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Original Impulses of Spiritual Science
GA 96

22 October 1906 a.m., Berlin

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11. Ernährungsfragen und Heilmethoden

11. Nutritional Issues and Healing Methods

[ 1 ] Heute soll vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus über etwas gesprochen werden, dem ein eminent großer Wert beigemessen werden kann, wenn es in der richtigen Weise aufgefaßt wird. Es sollen einige Gesichtspunkte über Ernährungs- und Heilweise angegeben werden. Mehr noch als bei irgendeiner anderen Auseinandersetzung müssen Sie dabei allerdings berücksichtigen, daß es sich nur um das Herausgreifen ganz aphoristischer Einzelheiten aus einem unendlich weiten Gebiete handelt und daß es sehr schwierig ist, heute schon darüber in einer allgemein verständlichen Sprache zu sprechen. Es kann deshalb auch nur annähernd darüber gesprochen werden, weil man es in einem solchen erweiterten Kreise nicht mit lauter Eingeweihten zu tun hat, die in der Lage wären, jedes Wort auch wirklich seinem Wahrheitswert nach zu empfinden.

[ 1 ] Today we will discuss, from a humanities perspective, a topic that can be considered of immense value if understood correctly. We will present some insights regarding nutrition and healing methods. Even more so than in any other discussion, however, you must bear in mind that this involves selecting only aphoristic details from an infinitely vast field, and that it is very difficult to speak about this today in language that is generally understandable. Therefore, we can only speak of it in approximate terms, because in such a broad circle we are not dealing exclusively with initiates who would be able to truly perceive the truth value of every word.

[ 2 ] In okkulten Schulen, deren Angehörige bereits auf einer höheren Stufe stehen, kann man sich auf eine ganz bestimmte Ausdrucksform einigen, so daß ein gewisses Wort einen entsprechenden Gefühlsimpuls zum Ausdruck bringt. Alle derartigen Dinge, wie sie heute angedeutet werden können, haben im gewöhnlichen Leben oft eine andere Bedeutung. Aber es soll doch versucht werden, auch heute schon über solche Fragen zu sprechen, haben sie doch zugleich einen praktischen Wert. Diejenigen werden freilich nicht viel davon haben, die nicht glauben, daß die Wirkungen, die aus Ursachen in der geistigen Welt erzeugt werden, viel stärker sind als die Wirkungen der äußeren physischen Welt. Daß in dem, was als Geist bezeichnet werden muß und was eine starke Wirkung in der Welt ausübt, Kräfte enthalten sind, ähnlich wie in Elektrizität, Magnetismus und so weiter, wird mancher theoretisch zugeben. Aber von realer Bedeutung wird das erst, wenn jeder dafür ein tieferes Gefühl und Verständnis aufbringt. Die Geisteswissenschaft kommt gegenüber dem heutigen Kulturleben in mancherlei Lagen. Vor allem wird sie sowohl von denen mißverstanden, die konservativ in den alten Geleisen weiterleben wollen, als auch von den zahlreichen Menschen, die auf den verschiedensten Lebensgebieten durch Reformen tätig sein wollen. Alle diese verschiedenen Gruppen von Menschen kommen an die Geisteswissenschaft heran und finden es eigentlich selbstverständlich, daß nicht sie zur Geisteswissenschaft kommen, sondern daß die Geisteswissenschaft zu ihnen komme. Wohl mag es leicht verständlich sein, daß beispielsweise ein radikaler Tierschutzfreund seine Kräfte und Erfahrungen nicht der geisteswissenschaftlichen Bewegung zur Verfügung stellt, sondern wütend wird, wenn nicht alle Theosophen gleich in die Tierschutzbewegung eintreten. Sie können das auf allen möglichen Spezialgebieten erleben. Das ist auch ganz natürlich. Da aber die theosophische Bewegung ein Universelles ist, verhält sie sich zu den verschiedenen Einzelbewegungen wie der Plan eines Baumeisters zu dem, was die Zimmerleute, Maurer, Handwerker und so weiter an dem Hause zu leisten haben. Die letztgenannten sind einzelne Arbeiter. Wer aber den ganzen Bau leitet, muß von den Arbeitern verlangen, zu ihm zu kommen, damit sie ihre speziellen Anweisungen von ihm erhalten. Deshalb kann sich die Geisteswissenschaft auch nicht darauf einlassen, wenn andere Bewegungen, Homöopathen, Antialkoholiker und andere, fordern, daß die Geisteswissenschaft zu ihnen komme, sondern alle die Spezialgebiete müssen sich eingliedern in die geisteswissenschaftliche Bewegung, die eine Grundreform auf allen Gebieten des Lebens anstreben muß, aber von innen heraus.

[ 2 ] In occult schools whose members have already reached a higher level, it is possible to agree upon a very specific form of expression, so that a certain word conveys a corresponding emotional impulse. All such things, as they can be hinted at today, often have a different meaning in everyday life. But an attempt should still be made to speak about such questions even today, since they also have practical value. Of course, those who do not believe that the effects generated by causes in the spiritual world are much stronger than the effects of the external physical world will not gain much from this. Many will theoretically admit that what must be called the spirit—and which exerts a powerful influence on the world—contains forces similar to those found in electricity, magnetism, and so on. But this only becomes truly significant when everyone develops a deeper sense and understanding of it. Spiritual science faces various challenges in relation to today’s cultural life. Above all, it is misunderstood both by those who wish to continue living conservatively along the old paths and by the numerous people who wish to work for reform in the most diverse areas of life. All these different groups of people approach spiritual science and actually take it for granted that it is not they who come to spiritual science, but that spiritual science comes to them. It is perhaps easy to understand that, for example, a radical animal rights advocate does not place his or her energies and experiences at the disposal of the theosophical movement, but rather becomes angry when not all theosophists immediately join the animal rights movement. You can observe this in all sorts of specialized fields. That is also quite natural. But since the Theosophical Movement is universal, it relates to the various individual movements in the same way that an architect’s plan relates to the work that carpenters, masons, craftsmen, and so on must perform on the house. The latter are individual workers. But whoever directs the entire construction must require the workers to come to him so that they may receive their specific instructions from him. For this reason, theosophy cannot accede to demands from other movements—such as homeopaths, temperance advocates, and others—that theosophy come to them; rather, all these specialized fields must integrate themselves into the theosophical movement, which must strive for a fundamental reform in all areas of life, but from within.

[ 3 ] Insbesondere wird die Stellung der Theosophie gegenüber der Wissenschaft sehr leicht mißverstanden. Nicht nur die Wissenschafter glauben, die Theosophie wäre ihre Feindin und wolle von der Wissenschaft nichts wissen. Auch manche Freunde der Theosophie sind dieser Ansicht. Namentlich der wissenschaftlich gebildete Arzt, der im Sinne der offiziellen Anforderungen tätig ist, wird leicht zu dem Vorurteil kommen, die Theosophie arbeite nicht mit wissenschaftlichen Methoden und gehe daher nicht mit der Wissenschaft Hand in Hand. Und doch ist das nicht der Fall.

[ 3 ] In particular, theosophy’s relationship to science is very easily misunderstood. It is not only scientists who believe that theosophy is their enemy and wants nothing to do with science. Some friends of Theosophy also hold this view. In particular, a scientifically trained physician who works within the framework of official requirements will easily fall into the prejudice that Theosophy does not employ scientific methods and therefore does not go hand in hand with science. And yet that is not the case.

[ 4 ] Sie hören heute von vielen Leuten Schlagworte über Schlagworte. Daß es Spezialisten gibt, ist in gewisser Weise durchaus berechtigt. Nicht die Vertreter der Spezialgebiete, sondern vor allem ihre Nachbeter gebrauchen solche Schlagworte. Eines von diesen Schlagworten möchte ich gleich an die Spitze stellen. Man hört vielfach, daß das Publikum sich geradezu hypnotisieren läßt, wenn der Ausdruck «Gift» gebraucht wird. Es erscheint sehr einleuchtend, wenn gesagt wird: Ein Gift darf nicht in den Körper kommen! — Man spricht dann gerne von «Naturheilkunde». Was hat man überhaupt unter Natur zu verstehen? Und was unter Gift? Natur umfaßt auch die Wirkung, die das Gift der Belladonna auf den menschlichen Organismus ausübt, denn es ist eine rein natürliche Wirkung. Natur schließt selbstverständlich alle Wirkungen ein, die unter Naturgesetzen stehen. Und was ist ein Gift? Wasser ist ein starkes Gift, wenn es der Mensch eimerweise vertilgt, denn es wirkt dann in hohem Grade zerstörend. Und Arsenik ist eine sehr gute Sache, wenn Sie es in bestimmten Kombinationen verwenden. Deshalb ist ein wirklich intimes Studium des menschlichen Organismus und der Dinge in der Natur draußen notwendig.

[ 4 ] These days, you hear people throwing around one catchphrase after another. In a certain sense, the existence of specialists is entirely justified. It is not the experts in these specialized fields themselves, but above all those who parrot them, who use such catchphrases. I would like to highlight one of these catchphrases right away. It is often said that the public becomes downright mesmerized when the term “poison” is used. It seems very plausible when people say: “Poison must not enter the body!” — People then like to speak of “natural medicine.” What, exactly, is meant by “nature”? And what by “poison”? Nature also encompasses the effect that belladonna poison exerts on the human organism, for it is a purely natural effect. Nature naturally includes all effects that are governed by the laws of nature. And what is a poison? Water is a powerful poison if a person consumes it by the bucketful, for it then has a highly destructive effect. And arsenic is a very beneficial substance when used in certain combinations. That is why a truly in-depth study of the human organism and the things found in nature is necessary.

[ 5 ] Schon Paracelsus hat in seiner schlagenden Sprache darauf hingewiesen, wie bestimmte Vorgänge des menschlichen Körpers mit solchen in der äußeren Natur zusammenhängen, so Cholera mit Arsenik. Deshalb nannte er auch einen Cholerakranken einen Arsenicus, weil er wußte, daß bei Arsenik und Cholera dieselben Faktoren wirksam sind, und weil er zugleich erkannte, wie die Dinge zusammen harmonieren. Da haben wir es mit einem Naturprozeß zu tun, den man erst durchschauen muß.

[ 5 ] Paracelsus himself, in his forceful language, pointed out how certain processes in the human body are related to those in the external natural world—such as cholera and arsenic. That is why he also called a cholera patient an “Arsenicus”—because he knew that the same factors are at work in arsenic and cholera, and because he simultaneously recognized how these things harmonize with one another. We are dealing here with a natural process that must first be understood.

[ 6 ] Ein anderes, was hindernd in den Weg tritt, wenn es sich um eine Verständigung mit der Wissenschaft handelt, ist die materialistische Denkweise, welche alle Fragen, um die es hier geht, in ein schiefes Licht gebracht hat. Erinnern Sie sich daran, was über die Wirkungen gewisser Metalle auf den menschlichen Organismus gesagt wurde. Nun könnte jemand behaupten, die Geisteswissenschaft sei reinster Materialismus, wenn sie erklärt, daß die Kräfte in den Mineralien und Metallen materielle Wirkungen auf den menschlichen Organismus ausüben. Doch die Geisteswissenschaft weiß zugleich, daß das Materielle in einer bestimmten Beziehung zum Geiste steht. Wer wirklich eine spirituelle Weltanschauung vertritt, hat erkannt, daß es sich bei solchen Stoffen eben nicht um bloße Materie handelt, sondern daß darin ebenso wie in einem von Haut umgebenen Wesen Geist und Seele lebt. In diesem Sinne spricht der 'Theosoph von dem Geist, der im Gold, im Quarz, im Arsenik oder im Gift der Belladonna verkörpert ist. Für den Okkultisten ist die Welt voll von geistigen Wesenheiten. Die im Blei verkörperte Geistigkeit hat jene Beziehung zum menschlichen Organismus, von der Sie gestern hörten. Für die Theosophen handelt es sich nicht um das Aufsuchen von irgendwelchen sonderbaren geistigen Wesen, die gar nichts mit unserer Welt zu tun haben, sondern um solche, die in jedem Stück Metall, wie überhaupt in allem, was uns umgibt, enthalten sind. So durchgeistigt die geisteswissenschaftliche Weltanschauung den Stoff. Geistige Analogien sind etwas, was auf wirklicher spiritueller Forschung beruht.

[ 6 ] Another obstacle that stands in the way of reaching an understanding with science is the materialistic way of thinking, which has cast all the issues at hand in a distorted light. Recall what was said about the effects of certain metals on the human organism. Now, someone might claim that spiritual science is pure materialism when it explains that the forces in minerals and metals exert material effects on the human organism. Yet spiritual science also knows that the material stands in a certain relationship to the spirit. Anyone who truly holds a spiritual worldview has recognized that such substances are not merely matter, but that spirit and soul live within them just as they do in a being enveloped by skin. In this sense, the theosophist speaks of the spirit embodied in gold, quartz, arsenic, or the poison of belladonna. For the occultist, the world is full of spiritual beings. The spirituality embodied in lead has that relationship to the human organism that you heard about yesterday. For theosophists, it is not a matter of seeking out some strange spiritual beings that have nothing to do with our world, but rather those that are contained in every piece of metal, as indeed in everything that surrounds us. This is how the spiritual-scientific worldview imbues matter with spirit. Spiritual analogies are something based on genuine spiritual research.

[ 7 ] Nicht um eine Gegnerschaft gegen die Fachwissenschaft handelt es sich hier. Es muß Spezialisierung geben, und man darf über die äußeren Tatsachen nicht hinweggehen. Aber es ist unmöglich, aus einem Spezialwissen heraus einen Gesamtstandpunkt über die Welt zu erhalten. Auch der Arzt muß als Persönlichkeit etwas von den höheren Welten wissen. Er wird dann seine Arbeit ganz anders einrichten, als ein solcher, der nichts von den großen Zusammenhängen weiß. Dann wird man auch die Symptome anders werten. Eine einzelne Beobachtung oder ein Erlebnis wird man vielleicht für etwas ganz Geringfügiges halten, wenn sich das aus einem Überblick über das Ganze ergibt. Wie jeder, der an der Kultur arbeitet, bestimmte Voraussetzungen mit sich bringen muß, so wird die Zukunft auch geisteswissenschaftlich gebildete Ärzte verlangen. Nicht nur um das empirische Vermögen handelt es sich, sondern noch um etwas ganz anderes. Als Beispiel sei hier Hahnemann, der Begründer der Homöopathie angeführt. Zwischen Paracelsus und Hahnemann besteht ein großer Unterschied. Der Arzt des 16. Jahrhunderts war noch bis zu einem gewissen Grade hellsehend. Das war damals noch eine weitverbreitete Eigenschaft. Hahnemann war das nicht mehr. Er konnte nur die Wirkung der Heilmittel durch die Sinneserfahrung erproben.

[ 7 ] This is not a matter of opposition to specialized science. Specialization is necessary, and one must not ignore external facts. But it is impossible to gain a comprehensive view of the world based solely on specialized knowledge. Even a physician, as a human being, must know something about the higher realms. He will then approach his work quite differently than one who knows nothing of the greater connections. Then, too, symptoms will be interpreted differently. A single observation or experience may be considered quite insignificant when viewed within the context of the whole. Just as anyone working in the field of culture must bring certain prerequisites with them, so too will the future demand physicians educated in the spiritual sciences. It is not merely a matter of empirical ability, but of something entirely different. Take, for example, Hahnemann, the founder of homeopathy. There is a great difference between Paracelsus and Hahnemann. The 16th-century physician was, to a certain extent, still clairvoyant. At that time, this was still a widespread trait. Hahnemann was no longer so. He could only test the effects of remedies through sensory experience.

[ 8 ] Für die hier gemeinte Beziehung des Menschen zu Wesen und Gegenständen der Natur gibt es ein Analogon, nämlich das Verhältnis der Geschlechter zueinander, das vorzugsweise durch Sympathie bestimmt wird. Es ist ein geheimnisvoller Zug, der die Geschlechter zueinander drängt, eine Kraft, die innerhalb des Lebendigen wirkt. Es ist nicht als irgend etwas Mystisches im schlechten Sinne des Wortes aufzufassen, daß sich der eine Mann zu dem einen Weibe hingezogen fühlt. Wer sich zum okkulten Weltbetrachter ausbildet, hat ein ähnliches Verhältnis zu allen lebenden Dingen um sich herum, das ein universales genannt werden kann. So wie es ein spezifisches Verhältnis zwischen dem einen Mann und dem einen Weibe gibt, so gibt es ein spezifisches Verhältnis zwischen einem solchen Menschen und den Phänomenen seiner Umgebung. Wer diese Kräfte in sich ausgebildet hat, erlangt das Wissen, das ihn erkennen läßt, welches Verhältnis ein bestimmtes Ding zum Menschen hat. Daraus ergibt sich auch eine Erkenntnis der Wirkung der Heilkräfte.

[ 8 ] There is an analogy for the relationship between human beings and the beings and objects of nature referred to here, namely, the relationship between the sexes, which is primarily determined by sympathy. It is a mysterious force that draws the sexes to one another, a force that operates within living beings. The fact that one man feels drawn to one woman should not be understood as something mystical in the negative sense of the word. Anyone who trains themselves to view the world from an occult perspective has a similar relationship to all living things around them—one that can be called universal. Just as there is a specific relationship between a particular man and a particular woman, so too is there a specific relationship between such a person and the phenomena of their surroundings. Those who have developed these powers within themselves attain the knowledge that enables them to recognize the relationship a particular thing has to human beings. From this also arises an understanding of the effects of healing powers.

[ 9 ] Paracelsus brauchte nicht erst zu probieren, ebensowenig wie der Magnet zu probieren braucht, der das Eisen anzieht. Er konnte sagen, daß im Roten Fingerhut diese oder jene Heilkraft wohnt. Ein solches Wissen wird erst dann wiederkommen, wenn der Arzt erkennen wird, daß es nicht nur auf den intellektuellen Verstand, sondern auf die innere Lebenshaltung ankommt; wenn er weiß, daß er selbst ein ganz anderer Mensch werden muß. Wenn er Temperament, Charakter, die ganze Anlage seiner Seele umgewandelt hat, dann kann er erst jene Schau- und Erkenntniskraft gegenüber den Kräften der Welt entfalten, welche den Menschen harmonisieren. Das wird in gar nicht so ferner Zukunft möglich sein. Die geisteswissenschaftliche Weltanschauung hat vor allem gewisse Prinzipien anzugeben, und einige davon sollen sich an diese allgemeine Betrachtung anschließen. Wer will, kann daran viel gewinnen.

[ 9 ] Paracelsus did not need to test it first, any more than a magnet needs to test itself to attract iron. He could say that this or that healing power resides in the red foxglove. Such knowledge will return only when the physician recognizes that what matters is not merely intellectual understanding but one’s inner attitude toward life; when he knows that he himself must become a completely different person. Only when he has transformed his temperament, character, and the entire disposition of his soul will he be able to develop that power of insight and perception toward the forces of the world that harmonize human beings. This will be possible in the not-too-distant future. The spiritual-scientific worldview must, above all, set forth certain principles, and some of these will follow this general discussion. Anyone who wishes to do so can gain much from them.

[ 10 ] Vier Momente kommen dabei in Betracht. Das erste ist, daß ein gewisser Zusammenhang besteht zwischen dem, was man Verdauung, und dem, was man Denktätigkeit nennt. Mit anderen Worten: was die Verdauung auf einem niederen Gebiete ist, das ist die Denktätigkeit auf einem höheren Gebiete. Beide stehen im Organismus des Menschen, so wie er sich auf dem physischen Plane darlebt, in einem innigen Kontakt. Etwas Konkretes über diesen Kontakt soll jetzt angeführt werden. Zur Denktätigkeit gehört es, daß man logisch folgern kann, das richtige Folgern des einen Begriffes aus einem anderen. Dieses Folgern innerhalb der Gedankentätigkeit ist etwas ganz Bestimmtes. Man kann gewisse Übungen machen, um diese Denktätigkeit in ein bestimmtes Gleis zu bringen. Dasselbe, was Sie in dieser Denktätigkeit seelisch bewirken, wenn Sie solche logischen Übungen ausführen, bewirkt in der Verdauung eine bestimmte Substanz, und zwar der Kaffee. Das ist keine phantastische Annahme, sondern man kann diese Tatsache belegen. Was Sie dem Magen mit dem Kaffee antun, das bewirken Sie beim Denken, wenn Sie praktische logische Übungen machen. Wenn Sie Kaffee trinken, fördern Sie in einer gewissen Weise die logische Folgerichtigkeit im Denken. Und wenn man sagt, der Genuß des Kaffees bedeute eine Steigerung derjenigen Tätigkeit, die für die Stärkung des Denkens erforderlich sei, so ist das wohl zutreffend. Aber der Kaffee fördert eben nur auf eine unselbständige Weise das folgerichtige Denken: er wirkt wie durch einen Zwang. Sie fühlen in sich eine gewisse Unselbständigkeit, etwas wie eine Wirkung von außen. Will der Mensch folgerichtig denken, dabei aber unselbständig bleiben, so mag er viel Kaffee trinken. Wenn er aber die Denktätigkeit selbständig vollziehen will, dann muß er sich gerade von den Dingen freimachen, die auf das Untere wirken; er muß die Kräfte in sich ausbilden, die von der Seele ausgehen. Dann wird er auch die Erfahrung machen, daß nach entsprechenden Übungen auch der Magen wieder in Ordnung kommt oder in Ordnung bleibt.

[ 10 ] Four aspects are worth considering here. The first is that there is a certain connection between what is called digestion and what is called thought activity. In other words: what digestion is on a lower level, thought activity is on a higher level. Both are in close contact within the human organism, as it exists on the physical plane. I will now provide some concrete details about this connection. A key aspect of thought activity is the ability to reason logically—to correctly derive one concept from another. This process of reasoning within thought activity is something quite specific. One can perform certain exercises to channel this thought process along a specific path. The same effect that you bring about in this thought process when you perform such logical exercises is produced in the digestive system by a certain substance—namely, coffee. This is not a fanciful assumption; rather, this fact can be substantiated. What you do to your stomach with coffee is the same effect you produce in your thinking when you do practical logical exercises. When you drink coffee, you promote logical consistency in thinking to a certain extent. And when people say that drinking coffee enhances the activity necessary for strengthening thought, that is certainly true. But coffee promotes logical thinking only in a dependent way: it acts as if by compulsion. You feel a certain lack of autonomy within yourself, something like an external influence. If a person wants to think logically while remaining dependent, they may drink a lot of coffee. But if they wish to carry out the act of thinking independently, then they must free themselves precisely from the things that affect the lower regions; they must develop within themselves the forces that emanate from the soul. Then they will also find that, after appropriate exercises, the stomach will return to normal or remain in good order.

[ 11 ] Eine andere Sache: Der geordneten Denktätigkeit gegenüber steht dasjenige Denken, das nicht bei einem Gedanken stehenbleiben kann, das haltlose Denken. Es wirkt zerstreuend und ist durch eine Art bestimmt, die nicht einen Gedanken mit dem anderen zusammenhalten kann. Auch dieses Denken hat sein Korrelat in der Wirkung eines bestimmten Stoffes auf die Verdauung, und dieser ist im Tee enthalten. Der Tee wirkt in der Tat im Unteren wieder so, wie das alle Gedankenflüchtigkeit Bewirkende im Oberen. Daraus können Sie entnehmen, daß gewisse schädliche Wirkungen des Tees unter Umständen recht verheerend sein können. Glauben Sie aber nicht, daß jemand, der sein ganzes Leben hindurch Tee trinkt, schließlich innerlich ganz zerrissen sein müßte. Wenn er durch den Tee nicht in einer derartigen Weise nachteilig beeinflußt wird, ist das nur ein Beweis, daß sein Organismus genügend Widerstandskraft besitzt.

[ 11 ] Another point: In contrast to orderly thought is the kind of thinking that cannot hold onto a single thought—unfocused thinking. It has a distracting effect and is characterized by a nature that cannot hold one thought together with another. This kind of thinking, too, has its counterpart in the effect of a certain substance on digestion, and this substance is contained in tea. In fact, tea acts in the lower regions just as that which causes all flight of thought acts in the upper regions. From this you can infer that certain harmful effects of tea can, under certain circumstances, be quite devastating. But do not believe that someone who drinks tea throughout their entire life must ultimately be completely torn apart internally. If they are not adversely affected by tea in this way, it is merely proof that their organism possesses sufficient resilience.

[ 12 ] Ebenso wie die Verdauung der Denktätigkeit entspricht, so entspricht die Herz- und Bluttätigkeit dem Willens- und Begierdenleben; so daß alles, was durch gewisse Stoffe, durch gewisse Arten von Ernährungsmitteln als Wirkung auf das Blut ausgeübt wird, eine Entsprechung in der Willenstätigkeit bewirkt. Das ist besonders zu beobachten, wenn man auf das Umgekehrte sieht. Heute hören Sie vielfach, es sei ein längst überwundener Standpunkt, daß man jemanden durch Gedanken heilen könne; daß zum Beispiel eine Person, die von religiösem Wahnsinn oder auch von Verfolgungswahn befallen ist, nicht durch entsprechende entgegengesetzte Gedanken geheilt werden könne. Was da äußerlich zum Ausdruck kommt, ist nämlich nur ein Symptom, und wenn man dieses äußere Symptom beseitigen könnte, so würde die Krankheit sich auf ein anderes Organ legen und in neuer Gestalt wieder hervortreten. Was die materialistische Heilkunde erforscht hat, weiß der Okkultismus längst. Und nie würde es einem Okkultisten einfallen, eine Wahnvorstellung durch eine Gegenvorstellung heilen zu wollen. Etwas anderes ist es aber, wenn durch die Mittel des Okkultismus viel tiefer eingegriffen wird, nämlich auf das, was als eigentliche Ursache zugrundeliegt. Nehmen Sie einmal an, ein Mensch wäre in der Willens- und Begierdensphäre erkrankt, dann liegt das an gewissen Störungen bestimmter Organe. Dabei kommt nicht nur das Herz in Betracht, sondern manches andere, was damit zusammenhängt. Dann wird der materialistische Arzt sagen: Was sich da kundgibt, kann ich nicht dadurch heilen, daß ich dem Kranken richtige Vorstellungen beibringe. Aber Sie müssen sich eines vorhalten: Im Organismus hat man nicht nur zwei Dinge zu unterscheiden, nicht nur die materielle Grundlage und das, was sich dadurch auslebt; es gibt noch ein drittes Element, das der Okkultist kennt. Wohl steht hinter der unmittelbaren Seelentätigkeit auf dem physischen Plan, also hinter dem, was sich durch Willensimpulse äußert, in der Tat eine organische Tätigkeit. Aber hinter dieser organischen Tätigkeit existiert das dritte: Das Organ ist aufgebaut vom Geiste, es ist aus einem Geistigen entstanden. Und auf dieses Geistige, das hinter dem Organ als dessen Erzeuger vorhanden ist, muß gesehen werden. Wenn Sie beispielsweise einem religiös Wahnsinnigen eine richtige Vorstellung beibringen wollen, haben Sie damit gar nichts getan. Wenn Sie aber so auf ihn einwirken, daß Sie den Erzeuger der Organtätigkeit treffen — und das ist der Ätherleib -, dann können Sie etwas bei ihm bewirken, nicht durch Vorstellungen, sondern indem Sie etwas tun, was scheinbar in gar keinem Zusammenhang mit dem Vorstellungsleben steht.

[ 12 ] Just as digestion corresponds to the activity of thought, so the activity of the heart and blood corresponds to the life of the will and desire; thus, everything that affects the blood through certain substances or certain types of food produces a corresponding effect in the activity of the will. This can be observed particularly clearly when one considers the reverse. Today you often hear that the view that one can heal someone through thought is a long-outdated notion; that, for example, a person afflicted with religious madness or even paranoia cannot be healed by corresponding opposing thoughts. What is expressed outwardly in such cases is, in fact, merely a symptom; and if one could eliminate this outward symptom, the illness would shift to another organ and reemerge in a new form. What materialistic medicine has discovered, occultism has known for a long time. And it would never occur to an occultist to try to heal a delusion through a counter-delusion. It is a different matter, however, when occultism intervenes at a much deeper level—namely, at the root cause itself. Suppose a person were afflicted in the sphere of will and desire; this would be due to certain disturbances in specific organs. This involves not only the heart but also many other factors connected to it. Then the materialistic doctor will say: I cannot heal what is manifesting here by instilling correct ideas in the patient. But you must bear one thing in mind: In the organism, one must distinguish not only between two things—not only the material basis and what manifests through it—but there is also a third element known to the occultist. It is true that behind the immediate activity of the soul on the physical plane—that is, behind what is expressed through impulses of the will—there is indeed an organic activity. But behind this organic activity lies the third element: the organ is structured by the spirit; it has arisen from something spiritual. And one must look to this spiritual aspect, which exists behind the organ as its creator. If, for example, you want to instill a correct concept in a religiously delusional person, you have achieved nothing at all. But if you influence them in such a way that you reach the source of the organ’s activity—which is the etheric body—then you can bring about a change in them, not through concepts, but by doing something that appears to have no connection whatsoever with the life of the imagination.

[ 13 ] Um das zu begreifen, gehen wir einmal von dem Begriff einer religiösen Wahrheit aus. Sie können der Vorstellung der religiösen Wahrheit so gegenübertreten, daß Sie dieselbe begreifen. Dann ist für den Verstand das Nötige getan. Aber wenn Sie noch so viele Vorstellungen einsehen, sie sind für Ihr organisches Leben — das Leben für den Ätherleib wie für den physischen Leib — absolut unwirksam. Deshalb ist es auch unwirksam, wenn Sie einem Kranken durch Überzeugung richtige Vorstellungen beibringen wollen, denn auf seine Willenstätigkeit hat das gar keinen Einfluß. Denken Sie sich aber diese Wahrheit nicht bloß verstandesmäßig wirksam, sondern sagen Sie dem Menschen: Du mußt das nicht nur einmal begreifen, sondern du mußt diese Vorstellungen jeden Tag von neuem auf dich wirken lassen; das muß sich Tag für Tag rhythmisch wiederholen, muß von ganz bestimmten Gefühlen und Bildern begleitet sein. Es einmal zu tun, hat nichts zur Folge. Geschieht es aber eine längere Zeit hindurch regelmäßig, dann wirkt es bis in die organische Konstitution hinein. Das ist das, was man Konzentration und Meditation nennt. Also durch eine Stunde wirkt man nicht auf den Menschen. Wenn Sie ihm aber Anweisungen geben und er sie viele Wochen hindurch täglich ausführt, dann wirken Sie schon ein wenig auf den Menschen, denn Sie erreichen das, was hinter dem Organ als dessen Erbauer steht. Der Okkultismus befindet sich auf keinem anderen Boden als die wissenschaftliche Heilweise, aber er weiß viel mehr. Heute kann man diese Vorstellungen freilich noch nicht öffentlich verkünden.

[ 13 ] To understand this, let us begin with the concept of religious truth. You can approach the idea of religious truth in such a way that you grasp it. Then the necessary work for the intellect is done. But no matter how many concepts you grasp, they are absolutely ineffective for your organic life—the life of both the etheric body and the physical body. That is why it is also ineffective to try to instill correct concepts in a sick person through persuasion, for this has absolutely no influence on their volitional activity. Do not, however, merely consider this truth to be effective on an intellectual level; instead, tell the person: You must not only grasp this once, but you must allow these ideas to take effect on you anew every day; this must be repeated rhythmically day after day and must be accompanied by very specific feelings and images. Doing it just once has no effect. But if it happens regularly over a longer period of time, then it penetrates into the organic constitution. This is what is called concentration and meditation. So you don’t influence a person in just one hour. But if you give them instructions and they carry them out daily over many weeks, then you do have a small influence on them, because you reach what lies behind the organ as its builder. Occultism stands on no different ground than scientific healing, but it knows much more. Of course, these ideas cannot yet be publicly proclaimed.

[ 14 ] Im weitesten Umfang hängt die Atmungstätigkeit mit dem Gefühls- und Sinnesleben zusammen. Aus diesem Ursprung heraus können Sie wieder über viele Dinge Aufschluß erhalten, wenn Sie sich klar werden, was alles mit der Atmungstätigkeit zusammenhängt und wie dadurch das Gefühls- und Sinnesleben beeinflußt werden kann. Die Atmungstätigkeit setzt voraus, daß dem Blut genügend Sauerstoff zugeführt wird und daß die organischen Stoffe dadurch erhalten werden. Ein Mensch, der an geistigen Dingen Freude hat, der einen geistigen Inhalt besitzt, der ihm eine frohe Stimmung vermittelt und der dauernd auf ihn wirkt, ein solcher Mensch beeinflußt seine Organe vom Geiste her gesundend.

[ 14 ] To the greatest extent, the act of breathing is connected to emotional and sensory life. From this starting point, you can gain insight into many things if you become clear about everything that is connected to the act of breathing and how it can influence emotional and sensory life. Respiration requires that sufficient oxygen be supplied to the blood and that the body’s organic substances be sustained as a result. A person who takes joy in spiritual matters, who possesses a spiritual content that instills a joyful mood and has a lasting effect on them, such a person exerts a healing influence on their organs through the spirit.

[ 15 ] Wenn wir nun noch einmal auf Verdauung und Denktätigkeit zurückkommen, so werden wir finden, daß insbesondere auf diesem Gebiet viel zu tun ist. Man sollte sich darüber klar sein, daß die Menschheit immer mehr zu einer bewußten Ernährungsweise übergehen muß. Wer heute auf diesem Gebiet Erkenntnisse sammelt, begeht freilich oft noch einen bestimmten Fehler. Dieser besteht darin: Der Mensch will zuviel von dem lernen, was er «Natur» nennt; er will ganz und gar nur der Natur folgen. Paracelsus sagt demgegenüber: Man soll nicht ein Knecht der Natur sein. Zwar soll der Arzt durch der Natur Examen gehen, aber er muß ein Künstler sein, er muß die Natur fortsetzen. - Und die wirklichen Heilmittel sieht Paracelsus nicht in dem, was man der Natur unmittelbar entnimmt, sondern in Neuprodukten, die aus dem Geiste der Natur heraus geschaffen werden. So erwartet Paracelsus eine Epoche der Medizin, welche derartige Neuprodukte als eigentlich wirksame Heilmittel verwendet. Um eine Fortsetzung der Natur auf diesem Gebiete handelt es sich einzig und allein.

[ 15 ] If we now return once more to digestion and thought processes, we will find that there is much to be done in this area in particular. It should be clear that humanity must increasingly adopt a conscious approach to nutrition. Those who gather knowledge in this field today, however, often still make a certain mistake. This mistake consists in the following: People want to learn too much from what they call “nature”; they want to follow nature entirely and exclusively. Paracelsus, on the other hand, says: One should not be a servant of nature. Although the physician should examine nature, he must be an artist; he must carry on the work of nature. - And Paracelsus does not see the true remedies in what is taken directly from nature, but in new products created from the spirit of nature. Thus, Paracelsus anticipates an era of medicine that will use such new products as truly effective remedies. This is solely a matter of continuing nature in this field.

[ 16 ] Wenn heutzutage die Leute begründen wollen, warum eine gemischte Kost für den Menschen das Richtige sein soll, dann pflegen sie zu argumentieren: Pflanzenfresser seien die Wiederkäuer, diese hätten einen besonders veranlagten Magen und entsprechende Verdauungswerkzeuge. Fleischfresser seien die Raubtiere, deren Verdauungswerkzeuge und deren Gebiß auf den Fleischgenuß ausgerichtet seien. Des Menschen Zähne und Verdauungswerkzeuge seien nun ein Mittelding zwischen denen der Wiederkäuer und denen der Raubtiere. Deshalb weise die Natur selbst den Menschen auf eine gemischte Kost hin. — Aber alles in der Welt ist ja gerade im Fluß, im Werden und Wachsen. Nicht wie der Mensch heute ausschaut, sondern wie er anders werden kann, darum handelt es sich. Wird der Mensch zur Pflanzennahrung übergehen, so werden die Organe zurückgehen, die mehr der Fleischnahrung entsprechen, und es werden die Organe ausgebildet werden, die für die Pflanzennahrung notwendig sind. Man muß in Betracht ziehen, wie es einmal war und wie es in der Zukunft werden kann. Man gibt daher dem Menschen nicht die richtige Nahrung, wenn man sie auf seinen gegenwärtigen Status abstellt, sondern erst dann, wenn man seinen inneren Werdegang ins Auge faßt. Durch Statistiken und äußere Tatsachen erfassen Sie nur den äußeren Status, Sie erfassen aber nicht die Richtung, in der sich der Mensch bewegen muß. Man muß die Welt auch ein wenig im großen betrachten.

[ 16 ] When people today try to explain why a mixed diet is best for humans, they tend to argue that herbivores are ruminants, who have a specially adapted stomach and corresponding digestive organs. Carnivores, they say, are predators whose digestive systems and dentition are adapted for eating meat. Human teeth and digestive systems, they claim, are a middle ground between those of ruminants and those of predators. Therefore, nature itself points humans toward a mixed diet. — But everything in the world is in a state of flux, of becoming and growing. What matters is not how humans appear today, but how they can change. If humans transition to a plant-based diet, the organs that are more suited to a meat-based diet will atrophy, and the organs necessary for plant-based nutrition will develop. One must consider how things once were and how they may be in the future. Therefore, one does not provide humans with the proper nutrition by basing it on their current state, but only by taking their inner development into account. Through statistics and external facts, you grasp only the external state; you do not, however, grasp the direction in which humanity must move. One must also view the world from a broader perspective.

[ 17 ] Fassen Sie einmal den Nationalcharakter des russischen Bauern, wie er heute ist, und den des Engländers ins Auge. Der russische Bauer wird das Ich so wenig wie möglich betonen. Bei dem Engländer ist das Gegenteil der Fall. Das findet schon einen rein äußerlichen Ausdruck in der Schreibweise. Der Engländer schreibt das Ich groß. Geht man diesem Sachverhalt weiter nach, so findet man, daß in England fünfmal so viel Zucker konsumiert wird als in Rußland. Hier zeigt sich also wiederum die gegenseitige Entsprechung von Verdauungstätigkeit und Denktätigkeit. Der Vorgang, welcher in der Verdauung durch Zuführung einer größeren Menge von Zucker bewirkt wird, hat im oberen Menschen sein Korrelat in einer stärkeren Selbständigkeit der Denkfunktion.

[ 17 ] Consider for a moment the national character of the Russian peasant as it is today, and that of the Englishman. The Russian peasant will emphasize the “I” as little as possible. With the Englishman, the opposite is true. This is already evident in purely external ways, such as in spelling. The Englishman capitalizes “I.” If one investigates this matter further, one finds that five times as much sugar is consumed in England as in Russia. Here, once again, the mutual correspondence between digestive activity and mental activity becomes apparent. The process brought about in digestion by the intake of a larger quantity of sugar has its counterpart in the higher human being in a greater independence of the thinking function.

[ 18 ] Nun werden Sie sich denken können, daß man in diese Verhältnisse gegebenenfalls auch korrigierend eingreifen kann. Ein Mensch kann seine Ernährung so einrichten, daß er nur kurze Zeit zum Verdauen braucht, während ein anderer vielleicht lange Zeit damit zubringt. Das läßt uns wieder tief in den menschlichen Organismus hineinschauen. Wenn nämlich der eine Mensch Reis ißt und schnell mit seiner Verdauung fertig ist, dann bleiben gewisse Kräfte übrig, die ihm alsdann für seine Denktätigkeit zur Verfügung stehen. Ein anderer Mensch, der zum Beispiel Wildente ißt und entsprechend längere Zeit zur Verdauung braucht, kann durchaus klug sein; aber wenn er Gedanken produziert, denkt in Wirklichkeit sein Bauch. Der eine kann ein schwacher Denker sein, aber selbständig denken, der andere ein starker Denker, aber unselbständig denken. Daraus können Sie wiederum eine Lehre ziehen.

[ 18 ] Now, you can probably imagine that, if necessary, corrective measures can be taken to address these circumstances. One person can structure their diet so that they need only a short time to digest, while another might spend a long time doing so. This allows us to look deep into the human organism once again. For when one person eats rice and finishes digesting it quickly, certain energies remain that are then available to them for thinking. Another person, who, for example, eats wild duck and consequently needs a longer time to digest it, may well be intelligent; but when they produce thoughts, it is actually their stomach that is doing the thinking. One may be a weak thinker but think independently, while the other may be a strong thinker but think dependently. From this, you can draw a lesson.

[ 19 ] Um noch etwas anderes zu berühren: Die denkbar größte Sorgfalt muß darauf gerichtet sein, daß dem Körper nicht zuviel und nicht zuwenig Eiweißstoffe zugeführt werden. Da muß unbedingt das richtige Maß gefunden werden. Denn innerhalb der Verdauung entsprechen die Eiweißstoffe demjenigen, was in der Denktätigkeit bei der Erzeugung von Vorstellungen vor sich geht. Dieselbe Tätigkeit, welche die Fruchtbarkeit des Denkens bewirkt, wird im unteren Organismus durch die Eiweißstoffe hervorgerufen. Werden diese dem Menschen nicht in ausgewogener Menge zugeführt, dann erzeugen sie einen Überschuß von solchen Kräften, die in der unteren Leibestätigkeit dem entsprechen, was in der oberen die Vorstellung bildet. Nun soll aber der Mensch immer mehr Herr seiner Vorstellungen werden. Darum soll die Zufuhr von Eiweißstoffen in gewissen Grenzen bleiben, sonst wird er von einer Vorstellungstätigkeit überwältigt, von welcher er gerade frei werden sollte. Das hatte Pythagoras im Sinne, wenn er seinen Schülern die Lehre gab: Enthaltet euch der Bohnen!

[ 19 ] To touch on another point: The utmost care must be taken to ensure that the body receives neither too much nor too little protein. It is absolutely essential to find the right balance. For within the digestive process, proteins correspond to what takes place in the thinking process during the formation of ideas. The same activity that brings about the fruitfulness of thought is brought about in the lower organism by proteins. If these are not supplied to the human being in balanced quantities, they generate an excess of forces that correspond in the lower bodily activity to what forms the concept in the upper. But human beings are meant to gain ever greater mastery over their mental images. Therefore, the intake of proteins must remain within certain limits; otherwise, they will be overwhelmed by the very mental activity from which they are meant to free themselves. This is what Pythagoras meant when he taught his students: “Abstain from beans!”

[ 20 ] Freilich kommen dann Leute und sagen: Seht euch den Reisesser an! Das ist ein schwacher Denker. — Ja, dann ist eben ein solcher Mensch bei seinem Reis noch nicht entwickelt, aber es handelt sich nicht darum, daß man nur die Regeln kennt und meint, jeder brauche sie nur auszuführen. Wenn das Untere zum Oberen nicht stimmt, wird man auch dadurch Unheil anrichten können. Nehmen Sie einen Menschen, der sich vor kurzem dem Vegetarismus zugewandt hat. Dann verläuft bei diesem neuen Vegetarier die Tätigkeit im Unteren in einer ganz bestimmten Weise. Gewisse Kräfte wandeln sich von materiellen in geistige um. Werden sie aber nicht verwendet, so wirken sie nachteilig und können sogar die Gehirntätigkeit beeinträchtigen. Wer sich nicht anders beschäftigt als etwa ein Bankier oder ein gewöhnlicher Stubengelehrter, kann sich dabei sehr schädigen, falls er nicht spirituelle Vorstellungen aufnimmt durch jene Kräfte, die durch seine vegetarische Lebensweise aufgespart werden. So muß der Vegetarier auch zugleich zu einem spirituellen Leben übergehen, sonst soll er lieber Fleischesser bleiben, sein Gedächtnis könnte Störungen erleiden, gewisse Gehirnpartien könnten geschädigt werden und so weiter. Es genügt nicht, sich von Früchten zu ernähren, damit einem die höchsten Gebiete des geistigen Lebens erschlossen werden.

[ 20 ] Of course, people will then come along and say: “Look at that Reisesser! He’s a weak thinker.” — Yes, such a person simply hasn’t yet developed in his Reis, but the point isn’t just knowing the rules and thinking that everyone simply needs to follow them. If the lower does not harmonize with the upper, one can also cause harm through this. Take, for example, a person who has recently turned to vegetarianism. In this new vegetarian, the activity in the lower realm proceeds in a very specific way. Certain forces are transformed from material to spiritual. But if they are not utilized, they have a detrimental effect and can even impair brain activity. Anyone whose life consists of nothing more than that of, say, a banker or an ordinary bookworm can cause themselves great harm if they do not absorb spiritual ideas through the forces saved up by their vegetarian lifestyle. Thus, the vegetarian must also simultaneously transition to a spiritual life; otherwise, he would be better off remaining a meat-eater, as his memory could suffer disturbances, certain parts of the brain could be damaged, and so on. It is not enough to subsist on fruits in order to gain access to the highest realms of spiritual life.

[ 21 ] Eine andere Entsprechung im Organismus ist folgende. Der Fortpflanzungsfähigkeit entspricht im oberen Organismus das sogenannte Visionäre, also in gewisser Weise auch die imaginative Seelentätigkeit. Darum wurde von manchen Orden eine gewisse Askese verlangt, doch liegt darin zugleich eine Quelle von ungeheuren Gefahren. Diese können nur durch ein reines inneres Leben abgewendet werden, durch ein festes Vertrauen in die eigene Individualität und durch das Vermögen, in allen Lebenslagen immer gefaßt zu bleiben. Gibt man sich keinen Affekten und keinen äußeren Einwirkungen hin, so steht man sicher auf diesem Gebiete und wird schädliche Einwirkungen abwenden können.

[ 21 ] Another correspondence within the organism is as follows. In the higher organism, the so-called “visionary” aspect corresponds to reproductive capacity—that is, in a certain sense, also the imaginative activity of the soul. This is why certain orders required a degree of asceticism; yet this also harbors a source of immense dangers. These dangers can only be averted through a pure inner life, through firm trust in one’s own individuality, and through the ability to remain composed in all situations. If one does not give in to emotions or external influences, one stands firm in this realm and will be able to ward off harmful influences.

[ 22 ] Bei der weißen Magie kommt nicht nur ein reines, sondern auch ein starkes und sicheres Leben in Frage, eine feste Beherrschung des inneren Lebens, die Fähigkeit, in allen Situationen die Fassung zu bewahren. Besitzen Sie auf der einen Seite wirklich so viel Selbstbeherrschung, daß nichts Sie verblüffen kann, stehen Sie innerlich sicher begründet da, dann werden Sie auch Abstürze leichter überwinden können.

[ 22 ] White magic involves not only a pure life, but also a strong and secure one—a firm mastery of one’s inner life and the ability to remain composed in all situations. If, on the one hand, you truly possess so much self-control that nothing can take you by surprise, and if you stand firmly grounded within yourself, then you will also be able to overcome setbacks more easily.

[ 23 ] Eine neue Ära kann beginnen, wenn man sich entschließen wird, in allen diesen Dingen die theosophische Weisheit zur Richtschnur zu nehmen. Man wird in der Zukunft beispielsweise studieren müssen, wie man gewisse Kräfte, welche der Organismus hergibt, planvoll umwandeln kann in solche, die für die geistige Erkenntnis verwendet werden können. Im Laboratorium wird einmal ein Stoff produziert werden, der höherwertig sein wird als die Milch. Heute wäre es schon durchaus möglich, ein Nahrungsmittellaboratorium zu begründen und dadurch auch Einfluß auf die Ernährung der Völker zu gewinnen. Aber die Zeit wird kommen, da Schüler der Geisteswissenschaft chemisch arbeiten werden im Einklang mit der werdenden Natur, nicht mit der gewordenen Natur. Goethe sagt in diesem Sinne:

[ 23 ] A new era can begin if we resolve to take theosophical wisdom as our guide in all these matters. In the future, for example, we will need to study how certain forces generated by the organism can be systematically transformed into forces that can be used for spiritual knowledge. One day, a substance will be produced in the laboratory that will be of higher quality than milk. Today, it would already be entirely possible to establish a food research laboratory and thereby also exert an influence on the nutrition of nations. But the time will come when students of spiritual science will conduct chemical work in harmony with nature as it is becoming, not with nature as it has become. Goethe says in this vein:

«Werdend betrachte sie nun, wie nach und nach sich die Pflanze,
Stufenweise geführt, bildet zu Blüten und Frucht.»

“Now observe how, little by little, the plant,
guided step by step, develops into flowers and fruit.”

[ 24 ] Nehmen Sie diese wenigen Gesichtspunkte hin, die aus einem weiten Gebiet herausgenommen sind, und betrachten Sie sie so, daß man sie ausbauen muß. Dann werden Sie schon sehen, wie Sie aus diesen Dingen geistige Nahrung herausziehen können und welche praktische Bedeutung sie für Sie zu gewinnen vermögen.

[ 24 ] Take these few points of view—drawn from a broad field—and consider them in such a way that you feel compelled to develop them further. Then you will see how you can draw spiritual nourishment from these things and what practical significance they can hold for you.