Original Impulses of Spiritual Science
GA 96
27 April 1907, Berlin
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Original Impulses of Spiritual Science, tr. SOL
19. Der Zugang zum Christentum durch die Geisteswissenschaft
19. Access to Christianity through Spiritual Science
[ 1 ] Ich möchte Ihnen heute einige Ergänzungen zu verschiedenen Betrachtungen geben, die wir über das Christentum im geisteswissenschaftlichen Sinne angestellt haben. Zunächst werden wir es mit einer geisteswissenschaftlichen Auslegung und Erklärung von christlichen Gleichnissen zu tun haben. Dann will ich einiges von dem, was Sie in den öffentlichen Vorträgen hören konnten, andeutungsweise über die Apokalypse sagen.
[ 1 ] Today I would like to offer you some additional insights regarding various reflections we have made on Christianity from a spiritual-scientific perspective. First, we will consider an interpretation and explanation of Christian parables from the perspective of the spiritual sciences. Then I would like to say a few things—in a general sense—about the Book of Revelation, based on what you may have heard in the public lectures.
[ 2 ] Das Gleichnis, das ich zuerst besprechen möchte, ist das Gleichnis vom ungerechten Haushalter. Sie wissen, daß dieses Gleichnis vielen Menschen Kopfzerbrechen macht. Wir wollen es uns einmal, wenigstens soweit wir es heute erklären wollen, vor die Seele führen. Es soll deshalb nach der literarischen Übersetzung hier vorgeführt werden. Wir werden es nachher im esoterischen Sinne besprechen.
[ 2 ] The parable I would like to discuss first is the parable of the unjust steward. You know that this parable is a source of confusion for many people. Let us now bring it to mind, at least as far as we intend to explain it today. It will therefore be presented here according to the literary translation. We will discuss it later in an esoteric sense.
[ 3 ] «Er sprach aber auch zu seinen Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Haushalter; der ward vor ihm berüchtigt, als hätte er ihm seine Güter umgebracht. Und er forderte ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich das von dir? Tu Rechnung von deinem Haushalten; denn du kannst hinfort nicht Haushalter sein. Der Haushalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt das Amt von mir; graben kann ich nicht, so schäme ich mich, zu betteln. Ich weiß wohl, was ich tun will, wenn ich nun von dem Amt gesetzt werde, daß sie mich in ihre Häuser nehmen. Und er rief zu sich alle Schuldner seines Herrn und sprach zu dem ersten: Wieviel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Tonnen Öls. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief, setze dich und schreibe flugs fünfzig. Darnach sprach er zu dem andern: Du aber, wieviel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Malter Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Brief und schreib achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte, denn die Kinder dieser Welt sind klüger denn die Kinder des Lichtes in ihrem Geschlechte.»
[ 3 ] “He also said to his disciples: ‘There was a rich man who had a steward; the steward was reported to him as having squandered his property. So he summoned him and said to him, “What is this I hear about you? Give an account of your stewardship, for you can no longer be my steward.” The steward said to himself, ‘What shall I do? My master is taking the stewardship away from me; I am not strong enough to dig, and I am ashamed to beg. I know exactly what I’ll do so that, when I’m removed from this position, they will take me into their homes.” So he called all his master’s debtors to him and said to the first one, “How much do you owe my master?” He replied, “A hundred barrels of oil.” Then he said to him, “Take your bill, sit down, and quickly write fifty.” Then he said to the second, “And you, how much do you owe?” He replied, “A hundred bushels of wheat.” And he said to him, “Take your bill, sit down, and write eighty.” And the master commended the dishonest steward for acting shrewdly, for the children of this world are more shrewd in their own generation than the children of light.”
[ 4 ] Dieses Gleichnis hat viel Kopfzerbrechen verursacht, und mit Recht. Bevor wit auf dasselbe eingehen, wollen wir kurz darauf hinweisen, daß solche Gleichnisse wie dieses im Laufe der Zeiten die verschiedensten Arten von Erklärungen hervorgerufen haben. Wir haben erlebt, wie Leute gesagt haben: Hinter einem solchen Gleichnis steckt ein tiefer Sinn. Da haben sich viele bemüht, aus ihrem eigenen Geist Erklärungen zu finden. Es ist ganz klar: Wenn ein jeder kommt und aus seinem eigenen Geist heraus Erklärungen für solche Gleichnisse gibt, muß etwas Gescheites bei Gescheiten, etwas weniger Gescheites bei weniger Gescheiten herauskommen. Wenn jeder seinen Geist hineinträgt, kann natürlich keine Garantie dafür da sein, daß die Auslegung richtig ist. In der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung handelt es sich um etwas ganz anderes. Für uns handelt es sich darum, daß wir solche Gleichnisse so erklären, wie es in den ursprünglichen christlichen Mysterien geschehen ist; daß wir den tiefen Sinn wissen, der hineingelegt worden ist und aus dem sie hervorgegangen sind.
[ 4 ] This parable has caused a great deal of confusion, and rightly so. Before we delve into it, let us briefly point out that parables such as this one have given rise to a wide variety of interpretations over the course of time. We have heard people say: “There is a deeper meaning behind such a parable.” Many have tried to find explanations based on their own understanding. It is quite clear: If everyone comes forward and offers explanations for such parables based on their own understanding, the result will be something sensible from the wise and something less sensible from the less wise. If everyone brings their own understanding to bear on it, there can of course be no guarantee that the interpretation is correct. In the spiritual-scientific worldview, the matter is quite different. For us, it is a matter of explaining such parables as they were explained in the original Christian mysteries; of knowing the deep meaning that was laid into them and from which they arose.
[ 5 ] Daß es solche christlichen Mysterien gegeben hat, habe ich öfter erwähnt. Ich habe wiederholt gesagt, daß Paulus hinausgezogen ist und das Christentum erklärt hat, und daß er die esoterische christliche Schule in Athen unter Dionysius gegründet hat. In der Art wollen auch wir die Gleichnisse erklären, wie sie damals erklärt worden sind. Nicht was uns einfällt, wollen wir sagen, sondern das, was wir wirklich wissen können. Diejenigen, die in diesen christlichen Schulen lehrten, schöpften aus dem, was sie von dem Christus Jesus selbst empfangen hatten.
[ 5 ] I have often mentioned that such Christian mysteries existed. I have repeatedly said that Paul went out and explained Christianity, and that he founded the esoteric Christian school in Athens under Dionysius. In the same way, we, too, wish to explain the parables as they were explained back then. We do not want to say whatever comes to mind, but rather what we can truly know. Those who taught in these Christian schools drew upon what they had received from Christ Jesus himself.
[ 6 ] Namentlich in unserer Zeit haben solche Gleichnisse überhaupt unter der allgemeinen materialistischen Vorstellungsart — auch der Theologen - gelitten. Um Ihnen zu beweisen, was auf diesem Gebiet schließlich möglich ist, möchte ich Ihnen aus einem Büchelchen, das in der Sammlung «Aus Natur- und Geisteswelt» erschienen ist, etwas über dieses Gleichnis vorlesen. Der Verfasser gilt als einer der hervorragendsten Vertreter der Harnackschen Richtung und wurde als außerordentlicher Professor an die Universität in Jena berufen. Er erhielt dort vor wenigen Tagen den Lehrstuhl für Neues Testament. Das ist der Geist, der von einem theologischen Lehrstuhl herab verkündigt wird. Es kommt hinzu, daß diese Weisheit in einem Büchelchen, das sich jeder für achtzig Pfennig kaufen kann, an die Menschen herangebracht wird. Es ist der beste Weg, solchen Geist zu verbreiten, ihn so in billigen Werken anzubringen. Alles spricht dafür, daß die Sache wichtiger ist, als man sie gewöhnlich auffaßt, denn so findet der materialistische Sinn der Theologen den Weg zu den Herzen und den Sinnen der Menschen. Die Art, ein solches Gleichnis zu erklären, ist ungefähr folgende: Was die Leute von einem tieferen Sinn dieser Gleichnisse reden, ist nichts besonderes, ist etwas, was gar nicht hinter den Gleichnissen steckt. Wir müssen auf unseren kindlichen, ursprünglichen Sinn zurückgehen. - Es ist so, als ob Christus nichts habe geben wollen als eine kunstvoll aufgebaute Geschichte. Was er darin sagt, ist so wenig bedeutsam, daß es ganz im Stile des heutigen materialistischen Denkens ist, das eine solche Sache nicht genug herunterschrauben kann, um sie auf das Niveau der alltäglichsten Trivialität zu bringen. Er sagt wörtlich folgendes darüber: «Nehmen wir das Gleichnis vom ungerechten Haushalter, das besonders häufig Anstoß gibt. Wir nehmen es ganz für sich allein, nur bis zu dem Satze: Der Herr lobte den ungerechten Haushalter, daß er klüglich getan hatte. Warum wir alle andern Sprüche abtrennen, wird später deutlich werden; soviel ist jedenfalls klar, daß sie nicht mehr alle zur Deutung herangezogen werden können, weil sie ganz verschiedenartige Gedanken enthalten. Nehmen wir das Gleichnis wiederum als Gleichnis, so will es einfach sagen: der Hausverwalter wußte, daß demnächst die Abrechnung und dann seine Entlassung kommen werde. Daraufhin überlegte er, was er in seiner Lage tun könnte, und wandte das einzige Mittel, das er fand, sofort an. Das war klug gehandelt. Selbst sein betrugener Herr mußte das anerkennen. Nun die Anwendung auf Jesu Zeitgenossen: Auch ihr wißt und glaubt, daß Gott einmal von euch Rechenschaft fordern wird, also seid klug und bereitet euch darauf vor! Seid wenigstens klug, will das Gleichnis sagen. Jesus wendet sich hier nicht an die Güte und nicht an die Sehnsucht des Menschenherzens. Es ist eine harte, ironische Stimmung, die das Ganze durchweht. Es klingt nicht: Selig die da Leid tragen, selig die reines Herzens sind! Es klingt vielmehr: Wenn ihr auf alles nicht hört, so klug wenigstens wie ein solcher schurkischer Hausverwalter solltet ihr auch sein! Es ist ein scharfer Nebenton in diesem Gleichnis, darum ist das Bild so merkwürdig gewählt. Daß man sich nicht auf das Gericht Gottes vorbereiten kann, indem man wie der Hausverwalter neue Schurkereien begeht, das hat Jesus hinzuzufügen für überflüssig gehalten.»
[ 6 ] Especially in our time, such parables have suffered greatly under the general materialistic mindset—even among theologians. To demonstrate to you what is ultimately possible in this area, I would like to read to you a passage about this parable from a small book published in the collection *Aus Natur- und Geisteswelt*. The author is considered one of the most outstanding representatives of the Harnack school and was appointed associate professor at the University of Jena. A few days ago, he was granted the chair of New Testament studies there. This is the spirit that is proclaimed from a theological chair. Added to this is the fact that this wisdom is brought to the people in a little book that anyone can buy for eighty pfennigs. It is the best way to spread such a spirit—to present it in this way in inexpensive works. Everything points to the fact that the matter is more important than is usually understood, for this is how the materialistic mindset of the theologians finds its way into the hearts and minds of the people. The way such a parable is explained goes something like this: What people say about a deeper meaning behind these parables is nothing special; it is something that does not lie behind the parables at all. We must return to our childlike, original understanding. — It is as if Christ had intended to offer nothing more than an artfully constructed story. What he says in them is so insignificant that it is entirely in the style of today’s materialistic thinking, which cannot belittle such a thing enough to bring it down to the level of the most mundane triviality. He says the following about it, word for word: “Let us take the parable of the unjust steward, which is a particular source of offense. Let us consider it entirely on its own, up only to the sentence: ‘The Lord commended the unjust steward for having acted wisely.’ Why we set aside all the other sayings will become clear later; in any case, it is clear that they can no longer all be drawn upon for interpretation, because they contain very different ideas. If we take the parable as a parable, it simply means this: the steward knew that the reckoning—and then his dismissal—would soon come. He then considered what he could do in his situation and immediately applied the only remedy he could find. That was a wise course of action. Even his deceived master had to acknowledge this. Now, as it applies to Jesus’ contemporaries: You, too, know and believe that God will one day demand an accounting from you, so be wise and prepare yourselves for it! At the very least, be wise—that is what the parable is saying. Jesus is not appealing here to the goodness or the longing of the human heart. A harsh, ironic tone pervades the entire passage. It does not say: “Blessed are those who mourn, blessed are the pure in heart!” Rather, it says: “If you will not listen to anything else, you should at least be as shrewd as such a dishonest steward!” There is a sharp undertone in this parable; that is why the image is so strangely chosen. Jesus deemed it unnecessary to add that one cannot prepare for God’s judgment by committing new acts of villainy, as the steward did.”
[ 7 ] Sie sehen, daß Weinel selbst den Hausherrn mit dem lieben Gott vergleicht. Daß das Gleichnis darauf bezogen werden konnte, das zeigen uns die drei letzten Zeilen klar, wo gesagt wird, daß Gott einstmals von der Seele Rechenschaft fordern könne. Da sollte doch nun ein «seid wenigstens gut» kommen. Aber wenn man dann liest, was der Herr zum ungerechten Haushalter sagt, und den Satz braucht «so klug wenigstens wie ein solcher schurkischer Hausverwalter solltet ihr auch sein» ; dann hat man das Gleichnis nicht verstanden. Aber dergleichen Dinge werden heute in solchen volkstümlichen Büchern verkündigt. Das wird den jungen Studenten eingepflanzt. Nicht der Materialismus ist der schlimmste, der die äußere Welt materialistisch erklärt, sondern der, welcher nichts wissen will von jeder tieferen Einsicht in das Theologische. Das ist ein solcher Materialismus, der die Ursache des anderen, des naturwissenschaftlichen Materialismus ist. Hier senkt sich der Materialismus in die Seelen hinein, und dann kann man nicht anders, als die Tatsachen der Naturwissenschaft materialistisch auszulegen. Wir werden wieder lernen müssen, das Geistige zu verstehen. Und das kann nur durch die Strömung geschehen, welche die Bibel und andere religiöse Urkunden wirklich zu erklären vermag.
[ 7 ] You can see that Weinel himself compares the master of the house to the Lord God. The last three lines clearly show that the parable could be applied in this way, for they state that God may one day demand an accounting from the soul. Surely a “be at least good” should follow here. But if one then reads what the Lord says to the unjust steward and uses the phrase, “You should be at least as shrewd as such a crooked steward,” then one has not understood the parable. Yet such things are preached today in popular books of this kind. This is instilled in young students. It is not the materialism that explains the external world in materialistic terms that is the worst, but rather the kind that wants nothing to do with any deeper insight into theology. It is this kind of materialism that is the cause of the other—scientific materialism. Here, materialism sinks into people’s souls, and then one cannot help but interpret the facts of natural science in a materialistic way. We will have to learn once again to understand the spiritual. And this can only happen through the current of thought that is truly capable of explaining the Bible and other religious texts.
[ 8 ] Wir verstehen ein solches Gleichnis, wenn wir tiefer in den Sinn eindringen. Eines kommt von vornherein in Betracht, nämlich daß es ein Gleichnis ist, das im Evangelium des Lukas steht, und nur in diesem. Es steht nicht in den anderen Evangelien. Was heißt das: Es steht nur im Evangelium des Lukas? Das heißt sehr viel. Wenn Sie sich die Evangelien vornehmen, so das Markus- und das LukasEvangelium, und sie miteinander vergleichen, werden Sie finden, daß ihnen ein gewisser Stimmungston zugrunde liegt. In dem Vortrag von gestern habe ich gesagt, daß es sich um gewisse kanonische Bücher handelt, welche aus verschiedenen Einweihungsstätten stammen. Lukas führt auf die Einweihung zurück, welche die Essäer und Therapeuten durchgemacht haben. Daher finden Sie bei ihm den Zug, der einen ärztlichen Charakter hat, der einen Ausgleich der Menschen anstrebt, der sich bemüht, den Unterschied zwischen Mensch und Mensch zu überbrücken und zu verwirklichen, daß vor der geistigen Welt alle Menschen gleich sind. Das Evangelium des Lukas scheint oft wie ein Evangelium für die Bedrückten und Mühseligen. Sie können sich daran aufrichten, weil sie gleich sind vor der geistigen Welt. Das muß man bedenken, dann wird man den Grundton, die Stimmung finden, die in dem Evangelium nach Lukas zu finden ist.
[ 8 ] We can understand such a parable when we delve deeper into its meaning. One thing stands out right away: namely, that it is a parable found in the Gospel of Luke, and only there. It does not appear in the other Gospels. What does it mean that it is found only in the Gospel of Luke? It means a great deal. If you take the Gospels—specifically the Gospels of Mark and Luke—and compare them, you will find that a certain underlying tone characterizes them. In yesterday’s lecture, I mentioned that these are canonical books originating from different centers of initiation. Luke traces his account back to the initiation undergone by the Essenes and the Therapeuts. That is why you find in his Gospel a medical character—one that strives to bring balance to humanity, that endeavors to bridge the differences between people, and to realize that, in the eyes of the spiritual world, all people are equal. The Gospel of Luke often seems like a gospel for the oppressed and the weary. They can take heart from it because they are equal in the spiritual world. One must bear this in mind; then one will find the underlying tone and mood present in the Gospel of Luke.
[ 9 ] In den alten Zeiten wurden tatsächlich diese verschiedenen Evangelien dem Tone nach schon verschieden erklärt. Daran wollen wir uns etwas halten. Wir müssen da auf eine wesentliche Grundeigenschaft des Christentums eingehen, die wir wohl aus früheren Vorträgen kennen. Sie wissen, daß ich oft an den Satz erinnert habe: «Wer da nicht verlässet Weib, Kind, Mutter und Bruder, der kann nicht mein Jünger sein.» Sie wissen, daß dieses Wort auf einen großen Fortschritt in der Entwickelung der Menschheit hindeutet. Er ergibt sich daraus, daß wir in den alten Zeiten eine Liebe in der Welt haben, die auf Blutsbande gegründet ist; daß diese Liebe aber schwinden mußte, sobald die Bande des Blutes zerrissen wurden. In den alten Zeiten, in der Vergangenheit liebte sich, was blutsverwandt war. Der Christus lehrte die Liebe, die darin besteht, daß der Mensch den Menschen lieben wird, unbeschadet dessen, wie er im Blute zu ihm steht. Dieser Bruderbund wird die Menschen nicht in der größtmöglichen äußeren Gleichheit finden, aber in dem, was das Christentum als die Gleichheit gegenüber den geistigen Welten lehrt.
[ 9 ] In ancient times, these various Gospels were in fact already interpreted differently in tone. Let us bear this in mind. We must address an essential fundamental characteristic of Christianity here, one we are likely familiar with from earlier lectures. You know that I have often recalled the statement: “Whoever does not forsake wife, child, mother, and brother cannot be my disciple.” You know that this saying points to a great step forward in the development of humanity. It stems from the fact that in ancient times, love in the world was based on blood ties; yet this love had to fade as soon as those blood ties were severed. In ancient times, in the past, people loved one another based on blood ties. Christ taught a love that consists in one person loving another, regardless of their blood relationship. This brotherhood will not be found in the greatest possible external equality, but in what Christianity teaches as equality in relation to the spiritual worlds.
[ 10 ] So schneidet die Erscheinung des Christus Jesus auf der Erde in die Menschheitsentwickelung tief ein. Sie gibt den Impuls zu diesem Fortschreiten des Menschengeschlechtes zu einem großen, weltumfassenden Bruderbunde. Was der Christus Jesus den Menschen gegeben hat, das besteht darin, daß sie durch die Kraft geführt werden können, die aus den Kundgebungen des Christus Jesus stammt, zu jener allumfassenden Liebe, die mit dem Worte Bruderbund ausgedrückt ist. Aus dem Evangelium schöpfen wir die Kraft, um diesen Bruderbund zu begründen. Dessen müssen wir uns klar sein.
[ 10 ] Thus, the appearance of Christ Jesus on Earth has a profound impact on human development. It provides the impetus for the human race’s progress toward a great, universal brotherhood. What Christ Jesus has given to humanity is this: that through the power derived from the teachings of Christ Jesus, they may be guided toward that all-encompassing love expressed by the term “brotherhood.” From the Gospel we draw the strength to establish this brotherhood. We must be clear about this.
[ 11 ] Wenn wir das so verstehen, dann fassen wir ein Wort tief, tief auf, das wir auch in mannigfaltiger Art im Evangelium finden, das Wort, das immer hindeutet auf das alte Gesetz, auf jenes Gesetz, das in alten Zeiten, die das Alte Testament uns beschreibt, geherrscht hat. Zwar sagt Jesus, daß nicht ein Tüpfelchen und nicht ein Häkchen an diesem Gesetze verletzt werden soll, aber er setzt etwas völlig Neues an die Stelle dieses Gesetzes, etwas, was noch nicht wirklich ist. Er setzt das freie, liebevolle Verhalten des einen zum anderen an die Stelle dessen, was heute durch das Gesetz geregelt ist. Mit Gesetzen ist geregelt die Art, wie die Menschen zusammen leben, was einer dem anderen zu tun, zu leisten hat. Aber Zeiten werden kommen, wo jeder wissen wird, aus dem unmittelbaren Gefühl heraus, was er seinem Mitbruder zu leisten, zu geben hat.
[ 11 ] If we understand it this way, then we grasp deeply, very deeply, a word that we also find in many forms in the Gospel—the word that always points to the old law, to that law which prevailed in the ancient times described to us in the Old Testament. Although Jesus says that not even the smallest dot or comma of this law is to be violated, he replaces this law with something entirely new—something that does not yet truly exist. He replaces what is currently governed by the law with the free, loving conduct of one person toward another. Laws govern the way people live together and what one person is required to do or provide for another. But a time will come when everyone will know, out of an immediate sense of feeling, what they must do and give to their fellow human beings.
[ 12 ] Nun blicken wir herunter von dieser Perspektive, die uns das Christentum eröffnet, auf das Gleichnis. Nehmen wir das ernst, dann werden wir den tiefen Sinn erfassen und verstehen, daß tatsächlich verglichen werden darf der reiche Mann mit dem göttlichen Weltenlenker. Es liegt wirklich der Vergleich vor: der reiche Mann mit dem göttlichen Weltenlenker. Aber wie? — Wer so fragt, der könnte leicht fragen, warum der Haushalter ungerecht ist. Gewöhnlich wird als Grund angenommen, daß er statt hundert Tonnen nur achtzig aufschreiben läßt und so weiter. Die Leute meinen, der Haushalter wäre deshalb ungerecht, weil er den Menschen etwas aufhalst, was nicht dem Schuldschein entspricht. Das ist ganz falsch. Wahr ist vielmehr, daß der Haushalter deshalb ungerecht genannt wird, weil er früher ungerecht gehandelt hat, weil er den Leuten, denen er Getreide und so weiter verkauft hat, zu hohe Preise angerechnet hat. Nun begreifen wir, daß die Leute, wenn sein Herr ihn entläßt, ihn nicht unterstützen werden. Wäre das nicht so, dann müßten wir annehmen, daß der reiche Mann selbst ungerecht sein will. Das ist aber nirgends im Gleichnis ausgedrückt. Und wenn wir die späteren Sätze dazunehmen, die Weinel willkürlich wegläßt, dann werden wir finden, daß wir nicht nötig haben, den reichen Mann so aufzufassen, als wenn er von seinem Haushalter verlangen würde, daß er die Leute beschummelt. Der Haushalter glaubt dem Herrn einen Dienst zu erweisen, wenn er ihm möglichst hohe Preise zuschanzt. Trotzdem könnte er der Anschuldigung nicht entgehen, daß er seinen Herrn geschädigt hat.
[ 12 ] Now let us look down upon the parable from this perspective that Christianity opens up for us. If we take this seriously, we will grasp its deeper meaning and understand that it is indeed permissible to compare the rich man with the divine Ruler of the universe. The comparison is indeed valid: the rich man and the divine Ruler of the universe. But how? — Anyone who asks this might just as easily ask why the steward is unjust. The usual explanation is that he records only eighty metric tons instead of a hundred, and so on. People think the steward is unjust because he imposes on people a debt that does not correspond to the IOU. That is completely wrong. The truth is rather that the steward is called unjust because he acted unjustly in the past—because he charged excessive prices to the people to whom he sold grain and so on. Now we understand that when his master dismisses him, the people will not support him. If that were not the case, then we would have to assume that the rich man himself wants to be unjust. But that is not expressed anywhere in the parable. And if we include the subsequent sentences, which Weinel arbitrarily omits, we will find that we do not need to interpret the rich man as if he were demanding that his steward cheat the people. The steward believes he is doing his master a favor by charging him the highest possible prices. Nevertheless, he could not escape the accusation that he has harmed his master.
[ 13 ] Gehen wir mit diesen Voraussetzungen an das Gleichnis heran und machen wir es uns klar. Man hat den Haushalter verleumdet, daß er seinen Herrn betrogen habe. Er weiß: bei der Art, wie er gewirtschaftet hat, wie er hohe Preise gemacht hat, wird er keine Unterstützung bei den Leuten haben. Deshalb überlegt er: Was soll ich tun? Mein Herr fordert Rechnung, er wird mich meines Amtes entsetzen. Die anderen Leute werden mich nicht aufnehmen - so sagt er sich. Und was tut er nun? Er macht einiges von dem gut, was er früher als ungerechter Haushalter schlecht gemacht hat. Er läßt den Leuten etwas nach, das heißt er macht jetzt Preise, die menschlich sind. Er läßt etwas nach von dem ungerechten Mammon, den er für seinen Herrn eingeheimst hat. Wenn wir das Gleichnis so auffassen, dann dürfen wir den reichen Mann vergleichen mit dem göttlichen Weltenlenker, dann dürfen wir den Haushalter vergleichen mit dem, der im Auftrag des göttlichen Weltenlenkers gesetzt ist über diese alte Welt, wo das Gesetz die Verhältnisse zu regeln hatte. Dann dürfen wir es auch auffassen so, daß Rechnung gelegt werden sollte darüber, wie die Verwaltung geleitet worden ist. Beim Haushalter stellt es sich heraus, daß er ungerecht geworden ist. Das gleiche stellt sich heraus beim Gesetz. Ursprünglich war es gut, aber nach und nach ist es ungerecht geworden. Es hat Standesunterschiede gemacht und Rechte geschaffen, die nicht mehr aufrechtzuerhalten sind. Deshalb muß derjenige, der gesagt hat, es wird kein Tüpfelchen und kein Häkchen des alten Gesetzes geändert, jetzt Rechnung von denen fordern, die die Verwalter des Gesetzes sind, von den Phatisäern und Schriftgelehrten. Das Gleichnis ging auf die Pharisäer; sie waren die ungerechten Haushalter, die Verwalter des Gesetzes. Sie waren diejenigen, die sich nicht einbilden durften, daß sie in die Hütten derjenigen, die unter dem Gesetze standen, aufgenommen werden, wenn sie nicht bei dem vermeintlichen Gott Unterkunft finden. Jetzt können wir auch verstehen, warum das Gleichnis nicht den reichen Mann selber als ungerecht auftreten zu lassen braucht. Gerade deshalb lobt er den Haushalter, weil er die Preise heruntergeschraubt hat. Wenn ein reicher Mann selber betrügen will, dann wird er doch den nicht loben, der von den hohen Preisen etwas zurückgibt. Der Haushalter glaubte eben dem Herrn zu dienen und wurde ungerecht gegen die anderen. So glaubten diejenigen, welche die Gesetze zu hüten hatten, sie dienten ihrem Herrn und wurden ungerecht gegen die übrigen Menschen.
[ 13 ] Let’s approach this parable with these premises in mind and clarify it for ourselves. The steward has been slandered for defrauding his master. He knows that, given the way he has managed the household and charged high prices, he will find no support among the people. So he wonders: What should I do? My master is demanding an accounting; he will remove me from my position. The other people won’t accept me—that’s what he tells himself. And what does he do now? He makes amends for some of the wrongdoing he committed as an unjust steward. He shows the people some leniency—that is, he now sets prices that are fair. He relinquishes some of the unjust wealth he had amassed for his master. If we interpret the parable this way, then we may compare the rich man to the divine Ruler of the Universe, and we may compare the steward to the one who has been appointed by the divine Ruler of the Universe to govern this old world, where the law was meant to regulate relationships. Then we may also understand it to mean that an accounting must be made regarding how the administration has been conducted. It turns out that the steward has become unjust. The same is true of the law. Originally it was good, but little by little it has become unjust. It has created class distinctions and established rights that can no longer be upheld. Therefore, the One who said that not a single iota or tittle of the old law would be changed must now demand an accounting from those who are the stewards of the law—the Pharisees and the scribes. The parable was directed at the Pharisees; they were the unjust stewards, the administrators of the law. They were the ones who could not imagine that they would be welcomed into the huts of those subject to the law unless they found shelter with the supposed God. Now we can also understand why the parable does not need to portray the rich man himself as unjust. It is precisely for this reason that he praises the steward—because he drove down the prices. If a rich man himself wanted to cheat, he certainly would not praise someone who gave back a portion of the high prices. The steward simply believed he was serving his master and became unjust toward the others. In the same way, those who were charged with guarding the laws believed they were serving their master and became unjust toward the rest of humanity.
[ 14 ] Das wurde umgewandelt in dem Momente, da der Christus kam. Da sehen wir auch, daß notwendig solche, die diese Gesetze gehandhabt haben, von dem, was sie dabei falsch getan haben, etwas auf das Richtige zurückführen müssen. Ungerecht ist das Gesetz geworden. Jetzt da die Liebe zu allen Menschen gefordert wird, müssen diejenigen, die einigermaßen sich die Hütten der Menschen - das ist das Gleichnis für die Seelen — erobern wollen, für das an besonderen Stellen ungerecht gewordene Gesetz das gerechte setzen. Sie müssen etwas abschreiben von dem, was ungerecht geworden ist. Daher teilt das Evangelium die alten Schriftgelehrten und Pharisäer ein in solche, welche starr orthodox sich fortnennen «die Kinder Gottes». Das sind diejenigen, die von dem Christus Jesus verurteilt werden als diejenigen, mit denen er nichts zu tun haben will. Das sind diejenigen, von denen er sagt, daß sie weit von ihm bleiben; die sagen: Wir dienen Gott, der uns die Gesetze gegeben hat. — Weil sie so festhalten an dem Gesetz, deshalb sind sie die Kinder des Lichtes. Das ist der technische Ausdruck für die Diener Gottes, die später mit dem ungerechten Haushalter verglichen werden. Die anderen, die mit den Menschen leben, mit den menschlichen Neigungen zusammen sein mußten, das sind die Kinder der Welt. Die haben nicht auf den starren Buchstaben des Gesetzes gepocht, sie haben nachgelassen, weil man nicht mehr ungerecht verwalten konnte. Das sind diejenigen, welche früher ungerecht waren, aber deshalb, weil sie mit dem Leben leben mußten, gezwungen worden sind, sich zu ändern. Deshalb sind die Kinder der Welt klüger als die Kinder des Lichtes.
[ 14 ] This was transformed the moment Christ came. There we also see that those who have applied these laws must necessarily correct some of the mistakes they made in the process. The law has become unjust. Now that love for all people is required, those who wish to conquer, to some extent, the huts of humanity—that is, the parable for the souls—must replace the law, which has become unjust in certain places, with a just one. They must set aside some of what has become unjust. Therefore, the Gospel classifies the ancient scribes and Pharisees into those who, rigidly orthodox, continue to call themselves “the children of God.” These are the ones condemned by Christ Jesus as those with whom he wants nothing to do. These are the ones of whom he says that they remain far from him; they say: “We serve God, who gave us the laws.” — Because they hold so firmly to the law, they are the children of light. This is the technical term for the servants of God, who are later compared to the unrighteous steward. The others, who live among people and had to contend with human inclinations, are the children of the world. They did not insist on the rigid letter of the law; they relented because it was no longer possible to manage unjustly. These are the ones who were once unjust but, because they had to live with life as it is, were forced to change. That is why the children of the world are wiser than the children of light.
[ 15 ] Dieses Gleichnis deutet hin auf die Weltregierung. Was früher gut war, das wird unter Umständen ein Martyrium, und anderes muß an seine Stelle treten. Wie steht es jetzt mit dem Gesetz und mit der Lauterkeit derjenigen, die es verwalten? Wo sind diejenigen, welche nicht mehr auf dem Boden des alten Gesetzes stehen? Wo diejenigen, die sich fürchten müßten, keine Unterstützung in den Hütten der anderen zu finden, weil das, was sie getan haben, ungerecht ist? So wird uns dieses Gleichnis zwanglos klar, wenn wir ihm die alte esoterische Auslegung geben, aus der das Gleichnis ursprünglich geflossen ist. Man muß das Gleichnis nicht in materialistisch-theologischer Weise auslegen, sondern ganz einfach. Diese Gleichnisse sind dazu da, den tiefen Sinn der großen Menschheitsmission darzulegen.
[ 15 ] This parable points to world government. What was once good may, under certain circumstances, become a source of suffering, and something else must take its place. What is the current state of the law and the integrity of those who administer it? Where are those who no longer stand on the ground of the old law? Where are those who should fear finding no support in the huts of others, because what they have done is unjust? Thus, this parable becomes readily clear to us when we apply the ancient esoteric interpretation from which the parable originally sprang. One need not interpret the parable in a materialistic-theological way, but quite simply. These parables are meant to elucidate the profound meaning of humanity’s great mission.
[ 16 ] Das andere Gleichnis ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn, das Sie kennen und das manchem ebenfalls Schwierigkeiten bietet. Es würde zu weit führen, wollte ich das ganze Gleichnis vorlesen. Sie wissen, worum es sich handelt. Ein Vater hatte zwei Söhne. Der eine forderte sein Erbgut, um in die Welt hinauszuziehen, der andere blieb zu Hause, war brav und gut und wirtschaftete mit dem Vater zusammen. Der, welcher hinaus in die Welt ging, verlor sein Gut, wurde arm und kam in bitterste Not und großes Elend. Als er dann zurückkehrte, wurde er vom Vater in der liebevollsten Weise aufgenommen. Da der ältere Sohn das hörte, wurde er darüber zornig und wollte nicht in das Haus gehen. Darauf ging sein Vater hinaus und bat ihn, hereinzukommen. Der aber sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden hätte fröhlich sein können. Nun aber dieser dein Sohn gekommen ist, der sein Gut mit Dirnen verschlungen hat, hast du ihm ein gemästet Kalb geschlachtet. - Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist alle Zeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein, denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und ist wiedergefunden.
[ 16 ] The other parable is the Parable of the Prodigal Son, which you are familiar with and which also poses difficulties for some. It would take too long to read the entire parable aloud. You know what it’s about. A father had two sons. One demanded his inheritance so he could go out into the world; the other stayed at home, was good and obedient, and worked alongside his father. The one who went out into the world lost his inheritance, became poor, and fell into the bitterest need and great misery. When he finally returned, his father welcomed him most lovingly. When the older son heard this, he became angry and refused to go into the house. So his father went out and pleaded with him to come in. But he said to his father, “Look, I’ve served you for so many years, and you’ve never given me even a young goat so I could celebrate with my friends.” But now that this son of yours has come—who has squandered his inheritance with prostitutes—you have slaughtered a fattened calf for him.” But the father said to him, “My son, you are always with me, and everything I have is yours. But you should be glad and rejoice, for this brother of yours was dead and has come back to life; he was lost and has been found.”
[ 17 ] Denken Sie sich, jemand machte heute das Gleichnis vom verlorenen Sohne mit, und es wäre nicht jener Staub daran, der durch die jahrtausendealte, ehrwürdige "Tradition daran haftet. Glauben Sie nicht, daß es heute keine Leute gibt, die meinen, es sei im höchsten Grade ungerecht, wenn der Vater den Sohn, der davongelaufen ist, wieder aufnimmt und den anderen Sohn dadurch benachteiligt. Glauben Sie nicht, daß die Menschen anderes sagen würden! — Und sie sagen so. Es gibt Menschen, für die nicht die Ehrfurcht vor der Bibel besteht wie für den Gläubigen. Es gibt Menschen, welche die Bibel betrachten wie ein gewöhnliches Weltbuch. Ein paar Sätze von einem Menschen, der so die Bibel betrachtet, von einem freisinnigen Menschen und wahren Philister, werden Ihnen das zeigen. Sie sind enthalten in dem Buch «Finsternisse». Hier heißt es: «Unsere Sympathie steht ganz auf der Seite des älteren Sohnes. ... Die Behandlung, welche der Vater seinem jüngeren Sohne angedeihen läßt, schließt eine schwere Ungerechtigkeit gegen den ältern Sohn in sich» und so weiter.
[ 17 ] Imagine if someone told the parable of the Prodigal Son today, without all the dust that has accumulated on it over the millennia due to the venerable “tradition.” Don’t you think there are people today who believe it would be supremely unjust for the father to take back the son who ran away, thereby putting the other son at a disadvantage? Don’t you think people would say otherwise! — And that is exactly what they say. There are people who do not hold the Bible in the same reverence as believers do. There are people who regard the Bible as just an ordinary secular book. A few sentences from someone who views the Bible this way—a liberal-minded person and a true philistine—will show you this. They are found in the book *Finsternisse*. Here it says: “Our sympathy lies entirely with the older son. ... The treatment the father bestows upon his younger son entails a grave injustice toward the older son,” and so on.
[ 18 ] Das ist zwar philiströs, aber es wird viele Leute geben, die ebenso urteilen würden, wenn das Gleichnis heute geschrieben würde. Denken Sie sich aber, daß sich hinter solchen Dingen etwas verbirgt. Denken Sie sich, daß wir aus dem Verborgenen die ganze Art dieser Dinge begreifen können. Wir sehen dann, daß wir einfach einen tieferen Sinn hineinlegen müssen. Die wichtigsten dieser Gleichnisse sind nämlich auch in einer Art Mysterienkanon enthalten, und sie treten auf bei den verschiedenen Völkern in einer verschiedenen Form. Aus dem hebräischen Kanon möchte ich Ihnen eines erzählen, und dann vergleichen Sie.
[ 18 ] This may be philistine, but there would be many people who would judge it the same way if the parable were written today. But consider that there is something hidden behind such things. Consider that we can grasp the entire nature of these things from what lies hidden. We then see that we simply have to ascribe a deeper meaning to them. The most important of these parables are, in fact, also contained in a kind of mystical canon, and they appear among different peoples in various forms. I would like to tell you one from the Hebrew canon, and then you can compare them.
[ 19 ] Ein König mußte es mitansehen, wie sein Sohn ihn verließ und davonzog. Er schickte den Erzieher aus, der über diesen Sohn Macht hatte, damit er ihn heimbringe. Dieser erweichte auch das Herz des Sohnes. Aber der sagte: Wie soll ich wieder vor das Angesicht meines Vaters treten? — Und der Vater ließ ihm sagen: Ist es nicht deines Vaters Antlitz, vor das du trittst - und so weiter. Da steht aber noch etwas dabei, nämlich: So ist es auch dem Volke Israel ergangen, das sich in seiner Sündhaftigkeit von seinem Vater, dem göttlichen Weltenlenker, abgewendet hat. Es wurde untreu. — Und dann geht es weiter: Der König sandte Boten aus nach seinem Sohn. Der aber sagte: Wie kann ich hintreten vor das Antlitz meines Vaters? — Da antwortete dieser: Ist es nicht dein Vater, vor dessen Antlitz du trittst?
[ 19 ] A king had to watch as his son left him and went away. He sent for the tutor, who had authority over this son, so that he might bring him home. The tutor also softened the son’s heart. But the son said: “How can I appear before my father again?” — And the father sent word to him: “Is it not your father’s face that you are to appear before?”—and so on. But there is something else mentioned there, namely: “So it has also been with the people of Israel, who, in their sinfulness, have turned away from their Father, the divine Ruler of the universe. They became unfaithful.” — And then it continues: The king sent messengers to his son. But he said, “How can I come before my father’s face?” — Then the father replied, “Is it not your father before whose face you come?”
[ 20 ] Das Gleichnis ist nicht dasselbe wie das im Evangelium, aber es ist mit deutlichem Anklang an dasselbe Motiv viele Jahrhunderte vor dem Christentum entstanden und in der hebräischen Tradition erhalten. Es ist nur der Unterschied da, daß eine tiefere Erklärung dafür gegeben ist. Die Leute werden da mit der Nase darauf hingestoßen, daß das Volk gemeint ist, das wieder zu seinem Vater zurückkehren soll. Jesus gab nur die Gleichnisbilder, seinen Jüngern allein aber legte er die Gleichnisse aus. Wie das jüdische Gleichnis hinweist auf das Volk, auf ein einzelnes Volk, das durch Blutbande verbunden ist, so weist das christliche Gleichnis auf die ganze Menschheitsentwickelung hin.
[ 20 ] This parable is not the same as the one in the Gospel, but it originated many centuries before Christianity, with clear echoes of the same theme, and has been preserved in the Hebrew tradition. The only difference is that a deeper explanation is provided. People are made to realize that it refers to the people who are to return to their Father. Jesus merely provided the imagery of the parables, but he explained the parables only to his disciples. Just as the Jewish parable points to the people—to a single people bound by blood ties—so the Christian parable points to the entire development of humanity.
[ 21 ] Nun erinnern wir uns daran, wie in der alten lemurischen Zeit die ‚Seelen heruntergestiegen sind aus dem Schoße der Gottheit, wie die Seele in den Menschen eingezogen ist, und wie der Mensch dadurch erst ein einzelner Mensch geworden ist. Verfolgen wit, wie die Seele immer individueller und individueller wird, verfolgen wir, wie das Tier heute noch eine Gruppenseele hat, wie es gar nicht eine individuelle Seele besitzt, sondern auf dem Astralplan eine Gruppenseele hat. Wenn wir das Menschengeschlecht verfolgen, so finden wir auch, daß die Menschen Gruppenseelen hatten, daß sie dem Göttlichen noch näherstanden als heute. Damals waren die Menschen noch nicht herabgestiegen, noch nicht eingezogen in die Körper. Da wirkten sie, was der Gott in ihnen wirkte. Nachdem sie in die Menschenkörper eingezogen waren, wurden sie immer individueller, sie wurden mehr ihre eigenen Herren im Gehäuse des Menschenleibes. Aber andere blieben auch zurück, andere blieben auf der ursprünglichen Stufe und auf weiteren früheren Stufen. Wir haben dadurch die verschiedenen Gattungen der Menschen nebeneinander. Wir haben dadurch Menschen, die heute noch fast die Gattungsseele haben, bei denen wir also nicht auf eigene Impulse hinschauen können, die weniger aus sich als aus der Gattung heraus handelten. Die Gruppenseele war es, was der Gott ihr eingeflößt hat. Das war so bis zum Heraufkommen des selbständigen Menschen, der den Weg wieder zurück sucht zu dem Gott.
[ 21 ] Now let us recall how, in ancient Lemurian times, the “souls descended from the bosom of the Deity,” how the soul entered into human beings, and how it was only through this that human beings first became individual human beings. Let us observe how the soul becomes more and more individual; let us observe how animals still have a group soul today, how they do not possess an individual soul at all, but rather have a group soul on the astral plane. If we trace the human race, we also find that humans once had group souls, that they were still closer to the Divine than they are today. At that time, human beings had not yet descended, had not yet entered their bodies. There they acted as the God within them acted. After they had entered human bodies, they became increasingly individual; they became more and more their own masters within the vessel of the human body. But others also remained behind; others remained at the original stage and at earlier stages. As a result, we have different types of human beings existing side by side. As a result, we have people who even today still possess almost the group soul—people in whom we cannot discern their own impulses, who act less out of themselves than out of the group. It was the group soul that God instilled in them. This was the case until the emergence of the independent human being, who seeks the path back to God.
[ 22 ] So fand der Entwickelungsgang statt, daß der Mensch ursprünglich eine Gruppenseele im Schoße der Gottheit war. Wenn wir heute einen Menschen und die Entwickelung des Menschen ansehen, so können wir sagen: Der primitive Mensch ist noch beim Vater geblieben, er ist nicht herausgekommen aus dem Gehäuse des Vaters; derandere aber ist hinausgezogen in die Welt, hat sein Erbgut gefordert, damit er sich frei entfalten kann. Da gibt es einen Moment, wo der so sich entwikkelnde Mensch vereinsamt, sich verarmt fühlt an geistigen Gütern. Dann sucht er den Rückweg zu Gott wiederzufinden. Das ist der Gang der Entwickelung: Herunterstieg aus dem Gott in die Materie und das Wiederaufsteigen, das Zurückkehren in das Haus des Vaters. Wenn wir durch die eigene Kraft wieder den Rückweg finden, so kehren wir wieder zurück, nachdem wir verarmt waren, Hunger gelitten haben nach geistigen Gütern. Wir kehren aber als freie Individualitäten zurück, und wir kehren um so mehr zurück, je höher wir geistig hinaufsteigen. Die Einzuweihenden fühlten sich als in das göttliche Vaterhaus Zurückkehtende. Das, was sie sagten, ist von der Gruppenseele ausgegangen. Wenn wir es im okkulten Sinne auffassen, wird es uns klar werden.
[ 22 ] The course of evolution unfolded in such a way that human beings were originally a group soul within the bosom of the Divine. When we look at a human being and the course of human development today, we can say: Primitive man has remained with the Father; he has not emerged from the Father’s embrace; the other, however, has gone out into the world and claimed his inheritance so that he may develop freely. There comes a moment when the human being developing in this way becomes lonely and feels impoverished in spiritual goods. Then he seeks to find his way back to God. This is the course of evolution: the descent from God into matter and the ascent, the return to the Father’s house. When we find our way back through our own strength, we return after having been impoverished and having suffered hunger for spiritual goods. But we return as free individuals, and the higher we ascend spiritually, the more fully we return. Those about to be initiated felt as though they were returning to the divine Father’s house. What they said sprang from the group soul. If we understand it in the occult sense, it will become clear to us.
[ 23 ] Wenn wir den menschlichen Organismus im esoterischen Sinne studieren, so ist das nicht so einfach. So wie die Menschen heute sind, haben sie den physischen Leib, den Ätherleib, den Astralleib und das eigentliche Ich. Alle diese verschiedenen Leiber sind nicht allein für sich da, sie sind noch nicht selbständige Wesenheiten. Verzeihen Sie das unappetitliche Gleichnis, aber es macht die Sache etwas deutlicher. In allen diesen Leibern stecken mehr oder weniger fremdartige Wesenheiten, wie die Maden im Käse stecken. Aus und ein gehen diese verschiedenen Wesenheiten. Die Einflüsse, die der Mensch von außen erleidet, beruhen auf ganz anderen Wesen. Die Wesenheiten, die in den physischen Leib einziehen und ausziehen, nennt man Phantome. Dadurch wird der Mensch unfrei. Die Wesenheiten, welche den Ätherleib durchziehen, nennt man Gespenster oder Spektra. Und diejenigen Wesenheiten, welche den Astralleib durchziehen, nennt man Dämonen. Sie wissen, diejenigen Leute, welche nicht abergläubisch waren, aber etwas gewußt haben von diesen Dingen, kennen das. Was mit dem Ich zu tun hat, ist das, was man Geister nennt.
[ 23 ] When we study the human organism in the esoteric sense, it is not that simple. As people are today, they have the physical body, the etheric body, the astral body, and the true “I.” All these different bodies do not exist solely on their own; they are not yet independent entities. Please forgive the unappetizing analogy, but it makes the matter a bit clearer. All of these bodies are more or less infested with alien entities, just as maggots infest cheese. These various entities come and go. The influences that a person experiences from the outside stem from entirely different entities. The entities that enter and leave the physical body are called phantoms. This makes the human being unfree. The entities that pass through the etheric body are called ghosts or spectres. And those entities that pass through the astral body are called demons. You know, those people who were not superstitious but knew something about these things are familiar with this. What has to do with the “I” is what is called spirits.
[ 24 ] Wodurch wird nun der Mensch individuell? Dadurch, daß er sich reinigt. Am stärksten wird er gereinigt, indem er Genosse der geistigen Welt wird. Dann arbeitet er an dem Astralleib, damit er von den Dämonen frei wird. Wenn er an dem Ätherleib arbeitet, macht er sich frei von den Gespenstern oder Spektren. Arbeitet er an dem physischen Leib, so macht er sich frei von den Phantomen. Hat er dies geleistet, dann kehrt er zurück in das reine Göttliche. Dadurch hat er aber etwas gewonnen. Unfrei war er. Jetzt aber, nachdem er sich befreit hat, kehrt er als Freier in das Vaterhaus zurück. Die Berichte, die sich auf das Austreiben der Dämonen durch Christus beziehen, werden Sie so leichter verstehen.
[ 24 ] How does a person become an individual? By purifying themselves. The most powerful form of purification occurs when they become a participant in the spiritual world. Then they work on their astral body so that it may be freed from demons. When they work on the etheric body, they free themselves from ghosts or spectres. When they work on the physical body, they free themselves from phantoms. Once they have accomplished this, they return to the pure Divine. In doing so, however, they have gained something. They were once unfree. But now, having freed themselves, they return as free beings to the Father’s house. This will help you understand the accounts referring to Christ’s casting out of demons more easily.
[ 25 ] Im Gleichnis von dem verlorenen Sohn haben Sie sich die Entwickelung der ganzen Menschheit vorzustellen. Freuen werden sich die Geister über die wieder einkommende Seele, denn sie ist nicht so geblieben, wie sie ausgezogen ist. Der Mensch hat sich verändert, ist frei geworden. Deshalb freuen sich die Genossen über ihn. Daher dürfen wir das Gebiet, auf das sich das Gleichnis bezieht, nicht niedrig, nicht klein auffassen, sondern wir müssen es als das große Weltentableau ansehen. Wenn Sie sich erinnern, daß ich gesagt habe, auf dem astralen Plan ist alles umgekehrt, dann kommen Sie noch tiefer hinein. Ich habe ja gesagt, daß selbst die Zahlen in der astralen Welt im Spiegelbild gelesen werden müssen. Wenn uns da die Zahl 64 gegenübertritt, so müssen wir nicht 64, sondern 46 lesen. Wenn nun die Leidenschaften von Ihnen ausziehen, so erscheinen sie Ihnen als allerlei Wesenheiten, die auf Sie zustürzen. Wenn Sie ein Gleichnis bilden wollen mit einem tiefen sittlichen Kern für die höchsten Welten, so gebrauchen Sie viele Bilder, die im Physischen umgekehrt erscheinen. Daraus erkennen Sie die tiefere Bedeutung, warum manche Gleichnisse, die für die geistige Welt ethisch sind, im Physischen manchmal anstößig sind. Ihr müßt manches in Gleichnissen denken, durch die ihr hineingetrieben werdet, durch das Gefühl, in die geistige Welt. So ist auch der Stimmungston, der in solchen Gleichnissen lebt. Und sogar das ist bezeichnend, daß solche Gleichnisse in ihrer physischen Bildung anstößig sind.
[ 25 ] In the parable of the Prodigal Son, you are to envision the development of all humanity. The spirits will rejoice over the soul’s return, for it has not remained as it was when it left. The human being has changed; he has become free. That is why his companions rejoice over him. Therefore, we must not view the realm to which the parable refers as insignificant or small, but rather we must regard it as the grand tableau of the world. If you recall that I said everything is reversed on the astral plane, then you will delve even deeper into it. I have indeed said that even numbers in the astral world must be read in reverse. When we encounter the number 64 there, we must read not 64, but 46. When your passions now flow out of you, they appear to you as all manner of beings rushing toward you. If you wish to create a parable with a profound moral core for the highest worlds, use many images that appear reversed in the physical realm. From this you will recognize the deeper meaning of why some parables, which are ethical for the spiritual world, are sometimes offensive in the physical realm. You must conceive of many things in parables, through which you are drawn—through feeling—into the spiritual world. Such is also the mood that lives in such parables. And even this is significant: that such parables are offensive in their physical form.
[ 26 ] Ein anderes Gleichnis, das ich noch kurz anführen will, ist das von den fünf törichten und den fünf klugen Jungfrauen. Das gibt auch manches zu denken. Wir wollen es uns einmal vorführen: «Dann wird das Himmelteich gleich sein zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen aus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf unter ihnen waren töricht, und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen nicht Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Da nun der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und sie schliefen ein. Zur Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe der Bräutigam kommt, gehet aus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebet uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen: Nicht also, auf daß nicht uns und euch gebreche; gehet aber hin zu den Krämern und kaufet für euch selbst. Als sie aber hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam, und welche bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür ward verschlossen. Zuletzt kamen auch die anderen Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er aber sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht. Darum wachet, denn ihr wisset weder Tag noch Stunde, in welcher des Menschen Sohn kommen wird.»
[ 26 ] Another parable I’d like to briefly mention is that of the five foolish and the five wise virgins. That, too, gives us much to think about. Let’s go over it: “Then the Son of Man will be like ten virgins who took their lamps and went out to meet the bridegroom. But five of them were foolish, and five were wise. The foolish ones took their lamps, but they did not take any oil with them. But the wise ones took oil in their vessels along with their lamps. Now, since the bridegroom was delayed, they all became drowsy and fell asleep. But at midnight there was a cry: ‘Look, the bridegroom is coming; go out to meet him!’ Then all those virgins arose and trimmed their lamps. But the foolish ones said to the wise, ‘Give us some of your oil, for our lamps are going out.’ The wise ones replied, ‘No, lest there be not enough for us and for you; but go instead to the merchants and buy some for yourselves.’ While they went to buy some, the bridegroom arrived, and those who were ready went in with him to the wedding feast, and the door was shut. Later, the other virgins also came and said, “Lord, Lord, open to us!” But he replied, “Truly, I tell you, I do not know you.” Therefore, stay awake, for you know neither the day nor the hour when the Son of Man will come.”
[ 27 ] Hier wird hingedeutet, daß dieses Gleichnis etwas damit zu tun hat, daß der Christus in Zukunft wieder erscheinen wird. Machen wir es uns einmal klar. Das können wir, wenn wir uns die Teile des Menschen noch einmal vor Augen führen. Wenn ich am Astralleibe arbeite, so wird im christlichen Sinne der Heilige Geist. Wenn das Ich am Ätherleibe arbeitet, so wird das, was wir Budhi nennen oder Christus oder der Logos. In meiner «Theosophie» wird der Heilige Geist Geistselbst genannt, und Christus, der Logos, wird Budhi oder Lebensgeist genannt.
[ 27 ] Here it is suggested that this parable has something to do with the fact that the Christ will reappear in the future. Let’s clarify this for ourselves. We can do so by once again considering the different parts of the human being. When I work on the astral body, it becomes the Holy Spirit in the Christian sense. When the “I” works on the etheric body, it becomes what we call Budhi, or Christ, or the Logos. In my *Theosophy*, the Holy Spirit is called the Spiritual Self, and Christ, the Logos, is called Budhi or the Life Spirit.
[ 28 ] Wenn wir den Menschen heute betrachten, dann finden wir, daß bei den Menschen, so wie sie heute leben, entwickelt sind: physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Wird von dem Ich an dem Astralleib gearbeitet, so entwickelt sich aus dem Astralleib der Heilige Geist, das Geistselbst, Manas. Und weil das Ich schon etwas am Astralleib gearbeitet hat, so ist bei den Menschen auch etwas Manas, etwas Heiliger Geist vorhanden. Dieses Manas wirkt in den Menschen hinein durch die Ausgießung des Heiligen Geistes. Es wird eine Zeit kommen, in welcher die Menschheit in die sechste der Wurzelrassen eintreten wird. Dann wird Manas ausgebildet sein bei denjenigen Menschen, die wirklich etwas für ihre Entwickelung getan haben. Bei diesen wird Manas ausgebildet sein. Sie werden bereit sein, Budhi, den Christus, das sechste Grundteil aufzunehmen. In der sechsten Rasse wird der Mensch den Christus entwickeln, und zwar die Mehrzahl der Menschen. Diesem Zeitpunkt gehen wir entgegen. Es ist ein Zeitpunkt, in dem der Christus Jesus erscheinen wird. In diesem Zeitpunkt wird den Menschen die Kraft gegeben, damit sie sich dahin bewegen können, wo sie den Christus in neuer Gestalt als Frucht empfangen können, da, wo der Christus gleichsam den Samen gelegt hat, wie ein Senfkörnlein, das aufgehen wird in der Seele. In Sichtbarkeit wird ihnen der Christus erscheinen und zwar denjenigen, die das Christus-Auge in sich entwickelt haben. Was der Mensch in sich entwickelt, bezeichnet man durch ein Gleichnis, durch ein Symbolum. So wie der physische Mensch durch das Zusammenwirken des Männlichen und Weiblichen entsteht, so stellt man sich es vor, daß auch die übrigen Teile des Menschen befruchtet werden, daß die verschiedenen Teile ebenfalls in gewisser Weise befruchtet werden. In uralten Zeiten war nur der physische Leib für den Menschen vorhanden. Das war in der Saturnzeit. Dann entwickelte sich der Ätherleib und dann der Astralleib. Dieses Heraufkommen der neuen Entwickelungsmomente wird wie eine Befruchtung vorgestellt. Da können Sie, gerade bei diesem Beispiel, auch sehen, wie tief die Worte der Bibel zu fassen sind. Nicht umsonst wird in der Bibel gesagt: «Und Adam erkannte sein Weib» für die Tatsache, daß es befruchtet ist, weil das Bewußtsein von einem geistigen Befruchten dem zugrunde gelegt wird. Erkennen heißt: mit irgend etwas befruchtet sein. Selbsterkenntnis heißt nichts anderes, als befruchtet werden mit dem göttlichen Selbst. Erkenne dich selbst, heißt: Lasse dich befruchten mit dem göttlichen Selbst, das die Welt durchzieht.
[ 28 ] When we look at human beings today, we find that, given the way they live, the following are developed: the physical body, the etheric body, the astral body, and the I. When the I works on the astral body, the Holy Spirit—the spiritual self, Manas—develops from the astral body. And because the ego has already worked to some extent on the astral body, there is also some Manas, some Holy Spirit, present in human beings. This Manas works within human beings through the outpouring of the Holy Spirit. A time will come when humanity will enter the sixth root race. Then Manas will be developed in those human beings who have truly done something for their own evolution. In these individuals, Manas will be developed. They will be ready to receive Budhi, the Christ, the sixth fundamental principle. In the sixth race, humanity will develop the Christ—indeed, the majority of people will do so. We are moving toward this moment. It is a time when the Christ Jesus will appear. At this time, people will be given the strength to move toward the place where they can receive the Christ in a new form as a fruit—the place where the Christ has, as it were, sown the seed, like a mustard seed that will sprout in the soul. The Christ will appear visibly to them—specifically to those who have developed the Christ-eye within themselves. What human beings develop within themselves is described through a parable, through a symbol. Just as the physical human being comes into being through the interaction of the masculine and the feminine, so one imagines that the other parts of the human being are also fertilized—that the various parts are likewise fertilized in a certain way. In ancient times, only the physical body existed for human beings. That was during the Saturnic Age. Then the etheric body developed, and then the astral body. This emergence of new stages of development is conceived of as a kind of fertilization. Here, particularly in this example, you can also see how deeply the words of the Bible are to be understood. It is not without reason that the Bible says, “And Adam knew his wife,” referring to the fact that she was fertilized, because this is based on the awareness of a spiritual fertilization. To “know” means to be fertilized by something. Self-knowledge means nothing other than being fertilized by the divine Self. “Know thyself” means: Let yourself be fertilized by the divine Self that pervades the world.
[ 29 ] Etwas Ähnliches liegt dem Gleichnis von den fünf törichten und den fünf klugen Jungfrauen in der christlichen Esoterik zugrunde. Sie stellt sich diese Befruchtung unter dem Bilde der Lampe vor, die Öl bekommen hat. So ist jeder dieser Menschenteile vorgestellt als die Jungfrau, die noch unbefruchtet ist, und die befruchteten Wesensglieder des Menschen als die Jungfrauen, die Öl auf die Lampe gegossen haben. Der unentwickelte Teil der Menschheit bleibt stehen, hat kein Öl auf der Lampe, bringt nicht seine Wesensglieder bis zu Budhi herauf; der entwickelte hat auf seine Körper den Geist wirken lassen, sozusagen Öl auf die Lampe gegossen. Die anderen haben kein Öl auf die Lampe gegossen, sie haben ihre fünf Glieder nicht entwickelt. Die ersteren haben sie entwickelt, sie haben sich zu dem wichtigen Zeitpunkte, in dem der Christus kommt, vorbereitet. Nun ist die Zeit da, wo der Christus kommt. Die einen werden Öl auf ihre Lampen gegossen haben, ihre Seelen werden hell werden und bereit sein, den Christus zu empfangen. Die anderen, welche in sich dunkel geblieben sind, werden sehen, daß andere das entwickelt haben und sie werden hingehen, um die Weisheit von den anderen zu empfangen. Sie werden das Öl bei den Krämern zu holen haben. Aber sie kommen zu spät. Und was wird der Christus zu den klugen Jungfrauen sagen? Ich kenne euch. — Und was wird er zu den unklugen Jungfrauen sagen? Ich kenne euch nicht.
[ 29 ] Something similar underlies the parable of the five foolish and the five wise virgins in Christian esotericism. It conceives of this fertilization through the image of a lamp that has been filled with oil. Thus, each of these parts of the human being is represented as a virgin who has not yet been fertilized, and the fertilized aspects of the human being as the virgins who have poured oil into the lamp. The undeveloped part of humanity remains stagnant, has no oil in its lamp, and does not raise its spiritual members up to Budhi; the developed part has allowed the Spirit to work upon its bodies, having, so to speak, poured oil into the lamp. The others have not poured oil into their lamps; they have not developed their five members. The former have developed them; they have prepared themselves for the crucial moment when Christ comes. Now the time has come for Christ to come. Some will have poured oil into their lamps; their souls will shine brightly and be ready to receive Christ. The others, who have remained in darkness within themselves, will see that others have developed this and will go to receive wisdom from them. They will have to go to the merchants to get the oil. But they will be too late. And what will the Christ say to the wise virgins? “I know you.” — And what will He say to the foolish virgins? “I do not know you.”
[ 30 ] Das Gleichnis, angewendet auf die Befruchtung, bedeutet also: Er wird kommen, um das sechste Grundteil zu befruchten, und er wird in das sechste Grundteil einziehen. «Adam erkannte sein Weib, und sie ward schwanger.» Und jetzt spricht der Bräutigam zu den unklugen Jungfrauen: Ich kenne euch nicht. - Wenn wir ein solches Wort aus der Tiefe der Schrift übernehmen, dann wird es immer stimmen. Wenn wir so weiter vorgingen, würden wir finden, daß die Bibel Buchstabe für Buchstabe die geisteswissenschaftliche Lehre enthält und daß wir die geisteswissenschaftlichen Wahrheiten daraus lernen können. Wir brauchten kein anderes Buch. Wer sagt, die Bibel widerspricht der Geisteswissenschaft, der kennt die Bibel nicht, gleichviel ob es noch so hoch sich dünkende Theologen sind, die das sagen. Es muß aber das spirituelle Leben in dieser Urkunde wiedergefunden werden.
[ 30 ] Applied to fertilization, the parable thus means: He will come to fertilize the sixth fundamental part, and he will enter into the sixth fundamental part. “Adam knew his wife, and she conceived.” And now the bridegroom says to the foolish virgins: “I do not know you.”—When we take such a word from the depths of Scripture, it will always be true. If we continued in this way, we would find that the Bible contains the teachings of spiritual science letter by letter and that we can learn the truths of spiritual science from it. We would need no other book. Anyone who says the Bible contradicts spiritual science does not know the Bible, no matter how highly self-regarded the theologians who say this may be. But the spiritual life must be rediscovered in this document.
[ 31 ] Nun noch einige Bemerkungen zu dem, was ich in den öffentlichen Vorträgen über die Apokalypse angedeutet habe. Sie wissen, daß sich die Sonne einmal von der Erde abgetrennt hat, daß sie sich aber in ferner Zukunft mit der Erde wieder vereinigen wird. Das Wesen, das die Menschen dazu befähigt, sich so zu vergeistigen, daß sie sich mit der Sonne wieder vereinigen können, bezeichnet man im Okkultismus als die Intelligenz der Sonne. Diesem guten Sonnengeist wirkt ein böser, das Dämonium der Sonne, entgegen. Beide Kräfte wirken nicht nur in der Sonne, sondern sie senden ihre Wirkungen auf die Erde herab. Die Kräfte des guten Sonnengeistes ziehen in Pflanze, Tier und Mensch ein, sie rufen das Leben auf der Erde hervor. Das gegnerische Prinzip des Sonnendämons, diejenige Gewalt, welche der Vereinigung der Erde mit der Sonne entgegensteht, wirkt in den bösen Kräften des Menschen.
[ 31 ] Now a few more remarks on what I alluded to in my public lectures on the Apocalypse. You know that the Sun once separated from the Earth, but that in the distant future it will reunite with the Earth. The being that enables human beings to spiritualize themselves to such an extent that they can reunite with the Sun is referred to in occultism as the Intelligence of the Sun. This benevolent Sun Spirit is opposed by an evil one, the Demonic Principle of the Sun. Both forces are at work not only in the Sun, but they also send their effects down to Earth. The forces of the benevolent solar spirit enter plants, animals, and human beings; they give rise to life on Earth. The opposing principle of the solar demon—the force that stands in the way of the Earth’s union with the Sun—is at work in the evil forces within human beings.


[ 32 ] Seit alten Zeiten gibt es hierfür okkulte Sinnbilder. Ein siebeneckiges Zeichen ist das Symbol für den guten Sonnengeist. Die sieben Ecken bezeichnen symbolisch die sieben Planeten. Das Pentagramm ist das Sinnbild für den Menschen. Die Sterne zeichnet der Okkultist in der Gestalt von sieben Augen in die Figur [des Septagramms] hinein. Umgeben von einer Linie sind die Kräfte alle verschlungen. Sie binden alles zusammen. Das ist auch von den Okkultisten aufgezeichnet in den Wochentagen. Verfolgen Sie diese Linie, so haben Sie die Namen der Wochentage in der Richtung der Linie gehend.
[ 32 ] Since ancient times, there have been occult symbols for this. A heptagonal symbol represents the benevolent spirit of the sun. The seven corners symbolically represent the seven planets. The pentagram is the symbol of humanity. The occultist draws the stars in the form of seven eyes within the figure [of the septagram]. Encircled by a line, all the forces are intertwined. They bind everything together. This is also represented by occultists in the days of the week. If you follow this line, you will find the names of the days of the week in the direction of the line.
[ 33 ] In alter Vergangenheit konnte die Zeit noch nicht äußerlich danach bemessen werden, wie die Sonne sich um die Erde dreht. Die alten Okkultisten dachten sich besondere Regenten für den Umlauf der Sonne, und sie dachten sich auch das Richtige. Das ganze System kreist, und so bestimmte man die Zeit entsprechend dem Umkreis durch die zwölf Zeichen des Tierkreises, Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage und so weiter. Nun wissen Sie, daß in der Entwickelung eines Weltsystems ein Umlauf ein Manvantara genannt wird, daß diesem jeweils ein Pralaya als Ruhezustand folgt und daß solche Zustände einander ablösen wie Tag und Nacht. Daher hat der Tag zwölf Stunden und die Nacht hat zwölf Stunden. Diese zwölf Stunden entsprechen den großen Zeiträumen des Weltentages, die von den alten Herrschern des Umlaufs des Tierkreises geregelt werden. Vierundzwanzig Herren des Umlaufs müßte ich aufzeichnen um dieses Zeichen herum. Wenn ich Ihnen das aufzeichnen würde, so hätten Sie hier das Septagramm. Sie hätten dann hier die sieben Augen, welche die sieben Sterne bedeuten, und die vierundzwanzig alten Herrscher, zwölf für den Tag und zwölf für die Nacht.
[ 33 ] In ancient times, time could not yet be measured externally by the sun’s rotation around the Earth. The ancient occultists conceived of specific rulers for the sun’s orbit, and they were correct in doing so. The entire system revolves, and thus time was determined according to the cycle through the twelve signs of the zodiac: Aries, Taurus, Gemini, Cancer, Leo, Virgo, Libra, and so on. Now you know that in the evolution of a world system, a cycle is called a Manvantara, that each is followed by a Pralaya as a state of rest, and that such states alternate like day and night. Therefore, the day has twelve hours and the night has twelve hours. These twelve hours correspond to the great periods of the world day, which are governed by the ancient rulers of the zodiacal cycle. I would have to draw twenty-four Lords of the Cycle around this symbol. If I were to draw that for you, you would have the septagram here. You would then have here the seven eyes, which signify the seven stars, and the twenty-four ancient rulers—twelve for the day and twelve for the night.
[ 34 ] Man nennt den guten Sonnengeist auch das Lamm. Wir sprachen schon vom Pentagramm als Symbol des Menschen. Der schwarze Magier verwendet das Pentagramm so, daß die zwei «Hörner» nach oben gehen und das eine, die Spitze, nach unten. Nach der Vollendung dieser Entwickelung haben die Guten dann sieben «Hörner» entwickelt. Das ist das Zeichen für den Christus-Geist.
[ 34 ] The benevolent sun spirit is also called the Lamb. We have already spoken of the pentagram as a symbol of the human being. The black magician uses the pentagram so that the two “horns” point upward and the one—the tip—points downward. Upon completion of this development, the good ones have then developed seven “horns.” This is the sign of the Christ Spirit.
[ 35 ] Lesen Sie die Stelle, wo Johannes das Buch mit den sieben Siegeln empfängt, mit dieser okkulten Erkenntnis. Lesen wir es, wie das geschildert wird im vierten Kapitel der Offenbarung. «Und also bald war ich im Geist. Und siehe, ein Stuhl war gesetzt im Himmel und auf dem Stuhl saß einer; und der da saß, war gleich anzusehen wie der Stein Jaspis und Sarder... Und um den Stuhl waren vierundzwanzig Stühle und auf den Stühlen saßen vierundzwanzig Älteste» — die ich Ihnen vorgeführt habe in den vierundzwanzig Stunden des Weltentages — Tag und Nacht. Und dann, was weiter zu finden ist im fünften Kapitel. «Und ich sah, und siehe, mitten zwischen dem Stuhl und den vier Tieren und zwischen den Ältesten stand ein Lamm, wie wenn es erwürgt wäre, und hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.» — Dieses okkulte Zeichen liegt zugrunde, wenn Johannes in der Apokalypse auf die Geheimnisse des Weltendaseins hinweist. Nur wer diese kennt, kann erahnen, ein wie tiefes Buch die Apokalypse ist und was es zu bedeuten hat, wenn der Widersacher des Lammes als das Tier mit den zwei Hörnern geschildert wird. Das Symbol des Sonnendämons wird so gezeichnet:
[ 35 ] Read the passage where John receives the book with the seven seals in light of this occult insight. Let us read it as it is described in the fourth chapter of Revelation. “And immediately I was in the Spirit. And behold, a throne was set in heaven, and on the throne sat One; and He who sat there was like jasper and sardius in appearance... And around the throne were twenty-four thrones, and on the thrones sat twenty-four elders”—whom I have presented to you during the twenty-four hours of World Day—day and night. And then, what follows in the fifth chapter: “And I looked, and behold, in the midst between the throne and the four living creatures and among the elders stood a Lamb, as though it had been slain, and it had seven horns and seven eyes, which are the seven spirits of God, sent out into all the earth.” — This occult symbol underlies John’s references to the mysteries of the world’s existence in the Apocalypse. Only those who know these mysteries can begin to grasp how profound a book the Apocalypse is and what it means when the adversary of the Lamb is depicted as the beast with two horns. The symbol of the sun demon is depicted as follows:


[ 36 ] Die Apokalypse ist ganz in okkulter Schrift geschrieben, die durch Worte ausgedrückt ist.
[ 36 ] The Apocalypse is written entirely in occult script, expressed through words.
[ 37 ] Ein Geheimnis verbirgt sich auch in der Zahl des Tieres 666, von der es zugleich heißt: Es ist eines Menschen Zahl. — Nach der aramäischen Geheimlehre ist diese Zahl so zu lesen: 400, 200, 6, 60. Diesen vier Zahlen entsprechen die hebräischen Buchstaben ת (Taw), ר (Resch), ו (Waw) und ס (Samech). Im Hebräischen liest man von rechts nach links:
[ 37 ] A secret is also hidden in the number of the beast, 666, of which it is also said: “It is the number of a man.” — According to Aramaic esoteric teachings, this number is to be read as follows: 400, 200, 6, 60. These four numbers correspond to the Hebrew letters ת (Tav), ר (Resh), ו (Vav), and ס (Samech). In Hebrew, one reads from right to left:


[ 38 ] Diese Buchstaben symbolisieren die vier Prinzipien, die den Menschen zur völligen Verhärtung führen, wenn es ihm nicht gelingt, sie umzuwandeln. Durch Samech wird das Prinzip des physischen Leibes ausgedrückt, durch Waw das des Ätherleibes, durch Resch das des Astralleibes, durch 'Taw das niedere Ich, das sich nicht zum höheren Ich erhoben hat. Das Ganze zusammengelesen, heißt Sorat. Dies ist der okkulte Name des Sonnendämons, des Widersachers des Lammes.
[ 38 ] These letters symbolize the four principles that lead a person to complete hardening if he fails to transform them. Samech expresses the principle of the physical body, Vav that of the etheric body, Resh that of the astral body, and Tav the lower self, which has not risen to the higher self. Read together, they form the word “Sorat.” This is the occult name of the solar demon, the adversary of the Lamb.
[ 39 ] Das ist das Geheimnis, aus dem die neuere Theologie gemacht hat: Es heißt Nero. Man kann wirklich keine größere Fabelei finden. Der, welcher die Sache von Nero erfunden hat, wird als einer der größten Geister der Theologie geschätzt. Dicke Werke sind darüber geschrieben worden. So wird mißverstanden, was in den symbolischen Zeichen liegt. Bücher wie die Apokalypse kann nur der verstehen, der die okkulte Schrift zu lesen vermag.
[ 39 ] This is the mystery that modern theology has concocted: it is called Nero. One truly cannot find a greater fabrication. The one who invented the story of Nero is regarded as one of the greatest minds in theology. Thick volumes have been written on the subject. This is how the meaning of symbolic signs is misunderstood. Books such as the Apocalypse can only be understood by those who are able to read occult writings.
[ 40 ] Daß die geisteswissenschaftliche Bewegung eine wichtige Mission hat, will Ihnen auch die prophetische Bedeutung solcher Wahrzeichen andeuten. Indem wir die sieben Siegel der Apokalypse zum Saalschmuck in München wählen, weisen wir auch äußerlich darauf hin, worauf unser Streben gerichtet ist. Das Geistige soll uns auch in der Außenwelt wieder entgegentreten.
[ 40 ] The prophetic significance of such symbols also suggests to you that the spiritual science movement has an important mission. By choosing the seven seals of the Apocalypse as decorations for the hall in Munich, we are also outwardly indicating what our aspirations are directed toward. The spiritual should also meet us again in the outer world.
