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The Rudolf Steiner Archive

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Original Impulses of Spiritual Science
GA 96

25 March 1907, Berlin

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17. Die weltgeschichtliche Bedeutung des am Kreuze fließenden Blutes

17. The World-Historical Significance of the Blood Flowing on the Cross

[ 1 ] Über acht Tage, also am Ostermontag, möchte ich zu Ihnen sprechen über das Mysterium von Golgatha, und heute können wir vielleicht eine kleine Vorbereitung zu dieser Betrachtung anstellen. Unsere heutige Auseinandersetzung soll sich hauptsächlich beziehen auf ein Wort des Neuen Testamentes, welches vielen unverständlich oder wenigstens schwer verständlich ist. Zum mindesten zeigt sich leicht, daß man mit diesem Wort nicht jenen tiefen Sinn verbindet, der durchaus, wenn man auf das esoterische Christentum eingeht, mit diesem Worte zu verbinden ist. Zu gleicher Zeit wird uns dieses Wort von einer andern Seite her noch tiefer in den Geist und in den Sinn des Christentums einführen, Es ist das Ihnen gut bekannte Wort: «Alle Sünden können vergeben werden, nur nicht die Sünde wider den Heiligen Geist.»

[ 1 ] In eight days—that is, on Easter Monday—I would like to speak to you about the Mystery of Golgotha, and today we can perhaps do a little preparation for this reflection. Our discussion today will focus primarily on a passage from the New Testament that many find incomprehensible or at least difficult to understand. At the very least, it is evident that people do not associate this passage with the profound meaning that is indeed inherent in it when one delves into esoteric Christianity. At the same time, this phrase will introduce us even more deeply into the spirit and meaning of Christianity from another perspective. It is the phrase you know well: “All sins can be forgiven, except the sin against the Holy Spirit.”

[ 2 ] In der Tat liegt in einem solchen Wort der Sinn der Mission des Christentums ausgedrückt, und es ist im Grunde genommen nur die geisteswissenschaftliche Weltanschauung, Weltauffassung das richtige Instrument, um einen solchen tiefen Sinn, wie er in diesem Worte liegt, zu enthüllen. Diejenigen, welche dieser Weltanschauung nahetreten, müssen sich immer mehr daran gewöhnen, von den verschiedensten Seiten die große Weltmission der geisteswissenschaftlichen Bewegung kennenzulernen, und es muß sich immer mehr und mehr in der Welt die Erkenntnis Bahn brechen, daß diese Bewegung nicht da sein kann, um irgendeinen neuen Glauben oder gar eine neue Sekte oder dergleichen zu stiften. Die Zeiten, in welchen innerhalb der Menschheitsentwickelung geradezu neue Glaubensbekenntnisse oder neue Spezialreligionen begründet werden konnten, sind vorüber, und die Zukunft der religiösen Entwickelung liegt in der Ausgestaltung der bestehenden Religionen zu einer großen einheitlichen Religion der Menschheit. Die Bewegung für Geist-Erkenntnis will nicht den Menschen eine neue Religion predigen. Sie will lediglich ein Instrument sein, um die tiefen religiösen Wahrheiten, die in den Religionsurkunden enthalten sind, zu begreifen, zu verstehen.

[ 2 ] Indeed, the meaning of Christianity’s mission is expressed in such a word, and, fundamentally speaking, only the spiritual-scientific worldview is the proper instrument for revealing such a profound meaning as lies within this word. Those who are drawn to this worldview must become increasingly accustomed to learning about the great global mission of the spiritual science movement from a wide variety of perspectives, and the realization must increasingly gain ground in the world that this movement cannot exist to establish any new faith, or even a new sect or the like. The times in human development when entirely new creeds or new, distinct religions could be founded are over, and the future of religious development lies in the transformation of existing religions into one great, unified religion of humanity. The Movement for Spiritual Insight does not seek to preach a new religion to people. It merely aims to be an instrument for grasping and understanding the profound religious truths contained in the sacred texts.

[ 3 ] Öfter ist von mir hier darauf aufmerksam gemacht worden, daß der Zug der Zeit heute sowohl in theologischen wie auch in sonstigen religiösen Kreisen dahin geht, die religiösen Wahrheiten zu vertrivialisieren, sie nicht tief genug aufzufassen. Wie ist man doch heute in solchen Kreisen damit zufrieden, wenn man den Christus Jesus auffassen will als den «schlichten Mann aus Nazareth», eine Gestalt, die man gewiß gern als ein höheres Menschheitsideal hinstellt, wie Sokrates oder Plato oder Goethe oder Schiller; aber man wünscht ihn nicht zu weit hinauszurücken über das Durchschnittsmaß der Menschheit. Davon ist man heute weit entfernt, sich zu fragen, ob nicht etwas über alle gewöhnliche Menschheit Hinausgehendes in diesem Leibe des Jesus von Nazareth gewohnt hat. Über die alte gnostische Frage scheint die heutige Menschheit weit hinaus zu sein. Die alte gnostische Frage ging darauf hinaus, alle menschliche Weisheit aufzurufen, um zu verstehen, was im Jahre 1 unserer Zeitrechnung eigentlich geschehen ist. Und so ist man auch zufrieden, wenn man mit einigen moralischen Redensarten, einigen recht trivialen Sätzen, eine so große Wahrheit wie die Sünde wider den Heiligen Geist zu erfassen sucht.

[ 3 ] I have often pointed out here that the trend today, both in theological and other religious circles, is to trivialize religious truths and fail to grasp them deeply enough. How content people in such circles are today to view Jesus Christ as the “simple man from Nazareth”—a figure whom they certainly like to present as a higher ideal of humanity, like Socrates, Plato, Goethe, or Schiller—but they do not wish to elevate him too far above the average standard of humanity. Today, people are far from asking themselves whether something transcending all ordinary humanity dwelt within the body of Jesus of Nazareth. Modern humanity seems to have moved far beyond the old Gnostic question. The ancient Gnostic question sought to summon all human wisdom in order to understand what actually happened in the year 1 A.D. And so people are content to attempt to grasp a truth as great as the sin against the Holy Spirit with a few moral platitudes and some rather trivial statements.

[ 4 ] Aber die religiösen Urkunden sind nicht dazu da, um trivial ausgelegt zu werden. Es gibt keine Tiefe, die tief genug wäre, und keine Weisheit, die weise genug wäre, um den Schleier, der darüber liegt, zu entschleiern. Es darf auch nichts hineingetragen werden, wenn man den tiefen Sinn zu verstehen sucht. Für den unstudierten und unwissenschaftlichen Menschen ist es gar nicht so sehr schwer; aber wahr ist es auch, daß die religiöse Urkunde so tief ist, daß keine Weisheit ausreicht, um ihren Sinn vollständig zu enträtseln. Es ist kein Gemüt schlicht genug, daß es nicht Großes und Gewaltiges von den wahren religiösen Urkunden an Eindrücken haben könnte. So darf auch keine Weisheit zu hoch sein, um über eine wahre Religionsurkunde hinauszuwachsen. Von diesem Gesichtspunkte aus und von dieser Gesinnung aus wollen wir es unternehmen, ein solches Wort zu erklären.

[ 4 ] But religious texts are not meant to be interpreted trivially. There is no depth deep enough, nor any wisdom wise enough, to lift the veil that lies over them. Nor should anything be introduced into them when seeking to understand their deeper meaning. For the uneducated and unscientific person, it is not all that difficult; but it is also true that religious texts are so profound that no wisdom is sufficient to fully unravel their meaning. No mind is too simple to be deeply moved by the true religious texts. Nor is any wisdom too lofty to rise above a true religious text. From this perspective and with this mindset, let us undertake to explain such a word.

[ 5 ] Zunächst wollen wir uns klarwerden darüber, was im wirklichen esoterischen Christentum unter dem Heiligen Geist verstanden wird, und was verstanden wird unter den andern beiden Aspekten der Gottheit: unter dem Sohne — dem Wort, dem Logos - und dem Vater. Nicht durch Spekulation oder Nachdenken darf man in solche Dinge eindringen wollen. Diese Dinge sind nicht dazu da, damit jeder willkürlich einen Sinn hineintragen kann. Dieser Sinn ist von denen, die christliche Eingeweihte genannt werden, hineingelegt worden, und wit haben uns nun daran zu halten, was in den Schulen der christlichen Eingeweihten gelehrt worden ist. Daher ist es vom Übel, wenn man in äußerlicher Weise die Bibel hernimmt und darüber spekuliert, was dieses oder jenes Wort bedeuten könnte. Das wird ein wahrer Okkultist niemals tun. Er geht anders zu Werke, da er weiß, daß es esoterische christliche Einweihungsschulen gegeben hat, wo der tiefe Sinn der christlichen Urkunden gelehrt worden ist. Dieser Sinn ist niemals in einer andern Weise gelehrt worden, so daß es keine verschiedenen Standpunkte in bezug auf diese Lehre gibt.

[ 5 ] First, let us clarify what is meant by the Holy Spirit in true esoteric Christianity, and what is meant by the other two aspects of the Godhead: the Son—the Word, the Logos—and the Father. One must not attempt to penetrate such matters through speculation or mere reflection. These matters are not meant for anyone to arbitrarily ascribe a meaning to them. This meaning has been imparted by those who are called Christian initiates, and we must now adhere to what has been taught in the schools of Christian initiates. Therefore, it is wrong to take the Bible at face value and speculate about what this or that word might mean. A true occultist would never do this. He proceeds differently, for he knows that there have been esoteric Christian schools of initiation where the deep meaning of the Christian scriptures has been taught. This meaning has never been taught in any other way, so there are no differing viewpoints regarding this teaching.

[ 6 ] Wenn wir uns an eines halten wollen, was vielleicht in dieser Beziehung am meisten an die Oberfläche der äußeren Geschichte getreten ist, dann ist es die große esoterische christliche Schule, welche der Apostel Paulus selbst in Athen gegründet hat, die Schule des Dionysius des Areopagiten. Die Gelehrsamkeit hat sich daran gewöhnt, von einem Pseudo-Dionysius zu sprechen, weil man Schriften, die auf diesen Namen gehen, erst vom 6. Jahrhundert an nachweisen kann. Die Gelehrsamkeit kann in diesem Punkte nicht das Richtige treffen, solange sie sich nicht klarmacht, daß sich die Sitten im Laufe der Zeit wesentlich geändert haben. Während es heute ein Mensch, der einmal einen klugen Gedanken hat, nicht schnell genug erwarten kann, daß dieser Gedanke in Druckerschwärze und Papier umgesetzt wird und in die Welt hinausflattert, so war es im Gegenteil in älteren Zeiten Sitte, daß man die heiligsten Wahrheiten vor der breiten Öffentlichkeit streng bewahrt hat, daß man sie nicht einem jeden an den Kopf warf. Nur diejenigen, die man kannte und welche Proben abgelegt hatten davon, daß sie in würdiger Weise und ausgestattet mit dem Sinn für Wahrhaftigkeit solche Wahrheiten aufnehmen, nur sie durften solche Wahrheiten empfangen. Nur mündlich wurden sie zunächst mitgeteilt, weil man wollte, daß, wer solche Wahrheiten aussprach oder gar die entsprechenden Tatsachen vor den Augen der Schüler enthüllte, daß der nur in hingebungsvolle, echte Gefühle, in warme lebendige Herzen hinein das Wort senkte. Was sich die Schüler solcher Schulen anzueignen hatten, das war eine gewisse Stimmung, eine gewisse Gesinnung gegenüber den höchsten Wahrheiten.

[ 6 ] If we are to focus on one thing that has perhaps come to the fore most prominently in this regard in the history of external events, it is the great esoteric Christian school that the Apostle Paul himself founded in Athens—the school of Dionysius the Areopagite. Scholars have become accustomed to speaking of a “Pseudo-Dionysius” because writings attributed to this name can be traced back only to the 6th century. Scholars cannot arrive at the correct conclusion on this point until they realize that customs have changed significantly over time. While today a person who has a clever thought cannot wait long enough for that thought to be set in print and sent out into the world, in earlier times, on the contrary, it was customary to strictly guard the most sacred truths from the general public, so as not to throw them in everyone’s face. Only those who were known and who had demonstrated that they could receive such truths in a worthy manner and with a sense of truthfulness—only they were permitted to receive such truths. At first, they were communicated only orally, because it was intended that whoever spoke such truths—or even revealed the corresponding facts before the eyes of the students—should impart the word only into devoted, genuine feelings and into warm, living hearts. What the students of such schools were to acquire was a certain mood, a certain disposition toward the highest truths.

[ 7 ] Heute ist man der Ansicht, daß man in jeder beliebigen Stimmung eine Wahrheit empfangen könnte. Das ist keine Kritik; das muß so sein, die Entwickelung bringt das mit sich. In jener Zeit herrschte eine andere Auffassung. Da war es nicht gleichgültig, ob man eine mathematische oder eine physikalische Wahrheit in dieser oder jener Stimmung empfing. Man war sich klar darüber, daß es sich um diese Stimmung handelte, so daß man selbst die einfachen Wahrheiten, die schließlich auch Wahrheiten enthüllen, in einer gehobenen Stimmung empfing. Man nahm sie hin als eine Offenbarung des göttlichen Weltengeistes. So nahm man selbst die mathematischen Wahrheiten auf, die einem in bezug auf den Raum die göttlichen Offenbarungen beibringen sollten. Die Schule bezog sich sehr auf die Erzeugung der richtigen Gesinnung, der richtigen Gefühlswelt.

[ 7 ] Today, it is generally believed that one can receive a truth in any given state of mind. This is not a criticism; it must be so—progress brings this with it. In those days, a different view prevailed. Back then, it mattered whether one received a mathematical or a physical truth in this or that state of mind. People were clearly aware that it was a matter of this particular mood, so that even the simple truths—which ultimately also reveal truths—were received in an elevated mood. They were accepted as a revelation of the divine world spirit. In this way, even mathematical truths—which were meant to teach one about the divine revelations concerning space—were taken in. The school placed great emphasis on fostering the right attitude and the right emotional world.

[ 8 ] So war es auch in jener Schule des Paulus, die nur nach intimen Vorbereitungen die höchsten Wahrheiten enthüllte. Während Paulus in der weiten Welt das Christentum predigte, haben seine Schüler in Athen das Esoterische erlebt. Und weil sich der Geist der Schule durch lange Zeiträume hindurch fortsetzte, so benannte man auch den Träger der esoterischen Wahrheit immer mit demselben Namen. Die Schule von Athen setzte sich fort durch Jahrhunderte hindurch, und derjenige, welcher der oberste Lehrer war, der eigentlich tiefste Eingeweihte der Schule, trug immer den Namen Dionysius. Daher hatte auch der, welcher im 6. Jahrhundert die Dinge aufschrieb, als das Schreiben mehr Sitte geworden war, diesen Namen getragen. Nur wer das weiß, kann begreifen, welche Bedeutung dies für die Dionysius-Schule hat.

[ 8 ] This was also the case in Paul’s school, which revealed the highest truths only after thorough preparation. While Paul preached Christianity throughout the wider world, his disciples in Athens experienced the esoteric teachings. And because the spirit of the school endured over long periods of time, the bearer of the esoteric truth was always given the same name. The School of Athens continued for centuries, and the one who was the chief teacher—who was, in fact, the school’s most deeply initiated member—always bore the name Dionysius. Consequently, the one who recorded these teachings in the 6th century—once writing had become more common—also bore this name. Only those who know this can understand the significance of this for the School of Dionysius.

[ 9 ] Nun wollen wir uns im Sinne des wahren Christentums unterrichten über die drei Worte: Vater, Sohn und Geist. Wir haben uns über das, was hinter diesen drei Worten liegt, bei der Betrachtung des Vaterunsers von einem andern Gesichtspunkte aus verbreitet. Wir haben dasjenige kennengelernt, was von dem Göttlichen in den drei höheren Gliedern der Menschennatur — Atman, Budhi, Manas - sich ausspricht. Wir haben gehört, wie an den Vaterunserworten «Name», «Reich» und «Wille» diese drei höheren Gebiete der menschlichen Natur hängen. Heute wollen wir von einem andern Gesichtspunkte aus diese drei menschlichen Glieder betrachten, wie das in der esoterischen christlichen Schulung geschehen ist. Kurz rufen wir uns vor die Seele, welches das Verhältnis ist zwischen der niederen und der höheren Menschennatur. In dieser christlichen Schulung hat man immer gelehrt, daß der Mensch aus dem physischen Leib, dem Äther- oder Lebensleib und dem Astralleib besteht, und daß innerhalb dieser drei menschlichen Leiber, als das innerste Glied der menschlichen Wesenheit, das Ich lebt. Das war einmal die sogenannte heilige Vierheit, von der man in jenen Zeiten auch immer gesprochen hat: physischer Leib, Äther- oder Lebensleib, Astralleib und Ich.

[ 9 ] Now, in the spirit of true Christianity, let us learn about the three words: Father, Son, and Spirit. We have already discussed what lies behind these three words in greater detail when considering the Lord’s Prayer from a different perspective. We have come to understand what is expressed of the Divine in the three higher aspects of human nature—Atman, Budhi, Manas. We have heard how these three higher realms of human nature are connected to the words “Name,” “Kingdom,” and “Will” in the Lord’s Prayer. Today we will examine these three human aspects from a different perspective, as is done in esoteric Christian training. Let us briefly recall the relationship between the lower and higher aspects of human nature. In this Christian training, it has always been taught that the human being consists of the physical body, the etheric or life body, and the astral body, and that within these three human bodies, the “I” lives as the innermost aspect of the human being. This was once the so-called Holy Fourfold, of which people always spoke in those days: the physical body, the etheric or life body, the astral body, and the “I.”

[ 10 ] Nun haben wir auch kennengelernt, wie im Laufe der menschlichen Entwickelung diese drei Leiber vom Ich aus umgewandelt werden. Wir haben gesehen, daß das Ich zunächst den Astralleib umzuwandeln hat, welcher der Träger von Affekten, Trieben, Leidenschaften und Empfindungen ist. Man könnte diesen Astralleib auch Bewußtseinsleib nennen. Das hat auch das esoterische Christentum gelehrt, daß das Ich dazu berufen ist, im Laufe der Entwickelung mehr und mehr am Astralleib zu veredeln und zu läutern. Und so viel der Mensch am astralischen Leib geläutert, gereinigt und veredelt hat, so viel nennt man im esoterischen Christentum den Heiligen Geist im Menschen. Man könnte auch sagen, wenn man sich theosophisch ausdrückt: derjenige Teil des Astralleibes, der vom Ich aus gereinigt ist, heißt im esoterischen Christentum: der vom Heiligen Geist ergriffene Teil des astralischen Leibes.

[ 10 ] Now we have also learned how, in the course of human evolution, these three bodies are transformed by the “I.” We have seen that the “I” must first transform the astral body, which is the vehicle of emotions, drives, passions, and sensations. One could also call this astral body the “body of consciousness.” Esoteric Christianity has also taught that the “I” is called upon, in the course of development, to increasingly refine and purify the astral body. And to the extent that a person has purified, cleansed, and refined the astral body, to that extent is it referred to in esoteric Christianity as the Holy Spirit within the human being. One could also say, using theosophical terminology: that part of the astral body which has been purified by the “I” is called, in esoteric Christianity, the part of the astral body touched by the Holy Spirit.

[ 11 ] Wir wissen dann, daß das Ich auch auf den Äther- oder Lebensleib umgestaltend, veredelnd und läuternd wirkt. Während im gewöhnlichen äußeren, materiellen und geistigen Leben das moralische Kulturleben veredelnd wirkt auf den Astralleib, wirkt umändernd und veredelnd beim Ätherleib des Menschen lediglich das, was er in der Religion und in der Kunst in sich aufnimmt, wo er das Ewige in der Zeitform ahnt. Die Impulse der Kunst wirken stärker als die moralische Erziehung, stärker als das, was als Rechts- und Staatsleben in der Menschheit vorhanden ist, weil durch das wahre Kunstwerk durchscheint das Ewige und Unvergängliche. Am stärksten aber wirken auf den Ätherleib die religiösen Impulse. Unter dem Einfluß solcher Impulse gliedert sich ein Teil des Ätherleibes heraus, um sich umzuwandeln zur Budhi, zu dem Logos, dem Wort. Das nennt man in dem esoterischen Christentum den Christos.

[ 11 ] We then know that the “I” also has a transforming, refining, and purifying effect on the etheric or life body. While in ordinary external, material, and spiritual life, moral and cultural life has a refining effect on the astral body, the only things that transform and refine the human etheric body are those elements that a person absorbs through religion and art, where they sense the eternal in its temporal form. The impulses of art have a stronger effect than moral education, stronger than what exists in humanity in the form of legal and political life, because the eternal and imperishable shines through the true work of art. But religious impulses have the strongest effect on the etheric body. Under the influence of such impulses, a part of the etheric body crystallizes out to transform into buddhi, into the Logos, the Word. In esoteric Christianity, this is called the Christ.

[ 12 ] Wir müssen uns bei einer solchen Betrachtung immer das eine vor Augen halten: daß wir, indem wir Geisteswissenschaft treiben, nicht irgendeine graue "Theorie verfolgen, nicht irgend etwas Weltabgewandtes und Lebensfremdes, sondern daß wir dasjenige suchen im Geistigen, wodurch wir unmittelbar veredelnd und läuternd auf diese Leiber einwirken können. Nur wenn wir das Geistige erfaßt und erJebt hinunterzutragen vermögen ins Leben, werden wir das Leben von Augenblick zu Augenblick durchströmen und vergeistigen können mit dem, was wir erkundet haben im geistigen Reiche. Dann treiben wir praktische Geist-Erkenntnis. Nicht aufs Ausklügeln kommt es an, sondern darauf, daß der Geist in unsere Kultur einfließt. Daher geziemt es sich auch, an einer solchen Stelle, wo wir von der Umwandlung der Menschenleiber sprechen, auf etwas Praktisches aufmerksam zu machen, nämlich darauf, was uns das Betrachten solcher Sätze eigentlich sagen will.

[ 12 ] In such a line of thought, we must always keep one thing in mind: that in pursuing spiritual science, we are not pursuing some abstract “theory,” nor something detached from the world and alien to life, but rather we are seeking within the spiritual realm that which enables us to have a direct, ennobling, and purifying effect on these bodies. Only when we are able to grasp the spiritual and carry it down into life through lived experience will we be able to permeate life from moment to moment and spiritualize it with what we have explored in the spiritual realm. Then we are engaging in practical spiritual knowledge. What matters is not intellectual speculation, but rather that the spirit flows into our culture. Therefore, it is also fitting, at a point such as this, where we speak of the transformation of human bodies, to draw attention to something practical—namely, what the contemplation of such statements actually seeks to tell us.

[ 13 ] Wenn Sie im Leben stehen mit Ihrem Bewußtsein und gehen durch die Straßen und über den Markt, um die Einflüsse des Lebens auf sich einwirken zu lassen, um die Eindrücke in sich einfließen zu lassen, dann werden Sie in dem, was Sie erleben können, nur einen Teil, ein Glied Ihrer Gesamterlebnisse haben. Wer das nicht berücksichtigt, kann niemals das Leben und vielleicht auch nicht gewisse wichtige Geheimnisse des alleralltäglichsten Lebens erfassen. Der nach GeistErkenntnis Strebende muß tiefer sehen, als ein anderer Mensch mit den gewöhnlichen äußeren Kulturmitteln heute zu sehen in der Lage ist. Auch darin unterscheiden sich unsere verschiedenen Leiber, der Äther- und Astralleib, daß sie in verschiedener Weise von der äußeren Welt beeinflußt werden. Also alles, was Sie bewußt aufnehmen, worauf Sie Aufmerksamkeit verwenden, und wovon Sie wissen, wenn Sie im Leben daran vorbeigehen, so daß es Ihnen zum Bewußtsein kommt, alles das, was Sie draußen oder im eigenen Zimmer sehen und was Eindruck auf den Astralleib macht, das drückt sich in Wallungen und Bewegungen des astralischen Leibes aus. Alles, was Sie im bewußten Leben erfahren, das kann eine okkulte Persönlichkeit verfolgen in den Bewegungen und Strömungen und in alledem, was sich innerhalb des astralischen Leibes ausdrückt.

[ 13 ] When you stand in life with your consciousness and walk through the streets and across the market to let the influences of life affect you, to let the impressions flow into you, then what you experience will be only a part, a link in the chain of your overall experiences. Those who do not take this into account can never grasp life—and perhaps not even certain important mysteries of the most everyday life. Those who strive for spiritual knowledge must see more deeply than other people are able to see today with the ordinary external means of culture. Our various bodies—the etheric and astral bodies—also differ in that they are influenced in different ways by the external world. Thus, everything you consciously take in, everything to which you pay attention, and everything you are aware of as you pass it by in life—so that it enters your consciousness—everything you see outside or in your own room and that makes an impression on the astral body—all of this is expressed in surges and movements of the astral body. Everything you experience in your conscious life can be traced by an occult personality in the movements and currents and in everything that is expressed within the astral body.

[ 14 ] Nun gibt es noch andere Einwirkungen auf den Menschen, Einwirkungen, auf die er gewöhnlich nicht seine volle Aufmerksamkeit verwendet. Ich will radikaler sprechen, um vollständig klarzumachen, was ich sagen will. Sie können, wenn Sie durch die Straßen der Stadt gehen, den zahlreichen Dingen, an denen Sie vorübergehen, nicht Ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Es sind da viele Dinge, von denen Sie hinterher kaum wissen, daß Sie an ihnen vorbeigegangen sind. Bedenken Sie nur einmal, wenn Sie längs einer Straße gehen, was alles links und rechts in den Schaufenstern lag, welche Menschen und in welchen Kleidern sie an Ihnen vorübergegangen sind! Haben Sie auf alle diese Sachen Ihre Aufmerksamkeit gewendet? Gewiß nicht. Alles das, worauf Sie nicht bewußt Ihre Aufmerksamkeit richten, geht aber doch nicht spurlos an Ihnen vorüber, übt doch Eindrücke auf Sie aus. Und weiter, nehmen wir an, ein Mensch sieht sich die Seiten eines Witzblattes an oder ein Plakat. Das, was er mit bewußter Aufmerksamkeit verfolgt, ist nicht alles, was er da tut. Da sind Dinge auf den Seiten des Witzblattes, die er sich nicht zum Bewußtsein bringt, die aber trotzdem auf ihn einen gewissen Eindruck machen. Man sagt dann, das seien Eindrücke, die unter der Schwelle des Bewußtseins liegen bleiben. In Wahrheit ist es aber anders. In Wahrheit wirken viele, unzählig viele Dinge auf den Menschen, ohne daß er sie sich zum Bewußtsein bringt, und diese Dinge, die da wirken, ohne daß der Mensch sie sich zum Bewußtsein bringt, wirken zuweilen tiefer und bedeutungsvoller auf ihn ein, als die, welche er sich zum Bewußtsein bringt, denn sie wirken zunächst auf seinen Ätherleib ein. Fortwährend bekommen Sie Eindrücke auf Ihren Ätherleib. Der kommt in Bewegung, Wogen und Wellen bilden sich, wenn sie auch feinerer Natur sind, als sie der Astralleib bei den bewußten Eindrücken bildet aber sie sind da.

[ 14 ] Now there are other influences on human beings—influences to which they do not usually give their full attention. I will put it more bluntly to make my point perfectly clear. When you walk through the streets of the city, you cannot give your full attention to the many things you pass by. There are many things that, afterward, you barely even realize you passed by. Just consider, for a moment, as you walk down a street, all the items displayed in the store windows to your left and right, and the people—and the clothes they were wearing—who passed you by! Did you pay attention to all these things? Certainly not. Yet everything to which you do not consciously direct your attention does not pass you by without leaving a trace; it still makes an impression on you. Furthermore, let’s suppose a person is looking at the pages of a humor magazine or a poster. What they follow with conscious attention is not all they are doing there. There are things on the pages of the humor magazine that they do not bring to consciousness, but which nevertheless make a certain impression on them. People say that these are impressions that remain below the threshold of consciousness. In reality, however, it is different. In reality, many—countless—things affect a person without them bringing them into consciousness, and these things that affect them without their conscious awareness sometimes have a deeper and more significant impact on them than those they do bring into consciousness, for they first affect their etheric body. You are constantly receiving impressions on your etheric body. It is set in motion; ripples and waves form—even if they are of a finer nature than those formed by the astral body in response to conscious impressions—but they are there.

[ 15 ] Daraus können Sie entnehmen, wie unendlich bedeutungsvoll für die ganze menschliche Entwickelung dasjenige ist, wovon sich der Mensch eigentlich im Grunde genommen bewußt gar keine Rechenschaft gibt. Unter der Oberfläche unserer Kultur wirken auf die gegenwärtigen Sinne der Menschheit fortwährend Dinge ein, indem sie direkt, also mit Umgehung des Astralleibes, auf den Ätherleib wirken und Bilder wachrufen, die von bleibender Bedeutung sind. Fortwährend wirken unter der Oberfläche unserer Kultur solche Dinge auf den Menschen ein. Und da ist es, wo die Geisteswissenschaft auf die feineren Untergründe unserer Kultur hinweisen muß, wo sie zeigen muß, wie in das alltägliche Leben Verständnis gebracht werden kann durch die Erfassung der geistigen Welt.

[ 15 ] From this you can see how infinitely significant for the entire course of human development is that which human beings, when it comes down to it, are actually completely unaware of. Beneath the surface of our culture, forces are constantly influencing the present-day senses of humanity by acting directly—that is, bypassing the astral body—upon the etheric body and evoking images of lasting significance. Such things continually influence human beings beneath the surface of our culture. And this is where spiritual science must point to the finer foundations of our culture, where it must show how understanding can be brought into everyday life through an appreciation of the spiritual world.

[ 16 ] Es ist einfach so: Ein Zeitalter wirkt und ist ganz anders gesinnt als ein anderes Zeitalter. Wenn das erste Zeitalter schauderhaft schlechte, sagen wir ins Niedrige, bloß Sinnliche gehende und auf die Sensationen berechnete Plakate und Witzblätter hat, und wenn das andere Zeitalter solche Witzblätter nicht hat, so spiegeln sich darin für die okkulte Persönlichkeit diejenigen Dinge, welche in den Neigungen und gewöhnlich auch in den Temperamenten und Charaktereigenschaften der Menschen leben. Sogar das Gewissen ist der Spiegel geheimer Einflüsse, die auf den Menschen ausgeübt werden. Wer das Gewissen wie auch das Temperament, die Gesinnung und die Neigungen der mitteleuropäischen Bevölkerung oder überhaupt der europäischen Bevölkerung im 12., 13. und 14. Jahrhundert studieren wollte, müßte diese Gesinnung, wenn er in okkulter Weise vorgehen wollte, zurückführen auf den Baustil, auf die Art der Gemälde und dessen, was an sonstigen Kulturmitteln die Seelen umgab. Ganz anders konnte eine Seele gestimmt sein, die durch die Straßen ging, wo alles links und rechts zu der Seele in Beziehung stand, als heute, wenn man über den Markt geht und ganz andersartige Dinge um sich herum sieht. Man darf durchaus nicht außer acht lassen das, was tiefer liegt als das Bewußtsein, gerade weil solche Impulse, die mit den großen Entwickelungsepochen der Menschheit zusammenhängen, von tiefem Einfluß sind. Man darf es daher nicht unterschätzen, wenn in den Untergründen unserer Kultur gerade heute allerlei Dinge sind, wie ich sie jetzt angedeutet habe, in denen die wirklichen und wahren Grundlagen des materialistischen Fühlens und Empfindens liegen. Da müssen sie gesucht werden. Und deshalb darf man einen nicht schlankweg als reaktionär ansehen, wenn man von einem tieferen Gesichtspunkt aus will, daß das Edle, das Bedeutungsvolle gerade in dem zum Ausdruck kommt, was so tief auf die menschliche Seele, das heißt bis in die bildsamen Kräfte des Ätherleibes hinein wirkt.

[ 16 ] It’s simply this: One era has a completely different character and mindset than another. If one era has appallingly bad posters and satirical pamphlets—let’s say, those that descend into the base, the purely sensual, and are calculated to elicit sensations—and if another era lacks such pamphlets, then for the occult personality, these reflect the things that live in people’s inclinations and, as a rule, also in their temperaments and character traits. Even the conscience is a mirror of secret influences exerted upon human beings. Anyone wishing to study the conscience, as well as the temperament, mindset, and inclinations of the Central European population—or indeed the European population as a whole—in the 12th, 13th, and 14th centuries would, if proceeding in an occult manner, have to trace this mindset back to the architectural style, the style of paintings, and the other cultural elements that surrounded people’s souls. The mood of a soul walking through the streets—where everything to the left and right related to that soul—could have been quite different from what it is today, when one walks through the market and sees entirely different things all around. One must by no means disregard what lies deeper than consciousness, precisely because such impulses—which are connected to the great epochs of human development—exert a profound influence. One must therefore not underestimate the fact that, especially today, there are all sorts of things in the depths of our culture—as I have just indicated—in which the real and true foundations of materialistic feeling and perception lie. That is where they must be sought. And that is why one should not simply be regarded as reactionary if, from a deeper perspective, one wishes for the noble and the significant to find expression precisely in that which acts so deeply upon the human soul—that is, right down into the formative powers of the etheric body.

[ 17 ] Es gibt also, wie Sie sehen, eine Betrachtungsweise, die sich nicht von den Vorurteilen der Zeit leiten läßt, sondern von den geistigen Wahrheiten. Und wenn man diese Betrachtungsweise auch ausdehnt auf das Schädliche, auf das die materialistische Gesinnung Erzeugende in dem, was uns täglich umgibt, ohne daß der Mensch seine Aufmerksamkeit darauf gerichtet hat, glauben Sie, daß man da viel ausrichten wird mit Theorien und Lehren, wenn diese Theorien und Lehren nicht bis zu diesen Dingen hinuntergehen? Wenn Sie wissen, wie die höheren Lehren des Christentums sich in der Malerei gespiegelt haben, werden Sie sich nicht wundern, daß diese sich auch in dem spiegelten, was den Menschen fortwährend umgab, auch wenn er seine Aufmerksamkeit nicht darauf gerichtet hatte.

[ 17 ] So, as you can see, there is a way of looking at things that is not guided by the prejudices of the times, but by spiritual truths. And if one extends this perspective to the harmful things—to what the materialistic mindset produces in our everyday surroundings without people even paying attention to them—do you believe that theories and teachings will accomplish much if they do not delve down to these very things? If you know how the higher teachings of Christianity have been reflected in painting, you will not be surprised that they were also reflected in what constantly surrounded people, even when they had not directed their attention to it.

[ 18 ] Nun betrachten wir dasjenige, was man in der christlichen Esoterik den Vater nennt. Wir wissen, daß vom Ich aus nicht nur der Astralleib, sondern auch der Ätherleib und der physische Leib umgewandelt werden. Unbewußt werden sie umgewandelt von dem Menschen, aber bewußt werden umgewandelt Astralleib, Ätherleib und physischer Leib vom Esoteriker oder Okkultisten, oder wenn der Mensch in einer esoterischen Schulung steht.

[ 18 ] Now let us consider what is called the Father in Christian esotericism. We know that it is the “I” that transforms not only the astral body, but also the etheric body and the physical body. Unconsciously, they are transformed by the human being, but the astral body, the etheric body, and the physical body are transformed consciously by the esotericist or occultist, or when the person is undergoing esoteric training.

[ 19 ] Alles das, was nur auf den Astralleib wirkt, ist nur Vorbereitung zur eigentlichen esoterischen Schulung, zur eigentlichen okkulten Schulung. Die okkulte Schulung beginnt da, wo wir das Hineinarbeiten in den Äther- oder Lebensleib lernen, wo der Mensch in den Stand gesetzt wird, durch die Anleitung, die ihm der okkulte Lehrer gibt, die Temperamente, Neigungen und Gewohnheiten umzuwandeln, wo der Mensch ein anderer wird. Damit kommt erst die Einsicht in die wirkliche höhere Welt, daß der Mensch ein anderer Mensch wird. Man kann theoretisch Physik lernen, das wirkt nur auf den Astralleib. Man kann alles mögliche lernen, das wirkt nur auf den Astralleib. Erst dann,wenn die Lehren eine solche Stoßkraft haben, daß sie verwandelnd auf den Menschen wirken, bilden sich von innen heraus die Organe, um in die höhere Welt hineinzuschauen. So geschieht die Umwandlung des Ätherleibes und so geschieht auch die Umwandlung des physischen Leibes. Und weil der physische Leib sich umwandelt vom Atmungsprozeß aus, durch die Rhythmisierung des Atmungsprozesses, so nennt man den vom Bewußtsein durchleuchteten physischen Leib Atman, das Atman. Die christliche Esoterik nennt das den Vater.

[ 19 ] Everything that affects only the astral body is merely a preparation for the actual esoteric training, for the actual occult training. Occult training begins when we learn to work our way into the etheric or life body, when a person is enabled, through the guidance provided by the occult teacher, to transform their temperaments, inclinations, and habits—when a person becomes a different person. Only then does insight into the true higher world arise—that a person becomes a different person. One can study physics theoretically, but that affects only the astral body. One can learn all sorts of things, but that affects only the astral body. Only when the teachings possess such impetus that they have a transforming effect on the human being do the organs form from within, enabling one to look into the higher world. This is how the transformation of the etheric body takes place, and this is also how the transformation of the physical body takes place. And because the physical body is transformed through the breathing process—through the rhythmic regulation of the breathing process—the physical body, illuminated by consciousness, is called Atman, the Atman. Christian esotericism calls this the Father.

[ 20 ] So haben wir also innerhalb der christlichen Esoterik zu unterscheiden: den Heiligen Geist: so viel hat der Christ in sich vom Heiligen Geist, als er veredelt hat den astralischen Leib; sodann den Sohn, Logos, das Wort: so viel hat der Christ vom Sohne, vom Logos, vom Worte in sich, als er den Ätherleib umgewandelt hat; und drittens den Vater: so viel hat der Christ vom Vater in sich — es kann nur ein Eingeweihter den Vater bewußt in sich haben -, als sein physischer Leib umgestaltet, ewig gemacht worden ist.

[ 20 ] Thus, within Christian esotericism, we must distinguish between: the Holy Spirit—the Christian possesses as much of the Holy Spirit within himself as he has refined his astral body; then the Son, the Logos, the Word: the Christian possesses within himself as much of the Son, the Logos, the Word as he has transformed his etheric body; and thirdly, the Father: the Christian possesses within himself as much of the Father—only an initiate can consciously possess the Father within himself—as his physical body has been transformed and made eternal.

[ 21 ] Nun müssen wir uns, wenn wir unterscheiden wollen, was Sünde oder Lästerung gegen den Heiligen Geist, gegen den Sohn oder gegen den Vater ist, und um den christlichen Sprachgebrauch inne zu bekommen, an die Mission des Christentums erinnern, wie sie von den esoterischen christlichen Lehrern aufgefaßt worden ist. Öfter habe ich hingewiesen darauf, daß die tiefere Mission des Christentums in dem Wort ausgedrückt ist: «Wer nicht verläßt Vater, Mutter, Bruder, Schwester, der kann nicht mein Jünger sein.» Anders noch ausgedrückt ist das in den Worten des Markus: «Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und lieBen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah rings um sich auf die Jünger, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.» — Ähnliche Worte finden sich auch bei Lukas: «Da antwortete er: Meine Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun.»

[ 21 ] Now, if we wish to distinguish between what constitutes sin or blasphemy against the Holy Spirit, against the Son, or against the Father—and to grasp Christian terminology—we must recall the mission of Christianity as it was understood by the esoteric Christian teachers. I have often pointed out that the deeper mission of Christianity is expressed in the words: “Whoever does not leave father, mother, brother, and sister cannot be my disciple.” This is expressed differently in the words of Mark: “And his mother and his brothers came and stood outside, sent for him, and had him called. And the crowd was sitting around him. And they said to him, ‘Look, your mother and your brothers are outside asking for you.’ And he answered them, ‘Who is my mother, and who are my brothers?’ And he looked around at the disciples sitting in a circle around him and said, ‘Behold, these are my mother and my brothers! For whoever does the will of God is my brother and my sister and my mother.’” — Similar words are also found in Luke: “He replied, ‘My mother and my brothers are those who hear the word of God and do it.’”

[ 22 ] In solchen Worten haben wir die eigentliche Mission des Christentums ausgedrückt. Wir werden sie verstehen, wenn wir uns den Entwickelungsgang der Menschheit vor die Seele führen. Damit werden wir auch die beste Vorbereitung haben für das, was wir nächsten Montag als das Mysterium von Golgatha zu besprechen haben werden.

[ 22 ] In these words we have expressed the true mission of Christianity. We will understand it when we reflect on the course of human development. This will also provide us with the best preparation for what we will discuss next Monday as the Mystery of Golgotha.

[ 23 ] Wenn wir weit zurückgehen im Entwickelungsgang der Menschheit, dann treffen wir auf diejenige Zeit in unserer Erdenentwickelung, die wir die lemurische Zeit nennen. Sie wissen, wir gehen zurück durch die atlantische Zeit in die alte lemurische Zeit. Da finden wir den viergliedrigen, wir dürfen sagen, halbtierischen Menschen, jenen Menschen, der zwar schon aus der Vierheit - physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und mit Anlage zum Ich - besteht, der aber noch nicht ih der Lage war, auch nur das geringste an seinen drei Hüllen zu arbeiten. Denn die Kraft, die dem Menschen notwendig ist, um im angedeuteten Sinne an seinen Hüllen zu arbeiten, mußte in diese Träger der eigentlichen Natur des Menschen erst hineinkommen. Dasjenige, was Sie heute als Ihr Ich bezeichnen, was verhüllt Ihre Seele, Ihre tiefste Natur, die schon etwas enthält von dem, was von den drei Hüllen des Menschen umgewandelt ist, das war damals noch nicht da, das wollte damals erst in die Entwickelung eintreten. Das Ich war noch ein hohler Raum, um aufzunehmen, was heute des Menschen tiefstes Innere ist, was man den unsterblichen Teil des Menschen nennt, der durch alle Inkarnationen durchgeht, was mit der Erde in ein anderes planetarisches Dasein übergehen kann. Das senkte sich dazumal erst hernieder in das menschliche Gehäuse. Das war vorher im Schoße der Gottheit, das bildete einen Teil der göttlichen Natur.

[ 23 ] If we go far back in the course of human evolution, we come to that period in Earth’s development that we call the Lemurian era. As you know, we go back through the Atlantean era into the ancient Lemurian era. There we find the fourfold—we might say, semi-animal—human being, that human being who, although already consisting of the fourfold—physical body, etheric body, astral body, and the germ of the I—was not yet able to work even in the slightest upon his three sheaths. For the power necessary for human beings to work on their sheaths in the sense indicated had first to enter into these vehicles of human nature itself. That which you today call your “I”—which veils your soul, your deepest nature, which already contains something of what has been transformed by the three sheaths of the human being—was not yet present at that time; it was only then beginning to enter into the process of development. The “I” was still a hollow space, ready to receive what is today the deepest inner core of the human being—what is called the immortal part of the human being that passes through all incarnations, and which can transition with the Earth into another planetary existence. At that time, it was only just descending into the human vessel. Previously, it had been in the bosom of the Godhead; it formed a part of the divine nature.

[ 24 ] Ich habe schon einmal das Bild gebraucht, wie dazumal stattfand diese Beseelung des Menschen, diese Ausgießung der göttlichen Tropfen in die einzelnen Menschenhüllen hinein. Ich habe gesagt: Man nehme ein Glas Wasser, da sind viele Tropfen darin als eine flüssige Wassermenge. Nun nehme man tausend kleine Schwämmchen und tue sie hinein, so daß jedes Schwämmchen einen Wassertropfen aufnimmt. Dann haben wir viele Wassertropfen aus dem Glase aufgetupft, und wir haben dasjenige, was vorher verflossen, einheitlich in dem Glase darin war, ausgeteilt auf die verschiedenen Schwämmchen. Was jetzt in uns ist und was vorher in dem Schoße der Gottheit war, als in einem allverfließenden Elemente, das teilte sich dazumal auf die einzelnen menschlichen Leiber aus, so daß heute jeder einen Tropfen dieser einheitlichen göttlichen Substanz in sich hat. Dadurch individualisierte sich dasjenige, was vorher nur Glied in der allgemeinen göttlichen Natur war. So wie meine zehn Finger Glieder meines Organismus sind, so sind die Seelen, die heute in den Menschenleibern darin sind, Glieder der Gottheit. Und so, wie wenn jeder Finger individualisiert würde, wie jeder Finger eigenes Leben erhielte dadurch, daß er sich mit andern Hüllen umgäbe, so wurden die im Schoße der Gottheit ruhenden Tropfen menschliche innere Wesenheiten.

[ 24 ] I have used this image before to describe how, back then, this animation of humanity took place—this pouring out of divine drops into the individual human forms. I said: Take a glass of water; there are many drops in it, forming a liquid mass of water. Now take a thousand little sponges and place them inside, so that each sponge absorbs a drop of water. Then we have dabbled many drops of water out of the glass, and we have distributed what previously flowed together as a unified whole within the glass among the various sponges. What is now within us—and what was previously in the bosom of the Divine, as part of an all-pervading element—was distributed at that time among the individual human bodies, so that today everyone has a drop of this unified divine substance within themselves. Through this, that which was previously merely a part of the general divine nature became individualized. Just as my ten fingers are limbs of my organism, so the souls that are now within human bodies are limbs of the Divinity. And just as if each finger were to become individualized—as if each finger were to receive its own life by surrounding itself with other sheaths—so the drops resting in the bosom of the Divinity became human inner beings.

[ 25 ] Diese menschlichen inneren Wesenheiten wohnten in den damals für sie vorbereiteten Menschenleibern. Ganz anders sahen dazumal diese Menschenleiber aus als heute. Es würde vielleicht kein Mensch mehr das glauben, wenn ich beschreiben würde jene Menschenleiber, die herumwandelten und warteten auf die Beseelung des Göttlichen. Wenn auch diejenigen, welche diese Vorträge hören, an manches gewöhnt sind, so würden manche doch recht erstaunt sein, wenn ich erzählte, wie die damaligen Leiber waren und wie jene für heutige Begriffe grotesken Formen sich zu den heutigen Leibern umgestaltet haben. Daß sie so aussehen wie heute, wer hat das getan? Das hat die innere Seele selbst getan. Von innen heraus wirkte die Gestalt, die Form dieser Menschenseele. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie diese Seele arbeitete, wenn man die letzten Reste des sich ausprägenden Ausgestaltens der Seele im Leibe am heutigen Menschen betrachtet.

[ 25 ] These inner human entities dwelt in the human bodies that had been prepared for them at that time. Those human bodies looked quite different back then than they do today. Perhaps no one would believe it anymore if I were to describe those human bodies that walked about, waiting to be animated by the Divine. Even though those listening to these lectures are accustomed to certain things, some would still be quite astonished if I were to describe what those bodies were like back then and how those forms—which would seem grotesque by today’s standards—have transformed into the bodies we see today. Who is responsible for the fact that they look the way they do today? It was the inner soul itself. The shape and form of this human soul worked from within. One gains an idea of how this soul worked by observing the last remnants of the soul’s formative development in the body of modern humans.

[ 26 ] Betrachten Sie einmal das Schamgefühl, betrachten Sie die Angst, die Furcht, den Schrecken! Das Schamgefühl treibt den Menschen die Schamröte ins Gesicht; das Gesicht färbt sich anders. Ebenso ist es bei der Angst, bei der Furcht, beim Schrecken. In dem einen Falle färbt sich das Gesicht rot, in dem andern Falle erbleicht es. In dem Vortrage über «Blut ist ein ganz besonderer Saft» habe ich gezeigt, daß das Blut der äußere Ausdruck ist für die innere Arbeit des individuellen Menschen. Was sich da als intimste \Wesenheit ausdrückt, schießt in das Blut: Wer das Blut hat, hat das Ich, und wer das Ich hat, hat das Blut. Daher ist es ein ganz besonderer Saft. Das gilt aber nur von dem warmen Blut, im Gegensatz zu dem wechselwarmen Blut. So wie heute noch beim Schamgefühl, bei der Furcht und beim Schrecken das Ich, das dieses Gefühl hat, auf das Blut wirkt und den Körper in dieser klaren, intimen Weise verändert wie bei der Schamröte und bei der Angstblässe, so wirkte es auch damals. Groß und gewaltig war die Wirkung auf das Blut in der ersten Zeit der Menschheitsentwickelung. Das Blut drückte dazumal intim und genau die innere Kraft aus, die hineingefahren ist in das Ich als sein göttlicher Inhalt. Dadurch bildete sich das Ich durch die Rassen her ab. Wie heute der Mensch blaß oder rot werden kann, so formte das innere Gefühl, von innen heraus, den ganzen Menschenleib. Als der Mensch noch weich war — Finger hatte er damals noch nicht -, da formte das Ich von innen heraus durch das Blut die Form. Das Blut ist das, was der Mensch auch heute zum Ausdruck bringt. Die plastisch gestaltende Kraft wirkt vom Ich aus, auf dem Umwege durch das Blut, an dem Aufbau des Menschenleibes. So lernen wir dieses Blut kennen als den Träger des Ichs in der mannigfaltigsten Gestalt.

[ 26 ] Consider the feeling of shame; consider anxiety, fear, and terror! The feeling of shame causes a blush to rise to a person’s face; the face changes color. The same is true of anxiety, fear, and terror. In one case, the face turns red; in the other, it turns pale. In the lecture titled “Blood Is a Very Special Fluid,” I showed that blood is the outward expression of the inner workings of the individual human being. What is expressed there as the most intimate essence flows into the blood: Whoever has the blood has the “I,” and whoever has the “I” has the blood. That is why it is a very special fluid. But this applies only to warm-blooded creatures, in contrast to cold-blooded ones. Just as today, when we feel shame, fear, or terror, the “I” that experiences these feelings acts upon the blood and transforms the body in this clear, intimate way—as in the blush of shame and the pallor of fear—so too did it act back then. The effect on the blood was great and powerful in the early stages of human development. At that time, the blood intimately and precisely expressed the inner force that had entered the “I” as its divine content. Through this, the “I” was reflected across the races. Just as a person today can turn pale or red, so the inner feeling shaped the entire human body from within. When the human being was still soft—he did not yet have fingers at that time—the “I” shaped the form from within through the blood. Blood is what the human being still expresses today. The plastic, shaping force works from the “I,” indirectly through the blood, on the structure of the human body. Thus we come to know this blood as the bearer of the “I” in the most manifold forms.

[ 27 ] In andern Vorträgen habe ich aufmerksam gemacht auf ein Geheimnis, das sich in den ältesten Schilderungen der Bibel verbirgt: Ich habe aufmerksam gemacht auf das Bild, daß Adam Jahrhunderte alt wird. Das beruht auf dem, was wir die Nahehe nennen, die Ehe innerhalb der Blutsverwandtschaft. Wir finden sie am Anfangszeitalter eines jeden Volkes. Freilich müssen wir weit, weit zurückgehen. Wir finden da überall kleine Gruppen innerhalb der Erdenbevölkerung, die miteinander blutsverwandt sind, und nur innerhalb dieser kleinen blutsverwandten Gruppen wird geheiratet. Das hat etwas Wichtiges zur Folge. Um dasjenige, was zu sagen ist, verständlicher auszudrükken, habe ich Sie einmal auf ein Gespräch hingewiesen, das Anzengruber wit Peter Rosegger geführt hat. Sie erinnern sich, daß Rosegger, der ein guter und beliebter Dichter ist, aus einer äußeren Anschauung heraus seine Bauern schildert, sie so schildert, wie er sie eben vor uns hinstellt. Anzengruber ist aber derjenige, der sie lebendiger schildert, der seine Bauern so hinstellt, daß sie fest und sicher auf ihren Beinen stehen, wie gemeißelt, durchaus wahr und sicher. Einmal gingen die beiden befreundeten Dichter miteinander aus. Da sagte Rosegger zu Anzengruber: Du würdest die Bauern viel besser schildern können, wenn du aufs Land hinausgehen und dir die Bauern einmal anschauen wolltest. - Da antwortete ihm Anzengruber: Ich habe nie einen solchen Bauern gesehen. Ich schildere sie aber, weil es mir so im Blute liegt. Mein Vater, Großvater, Urgroßvater und auch die Onkel waren Bauern. Und das liegt mir im Blut. — Anzengruber brauchte die Bauern also gar nicht gesehen zu haben. Das Blut wirkte über die Generationen hinaus, so daß das in der Schilderung der Bauern herauskam.

[ 27 ] In other lectures, I have drawn attention to a secret hidden in the oldest accounts of the Bible: I have drawn attention to the image of Adam living for centuries. This is based on what we call “Nahehe,” marriage within the bloodline. We find it in the earliest ages of every people. Of course, we must go back very, very far. Everywhere we find small groups within the world’s population who are blood relatives, and marriages take place only within these small groups of blood relatives. This has an important consequence. To express what needs to be said more clearly, I once referred you to a conversation that Anzengruber had with Peter Rosegger. You will recall that Rosegger, who is a fine and beloved poet, depicts his peasants from an external perspective—he portrays them exactly as he presents them to us. Anzengruber, however, is the one who depicts them more vividly; he portrays his peasants in such a way that they stand firm and sure on their feet, as if chiseled, utterly true and certain. Once, the two poet friends went out together. Rosegger said to Anzengruber, “You’d be able to portray the farmers much better if you went out to the countryside and took a look at them for yourself.” Anzengruber replied, “I’ve never seen a farmer like that. But I portray them because it’s in my blood.” “My father, grandfather, great-grandfather, and even my uncles were farmers. And that’s in my blood.” — So Anzengruber didn’t need to have seen the farmers at all. It was in his blood, passed down through the generations, and that came through in his depictions of them.

[ 28 ] So sehen Sie, wie auf dem Umwege des Blutes der Geist wirkt, und wie ein begrenztes Ich nicht in der Persönlichkeit aufhört, sondern erstarkt und sich verbreitet über Vater, Großvater und so weiter. Bei Anzengruber war das so, weil man sich dort nur unter Bauern geheiratet hat. Da blieb ein gewisser Grad von Bewußtsein davon zurück. Der Grad dieses Bewußtseins war noch viel höher zur Zeit der ersten Teile der Bibel. Da war noch ein wirkliches Gedächtnis, eine Erinnerung da an die Erlebnisse der Urahnen. Es gab eine Zeit, wo der Mensch sich nicht nur an das erinnerte, was er selbst in seiner Jugend erlebt hatte als Kind, als Jüngling, sondern wo er ebenso im Gedächtnis hatte, was der Vater und der Großvater getan hatten. So unglaublich das auch dem Menschen von heute erscheint, so wahr ist es doch, daß in den alten Zeiten, wo eine kleine Gruppe strenger Blutsverwandtschaft innegehalten worden ist und wo man nicht aus der Gemeinschaft herausheiraten durfte, ohne eine Sünde zu begehen, das Ich nicht nur jenes Bewußtsein des Bauerncharakters erlangte, sondern daß der Sohn zu dem, was der Vater, der Großvater und so weiter erlebt hatten, sagte: Ich habe es erlebt. — Es war also so, daß die, welche nach neun Jahrhunderten von Adam abstammten, in bezug auf die Erlebnisse des Adam sagten: Ich habe es erlebt. - Es war eine Art von Gruppen-Ich, das durch die Generationen hindurchging. Als Adam, als Abraham bezeichnete man eben jenes Durchgehen des Ichs.

[ 28 ] This shows how the spirit works through the bloodline, and how a limited “I” does not end with the individual, but rather grows stronger and extends through the father, grandfather, and so on. This was the case with the Anzengrubers because marriages there took place exclusively among farmers. A certain degree of awareness of this remained. The degree of this awareness was even much higher at the time of the earliest parts of the Bible. Back then, there was still a genuine memory, a recollection of the experiences of the forefathers. There was a time when people not only remembered what they themselves had experienced in their youth—as children and as young men—but also retained in their memory what their father and grandfather had done. As unbelievable as this may seem to people today, it is nonetheless true that in ancient times, when a small group bound by strict blood ties was maintained and when one was not permitted to marry outside the community without committing a sin, the “I” not only attained that consciousness of the peasant character, but the son would say of what his father, grandfather, and so on had experienced: “I have experienced it.” — It was thus the case that those who, nine centuries later, were descended from Adam said, with regard to Adam’s experiences: “I have experienced it.” It was a kind of group “I” that passed down through the generations. What was referred to as “Adam” or “Abraham” was precisely this passing down of the “I.”

[ 29 ] Das verbirgt sich auch hinter den Schilderungen der ersten Kapitel des Alten Testamentes. Daran sehen Sie aber, daß dieses Blut als äußerer Ausdruck der inneren schöpferischen Seele in Betracht kommt. Wodurch verlor der Mensch dieses Hinaufschauen in die Generationen? Wodurch wurden sein Bewußtsein und sein Gedächtnis auf sein eigenes Leben eingeschränkt? Sie wurden dadurch eingeschränkt, daß seine Blutsverwandtschaft durchbrochen wurde. Es lockerte sich die alte Blutsverwandtschaft, aus den engeren Kreisen wurden weitere. Der kleine Familienkreis erweiterte sich zum Stamm, der Stamm zum Volk. Nicht anders hätte sich die Menschheit so weit entwickeln können, als indem sich Familien zu Stämmen, Stämme zu Völkern gliederten, nicht anders, als indem die engen Blutsbande durchbrochen wurden. Das Gedächtnis selbst reicht hinauf in die Generationen.

[ 29 ] This is also what lies behind the descriptions in the first chapters of the Old Testament. From this, however, you can see that this blood is regarded as an outward expression of the inner creative soul. How did humanity lose this ability to look back through the generations? How were their consciousness and memory restricted to their own lives? They were restricted because their blood ties were broken. The old blood ties loosened; the closer circles gave way to broader ones. The small family circle expanded into a tribe, and the tribe into a people. Humanity could not have developed as far as it has except by families organizing themselves into tribes and tribes into peoples—except by breaking the close blood ties. Memory itself reaches back through the generations.

[ 30 ] Wenn Sie sich erinnern, wie oft ich gesagt habe, daß das Gedächtnis den Ätherleib zum Träger hat, daß er wiedergibt das, was gedächtnismäßig einen Ausdruck findet, dann werden Sie den Zusammenhang zwischen dem Blut und dem Ätherleib haben. Das Ich drückt sich in den Ätherleib hinein, indem es sich äußerlich ausdrückt in Blutwallungen, in dem, was ins Blut schießt. Wenn Sie sich nun aber erinnern, daß derjenige, der ein Eingeweihter werden will, in den Ätherleib hineinzuarbeiten hat, dann werden Sie nicht mehr weit sein von dem, was tief zusammenhängt mit dem Mysterienwesen der vorchristlichen Zeit. Auch dieses Mystertienwesen der vorchtristlichen Zeit hat mit dem Blute zu tun. Heute wollen wir kennenlernen, was das Ganze mit dem Blute zu tun hat.

[ 30 ] If you recall how often I have said that memory has the etheric body as its vehicle, that it reproduces what finds expression in memory, then you will understand the connection between the blood and the etheric body. The “I” expresses itself into the etheric body by manifesting outwardly in surges of blood—in what rushes into the blood. But if you now recall that the one who wishes to become an initiate must work into the etheric body, then you will not be far from what is deeply connected to the mystery being of pre-Christian times. This mystery essence of pre-Christian times also has to do with blood. Today we will explore what all of this has to do with blood.

[ 31 ] Wir wissen, daß ein Mensch, der die vorchristliche Einweihung bekommen sollte, dazu vorbereitet werden mußte. Wir wissen, wie eine solche Einweihung vor sich gegangen ist. Der Einzuweihende bekam zur Aufgabe die Umwandlung der Eigenschaften und Gewohnheiten, die er hatte, was ihn dann zu dem Menschen machte, der er sein mußte, um ein Eingeweihter zu werden. Ich habe ferner gesagt, daß die Eingeweihten zurückführen auf die Adepten in der alten atlantischen Zeit, und daß der Schüler, nachdem er in entsprechender Weise vorbereitet worden war, für dreieinhalb Tage ganz und gar in eine Art Schlafzustand versetzt worden ist, in einen solchen Schlaf, der es möglich gemacht hat, nicht nur den Astralleib aus dem physischen Leib herauszuheben, sondern auch den Ätherleib. Der den Schüler einweihende Weise leitete die ganze Prozedur. Der Ätherleib wurde herausgehoben, und dadurch bekam der Initiator die Möglichkeit, in den Schüler die Kraft zu geistigen Erlebnissen hineinzulegen, um eine wirkliche Anschauung und Erfahrung von der höheren Welt haben zu können. Dadurch, daß der Mensch vorbereitet worden war, kam der Ätherleib in Bewegung, so daß es dem Schüler möglich geworden ist, in die höheren Welten hineinzuschauen. Wenn er dann zurückgeführt worden ist, war es so, daß er Zeugnis ablegen konnte von der Wahrheit und Wirklichkeit der geistigen Welt. Um eines handelte es sich da: Der Mensch mußte sein Bewußtsein herabstimmen, herabdämpfen, und das Herabdämpfen des Bewußtseins war verbunden mit dem Herausholen des Ätherleibes. Er war ganz unter dem Einflusse des Initiators.

[ 31 ] We know that a person who was to receive pre-Christian initiation had to be prepared for it. We know how such an initiation took place. The initiate was given the task of transforming his existing character traits and habits, which then made him the person he needed to be in order to become an initiate. I have also said that the initiates trace their lineage back to the adepts of the ancient Atlantean era, and that the student, after being properly prepared, was placed entirely into a kind of sleep state for three and a half days—a sleep that made it possible to lift not only the astral body out of the physical body, but also the etheric body. The sage who initiated the student guided the entire procedure. The etheric body was lifted out, and this enabled the initiator to instill in the student the power to have spiritual experiences, so that he could gain a true insight into and experience of the higher world. Because the person had been prepared, the etheric body was set in motion, enabling the student to glimpse into the higher worlds. When he was then brought back, he was able to bear witness to the truth and reality of the spiritual world. One thing was essential here: the person had to attune his consciousness downward, to dampen it, and this dampening of consciousness was connected with the drawing out of the etheric body. He was entirely under the influence of the initiator.

[ 32 ] Nun betrachten wir einmal den Vorgang. Was an Gesetzen, Einrichtungen und sozialem Gefüge vorhanden war, das führte zuletzt zurück auf die Einweihung. An der Spitze des sozialen Baues stand der große Initiator. Von ihm gingen die Ziele und Richtungen aus. Die Schüler trugen die geoffenbarte Weisheit hinaus in die Welt, und die, welche sie draußen hörten, richteten sich danach und richteten auch das soziale Leben danach ein. Alles stand unter der Autorität der Initiation, des Initiators, alles hing davon ab. Es war das Prinzip der Autorität, die auf Wahrheit und Weisheit gegründet war, im höchsten Maße und im besten Sinne dargelebt. Nur die, welche die großen, weisen Führer der Menschheit waren, durften eine solche Autorität ausüben. Und das geschah, ohne daß der Menschheit dadurch in irgendeiner Weise Schaden zugefügt worden wäre.

[ 32 ] Now let us consider the process. Whatever existed in terms of laws, institutions, and social structures ultimately traced back to the initiation. At the pinnacle of the social structure stood the great initiator. It was from him that the goals and directions emanated. The disciples carried the revealed wisdom out into the world, and those who heard it outside the circle guided their lives by it and organized social life accordingly. Everything was under the authority of the initiation and the Initiator; everything depended on it. It was the principle of authority, founded on truth and wisdom, lived out to the highest degree and in the best sense. Only those who were the great, wise leaders of humanity were permitted to exercise such authority. And this took place without causing any harm to humanity in any way.

[ 33 ] Nun handelte es sich darum, den Ätherleib in der richtigen Weise aus dem physischen Leib herauszuholen. Das konnte man nicht ohne weiteres bei jedem Menschen machen. Wer Ihnen sagt, daß man das bei jedem Menschen tun kann, der schildert Ihnen die Dinge abstrakt, der schildert sie nicht wahr. Diese Dinge zu erreichen, erfordert eine lange Vorbereitung. Es kam darauf an, daß das Blut die richtige Mischung hatte. Deshalb wurde auch ein so großer Wert darauf gelegt, daß die Priestergeneration sich nicht mit andern vermische. Durch Jahrhunderte hindurch wurde es vorbereitet, daß immer einer der richtigen Nachkommen da war, der einmal in dieser Weise ein richtiger Eingeweihter werden konnte. Es war eine Behandlung des Menschenleibes in großem Stile, in einer ungeheuer mysteriösen Weise, in einer im schönsten Sinne des Wortes mysteriösen Weise. Die größten Eingeweihten sind in bezug auf ihr physisches Prinzip durch Jahrhunderte hindurch hinsichtlich ihrer Blutmischung vorbereitet worden. Diese ganze Einweihungsvorbeteitung ist das Charakteristische der vorchristlichen Einweihung, es hat aber im Laufe der Menschheitsentwickelung nicht immer, es hat nicht ewig bestehen können. Denn womit hing dieses Einweihungsprinzip zusammen? Es hing mit der Übersichtlichkeit der Blutsgemeinschaft zusammen. Je mehr wir uns dieser nähern, desto mehr kommen wir auf so geartete Prinzipien.

[ 33 ] The task now was to draw the etheric body out of the physical body in the proper way. This could not be done easily with every person. Anyone who tells you that this can be done with every person is describing things in abstract terms; they are not describing them truthfully. Achieving these things requires a long period of preparation. It was essential that the blood have the right composition. That is why such great importance was placed on ensuring that the priestly lineage did not intermarry with others. Over the course of centuries, preparations were made to ensure that there would always be a suitable descendant who could one day become a true initiate in this way. It was a treatment of the human body on a grand scale, in an immensely mysterious way—mysterious in the most beautiful sense of the word. The greatest initiates were prepared over the course of centuries with regard to their physical principle and the composition of their blood. This entire preparatory process for initiation is characteristic of pre-Christian initiation, but it could not always—it could not eternally—persist in the course of human development. For what was this principle of initiation connected to? It was connected to the clarity of the blood community. The closer we come to this, the more we arrive at principles of this nature.

[ 34 ] In den ältesten Zeiten war also die Einweihung auf das Blutsprinzip gebaut. Immer mehr wurde sie durchbrochen, von Familie zu Familie, von Stamm zu Stamm, von Volk zu Volk. Und nun sollte das kommen, was in der Zukunft eintreten wird: daß alle solche Blutsbande durchbrochen werden. Denn wo lebte das Gemeinschaftsprinzip, das der Mensch hatte, als er aus dem Schoße der Gottheit gekommen war? Man könnte sagen, es rann durch das Blut, und wenn man einen Menschen einweihen wollte, so mußte man eben auf das Blut Rücksicht nehmen.

[ 34 ] In the earliest times, therefore, initiation was based on the principle of blood ties. This principle was increasingly broken, from family to family, from tribe to tribe, from people to people. And now what is to come in the future was about to happen: that all such blood ties would be severed. For where did the principle of community exist that humanity possessed when it emerged from the bosom of the Divine? One could say it flowed through the blood, and if one wished to initiate a person, one simply had to take the blood into account.

[ 35 ] Als mit dem warmen Blute die Möglichkeit gegeben war, daß das Ich sich den göttlichen Seelencharakter eingliederte, da strömte der göttliche Seelencharakter durch das Blut: «Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird.» Gerade derjenige, der als Gott Jehova spricht, sagt: Ich bin, der da war, der da ist und der da sein wird. — Und wo wirkte er am mächtigsten? Er wirkte am mächtigsten im Blute. Und wodurch führte man den Menschen, wenn man ihn einweihte? Man führte ihn dadurch, daß man sein Blut behandelte. Das sind tiefe und weitgehende Mysterien des Altertums. Derjenige versteht das Christentum schlecht, der es nur als einen äußerlichen Vorgang betrachtet. Mit vollem Vorbedacht ist mein Buch nicht «Die Mystik des Christentums» benannt worden, sondern «Das Christentum als mystische Tatsache» ; das heißt, das Christentum selbst ist eine mystische Tatsache und nur dann zu verstehen, wenn man weiß, daß mit der Erscheinung des Christus Jesus sich die ganze geistige Konfiguration unseres Erdenplaneten geändert hat.

[ 35 ] When warm blood made it possible for the “I” to integrate the divine soul character, the divine soul character flowed through the blood: “I am who was, who is, and who will be.” It is precisely the One who speaks as God Jehovah who says: “I am who was, who is, and who is to come.” — And where did He work most powerfully? He worked most powerfully in the blood. And how was a person guided when he was initiated? They were led through the treatment of their blood. These are the profound and far-reaching mysteries of antiquity. Anyone who regards Christianity merely as an external process misunderstands it. It was with full deliberation that my book was not titled *The Mysticism of Christianity* but *Christianity as a Mystical Fact*; that is to say, Christianity itself is a mystical fact and can only be understood if one knows that with the appearance of Christ Jesus, the entire spiritual configuration of our Earth has changed.

[ 36 ] Versetzen Sie sich einmal auf einen fernen Planeten und denken Sie sich, Sie würden als Seher herunterschauen können auf die Erde, auf die Atmosphäre der Erde, auf den Astralleib der Erde, auf dasjenige, was der allgemeine Astralleib der Erde ist und was da brodelt und sprudelt und wogt und wellt von den Astralleibern der Tiere und Menschen. Und dann denken Sie sich, Sie könnten einige Jahrhunderte vor Christi Geburt herunterschauen und verfolgen die Ereignisse bis in eine ferne Zukunft hinein. Wenn Sie dies verfolgen könnten, so würden Sie etwas Eigentümliches sehen. Sie würden schen, daß mit dem Erscheinen des Christus Jesus die astrale Atmosphäre sich gründlich ändert, einen mächtigen Ruck macht, so daß sie für alle Zukunft eine andere Schattierung, eine andere Färbung erhält. Etwas Neues trat da in die irdische Geistesatmosphäre ein. Wer nicht zugibt, daß jetzt geistig etwas anderes da ist auf der Erde, als vor Jahrtausenden da war, der versteht nicht das Christentum mit seiner Vorbereitung. Nur wer es so betrachtet, daß etwas Reales und Wirkliches als neuer Einschlag gekommen ist, der weiß, was da am Beginne des Christentums geschehen ist.

[ 36 ] Imagine yourself on a distant planet and picture that, as a seer, you could look down upon the Earth—upon its atmosphere, upon its astral body, upon what constitutes the Earth’s general astral body, and upon the seething, bubbling, surging, and undulating mass of the astral bodies of animals and humans. And then imagine that you could look down several centuries before the birth of Christ and trace the events all the way into the distant future. If you could follow this, you would see something peculiar. You would see that with the appearance of Christ Jesus, the astral atmosphere changes thoroughly, undergoes a powerful jolt, so that it takes on a different hue, a different coloration, for all time to come. Something new entered the earthly spiritual atmosphere. Anyone who does not acknowledge that there is now something spiritually different on Earth than there was millennia ago does not understand Christianity and its preparation. Only those who view it as a real and genuine new development know what happened at the beginning of Christianity.

[ 37 ] Wenn Sie dies so betrachten, werden Sie auch den Ausdruck für die Umwandlung des Erdplaneten im Geistigen finden und sich sagen müssen: Alle engeren Blutsbande reißen, alles, was die Menschen in kleinen Blutsgemeinschaften zusammengehalten hat, reißt allmählich. Die kleinen Bruderbünde werden allmählich erweitert zu dem großen Bruderbunde, der alle Menschen auf der Erde umfassen soll, wo jeder Mensch zu jedem Menschen Bruder sagt, wo der Mensch «Mutter und Vater und Bruder und Schwester verläßt». Alles, was das Blut bereitet hatte in einer Art von Gruppen-Ich, in einem Ich, das über das gewöhnliche Ich hinausgeht, das muß von der Erde verschwinden. Und wenn die Erde bereit sein wird, eine neue astrale Kugel zu werden, dann wird die Frucht aufgegangen sein, alle Bande werden gesprengt sein und ein einziges großes Band wird die Menschheit umfassen. Die Aufgabe, den Impuls, die Kraft zu geben, diesen Bruderschaftsbund zu begründen, die stellte sich der Christus Jesus. Daher ist die Mission des Christus Jesus und das Ideal des Christentums ausgedrückt in den Worten: «Wer nicht verläßt Vater, Mutter, Bruder und Schwester, der kann nicht mein Jünger sein.» Daher auch die Ablehnung: «Dies ist nicht meine Mutter; meine Mutter und meine Brüder sind diejenigen, die den Willen tun meines Vaters.» Das ist der neue Geist, der gegenüber dem Blut in die Menschheit kommen soll.

[ 37 ] If you look at it this way, you will also find the expression for the transformation of the Earth in the spiritual realm and will have to say to yourself: All close blood ties are breaking; everything that has held people together in small blood-related communities is gradually breaking apart. The small brotherhoods will gradually expand into the great brotherhood that is to encompass all people on Earth, where every person calls every other person “brother,” where people “leave mother and father and brother and sister.” Everything that blood ties had created in a kind of group ego—an ego that transcends the ordinary ego—must disappear from the Earth. And when the Earth is ready to become a new astral sphere, then the fruit will have ripened, all bonds will have been broken, and a single great bond will encompass humanity. Christ Jesus took upon himself the task of providing the impulse and the power to establish this brotherhood. Hence, the mission of Christ Jesus and the ideal of Christianity are expressed in the words: “Whoever does not leave father, mother, brother, and sister cannot be my disciple.” Hence also the rejection: “This is not my mother; my mother and my brothers are those who do the will of my Father.” This is the new spirit that is to come into humanity in place of blood ties.

[ 38 ] Ich bitte Sie, das, was ich jetzt sagen werde, nicht als Bild, nicht als Symbol, sondern als Realität zu nehmen. Die heutige materialistische Menschheit kann solche Dinge schwer als Realität betrachten, sie sind aber eine solche. Und nun betrachten wir das erhöhte Kreuz, vor allen Dingen das Blut, das aus den Wunden fließt. Von diesem Blute, das aus den Wunden fließt — seien Sie sich klar, was es weltgeschichtlich bedeutet! Warum fließt es? Warum wird überhaupt gesprochen von dem fließenden Blute des Christus Jesus? Was hat alle engeren Gemeinschaften begründet? Was hat die kleinen Stämme zusammengeschlossen? Was muß seine Bedeutung in diesen engen Grenzen verlieren, wenn sich die ganze Menschheit zum Bruderbund erweitern soll? Das Blut. Nicht mehr kann vom Blute das abhängen, was auf das Ich wirkt, was in dem Ich pulsiert, wenn die ganze Menschheit zum Bruderbund reif geworden ist. Daher muß durch Christi Wunden das überflüssige Ich-Blut, dasjenige Blut, welches macht, daß die Menschheit nicht ihr Ich zum universellen Ich erweitert, das muß fließen als selbstsüchtiges Blut, als egoistisches Blut. Das fließt aus. Betrachten Sie das nicht als Bild, sondern als Realität. Betrachten Sie diejenige Menge Blut, die aus Christi Wunden geflossen ist, als die Menge, die fließen mußte, damit das Blut die Tendenz verliert, enge Gemeinschaften zu begründen und damit die Möglichkeit gewinnt, den Bruderbund über die ganze Erde zu verbreiten.

[ 38 ] I ask you to take what I am about to say not as a metaphor, not as a symbol, but as reality. Today’s materialistic humanity finds it difficult to regard such things as reality, yet they are indeed reality. And now let us consider the raised cross—above all, the blood flowing from the wounds. This blood flowing from the wounds—be clear about what it means in the context of world history! Why does it flow? Why is there any mention at all of the flowing blood of Christ Jesus? What has founded all smaller communities? What has united the small tribes? What must its significance lose within these narrow boundaries if all of humanity is to expand into a brotherhood? The blood. Once all of humanity has matured into a brotherhood, what affects the “I”—what pulsates within the “I”—can no longer depend on the blood. Therefore, through Christ’s wounds, the superfluous “I”-blood—the blood that prevents humanity from expanding its “I” into a universal “I”—must flow as selfish blood, as egotistical blood. It flows out. Do not regard this as a metaphor, but as reality. Consider the amount of blood that flowed from Christ’s wounds as the amount that had to flow so that blood might lose its tendency to form narrow communities and thereby gain the ability to spread the brotherhood throughout the entire earth.

[ 39 ] Vielleicht hat keiner dieses Mysterium exoterisch so nahe gestreift wie Richard Wagner in dem Aufsatz über die Konzeption des «Parsifal». Es streift da ein Exoteriker an die tiefsten esoterischen Wahrheiten der Mysterien. Wenn Sie dieses so betrachten, dann werden Sie sehen, daß der Sinn des Christentums darin liegt, auf der einen Seite dasjenige, was gebunden ist in Stämmen, Familien und engbegrenzten Gemeinschaften, aufzulösen, und auf der andern Seite die Menschen in Individuen zu zersplittern, so daß der einzelne sich einerseits als Individuum fühlt und andrerseits wieder als Glied der ganzen Menschheit. Diese zwei Dinge gehen als Polaritäten nebeneinander. In den alten Zeiten, wo die kleinen Kreise der Blutsverwandtschaft warten, da fühlte sich der Mensch als Glied der Familie, als Glied des Stammes. Und in demselben Maße, wie die Blutsverwandtschaft stirbt, wird auch die individuelle Selbständigkeit wachsen und zunehmen.

[ 39 ] Perhaps no one has come as close to this mystery in exoteric terms as Richard Wagner did in his essay on the conception of *Parsifal*. There, an exotericist touches upon the deepest esoteric truths of the mysteries. If you look at it this way, you will see that the meaning of Christianity lies, on the one hand, in dissolving that which is bound up in tribes, families, and narrowly defined communities, and, on the other hand, in fragmenting people into individuals, so that the individual feels, on the one hand, as an individual and, on the other hand, once again as a member of the whole of humanity. These two things coexist as polarities. In ancient times, when small circles of kinship prevailed, people felt themselves to be members of the family, members of the tribe. And to the same extent that kinship dies out, individual autonomy will also grow and increase.

[ 40 ] Daß durch das Ereignis auf Golgatha diese Wirkung ausgeübt wurde, das sehen Sie daran, daß von da ab, wo das Ereignis die ganze Erde umspannen sollte, der religiöse Impuls von höchster Bedeutung wurde. Alles, was da geschehen ist, war vorbereitet und ist Vorbereitung. Die Wirkung beginnt damit, daß am Pfingstfest der Heilige Geist ausgegossen wird. Wenn man so spricht, daß gesprochen wird aus der Seele der andern heraus, also nicht mehr egoistisch, so wird das am besten wiedergegeben da, wo die Apostel zu allen Menschen in allen Zungen sprechen. So bereitet der Heilige Geist dasjenige vor, was durch das Blut des Sohnes, des Logos, des Christus, bewirkt werden soll.

[ 40 ] You can see that the event at Golgotha had this effect from the fact that, from that point on—when the event was to encompass the entire earth—the religious impulse became of the utmost importance. Everything that happened there was prepared and is part of that preparation. The effect begins with the outpouring of the Holy Spirit at Pentecost. When one speaks in such a way that words flow from the soul of the other—that is, no longer selfishly—this is best illustrated by the apostles speaking to all people in every tongue. In this way, the Holy Spirit prepares the way for what is to be accomplished through the blood of the Son, the Logos, the Christ.

[ 41 ] Jetzt gehen wir zurück auf das alte Einweihungsprinzip. Es war dasjenige, welches sich auf Autorität aufbaute. Alles schaute zu den Eingeweihten hinauf und bekam von da die Impulse. Das hört mehr und immer mehr auf, dieses Autoritätsprinzip. Ein scheinbarer Widerspruch ist da vorhanden: Zersplitterung der Menschheit in Individuen und völliges Durchbrechen jenes alten Autoritätsprinzips — und zu gleicher Zeit soll der vollständige Bruderbund aufgerichtet werden. Wodurch soll er aufgerichtet werden? Dadurch, daß man erfaßt, was als Geist ausgeflossen ist. Worin besteht er? Es genügte dem alten Initiator, daß er die ganze Weisheit, die Wahrheit hatte und sie in die ganze Menschheit einfließen ließ. Jetzt wird nur das genügen, daß die einzelne Individualität, die aufs höchste gesteigert ist, die Wahrheit hat. Jeder Mensch muß Besitzer der Wahrheit und Weisheit sein. Die Wahrheit strömte damals von der höchsten Spitze in den einzelnen hinein, der sie erringen mußte. Mit der Verbreitung der Weisheit muß die Entwickelung einhergehen, mit der Individualisierung der Menschheit die Begründung des großen Bruderbundes der Menschheit. Diese beiden Dinge können nicht nebeneinandergehen, sie müssen zusammengehen.

[ 41 ] Now let us return to the old principle of initiation. It was the one based on authority. Everyone looked up to the initiates and received their inspiration from them. This principle of authority is ceasing to exist more and more. There is an apparent contradiction here: the fragmentation of humanity into individuals and the complete breaking down of that old principle of authority—and at the same time, the establishment of a complete brotherhood. How is it to be established? By grasping what has flowed forth as Spirit. What does it consist of? It was enough for the ancient initiator to possess all wisdom and truth and to allow them to flow into all of humanity. Now, it will suffice for the individual, elevated to the highest degree, to possess the truth. Every person must be the possessor of truth and wisdom. In those days, truth flowed from the highest peak into the individual, who had to attain it. The spread of wisdom must go hand in hand with development; the individualization of humanity must go hand in hand with the establishment of the great brotherhood of humanity. These two things cannot proceed side by side; they must go together.

[ 42 ] Indem wir das betrachten, betrachten wir stufenweise die Wirkung des Heiligen Geistes. Solange der Mensch hinhorchte auf die einzige Autorität, konnte er sich, der einzelne, dem Leben überlassen. Er konnte im engen Kreise leben. Für das Ganze sorgte die autoritative Spitze. Das kann er nicht mehr, wenn das Prinzip der Autorität durchbrochen wird. Da muß jeder einzelne sorgen für das Zusammenhalten im Bruderbund. Jeder einzelne muß sorgen können für die soziale Gestaltung im Bruderbund. Er muß aufnehmen, was im allgemeinen da ist, was jeder Mensch bereitet. Was kann das sein? Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, wie die alten Religionen entstanden sind. Alle Eingeweihten hatten dieselbe Urweisheit der Menschheit. Aber indem diese Weisheit zu den einzelnen Menschen getragen worden ist, bekam sie vom Staat, vom Klerus und so weiter besondere Charaktereigenschaften, verschiedene Formen. Der Buddhismus, der Zarathustrismus entstanden so. Je kleiner die Gemeinschaften waren, desto mehr mußte spezialisiert werden. Indem der große Bruderbund begründet werden muß, muß das, was der Eingeweihte wußte, herausfließen können in die ganze Menschheit, damit jetzt jeder selber dafür sorgen kann, wofür früher die Eingeweihten gesorgt haben.

[ 42 ] As we consider this, we gradually come to see the work of the Holy Spirit. As long as people heeded the one authority, they—as individuals—could entrust themselves to life. They could live within a close-knit circle. The authoritative leadership took care of the whole. He can no longer do so once the principle of authority is broken. Then each individual must ensure cohesion within the brotherhood. Each individual must be able to contribute to the social structure of the brotherhood. He must take in what is generally present, what every person brings to the table. What might that be? We need only recall how the ancient religions arose. All initiates possessed the same primordial wisdom of humanity. But as this wisdom was transmitted to individual people, it took on specific characteristics and various forms through the state, the clergy, and so on. Buddhism and Zoroastrianism arose in this way. The smaller the communities were, the more they had to specialize. Since the great brotherhood must be established, what the initiate knew must be able to flow out to all of humanity, so that now everyone can take care of for themselves what the initiates used to take care of.

[ 43 ] So fließt die Weisheit herunter in die ganze Menschheit. Die Weisheit ist eine einheitliche. Und so sehen wir, daß wir in dieser Weisheit, in der Erkenntnis dasjenige haben, was in die individuellen, zersplitterten Menschen verteilt ist, die da «verlassen haben Vater, Mutter, Bruder, Schwester und Kind». Das werden sie wieder haben, eben weil die Weisheit eine einheitliche ist. Derjenige begreift das Wort vom Heiligen Geist, der begreifen kann, daß die Weisheit eine einheitliche ist.

[ 43 ] Thus wisdom flows down to all of humanity. Wisdom is one and the same. And so we see that in this wisdom, in this knowledge, we have that which is distributed among the individual, fragmented human beings who have “left father, mother, brother, sister, and child.” They will have these things again, precisely because wisdom is one and the same. The one who can understand that wisdom is one and the same understands the word of the Holy Spirit.

[ 44 ] So weit sind die Menschen aber noch nicht, denn sie sagen ja noch immer: Das ist mein Standpunkt, das finde ich so; der andere kann ja einen andern Standpunkt haben. — Das ist ein Standpunkt, der überwunden werden muß. Die Menschen mußten zum Ich, zum Egoismus zersplittert werden. Noch haben sie nicht den Zusammenschluß mit der einheitlichen Weisheit gefunden. Diesen werden die Menschen dadurch finden, daß sie sich wirklich an diese einheitliche Weisheit heranmachen und so stark individuell als möglich werden. Sie werden sich abgewöhnen, wenn sie den einheitlichen Geist der Weisheit gewinnen, zu sagen: Das ist mein Standpunkt, das ist meine Meinung. Wenn man sich klar darüber geworden ist, daß es der einheitlichen Weisheit gegenüber keinen besonderen Standpunkt gibt, daß jedes Stehen auf einem besonderen Standpunkt nichts anderes ist, als daß man nicht weit genug vorgedrungen ist, erst dann kann man die Idee vom Heiligen Geist begreifen. Nur der unvollkommene Mensch hat seinen Standpunkt. Derjenige Mensch, der sich dem Geist der Weisheit nähert, hat keinen Standpunkt. Er weiß, daß er sich selbstlos hinzugeben hat der ureinen Weisheit. Wie sich alle Pflanzen der einheitlichen Sonne zuneigen, so werden sich die Menschen vereinigen, hinneigen zu dem Einen, weil der eine Geist der Weisheit in ihnen lebt. Ist aus dem Christus dasjenige ausgeflossen, was ursprünglich die Menschen im Blute verbunden hat, so schließt uns die Weisheit wieder zusammen in dem Bruderbunde.

[ 44 ] But people have not yet reached that point, for they still say: “That is my point of view; that is what I believe; others are free to have a different point of view.” — This is a mindset that must be overcome. People had to be fragmented into the “I,” into egoism. They have not yet found union with the unified wisdom. People will find this by truly engaging with this unified wisdom and becoming as strongly individual as possible. Once they have attained the unified spirit of wisdom, they will outgrow the habit of saying, “That’s my point of view; that’s my opinion.” Only when one has realized that there is no particular standpoint in relation to the unified wisdom—that any adherence to a particular standpoint is nothing other than a sign that one has not advanced far enough—only then can one comprehend the idea of the Holy Spirit. Only the imperfect human being has a standpoint. The person who draws near to the Spirit of Wisdom has no standpoint. He knows that he must devote himself selflessly to the primal, pure Wisdom. Just as all plants turn toward the one sun, so will human beings unite and turn toward the One, because the one Spirit of Wisdom lives within them. If that which originally bound human beings together through blood has flowed forth from Christ, then Wisdom unites us once more in the brotherhood.

[ 45 ] Das ist in dem Pfingstwunder in so wunderbarer Weise zum Ausdruck gekommen, daß die Apostel den Bruderbund erweitern zu einem Menschheitsbund und in einer Sprache reden, die alle verstehen. Das muß immer mehr zum Ausdruck kommen, und zwar bei der höchsten Ausgestaltung der Individualität. Uns alle eint der Geist der Wahrheit. Alle andern Dinge der Menschennatur werden viel später, in andern planetarischen Verkörperungen ihre Entwickelung erfahren. Das aber, was wirkt und lebt, bis die Erde ihre Vollendung erlangt haben wird, das ist die einigende Weisheit, die uns geoffenbart worden ist, wie sie früher nur den Eingeweihten geoffenbart wurde. Wer da sündigt gegen die Weisheit, gegen die den Bruderbund bildende Weisheit, dem kann diese Sünde nicht verziehen werden, da er die Erde dadurch aufhält in ihrer Entwickelung, weil die Erde nur dadurch fähig wird, in den astralen Zustand überzugehen, daß die Menschheit in dem Bruderbund zusammengeführt wird. Der Geist, der die Menschheit zusammenführt, ist es, der in die Zukunft ausgegossen worden ist. Wenn wir unseren Astralleib erfüllen von diesem Geist der einheitlichen Weisheit, dann können wir ihn aufnehmen in den astralischen Leib der Erde.

[ 45 ] This was expressed in such a marvelous way in the miracle of Pentecost that the apostles expanded the brotherhood into a covenant of humanity and spoke in a language that everyone could understand. This must be expressed more and more, and indeed at the highest level of individuality. We are all united by the Spirit of Truth. All other aspects of human nature will undergo their development much later, in other planetary incarnations. But that which will remain active and alive until the Earth has attained its perfection is the unifying wisdom that has been revealed to us—a wisdom that was once revealed only to the initiated. Whoever sins against this wisdom—against the wisdom that forms the brotherhood—cannot be forgiven for this sin, for thereby he hinders the Earth’s evolution; the Earth can only transition to the astral state when humanity is united in the brotherhood. It is the Spirit that unites humanity that has been poured out into the future. When we fill our astral body with this Spirit of unified wisdom, then we can receive it into the astral body of the Earth.

[ 46 ] Nun können wir verstehen: Es ist etwas, worin alle Welt vereinigt werden kann. Daher ist der Inhalt der Weisheit positive Theosophie, welche in der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung zum Ausdruck kommen muß. Nicht dadurch geschieht dieses, daß Sie zu den Menschen sagen: Wir müssen uns vereinigen. — Es genügt nicht, wenn man der Menschheit nur Bruderschaft predigt; bloßes Moralpredigen ist unnütze Rederei. Wie man dem Ofen Heizmaterial geben muß, wenn er warm werden soll, so muß man der Menschheit Weisheit geben; die einigt sie zum Bruderbund. Reden zu den Menschen wegen der Brüderschaft, heißt soviel wie zum Ofen reden, daß er warm geben soll. Wirklich lehren, Begriffe für Begriffe, Vorstellungen für Vorstellungen, übermitteln die Weisheit von der Entwickelung der Welt und vom Wesen des Menschen: das ist es, was uns weiterbringt. Das Predigen von Mitleid und auch alles Haben von Mitleid bedeutet nichts, wenn man die Weisheit nicht hat. Was nützt es einem, der hingefallen ist und ein Bein gebrochen hat, wenn vierzehn Menschen von der Straße sich hinstellen und überlaufen von Mitleid und Liebe und keiner das Bein einrichten kann! Es nützen da alle vierzehn nichts. Der eine aber, der es kann, der kann helfen, wenn er kommt, und er wird es tun, wenn er eine geistige Wesenheit ist.

[ 46 ] Now we can understand: it is something in which the whole world can be united. Therefore, the essence of wisdom is positive theosophy, which must find expression in the spiritual-scientific worldview. This does not happen simply by telling people: “We must unite.” — It is not enough merely to preach brotherhood to humanity; mere moralizing is useless talk. Just as one must feed the stove with fuel if it is to become warm, so one must give wisdom to humanity; this unites them into a brotherhood. Speaking to people about brotherhood is like telling a stove to give off heat. Truly teaching—concept by concept, idea by idea—and conveying the wisdom of the world’s development and the nature of the human being: that is what moves us forward. Preaching compassion, and even feeling compassion, means nothing if one lacks wisdom. What good is it to someone who has fallen and broken a leg if fourteen people from the street gather around, overflowing with compassion and love, yet none of them can set the leg! All fourteen of them are of no use there. But the one who can do it—he can help when he comes, and he will do so if he is a spiritual being.

[ 47 ] Ethische Grundsätze kommen ganz von selber, die brauchen nicht erst gelehrt zu werden. Die eine Weisheit aber, über die es keinen Streit geben kann, gegenüber der es keinen Standpunkt gibt, die Weisheit, die im Christentum bezeichnet wird als das, was den Astralleib ganz verklärt, ganz reinigt, das ist dasjenige, was durch die geisteswissenschaftliche Bewegung in die Menschheit einfließen muß. Das liegt in der Mission des Christentums ausgesprochen, das drückt die Mission des Christentums aus.

[ 47 ] Ethical principles arise all on their own; they do not need to be taught. But there is one wisdom about which there can be no dispute, against which there is no opposing viewpoint—the wisdom that in Christianity is described as that which completely transfigures and purifies the astral body—and it is this that must flow into humanity through the spiritual science movement. This is clearly stated in the mission of Christianity; it expresses the mission of Christianity.

[ 48 ] Immer freier und freier, immer autoritätsloser sollen die Menschen werden, immer mehr sollen sie zu der all-einigen Wahrheit hinströmen. Ganz von selbst bildet sich der Bruderbund der Menschheit, wenn die Menschen das eine urchristliche Wort, das freieste, das höchste christliche Wort: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen», wenn die Menschen diese Wahrheit erkennen werden.

[ 48 ] People are to become freer and freer, less and less bound by authority; they are to flow ever more toward the one, universal truth. The brotherhood of humanity will form all on its own when people come to recognize that one primal Christian saying—the freest, the highest Christian saying: “You will know the truth, and the truth will set you free”—when people come to recognize this truth.

[ 49 ] Es gibt nicht zwei Okkultisten, die wahrhaft sehen können, welche zwei verschiedene Ansichten haben. Es gibt nicht zwei Behauptungen über eine und dieselbe Sache innerhalb derjenigen, die wirklich eingeweiht sind. Und es wird darüber auch nicht zwei Gedanken geben, wenn die Menschheit hinaufgekommen ist zum Pfade der Vereinheitlichung der Menschheit, der Brüderlichkeit nicht als Wort, sondern als innerliche Kraft!

[ 49 ] There are no two occultists who can truly see and yet hold two different views. There are not two assertions about one and the same thing among those who are truly initiated. Nor will there be two thoughts on the matter once humanity has ascended to the path of human unification—brotherhood not as a word, but as an inner force!