke -; was aber bei genauerer Betrachtung meist nichts als Phrase ist. Wenn dazumal oder auch heute, von denen, die davon wirklich etwas verstehen, die Rede ist von diesen Idealen, so ist bei solchen Menschen von etwas ganz Bestimmtem die Rede; von etwas so Bestimmtem, das sich zum Verlaufe der Ereignisse in den nächsten Jahrhunderten so verhält, wie der Gedanke eines Baumeisters, der eine Fabrik baut, zu dieser Fabrik, wenn sie gebaut ist.
[ 28 ] Wenn heute ein Maurer von Idealen redet und man ihn fragt, was er mit den höchsten Idealen meint, so sagt er: Die höchsten Ideale sind Weisheit, Schönheit und Stärke -; was aber bei genauerer Betrachtung meist nichts als Phrase ist. Wenn dazumal oder auch heute, von denen, die davon wirklich etwas verstehen, die Rede ist von diesen Idealen, so ist bei solchen Menschen von etwas ganz Bestimmtem die Rede; von etwas so Bestimmtem, das sich zum Verlaufe der Ereignisse in den nächsten Jahrhunderten so verhält, wie der Gedanke eines Baumeisters, der eine Fabrik baut, zu dieser Fabrik, wenn sie gebaut ist.
[ 29 ] Damals [im 12. Jahrhundert] war es gefährlich, dasjenige [im voraus] zu wissen, was seither geschehen ist. Daher war es auch notwendig, harmlos klingende Namen als Decknamen zu benützen. Und davon kommt auch dieser Ausdruck: Ist diese Loge gedeckt? — was soviel heißt wie: Sind nur solche hier anwesend, die wirklich Bescheid wissen in diesen Dingen, die der Zukunft der Menschheitsentwickelung durch die Freimaurerei einverleibt werden sollen? - Denn jeder mußte sich sagen, treten wir in die Öffentlichkeit, dann darf uns niemand als Maurer erkennen. Diese früher notwendige Vorsichtsmaßregel hat sich bis in unsere Zeit hinein erhalten. Ob viele Maurer wissen, was damit gemeint ist, ist fraglich. Die meisten meinen, es sei irgendeine formelle Redensart, oder legen sie in mehr oder weniger geistreichem Sinne aus. So könnte ich Ihnen noch unzählige Beispiele anführen, welche Ihnen zeigen würden, wie äußere Verhältnisse dazu geführt haben, praktische Maßregeln anzuwenden, aus denen man sich heute bemüht, tiefsinnige symbolische Auslegungen herauszuholen.
[ 29 ] Damals [im 12. Jahrhundert] war es gefährlich, dasjenige [im voraus] zu wissen, was seither geschehen ist. Daher war es auch notwendig, harmlos klingende Namen als Decknamen zu benützen. Und davon kommt auch dieser Ausdruck: Ist diese Loge gedeckt? — was soviel heißt wie: Sind nur solche hier anwesend, die wirklich Bescheid wissen in diesen Dingen, die der Zukunft der Menschheitsentwickelung durch die Freimaurerei einverleibt werden sollen? - Denn jeder mußte sich sagen, treten wir in die Öffentlichkeit, dann darf uns niemand als Maurer erkennen. Diese früher notwendige Vorsichtsmaßregel hat sich bis in unsere Zeit hinein erhalten. Ob viele Maurer wissen, was damit gemeint ist, ist fraglich. Die meisten meinen, es sei irgendeine formelle Redensart, oder legen sie in mehr oder weniger geistreichem Sinne aus. So könnte ich Ihnen noch unzählige Beispiele anführen, welche Ihnen zeigen würden, wie äußere Verhältnisse dazu geführt haben, praktische Maßregeln anzuwenden, aus denen man sich heute bemüht, tiefsinnige symbolische Auslegungen herauszuholen.
[ 30 ] Nun aber zu dem eigentlichen Kern dessen, was man dazumal im 12. Jahrhundert gewollt hat. Das ist ausgedrückt in der symbolisch tief bedeutsamen Sage vom Heiligen Gral, von jenem wundersamen Gefäß, das aus dem fernen Morgenlande stammen und die Kraft haben soll, Menschen zu verjüngen, Totes zum Leben zu rufen und so weiter.
[ 30 ] Nun aber zu dem eigentlichen Kern dessen, was man dazumal im 12. Jahrhundert gewollt hat. Das ist ausgedrückt in der symbolisch tief bedeutsamen Sage vom Heiligen Gral, von jenem wundersamen Gefäß, das aus dem fernen Morgenlande stammen und die Kraft haben soll, Menschen zu verjüngen, Totes zum Leben zu rufen und so weiter.
[ 31 ] Was ist nun der Heilige Gral - jetzt freimaurerisch gesprochen — und was ist dasjenige, was der ganzen Sage zugrunde liegt? Wir kommen am leichtesten dazu, zu erkennen, was der Sage zugrunde liegt, wenn wir uns vergegenwärtigen ein Symbol gewisser freimaurerischer Vereinigungen, das in denkbar plumpster Weise heute mißverstanden wird. Es ist ein Symbol, das aus dem Geschlechtsleben entnommen ist. Es ist durchaus wahr, daß gerade dasjenige, was zu den tiefsten Geheimnissen der Freimaurerei gehört, aus dem Geschlechtsleben hergenommene Symbole hat, und daß viele, die heute solche Symbole zu deuten versuchen, nur ihrer eigenen schmutzigen Phantasie folgen, wenn sie diese Symbole in geistig unreinem Sinne auffassen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Ausdeutung dieser Geschlechtssymbole in nächster Zeit keine geringe Rolle spielen wird, und daß gerade dies in nächster Zeit zeigen wird, wie schlimm es den alten freimaurerischen, großen Geheimnissen in der heutigen Zeit ergeht, und auf der anderen Seite, wie notwendig es in dieser heutigen Zeit ist, die reine, edle und tiefe Grundlage der freimaurerischen Symbole hehr und unangetastet zu erhalten.
[ 31 ] Was ist nun der Heilige Gral - jetzt freimaurerisch gesprochen — und was ist dasjenige, was der ganzen Sage zugrunde liegt? Wir kommen am leichtesten dazu, zu erkennen, was der Sage zugrunde liegt, wenn wir uns vergegenwärtigen ein Symbol gewisser freimaurerischer Vereinigungen, das in denkbar plumpster Weise heute mißverstanden wird. Es ist ein Symbol, das aus dem Geschlechtsleben entnommen ist. Es ist durchaus wahr, daß gerade dasjenige, was zu den tiefsten Geheimnissen der Freimaurerei gehört, aus dem Geschlechtsleben hergenommene Symbole hat, und daß viele, die heute solche Symbole zu deuten versuchen, nur ihrer eigenen schmutzigen Phantasie folgen, wenn sie diese Symbole in geistig unreinem Sinne auffassen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Ausdeutung dieser Geschlechtssymbole in nächster Zeit keine geringe Rolle spielen wird, und daß gerade dies in nächster Zeit zeigen wird, wie schlimm es den alten freimaurerischen, großen Geheimnissen in der heutigen Zeit ergeht, und auf der anderen Seite, wie notwendig es in dieser heutigen Zeit ist, die reine, edle und tiefe Grundlage der freimaurerischen Symbole hehr und unangetastet zu erhalten.
[ 32 ] Diejenigen, die meinen neulichen Vortrag bei der Generalversammlung angehört haben, wissen, daß es mit der eigentlichen ursprünglichen Bedeutung dieser Symbole zusammenhängt, warum man bis vor kurzer Zeit keine Frauen zur Maurerei zugelassen hat, und warum bis vor kurzem über solche Dinge nur getrennt zu Männern und Frauen gesprochen werden konnte. Andererseits wissen Sie auch, daß diese Symbole zusammenhängen - und das betone ich noch ganz besonders - mit den zwei durch die ganze Welt gehenden und auch bis in die höchsten geistigen Gebiete hinaufragenden großen Strömungen, die uns als das Gesetz der Polarität auch in den Kräften des Männlichen und Weiblichen entgegentreten. Innerhalb derjenigen Kultur, die für uns in Betracht kommt, drückt die freimaurerische Sprache in dem weiblichen Prinzip auf geistigem Gebiete - auf dem geistigen Gebiete, welches für die Kulturentwickelung zunächst in Betracht kommt - das Priesterprinzip aus. Die Priesterherrschaft wird durch das Weibliche ausgedrückt. Das männliche Prinzip ist dagegen alles dasjenige, was der Widerpart dieser Priesterherrschaft ist, so aber, daß dieser Widerpart nicht minder das Heiligste, das Edelste, das Größte und Geistigste in der Welt zu vertreten hat. Zwei Strömungen sind es also, mit denen wir es zu tun haben: eine weibliche und eine männliche Strömung. Den Repräsentanten der weiblichen sieht der Maurer in Abel, den der männlichen in Kain.
[ 32 ] Diejenigen, die meinen neulichen Vortrag bei der Generalversammlung angehört haben, wissen, daß es mit der eigentlichen ursprünglichen Bedeutung dieser Symbole zusammenhängt, warum man bis vor kurzer Zeit keine Frauen zur Maurerei zugelassen hat, und warum bis vor kurzem über solche Dinge nur getrennt zu Männern und Frauen gesprochen werden konnte. Andererseits wissen Sie auch, daß diese Symbole zusammenhängen - und das betone ich noch ganz besonders - mit den zwei durch die ganze Welt gehenden und auch bis in die höchsten geistigen Gebiete hinaufragenden großen Strömungen, die uns als das Gesetz der Polarität auch in den Kräften des Männlichen und Weiblichen entgegentreten. Innerhalb derjenigen Kultur, die für uns in Betracht kommt, drückt die freimaurerische Sprache in dem weiblichen Prinzip auf geistigem Gebiete - auf dem geistigen Gebiete, welches für die Kulturentwickelung zunächst in Betracht kommt - das Priesterprinzip aus. Die Priesterherrschaft wird durch das Weibliche ausgedrückt. Das männliche Prinzip ist dagegen alles dasjenige, was der Widerpart dieser Priesterherrschaft ist, so aber, daß dieser Widerpart nicht minder das Heiligste, das Edelste, das Größte und Geistigste in der Welt zu vertreten hat. Zwei Strömungen sind es also, mit denen wir es zu tun haben: eine weibliche und eine männliche Strömung. Den Repräsentanten der weiblichen sieht der Maurer in Abel, den der männlichen in Kain.
[ 33 ] Damit kommen wir auf den Grundgedanken der Maurerei, der nun allerdings alt, uralt ist. Die Maurerei ist in alten Zeiten als Widerpart der Priesterkultur entstanden. Nun müssen wir uns aber auch dasjenige, was unter Priesterkultur verstanden worden ist, in der richtigen Weise klarmachen.
[ 33 ] Damit kommen wir auf den Grundgedanken der Maurerei, der nun allerdings alt, uralt ist. Die Maurerei ist in alten Zeiten als Widerpart der Priesterkultur entstanden. Nun müssen wir uns aber auch dasjenige, was unter Priesterkultur verstanden worden ist, in der richtigen Weise klarmachen.
[ 34 ] Das, worum es sich hier handelt, hat nichts mit kleinlicher Opposition gegen Kirchen oder Glaubensbekenntnisse zu tun. Priesterart kann nämlich bei vollkommenstem Laientum auftreten. Aber auch dasjenige, was heute als Wissenschaft auftritt und in vielen geistigen Zünften herrscht, ist nichts anderes als das, was man, maurerisch ausgedrückt, das Priesterelement nennt; und anderes wiederum ist im tiefsten Sinne maurerisch. Wir müssen uns also die Dinge in ihrer ganzen Tiefe vorstellen, wenn wir sie richtig erkennen wollen. Daß das, was in der Wissenschaft auftritt, vielfach dasjenige ist, was der Maurer als Priesterelement bezeichnet, möchte ich Ihnen an einem Beispiele klarmachen.
[ 34 ] Das, worum es sich hier handelt, hat nichts mit kleinlicher Opposition gegen Kirchen oder Glaubensbekenntnisse zu tun. Priesterart kann nämlich bei vollkommenstem Laientum auftreten. Aber auch dasjenige, was heute als Wissenschaft auftritt und in vielen geistigen Zünften herrscht, ist nichts anderes als das, was man, maurerisch ausgedrückt, das Priesterelement nennt; und anderes wiederum ist im tiefsten Sinne maurerisch. Wir müssen uns also die Dinge in ihrer ganzen Tiefe vorstellen, wenn wir sie richtig erkennen wollen. Daß das, was in der Wissenschaft auftritt, vielfach dasjenige ist, was der Maurer als Priesterelement bezeichnet, möchte ich Ihnen an einem Beispiele klarmachen.
[ 35 ] Wer wird heute, wenn er Mediziner ist, nicht furchtbar hohnlachen, wenn man ihm von dem Heilwert der Quelle von Lourdes redete? Andererseits, welcher Mediziner wird es nicht als selbstverständlich betrachten, daß es für gewisse Leute das Rationellste ist, wenn sie nach Wiesbaden oder Karlsbad gehen? Ich weiß, daß ich etwas furchtbar Ketzerisches ausspreche; ich vertrete aber nicht das Priesterprinzip und auch nicht die Medizin; aber es wird schon eine Zeit kommen, wo man unbefangen über beide urteilen wird. Und wenn es heute eine wirkliche Medizin gäbe, so gehörte zu den Dingen, die der Arzt verordnet, auch mit der Glaube an die Heilkraft. Dann wären aber die Gründe, aus welchen er jemanden nach Karlsbad schickt, dieselben wie die, wenn ein anderer jemanden nach Lourdes schickt. Nennen Sie es auf der einen Seite die größte Frömmigkeit, auf der anderen Seite den krassesten Aberglauben: es ist letzten Endes dieselbe Sache.
[ 35 ] Wer wird heute, wenn er Mediziner ist, nicht furchtbar hohnlachen, wenn man ihm von dem Heilwert der Quelle von Lourdes redete? Andererseits, welcher Mediziner wird es nicht als selbstverständlich betrachten, daß es für gewisse Leute das Rationellste ist, wenn sie nach Wiesbaden oder Karlsbad gehen? Ich weiß, daß ich etwas furchtbar Ketzerisches ausspreche; ich vertrete aber nicht das Priesterprinzip und auch nicht die Medizin; aber es wird schon eine Zeit kommen, wo man unbefangen über beide urteilen wird. Und wenn es heute eine wirkliche Medizin gäbe, so gehörte zu den Dingen, die der Arzt verordnet, auch mit der Glaube an die Heilkraft. Dann wären aber die Gründe, aus welchen er jemanden nach Karlsbad schickt, dieselben wie die, wenn ein anderer jemanden nach Lourdes schickt. Nennen Sie es auf der einen Seite die größte Frömmigkeit, auf der anderen Seite den krassesten Aberglauben: es ist letzten Endes dieselbe Sache.
[ 36 ] Was einem solcherart verstandenen Priesterprinzip zugrunde liegt, können wir bezeichnen als ein den Dingen nicht bis auf den Grund Gehen, als ein Hinnehmen der Dinge, wie sie sich von irgendwoher in der Welt darbieten, und mit diesem Gegebenen zufrieden sein. Das Symbol für dasjenige, wofür der Mensch nichts kann, das eigentliche Sinnbild für das, was dem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes geschenkt wird, das ist vom Geschlechtsleben hergenommen worden. Da ist der Mensch produktiv. Aber was sich in dieser Produktionskraft ausdrückt, hat nichts mit menschlicher Kunst, nichts mit menschlichem Wissen zu tun und nichts mit menschlichem Können. Da ist ausgeschlossen, was sich in den drei Säulen der «Königlichen Kunst» zum Ausdrucke bringen läßt. Wenn daher gewisse Freimaurer die geschlechtlichen Symbole vor das Menschengeschlecht hinstellen, so wollen sie damit sagen: Darin drückt sich die menschliche Natur aus, nicht wie der Mensch sie gemacht hat, sondern so, wie sie ihm von den Göttern gegeben worden ist. Dies findet seinen Ausdruck in Abel, dem Jäger und Hirten, der das Opfertier, das Opferlamm opfert, also das, wozu er selbst nichts getan hat um es hervorzubringen, was ohne ihn geworden ist.
[ 36 ] Was einem solcherart verstandenen Priesterprinzip zugrunde liegt, können wir bezeichnen als ein den Dingen nicht bis auf den Grund Gehen, als ein Hinnehmen der Dinge, wie sie sich von irgendwoher in der Welt darbieten, und mit diesem Gegebenen zufrieden sein. Das Symbol für dasjenige, wofür der Mensch nichts kann, das eigentliche Sinnbild für das, was dem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes geschenkt wird, das ist vom Geschlechtsleben hergenommen worden. Da ist der Mensch produktiv. Aber was sich in dieser Produktionskraft ausdrückt, hat nichts mit menschlicher Kunst, nichts mit menschlichem Wissen zu tun und nichts mit menschlichem Können. Da ist ausgeschlossen, was sich in den drei Säulen der «Königlichen Kunst» zum Ausdrucke bringen läßt. Wenn daher gewisse Freimaurer die geschlechtlichen Symbole vor das Menschengeschlecht hinstellen, so wollen sie damit sagen: Darin drückt sich die menschliche Natur aus, nicht wie der Mensch sie gemacht hat, sondern so, wie sie ihm von den Göttern gegeben worden ist. Dies findet seinen Ausdruck in Abel, dem Jäger und Hirten, der das Opfertier, das Opferlamm opfert, also das, wozu er selbst nichts getan hat um es hervorzubringen, was ohne ihn geworden ist.
[ 37 ] Kain dagegen, was opfert er? Er opfert das, was er selbst erarbeitet hat, was er an Früchten des Feldes gewonnen hat, indem er den Erdengrund beackert. Er opfert dasjenige, wozu menschliche Kunst, Wissen und Weisheit nötig war; dasjenige, was man überschauen können muß, wo einem klar sein muß, was man selbst gemacht hat, was sich in geistigem Sinne auf die Freiheit, auf die Selbstbestimmung des Menschen gründet. Das muß man sich erkaufen mit der Schuld, damit, daß man zunächst das von der Natur oder von den göttlichen Mächten geschenkte Lebendige tötet, so wie Kain den Abel getötet hat.
[ 37 ] Kain dagegen, was opfert er? Er opfert das, was er selbst erarbeitet hat, was er an Früchten des Feldes gewonnen hat, indem er den Erdengrund beackert. Er opfert dasjenige, wozu menschliche Kunst, Wissen und Weisheit nötig war; dasjenige, was man überschauen können muß, wo einem klar sein muß, was man selbst gemacht hat, was sich in geistigem Sinne auf die Freiheit, auf die Selbstbestimmung des Menschen gründet. Das muß man sich erkaufen mit der Schuld, damit, daß man zunächst das von der Natur oder von den göttlichen Mächten geschenkte Lebendige tötet, so wie Kain den Abel getötet hat.
[ 38 ] Durch die Schuld geht der Weg zur Freiheit. Alles, was hervorgebracht wird in der Welt - und woran der Mensch höchstens tätig sein kann durch seine Zutat -, alles, was dem Menschen von den göttlichen Mächten geschenkt wird, was da ist, ohne daß er selbst dabei rastlos Hand anzulegen braucht, das ist uns zunächst in den Reichen der Natur gegeben, über die wir keine Herrschaft haben, in den Reichen der Natur, deren Kräfte der menschlichen Mitwirkung entzogen sind: im Pflanzen-, Tier- und Menschenreiche, insofern es sich in diesen Reichen um das physische Hervorbringen handelt. Alle Fortpflanzungskraft in diesen Reichen ist uns von der Natur geschenkt. Insofern wir das Lebendige zu unserem Gebrauche hinnehmen, indem wir die Welt, die sich aufbaut aus dem Lebendigen, zu unserem Wohnplatze machen, opfern wir das gegebene Opfertier, wie Abel das ihm gegebene Opfertier opferte.
[ 38 ] Durch die Schuld geht der Weg zur Freiheit. Alles, was hervorgebracht wird in der Welt - und woran der Mensch höchstens tätig sein kann durch seine Zutat -, alles, was dem Menschen von den göttlichen Mächten geschenkt wird, was da ist, ohne daß er selbst dabei rastlos Hand anzulegen braucht, das ist uns zunächst in den Reichen der Natur gegeben, über die wir keine Herrschaft haben, in den Reichen der Natur, deren Kräfte der menschlichen Mitwirkung entzogen sind: im Pflanzen-, Tier- und Menschenreiche, insofern es sich in diesen Reichen um das physische Hervorbringen handelt. Alle Fortpflanzungskraft in diesen Reichen ist uns von der Natur geschenkt. Insofern wir das Lebendige zu unserem Gebrauche hinnehmen, indem wir die Welt, die sich aufbaut aus dem Lebendigen, zu unserem Wohnplatze machen, opfern wir das gegebene Opfertier, wie Abel das ihm gegebene Opfertier opferte.
[ 39 ] Das Symbol dieser drei Reiche ist das Kreuz. Der untere Balken symbolisiert das Pflanzenreich, der mittlere, der Querbalken, das Tierreich, der obere das Menschenreich.
[ 39 ] Das Symbol dieser drei Reiche ist das Kreuz. Der untere Balken symbolisiert das Pflanzenreich, der mittlere, der Querbalken, das Tierreich, der obere das Menschenreich.
[ 40 ] Die Pflanze ist mit der Wurzel in den Erdboden hineingesenkt und richtet in der Blüte dasjenige nach aufwärts, was der Mensch nach abwärts gerichtet hat. Was in der Blüte zum Vorschein kommt, ist das Sexuelle, das Geschlechtliche der Pflanze. Der nach abwärts gerichtete Teil, die Wurzel, ist der in die Erde versenkte Kopf der Pflanze. Das Tier ist die halbgewendete Pflanze und trägt das Rückgrat horizontal zu dem Erdboden. Die ganz umgewendete Pflanze, so daß das Untere nach oben gerichtet ist, ist der Mensch.
[ 40 ] Die Pflanze ist mit der Wurzel in den Erdboden hineingesenkt und richtet in der Blüte dasjenige nach aufwärts, was der Mensch nach abwärts gerichtet hat. Was in der Blüte zum Vorschein kommt, ist das Sexuelle, das Geschlechtliche der Pflanze. Der nach abwärts gerichtete Teil, die Wurzel, ist der in die Erde versenkte Kopf der Pflanze. Das Tier ist die halbgewendete Pflanze und trägt das Rückgrat horizontal zu dem Erdboden. Die ganz umgewendete Pflanze, so daß das Untere nach oben gerichtet ist, ist der Mensch.


[ 41 ] Diese Anschauung liegt allen Mysterien des Kreuzes zugrunde. Und wenn uns die Theosophie zeigt, wie der Mensch im Laufe seiner Entwickelung durch die verschiedenen Reiche, durch das Pflanzen-, Tier- und Menschentreich hindurchgehen muß, dann ist das dasselbe, was Plato mit den schönen Worten ausdrückt: Die Weltenseele ist an das Kreuz des Weltenleibes geschlagen. - Die Menschenseele ist ein Funke der Weltenseele, und der Mensch als physischer Mensch ist zu gleicher Zeit Pflanze, Tier und physischer Mensch. Indem die Weltenseele sich auseinandergespalten hat in die einzelnen Funken der Menschenseelen, ist sie gewissermaßen an das Weltenkreuz geschlagen worden, an das, was in den drei Reichen — Pflanzen-, Tier- und Menschenreich - zum Ausdruck kommt. In diesen Reichen wirken Kräfte, die der Mensch nicht meistert. Will er Meister werden, dann muß er ein neues Reich zu seinem Ureigensten machen, das nicht im Kreuze ausgedrückt ist.
[ 41 ] Diese Anschauung liegt allen Mysterien des Kreuzes zugrunde. Und wenn uns die Theosophie zeigt, wie der Mensch im Laufe seiner Entwickelung durch die verschiedenen Reiche, durch das Pflanzen-, Tier- und Menschentreich hindurchgehen muß, dann ist das dasselbe, was Plato mit den schönen Worten ausdrückt: Die Weltenseele ist an das Kreuz des Weltenleibes geschlagen. - Die Menschenseele ist ein Funke der Weltenseele, und der Mensch als physischer Mensch ist zu gleicher Zeit Pflanze, Tier und physischer Mensch. Indem die Weltenseele sich auseinandergespalten hat in die einzelnen Funken der Menschenseelen, ist sie gewissermaßen an das Weltenkreuz geschlagen worden, an das, was in den drei Reichen — Pflanzen-, Tier- und Menschenreich - zum Ausdruck kommt. In diesen Reichen wirken Kräfte, die der Mensch nicht meistert. Will er Meister werden, dann muß er ein neues Reich zu seinem Ureigensten machen, das nicht im Kreuze ausgedrückt ist.
[ 42 ] Wenn ich über diesen Gegenstand rede, dann wird oft gefragt: Wo bleibt denn das Mineralreich? — Das Mineralreich ist nicht im Kreuze symbolisiert. Denn es ist dasjenige Reich, in welchem sich der Mensch schon heute in heller, lichter Klarheit äußern kann, wo er die Kunst des Wägens und Zählens, der Geometrie und Arithmetik, kurz alle die Dinge, die der unorganischen Natur angehören, auf das Unorganische, das mineralische Reich anwenden lernt.
[ 42 ] Wenn ich über diesen Gegenstand rede, dann wird oft gefragt: Wo bleibt denn das Mineralreich? — Das Mineralreich ist nicht im Kreuze symbolisiert. Denn es ist dasjenige Reich, in welchem sich der Mensch schon heute in heller, lichter Klarheit äußern kann, wo er die Kunst des Wägens und Zählens, der Geometrie und Arithmetik, kurz alle die Dinge, die der unorganischen Natur angehören, auf das Unorganische, das mineralische Reich anwenden lernt.
[ 43 ] Wenn Sie einen Tempel vor sich haben, so wissen Sie, daß ihn der Mensch aufgerichtet hat mit Richtmaß, Zirkel, Dreieck, Senkblei und Wasserwaage und endlich mit den Gedanken, die die unorganische Natur dem Architekten in der Geometrie und Mechanik überliefert hat. Und wenn Sie den ganzen Tempel durchdringen, so werden Sie finden, daß dieser Tempel, sofern er unlebendig ist, aus menschlicher Freiheit und Kopfarbeit hervorgegangen ist. Das können Sie aber nicht sagen, wenn Sie eine Pflanze oder ein Tier der menschlichen Betrachtung unterwerfen.
[ 43 ] Wenn Sie einen Tempel vor sich haben, so wissen Sie, daß ihn der Mensch aufgerichtet hat mit Richtmaß, Zirkel, Dreieck, Senkblei und Wasserwaage und endlich mit den Gedanken, die die unorganische Natur dem Architekten in der Geometrie und Mechanik überliefert hat. Und wenn Sie den ganzen Tempel durchdringen, so werden Sie finden, daß dieser Tempel, sofern er unlebendig ist, aus menschlicher Freiheit und Kopfarbeit hervorgegangen ist. Das können Sie aber nicht sagen, wenn Sie eine Pflanze oder ein Tier der menschlichen Betrachtung unterwerfen.
[ 44 ] So sehen Sie, daß das, was der Mensch meistert, worin er Meister sein kann, bis heute das Reich des Unlebendigen ist. Und alles, was der Mensch aus dem unlebendigen Reiche in Harmonie und Ordnung überführt, ist das Symbol seiner königlichen Kunst auf Erden. Was er mit dieser seiner königlichen Kunst in dieses Mineralreich hineinlegt, das ist der Ausfluß und die Inkarnation der göttlichen Weisheit zunächst gewesen. Gehen Sie zurück in die Zeit der alten Chaldäer, der alten Ägypter, wo man nicht bloß mit dem Verstande gebaut hat, sondern alles mit hohen Empfindungen durchdrang, da hat man die Bemeisterung der unorganischen Natur als «Königliche Kunst» empfunden. Und deshalb hat man diese Bemeisterung der Natur dann als «freie Maurerei» bezeichnet. Mag dies zunächst als Phantasie erscheinen, es ist aber mehr als das.
[ 44 ] So sehen Sie, daß das, was der Mensch meistert, worin er Meister sein kann, bis heute das Reich des Unlebendigen ist. Und alles, was der Mensch aus dem unlebendigen Reiche in Harmonie und Ordnung überführt, ist das Symbol seiner königlichen Kunst auf Erden. Was er mit dieser seiner königlichen Kunst in dieses Mineralreich hineinlegt, das ist der Ausfluß und die Inkarnation der göttlichen Weisheit zunächst gewesen. Gehen Sie zurück in die Zeit der alten Chaldäer, der alten Ägypter, wo man nicht bloß mit dem Verstande gebaut hat, sondern alles mit hohen Empfindungen durchdrang, da hat man die Bemeisterung der unorganischen Natur als «Königliche Kunst» empfunden. Und deshalb hat man diese Bemeisterung der Natur dann als «freie Maurerei» bezeichnet. Mag dies zunächst als Phantasie erscheinen, es ist aber mehr als das.
[ 45 ] Stellen Sie sich einmal den Augenblick, den Zeitpunkt unserer Erdenentwickelung vor, wo noch kein Mensch Hand angelegt hatte an die Gestaltung der unorganischen Natur, wo der ganze Erdball dem Menschen überliefert war, so wie er aus der Natur entlassen worden ist! Und was ist dann geschehen? Blicken Sie zurück auf den Bau der ägyptischen Pyramiden, wie da Stein auf Stein durch Menschenwerk zusammengefügt worden ist. Durch menschliches Denken ist das, was die Natur geformt hat, in neue Formen verwandelt worden. So hat die menschliche Weisheit die Erde umgebildet. Das empfand man als die eigentliche Mission des freien, des bauenden Menschen auf der Erde. Durch die mannigfaltigen Werkzeuge haben des Menschen Kräfte seit den Urzeiten bis in unsere Zeit hinein, wo die menschliche Kraft ohne mechanische Vermittlung bis in die fernsten Fernen wirken kann, die allmähliche Umgestaltung des Mineralischen aus menschlicher Weisheit heraus bewirkt. Und das ist die erste Säule, die Säule der Weisheit.
[ 45 ] Stellen Sie sich einmal den Augenblick, den Zeitpunkt unserer Erdenentwickelung vor, wo noch kein Mensch Hand angelegt hatte an die Gestaltung der unorganischen Natur, wo der ganze Erdball dem Menschen überliefert war, so wie er aus der Natur entlassen worden ist! Und was ist dann geschehen? Blicken Sie zurück auf den Bau der ägyptischen Pyramiden, wie da Stein auf Stein durch Menschenwerk zusammengefügt worden ist. Durch menschliches Denken ist das, was die Natur geformt hat, in neue Formen verwandelt worden. So hat die menschliche Weisheit die Erde umgebildet. Das empfand man als die eigentliche Mission des freien, des bauenden Menschen auf der Erde. Durch die mannigfaltigen Werkzeuge haben des Menschen Kräfte seit den Urzeiten bis in unsere Zeit hinein, wo die menschliche Kraft ohne mechanische Vermittlung bis in die fernsten Fernen wirken kann, die allmähliche Umgestaltung des Mineralischen aus menschlicher Weisheit heraus bewirkt. Und das ist die erste Säule, die Säule der Weisheit.
[ 46 ] Etwas später sehen wir die zweite Säule einsetzen: die Säule der Schönheit, der Kunst. Durch die Kunst wird ebenfalls der menschliche Geist in den unlebendigen Stoff ergossen, wodurch wieder eine Beseelung (Besiegung) des in der Natur befindlichen Unlebendigen stattfindet. Versuchen Sie einmal sich zu vergegenwärtigen, wie, allmählich übergehend, die Weisheit in der Kunst die leblose Natur bemeistert, und Sie werden sehen, wie Stück um Stück desjenigen, was ohne Betätigung des Menschen da ist, durch den Menschen selbst umgestaltet wird. Stellen Sie sich meinetwegen in phantastischer Weise den Moment vor, in dem die ganze Erde von menschlicher Hand umgestaltet sein wird, in dem die ganze Erde ein weisheitsvolles und schönheitsstrahlendes Kunstwerk geworden sein wird, aufgebaut von Menschenhand, ersonnen von Menschenweisheit! Phantastisch mag es erscheinen; es ist aber mehr als das. Denn es ist die Mission des menschlichen Geschlechtes auf Erden, den Erdball künstlerisch umzugestalten. Das haben Sie ausgedrückt in der zweiten Säule, der Säule der Schönheit.
[ 46 ] Etwas später sehen wir die zweite Säule einsetzen: die Säule der Schönheit, der Kunst. Durch die Kunst wird ebenfalls der menschliche Geist in den unlebendigen Stoff ergossen, wodurch wieder eine Beseelung (Besiegung) des in der Natur befindlichen Unlebendigen stattfindet. Versuchen Sie einmal sich zu vergegenwärtigen, wie, allmählich übergehend, die Weisheit in der Kunst die leblose Natur bemeistert, und Sie werden sehen, wie Stück um Stück desjenigen, was ohne Betätigung des Menschen da ist, durch den Menschen selbst umgestaltet wird. Stellen Sie sich meinetwegen in phantastischer Weise den Moment vor, in dem die ganze Erde von menschlicher Hand umgestaltet sein wird, in dem die ganze Erde ein weisheitsvolles und schönheitsstrahlendes Kunstwerk geworden sein wird, aufgebaut von Menschenhand, ersonnen von Menschenweisheit! Phantastisch mag es erscheinen; es ist aber mehr als das. Denn es ist die Mission des menschlichen Geschlechtes auf Erden, den Erdball künstlerisch umzugestalten. Das haben Sie ausgedrückt in der zweiten Säule, der Säule der Schönheit.
[ 47 ] Dazu können Sie nehmen als die dritte Säule die Gestaltung des Menschengeschlechts im Staats- und Völkerleben und Sie haben die Ausbreitung des Menschengeistes innerhalb der Welt; Sie haben sie auch hier im Reiche des Unlebendigen.
[ 47 ] Dazu können Sie nehmen als die dritte Säule die Gestaltung des Menschengeschlechts im Staats- und Völkerleben und Sie haben die Ausbreitung des Menschengeistes innerhalb der Welt; Sie haben sie auch hier im Reiche des Unlebendigen.
[ 48 ] Darum haben die mittelalterlichen Menschen des 12. Jahrhunderts, rückblickend auf die alte Weisheit, sich gesagt, dass die Weisheit der alten Zeiten aufbewahrt ist in Marmordenkmälern, die Weisheit der Gegenwart aber noch in der menschlichen Brust ruht. Sie tritt dann beim Künstler heraus und wird durch die Arbeit seiner Hände zum Kunstwerk. Was der Künstler empfindet, prägt er dem ungeformten Stoffe ein, meißelt es aus dem toten Stein heraus. In dem toten Stein lebt dann zwar nicht, aber erscheint das Seeleninnere des Menschen. Alles in der Kunst ist dieser Mission gewidmet. Gleichgültig ob der Bildhauer den Marmor meißelt, ob der Maler Farben, Licht und Schatten verteilt, es ist immer eine Bemeisterung der unlebendigen, der unorganischen Natur. Und auch der Staatsmann formt die Natur [?] ... immer haben Sie - soweit nicht dasjenige in Betracht kommt, was Pflanzen-, Tier- und Menschenkraft ist - es mit dem eigenen Geiste des Menschen zu tun.
[ 48 ] Darum haben die mittelalterlichen Menschen des 12. Jahrhunderts, rückblickend auf die alte Weisheit, sich gesagt, dass die Weisheit der alten Zeiten aufbewahrt ist in Marmordenkmälern, die Weisheit der Gegenwart aber noch in der menschlichen Brust ruht. Sie tritt dann beim Künstler heraus und wird durch die Arbeit seiner Hände zum Kunstwerk. Was der Künstler empfindet, prägt er dem ungeformten Stoffe ein, meißelt es aus dem toten Stein heraus. In dem toten Stein lebt dann zwar nicht, aber erscheint das Seeleninnere des Menschen. Alles in der Kunst ist dieser Mission gewidmet. Gleichgültig ob der Bildhauer den Marmor meißelt, ob der Maler Farben, Licht und Schatten verteilt, es ist immer eine Bemeisterung der unlebendigen, der unorganischen Natur. Und auch der Staatsmann formt die Natur [?] ... immer haben Sie - soweit nicht dasjenige in Betracht kommt, was Pflanzen-, Tier- und Menschenkraft ist - es mit dem eigenen Geiste des Menschen zu tun.
[ 49 ] So blickte der mittelalterliche Denker des 12. Jahrhunderts zurück auf die alte chaldäische okkulte Weisheit, auf die griechische Kunst und Schönheit, und auf die Stärke in dem Staatsgedanken des Römischen Reiches. Das sind die drei großen weltgeschichtlichen Säulen: Weisheit, Schönheit, Stärke. Goethe stellte sie dar in seinem «Märchen» durch die drei Könige: durch den goldenen die okkulte Weisheit; durch den silbernen die Schönheit, wie in Griechenland; durch den ehernen die Stärke, die im römischen Staatsgedanken ihren weltgeschichtlichen Ausdruck fand und dann in die Organisation der christlichen Kirche überging. Und das Mittelalter mit seinem Chaos durch das Treiben der Völkerwanderung und seinen gemischten Stilen kommt in dem ungestalten gemischten König, der aus Gold, Silber und Erz gebildet ist, zum Ausdruck. In ihm ist durcheinandergeworfen, was auf die verschiedenen Kulturen des Altertums verteilt war. Erst später müssen sich wieder die einzelnen Kräfte aus dem Chaos heraus zu einer höheren Stufe entwickeln.
[ 49 ] So blickte der mittelalterliche Denker des 12. Jahrhunderts zurück auf die alte chaldäische okkulte Weisheit, auf die griechische Kunst und Schönheit, und auf die Stärke in dem Staatsgedanken des Römischen Reiches. Das sind die drei großen weltgeschichtlichen Säulen: Weisheit, Schönheit, Stärke. Goethe stellte sie dar in seinem «Märchen» durch die drei Könige: durch den goldenen die okkulte Weisheit; durch den silbernen die Schönheit, wie in Griechenland; durch den ehernen die Stärke, die im römischen Staatsgedanken ihren weltgeschichtlichen Ausdruck fand und dann in die Organisation der christlichen Kirche überging. Und das Mittelalter mit seinem Chaos durch das Treiben der Völkerwanderung und seinen gemischten Stilen kommt in dem ungestalten gemischten König, der aus Gold, Silber und Erz gebildet ist, zum Ausdruck. In ihm ist durcheinandergeworfen, was auf die verschiedenen Kulturen des Altertums verteilt war. Erst später müssen sich wieder die einzelnen Kräfte aus dem Chaos heraus zu einer höheren Stufe entwickeln.
[ 50 ] Diese einzelnen Kräfte auf eine höhere Stufe überzuführen aus Menschenkräften heraus, setzten sich diejenigen zur Aufgabe, die im Mittelalter den Heiligen Gral als ihr großes Symbol ansahen. Der Heilige Gral sollte etwas wesentlich Neues sein, obgleich er in seiner Symbolik zunächst an uralte, sagenhafte Überlieferungen mit ihren Sinnbildern anknüpft.
[ 50 ] Diese einzelnen Kräfte auf eine höhere Stufe überzuführen aus Menschenkräften heraus, setzten sich diejenigen zur Aufgabe, die im Mittelalter den Heiligen Gral als ihr großes Symbol ansahen. Der Heilige Gral sollte etwas wesentlich Neues sein, obgleich er in seiner Symbolik zunächst an uralte, sagenhafte Überlieferungen mit ihren Sinnbildern anknüpft.
[ 51 ] Was ist nun der Heilige Gral? Für denjenigen, der diese Sage richtig versteht, bedeutet er - und das läßt sich sogar literarisch nachweisen - folgendes.
[ 51 ] Was ist nun der Heilige Gral? Für denjenigen, der diese Sage richtig versteht, bedeutet er - und das läßt sich sogar literarisch nachweisen - folgendes.
[ 52 ] Bisher hat der Mensch lediglich das Unlebendige in der Natur bemeistert. Die Verwandlung der lebendigen Kräfte, die Verwandlung dessen, was in der Pflanze sproßt und wächst, was in der tierischen [und menschlichen] Fortpflanzung erscheint, liegt außerhalb seiner Macht. Diese geheimnisvollen Kräfte der Natur muß der Mensch unangetastet lassen. Da kann er nicht eingreifen. Was durch diese Kräfte entsteht, kann von ihm nicht völlig durchschaut werden. Der Künstler kann zwar einen Zeus in wunderbarer Schönheit schaffen, aber er kann diesen Zeus nicht ganz durchschauen. In Zukunft wird der Mensch eine Stufe erreichen, wo er auch das kann. So wahr es ist, daß der Mensch die Herrschaft über die unlebendige Natur errungen hat, die Schwerkraft beherrscht mit Wasserwaage und Senkblei, die Richtungskräfte der Natur beherrscht mit demjenigen, was ihm in der Geometrie und Mechanik zur Verfügung steht, so wahr ist es, daß er in Zukunft durch sich selbst beherrschen wird das, was er heute nur als Geschenk der Natur oder der göttlichen Mächte hat: das Lebendige.
[ 52 ] Bisher hat der Mensch lediglich das Unlebendige in der Natur bemeistert. Die Verwandlung der lebendigen Kräfte, die Verwandlung dessen, was in der Pflanze sproßt und wächst, was in der tierischen [und menschlichen] Fortpflanzung erscheint, liegt außerhalb seiner Macht. Diese geheimnisvollen Kräfte der Natur muß der Mensch unangetastet lassen. Da kann er nicht eingreifen. Was durch diese Kräfte entsteht, kann von ihm nicht völlig durchschaut werden. Der Künstler kann zwar einen Zeus in wunderbarer Schönheit schaffen, aber er kann diesen Zeus nicht ganz durchschauen. In Zukunft wird der Mensch eine Stufe erreichen, wo er auch das kann. So wahr es ist, daß der Mensch die Herrschaft über die unlebendige Natur errungen hat, die Schwerkraft beherrscht mit Wasserwaage und Senkblei, die Richtungskräfte der Natur beherrscht mit demjenigen, was ihm in der Geometrie und Mechanik zur Verfügung steht, so wahr ist es, daß er in Zukunft durch sich selbst beherrschen wird das, was er heute nur als Geschenk der Natur oder der göttlichen Mächte hat: das Lebendige.
[ 53 ] Indem Abel in der Vergangenheit das, was er aus göttlicher Hand empfangen hatte, opfert, opfert er auch auf dem Gebiete des Lebendigen nur das, was er von der Natur empfangen hat. Kain dagegen hat das geopfert, was er durch eigene Arbeit der Erde als Früchte seines Fleißes abgerungen hat. Deshalb tritt in dieser Zeit [im Mittelalter] eine wesentlich neue Richtung in der Maurerei auf. Und diese Richtung ist die, die man mit dem Sinnbilde des Heiligen Gral bezeichnet: die Kraft der Selbstopferung. Schon öfter habe ich gesagt: Harmonie innerhalb der Menschheit wird nicht dadurch geschaffen, daß man sie predigt, sondern dadurch, daß man sie begründet. Wo wirkliche Kräfte in der Menschennatur erweckt sind, gibt es keine Unbrüderlichkeit mehr. In dem, was in den Freimaurersymbolen zum Ausdruck kommt, haben Majorität und Minorität keine Bedeutung. Streit kann es da nicht geben, denn es handelt sich nur um Können oder Nichtkönnen. Keine Majorität kann entscheiden, ob das Senkblei oder die Wasserwaage benutzt werden soll; da muß die Sache entscheiden. Darin sind alle Menschen brüderlich, da finden sich alle zusammen. Darüber kann kein Streit sein, wenn jeder den Weg des Objektiven geht, den Weg, der in der Erwerbung der höheren Kräfte besteht. So ist der Bund [der Freimaurer] selbstverständlich ein Bund der Brüderlichkeit, der sich in ausgedehntestem Maße auf das den Menschen Gemeinsame in der unlebendigen Natur stützt.
[ 53 ] Indem Abel in der Vergangenheit das, was er aus göttlicher Hand empfangen hatte, opfert, opfert er auch auf dem Gebiete des Lebendigen nur das, was er von der Natur empfangen hat. Kain dagegen hat das geopfert, was er durch eigene Arbeit der Erde als Früchte seines Fleißes abgerungen hat. Deshalb tritt in dieser Zeit [im Mittelalter] eine wesentlich neue Richtung in der Maurerei auf. Und diese Richtung ist die, die man mit dem Sinnbilde des Heiligen Gral bezeichnet: die Kraft der Selbstopferung. Schon öfter habe ich gesagt: Harmonie innerhalb der Menschheit wird nicht dadurch geschaffen, daß man sie predigt, sondern dadurch, daß man sie begründet. Wo wirkliche Kräfte in der Menschennatur erweckt sind, gibt es keine Unbrüderlichkeit mehr. In dem, was in den Freimaurersymbolen zum Ausdruck kommt, haben Majorität und Minorität keine Bedeutung. Streit kann es da nicht geben, denn es handelt sich nur um Können oder Nichtkönnen. Keine Majorität kann entscheiden, ob das Senkblei oder die Wasserwaage benutzt werden soll; da muß die Sache entscheiden. Darin sind alle Menschen brüderlich, da finden sich alle zusammen. Darüber kann kein Streit sein, wenn jeder den Weg des Objektiven geht, den Weg, der in der Erwerbung der höheren Kräfte besteht. So ist der Bund [der Freimaurer] selbstverständlich ein Bund der Brüderlichkeit, der sich in ausgedehntestem Maße auf das den Menschen Gemeinsame in der unlebendigen Natur stützt.
[ 54 ] Es sind aber nicht mehr alle Kräfte in der unlebendigen Natur vorhanden. Manches, was einst da war, ist wiederum verschwunden, weil in dem Zyklus der Natur, in dem wir uns gegenwärtig befinden, und den wir Erde nennen, die materielle Erkenntnis im Vordergrunde steht und die intuitive verlorengegangen ist. Nur auf eine Tatsache möchte ich hier hinweisen: es ist in der Baukunst völlig abhanden gekommen, wirklich akustische Gebäude erstellen zu können. Diese Kunst hat man aber früher verstanden. Wer ein Gebäude nur äußerlich zusammenkonstruiert, wird niemals eine Akustik zustandebrin‚gen. Wer aber intuitiv denkt, mit seinem Denken in höheren Gebieten wurzelt, wird den akustischen Bau herzustellen vermögen. Diejenigen, die das wissen, die wissen auch: ebenso wie die Schwerkraft, wie Licht und Elektrizität von den Menschen in der unlebendigen Natur erobert worden sind, so werden auch diejenigen Kräfte in der Zukunft erobert werden müssen, über die wir heute noch gar keine Herrschaft haben, was die äußere Natur betrifft.
[ 54 ] Es sind aber nicht mehr alle Kräfte in der unlebendigen Natur vorhanden. Manches, was einst da war, ist wiederum verschwunden, weil in dem Zyklus der Natur, in dem wir uns gegenwärtig befinden, und den wir Erde nennen, die materielle Erkenntnis im Vordergrunde steht und die intuitive verlorengegangen ist. Nur auf eine Tatsache möchte ich hier hinweisen: es ist in der Baukunst völlig abhanden gekommen, wirklich akustische Gebäude erstellen zu können. Diese Kunst hat man aber früher verstanden. Wer ein Gebäude nur äußerlich zusammenkonstruiert, wird niemals eine Akustik zustandebrin‚gen. Wer aber intuitiv denkt, mit seinem Denken in höheren Gebieten wurzelt, wird den akustischen Bau herzustellen vermögen. Diejenigen, die das wissen, die wissen auch: ebenso wie die Schwerkraft, wie Licht und Elektrizität von den Menschen in der unlebendigen Natur erobert worden sind, so werden auch diejenigen Kräfte in der Zukunft erobert werden müssen, über die wir heute noch gar keine Herrschaft haben, was die äußere Natur betrifft.
[ 55 ] Wenn auch unsere Zeit noch nicht dahin gekommen ist, in der äußeren lebendigen Natur herrschen zu können, wenn auch jene Kulturepoche noch nicht erreicht ist, wo auch die lebendigen, die lebengebenden Kräfte gemeistert werden, so gibt es doch heute schon die Vorschule dazu, die inauguriert wurde durch jene Bewegung, die man die Loge vom Heiligen Gral genannt hat. Die Zeit wird aber kommen, und es ist ein ganz bestimmter Zeitpunkt, wo die Menschen, abweichend von ihrer heutigen Neigung, einsehen werden, daß man über innere tiefere Seelenkräfte nicht durch Majoritätsbeschlüsse entscheiden kann, daß es unmöglich ist, über das umfangreiche Gebiet der Liebe, über das, was man empfindet, was man fühlt, durch Abstimmung etwas auszumachen. Diejenige Kraft, die in allen Menschen einheitlich lebt und die sich im Intellektuellen ausdrückt in jener groBen Einheit, über die es keinen Streit geben kann, nennt man Manas. Und wenn es die Menschen so weit gebracht haben werden, daß sie nicht nur dem Verstande nach zusammenstimmen, sondern auch in ihrem Empfinden und Fühlen, in ihrem tiefsten Seelenleben harmonieren, daß sie sich finden in dem, was edel und gut ist, in Liebe sich zusammenfinden im Objektiven, im Gemeinsamen, so wie sie sich heute schon streitlos zusammenfinden in dem, daß zwei mal zwei vier und drei mal drei neun sind, dann ist die Zeit gekommen, wo die Menschen auch das Lebendige werden bemeistern können. Einigkeit, objektive Einigkeit im Empfinden und Fühlen, ein wirklich über die Menschheit ausgegossenes objektives Leben in der Liebe, das ist die Voraussetzung für die Bemeisterung des Lebendigen.
[ 55 ] Wenn auch unsere Zeit noch nicht dahin gekommen ist, in der äußeren lebendigen Natur herrschen zu können, wenn auch jene Kulturepoche noch nicht erreicht ist, wo auch die lebendigen, die lebengebenden Kräfte gemeistert werden, so gibt es doch heute schon die Vorschule dazu, die inauguriert wurde durch jene Bewegung, die man die Loge vom Heiligen Gral genannt hat. Die Zeit wird aber kommen, und es ist ein ganz bestimmter Zeitpunkt, wo die Menschen, abweichend von ihrer heutigen Neigung, einsehen werden, daß man über innere tiefere Seelenkräfte nicht durch Majoritätsbeschlüsse entscheiden kann, daß es unmöglich ist, über das umfangreiche Gebiet der Liebe, über das, was man empfindet, was man fühlt, durch Abstimmung etwas auszumachen. Diejenige Kraft, die in allen Menschen einheitlich lebt und die sich im Intellektuellen ausdrückt in jener groBen Einheit, über die es keinen Streit geben kann, nennt man Manas. Und wenn es die Menschen so weit gebracht haben werden, daß sie nicht nur dem Verstande nach zusammenstimmen, sondern auch in ihrem Empfinden und Fühlen, in ihrem tiefsten Seelenleben harmonieren, daß sie sich finden in dem, was edel und gut ist, in Liebe sich zusammenfinden im Objektiven, im Gemeinsamen, so wie sie sich heute schon streitlos zusammenfinden in dem, daß zwei mal zwei vier und drei mal drei neun sind, dann ist die Zeit gekommen, wo die Menschen auch das Lebendige werden bemeistern können. Einigkeit, objektive Einigkeit im Empfinden und Fühlen, ein wirklich über die Menschheit ausgegossenes objektives Leben in der Liebe, das ist die Voraussetzung für die Bemeisterung des Lebendigen.
[ 56 ] Diese Bemeisterung des Lebendigen war einmal vorhanden - so sagen diejenigen, welche im 12. Jahrhundert die Bewegung des Heiligen Gral begründet haben -, sie war vorhanden bei den Göttern, die den Kosmos schufen und sich herabsenkten, um dem Menschen die Keimanlage für diese göttlichen Kräfte zu geben, die sie selber hatten: so daß der Mensch heute ein werdender Gott ist, da sich in seinem Inneren etwas befindet, das hinaufstrebt, dahin, wo einst die Götter gestanden haben. Heute ist der Verstand, der Intellekt die herrschende Kraft; die Liebe [Buddhi] wird es in Zukunft werden, und in noch fernerer Zeit wird der Mensch die Atmastufe erreichen.
[ 56 ] Diese Bemeisterung des Lebendigen war einmal vorhanden - so sagen diejenigen, welche im 12. Jahrhundert die Bewegung des Heiligen Gral begründet haben -, sie war vorhanden bei den Göttern, die den Kosmos schufen und sich herabsenkten, um dem Menschen die Keimanlage für diese göttlichen Kräfte zu geben, die sie selber hatten: so daß der Mensch heute ein werdender Gott ist, da sich in seinem Inneren etwas befindet, das hinaufstrebt, dahin, wo einst die Götter gestanden haben. Heute ist der Verstand, der Intellekt die herrschende Kraft; die Liebe [Buddhi] wird es in Zukunft werden, und in noch fernerer Zeit wird der Mensch die Atmastufe erreichen.
[ 57 ] Diese Gesamtkraft (Gemeinsamkeitskraft), diedem Menschen Macht gibt über dasjenige, was durch das Kreuz
[ 57 ] Diese Gesamtkraft (Gemeinsamkeitskraft), diedem Menschen Macht gibt über dasjenige, was durch das Kreuz


[ 58 ] symbolisiert wird, sie wird — insofern es sich um diese Kraft bei den Göttern handelt — ausgedrückt durch ein Symbol, nämlich durch das Dreieck mit der Spitze nach unten. Und insofern sich diese Kraft in der Menschennatur ausdrückt, wie sie samenhaft zu der göttlichen Kraft hinaufstrebt, wird sie symbolisiert durch ein Dreieck, dessen Spitze nach oben geht. Die Götter haben sich aus dem Menschen herausgehoben und sich von ihm entfernt; aber sie haben in ihm zurückgelassen das Dreieck, das sich in ihm weiterentwickeln wird. Dieses Dreieck ist auch das Symbol des Heiligen Gral.
[ 58 ] symbolisiert wird, sie wird — insofern es sich um diese Kraft bei den Göttern handelt — ausgedrückt durch ein Symbol, nämlich durch das Dreieck mit der Spitze nach unten. Und insofern sich diese Kraft in der Menschennatur ausdrückt, wie sie samenhaft zu der göttlichen Kraft hinaufstrebt, wird sie symbolisiert durch ein Dreieck, dessen Spitze nach oben geht. Die Götter haben sich aus dem Menschen herausgehoben und sich von ihm entfernt; aber sie haben in ihm zurückgelassen das Dreieck, das sich in ihm weiterentwickeln wird. Dieses Dreieck ist auch das Symbol des Heiligen Gral.


[ 59 ] In der Form des Dreiecks drückte der mittelalterliche Okkultist das Symbol des Heiligen Grales aus, das Sinnbild für die Erweckung der Meisterschaft im Lebendigen. Dazu bedarf es keiner gemeinsamen Kirche, die in starrer Organisation sich um den Erdball schlingt; eine solche kann wohl der einzelnen Seele etwas geben; sollen aber alle Seelen zusammenklingen, so muß in jeder einzelnen die Kraft des Gral erweckt werden. Demjenigen, der in sich diese Kraft des Gral erwecken will, nützt es nichts, wenn er sich zu den offiziellen kirchlichen Mächten wendet, ob sie ihm vielleicht etwas sagen könnten, sondern er muß nicht viel fragen und aus sich selbst heraus diese Kraft erwecken. Von der Dumpfheit geht der Mensch aus und steigt auf durch den Zweifel zu der Kraft. Dieser Pilgerweg der Seele wird ausgedrückt in der Gestalt des Parzival, der zum Heiligen Gral pilgert. Das ist eine der mannigfaltigen, tieferen Bedeutungen der Gestalt des Parzival.
[ 59 ] In der Form des Dreiecks drückte der mittelalterliche Okkultist das Symbol des Heiligen Grales aus, das Sinnbild für die Erweckung der Meisterschaft im Lebendigen. Dazu bedarf es keiner gemeinsamen Kirche, die in starrer Organisation sich um den Erdball schlingt; eine solche kann wohl der einzelnen Seele etwas geben; sollen aber alle Seelen zusammenklingen, so muß in jeder einzelnen die Kraft des Gral erweckt werden. Demjenigen, der in sich diese Kraft des Gral erwecken will, nützt es nichts, wenn er sich zu den offiziellen kirchlichen Mächten wendet, ob sie ihm vielleicht etwas sagen könnten, sondern er muß nicht viel fragen und aus sich selbst heraus diese Kraft erwecken. Von der Dumpfheit geht der Mensch aus und steigt auf durch den Zweifel zu der Kraft. Dieser Pilgerweg der Seele wird ausgedrückt in der Gestalt des Parzival, der zum Heiligen Gral pilgert. Das ist eine der mannigfaltigen, tieferen Bedeutungen der Gestalt des Parzival.
[ 60 ] Was nützt es meinem Wissen, wenn eine noch so große Körperschaft durch ihre obrigkeitlichen Organe die Wahrheit der Mathematik verkündigt? Will ich Mathematik verstehen lernen, so muß ich mich selbst damit beschäftigen und mir das Verständnis dafür aneignen. Und was nützt es, wenn eine Körperschaft die Kraft des Kreuzes enthält? Will ich die Kraft des Kreuzes, die Bemeisterung des Lebendigen anwenden, dann muß ich sie mir selbst erringen. Das kann mir ein anderer nicht sagen, nicht durch Worte mitteilen; er kann es mir höchstens im Symbole zeigen, das leuchtende Symbol des Gral geben, nicht aber in Verstandesformeln sagen.
[ 60 ] Was nützt es meinem Wissen, wenn eine noch so große Körperschaft durch ihre obrigkeitlichen Organe die Wahrheit der Mathematik verkündigt? Will ich Mathematik verstehen lernen, so muß ich mich selbst damit beschäftigen und mir das Verständnis dafür aneignen. Und was nützt es, wenn eine Körperschaft die Kraft des Kreuzes enthält? Will ich die Kraft des Kreuzes, die Bemeisterung des Lebendigen anwenden, dann muß ich sie mir selbst erringen. Das kann mir ein anderer nicht sagen, nicht durch Worte mitteilen; er kann es mir höchstens im Symbole zeigen, das leuchtende Symbol des Gral geben, nicht aber in Verstandesformeln sagen.
[ 61 ] Die erste Erfüllung dieses mittelalterlichen Okkultismus würde somit dasjenige sein, was sich in den mannigfaltigsten Bewegungen in Europa geltend macht: das Streben nach Individualität in der Religion, das Loskommen von der starren, einheitlichen Kirchenorganisation. Sie können es schwerlich erkennen, was alles in dieser Richtung Wolfram von Eschenbachs «Parzival» zugrunde liegt. Was erst in der Reformation zum Ausdruck gekommen ist, das liegt schon alles im Symbol des Heiligen Gral. Wer eine Empfindung für die große Bedeutung dessen hat, was uns in dieser Symbolik entgegentreten kann, der wird den großen, tiefen Kulturwert einer solchen Symbolik einsehen. Nicht aus dem laut Tönenden, nicht aus dem Tumultuarischen heraus wird das Große in der Welt geboren, sondern aus dem Intimen, dem Stillen. Nicht mit Kanonendonner wird die Menschheit in der Entwickelung vorwärts gebracht, sondern aus der Kraft dessen, was intim in solchen geheimen Gesellschaften geboren wird, aus der Kraft dessen, was in solchen weltumspannenden Symbolen ausgedrückt ist, an denen sich die Menschheit aufrichtet.
[ 61 ] Die erste Erfüllung dieses mittelalterlichen Okkultismus würde somit dasjenige sein, was sich in den mannigfaltigsten Bewegungen in Europa geltend macht: das Streben nach Individualität in der Religion, das Loskommen von der starren, einheitlichen Kirchenorganisation. Sie können es schwerlich erkennen, was alles in dieser Richtung Wolfram von Eschenbachs «Parzival» zugrunde liegt. Was erst in der Reformation zum Ausdruck gekommen ist, das liegt schon alles im Symbol des Heiligen Gral. Wer eine Empfindung für die große Bedeutung dessen hat, was uns in dieser Symbolik entgegentreten kann, der wird den großen, tiefen Kulturwert einer solchen Symbolik einsehen. Nicht aus dem laut Tönenden, nicht aus dem Tumultuarischen heraus wird das Große in der Welt geboren, sondern aus dem Intimen, dem Stillen. Nicht mit Kanonendonner wird die Menschheit in der Entwickelung vorwärts gebracht, sondern aus der Kraft dessen, was intim in solchen geheimen Gesellschaften geboren wird, aus der Kraft dessen, was in solchen weltumspannenden Symbolen ausgedrückt ist, an denen sich die Menschheit aufrichtet.
[ 62 ] Durch unzählige Quellen ist seit jener Zeit in die Herzen der Menschen eingeflossen dasjenige, was jene gedacht haben, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts in die Mysterien des Heiligen Gral eingeweiht waren, die sich vor der Welt unter Decknamen verbergen mußten, aber eigentlich die Vorbereiter, der Sauerteig der Kultur in den letzten vierhundert Jahren waren.
[ 62 ] Durch unzählige Quellen ist seit jener Zeit in die Herzen der Menschen eingeflossen dasjenige, was jene gedacht haben, die in der Mitte des 12. Jahrhunderts in die Mysterien des Heiligen Gral eingeweiht waren, die sich vor der Welt unter Decknamen verbergen mußten, aber eigentlich die Vorbereiter, der Sauerteig der Kultur in den letzten vierhundert Jahren waren.
[ 63 ] So leben in den okkulten Gesellschaften die Bewahrer großer Geheimnisse und derjenigen Kräfte, die fortwirken in der Menschheitsentwickelung. Nur andeuten kann ich, was da eigentlich vorliegt; denn die Sache selbst geht tief, tief in das okkulte Gebiet hinein.
[ 63 ] So leben in den okkulten Gesellschaften die Bewahrer großer Geheimnisse und derjenigen Kräfte, die fortwirken in der Menschheitsentwickelung. Nur andeuten kann ich, was da eigentlich vorliegt; denn die Sache selbst geht tief, tief in das okkulte Gebiet hinein.
[ 64 ] Für diejenigen, welche wirklich den Zugang zu solchen Mysterien gewinnen, ergibt sich als praktische Konsequenz ein freier Überblick über dasjenige, was [in der Zukunft] in der Welt geschieht.
[ 64 ] Für diejenigen, welche wirklich den Zugang zu solchen Mysterien gewinnen, ergibt sich als praktische Konsequenz ein freier Überblick über dasjenige, was [in der Zukunft] in der Welt geschieht.
[ 65 ] Langsam und allmählich greifen in den gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit die organischen, die lebendigen Kräfte ein. Es wird eine Zeit kommen, so phantastisch es auch dem heutigen Menschen erscheinen mag, wo der Mensch nicht mehr nur Bilder malen, nicht mehr nur leblose Skulpturen anfertigen wird, sondern wo er imstande sein wird, dasjenige lebendig zu erschaffen, was er heute nur malen, mit Farbe und Meißel gestalten kann.
[ 65 ] Langsam und allmählich greifen in den gegenwärtigen Entwickelungszyklus der Menschheit die organischen, die lebendigen Kräfte ein. Es wird eine Zeit kommen, so phantastisch es auch dem heutigen Menschen erscheinen mag, wo der Mensch nicht mehr nur Bilder malen, nicht mehr nur leblose Skulpturen anfertigen wird, sondern wo er imstande sein wird, dasjenige lebendig zu erschaffen, was er heute nur malen, mit Farbe und Meißel gestalten kann.
[ 66 ] Was aber weniger phantastisch erscheinen wird, ist die Tatsache, daß schon heute im Wirken des sozialen Lebens die erste Morgenröte der Verwendung der lebendigen Kräfte beginnt: das eigentliche Geheimnis, das sich um den Gral herumschlingt. Das letzte Ereignis auf sozialem Gebiet, das durch die alte Maurerei herbeigeführt wurde, war die Französische Revolution, in der mit den Ideen Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit konsequent die Grundidee der alten Maurerei auf sozialem Gebiete in die Öffentlichkeit kam. Die das wissen, wissen auch, daß durch unzählige Kanäle die Ideen, die vom Gral ausgegangen sind, verbreitet wurden und die eigentlich wirkenden Kräfte in der Französischen Revolution waren.
[ 66 ] Was aber weniger phantastisch erscheinen wird, ist die Tatsache, daß schon heute im Wirken des sozialen Lebens die erste Morgenröte der Verwendung der lebendigen Kräfte beginnt: das eigentliche Geheimnis, das sich um den Gral herumschlingt. Das letzte Ereignis auf sozialem Gebiet, das durch die alte Maurerei herbeigeführt wurde, war die Französische Revolution, in der mit den Ideen Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit konsequent die Grundidee der alten Maurerei auf sozialem Gebiete in die Öffentlichkeit kam. Die das wissen, wissen auch, daß durch unzählige Kanäle die Ideen, die vom Gral ausgegangen sind, verbreitet wurden und die eigentlich wirkenden Kräfte in der Französischen Revolution waren.
[ 67 ] Nur als ein mißglückter, als ein unmöglicher Versuch, als letzter, ich möchte sagen, verzweifelter Kampf innerhalb der zu Ende gehenden Menschheitswelle steht das da, was man heute Sozialismus nennt. Er kann ein wirklich positives Resultat nicht herbeiführen. Was durch ihn erreicht werden soll, kann nur durch das lebendige Wirken erreicht werden; die Säule der Stärke genügt nicht. Der Sozialismus kann nicht mehr durch unlebendige Kräfte bemeistert werden. Die Ideen der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit waren die letzten Ideen, die aus dem Unlebendigen flossen. Unfruchtbar, dem Sterben geweiht ist alles dasjenige, was noch in demselben Geleise bleibt. Denn das heute in der Welt bestehende große Übel, das ungeheure Elend, das mit so furchtbarer Gewalt zum Ausdruck kommt in dem, was man die soziale Frage nennt, kann nicht mehr mit dem Unlebendigen gemeistert werden. Dazu bedarf es einer königlichen Kunst; und diese königliche Kunst ist es, die inauguriert worden ist in dem Symbol des Heiligen Gral.
[ 67 ] Nur als ein mißglückter, als ein unmöglicher Versuch, als letzter, ich möchte sagen, verzweifelter Kampf innerhalb der zu Ende gehenden Menschheitswelle steht das da, was man heute Sozialismus nennt. Er kann ein wirklich positives Resultat nicht herbeiführen. Was durch ihn erreicht werden soll, kann nur durch das lebendige Wirken erreicht werden; die Säule der Stärke genügt nicht. Der Sozialismus kann nicht mehr durch unlebendige Kräfte bemeistert werden. Die Ideen der Französischen Revolution, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit waren die letzten Ideen, die aus dem Unlebendigen flossen. Unfruchtbar, dem Sterben geweiht ist alles dasjenige, was noch in demselben Geleise bleibt. Denn das heute in der Welt bestehende große Übel, das ungeheure Elend, das mit so furchtbarer Gewalt zum Ausdruck kommt in dem, was man die soziale Frage nennt, kann nicht mehr mit dem Unlebendigen gemeistert werden. Dazu bedarf es einer königlichen Kunst; und diese königliche Kunst ist es, die inauguriert worden ist in dem Symbol des Heiligen Gral.
[ 68 ] Der Mensch muß durch diese königliche Kunst etwas in seine Hand bekommen, was ähnlich ist derjenigen Kraft, die in der Pflanze sproßt, derjenigen Kraft, die der Magier verwendet, wenn er die Pflanze, die vor ihm steht, schneller wachsen macht. In ähnlicher Weise muß von dieser Kraft ein Teil verwendet werden zum sozialen Heil. Diese Kraft, die beschrieben worden ist von solchen, die etwas von den rosenkreuzerischen Geheimnissen wissen, wie zum Beispiel von Bulwer in seinem Zukunftsroman «Vril», ist gegenwärtig aber noch in elementarem Keimzustande. Sie wird in der Freimaurerei der Zukunft der eigentliche Inhalt der höheren Grade sein. Die königliche Kunst wird in der Zukunft eine soziale Kunst sein.
[ 68 ] Der Mensch muß durch diese königliche Kunst etwas in seine Hand bekommen, was ähnlich ist derjenigen Kraft, die in der Pflanze sproßt, derjenigen Kraft, die der Magier verwendet, wenn er die Pflanze, die vor ihm steht, schneller wachsen macht. In ähnlicher Weise muß von dieser Kraft ein Teil verwendet werden zum sozialen Heil. Diese Kraft, die beschrieben worden ist von solchen, die etwas von den rosenkreuzerischen Geheimnissen wissen, wie zum Beispiel von Bulwer in seinem Zukunftsroman «Vril», ist gegenwärtig aber noch in elementarem Keimzustande. Sie wird in der Freimaurerei der Zukunft der eigentliche Inhalt der höheren Grade sein. Die königliche Kunst wird in der Zukunft eine soziale Kunst sein.
[ 69 ] Wiederum - ich möchte sagen, wegen des Umfassenden, Umspannenden der Idee - muß ich etwas sagen, was Uneingeweihten phantastisch erscheinen wird. Ewig, unvergänglich ist dasjenige, was der Mensch als die von seiner Seele ausgehende Form dem Stoffe auf unserem Erdenrund aufprägt. Wenn auch äußerlich der geformte Stoff zerfällt, unvergänglich ist dasjenige, was die königliche Kunst seit uralten Zeiten in Pyramiden, Tempeln und Kirchen geformt hat. Was der Menschengeist im Stoff geformt hat, das bleibt als fortwirkende Kraft in der Welt vorhanden. Das wird dem vollständig klar, der in solche Dinge eingeweiht wird. Der gotische Dom von Köln zum Beispiel vergeht; daß aber die Atome einmal in dieser Form da waren, ist von weittragender Bedeutung. Diese Form selbst ist das Unvergängliche, das fortan im Fortentwickelungsgange der Menschheit so mitwirkt wie die lebendige Kraft, die in der Pflanze ist, im Fortentwickelungsgang der Natur! Der Maler, der heute ein Bild malt, der sein Seelenblut in den toten Stoff hineinprägt, er schafft auch etwas, was in mehr oder weniger kurzer Zeit in tausend Atome zerstoben sein wird. Daß er es aber geschaffen hat, daß in den Stoff etwas aus seiner Seele eingeflossen ist, daß überhaupt etwas geformt worden ist, das hat einen unvergänglichen, bleibenden Wert, das hat Ewigkeitswert.
[ 69 ] Wiederum - ich möchte sagen, wegen des Umfassenden, Umspannenden der Idee - muß ich etwas sagen, was Uneingeweihten phantastisch erscheinen wird. Ewig, unvergänglich ist dasjenige, was der Mensch als die von seiner Seele ausgehende Form dem Stoffe auf unserem Erdenrund aufprägt. Wenn auch äußerlich der geformte Stoff zerfällt, unvergänglich ist dasjenige, was die königliche Kunst seit uralten Zeiten in Pyramiden, Tempeln und Kirchen geformt hat. Was der Menschengeist im Stoff geformt hat, das bleibt als fortwirkende Kraft in der Welt vorhanden. Das wird dem vollständig klar, der in solche Dinge eingeweiht wird. Der gotische Dom von Köln zum Beispiel vergeht; daß aber die Atome einmal in dieser Form da waren, ist von weittragender Bedeutung. Diese Form selbst ist das Unvergängliche, das fortan im Fortentwickelungsgange der Menschheit so mitwirkt wie die lebendige Kraft, die in der Pflanze ist, im Fortentwickelungsgang der Natur! Der Maler, der heute ein Bild malt, der sein Seelenblut in den toten Stoff hineinprägt, er schafft auch etwas, was in mehr oder weniger kurzer Zeit in tausend Atome zerstoben sein wird. Daß er es aber geschaffen hat, daß in den Stoff etwas aus seiner Seele eingeflossen ist, daß überhaupt etwas geformt worden ist, das hat einen unvergänglichen, bleibenden Wert, das hat Ewigkeitswert.
[ 70 ] Auch die Staaten und alle anderen Gemeinschaften der Menschen entstehen und vergehen vor unseren Augen. Aber was die Menschen aus ihrer Seele heraus als solche Gemeinschaften gebildet haben, das sind die von den Menschen hineingelegten Ideen mit Ewigkeitswert, mit ewig fortwirkender Bedeutung. Und wenn dieses Menschengeschlecht in neuer Form einst wieder auf der Erde erscheinen wird, dann wird es die Früchte dieser Elemente von Ewigkeitswert erblicken.
[ 70 ] Auch die Staaten und alle anderen Gemeinschaften der Menschen entstehen und vergehen vor unseren Augen. Aber was die Menschen aus ihrer Seele heraus als solche Gemeinschaften gebildet haben, das sind die von den Menschen hineingelegten Ideen mit Ewigkeitswert, mit ewig fortwirkender Bedeutung. Und wenn dieses Menschengeschlecht in neuer Form einst wieder auf der Erde erscheinen wird, dann wird es die Früchte dieser Elemente von Ewigkeitswert erblicken.
[ 71 ] Wer heute den Blick zum Sternenhimmel hinaufrichtet, der erblickt eine wunderbare Harmonie. Diese Harmonie ist geworden, sie war nicht immer da. Genau ebenso wie wir heute Stein auf Stein legen, wenn wir einen Dom bauen, Farbe neben Farbe setzen, wenn wir Bilder malen, Gesetz nach Gesetz ausprägen, wenn wir Gesellschaften organisieren, so haben einst auch bildende Wesenheiten gearbeitet an dem, was uns heute als Kosmos entgegentritt. Nicht Mond noch Sonne würden leuchten, kein Tier und keine Pflanze würde sich fortpflanzen, wenn nicht alles, was uns im Kosmos entgegentritt, von Wesen bearbeitet worden wäre, wenn nicht Wesen vorher gewesen wären, welche ebenso gearbeitet haben, wie wir heute an der Umformung des Kosmos arbeiten. Wie wir heute am Kosmos durch Weisheit, Schönheit, Stärke bauen, so haben einst auch die Wesenheiten, die nicht zum jetzigen Menschenreich gehören, am Kosmos gebaut.
[ 71 ] Wer heute den Blick zum Sternenhimmel hinaufrichtet, der erblickt eine wunderbare Harmonie. Diese Harmonie ist geworden, sie war nicht immer da. Genau ebenso wie wir heute Stein auf Stein legen, wenn wir einen Dom bauen, Farbe neben Farbe setzen, wenn wir Bilder malen, Gesetz nach Gesetz ausprägen, wenn wir Gesellschaften organisieren, so haben einst auch bildende Wesenheiten gearbeitet an dem, was uns heute als Kosmos entgegentritt. Nicht Mond noch Sonne würden leuchten, kein Tier und keine Pflanze würde sich fortpflanzen, wenn nicht alles, was uns im Kosmos entgegentritt, von Wesen bearbeitet worden wäre, wenn nicht Wesen vorher gewesen wären, welche ebenso gearbeitet haben, wie wir heute an der Umformung des Kosmos arbeiten. Wie wir heute am Kosmos durch Weisheit, Schönheit, Stärke bauen, so haben einst auch die Wesenheiten, die nicht zum jetzigen Menschenreich gehören, am Kosmos gebaut.
[ 72 ] Eine Harmonie ist immer das Ergebnis von Disharmonien früherer Zeiten. Wie die Steine zum griechischen Tempel geformt worden sind, wie sie dadurch in andere Formen überflossen und aus der verwirrenden Mannigfaltigkeit der geordnete Bau wurde, wie das Farbendurcheinander auf der Palette im Bilde sinnvoll zusammengestellt ist, so war das ganze Materielle chaotisch in anderen Verbindungen, bevor es der bildende Geist zu diesem Kosmos geformt hat. Auf neuer Stufe wiederholt sich dasselbe, und am klarsten selbst im Kleinsten wirkt nur derjenige richtig, der das Größte überschaut. Alles was in der Welt für den Fortschritt des Menschengeschlechts wirklich Bedeutung gehabt hat, ist mit Umsicht und Einsicht, mit Einweihung in die großen Gesetze des Weltenplanes entstanden. Was der Tag schafft, ist vergänglich. Unvergänglich aber ist dasjenige, was aus der Erkenntnis der ewigen Gesetze in den Tag hineingeschaffen wird. Aus der Erkenntnis der ewigen Gesetze in den Tag hineinschaffen, das bedeutet soviel wie frei maurern.
[ 72 ] Eine Harmonie ist immer das Ergebnis von Disharmonien früherer Zeiten. Wie die Steine zum griechischen Tempel geformt worden sind, wie sie dadurch in andere Formen überflossen und aus der verwirrenden Mannigfaltigkeit der geordnete Bau wurde, wie das Farbendurcheinander auf der Palette im Bilde sinnvoll zusammengestellt ist, so war das ganze Materielle chaotisch in anderen Verbindungen, bevor es der bildende Geist zu diesem Kosmos geformt hat. Auf neuer Stufe wiederholt sich dasselbe, und am klarsten selbst im Kleinsten wirkt nur derjenige richtig, der das Größte überschaut. Alles was in der Welt für den Fortschritt des Menschengeschlechts wirklich Bedeutung gehabt hat, ist mit Umsicht und Einsicht, mit Einweihung in die großen Gesetze des Weltenplanes entstanden. Was der Tag schafft, ist vergänglich. Unvergänglich aber ist dasjenige, was aus der Erkenntnis der ewigen Gesetze in den Tag hineingeschaffen wird. Aus der Erkenntnis der ewigen Gesetze in den Tag hineinschaffen, das bedeutet soviel wie frei maurern.
[ 73 ] So sehen Sie, daß in der Tat dasjenige, was uns entgegentritt in Kunst, Wissenschaft und Religion, soweit es nicht ein Geschenk der Götter ist und sich im Symbol des Kreuzes ausdrückt, hervorgegangen ist aus freier Maurerei. Aus ihr ist entsprungen, was wirklich gebaut worden ist in der Welt. Daher hängt die Maurerei zunächst mit alledem zusammen, was Menschenhand in der Welt geformt hat, was aus dem rohen, unlebendigen Stoff die Kultur geschaffen hat. Gehen Sie auf das zurück, was die Kulturepochen im großen erzeugt haben, sehen Sie sich zum Beispiel Alomers Dichtungen an! Was ist in ihnen enthalten? Das, was die Eingeweihten den Menschen gelehrt haben als die großen, weltumspannenden Ideen. Die großen Künstler haben nicht ihren Stoff erfunden, sie haben vielmehr das, was die ganze Menschheit umspannt, in Formen gebracht. Ist ein Michelangelo denkbar ohne die christlichen Gedankenkräfte? Versuchen Sie in ähnlicher Weise dasjenige, was tiefe, wirklich einschneidende Bedeutung in der Kultur erlangt hat, auf seinen Ursprung zurückzuverfolgen, und Sie werden überall zurückgeführt werden auf dasjenige, was von der Initiation, von der Einweihung ausgegangen ist.
[ 73 ] So sehen Sie, daß in der Tat dasjenige, was uns entgegentritt in Kunst, Wissenschaft und Religion, soweit es nicht ein Geschenk der Götter ist und sich im Symbol des Kreuzes ausdrückt, hervorgegangen ist aus freier Maurerei. Aus ihr ist entsprungen, was wirklich gebaut worden ist in der Welt. Daher hängt die Maurerei zunächst mit alledem zusammen, was Menschenhand in der Welt geformt hat, was aus dem rohen, unlebendigen Stoff die Kultur geschaffen hat. Gehen Sie auf das zurück, was die Kulturepochen im großen erzeugt haben, sehen Sie sich zum Beispiel Alomers Dichtungen an! Was ist in ihnen enthalten? Das, was die Eingeweihten den Menschen gelehrt haben als die großen, weltumspannenden Ideen. Die großen Künstler haben nicht ihren Stoff erfunden, sie haben vielmehr das, was die ganze Menschheit umspannt, in Formen gebracht. Ist ein Michelangelo denkbar ohne die christlichen Gedankenkräfte? Versuchen Sie in ähnlicher Weise dasjenige, was tiefe, wirklich einschneidende Bedeutung in der Kultur erlangt hat, auf seinen Ursprung zurückzuverfolgen, und Sie werden überall zurückgeführt werden auf dasjenige, was von der Initiation, von der Einweihung ausgegangen ist.
[ 74 ] Alles muß schließlich durch eine Schule gehen. Die letzten vier Jahrhunderte waren auch eine Schule für die Menschheit: die Schule der Gottverlassenheit, in der es nur ein menschliches Probieren, von einem gewissen Standpunkte aus ein Zurückgehen auf das Chaos gibt. Heute probiert ein jeder, ohne daß er den Zusammenhang mit den höheren Welten kennt, mit Ausnahme derjenigen, die wieder den Zusammenhang mit den geistigen Welten gesucht und gefunden haben. Heute lebt fast jeder ganz für sich, ohne daß er etwas von dem wirklichen, alles durchdringenden gemeinsamen Aufbau merkt. Das hat auch die furchtbare Unbefriedigtheit auf allen Gebieten hervorgebracht.
[ 74 ] Alles muß schließlich durch eine Schule gehen. Die letzten vier Jahrhunderte waren auch eine Schule für die Menschheit: die Schule der Gottverlassenheit, in der es nur ein menschliches Probieren, von einem gewissen Standpunkte aus ein Zurückgehen auf das Chaos gibt. Heute probiert ein jeder, ohne daß er den Zusammenhang mit den höheren Welten kennt, mit Ausnahme derjenigen, die wieder den Zusammenhang mit den geistigen Welten gesucht und gefunden haben. Heute lebt fast jeder ganz für sich, ohne daß er etwas von dem wirklichen, alles durchdringenden gemeinsamen Aufbau merkt. Das hat auch die furchtbare Unbefriedigtheit auf allen Gebieten hervorgebracht.
[ 75 ] Was uns not tut, ist eine Erneuerung des Gralsrittertums in einer modernen Form. Derjenige, der dem nähertreten kann, wird dadurch die wirklichen Kräfte kennenlernen, welche heute im Entwickelungsgang der Menschheit noch verborgen sind.
[ 75 ] Was uns not tut, ist eine Erneuerung des Gralsrittertums in einer modernen Form. Derjenige, der dem nähertreten kann, wird dadurch die wirklichen Kräfte kennenlernen, welche heute im Entwickelungsgang der Menschheit noch verborgen sind.
[ 76 ] Dasjenige, was heute zahlreiche Menschen, die die alten Symbole nehmen und sie nicht verstehen, in den Geschlechtssymbolen in mißverständlicher Weise hinstellen, kommt dem richtigen Verständnis des freimaurerischen Gedankens nicht nahe. Das Verständnis ist in dem zu suchen, was gerade die bloße Naturkraft ablöst: das Lebendige in ähnlicher Weise zu bemeistern und zu durchdringen, wie der Geometer das Unlebendige mit Lineal, Zirkel, Wasserwaage und so weiter bemeistert und durchdringt; das Lebendige so zu schaffen, wie derjenige, der einen Tempel baut, die unlebendigen Steine zusammenfügt. Das ist der große Zukunftsgedanke der Maurerei.
[ 76 ] Dasjenige, was heute zahlreiche Menschen, die die alten Symbole nehmen und sie nicht verstehen, in den Geschlechtssymbolen in mißverständlicher Weise hinstellen, kommt dem richtigen Verständnis des freimaurerischen Gedankens nicht nahe. Das Verständnis ist in dem zu suchen, was gerade die bloße Naturkraft ablöst: das Lebendige in ähnlicher Weise zu bemeistern und zu durchdringen, wie der Geometer das Unlebendige mit Lineal, Zirkel, Wasserwaage und so weiter bemeistert und durchdringt; das Lebendige so zu schaffen, wie derjenige, der einen Tempel baut, die unlebendigen Steine zusammenfügt. Das ist der große Zukunftsgedanke der Maurerei.
[ 77 ] Es gibt in der Freimaurerei ein uraltes Symbol, das sogenannte Tau:
[ 77 ] Es gibt in der Freimaurerei ein uraltes Symbol, das sogenannte Tau:


[ 78 ] Dieses Tau-Zeichen spielt in der Freimaurerei eine große Rolle. Es ist im Grunde genommen nichts anderes als das Kreuz, an dem der obere Balken weggelassen ist. Das Mineralreich ist weggelassen, um überhaupt das Kreuz zu bekommen; der Mensch beherrscht es bereits. Läßt man das Pflanzenreich in Aktion treten, so erhält man das nach oben gerichtete Kreuz...2Siehe unter Hinweise auf Seite 347. Das, was aus der Erde, aus der Seele heraus als Macht über die Erde sich entfaltet, ist das Symbol der zukünftigen Maurerei.
[ 78 ] Dieses Tau-Zeichen spielt in der Freimaurerei eine große Rolle. Es ist im Grunde genommen nichts anderes als das Kreuz, an dem der obere Balken weggelassen ist. Das Mineralreich ist weggelassen, um überhaupt das Kreuz zu bekommen; der Mensch beherrscht es bereits. Läßt man das Pflanzenreich in Aktion treten, so erhält man das nach oben gerichtete Kreuz...2Siehe unter Hinweise auf Seite 347. Das, was aus der Erde, aus der Seele heraus als Macht über die Erde sich entfaltet, ist das Symbol der zukünftigen Maurerei.
[ 79 ] Wer meinen vorigen Vortrag über die Maurerei gehört hat, wird sich erinnern, wie ich damals anführte, daß in der freimaurerischen Legende von Hiram-Abiff erzählt wird, daß er an einem bestimmten Punkte mit dem Tau-Zeichen eingriff. Die Königin von Saba wünschte, daß er die Arbeiter, die am Tempelbau beschäftigt waren, nochmals zusammenrufe. Auf Salomos Wink erschienen niemals die in sozialer Gemeinschaft zusammenwirkenden Leute. Auf das Tau-Zeichen hin - von Hiram-Abiff erhoben - erschienen die Leute von allen Seiten. Dieses Tau-Zeichen symbolisiert eine ganz neue Macht, die auf die Freiheit gegründet ist und in der Erweckung einer ganz neuen Naturkraft besteht.
[ 79 ] Wer meinen vorigen Vortrag über die Maurerei gehört hat, wird sich erinnern, wie ich damals anführte, daß in der freimaurerischen Legende von Hiram-Abiff erzählt wird, daß er an einem bestimmten Punkte mit dem Tau-Zeichen eingriff. Die Königin von Saba wünschte, daß er die Arbeiter, die am Tempelbau beschäftigt waren, nochmals zusammenrufe. Auf Salomos Wink erschienen niemals die in sozialer Gemeinschaft zusammenwirkenden Leute. Auf das Tau-Zeichen hin - von Hiram-Abiff erhoben - erschienen die Leute von allen Seiten. Dieses Tau-Zeichen symbolisiert eine ganz neue Macht, die auf die Freiheit gegründet ist und in der Erweckung einer ganz neuen Naturkraft besteht.
[ 80 ] An die Bemerkung, mit der ich das letzte Mal schloß, darf ich wohl jetzt nochmals anknüpfen. Ich sagte Ihnen, wozu die so große Bemeisterung der unlebendigen Natur führt. Ohne viel Phantasie kann man sich das, worum es sich handelt, mit einem Beispiel vor Augen führen: Die drahtlose Telegraphie wirkt in die Ferne von der Aufgabestelle zur Aufnahme-Empfangsstelle. Man kann da, wenn man will, den Apparat in Bewegung setzen und auf große Entfernungen Wirkungen auslösen und sich dadurch verständigen. Eine ähnliche Kraft, wie sie bei dieser drahtlosen Telegraphie wirkt, wird dem Menschen in späterer Zeit auch ohne Apparat zur Verfügung stehen, wodurch es ihm möglich sein wird, in weiter Entfernung große Verheerungen anzurichten, ohne daß man den Ausgangspunkt dieser Zerstörungen wird entdecken können. Wenn dann der Höhepunkt dieser Entwickelung erreicht sein wird, dann wird es schließlich dazu kommen, daß sie sich überschlägt.
[ 80 ] An die Bemerkung, mit der ich das letzte Mal schloß, darf ich wohl jetzt nochmals anknüpfen. Ich sagte Ihnen, wozu die so große Bemeisterung der unlebendigen Natur führt. Ohne viel Phantasie kann man sich das, worum es sich handelt, mit einem Beispiel vor Augen führen: Die drahtlose Telegraphie wirkt in die Ferne von der Aufgabestelle zur Aufnahme-Empfangsstelle. Man kann da, wenn man will, den Apparat in Bewegung setzen und auf große Entfernungen Wirkungen auslösen und sich dadurch verständigen. Eine ähnliche Kraft, wie sie bei dieser drahtlosen Telegraphie wirkt, wird dem Menschen in späterer Zeit auch ohne Apparat zur Verfügung stehen, wodurch es ihm möglich sein wird, in weiter Entfernung große Verheerungen anzurichten, ohne daß man den Ausgangspunkt dieser Zerstörungen wird entdecken können. Wenn dann der Höhepunkt dieser Entwickelung erreicht sein wird, dann wird es schließlich dazu kommen, daß sie sich überschlägt.
[ 81 ] Was durch das Tau ausgedrückt wird, ist eine Triebkraft, die nur in Bewegung gesetzt werden kann durch die Macht der selbstlosen Liebe. Sie wird selbst dazu verwendet werden können, Maschinen zu treiben, welche aber stillstehen werden, wenn egoistische Menschen sie bedienen.
[ 81 ] Was durch das Tau ausgedrückt wird, ist eine Triebkraft, die nur in Bewegung gesetzt werden kann durch die Macht der selbstlosen Liebe. Sie wird selbst dazu verwendet werden können, Maschinen zu treiben, welche aber stillstehen werden, wenn egoistische Menschen sie bedienen.
[ 82 ] Vielleicht ist Ihnen bekannt, daß Kee/y einen Motor konstruiert hat, der nur ging, wenn er selbst dabei war. Er hat damit den Leuten nichts vorgemacht, denn er hatte in sich selbst jene treibende Kraft, die aus dem Seelischen hervorgeht und Mechanisches in Bewegung setzen kann. Eine Antriebskraft, die nur moralisch sein kann, das ist die Idee der Zukunft; die wichtigste Kraft, die der Kultur eingeimpft werden muß, wenn sie sich nicht selbst überschlagen soll. Das Mechanische und das Moralische werden sich durchdringen, weil dann das Mechanische ohne das Moralische nichts ist. Hart vor dieser Grenze stehen wir heute. Nicht bloß mit Wasser und Dampf, sondern mit spiritueller Kraft, mit spiritueller Moral werden in Zukunft die Maschinen getrieben werden. Diese Kraft ist symbolisiert durch das TauZeichen und wurde schon poetisch angedeutet durch das Bild des Heiligen Gral. Wie der Mensch nicht mehr nur angewiesen ist darauf, zu benützen, was ihm die Natur freiwillig hergibt, sondern wie er die Natur formt und umgestaltet, wie er zum Werkbaumeister des Unlebendigen geworden ist, so wird er zum Werkbaumeister des Lebendigen werden.
[ 82 ] Vielleicht ist Ihnen bekannt, daß Kee/y einen Motor konstruiert hat, der nur ging, wenn er selbst dabei war. Er hat damit den Leuten nichts vorgemacht, denn er hatte in sich selbst jene treibende Kraft, die aus dem Seelischen hervorgeht und Mechanisches in Bewegung setzen kann. Eine Antriebskraft, die nur moralisch sein kann, das ist die Idee der Zukunft; die wichtigste Kraft, die der Kultur eingeimpft werden muß, wenn sie sich nicht selbst überschlagen soll. Das Mechanische und das Moralische werden sich durchdringen, weil dann das Mechanische ohne das Moralische nichts ist. Hart vor dieser Grenze stehen wir heute. Nicht bloß mit Wasser und Dampf, sondern mit spiritueller Kraft, mit spiritueller Moral werden in Zukunft die Maschinen getrieben werden. Diese Kraft ist symbolisiert durch das TauZeichen und wurde schon poetisch angedeutet durch das Bild des Heiligen Gral. Wie der Mensch nicht mehr nur angewiesen ist darauf, zu benützen, was ihm die Natur freiwillig hergibt, sondern wie er die Natur formt und umgestaltet, wie er zum Werkbaumeister des Unlebendigen geworden ist, so wird er zum Werkbaumeister des Lebendigen werden.
[ 83 ] Als etwas, das erobert werden muß, steht das alte geschlechtliche Symbol am Ausgang der Maurerei. Wie wenn ein mit wild wachsendem Gras bedeckter, aus dem Felsen herausgeschlagener Stein hingestellt würde neben eine wunderbar ausgestaltete Statue eines Bildhauers, so können Sie das alte Geschlechtssymbol der Maurerei neben die neue Symbolik der zukünftigen Maurerei hinstellen. Das haben diejenigen, die einigermaßen eingeweiht waren in die königliche Kunst, gewußt. Zum Beispiel hat dies Goethe im zweiten Teil des «Faust» in der Episode des Homunkulus in wunderbarer Weise zum Ausdruck gebracht. Darin liegen noch viele Mysterien, die erst gehoben werden müssen.
[ 83 ] Als etwas, das erobert werden muß, steht das alte geschlechtliche Symbol am Ausgang der Maurerei. Wie wenn ein mit wild wachsendem Gras bedeckter, aus dem Felsen herausgeschlagener Stein hingestellt würde neben eine wunderbar ausgestaltete Statue eines Bildhauers, so können Sie das alte Geschlechtssymbol der Maurerei neben die neue Symbolik der zukünftigen Maurerei hinstellen. Das haben diejenigen, die einigermaßen eingeweiht waren in die königliche Kunst, gewußt. Zum Beispiel hat dies Goethe im zweiten Teil des «Faust» in der Episode des Homunkulus in wunderbarer Weise zum Ausdruck gebracht. Darin liegen noch viele Mysterien, die erst gehoben werden müssen.
[ 84 ] Diese Dinge sollen darauf hinweisen, daß die Menschheit vor einer neuen Entwickelungsepoche der okkulten königlichen Kunst steht. Am wenigsten wissen diejenigen, die heute offiziell das Freimaurertum vertreten, was dieses zukünftige Freimaurertum sein wird. Am wenigsten wissen sie, daß etwas ganz Neues anstelle der alten, von ihnen so vielfach mißverstandenen Symbole treten wird, und daß diese eine ganz neue Bedeutung erhalten werden.
[ 84 ] Diese Dinge sollen darauf hinweisen, daß die Menschheit vor einer neuen Entwickelungsepoche der okkulten königlichen Kunst steht. Am wenigsten wissen diejenigen, die heute offiziell das Freimaurertum vertreten, was dieses zukünftige Freimaurertum sein wird. Am wenigsten wissen sie, daß etwas ganz Neues anstelle der alten, von ihnen so vielfach mißverstandenen Symbole treten wird, und daß diese eine ganz neue Bedeutung erhalten werden.
[ 85 ] So wahr es ist, daß in der Vergangenheit alles wirklich Große aus der königlichen Kunst hervorgegangen ist, so wahr ist es, daß alles wirklich Große der Zukunft aus der Pflege der königlichen Kunst hervorgehen wird. Gewiß, heute kann jeder Schuljunge den pythagoräischen Lehrsatz beweisen, entdecken konnte ihn nur Pythagoras, weil er Meister in der königlichen Kunst war. So ist es auch mit der Zukunft der königlichen Kunst. So sehen Sie, daß die maurerische Kunst an einem Wendepunkt der Entwickelung steht und daß sie im engsten Zusammenhange ist mit dem, was in der Gralsloge tätig war und was als Heil erscheinen kann in den furchtbaren Kämpfen, die uns heute umgeben.
[ 85 ] So wahr es ist, daß in der Vergangenheit alles wirklich Große aus der königlichen Kunst hervorgegangen ist, so wahr ist es, daß alles wirklich Große der Zukunft aus der Pflege der königlichen Kunst hervorgehen wird. Gewiß, heute kann jeder Schuljunge den pythagoräischen Lehrsatz beweisen, entdecken konnte ihn nur Pythagoras, weil er Meister in der königlichen Kunst war. So ist es auch mit der Zukunft der königlichen Kunst. So sehen Sie, daß die maurerische Kunst an einem Wendepunkt der Entwickelung steht und daß sie im engsten Zusammenhange ist mit dem, was in der Gralsloge tätig war und was als Heil erscheinen kann in den furchtbaren Kämpfen, die uns heute umgeben.
[ 86 ] Diese Kämpfe sind erst im Anfang. Die Menschheit weiß nicht, daß sie auf einem Vulkane tanzt. Aber sie tanzt auf einem Vulkan. Es beginnen diejenigen Revolutionen auf unserer Erde, die eine neue Phase der königlichen Kunst notwendig machen. Diejenigen, welche nicht gedankenlos dahinleben, werden wissen, was sie zu tun haben; werden wissen, daß sie mitzuwirken haben an der Entwickelung unserer Erde. Darum muß in gewisser Weise diese uralte königliche Kunst in einer neuen Form geschildert werden und das Uralte begleiten. In diesem Uralten liegt trotzdem eine unversiegliche Kraft. Die den neuen freimaurerischen Gedanken erfassen, werden wieder Funken schlagen aus den alten freimaurerischen Symbolen. Dann wird sich auch zeigen, daß das Herumstreiten über Johannes- oder Hochgradmaurerei keine Bedeutung hat gegenüber dem Bestreben der wahren Maurerei.
[ 86 ] Diese Kämpfe sind erst im Anfang. Die Menschheit weiß nicht, daß sie auf einem Vulkane tanzt. Aber sie tanzt auf einem Vulkan. Es beginnen diejenigen Revolutionen auf unserer Erde, die eine neue Phase der königlichen Kunst notwendig machen. Diejenigen, welche nicht gedankenlos dahinleben, werden wissen, was sie zu tun haben; werden wissen, daß sie mitzuwirken haben an der Entwickelung unserer Erde. Darum muß in gewisser Weise diese uralte königliche Kunst in einer neuen Form geschildert werden und das Uralte begleiten. In diesem Uralten liegt trotzdem eine unversiegliche Kraft. Die den neuen freimaurerischen Gedanken erfassen, werden wieder Funken schlagen aus den alten freimaurerischen Symbolen. Dann wird sich auch zeigen, daß das Herumstreiten über Johannes- oder Hochgradmaurerei keine Bedeutung hat gegenüber dem Bestreben der wahren Maurerei.
[ 87 ] Dazu ist notwendig — was uns zum Ausgangspunkte wieder zurückführt — die Frage zu beantworten: Was war die königliche Kunst bisher? — Diese königliche Kunst war bisher die Seele unserer Kultur. Und diese unsere Kultur hat zwei Grundeigenschaften. Einerseits ist sie aufgebaut auf diejenigen Kräfte in der menschlichen Seele, welche sich mit dem Unlebendigen beschäftigen, und andererseits auf diejenigen Kräfte unter den Menschen, die vorzugsweise dieses Bemeistern des Unlebendigen sich zu ihrer Aufgabe machen einfach vermittels der durch ihren Organismus hervorgerufenen Kräfte: das sind die Männer. Daher war die königliche Kunst bisher eine Männerkunst. Die Frauen waren daher ausgeschlossen und konnten nicht daran teilnehmen. Abgesondert, getrennt wurden die Arbeiten in den Logen verrichtet - wie im einzelnen, darauf kommt es nicht an - von dem, was sich auf die Familie, die Fortpflanzung der reinen Naturgrundlage des Menschengeschlechtes bezieht. In der Freimaurerei wurde daher ein Doppelleben geführt: die großen Ideen, die in der Loge zum Ausdruck kamen, durften nicht verquickt werden mit dem, was im Zusammenhange mit der Familie steht. Die Logenarbeit, als sich auf das innerste Seelenleben beziehend, lief neben der Pflege des Zusammenlebens in der Familie einher. Im Kampfe lag die eine Strömung mit der anderen. Ausgeschlossen waren die Frauen von der Maurerei. Das hörte in dem Augenblicke auf, als die Freimaurerei nicht mehr nach rückwärts schaute, sondern den Blick vorwärts richtete. Denn gerade dasjenige wurde als weibliche Strömung bezeichnet, was von außen [?] zufloß; dasjenige wurde von der Maurerei als etwas Priesterliches bezeichnet, was von Natur aus da war. Und das sah das Maurerische bisher als das Feindliche an.
[ 87 ] Dazu ist notwendig — was uns zum Ausgangspunkte wieder zurückführt — die Frage zu beantworten: Was war die königliche Kunst bisher? — Diese königliche Kunst war bisher die Seele unserer Kultur. Und diese unsere Kultur hat zwei Grundeigenschaften. Einerseits ist sie aufgebaut auf diejenigen Kräfte in der menschlichen Seele, welche sich mit dem Unlebendigen beschäftigen, und andererseits auf diejenigen Kräfte unter den Menschen, die vorzugsweise dieses Bemeistern des Unlebendigen sich zu ihrer Aufgabe machen einfach vermittels der durch ihren Organismus hervorgerufenen Kräfte: das sind die Männer. Daher war die königliche Kunst bisher eine Männerkunst. Die Frauen waren daher ausgeschlossen und konnten nicht daran teilnehmen. Abgesondert, getrennt wurden die Arbeiten in den Logen verrichtet - wie im einzelnen, darauf kommt es nicht an - von dem, was sich auf die Familie, die Fortpflanzung der reinen Naturgrundlage des Menschengeschlechtes bezieht. In der Freimaurerei wurde daher ein Doppelleben geführt: die großen Ideen, die in der Loge zum Ausdruck kamen, durften nicht verquickt werden mit dem, was im Zusammenhange mit der Familie steht. Die Logenarbeit, als sich auf das innerste Seelenleben beziehend, lief neben der Pflege des Zusammenlebens in der Familie einher. Im Kampfe lag die eine Strömung mit der anderen. Ausgeschlossen waren die Frauen von der Maurerei. Das hörte in dem Augenblicke auf, als die Freimaurerei nicht mehr nach rückwärts schaute, sondern den Blick vorwärts richtete. Denn gerade dasjenige wurde als weibliche Strömung bezeichnet, was von außen [?] zufloß; dasjenige wurde von der Maurerei als etwas Priesterliches bezeichnet, was von Natur aus da war. Und das sah das Maurerische bisher als das Feindliche an.
[ 88 ] Der Mann ist seiner Natur nach der Repräsentant der im Unlebendigen schaffenden Kraft, während die Frau die Repräsentantin der lebendig schaffenden, das Menschengeschlecht aus der Naturgrundlage heraus fortentwickelnden Kräfte darstellt. Dieser Gegensatz muß überwunden werden.
[ 88 ] Der Mann ist seiner Natur nach der Repräsentant der im Unlebendigen schaffenden Kraft, während die Frau die Repräsentantin der lebendig schaffenden, das Menschengeschlecht aus der Naturgrundlage heraus fortentwickelnden Kräfte darstellt. Dieser Gegensatz muß überwunden werden.
[ 89 ] Was in der Zukunft bewirkt werden soll, wird nur bewirkt werden können, wenn dasjenige in der Welt überwunden ist, was sich auf die alten Symbole stützt, die gerade im Geschlechtlichen ausgedrückt sind. Die heute veraltete Freimaurerei hat deshalb diese Symbole, weil sie gerade damit sagen will: dies müssen wir überwinden; aber es muß dieses Geschlechtliche bestehen bleiben draußen in den Institutionen, die sich auf das Natürliche beziehen; nur abgesondert kann man das überwinden. Der Baumeister, der Künstler, der Staatsmann, sie alle haben nichts zu tun - in ihrer Denkweise selbstverständlich, ich bitte das zu erwägen — mit der Naturgrundlage der Geschlechtlichkeit. Sie arbeiten alle mit dem Verstande, mit dem Intellekt, an der Bemeisterung der unlebendigen Kräfte. Das wird ausgedrückt in den freimaurerischen Symbolen. Diese Naturgrundlage in ferner Zukunft zu überwinden, die Kräfte des Lebendigen zu bemeistern — wie seit den fernen Zeiten der lemurischen Rasse der Mensch angefangen hat, die unlebendigen Kräfte zu bemeistern -, das wird in neuen Symbolen zum Ausdruck kommen. Dann wird nicht bloß im Gebiet des Leblosen, sondern auch im Gebiete des Lebendigen die Naturgrundlage überwunden werden.
[ 89 ] Was in der Zukunft bewirkt werden soll, wird nur bewirkt werden können, wenn dasjenige in der Welt überwunden ist, was sich auf die alten Symbole stützt, die gerade im Geschlechtlichen ausgedrückt sind. Die heute veraltete Freimaurerei hat deshalb diese Symbole, weil sie gerade damit sagen will: dies müssen wir überwinden; aber es muß dieses Geschlechtliche bestehen bleiben draußen in den Institutionen, die sich auf das Natürliche beziehen; nur abgesondert kann man das überwinden. Der Baumeister, der Künstler, der Staatsmann, sie alle haben nichts zu tun - in ihrer Denkweise selbstverständlich, ich bitte das zu erwägen — mit der Naturgrundlage der Geschlechtlichkeit. Sie arbeiten alle mit dem Verstande, mit dem Intellekt, an der Bemeisterung der unlebendigen Kräfte. Das wird ausgedrückt in den freimaurerischen Symbolen. Diese Naturgrundlage in ferner Zukunft zu überwinden, die Kräfte des Lebendigen zu bemeistern — wie seit den fernen Zeiten der lemurischen Rasse der Mensch angefangen hat, die unlebendigen Kräfte zu bemeistern -, das wird in neuen Symbolen zum Ausdruck kommen. Dann wird nicht bloß im Gebiet des Leblosen, sondern auch im Gebiete des Lebendigen die Naturgrundlage überwunden werden.
[ 90 ] Wenn wir das bedenken, dann erscheinen uns die alten geschlechtlichen Symbole gerade als dasjenige, was im weitesten Sinne überwunden werden muß, und dann finden wir in dem Gedanken der Vereinigung von männlichen und weiblichen Geisteskräften dasjenige, was in Zukunft das Schaffende, das eigentlich Wirkende sein soll. Das äußere Ereignis für diesen Fortschritt in der Freimaurerei ist daher der Eintritt des weiblichen Geschlechtes.
[ 90 ] Wenn wir das bedenken, dann erscheinen uns die alten geschlechtlichen Symbole gerade als dasjenige, was im weitesten Sinne überwunden werden muß, und dann finden wir in dem Gedanken der Vereinigung von männlichen und weiblichen Geisteskräften dasjenige, was in Zukunft das Schaffende, das eigentlich Wirkende sein soll. Das äußere Ereignis für diesen Fortschritt in der Freimaurerei ist daher der Eintritt des weiblichen Geschlechtes.
[ 91 ] Es gibt einen sinnigen Brauch in der Freimaurerei, der auf diese Sache Bezug hat. Wer in die Loge eingeführt wird, bekommt zwei Paar Handschuhe: das eine Paar, damit er es selbst anziehe, das andere Paar dagegen soll er derjenigen anziehen, die er am liebsten hat. Damit soll angedeutet werden, daß sich beide nur mit Handschuhen anfassen sollen, damit sinnliche Regungen nichts zu tun haben mit dem, was die Freimaurerei angeht. Auch in einem anderen Symbol ist dieser Gedanke ausgedrückt: Das Schurzfell ist das Symbol für die Überwindung des Sexuellen. Das wird zugedeckt mit dem Schurzfell. Wer diese tiefe Idee in der Freimaurerei nicht erkennt, wird auch keine Ahnung davon haben können, was das Schurzfell eigentlich bedeutet. Mit der Freimaurerei im engeren Sinn kann man das Schurzfell nicht in Verbindung bringen.
[ 91 ] Es gibt einen sinnigen Brauch in der Freimaurerei, der auf diese Sache Bezug hat. Wer in die Loge eingeführt wird, bekommt zwei Paar Handschuhe: das eine Paar, damit er es selbst anziehe, das andere Paar dagegen soll er derjenigen anziehen, die er am liebsten hat. Damit soll angedeutet werden, daß sich beide nur mit Handschuhen anfassen sollen, damit sinnliche Regungen nichts zu tun haben mit dem, was die Freimaurerei angeht. Auch in einem anderen Symbol ist dieser Gedanke ausgedrückt: Das Schurzfell ist das Symbol für die Überwindung des Sexuellen. Das wird zugedeckt mit dem Schurzfell. Wer diese tiefe Idee in der Freimaurerei nicht erkennt, wird auch keine Ahnung davon haben können, was das Schurzfell eigentlich bedeutet. Mit der Freimaurerei im engeren Sinn kann man das Schurzfell nicht in Verbindung bringen.
[ 92 ] Wir haben also auf der einen Seite die Überwindung des Natürlichen durch den frei schaffenden Geist, auf der anderen Seite aber auch die Trennung durch die Handschuhe. Die Handschuhe werden wir aber schließlich auch ausziehen können nach Überwindung des Niederen, mit Aufwendung der unmittelbaren freien geistigen Kraft beider Geschlechter. Dann wird wirklich erst dasjenige, was sich heute in der Geschlechtlichkeit äußert, schließlich überwunden sein. In einem freien, durchaus freien menschlichen Schaffen, in einem Zusammenwirken von Mann und Frau an dem großen Menschheitsbau werden die Handschuhe nicht mehr ausgeteilt werden, weil sie sich frei die Hände reichen können, weil jetzt Geist zu Geist spricht, nicht Sinnlichkeit zu Sinnlichkeit. Das ist die große Zukunftsidee.
[ 92 ] Wir haben also auf der einen Seite die Überwindung des Natürlichen durch den frei schaffenden Geist, auf der anderen Seite aber auch die Trennung durch die Handschuhe. Die Handschuhe werden wir aber schließlich auch ausziehen können nach Überwindung des Niederen, mit Aufwendung der unmittelbaren freien geistigen Kraft beider Geschlechter. Dann wird wirklich erst dasjenige, was sich heute in der Geschlechtlichkeit äußert, schließlich überwunden sein. In einem freien, durchaus freien menschlichen Schaffen, in einem Zusammenwirken von Mann und Frau an dem großen Menschheitsbau werden die Handschuhe nicht mehr ausgeteilt werden, weil sie sich frei die Hände reichen können, weil jetzt Geist zu Geist spricht, nicht Sinnlichkeit zu Sinnlichkeit. Das ist die große Zukunftsidee.
[ 93 ] Wenn heute jemand anknüpfen will an die alte Maurerei, so ist er nur dann auf der Höhe des freimaurerischen Gedankens für die Gestaltung der Zukunft des Menschengeschlechts, wenn er in diesem Sinne wirkt und trotz des Alters dieses Ordens Verständnis hat für das, was die Zeiten von uns fordern. Wenn es möglich sein wird, Verständnis zu finden für das, was man das Geheimnis der königlichen Kunst nennt, so wird zweifellos die Zukunft uns die Wiedergeburt der alten, guten, herrlichen, heute aber heruntergekommenen Freimaurerei bringen.
[ 93 ] Wenn heute jemand anknüpfen will an die alte Maurerei, so ist er nur dann auf der Höhe des freimaurerischen Gedankens für die Gestaltung der Zukunft des Menschengeschlechts, wenn er in diesem Sinne wirkt und trotz des Alters dieses Ordens Verständnis hat für das, was die Zeiten von uns fordern. Wenn es möglich sein wird, Verständnis zu finden für das, was man das Geheimnis der königlichen Kunst nennt, so wird zweifellos die Zukunft uns die Wiedergeburt der alten, guten, herrlichen, heute aber heruntergekommenen Freimaurerei bringen.
[ 94 ] Einer der Wege, auf denen der Okkultismus in die Menschheit dringen wird, wird die wiedererstehende Freimaurerei sein. Gerade dadurch zeichnet sich das Allerbeste aus, daß es am meisten den Fehlern seiner Tugenden ausgesetzt ist. Und kann man auch heute die Freimaurerei nur als eine Karikatur der großen königlichen Kunst bezeichnen, so dürfen wir doch nicht verzagen in dem Bemühen, die in ihr schlummernden Kräfte wieder aufzuwecken: eine Arbeit, die uns obliegt auf einem Gebiete, das mit der theosophischen Bewegung parallel läuft. Wenn wir die Frage, die auf uns lastet, nicht pfuschermäßig betrachten, sondern wirklich aus den Tiefen des Weltwirkens erfassen wollen, wenn wir erfassen wollen, was in den Seelen der Geschlechter, im Kampfe der Geschlechter heute zum Ausdruck kommt, dann werden wir sehen, daß aus diesen Kräften die bildende Kraft für die Zukunft fließen muß.
[ 94 ] Einer der Wege, auf denen der Okkultismus in die Menschheit dringen wird, wird die wiedererstehende Freimaurerei sein. Gerade dadurch zeichnet sich das Allerbeste aus, daß es am meisten den Fehlern seiner Tugenden ausgesetzt ist. Und kann man auch heute die Freimaurerei nur als eine Karikatur der großen königlichen Kunst bezeichnen, so dürfen wir doch nicht verzagen in dem Bemühen, die in ihr schlummernden Kräfte wieder aufzuwecken: eine Arbeit, die uns obliegt auf einem Gebiete, das mit der theosophischen Bewegung parallel läuft. Wenn wir die Frage, die auf uns lastet, nicht pfuschermäßig betrachten, sondern wirklich aus den Tiefen des Weltwirkens erfassen wollen, wenn wir erfassen wollen, was in den Seelen der Geschlechter, im Kampfe der Geschlechter heute zum Ausdruck kommt, dann werden wir sehen, daß aus diesen Kräften die bildende Kraft für die Zukunft fließen muß.
[ 95 ] Das alles, was man heute herumredet, ist nichts. Beantworten kann man diese Fragen nicht, wenn die Antwort nicht aus den Tiefen geschöpft wird. Was als soziale oder als Frauenfrage heute in der Welt existiert, ist nichts, wenn es nicht aus den Tiefen der Weltenkräfte erkannt und mit ihnen in Einklang gebracht wird.
[ 95 ] Das alles, was man heute herumredet, ist nichts. Beantworten kann man diese Fragen nicht, wenn die Antwort nicht aus den Tiefen geschöpft wird. Was als soziale oder als Frauenfrage heute in der Welt existiert, ist nichts, wenn es nicht aus den Tiefen der Weltenkräfte erkannt und mit ihnen in Einklang gebracht wird.
[ 96 ] So wahr es ist, daß große Taten in der Vergangenheit aus der Maurerei herausgeholt worden sind, so wahr ist es, daß die künftigen großen praktischen Taten aus den Tiefen der zukünftigen maurerischen Ideen herausgeholt werden müssen.
[ 96 ] So wahr es ist, daß große Taten in der Vergangenheit aus der Maurerei herausgeholt worden sind, so wahr ist es, daß die künftigen großen praktischen Taten aus den Tiefen der zukünftigen maurerischen Ideen herausgeholt werden müssen.
